Newman, Peter: VAGANT – Vagant-Trilogie 1

Originaltitel: THE VAGRANT
Ins Deutsche übersetzt von Helga Parmiter
©2015 by Peter Newman
German translation © 2017 by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-495-9
www.cross-cult.de
ca. 445 Seiten

COVER:

EIN EINSAMER WANDERER.
EIN SCHWERT.
EIN KIND.

In einer postapokalyptischen Fantasywelt macht sich der namenlose Vagant mit einem Säugling im Arm auf die Reise. Sein Ziel: die letzte Zuflucht der Menschheit. Dorthin soll er ein mächtiges Schwert bringen. Die einzige Waffe, die den dämonischen Ursupator vernichten kann.

REZENSION:

Die Grundstory in VAGANT wirkt relativ simpel: Ein namenloser Fremder macht sich gemeinsam mit einem Säugling auf den Weg, um die letzte Zuflucht der Menschheit zu erreichen. Lediglich ausgerüstet mit einem Schwert durchstreift er unsägliche Orte und muss sich diversen Gefahren entgegenstellen.
Der Plot allein wäre nichts Atemberaubendes, bekommt aber ein alleinstehendes Merkmal durch die Anwesenheit des Säuglings und im Besonderen den Umstand, das die Hauptfigur im gesamten Buch kein einziges Wort fallen lässt.
Hierdurch legt sich der Fokus stark auf die erzählerischen Elemente der teilnehmenden Personen, denen der Vagant auf seinem Weg begegnet. Manch einer dieser Personen wird Mitglied der kuriosen Reisegruppe und wir befinden uns in einer Welt, deren Elemente geschickt in Richtung Steampunk weisen. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass Peter Newmans Geschichte erfrischend neu wirkt. Ein absoluter Genre-Mix, der seinesgleichen sucht und somit endlich mal wieder für frischen Wind im oft gleich aufgebauten Genre sorgt.
Leider war es mir dennoch nicht möglich, mich mit der Geschichte rundum zufriedengestellt zu fühlen. Warum ist mir aber nicht wirklich bewusst. Irgendwie hat sie mir unwahrscheinlich gut gefallen. Auf der anderen Seite hatte ich aber durch die mit kurzen Sätzen erzählte Darlegung der Umgebung und Gegebenheiten ein wenig Probleme um richtig eintauchen zu können.
Irgendwie ist das aber auch schon wieder ein Jammern auf hohem Niveau, denn die dargestellte Abhängigkeit des Vaganten mit dem Säugling und dem immer wieder aufblitzenden witzigen Elementen in Bezug auf die wirklich geniale Ziege sorgte für angemessene Unterhaltung. Vielleicht liegt es an der etwas anders vorgehenden Schreibweise des Autoren, die es mir nicht gerade leicht machte, in meinem Augen für ein Rundum-Bild der örtlichen Gegebenheiten zu sorgen.
Der Vagant selbst bleibt durchweg mystisch. Man erkennt seine Motivation nicht wirklich. Oft wird er lediglich durch das allgemeine Geschehen mitgerissen und lässt sich auch darauf ein. Ist er nun ein Kämpfer? Böse? Gut? Man kann es nicht wirklich greifen. Was hat überhaupt das Baby mit dem allen zu tun? Fragen, die dafür sorgen, dass man sich dem Werk nicht entziehen kann.
Sämtliche Figuren sind interessant gezeichnet und man würde des öfteren gerne eine begleitende Person im illustren Kreis der Reisenden sein.
Eine Geschichte, die nicht umsonst auf manch Bestenliste auftaucht. Dennoch auch eine Geschichte, die etwas anders vorgeht und somit nicht jeden rundum überzeugen kann. Ich fühle mich zwischen den Stühlen und versuche immer noch zu greifen, ob ich sie nun genial fand, oder eben einfach nur eine weitere gute Story aus dem Genre der Phantastik.
Jürgen Seibold/27.01.2018

Vagant-Trilogie 1: Vagant (Vagant-Trilogie / Vagant) – KAUFEN BEI AMAZON

King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

Sleeping Beauties – KAUFEN BEI AMAZON

Hogan, Mitchell: Die Feuer von Anasoma

Originaltitel: A Crucible Of Souls
Aus dem Englischen von Michael Siefener
©2015 by Mitchell Hogan
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31813-7
ca. 720 Seiten

COVER:

Caldan ist zehn Jahre alt, als seine Eltern von den Schergen des Kaisers ermordet werden. Er selbst entkommt seinen Verfolgern und findet in einem Kloster Unterschlupf, wo er von den Brüdern in den Grundlagen der Arkanen Magie unterrichtet wird – denn Caldan ist talentiert. Eines Tages, so hofft er, wird man ihn als Novizen in den Orden aufnehmen. Doch acht Jahre später zerbricht dieser Traum in tausend Scherben, als Caldan bei einer Prügelei einen Mitschüler, Sohn einer reichen Adelsfamilie, verletzt. Mit nichts in der Tasche außer einem Beutel Kupferdukaten und zwei geheimnisvollen, magischen Ringen, die angeblich seinen Eltern gehörten, wird er aus dem Kloster geworfen. Er muss den Ort verlassen, der ihm ein zweites Zuhause geworden ist. Die Ordensbrüder. Und Jemma – seine erste große Liebe. Verzweifelt schifft sich Caldan nach Anasoma ein, eine der mächtigsten und buntesten Städte des mahrusischen Reiches. Er bewirbt sich um die Aufnahme bei der Zauberergilde, denn dort glaubt er, mehr über die Ringe und das magische Erbe seiner Familie herausfinden zu können. Doch die Welt außerhalb der Klostermauern ist dunkel und gefährlich – und sie wird noch immer von den Mördern seiner Eltern beherrscht …

REZENSION:

Wie so oft im Fantasygenre begleiten wir einen Jungen auf seinem Weg in das Erwachsenenleben. Er muss dabei Schicksalsschläge hinnehmen, viel lernen und einer wachsenden Anzahl an Gefahren trotzen. Interessanterweise nutzen sich diese wiederkehrenden Plots aber einfach nicht ab und auch in dieser Geschichte kann man sich dem Werdegang von Caldan nicht entziehen. „Die Feuer von Anasoma“ ist der Auftakt einer wohl dreibändigen Serie, in der Caldan seinen Weg vom Novizen zu einem wohl (?) mächtigen Zauberer machen wird. Der Verlag hat leider auf seinem Buch nicht angegeben, dass es ein Auftakt ist. Hierdurch könnten einige Leser wohl etwas irritiert zurück gelassen werden, da das Werk nicht nur mit einigen Cliffhangern endet, sondern auch noch eine Vielzahl an Fragen und Erzählsträngen offen sind.
Die Verknüpfung von Fantasy mit magischen Elementen ist sehr oft zum Scheitern verurteilt, da man es sich als Autor durch das Hinzufügen von Zauberei im Erzählfluss oft recht einfach machen könnte. Mitchell Hogan umschifft diese Problematik jedoch auf eine interessante Art und Weise. Sobald Zauberei ins Spiel kommt, müssen einige Gegebenheiten vorherrschen, da die Zauberei nicht einfach durch eine Handbewegung oder das Aufsagen eines Spruches funktioniert. Im Gegenteil, der Zauberei muss vorher mit verschiedenen Rohstoffen kreativ tätig sein und somit seine magischen Fähigkeiten gezielt planen.
Viele Elemente im vorliegenden Buch hätte ich mir noch mit mehr Liebe zum Detail erhofft. Ganz besonders hierbei das beinahe gänzlich durch das Buch laufenden, taktisch hoch anspruchsvolle Gesellschaftsspiel mit dem Namen Dominion. Dieses spielt eine erhebliche Rolle, bleibt aber in seiner Darstellung als auch der Vorgehensweise recht dünn dargestellt.
Caldan selbst entwickelt sich erst im Laufe der Story zu einer detaillierter gezeichneten Person. Gleiches trifft auf Mitspieler bzw. Kontrahenten zu. Einige bleiben dennoch ohne Tiefe, was aber auch am Umstand eines ersten Bandes liegen kann. Eventuell ergibt sich da noch mehr im Laufe der Zeit.
Anasoma selbst ist nicht gerade ein Hort der Freundlichkeit. Insbesondere, wenn man zum ärmeren Personenkreis gehört. Nach und nach lernt man aber auch diese immer besser kennen, wodurch man sich immer besser aufgehoben fühlt.
Caldans Weg vom jungen, zufriedenen Klosterbewohner zum Auszubildenden bei en Protektoren macht einfach viel Spaß. Der Stil ist außerordentlich eingängig beschrieben, die Dialoge sind ab und an etwas simpel hingeworfen, wirken aber dennoch passend.
Mitchell Hogan erfindet mit seinem Werk sicherlich das Genre nicht neu, fügt aber ein schönes Werk hinzu, auf dessen Fortsetzung ich mich bereits sehr freue.
Ich bin schon sehr auf die weitere Entwicklung gespannt und kann bis dahin jedem lediglich den Einstig in dieses Werk nur empfehlen.
Jürgen Seibold/17.12.2017

