Tade Thompson: Rosewater

Originaltitel: Rosewater
Aus dem Englischen von Jakob Schmidt
©2016 by Tade Thompson
Deutsche Erstausgabe
©2020 der deutschsprachigen Ausgabe Golkonda Verlag, München
ISBN 978-3-96509-010-1
ca. 440 Seiten

COVER:

Nigeria 2066 – Kaaro hatte Kontakt mit den außerirdischen Wormwood, die in Rosewater eine mysteriöse Biokuppel errichtet haben. Seitdem ist er „Empfänger“ mit der Fähigkeit, auf Gedanken, Gefühle und Erinnerungen anderer zuzugreifen. Dank seiner kriminellen Vergangenheit zwingt ihn Sektion 45, eine geheime Regierungsbehörde, Menschen zu verhören, indem er in ihre Seele eindringt – ein Job, der ihn zum Zyniker werden lässt.

Als plötzlich immer mehr Empfänger wie er an einer tödlichen Seuche sterben, beginnt für Kaaro ein Wettlauf mit der Zeit. Verzweifelt versucht er herauszufinden, wer oder was dafür verantwortlich ist, um einer schrecklichen Zukunft zu entkommen.

Rosewater ist der Beginn einer großartigen Trilogie von einer der spannendsten neuen Stimmen der Science-Fiction.

REZENSION:

Rosewater zeigt sich bereits durch sein schlichtes Coverdesign als etwas gänzlich anderes. Mich persönlich hatte dieses dezente Design mit der stilisierten Kuppel extrem angesprochen und dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt des Debuts von Tade Thompson.
Vorneweg lässt sich relativ schnell sagen, dass ich mich die ersten 20 bis 30 Seiten erst einmal in das Setting reinfinden musste. Urplötzlich hatte mich jedoch nicht nur das Setting im Griff, sondern auch die interessanten Geschehnisse um Kaaro, der in seiner Eigenschaft als „Empfänger“ für eine Geheimorganisation mehr oder weniger gerne arbeitet und darin insbesondere für Verhörtätigkeiten zuständig ist, da er in die Biosphäre des Verhörenden eindringen kann.
Die Erzählweise Tade Thompsons ist interessant und dabei gleichzeitig etwas seltsam in ihrer Darbietung. Dennoch kann man sich lange Zeit den verschiedenen zeitlichen Ebenen nicht entziehen. Die Geschichte wird nämlich hauptsächlich in drei verschiedenen Ebenen dargelegt, wodurch Kaaro eine detailliert aufgebaute Grundlage bekommt. Interessanterweise funktionierte die Ebene mit der „Entstehungsgeschichte“ Kaaros – als Krimineller, der unter Verwendung seiner Fähigkeit agiert – in meinem Fall am besten.
Die Sprünge der Kapitel machten dabei jedoch auch den Genuss ein wenig schwierig, da man als Leser noch mit dem Eintauchen in die nahegelegte, futuristische Welt beschäftigt ist und der Autor sehr schnell seine Sprünge vollführt. Nichts desto trotz handelt es sich um eine sehr innovative Story und man ist lange Zeit regelrecht gespannt, wie die jeweilige zeitliche Ebene weiter vorwärtsgetrieben wird.
Eine sehr faszinierte Darbietung, die jedoch ihre Stärke in den ersten zwei Drittel des Buches ausbreitet – ab dem letzten Drittel scheint irgendetwas vonstatten gegangen zu sein, was dazu führte, dass man unter Umständen als Leser das tiefgehende Interesse verliert. Den genauen Punkt dieser Wegkreuzung konnte ich leider nicht erkennen und finde ihn auch nicht – dennoch stellt man dabei fest, dass die Stärke des Buches in den ersten 60-70% der Gesamtseitenzahl zu liegen scheint. Vielleicht ging es aber nur mir so oder es ist schlicht das notwendige Luftholen, um den Leser für die noch kommenden Folgebände zu wappnen. Mich hat er dabei verloren, obwohl ich trotzdem das Grundgerüst und die Art des Erzählens für eine unglaublich intelligente Variante im Genre der Science-Fiction halte.
Jürgen Seibold/25.04.2020

Hansen, Thore D.: Die Reinsten

©2019 by Golkonda Verlags GmbH & Co. KG, München – Berlin
ISBN 978-3-946503-90-3
ca. 422 Seiten

COVER:

Die Erde im Jahr 2191: Hundertfünfzig Jahre nach einer verheerenden Zeit von Kriegen, Seuchen und Klimakatastrophen führt die künstliche Intelligenz Askit die letzten Überlebenden in eine Ära des Friedens. Elite der neuen Welt sind die Reinsten, die als Wissenschaftler für die Regeneration des Planeten arbeiten. Ihre Persönlichkeitsentwicklung wird von Askit ständig überwacht und gesteuert.

