King, Stephen: ES

Originaltitel: IT
Aus dem Amerikanischen von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber. Bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann.
Vollständige Taschenbuchausgabe 09/2019
©1986 by Stephen King
©1990, 2011 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-50408-0
ca. 1.534 Seiten

COVER:

1957 hat alles begonnen: Der kleine George ist das erste Opfer. Und dann bricht Es wie die Pest über die Stadt Derry herein, eine Gräueltat folgt der anderen … Über 25 Jahre später: Mike Hanlon ruft sechs Freunde zusammen und erinnert sie an den Schwur, den sie einst geleistet haben. Sollte Es, sollte das namenlose Böse noch einmal auftauchen, wollen sie sich wieder in Derry treffen. Damals sind die Freunde in die Abwasserkanäle gestiegen, als Kinder haben sie Es gejagt und zu töten versucht. Aber Es wurde nur verletzt. Und jetzt geht das Grauen wieder um, daran besteht kein Zweifel. Einer der Freunde kann zu dem Treffen nicht mehr kommen. Er liegt blutverschmiert in seiner Badewanne. Offensichtlich Selbstmord …

REZENSION:

Im zarten Alter von 15 Jahren – mitten in den herausragenden 80er Jahren – begann meine Leidenschaft zu einem der sicherlich größten Autoren unserer Gegenwart: Stephen King.
Bekannt als Bücherwurm wurde ich mehrmals in der Schule auf dieses Buch hingewiesen. Die hohe Frequenz dieser Hinweise ließen mich jedoch eher abschrecken. Als Leser abseits des Mainstreams konnte es sich hierbei doch wohl nur um Mainstream handeln – wie könnte es denn sonst sein, dass plötzlich gefühlt jeder dieses Buch in Händen hält.
Gut, eines Tages führte mich der Weg in die örtliche Bücherei. Trotz des tiefkatholischen Trägers standen zwei Werke von Stephen King im Regal der Phantastischen Literatur: Shining und Es. Nachdem momentan wohl jeder Es zu lesen schien, entschied ich mich für Shining als das erste Werk, welches ich von diesem für mich recht neuen Autoren lesen sollte.
Sorgte Shining bereits dafür, dass ich diesem Schriftsteller gnadenlos ausgeliefert wurde, verfestigte sich dies bei der Lektüre von ES nur noch.
Jahre später – man muss bedenken, dass es eine Zeit der Buchclubs und lange vor den Möglichkeiten eines Internets – stellte ich erst fest, dass ich lediglich eine gekürzte Fassung dieses Blockbusters zu mir genommen hatte. Somit fehlten mir bei den mehrmaligen Lese-Wiederholungen jeweils etwa 400 Seiten zur ungekürzten Variante.
Mittlerweile habe ich auch diese bereits mehrmals gelesen und lauschte auch schon der englischen Variante des Hörbuchs. Wie man merkt, entwickelt sich dieses Werk zu meinem Alltime-Lieblingsbuch und ich gehe sogar weiter: ES steht bei mir über allen je gelesenen Büchern – und ich lese wahrlich nicht wenig…
Nun brachte der Heyne-Verlag zur Veröffentlichung der gut gelungenen, zweiteiligen Verfilmung das Werk in einer neuen Ausgabe heraus. Inhaltlich nicht geändert, ungekürzt und durch ein dem Film entsprechendes Cover gestaltet. Diese Veröffentlichung ließ mir absolut nichts übrig, als mich zum nun sicherlich zehnten Male diesem Werk zu widmen. Und: Ich machte das erneut mit voller Freude auf den Inhalt und dem Wiedersehen des Clubs der Verlierer.
Beim Genuß von ES stellt man sehr schnell fest, dass es sich hier nicht um einen typischen Horror-Roman handelt. Interessanterweise zählt es dennoch fast nur in diese Riege.
ES ist aber vielmehr und wenn man die Gesamtseitenzahl von ca. 1.500 betrachtet, dann sei jedem gesagt, dass ES selbst beinahe nur als Randfigur beziehungsweise als Antrieb der jeweiligen Handlungen auftritt und notwendig ist. ES ist eine Geschichte über die Geschehnisse in einer kleinen bürgerlichen Stadt in Maine. ES ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden. ES ist eine Geschichte über Freundschaft. ES ist eine Geschichte gegen Rassismus, gegen Engstirnigkeit, gegen Gewalt in der Familie, gegen Kleinbürgertum, gegen das Vergessen…
Noch viel mehr lässt sich hierzu aufzählen – und noch niemals ist mir ein Roman mit einer erzählerischen Kraft gereicht worden, die nur ansatzweise an die Macht dieses Werkes herankommt.
Wer ES als lapidaren Horrorroman abtut hat es mit Sicherheit nicht gelesen beziehungsweise verstanden. Gleichzeitig könnte es sein, dass Leser der jüngeren Generation mit der detailreichen Darlegung der 50er und 80er Jahre Schwierigkeiten mit dem persönlichen Eintauchen in die Story bekommen. Ich selbst fühle mich jedes Mal zu Hause, wenn ich diese Geschichte von neuem beginne. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass sich zwischen den Umschlägen auch ein Teil meines Lebens befindet.
Bereits beim Schließen des Buches fragte ich mich, wann ich es erneut lesen werde. Momentan stelle ich mir doch tatsächlich vor, mich diesem Werk jedes Jahr widmen zu wollen.
ES ist und bleibt auch weiterhin in meinen Augen das Buch, an dem sich jegliche anderen Bücher messen lassen müssen.
ES ist die Mutter der Bücher – und nicht nur im Genre des Horrors.
Ich freue mich schon auf das nächste Mal…
Jürgen Seibold/03.11.2019

King, Stephen: Das Institut

Originaltitel: The Institute
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2019 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27237-8
ca. 768 Seiten

COVER:

In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Sie befinden sich im Vorderbau des Instituts. Luke erfährt, dass andere vor ihnen nach einer Testreihe im „Hinterbau“ verschwanden. Und nie zurückkehrten. Je mehr von Lukes neuen Freunden ausquartiert werden, desto verzweifelter wird sein Gedanke an Flucht, damit er Hilfe holen kann. Aber noch nie zuvor ist jemand aus dem streng abgeschirmten Institut entkommen.

