El-Bahay, Akram: Bücherstadt

©2017 Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20883-8
ca. 365 Seiten

COVER:

EINE RIESIGE UNTERIRDISCHE BIBLIOTHEK.
HALLENDE BÜCHERSCHLUCHTEN.
GEHEIMNISSE IN JEDEM BAND …

Sam ist ein Dieb – aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Von Ruhm und Ehre als Wächter des Weißen Königs.
Diese Träume zerplatzen, als er erfährt, wo er Dienst tun soll: in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Sam stellt sich auf tödliche Langeweile ein. Schließlich gibt es dort unten nichts als alte, staubige Bücher. Er ahnt nicht, wie sehr er sich irrt …

REZENSION:

Sam ist ein Dieb – und diese Fähigkeit lernen wir als Leser zugleich in den ersten Seiten virtuos kennen. Man erkennt sofort, dass Sam ein ausgezeichneter Dieb zu sein scheint – nichts desto trotz ist er dieses Lebens überdrüssig und möchte als anständiger Mensch neu anfangen und nicht weiter ein Lakai der Diebesgilde sein.
Er lässt alles hinter sich und heuert bei der Palastwache an. Er hat dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn eine dem König zugeteilte Stadtwache nimmt natürlich nicht sofort jeden, um den König zu beschützen. Jeder Neuling muss sich erst einmal dorthin arbeiten. Sam wird somit aufgenommen, jedoch entgegen seines Wunsches als Wächter in der Bibliothek unterhalb der Stadt eingesetzt. Was könnte langweiliger sein, als auf Bücher aufzupassen?
Akram El-Bahay erschafft in seinem ersten Band über die Bibliothek der flüsternden Bücher ein Setting, wie ich es schon lange nicht mehr erleben durfte. Im Gegensatz zu anderen Fanatsybüchern wandeln wir hier nicht durch unendliche Weiten in atemberaubenden Welten – nein, bei El-Bahay befinden wir uns fast ausschließlich in den Grenzen einer atemberaubenden Stadt. Diese Stadt hat dabei noch eine Besonderheit in sich: In den Tiefen befindet sich eine dermaßen riesige und uralte Bibliothek, das man sich problemlos mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen darin verirren kann.
Recht schnell stellt sich darüber hinaus heraus, dass viele der dort aufbewahrten Werke Geheimnisse in sich tragen und darüber hinaus, dass viele lediglich aus Geschichten und Sagen bekannte Figuren in den Tiefen dieser Bibliothek ein echtes Leben fristen…
Akram El-Bahay schreibt wunderbar eingängig und führt den Leser auf eine wunderschöne und atemberaubende Art in seine Welt ein. Natürlich ist man als Buchliebhaber sofort von den Dimensionen der Bibliothek erschlagen – sehr oft ertappt man sich dabei, wie es wohl wäre, in so einer Bibliothek ein wenig zu schmökern.
Genau dort packt er seinen Leser und vermischt geschickt westliche und orientalische Stilistik, um seine Geschichte ungebremst voran zu treiben.
So gebannt wie ich von Seite zu Seite jagte, hatte ich am Ende ein wenig das Gefühl, dass es dort etwas zu hektisch geworden ist. Bevor aber dieser Gedanke zu sehr auftauchen konnte, schaffte El-Bahay immer noch rechtzeitig die Kurve.
Darüber hinaus wirkt das Buch erstaunlich abgeschlossen und öffnet keinen schmerzhaften Cliffhanger für den Folgeband. Somit ist man zwar schon in freudiger Erwartung auf das nächste Buch aus der Welt dieser Bibliothek, dennoch nicht verärgert, weil es schlicht noch nicht auf dem Markt ist.
Alles in allem ein wirklich leidenschaftliches Buch über Bücher und fabelhaften Wesen, die diesen entsprungen zu sein scheinen. Darüber hinaus sehr interessante und detailliert gezeichnete Figuren mit allen Ecken und Kanten. Ein wahrhaft interessantes Buch voller Ideen und einem atemberaubenden Setting – sowohl oben als auch in den Tiefen Mythias.
Sehr empfehlenswert.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Heitz, Markus: Wédora – Schatten und Tod

Deutsche Erstausgabe August 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65436-1
ca. 650 Seiten

COVER:

Eine geheimnisvolle Stadt inmitten der Wüste. Eine Million Einwohner, umgeben von Feinden. Und zwei Reisende, die Wédora retten oder vernichten können.

In der schwer befestigten Wüstenstadt Wédora warten gefährliche Herausforderungen auf die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die gewaltige Metropole verschlagen hat.
Als Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen wird, kann sie nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrecher und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindeheitstagen – denn Liothan macht sich unterdessen in Wédoras Unterwelt einen Namen.
Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Reiche rüsten zum Krieg, und die neutrale Handelsstadt droht, darin verwickelt zu werden. Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt, der Wédoras Ende bedeuten könnte.

REZENSION:

Normalerweise ist die Chance sehr gering, dass ich mich einem Buch widme, dessen ersten Band ich noch nicht kenne. Wédora – Schatten und Tod hat jedoch seinen Weg zu mir gefunden und ich überlegte einige Monate, ob ich mich diesem Werk überhaupt widmen sollte. Viel zu groß hielt ich die Gefahr, etwas Essentielles nicht zu wissen oder gewisse Handlungsfäden einfach nicht aufnehmen zu können. Gleichzeitig sprach mein aktueller Stapel an ungelesenen Büchern eine klare Stimme und somit vermied ich es, mir den ersten Band nachträglich noch zu besorgen.
Einige Monate später nahm ich die Herausforderung dennoch an und hoffte einfach, dass es einem namhaften Autoren wie Markus Heitz schlichtweg möglich sein sollte, einen neuen Leser auch noch in einem Fortsetzungsband mitnehmen zu können.
Nun gut, anfangs dachte ich wirklich, diesmal hat er es nicht geschafft, denn ich hatte sehr viele Schwierigkeiten, in die Welt Wédoras eintauchen zu können. Neben der Welt war mir natürlich auch die Motivation und Hintergründe der beiden Hauptprotagonisten unklar – eine gewisse Seitenzahl blieb das auch so.
Erfreulicherweise hat sich dies jedoch im Laufe des Buches zugunsten der Geschichte gewandelt und ich konnte dem zweiten Band mehr und mehr folgen. Sicher, ab und an musste ich mich einfach auf die Welt ohne Erklärung einlassen. Es störte dann aber nicht mehr wirklich, da die Personen immer mehr Zeichnung erhielten und ich die beiden gegensätzlichen Strömungen von Tomeija und Liothan ausreichend interessant fand, um der Geschichte weiter folgen zu wollen.
Die Wege dieser beiden trennen sich relativ schnell komplett voneinander. Die eine wird zur obersten Gesetzeshüterin, der andere taucht immer stärker in die Unterwelt ein. Somit ist natürlich vorprogrammiert, dass die beiden Freunde eines Tages in ihrer jeweiligen Rolle aufeinandertreffen müssen. Dies wiederum macht Markus Heitz auf seine eigene, geschickte Art und schert sich keinen Deut über Ahnungen seiner Leser – nein, er lässt diese beiden Stränge in Abhängigkeit zueinander zulaufen.
Somit konnte mich dieses Buch sehr gut unterhalten und im Nachgang war ich dann wieder enttäuscht, nicht den ersten Band bereits genossen zu haben. Aber manchmal lässt sich einfach nicht alles lesen…
Das einzige, was mich ein wenig verwundert hatte in der Welt Wédoras war die Verwendung von Magie. Wenn ich mich so an frühere Aussagen von Markus Heitz erinnere (auch in meinem Podcast, in dem ich ein Interview mit ihm führe), dann hat er in seinen fantastischen Welten immer versucht, magische Elemente zu vermeiden, da diese zu schnell eine Geschichte zerstören können. Tja, egal was er mal gesagt hatte: Hier hat es einigermaßen gut funktioniert. Heitz hat somit auch dieses Element noch gut in seine Erzählung aufgenommen.
Alles in allem ein recht guter Roman, der sicher danach schreit, zuerst Band 1 zu genießen – dennoch auch einigermaßen gut als Stand-alone-Buch funktioniert. Mir hat es jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Jürgen Seibold/11.03.2018

