Lubbadeh, Jens: Neanderthal

© 2017 by Jens Lubbadeh
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31825-0
Ca. 526 Seiten

COVER:

Deutschland, Mitte des 21. Jahrhunderts. Kommissar Philipp Nix wird zu einem Tatort gerufen, der ihm einige Rätsel aufgibt. Das Gesicht der Leiche sieht seltsam unförmig aus, und auch der Körperbau des Toten wirkt eigenartig. Seit die Menschen bereits vor der Geburt genetisch optimiert werden, gibt es eigentlich keine Krankheiten oder gar Beheinderungen mehr. Der einzige Hinweis ist ein Link im Smartphone des Toten, der Nix in ein Tal in der Nähe von Düsseldorf führt – direkt zu einem Massengrab voller Knochen. Schon bald ist klar: Das sind keine normalen menschlichen Knochen. Als Nix den gehörlosen Anthropologen Max Stiller und dessen Kollegin Sarah Weiss dazuholt, stellen beide sofort zwei scheinbar unmögliche Tatsachen fest. Erstens muss es sich um Neandertaler-Knochen handeln Und zweitens sind diese Knochen nicht, wie zu erwarten wäre, fünfzigtausend Jahre alt, sondern nur dreißig. Wurden hier etwa Neandertaler geklont und dann getötet? Aber wozu? Plötzlich wendet sich das Blatt, und Kommissar Nix, Stiller und Weiss geraten selbst in Gefahr. Offenbar sind sie einem großangelegten Skandal auf der Spur, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Dort will man die Aufdeckung des geheimen „Projekts Neanderthal“ um jeden Preis verhindern. Aber so leicht lassen sich Nix, Stiller und Weiss nicht abschütteln. Eine gefährliche Jagd auf Leben und Tod nach dem mysteriösen Erbe der Neandertaler beginnt …

REZENSION:

Jens Lubbadeh entführt uns in seinem aktuellen Wissenschaftsthriller „Neanderthal“ in ein Deutschland der nahen Zukunft. Die Genetik hat scheinbar die letzten Hürden übersprungen und es ist ein Einfaches, sich sein Wunschkind zusammen zu stellen, bevor es final ausgetragen wird. Krankheiten spielen keine große Rolle mehr, Suchtprobleme ebenfalls abgeschafft. Das hohe Ideal herrscht vor, die Menschheit lässt sich darauf ein und treibt oberflächlich vor sich hin.
Wie so oft hat jede Errungenschaft auch seine Schattenseiten – obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich eine großartige Lust auf dieses perfekte Leben hätte. Aber darum geht es jetzt ja nicht. Die Menschen fühlen sich wohl und das ist scheinbar Hauptsache. Wie in nahezu jeder Errungenschaft – egal ob wissenschaftlich oder jegliche andere Ware – geht es auch hier um den schnöden Mammon. Irgendwo sitzen machtvolle Hintermänner, die entweder mehr Geld verdienen oder die schlichtweg ihre Macht weiter ausbauen möchten.
Auch im vorliegenden Buch geht es um diese Themen. Jens Lubbadeh erfindet definitif das Genre nicht neu – interessant ist seine Geschichte dennoch.
Ich glaube, ich habe mit diesem Buch zum allerersten Mal in meinem gesamten Leseleben einen gehörlosen Protagonisten in einer der Hauptrollen. Jens Lubbadeh hat dies wirklich sehr geschickt umgesetzt und nach und nach nimmt man Max nicht mehr als gehörlosen Menschen war. Erstaunlich gut erzählt.
Die Mischung aus wissenschaftlich angehauchtem Thriller mit einem klassischen Kriminalfall lässt die Story angenehm vor sich hertreiben. Als Leser fühlt man sich wie in einem recht guten Kinofilm unterhalten. Genau so funktioniert die Geschichte auch. Sie wirkt spannend und ist fundiert sowie detailliert ausgearbeitet dargelegt. Ich hatte meine Freude und fühlte mich auf interessante Art und Weise ausreichend gut unterhalten. Bei manchen Romanen reicht dies auch. Sicher, eine gewisse Botschaft ist vorhanden und sollte auch vorhanden sein. Dennoch muss nicht jedes Werk hochtrabend sein, sondern einfach den Leser bei der Hand nehmen und ihn etwas vom alltäglichen Geschehen abrücken lassen. Dies gelingt diesem Thriller und mehr hatte ich auch nicht erwartet.
Jürgen Seibold/08.07.2018

Neanderthal: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und der Verhangene Rat von London

©acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-525-7
ca. 400 Seiten

COVER:

„Mr. Steel, hören Sie mir jetzt gut zu. Das Wesen, das Sie angegriffen hat, war eine Banshee.“

Detective Grayson Steel bearbeitet im modernen London die unbequemen Fälle des Scotland Yard. Als der den rätselhaften Tod einer jungen Frau untersucht, stößt er auf Geheimnisse, die normalen Menschen verborgen bleiben.

Er wird in eine Gesellschaft hineingezogen, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert; die Nebula Convicto ist durchsetzt von geheimen Räten, magischen Attentaten und Wesen, die eigentlich nur in Fabeln und Mythen existieren sollten. In der magischen Gemeinschaft soll Steel die Rolle eines Sonderermittlers übernehmen und binnen kürzester Zeit ein entführtes Mädchen finden. Rettet er das Kind nicht, bevor ein neuer Anführer der Nebula Convicto gewählt wird, droht die gesamte Welt in einem zweiten Mittelalter zu versinken.

Nur mittels seiner Fähigkeiten als Ermittler und seiner neu entdeckten Kraft, Magie widerstehen zu können, kann sich Steel im Londoner Untergrund zwischen Ghulen, Vampiren und anderen magischen Wesen zurechtfinden.