REZENSION:

Der neueste Roman von Stephen King trägt den Titel „Das Institut“ – und diese knappe Bezeichnung klärt bereits das hauptsächliche Setting der Geschichte.
Allein auf Basis der hohen Seitenzahl war ich mir sicher, dass King wieder seiner Rolle treu bleibt und somit seiner ausschweifenden und doch interessanten Erzählweise entsprechend vorgehen wird. Dies lässt sich auch problemlos bejahen, da er sichtlich losgelöst von seiner grundsätzlichen Idee das Buch beginnt und uns durch eine unaufgeregte Weise einen Protagonisten vorstellt, den man dann erst wieder zum Ende des Buches treffen wird. Dennoch ist bereits dieser Part außerordentlich interessant und schon bleibt einem nichts weiter übrig, als ungebremst der Geschichte zu folgen. Kings Stärke zeigt sich stark in diesem ersten Part, da er hier nichts weiter macht, als ein Kleinstadtleben vor dem Leser auszubreiten. Ohne jegliche Dramatik oder Spannung ist man an die Wörter fixiert. King stellt uns unaufgeregt einen Protagonisten vor: Tim Jamieson. Bevor man sich jedoch die Frage nach dessen weitere Rolle in der eigentlichen Geschichte stellt, schwenkt der Autor zu Luke und zieht dabei die Daumenschrauben an.
Luke wird gekidnappt und wacht wieder in einem Institut auf. Spätestens jetzt kann man sich dem Buch nicht mehr entziehen: Jegliche Handlung wirkt glaubwürdig, spannend und rundum gut durchdacht. Man erkennt sehr deutlich, dass King hier auch eine kleine Hommage an die erfolgreiche Serie „Stranger Things“ vornehmen wollte. Darüber hinaus zeigt sich wieder einmal, dass King ein unerreichbares erzählerisches Händchen hat, wenn Kinder die Hauptrolle bei hm spielen. In diesem Fall ist es zwar keine klassische „Coming-of-age“-Geschichte, dennoch sind in „Das Institut“ die Kinder nicht nur Opfer, sondern auch dazu gezwungen, ihrem eigenen Schicksal entgegen zu treten.
Der parapsychologische Touch erinnert etwas an Geschichten aus den 80er Jahren, wodurch der Gedanke an eine Hommage lediglich verstärkt wird. Das Setting spielt zwar in der heutigen Zeit – der Flair lässt sich jedoch nicht verleugnen.
Beinahe nebenbei führt er uns den Wahnsinn eines geheimen Instituts vor Augen und schreckt auch vor Vergleichen zu Konzentrationslagern nicht zurück. Kings Geschichten waren schon immer etwas mehr als reine Geschichten zur Unterhaltung. Auch wenn er oberflächlich betrachtet nur reine Unterhaltungswerke zu erschaffen scheint, schwingt immer sehr viel Zusätzliches mit. King möchte aufzeigen, dass der wahre Horror in der Wirklichkeit liegt und dabei auch das kleinbürgerliche nicht davor zurückschreckt. Im Gegensatz zu manch anderen Werken entlädt sich das Grauen im vorliegenden Buch nicht unter Verwendung eines Monsters oder ähnlichem – nein, in „Das Institut“ ist das Grauen greifbar und gelebt von Personen, die ihre Machtposition ausleben und dabei vor nichts zurück schrecken. Dies macht den Plot noch erschreckender und fühlbarer, denn der größte Feind der Menschheit ist und bleibt der Mensch.
„Das Institut“ ist jedenfalls ein abermals herausragendes Werk eines Autors, der routiniert Geschichten erzählt, dabei aber immer wieder zu überraschen weiß. Eine absolute Empfehlung und sicher auch ein Werk, welches bei manchem Leser die persönliche Bestenliste der King-Bücher neu durchschütteln wird.
Jürgen Seibold/15.09.2019

Simmons, Dan: Elm Haven (Zwei Romane in einem Band – „Sommer der Nacht / Im Auge des Winters“)

Originaltitel: Summer Of Night / A Winter Haunting
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber („Sommer der Nacht“) und Friedrich Mader („Im Auge des Winters“)
Überarbeitete Neuausgabe 04/2019
© 1991, 2002 by Dan Simmons
© 2019 dieser Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31981-3
ca. 1.006 Seiten

COVER:

SOMMER 1960: Schwüle Hitze brütet in den Straßen der kleinen Stadt Elm Haven in Illinois. Träge fließen die Tage dahin, und vor den fünf Freunden Mike, Duane, Dale, Harlen und Kevin liegt die beste Zeit ihres Lebens – die Sommerferien. Drei Monate lang keine Schule, keine Hausaufgaben, keine Lehrer, stattdessen Wochen von grenzenloser Freiheit. Denken sie zumindest … Denn schon bald geschehen merkwürdige Dinge: Ein geheimnisvoller Soldat wird immer wieder in den Feldern rund um Elm Haven gesehen, ein mysteriöser Truck tötet beinahe einen der Freunde, und schließlich verschwindet ein Junge spurlos durch ein Loch in der Wand. All diese Ereignisse scheinen mit dem riesigen leerstehenden Gebäude der Old Central School zusammenzuhängen. Als die Freunde versuchen, mehr darüber herauszufinden, stoßen sie auf ein uraltes Geheimnis – und der Albtraum beginnt.

Vierzig Jahre später kehrt der erfolgreiche Schriftsteller Dale Stewart nach Elm Haven zurück. Er hat eine Schreibblockade, seine Ehe liegt in Trümmern und in seiner Heimatstadt hofft er, genug Inspiration zu finden, um seinen neuen Roman zu beenden. Bald muss Dale jedoch feststellen, dass sich seit dem denkwürdigen Sommer 1960 zwar einiges verändert hat, eines jedoch nicht: das Grauen ist noch immer in Elm Haven zu Hause …

Rezension:

Der US-Amerikanische Schriftsteller Dan Simmons macht es seinen Fans nicht leicht. Zumindest den Fans, die sich bei einem Namen durch ein gelesenes Buch auf ein darin verwendetes Genre auf eine bestimmte Richtung festlegen wollen. Simmons ist aber schon immer in mehreren Genres zu Hause und dabei bedient er diese auch noch außerordentlich gut. Ich selbst habe noch gar nicht wirklich viele verschiedene Bücher von ihm gelesen. Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, handelt es sich bei Elm Haven und das dritte von mir gelesene Werk. Gleichzeitig auch das dritte von Simmons bediente Genre.
Begonnen hatte ich mit den sagenhaften Hyperion-Gesängen (was allein schon zwei oder drei Bücher sind) – somit weit entfernte Science Fiction und absolut empfehlenswert.
Irgendwann später folgte TERROR, worin Simmons eher einen historischen Roman abliefert. Natürlich mit ein paar mystischen bzw. mysteriösen Elementen versetzt oder angereichert, davon abgesehen aber dermaßen authentisch und rundum tiefgehend recherchiert, dass man sich selbst auf den Schiffen der Franklin-Expedition teilnehmend fühlte. Die Kälte dringt einem in die Knochen und es war eines der wenigen Bücher, bei denen ich im Nachgang selbst noch mehr über die Geschehnisse dieser Expedition in den Weiten des Internets recherchierte. Unglaublich interessant, auf wieviel verschiedene Informationen und Begebenheiten man dabei stößt. Gleichzeitig die Erkenntnis, dass Simmons in genanntem Werk wirklich alle nur erdenklichen Informationen vor des Lesers Augen ausgebreitet hat. Unfassbar gut!
Nun eine weitere Neuauflage des Heyne-Verlages: Elm Haven. Ein Doppelband, in dem sich die beiden zeitlich weit auseinanderliegenden Bücher „Sommer der Nacht“ und „Im Auge des Winters“ befinden. Genrezuordnung: Horror.
Die beiden Geschichten sind dabei ineinander verflochten, gleichzeitig aber 40 Jahre auseinander. „Sommer der Nacht“ handelt von einem Team junger Kids, die sich mysteriösen Begebenheiten entgegenstellen müssen. Klingt vertraut? Ja, sofort denkt man an Stephen Kings Blockbuster ES und beim Lesen des vorliegenden Buches wurde ich auch das Gefühl nicht los, das Simmons hier in die Fußstapfen dieser großen Geschichte treten möchte.
Dies ist ihm auch nahezu gelungen. King lässt einen zwar etwas mehr an der Persönlichkeit der teilnehmenden Protagonisten teilnehmen und schwätzt in seiner unnachahmlichen Art über jegliche Kleinigkeit im verschlafenen Derry – dennoch schafft es auch Dan Simmons auf eine sehr interessante Art die Begebenheiten in Elm Haven lebendig zu vermitteln. Sein kämpferisches Team ist nicht ganz so eng verzahnt wie der Verlierer-Club in ES, trotzdem scheuen sie sich auf ihre Art und Weise nicht davor, sich dem auftretenden Grauen entgegen zu stellen.
Allein für „Sommer der Nacht“ – welches auch 70% der Gesamtseitenzahl in Anspruch nimmt – hat sich dieser Band bereits gelohnt. Im zweiten Buch „Im Auge des Winters“ kommen wir wieder nach Elm Haven, es sind jedoch 40 Jahre seit den Geschehnissen im Jahre 1960 vergangen. Dale Stewart kommt zurück und möchte in der ehemaligen Farm seines damaligen Freundes seinen angefangenen Roman beenden. Wie soll es anders sein: Es kommt anders als erwartet.
Dan Simmons zweites Buch in diesem Sammelband ist gänzlich anders erzählt und es fällt einem schwer, auch dafür ebenfalls Lobeshymnen aussprechen zu können. Viel zu oft fühlt man sich beim Lesen sichtlich verwirrt. Nach und nach stellt man aber heraus, warum man sich verwirrt fühlt – geht es doch dem Protagonisten ebenso…
Ich möchte hier nichts verraten, deshalb nur soviel: „Im Auge des Winters“ besitzt nicht die Qualität des ersten Buches über Elm Haven, dennoch hält es einen nachdenklich zurück und wenn einige Stunden vergangen sind, bekommt man immer mehr das Gefühl, dass es ein anspruchsvolles aber aus diesem Grund in seiner Erzählung und Vorgehensweise sehr hochwertiges Werk ist. Rein vom Unterhaltungsanspruch siegt „Sommer der Nacht“, „Im Auge des Winters“ fährt aber einen interessanten Parcours, der den Leser mit immer neuen Erkenntnissen überrascht. Somit kann ich problemlos für den gesamten Band eine Empfehlung aussprechen.
Jürgen Seibold/31.03.2019

King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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King, Stephen / Chizmar, Richard: Gwendys Wunschkasten

Originaltitel: Gwendy’s Button Box
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
©2017 by Stephen King und Richard Chizmar
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-43925-2
ca. 127 Seiten

COVER:

Wiedersehen mit Castle Rock

Die kleine Stadt Castle Rock in Maine hat die seltsamsten Dinge erlebt. Warum sollte es der jungen Gwendy anders ergehen? Eines Tages schenkt ein schwarz gekleideter Unbekannter ihr einen Holzkasten mit lauter Schaltern und Hebeln. Wozu er dient? Gwendy probiert es aus, und ihr Leben verändert sich von Grund auf.

REZENSION:

Mit Gwendys Wunschkasten kommt eine in meinen Augen sehr kurze Geschichte von lediglich knappen 130 Seiten auf den Markt. Die Bindung als Hardcover wirkt handlich und macht sich gut im Stephen-King-Regal.
Bei dieser Seitenzahl kann natürlich der normalerweise ausschweifend erzählende Autor nicht ausholen, wie man es von ihm kennt und zu schätzen weiß.
Bereits nach einigen Seiten musste ich schmunzeln, da Gwendy von einem Fremden namens Richard Farris einen Kasten mit Tasten bekommt. Nun, wer King kennt, weiß, das er gerne mit seinen Figuren bücherübergreifend spielt und sogar in Initialen Bedeutungen verborgen sind. Nun, Richard Farris = R.F. = Randall Flagg. Somit scheint sich hinter diesem Kasten sicherlich mehr zu verbergen, als es oberflächlich den Anschein zu haben scheint.
Die Story selbst ist eine wunderschöne Parabel über das Erwachsenwerden (wohl eine Leidenschaft Kings), als auch über die auftretenden Probleme beim Übernehmen von großer Verantwortung.
Sicher, durch die begrenzte Seitenzahl kann hier nicht allzu sehr ausgeholt werden, dennoch war es wieder einmal ganz schön, nach Castle Rock zurück zu kommen.
Gwendys Wunschkasten ist jedenfalls ein gelungenes Häppchen, bevor man sich dem nächsten 1000-Seiten-Blocker Kings widmet. Das Ende ist diskussionswürdig, aber auch wieder typisch für einen King.
Gwendys Wunschkasten besitzt einen dezenten Grusel, regt zum Nachdenken an und sorgt für ein behagliches Wiedersehen mit der fiktiven Stadt. Ein, zwei Verweise auf andere Werke konnte der Autor trotz der kurzen Möglichkeit auch noch hinterlassen.
Ein nettes, kleines Büchlein mit einer Geschichte, die mich ausreichend überzeugen konnte. Es gibt schlechtere King-Kurzgeschichten, aber es gibt auch bessere. Nichts desto trotz konnte Gwendys Wunschkasten überzeugen und ich freue mich bereits auf den Genuss seines neuesten Romans.
Jürgen Seibold/17.12.2017

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Danny King: Das Haus der Monster

Originaltitel: The Monster Man of Horror House
Übersetzung: Heike Schrapper
©2017 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-184-4
ca. 328 Seiten

COVER:

Es gibt ihn in jeder Kleinstadt: Den verrückten alten Sonderling, der allein in einem unheimlichen Haus lebt, das fast so heruntergekommen ist wie er selbst.
In dem englischen Städtchen Thetford ist sein Name John Coal. Aber als die Jungen aus der Nachbarschaft anfangen, dem eigenbrötlerischen Alten immer dreistere Streiche zu spielen, müssen sie feststellen, dass sie sich mit dem Falschen angelegt haben. Denn John Coal hat mehr als eine Leiche im Keller. Zu den dunklen Geheimnissen, die er bewahrt, zählen seine Abenteuer mit Serienmördern, Werwölfen, Dämonen, Geistern und manisch-depressiven Vampiren. Und es wäre ein Fehler, einen Mann zu unterschätzen, der all dies überlebt hat …

REZENSION:

Danny King ist nach meinem Kenntnisstand mittlerweile ein recht bekannter Autor aus UK. Dennoch hat sich noch kein deutscher Verlag seinem Werk angenommen und in unseren Gefilden angeboten.
Erfreulicherweise nahm sich der Luzifer-Verlag dem an, und bringt mit “Das Haus der Monster” ein Buch Danny Kings auf den deutschen Markt. Wie sich dabei herausstellen sollte: Es wird sicherlich weder Danny Kings noch des Verlags Schaden sein – im Gegenteil: Nehmt euch doch bitte auch noch die anderen Bücher Kings zur Brust und bringt diese über den kleinen Teich.
Doch worum geht es eigentlich?
Nun, Danny King entführt uns in ein kleines Nest, in dem ein verschrobener Alter lebt. Wie so oft, wird dieser nicht nur schräg angesehen, sondern auch zum Opfer der örtlichen Möchtegern-Halbstarken.
Eines Tages dreht John Coal jedoch den Spieß herum und stellt den Jugendlichen eine Falle. Natürlich tappen diese nahezu ungebremst hinein und finden sich plötzlich im Keller Johns auf einer Couch wieder.
Eher vor Angst zitternd lauschen sie den Worten John Coals – der die Jugendlichen anhand einiger Erzählungen seines Lebens bekehren möchte.
Danny King macht es sich beinahe ein wenig einfach, denn er nimmt sich vier Kurzgeschichten, baut eine Rahmenhandlung darüber und schwupps, schon hat er einen handfesten Roman entwickelt. Siehe da: Dabei funktioniert das Ganze auch noch.
Die Geschichte mit den Kids, die den Worten John Coals lauschen müssen bleibt dabei eher nebensächlich und leider auch dementsprechend oberflächlich. Hier hätte ich wirklich noch viel mehr Liebe zum Detail erwartet. Insbesondere der Umstand, dass John Coal längere Zeit drangsaliert wird und nun zum letzten Mittel greift, wird in einigen wenigen Seiten abgehandelt.
Zwischen seinen Geschichten ist die jeweilige “Kellersequenz” lediglich Mittel zum Zweck und dient nur als schmale Brücke zur nächsten Erzählung.
Die Erzählungen selbst machen ausreichend Spaß und treffen verschiedene Genre. Über deren Inhalt möchte ich nicht wirklich etwas erzählen – aber mit einem Serienmörder, einem Monster, einem Werwolf und einem Vampir ist doch zumindest ein sehr breites Spektrum abgedeckt.
DAS HAUS DER MONSTER ist somit ein sehr abwechslungsreich gestalteter Roman – oder besser: Kurzgeschichtenband, als Roman verkleidet – der einfach Spaß beim Lesen bereitet. Ein Blockbuster wäre es geworden, wenn Danny King sich noch sehr viel detaillierter dem aktuellen Leben John Coals gewidmet hätte. Ein klein wenig blitzt es wie ein zarter Lichtstrahl durch (insbesondere am Ende), aber das Leben Coals hätte da sicherlich mehr Detail verdient.
Aber wollen wir nicht auf einem hohen Niveau meckern, denn DAS HAUS DER MONSTER sorgt für eine perfekte Unterhaltung und lässt auf weitere Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt hoffen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

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Stephen King, Robin Furth, Peter David, Alex Malev, Richard Isanove: Der Dunkle Turm – 10 – Der Mann in Schwarz

© Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2014
© 2013 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Panini Verlags GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-86869-530-4

COVER:

»Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste… und der Revolvermann folgte ihm.«

Dreißig Jahre lang hat Stephen King an der Roman-Saga um den Dunklen Turm gearbeitet, die nach eigener Aussage sein Opus magnum darstellt. Nach der Vollendung verkündete er, nun alles geschrieben zu haben, was es für ihn zu erzählen gibt.

Aber die Figuren aus der von ihm geschaffenen phantastisch-apokalyptischen Mittwelt geben keine Ruhe. Die Geschichte um den Revolvermann Roland Deschain wird weitererzählt. In einer groß angelegten Graphic Novel wird der Weg des zunächst jungen Mannes nachgezeichnet, welche Freuden er erlebt hat, welche Abenteuer bestanden, welche Verluste erlitten, bis er zu dem unerbittlichen Rächer wurde, der alles auf der Suche nach dem Dunklen Turm unterordnet.

Stephen King hat sich mit den Meistern der Comic-Zunft zusammengetan, um ein grafisches Werk zu schaffen, das einzigartig ist. Der Mann in Schwarz, der zehnte Band der epischen Graphic Novel, ist Teil der Adaption des Romans Schwarz, in dem Rolands große Suche nach dem Dunklen Turm ihren Anfang hat – oder ihr Ende?

»Lange Tage und angenehme Nächte…«

REZENSION:

Der Dunkle Turm lässt mich einfach nicht los. Über Jahre hinweg begleitet mich Roland immer mal wieder – sei es beim erneuten hereinschnuppern in die Originalromane, oder eben in die nach und nach von mir fortgeführte Graphic-Novel-Reihe, deren zehnten Band ich nun genossen habe.
Wie bereits mehrfach gesagt, finde ich die Zeichnungen im Vergleich zu den ersten Bänden nicht mehr so überragend – nichts desto trotz sind sie immer noch auf einem sehr hohen Niveau und werden der Geschichte gerecht.
Endlich befinden wir uns thematisch auch an den Anfängen der Romanreihe Stephen Kings und somit begleitet man nun Roland auf seinen ersten Schritten in Richtung des sagenhaften Turmes.
Immer noch angetan von der Qualität dieser Sammelbände des Splitter-Verlags, hoffe ich sehr, dass ein ausreichender Markt vorhanden ist, um auch in fernen Zeiten gemeinsam mit Roland Deschain den Turm erblicken zu können.
In meinen Augen immer noch eine sehr hochwertige und gelungene Umsetzung eines absoluten Epos eines Meisters des geschriebenen Wortes.
Absolut empfehlenswert für jeden Freund des Dunklen Turms.
Jürgen Seibold/25.02.2017
Stephen King – Der Dunkle Turm: Band 10. Der Mann in Schwarz – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Mind Control

king_mindOriginaltitel: End Of Watch
© 2016 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27086-2

COVER:

In Zimmer 217 ist etwas aufgewacht. Etwas Böses. Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, den wir aus Mr. Mercedes und Finderlohn kennen, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt schließlich mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät.

