Wells, Dan: Die Formel

Originaltitel: Extreme Makeover
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Tor Books, New York 2016
© Piper Verlag GmbH, München 2018
ISBN 978-3-492-70469-4
ca. 524 Seiten

COVER:

Lyle Fontanelle, Chefwissenschaftler bei der Kosmetikfirma NewYew, macht die Entwicklung schlechthin: ReBirth – eine Creme, die Hautzellen nachhaltig regenerieren kann. NewYew sieht in der Lotion das größte Beautyprodukt, das je erfunden wurde. Doch während der Entwicklungsphase treten bei einigen Testpersonen seltsame Symptome auf und Lyle kommt einer verstörenden Wahrheit auf die Spur: Statt die Nutzer wie geplant zu verjüngen, überschreibt die Creme deren DANN und sie werden zu Klonen anderer Personen! Als die Lotion trotz aller Warnungen auf den Markt kommt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf, denn jeder will ReBirth für seine Zwecke nutzen. Nicht zuletzt könnte die Creme als gefährliche Waffe missbraucht werden …

REZENSION:

Stellen sie sich vor, sie könnten durch eine ganz simple Hautcreme ihr gesamtes Aussehen ändern. Sie könnten durch eine simple, einfach anzuwendende Hautcreme problemlos ihren Krebs heilen. Sie könnten das Aussehen einer wunderschönen Frau, eines attraktiven Mannes annehmen. Sie könnten dabei sogar das Geschlecht wechseln. Sie möchten aussehen wie ein berühmter Schauspieler/Schauspielerin/Model/Sportler/…?
Alles kein Problem mit der sagenhaften Lotion mit dem Namen „ReBirth“.
Diese Lotion greift aus nicht nachvollziehbaren Gründen direkt in die DANN eines Menschen ein und baut diese um. Innerhalb von vier Wochen sind sie ein komplett anderer Mensch?
Würden sie so eine Lotion für teures Geld kaufen?
Oberflächlich betrachtet, sagt man sicherlich „nein“ – dennoch geben Menschen Milliardenbeträge für Kosmetikartikel aus. Aus diesem Grund nehme ich es Dan Wells auch in seinem Roman problemlos ab, dass „ReBirth“ seinen Erschaffern aus den Händen gerissen wird – unabhängig davon, wieviel dafür finanziell zu entrichten ist.
Dan Wells beginnt glaubwürdig und lässt in seinem geschickten Mix aus verschiedenen Genres – SF, Dystopie, Thriller – absolut nichts missen. Die Spannung hält er bereits durch seine Kapitelmarker hoch: Er zählt die Tage herab bis zum Weltuntergang.
Sein Stil ist eingängig und rundum flüssig. Die Idee atemberaubend – allein deswegen bleibt man den jeweiligen Seiten bis zum Ende treu.
Der Autor versucht in seinem Werk einen sozialkritischen Abgesang auf unsere Menschheit zu kreieren. Dabei verstärkt sich im Laufe des Buches der sarkastische Unterton – gleichzeitig scheint er sich dadurch aber ein klein wenig zu verlieren. Ich würde fast behaupten, dass die erste Hälfte dieses Wissenschaftsthrillers wahrlich mit zum Besten Output des Autors gehört. Die zweite Hälfte ist zwar weiterhin rasant und spannend – jedoch fehlt irgendwie das gewisse Extra. Dan Wells hätte meiner Meinung nach noch erheblich mehr in die Gegebenheiten und Hochnäsigkeiten der Kosmetikbranche einschlagen können. Darüber hinaus hätte er auch noch erheblich mehr in die allgemeine, schönheitsideal-nachlaufende Menschheit einschlagen können. All dies war vorhanden, leider verläuft es sich nach und nach und degeneriert „Die Formel“ zu einem grandios beginnenden, aber im Durchschnitt beendenden Thriller.
Schlussendlich bleibt eine filmreife und sehr unterhaltsame Geschichte, die für ausreichend interessante Lesestunden sorgen kann. Etwas nachdrücklicheres entsteht leider trotz des starken Beginns nicht mehr, was aus meiner Sicht absolut schade ist. Trotzdem ein gut unterhaltender Roman, der aber durch den Abfall in der zweiten Hälfte lediglich Durchschnitt bleibt. Zwar spannend, unterhaltsam und gut, gleichzeitig jedoch nichts darüber hinaus.
Jürgen Seibold/05.04.2019