Die Feuer von Anasoma: Roman (Sorcery Ascendant Sequence, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Bennett, Robert Jackson: Die Stadt der tausend Treppen

Originaltitel: City of Stairs
Aus dem Amerikanischen von Eva Bauche-Eppers
©2014 by Robert Jackson Bennett
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20861-6
ca. 620 Seiten

COVER:

Einst besaß die Stadt Bulikov die Gunst der Götter – mit ihrer Macht eroberte sie die Welt. Bis ihre göttlichen Beschützer vernichtet wurden. Heute ist Bulikov nur eine weitere Kolonie Saypurs. Die heiligen Wunder und Schreine sind verschwunden, alles Göttliche wurde verboten.

In diese unterdrückte Stadt kommt Shara Thivani. Offiziell ist die bescheidene junge Frau nur eine weitere Nachwuchsdiplomatin, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Meisterspionin. Sie ist nach Bulikov gekommen, um den Mörder ihres Mentors zu fassen, doch eine Verbrecherjagd in Bulikov birgt ungeahnte Gefahren. Denn man weiß nie, wann eine Treppe im Nichts endet, sich plötzlich der nächste Abgrund auftut, wo vorher keiner war, oder ein Schritt zu viel einen in die Vergangenheit trägt …

REZENSION:

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde man beim Genuss eines Buches aus dem Genre der fantastischen Literatur eher belächelt denn ernst genommen. Mag sein, dass früher dieses Genre eher im Jugendbereich eine Rolle gespielt hatte und nur wenige Bücher im Erwachsenenbereich klar Stellung beziehen konnten.
Erfreulicherweise scheint diese Zeit jedoch vorüber gegangen zu sein – man hat eine schier unermessliche Auswahl an herausragender fantastischer Literatur.
Robert Jackson Bennett schließt sich dem mit „Die Stadt der tausend Treppen“ auf virtuose Art an und legt einen Fantasyroman vor, der anspruchsvoll, tiefgehend und darüber hinaus genreübergreifend neue Maßstäbe zu setzen scheint.
Seine Geschichte spielt in einer fantastischen Welt – gleichzeitig verknüpft er diese mit dem Genre des Steampunk und legt eine reinrassige Agentengeschichte als Oberbau darüber. Garniert mit politischen Strukturen, Machtkämpfen und daraus folgenden Intrigen ohne Rücksicht auf Verluste. Seine Stadt ist nicht gerade ein Ort, den man sich als Rückzugsort aussuchen würde: Im Gegenteil, die Bewohner haben es wahrlich nicht leicht, werden unterdrückt und Religionen, Gottheiten und bereits das darüber sprechen ist verboten.
Die Stadt Bulikov wird nicht von der Geschichte losgelöst im Detail aufgeführt und gezeichnet, sondern vom Autoren nach und nach in der Story langsam aufgebaut und erhält dadurch eingehendere Konturen, da man sich in diesem Fall gefühlt direkt darin befindet.
Man begleitet hauptsächlich Agentin Shara auf ihrer Suche nach dem Mörder ihres Mentors, einem herausragenden Wissenschaftler.
Anfangs viel mir persönlich der Einstieg ein klein wenig schwer. Nach und nach fiel es mir aber immer einfacher, mich mit den Gegebenheiten dieser Welt abzufinden, die Umstände besser zu erkennen und somit umfänglich in Bulikov eintauchen zu können. Ab diesem Augenblick konnte ich mich dem Ideenreichtum in dieser Geschichte nur noch schwer entziehen und freute mich auf jede weitere Seite.
Ein wahres Meisterstück mit erfrischend neu wirkenden Ideen, deren Zusammenfügen beinahe für ein neues Genre sorgen. Dezentes Crossover par excellence. Ein anspruchsvolles und dennoch eingängiges Werk mit Fokus auf die Umgebung und soziale als auch politische Strukturen.  Rundum empfehlenswert. Man kann nur noch hoffen, dass die Nachfolgebände dem in nichts nahestehen.
Jürgen Seibold/16.12.2017

Die Stadt der tausend Treppen: Roman (Die göttlichen Städte, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Frenz, Bernd: Der Groll der Zwerge

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-4037578
ca. 480 Seiten

COVER:

Nach dem Großen Krieg herrschte dreißig Jahre lang Frieden im Lande Garon – doch damit ist jetzt Schluss. Als Steinmetze in der Zwergen-Nekropole Felsheim neue Grabkammern in den Berg schlagen und einen heiligen Fluss der Elfen zum Versiegen bringen, lebt der alte Zwist wieder auf. Dass just zu diesem Zeitpunkt der Ork Grimm aus dem Exil zurückkehren will, um mit alten Feinden abzurechnen, macht es nicht besser. Und auch die Menschen beweisen jeden Tag aufs Neue ihre Arglist. Und so heißt es schon bald: Elfen gegen Zwerge; Trolle gegen Orks; und alle gegen die Menschen.