REZENSION:

Ich denke, dieses Buch benötigt sicherlich keine Werbung, denn der Autorenname ist bereits Werbung genug.
Nachdem Stephen King seit nunmehr etwas über 30 Jahren mein absoluter Lieblingsautor ist, bin ich natürlich einerseits euphorisch und andererseits skeptisch, ob er mich erneut problemlos unterhalten kann.
Mit Mind Control liegt nun der letzte Band einer Krimitrilogie des immer noch „Meister des Horrors“ genannten Autors vor. Die Vorgänger mit den Titel Mr. Mercedes und Finderlohn sorgten dafür, dass einer wie ich, der nicht allzu viel von Krimis hält, den Weg in dieses Genre gefunden hat und dabei durch und durch überzeugt worden ist.
Mind Control ist nun der Abschluss, dessen Ende sogleich für Wehmut sorgt und sehr emotional die Trilogie beendet.
Stephen Kings Geschichte ist in diesem Fall ein kleines Anlehnen an den typischen King, denn es kommen – im Gegensatz zu den beiden ersten Bänden – parapsychologische Elemente hinzu. Dies schadet der Story nicht, könnte aber unter Umständen nicht jedermanns Sache sein. Ich glaube aber, dass King-Anhänger damit kein Problem haben.
Wir erleben sämtlich Höhen und Tiefen der Protagonisten und somit ist Mind Control ein gelungener Abschluss einer nicht zu verachtenden Trilogie. Ich persönlich halte Mind Control nicht mehr ganz so stark wie die beiden Bücher davor – nichts desto trotz ist es passend, überzeugend und konnte für einige spannende und unterhaltsame Stunden sorgen.
Alles in allem ein würdiger Abschluss einer, im Ganzen betrachtet, starken Krimitrilogie eines Autoren, der erneut seine Wandlungsfähigkeit bewiesen hat und von dem noch hoffentlich viele weitere Romane erscheinen werden.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Mind Control: Roman (Bill-Hodges-Serie, Band 3) – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Basar der bösen Träume

King_basarOrignaltitel: Bazaar of Bad Dreams
©2015 by Stephen King
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-16403-4
ca. 768 Seiten

COVER:

Abermals legt Stephen King, u. a. Träger des renommierten »O.-Henry-Preises«, eine umfassende und vielseitige Kurzgeschichtensammlung vor. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht.

Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube – Geschichten, die uns einladen, Stephen Kings Meisterschaft im Erzählen aufs Neue beizuwohnen, oder, wie er selbst in seinem Basar der bösen Träume ausruft: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.«

REZENSION:

Im vorliegenden Band vereinen sich zwanzig Kurzgeschichten meines absoluten Lieblingsautors. In der Vergangenheit sah ich King jedoch nicht wirklich als Kurzgeschichtenerzähler, da mir seine ausschweifenden Romane nahezu durch die Bank erheblich mehr zusagten. Nun erneut ein Kurzgeschichtenband, in dem sich teils bereits veröffentlichte, teils neue Kurzgeschichten des Autors wiederfinden lassen. Die Geschichten selbst sind sehr unterschiedlich und somit kann ein Leser, dessen Meinung in Richtung Stephen King immer noch ausschließlich etwas von Horror sagt, hier nicht durchgehend zufrieden sein. Viel zu verschiedene Stimmungen und Genres baut King auf.
Nichts desto trotz schaffte er es erneut nicht umfassend, mich mit diesem Band zu überzeugen. Sicher: Einige Geschichten überzeugten mit jedem Wort – andere jedoch konnten mich in keinster Weise berühren.
Der Schreibstil Kings ist beileibe bei allen außerordentlich, aber trotzdem konnte der Funke nicht immer überspringen. Somit ein ganz netter Band für mich als 100%igen-King-Käufer-und-Leser, aber nun warte ich lieber auf den nächsten Roman.
Positiv sei zu erwähnen, dass Heyne in diesem Fall den Originaltitel einfach mal in das deutsche übersetzt hat und wohl weg ist vom unsäglichen “wir brauchen einen Titel mit nur einem Wort”. Endlich!
Negativ sei zu erwähnen, dass der namhafte Verlag aber ein wenig in der Übersetzung geschludert hat. Im Falle eines 2,99 € Buches eines aufstrebenden Selfpublishers schließe ich wohlwollend meine Augen und kann das akzeptieren – bei diesen doch recht hochpreisigen Büchern erwarte ich aber auch die notwendige Qualität. Hier muss definitiv darauf geachtet werden, insbesondere, da Verlage in der heutigen Zeit durch die aufkommende Konkurrenz immer das Argument bringen, dass bei ihnen eben eine andere Qualität dahinter steckt. Nun, dann möchte ich neben einigen Fehlern in Sätzen auch nicht so etwas offensichtliches lesen, wie “Rache” statt dem Namen “Rachel”. Das darf einfach nicht passieren.
Jürgen Seibold/04.02.2016
Basar der bösen Träume KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Finderlohn

King_FinderlohnOriginaltitel: Finders Keepers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
© 2015 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-16402-7

COVER:

John Rothstein hat in den Sechzigern drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen »Verrat«. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern, die auch unveröffentlichte Romane enthalten. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der Junge Peter Saubers auf den »Schatz«. Nach seiner Haftentlassung kommt Bellamy dem ahnungslosen Peter auf die Spur und macht Jagd auf ihn. Kann Bill Hodges, den wir als Detective a. D. aus Mr. Mercedes kennen, den Wahnsinnigen stoppen?

