John Harvey: Schau nicht zurück

Originaltitel: Ash & Bone
Übersetzung: Sophie Kreutzfeldt
c 2005 John Harvey
Deutsche Erstausgabe September 2007
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München
ca. 445 Seiten / € 8,95

COVER:

Maddy Birch ist eine erfahrene Kriminalbeamtin. Sie gehört zu einer Spezialeinheit der Londoner Polizei, die einen seit Jahren beobachteten Gangsterboss fassen soll. Aber die Verhaftung geht schrecklich schief. Am Ende ist der Verbrecher tot – aber auch ein junger Kollege. Und Maddy wird das Gefühl nicht los, dass jemand sie beobachtet… Detective Inspector Elder, der sich nach einer persönlichen Katastrophe frühzeitig vom Dienst zurückgezogen hat und in Cornwall ein einsames Leben voller Dämonen aus der Vergangenheit führt, wird zur Mitarbeit an dem Fall überredet. Es fällt ihm nicht leicht, sich den brutalen Fragen zu stellen, die nicht nur die Londoner Polizei, sondern auch sein eigenes Leben – und das seiner Tochter – betreffen.

REZENSION:

John Harvey: Schau nicht zurück – ein empfehlenswerter, spannender Krimi – zumindest nach den ersten 80 Seiten. Anfangs steigert sich die Spannung etwas gemächlich. Ein Gangsterboss, William Grant, der bei einem dubiosen Polizeieinsatz erschossen wird, bei dem auch ein junger Polizist ums Leben kommt. Gerade als man sich einen Überblick über die zahlreichen Charaktere verschafft, wird die scheinbare Hauptakteurin Maddy Birch brutal missbraucht und ermordet. Sie war bei dem Einsatz gegen Grant dabei, eine gute Polizistin, die gerade vertraut erschien und den Leser während des ganzen Romans begleiten wird. Parallel dazu ein ehemals erfolgreicher Kriminalinspektor, im Ruhestand, Frank Elder, der nach einem schrecklichen Verbrechen an seiner eigenen Tochter Katherine in die Einsamkeit nach Cornwall geflohen ist. Er kehrt wegen dem Mord an Birch zurück in den Dienst, um die ergebnislosen Ermittlungen von Karen Shields zum Erfolg zu bringen. Noch weniger erfolgreich als die anfänglichen Ermittlungen von Shields ist das Leben von Elders Tochter.
Hervorragend, aber nicht zu langatmig beschriebene Darsteller. Ihre Lebensgeschichten beginnen sich auf kurzweilige Art miteinander zu vereinen, die Ermittlungen laufen rasant zu, abgerundet von einer nicht ganz passenden Liebesbeziehung (…)

Harvey hat im Gesamtbild einen gelungenen Thriller geschrieben. Anfangs etwas zäh, aber dann mit Überraschungsmoment. Ab hier wächst die Spannung unaufhörlich. Er bedient sich eines schönen schnörkellosen Stils, der trotzdem oder gerade deshalb die Geschichte für den Leser greifbar macht. Personen werden auf den Seiten lebendig. Der Hauptdarsteller, Elder, nimmt phasenweise beinahe eine Nebenrolle ein. Harvey gelingt es, die Nebenrollen authentisch darzustellen und in den Fokus zu rücken. Selbst die Ermordete, Birch, erhält während des Verlaufs immer mehr ein Gesicht für den Leser. Positiv ist, dass „Schau nicht zurück“ problemlos ohne Kenntnis des ersten Teils „Schrei nicht so laut“ gelesen werden kann. Die Ausführungen über das jetzige Leben von Franks Tochter, hätten etwas kürzer gehalten werden können, hier versucht der Autor einen Bezug zum ersten Teil herzustellen.
Barbara Weber für Hysterika.de / 01.03.2009

John Harvey: Schrei nicht so laut

Originaltitel: Flesh and blood
Übersetzung: Sophie Kreutzfeldt
c 2004 John Harvey
Deutsche Erstausgabe Januar 2007
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ca. 448 Seiten / € 9,90

COVER:

Vierzehn Jahre sind vergangen, seit Susan Blacklock, eine junge Frau aus Chesterfield, spurlos verschwunden ist. Detective Frank Elder, frühzeitig pensioniert und selbst Vater einer fast erwachsenen Tochter, geht der noch immer ungeklärte Fall nicht aus dem Sinn. Er beschließt, ihn noch einmal aufzurollen.
Kaum hat er mit seinen Ermittlungen begonnen, findet die Polizei die geschundene Leiche einer jungen Frau. Hat Shane Donald, ein soeben aus der Haft entlassener Vergewaltiger und Mörder, etwas damit zu tun? Ist er vielleicht auch für Susans Verschwinden verantwortlich? Die gründlichen Nachforschungen des Detective scheinen den Täter jedenfalls zu provozieren. Bringt Elder sich selbst und seine Familie in Gefahr?

John Harvey, Jahrgang 1938, Vater dreier Kinder, lebte lange Zeit in Nottingham, bevor er nach London zog. Er war als Englischlehrer tätig und unterrichtete an der University of Nottingham Literatur und Film. Für sein umfangreiches Werk, vor allem Krimis, aber auch Kurzgeschichten und Radioadaptionen, wurde er vielfach ausgezeichnet.

REZENSION:

John Harveys Krimi/Thriller ist sehr zwiespältig zu betrachten. Einerseits ist es positiv, dass ein Autor auch mal in sehr reißerischer Manier zu überzeugen weiß – andererseits fehlt seinem Buch das gewisse Etwas, welches einem eine Geschichte noch längere Zeit im Kopf herumschwirren lässt.
Er schreibt zwar sehr atmosphärisch dicht, vergisst dabei aber ein wenig die notwendigen Spannungselemente, die bei einem ansonsten sehr reißerischem Buch noch als Tüpfelchen notwendig wären. Eine alleinige Darstellung von brutalen Elementen reicht nun mal nicht aus. Nachdem er aber mit der Darstellung seiner Grausamkeiten doch sehr authentisch und glaubhaft bleibt, wird die Geschichte sehr bedrückend und real aufgenommen.
Dadurch ist dieses Buch zumindest teilweise empfehlenswert – aber sicherlich kein außergewöhnliches Werk.
Jürgen Seibold/02.06.2007