Vogt, Judith C. / Vogt, Christian: Wasteland

Originalausgabe Oktober 2019
©2019 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52391-9
ca. 399 Seiten

COVER:

Eine Frau mit einem Motorrad.
Ein Mann mit einem Baby.
Eine Gang mit einem Schaufelradbagger.

Die alten Regeln gelten nicht mehr, seit drei Kriege und das Wasteland-Virus die Menschheit beinahe ausgelöscht haben. Marodierende Banden beherrschen das Land, und auf dem freien Markt sind Waren nur im Tausch gegen Gefallen zu haben.
Um an Medikamente zu kommen, lässt sich die herumreisende Laylay auf ein Geschäft ein: Weil sie als Einzige immun gegen das Virus ist, soll sie den Marktbewohner Zeeto in der Todeszone aufspüren. Als sie ihn findet, ist er bereits infizert. Zudem hat er etwas in einer geheimen Bunkeranlage gefunden: ein Baby. Und obwohl das Virus Laylay nichts anhaben kann, beginnt sie sich zu verändern …

REZENSION:

Das Buch WASTELAND des Ehepaars Vogt zeigt mir sehr deutlich, dass Rezensionen und Meinungen nichts weiter als Geschmäcker sind, die jeweils lediglich von einer einzigen Person wiedergespiegelt werden.
Immerhin konnte das Werk seinen Weg auf die Phantastik-Bestenliste schaffen, wodurch bewiesen worden ist, dass es seine Klientel zu überzeugen weiß. Ich als Jurymitglied nahm dies schmunzelnd zur Kenntnis, da ich mich als Gegenpol outen muss und neben der Idee nichts Weiteres finden konnte, was bei mir Überzeugung fand.
Ich bin mir nicht sicher, ob das an der aktuellen Situation liegt und ich schlicht mit der Darstellung der virusverseuchten Welt in den täglichen Nachrichten ausreichend bedient bin, oder ob es – was ich eher glaube – an dem mir nicht zugänglichen Schreibstil liegt.
Ich möchte hier auch nicht zu sehr ins Detail gehen, da es sich um ein von mir abgebrochenes Buch handelt und ich somit nur einen gewissen Part an meinen Augen vorüberziehen ließ, bevor ich die Entscheidung traf, dass wir beide nicht zusammenfinden.
Irgendwie bin ich auch erfreut, dass Bücher trotz ihres Auftretens in namhaften Listen nicht jeden rundum zufrieden stellen können – zeigt dies doch die Varianz von uns selbst. Aus diesem Grund darf man eine negative Kritik – sofern sie einigermaßen dargelegt ist – auch nicht als gesetzgebende Meinung betrachten. Vielmehr sollte man die unterschiedlichen Leser-Erlebnisse verwenden, um sich eventuell auf Basis einer Leseprobe selbst ein Bild zu machen.
Ich persönlich war jedenfalls recht angetan von der Idee – fand jedoch leider keinen sprachlichen Zugang. Schade…
Jürgen Seibold/23.03.2020

Maxwell, Lisa: Der letzte Magier von Manhattan

Originaltitel: The Last Magician
Aus dem Englischen von Michelle Gyo
Deutsche Erstausgabe September 2019
©2017 by Lisa Maxwell
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52367-4
ca. 574 Seiten

COVER:

STOPP DEN ZAUBERER.
STIEHL DAS BUCH.
RETTE DIE ZUKUNFT!

Seit Jahrhunderten herrscht Krieg zwischen zwei Fraktionen von Magiern: Während die einen sich dem mächtigen Orden Ortus Aurea angeschlossen haben, fristen die anderen ein Schatten-Dasein im Untergrund. Zu ihnen gehört die junge Diebin Esta, die von ihrem Mentor ins New York des Jahres 1901 geschickt wird, um ein Buch zu stehlen, das als Waffe gegen den Orden dienen soll. Esta schließt sich einer Gang von Magiern an, die wie sie den Orden bekämpfen. Sie gewinnt deren Vertrauen und mehr – und weiß doch, dass sie jeden in der Vergangenheit betrügen muss, wenn sie die Zukunft retten will.

