Joe R. Lansdale: Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick

Originaltitel: Paradise Sky
Aus dem Englischen von Conny Lösch
©2015 by Joe R. Lansdale
Für die deutsche Ausgabe ©2016 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50140-7
ca. 475 Seiten

COVER:

Ein wilder Abenteuerroman über den berühmtesten schwarzen Cowboy.

Eigentlich wollte Willie Jackson nur ein paar Besorgungen machen. Doch dann erhascht er unfreiwillig einen Blick auf die Unterwäsche einer weißen Frau. Deren Mann nimmt die Sache persönlich, und Willie muss Hals über Kopf fliehen. Er macht sich auf nach Deadwood, wo er sich in eine wunderschöne junge Frau verliebt, das Leben von Wild Bill Hickock rettet – und auf Rache an seinen Verfolgern sinnt.

REZENSION:

Als weiterer Vermerk steht noch auf dem Cover der Satz „Joe R. Lansdale erzählt die filmreife Lebensgeschichte eines ehemaligen Sklaven, der zur Westernlegende Deadwood Dick wurde“ – und genau darum handelt es sich auch, wie ein kurzer neugieriger Blick in das Internet offenbart: Willie Jackson, später bekannt als Nat Love beziehungsweise Deadwood Dick hat doch tatsächlich gelebt und selbst sein Leben niedergeschrieben.
Diese Vorlage scheint sich Joe R. Lansdale zu Herzen genommen zu haben und haucht dem sagenhaften Leben Nat Loves neues Leben ein.
Sein Buch ist ein typischer Abenteuerroman, der ein wenig an die früheren Groschenromane erinnert. Die Geschichte klingt kurios, ein klein wenig übertrieben – könnte sich aber trotzdem exakt so zugetragen haben.
„Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ist ein echter Wild-West-Abenteuerroman mit einem außerordentlich kuriosen Hauptdarsteller, der sich nur aus Versehen auf der Flucht befindet und dabei sein Leben mehrmals komplett umgekrempelt wird. Die Story ist zwar nur in geringem Maße als spannend zu betrachten, nichts desto trotz kann man sich den Erlebnissen Nat Loves definitiv nicht entziehen. Nebenbei offenbart Lansdale geschickt das doppelmoralische Denken von Weißen in Bezug auf Schwarze als auch die allgemeine Dummheit rassistischen Denkens.
Nat Love selbst geht sehr geschickt damit um und schafft es, sich einen Platz in dieser Welt voller schießwütiger Cowboys zu erobern. Die Darstellung schwankt von ironisch über witzig, bis hin zu todernsten Abschnitten. Man begleitet Deadwood Dick in seiner staubigen Welt voll Indianer, Chinesen, Sklaven, Cowboys und manch anderen interessanten Gestalten.
Lansdale übertreibt natürlich mal mehr und mal weniger und dadurch lässt er einen 80er-Jahre-Western-Groschenroman entstehen, der sich über 470 Seiten zieht.
Alles in allem eine wundervolle Geschichte über einen außerordentlich interessanten Menschen, der es trotz seiner Hautfarbe in dieser vom rassistischen Schwarz/Weiß-Denken geprägten Western-Welt bis zum Marshall gebracht hat – dargeboten als unaufgeregte Lektüre und dennoch gewürzt mit einer gehörigen Prise voll interessanter Momente.
hysterika.de/04.07.2020

Wolfgang Hohlbein: Der Hexer 07 – Im Bann des Puppenmachers

Genehmigte Sonderausgabe für Sammler-Editionen in der Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg
© 2003 Wolfgang Hohlbein

COVER:

Die Tempelritter um Ger Looskamp in Amsterdam bemächtigen sich Robert Cravens, um mit ihm ein außer Kontrolle geratenes Tor der GROSSEN ALTEN zu vernichten. Nur der Sohn des Magiers, Roderick Andara hat die Macht dazu. Glaubt Robert, als Looskamp ihn aus seinem Gefängnis holen lässt.
Doch schon die Fahrt auf den Grachten zum Labyrinth verläuft nicht ohne Überraschungen. Plötzlich haben es die Templer und Robert mit einer Übermacht von tobenden Wikingern zu tun. Als sie sich schließlich doch dem Herz des Labyrinths nähern, lässt Looskamp Robert nicht dagegen kämpfen. Was hat Looskamp wirklich vor?

REZENSION:

Normalerweise entscheide ich mich bereits im Endspurt eines Buches darüber, welches Buch als nächstes dran kommen soll. Ab und an bin ich mir aber nicht sicher und dann entsteht ein sehr unglückliches Vakuum und ich rase wie ein gejagtes Kaninchen durchs Haus und blättere durch eine Vielzahl unterschiedlichster Werke. Alles, um eine Entscheidung zu treffen.
Ich fühle mich dabei wohl wie eine Frau vor einem vollen Kleiderschrank mit dem Ausspruch “Ich habe nichts an zu ziehen!!”.
Nun, in diesem Fall wendete ich mich dann den seit zig Jahren bei mir befindlichen Hexer-Bänden zu, die irgendwie immer noch ihrer Entdeckung harren.
Stellt sich natürlich die Frage, ob so etwas im gehobenen Alter und mit geändertem Anspruch noch funktionieren kann. Handelt es sich doch eher um Nostalgie einer Groschenromanreihe, die ihren Zweck virtuos in einer längst vergangen Zeit erfüllten, jedoch sicher nur noch schwer den Sprung in die heutige Zeit schaffen können – oder?
Nun, im vorliegenden Band befinden sich – wie in fast jedem – drei Hefte der damaligen Reihe. Hierin enthalten die Hefte “Das Haus unter dem Meer”, “Im Bann des Puppenmachers” und “Das Mädchen aus dem Zwischenreich”.
Beim Lesen dieses Bandes muss man sich natürlich immer vor Augen halten, dass hier eine Heftromanreihe abgelichtet ist. Aus diesem Grund darf man sicher nicht über die immer wieder vorherrschende und somit gleiche Vorgehensweise in der Dramatik aufregen. Dies war und ist sicher auch heute noch einfach Konzept einer Serie. Deswegen drücke ich hier einfach mal ein Auge zu.
Der Inhalt ist immer noch ausreichend interessant, da man als Kenner der Gruselliteratur immer noch sehr viele Referenzen erkennen kann. Dieses Konzept fand ich auch wirklich klasse bei dieser damaligen Heftreihe.
Ganz funktionieren scheint die Reihe aber leider doch nicht mehr – nichts desto trotz konnte ich damit mal wieder in längst vergangene Zeiten eintauchen. Einen Tiefgang darf man aber definitiv nicht erwarten. Leider nicht mehr ganz zeitgemäß, aber zu seiner Zeit immer noch als Klassiker zu betrachten und somit ganz interessant als kurzes Häppchen zum gedankenlosen Zeitvertreib.
Ich denke, man kann sich das ein oder andere Mal diesem Thema widmen – insbesondere, wenn man mal wieder nicht wirklich weiß, was man lesen soll.
Zur Sicherheit widmete ich mich auch noch dem nächsten Band….
Jürgen Seibold/12.02.2017