REZENSION:

Als ich das Cover von diesem Buch zum ersten Mal betrachtete, entwickelte sich bei mir der Gedanke, dass es sich wohl um ein eher für Jugendliche geschriebenes Buch handelt.
Interessanterweise klang aber die Coverbeschreibung interessant und ich war hin- und hergerissen.
Das Buch fand aber dennoch seinen Weg in meine Gefilde und eines Tages nahm ich es somit mit dem Inhalt auf.
Es dauerte nur wenige Seiten und es war um mich geschehen. Nebula Convicto trägt zwar ein jugendlich wirkendes Cover und irgendwie auch einen langatmigen, komisch klingenden Titel – nichts desto trotz ist der Inhalt unglaublich gut durchdacht und hochwertig geschrieben. Hinzu kommt eine außerordentlich interessante Geschichte, wie sie mir schon seit langem nicht mehr untergekommen ist. Die Idee, einen Krimi im heutigen London unter Verwendung von nahezu sämtlichen mystischen Wesen hat ihren Reiz. Dennoch kann genau dieser Umstand auch dazu führen, dass sich der Autor verzettelt oder ins Absurde abtaucht. Im Gegensatz dazu jedoch Torsten Weitze! Er schafft es virtuos, eine sagenhafte Geschichte mit einem mehr oder weniger kuriosen Ermittler zu kreieren, die neben ihrer hohen Qualität auch noch mit einigen Twists aufwarten kann.
Von Seite zu Seite machte mir das Lesen immer mehr Freude und ich war sehr angetan von der Ideenvielfalt Torsten Weitzes. Die Geschichte selbst entwickelte sich teilweise kurios, aber immer sehr unterhaltsam und ausreichend spannend. Der gesamte Plot geht zwar zielstrebig zu einem bestimmten Ende – der Leser wird davon aber über lange Strecken im Dunkeln gehalten.
„Grayson Steel und der Verhangene Rat von London“ ist ein Krimi – ich selbst kein großer Krimifan – aber in dieser Zusammenstellung unter Verwendung dieser Verknüpfung von verschiedenen Genres konnte Weitze absolut für Begeisterung sorgen. Sollte er noch weitere Ideen für diesen nun bekannten Ermittler haben: Nur her damit!
Grayson Steel könnte eine wundervolle Krimiserie der besonderen Art darstellen und ich würde mich wirklich freuen, wenn der Autor noch einiges in Petto hat.
Davon abgesehen schreibt Weitze sehr eingängig und scheint keine Probleme zu haben, seinen Leser an der Hand zu führen. Dieser Umstand allein sorgt schon dafür, dass man sich diesen Namen merken sollte und er hoffentlich noch für viele Veröffentlichungen sorgen kann.
Jürgen Seibold/17.05.2018

Nebula Convicto. Grayson Steel und der Verhangene Rat von London. (Fantasy): Fantasyroman – KAUFEN BEI AMAZON

Vieten, Michael E.: Christine Bernard – Die Legende vom bösen Wolf

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-566-0
ca. 291 Seiten

COVER:

Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen.

Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos?

Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf?

Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nache dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.

REZENSION:

Als ich im Jahre 2013 einen Kurzgeschichtenband eines mir bis dato unbekannten Autors mit dem Titel „Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt“ positiv rezensiert hatte, behielt ich den Namen des Autors locker im Gedächtnis. Kurzgeschichten sind ein Genre für sich und viele Roman-Autoren scheuen sich, dieses „Genre“ zu bedienen. Ist es doch extrem schwierig, auf begrenztem Raum einen durchweg überzeugenden Plot zu kreieren.
Vieten ist es damals gelungen und somit wollte ich den Namen des Autors nicht gänzlich vergessen.
Ein Jahr später kam Vieten mit einem Kriminalroman ums Eck – es handelte sich dabei um „Der fall Siebenschön“, in dem die Kommissarin Christine Bernard die Ermittlungen aufnimmt.
Kriminalromane sind nicht wirklich mein Steckenpferd – durch den oben kurz angerissenen Kurzgeschichtenband widmete ich mich dennoch diesem Fall und war erneut sehr angetan.
Michael E. Vieten entwickelte mit Christine Bernard eine Krimireihe, die sicherlich interessant ist. Aber es sind nun mal Kriminalromane und hierdurch widmete ich mich mit meiner begrenzten Zeit eher meinen normalen Lieblingsgenres.
Letztes Jahr erreichte mich „Handbuch zur Rettung der Welt“, ich las, rezensierte und war schon wieder ausreichend überzeugt, um nun dann doch dem Wunsch des Autors nach zu kommen, ein Auge auf den neuesten Fall Christine Bernards zu werfen.
Ich überlegte kurz, ob ich mich einem Krimi widmen sollte – ich glaube, die Wölfe überzeugten mich dann, da dieses Thema ausreichend interessant klang.
Erfreulicherweise war es dabei absolut kein Problem, die bisher erschienen Fälle über diese Kommissarin nicht zu kennen. Im Gegenteil, man findet sich sofort zurecht und kann sich uneingeschränkt diesem sehr gut erzählten Plot widmen.
Als sehr positiv erachte ich die Verknüpfung aktueller Themen mit einem Mordfall. In diesem Werk sind es die Wölfe inklusive einer Vielzahl an Pro- und Contra – ebenso, wie es gerade durch die Medien wabert.
Nachdem ich persönlich eher auf der Seite der Wölfe stehe, sind meine Fronten in diesem Buch sogleich geklärt.
Im Laufe des Kriminalfalls lernt man sehr viel über diese Tierart – ab und an wirkt das ein wenig aufgesetzt, nichts desto trotz hat dieser Umstand das Buch für mich interessant gemacht. Ähnlich wie in seinem „Handbuch zur Rettung der Welt“ versucht Vieten uns auf Missstände aufmerksam zu machen und dabei dennoch seinen Leser gut zu unterhalten.
Erneut ist es ihm gelungen und ich bin fast ein bisschen traurig darüber, nicht alle Bernard-Fälle gelesen zu haben.
Alles in allem ein gelungener, sehr eingängig erzählter Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin, einem brisanten Thema und einem rundum interessanten Plot. Liebhaber des Genres sollten definitiv ein Auge auf diesen Autoren werfen.
Jürgen Seibold/27.04.2018