Eve Legrand wird von der KI in der wichtigsten Prüfung ihres Lebens als Reinste anerkannt. Doch anstatt von Askit ausgewählt zu werden, um die Erholung des Planeten von den Folgen des verheerenden Klimawandels voranzutreiben, wird sie ohne Erklärung verstoßen. Ihr bleibt nur die Flucht in die Zonen, die nicht von Askit kontrolliert werden. Eve wird dort mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die ihre gesamten Werte und Vorstellungen radikal infrage stellt. Und während sie beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, begreift Eve, dass Askit sie zum Werkzeug bestimmt hat: Es liegt in ihrer Hand, die Menschheit zu retten oder sie endgültig zu vernichten.

REZENSION:

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich endlich eine ansehnliche Zahl an Romanen mit den unausweichlichen Effekten des Klimawandels beschäftigen. Wie in den meisten ist es auch im vorliegenden Buch nicht gerade schön, was so alles auf uns zu kommt.
Thore D. Hansen stellt eine Welt dar, die absolut plausibel ist. Keinerlei Punkt wird beschönigt – im Gegenteil, seine Geschichte wirkt sehr wissenschaftlich und zeigt jeglichen Umstand einigermaßen detailliert ausgebreitet dar.
Die Reinsten ist somit eine Art Dystopie – eine „Art“ deshalb, da wir uns auf dem besten Wege dorthin befinden und eine Vielzahl bereits eingetroffen ist.
Fiktional bleibt beinahe nur die KI namens Askit, welche die Rolle des übergeordneten „Kümmerers“ übernommen hat. Somit prinzipiell schon einmal eine Verbeugung vor der außerordentlich gelungenen Idee mit einer Vielzahl an Fäden, die direkt mit unserer Gegenwart verbunden sind.
Dennoch konnte mich der Roman nicht wirklich überzeugen, geschweige denn begeistern. Dies liegt an der erzählerischen Vorgehensweise des Autors. Die schriftstellerische Qualität lässt nicht viel zu wünschen übrig, aber das Wort alleine reicht leider nicht, um einen Leser mitfiebern zu lassen. In diesem Fall dreht sich Thore D. Hansen leider zu oft im Kreis und man fragt sich, wann nun endlich der nächste Gang reingelegt und etwas Tempo aufgenommen wird. Darüber hinaus hatte ich keinen Zugang zur Hauptdarstellerin aufbauen können. Geschieht dies in einem Roman, versucht man als Leser andere Ebenen zu greifen, um noch ein wenig in das Geschehen eintauchen zu können. Da Eve in ihrer Rolle jedoch sehr dominant wirkt, ich nicht mit ihr warm geworden bin, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir über Sinn und Zweck dieser Story Gedanken machte.
Das ist sehr schade, da die Idee wahrlich gut ausgearbeitet worden ist und die dargestellte Welt nach der Klimakatastrophe nur eine Hand breit weg zu sein scheint. Nichts desto trotz wirkte alles etwas aufgesetzt und die handelnden Personen nahmen vieles zu leicht hin. Sobald jemand Kontur bekam, die Umstände aber für eine Änderung sprachen, drehte sich die Figur sogleich in die richtige Richtung und verlor dadurch erhebliche Glaubwürdigkeit.
Kurzum: Die Reinsten strotzt vor einer unglaublich gelungenen Idee und könnte sicherlich auch manchen Leser positiv überraschen. Für mich hat es leider nicht gereicht, da die Handlung durch die sehr ausführliche Buchbeschreibung nahezu abgesteckt worden ist und es keine außergewöhnlichen Überraschungen gab, um mich bei der Stange halten zu können.
Jürgen Seibold/28.11.2019