Ernest Cline: Ready Player Two

Originaltitel: Ready Player Two
Aus dem amerikanischen Englisch von Sara Riffel, Alexandra Jordan und Alexander Weber
©2020  by Dark All Day, Inc.
Deutsche Erstausgabe
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2021 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-59670654–9
ca. 463 Seiten

COVER:

Eine unerwartete Quest.
Zwei Welten stehen auf dem Spiel.
ARE YOU READY?

Einige Tage nachdem er das Easter Egg von James Halliday gefunden und den Wettbewerb um die OASIS für sich entschieden hat, macht Wade Watts eine Entdeckung, die alles verändern könnte.
In einem seiner Tresorräume hat Halliday eine Technologie für ihn versteckt, die die OASIS noch wundervoller und suchterzeugender macht, als es sich Wade je hätte träumen lassen.
Doch gleichzeitig wird er vor ein Rätsel gestellt und muss ein weiteres Abenteuer bestehen. Es gilt ein letztes Easter Egg zu finden, das Halliday in der Oasis versteckt hat.
Und diesmal hat Wade einen Konkurrenten, der über Leichen geht. Er merkt bald, dass nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel steht, sondern das von Millionen anderer Menschen, und vielleicht sogar das Schicksal der gesamten Welt.

REZENSION:

READY PLAYER ONE zeigte sich als unglaublich innovatives Werk mit einer grandiosen Grundidee, die sich als Zukunftsroman verkleidet, jedoch perfekt bereits in die heutige Zeit einfügt. Darüber hinaus konnte es generationenübergreifend begeistern, da neben der rasanten Geschichten eine unglaubliche Vielzahl an Reminiszenzen in längst vergangene Gaming-Zeiten vollzogen worden ist. Ich kann mich noch sehr gut an das regelmäßig aufkommende Schmunzeln erinnern – ausgelöst durch im Buch befindliche Gamingerlebnisse bei Spielen meiner Kindheit, die ich bis zu diesem Buch als bereits vergessen erachtete. READY PLAYER ONE hat dies alles und noch viel mehr hervorgehoben und sorgte durchgehend für Begeisterung. Gekrönt mit einem – zugegebenermaßen auf die jüngere Klientel zugeschnitten – rasant erzählten Film, der dem Buch von Ernest Cline in nichts nachstand.
READY PLAYER TWO versucht nun diesen Erfolg aufrecht zu halten. Nun haben Folgebände mehrere Möglichkeiten, um die bereits überzeugte Fangemeinschaft abermals für sich zu gewinnen: Zum Einen eine geschickte neue Idee in der gleichen Welt mit den gleichen Protagonisten unter Berücksichtigung, dass der im ersten Band aufgekommene Überraschungseffekt verloschen ist. Zum Anderen ein simples Aufwärmen, um exakt in die gleiche Kerbe zu stoßen. Nun, der zweite Weg ist der einfachere – leider wurde dieser von Ernest Cline gegangen.
Somit befinden wir uns abermals in einer Quest, die lediglich durch einen limitierenden Zeitfaktor eingegrenzt wird. Der Zeitfaktor soll den Thrill erhöhen – er sorgt aber auch dafür, dass man als Figur weniger nachdenken muss und als Leser recht früh vorhersagen kann, wie die Story wohl ausgehen wird. Wenn man bedenkt, dass im ersten Buch die Quest extrem lange andauerte und mit vielen Nachforschungen gespickt war, versucht Cline dies nun in gerade mal 12 Stunden.
Die Quest ist nahezu gleich gestrickt, wie in READY PLAYER ONE – somit hofft man auf ähnlich aufkommende Gedanken an die eigene Vergangenheit. Ernest Cline scheint jedoch eine weit jüngere Klientel hofieren zu wollen, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen kannte ich in READY PLAYER TWO gar nichts mehr und somit verlor ich ansteigend mit der Seitenzahl den Bezug zu diesem Buch. Schade, da hier erheblich mehr möglich gewesen wäre.
Alles in allem schwebt READY PLAYER ONE in meinen Augen als Einzelband weiterhin ganz weit oben – READY PLAYER TWO ist nichts weiter als der Versuch, die selbe Geschichte mit einer Prise Geschwindigkeitserhöhung erneut zu erzählen.
hysterika.de / JMSeibold / 08.08.2021

