Niemann, Swantje: Drúdir – Dampf & Magie

©2017 by Edition Roter Drache
ISBN 978-3-946425-36-6
ca. 410 Seiten

COVER:

Ein neues Zeitalter ist angebrochen – aber die dunkle Magie der Vergangenheit kehrt zurück!

Dampfkraft und die genialen Maschinen der zwergischen Erfinder haben die Welt unwiderruflich verändert. Magie gilt als Relikt einer Zeit, in der Zauberei und Religion Werkzeuge der Unterdrückung waren. Deshalb ist es dem jungen Uhrmacher Drúdir nahezu unmöglich, seine magische Begabung zu akzeptieren. Doch als sein bester Freund ermordet wird, kann er nicht tatenlos bleiben.

Die Suche nach der Wahrheit führt ihn in die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel. Dort begegnet er unerwarteten Verbündeten und entdeckt, wie fragil der innere Frieden der neugegründeten Zwergenrepublik ist. Seine Ermittlungen bringen ihn auf die Spur einer Verschwörung, die die Freiheit aller bedroht. Drúdir muss in eine Welt der Geheimnisse, Intrigen und Gewalt eintauchen, um das Unheil abzuwenden …

Drúdir kombiniert eine von Magie und uralten Mythen durchdrungene Fantasywelt in der Tradition Tolkiens mit dezenten Steampunk-Elementen und entwirft sein ganz eigenes Zwergenbild. Die Handlung entfaltet sich vor einem komplexen Hintergrund sozialer und politischer Spannungen, der an das Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts erinnert.

REZENSION:

Bei Swantje Niemanns Debütroman Drúdir bin ich durch und durch zwiegespalten in meiner Meinung. Einerseits finde ich die Idee außerordentlich klasse, Steampunk-Elemente mit klassischer Fantasy zu vermengen. Allein dafür ziehe ich vor der Autorin meinen Hut. Andererseits war es mir trotz dieser genialen Idee und dem absolut durchdachten und perfekt ausgearbeiteten Plot nicht durchweg möglich, ihrem Plot zu folgen.
Es schwankte zwischen fesselnden Kapiteln und Themen, denen ich dann plötzlich nicht folgen konnte. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es bei diesem Werk durch die tiefgehende und durchdachte Erzählweise einfach notwendig ist, sich diesem Werk ungestört zu widmen. Vielleicht war das der Grund, warum ich immer wieder gedanklich herausgerissen worden bin und somit nicht zur Gänze eintauchen konnte.
Wie bereits erwähnt ist Niemanns Geschichte um Drúdir bis in den kleinsten Winkel herausragend durchdacht und dargelegt. Die Vermengung der Genres hat mir außerordentlich gut gefallen und hätte sogar noch etwas stärker sein können. Es ist sehr interessant, wenn magische Elemente plötzlich nicht im Vordergrund stehen, sondern eher verpönt zu sein scheinen – gleichzeitig sich aber bei einigen Personen immer noch als Eigenschaft herauskristallisieren.
Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn die Jagd nach dem Mörder etwas rasanter vonstatten gegangen wäre. Außerdem musste ich mich durch die verwendete Schrift doch sehr arg auf die Buchstaben konzentrieren (bin einfach nicht mehr der Jüngste…).
Alles in allem ist Swantje Niemann ein herausragendes Debüt mit einer erfrischenden Idee gelungen. Ich bin davon überzeugt, dass sie damit ihre Klientel finden wird. Ich würde es ihr jedenfalls sehr wünschen – auch wenn ich mich nicht ganz bis zum Ende des Buches durchgepflügt habe.
Jürgen Seibold/21.05.2018

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Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 2 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96196-6
ca. 555 Seiten

COVER:

Die Nornenkönigin streckt ihre Hand nach der sagenumwobenen Hexenholzkrone aus und der Schatten eines aufziehenden Krieges legt sich über Osten Ard. Eine Gesandte der Sithi, die mit einer Nachricht für den König Simon und Königin Miriamel unterwegs war, wurde schwer verwundet im Wald nahe dem Palast gefunden. Und ein Attentat auf einen alten Gefährten innerhalb der Palastmauern sorgt für noch größere Unruhe. Der Angreifer erwähnt immer wieder die Morriga, eine uralte Kriegsgöttin. Um mehr über die Bedrohung durch die Nornen herauszufinden, schickt das Herrscherpaar schweren Herzens Prinz Morgan zu dem alten Volk der Sithi. Wird er wohlbehalten zurückkehren von seiner Mission? Ist ein Krieg gegen die Nornen noch abzuwenden?

REZENSION:

Beim zweiten Band mit dem Titel „Die Hexenholzkrone“ handelt es sich weiterhin um den ersten Band der neuen Tad Williams-Saga „Der letzte König von Osten Ard“.
Auf dem deutschen Markt wurde der erste Band in zwei Teilen veröffentlicht. Ohne großartig nachzudenken, könnte man jetzt dem Klett-Cotta – Verlag Geldmacherei vorwerfen. Ich würde aber definitiv nicht so weit gehen, denn zum einen handelt es sich um zwei sehr schön wirkende Bände und zum anderen wäre der Verlag dann gezwungen gewesen, bei einem Gesamtumfang von ca. 1.300 Seiten erheblich dünneres Papier zu verwenden, um ein einigermaßen noch händelbares Gewicht bieten zu können.
Ich persönlich halte erheblich mehr von guter Lesbarkeit und dementsprechend gutem Papier. Somit lohnt sich in diesem Fall definitiv der Kauf von zwei separaten Bänden.
Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band beschrieben, fühlt man sich als Kenner der früheren Saga, als ob man wieder nach Hause gekommen wäre. Einfach ein durchweg wohliges und heimeliges Gefühl, während man einer atemberaubenden und sehr interessanten Geschichte aus der Welt Osten Ards folgt.
Wie bei Tad Williams oft üblich, fängt er sehr detailliert und somit für manchen etwas langatmig wirkend an. Wie meiner letzten Rezension zu entnehmen, konnte ich mich aber dennoch dem Sog des ersten Bandes nicht entziehen. Nun, in der zweiten Hälfte, wird das Tempo vom Autor erheblich beschleunigt, somit spannender und somit nicht weniger interessant – im Gegenteil.
Bevor ich hier in der Rezension zur zweiten Hälfte der neuen Saga um Osten Ard erneut weit aushole, verweise ich lieber auf meine erste Rezension und möchte nur noch hinzufügen, dass sich mit der Hexenholzkrone eine sagenhafte Geschichte vor dem Leser ausbreitet, die nichts geringeres leistet, als das gesamte Fantasy-Genre zu feiern und dabei beinahe nebenbei mit einer durchweg hochwertigen schriftstellerischen Qualität glänzt.
Der einzige Wermutstropfen: Es dauert nun leider einige Zeit, bis die Geschichte fortgeführt wird. Man würde ja am liebsten einfach ungebremst weiterlesen…
Jürgen Seibold/16.05.2018

Der letzte König von Osten Ard / Die Hexenholzkrone 2: Der letzte König von Osten Ard 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 1 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94953-7
ca. 745 Seiten

COVER:

Osten Ard ist in Aufruhr. Seit dreißig Jahren regieren König Simon und Königin Miriamel mit Weisheit und Güte über ihr Land. Doch die dunklen Mächte sammeln sich um die Nornenkönigin und wollen sich Osten Ard untertan machen. Vor allem Prinz Morgan ist in Gefahr, denn die Feinde wollen seine Thronbesteigung verhindern und selbst die Macht erlangen. Da ruft König Simon seine alten Freunde zu Hilfe und Binabiq, Tiamak, Eolair und Jeremias treten gemeinsam mit ihm gegen die Nornen und andere Widersacher an. Wird es einen gerechten Kampf geben? Können die Freunde Osten Ard verteidigen? Und wird Prinz Morgan unversehrt aus der Schlacht zurückkehren?