Wédora – Schatten und Tod: Roman (Die Sandmeer-Chroniken, Band 2) – KAUFEN BEI AMAZON

Perplies, Bernd: Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer

©2017 Bernd Perplies
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490205-0
ca. 376 Seiten

COVER:

In der Stadt Skargakar, an den Gestaden des geheimnisvollen Wolkenmeeres, leben die Bewohner von der Jagd auf Drachen, die es in den dunstig weißen Weiten jenseits der großen Klippe in schier endloser Zahl gibt. Auch Lian trägt seinen Teil bei. Als Kristallschleifer verarbeitet er magische Kyrilliane, die die Flugschiffe der Jäger in die Lüfte heben. Eines Tages jedoch macht sich Lian einen gefährlichen Mann zum Feind und ist gezwungen, aus Skargakar zu fliehen. In seiner Verzweiflung heuert er auf dem erstbesten Flugschiff an, dessen Kapitän ihn mitnimmt. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt: Denn Adaron, der fanatische Kapitän der Carryola, jagt nicht irgendwelche Drachen. Sein Ziel ist der Urdrache Garganthuan selbst, ein Geschöpf der Legenden – und er ist bereit, für diese Jagd alles zu opfern.

REZENSION:

Bernd Perplies führt uns in seiner ersten Reise ins Wolkenmeer in eine fantastische Welt, in der Drachen die hauptsächliche Rohstoffquelle darstellen. Dementsprechend angesehen sind die Drachenjäger, die sich in ihren fliegenden Schiffen den Gefahren bei der Drachenjagd entgegenstellen.
Der junge Kristallschleifer Lian muss aus Sicherheitsgründen die Stadt verlassen und heuert aus diesem Grund ohne groß nachzudenken auf der Carryola an.
Wie sich dabei herausstellen sollte, besteht der einzige Antrieb des Kapitäns Adaron auf der Jagd nach einem der größten Drachen die es überhaupt gibt. Sein persönlicher Ansporn ist dabei nichts weiter als pure Rache: Hat doch dieser Drache vor langer Zeit seine Lebensgefährtin getötet.
Bernd Perplies ist etwas gelungen, worauf ich immer hoffe, es aber nicht oft vorkommt: Er hat mich überrascht! DerDrachenjäger ist eine rundum gelungene Geschichte mit einem atemberaubenden Setting und wunderbaren Figuren. sowohl Personen als auch Drachen.
Jede einzelne Seite ist pure Unterhaltung und man erkennt auch durch und durch die Hommage an den alten Litertaurklassiker MOBY DICK. Erstaunlich, wie es der Autor nahezu problemlos schafft, aus Ahab Adaron zu machen, aus Moby Dick den Drachen Garganthuan entstehen zu lassen. Dabei jedoch ohne eine platte Kopie des Klassikers zu generieren.
Der Drachenjäger ist eine wahrhaft rundum gelungene Fantasygeschichte, deren Sog ich mich schlichtweg nicht entziehen konnte und das Buch nahezu ungebremst verschlungen hatte. Perplies Schreibstil ist sehr zügig und eingängig. Dabei auch recht simpel und vollgepackt mit atemberaubenden Ideen. Er verliert dabei jedoch niemals die Story aus dem Auge und führt uns ungebremst zu dem von ihm geplanten Ende.
Der Drachenjäger ist natürlich erst der erste Band einer neuen Reihe – ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie Perplies weiter vorgehen wird, denn das Thema Moby Dick ist abgehandelt und die Erwartungshaltung nach Genuß dieses Buches von meiner Seite aus bereits sehr hoch angesiedelt. Ich hoffe wirklich sehr, dass er mich auch weiterhin so positiv überraschen kann.
Der Drachenjäger ist jedenfalls eine absolute Empfehlung wert und ich freue mich schon sehr auf den Weltenfinder.
Jürgen Seibold/04.03.2018

Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer: Roman (Die Reise ins Wolkenmeer)

Islington, James: Das Erbe der Seher – Die Licanius-Saga 1

Originaltitel: The Shadow Of What Was Lost
Aus dem Englischen übersetzt von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe Mai 2017
©2016 James Islington
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52095-6
ca. 784 Seiten

COVER:

„Niemand wusste je genau, wozu die Auguren imstande waren, außer den Auguren selbst. Sie waren immer geheimnisvoll, und zu keiner Zeit herrschte mehr als ein Dutzend von Ihnen.“

Vor zwanzig Jahren gelang es den vereinigten Reichen in einem blutigen Krieg, die tyrannischen Auguren, mächtige Seher mit scheinbar unbegrenzter Macht, zu vernichten. Jene, die ihnen dienten – die Begabten -, wurden nur verschont, weil sie sich dem neuen Gesetz unterwarfen, das ihre Macht beschränkte. So wachsen der junge Begabte Davian und seine Freunde in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Macht der Auguren verfügt, steht nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel: Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte.

REZENSION:

Ein Autor ist begeistert von Fantasybüchern. Dabei sogleich von sehr großen Vorbildern angetan und für dieses Genre überzeugt, entscheidet er sich für die eigene Entwicklung eines fantastischen Romans. Als Debüt liegt nun „Das Erbe der Seher“ vor und ich bin nach Genuß dieses Werkes sichtlich überrascht, welch Ideenreichtum und Qualität sich hinter dieser Entscheidung befindet.
„Das Erbe der Seher“ enthält sehr viele dem Genre entsprechende Versatzstücke und kann somit das Genre nicht neu erfinden, aber ihm dennoch einen außerordentlich erfrischenden und hochwertigen Stempel aufdrücken.
Auch Islington arbeitet mit einer „Coming-Of-Age-Handlung“ –  und irgendwie kann ich davon einfach nicht genug bekommen.
Entsprechend der Dicke seines Debütromans baut er geflissentlich seine Welt auf und beginnt mit einer Vielzahl an Handlungssträngen. Interessanterweise verliert er sich dabei nicht ein einziges Mal und somit bleibt einem nichts weiter übrig, als den Erlebnissen Davians ungebremst zu folgen.
Wie so oft im Genre ist auch die Welt Islingtons nicht gerade harmlos. Davians Rolle wird einem recht schnell klar, dennoch ist er mit all seinen Höhen und Tiefen gezeichnet. Gleiches trifft für seine Gefährten als auch Antagonisten zu. James Islington spart nicht mit Details – wird dabei gleichzeitig nicht zu ausschweifend, wodurch keine Müdigkeit auftreten kann.
Trotz der über 800 Seiten entwickelten sich meiner Meinung nach nahezu keine Längen in der Geschichte. Im Gegenteil: Endlich wieder ein Werk, in welches man ungebremst eintauchen kann und die Gefahr besteht, die Umwelt zu vergessen.
Von Seite zu Seite gewinnt man das Gefühl, dass die Qualität der Geschichte steigt und steigt. Der Autor schafft es dabei, diese Steigerung aufrecht zu erhalten und seinen Leser nicht zu enttäuschen.
Die Geschichte spitzt sich natürlich immer mehr zu, um dann – wie es bei einem Band 1 üblich ist – mit einem fulminanten Cliffhanger zu enden. Der Drang nach dem zweiten Band ist beim Beenden dieses Werkes groß und man kann es fast nicht aushalten, hierauf zu warten. „Das Erbe der Seher“ ist wahrlich ein herausragendes Werk mit einer düsteren Atmosphäre, die dennoch immer ein kleines Lichtlein am Ende des Horizonts aufweisen kann.
Der Schreibstil ist sehr eingängig, wodurch man trotz der Vielzahl an Handlungssträngen niemals den Faden verliert. Seine Welt ist gefühlt ein wenig an manche Größen des Genres angelehnt, dennoch eigenständig genug, um für ausreichend Abwechslung zu sorgen.
In meinen Augen ein absolutes Highlight im Genre und ich hoffe doch sehr, dass der Folgeband nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.
Jürgen Seibold/01.03.2018

Das Erbe der Seher: Die Licanius-Saga 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Blake, Kendare: Der Schwarze Thron – Die Schwestern

Originaltitel: Three Dark Crowns
Übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer
©2016 by Kendare Blake
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3144-7
ca. 448 Seiten

COVER:

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren – doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod – und er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …

REZENSION:

Getrennt werden die drei Schwestern aufgezogen. Jede mit einer besonderen Gabe gesegnet. Jede eine geborene Königin. Doch die Tradition lässt nur eine Herrscherin zu und somit werden alle drei unabhängig voneinander auf das alles beherrschende Ritual vorbereitet, welches an ihrem sechzehnten Geburtstag abgehalten werden soll. Dort wird sich herausstellen, welche der drei Schwestern das Königreich übernehmen wird und welche beiden ihr Leben versiegt haben.
Jede Schwester wird aufgrund ihrer besonderen Eigenheit in einer dafür ausgerichteten Glaubenswelt erzogen und geschult. Jede lebt in einer eigenen Gegend auf der Insel Fennbirn.
Trotz des immer mitschleichenden Gefühls, dass bereits feststeht, wer das Zepter übernehmen wird, lassen die jeweiligen Priester nichts unversucht, ihre Königin auf den Thron setzen zu können. Man merkt sehr schnell, auch hier lassen sich Machtspiele nicht zur Seite wischen. Im Laufe des Buches fragt man sich sehr schnell, ob die drei Geschwister zu wirklichen Königinnen werden können, oder nur noch als Mittel zum Zweck verwendet werden und somit lediglich eine Rolle spielen. Das Gefühl bleibt immer etwas mitschwebend, auch wenn es von der Autorin nicht explizit aufgelöst wird. Durch diesen Umstand hätte ich mir sehr viel über die historische Entstehung dieser Vorgehensweise zur Wahl einer neuen Königin erwartet. Kendare Blake lässt sich darüber aber leider absolut gar nicht aus – vielleicht öffnet sie diese Kiste im Folgeband oder sie lässt ihre Leser unbeantwortet und damit selbst darüber nachdenkend zurück. Da kann man sich nur überraschen lassen.
Blake beginnt ihre gut durchdachte Geschichte ein wenig langsam und langatmig. Gleichzeitig gefällt aber die Idee und man erfreut sich an den unterschiedlichen Entwicklungen der drei Schwestern – mehr passiert lange Zeit ja auch leider nicht.
Man merkt nur, dass sich alles auf den 16. Geburtstag der Drillinge vorbereitet. Hier laufen alle Fäden zusammen und die Schwestern stellen sich ihren gezwungenen Gegnerinnen.
Die Welt ist grausam und düster – man fragt sich auch unentwegt, warum diese düstere Vorgehensweise notwendig ist. Eine Antwort gibt es ja leider nicht, scheint in dieser Welt aber auch kein Thema mehr zu sein. Einfach eine Selbstverständlichkeit.
Kendare Blakes Schreibstil ist unaufgeregt, leicht zur Emotionslosigkeit neigend, dennoch sehr eingängig. Manchmal wirkt das Buch beinahe wie ein Romantic-Fantasy-Werk. Blake bekommt aber erfreulicherweise immer wieder die Kurve, um mich dennoch zum Weiterlesen zu bringen. Sicher, die gesamte Story ist auf den Tag des 16. Geburtstags ausgerichtet. Somit ahnt man schon das gesamte Buch entlang, dass dort etwas Besonderes geschehen wird. Das ist dann natürlich auch so, dennoch sorgt der Weg dorthin für einigermaßen gute Unterhaltung.
Kendare Blake könnte noch ein wenig geheimnisvoller in ihren Ausführungen werden, aber im Großen und Ganzen ist „Die Schwestern“ eine gute erste Hälfte eines zweibändigen Epos um den Schwarzen Thron.
Jürgen Seibold/28.02.2018

Der Schwarze Thron 1 – Die Schwestern: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Newman, Peter: VAGANT – Vagant-Trilogie 1

Originaltitel: THE VAGRANT
Ins Deutsche übersetzt von Helga Parmiter
©2015 by Peter Newman
German translation © 2017 by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-495-9
www.cross-cult.de
ca. 445 Seiten

COVER:

EIN EINSAMER WANDERER.
EIN SCHWERT.
EIN KIND.

In einer postapokalyptischen Fantasywelt macht sich der namenlose Vagant mit einem Säugling im Arm auf die Reise. Sein Ziel: die letzte Zuflucht der Menschheit. Dorthin soll er ein mächtiges Schwert bringen. Die einzige Waffe, die den dämonischen Ursupator vernichten kann.