Mikkel Robrahn: Hidden Worlds – Die Krone des Erben

Originalausgabe
©2021 Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag GmbH
ISBN 978-3-7335-5015-8
ca. 414 Seiten

COVER:

Eigentlich dachte Elliot, einmal auf Avalon angekommen würde alles einfacher und besser werden. Doch in dem Moment, als vor seinen Füßen eine schwarze Kutsche stehen blieb, wusste er, dass das nur Wunschdenken war. Das mit goldenen Ornamenten verzierte Gefährt wurde von zwei Welthunden gezogen. Sie waren so groß wie Rösser und hatten Ähnlichkeit mit deutschen Doggen. Unter ihrem grauen Fell traten die Rippen und Hüftknochen deutlich hervor. Am auffälligsten war aber, dass sie nur ein Auge hatten, das mittig über der Schnauze platziert war.
Die Zügel hielt eine gehörnte Kreatur in der Hand, die von der Hüfte abwärts wie ein Ziegenbock aussah. Sie trug einen langen, schwarzen Mantel. Mit einer Kopfbewegung zeigte das teuflisch aussehende Wesen auf die Tür. „Steig schon ein. Der Chef will nur eine kurze Unterhaltung mit dir, Kleiner.“
Nur eine Unterhaltung. Aus Filmen wusste Elliot, dass solche Unterhaltungen meistens nur der Anfang von etwas viel Größerem waren. Etwas Bedrohlichem. Etwas, das potenziell lebensgefährlich war.
„Also gut“, murmelte er. Was bliebe ihm auch anderes übrig? Eines war klar: Nichts würde auf Avalon einfacher werden.

REZENSION:

Ich kann mich noch sehr gut an die bei mir entstandene Begeisterung erinnern, als ich mir den ersten Band dieser Trilogie namens HIDDEN WOLRDS zu Gemüte führte. Ohne weiter darüber nachzudenken, ging ich schlicht davon aus, dass hier ein neuer Harry Potter entstanden ist – dementsprechend zog mich der Start in den Bann.
Gleichermaßen euphorisch – nun aufgeheizt durch die Erlebnisse des ersten Buches – widmete ich mich dem vorliegenden Band mit dem Untertitel „Die Krone des Erben“.
Elliot ist in Avalon angekommen und konnte nun endlich nach langer Zeit seine Mutter treffen.
Hier beginnt bereits in meinen Augen die Misere des zweiten Werkes: Seine Mutter war Hinweisgeberin innerhalb von Buch eins und nun zeigt sie ihrem kämpferischen Sohn regelrecht die kalte Schulter? So ganz kann ich das wahrlich nicht glauben. Dennoch versuchte ich den gebührenden Abstand zu halten und versuchte dieses Punkt zu akzeptieren – vielleicht gibt es ja einen plausiblen Grund dafür…
Leider geht „Die Krone des Erben“ bei weitem nicht so sagenhaft überzeugend weiter, wie das von mir hochgelobte erste Buch dieses Plots. Im Gegenteil, man befindet sich plötzlich in einem politischen Umfeld und es zeigt sich mehr und mehr, dass wir uns hier in einem typischen Mittelband befinden, der scheinbar Luft zu holen scheint, da gerade die erste Hälfte sehr schwach und spannungslos aufgebaut wird. Im ersten Buch saß man bereits nach wenigen Seiten mit offenem Mund vor den Buchstaben.
Teilweise blitzt die Qualität auf – jedoch fehlen die Überraschungseffekte und dementsprechend mehr Aufwand sollte man im Festhalten des Lesers aufbringen. Gut, das Setting ist auch weiterhin interessant und gefüllt mit einigen ironischen, wenn nicht gar witzigen Elementen. Nichts desto trotz verliert man sich in zu viel Antriebslosigkeit, was mir abermals bestätigt, dass es wohl ab und an besser wäre, eine Geschichte nicht weiter auszubauen. Andererseits kann es sich natürlich auch um das Problem des Mittelbandes handeln – wenn das so ist, tut es mir leid – gleichzeitig weise ich aber darauf hin, dass eine Fortsetzung ebenso fesselnd sein muss wie der Einstieg in die Geschichte. Es wird natürlich schwieriger, da der Überraschungseffekt einer neuen Welt und Idee nicht mehr vorliegt. Darüber muss man sich als Autor im Klaren sein, da im negativen Fall die Leserzahl zurückgeht und nur mehr schwer aufgeholt werden kann.
Ich bin einer dieser Fälle und halte weiterhin Buch 1 in guter Erinnerung – ein weiteres Eintauchen in Robrahns Welt wird mir jedoch nur noch schwer vermittelbar sein, da ich das vorliegende trotz der guten Sprache und der gleichwertig ansprechenden Welt abgebrochen habe – dies jedoch  nur, da mein Anspruch immer noch auf dem Niveau des ersten Bandes stand und dementsprechend hoch die Erwartung war.
hysterika.de / JMSeibold / 01.08.2021