REZENSION:

Die Heilige Quelle der Elfen versiegt eines Tages. Der Grund ist dafür schnell gefunden: Das kann nur das Volk der Zwerge gewesen sein.
Hiermit ist der grundsätzliche Konflikt genannt und Bernd Frenz nimmt diese Grundidee, um seine Fantasy-Saga zu beginnen. DER GROLL DER ZWERGE ist dabei mit sehr interessanten Personen und Begebenheiten gewürzt. Dabei sind aber diese leider nicht mit einer sehr tiefen Detailverliebtheit gewürzt. Nichts desto trotz kann man sich der Story nicht wirklich entziehen und somit bleibt einem nichts übrig, als ihr weiter zu folgen.
Frenz benutzt nahezu jedes genretypische Element und schreibt sehr eingängig. Manchmal zu eingängig, bzw. einfach gehalten. Dies macht es einfach, wenn man dieses Buch als lockeres Werk für eine gute Fantasyunterhaltung verwendet. Als High-Fantasy würde ich es jedoch nicht unbedingt betrachten, da diese Werke doch sehr viel mehr in die Tiefe gehen.
Interessanterweise schafft es Frenz, die jeweiligen Völker nicht einfach ziwschen Gut und Böse aufzuteilen: Irgendwie hat jeder einen negativen Punkt und somit Dreck am Stecken. Mir selbst waren die Zwerge im Gegensatz zu den Elfen in diesem Buch irgendwie sympathischer – mag wohl an der Selbstherrlichkeit und dem „wir-sind-was-besseres“ der Elfen liegen. Dadurch ergriff ich relativ schnell für das Zwergenvolk.
Die Story im Ganzen ist gut durchdacht und stimmig erzählt. Die Auflösung interessant und plausibel für so eine Geschichte.
Alles in allem ein unterhaltsamer Fanatsyroman für sehr unterhaltsame Stunden. Sehr oft reicht einem das ja schon…
Jürgen Seibold/07.12.2017

Der Groll der Zwerge: Die Völkerkriege 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Originaltitel: The Heart of What was Lost
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96144-7
ca. 380 Seiten

COVER:

Nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki flohen die Nornen hinter die schützenden Mauern ihrer Burg Nakkiga im Norden, um dort erneut Kräfte zu sammeln. Viyeki, ihr Herresvormann, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Volk vor der endgültigen Auslöschung durch Herzog Isgrimnur und seinen Truppen zu retten. Den Truppen Isgrimnurs haben sich zwei einfache Soldaten angeschlossen, Porto und Endri, deren Freundschaft angesichts der Grausamkeit der Kämpfe auf eine harte Probe gestellt wird. Und unter den Elben spielt ein Amulett eine immer wichtigere Rolle: Es trägt den Namen „Das Herz der verlorenen Dinge“ und erinnert an das einstige Paradies dieses uralten Volkes.

REZENSION:

Es gibt nicht viele Bücher, die einen Leser noch lange Zeit nach dem Lesen des letzten Wortes noch beschäftigen. Es gibt auch nicht viele Bücher, die man ohne dem geringsten Zucken uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Es gibt auch nicht viele Bücher, die selbst beim großzügigsten Ausmisten von Regalen weiterhin wie in Stein gegossen dort stehen bleiben.
In meinem Fall trifft dies auf die gesamte Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams zu: Immer noch stehen diese wunderschönen Bücher im Regal und werden in unregelmäßigen Abständen liebevoll betrachtet. Weder Umzüge noch notwendige Maßnahmen, um der Vielzahl an Büchern Herr zu werden, konnten ihnen etwas anhaben. Sie stehen da und beglücken einfach mit ihrer Anwesenheit.
Nun hat also ihr höchstpersönlicher Autor ein Buch mit dem sagenhaften Titel „Das Herz der verlorenen Dinge“ geschrieben – das allein wäre noch kein Problem, ist er doch seines Zeichens ein Autor und somit sollte er so etwas auch tunlichst tun. Von irgendwas muss auch ein Tad Williams leben. In diesem Falle legt der Autor jedoch nicht einfach irgendeinen neuen Roman oder eine neue Sage vor, sondern er betritt damit erneut seine damalige Welt: Osten Ard.
Kann das funktionieren? Mehr als zwanzig Jahre sind bereits vergangen. Somit stellt sich nicht nur die Frage, ob ich als Leser den erneuten Zugang zu einer vor langer Zeit gelesenen Welt finde, sondern auch, ob sich der Autor damit überhaupt einen Gefallen machen kann – immerhin ist die Saga um Simon ein in meinen Augen nahezu unerreichbarer Fantasyroman mit allem, was so dazu gehört.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ setzt fast nahtlos an die damalige Sage an und genau dies schien Anfangs mein Problem zu sein. Nur langsam konnte ich in die Geschichte finden. Vor allem, weil mir vom Ursprung lediglich noch im Kopfe hängen geblieben ist, dass Simon nun Herrscher über Osten Ard ist – mir aber partout sonst nicht mehr wirklich tiefgehendes einfallen wollte. Nun lässt Williams aber Simon nahezu außen vor: Man „hört“ nur manchmal, dass er eben der neue, junge König ist.
Es war somit wirklich schwer, in diese Geschichte ein zu tauchen. Nach und nach hat es dennoch funktioniert und erneut blieb mir nichts weiter übrig, als dieser schönen Geschichte zu folgen.
Tad Williams bleibt sich treu und erfreut seinen Leser mit einer gut durchdachten Geschichte und sehr interessanten als auch detailliert gezeichneten Personen.
Nichts desto trotz kommt „Das Herz der verlorenen Dinge“ nicht an seine Vorgänger heran. Aber das ist auch schon ein gewaltiges Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum ist „Das Herz der verlorenen Dinge“ eine doch recht interessant und gut gelungene Nahtstelle zwischen dem Drachenbeinthron und den mittlerweile auf dem Markt befindlichen Werken mit dem Obertitel „Die Hexenholzkrone“, auf die ich mich bereits unwahrscheinlich freue.
Stellt sich schlussendlich die Frage, ob man „Das Herz der verlorenen Dinge“ benötigt: Nun, als Freund Osten Ards stellt sich die Frage gar nicht – einem Neueinsteiger sei geraten, entweder die Hexenholkrone-Bücher zu lesen oder einfach mit dem Drachenbeinthron zu beginnen. Zeitlos sind die Bücher jedenfalls.
Jürgen Seibold/30.11.2017

Das Herz der verlorenen Dinge: Ein Roman aus Osten Ard – KAUFEN BEI AMAZON

Elea Brandt: Opfermond

Deutsche Erstauflage
©2017  Mantikore-Verlag Nicolai Bonczyk
Text ©Elea Brandt
eISBN 978-3-945493-37-3
ca. 330 Seiten

COVER:

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt …

REZENSION:

Der Assassine Varek wird üblicherweise angeheuert, um gezielt dafür zu sorgen, dass irgendjemand vom Auftraggeber Unerwünschter das Zeitliche segnet. Varek beherrscht sein Handwerk gleichermaßen, wie er es auch hasst. Eines Tages bekommt er den Auftrag, einen Mord aufzuklären. Abwechslungsreicher kann es ja beinahe nicht gehen, und somit nimmt Varek diesen Auftrag hochmotiviert an.
Als zweiten Erzählstrang lernen wir bereits ganz am Anfang das Freudenmädchen Idra kennen. Mit ihr fängt auch dieses Buch an und wir begleiten sie durch die düsteren Gassen dieser dreckigen Stadt und schauen ihr über die Schulter, als sie einen Mord beobachtet.
Beide Protagonisten sind von Elea Brandt rundum lebendig dargestellt. Gleichzeitig sind beide nicht gerade als anständige Menschen zu betrachten – dennoch betrachtet man sie recht schnell als die positiven Pole in diesem Buch und fiebert ihren jeweiligen Auftritten und Tätigkeiten entgegen.
Die Stadt des Blutigen Gottes ist alles andere als ein Ort der Behaglichkeit. Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, wenn man irgendwohin auswandern möchte, dann sicherlich nicht dorthin. Es herrscht Brutalität, eine unbarmherzige Regierung und ausschließlich das Recht des Stärkeren.
Idra beisst sich durch und findet nur wenig Personen, die man als Freund betrachten könnte. Varek ist zwiespältig ob seines bisherigen Lebens und versucht das Beste aus seinem Auftrag zu machen.
Nach und nach kreuzen sich die Wege der beiden und man merkt als Leser deutlich den Schwenk in tiefere Ebenen der phantastischen Literatur.
Ein Ewachsenen-Fantasy-Thriller, der es wahrlich in sich hat. Die Geschichte ist brutal – dennoch exakt so brutal, wie man es auch vorfinden würde, wäre die Geschichte ein Tatsachenbericht. Dementsprechend glaubwürdig wirkt der gesamte Plot. Elea Brandt schreckt weder vor expliziter Sprache noch vor detailliert dargestellter Gewalt zurück. Sexuelle Ausbeutungen werden nicht mit einem rosa Schleifchen dargestellt, sondern finden unverblümt ihren Weg in des Lesers Gehirnwindungen.
Varek als auch Idra sind nicht gerade Sympathieträger. Trotzdem der einzige positive Anker in dieser verruchten und brutalen Welt.
Genau dafür verneige ich mich vor der Autorin: Wir sprechen hier von einem Debütroman und es gibt prinzipiell absolut nichts negatives darüber zu sagen.
Eine sehr interessante Welt bzw. Stadt, gefüllt mit vielen Details trifft auf einen beinahe typischen Thrillerplot – hebt diesen aber dadurch über typische, genrespezifische Romane hinaus. Einfach ein nahezu perfektes Fantasyerlebnis mit guten Ideen.
Am Ende wurde die Geschichte ein wenig hektisch und schnell abgeschlossen – hier hätte ein klein wenig mehr Ruhe vielleicht noch für das ein oder andere interessante Detail sorgen können. Nichts desto trotz ein sehr empfehlenswerter Roman.
Ich bin sehr gespannt, ob es sich dabei um eine Eintagsfliege handelt, oder ob wir mit Elea Brandt das Entstehen einer neuen Perle im Genre der Fantasy kennen lernen durften.
Jürgen Seibold/19.11.2017

Opfermond – Ein Fantasy-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

John Gwynne: Bosheit (Die Getreuen und die Gefallenen 2)

Originaltitel: Valour – The Faithful and the Fallen 2
Aus dem Englischen von Wolfgang Thona
©2014 John Gwynne
© der deutschsprachigen Ausgabe by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6120-9
ca. 832 Seiten

COVER:

Der Krieg ist ausgebrochen und hat die Verfemten Lande in Chaos gestürzt. Während der fehlgeleitete Hochkönig Nathair sich für den Avatar des Schöpfergottes Elyon hält, muss Corban aus seiner Heimar fliehen.
Denn der Hochkönig glaubt, in dem jungen Krieger die Schwarze Sonne zu erkennen – den Paladin des dunklen Gottes Asroth. Corban kümmert all das wenig – schließlich hat er seine Familie verloren und trauert. Doch seine Schwester Cywen hat überlebt. Sie ist allerdings in die Hände Nathairs gefallen, der sie nun einsetzt, um Corban aus der Deckung zu locken. Schließlich würde ihr Bruder jeden Preis bezahlen, um Cywen zu retten.
An der Seite der Woelven Sturm und seiner treuen Gefährten reist Corban seiner Bestimmung entgegen – durch ein dunkles Land, voller Giganten, Monster und dunkler Mächte.

REZENSION:

Nach dem wahrlich fulminanten Beginn der Saga um “Die Getreuen und die Gefallenen”, bleibt einem wirklich nichts übrig, als sich auch dem nächsten Band mit dem Titel “Bosheit” zu widmen.
Schon mal eines vorweg: Wer Band 1 (Macht) nicht kennt, sollte sogleich die Finger vom zweiten Band  lassen und sich zuerst seinem Vorgänger widmen. Man hat sonst definitiv keine Chance dieser Geschichte einigermaßen folgen zu können. Viel zu viele Personen wurden in ihrer Detailtiefe bereits im ersten Buch eingeführt und Handlungsstränge werden in “Bosheit” lediglich weiter fort geführt.
Hat man “Macht” gelesen und für gut befunden, wird man sowieso keine andere Möglichkeit haben, als sich diesem Buch zu widmen.
Nahezu nahtlos geht es in “Bosheit” weiter. Corban befindet sich auf der Flucht, was aus seiner Schwester geworden ist, entzieht sich seiner Kenntnis. Vielmehr geht er von ihrem Tode aus und füllt sich dementsprechend schlecht in seinen weiteren Zukunftsgedanken.
Es ist erstaunlich, wieviele Charaktere John Gwynne detailliert vorgestellt vom Stapel lässt – gleichzeitig ist erstaunlich, wieviele er davon auch relativ schnell wieder hopps gehen lässt.
Sicher, dadurch blinzelt ein klein wenig die Vorgehensweise beim momentanen Blockbuster Game Of Thrones durch – dennoch entwickelt sich “Die Getreuen und die Gefallenen” zu einer hochwertigen und durchgehend gut durchdachten Fantasysage, der man sich schlicht nicht entziehen kann.
Sicher, im Gegensatz zu seinem ersten Band wirkt Buch 2 ein wenig wie der Drache, der vor seinem Angriff erst einmal Luft holen muss. Dennoch kann man weiterhin mit den Figuren mitfiebern und sie auf ihren jeweiligen Reisen begleiten.
Herrscher werden machthungriger als sie bereits waren, Intrigen werden ungebremst weiter gesponnen. Manchmal scheinen die Fäden nicht mehr greifbar zu sein – kurz danach werden sie jedoch wieder aufgenommen und knotenfrei dargelegt.
Wie sehr oft in zweiten Bänden einer längeren Saga steht auch “Bosheit” seinem Vorgänger etwas nach. Dies liegt aber wohl im Besonderen daran, dass in “Macht” für einen Leser noch alles neu und bereit zum Entdecken war. Nun geht die Story weiter – die Personen sind bekannt. Dennoch wusste ich bald gar nicht mehr, wer denn nun gegen wen kämpft, wer noch nicht gekämpft hat und warum überhaupt. Aber da sind wir wieder bei den Fäden: Alles löst sich nach und nach und man ist als Leser plötzlich wieder mittendrin in einer mittelalterlich wirkenden, fantastischen Welt.
John Gwynnes Geschichte entspricht beinahe dabei nahezu sämtlichen Fantasy-Klischees – aber verdammt: Das macht trotzdem richtig viel Spaß beim Lesen und es muss ja nun wirklich niemand andauernd versuchen, ein etabliertes Genre neu zu erfinden.
Auch wenn ich mich zwischendurch fragte, wann denn nun alle gegeneinander gekämpft haben, wer noch nicht dem Wahnsinn verfallen ist, welche Rolle X, welche Rolle Y spielt, wer bei dieser Vielzahl an Toten eigentlich noch übrig bleibt, wer nun mit wem paktiert – lässt sich auch Buch 2 problemlos empfehlen und ich freue mich schon sehr auf den Folgeband, der demnächst erscheinen wird.
Jürgen Seibold/05.11.2017

Bosheit – Die Getreuen und die Gefallenen 2: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Carl Wilckens: 13 – Das Tagebuch (Band 1)

© acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-473-1
ca. 255 Seiten

COVER:

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich in einer Drogenhölle ohne Sonnenlicht. Mein einziger Freund war der Hunger. Worte wie Freundschaft, Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich kann euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin mehr Bestie denn Mann und giere nach einer Droge namens Perl.
Trotzdem nennt man mich einen Helden. Ihr habt von mir gehört, von Godric End, dem Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich kennt ihr nicht. Sie ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.
Ihr sollt meine Geschichte hören. Die Geschichte von meinem Dasein im Rumpf der Swimming Island, von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