Christine Bernard. Die Legende vom bösen Wolf: Krimi – KAUFEN BEI AMAZON

Falk, Rita: Kaiserschmarrndrama

©2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26192-0
ca. 300 Seiten

COVER:

Und ob man das jetzt glaubt oder nicht, das Opfer liegt exakt auf meiner Runde, die wo ich mit dem Ludwig täglich durch den Wald lauf und immer unsere Zeit mitstoppe …

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen „Mona“ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor höchst pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen rasch auch ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Und auch den Bruder der Toten, einen evangelischen Pfarrer mit seiner frommen Gattin, sollte der Franz sich besser mal vorknöpfen. – Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst im selben Tempo wie Franz‘ Unlust auf das traute Familienglück. Der Rudi wird aus der Reha geworfen und quartiert sich im Saustall ein. Und zu allem Unglück droht dem Saustall die Abrissbirne!
Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder? Zumindest ein Fall für die Soko Niederkaltenkirchen. Angeführt ausgerechnet von Franz‘ Lieblingsfeindin Thin Lizzy …

REZENSION:

Wer hätte sich damals zu Beginn dieser Reihe jemals denken können, dass die Geschichten um Franz Eberhofer einen so großen Hype auslösen werden?
Mittlerweile gibt es Filme dazu – die ich ehrlich gesagt nur zum Teil kenne – und zusätzlich noch Bücher zum Kochen oder einfach mit Alltagstipps der Oma.
Inhaltlich sind die Bücher sehr einfach gestrickt und triefen förmlich vor bayrischen Klischees. Aber: Exakt das macht es in dieser Reihe einfach aus und mittlerweile kann ich es schlichtweg nicht mehr abwarten, bis der jeweils nächste Band erscheint.
Nun liegt also bereits der neunte Fall aus Niederkaltenkirchen vor und erneut stellte sich mir die Frage vor dem Öffnen des Buches, ob Rita Falk noch ausreichend Ideenreichtum und interessante Kuriositäten aus besagtem Ort mit den ans Herz gewachsenen Personen vorweisen kann.
Und ja: Sie kann es auch im neunten Fall und abermals macht man es sich mit diesem Buch gemütlich und kann die Augen nicht mehr von den Seiten lassen.
Den einzigen Vorwurf den ich ihr leider machen muss: In diesem Buch gab es eine sehr traurige Begebenheit, über die ich jetzt nichts verraten möchte. Ein Vorwurf deshalb, weil es Rita Falk doch tatsächlich geschafft hat, mir als gestandenes Mannsbild die Tränen in die Augen zu bringen. Das musste doch nicht sein, oder? Obwohl, nach so langer Zeit ist das auch wieder nachvollziehbar – aber wie gesagt, gehe ich nicht näher darauf ein.
Kaiserschmarrndrama ist jedenfalls wieder einmal ein weiteres einwandfreies Häppchen und viel zu schnell war das Ende dieses Buches erreicht.
Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass Band 10 nicht zu lange auf sich warten lässt (diese Bücher machen einen echt süchtig) und die Autorin noch genug Einfallsreichtum besitzt, um Niederkaltenkirchen nicht langweilig werden zu lassen.
Kurzum: Erneut eine Empfehlung der witzigen Art und weiterhin die einzige Krimireihe, die ich seit Band 1 lese und nahezu abgöttisch liebe.
Danke jedenfalls für die netten, unterhaltsamen Stunden.
Jürgen Seibold/06.03.2018

Kaiserschmarrndrama: Ein Provinzkrimi (Franz Eberhofer) – KAUFEN BEI AMAZON

HYS090 – Im Gespräch mit Krimimimi

Im Rahmen der Veröffentlichung von Stefán Mánis neuestem Buch „Der Stier und das Mädchen“ ergab sich für mich die Gelegenheit, einige Worte mit der Radio-Moderatorin Krimimimi zu wechseln.
Es ergab sich ein sehr interessantes Gespräch und man merkt relativ schnell, dass sich mit ihr ein leidenschaftlicher Profi in der Leitung befand.
Gegen Ende gab es einige kleine technische Problemchen, dennoch lohnt es sich definitiv, diese Folge zu genießen.
Wenn jemand eine sinnvolle und einfache Alternative zu Skype kennt, würde ich mich sehr über eine diesbezügliche Info freuen.

Ich bedanke mich noch einmal sehr herzlich bei allen Beteiligten und natürlich im Besonderen Krimimimi für dieses tolle Gespräch.

 

GEWINNSPIEL:

Das besprochene Buch gibt es insgesamt 5x zu gewinnen.
Um die Chance zu einem Exemplar zu haben, müsst Ihr entweder den gleichlautenden Post auf Facebook auf der Seite “Hysterika” liken und kommentieren oder einfach eine Mail an podcast@hysterika.de schicken (Subject: “GEWINNSPIEL STEFAN MANI”.

Das Buch gibt es im Wunschformat – also als mobi-File oder Print. Wie der Thriller so ist, hört Ihr unter anderem in der Podcastfolge.

Teilnahme ab 18 oder mit Einverständnis eines Erziehungsberechtigten, der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden. Das Gewinnspiel hat nichts mit Facebook zu tun oder sonst etwas zu tun.
Wie gesagt: Wer möchte, kann gerne per Mail an podcast@hysterika.de teilnehmen.
Personen, die jeweils 1 Buch gewonnen haben, werden per PN (Teilnahme über Facebook) benachrichtigt und nach Ihrem Wunsch und Adresse gefragt. Teilnehmer per Mail bitte ich gleich um Mitteilung des Formats und Adresse.
Wenn sich jemand nicht melden sollte, geht der Gewinn an den nächsten weiter.
Das Gewinnspiel beginnt mit diesem Post und endet am 20.12.2017, 23:59.

Timo Leibig: Fang den Tod

© Timo Leibig
www.timoleibig.de
ISBN 978-3-9817076-7-0
ca. 269 Seiten

COVER:

Fünf Tage. Fünf Tote.
Wer kann den Tod stoppen?

