Wilckens, Carl: 13 – Das Tagebuch, Band 2: Die Anstalt

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-572-1
ca. 298 Seiten

COVER:

Godric End, ehemaliger Auftragsmörder auf der Swimming Island, erzählt den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Die Suche nach meiner Schwester führt mich nach Treedsgow. Ich bin halb erfroren und ausgehungert, als ich dort ankomme. Die einst wohlhabende Stadt wird von Banditen beherrscht. In der Nervenheilanstalt Sankt Laplace macht der Leiter fragwürdige Experimente an Menschen.

Ich vertraue niemandem, aber ich wage zu hoffen. Ich bin ein Lügner. Ein Dieb. Ein Killer. Um meine Ziele zu erreichen, ist mir jedes Mittel recht. Trotzdem nennt man mich einen Helden. Aber die Wahrheit über mich ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.

Wer immer noch glaubt, die Magie sei ein Mythos, hat die Zeichen nicht gesehen. Sie war lange verschollen, aber jetzt wagt sie sich langsam hervor und zeigt mir die Welt hinter den Spiegeln. Währenddessen verlöschen die Sterne.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von meiner Zeit in Treedsgow und meiner Begegnung mit dem König der Banditen. Von meinen unfassbaren Entdeckungen in der Nervenheilanstalt Sankt Laplace, von der Welt hinter den Spiegeln und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

Godric End sitzt weiterhin im Zellenblock 13 und erzählt seinen Mitinsassen für kleine Gefälligkeiten, wie zum Beispiel einer Kippe, seine eigene Lebensgeschichte.
Man fragt sich, warum seine Mitgefangenen daran so interessiert sind – bereits im ersten Band lernte man Godric End als untypischen Helden kennen, dessen Ruf ihm vorauseilt und dabei für viele verzweifelte Menschen zu einer Art Lichtgestalt mit gewissem Hoffnungsschimmer geworden ist. Godric selbst sieht sich in keiner Weise innerhalb so einer Rolle – im Gegenteil, er agiert sehr zielstrebig und sucht auch hier lediglich weiterhin seine Schwester. Dabei ist ihm auch nahezu jedes Mittel recht.
Godric End ist wahrlich ein Zeitgenosse, dessen Freundschaft man nicht unbedingt haben möchte – seine Feindschaft aber gleich noch weniger. Dennoch kann man sich als Leser seiner Geschichte ebenfalls nicht wirklich entziehen. Man fühlt sich beinahe wie einer seiner Zellengenossen.
Der zweite Band von Carl Wilckens über den Antihelden Godric End ist in seiner Gänze tatsächlich noch besser als der erste Wurf des Autors. Erneut glänz er mit einer spannenden und gut konstruierten Geschichte. Man kann sich der Suche Godrics nicht entziehen – die Erlebnisse wirken interessanter und ausgegorener.
Ich hoffe hier sehr, dass Wilckens nicht den Fehler vieler mehr-Bände-Autoren macht und seine Geschichte mit steigender Anzahl an Bänden eines Tages nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Hält er jedoch dieses Niveau, könnte ich mir vorstellen, dem Leben Godrics noch einige wenige Bände folgen zu wollen – wie gesagt: Zu viel sollte es meiner Meinung nach jedoch nicht werden. Dies sei nur ein gut gemeinter Rat eines Viellesers, der langsam ein wenig genervt vom unsäglichen Serienwahn ist. Mir persönlich wäre es lieber, wenn qualitativ hochwertige Erzähler ihre Geschichten auf diesem Niveau auch zu Ende bringen können. Ich hoffe, Carl Wilckens kann diesem Anspruch gerecht werden – bis jetzt hat es ja geklappt.
Jürgen Seibold/25.11.2018

 

Tolkien, J.R.R.: Die Geschichte von Kullervo

Originaltitel The Story of Kullervo
Herausgegeben von Verlyn Flieger
©The Tolkien Estate Limited 2010, 2015
Aus dem Englischen von Joachim Kalka
Für die deutsche Ausgabe ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart.
ISBN 978-3-608-96090-7
ca. 240 Seiten

COVER:

Kullervo hat niemanden mehr außer seiner Zwillingsschwester Wanona und dem schwarzen Hund Musti, der ihn mit seinen magischen Fähigkeiten beschützt. Als er in die Sklaverei verkauft wird, schwört er, dass er sich an seinem Onkel Untamo rächen wird. Aber je weiter Kullervo von seinem eigenen Handeln fortgerissen wird, desto mehr stellt sich die Frage, ob es ein Entkommen vor dem eigenen Schicksal gibt. Die auf der finnischen Kalevala-Sage basierende Geschichte ist nicht nur das erste Dokument von Tolkiens außergewöhnlicher Erzählkunst, Tolkienkenner sehen in Kullervo auch einen Wesensverwandten und Vorläufer von Tùrin Turambar aus Die Kinder Húrins. Neben der Übersetzung von Joachim Kalka ist hier im Hauptteil auch die englische Originalerzählung wiedergegeben.

REZENSION:

Ich fürchte, dieses Buch wird die Geister scheiden. Einerseits ist es ein Zeitdokument – andererseits ist es auch ein „aufgeblasenes“ Buch, um einer Kurzgeschichte einen Buchrahmen mit einer Gesamtseitenzahl von 240 Seiten zu geben – ohne diesem Beiwerk wären es nur knapp über 30 Seiten.
Aus diesem Grund verstehe ich auch viele negative Stimmen, die dem Verlag schlichte Geldmacherei vorwerfen. Kann ich verstehen, kann dem aber gleichzeitig nicht wirklich zustimmen, denn sonst hätte der Verlag dies besser in seinen Beschreibungen versteckt.
Im vorliegenden Buch befindet sich eine ganze Menge Tolkien – jedoch eher aus einer wissenschaftlichen Betrachtung. Dementsprechend vorsichtig sollte man auch beim Erwerb dieses Buches sein.
Sicherlich gibt es eine sehr daran interessierte Klientel, die sich einen Blick über die Entstehung einer Geschichte von Tolkien machen möchten. Studenten der sprachlichen Fächer und weitere tiefgehend interessierte Personen können dieser Arbeit mit absoluter Sicherheit eine Vielzahl an Informationen entnehmen. Als Beispiel sei allein die vorliegende Kurzgeschichte erwähnt, die nicht nur in der Übersetzung aufgeführt ist, sondern eben auch im Tolkischen Original auf Englisch. Darüber hinaus eine interessantes Vorwort, eine detaillierte Einleitung, Handlungsentwürfe, Kommentare, Aufsätze und so weiter. Ein Füllhorn an hochgestochenem Material – aber: Nur für den absoluten Hardcore-Tolkien-Fan geeignet.
Dementsprechend schwer fiel es mir, mich dem Werk in adäquater Weise zu widmen. Ich liebe zwar den Herrn der Ringe, ebenso den Hobbit und auch Das Silmarillion konnte mich problemlos überzeugen.
Aber hierin fanden sich fantastische Geschichten – gewürzt mit etwas Anhang. Hier in diesem Buch findet sich eine nicht ganz vollendete Geschichte und fast nur Anhang. Somit kann ich jedem nur raten, sich zuerst im Buchladen des Vertrauens ein eigenes Bild davon zu machen. Ein blinder Kauf kann nur für Frust sorgen.
Ich habe dieses Werk übrigens abgebrochen, da mir das tiefgehende Interesse dazu fehlt und ich lediglich auf der Jagd nach einer weiteren Geschichte war.
Dennoch halte ich den Grund der Veröffentlichung als angemessen, richtig und keineswegs als simple Geldmacherei.
Somit eine klare Empfehlung für wirkliche „Nerds“ – Normalleser (wie auch ich) sollten aber die Finger davon lassen.
Jürgen Seibold/03.11.2018

Gwynne, John: Jähzorn (Die Getreuen und die Gefallenen 3)

Originaltitel: Ruin – The Faithful and the Fallen 3
Aus dem Englischen von Wolfgang Thon
©2015 by John Gwynne
© der deutschsprachigen Ausgabe: 2017 by Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7341-6121-6
ca. 927 Seiten

COVER:

Chaos und Krieg beherrschen die Verfemten Lande. Die durchtriebene Königin Rhin hat den Westen erobert, während Hochkönig Nathair das mächtigste Artefakt der Sieben Kostbarkeiten an sich gebracht hat: den Kessel. Hinter Nathair steht Calidus und sein dämonisches Heer, die Kadoshim. Ihr Plan ist es, den dunklen Gott Asroth und seine Gefallenen in die Welt der Sterblichen einzulassen. Doch nur, wenn alle Sieben Kostbarkeiten vereint sind, kann der finstere Plan gelingen. Nathair kennt die Wahrheit über seine Bestimmung und muss Entscheidungen treffen, die da Schicksal der Verfemten Lande verändern werden.
Andernorts wächst der Widerstand. Königin Edana findet in den Sümpfen von Ardan Verbündete, während Maquin auf einer halsbrecherischen Flucht ist. Corban selbst versucht, vor der hereinbrechenden Dunkelheit um ihn herum zu fliehen, und findet schließlich den Mut, sich ihr zu stellen. Mithilfe seiner ungleichen Gefährten – Freunde, Familienmitglieder, Giganten, fanatische Krieger, einem Engel und einer sprechenden Krähe – begibt er sich auf die Reise nach Drassil. Denn in der sagenumwobenen Festung, wo laut Prophezeiung die Schwarze Sonne auf den Strahlenden Stern treffen wird, muss Corban eine der Sieben Kostbarkeiten finden: den Speer von Skald.

REZENSION:

Nach den fulminanten ersten beiden Bänden der Sage mit dem Obertitel „Die Getreuen und die Gefallenen“ konnte ich es beinahe nicht erwarten, bis der dritte Band das Licht der Welt erblickt und es sich in meinen Händen gemütlich macht.
Erneut handelt es sich dabei um ein fast 1.000 seitiges Buch und man stellt sich die Frage, woher die Autoren solcher Reihen nur immerzu ihren Ideen herholen – insbesondere, wenn sie es schaffen, nicht nur als Kopie anderer Werke zu wirken.
Wie bereits erwähnt, hielt ich die ersten beiden Bücher dieser auf vier Bände ausgelegten Reihe absolut sagenhaft. Sie stellten für mich einen neuen Stern im fantastischen Himmel dar. Das Lesen war dementsprechend rasant und man stürzte von einer spannenden als auch interessanten Handlung zur Nächsten.
Nun bin ich mir nicht sicher, ob es am bereits vergangenen Zeitraum liegt bis zum Erhalt von Band 3 oder einfach am Umstand, das es dann doch zu viel Stoff geworden ist, denn JÄHZORN schaffte es leider nicht, mich erneut mit diesem Feuer und Leidenschaft zu überzeugen. Interessanterweise habe ich es dennoch bis zum Ende durchgelesen – an der dabei verbrachten Zeit konnte ich bereits erkennen, dass der Reiz nachgelassen hat: Viel zu oft musste ich mich ein wenig zum Lesen zwingen – dennoch interessierte mich der weitere Fortgang in Corbans Leben.
Ich gebe auch gerne zu, dass JÄHZORN nach einer langen Durststrecke auch wieder stark an Fahrt aufgenommen hat. Gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass ich es vorab abgebrochen hätte, wären die ersten beiden Bände in meinen Augen nicht dermaßen gut gewesen.
JÄHZORN ist natürlich weiterhin eine recht gute Unterhaltung. Leider sehr langatmig und es fiel mir durchweg schwer, wieder in die Geschichte hinein zu finden. Das halte ich für unwahrscheinlich schade, da mich die grundsätzliche Geschichte dahinter wahrlich überzeugen konnte. Vielleicht sollten entweder die Zeiträume zwischen den Veröffentlichungen nicht zu lange sein oder aber: vielleicht könnten sich die Autoren auch etwas kürzer halten, damit jeglicher Handlungsschritt etwas stringenter vonstatten geht und es nur schwer zur Langatmigkeit führen kann.
Natürlich halte ich weiterhin John Gwynne für einen ausgezeichneten Fantasy-Autoren – nichts desto trotz fehlt mir nun der durchgehende Drang, mich schlussendlich auch dem vierten Band zu widmen.
Jürgen Seibold/02.11.2018

Durfee, Brian Lee: Der Mond des Vergessens – Die fünf Kriegerengel 1

Originaltitel: The Forgetting Moon. The Five Warrior Angels Book 1
Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann
©2016 by Brian Lee Durfee
Für die deutsche Ausgabe: ©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96141-6
ca. 888 Seiten

COVER:

Von immer schlimmeren Wahnvorstellungen besessen, regiert Jovan, der älteste Sohn des gefallenen Königs, über Gul Kana. Verzweifelt versuchen seine Schwestern Jondralyn und Tala, die tyrannische Herrschaft zu beenden. Kann das Königreich die Bedrohung durch die näher rückende Armee, die alles bislang Dagewesenen an Grausamkeit übertrifft, überstehen?
Kann es sich gegen die neue Religion Raijaels behaupten? Und hat das Schicksal des jungen Nail etwas mit einer uralten Prophezeiung zu tun? Mit seinen Freunden, die ihn begleiten, gerät er in immer größere Gefahr.