Als Carl Wilckens das Licht der Welt erblickte, musste ich mich bereits dem täglichen Irrsinn des Berufslebens widmen. Laut Beschreibung entspringt er somit einer Generation, die von Fantasyliteratur geprägt aufgewachsen ist. Nun, das würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Sicher, diese Generation hatte es sicherlich leichter, da zu meiner Zeit Fantasy in den Augen unserer Eltern lediglich Papier für den Müll war. Trotzdem ist es uns gelungen, uns der Phantastik zu widmen – ausreichend Werke waren auch damals bereits vorhanden. Man musste nur etwas tiefer wühlen, gab ja keine Onlinemöglichkeit…
Na egal, es soll ja in dieser Rezension eher um 13 gehen. Der erste Band eines Tagebuches über Godric End. Godric End ist eigentlich nicht wirklich ein Sympathieträger. Im Gegenteil, ich würde unverzüglich und ohne zu Zögern die Strassenseite wechseln, nur um ihm aus dem Weg gehen zu können.
Irgendwie ist es im Laufe des Buches dennoch ein wenig irritierend, dass einem dieser Kerl immer mehr ans Herz wächst. Man lauscht mit ebenso spitzen Ohren wie seine Zellengenossen der Erzählung Godrics. Innerhalb kürzester Zeit fühlt man sich in den Zellenblock 13 versetzt und sucht nach Zigaretten – nur, damit Godric weiterhin damit bestochen werden kann und uns noch mehr von seinem Leben erzählt.
Wie gesagt, Godric ist nicht gerade ein Sympathieträger – drogensüchtig, hinterfotzig, mörderisch – aber: ein verdammt interessantes Leben in einer teils realen, teils phantastischen Welt.
Gleichzeitig ein Genremix und nebenbei auch ein wenig Steampunk.
Carl Wilckens erzählt eingehend und doch recht detailliert. Es gibt verschiedene Ebenen, die der Geschichte ausreichend Tiefe und Abwechslung liefern. Teilweise ein brutaler Überlebensroman, teilweise ein mystisch angehauchter LIebesroman. Alles so geschickt vermengt, dass wahrlich für jeden etwas dabei ist. Man fühlt sich einfach an die Wand seiner Zelle gelehnt und lauscht den Worten Godric Ends und hofft, dass er noch lange damit weitermacht. Gleichzeitig steigt auch die Hoffnung der Insassen, dass sie in Godric ihren lange erwarteten Retter vor sich haben.
Nun, abwarten und einfach dieses sowie die nächsten Tagebücher genießen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

Dreizehn. Das Tagebuch: Band 1. Roman (Dreizehn -13-) – KAUFEN BEI AMAZON

John Gwynne: Macht – Die Getreuen und die Gefallenen 1

Originaltitel: Malice – The Faithful and the Fallen 1
Aus dem Englischen von Wolfgang Thon
Deutsche Erstveröffentlichung Juni 2017 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Random House GmbH, München
©John Gwynne 2012
© der deutschsprachigen Ausgabe: 2017 by Blanvalet
ISBN 978-3-7341-6119-3
ca. 832 Seiten

COVER:

Das, was die Menschen die Verfemten Lande nennen, war einst das Reich der Giganten. Aber der Krieg hat die Welt verändert und die Giganten fast ausgelöscht. Einzig ihre uralten Bauwerke prägen als Ruinen das neue Reich der Menschen. Doch was einst Legende war, bahnt sich erneut den Weg in die Verfemten Lande: Wesen aus Mythen werden lebendig, Steine weinen Blut, und eine Prophezeiung erzählt von der Wiederkehr der Götter.
Der junge Corban ben Thannon ahnt nichts von alledem. Er begehrt nur eines: Endlich der Hufschmiede seines Vaters zu entfliehen und das Kriegshandwerk zu lernen. An der Seite König Brenins will er Heldentaten verrichten. Aber an dem Tag, als er alles verliert, was er liebt, beginnt Corban zu ahnen, dass wahrer Mut, bedingungslose Treue und blutiger Sieg einen hohen Preis fordern.

REZENSION:

John Gwynnes Debüt-Fantasy-Epos hat bereits einige wenige Jahre auf dem Buckel. Nun gibt es seit diesem Jahr dieses Werk auch auf dem deutschen Markt und bereits wegen der Beschreibung und der schönen Buchgestaltung war ich sehr an dem Inhalt interessiert.
Mit seinen etwas über 800 Seiten bereits ein nicht gerade dünnes Buch ist es gleichzeitig erst der erste Band über Corban und seine Welt.
Corban ist ein Junge, der in einer mittelalterlich wirkenden Welt lebt und sich – wie eigentlich jeder Junge seines Alters – danach sehnt, das Kriegshandwerk zu erlernen und für seinen König in den Kampf zu ziehen.
John Gwynne erschafft eine Welt, der man deutlich anmerkt, dass hier der Game-Of-Thrones-Hype nicht nur eine Rolle spielte, sondern wohl auch Pate stand. Die Geschichte selbst entspricht den üblichen Fantasywerken und erfindet nichts wirklich neues. Dennoch konnte mich das Buch absolut überzeugen und ich versank direkt in den Seiten.
Gwynne erschafft eine rundum durchdachte Welt, gefüllt mit Menschen, die stark dem Mittelalter entnommen zu sein scheinen und Wesen, die scheinbar direkt aus alten Legendenerzählungen entsprungen sind. 800 Seiten sind normalerweise ein Zeitvertreib, der einige Zeit in Anspruch nimmt – aber bereits am ersten Tag war es mir nicht mehr möglich, damit auf zu hören und somit verschlang ich da bereits die ersten 300 Seiten. Bei meiner täglichen U-Bahn-Fahrt war ich jedesmal enttäuscht: Nicht, weil das Buch schlecht wäre, sondern einzig deshalb, weil mein Ausstiegspunkt gefühlt einfach zu schnell erschien und ich gezwungenermaßen das Buch schließen musste.
Ich kann nicht genau differenzieren, woran es bei diesem Werk lag, denn eine Geschichte mit diesem Inhalt gibt es bereits in einer Vielzahl unterschiedlichster Fantasy-Romane. Dennoch hat es der Autor in meinen Augen virtuos geschafft, seine Personen als auch die jeweiligen Königreiche und Kontrahenten plastisch, tiefgehend und mehrdimensional gezeichnet wirken zu lassen. Seine Kapitel sind nicht allzu lang und tragen durchweg den Namen der aktuell im Vordergrund handelnden Person. Antagonisten sind nicht immer sofort zu erkennen – Protagonisten können manchmal auch eine andere Entwicklung durchleben als gedacht. Neben Corban verliebt man sich in eine Vielzahl an handelnden Personen und ganz besonders hat es mir Sturm angetan, die Woelven Corbans.
Es ist schier unglaublich, dass es sich hierbei um ein Debüt handeln soll. Hierin steckt Qualität und eine perfekt durchdachte Geschichte. Ich bin beinahe enttäuscht, dass ich das Buch nun bereits beendet habe – freue mich aber auch dementsprechend auf die Folgebände. Dabei hoffend, dass Corban nicht zu schnell sein jugendliches Alter verliert, denn als Erwachsener könnte er unter Umständen manche Eigenschaft verlieren.
Kurzum: Ein verdammt gelungenes, spannendes und mit Intrigen sowie Reichskämpfen gefülltes Buch. Rundum empfehlenswert!
Jürgen Seibold/14.10.2017

Macht – Die Getreuen und die Gefallenen 1: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Christian Günther: Die Aschestadt

©2016 Amrûn Verlag, Traunstein
ISBN 978-3-95869-256-5
ca. 384 Seiten

COVER:

Ein verlorener Kontinent, der im Ozean zu versinken droht.
Ein uraltes Königreich, dessen Bewohner das Meer und seine Kreaturen fürchten.
Eine düstere Stadt, beherrscht von einer Bruderschaft, die ihre strengen Glaubensregeln brutal durchsetzt.