REZENSION:

Die Idee, einen magisch aufgeladenen Fantasyroman in unsere Welt zu versetzen und dabei auch noch als weiteren Faktor das eher schwierige Element der Zeitreisen zu integrieren klingt außerordentlich interessant. Lisa Maxwell startet ihr Werk sehr spannend und lässt den Leser ungebremst während einer spannenden Diebesaktion mitfiebern. Die verwendeten Ingredienzen ihres Buches sind sehr geschickt ineinander verwoben und bieten somit eine gelungene Alternative zu anderen Werken, die ihr jeweiliges Genre als festes Korsett betrachten. Das Zerreißen der Schnüre dieses Korsetts ist der Autorin hervorragend gelungen. Die Geschichte selbst wirkt erfrischend und die zeitlichen Gegebenheiten, als auch die dezent eingefügte Magie wirkt glaubhaft und nachvollziehbar erzählt. Lisa Maxwell vermeidet geschickt verschiedene zeitliche Ebenen. Sie entzieht sich damit nicht nur dem notwendigen, historischem Recherchieren, sondern auch den üblichen Paradoxien, die bei Zeitreiseromanen nahezu unvermeidlich sind und sich nur schwer „wegerklären“ lassen.
„Der letzte Magier von Manhattan“ besitzt sehr viele interessante Ideen und könnte auf Basis seiner Geschichte ein wahrer Blockbuster sein – wäre demgegenüber nicht das Problem, dass die Autorin ihre Personen etwas blass wirken lässt. Man kann sich mit ihnen schlicht nicht rundum wohlfühlen. Diesen Umstand hätte die Autorin durch Vermeidung von Oberflächlichkeit in Bezug auf die handelnden Figuren für sich gewinnen können. Etwas mehr Liebe zum Detail und schon hätte es eventuell besser funktionieren können. Als weiterer Kritikpunkt zeigt sich der fulminante und außerordentlich interessante Start, gepaart mit einem vor sich hinplätschernden Mittelteil, der dafür sorgte, dass mich die Geschichte trotz ihrer spannenden Grundidee wieder verlor.
Die eingefügte Liebesgeschichte wirkt etwas deplatziert und erneut stellte ich mir die Frage, ob es denn notwendig sein muss, dass sich irgendwelche vermeintlich wichtigen Protagonisten in Büchern immer unbedingt verlieben müssen. Dieser Umstand kommt aus meiner Lesererfahrung gehäuft bei Büchern von Autorinnen vor. Ich würde da sehr gerne mal wissen, ob dies geschlechterspezifisch ist, oder ob wir uns da immer noch in einer Welt befinden, in der Verlage bei weiblichen Autoren davon einfach ausgehen – vielleicht könnte mir hier mal jemand etwas Erleuchtung bieten.
Dennoch: Über eingeflechtete, mehr oder weniger plausible Liebesgeschichten kann ich noch hinweggehen – über Langatmigkeit und fehlende Spannung im Mittelteil eher nicht. Der Schreibstil selbst ist eingängig und zeigt die hohe Unterhaltungsqualität der Schriftstellerin. Durch die genannte Kritik jedoch nicht herausragend, sondern nur nette Unterhaltung mit ganz interessanten Ideen.
Jürgen Seibold/23.02.2020

Thiemeyer, Thomas: Wicca – Tödlicher Kult

©2019 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65364-7
ca. 485 Seiten

COVER:

Hannahs Freundin, die britische Journalistin Leslie Rickert, ist bei ihrer Recherche zu den vermissten Frauen auf merkwürdige Details gestoßen – etwa das Fragment eines Kultfilms der Siebziger, in dem eine seltsam gravierte Truhe zu sehen ist. Hannah ordnet die Gravuren dem Volk der Nabatäer zu und lädt Leslie ein, in der jordanischen Stadt Petra auf Spurensuche zu gehen.
Inmitten der Ruinen dieses alten Reiches stoßen die beiden auf das Mysterium des Lebensbaums – eine Sage, die alle großen Kulturen durchdringt. Hat es tatsächlich eine Baumsorte gegeben, die ewige Jugend verleihen konnte? Samen dieses mythischen Baumes wurden in antiker Zeit unter strengster Geheimhaltung an verschiedene Orte gebracht und in die Erde gelegt, so auch an der Küste Südenglands …
Hannah und Leslie müssen erkennen, dass nicht nur die Anhänger des Wicca-Kultes über Leichen gehen würden, um ihr Geheimnis zu wahren – sondern auch ein Wesen, für das die Wissenschaft nicht einmal einen Namen hat.