Mikkel Robrahn: Hidden Worlds – Der Kompass im Nebel

Originalausgabe
Erschienen bei FISCHER New Media
Frankfurt am Main, September 2020
ISBN 978-3-7335-5000-4
ca. 350 Seiten

COVER:

Der Kirche war es vor vielen Jahrhunderten gelungen, das Portal nach Avalon zu schließen. Elfen, Zwerge und andere Wesen strandeten in unserer Welt.
Elliot Craig, Anfang 20 und wohnhaft in Edinburgh, taucht in die Welt des Merlin-Centers ein, einem Kaufhaus für alles Phantastische. Als er auf Informationen über einen Kompass nach Avalon stößt, beschließt er, das Geheimnis um die sagenumwobene Insel zu entschlüsseln …

REZENSION:

„Hidden Worlds“ handelt von Elliot Craig, der in unserer heutigen Zeit und Welt lebt und versucht, mehr recht als schlecht durchzukommen. Er jobbt, um den Lebensunterhalt für sich und seinen Vater aufbringen zu können. Dieser wiederum sitzt den ganzen Tag nur vor der Glotze und schweigt eher vor sich hin, als am Leben teil zu haben.
Nachdem Elliot des (nicht von ihm durchgeführten) Diebstahls bezichtigt wurde, verlor er auch seinen letzten Job als Verkäufer in einer Burger-Bude. Ratlos offenbart er sich seinem Vater, der ihm rät, zu einem Kilt-Laden zu gehen, da der Inhaber ihm noch einen Gefallen schuldet. Schnell stellt sich heraus, dass besagter Kilt-Laden nur den Zugang zu einer phantastischen Welt darstellt und der eigentliche Job im Merlin-Center zu vollbringen ist.
Elliot Craig befindet sich nun in einer versteckten und von der Phantastik gefüllten Welt. Er trifft hier auf Wesen und Geschichten, die jeder von uns kennt, jedoch ausschließlich aus Erzählungen, Sagen, Büchern kennt.
Schnell stellt sich heraus, dass die Inquisition hinter ihm her ist und dass darüber hinaus er den verschlossenen Weg nach Avalon im vermeintlichen Nachlass seiner Mutter zu haben scheint.
Mikkel Robrahn legt mit „Hidden World“ ein phantastisches Werk vor, welches eine erfrischende Idee in sich trägt. Der erzählerische Stil legt sich eher in Richtung Jugendbuch, besitzt aber auch genug Ansprechendes, um trotz seiner Leichtigkeit auch einen alten Hasen wie mich für sich gewinnen zu können. Als mir das klar wurde, gingen meine Gedanken sehr schnell in Richtung Harry Potter, denn „Hidden Worlds“ funktioniert ähnlich und könnte problemlos das Erbe der Bücher Rowlings antreten: Leicht genug erzählt, um Teenager und Heranwachsende zu überzeugen – gleichzeitig ausreichend interessant, um auch Erwachsene jeden Alters für sich gewinnen zu können.
Natürlich ist durch diesen Spagat einiges für die ältere Community stark hervorsehbar – nichts desto trotz ist die gesamte Geschichte unglaublich erfrischend. Robrahn vermengt dabei eine Vielzahl an unterschiedlichsten Sagen, Wesen, Szenarien und historischen Figuren. Wir lesen hier von der Inquisition, Drachen, Elfen, Gnomen, Zwergen, Nixen und vielem mehr. Alles im ersten Band gebündelt im Merlin-Center, einem ganz besonderen Kaufhaus.
Ein rundum gelungener Plot, der meines Wissens noch nicht zu Ende erzählt ist. Wie gesagt auch ein möglicher Erbe für Fans des Potter-Universums.
Hysterika.de/JMSeibold/01.11.2020

Simon Stålenhag: The Electric State

Originaltitel: Passagen
Aus dem Schwedischen von Stefan Pluschkat
©Simon Stålenhag 2017
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2019 Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-596-70379-1
ca. 141 Seiten

COVER:

EINE REISE BIS ANS ENDE DER WELT …
UND DARÜBER HINAUS

Nach einem Drohnenkrieg hat sich Amerika in einen postapokalyptischen Friedhof verwandelt: Wie fremdgesteuert streifen die Menschen durch ein zerfallendes Land. Und während die alte Welt stirbt, erhebt sich etwas Neues aus den Ruinen, das noch keinen Namen hat.