REZENSION:

Die Grundstory in VAGANT wirkt relativ simpel: Ein namenloser Fremder macht sich gemeinsam mit einem Säugling auf den Weg, um die letzte Zuflucht der Menschheit zu erreichen. Lediglich ausgerüstet mit einem Schwert durchstreift er unsägliche Orte und muss sich diversen Gefahren entgegenstellen.
Der Plot allein wäre nichts Atemberaubendes, bekommt aber ein alleinstehendes Merkmal durch die Anwesenheit des Säuglings und im Besonderen den Umstand, das die Hauptfigur im gesamten Buch kein einziges Wort fallen lässt.
Hierdurch legt sich der Fokus stark auf die erzählerischen Elemente der teilnehmenden Personen, denen der Vagant auf seinem Weg begegnet. Manch einer dieser Personen wird Mitglied der kuriosen Reisegruppe und wir befinden uns in einer Welt, deren Elemente geschickt in Richtung Steampunk weisen. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass Peter Newmans Geschichte erfrischend neu wirkt. Ein absoluter Genre-Mix, der seinesgleichen sucht und somit endlich mal wieder für frischen Wind im oft gleich aufgebauten Genre sorgt.
Leider war es mir dennoch nicht möglich, mich mit der Geschichte rundum zufriedengestellt zu fühlen. Warum ist mir aber nicht wirklich bewusst. Irgendwie hat sie mir unwahrscheinlich gut gefallen. Auf der anderen Seite hatte ich aber durch die mit kurzen Sätzen erzählte Darlegung der Umgebung und Gegebenheiten ein wenig Probleme um richtig eintauchen zu können.
Irgendwie ist das aber auch schon wieder ein Jammern auf hohem Niveau, denn die dargestellte Abhängigkeit des Vaganten mit dem Säugling und dem immer wieder aufblitzenden witzigen Elementen in Bezug auf die wirklich geniale Ziege sorgte für angemessene Unterhaltung. Vielleicht liegt es an der etwas anders vorgehenden Schreibweise des Autoren, die es mir nicht gerade leicht machte, in meinem Augen für ein Rundum-Bild der örtlichen Gegebenheiten zu sorgen.
Der Vagant selbst bleibt durchweg mystisch. Man erkennt seine Motivation nicht wirklich. Oft wird er lediglich durch das allgemeine Geschehen mitgerissen und lässt sich auch darauf ein. Ist er nun ein Kämpfer? Böse? Gut? Man kann es nicht wirklich greifen. Was hat überhaupt das Baby mit dem allen zu tun? Fragen, die dafür sorgen, dass man sich dem Werk nicht entziehen kann.
Sämtliche Figuren sind interessant gezeichnet und man würde des öfteren gerne eine begleitende Person im illustren Kreis der Reisenden sein.
Eine Geschichte, die nicht umsonst auf manch Bestenliste auftaucht. Dennoch auch eine Geschichte, die etwas anders vorgeht und somit nicht jeden rundum überzeugen kann. Ich fühle mich zwischen den Stühlen und versuche immer noch zu greifen, ob ich sie nun genial fand, oder eben einfach nur eine weitere gute Story aus dem Genre der Phantastik.
Jürgen Seibold/27.01.2018

Vagant-Trilogie 1: Vagant (Vagant-Trilogie / Vagant) – KAUFEN BEI AMAZON

King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

Sleeping Beauties – KAUFEN BEI AMAZON

Hogan, Mitchell: Die Feuer von Anasoma

Originaltitel: A Crucible Of Souls
Aus dem Englischen von Michael Siefener
©2015 by Mitchell Hogan
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31813-7
ca. 720 Seiten

COVER:

Caldan ist zehn Jahre alt, als seine Eltern von den Schergen des Kaisers ermordet werden. Er selbst entkommt seinen Verfolgern und findet in einem Kloster Unterschlupf, wo er von den Brüdern in den Grundlagen der Arkanen Magie unterrichtet wird – denn Caldan ist talentiert. Eines Tages, so hofft er, wird man ihn als Novizen in den Orden aufnehmen. Doch acht Jahre später zerbricht dieser Traum in tausend Scherben, als Caldan bei einer Prügelei einen Mitschüler, Sohn einer reichen Adelsfamilie, verletzt. Mit nichts in der Tasche außer einem Beutel Kupferdukaten und zwei geheimnisvollen, magischen Ringen, die angeblich seinen Eltern gehörten, wird er aus dem Kloster geworfen. Er muss den Ort verlassen, der ihm ein zweites Zuhause geworden ist. Die Ordensbrüder. Und Jemma – seine erste große Liebe. Verzweifelt schifft sich Caldan nach Anasoma ein, eine der mächtigsten und buntesten Städte des mahrusischen Reiches. Er bewirbt sich um die Aufnahme bei der Zauberergilde, denn dort glaubt er, mehr über die Ringe und das magische Erbe seiner Familie herausfinden zu können. Doch die Welt außerhalb der Klostermauern ist dunkel und gefährlich – und sie wird noch immer von den Mördern seiner Eltern beherrscht …

REZENSION:

Wie so oft im Fantasygenre begleiten wir einen Jungen auf seinem Weg in das Erwachsenenleben. Er muss dabei Schicksalsschläge hinnehmen, viel lernen und einer wachsenden Anzahl an Gefahren trotzen. Interessanterweise nutzen sich diese wiederkehrenden Plots aber einfach nicht ab und auch in dieser Geschichte kann man sich dem Werdegang von Caldan nicht entziehen. „Die Feuer von Anasoma“ ist der Auftakt einer wohl dreibändigen Serie, in der Caldan seinen Weg vom Novizen zu einem wohl (?) mächtigen Zauberer machen wird. Der Verlag hat leider auf seinem Buch nicht angegeben, dass es ein Auftakt ist. Hierdurch könnten einige Leser wohl etwas irritiert zurück gelassen werden, da das Werk nicht nur mit einigen Cliffhangern endet, sondern auch noch eine Vielzahl an Fragen und Erzählsträngen offen sind.
Die Verknüpfung von Fantasy mit magischen Elementen ist sehr oft zum Scheitern verurteilt, da man es sich als Autor durch das Hinzufügen von Zauberei im Erzählfluss oft recht einfach machen könnte. Mitchell Hogan umschifft diese Problematik jedoch auf eine interessante Art und Weise. Sobald Zauberei ins Spiel kommt, müssen einige Gegebenheiten vorherrschen, da die Zauberei nicht einfach durch eine Handbewegung oder das Aufsagen eines Spruches funktioniert. Im Gegenteil, der Zauberei muss vorher mit verschiedenen Rohstoffen kreativ tätig sein und somit seine magischen Fähigkeiten gezielt planen.
Viele Elemente im vorliegenden Buch hätte ich mir noch mit mehr Liebe zum Detail erhofft. Ganz besonders hierbei das beinahe gänzlich durch das Buch laufenden, taktisch hoch anspruchsvolle Gesellschaftsspiel mit dem Namen Dominion. Dieses spielt eine erhebliche Rolle, bleibt aber in seiner Darstellung als auch der Vorgehensweise recht dünn dargestellt.
Caldan selbst entwickelt sich erst im Laufe der Story zu einer detaillierter gezeichneten Person. Gleiches trifft auf Mitspieler bzw. Kontrahenten zu. Einige bleiben dennoch ohne Tiefe, was aber auch am Umstand eines ersten Bandes liegen kann. Eventuell ergibt sich da noch mehr im Laufe der Zeit.
Anasoma selbst ist nicht gerade ein Hort der Freundlichkeit. Insbesondere, wenn man zum ärmeren Personenkreis gehört. Nach und nach lernt man aber auch diese immer besser kennen, wodurch man sich immer besser aufgehoben fühlt.
Caldans Weg vom jungen, zufriedenen Klosterbewohner zum Auszubildenden bei en Protektoren macht einfach viel Spaß. Der Stil ist außerordentlich eingängig beschrieben, die Dialoge sind ab und an etwas simpel hingeworfen, wirken aber dennoch passend.
Mitchell Hogan erfindet mit seinem Werk sicherlich das Genre nicht neu, fügt aber ein schönes Werk hinzu, auf dessen Fortsetzung ich mich bereits sehr freue.
Ich bin schon sehr auf die weitere Entwicklung gespannt und kann bis dahin jedem lediglich den Einstig in dieses Werk nur empfehlen.
Jürgen Seibold/17.12.2017