REZENSION:

Ein Buch, schwer wie ein Ziegelstein. Dann auch noch der erste Ziegelstein einer Reihe.
Über 800 Seiten und dennoch gerade mal der Start eines neuen fantastischen Epos?
Gleichzeitig ein Coverbild, welches voller Klischees den Leser gedanklich an Fantasybücher der 80er/90er Jahre erinnern lässt? Kann das sein? Soll der für Qualität und nicht für Quantität bekannte Klett-Cotta-Verlag dermaßen danebengegriffen haben? Ich kann es mir fast nicht vorstellen.
„Der Mond des Vergessens“ musste trotzdem immer wieder auf meinem Stapel ungelesener Bücher etwas nach unten weichen und einem anderen Buch den Vortritt lassen.
Dafür gab es mehrere Gründe, die sich aus den oben genannten Gedanken ergaben:
Es ist extrem dick.
Das Bild wirkt sehr klischeehaft.
Die Coverbeschreibung klingt in ihrem Versuch, den Inhalt dieses Wälzers zu erklären, etwas verwirrend beziehungsweise dünn wie jede andere Coverbeschreibung.
Und nochmal: Es ist extrem dick und dabei erst Band 1! Soll ich mich wirklich einem weiteren Epos-Start widmen? Gibt es nicht schon genug noch nicht zu Ende geführte Epen dieses Genres?
Tja, eines Tages war es soweit und ich widmete mich mit zwiespältigen Gefühlen diesem Werk.
Wie so oft bei umfangreichen Werken, strotzt auch dieses von einer Vielzahl an teilnehmenden Personen. Hierfür ist – wie oft in diesem Genre – extra ein Anhang integriert. Ich bin aber der Meinung, ein Autor sollte so gut erzählen können, dass man als Leser eben nicht für Erläuterungen oder Familienbeschreibungen immer wieder nach hintern blättern muss.
Schon mal vorweg: Interessanterweise hatte mich das Buch bereits nach dem Prolog fest im Griff. Trotz des eher langsamen Einstiegs Brian Lee Durfees in seine Welt und trotz der noch unbekannten, dafür in hoher Zahl auftretenden Personen, schaffte er es, mich durch seine Lebendigkeit an die Seiten zu fesseln.
Vorab ein kleines Fazit: Endlich mal wieder ein absoluter Blockbuster im Bereich der Fantasy!

Durfee liefert einen High-Fantasy-Roman mit einer Vielzahl an verschiedenen Handlungsebenen und einer daraus resultierenden Komplexität, die sich jedoch durch seine Art des Erzählens beinahe gänzlich aufzulösen scheint. Man wird das Gefühl nicht los, in diesem Werk mehreren verschiedenen Geschichten zu folgen.
Jede einzelne für sich absolut interessant – aber: scheinbar auch lange Zeit voneinander losgelöst.
Nach und nach schafft es Durfee nahezu virtuos, diese Stränge zu einem Netz zusammen zu fügen, wie es nicht schöner sein könnte.
Sprachlich bleibt er sehr eingängig und überzeugt mit Handlungen und eben nicht mit langen, ausschweifenden Erklärungen und Umschreibungen, wie es leider zu oft in diesem Genre vorzukommen scheint. Im Gegenteil, er überzeugt schlicht durch seine Geschichte und umschreibt oder erklärt nur, wenn es seiner Meinung nach absolut notwendig wird.
Man erkennt dabei deutlich: Es funktioniert! Man taucht als Leser viel stärker in die Welt ein – vielleicht liegt das an dem Umstand, dass man bis zu einem gewissen Grade, die Welt selbst in den eigenen Gedanken entstehen lassen kann und man vom Autor nur eine gewisse Richtung präsentiert bekommt.
Durfee kümmert sich einfach auf liebevolle und sehr detaillierte Weise um seine Story – dabei ist zu beachten: Er scheut auch nicht vor Gewalt zurück und stellt diese auch uneingeschränkt dar. Ich halte das für notwendig, ehrlich und passend. Wer damit nicht klar kommt, sollte aber von solchen Werken die Finger lassen.
Alles in allem handelt es sich bei „Der Mond des Vergessens“ um einen absolut und uneingeschränkt zu empfehlenden Start einer neuen Reihe. Auch wenn es mich ärgert, dass Fantasyautoren scheinbar nur noch im großen Maßstab Bücher schreiben können – hier stört es mich nicht, denn ich freue mich wirklich sehr auf die Fortsetzung und hätte diese gerne nahtlos zur Hand genommen.
„Der Mond des Vergessens“ ist schlussendlich eines meiner Jahreshighlights in diesem Genre!
Jürgen Seibold/28.09.2018

De Jager, Mark: Der Fluch des Feuers

Originaltitel: Infernal
Aus dem Englischen von Michael Krug
©2016 by Mark de Jager
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20891-3
ca. 463 Seiten

COVER:

Als Stratus erwacht, liegt er allein auf einem Feld, Geier kreisen über ihm. Er kann sich an nichts erinnern außer seinen Namen. Doch wo kommt er her? Was hat ihn hierher gebracht? Und die brennendste Frage: Was ist das für eine Macht, die er in sich spürt? Was bedeutet sein Verlangen nach Feuer? Ist er etwa ein Opfer schwarzer Magie geworden?