Eine Männerleiche wird entdeckt – das Herz durchbohrt, die Innereien entnommen und offenbar verspeist. Schnell findenWalter Brandner, Cahide Pfeiffer und Gregor Schanzer den vermeintlichen Kannibalen. Doch dann taucht eine zweite Leiche auf, und drei weitere werden angekündigt. Für Walter, sein Team und Privatdetektivin Goldmann beginnt ein perfides Spiel, dessen Regeln nur der Täter kennt.

Fang den Tod ist der fünfte Fall der Thrillerserie um das Ermittlerteam Goldmann und Brandner.

REZENSION:

Timo Leibig reiht sich in eine sehr geringe Anzahl an Autoren ein, deren Werke ich von Anfang an al Leser begleite. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Rezension zu seinem ersten Buch erinnern. Bereits damals hielt ich die darin enthaltene Story für außerordentlich erwähnenswert und hoffte, dass der Autor damit nicht einfach nur eine weitere Eintagsfliege im Kosmos der “Kleinautoren” darstellt, sondern noch das ein oder andere nachkommt.
Erfreulicherweise sollte genau dies geschehen und wir blicken nun auf bereits 8 Bücher zurück, die sich gegenseitig nahezu in nichts nachstehen. Als achtes Buch nun erneut ein Fall, in dem das mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsene Ermittlerduo Goldmann und Brandner seine Jagd nach einem oder mehreren Mördern aufnimmt.
Abermals schafft es Leibig geschickt, eine Brücke zwischen Krimi- und Thrillerlesern zu schaffen. Sicherlich für manchen Krimileser ein wenig harter Tobak, dennoch immer noch gerade so, dass damit keiner wirklich ein Problem haben sollte. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Timo Leibig dadurch seine Fangemeinde weiterhin stetig ansteigend vorfinden wird.
Die grundsätzliche Idee in “Fang den Tod” ist sehr interessant – aufgrund der Gefahr, relativ schnell zu spoilern, vermeide ich aber hier näher darauf ein zu gehen.
Der Schreibstil Leibigs ist sehr eingängig und die Geschichte rasant erzählt. Seine Personen sind ausreichend tief gezeichnet und bekommen beim Kennen aller Werke immer mehr Kontur. Nichts detso trotz würde “Fang den Tod” auch bei Neueinsteigern funktionieren, da Leibig dezent Informationen aus vorangegangenen Werken einbaut. Das komplette Gefühlswesen und die dazugehörigen Eigenheiten lernt man natürlich nur nach der kompletten Lektüre aller Fälle kennen.
Kurz hatte ich die Sorge, dass Leonore Goldmann auf das Abstellgleis geschoben wird. Glücklicherweise ist das nicht der Fall – im Gegenteil: Durch die Hinzufügung weiterer Ermittler und Nutzung Leonores als Detektivin bekommt das gesamte “Netzwerk” der Gruppe erheblich mehr Möglichkeiten.
“Fang den Tod” ist unwahrscheinlich schnell gelesen, was ja grundsätzlich bereits für das Buch spricht. Ich hätte mir trotzdem noch weitere Seiten gewünscht. Zum einen, weil mir die Story einfach gut gefallen hat und zum anderen, da der Autor dann vielleicht noch erheblich mehr ausholen hätte können.
Weiterhin sind zwei andere Fälle aus dieser Reihe immer noch meine Favoriten – aber das zusammen ist lediglich Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum: Erneut ein sehr interessanter und empfehlenswerter Fall und ich freue mich schon enorm auf weitere Erlebnisse im Kosmos dieser Truppe um Goldmann und Brandner.
Jürgen Seibold/24.11.2017

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Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017

 

A. K. Benedict: Die Seelen von London

Originaltitel: Jonathan Dark or the Evidence of Ghosts
Aus dem Englischen von Alice Jakubeit
Deutsche Erstausgabe Juni 2017
©2016 by A.K. Benedict
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52055-0
ca. 396 Seiten

COVER:

Die blinde Maria ist Schatzsucherin, sie durchkämmt den Schlamm des Londoner Themseufers nach verborgenen Kostbarkeiten. Eines Tages macht sie einen unheimlichen Fund, garniert mit einer Zeile in Braille-Schrift: “Willst du mich heiraten, Maria?”
Detective Inspector Jonathan Dark ist höchst beunruhigt – er sucht unter Hochdruck nach einem Stalker, der sein letztes Opfer mit ähnlichen Botschaften beglückte, bevor er die junge Frau tötete.
Die Suche nach dem Psychopathen scheint aussichtslos – da wächst dem Kommissar Hilfe aus unerwarteter Quelle zu: Das Bestattungsinstitut in Jonathan Darks Nachbarschaft ist ein Ort, an dem sich Seltsames abspielt. Bestatter Frank scheint mit seinen verstorbenen Kunden in bestem Einvernehmen, hilft ihnen, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden und auf die Lebenden einzuwirken.
Und auf einmal taucht das junge Mordopfer auf – voll schwarzer Rachegedanken …

REZENSION:

“Die Seelen von London” strotzt förmlich voll interessanter Protagonisten. Man fühlt sich relativ schnell angetan von der wunderschönen Idee, einen beinahe normalen Stalker-Krimi mit den in unserer Welt befindlichen Geistern zu verknüpfen.
Die junge Maria wirkt unglaublich dominant trotz ihrer Behinderung. Der Ermittler wartet mit einer Vielzahl persönlicher Probleme auf und steht sich damit ab und an selbst im Weg. Der Bestatter wirkt außerordentlich wissensreich und hilfsbereit. Selbst der Stalker bekommt von der Autorin seine Rolle glaubwürdig übergestülpt und von der hilfsbereiten Taxifahrerin aus der Geisterwelt möchte ich gar nicht reden – eine unwahrscheinlich sympathische Figur.
Nichts desto trotz hatte ich Anfangs ein wenig Probleme, die unterschiedlichen Ebenen greifen zu können. Im Nachgang betrachtet scheint dies vor allem den Absatzwechseln geschuldet, die innerhalb eines Kapitels in der Handlung beziehungsweise Erzählebene springen und man selbst sich gedanklich noch im Absatz davor befand. Vielleicht hätte man hier ein klein wenig mehr machen sollen, als lediglich eine doppelte Zeilenschaltung.
Sobald man jedoch die Vorgehensweise der Autorin in sich aufgesogen hat, eröffnet sich ein guter Krimi mit einer erfrischenden Idee.
Die Verknüpfung von mystischen Elementen mit der realen Welt halte ich sehr oft für eine wunderbare Art, genreübergreifend eine Erzählung zu offenbaren. Sicher, in diesem Werk war dann doch das Ende hierdurch recht vorhersagbar, nichts desto trotz hat mir wirklich jede teilnehmende Person in ihrer Rolle sehr gut gefallen.
Ab und an bekommt man das Gefühl, dass ein wenig mehr detaillierte Zeichnung manch einer Person etwas besser getan hätte – gleichzeitig könnte ich mir aber vorstellen, dass die Autorin hier noch weitere Bücher folgen lassen wird und dadurch hoffentlich mehr personenbezogene Details vom Stapel lässt.
Alles in allem ein recht erfrischender und ausreichend gut gelungener, Grenzen überschreitender Krimi mit interessanten Ideen. Teilweise noch ein wenig holprig in seiner Ausführung, aber dennoch ein Garant, um damit einige unterhaltsame Lesestunden zu haben.
Jürgen Seibold/17.06.2017
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Patrick S. Tomlinson: The Ark – Die letzte Reise der Menschheit

Originaltitel: The Ark
Aus dem Englischen von Markus Mäurer
Deutsche Erstausgabe April 2017
© 2016 Patrick S. Tomlinson
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52048-2
ca. 416 Seiten

COVER:

Seit 100 Jahren ist das gewaltige Generationenraumschiff “The Ark” mit den letzten 50.000 Menschen unterwegs ins Sonnensystem Tau Ceti. Das Leben an Bord ist streng reglementiert, jeder Bewohner über ein Implantat jederzeit zu orten. Dennoch verschwindet der brillante junge Wissenschaftler Edmond Laraby spurlos – und wird kurz darauf tot an der Außenhülle des Schiffs gefunden. “Selbstmord” heißt es von offizieller Stelle, doch Detective Bryan Benson entdeckt mehr und mehr Ungereimtheiten: Was hat es mit den Aufnahmen von Tau Ceti auf sich, die Laraby ausgewertet hat? Und wie hängt eine geheime Organisation, deren Mitglieder sich der Überwachung entzogen haben, in der Sache mit drin?

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee – die Menschheit befindet sich auf dem Weg in ein anderes Sonnensystem – gibt es ja bereits in einer nicht mehr zu zählenden Vielfalt im Genre der Science Fiction-Bücher. Interessanterweise können viele Autoren dem immer wieder etwas neues abgewinnen und somit auch den Leser einige Stunden in ferne Welten entführen.
Bei Tomlinsons THE ARK erhoffte ich erneut genau dieses Gefühl – der Plot scheint ja ausreichend interessant zu sein.
Wie sich dabei herausstellte, handelt es sich bei THE ARK eigentlich um einen recht normalen Krimi, der einfach nur in die Weiten des Weltraums verlagert worden ist. Nun bin ich nicht gerade dafür bekannt, Krimis recht gerne zu mögen – durch die interessante Umgebung war ich dennoch ausreichend motiviert, dieser Story bis zum Ende zu folgen.
Tomlinson schreibt dabei sehr flüssig und eingängig. Sein Detective bleibt dennoch etwas oberflächlich und manchesmal macht es sich der Autor doch recht einfach in der Lösungsfindung. Eine Wissensvermittlung z.B. per “Das hab ich mal in einer Doku gesehen” ist doch etwas dünn in seiner Ausarbeitung – oder soll ich öfter Dokus anschauen, um auch ein guter Detective zu werden?
Nun ja, die Geschichte treibt dennoch einigermaßen unterhaltend voran und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hiermit einige Krimifans auch ihren ersten Schritt in die Welt der Science Fiction machen könnten. THE ARK bietet aber auch nicht wirklich mehr – ein klassischer Krimi mit einem kuriosen Todesfall in einer interessanten Weltraumumgebung und dem stringenten Weg zur Auflösung.
Nicht schlecht, aber auch kein Werk der besonderen Art.
Jürgen Seibold/30.04.2017
The Ark – Die letzte Reise der Menschheit: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Jussi Adler-Olsen: Selfies

Originaltitel: Selfies
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
© 2017 Jussi Adler-Olsen
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28107-2
ca. 576 Seiten

COVER:

In einem Park in Kopenhagen wird eine alte Frau ermordet aufgefunden. Fast zeitgleich begibt sich ein durchgedrehter Autofahrer auf die tödliche Jagd nach jungen Frauen. Irgendwo da draußen, so hat es den Anschein, werden weitere perfide Morde geplant. Steht all dies womöglich im Zusammenhang mit einem lange zurückliegenden und noch immer unaufgeklärten Verbrechen?

Das Management des Polizeipräsidiums in Kopenhagen ist höchst unzufrieden mit der Aufklärungsrate des Sonderdezernats Q. Ausgerechnet Rose soll nun das Ruder herumreißen – doch Rose ist in ihrem aktuellen Zustand weit davon entfernt, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Die Wurzeln ihrer desaströsen Verfassung liegen in einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit: “Zu dem tiefsten inneren Raum in ihrem Dunkel bekamen sie keinen Zutritt, dieser Raum gehöre ihr. Ihr allein.”

Carl, Assad und Gordon stehen vor ihrer bislang größten Herausforderung und dass Rose ihren eigenen Kampf kämpft, ist für alle schwer erträglich. Doch Scheitern ist keine Option. Es muss ihnen einfach gelingen, diese schrecklichen Verbrechen in Kopenhagen zu stoppen.