Die Feuer von Anasoma: Roman (Sorcery Ascendant Sequence, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Bennett, Robert Jackson: Die Stadt der tausend Treppen

Originaltitel: City of Stairs
Aus dem Amerikanischen von Eva Bauche-Eppers
©2014 by Robert Jackson Bennett
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20861-6
ca. 620 Seiten

COVER:

Einst besaß die Stadt Bulikov die Gunst der Götter – mit ihrer Macht eroberte sie die Welt. Bis ihre göttlichen Beschützer vernichtet wurden. Heute ist Bulikov nur eine weitere Kolonie Saypurs. Die heiligen Wunder und Schreine sind verschwunden, alles Göttliche wurde verboten.

In diese unterdrückte Stadt kommt Shara Thivani. Offiziell ist die bescheidene junge Frau nur eine weitere Nachwuchsdiplomatin, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Meisterspionin. Sie ist nach Bulikov gekommen, um den Mörder ihres Mentors zu fassen, doch eine Verbrecherjagd in Bulikov birgt ungeahnte Gefahren. Denn man weiß nie, wann eine Treppe im Nichts endet, sich plötzlich der nächste Abgrund auftut, wo vorher keiner war, oder ein Schritt zu viel einen in die Vergangenheit trägt …

REZENSION:

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde man beim Genuss eines Buches aus dem Genre der fantastischen Literatur eher belächelt denn ernst genommen. Mag sein, dass früher dieses Genre eher im Jugendbereich eine Rolle gespielt hatte und nur wenige Bücher im Erwachsenenbereich klar Stellung beziehen konnten.
Erfreulicherweise scheint diese Zeit jedoch vorüber gegangen zu sein – man hat eine schier unermessliche Auswahl an herausragender fantastischer Literatur.
Robert Jackson Bennett schließt sich dem mit „Die Stadt der tausend Treppen“ auf virtuose Art an und legt einen Fantasyroman vor, der anspruchsvoll, tiefgehend und darüber hinaus genreübergreifend neue Maßstäbe zu setzen scheint.
Seine Geschichte spielt in einer fantastischen Welt – gleichzeitig verknüpft er diese mit dem Genre des Steampunk und legt eine reinrassige Agentengeschichte als Oberbau darüber. Garniert mit politischen Strukturen, Machtkämpfen und daraus folgenden Intrigen ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Stadt ist nicht gerade ein Ort, den man sich als Rückzugsort aussuchen würde: Im Gegenteil, die Bewohner haben es wahrlich nicht leicht, werden unterdrückt und Religionen, Gottheiten und bereits das darüber sprechen ist verboten.
Die Stadt Bulikov wird nicht von der Geschichte losgelöst im Detail aufgeführt und gezeichnet, sondern vom Autoren nach und nach in der Story langsam aufgebaut und erhält dadurch eingehendere Konturen, da man sich in diesem Fall gefühlt direkt darin befindet.
Man begleitet hauptsächlich Agentin Shara auf ihrer Suche nach dem Mörder ihres Mentors, einem herausragenden Wissenschaftler.
Anfangs viel mir persönlich der Einstieg ein klein wenig schwer. Nach und nach fiel es mir aber immer einfacher, mich mit den Gegebenheiten dieser Welt abzufinden, die Umstände besser zu erkennen und somit umfänglich in Bulikov eintauchen zu können. Ab diesem Augenblick konnte ich mich dem Ideenreichtum in dieser Geschichte nur noch schwer entziehen und freute mich auf jede weitere Seite.
Ein wahres Meisterstück mit erfrischend neu wirkenden Ideen, deren Zusammenfügen beinahe für ein neues Genre sorgen. Dezentes Crossover par excellence. Ein anspruchsvolles und dennoch eingängiges Werk mit Fokus auf die Umgebung und soziale als auch politische Strukturen.  Rundum empfehlenswert. Man kann nur noch hoffen, dass die Nachfolgebände dem in nichts nahestehen.
Jürgen Seibold/16.12.2017

Die Stadt der tausend Treppen: Roman (Die göttlichen Städte, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Frenz, Bernd: Der Groll der Zwerge

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-4037578
ca. 480 Seiten

COVER:

Nach dem Großen Krieg herrschte dreißig Jahre lang Frieden im Lande Garon – doch damit ist jetzt Schluss. Als Steinmetze in der Zwergen-Nekropole Felsheim neue Grabkammern in den Berg schlagen und einen heiligen Fluss der Elfen zum Versiegen bringen, lebt der alte Zwist wieder auf. Dass just zu diesem Zeitpunkt der Ork Grimm aus dem Exil zurückkehren will, um mit alten Feinden abzurechnen, macht es nicht besser. Und auch die Menschen beweisen jeden Tag aufs Neue ihre Arglist. Und so heißt es schon bald: Elfen gegen Zwerge; Trolle gegen Orks; und alle gegen die Menschen.

REZENSION:

Die Heilige Quelle der Elfen versiegt eines Tages. Der Grund ist dafür schnell gefunden: Das kann nur das Volk der Zwerge gewesen sein.
Hiermit ist der grundsätzliche Konflikt genannt und Bernd Frenz nimmt diese Grundidee, um seine Fantasy-Saga zu beginnen. DER GROLL DER ZWERGE ist dabei mit sehr interessanten Personen und Begebenheiten gewürzt. Dabei sind aber diese leider nicht mit einer sehr tiefen Detailverliebtheit gewürzt. Nichts desto trotz kann man sich der Story nicht wirklich entziehen und somit bleibt einem nichts übrig, als ihr weiter zu folgen.
Frenz benutzt nahezu jedes genretypische Element und schreibt sehr eingängig. Manchmal zu eingängig, bzw. einfach gehalten. Dies macht es einfach, wenn man dieses Buch als lockeres Werk für eine gute Fantasyunterhaltung verwendet. Als High-Fantasy würde ich es jedoch nicht unbedingt betrachten, da diese Werke doch sehr viel mehr in die Tiefe gehen.
Interessanterweise schafft es Frenz, die jeweiligen Völker nicht einfach ziwschen Gut und Böse aufzuteilen: Irgendwie hat jeder einen negativen Punkt und somit Dreck am Stecken. Mir selbst waren die Zwerge im Gegensatz zu den Elfen in diesem Buch irgendwie sympathischer – mag wohl an der Selbstherrlichkeit und dem „wir-sind-was-besseres“ der Elfen liegen. Dadurch ergriff ich relativ schnell für das Zwergenvolk.
Die Story im Ganzen ist gut durchdacht und stimmig erzählt. Die Auflösung interessant und plausibel für so eine Geschichte.
Alles in allem ein unterhaltsamer Fanatsyroman für sehr unterhaltsame Stunden. Sehr oft reicht einem das ja schon…
Jürgen Seibold/07.12.2017

Der Groll der Zwerge: Die Völkerkriege 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Originaltitel: The Heart of What was Lost
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96144-7
ca. 380 Seiten

COVER:

Nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki flohen die Nornen hinter die schützenden Mauern ihrer Burg Nakkiga im Norden, um dort erneut Kräfte zu sammeln. Viyeki, ihr Herresvormann, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Volk vor der endgültigen Auslöschung durch Herzog Isgrimnur und seinen Truppen zu retten. Den Truppen Isgrimnurs haben sich zwei einfache Soldaten angeschlossen, Porto und Endri, deren Freundschaft angesichts der Grausamkeit der Kämpfe auf eine harte Probe gestellt wird. Und unter den Elben spielt ein Amulett eine immer wichtigere Rolle: Es trägt den Namen „Das Herz der verlorenen Dinge“ und erinnert an das einstige Paradies dieses uralten Volkes.