Auf der Suche nach Antworten strandet er in der nächstgelegenen Stadt, die sich gerade zur Schlacht rüstet. Denn es herrscht Krieg im Königreich Krandin, und die feindliche Armee ist auf dem Vormarsch. Stratus muss schnell die Wahrheit über sich herausfinden, damit er weiß, auf welcher Seite er steht. Und bevor die Macht in ihm ausbricht und ein Feuer entfesselt, das niemand mehr eindämmen kann …

REZENSION:

Mark de Jaeger wirft uns in seinem Werk „Der Fluch des Feuers“ ungebremst in die dramatische Situation des Stratus hinein. Ebenso wie sein uns noch nicht bekannter Protagonist tappen wir im Dunkeln und wissen überhaupt nicht, worum es hier eigentlich geht.
Der Klappentext umreist dies bei diesem Buch ganz deutlich: Es geht nun darum, heraus zu bekommen, woher Stratus kommt und wer er eigentlich ist.
Bereits durch diesen rasanten Start konnte mich die Geschichte um den grundsätzlich nicht gerade sympathischen Helden überzeugen beziehungsweise zum weiteren Lesen überreden.
Stratus geht recht unbeholfen vor – sein hauptsätzlicher Antrieb zur Lösung von Problemen liegt in gewalttätigen Ausbrüchen. Diese werden von Mark de Jaeger auch ohne Rücksicht auf Verluste dargestellt.
Dadurch entstand ein Fantasyroman, der so gar nicht in den üblichen Kosmos zu passen scheint. Meiner Meinung nach macht dies aber exakt den Reiz dieses Romans aus. Man fiebert mit, man rätselt mit, man möchte alles über Stratus erfahren.
Gut, der Autor macht es sich schon des Öfteren recht einfach: Stratus wird mehrmals gefangen genommen und – wie bereits gesagt – löst das Problem ohne Rücksicht auf Menschenleben. Nettigkeiten gibt es nicht, der Weg ist das Ziel.
Nach und nach öffnet sich die dezent erklärte Welt des Schriftstellers. Stratus bleibt lange Zeit schwer greifbar und man ist sich unsicher, ob man sich überhaupt mit diesem Typen identifizieren möchte.
Aber warum eigentlich nicht? Einfach mal gedanklich unter Verwendung eines Buches die Sau rauslassen. Damit schadet man keinem und man fühlt sich danach auch nicht gerade schlechter…
„Der Fluch des Feuers“ ist somit ein recht kurzweiliger, leicht zu lesender und brutaler Roman. Irgendwie faszinierend, zu erkennen, dass man als Leser den Darsteller ebenso langsam kennenlernt, wie er sich selbst. Dadurch eine lockere aber auch brutale Alternative zum üblichen Einheitsbrei. Wenn man über wiederkehrende Handlungsstränge (mehrfache Gefangennahme…) hinwegsieht und einfach mal ein düsteres und erfrischend anders wirkendes Werk des Genres lesen möchte, kann es jedenfalls nahezu problemlos damit versuchen.
Jürgen Seibold/28.09.2018

Thomas, F. I.: Glühender Zorn – Krieg der Drachen 1

Originalausgabe November 2017
ISBN 978-3-492-28135-5
©Piper Verlag GmbH, München 2017
ca. 479 Seiten

COVER:

Jahrhunderte sind vergangen, seit sich die Bewohner der Jungen Königreiche von der Schreckensherrschaft der Drachen befreit haben. Sechs Magier gebieten nun über das kostbare Vermächtnis der Drachen, die Zauberei. Doch dieser Orden der Stäbe hegt nicht nur gute Absichten … Denn noch während sie sich auf ihre Große Weihe vorbereiten, finden die Novizen der Ordensmagier Erschreckendes heraus: Statt Tandurin, Dania, Geron, Kyrell, Boltan und Ambra zu vollwertigen Magiern zu machen, wollen ihre skrupellosen Lehrmeister sie töten, um selbst unsterblich zu werden. Gejagt von den mächtigsten Zauberern der Welt, kann den jungen Magiern auf ihrer Flucht nur noch eines helfen: Wissen. Doch je mehr Geheimnisse der Zauberei sie ergründen, desto näher kommen sie einer furchtbaren Wahrheit, die hinter der Magie steckt – und deren Entdeckung die alten Zauberer um jeden Preis zu verhindern suchen. Ein magischer Krieg voller Verrat und Intrigen beginnt. Werden Tandurin, Dania, Geron, Kyrell, Boltan und Ambra ihn gewinnen?

REZENSION:

Ich könnte jetzt abermals zum Philosophieren anfangen, ob die Verwendung eines Pseudonyms wirklich sinnvoll ist. Ich stehe dem sehr zwiespältig gegenüber, da ich gerne wissen möchte, welche Bücher ein mir bekannter Autor veröffentlicht. Wenn zum Beispiel ein von mir geliebter Horrorautor plötzlich einen Heimatroman schreibt, dann würde ich auf Basis einer dann hoffentlich sinnvollen Coverbeschreibung leicht entscheiden können, ob ich einen Genrewechsel lesen möchte. Eventuell kann es dabei sogar sein, dass allein die mir bekannte Qualität eines Autors dazu führt, ein neues Genre kennen zu lernen.
Im vorliegenden Fall handelt es sich ebenfalls um die Verwendung eines Pseudonyms. Ganz ehrlich: Hätte ich nicht gewusst, wer dieses Buch geschrieben hat, hätte es sehr stark sein können, dass ich mich diesem Werk nicht zugewendet hätte. Nachdem das gerade sehr viele „hätte“ waren, merkt man sehr deutlich, dass ich mich dem Glühenden Zorn widmete.
Erneut handelt es sich um einen ersten Band einer Reihe. Mir persönlich wäre es lieber, wenn sich die Zeit so langsam in Richtung Einzelwerke zurückdrehen könnte. Aber das ist Geschmackssache. Sicher ist es wunderschön, immer wieder in eine geliebte Welt abtauchen zu können – wenn ich aber an die Anzahl der bereits begonnenen Fantasywerke denke, stellt sich mir immer wieder die Frage, ob es denn wirklich sein muss. Hinzu kommt die lange Wartezeit, die schon sehr oft dafür gesorgt hat, dass ich in einen Nachfolger einfach nicht mehr richtig eintauchen konnte.
Aber genug Abschweifung in dieser Rezension. Gehen wir zu „Glühender Zorn“: Es handelt sich um den ersten Band des Epos „Krieg der Drachen“ von F.I. Thomas – einem zumeist eher dem Horrorsektor zuzuordnenden Schriftsteller, der hier nun in die Welt der Fantasy abtaucht,
Horror und Fantasy sind meiner Meinung nach nicht unbedingt wie voneinander entfernt. Somit konnte ich mir bereits vor Öffnen des Buches gut vorstellen, dass der Autor auch in diesem Genre seine positive Leistung darbieten kann.
Genau das ist auch geschehen. Anfangs wirkte die Geschichte nach meinem Empfinden noch etwas holprig und es ließen sich nur schwer die Fäden zusammenhalten. Nach und nach löste sich der gedankliche Knoten aber auf. Dies geschieht erfreulicherweise nicht allzu spät – funktioniert bereits recht gut bei dem Punkt, an dem die Novizen erkennen, dass sie wohl Opfer ihrer Meister werden sollen.
An diesem Punkt wird einem auch klar, dass der holprige, nicht rundum greifbare Beginn der Geschichte notwendig war. Die Protagonisten wurden dadurch geschickt als Individuen eingeführt und man konnte sich bereits dort für den ein oder anderen Liebling des Buches entscheiden.
Die Story ist sehr interessant aufgebaut und die grundsätzliche Idee wirkt sehr erfrischend. Die erschaffene Welt ist recht düster, macht aber definitiv Lust auf weitere Erlebnisse.
F.I. Thomas‘ Erzählweise ist – wie in allen seinen Büchern – sehr eingängig und geht ohne große Umwege vorwärts. Die Story wirkt absolut lebendig. Dies, obwohl der Autor nicht haarklein alles Mögliche erklärt und erzählt. Dadurch bleibt einem die Möglichkeit, die eigene Fantasie spielen zu lassen.
Alles in allem ein sehr interessanter Auftakt, der das Interesse nach dem nächsten Band weckt. Erneut würde man gerne einfach nahtlos weiterlesen – aber auch bei diesem Werk kommt als Erstes eine nicht gerade kurze Wartezeit. Ich bin gespannt, ob die Geschichte dann durch den zeitlichen Versatz noch funktioniert, bzw. ob ich mich dann noch an die Begebenheiten des ersten Bandes ausreichend erinnern kann.
Jürgen Seibold/28.09.2018

