Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

Originaltitel: The Silmarillion
Aus dem Englischen von Wolfgang Krege
© 1977 by George Allen & Unwin Ltd., London
© J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 1978
vorliegende Ausgabe: ISBN 3-608-93245-3
ca. 510 Seiten

COVER:

Das Silmarillion erzählt von den Ereignissen des Ersten Zeitalters – jener fernen Epoche von Mittelerde, auf welche die Helden des Herrn der Ringe immer wieder in Ehrfurcht zurückblicken. (Und manche von Ihnen, wie Elrond und Galadriel, aber auch Sauron, haben sie miterlebt.) Es ist die Zeit der Elben, der Langlebigen.

In dieser Welt, wo noch nicht alle Wege krumm sind, entwickelt sich auch die Erzählung in mächtigeren Bahnen, als wir es seither kennen.
Melkor, der Meister des Verrats, raubt die Silmaril, in denen das Licht verschlossen liegt, das älter ist als die Sonne und Mond; und Feanor und seine Söhne, um sie zurückzugewinnen, sagen ihm einen hoffnungslosen Krieg ohne Ende an. Ein Erdteil von Geschichten kommt in Bewegung, Geschichten, die in den Liedern der Elben besungen und hier im Silmarillion erzählt werden.

REZENSION:

Vor langer Zeit – eine Ewigkeit, bevor sich ein gewisser Peter Jackson Gedanken über eine Verfilmung machte – ließ ich mich von Tolkiens sagenhaftem Werk, DER HERR DER RINGE, in die Welt Mittelerdes entführen. Nach diesem fantastischen Standardwerk folgte natürlich noch der Hobbit und im Anschluss dessen, fand auch Das Silmarillion seinen Weg in mein Bücherregal.
Irgendwie ergab es sich aber, dass dieses Buch lediglich unberührt sein Dasein neben den beiden anderen Werken fristete.
Vor kurzem nahm ich mir die Zeit und versuchte mich an diesem Werk. Sehr schnell stellte sich dabei heraus, dass es sich auch beim Silmarillion um ein durchdachtes Kunstwerk handelt. Hierin erkennt man sehr deutlich, wie weit die Gedankengänge Tolkiens zurück gingen, um seiner selbsterdachten Welt ein stimmiges Konstrukt zu geben.
Gleichzeitig ist Das Silmarillion aber nicht mit den beiden Romanen zu vergleichen und dies sollte man auch als geneigter Leser unbedingt beachten. Simpel gesagt: Ein sehr trocken erzähltes Werk und man fragt sich jedesmal, warum man ein Buch liest, dessen Inhalt frei erfunden ist, jedoch sich nur wie ein Sachbuch lesen lässt.
Ist man aber ein wenig an der (erfundenen) Historie Mittelerdes interessiert, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als dieses Buch zu genießen.
Ich selbst war sehr zwiespältig: Zum Einen eine sehr trockene Lektüre, zum Anderen aber auch wahrlich interessant. Wenn man sich dabei auch noch gedanklich eher darauf einstellt, eine Art Bibel zu lesen, dann kann man den Wunsch nach Handlungsdetails auch etwas beiseite legen. Schafft man dies, eröffnet einem Das Silmarillion eine sehr tiefgehende Beschäftigung mit der Welt aus dem Herrn der Ringe.
Als Unterhaltungsroman somit nicht geeignet, als unerschöpfliche Quelle Mittelerdes jedoch ein Nonplusultra.
Jürgen Seibold/14.01.2017
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