REZENSION:

Es sind mittlerweile einige Jahrzehnte vergangen, seitdem ich mich nach Osten Ard gewagt habe. Damals war ich übermäßig begeistert von den Erlebnissen des Küchenjungen Simon Mondkalb, der in der Saga um den Drachenbeinthron auf interessante und spannende Weise seinen Weg zur Regentschaft erklimmen sollte.
Die Drachenbeinsaga (heutzutage: Das Geheimnis der Großen Schwerter) ist auch immer noch Gegenstand meines Bücherregals, da diese großangelegte Saga einfach nicht weggegeben werden kann, sondern allein durch das Betrachten immer wieder an eine wunderschöne Lesezeit erinnert.

Als dann im letzten Jahr Tad Williams mit seinem Roman „Das Herz der verlorenen Dinge“ erneut seine Leser nach Osten Ard entführen wollte, war ich mir ob der langen Abstinenz nicht sicher, ob damit ein neuer Zugang möglich sein kann. Gleichzeitig ist man auch noch – ähnlich wie Simon – älter und vielleicht sogar ein wenig reifer geworden.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ war aus meiner Sicht zwar ein guter Fantasyroman, konnte aber durch seine lediglich locker vorhandenen Fäden zu Simon nicht mehr gänzlich überzeugen. Irgendwie fühlte man sich zwar wieder daheim, aber der erwartete Besuch wollte partout nicht an der Tür anklopfen.
Mir war aber bewusst, dass „Das Herz der verlorenen Dinge“ nur eine Schnittstelle sein sollte. Der Autor hat sich wohl damit auf geschickte Weise einen eigenen erneuten Zugang nach Osten Ard kreiert.
Wir können darin ein wenig durch Osten Ard wandeln und lernen, dass Simon mit seiner Frau Miriamel weiterhin regiert und diese Regentschaft seinem damaligen Charakter entsprechend wohl im Großen und Ganzen positiv für sein Volk vollzogen wurde.
Nun sollte mit „Hexenholzkrone“ die Tür zu Simon komplett geöffnet werden und Tad Williams bittet uns freundlich, erneut einzutreten und den weiteren Erlebnissen des nun gealterten Königspaars zu folgen.
Bereits beim Betrachten des Buches stellt sich die Frage, ob das Durchschreiten dieser Tür nach etwa 30 Jahren noch funktionieren kann. Hinzu kommt der Umstand, dass man sich gefühlt nur noch rudimentär an die damaligen Erlebnisse Simons erinnern kann. Tad Williams geht auch in seinem Vorwort auf diese Problematik ein und versucht seinen Leser mit der Information zu beruhigen, dass er notwendige Dinge locker erklären wird und somit sein neues Epos ohne das Wissen um die früheren Bücher funktionieren kann und soll.
Nun gut, ganz kann ich ihm dabei nicht zustimmen, denn ich glaube, ein absoluter Neuling wird es schon ein wenig wenig schwerer haben, als jemand, dessen Erinnerungen im Laufe der Seiten des vorliegenden Buches immer weiter aufgefrischt werden und somit für eine nicht unerhebliche Anzahl an Aha-Effekten sorgen.
Nichts desto trotz möchte ich niemanden abschrecken, denn rein vom Verständnis her funktioniert die Hexenholzkrone natürlich auch ohne die früheren Bücher. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass ein Neueinsteiger diesen ersten Band ein wenig langweilig findet. Kenner der früheren Bände sind einfach froh, wieder in Osten Ard zu sein und diesem königlichen und dennoch sympathischen Ehepaar zu folgen. Das etwas lange Ausholen und die dafür notwendige, detaillierte Ausschmückung jeglicher Szene kennt und liebt man bereits seit Anbeginn dieser Saga – somit hatte Tad Williams mich bereits nach wenigen Seiten rundum überzeugen können. Über die Seiten hinweg erwachten alte Erinnerungen und man tauchte immer tiefer in dieser Welt ab. Das schöne Gefühl breitete sich wieder aus, zu Hause angekommen zu sein.
Tad Williams blieb sich in diesem Buch abermals durchweg treu und schaffte es auf virtuose Weise, allen Wünschen des Lesers gerecht zu werden.
Kurzum: Hier wird Fantasy wahrlich gefeiert und somit mit einer absolut hochwertigen Qualität vor des Lesers Augen ausgebreitet. In sämtlichen Bereichen sehr liebevoll und detailliert ausgearbeitet.

Tad Williams hat laut seinen eigenen Worten lange mit sich gehadert (erkennt man ja schon an der langen Zeitspanne), ob er sich erneut diesem Blockbuster widmen soll. Ich bin jedenfalls froh, dass er dieses Abenteuer eingegangen ist und auch mich als Leser daran teilhaben lässt.
Nachdem es sich bei der Hexenholzkrone erst um den Anfang eines – wieder einmal – groß angelegten Epos handelt, bin ich schon jetzt  gespannt, wie es weitergehen wird und ob Williams es schafft, dieses Niveau durchgehend aufrecht zu halten.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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Ryan, Anthony: Das Erwachen des Feuers – Draconis Memoria 1

Originaltitel: The Waking Fire. Book One oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2016 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmBh, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94974-2
ca. 724 Seiten

COVER:

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen.
Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis zu seinem Rabenschatten-Epos absolut kein Begriff. Sein Lied des Blutes konnte mich aber rundum zufrieden zurücklassen und somit konnte ich bei diesem neuen Start einer Trilogie natürlich nur zugreifen.
DAS LIED DES BLUTES war eine Geschichte, die zwar herausragend erzählt worden ist, dennoch dem normalen Schema eines Fantasyromans entsprach. In seinem aktuellen Werk geht Anthony Ryan auf eine sehr interessante Weise gänzlich anders vor. DAS ERWACHEN DES FEUERS ist zwar ebenso ein Fantasyroman unter Verwendung einer selbst erfundenen Welt. Gleichzeitig aber auch gewürzt mit Steampunkelementen und darüber hinaus eine Piratengeschichte als auch ein Spionageroman.
Diese geschickte Nutzung verschiedenster Elemente unter Verwendung von nur wenigen Hauptcharakteren, macht zwar unglaublich viel Spaß beim Lesen, sorgt aber auch für einen etwas schwierigen Einstieg in die Geschichte. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass bereits der erste Band mit nicht gerade wenigen Seiten aufwartet. Dementsprechend weit holt Ryan aus und dementsprechend detailverliebt lässt er seine Geschichte langsam auferstehen.
Seine verschiedenen Drachenarten und die dazugehörigen Fähigkeiten durch Nutzung des Blutes sind eine sehr interessante Idee, die etwas Neues zum Drachengenre beitragen kann.
Sobald man einigermaßen die Fäden aufgenommen hat, kann man problemlos in die jeweiligen Erzählstränge abtauchen und sich dem reinen Genuss widmen.
Erneut erzählt Ryan literarisch hochwertig – etwas stärker sogar, als in seiner Rabenschatten-Trilogie – wodurch es unbedingt notwendig ist, immer konzentriert dabei zu bleiben. Nach und nach öffnet sich aber sein erzählerischer Fluss und es wird immer einfacher den weiteren Erlebnissen der Protagonisten zu folgen.
Es bleibt einem nach dem holprigen Start plötzlich nichts anderes mehr übrig, als dem weiteren Fortgang der Geschichte ungebremst zu folgen.
Anthony Ryan hat bereits sein Talent bei seiner Rabenschatten-Trilogie bewiesen – erstaunlich, dass er hier noch einen draufsetzen kann.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Roman mit einer Vielzahl an erfrischenden und neu wirkenden Ideen. Man kann nur noch gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Band 1 wirkt ja beinahe – bis auf wenige Ausnahmen – wie ein abgeschlossener Roman. Aber wie man weiß, sollen ja noch zwei weitere folgen…
Jürgen Seibold/08.04.2018