Falk, David: Blutsbande – Krieger des Nordens 1

Originalausgabe Oktober 2017
© Piper Verlag GmbH, München 2017
ISBN 978-3-492-28160-7
ca. 557 Seiten

COVER:

Die Brüder Seran und Kayo entstammen einer Linie nordischer Krieger. Als Kinder wurden sie ihrer Familie entrissen, nachdem ihr Dorf vom Volk der Thebaner erobert wurde, aber daran erinnern sie sich kaum. Während Kayo als Sklave niederste Dienste verrichten muss, macht der junge Seran Karriere als Offizier im thebanischen Heer. Doch dann wird sein Bruder ermordet, und die Stämme des Nordens erheben sich zum Aufstand gegen das Kaiserreich. Seran muss sich entscheiden: Will er als Feldherr in die Fußstapfen seines thebanischen Ziehvaters treten oder sein Volk befreien?

REZENSION:

Bei David Falks erstem Band seines Epos mit dem übergeordneten Titel „Krieger des Nordens“ passt die Coverbeschreibung nur oberflächlich. Sicher, oberflächlich betrachtet scheint die Geschichte kurz abgesteckt zu sein – die handelnden Personen bekommen manches aber erst erheblich später mit.
Prinzipiell positiv, da man dadurch als Leser beinahe von anderen Voraussetzungen ausgeht. Für mich klang die Beschreibung auf dem Buchrücken fast nach einer Neuauflage von Conan – zum Glück ist das in keinster Weise der Fall.
Die Geschichte selbst lässt nichts neues im Genre der Fantasy entstehen. Dies sehe ich aber nicht als negativen Aspekt, da eine gänzliche Neuerfindung des Genres ja wirklich eher eine Ausnahme ist.
Man könnte dennoch dem Autoren vorwerfen, dass er es sich etwas einfach gemacht hat: Seine Story scheint sich viele Anleihen aus der vorhandenen Welt der Fantasyliteratur ebenso zu holen, wie auch aus dem Geschichtsunterricht unserer realen Welt.
Falks Weltenbau ist stimmig und beinahe typisch: Zwei konkurrierende Stämme, Nord gegen Süd.
Aber was solls – im Gegenzug dazu offenbart sich eine rundum flüssig und eingängig erzählte Geschichte, die vom Grundsatz her der puren Unterhaltung dienen möchte – und dies auch absolut überzeugend, spannend und an die Seiten fesselnd durchzieht.
In meinen Augen ein richtig gutes Highlight des Genres. Wie gesagt: Keine Neuerfindung – dennoch durch den überzeugenden Schreibstil eine Geschichte, die für rundum zufriedenstellende Unterhaltung sorgt. Mehr erwarte ich in erster Linie auch gar nicht. Lediglich die Zeit zum nächsten Band könnte kürzer sein, da man nach Beenden des Buches am Liebsten direkt darauf zugreifen würde.
Als kleines Fazit, ein gelungener Serienauftakt. Ich freue mich schon auf Band 2 und hoffe, dieser wird seinem Erstling in nichts nachstehen.
Jürgen Seibold/26.09.2018

 

Zelazny, Roger: Die Chroniken von Amber – Die neun Prinzen von Amber

Originaltitel: Nine Princes in Amber
Aus dem Englischen von Thomas Schlück
©1970 by The Amber Corporation
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-98127-8
ca. 268 Seiten

COVER:

Der Schlüssel zu allem liegt in Amber.

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle anderen Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Mal näher, mal weiter entfernt haben sie nur einen Mittelpunkt: Amber.

Nach einem Autounfall wacht Corwin in einer obskuren Klinik im Staate New York auf – er ist in unserer Welt gestrandet. Schnell findet er heraus, dass er Teil der großen Königsfamilie von Amber ist. Von nun an unternimmt er alles, um in sein Reich zurückzukehren und seinen Bruder Eric vom Thron zu stürzen.
Der Auftaktband zu der einzigartigen Fantasyreihe DIE CHRONIKEN VON AMBER.