REZENSION:

Stehen King zählt noch immer als King des Horror. Wer sich aber mit seinem bisherigen Werk befasst, wird schnell feststellen, dass diese Eingruppierung schon lange obsolet ist, denn er hat wahrlich bereits jegliches Genre beackert. Er schrieb Horror, Fantasy, Science Fiction und noch vieles mehr. Nun liegt mit Finderlohn sein zweiter Roman einer Krimitrilogie vor und somit kann man Stephen King nur noch als eigenes Genre betrachten und jeder Handel müsste für ihn ein seprates Genre bzw. Regal aufbauen.
Nach Mr. Mercedes ist Finderlohn der zweite Roman um den pensionierten Ermittler Bill Hodges. Im Gegensatz zum ersten Band kommt nun jedoch Bill Hodges sehr spät in der Geschichte vor. Hierdurch wirkt es nicht so Krimihaft wie Mr. Mercedes, was jedoch diesem Band sichtlich gut tut.
Wie bereits des öfteren in der schriftstellerischen Vergangenheit des Autors treffen wir hier auf einen fanatischen Fan. Dieser bricht bei einem Autor ein und ermordet diesen. Dies alles nur, um diesem seine Vielzahl an Notizbüchern zu entwenden, in denen sich auch ein weiterer Entwurf eines Romans befindet, der die vom Mörder bis ins kleinste Detail geliebte Geschichte weiter erzählt.
Der Mörder kommt aus anderen Gründen in das Gefängnis und wartet sehnsüchtig auf seine Entlassung, um sich den von ihm vergrabenen Notizen endlich widmen zu können.
Als weiteren Protagonisten baut King, ebenfalls wie in früheren Werken, einen Jungen ein, der den vergrabenen Koffer findet und mit dem darin befindlichen Geld seinen Eltern auf interessante Weise beim täglichen Überlebenskampf hilft.
Die Notizbüchern sind dabei erst einmal nebensächlich, rücken jedoch im Laufe der Geschichte immer stärker in den Fokus der Geschichte und es beginnt ein Katz- und Mausspiel, dessen spannende Elemente rasant in den Vordergrund drängen.
Bill Hodges selbst kommt – wie gesagt – sehr spät mit in das Spiel und wird lediglich unterstützend tätig. Die Hauptrolle trägt der junge Peter Saubers und somit ist der Abstand zwischen Krimi und Thriller nur marginal zu erkennen.
Dieser Umstand hilft dem Buch ungemein, da er übliche Krimiwege zu verlassen versucht, ohne dabei gänzlich darauf zu verzichten.
Stephen King beweist mit Finderlohn, dass er auch diesem Genre gewachsen ist und wohl einfach über das schreiben kann, was ihm gerade im Kopf herumschwirrt.
Mr. Mercedes war etwas spannender, befriedigte dabei aber beinahe allen Krimiklischees – Finderlohn geht einen Schritt zurück, bedient sich nur noch einigen Krimivorgaben und wirkt dadurch beinahe stärker, obwohl die Spannungselemente im ersten Buch etwas härter angezogen waren.
Finderlohn wirkt dabei auch als alleinstehendes Buch – durch die vielen Verknüpfungen zu Mr. Mercedes ist es aber sinnvoll, die Lesereihenfolge einzuhalten.
Finderlohn ist ein grandios geschriebenes Buch. Es fesselt nicht nur, sondern lässt auch ausreichend Tiefgang zu, um den Leser zugleich zu berühren und zu fesseln.
Fest eingewoben lässt sich King über die Macht von Literatur aus, wodurch man als Leser nur noch mehr in die gesamte Erzählung einzutauchen gewillt ist.
Krimis sind immer noch nicht gerade meine Leidenschaft – hier verschwimmen jedoch die Genregrenzen und es zeigt sich einfach ein absolut hochwertiger, interessant und ausreichend spannend erzählter Plot über Wahnsinn, Abhängigkeit und jugendlichem Leichtsinn. Freue mich schon darauf, zu erfahren, wohin King im dritten Band der Reihe driftet.
Jürgen Seibold/27.10.2015
Finderlohn: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King, Robin Furth, Peter David, Laurence Campbell, Richard Isanove: Der Dunkle Turm – 9 – Die Zwischenstation

king_zwischenstation© Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2013
© 2012 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe 2013 by Panini Verlags GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-86869-529-8

COVER:

»Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste… und der Revolvermann folgte ihm.«

Dreißig Jahre lang hat Stephen King an der siebenbändigen Roman-Saga um den Dunklen Turm gearbeitet, die nach eigener Aussage sein Opus magnum darstellt. Nach der Vollendung verkündete er, nun alles geschrieben zu haben, was es für ihn zu erzählen gibt.

Aber die Figuren aus der von ihm geschaffenen phantastisch-apokalyptischen Mittwelt geben keine Ruhe. Die Geschichte um den Revolvermann Roland Deschain wird weitererzählt. In einer groß angelegten Graphic Novel wird der Weg des zunächst jungen Mannes nachgezeichnet, welche Freuden er erlebt hat, welche Abenteuer bestanden, welche Verluste erlitten, bis er zu dem unerbittlichen Rächer wurde, der alles auf der Suche nach dem Dunklen Turm unterordnet.

Stephen King hat sich mit den Meistern der Comic-Zunft zusammengetan, um ein grafisches Werk zu schaffen, das einzigartig ist. Die Zwischenstation, der neunte Band der epischen Graphic Novel, ist Teil der Adaption des Romans Schwarz, in dem Rolands große Suche nach dem Dunklen Turm ihren Anfang hat – oder ihr Ende?

»Lange Tage und angenehme Nächte…«

REZENSION:

Nun endlich wandeln wir weiter durch den ursprünglichen Beginn der Romanreihe von Stephen King um den sagenumwobenen Dunklen Turm.
Im vorliegenden Band befinden wir uns etwa in der Mitte von Schwarz und wir lernen endlich das erste zukünftige Mitglied des Ka-tets kennen: Jake.
Die Geschichte nimmt ihren lauf und abermals sind die Zeichnungen sehr stilvoll und wohlüberlegt platziert. Leider wechselte erneut ein Zeichner, wodurch sich die bildliche Darstellung ein wenig änderte. Mir persönlich gefielen die Zeichnungen der ersten Bände  ein wenig besser, nichts desto trotz sind auch hier sämtliche Bilder in der Lage, alleine in sich zu wirken. Sicher stellte man sich beim Lesen der Romanreihe manche Person ein wenig anders vor – aber diese Gedankengänge scheinen nah genug an den Gedanken der Zeichner zu sein, wodurch man – wie leider oft in Filmen – keineswegs den Hang verspürt, der Geschichte nicht mehr folgen zu wollen.
Die Ausgaben des Splitter-Verlags sammeln immer mehrere Ausgaben der Graphic-Novel-Reihe« in einem Band. Darüber hinaus sind diese Ausgaben sehr hochwertig produziert und lassen absolut nichts zu wünschen übrig. Eine wahrhaft sehr schöne zusätzliche Möglichkeit, um weiterhin in die Tiefen Mittwelts eintauchen zu können.
Jürgen Seibold/20.10.2015
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Stephen King: IT

KING_ITAudible-Hörbuch
© 1987 Stephen King (P) 2010 Penguin
Penguin Audio, Sprache Englisch, Ungekürzt
44 Stunden, 47 Minuten
Erzähler: Steven Weber

COVER:

They were just kids when they stumbled upon the horror of their hometown. Now, as adults, none of them can withstand the force that has drawn them all back to Derry, Maine, to face the nightmare without end, and the evil without a name.