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Shusterman, Neal: Scythe – Die Hüter des Todes

Originaltitel: Scythe – Arc of a Scythe
Aus dem Amerikanischen von Pauline Kurbasik und Kristian Lutze
©2016 by Neal Shusterman
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-7373-5506-3
ca. 516 Seiten

COVER:

Die Scathe sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes in einer fast perfekten Welt.
Als Citra und Rowan – gegen ihren Willen – für die Ausbildung zum Scythe berufen werden, bleiben ihnen nur zwei Dinge: ihre Freundschaft, die vielleicht mehr als Freundschaft ist, und die hohen moralischen Regeln der Scythe, die das Töten irgendwie erträglich machen. Doch nicht alle Hüter des Todes halten sich noch an die uralten Regeln der Gilde, und aus einem Grund, der für Citra unbegreiflich bleibt, fühlt Rowan sich von diesen dunklen Scythe angezogen.

Bald stehen Citra und Rowan auf unterschiedlichen Seiten und kämpfen doch um das Gleiche: das perfekte Leben, das richtige Sterben, ihre Liebe.

REZENSION:

Wir befinden uns bei diesem Buch von Neal Shusterman in einer nahezu perfekten Welt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. In dieser nahezu perfekten Welt gibt es keine Kriege und als Sahnehäubchen: Man stirbt nicht mehr! Als Mensch altert man zwar ganz normal, man kann sich aber in gewissen Intervallen zu einem Wunschalter zurück resetten lassen. Man wird somit älter, ohne irgendwelche körperlichen Gebrechen zu bekommen. Sollte man zum Beispiel überfahren und somit getötet werden, kommt man einfach in ein besonderes Krankenhaus, welches einen wieder zurückholt. Regierungen sind abgeschafft – lediglich eine übergeordnete künstliche Intelligenz wacht über die Menschheit. Diese ist autark, human und ausgesprochen sozial.
Wie gesagt: Eine nahezu perfekte Welt.
Selbstverständlich spricht das Bevölkerungswachstum gegen das unendliche Leben. Aus diesem Grund gibt es eine Gilde mit dem Namen SYTHE, deren Mitglieder dafür zuständig sind, Menschen „nach zu lesen“ – das heißt, diese Gildenmitglieder sind die einzigen Menschen, die die Macht haben, andere Menschen zu töten. Dies allein, um dem Bevölkerungswachstum entgegentreten zu können.
Dies entspricht dem früheren Sensenmann, der sich um das ordnungsgemäße Ableben von Menschen kümmerte. In Scythe ist es eine weltweit aufgestellte Gilde.
Natürlich ist es auch für eine Gilde dieser Art notwendig, für Nachwuchs zu sorgen. Aus diesem Grund werden Citra und Rowan als Auszubildende berufen – beide hatten dies ehrlich gesagt nicht wirklich vor…
Während ihrer Ausbildung kommen die beiden sich nach und nach näher – sie wissen aber auch, dass nur einer von beiden am Ende ausgewählt werden wird. Die erste Amtshandlung des dann neu Ausgewählten soll dabei darin bestehen, den anderen hinzurichten.
Allein diese kurze Beschreibung hätte schon ausreichend Potenzial für einen Roman. Neal Shusterman lässt es aber dabei nicht bewenden und führt uns auch die unterschiedlichen Ströme der Scythe vor. Die Einen sind sehr konservativ und hassen selbst das Töten. Dementsprechend vorsichtig und umsichtig gehen sie vor. Die Anderen wiederum sehen im Töten eine Art Sport oder gar Spiel und sorgen skrupellos und nach eigenem Gutdünken für das Ableben einer Vielzahl von Menschen, bleiben dabei aber immer haarscharf den Regeln der Scythe treu – beugen diese aber so weit es geht.
Recht viel mehr sollte hier nicht gesagt sein – man möchte ja nicht zu viel verraten.
Scythe ist vom erzählerischen Stil Shustermans her sowohl als Jugend- wie auch Erwachsenenbuch einzuordnen. Für Erwachsene ist der Schreibstil dementsprechend als leicht und überaus eingängig zu empfinden. Nichts desto trotz funktioniert die Geschichte bravourös und ich konnte mich ihr einfach nicht mehr entziehen. Im Gegenteil, sofort nach Beendigen des Buches musste ich es meinem gesamten Umfeld altersunabhängig empfehlen.
Es handelt sich einfach um einen absoluten Pageturner mit einer sehr interessanten und erfrischenden Geschichte. Darüber hinaus eine ausgesprochen tolle Idee, die aus einer Dystopie eine Utopie macht und dennoch eine perfekte Welt ein klein wenig unperfekt macht.
Das Buch funktioniert sehr gut als Einzelband, auch wenn ich davon ausgehe, dass man sich unbedingt auch die beiden noch folgenden Bände zu Gemüte führen möchte. Man kann dabei nur hoffen, dass der Autor dabei dieses extrem hohe Level auch weiterhin einhalten kann und somit mit seiner gesamten Trilogie zu überzeugen weiß.
Scythe ist jedenfalls in meinen Augen ein absolutes Highlight für nahezu jede Altersgruppe ab etwa 16 Jahren. Man kann nur hoffen, dass die Hüter des Todes nicht zu schnell zu einem selbst kommen und man somit noch viele hochwertige Bücher wie dieses genießen kann.
Kurzum: Eine absolute Empfehlung!
Jürgen Seibold/29.03.2018

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Iggulden, Conn: Darien – Die Herrschaft der Zwölf

Originaltitel: Darien – Empire of Salt
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 09/2017
©2017 by Conn Iggulden
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31880-9
ca. 413 Seiten

COVER:

Die Stadt Darien ist das Zentrum und die Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches. Ihre beste Zeit hat sie allerdings schon hinter sich. Mit einer schwachen, willenlosen Marionette auf dem Königsthron liegt die eigentliche Macht in den Händen von zwölf Familien, die ihre Herrschaft über die Stadt und das Reich untereinander aufgeteilt haben – was sie jedoch nicht daran hindert, einander auszuspionieren, zu kontrollieren und zu bekämpfen. Das Volk von Darien lässt eine Intrige nach der anderen über sich ergehen. Als jedoch der König gestürzt werden soll, werden drei Personen in den Strudel der Ereignisse gezogen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Elias, der Jäger, ist eigentlich nur auf der Suche nach einem Heilmittel für seine todkranke Familie. Doch seine magische Gabe, die er bislang geheim gehalten hat, macht ihn für einen machthungrigen General zum wichtigsten Instrument seines Plans. Arthur, der Junge, taucht eines Tages unvermittelt bei der Schar von Straßenkindern auf, denen der alte Soldat Tellius ein Zuhause gibt. Der Junge spricht zwar nicht, aber er hütet ein Geheimnis, welches das Gleichgewicht der Macht der Stadt durcheinanderbringen wird. Und dann ist da noch Nancy, eine selbstbewusste junge Frau, die nicht an Magie glaubt – aber deren Kräfte ganz Darien zerstören könnten. Als das Mordkomplott beginnt, treffen alle drei in der Stadt aufeinander. Werden sie mit Darien untergehen, oder wird ihr Schicksal eine neue Zukunft für Stadt und Reich offenbaren?

REZENSION:

Bei Conn Igguldens DARIEN – Die Herrschaft der Zwölf ging ich aufgrund der Beschreibung am Rücken des Buches von einem absolut durchschnittlichen und typischen Fantasy-Roman aus. Einfach eine Geschichte, die vielleicht gefallen könnte, aber eben nichts Neues darlegen kann.
Nun, nach Genuss des Buches zeigt sich mir, dass Iggulden eine geschickt erzählte Story entwickelt hat, die mit sehr interessanten Figuren lebt und insbesondere deren Erlebnisse darstellt. Im Gegensatz zu anderen Romanen sind sich die drei hauptsächlichen Protagonisten untereinander absolut unbekannt. Jeder folgt seinem eigenen Weg – manch einer gezwungen, andere aus nicht nachvollziehbaren Motivationen oder durch eigene Begehrlichkeiten. Jede Figur besitz eine gewisse Fähigkeit, über die ich hier nichts sagen möchte. Prinzipiell klingt das schon sehr nach Rollenspiel als Vorlage für dieses Buch. Dies ist aber kein negativer Aspekt, da sich diese beiden unterschiedlichen Lebensarten bzw. Hobbies doch sehr oft die Hand geben.
Igguldens Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, da man sich ohne große Konzentration schlicht auf die Geschichte einlassen kann. Dies heißt aber nicht, dass die Story allzu einfach geschrieben wäre – nein, sie ist lediglich sehr eingängig und ohne große literarische Ansprüche als auch ohne eine Vielzahl an Handlungssträngen erzählt. Wie gesagt, einige Figuren, keine allzu detaillierte Zeichnung der ersonnenen Welt, dennoch eine durchweg fesselnde Geschichte zur Unterhaltung des Lesers. Oft möchte man ja nicht mehr und somit freute ich mich sehr über die Entwicklungen in diesem Buch. Darien hat einfach Spaß gemacht! Sehr erfrischend die drei verschiedenen Protagonisten, die absolut nichts miteinander zu tun haben, ihre jeweilige Rolle erfüllen und dann am Ende auch nur locker miteinander verwoben werden. Ebenfalls sehr interessant die untypische Vorgehensweise zum Ende des Buches hin, als die Stadt angegriffen wird. Hier entsteht eine Dynamik aus dem Volk, die ich nicht weiter ausführen möchte, da ich sonst etwas verraten müsste.
Alles in allem ein wunderschöner fantastischer Roman, der als Einzelband bereits ausreichend sein könnte – wie so oft in diesem Genre kommt aber noch etwas nach.
Jürgen Seibold/25.03.2018

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Jacobson, Howard: Pussy

Originaltitel: Pussy
Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass
©2017 by Howard Jacobson
Illustrationen ©2017 by Chris Ridell
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50351-7
ca. 265 Seiten

COVER:

„Wenn Trumps Präsidentschaft irgendetwas positives bewirkt hat, dann ist es die Tatsache, dass einer der besten Schriftsteller unserer Zeit diese geschliffene und gnadenlose Satire verfasst hat.“
-Observer-

In der einst so friedlichen Republik Urbs-Ludus sind unruhige Zeiten angebrochen: Zu viele ausländische Brotbäcker bedrohen den Frieden in der Stadt. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Prinzen mit dem senfgelben Haar. Doch weiß der, wie man ein Land regiert? Böse Zungen behaupten, er habe sogar Schwierigkeiten, vollständige Sätze zu bilden …

REZENSION:

Wie man dem Cover nicht unschwer entnehmen kann, handelt es sich bei diesem als Fantasy verpackten Buch um eine Satire, die den aktuellen US-amerikanischen Präsidenten aufs Korn nimmt.
Howard Jacobson ist nicht gerade als Autor meiner Lieblingsgenre bekannt – dennoch musste ich mir dieses Werk unbedingt zu Gemüte führen, da ich mit einem bitterbösen Witz gerechnet habe.
Zu einem großen Teil wurde ich dabei auch nicht enttäuscht. Jacobson schreibt sehr hochwertig – dadurch aber auch ab und an etwas schwer eingängig. Er spielt oft mit verschlungenen Sätzen und einer manchmal schwer greifenden Sprache. Nach einer gewissen Zeit kann man sich dem aber problemlos gedanklich anschließen und man fragt sich urplötzlich, ob es sich bei der gesamten Handlung in der Republik Urbs-Ludus mit ihrem Kronprinzen Fracassus nicht einfach um einen kurzen Fantasy-Roman handelt. Nun, ein Blick auf das Cover und schon wird man von der Realität wieder eingeholt.
Der ironische und bitterböse Bezug zur aktuellen Präsidentschaft hebt dieses Buch natürlich einige Ebenen nach oben.
Die Ironie als auch der dezente, aber immer wieder aufflackernde Wortwitz sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Ich fand es im Großen und Ganzen aber sehr geschickt und tiefgehend dargelegt.
Funktionieren würde die Story wohl auch ohne den Bezug zu Trump – mit dem Bezug wird es natürlich erschreckender.
Ein relativ kurzweiliges Buch, gespickt mit einer Vielzahl an Zitaten, die nicht nur der politischen Elite einen Spiegel vorhält, sondern auch vor uns – den Wählern bzw. Bürgern – keine Rücksicht nimmt.
Bei vielen aufgeführten Sätzen erkennt man auch die eigene Schuld. Es war aber trotzdem sehr erfrischend, dies in einer gesammelten Darbietung aufsaugen zu können. Man kann somit lachen und weinen zugleich. Schlussendlich macht dieses Buch dennoch mehr Freude als Angst und es ist gut, dass es solche Werke in einer so kuriosen Zeit wie heute gibt. Vielleicht können diese ein klein wenig in unseren Köpfen bewirken.
Zum Schluss noch ein sehr schönes Zitat aus dem Buch, welches den Finger in unsere Richtung lenkt und gleichzeitig damit aufzeigt, wie unwichtig wir durch unsere gedankenlose Vorgehensweise den Mächtigen am Allerwertesten vorbeigehen:
„Früher einmal hatten Volksentscheide verheerende Schäden in der Republik angerichtet, nun aber waren sie so alltäglich, dass er ihnen keine Beachtung mehr zu schenken brauchte. Die Leute machten von ihrer Macht Gebrauch, und das, wofür sie gestimmt hatten, geriet in der allgemeinen Begeisterung der Gebrauchmacherei wieder in Vergessenheit. Bereits am nächsten Tag war alles wieder beim Alten.“
Jürgen Seibold/23.03.2018

