Stephen King: Billy Summers

Originaltitel: Billy Summers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2021 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27359–7
ca. 717 Seiten

COVER:

Billy ist Kriegsveteran und verdingt sich als Auftragskiller. Sein neuester Job ist so lukrativ, dass es sein letzter sein soll. Danach will er ein neues Leben beginnen. Aber er hat sich mit mächtigen Hintermännern eingelassen und steht schließlich selbst im Fadenkreuz. Auf der Flucht rettet er die junge Alice, die Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde. Billy muss sich entscheiden. Geht er den Weg der Rache oder der Gerechtigkeit? Gibt es da einen Unterschied? So oder so, die Antwort liegt am Ende des Wegs.

REZENSION:

Wer Stephen King immer noch als reinen Horror-Autoren betitelt, hat schlicht seit Jahrzehnten keine Bücher mehr von ihm gelesen und schwebt gedanklich noch auf einem Wissensniveau zu Zeiten SHININGs und ES.
Stephen Kings Schaffenskreis ist mittlerweile unglaublich weit gezeichnet und deckt nahezu jede Genreabgrenzung ab. Dementsprechend unbeeindruckt oder gar überrascht war ich, als ich las, dass BILLY SUMMERS eher eine Art Thriller zu sein scheint. Mich störte das absolut gar nicht, dachte ich doch an den sagenhaften Reihenstart mit dem Titel MR. MERCEDES – mit dem mir der Großmeister offenbarte, dass auch mir ein Krimi gefallen kann. Er darf nur nicht oberflächlich geschrieben sein und dafür steht der ausufernde Vielschreiber definitiv nicht.
BILLY SUMMERS ist Auftragskiller und nimmt einen letzten Job an, der durch seine Bezahlung problemlos der Start in eine entspannte Zeit ohne weitere Tätigkeiten sein kann.
Als perfekter Planer und Schütze steht dem positiven Ergebnis nichts entgegen – er hatte lediglich nicht mit dem Plan seiner Auftraggeber gerechnet, was zu einer doppelten Flucht seitens Billy Summers führte: Die Flucht vor der Staatsmacht als auch vor den Hintermännern des Auftrags.
Summers baut sich dabei mehrere Identitäten auf und lebt mehrere bürgerliche Leben, in der Hoffnung, dass aus Sicht der Staatsmacht bald sämtliche Vorkehrungen mangels Jagderfolgs reduziert werden.
Gleichzeitig denkt er über Rache nach und entdeckt sich bereits beim Schmieden neuer Pläne.
Eines Tages wird das Opfer einer Gruppenvergewaltigung nahe seiner Wohnung „entsorgt“ – Summers trifft eine Entscheidung und rettet sie (Hauptgedanke wohl die Sorge, dass die Polizei auch bei ihm anklopfen könnte).
Nun stellt sich die Frage nach seinem weiteren Vorgehen: Rache an seinen Auftraggebern? Rache an den Vergewaltigern? Offenbarung seiner echten Tätigkeit gegenüber Alice?
Stephen King holt in bekannter Weise virtuos aus und nimmt uns nicht nur beim täglichen Geschehen mit, sondern taucht auch tief in die Welt Billy Summers ab. Dieser verarbeitet anhand des Schreibens seine eigene Vergangenheit und man erkennt mehr und mehr die Hintergründe seines Tuns als auch die detailliert gezeichnete Persönlichkeit.
Gleichzeitig scheint King in den letzten Jahren seinen Lesern etwas mehr als nur eine gute Geschichte mitgeben zu wollen. Dementsprechend tiefgehend entwickelt sich der Plot und wer Richtung Ende nicht emotional in seinen Gedanken versinkt, sollte nochmal in sich gehen…
BILLY SUMMERS ist erneut ein grandioser Roman eines Schriftstellers, der in oberflächlichen Medien immer noch etwas belächelt wird, da er ja angeblich nur ein Horror-Autor ist. In meinen Augen war King schon immer Literatur – auch wenn es manchmal etwas härter zur Sache ging. Ihm war schon immer die Geschichte rundherum das Wichtigste und das ist auch der Grund, warum ich diesen Schriftsteller auch weiterhin als meinen Schriftsteller Nummer 1 betrachte.
BILLY SUMMERS selbst ist dabei nicht von schlechten Eltern – als sein bestes Werk würde ich es definitiv nicht bezeichnen, nichts desto trotz lohnt sich dieses Buch und offenbart abermals eine weitere Facette dieses unglaublichen Künstlers.
hysterika.de / JMSeibold / 29.08.2021