REZENSION:

Die archäologisch stark beeinflusste Abenteuerreihe um Hannah Peters geht in eine weitere Runde. Sämtliche Werke des Autors Thomas Thiemeyer mit der mittlerweile recht berühmt gewordenen Archäologin sind eine geschickte Mixtur aus Indianer Jones, Historik, Abenteuer und einem nicht gerade kleinen Schluck aus der phantastischen Pulle.
Gerade deshalb machten alle bisher erhältlichen Erlebnisse Hannah Peters auch im Großen und Ganzen unglaublich viel Spaß beim Lesen. Dementsprechend angetan freute ich mich auch auf den nun vorliegenden Band mit dem Titel „Wicca – Tödlicher Kult“.
Hierin beginnen wir recht klassisch bei einer Ausgrabungsstätte um dann plötzlich mit geheimnisvollen Informationen in einem alten Kultfilm konfrontiert zu sein. Der ungeklärte Todesfall einer jungen Frau scheint damit nicht wirklich etwas zu tun zu haben – sieht dies doch eher nach einem simplen Selbstmord oder gar einem Versehen aus.
Nach und nach verdichten sich die Elemente und Verschwörungen. Darüber hinaus tritt die alte Sage um den Lebensbaum in den Vordergrund, der in nahezu jeder Kultur eine gewisse Rolle spielt. Einer dieser Bäume scheint sich in England zu befinden – streng bewacht von Anhängern des Wicca-Kultes, deren Mitglieder unter Verwendung jeglicher Mittel auf die Bewahrung dieses Geheimnisses achten.
Auch diesmal schafft es Thomas Thiemeyer diese verschiedenen, vordergründig nicht zusammenhängenden Sagen, Mythen und geschichtlichen Begebenheiten in einen Topf zu werfen. Dabei entsteht jedoch keineswegs ein simpel produzierter Eintopf, sondern ein sehr gut gewürztes Gericht mit interessanten Beilagen.
Die Geschichte ist auch diesmal manches mal ein klein wenig vorhersehbar – dies ist aber schon ein wenig Meckern auf hohem Niveau, denn die grundsätzliche Stärke der Bücher um Hannah Peters liegen exakt im glaubwürdig dargelegten Ergebnis unter Verwendung der unterschiedlichsten Zutaten. In „Wicca“ ist im Vergleich zu den bisherigen Werken gerade in Richtung Ende die Phantastik in den Vordergrund getreten – aber genau aus diesem Grund möchte ich auch weiterhin diese Art an Unterhaltungsromanen nicht missen.
Thiemeyers Schreibstil ist auch in diesem Fall erfreulich eingängig und seine Personen sind überwiegend glaubwürdig, detailliert und nachvollziehbar gezeichnet. Alle historischen Elemente wirken fundiert, die phantastischen geschickt eingewoben. Absolut gelungene Unterhaltung für einige Stunden des Abschaltens – ich bin mal gespannt, ob der Autor diese Qualität auch weiterhin aufrechterhalten kann beziehungsweise er noch genug Ideen für weitere Erlebnisse dieser sympathischen Archäologin geschickt verarbeiten und darzulegen in der Lage ist. Wollen wir es einfach mal hoffen.
Jürgen Seibold/13.01.2020

Heitz, Markus: Die dunklen Lande

©2019 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-22676-6
ca. 540 Seiten

COVER:

EIN BLUTIGER KRIEG,
FINSTERE MÄCHTE UND MAGIE
ZWEI MUTIGE FRAUEN
STELLEN SICH DEM BÖSEN

1629. Der Dreißigjährige Krieg erschüttert Europa und tobt besonders gnadenlos in Deutschland. Die junge Abenteurerin Aenlin Kane reist in die neutrale Stadt Hamburg, um das Erbe ihres berühmten Vaters Solomon Kane zu finden. Dazu nimmt sie zusammen mit ihrer Freundin Tahmina, einer persischen Mystikerin, den folgenschweren Auftrag der West-Indischen Compagnie an: Eine zusammengewürfelte Söldnertruppe soll sich nach Bamberg durchschlagen und fünf Personen abholen, um sie sicher in die Hansestadt zu eskortieren. Was sie nicht wissen: Bamberg ist die Stadt grausamster Hexenprozesse. Und der Anführer der Truppe, Nicolas, verbirgt ein düsteres Geheimnis. Schon bald geht es für die Söldner nicht länger nur um den Auftrag, sondern um alles oder nichts. Um zu überleben, müssen Aenlin und Tahmina ihre Klingen mit der dämonischen Macht kreuzen, die die Wirren des Krieges zu ihrem Vorteil nutzen will.

REZENSION:

Schon mal vorweg: Das Buch „Die dunklen Lande“ bekommt durch die Integration von ausklappbaren Bildern aus der beschriebenen Zeit nicht nur einen Touch Wertigkeit, sondern auch das Gefühl der Darbietung von realen Begebenheiten.
Der Dreißigjährige Krieg wütete gnadenlos in unseren Gefilden. Neben den kriegerischen Gräueltaten wurden die Bürger auch noch mit der Pest konfrontiert. Als ob das nicht bereits an Gefahren ausgereicht hätte, zeigte sich zu dieser Zeit zusätzlich noch die Kirche von ihrer nicht gerade besten Seite und schon musste man sich in Acht nehmen, um sich nicht plötzlich auf dem Scheiterhaufen wieder zu finden.
Eine wahrlich düstere Zeit, die sich Markus Heitz als Setting für seinen Roman vornahm. Dieses Setting und die hinzugefügten, jedoch erfreulich dezent gehaltenen, fantastischen Elemente verwob der Autor zu einer prinzipiell rundum interessant klingenden Geschichte.
Als ich dabei auch noch feststellte, dass seine Protagonistin nicht nur den Namen Kane trägt, sondern auch noch die Tochter der sagenhaften, fiktiven (von Robert E. Howard erschaffenen) Figur Solomon Kane sein soll, war ich mir sicher, dass hier grundsätzlich nichts mehr falsch gemacht werden könnte.
Markus Heitz Einstieg hielt ich dabei sogleich gefangen: Er geht detailliert auf die Zeit ein, führt geschickt seine Personen ein und würfelt die Gruppe auf sehr humorvolle Weise zusammen. Ab diesem Augenblick wurde die weitere Vorgehensweise leider stark nachvollziehbar und es verlor sich ein wenig der Überraschungseffekt. Darüber hinaus schwenkte der Fokus stark in Richtung Söldnertruppe, wodurch die beiden außerordentlich interessanten und starken Frauenfiguren eher bass blieben. Schade, da diese sehr interessant klingend eingeführt worden sind und man sich als Leser problemlos komplett und uneingeschränkt auf sie einlassen konnte.
Durch den Schwenk auf die sehr linear gezeichneten Figuren der Söldnertruppe verlor sich jeglicher Überraschungseffekt, da deren Vorgehensweise durch ihre festgelegten, persönlichen Eigenschaften vorgegeben waren und dementsprechend von ihnen gelebt wurden.
Ab diesem Augenblick hatte man das Gefühl, dass die schriftstellerische Leidenschaft etwas verloren gegangen ist. Nichts desto trotz halte ich die grundsätzliche Idee weiterhin für herausragend und interessant. Ich finde, es sollte noch erheblich mehr Romane geben, die reale Begebenheiten mit dezenten Einflüssen aus der Fantastik vermischen. Da gibt es sicherlich noch sehr viel Potenzial. Bei „Die Dunklen Lande“ funktioniert es auch stellenweise und ich bin davon überzeugt, dass der Roman auch bei einer bestimmten Klientel absolut uneingeschränkt funktioniert. Etwas weniger Vorhersagbarkeit und ich könnte mich diesem Leserkreis problemlos anschließen.
Jürgen Seibold/23.11.2019

