Faye Hell: Tote Götter

©2017 Amrûn Verlag Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-293-0
ca. 496 Seiten

COVER:

Hannah ist unheilbar krank. Nach einer Amerikareise wird sie zusätzlich zu ihren körperlichen Symptomen von grauenhaften Visionen geplagt. Teuflische Kreaturen bevölkern ihre düstere Albtraumwelt und sogar die Menschen in ihrem Umfeld verändern sich. Mutieren auf geheimnisvolle Weise. Verfolgen Hannah.
Mit Hilfe der richtigen Therapie hofft die junge Frau die paranoiden Wahnvorstellungen in den Griff zu bekommen. Sie will die schönen Jahre, die ihr noch bleiben, gemeinsam mit ihrer großen Liebe Lukas erleben und nicht im erschreckenden Paralleluniversum ihres defekten Geistes gefangen sein.
Aber was geschieht, wenn der blanke Horror kein Irrsinn ist, sondern die neue Wirklichkeit? Und die reale Welt von gestern nur noch eine vergängliche Erinnerung? Wasserfarben auf der spiegelglatten Oberfläche eines Sees.
Hat gar Hannah selbst das unsagbar Böse wiedererweckt? Kann sie die Alten Götter aufhalten? Oder sind es doch ihre eigenen Dämonen, die sie bekämpfen muss?

REZENSION:

Faye Hells neuester Wurf über Hannah, die mit ihren persönlichen Dämonen innerhalb ihres eigenen Geistes zu kämpfen scheint, ist ein unglaublich dicht erzähltes Werk.
Ihr Schreibstil ist rundum durchdacht und dementsprechend poesiehaft wirkt nahezu jeder einzelne Satz. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als dieses unter dem Genre Horror laufende Buch mit höchster Aufmerksamkeit zu lesen. Zum Einen, weil man sonst recht schnell den Faden verlieren kann, zum Anderen, weil es sich lohnt, ein genaues Augenmerk auf die Sätze zu legen, die wie eigene Geschichten innerhalb einer großen Geschichte wirken.
Nachdem sich Hannah – insbesondere in der ersten Hälfte des Werkes – sehr oft in ihren Wahnvorstellungen verliert, muss man immer am Ball bleiben, da man sonst selbst geistig verwirrt werden könnte: Man weiß recht schnell nicht mehr, ob man sich nun in der Realität oder innerhalb des geistigen Wahns Hannahs befindet.
Faye Hell führt uns lange an der Nase herum und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Aus diesem Grund scheint sich das Buch auch unter oben genanntem Genre einzuordnen. Sind doch sehr viele dieser Vorstellungen recht blutrünstig. Davon abgesehen ist das Buch im Ganzen betrachtet eher genreunabhängig – vielmehr: ein wahrer Genremix.
Die Atmosphäre ist dicht, dezent gruselig in ihrer Ausschmückung und auf einer sehr tiefen, persönlichen Ebene gezeichnet. Man fiebert mit Hannah mit und fragt sich beinahe auf jeder Seite, was denn nun real und was lediglich Wahn ist. Gleichzeitig hofft man mit ihr und wenn dann mal am Ende des Tunnels ein Lichtlein aufzuleuchten beginnt, reisst Faye Hell den Lenker herum und geht urplötzlich einen gänzlich anderen Weg.
Dies zieht sich durch bis zu einem kuriosen Finale, mit dem ich interessanterweise schlichtweg nicht gerechnet hatte.
Kurzum: Ein anspruchsvoller und sehr dicht gewebter Roman mit einer durchweg interessanten Idee und Storyline. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack – dennoch ein Werk, dem man sich – möglichst ungestört – problemlos mal widmen könnte.
Jürgen Seibold/07.10.2017

Tote Götter – KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: Fleisch 4

© Eldur Verlag 2016
ISBN: 978-3-937419-23-7
ca. 208 Seiten

COVER:

Warnung! Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können.
Sie halten das für einen sinnfreien Gag, heh? Nun, das taten schon viele.
Zum vierten Mal servieren Ihnen handverlesene Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod.
FLEISCH – die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien. Oft kopiert, nie erreicht.

REZENSION:

Nun befinden wir uns doch tatsächlich schon beim vierten Band einer Horror-Anthologie, die ihrem Namen durchweg gerecht wird. Ich weiß überhaupt nicht, wieviele Werke auf dem deutschen Buchmarkt die Genrezuordnung “Horror” auf dem Cover tragen, dem jedoch eher nicht gerecht werden. Sicher, in Fleisch kommt eher selten ein subtiler Horror ums Eck – hier wird geklotzt und nicht gekleckert.
Erneut befinden sich in diesem kleinen Büchlein 17 verschiedene Autoren mit 17 durchweg verschiedenen Geschichten und wer die Zukunft des deutschen Horrors kennenlernen möchte, kommt an den noch Independent-Autoren dieser Reihe einfach nicht vorbei. Somit kann man sich getrost mit der Fleisch-Reihe ein Bild dementsprechend machen.
Im Vergleich zum etwas anspruchsvolleren dritten Band, wird im vorliegenden die Daumenschraube wieder etwas stärker angedreht. Nichts desto trotz befinden sich auch hier erneut einige wahre Perlen, die recht boshaft wirken aber eben genau deswegen ihren eigenen Reiz entfalten.
Einige Geschichten bleiben einem in guter Erinnerung, einige geraten schneller in Vergessenheit – dies ist aber prinzipiell bei jeder Anthologie so. Aber selbst die etwas schneller in Vergessenheit geratenen Geschichten machen richtig Spaß beim Lesen.
Bei manchen Stories verneige ich mich vor dem Ideenreichtum der Autoren. Auf die jeweiligen Stories möchte ich gar nicht im Einzelnen eingehen, da man einfach das gesamte Werk genießen sollte. Ich kann aber sagen, dass ich bei einer Story immer ein klein wenig in Richtung meiner Katze geschielt habe – nur um auf eventuelle Unregelmäßigkeiten in ihrer Handlung aufmerksam zu werden. Nun, sie ist glücklicherweise weiterhin so wie sie immer war und ich hoffe sehr, das bleibt auch so…
Bei einer anderen Story fragte ich mich, was eigentlich schlimmer ist: Blutrünstiger Horror und ein durch die Geschichte in den Kopf gesetzter Ohrwurm, den man hasst, aber dummerweise erst wieder nach einiger Zeit los wird. So etwas macht einen schier “Atemlos”
Als einzigen Knackpunkt in dieser aktuellen Ausgabe stellte sich mir der hohe Sexfaktor da. Dieser ist prinzipiell kein Problem, dennoch ist es ab und an etwas störend, wenn mehrere Geschichten hintereinander dieses Thema verwenden. Das Problem taucht natürlich nur auf, wenn man sogleich die Zeit nutzt und mehrere Stories hintereinander liest. Vielleicht kann man da durch die Mischung im Buch etwas geschickter vorgehen – schwer zu sagen, ob das dann auch wirklich aufgeht.
Schlussendlich bleibt Fleisch auch weiterhin die momentan beste Reihe um dieses Genre ohne jegliche Vorschriften kennen zu lernen. Kurzum: der Spruch “Die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien” ist nicht zu viel versprochen.
Vielleicht schaffe ich eines Tages eine glorreiche Idee zu Papier zu bringen, denn ich würde wirklich sehr gerne auch in dieser Anthologie vertreten sein – was besseres kann einem aufstrebenden Autor ja wirklich nicht passieren. Chapeau!
Jürgen Seibold/28.01.2017
Fleisch 4 – KAUFEN BEI AMAZON