Anthologie: Fleisch 4

© Eldur Verlag 2016
ISBN: 978-3-937419-23-7
ca. 208 Seiten

COVER:

Warnung! Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können.
Sie halten das für einen sinnfreien Gag, heh? Nun, das taten schon viele.
Zum vierten Mal servieren Ihnen handverlesene Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod.
FLEISCH – die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien. Oft kopiert, nie erreicht.

REZENSION:

Nun befinden wir uns doch tatsächlich schon beim vierten Band einer Horror-Anthologie, die ihrem Namen durchweg gerecht wird. Ich weiß überhaupt nicht, wieviele Werke auf dem deutschen Buchmarkt die Genrezuordnung “Horror” auf dem Cover tragen, dem jedoch eher nicht gerecht werden. Sicher, in Fleisch kommt eher selten ein subtiler Horror ums Eck – hier wird geklotzt und nicht gekleckert.
Erneut befinden sich in diesem kleinen Büchlein 17 verschiedene Autoren mit 17 durchweg verschiedenen Geschichten und wer die Zukunft des deutschen Horrors kennenlernen möchte, kommt an den noch Independent-Autoren dieser Reihe einfach nicht vorbei. Somit kann man sich getrost mit der Fleisch-Reihe ein Bild dementsprechend machen.
Im Vergleich zum etwas anspruchsvolleren dritten Band, wird im vorliegenden die Daumenschraube wieder etwas stärker angedreht. Nichts desto trotz befinden sich auch hier erneut einige wahre Perlen, die recht boshaft wirken aber eben genau deswegen ihren eigenen Reiz entfalten.
Einige Geschichten bleiben einem in guter Erinnerung, einige geraten schneller in Vergessenheit – dies ist aber prinzipiell bei jeder Anthologie so. Aber selbst die etwas schneller in Vergessenheit geratenen Geschichten machen richtig Spaß beim Lesen.
Bei manchen Stories verneige ich mich vor dem Ideenreichtum der Autoren. Auf die jeweiligen Stories möchte ich gar nicht im Einzelnen eingehen, da man einfach das gesamte Werk genießen sollte. Ich kann aber sagen, dass ich bei einer Story immer ein klein wenig in Richtung meiner Katze geschielt habe – nur um auf eventuelle Unregelmäßigkeiten in ihrer Handlung aufmerksam zu werden. Nun, sie ist glücklicherweise weiterhin so wie sie immer war und ich hoffe sehr, das bleibt auch so…
Bei einer anderen Story fragte ich mich, was eigentlich schlimmer ist: Blutrünstiger Horror und ein durch die Geschichte in den Kopf gesetzter Ohrwurm, den man hasst, aber dummerweise erst wieder nach einiger Zeit los wird. So etwas macht einen schier “Atemlos”
Als einzigen Knackpunkt in dieser aktuellen Ausgabe stellte sich mir der hohe Sexfaktor da. Dieser ist prinzipiell kein Problem, dennoch ist es ab und an etwas störend, wenn mehrere Geschichten hintereinander dieses Thema verwenden. Das Problem taucht natürlich nur auf, wenn man sogleich die Zeit nutzt und mehrere Stories hintereinander liest. Vielleicht kann man da durch die Mischung im Buch etwas geschickter vorgehen – schwer zu sagen, ob das dann auch wirklich aufgeht.
Schlussendlich bleibt Fleisch auch weiterhin die momentan beste Reihe um dieses Genre ohne jegliche Vorschriften kennen zu lernen. Kurzum: der Spruch “Die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien” ist nicht zu viel versprochen.
Vielleicht schaffe ich eines Tages eine glorreiche Idee zu Papier zu bringen, denn ich würde wirklich sehr gerne auch in dieser Anthologie vertreten sein – was besseres kann einem aufstrebenden Autor ja wirklich nicht passieren. Chapeau!
Jürgen Seibold/28.01.2017
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Peter Lancester: Die eiserne Hand (Die Chroniken der Anderwelten 4)

Lancester_Hand© 1988: Peter Lancester
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag
ISBN 3-937419-09-X
ca. 500 Seiten

COVER:

Der vorliegende Band führt die Handlungsstränge der vorangegangenen zusammen.

Eva studiert Kunst in Köln, verarbeitet ihre Erlebnisse in einem Comic und hält sich mit Schwertübungen fit. Als sie einen unkonventionellen Engländer kennenlernt und sich Hals über Kopf verliebt, scheint sie für einen kurzen Moment ihren Platz in der Welt gefunden zu haben.