Alaris, die Hauptstadt des Reiches, hat ihren einstigen Glanz eingebüßt – statt Gold und Geschmeiden sind in den Straßen nun stählerne Klingen zu Hause.

Ein Mörder geht in den Straßen von Alaris seinem blutigen Handwerk nach.

Der junge Kartograf Harmis, der unsterbliche Seelenkrieger Gor und Alix, die Frau ohne Erinnerung, jagen ihm hinterher. Steckt die Bruderschaft hinter den Morden? Oder die verhassten Meermenschen? Schon bald stellen sie fest, dass die wahnsinnigen Morde nur Teil eines viel größeren Plans sind.

Das Schicksal der ganzen Stadt steht auf dem Spiel.

REZENSION:

“Die Aschestadt” ist der erste Roman einer neuen Reihe von Christian Günther. Wir betreten dabei die Welt von Faar und lernen diese sogleich als alles andere als brave, ruhige und saubere Fantasywelt kennen. Christian Günther lässt uns unverzüglich teilhaben bei der Flucht von Alix vor einem vermeintlichen Mörder. Wir rasen dabei durch die engen Gassen einer dreckigen, dunklen Stadt und lernen dadurch die beiden wichtigsten Protagonisten seines Werkes kennen: die mysteriöse Alix und den drogenabhängigen Kartografen Harmis, der mit seinem Auftritt Alix vor dem sicheren Tod bewahren konnte. Bereits jetzt fühlt man sich als Leser schon ganz gut aufgehoben. Christian Günther legt aber noch eine Schippe drauf und führt auch noch weitere interessante Personen und Rassen ein, wie zum Beispiel Gor, einen Seelenkrieger und die von allen verhassten Meermenschen.
Prinzipiell könnte man “Die Aschestadt” auch als fantastischen Krimi abtun – dies würde dem Buch aber nicht gerecht werden, da sich erheblich mehr dahinter verbirgt als lediglich die Jagd nach einem Unbekannten.
Christian Günthers Welt spielt fast eine größere Rolle als seine Protagonisten. Diese wiederum sind aber durchweg glaubhaft, detailliert und interessant dargestellt. Seine Welt hingegen ist dreckig und strotzt vor einem schwelenden Rassismus gegenüber den Meermenschen und einer Bruderschaft, deren einziges Ziel die alleinige Herrschaft darstellt.
Günthers Setting ist erfreulich kurios, gut durchdacht und wirkt fast wie aus der Feder eines H.P. Lovecraft. Die Dialoge sind den Personen entsprechend in den Mund gelegt und somit auch unter Umständen sexistisch, brutal oder dreckig. Aber genau so soll es auch sein: Warum Rücksicht nehmen, wenn diese Klientel auch im wirklichen Leben so reden würde. Ich denke da besonders an die Söldner, die mir irgendwie besonders gut gefallen haben.
“Die Aschestadt” ist ein Auftaktband zu einer neuen Reihe über Faar – dennoch in sich ausreichend abgeschlossen, um auch als Einzelband zu funktionieren.
Kurzum: Ein leicht zu empfehlendes Werk, welches noch kein Blockbuster ist, aber sich eventuell dazu entwickeln könnte. Mir hat es jedenfalls recht gut gefallen.
Jürgen Seibold/02.10.2017

FAAR – Das versinkende Königreich: Die Aschestadt (Band 1): Fantasyroman – KAUFEN BEI AMAZON

Jay Kristoff: Nevernight – Die Prüfung

Originaltitel: Nevernight
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
©2016 Jay Kristoff
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
(Fischer Tor 09/2017)
ISBN 978-3-596-29757-3
ca. 702 Seiten

COVER:

In einer Welt mit drei Sonnen, in einer Stadt, errichtet auf dem Grab eines toten Gottes, sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere ist sechzehn Jahre alt, und sie kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben die mächtigsten Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio, einem Antiquitätenhändler, großgezogen. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die “Rote Kirche”. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit dem Tag, an dem ihre Familie ausgelöscht wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der “Roten Kirche” machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

REZENSION:

Die Geschichte um Mia hat es mir bereits beim Lesen der Buchbeschreibung angetan. Hier scheint jemand einige nette und neue Ideen aufwarten zu wollen. Dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt dieses recht umfangreichen Fantasy-Schmökers von Jay Kristoff.
Die Handlung seines Werkes ist relativ einfach umrissen: Die Eltern eines jungen Mädchens werden als Verräter hingerichtet bzw. weggeschlossen, das Mädchen musste die Hinrichtung im zarten Alter von zehn Jahren mit ansehen und hat seitdem nur noch einen Gedanken im Sinne: Rache!
Sie wird von einem Antiquitätenhändler aufgenommen, der sich als Mitglied des Assassinenordens “Rote Kirche” herausstellt und ihr die ersten Verteidigungstricks beibringt. Ab einem gewissen Punkt macht sich Mia auf den Weg zur Assassinenkirche und beginnt dort ihre Ausbildung zum absoluten Killer. Ihr Ziel ist dabei weiterhin ihre Rachlust, dennoch hinterlässt die Ausbildung auch ihre Spuren an der 16jährigen.
Die ersten Seiten hatte ich unglaublich viele Probleme in dieses Werk hinein zu finden. Hauptsächlich lag das wohl an der vom Autor in einer unglaublichen Vielzahl verwendeten Fußnoten, die dabei auch noch recht umfangreich geschrieben sind: Teilweise bis zu einer halben Seite und dabei in einer erheblich kleineren Schrift als der eigentliche Storytext.
Man wird dadurch als Leser einfach zu sehr abgelenkt und somit aus der Geschichte heraus gerissen. Nach einiger Zeit beschloss ich für mich, einfach über diese Fußnoten hinweg zu gehen – und siehe da: Ab diesem Augenblick ließ sich diese Geschichte auch flüssig lesen und ich konnte in die Tiefen Mias Welt eintauchen.
Als Gesamteindruck bekam ich zeitweise das Gefühl, bei Nevernight handelt es sich um eine Art Harry Potter für den etwas blutigeren und erwachseneren Geschmack. Insbesondere, da Kristoff wahrlich kein Blatt vor den Mund nimmt und somit seine Geschichte recht “erwachsen” klingt. Der Harry Potter-Vergleich hinkt natürlich ein wenig, dennoch lesen wir hier eine Geschichte eines Mädchens, die eine Ausbildung zu durchlaufen hat. Diese wiederum bildet das Mädchen in verschiedenen Fächern zu einem ausgewachsenen Assassinen aus – sofern sie natürlich die jeweiligen Prüfungen auch überlebt, denn bei dieser Schule werden die nicht so guten Schüler schlicht durch ihren eigenen Tod ausgesiebt, wenn sie eine Prüfung nicht schaffen. Dementsprechend gefährlich sind diese Prüfungen.
Nichts desto trotz entwickeln sich verschiedene Freundschaften und Feindschaften in der “Schule”.
Kristoff baut darüber hinaus magische und mystische Elemente ebenso ein und somit ist für jeden Anspruch etwas vorhanden. Seine Welt ist stimmig dargelegt, sein Schreibstil nach einer gewissen Zeit auch eingängig und flüssig zu lesen, die Fußnoten – wie gesagt – vernachlässigbar.
Sehr interessant auch die Rolle der Nicht-Katze, die im Schatten Mias lebt und sich von ihren Ängsten ernährt – dabei auch mit ihr des öfteren im Gespräch auftritt.
Alles in allem ein wunderschöner und erfreulich anders aufgebauter fantastischer Roman, der mich rundum überzeugen konnte. Darüber hinaus von Zeit zu Zeit auch witzig im Dialog erzählt, dennoch immer mit dem Blick auf die notwendigen Mechanismen, um die Story anzutreiben.
Ein wirklich sehr spezielles Werk und gerade deshalb sehr zu empfehlen. Ich bin auch froh, dass ein Autor vor nichts zurückschreckt und mit einigen Konventionen bricht. Somit auch ein blutiges Werk mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten, das Zeitliche zu segnen. Gleichzeitig eine Enklave, die mit Räumen und Personen aufwartet, die auch den etwas älter gewordenen Harry-Potter-Fan überzeugen kann. Ich denke dabei ganz besonders an die sehr interessante Bibliothek und ihren Bibliothekar.
Kurz gesagt: Ein absoluter Tipp und ich freue mich bereits sehr auf den Folgeband.
Aber: Lasst es doch bitte mit den zwar witzigen, dennoch ablenkenden Fußnoten.
Jürgen Seibold/02-10-2017