REZENSION:

ES von Stephen King ist meiner Meinung nach eines der Bücher, welches erhaben über vielen anderen steht. Die Geschichte besitzt dermaßen viele Geschichten in sich, die über das Leben der Beteiligten erzählen, wie es so gut wie nirgendwo erneut geschehen ist.
ES war auch der Grund für mich, Stephen King als “Schwätzer” zu betiteln, denn er erzählt und erzählt und erzählt – trotzdem verliert man niemals das Gefühl, dass diese Erzählungen und Hintergründe zu viel des Guten wären.
Ich selbst weiß gar nicht mehr, wie oft ich ES schon gelesen habe – nun widmete ich mich dem englischsprachigen Hörbuch, um meine Fremdsprachenkenntnisse aufrecht zu erhalten.
Der Erzähler – Steven Weber – konnte mich dabei unverzüglich überzeugen, denn er lässt die Geschichte vor einem mit allen Facetten aufstehen und man bekommt mehr und mehr das Gefühl, einem Film zu lauschen. Steven Weber schwenkt geschickt mit seiner Stimme, um den jeweiligen Figuren eine eigene Stimme zu verleihen und darüber hinaus hat er auch keine Probleme, das Stottern Bills glaubwürdig rüberzubringen.
Wie gesagt, die Geschichte ist weiterhin unerreicht – der Sprecher in diesem Fall kann dem nur noch eines draufsetzen: Er ist verständlich und lebendig genug, um den Hörer durch die ellenlange Story zu geleiten.
Perfekter Genuss!
Und abermals habe ich das Gefühl, das Buch doch noch mal in die Hand zu nehmen, um erneut nach Derry zu reisen.
Jürgen Seibold/03.08.2015
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Stephen King: The Dark Tower IV – Wizard And Glass

king_wizard© 1997 by Stephen King
ISBN 978 1 444 72347 2
ca. 846 Seiten

COVER:

Set in a world of extraordinary circumstances, filled with stunning visual imagery and unforgettable characters, The Dark Tower series is Stephen King’s most visionary piece of storytelling that may well be his crowning achievement.

The Dark Tower beckons Roland, the Last Gunslinger, and the four companions he has gathered along the road. In a terrifying journey where hidden dangers lie at every junction – a malevolent runaway train, Roland’s staunch enemy and the temptation of the wizard’s diabolic glass ball – they narrowly escape one world and slip into the next.

It is here that Roland tells them a long-ago tale of love and adventure involving a beautiful woman named Susan Delgado.

With driving narrative force and exciting plot twists, Wizard and Glass will leave readers clamouring for the next chapter.

AND THE TOWER IS CLOSER …

REZENSION:

Der Dunkle Turm verfolgt mich nun schon beinahe mein gesamtes Leseleben und immer wieder lasse ich mich auf ihn ein. Im vorliegenden Fall – und durch nun endlich vorherrschende, dementsprechende Sprachkenntnisse – widmete ich mich nach und nach den englischen Originalausgaben.
Hier nun also der vierte Band.
Dieser hat mich früher, als ich ihn zum ersten Mal gelesen hatte, ein wenig enttäuscht. Dies liegt insbesondere daran, dass ich Roland schlichtweg auf seinem Weg zum Turm begleiten wollte und nicht bereit war, mir seine Jugendgeschichte einzuverleiben. Nach und nach erkannte ich aber, dass diese Erlebnisse des jungen Roland essentiell für die gesamte Geschichte ist, wodurch es mir immer leichter fiel, auch in diese Begebenheiten einzutauchen.
Vielleicht lag es anfangs einfach daran, dass ich händeringend auf den jeweils weiteren Band des Turm-Zyklus’ wartete und somit enttäuscht war, dass sich das ka-tet in diesem vierten Band nicht wirklich dem Turm nähern.
Man befindet sich während der Reise zum Dunklen Turm in einer besonderen Welt vollgepackt mit unterschiedlichsten Begebenheiten – die Geschichte Rolands Jugend wiederum ist bis auf wenige Anleihen aus unserer Welt beinahe eine reinrassige Westerngeschichte – garniert mit einer Liebesgeschichte.
Nichts desto trotz lernt man hierbei Roland sehr intensiv kennen und man erkennt, warum er so ist wie er ist und warum er sich auf seiner Reise befindet.
Sicher, Stephen King ist nicht unbedingt der große Erzähler von Liebesgeschichten – er hat aber einigermaßen die Kurve bekommen und man würde sich sehnlichst wünschen, dass Roland und Susan für ewig zusammenkommen. Nun, in diesem Falle wäre Stephen King nicht Stephen King und darüber hinaus würde sich Roland auch nicht auf dem Weg zum Turm befinden.
Wizard And Glass ist somit ein wahrhaft gut erzählter Plot, um dem Leser Roland näher zu bringen. Mittlerweile kann ich darin auch recht gut abtauchen, bin aber gleichzeitig sehr froh, endlich die Companions wieder auf ihrerReise zu begleiten.
Jürgen Seibold/09.07.2015

The Dark Tower 4. Wizard and Glass: The Dark Tower KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Revival

King_RevivalOriginaltitel: Revival
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
© 2014 by Stephen King
© 2015 der deutschsprachigen Ausgabe by: Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-26963-7

COVER:

Der kleine Jamie spielt vor dem Haus mit seinen Plastiksoldaten, da schiebt sich ein dunkler Schatten über ihn, ein Schatten, den er sein Leben lang nicht loswerden wird. Er blickt auf und sieht Charles Jacobs über sich, den jungen Methodistenprediger, der in der neuenglischen Gemeinde gerade sein Amt antritt. Im Nu gewinnt der charismatische Jacobs die Herzen der gottesfürchtigen Einwohner. Den Kindern haben es vor allem die elektrischen Spielereien angetan, mit denen er Bibelgeschichten veranschaulicht. Das alles endet, als ihn ein entsetzlicher Unfall vom Glauben abfallen lässt und er eine letzte Predigt hält, die in einer rasenden Gottverfluchung gipfelt. Von der Gemeinde verstoßen, tingelt er fortan über die Jahrmärkte, wo er elektrische Experimente vorführt, die zunehmend spektakulärer werden. Und immer schrecklichere Folgen nach sich ziehen. Über die Jahre trifft Jamie, inzwischen drogenabhängiger Musiker, wiederholt auf Jacobs, der ihn jedes Mal tiefer in seine dämonische Welt zieht. Als Jamie sich dessen klar wird, gibt es kein Zurück mehr. Das finale Experiment steht bevor.