Mitten durch das Chaos bahnt sich eine junge Frau mit ihrem Roboter einen Weg nach Westen. Auf der Suche nach ihrem Bruder unternimmt sie eine einsame Reise durch die Überreste unserer Zivilisation.

REZENSION:

THE ELECTRIC STATE von Simon Stålenhag war nicht wirklich im Fokus meiner zu lesenden Bücher. Interessanterweise fand es dennoch seinen Weg in meine Hände und ich entschied mich, diesem Werk ebenfalls eine Chance zu geben. Das Buch selbst ist im Großformat und ein illustrierter, dystopischer Roman. Mit seinen gerade mal ungefähr 140 Seiten wirkt es durch den doch recht üppigen Preis etwas teuer – da man aber einen Bildband in Händen hält, relativiert sich dieses Gefühl sogleich. Bereits beim anfänglichen Durchblättern lässt man sich durch die realistisch wirkenden Zeichnungen gefangen nehmen. Beinahe alleine erzählen sie die düstere Geschichte der jungen Frau und ihrem kleinen Roboter auf der Suche nach ihrem Bruder. THE ELECTRIC STATE ist vordergründig nichts weiter als ein nettes Roadmovie, welches vom Inhalt seiner Geschichte allein nichts Besonderes zu sein scheint. Durch den geschickten Wechsel von Bild und Text entsteht jedoch ein sehr ergreifendes und tiefgründiges Werk, welches zu überraschen weiß und den Blick auf jeder Seite für längere Zeit haften lässt. Auch im Nachgang lässt sich dieses Werk immer wieder hervorholen und wie ein echter fotografischer Bildband lässt man hierin jede Zeichnung einzeln auf sich wirken und zart jede in ihm befindliche Geschichte auferstehen.
Ein Buch für Sammler und Kenner und ein Buch, welches für ein wenig Abwechslung im phantastischen Genre sorgen kann. Meines Wissens gibt es noch weitere Bände dieses künstlerisch ambitionierten Zeichners/Autors und es hat wohl auch bereits Netflix für erste Umsetzungen in filmischer Form gesorgt.
Absolut interessant, wie eine Mischung aus Graphic Novel und Roman funktionieren kann und eine Geschichte auf eine neue sinnliche Ebene heben kann.
Jürgen Seibold/12.04.2020

Maberry, Jonathan: VWars – Die Vampirkriege

Originaltitel: V-Wars. A Chronicle oft he Vampire Wars
Aus dem Amerikanischen von Maike Hallmann und Birgit Herden
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70458-3
ca. 554 Seiten

COVER:

Der Wissenschaftler Dr. Luther Swann beschäftigt sich mit einem eher aparten Spezialgebiet: Sein akademisches Interesse gilt den volkstümlichen Überlieferungen zum Vampir-Mythos. Als man ihn bittet, Gutachter in einem Mordfall zu werden, ist das für ihn absolutes Neuland. Noch ahnt er nicht, wie gefragt seine Meinung in den folgenden Monaten sein wird. Und welche Entscheidungen ihm abverlangt werden.

Denn als die alten Mythen Wirklichkeit werden und immer mehr Vampire auftauchen, wird Luther Swann zum Experten für das neue Phänomen. Kann er verhindern, dass sich Menschen und Vampire buchstäblich an die Gurgel gehen und gegenseitig auslöschen? Will er das verhindern? Fest steht nur:
Amerika hat sich in ein Pulverfass verwandelt, und Swann muss versuchen, inmitten der sich überstürzenden Ereignisse einen kühlen Kopf zu bewahren. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Existenz der Menschheit.