Doch Obersdorf, der Mona immer noch gefangen hält, streckt seine Hände nun auch nach Eva aus. Die Konsequenzen sind verheerend. Und je näher der Alte seinem Ziel kommt, desto seltsamer werden sowohl er als auch die Welt in seiner Umgebung.

REZENSION:

Sichtlich erfreut war ich, als ich in den sozialen Medien erfuhr, dass Peter Lancester den vierten Band seiner auf 5 Bände ausgerichteten Reihe über die Anderwelten weiter fort zu führen gedachte und schlussendlich nun auch herausbrachte.
Gleichzeitig fragte ich mich jedoch auch, ob die Geschichte noch funktionieren kann und ob ich selbst überhaupt noch in der Lage sein werde, erneut eintauchen zu können. Ein Blick in meine früheren Rezensionen zeigte mir jedenfalls, dass ich die ersten drei Bände in den Jahren 2005 und 2006 rezensierte und ich deshalb leider schon davon ausging, dass diese Reihe wohl nie mehr zu ihrem Ende finden wird.
Dementsprechend zwiespältig waren auch meine Gedanken während der ersten Seiten im vorliegenden vierten Band mit dem Titel „Die eiserne Hand“.
Nur grob konnte ich mich an Lancesters Protagonisten erinnern – und hätte mich jemand nach etwas detaillierteren Inhaltsangaben gefragt, ich hätte wohl passen müssen.
Wie sich aber erfreulicherweise herausstellten sollte, scheint sich während dem Lesen ein Tor in meinen Gedankenwelten geöffnet zu haben, denn mehr und mehr weitete sich der eigene gedankliche Horizont und schon stellte sich plötzlich keine Frage mehr nach vermeintlich vergessenen Begebenheiten.
Wie mit Zauberhand öffneten sich scheinbar einige Schubladen in meinem Kopf und ich wusste auf einmal wieder, welche Rollen in etwa Mona, Eva, Otto, Lesly und Silvana gespielt hatten. Dementsprechend war es auf einen Schlag wieder möglich, in dieses Buch ein zu tauchen. Was ich auch sehr gerne erneut tat.

Peter Lancester geht – wie auch in den ersten drei Bänden – sehr rasant vor. Sein eingängiger und unverblümter Schreibstil scheint unverändert und konnte mich erneut problemlos überzeugen. Manch einem könnte die teils derbe anmutende Sprache aufstoßen – ich persönlich gehe jedoch nach dem Prinzip, dass dies am ehrlichsten klingt, wenn eben die „Kacke“ am dampfen ist.
Wenn ich mich recht erinnere, dann spielte der dritte Band überwiegend im sagenhaften Unterhessen, dementsprechend nachvollziehbar ist es in diesem Buch, dass uns Peter Lancester hier nur partiell dorthin führt. Hierdurch fehlt der eisernen Hand zwar der bekannte und außerordentlich interessante Part in der Anderwelt – gleichzeitig ist es aber nachvollziehbar und wenn ich mir so das Ende durch den Kopf gehen lasse, werden wir dort als Leser noch ausreichend genug im nächsten, finalen Band erleben.
Alles in allem ist es absolut erfreulich, dass sich der Autor diesem Werk wieder angenommen hat und es nicht unvollendet in Vergessenheit geraten ließ.
Zehn Jahre sind natürlich eine verdammt lange Zeit und es wird mit Sicherheit manch einem schwer fallen, wieder in diese interessante Geschichte abzutauchen. Nichts desto trotz lohnt es sich abermals und weiterhin, den Personen und ganz besonders dem sagenhaften Unterhessen weiterhin die Stange zu halten und treu zu bleiben. Wollen wir dabei einfach mal hoffen, dass wir bis zum nächsten Band nicht erneut eine ganze Dekade lang warten müssen.
Für Kenner der ersten Bände erneut und ohne Einschränkungen durchweg zu empfehlen – wer diese nicht kennt, wird es aber mit diesem Buch als Einsteiger sehr schwer haben, da der Autor nicht explizit auf frühere Begebenheiten eingeht. Dies ist zum einen positiv, da für den Kenner nur störend, zum anderen könnte er aber dadurch einige Leser eventuell vergraulen oder nicht bekommen.
Diesen sei aber einfach der simple Hinweis gegeben: Fangt mit Band 1 an und genießt die Geschehnisse in diesem Fantasy-Thriller – ihr müsst dann auch keine so lange Wartezeit einplanen.
Jürgen Seibold/08.8.2016
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Peter Lancester: Unterm Doppelmond – Die Chroniken der Anderwelten 2

c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen.
ca. 370 Seiten

COVER:

Zum Buch:
“Unterm Doppelmond” setzt die Geschichte fort, wo “Das blaue Portal” endete: Eva, Otto, Friedrich und Ander sind auf dem Weg nach Unterhessen; mit dem Ziel, die Welt jenseits der unterirdischen Stadt zu erforschen.

Bereits auf dem Weg gibt es einen Zwischenfall, doch die wirklichen Probleme beginnen bei ihrer Ankunft: Friedrich wird festgesetzt, Ander verschwindet. Otto und Eva sind gefangen in einer fremden Welt, die sie nicht verstehen, und die darauf auch keinerlei Rücksicht nimmt. Während Otto Pläne für eine Flucht zu zweit schmiedet, will Eva unter allen Umständen Friedrich befreien und die Expedition fortsetzen.

Als keiner mehr damit rechnet, taucht Ander wieder auf und überredet Eva, in die Garde einzutreten. Doch die militärische Grundausbildung ist die Hölle. Überhaupt scheint Ander ein falsches Spiel zu spielen, und schon bald gerät alles außer Kontrolle.

Am Ende bleibt nur die kopflose Flucht – in die Anderwelt.

Zum Autor:
Peter Lancester stammt aus einem namenlosen Dorf in Osteuropa, welches inzwischen aufgrund seiner Verdienste in der Schädlingsbekämpfung nach ihm benannt wurde.
1980 wanderte er nach Frankreich aus und gründete ein Büro zur Vermittlung arbeitsloser Werwölfe.
Sein erster Roman wurde nie veröffentlicht, da sein Agent verstarb, bevor er den Namen des Verlages nennen konnte, an den er das Manuskript vermittelt hatte.
Peter Lancester lebt heute in Bonn und versorgt die medizinische Universität mit Frischfleisch.
Gerüchten zufolge hat Lancester zweieinhalb Kinder.

REZENSION:

Mit “Unterm Doppelmond” erreichte mich der zweite Band der perfekt eröffneten, fünfbändigen Reihe “Die Chroniken der Anderwelten”.
Durch den gelungenen Start “Das blaue Portal”, war ich sichtlich froh, mit Eva, Otto und Friedrich nun in die Anderwelten hinab zu steigen.
Dort angekommen stellt sich ziemlich schnell heraus, daß sich “Unterhessen” wohl doch ein wenig anders darstellt, als sie von ihrem Begleiter Ander erfahren haben:
Es herrscht eine starke, rassistisch anmutende Zweiklassengesellschaft zwischen den Menschen und den zu niederen Tätigkeiten verurteilten und ausgebeuteten Pferden.
Ziemlich schnell zeigt sich auch ein sehr kurioses Rechtssystem, das nicht nur Friedrich zum Verhängnis wird, sondern auch noch für mehrere Verwicklungen und Probleme der übrigen Beteiligten verantwortlich ist.
“Unterm Doppelmond” wird in erster Linie aus der Sicht Evas erzählt, die sich in diesem Band immer mehr vom jungen, pubertierenden, unbedarften “Dummchen” zur toughen, ideenreichen Frau, wenn nicht sogar zur “Kämpferin” entwickelt.
Hinzu kommt die unerwartete aber notwendige Rückkehr Leslys (das Pferd aus Band 1 – sollte es jemand noch nicht wissen…), der für die gut dargestellte Auflehnung der Pferde sorgt.
Allzu viel möchte ich hier nicht vom Inhalt ausbreiten, da ich – wie auch beim ersten Band – die Fortsetzung als eingängig, glaubwürdig und spannend erzählte Geschichte halte und somit erneut nur jedem Liebhaber der etwas düstereren Fantasy uneingeschränkt empfehlen kann.
Ich glaube hier entwickelt sich so nach und nach ein Dark-Fantasy-Zyklus der noch lange nach seines gleichem suchen muss.
Jürgen Seibold/02.10.05

Peter Lancester: Das blaue Portal – Die Chroniken der Anderwelten 1

c 1988 Peter Lancester
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen

COVER:

Zum Buch:
Eine Burg in Hessen zu Beginn der 80er Jahre. Sitz einer verschrobenen Adelsfamilie, deren jüngster Sproß die fünfzehnjährige Eva ist. Mit dem Auftauchen merkwürdiger Wesen im Keller hält der Wahnsinn im Gemäuer Einzug. Eine scheinbar unendlich in die Tiefe reichende Treppe führt zurück ins Mittelalter – und noch weiter, tief in das Herz uralter Sagen, Mythen und Legenden.