REZENSION:

Mit “Selfies” befinden wir uns nun bereits beim siebten Fall des Kopenhagener Sonderdezernats Q, welches sich an die Fahne geschrieben hat, alte, ungelöste und längst zu den Akten gelegte Fälle erneut aufzurollen.
Bereits mit dem ersten Fall dieses Dezernats konnte Jussi Adler-Olsen für eine spannende und außerordentlich interessante Unterhaltung sorgen. Seine Fälle hatten fast immer eine Verbindung in die aktuelle Zeit und seine Erzählweise sorgte dafür, dass die Beschreibung “Thriller” auf dem Cover definitiv gepasst hatte.
Dies zog sich auch die weiteren Fälle auf diesem hohen Niveau durch – lediglich beim sechsten Fall konnte er mich nicht mehr umfänglich überzeugen. Hierin wurde das Thrillerelement ein wenig zu sehr auf die Seite geschoben und man folgte einem noch interessanten aber nicht außergewöhnlichen Krimi.
Dementsprechend gespannt war ich auf den nun vorliegenden, siebten Fall.
Darüber hinaus halte ich alle Mitglieder des Sonderdezernats für durchgängig und tiefgründig gezeichnete Protagonisten, deren Verhalten und Innenleben bereits für einen hohen Unterhaltungs- und Interessenswert sorgt.
Würde ich jetzt “Selfies” als mein erstes Adler-Olsen-Buch bewerten, würde es aber nicht wirklich sehr positiv abschließen. Erneut scheint der Autor die Spannungsschraube zu lockern – gleichzeitig wirkt der damalige Fall eher banal im Vergleich zu seinen früheren Fällen.
Interessant bleibt aber die Motivation der Sozialamtsmitarbeiterin, über die ich hier nichts näheres sagen möchte, da die Gefahr des Spoilerns zu groß wäre.
Betrachtet man “Selfies” als ein weiteres Buch in einer groß angelegten Reihe, wird einem klar, dass der überwiegend depressive Inhalt – bezogen auf die psychische Krankheit von Rose – erzählt werden musste. Immerhin hatte man sich als Leser ja schon mehrere Bände lang gefragt, was denn nun mit ihr los ist und warum sie in verschiedene Rollen schlüpft.
Dies alles löst sich in “Selfies” auf. Dadurch ist der aktuelle Roman aber auch überwiegend depressiv in seiner Darstellung. Durch die dabei fast nebensächliche Fall-Verkettung war ich anfangs fast dazu genötigt, das Buch unabgeschlossen zu beenden. Gleichzeitig freue ich mich ja immer auf ausreichend Spannungselemente, die hierin eher nicht vorkommen.
Nichts desto trotz besteht für einen langjährigen Sonderdezernat-Leser ausreichend Interesse für das Seelenleben der guten Rose – und exakt aus diesem Grund lieb mir auch nichts weiter übrig, als diesem Werk bis zum auflösenden Ende zu folgen.
Jussi Adler-Olsen ist dabei weiterhin ein sehr eingängiger Schreiber. Kennt man jedoch die vorherigen Bände nicht, könnte man mit diesem Buch schlicht überfordert sein.
Weiterhin hoffe ich, dass dem Autoren wieder ein sehr spannender und berührender Fall aus den Tiefen der abgeschlossenen, jedoch nicht gelösten Fälle einfällt und dabei beim nächsten Mal wieder zur alten Thrillerstärke der ersten Bände zurückfindet. Mir ist dabei aber auch bewusst, dass so langsam auch der Hintergrund von Assad beleuchtet werden müsste – denn in dessen Vergangenheit scheint sich wohl auch so einiges zu verstecken.
Alles in allem war auch “Selfies” sehr interessant und in seiner detaillierten Betrachtung von Rose’s Problemen auch nötig. Trotzdem bleibt es ein wenig hinter den Bänden 1 bis 5.
Jürgen Seibold/02.04.2017
Selfies: Der siebte Fall für das Sonderdezernat Q in Kopenhagen Thriller (Carl Mørck) – KAUFEN BEI AMAZON

Timo Leibig: Grenzgänger

©Timo Leibig
ISBN 978-3-9817076-6-3
ca. 280 Seiten

COVER:

Francis Maybach, Sohn wohlhabender Eltern, entgeht knapp einem Mordversuch. Daraufhin stellt man ihn unter Polizeischutz – dem er jedoch entflieht. Kommissar Walter Brandner und seine neue Kollegin Cahide Pfeiffer folgen seinen Spuren, die zunehmend blutiger werden. Ist Francis Maybach vielleicht gar kein Opfer, sondern Täter?
Viel Zeit bleibt den Kommissaren nicht, um Francis zu finden, denn auch andere sind hinter ihm her …

REZENSION:

Die Fälle um die beiden Ermittler Goldmann und Brandner sind meines Wissens die einzigen Fälle um ein Ermittlerteam, bei denen es mir gelungen ist, alle zu kennen.
Darüber hinaus scheint Timo Leibig auch der einzige Autor neben Stephen King zu sein, der bereits mehrere Bücher herausgebracht hat und ich ebenfalls alle bereits lesen durfte.
Das allein spricht ja schon mal für den Schriftsteller. Gleichzeitig hat man bei jedem Handgriff in Richtung eines weiteren Buches des Autors eine gewisse Erwartungshaltung, die nicht gerade auf einem geringen Niveau angesiedelt ist. Kurz gesagt: Es schwingt immer eine kleine Leserangst mit, ob auch ein weiteres Buch noch überzeugen kann.
Nun also GRENZGÄNGER, der bereits vierte Fall von Brandner und Goldmann…
Goldmann? Nun, hier wohl nur noch lapidar. Wie man aber als geneigter Leser der bisherigen Bücher weiß, hat sie sich ein wenig zurückziehen müssen. Somit hier nur eine Nebenrolle, die aber dennoch zu wichtigen Erkenntnissen führt.
Timo Leibig lässt aber nicht einfach den guten alten Brandner alleine weiter ermitteln, sondern gibt ihm zwei Kollegen an die Hand, die ebenfalls nicht ohne sind – und seine Ex-Kollegin wird sicherlich in Zukunft auch weiterhin eine Rolle zu spielen haben.
Ein klein wenig erinnert mich diese Vorgehensweise mittlerweile an die “Sonderdezernat Q”-Bücher von Jussi Adler-Olsen, der auch ein ganzes Team auf die Straße los lässt und dabei einem die Chefrolle zuspricht.
In GRENZGÄNGER erfährt man zum ersten Mal in dieser Reihe nicht bereits am Anfang, wer hier der Böse ist. Timo Leibig lässt uns nun etwas im Dunkeln tappen und baut einen klassischen Krimi mit ganz wenigen dezenten Thrillerelementen auf, führt diesen zielgerichtet zu seinem Ende und lässt dabei noch die ein oder andere Erkenntnis-Rakete los. Manchmal ist es doch anders, als man zuerst dachte.
Gleichzeitig ist der Plot aber nicht zu kompliziert konstruiert und lässt sich dementsprechend einfach konsumieren.
Mir persönlich hätte ein wenig mehr “Thriller” besser gefallen, da Timo Leibig nun mehr und mehr in die reine Krimiecke zu switchen scheint. Aber das ist natürlich Geschmackssache – manche mögen es einfach weniger blutig. Tja, damit meine ich nicht mich als Leser und ganz besonders die Darstellung von Psychopathen auf ihrem kranken Weg halte ich in typischen Thrillers für sehr interessant in der Betrachtung – dies fehlt hier leider, wird aber damit dem Krimi-Genre durchweg gerecht.
Kurzum: Erneut ein sehr guter Fall von einem ideenreichen und sehr gut und eingängig schreibenden Autor. Von mir gibt es trotzdem ein kleines “aber”, da ich es hiermit nicht vermissen möchte, den Autoren wieder etwas in die bösere Ecke zu schubsen – eben solche Fälle, denen sich die beiden Ermittler bereits in der Vergangenheit stellen mussten. – Timo Leibig, lass die Psychopathen wieder raus 🙂
Jürgen Seibold/18.03.2017
Grenzgänger: Thriller (Goldmann und Brandner, Band 4) – KAUFEN BEI AMAZON

 

P.S.: Wer wissen möchte, wie der Autor beim Sprechen klingt (er hat einen typischen Slang) und darüber hinaus, was er zu erzählen hat, kann auf dieser Webseite unter dem Reiter “Podcast” der Folge 80 folgen, in dem sich Timo Leibig meinen Fragen stellt.

Rita Falk: Weisswurstconnection

© 2016 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26127-2
ca. 303 Seiten

COVER:

… ‘zefix! Eine Wasserleiche im Heimatwinkel?

“Grundgütiger, der liegt aber schon ein ganzes Weilchen”, stellt der Doktor Brunnermeier gleich fest, wie er den Toten in der Badewanne des neuen Luxus-Hotels in Niederkaltenkirchen sieht. “Und wenn das hier ein Mord ist, Eberhofer, dann bröseln Sie grade den Tatort voll.”

Dabei sind Brösel nur der Anfang einer Reihe schwerwiegender Ermittlungspatzer in Eberhofers achtem Fall…

REZENSION:

Die Reihe um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer geht erfreulicherweise weiter. Nun liegt mit Weisswurstconnection bereits der achte Fall dieser sehr erfolgreichen und humorigen Krimis vor. Stellt sich natürlich die Frage, ob Rita Falk noch ausreichend Einfallsreichtum aufwarten kann, um sich nicht zu wiederholen und dem Lokalkolorit weiterhin etwas Neues hinzufügen zu können.
Ich war dabei recht zwiespältig, da der letzte Fall in meinen Augen schon ein wenig nachgelassen hatte. Dadurch überlegte ich einige Zeit, ob ich dem Franz noch eine Chance geben soll oder mich einfach anderen Werken widmen.
Nun, ich wagte es dennoch. Erfreulicherweise stellte sich dabei heraus, dass der achte Fall ausreichend ideenreich und witzig ist, um diese kleine Talfahrt vergessen zu machen.
Man entdeckt sich in diesem Werk endlich wieder schmunzelnd über die Seiten fegen und dementsprechend freut man sich, den Bürgern aus Niederkaltenkirchen wieder folgen zu können.
Natürlich handelt es sich hier keineswegs um hochtrabende Literatur – dies ist aber auch keineswegs der Gedanke hinter diesen Büchern. Einfach lockere Unterhaltung mit bayrischen Gepflogenheiten, die manchem kurios vorzukommen scheinen, für jeden Ansässigen aber fast normal wirken.
Kurzum bin ich der Meinung, dass Rita Falk mit Weisswurstconnection die kleine Schlenkerkurve bezwungen hat und ihrer Fangemeinde gerecht geworden ist.
Da kann man somit dieses Buch nur empfehlen und hoffen, dass die Autorin dem auch im sicherlich weitergehenden Leben Eberhofers noch gerecht werden kann.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Weißwurstconnection: Ein Provinzkrimi (Franz Eberhofer) – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Mind Control

king_mindOriginaltitel: End Of Watch
© 2016 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27086-2

COVER:

In Zimmer 217 ist etwas aufgewacht. Etwas Böses. Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, den wir aus Mr. Mercedes und Finderlohn kennen, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt schließlich mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät.

