Hennen, Bernhard: Die Chroniken von Azuhr – Die Weisse Königin

©2018 by Bernhard Hennen
Deutsche Erstausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29999-7
ca. 624 Seiten

COVER:

Auf der Insel Cilia eskaliert der Konflikt zwischen der Liga der Stadtstaaten und den Herzögen des Schwertwaldes. Die militärische Übermacht der Liga ist erdrückend, und die Hoffnung der Waldbewohner ruht auf einer alten Sage, dass in der Stunde der größten Not die Weiße Königin, die ehemalige Herrscherin des Waldes, zurückkehren wird. Doch wie groß muss die Not werden, bis sich dies erfüllt?
Milan Tormeno versucht, den Wirren des Krieges zu entgehen, denn in seinen Augen kämpft keine von beiden Seiten für eine gerechte Sache. Doch es droht eine weitere Gefahr: Überall auf der Insel erwachen Märengestalten zu neuem Leben. Erst allmählich begreift Milan, wie er dieser magischen Wesen Herr werden – und die Wirklichkeit verändern kann.

REZENSION:

Auf manche Bücher freut man sich ungemein und man kann es kaum erwarten, bis so ein Buch seinen Weg zu einem gefunden hat. Allzu oft kommt es nicht vor, jedoch ging es mir beim Warten auf den zweiten Band von den Chroniken Azuhrs so.
Nach dem fulminanten Genuss des ersten Bandes war ich sehr neugierig auf den zweiten Band mit dem Untertitel „Die Weiße Königin“.
Bernhard Hennen selbst ist bis dato ein absoluter Garant für grandiose Geschichten gewesen und auch beim vorliegenden Buch gestaltete sich der leserische Start kein bisschen anders.
Nun war es aber leider so, dass sich die Geschichte nach und nach immer mehr von mir entfernte. Der rote Faden lag in meiner Hand, schien dort leider nicht verweilen zu wollen, denn nach einer doch recht üppigen Seitenzahl war es mir nicht mehr möglich, das Werk bis zu seinem Ende zu begleiten.
Üblicherweise gebe ich Büchern – je nach Dicke – eine Seitenzahl von 50 bis 100 Seiten, um mich zu überzeugen. Klappt das nicht, wird das Buch zur Seite gelegt und muss einem anderen weichen. Dies klingt hart, aber als Kritiker bleibt einem irgendwann nichts anderes mehr übrig. Nun gibt es aber Werke, die man einfach unbedingt mögen möchte – und genau in diese Riege legte ich gedanklich „Die Weisse Königin“ von Bernhard Hennen.
Der Autor konnte mich auch eine gewisse Zeit bei der Hand nehmen und gut unterhalten – somit kam ich problemlos über besagte 100 Seiten.
Nach und nach war es mir nicht möglich, das Gefühl ab zu schütteln, dass der zweite Band dieser Trilogie oberflächlicher wirkt als sein Vorgänger –  den ich uneingeschränkt gefeiert habe.
Bernhard Hennen erzählte viel und ließ auch nicht gerade wenig Kämpfe auf uns los – die Handlung schien jedoch fest zu stecken. Lediglich die Erlebnisse Milans konnten mich noch etwas halten und somit schaffte ich sagenhafte 362 Seiten, bis ich mich dann doch dazu entschloss, mich einem anderen Werk zu widmen und dieses als leider ungelesen beiseite zu legen.
Sehr schade, da ich von „Der Verfluchte“ rundum überzeugt war und dies auch dementsprechend rezensierte. Von Nominierungen an anderer Stelle mal ganz abgesehen…
Ab und an stelle ich mir die Frage, ob dies am Umstand der scheinbar notwendigen Trilogie-Vorgehensweise liegt. Vielleicht hinken deshalb mittlere Bände oft nach – leider verlieren sie dadurch auch Leser, die nicht darauf hoffen, dass der finale Band dann wieder alles gerade rückt. Ich bin nun leider bei dieser Reihe raus, obwohl ich nach Buch 1 wirklich gerne die weitere Entwicklung gewusst hätte.
Absolut schade…
Jürgen Seibold/09.05.2019