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Beagle, Peter S.: In Kalabrien

Originaltitel: In Calabria
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
©2017 by Peter S. Beagle
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96217-8
ca. 164 Seiten

COVER:

So atemberaubend und wunderschön das Einhorn auch ist, es stellt Claudios Leben auf den Kopf. Der Plan, die Existenz des geheimnisvollsten aller Tiere geheim zu halten, scheitert. Und richtig gefährlich wird es, als neben aufdringlichen Journalisten auch gewalttätige Vertreter der Mafia sein abgeschiedenes Gut heimsuchen. Wie soll er, der nur den Postboten und seine anarchische Schwester als Freunde hat, das Einhorn schützen?
In Kalabrien ist eine grandiose Liebeserklärung des weltbekannten Fantasyautors Peter S. Beagle an sein schönstes Geschöpf!

REZENSION:

Auch wenn der im Jahre 1939 geborene Peter S. Beagle eine Vielzahl an literarischen Werken geschrieben hat und ebenfalls eine nicht gerade geringe Anzahl an Auszeichnungen erhielt, wird er mit Sicherheit den meisten – ebenso wie mir – nur als der Autor des weltberühmten, 1968 erschienenen, Buches “Das letzte Einhorn” bekannt sein.
“Das letzte Einhorn” fiel mir auch sofort ein, als ich zufällig gesehen habe, dass im Klett-Cotta-Verlag ein nicht gerade dickes Büchlein von eben diesem Autor mit dem Titel “In Kalabrien” erscheint.
Das Cover wirkt durch sein Design beinahe kitschig und die Farbgebung konnte diesem Eindruck nicht widersprechen.
Wenn ich ehrlich bin, spielte ich mit dem Gedanken, sang- und klanglos meinen Blick zu anderen Werken schweifen zu lassen. Somit einfach über diese Veröffentlichung hinweg zu gehen.
Interessanterweise meldete sich aber der Leser meiner Kindheit in meinen Gedanken und meinte: Es ist aber doch Peter S. Beagle! Außerdem mit einem Einhorn!
Dies allein war der Grund, warum ich mich mit “In Kalabrien” beschäftigen wollte.
Konnte mich als Kind doch bereits der Zeichentrickfilm so tiefgehend überzeugen, dass ich mich einige Jahre später unbedingt auch lesend seinem berühmtesten Werk widmen musste.
Rundum zufrieden mit diesem Klassiker der Weltliteratur dachte ich aber nicht weiter über diesen Autoren nach.
Mit dem Erscheinen von “In Kalabrien” sollte sich das ändern:
Hierin erzählt Beagle von einem in Kalabrien lebenden, bäuerlichen Einsiedler namens Claudio Bianchi, dessen einziger echter Kontakt zu seinem Postboten und dessen Schwester besteht.
Seine Tage vertreibt er mit seinen wenigen Tieren und dem mehr oder weniger heimlichen Dichten für die Schublade.
Eines Tages erscheint auf seinem Hof ein schwangeres Einhorn und das Leben Claudios nimmt eine Wendung, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.
Claudio ist unglaublich respektvoll gegenüber diesem Fabelwesen. Er kümmert sich einfühlsam unter Verwendung all seiner Möglichkeiten um dieses fabelhafte Wesen. Kurzum, es sollte dem Tier bis zur Entbindung an nichts fehlen…
Das Einhorn selbst spielt in diesem Werk beinahe eine Nebenrolle – dennoch wie ein roter Faden durchweg präsent.
Peter S. Beagle erzählt auf eine sehr entspannende und ruhige Art seine Geschichte und lässt uns mit seiner hochwertigen Sprache auf unnachahmliche Art am Leben Bianchis teilhaben. Natürlich ist vorherbestimmt und vorhersehbar, dass der geheime Gast auf Claudios Hof nicht lange geheim bleiben wird – auch wenn ihn kein Fremder (neben den Freunden Bianchis) zu Gesicht bekommen wird.
Die Gerüchte brodeln und nicht nur Journalisten machen sich auf den Weg zu Claudio – nein, auch die Mafia entwickelt ein starkes Interesse.
Eine sehr melancholische und zum Nachdenken anregende Geschichte, wenn nicht gar ein Märchen mit einem wunderbaren magischen Element.
Sämtliche Figuren überzeugen und in Richtung Ende gibt Beagle dann auch noch richtig Gas.
Ein Buch mit gerade mal etwas über 160 Seiten – dennoch eine Geschichte, dessen Sog man sich schlicht nicht entziehen kann. Einfach einmal etwas ganz anderes im Bereich der fantastischen Literatur: Ein kurzes Werk zum Abschalten, Mitfühlen und Mitleiden – somit eine Perle, um kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen und am Ende dennoch mit einem positiven Gefühl zurück zu kommen.
Jürgen Seibold/22.03.2018

In Kalabrien – KAUFEN BEI AMAZON

El-Bahay, Akram: Bücherstadt

©2017 Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20883-8
ca. 365 Seiten

COVER:

EINE RIESIGE UNTERIRDISCHE BIBLIOTHEK.
HALLENDE BÜCHERSCHLUCHTEN.
GEHEIMNISSE IN JEDEM BAND …

Sam ist ein Dieb – aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Von Ruhm und Ehre als Wächter des Weißen Königs.
Diese Träume zerplatzen, als er erfährt, wo er Dienst tun soll: in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Sam stellt sich auf tödliche Langeweile ein. Schließlich gibt es dort unten nichts als alte, staubige Bücher. Er ahnt nicht, wie sehr er sich irrt …

REZENSION:

Sam ist ein Dieb – und diese Fähigkeit lernen wir als Leser zugleich in den ersten Seiten virtuos kennen. Man erkennt sofort, dass Sam ein ausgezeichneter Dieb zu sein scheint – nichts desto trotz ist er dieses Lebens überdrüssig und möchte als anständiger Mensch neu anfangen und nicht weiter ein Lakai der Diebesgilde sein.
Er lässt alles hinter sich und heuert bei der Palastwache an. Er hat dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn eine dem König zugeteilte Stadtwache nimmt natürlich nicht sofort jeden, um den König zu beschützen. Jeder Neuling muss sich erst einmal dorthin arbeiten. Sam wird somit aufgenommen, jedoch entgegen seines Wunsches als Wächter in der Bibliothek unterhalb der Stadt eingesetzt. Was könnte langweiliger sein, als auf Bücher aufzupassen?
Akram El-Bahay erschafft in seinem ersten Band über die Bibliothek der flüsternden Bücher ein Setting, wie ich es schon lange nicht mehr erleben durfte. Im Gegensatz zu anderen Fanatsybüchern wandeln wir hier nicht durch unendliche Weiten in atemberaubenden Welten – nein, bei El-Bahay befinden wir uns fast ausschließlich in den Grenzen einer atemberaubenden Stadt. Diese Stadt hat dabei noch eine Besonderheit in sich: In den Tiefen befindet sich eine dermaßen riesige und uralte Bibliothek, das man sich problemlos mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen darin verirren kann.
Recht schnell stellt sich darüber hinaus heraus, dass viele der dort aufbewahrten Werke Geheimnisse in sich tragen und darüber hinaus, dass viele lediglich aus Geschichten und Sagen bekannte Figuren in den Tiefen dieser Bibliothek ein echtes Leben fristen…
Akram El-Bahay schreibt wunderbar eingängig und führt den Leser auf eine wunderschöne und atemberaubende Art in seine Welt ein. Natürlich ist man als Buchliebhaber sofort von den Dimensionen der Bibliothek erschlagen – sehr oft ertappt man sich dabei, wie es wohl wäre, in so einer Bibliothek ein wenig zu schmökern.
Genau dort packt er seinen Leser und vermischt geschickt westliche und orientalische Stilistik, um seine Geschichte ungebremst voran zu treiben.
So gebannt wie ich von Seite zu Seite jagte, hatte ich am Ende ein wenig das Gefühl, dass es dort etwas zu hektisch geworden ist. Bevor aber dieser Gedanke zu sehr auftauchen konnte, schaffte El-Bahay immer noch rechtzeitig die Kurve.
Darüber hinaus wirkt das Buch erstaunlich abgeschlossen und öffnet keinen schmerzhaften Cliffhanger für den Folgeband. Somit ist man zwar schon in freudiger Erwartung auf das nächste Buch aus der Welt dieser Bibliothek, dennoch nicht verärgert, weil es schlicht noch nicht auf dem Markt ist.
Alles in allem ein wirklich leidenschaftliches Buch über Bücher und fabelhaften Wesen, die diesen entsprungen zu sein scheinen. Darüber hinaus sehr interessante und detailliert gezeichnete Figuren mit allen Ecken und Kanten. Ein wahrhaft interessantes Buch voller Ideen und einem atemberaubenden Setting – sowohl oben als auch in den Tiefen Mythias.
Sehr empfehlenswert.
Jürgen Seibold/11.03.2018

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Heitz, Markus: Wédora – Schatten und Tod

Deutsche Erstausgabe August 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65436-1
ca. 650 Seiten

COVER:

Eine geheimnisvolle Stadt inmitten der Wüste. Eine Million Einwohner, umgeben von Feinden. Und zwei Reisende, die Wédora retten oder vernichten können.

In der schwer befestigten Wüstenstadt Wédora warten gefährliche Herausforderungen auf die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die gewaltige Metropole verschlagen hat.
Als Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen wird, kann sie nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrecher und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindeheitstagen – denn Liothan macht sich unterdessen in Wédoras Unterwelt einen Namen.
Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Reiche rüsten zum Krieg, und die neutrale Handelsstadt droht, darin verwickelt zu werden. Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt, der Wédoras Ende bedeuten könnte.

REZENSION:

Normalerweise ist die Chance sehr gering, dass ich mich einem Buch widme, dessen ersten Band ich noch nicht kenne. Wédora – Schatten und Tod hat jedoch seinen Weg zu mir gefunden und ich überlegte einige Monate, ob ich mich diesem Werk überhaupt widmen sollte. Viel zu groß hielt ich die Gefahr, etwas Essentielles nicht zu wissen oder gewisse Handlungsfäden einfach nicht aufnehmen zu können. Gleichzeitig sprach mein aktueller Stapel an ungelesenen Büchern eine klare Stimme und somit vermied ich es, mir den ersten Band nachträglich noch zu besorgen.
Einige Monate später nahm ich die Herausforderung dennoch an und hoffte einfach, dass es einem namhaften Autoren wie Markus Heitz schlichtweg möglich sein sollte, einen neuen Leser auch noch in einem Fortsetzungsband mitnehmen zu können.
Nun gut, anfangs dachte ich wirklich, diesmal hat er es nicht geschafft, denn ich hatte sehr viele Schwierigkeiten, in die Welt Wédoras eintauchen zu können. Neben der Welt war mir natürlich auch die Motivation und Hintergründe der beiden Hauptprotagonisten unklar – eine gewisse Seitenzahl blieb das auch so.
Erfreulicherweise hat sich dies jedoch im Laufe des Buches zugunsten der Geschichte gewandelt und ich konnte dem zweiten Band mehr und mehr folgen. Sicher, ab und an musste ich mich einfach auf die Welt ohne Erklärung einlassen. Es störte dann aber nicht mehr wirklich, da die Personen immer mehr Zeichnung erhielten und ich die beiden gegensätzlichen Strömungen von Tomeija und Liothan ausreichend interessant fand, um der Geschichte weiter folgen zu wollen.
Die Wege dieser beiden trennen sich relativ schnell komplett voneinander. Die eine wird zur obersten Gesetzeshüterin, der andere taucht immer stärker in die Unterwelt ein. Somit ist natürlich vorprogrammiert, dass die beiden Freunde eines Tages in ihrer jeweiligen Rolle aufeinandertreffen müssen. Dies wiederum macht Markus Heitz auf seine eigene, geschickte Art und schert sich keinen Deut über Ahnungen seiner Leser – nein, er lässt diese beiden Stränge in Abhängigkeit zueinander zulaufen.
Somit konnte mich dieses Buch sehr gut unterhalten und im Nachgang war ich dann wieder enttäuscht, nicht den ersten Band bereits genossen zu haben. Aber manchmal lässt sich einfach nicht alles lesen…
Das einzige, was mich ein wenig verwundert hatte in der Welt Wédoras war die Verwendung von Magie. Wenn ich mich so an frühere Aussagen von Markus Heitz erinnere (auch in meinem Podcast, in dem ich ein Interview mit ihm führe), dann hat er in seinen fantastischen Welten immer versucht, magische Elemente zu vermeiden, da diese zu schnell eine Geschichte zerstören können. Tja, egal was er mal gesagt hatte: Hier hat es einigermaßen gut funktioniert. Heitz hat somit auch dieses Element noch gut in seine Erzählung aufgenommen.
Alles in allem ein recht guter Roman, der sicher danach schreit, zuerst Band 1 zu genießen – dennoch auch einigermaßen gut als Stand-alone-Buch funktioniert. Mir hat es jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Jürgen Seibold/11.03.2018

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Perplies, Bernd: Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer

©2017 Bernd Perplies
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490205-0
ca. 376 Seiten

COVER:

In der Stadt Skargakar, an den Gestaden des geheimnisvollen Wolkenmeeres, leben die Bewohner von der Jagd auf Drachen, die es in den dunstig weißen Weiten jenseits der großen Klippe in schier endloser Zahl gibt. Auch Lian trägt seinen Teil bei. Als Kristallschleifer verarbeitet er magische Kyrilliane, die die Flugschiffe der Jäger in die Lüfte heben. Eines Tages jedoch macht sich Lian einen gefährlichen Mann zum Feind und ist gezwungen, aus Skargakar zu fliehen. In seiner Verzweiflung heuert er auf dem erstbesten Flugschiff an, dessen Kapitän ihn mitnimmt. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt: Denn Adaron, der fanatische Kapitän der Carryola, jagt nicht irgendwelche Drachen. Sein Ziel ist der Urdrache Garganthuan selbst, ein Geschöpf der Legenden – und er ist bereit, für diese Jagd alles zu opfern.