Nevernight: Die Prüfung – KAUFEN BEI AMAZON

Michael J. Sullivan: Rebellion (The First Empire)

Originaltitel: Age of Myth. Book One of The Legends of the First Empire
Aus dem Englischen von Marcel Aubron-Bülles
Deutsche Erstausgabe April 2017
© 2016 Michael J. Sullivan
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52033-8
c. 520 Seiten

COVER:

WAS GESCHIEHT, WENN DU HERAUSFINDEST, DASS DIE GÖTTER STERBLICH SIND?

Seit Anbeginn der Zeit leben die Menschen im Schatten der Fhrey, ewig junger Wesen, die sie als Götter verehren. Die glanzvollen Städte der Fhrey und ihre Magie bleiben den Menschen jedoch verschlossen, ihre Clans fristen ein erbärmliches Dasein.
Als der jungen Raithe mit seinem Vater in einem verbotenen Waldstück jagt und von einem Fhrey angegriffen wird, tut der das Undenkbare: Er schlägt zurück – und tötet das Wesen, das er für einen Gott gehalten hat. Raithe flieht, doch dem Ruf eines Mannes, der einen Gott getötet hat, kann er nicht entkommen …

REZENSION:

Allein bei der Coverbeschreibung hatte mich dieses Buch schon. Der Gedanke, dass man plötzlich entdeckt, dass die Götter wohl doch nicht das sind, was sie seit Jahrtausenden vorgaben, klingt interessant und führt zu verschiedensten Gedankenspielen.
Nun, wollen wir mal nicht die Gedanken schweifen lassen, sondern einfach die Umsetzung dieser Idee im ersten Band einer neuen Fantasyreihe erforschen.
Michael J. Sullivan war mir bis dahin in keinster Weise ein Begriff. Somit ließ sich dadurch auch ein für mich neuer Autor entdecken.
Wie sich dabei recht schnell herausstellen sollte, scheint hier jemand sein Handwerk zu verstehen.
Die Geschichte beginnt recht schnell mit der Tötung der besagten Gottheit. Gleichzeitig erkennt man als Leser auch, dass es sich hier wohl einfach um unterschiedlich entwickelte Völker handelt. Die einen leben fast alterslos mehrere tausende Jahre, die anderen entsprechen eher unserem Menschsein und wirken in der Vergangenheit stehengeblieben und dementsprechend wenig weiter entwickelt.
Nun ist also einer von ihnen einen Weg zu weit gegangen und hat aus Versehen einen Gott erschlagen. Raithe selbst wirkt dabei eher wie ein Held, der kein Held sein möchte. Im Gegenteil, er verzieht sich in die Wälder und befindet sich fortan eigentlich auf der Flucht, da er unglaubliche Angst vor Repressalien der Götter hat. Gleichzeitig folgt ihm sein Ruf als Gottestöter und somit bleibt ihm eines Tages nichts weiter übrig, als die Rolle eines Helden einzunehmen.
Prinzipiell wird hier das Genre sicherlich nicht neuerfunden, dennoch recht gut belebt und ergänzt. Sullivan schreibt flüssig und spielt mit sehr gelungenen und zum Teil auch witzigen Dialogen. Seine Welt ist meisterhaft dargelegt und man freut sich über magische Elemente ebenso wie über das unfreiwillige Heldsein seines Protagonisten.
Rebellion hat es geschafft, dass ich oft verärgert war, wenn ich lesend in der U-Bahn sitzend an meiner Station ankam und somit das Buch leider schließen musste. Das allein ist bereits ein sehr starkes Argumet für dieses außerordentlich gut erzählte Buch. Gleichzeitig zeigt der Inhalt, dass man nicht einfach alles so hinnehmen sollte, wie es ohne weitere Betrachtung zu sein scheint. Es gibt in diesem Zusammenhang auch kein wirkliches Gut-Böse-Bild, denn in Richtung Ende helfen Personen der unterschiedlichsten Völker – inklusive einiger Fhrey – zusammen, um sich der ankommenden Gefahr zu erwehren.
Rebellion ist somit durchweg zu empfehlen – gleichzeitig stellt sich mir (trotz aller Vorfreude auf Band 2) die Frage, wie der Autor weiter vorgehen wird. Der “Götter-sind-verletzlich”-Gedanke ist ja nun obsolet und stellt nichts neues mehr da. Aber ich lasse mich sehr gerne überraschen.
Jürgen Seibold/24.09.2017

Rebellion: The First Empire 1 (Zeit der Legenden, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Charlie Human: Apocalypse Now Now. Schatten über Cape Town

© Fischer Tor
ISBN 978-3596034987
ca. 352 Seiten

COVER:

Mit ›Apocalypse Now Now‹ hat Charlie Human »ein verrücktes, finsteres, respektloses und wunderbar abgedrehtes Debüt« (Lauren Beukes) geschrieben, das in seiner Heimatstadt Cape Town spielt. Südafrikanische Mythologie + magiebegabte Kopfgeldjäger + Rock’n’Roll-Highschool = punkige Urban Fantasy vom Allerfeinsten.

Eigentlich läuft für den 16-jährigen Baxter gerade alles rund. Sein kleines Pornobusiness an der Highschool boomt, die Eltern lassen ihn in Frieden, und er ist über beide Ohren in die zauberhafte Kleptomanin Esmé verliebt. Doch als diese von einem wahnsinnigen Serienmörder entführt wird, laufen die Dinge aus dem Ruder. Zusammen mit dem Kopfgeldjäger Jackie Ronin macht Baxter sich auf die Suche nach ihr und entdeckt hinter dem gewöhnlichen Alltag von Kapstadt eine Schattenwelt der Ungeheuer und Magie.

Ein anarchisches, übersteuertes und verdammt witziges Fantasy-Debüt mit Kultbuchpotenzial. Mit ›Apocalypse Now Now‹ und der Fortsetzung ›Kill Baxter‹ macht Charlie Human den ganz Großen der Urban Fantasy – Neil Gaiman, Jim Butcher und Ben Aaronovitch – ernsthaft Konkurrenz.