REZENSION:

Erst als ich das Buch in der Hand hatte, stellte ich bei einem Blick in die ersten Seiten fest, dass es sich hier wohl nicht um einen reinrassigen Roman handelt: Es stand nämlich noch vor Beginn der Story folgender Text auf Seite 5: V Wars – Die Vampirkriege mit Geschichten von Nancy Holder, John Everson, Yvonne Navarro, Keith R.A. DeCandido, Scott Nicholson, Gregory Frost und James Moore…
Recht verblüfft fragte ich mich in diesem Augenblick, ob ich mich aus Versehen für einen Kurzgeschichteband entschieden hatte.
Nun, teilweise: V Wars ist eine Zusammenfügung mehrerer Geschichten, die sich dem selben Setting widmen, dabei aber eigenständig in ihrer zeitlichen als auch erzählerischen Darstellung sind. Die Vorgehensweise ist dabei wie folgt: Man liest zum Beispiel von Seite 9 bis 30 den ersten Teil der mit „Schrott“ betitelten Geschichte. Dann folgt Teil 1 von „Roadkill“, um dann mit Teil 2 von „Schrott“ fortzusetzen – im Nachgang dann Teil 1 von „Liebeshunger“ usw.
Durch diese Vorgehensweise war es mir leider absolut nicht möglich, einen geeigneten Zugang zu diesem Buch zu finden. Schade, da ich wirklich sehr angetan war von der grundsätzlichen Idee beziehungsweise den bis dahin erhaltene Informationen durch die Angaben auf der Coverbeschreibung.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die ein oder andere Geschichte ganz gut funktioniert und gelungen ist – gleichzeitig klingt das gesamte Setting nach einem positiven Plot für die nun bei Netflix laufende Serie. Bis dato konnte ich mir darüber aber noch keine Meinung bilden.
Die Art der Zusammenfügung verschiedener Geschichten ist in dieser Vorgehensweise zwar sehr kreativ und prinzipiell auch interessant – dennoch sind die Unterschiede zu groß und man kann nicht gezielt in die Geschehnisse eintauchen, da die Sprünge zwischen den „Kapiteln“ schlicht zu groß sind – sowohl inhaltlich als auch qualitativ.
Jürgen Seibold/11.12.2019

Scalzi, John: Verrat – Das Imperium der Ströme

Originaltitel: „The Consuming Fire“
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen
©2019 by John Scalzi
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29980-5
ca. 381 Seiten

COVER:

Der Thron der Imperatox wackelt: Die großen Handelshäuser wollen Grayland lieber früher als später beseitigt sehen, und auch die Kirche steht nicht mehr fraglos hinter ihrem Oberhaupt.
Gleichzeitig schreitet der Zerfall des Imperiums weiter voran. Der erste Planet ist bereits von den interstellaren Strömen abgeschnitten, und bald droht auch allen anderen menschlichen Zivilisationen die Isolation – und damit ihr Untergang.
Grayland versucht mit allen Mitteln, das Imperium auf die bevorstehende Katastrophe vorzubereiten, doch die Zahl ihrer Verbündeten schrumpft …

REZENSION:

Bei „Verrat“ handelt es sich um den zweiten Band der mit „Kollaps“ begonnenen Trilogie mit dem Obertitel „Das Imperium der Ströme“.
John Scalzi zeigt auch im Nachfolgeband sein Talent in der wechselhaften Darbietung von Humor, Brutalität und Ernsthaftigkeit. Die prinzipielle Welt dieser Trilogie ist durch die planetenverbindenden Ströme sehr interessant und nachvollziehbar dargelegt. Die daraus entstehenden, mafiösen Strukturen setzen dem Ganzen nur noch eins drauf.
Dennoch konnte mich „Verrat“ nicht wirklich überzeugen – dies steht im krassen Gegensatz zu meiner Meinung über den ersten Band, der mich mit seinem Humor und ganz besonders mit seiner inhaltlichen Darbietung rundum begeistern konnte. Aus diesem Grund war ich auch ganz gespannt auf den Nachfolgeband. Nun stellt sich mir jedoch die Frage, ob es grundsätzlich am zeitlichen Abstand zwischen den Bänden liegen könnte: Irgendwie konnte ich beim Lesen von „Verrat“ nicht mehr wirklich in dieses Universum eintauchen. Die Personen waren mir etwas fremd und der noch in meinem Kopf verankerte Hauptstrang nicht schnell genug greifbar. Irgendwie werde ich in letzter Zeit das Gefühl nicht los, dass es eventuell sinnvoller wäre, die Vorgehensweise der Trilogien einfach bleiben zu lassen und dafür einen dicken Band zu veröffentlichen. Ich kann mich nämlich noch ganz gut daran erinnern, wie ungern ich „Kollaps“ geschlossen hatte – ich wollte einfach nahtlos weiterlesen.
Etwa ein Jahr und viele anderen Bücher später fehlt mir der erneute Zugang und somit spüre ich auch keinen Drang zum finalen Band.
Vielleicht funktioniert das Prinzip noch bei Lesern, die ab und an Bücher zur Hand nehmen oder einfach warten, bis eine Reihe komplett veröffentlicht ist und man somit nahtlos dem gesamten Handlungsstrang folgen kann. Mich hat es in diesem Fall jedenfalls im Stich gelassen, wodurch das Imperium der Ströme einen zukünftigen Leser weniger haben wird – nichts desto trotz werde ich John Scalzi weiterhin im Auge behalten, da er schlichtweg ein grandioser Erzähler ist und mich dann bestimmt mit einer neuen Idee wieder für sich gewinnen kann.
Jürgen Seibold/23.11.2019