REZENSION:

Bernd Perplies führt uns in seiner ersten Reise ins Wolkenmeer in eine fantastische Welt, in der Drachen die hauptsächliche Rohstoffquelle darstellen. Dementsprechend angesehen sind die Drachenjäger, die sich in ihren fliegenden Schiffen den Gefahren bei der Drachenjagd entgegenstellen.
Der junge Kristallschleifer Lian muss aus Sicherheitsgründen die Stadt verlassen und heuert aus diesem Grund ohne groß nachzudenken auf der Carryola an.
Wie sich dabei herausstellen sollte, besteht der einzige Antrieb des Kapitäns Adaron auf der Jagd nach einem der größten Drachen die es überhaupt gibt. Sein persönlicher Ansporn ist dabei nichts weiter als pure Rache: Hat doch dieser Drache vor langer Zeit seine Lebensgefährtin getötet.
Bernd Perplies ist etwas gelungen, worauf ich immer hoffe, es aber nicht oft vorkommt: Er hat mich überrascht! DerDrachenjäger ist eine rundum gelungene Geschichte mit einem atemberaubenden Setting und wunderbaren Figuren. sowohl Personen als auch Drachen.
Jede einzelne Seite ist pure Unterhaltung und man erkennt auch durch und durch die Hommage an den alten Litertaurklassiker MOBY DICK. Erstaunlich, wie es der Autor nahezu problemlos schafft, aus Ahab Adaron zu machen, aus Moby Dick den Drachen Garganthuan entstehen zu lassen. Dabei jedoch ohne eine platte Kopie des Klassikers zu generieren.
Der Drachenjäger ist eine wahrhaft rundum gelungene Fantasygeschichte, deren Sog ich mich schlichtweg nicht entziehen konnte und das Buch nahezu ungebremst verschlungen hatte. Perplies Schreibstil ist sehr zügig und eingängig. Dabei auch recht simpel und vollgepackt mit atemberaubenden Ideen. Er verliert dabei jedoch niemals die Story aus dem Auge und führt uns ungebremst zu dem von ihm geplanten Ende.
Der Drachenjäger ist natürlich erst der erste Band einer neuen Reihe – ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie Perplies weiter vorgehen wird, denn das Thema Moby Dick ist abgehandelt und die Erwartungshaltung nach Genuß dieses Buches von meiner Seite aus bereits sehr hoch angesiedelt. Ich hoffe wirklich sehr, dass er mich auch weiterhin so positiv überraschen kann.
Der Drachenjäger ist jedenfalls eine absolute Empfehlung wert und ich freue mich schon sehr auf den Weltenfinder.
Jürgen Seibold/04.03.2018

Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer: Roman (Die Reise ins Wolkenmeer)

Islington, James: Das Erbe der Seher – Die Licanius-Saga 1

Originaltitel: The Shadow Of What Was Lost
Aus dem Englischen übersetzt von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe Mai 2017
©2016 James Islington
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52095-6
ca. 784 Seiten

COVER:

„Niemand wusste je genau, wozu die Auguren imstande waren, außer den Auguren selbst. Sie waren immer geheimnisvoll, und zu keiner Zeit herrschte mehr als ein Dutzend von Ihnen.“

Vor zwanzig Jahren gelang es den vereinigten Reichen in einem blutigen Krieg, die tyrannischen Auguren, mächtige Seher mit scheinbar unbegrenzter Macht, zu vernichten. Jene, die ihnen dienten – die Begabten -, wurden nur verschont, weil sie sich dem neuen Gesetz unterwarfen, das ihre Macht beschränkte. So wachsen der junge Begabte Davian und seine Freunde in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Macht der Auguren verfügt, steht nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel: Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte.

REZENSION:

Ein Autor ist begeistert von Fantasybüchern. Dabei sogleich von sehr großen Vorbildern angetan und für dieses Genre überzeugt, entscheidet er sich für die eigene Entwicklung eines fantastischen Romans. Als Debüt liegt nun „Das Erbe der Seher“ vor und ich bin nach Genuß dieses Werkes sichtlich überrascht, welch Ideenreichtum und Qualität sich hinter dieser Entscheidung befindet.
„Das Erbe der Seher“ enthält sehr viele dem Genre entsprechende Versatzstücke und kann somit das Genre nicht neu erfinden, aber ihm dennoch einen außerordentlich erfrischenden und hochwertigen Stempel aufdrücken.
Auch Islington arbeitet mit einer „Coming-Of-Age-Handlung“ –  und irgendwie kann ich davon einfach nicht genug bekommen.
Entsprechend der Dicke seines Debütromans baut er geflissentlich seine Welt auf und beginnt mit einer Vielzahl an Handlungssträngen. Interessanterweise verliert er sich dabei nicht ein einziges Mal und somit bleibt einem nichts weiter übrig, als den Erlebnissen Davians ungebremst zu folgen.
Wie so oft im Genre ist auch die Welt Islingtons nicht gerade harmlos. Davians Rolle wird einem recht schnell klar, dennoch ist er mit all seinen Höhen und Tiefen gezeichnet. Gleiches trifft für seine Gefährten als auch Antagonisten zu. James Islington spart nicht mit Details – wird dabei gleichzeitig nicht zu ausschweifend, wodurch keine Müdigkeit auftreten kann.
Trotz der über 800 Seiten entwickelten sich meiner Meinung nach nahezu keine Längen in der Geschichte. Im Gegenteil: Endlich wieder ein Werk, in welches man ungebremst eintauchen kann und die Gefahr besteht, die Umwelt zu vergessen.
Von Seite zu Seite gewinnt man das Gefühl, dass die Qualität der Geschichte steigt und steigt. Der Autor schafft es dabei, diese Steigerung aufrecht zu erhalten und seinen Leser nicht zu enttäuschen.
Die Geschichte spitzt sich natürlich immer mehr zu, um dann – wie es bei einem Band 1 üblich ist – mit einem fulminanten Cliffhanger zu enden. Der Drang nach dem zweiten Band ist beim Beenden dieses Werkes groß und man kann es fast nicht aushalten, hierauf zu warten. „Das Erbe der Seher“ ist wahrlich ein herausragendes Werk mit einer düsteren Atmosphäre, die dennoch immer ein kleines Lichtlein am Ende des Horizonts aufweisen kann.
Der Schreibstil ist sehr eingängig, wodurch man trotz der Vielzahl an Handlungssträngen niemals den Faden verliert. Seine Welt ist gefühlt ein wenig an manche Größen des Genres angelehnt, dennoch eigenständig genug, um für ausreichend Abwechslung zu sorgen.
In meinen Augen ein absolutes Highlight im Genre und ich hoffe doch sehr, dass der Folgeband nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.
Jürgen Seibold/01.03.2018

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Blake, Kendare: Der Schwarze Thron – Die Schwestern

Originaltitel: Three Dark Crowns
Übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer
©2016 by Kendare Blake
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3144-7
ca. 448 Seiten

COVER:

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren – doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod – und er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …

REZENSION:

Getrennt werden die drei Schwestern aufgezogen. Jede mit einer besonderen Gabe gesegnet. Jede eine geborene Königin. Doch die Tradition lässt nur eine Herrscherin zu und somit werden alle drei unabhängig voneinander auf das alles beherrschende Ritual vorbereitet, welches an ihrem sechzehnten Geburtstag abgehalten werden soll. Dort wird sich herausstellen, welche der drei Schwestern das Königreich übernehmen wird und welche beiden ihr Leben versiegt haben.
Jede Schwester wird aufgrund ihrer besonderen Eigenheit in einer dafür ausgerichteten Glaubenswelt erzogen und geschult. Jede lebt in einer eigenen Gegend auf der Insel Fennbirn.
Trotz des immer mitschleichenden Gefühls, dass bereits feststeht, wer das Zepter übernehmen wird, lassen die jeweiligen Priester nichts unversucht, ihre Königin auf den Thron setzen zu können. Man merkt sehr schnell, auch hier lassen sich Machtspiele nicht zur Seite wischen. Im Laufe des Buches fragt man sich sehr schnell, ob die drei Geschwister zu wirklichen Königinnen werden können, oder nur noch als Mittel zum Zweck verwendet werden und somit lediglich eine Rolle spielen. Das Gefühl bleibt immer etwas mitschwebend, auch wenn es von der Autorin nicht explizit aufgelöst wird. Durch diesen Umstand hätte ich mir sehr viel über die historische Entstehung dieser Vorgehensweise zur Wahl einer neuen Königin erwartet. Kendare Blake lässt sich darüber aber leider absolut gar nicht aus – vielleicht öffnet sie diese Kiste im Folgeband oder sie lässt ihre Leser unbeantwortet und damit selbst darüber nachdenkend zurück. Da kann man sich nur überraschen lassen.
Blake beginnt ihre gut durchdachte Geschichte ein wenig langsam und langatmig. Gleichzeitig gefällt aber die Idee und man erfreut sich an den unterschiedlichen Entwicklungen der drei Schwestern – mehr passiert lange Zeit ja auch leider nicht.
Man merkt nur, dass sich alles auf den 16. Geburtstag der Drillinge vorbereitet. Hier laufen alle Fäden zusammen und die Schwestern stellen sich ihren gezwungenen Gegnerinnen.
Die Welt ist grausam und düster – man fragt sich auch unentwegt, warum diese düstere Vorgehensweise notwendig ist. Eine Antwort gibt es ja leider nicht, scheint in dieser Welt aber auch kein Thema mehr zu sein. Einfach eine Selbstverständlichkeit.
Kendare Blakes Schreibstil ist unaufgeregt, leicht zur Emotionslosigkeit neigend, dennoch sehr eingängig. Manchmal wirkt das Buch beinahe wie ein Romantic-Fantasy-Werk. Blake bekommt aber erfreulicherweise immer wieder die Kurve, um mich dennoch zum Weiterlesen zu bringen. Sicher, die gesamte Story ist auf den Tag des 16. Geburtstags ausgerichtet. Somit ahnt man schon das gesamte Buch entlang, dass dort etwas Besonderes geschehen wird. Das ist dann natürlich auch so, dennoch sorgt der Weg dorthin für einigermaßen gute Unterhaltung.
Kendare Blake könnte noch ein wenig geheimnisvoller in ihren Ausführungen werden, aber im Großen und Ganzen ist „Die Schwestern“ eine gute erste Hälfte eines zweibändigen Epos um den Schwarzen Thron.
Jürgen Seibold/28.02.2018

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Newman, Peter: VAGANT – Vagant-Trilogie 1

Originaltitel: THE VAGRANT
Ins Deutsche übersetzt von Helga Parmiter
©2015 by Peter Newman
German translation © 2017 by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-495-9
www.cross-cult.de
ca. 445 Seiten

COVER:

EIN EINSAMER WANDERER.
EIN SCHWERT.
EIN KIND.

In einer postapokalyptischen Fantasywelt macht sich der namenlose Vagant mit einem Säugling im Arm auf die Reise. Sein Ziel: die letzte Zuflucht der Menschheit. Dorthin soll er ein mächtiges Schwert bringen. Die einzige Waffe, die den dämonischen Ursupator vernichten kann.

REZENSION:

Die Grundstory in VAGANT wirkt relativ simpel: Ein namenloser Fremder macht sich gemeinsam mit einem Säugling auf den Weg, um die letzte Zuflucht der Menschheit zu erreichen. Lediglich ausgerüstet mit einem Schwert durchstreift er unsägliche Orte und muss sich diversen Gefahren entgegenstellen.
Der Plot allein wäre nichts Atemberaubendes, bekommt aber ein alleinstehendes Merkmal durch die Anwesenheit des Säuglings und im Besonderen den Umstand, das die Hauptfigur im gesamten Buch kein einziges Wort fallen lässt.
Hierdurch legt sich der Fokus stark auf die erzählerischen Elemente der teilnehmenden Personen, denen der Vagant auf seinem Weg begegnet. Manch einer dieser Personen wird Mitglied der kuriosen Reisegruppe und wir befinden uns in einer Welt, deren Elemente geschickt in Richtung Steampunk weisen. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass Peter Newmans Geschichte erfrischend neu wirkt. Ein absoluter Genre-Mix, der seinesgleichen sucht und somit endlich mal wieder für frischen Wind im oft gleich aufgebauten Genre sorgt.
Leider war es mir dennoch nicht möglich, mich mit der Geschichte rundum zufriedengestellt zu fühlen. Warum ist mir aber nicht wirklich bewusst. Irgendwie hat sie mir unwahrscheinlich gut gefallen. Auf der anderen Seite hatte ich aber durch die mit kurzen Sätzen erzählte Darlegung der Umgebung und Gegebenheiten ein wenig Probleme um richtig eintauchen zu können.
Irgendwie ist das aber auch schon wieder ein Jammern auf hohem Niveau, denn die dargestellte Abhängigkeit des Vaganten mit dem Säugling und dem immer wieder aufblitzenden witzigen Elementen in Bezug auf die wirklich geniale Ziege sorgte für angemessene Unterhaltung. Vielleicht liegt es an der etwas anders vorgehenden Schreibweise des Autoren, die es mir nicht gerade leicht machte, in meinem Augen für ein Rundum-Bild der örtlichen Gegebenheiten zu sorgen.
Der Vagant selbst bleibt durchweg mystisch. Man erkennt seine Motivation nicht wirklich. Oft wird er lediglich durch das allgemeine Geschehen mitgerissen und lässt sich auch darauf ein. Ist er nun ein Kämpfer? Böse? Gut? Man kann es nicht wirklich greifen. Was hat überhaupt das Baby mit dem allen zu tun? Fragen, die dafür sorgen, dass man sich dem Werk nicht entziehen kann.
Sämtliche Figuren sind interessant gezeichnet und man würde des öfteren gerne eine begleitende Person im illustren Kreis der Reisenden sein.
Eine Geschichte, die nicht umsonst auf manch Bestenliste auftaucht. Dennoch auch eine Geschichte, die etwas anders vorgeht und somit nicht jeden rundum überzeugen kann. Ich fühle mich zwischen den Stühlen und versuche immer noch zu greifen, ob ich sie nun genial fand, oder eben einfach nur eine weitere gute Story aus dem Genre der Phantastik.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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