REZENSION:

Der 16-jährige Baxter lebt relativ unbeschadet vor sich hin. Seine Eltern stellen für ihn absolut kein Problem dar und sein eigenes kleines Unternehmen läuft nahezu problemlos und sorgt für ein ausreichendes Einkommen. Dies, obwohl sein Business nicht gerade unangreifbar wäre: Handelt er doch in der Highschool mit Pornos für jeglichen abartigen Geschmack. Ganz neu im Programm sind Pornos mit irgendwelchen Monstern oder ähnlichem unglaublichen Getier.
Nebenbei ist er mit Esme liiert und freut sich seines Lebens. Aufgrund seiner Art ist er zwar einigermaßen angesehen, gleichzeitig nutzt er seine Mitschüler aber je nach Gebrauch schlichtweg aus.
Plötzlich wird jedoch seine Freundin entführt – angeblich von einem Serienmörder. Ab diesem Augenblick wird ihm klar, dass sich hinter dieser Beziehung für ihn wohl doch erheblich mehr dahinter verbirgt. Scheinbar spielt “Liebe” doch eine Rolle in seinem Leben.
Angestachelt von seinen erwachten Gefühlen macht er sich auf die Suche nach ihr und wird dabei von einem sehr kuriosen Kopfgeldjäger unterstützt.
Ab diesem Augenblick steht die gesamte Welt Baxters auf dem Kopf: Wie er feststellen muss, gibt es in Kapstadt eine verborgene Welt voll unglaublicher Wesen und magische Elemente.
Charlie Human legt wahrlich eine rasante Achterbahnfahrt voll interessanter Begebenheiten vor. Allein der Ideenreichtum macht unglaublich viel Spaß und man ist durchgehend interessiert, zu welchem Ende diese abgedrehte Geschichte wohl führen wird. Gleichzeitig nimmt der Autor absolut kein Blatt vor den Mund und somit sollte man als Leser schon einiges aushalten können.
Dies klingt alles schon einmal sehr positiv – nichts desto trotz hatte ich einige Probleme mit der Geschichte. Diese gingen aber nicht so weit, dass ich da Buch abgebrochen hätte. Nein, dafür war die Story doch zu interessant und voll wirrer und dennoch an die Seiten fesselnden Begebenheiten.
Ich glaube, es liegt einfach daran, dass die Geschichte hauptsächlich in der Ich-Form geschrieben ist und ich immer wieder irgendwie mit diesem Stil Probleme zu haben scheine. Es fällt mir einfach eher schwer, in solche Geschichten ein zu tauchen.
Alles in allem ist Apocalypse Now Now dennoch eine recht interessante Story, die mit einer relativ frischen und erfreulich abgedrehten Idee aufwartet.
Wer somit mit der Erzählung in Ich-Form keine Probleme hat und einfach mal mit einer sehr punkigen und abgedrehten Story seinen Alltag versüßen möchte, der kann hier sicherlich einiges für sich herausholen. Mir hat es jedenfalls einigermaßen gut gefallen – schaffte es aber nicht, mich rundum zufrieden zurück zu lassen.
Jürgen Seibold/15.09.2017
Apocalypse Now Now. Schatten über Cape Town – KAUFEN BEI AMAZON

Anthony Ryan: Das Lied des Blutes (Rabenschatten 1)

Originaltitel: Blood Song. A Raven’s Shadow Novel
Aus dem Englischen übersetzt von Sara und Hannes Riffel
©2011 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe: ©2014, 2016 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94971-1
ca. 776 Seiten

COVER:

Vaelin al Sorna, der berühmteste Gefangene des Reichs und sein größter Kämpfer, erzählt die atemberaubende Geschichte seines Lebens. Er ist an Bord eines Schiffs, das ihn zu dem Ort bringen soll, an dem es für ihn um Leben und Tod geht. Einst war er von seinem Vater als Zögling in das Kloster des Sechsten Ordens gebracht worden, wo er zum Krieger ausgebildet wurde. Nun sind die Namen, die er sich im Kampf verdient hat, über alle Grenzen hin bekannt: Schwert des Königs, Dunkelklinge, Rabenschatten und am gefürchtetsten: Hoffnungstöter.

REZENSION:

Der junge Vaelin wird unvorbereitet von seinem Vater vor den Toren des Sechsten Ordens abgegeben.
Dieser Orden bildet Krieger aus und unterstützt damit – als Kämpfer des Glaubens – den Herrscher bei der Sicherung seines Reiches.
Vaelin wird dabei zu einem der Größten von ihnen. Sein Name wird im gesamten Reich und noch darüber hinaus bekannt. In Anthony Ryans erstem Rabenschatten-Band erfahren wir einen großen Teil über das Leben und Wirken Vaelin al Sornas.
Prinzipiell könnte man sich natürlich als geneigter Fantasy-Leser auch bei diesem Schmöker fragen, warum man sich so etwas überhaupt antut. Erneut ein erster Band mit bereits weit über 700 Seiten. Eine nicht gerade neu klingende Geschichte und somit wohl auch diesmal Stoff, der zum Träumen und Abtauchen anregt.

Ist das wirklich so? – Mitnichten!
Ja, Anthony Ryan erzählt lediglich die Geschichte einer Person von A bis Z: Der junge Vaelin lernt ausschweifend beschrieben sein blutiges Handwerk, fällt eines Tages in die Abhängigkeit des Königs und macht sich auf den Weg zu diversen Kämpfen – immer begleitet von manch einer dezent eingeflochtenen Intrige des Königshauses.
Aber: Es gibt im Genre der Fantasy ab und an Werke, die einen Leser wieder von seinem bevorzugten Genre überzeugen können. Teilweise muss man dafür Jahre voll Hoffnung hinter sich bringen und wenn ich so zurück denke, ist es wahrlich schon lange her, dass mich ein Fantasyroman absolut und uneingeschränkt so überzeugen konnte, wie vorliegendes Lied des Blutes.
Vor vielen Jahren ging es mir mit Williams’ Drachenbeinthron recht ähnlich, danach wurde es dünn, bis Martin mit seinem Song Of Ice And Fire ums Eck kam. Dieser war mir dann aber nach dem achten Band dann doch zu langatmig und ich schwenkte meine Nase lieber in andere Werke des Genres der phantastischen Literatur.
Nun jedoch Anthony Ryan – und dieser Name sagte mir bis dato leider absolut gar nichts. Beschämt kann ich somit lediglich dieses Werk jedem an das Herz legen, der sich für etwas anspruchsvollere und sehr intelligent geschriebene Fantasy interessiert. Nebenbei erwähnt: Es gibt hier keine Wesen, Drachen, etc. Das ganze Buch wirkt eher wie ein Tatsachenbericht aus einer mittelalterlich angehauchten Welt.
Ryan ist wohl der einzige Autor, der es bisher geschafft hatte, mal locker 300 Seiten einfach nur über die täglichen Tätigkeiten seines Protagonisten zu erzählen. Recht viel mehr passiert zuerst einmal nicht – dennoch war ich wie schon lange nicht mehr an die Seiten gefesselt.
Ich ziehe wahrlich meinen Hund vor diesem rundum virtuos erzählenden Autor. Herzlichen Dank für diese geniale Geschichte, die mich mehrere Stunden in weit entfernte Welten entführen konnte.
Jürgen Seibold/07.09.2017
Rabenschatten / Das Lied des Blutes: Rabenschatten 1 – KAUFEN BEI AMAZON