Wilson, Daniel H.: Die Dynastie der Maschinen

Originaltitel: Clockwork Dynasty
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
Deutsche Erstausgabe 02/2019
©2017 Daniel H. Wilson
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52100-7
ca. 413 Seiten

COVER:

Sie wissen alles, sie beherrschen alles – und sie sterben nicht. Sie sind awtomat, uralte menschenartige Roboter. Seit Jahrtausenden leben sie unerkannt unter uns. Doch ihre Zeit läuft ab: Sollte es ihnen nicht gelingen, eine neue Energiequelle zu finden, droht ihnen der Untergang. Noch dazu sind die beiden mächtigsten awtomatin einen Machtkampf verstrickt. Mitten in diesen mörderischen Konflikt gerät die Archäologin June: Beim Versuch, etwas über die Herkunft eines mysteriösen Artefakts herauszufinden, macht June eine ebenso sensationelle wie tödliche Entdeckung …

REZENSION:

Wenn man sich den bisherigen Output von Robert H. Wilson ansieht, erkennt man deutlich seine schriftstellerische Leidenschaft: Er widmet sich nahezu ausschließlich dem Erfinden von Geschichten mit Robotern jeglicher Art.
Im aktuellen Buch mit dem Titel „Die Dynastie der Maschinen“ wechselt er jedoch die Vorgehensweise und man findet sich plötzlich keineswegs mehr im Genre der Science Fiction. „Die Dynastie der Maschinen“ wirkt eher wie ein historischer Roman. Insbesondere durch die interessante Erzählweise und den dabei verwendeten Zeitsprüngen gibt der Autor dem gesamten Werk eine historische Tiefe, die man dem Autor beinahe komplett abzunehmen bereit ist. Natürlich handelt es sich dennoch um Fiktion – Roboter dieser Art scheinen ja nicht vorhanden zu sein. Nichts desto trotz wirken diese trotz ihres „Alters“ erstaunlich erfrischend und neu. Es handelt sich nämlich keinesfalls um Roboter der üblichen Art, die plötzlich in ihrer Software austicken und den Menschen bedrohen; nein, hierin lesen wir von Robotern, die es bereits seit tausenden von Jahren gibt. Dementsprechend sind sie auch hauptsächlich durch Zahnräder und weiteren alten Zutaten entstanden. Ihre Möglichkeit zum Leben entspringt eher dem fantastischen und mystischen Genre. Hier spielt irgendeine Software schlicht keine Rolle.
Viele kenne sicherlich den sagenhaften Schachroboter, der sich erst im Laufe der Jahre als Fake herausstellen sollte. Interessanterweise dachte ich an diesen als erstes – jedoch ohne den dabei verwendeten Schwindel.
„Die Dynastie der Maschinen“ ist durch die von Wilson entwickelte Idee ein rundum neuartiges Werk im Bereich der Literatur über beziehungsweise mit Robotern.
Es ist eher eine Art Abenteuerroman, dessen rasanter Trip zum Umblättern anregt. Ganz besonders überzeugend wirken die Episoden in vergangenen Zeiten – hier trifft auf sehr interessante Art und Weise reale Geschichte auf reine Fiktion. Absolut überzeugend und glaubhaft dargestellt.
Die gesamte Geschichte lebt vom Flair des Vergangenen. Leider konnte Wilson dass nicht zu einhundert Prozent aufrecht erhalten. Somit gab es etwa in der Mitte einen kleinen Hänger, der fast zur Langatmigkeit führte. Durch auftretende Spannungselemente konnte der Autor wieder etwas Fahrt aufnehmen – was aber zu einem etwas hektischen und schnell abgewickelten Ende führen sollte.
Nichts desto trotz sorgt „Die Dynastie der Maschinen“ für eine sehr unterhaltsame Zeit und darüber hinaus konnte der Autor damit dem Roboter-Genre einen weiteren Aspekt durch Verwendung einer erfrischend neuen Idee hinzufügen. Allein dafür hatte sich der Genuss dieses Werkes bereits gelohnt.
Jürgen Seibold/01.09.2019