REZENSION:

Es gibt nicht viele Bücher, die einen Leser noch lange Zeit nach dem Lesen des letzten Wortes noch beschäftigen. Es gibt auch nicht viele Bücher, die man ohne dem geringsten Zucken uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Es gibt auch nicht viele Bücher, die selbst beim großzügigsten Ausmisten von Regalen weiterhin wie in Stein gegossen dort stehen bleiben.
In meinem Fall trifft dies auf die gesamte Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams zu: Immer noch stehen diese wunderschönen Bücher im Regal und werden in unregelmäßigen Abständen liebevoll betrachtet. Weder Umzüge noch notwendige Maßnahmen, um der Vielzahl an Büchern Herr zu werden, konnten ihnen etwas anhaben. Sie stehen da und beglücken einfach mit ihrer Anwesenheit.
Nun hat also ihr höchstpersönlicher Autor ein Buch mit dem sagenhaften Titel „Das Herz der verlorenen Dinge“ geschrieben – das allein wäre noch kein Problem, ist er doch seines Zeichens ein Autor und somit sollte er so etwas auch tunlichst tun. Von irgendwas muss auch ein Tad Williams leben. In diesem Falle legt der Autor jedoch nicht einfach irgendeinen neuen Roman oder eine neue Sage vor, sondern er betritt damit erneut seine damalige Welt: Osten Ard.
Kann das funktionieren? Mehr als zwanzig Jahre sind bereits vergangen. Somit stellt sich nicht nur die Frage, ob ich als Leser den erneuten Zugang zu einer vor langer Zeit gelesenen Welt finde, sondern auch, ob sich der Autor damit überhaupt einen Gefallen machen kann – immerhin ist die Saga um Simon ein in meinen Augen nahezu unerreichbarer Fantasyroman mit allem, was so dazu gehört.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ setzt fast nahtlos an die damalige Sage an und genau dies schien Anfangs mein Problem zu sein. Nur langsam konnte ich in die Geschichte finden. Vor allem, weil mir vom Ursprung lediglich noch im Kopfe hängen geblieben ist, dass Simon nun Herrscher über Osten Ard ist – mir aber partout sonst nicht mehr wirklich tiefgehendes einfallen wollte. Nun lässt Williams aber Simon nahezu außen vor: Man „hört“ nur manchmal, dass er eben der neue, junge König ist.
Es war somit wirklich schwer, in diese Geschichte ein zu tauchen. Nach und nach hat es dennoch funktioniert und erneut blieb mir nichts weiter übrig, als dieser schönen Geschichte zu folgen.
Tad Williams bleibt sich treu und erfreut seinen Leser mit einer gut durchdachten Geschichte und sehr interessanten als auch detailliert gezeichneten Personen.
Nichts desto trotz kommt „Das Herz der verlorenen Dinge“ nicht an seine Vorgänger heran. Aber das ist auch schon ein gewaltiges Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum ist „Das Herz der verlorenen Dinge“ eine doch recht interessant und gut gelungene Nahtstelle zwischen dem Drachenbeinthron und den mittlerweile auf dem Markt befindlichen Werken mit dem Obertitel „Die Hexenholzkrone“, auf die ich mich bereits unwahrscheinlich freue.
Stellt sich schlussendlich die Frage, ob man „Das Herz der verlorenen Dinge“ benötigt: Nun, als Freund Osten Ards stellt sich die Frage gar nicht – einem Neueinsteiger sei geraten, entweder die Hexenholkrone-Bücher zu lesen oder einfach mit dem Drachenbeinthron zu beginnen. Zeitlos sind die Bücher jedenfalls.
Jürgen Seibold/30.11.2017

Das Herz der verlorenen Dinge: Ein Roman aus Osten Ard – KAUFEN BEI AMAZON

Elea Brandt: Opfermond

Deutsche Erstauflage
©2017  Mantikore-Verlag Nicolai Bonczyk
Text ©Elea Brandt
eISBN 978-3-945493-37-3
ca. 330 Seiten

COVER:

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt …

REZENSION:

Der Assassine Varek wird üblicherweise angeheuert, um gezielt dafür zu sorgen, dass irgendjemand vom Auftraggeber Unerwünschter das Zeitliche segnet. Varek beherrscht sein Handwerk gleichermaßen, wie er es auch hasst. Eines Tages bekommt er den Auftrag, einen Mord aufzuklären. Abwechslungsreicher kann es ja beinahe nicht gehen, und somit nimmt Varek diesen Auftrag hochmotiviert an.
Als zweiten Erzählstrang lernen wir bereits ganz am Anfang das Freudenmädchen Idra kennen. Mit ihr fängt auch dieses Buch an und wir begleiten sie durch die düsteren Gassen dieser dreckigen Stadt und schauen ihr über die Schulter, als sie einen Mord beobachtet.
Beide Protagonisten sind von Elea Brandt rundum lebendig dargestellt. Gleichzeitig sind beide nicht gerade als anständige Menschen zu betrachten – dennoch betrachtet man sie recht schnell als die positiven Pole in diesem Buch und fiebert ihren jeweiligen Auftritten und Tätigkeiten entgegen.
Die Stadt des Blutigen Gottes ist alles andere als ein Ort der Behaglichkeit. Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, wenn man irgendwohin auswandern möchte, dann sicherlich nicht dorthin. Es herrscht Brutalität, eine unbarmherzige Regierung und ausschließlich das Recht des Stärkeren.
Idra beisst sich durch und findet nur wenig Personen, die man als Freund betrachten könnte. Varek ist zwiespältig ob seines bisherigen Lebens und versucht das Beste aus seinem Auftrag zu machen.
Nach und nach kreuzen sich die Wege der beiden und man merkt als Leser deutlich den Schwenk in tiefere Ebenen der phantastischen Literatur.
Ein Ewachsenen-Fantasy-Thriller, der es wahrlich in sich hat. Die Geschichte ist brutal – dennoch exakt so brutal, wie man es auch vorfinden würde, wäre die Geschichte ein Tatsachenbericht. Dementsprechend glaubwürdig wirkt der gesamte Plot. Elea Brandt schreckt weder vor expliziter Sprache noch vor detailliert dargestellter Gewalt zurück. Sexuelle Ausbeutungen werden nicht mit einem rosa Schleifchen dargestellt, sondern finden unverblümt ihren Weg in des Lesers Gehirnwindungen.
Varek als auch Idra sind nicht gerade Sympathieträger. Trotzdem der einzige positive Anker in dieser verruchten und brutalen Welt.
Genau dafür verneige ich mich vor der Autorin: Wir sprechen hier von einem Debütroman und es gibt prinzipiell absolut nichts negatives darüber zu sagen.
Eine sehr interessante Welt bzw. Stadt, gefüllt mit vielen Details trifft auf einen beinahe typischen Thrillerplot – hebt diesen aber dadurch über typische, genrespezifische Romane hinaus. Einfach ein nahezu perfektes Fantasyerlebnis mit guten Ideen.
Am Ende wurde die Geschichte ein wenig hektisch und schnell abgeschlossen – hier hätte ein klein wenig mehr Ruhe vielleicht noch für das ein oder andere interessante Detail sorgen können. Nichts desto trotz ein sehr empfehlenswerter Roman.
Ich bin sehr gespannt, ob es sich dabei um eine Eintagsfliege handelt, oder ob wir mit Elea Brandt das Entstehen einer neuen Perle im Genre der Fantasy kennen lernen durften.
Jürgen Seibold/19.11.2017