REZENSION:

Beim Lesen der Beschreibung auf dem rückwärtigen Cover des Buches und der eigenen Freude am Lesen von klassischen, fantastischen Werken, die mir in meiner Kindheit entgangen sind, freute ich mich unglaublich auf diesen ersten Auftaktband zu den Chroniken von Amber.
Bereits die Idee der Verknüpfung verschiedener Welten und dem Erwachen des Prinzen in unserer Welt ohne jegliche Erinnerung an sich selbst.
Leider sollte diese selbstauferlegte Euphorie vom Inhalt des Buches nicht befriedigt werden. Somit war ich nach etwa der Hälfte des Werkes gezwungen, dieses unbeendet beiseite zu legen.
Doch woran mag dies gelegen haben?
Nun, ich denke in diesem Falle war es schlicht und einfach der Schreibstil als auch die Erzählweise von Roger Zelazny. Mir persönlich waren zu wenig detailverliebte Informationen vorhanden – demgegenüber eine Vielzahl an Dialogen, anhand deren der Autor die Geschichte voran treibt. Manchmal funktioniert so eine Vorgehensweise – in diesem Fall kam es mir jedoch ein wenig zu konstruiert vor. Gleichzeitig konnte er mich dadurch nicht an die Geschehnisse innerhalb der beiden Buchdeckel als Leser fixieren, wenn nicht gar fesseln.
Mir ist bewusst, dass es erst ein Auftaktband zu einer berühmten Reihe ist – dennoch war es nicht mein Geschmack und konnte mich nicht überzeugen. Sehr gerne hätte ich noch viel mehr über die Erlebnisse des Prinzen in unserer Welt gelesen – diese verwoben mit einer Vielzahl an kuriosen Details. Tja, hat leider nicht sollen sein – aber genau deshalb sind Geschmäcker einfach unterschiedlich. Während der eine davon rundum überzeugt ist, findet der andere absolut keinen Zugang. Ich finde es schade, da mich die Idee gereizt hat und ich mich gerne auf eine weitere Reihe aus vergangener schriftstellerischer Zeit eingelassen hätte.
Jürgen Seibold/02.09.2018

Die neun Prinzen von Amber: Die Chroniken von Amber 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Bardugo, Leigh: Das Lied der Krähen

Originaltitel: Six Of Crows
Aus dem amerikanischen Englisch von Michelle Gyo
Deutsche Erstausgabe Oktober 2017
©2015 Leigh Bardugo
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65443-9
ca. 585 Seiten

COVER:

Sechs unberechenbare Außenseiter – eine unmögliche Mission

Ein Dieb mit der Begabung, aus jeder Falle zu entkommen.
Eine Spionin, die nur „das Phantom“ genannt wird.
Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache.
Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben.
Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann.
Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff.

Höchst unterschiedliche Motive treiben die sechs Außenseiter an, die einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt befreien sollen. Kaz Brekker, Meisterdieb und Mastermind, ist nicht der Einzige, der Geheimnisse vor den anderen verbirgt – und natürlich steckt weitaus mehr hinter dem Auftrag, als die sechs „Krähen“ ahnen können …

REZENSION:

Es stellt sich natürlich die Frage, ob man – oberflächlich betrachtet -, einer Geschichte folgen möchte, deren einziges Ziel die Rettung eines Magiers aus einem Hochsicherheitsgefängnis ist.
Tja, dennoch hat es der erste Band von Leigh Bardugo auf nahezu sämtliche nennenswerten Buchlisten geschafft. Der Kelch sollte auch nicht an mir vorübergehen und somit widmete ich mich vorbehaltlos dem ersten Band dieser neuen Reihe.
Leigh Bardugo lässt eine sehr unterschiedlich gezeichnete Schar an Protagonisten an uns los. Alle dabei rundum detailliert vor des Lesers Augen ausgebreitet und mit den unterschiedlichsten Charakterzügen als auch Motivationen belegt. Allein dies sorgte – insbesondere durch die liebevolle Zeichnung und sehr eingängige Schreibweise – bereits dafür, mich als Leser die meiste Zeit bei der Stange zu halten.
Die Story selbst hielt ich dabei vordergründig ein wenig dünn und manchmal sehr dem Zufall überlassend konstruiert. Interessanterweise ist es aber in diesem Fall absolut kein Problem hier ein Auge zu zu drücken, da die einzelnen Erlebnisse sehr niveauvoll geschrieben sind und durch die jeweilige Handlung beinahe für sich selbst stehen können. Da spielt es dann schon fast keine Rolle mehr, dass der hauptsächliche Handlungsstrang etwas uninspiriert wirkt.
Das Buch von Bardugo lebt einfach durch die sehr flüssige Weise und dem außerordentlich interessanten Setting. Zusätzlich verliebt man sich in beinahe jede einzelne teilnehmende Figur und man kann allein deshalb schon nicht mehr loslassen.
Sicher, ab und an fragte ich mich, warum ich das Buch nicht einfach auf die Seite lege – spätestens dann gab es jedoch wieder ein liebevoll beschriebenes Seitenerlebnis, welches schlussendlich jeden dazugehörigen Gedanken problemlos auf die Seite schob.
„Das Lied der Krähen“ wird seinem guten Ruf gerecht und dementsprechend freue ich mich auf den Bachfolgeband. Erhoffe mir dabei dennoch einen etwas stärkeren Haupt-Handlungsstrang. Nichts desto trotz lässt sich „Das Lied der Krähen“ getrost empfehlen. Liebhaber von phantastischer Literatur – gemischt mit ein wenig Abenteuer – finden ausreichend Material innerhalb der Buchdeckel, um jede Seite genießen zu können.
Jürgen Seibold/27.07.2018

Das Lied der Krähen: Roman (Glory or Grave, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Zimmermann, Cornelius: Rocking The Forest

©2017 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-29927-0
ca. 364 Seiten

COVER:

Iggy der Wolfmorf ist einer der begnadetsten Forest-Doom-Musiker im ganzen Müützelwald. Klar, dass er mit seiner Band, den Müützel Monotones, beim diesjährigen Rocking the Forest Band Contest unbedingt die „Goldene Dolde“ gewinnen will. Zu dumm nur, dass seine Bandkollegen ihn nur elf Tage vor dem Festival sitzen lassen.
Dem Wolfmorf bleibt nichts anderes übrig, als sich auf eine Odyssee durch den Wald zu begeben, um den erfolgreichsten und legendärsten aller Musikproduzenten zu finden: Blubb die Pfütze. Denn nur er kann Iggy helfen, seinen großen Traum zu verwirklichen. Dabei begegnet er allen möglichen und unmöglichen Wesen und zu allem Überfluss auch noch der allerschönsten und wunderbarsten Wolfmörfin der Welt, die ihm völlig den Kopf verdreht …