Jones, Diana Wynne: Fauler Zauber

Originaltitel: The Dark Lord of Derkholm
Überarbeitete Neuausgabe Januar 2019
©1998 by Diana Wynne Jones
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52290-5
ca. 480 Seiten

COVER:

Ausnahmslos alle – die Zauberer, Soldaten, Bauern, Drachen und Elfen – haben die Nase voll von Mr. Chesneys Pilgerfahrten. Jahr für Jahr fallen Touristengruppen aus einer benachbarten Welt in Derkholm ein, um ein klassisches Fantasy-Abenteuer zu erleben – mit allem, was dazu gehört: bösen Magierinnen, gefährlichen Drachen und dem furchteinflößenden Dunklen Fürsten. Stets werden andere Bewohner des Reiches dazu auserwählt, diese Rollen zu übernehmen.

Aber dieses Jahr reicht es den Leuten. Mr. Chesney mag einen mächtigen Dämon an seiner Seite haben, doch ein Orakel weiß Rat. Nun ist es an Zauberer Derk und seiner Familie aus Menschen und Greifen, den Verwüstungen Einhalt zu gebieten und ihre Welt zu retten.

REZENSION:

Die leider schon von uns gegangene Autorin Diana Wynne Jones veröffentlichte bereits im Jahre 1998 den vorliegenden Roman mit dem deutschen Titel „Fauler Zauber“.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Roman schon vor einiger Zeit auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich war – laut Beschreibung im Impressum handelt es sich jedenfalls um eine überarbeitete Neuausgabe.
Nun, mir ist er bisher jedenfalls noch nicht untergekommen und somit widmete ich mich gänzlich vorbehaltlos dieser Ausgabe.
Die von Diana Wynne Jones ersonnene Geschichte strotzt vor Einfallsreichtum. Man stelle sich nur vor: Wir befinden uns in einer Fantasy-Welt und diese wiederum wird als Touristenziel ausgebeutet. Dabei ist es jedoch keineswegs so, dass sich schlicht Touristen in diese Welt aufmachen – nein, die Bewohner der Fantasywelt müssen dabei auch noch sämtliche Klischees befriedigen und spielen somit trotz ihrer eigentlichen Eigenschaft als fantastisches Wesen eine aufgesetzte Rolle, um den Erwartungen gerecht zu werden. Somit müssen alle nur erdenklichen Klischees bedient werden – bis hin zum Endgegner, dem Dunklen Fürsten, der gegen die Touristen antreten muss, damit deren teures Erlebnis zu einem gelungenen Ende führt.
Diese Ausbeutung ist den Einwohnern ein Greuel und somit versuchen sie sich immer wieder dagegen zu stellen. Bisher ohne jeglichen Erfolg – doch nun scheint auch das Orakel auf ihrer Seite zu sein…
Der Inhalt dieses Werkes ist wahrlich fantastisch. Eine rundum gelungene Idee, die trotz der klischeebehafteten Ausarbeitung innerhalb des Genres problemlos unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Allein dafür kann man vor dieser Autorin den Hut ziehen. „Fauler Zauber“ ist zwar zu Anfang ein wenig langatmig und man findet nur nach und nach den Zugang zur Geschichte – sobald man sich jedoch auf dem von der Autorin eingeschlagenen Weg befindet, machen die Erlebnisse in dieser Welt einfach nur noch Spaß.
Die sprachlichen Feinheiten zeugen von hoher Qualität und der darin befindliche Witz ist geschickt eingewoben.
Eine wohltuende und wundervolle Geschichte, die trotz ihrer sympathischen und humorvollen Ausarbeitung ein klein wenig Nachdenklichkeit hinterlässt. Somit eine Story, die nicht nur zu unterhalten weiß, sondern eben auch seinem Leser etwas mitgeben möchte. Mehr lässt sich doch nicht wünschen…
Jürgen Seibold/24.08.2019