“Das blaue Portal” ist der Auftakt eines abgeschlossenen, fünfteiligen Epos um eine Parallelwelt, die mit der unseren eng verbunden ist. Die geheimen Zugänge sind in der ganzen Welt verstreut, doch nur wer die Bücher ihrer Erbauer besitzt, kann sie finden.

Abenteuergeschichte, Fantasy und historischer Roman verschmelzen hier zu einem farbig-düsteren Universum, das Sie nicht mehr loslassen wird: Wenn Sie einmal in die Abgründe der Anderwelten eingetaucht sind, werden Sie dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen können.

Zum Autor:
Peter Lancester wurde 1960 in London geboren, verbrachte seine Kindheit jedoch in Hüllendorf, wo seine Mutter für den britischen Geheimdienst tätig war.

Nach einigen glücklosen Versuchen als Rechtsmediziner, Neurochirurg, Computerspieleprogrammierer und Sektengründer, beschloß er, sich der Schriftstellerei zu widmen.

Er lebt heute zurückgezogen im Untergeschoß einer schottischen Burgruine und züchtet Dämonen.

Gerüchten zufolge hat Lancester zweieinhalb Kinder.

REZENSION:

“Das blaue Portal” ist der erste Band einer fünfteiligen Reihe, in der es wieder einmal um eine Parallelwelt geht. Dieses “wieder einmal” war mein erster Eindruck und das für mich leicht comichafte Cover hat dies nur bestätigt. Lediglich die Coverbeschreibung fand ich ganz interessant und somit habe ich gemütlich mit der Lektüre begonnen…
Los gehts mit einem Alkoholiker, der plötzlich im Keller – auf der Jagd nach der nächsten Flasche – Pferde zu sehen meint. Wie sich herausstellt sind tatsächlich Pferde im Haus unterwegs.
Okay, dachte ich mir – scheint wohl etwas abgedreht wenn nicht sogar regelrechter Quatsch zu sein. Wie ich aber bei Büchern so bin: Ich lese munter weiter.
Und genau das sollte man tun.
Plötzlich findet man sich in einer Geschichte, die sich nicht nur gut lesen lässt, sondern auch trotz der kleinen sprechenden (!) Pferde absolut zu überzeugen weiß und den Leser in einen regelrechten Bann zieht.
Der Autor zeigt sehr geschickt die Probleme seiner Protagonisten, ihre teils leichtsinnigen aber auch mutigen Exkursionen in die Tiefen der im Keller gefundenen Treppe, die über mehrere tausend Stufen in das sagenhafte “Unterhessen” führt; baut aber auch gleichzeitig eine im Mittelalter begonnene Side-Story auf, die den Leser immer mehr in die Hintergründe der Entstehung von “Unterhessen” – und auch den Pferden – führt.
Seine Darstellung ist einschließlich der Fantasyelemente absolut glaubhaft und baut beim Leser mit Leichtigkeit eine Sucht zur weiteren Lektüre auf. Durch die erfreulicherweise manchmal recht düster gehaltene Stimmung erschuf er ein Dark-Fantasy-Werk, das schon als Einstieg alleine zu überzeugen weiß. Ich hoffe nur, die weiteren Bände stehen dem nicht nach. Sind sie nur halb so gut, gibt es einen neuen Lichtblick am Fantasy-Markt.
Somit für mich ein absolut zu empfehlendens Buch!
Jürgen Seibold/25.04.2005

Peter Lancester: Dämonentränen – Die Chroniken der Anderwelten 3

vollständige Taschenbuchausgabe 2005
c 1990: Peter Lancester
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 385 Seiten / 9,95 €

COVER:

“Dämonentränen” schlägt ein neues Kapitel der Anderwelten-Chroniken auf. Es ist die Geschichte von Mona, die versucht, in unserer Welt ein normales Leben zu führen. Dazu gehört auch die Verdrängung ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Doch eben diese holt sie ein, als eine namenlose Organisation sie entführt, um eine bestimmte Information aus ihr herauszupressen: Die Lage eines der Portale, die in die Anderwelt führen.