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Cornelius Zimmermann sorgte dafür, dass ich mich unbedingt diesem Werk widmen wollte. Der Verweis auf dem Buch, dass dieses Werk gut für Terry-Pratchett-Leser geeignet ist, erhöhte diesen Wunsch nur noch – sorgte aber natürlich auch für das Auftreten gewisser Erwartungen.
Bereits zu Beginn sorgt der Autor für einige Schmunzeleien während dem Lesen. Der unfreiwillige Abgang Iggys aus dem Proberaum bzw. –baum gefiel mir außerordentlich gut und war witzig als auch nachvollziehbar erzählt.
Die eingestreuten Fußnoten des Autors entsprechen dem oben genannten Vorbild. Gleichzeitig weiß man spätestens dann, dass es hier nicht um einen literarischen Höhepunkt gehen soll, sondern ausschließlich um eine humoristisch erzählte Geschichte.
Die weiteren Seiten – Iggy auf dem Weg – sorgten aber leider dafür, dass ich mich letztendlich doch dazu entscheiden musste, die weitere Lektüre aufzugeben. Ich bin mir aber immer noch nicht ganz sicher, woran das lag, glaube aber, dass ich entweder nicht zur expliziten Zielgruppe gehöre oder andere Gründe dafür ausschlaggeben waren. Hier fällt mir zum Beispiel die nach und nach auftretende Langatmigkeit ein – ebenso wie eine fehlende Spannung, die man aber durch einen konsequenten und strikten Vorwärts-Antrieb innerhalb der Story beheben könnte. Irgendwas hatte mir einfach gefehlt, um mich weiterhin auf Iggys Weg einzulassen.
Sicher, der Schreibstil ist absolut gelungen, Iggy als Figur durchweg sympathisch und man findet immer wieder einen Grund für ein Hochziehen der Mundwinkel – aber: ich verlor schlichtweg den persönlichen Halt an einer vorwärtstreibenden Handlung und somit an der Story selbst.
Das persönliche und notwendige Eintauchen in die Geschichte wollte einfach nicht gelingen.
Schade, da es viel mehr solcher Romane geben sollte und die grundsätzliche Idee doch recht witzig ist.
Jürgen Seibold/27.07.2018

Rocking the Forest: Ein Müützelwald-Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Graßhoff, Marie: Die Schöpfer der Wolken

© 2017 by Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-95991-098-9
Ca. 523 Seiten

COVER:

Ciara kann in den Träumen anderer Menschen lesen wie in Büchern. Ihr ältester Bruder, der Schriftsteller Koba, ist der Einzige, der davon weiß. Als dieser jedoch auf unerklärliche Weise verstirbt, ändert sich für die junge Frau alles.

Kobals letztem Wunsch folgend, reist sie mit seinem neusten Manuskript nach Shanghai, um es dort einem dubiosen Verleger zu überreichen. Doch in der fremden Stadt kreuzen Menschen ihre Wege, die so sind wie sie. Menschen mit besonderen Fähigkeiten.

Als Erdbeben beginnen, den ganzen Planeten zu erschüttern, die Uhren verrückt spielen und fremde Dimensionen aus den Spiegeln dringen, begeben sich die jungen Erwachsenen gemeinsam auf die Suche nach dem wahren Grund ihrer Talente – und nach dem Grund dafür, warum die Welt um sie herum nach und nach zerbricht.

REZENSION:

Bei manchen Büchern wird man als Leser erfreulicherweise wahrlich vom Inhalt überrascht. Als ausgesprochener Vielleser lässt man sich leider viel zu oft nicht mehr von laufenden Handlungen überraschen – vieles ähnelt sich doch sehr in ihrer Vorgehensweise. Deshalb gibt man aber das Lesen nicht auf, sondern man erfreut sich an detaillierten Beschreibungen und interessanten Ideen.
In diesem Fall war ich jedoch wirklich überrascht – dies auch noch durchweg positiv. Sicher, die Geschichte ist durch ihre Aufmachung und dem Schreibstil eine Gratwanderung zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch. Dennoch fühlte ich mich als alter Hase uneingeschränkt wohl.
Ab und an ertappt man sich beim Schmunzeln, urplötzlich schwenkt die Autorin dann ab in dunklere Gefilde. Bei ihrer Story fragt man sich beizeiten, welche bewusstseinsverändernden Drogen die Schriftstellerin wohl genommen hat – oder kann es gar sein, dass dies alles einem vor sich hinträumenden Gehirn entspringt? Dabei aber dennoch kongruent in der Handlung bleibt und die irre dargestellte Geschichte zu einem glaubhaften Ende führt.
Ein Endzeitszenario dem nichts entgegen zu setzen ist – dabei gepaart mit Menschen, deren besondere Fähigkeiten die gesamte Story fantastisch abdriften lässt. Dystopien gibt es wie Sand am Meer – aber eine so geschickte Mischung lässt sich nur selten finden.
Sämtliche Charaktere wurden liebevoll und eigenständig gezeichnet. Jeder besitzt seine Eigenheiten und lässt sich auch nur selten davon abbringen. Ausreichend Witz ist ebenso vorhanden, wie nachdenklich machende Szenen.
Kurzum eine flotter und außerordentlich ideenreicher Roman, der jeden mit einem für Phantastik offenen Herz überzeugen sollte.
Mir hat dieses Werk einer bis dato für mich unbekannte Autorin jedenfalls nahezu uneingeschränkt gefallen. Eine sehr empfehlenswerte Perle eines Verlages, auf den ich wohl öfter ein Auge werfen sollte.
Jürgen Seibold/04.07.2018

Die Schöpfer der Wolken – KAUFEN BEI AMAZON

Kay, Guy Gavriel: Das Reich Kitai: Am Fluss der Sterne

Originaltitel: River of Stars
©2013 Guy Gavriel Kay
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN: 978-3-10-403713-4
Ca. 720 Seiten

COVER:

Ren Daiyan ist kaum dem Kindesalter entwachsen, als er im Dienste eines kaiserlichen Magistrats sieben Männer tötete und zum Geächteten wurde. Niemand ahnt, dass er einmal zu einem der mächtigsten Männer des Reiches werden soll.
Lin Shan ist die Tochter eines Gelehrten, und sie lernt Dinge, die anderen Frauen verwehrt bleiben. Der Kaiser ist von ihrem Intellekt fasziniert, die anderen Damen am Hofe sind neidisch. Und als das Leben ihres Vaters gefährdet ist, muss sie allen Mut und all ihr Wissen einsetzen, um ihn zu retten.
In dem gespaltenen Land herrscht ein Kaiser, der sich mehr für die Künste interessiert als für das Regieren. Bis eine neue Gefahr alles unter dem Fluss der Sterne auszulöschen droht …