Opfermond – Ein Fantasy-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

John Gwynne: Bosheit (Die Getreuen und die Gefallenen 2)

Originaltitel: Valour – The Faithful and the Fallen 2
Aus dem Englischen von Wolfgang Thona
©2014 John Gwynne
© der deutschsprachigen Ausgabe by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6120-9
ca. 832 Seiten

COVER:

Der Krieg ist ausgebrochen und hat die Verfemten Lande in Chaos gestürzt. Während der fehlgeleitete Hochkönig Nathair sich für den Avatar des Schöpfergottes Elyon hält, muss Corban aus seiner Heimar fliehen.
Denn der Hochkönig glaubt, in dem jungen Krieger die Schwarze Sonne zu erkennen – den Paladin des dunklen Gottes Asroth. Corban kümmert all das wenig – schließlich hat er seine Familie verloren und trauert. Doch seine Schwester Cywen hat überlebt. Sie ist allerdings in die Hände Nathairs gefallen, der sie nun einsetzt, um Corban aus der Deckung zu locken. Schließlich würde ihr Bruder jeden Preis bezahlen, um Cywen zu retten.
An der Seite der Woelven Sturm und seiner treuen Gefährten reist Corban seiner Bestimmung entgegen – durch ein dunkles Land, voller Giganten, Monster und dunkler Mächte.

REZENSION:

Nach dem wahrlich fulminanten Beginn der Saga um “Die Getreuen und die Gefallenen”, bleibt einem wirklich nichts übrig, als sich auch dem nächsten Band mit dem Titel “Bosheit” zu widmen.
Schon mal eines vorweg: Wer Band 1 (Macht) nicht kennt, sollte sogleich die Finger vom zweiten Band  lassen und sich zuerst seinem Vorgänger widmen. Man hat sonst definitiv keine Chance dieser Geschichte einigermaßen folgen zu können. Viel zu viele Personen wurden in ihrer Detailtiefe bereits im ersten Buch eingeführt und Handlungsstränge werden in “Bosheit” lediglich weiter fort geführt.
Hat man “Macht” gelesen und für gut befunden, wird man sowieso keine andere Möglichkeit haben, als sich diesem Buch zu widmen.
Nahezu nahtlos geht es in “Bosheit” weiter. Corban befindet sich auf der Flucht, was aus seiner Schwester geworden ist, entzieht sich seiner Kenntnis. Vielmehr geht er von ihrem Tode aus und füllt sich dementsprechend schlecht in seinen weiteren Zukunftsgedanken.
Es ist erstaunlich, wieviele Charaktere John Gwynne detailliert vorgestellt vom Stapel lässt – gleichzeitig ist erstaunlich, wieviele er davon auch relativ schnell wieder hopps gehen lässt.
Sicher, dadurch blinzelt ein klein wenig die Vorgehensweise beim momentanen Blockbuster Game Of Thrones durch – dennoch entwickelt sich “Die Getreuen und die Gefallenen” zu einer hochwertigen und durchgehend gut durchdachten Fantasysage, der man sich schlicht nicht entziehen kann.
Sicher, im Gegensatz zu seinem ersten Band wirkt Buch 2 ein wenig wie der Drache, der vor seinem Angriff erst einmal Luft holen muss. Dennoch kann man weiterhin mit den Figuren mitfiebern und sie auf ihren jeweiligen Reisen begleiten.
Herrscher werden machthungriger als sie bereits waren, Intrigen werden ungebremst weiter gesponnen. Manchmal scheinen die Fäden nicht mehr greifbar zu sein – kurz danach werden sie jedoch wieder aufgenommen und knotenfrei dargelegt.
Wie sehr oft in zweiten Bänden einer längeren Saga steht auch “Bosheit” seinem Vorgänger etwas nach. Dies liegt aber wohl im Besonderen daran, dass in “Macht” für einen Leser noch alles neu und bereit zum Entdecken war. Nun geht die Story weiter – die Personen sind bekannt. Dennoch wusste ich bald gar nicht mehr, wer denn nun gegen wen kämpft, wer noch nicht gekämpft hat und warum überhaupt. Aber da sind wir wieder bei den Fäden: Alles löst sich nach und nach und man ist als Leser plötzlich wieder mittendrin in einer mittelalterlich wirkenden, fantastischen Welt.
John Gwynnes Geschichte entspricht beinahe dabei nahezu sämtlichen Fantasy-Klischees – aber verdammt: Das macht trotzdem richtig viel Spaß beim Lesen und es muss ja nun wirklich niemand andauernd versuchen, ein etabliertes Genre neu zu erfinden.
Auch wenn ich mich zwischendurch fragte, wann denn nun alle gegeneinander gekämpft haben, wer noch nicht dem Wahnsinn verfallen ist, welche Rolle X, welche Rolle Y spielt, wer bei dieser Vielzahl an Toten eigentlich noch übrig bleibt, wer nun mit wem paktiert – lässt sich auch Buch 2 problemlos empfehlen und ich freue mich schon sehr auf den Folgeband, der demnächst erscheinen wird.
Jürgen Seibold/05.11.2017

Bosheit – Die Getreuen und die Gefallenen 2: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Carl Wilckens: 13 – Das Tagebuch (Band 1)

© acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-473-1
ca. 255 Seiten

COVER:

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich in einer Drogenhölle ohne Sonnenlicht. Mein einziger Freund war der Hunger. Worte wie Freundschaft, Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich kann euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin mehr Bestie denn Mann und giere nach einer Droge namens Perl.
Trotzdem nennt man mich einen Helden. Ihr habt von mir gehört, von Godric End, dem Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich kennt ihr nicht. Sie ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.
Ihr sollt meine Geschichte hören. Die Geschichte von meinem Dasein im Rumpf der Swimming Island, von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