REZENSION:

Jeder, der meine Präferenzen kennt, weiß, dass Stephen King mich nicht nur seit ich bewusst Romane lese begleitet, sondern auch zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehört.
Als ich dann hörte, dass sein neuestes Werk REVIVAL auch noch eine Hommage an Lovecraft und Shelley ist, war es schier um mich geschehen, denn diese Vereinigung spricht absolut dafür, dass sich hier vor meinen Augen ein rundum glücklich machendes Werk ausbreiten würde. Schlussendlich konnte ich mancher Kritik entnehmen – und auch den Worten des Autors -, dass er die Horrorkiste öffnet und den Inhalt ungebremst auf den Leser loslässt.
Dementsprechend euphorisch widmete ich mich diesem Buch und war sogleich sichtlich angetan, als sich der Schatten des Priesters über Jamie schiebt.
Im Gegensatz zu meinem Wunschgedanken lässt uns der Autor beinahe nur am Leben Jamies teilhaben – dessen Weg sich immer wieder mit dem Priester kreuzt. Trotzdem scheint aber nichts zu passieren, obwohl die Anleihen ganz dezent durchzusickern versuchen. Was hätte man nicht alles machen können aus den elektronischen Spielereien des irren Charles Jacobs – aber: Wir begleiten lediglich Jamie auf seinem Weg in die Welt des Rock and Roll und den unvermeidlichen Drogen.
Sicher, ein ganz interessantes Leben – aber eben nicht, was ich erwartet hatte. REVIVAL bleibt ruhig und selbst die vom King kongenial verwendete Erzählkunst fehlt mir hier ein wenig. In anderen Werken hätte ich absolut kein Problem gehabt, wenn King lang und breit irgendein Leben eines Protagonisten ausbreitet – wurde man dort doch zumindest dann relativ schnell mit der unvermeidlichen Keule getroffen.
In REVIVAL bleibt diese vorenthalten und somit entstehen Längen, die nett zu lesen sind, aber einfach ihre Wirkung verfehlen.
Sicherlich holt uns King ein klein wenig ab und öffnet am Ende (!) des Buches vorsichtig besagte Horrorkiste – leider ist es dort aber bereits zu spät und wäre es nicht Stephen King hätte ich das Buch bestimmt schon weit vorher unbeendet auf die Seite gelegt.
Schade, dass hier trotz des Versuches einer Hommage nichts atemberaubendes entstanden ist.
Selbstverständlich wird sich auch dieses Buch wie geschnitten Brot verkaufen – als Fan kommt man nicht daran vorbei und da gibt es ja genug. Einem Einsteiger würde ich dieses Buch jedenfalls nicht empfehlen – da gibt es weitaus bessere – und auch bei mir wird es wohl nicht zu den King-Büchern gehören, die ich mehrmals öffne und erneut genieße.
Schade.
Jürgen Seibold/19.04.2015
Revival: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: The Green Mile

King_GreenMileGesprochen von Frank Muller
13 Stunden, 45 Minuten

Cover:

Hear this history-making serial novel – from cliffhanger to cliffhanger – in its entirety. When it first appeared, one volume per month, Stephen King’s The Green Mile was an unprecedented publishing triumph: all six volumes ended up on the New York Times best seller list – simultaneously – and delighted millions of fans the world over.

Welcome to Cold Mountain Penitentiary, home to the Depression-worn men of E Block. Convicted killers all, each awaits his turn to walk the Green Mile, keeping a date with “Old Sparky,” Cold Mountain’s electric chair. Prison guard Paul Edgecombe has seen his share of oddities in his years working the Mile. But he’s never seen anyone like John Coffey, a man with the body of a giant and the mind of a child, condemned for a crime terrifying in its violence and shocking in its depravity. In this place of ultimate retribution, Edgecombe is about to discover the terrible, wondrous truth about Coffey, a truth that will challenge his most cherished beliefs…and yours.

©1999 Stephen King, All Rights Reserved; (P)1999 Simon & Schuster, Inc., All Rights Reserved, AUDIOWORKS Is an Imprint of Simon & Schuster Audio Division, Simon & Schuster, Inc.

Rezension:

Die Geschichte um den inhaftierten und zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilten John Coffey ist sicherlich eine der absoluten Höhepunkte aus der Feder Stephen Kings.
Immer noch handelt es sich meiner Meinung nach um eine adaptierte Jesus-Geschichte und ich bin davon überzeugt, dass King bewusst die Initialen JC für den Namen des Protagonisten verwendet hat – spielt er doch des öfteren mit solchen Elementen.
The Green Mile ist ursprünglich als eine sechsbändige Serie veröffentlicht worden und ebenso wie viele anderen wohl auch, bin ich damals jeden Monat in den Buchladen meines Vertrauens, um den nächsten Band zu ergattern.
John Coffey und ganz besonders Mr. Jingles haben es mir dermaßen angetan, dass auch Veröffentlichung aller sechs Büchlein, die leicht geänderte Zusammenfassung seinen Weg zu mir finden musste.
Somit wurde von mir dieses Werk bereits auf Deutsch mehrfach von mir gelesen und während eines Auslandsaufenthalts stand ich plötzlich mit der englischsprachigen Version an der Kasse.
Nun, um weiterhin das eigene Fremdsprachen-Know-How aufrecht zu erhalten, entschied ich mich noch zum Genuss des ungekürzten Hörbuchs, gelesen von Frank Muller.
Erneut schafft es dabei die Geschichte mich durchweg zu überzeugen und trotz nicht vorhandener 100%-Sprachkenntnisse schaffte es der Autor und hier nun auch der Sprecher, dass abermals manche Szene für Gänsehaut sorgte.
Frank Muller selbst zeigt deutlich, dass er ein echter Amerikaner ist, wie wir ihn uns sprachlich so vorstellen: Seine Sprechweise ist oft “kauend”, jedoch in diesem Buch noch angenehm und ruhig gesprochen genug, um mich – bis auf wenige Kleinigkeiten – überzeugen zu können. Die Konzentration beim Anhören einer Fremdsprache wird sowieso angehoben und dadurch – und wohl auch, weil ich die Geschichte schon sehr gut kannte – konnte ich ihm außerordentlich gut folgen.
Kurzum: Die Geschichte lohnt sich allemal und als Hörbuchvariante im Original schafft sie es auch locker, den Sprachinteressierten zu überzeugen.
Immer noch perfekt und es tut mir auch immer noch leid um John Coffey.
Jürgen Seibold/19.04.2015
The Green Mile Hörbuch-Original KAUFEN BEI AMAZON