REZENSION:

Ich denke, dieses Buch benötigt sicherlich keine Werbung, denn der Autorenname ist bereits Werbung genug.
Nachdem Stephen King seit nunmehr etwas über 30 Jahren mein absoluter Lieblingsautor ist, bin ich natürlich einerseits euphorisch und andererseits skeptisch, ob er mich erneut problemlos unterhalten kann.
Mit Mind Control liegt nun der letzte Band einer Krimitrilogie des immer noch „Meister des Horrors“ genannten Autors vor. Die Vorgänger mit den Titel Mr. Mercedes und Finderlohn sorgten dafür, dass einer wie ich, der nicht allzu viel von Krimis hält, den Weg in dieses Genre gefunden hat und dabei durch und durch überzeugt worden ist.
Mind Control ist nun der Abschluss, dessen Ende sogleich für Wehmut sorgt und sehr emotional die Trilogie beendet.
Stephen Kings Geschichte ist in diesem Fall ein kleines Anlehnen an den typischen King, denn es kommen – im Gegensatz zu den beiden ersten Bänden – parapsychologische Elemente hinzu. Dies schadet der Story nicht, könnte aber unter Umständen nicht jedermanns Sache sein. Ich glaube aber, dass King-Anhänger damit kein Problem haben.
Wir erleben sämtlich Höhen und Tiefen der Protagonisten und somit ist Mind Control ein gelungener Abschluss einer nicht zu verachtenden Trilogie. Ich persönlich halte Mind Control nicht mehr ganz so stark wie die beiden Bücher davor – nichts desto trotz ist es passend, überzeugend und konnte für einige spannende und unterhaltsame Stunden sorgen.
Alles in allem ein würdiger Abschluss einer, im Ganzen betrachtet, starken Krimitrilogie eines Autoren, der erneut seine Wandlungsfähigkeit bewiesen hat und von dem noch hoffentlich viele weitere Romane erscheinen werden.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Mind Control: Roman (Bill-Hodges-Serie, Band 3) – KAUFEN BEI AMAZON

Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr

christie_keinesOriginaltitel: And Then There Were None
Aus dem Englischen von Sabine Deitmer
© 1939 by Agatha Christie
Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2014 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
ISBN 978-3-455-17024-5

COVER:

Zehn Männer und Frauen aus ganz unterschiedlichen Kreisen bekommen eine Einladung, die sie auf eine abgeschiedene Insel vor der Küste Devons lockt. Der Gastgeber, ein gewisser U. N. Owen, bleibt unsichtbar. Erst als die Gesellschaft beim Dinner zusammensitzt, ertönt seine Stimme aus einem alten Grammophon und verheißt Unheil. Ein Gast nach dem anderen kommt zu Tode, während die Verbleibenden verzweifelt versuchen, den Mörder zu enttarnen …

REZENSION:

Agatha Christie ist sicher immer noch eine unangefochtene Königin des Krimi-Genres und nachdem ich vor vielen Jahren diese berühmte Geschichte – basierend auf dem Zählreim “Zehn kleine Negerlein” – schon mehrmals als S/W-Film als sehr interessant empfunden hatte, entschloss ich mich eines Tages zum Lesen dieses Klassikers.
Prinzipiell ist die Geschichte recht einfach aufgebaut: Sie beinhaltet 10 Protagonisten, aus unterschiedlichen Kreisen zusammen gewürfelt und doch irgendwie mit losen Fäden verbunden. Diese werden mit verschiedenen Argumenten auf eine abgeschiedene Insel gelockt. Nach und nach reduziert sich die Zahl der Gäste und somit bleibt den jeweils verbliebenen nichts weiter übrig, als im Angesicht des eigenen Todes den Mörder zu finden.
Und dann gab’s keines mehr ist eine recht kurze Geschichte der Autorin, nichts desto trotz fiebert man mit und fragt sich, wer das nächste Opfer sein wird und wer von ihnen wohl der Mörder ist.
Für eine bereits im Jahre 1939 entstandene Geschichte funktioniert sie heute noch immer erstaunlich gut und es macht eine wahre Freude, die Gäste auf Nigger Island gedanklich zu begleiten.
Mit dem Blick der heutigen Zeit merkt man sehr deutlich den Einfluss der Autorin auf aktuellere Geschichten – bis hin in das Horrorgenre, in dem auch des öfteren diverse Gruppen nach und nach dezimiert werden.
Alles in allem kann man dieses Buch trotz seines hohen Alters uneingeschränkt empfehlen, da es durchweg immer noch funktioniert und einen wahren Klassiker des Genres darstellt.
Als einzigen Negativpunkt nahm ich das Vorwort des Verlages wahr, in dem sie darauf hinweisen, dass in diesem Werk – aus heutiger Sicht – diskriminierende Wörter (das N-Wort) vorkommen, der Verlag es aber zu Gunsten der Geschichte nicht ändern wollte.
Es ist erfreulich, dass der Verlag keine Änderungen an diesen Wörtern vorgenommen hat, würde doch dabei der ganze Plot darunter leiden. Gleichzeitig finde ich es aber erschreckend, dass man sich darüber zumindest Gedanken macht und wohl den Versuch startete, das Werk auf die heutige Correctness ab zu ändern. Diese Diskussion kann man in vielen Fällen diskutieren, hat man jedoch das Entstehungsdatum vor Augen, entspricht es einfach einer anderen Zeit und Gedankenwelt und unter diesen Umständen handelt es sich um ein Kulturgut, welches – wie bei allen anderen auch – nicht geändert werden sollte.
Wenn ein Autor Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählt oder gar – wie Agatha Christie – in einer anderen Zeit ihre Geschichten schrieb, dann kann man eventuell kurz auf das Entstehungsdatum hinweisen oder auf den historischen Sprachgebrauch, man sollte aber tunlichst Änderungen vermeiden, da wir sonst in Zukunft nur noch politisch korrekte Geschichten zu lesen imstande sein werden und dabei mehr und mehr den normalen Werdegang der Sprache verlieren werden.
Kurzum: Lasst Literatur einfach so, wie es sich der Autor während seines Schreibprozesses dachte und achtet einfach auf den Inhalt und eventuell noch auf die Entstehungszeit dieser Story. Dann sollten auch keine Diskriminierungsgedanken auftreten. Ich würde mich jedenfalls diskriminiert fühlen, wenn ich nur noch “bereinigte” Geschichten lesen dürfte.
Jürgen Seibold/19.06.2016
Und dann gab’s keines mehr – KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

HYS063 – Im Gespräch mit Timo Leibig

die neue Podcast-Folge:

ACHTUNG: Gewinnspiel! Näheres im Podcast oder unter https://hysterika.de/hys-podcast/