Als Carl Wilckens das Licht der Welt erblickte, musste ich mich bereits dem täglichen Irrsinn des Berufslebens widmen. Laut Beschreibung entspringt er somit einer Generation, die von Fantasyliteratur geprägt aufgewachsen ist. Nun, das würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Sicher, diese Generation hatte es sicherlich leichter, da zu meiner Zeit Fantasy in den Augen unserer Eltern lediglich Papier für den Müll war. Trotzdem ist es uns gelungen, uns der Phantastik zu widmen – ausreichend Werke waren auch damals bereits vorhanden. Man musste nur etwas tiefer wühlen, gab ja keine Onlinemöglichkeit…
Na egal, es soll ja in dieser Rezension eher um 13 gehen. Der erste Band eines Tagebuches über Godric End. Godric End ist eigentlich nicht wirklich ein Sympathieträger. Im Gegenteil, ich würde unverzüglich und ohne zu Zögern die Strassenseite wechseln, nur um ihm aus dem Weg gehen zu können.
Irgendwie ist es im Laufe des Buches dennoch ein wenig irritierend, dass einem dieser Kerl immer mehr ans Herz wächst. Man lauscht mit ebenso spitzen Ohren wie seine Zellengenossen der Erzählung Godrics. Innerhalb kürzester Zeit fühlt man sich in den Zellenblock 13 versetzt und sucht nach Zigaretten – nur, damit Godric weiterhin damit bestochen werden kann und uns noch mehr von seinem Leben erzählt.
Wie gesagt, Godric ist nicht gerade ein Sympathieträger – drogensüchtig, hinterfotzig, mörderisch – aber: ein verdammt interessantes Leben in einer teils realen, teils phantastischen Welt.
Gleichzeitig ein Genremix und nebenbei auch ein wenig Steampunk.
Carl Wilckens erzählt eingehend und doch recht detailliert. Es gibt verschiedene Ebenen, die der Geschichte ausreichend Tiefe und Abwechslung liefern. Teilweise ein brutaler Überlebensroman, teilweise ein mystisch angehauchter LIebesroman. Alles so geschickt vermengt, dass wahrlich für jeden etwas dabei ist. Man fühlt sich einfach an die Wand seiner Zelle gelehnt und lauscht den Worten Godric Ends und hofft, dass er noch lange damit weitermacht. Gleichzeitig steigt auch die Hoffnung der Insassen, dass sie in Godric ihren lange erwarteten Retter vor sich haben.
Nun, abwarten und einfach dieses sowie die nächsten Tagebücher genießen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

Dreizehn. Das Tagebuch: Band 1. Roman (Dreizehn -13-) – KAUFEN BEI AMAZON

John Gwynne: Macht – Die Getreuen und die Gefallenen 1

Originaltitel: Malice – The Faithful and the Fallen 1
Aus dem Englischen von Wolfgang Thon
Deutsche Erstveröffentlichung Juni 2017 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Random House GmbH, München
©John Gwynne 2012
© der deutschsprachigen Ausgabe: 2017 by Blanvalet
ISBN 978-3-7341-6119-3
ca. 832 Seiten

COVER:

Das, was die Menschen die Verfemten Lande nennen, war einst das Reich der Giganten. Aber der Krieg hat die Welt verändert und die Giganten fast ausgelöscht. Einzig ihre uralten Bauwerke prägen als Ruinen das neue Reich der Menschen. Doch was einst Legende war, bahnt sich erneut den Weg in die Verfemten Lande: Wesen aus Mythen werden lebendig, Steine weinen Blut, und eine Prophezeiung erzählt von der Wiederkehr der Götter.
Der junge Corban ben Thannon ahnt nichts von alledem. Er begehrt nur eines: Endlich der Hufschmiede seines Vaters zu entfliehen und das Kriegshandwerk zu lernen. An der Seite König Brenins will er Heldentaten verrichten. Aber an dem Tag, als er alles verliert, was er liebt, beginnt Corban zu ahnen, dass wahrer Mut, bedingungslose Treue und blutiger Sieg einen hohen Preis fordern.

REZENSION:

John Gwynnes Debüt-Fantasy-Epos hat bereits einige wenige Jahre auf dem Buckel. Nun gibt es seit diesem Jahr dieses Werk auch auf dem deutschen Markt und bereits wegen der Beschreibung und der schönen Buchgestaltung war ich sehr an dem Inhalt interessiert.
Mit seinen etwas über 800 Seiten bereits ein nicht gerade dünnes Buch ist es gleichzeitig erst der erste Band über Corban und seine Welt.
Corban ist ein Junge, der in einer mittelalterlich wirkenden Welt lebt und sich – wie eigentlich jeder Junge seines Alters – danach sehnt, das Kriegshandwerk zu erlernen und für seinen König in den Kampf zu ziehen.
John Gwynne erschafft eine Welt, der man deutlich anmerkt, dass hier der Game-Of-Thrones-Hype nicht nur eine Rolle spielte, sondern wohl auch Pate stand. Die Geschichte selbst entspricht den üblichen Fantasywerken und erfindet nichts wirklich neues. Dennoch konnte mich das Buch absolut überzeugen und ich versank direkt in den Seiten.
Gwynne erschafft eine rundum durchdachte Welt, gefüllt mit Menschen, die stark dem Mittelalter entnommen zu sein scheinen und Wesen, die scheinbar direkt aus alten Legendenerzählungen entsprungen sind. 800 Seiten sind normalerweise ein Zeitvertreib, der einige Zeit in Anspruch nimmt – aber bereits am ersten Tag war es mir nicht mehr möglich, damit auf zu hören und somit verschlang ich da bereits die ersten 300 Seiten. Bei meiner täglichen U-Bahn-Fahrt war ich jedesmal enttäuscht: Nicht, weil das Buch schlecht wäre, sondern einzig deshalb, weil mein Ausstiegspunkt gefühlt einfach zu schnell erschien und ich gezwungenermaßen das Buch schließen musste.
Ich kann nicht genau differenzieren, woran es bei diesem Werk lag, denn eine Geschichte mit diesem Inhalt gibt es bereits in einer Vielzahl unterschiedlichster Fantasy-Romane. Dennoch hat es der Autor in meinen Augen virtuos geschafft, seine Personen als auch die jeweiligen Königreiche und Kontrahenten plastisch, tiefgehend und mehrdimensional gezeichnet wirken zu lassen. Seine Kapitel sind nicht allzu lang und tragen durchweg den Namen der aktuell im Vordergrund handelnden Person. Antagonisten sind nicht immer sofort zu erkennen – Protagonisten können manchmal auch eine andere Entwicklung durchleben als gedacht. Neben Corban verliebt man sich in eine Vielzahl an handelnden Personen und ganz besonders hat es mir Sturm angetan, die Woelven Corbans.
Es ist schier unglaublich, dass es sich hierbei um ein Debüt handeln soll. Hierin steckt Qualität und eine perfekt durchdachte Geschichte. Ich bin beinahe enttäuscht, dass ich das Buch nun bereits beendet habe – freue mich aber auch dementsprechend auf die Folgebände. Dabei hoffend, dass Corban nicht zu schnell sein jugendliches Alter verliert, denn als Erwachsener könnte er unter Umständen manche Eigenschaft verlieren.
Kurzum: Ein verdammt gelungenes, spannendes und mit Intrigen sowie Reichskämpfen gefülltes Buch. Rundum empfehlenswert!
Jürgen Seibold/14.10.2017

Macht – Die Getreuen und die Gefallenen 1: Roman – KAUFEN BEI AMAZON