Guse, Juan S.: Miami Punk

@2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-397393-8
ca. 634 Seiten

COVER:

Der Atlantik hat sich von der Küste Miamis zurückgezogen. Über Nacht legt sein Verlust unsichtbare Abhängigkeiten offen, hinterlässt überall klaffende Lücken – im Alltag, in Familien, in den Institutionen. Es fehlt an Arbeit, an Utopien. Und so breitet sich zwischen leerbleibenden Hotels und dem ausgetrockneten Hafen eine seltsam traurige Atmosphäre aus. Mittendrin: Radikale Pilger, ein spiritualistischer Kongress, die Behörde 55, eine Indie-Game-Programmiererin, eine Arbeiterfamilie, eine Soziologin und ein E-Sport-Team aus Wuppertal.

REZENSION:

Mit „Miami Punk“ wollte ich mich einem Werk widmen, welches trotz der relativ nichtssagenden Beschreibung außerordentlich und erfrischend neu geklungen hat. Das Setting wirkte sehr interessant und konnte mich durch die kunstvolle, surrealistische Anmutung bereits vor Öffnen des Buches überzeugen.
Die kargen Beschreibungen über das Buch weckten meine Neugierde – was nur noch verstärkt wurde durch die sehr positiven Meldungen aus der Presse. Scheint sich doch hier etwas gänzlich Neues im literarischen Markt der phantastischen Literatur aufgetan zu haben.
Juan S. Guse besitzt auch einen sehr schönen Schreibstil und eine Interessante Art des Erzählens, mit der er mich zumindest zu Beginn überzeugen konnte. Dabei schwenkt er seine Herangehensweise beim Erzählen je nach darstellender Figur, was dem Inhalt einige Zeit zu Gute kommt.
Wie gesagt, anfangs wirken diese Elemente wirklich herausragend und gut. Leider relativiert sich dies durch notwendige aber hierin fehlende Spitzen.
Sicher, die Trostlosigkeit wird unglaublich gut dargestellt – ich bin mir aber nicht sicher, ob ich diese Trostlosigkeit als Leser wirklich auch rundum empfinden möchte, um einer dementsprechenden Geschichte folgen zu können.
Als Leser muss man wahrlich sehr viel Aufwand betreiben, um der Geschichte auf längere Zeit genug Interesse entgegenbringen zu können. Mir ist es leider nicht gelungen, da trotz des prinzipiell sehr gelungenen Settings und der Grundidee die Ausarbeitung doch zu viel zu wünschen übrigließ, um mich bei der Stange halten zu können. Den prinzipiellen Handlungsfäden fehlte schlichtweg die notwendige Zugabe an Dramatik, Spannung oder zumindest interessanten Ebenen, um den Leser bei der Hand zu nehmen und ihn mit nicht sinkendem Interesse von Seite zu Seite zu tragen.
Schlußendlich lediglich ein zwar sprachlich herausragender, dennoch nur dezent dystopischer Gesellschaftsroman, der in seiner Gänze zu kompliziert erzählt worden ist. Damit machte es der Autor seinem Leser leider nahezu unmöglich, die darin enthaltene – sicher sehr tiefgehende – Botschaft zu erkennen und als ausreichend interessant zu empfinden..
Jürgen Seibold/17.09.2019