Dazu müssen zunächst Monas verschüttete Erinnerungen reaktiviert werden. Allerdings geht dies nicht ohne Nebenwirkungen vonstatten. Schon bald zahlen die Entführer einen hohen Preis.

Das dritte Buch der fünfteiligen Reihe ist ein Buch der Extreme. Düster, blutig und erotisch weckt es Mitleid und Sympathien für ein Wesen, das eigentlich weder das eine noch das andere verdient. Sollte man meinen.

Zum Autor:
Peter Lancester schreibt vorwiegend Horrorgeschichten, doch es ist schwer, für diese einen Verleger zu finden, denn jeder, der sie liest, erkrankt alsbald an einem grünlichen Hautausschlag und stirbt nach einer Woche.

REZENSION:

Wie bitte? – Die Chronik der Anderwelten geht in die dritte Runde und es gibt keine Eva, keinen Friedrich oder Otto?
Sämtliche ins Herz geschlossene Protagonisten der ersten beiden Bände sollen nun im vorliegenden Buch keine Rolle spielen? Wo ich mich im ersten Band noch über die neunmalkluge und ein wenig übertrieben “jugendlich und pubertierend” gezeichnete Eva geärgert, im zweiten Buch aber glaubhafter und nun langsam erwachsen werdend dargestellt und somit von mir fieberhaft begleitet worden ist?
Naja – wende ich mich halt trotz sämtlicher Vorbehalte und Bedenken diesem Buch zu und laß mich einfach mal überraschen:
Der Autor breitet vor dem Leser die Geschichte von Mona aus und bewegt sich dabei in einem zeitlichen Wechselspiel, betritt aber so gut wie nie die Anderwelten, sondern hält sich überwiegend “bei uns” auf.
Man springt in seinem Buch zwischen zwei (etwa 30 Jahre auseinander liegenden) unterschiedlichen Zeiten und man hat dabei positiver weise das Gefühl, dass Peter Lancester die jeweils spannendsten Erlebnisse aus diesen beiden unterschiedlichen “Epochen” hervorholt um den Leser in virtuoser Art an das Buch zu fesseln.
Er vermeidet dabei anfangs auch sehr geschickt die zu frühe Offenbarung, um was es sich bei Mona handelt und man wäre dadurch erstmal sehr verwirrt und danach auch sehr überrascht, würde man nicht schon aufgrund des Buchcovers die richtigen Schlüsse ziehen.
Ich denke, ohne diesem Wissen würde das Buch noch mehr wirken – aber ich kann natürlich auch das sehr gute Cover verstehen, da nunmal Coverbilder ebenfalls zum Kauf verleiten. Eine “Geheimhaltung” der wahren Mona würde aber nichts desto trotz die Geschichte noch intensiver machen.
Somit kann man hier verraten, dass es sich bei Mona eigentlich um einen Flugteufel handelt, der aus nachzulesenden Gründen sozusagen bei uns “gestrandet” ist und mit Sicherheit keinerlei Mitgefühl des Lesers verdient hätte, nun aber in unserer Welt mehr und mehr menschliche Erfahrungen sammelt und den Leser dadurch erobert.
Es geht sogar weiter: Man ist versucht, die anderen beteiligten Menschen zu verfluchen, da diese Mona aus egoistischen Gründen festhalten und in übelster Weise behandeln bzw. misshandeln. Nebenbei schafft es Lancester in seiner Geschichte sogar, eine sehr glaubhafte Liebesgeschichte mit einzubauen, die die menschlichen Züge Monas noch mehr hervorholen.
Peter Lancester dreht somit im vorliegenden Werk die Leserbeziehung Mensch – Monster gänzlich um und erzählt uns eine Lebensgeschichte mit einer neuartigen Intensität und ungeahnten Dramaturgie, die nicht nur thematisch sondern auch schriftstellerisch ein neues Kapitel dieser Chroniken aufschlägt.
Dämonentränen ist somit für mich der absolute Höhepunkt des bisher veröffentlichten Teils des Anderwelten-Epos und lässt sich sicherlich nur noch schwer toppen!
Jürgen Seibold/24.06.2006