REZENSION:

Nachdem ich das Vorgängerbuch mit dem Titel „Im Schatten des Himmels“ nahezu verschlungen habe, sprach absolut nichts dagegen, erneut in das Reich Kitai ein zu tauchen.
Im Gegensatz zu der üblichen Vorgehensweise im Genre der phantastischen Literatur handelt es sich bei vorliegendem Werk nicht um eine nahtlose Fortsetzung zum eben genannten Werk des Autors. Beide Werke spielen zwar in der gleichen Welt, sind aber inhaltlich absolut voneinander losgelöst und somit problemlos einzeln zu betrachten.
Das Reich Kitais lehnt sich sehr stark an das vergangene chinesische Reich an, wodurch die Bücher Guy Gavriel Kays fast wie historische Romane lesen lassen. Nichts desto trotz ist Kitai erfunden und vom Autor bildgewaltig dargestellt.
„Am Fluss der Sterne“ steht in der sprachlichen Qualität seinem Vorgängerband in nichts nach. Dennoch war es mir im Gegensatz zum Vorgängerband nicht möglich, einen ausreichenden Zugang zu diesem Buch zu finden.
„Im Schatten des Himmels“ hatte mich ab der ersten Seite mit in die Geschichte gerissen und es war mir nahezu unmöglich, das Buch beiseite zu legen.
Demgegenüber zeigte mir sich „Am Fluss der Sterne“ als zwar erneut schön und detailliert geschriebenes Werk – dennoch schaffte es die Story zu keiner Zeit mich bei der Hand zu nehmen.
Lediglich auf Basis des Vorgängers gab ich dem Buch mehrere hundert Seiten, bis ich es leicht frustriert zur Seite legte.
In diesem Fall ist es meiner Meinung nach sehr schade, dass es Kay nicht geschafft hatte, mich mit der von ihm vorgelegten Handlung zu überzeugen. Qualitativ hochwertig genug ist seine Art des Erzählens und somit war ich doppelt enttäuscht: Einerseits gefällt mir seine Art des Erzählens, andererseits fehlte mir hier innerhalb der Handlungsstränge der nötige Drang zum Weiterlesen.
Schade eigentlich, dennoch werde ich diesen Autoren weiterhin im Auge behalten und hoffe sehr, dass er mich eines Tages wieder genauso intensiv überzeugen kann, wie bereits mit „Im Schatten des Himmels“.
Jürgen Seibold/26.06.2018

Das Reich Kitai: Am Fluss der Sterne – KAUFEN BEI AMAZON

Niemann, Swantje: Drúdir – Dampf & Magie

©2017 by Edition Roter Drache
ISBN 978-3-946425-36-6
ca. 410 Seiten

COVER:

Ein neues Zeitalter ist angebrochen – aber die dunkle Magie der Vergangenheit kehrt zurück!

Dampfkraft und die genialen Maschinen der zwergischen Erfinder haben die Welt unwiderruflich verändert. Magie gilt als Relikt einer Zeit, in der Zauberei und Religion Werkzeuge der Unterdrückung waren. Deshalb ist es dem jungen Uhrmacher Drúdir nahezu unmöglich, seine magische Begabung zu akzeptieren. Doch als sein bester Freund ermordet wird, kann er nicht tatenlos bleiben.

Die Suche nach der Wahrheit führt ihn in die unterirdische Seestadt Schwarzspiegel. Dort begegnet er unerwarteten Verbündeten und entdeckt, wie fragil der innere Frieden der neugegründeten Zwergenrepublik ist. Seine Ermittlungen bringen ihn auf die Spur einer Verschwörung, die die Freiheit aller bedroht. Drúdir muss in eine Welt der Geheimnisse, Intrigen und Gewalt eintauchen, um das Unheil abzuwenden …

Drúdir kombiniert eine von Magie und uralten Mythen durchdrungene Fantasywelt in der Tradition Tolkiens mit dezenten Steampunk-Elementen und entwirft sein ganz eigenes Zwergenbild. Die Handlung entfaltet sich vor einem komplexen Hintergrund sozialer und politischer Spannungen, der an das Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts erinnert.

REZENSION:

Bei Swantje Niemanns Debütroman Drúdir bin ich durch und durch zwiegespalten in meiner Meinung. Einerseits finde ich die Idee außerordentlich klasse, Steampunk-Elemente mit klassischer Fantasy zu vermengen. Allein dafür ziehe ich vor der Autorin meinen Hut. Andererseits war es mir trotz dieser genialen Idee und dem absolut durchdachten und perfekt ausgearbeiteten Plot nicht durchweg möglich, ihrem Plot zu folgen.
Es schwankte zwischen fesselnden Kapiteln und Themen, denen ich dann plötzlich nicht folgen konnte. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es bei diesem Werk durch die tiefgehende und durchdachte Erzählweise einfach notwendig ist, sich diesem Werk ungestört zu widmen. Vielleicht war das der Grund, warum ich immer wieder gedanklich herausgerissen worden bin und somit nicht zur Gänze eintauchen konnte.
Wie bereits erwähnt ist Niemanns Geschichte um Drúdir bis in den kleinsten Winkel herausragend durchdacht und dargelegt. Die Vermengung der Genres hat mir außerordentlich gut gefallen und hätte sogar noch etwas stärker sein können. Es ist sehr interessant, wenn magische Elemente plötzlich nicht im Vordergrund stehen, sondern eher verpönt zu sein scheinen – gleichzeitig sich aber bei einigen Personen immer noch als Eigenschaft herauskristallisieren.
Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn die Jagd nach dem Mörder etwas rasanter vonstatten gegangen wäre. Außerdem musste ich mich durch die verwendete Schrift doch sehr arg auf die Buchstaben konzentrieren (bin einfach nicht mehr der Jüngste…).
Alles in allem ist Swantje Niemann ein herausragendes Debüt mit einer erfrischenden Idee gelungen. Ich bin davon überzeugt, dass sie damit ihre Klientel finden wird. Ich würde es ihr jedenfalls sehr wünschen – auch wenn ich mich nicht ganz bis zum Ende des Buches durchgepflügt habe.
Jürgen Seibold/21.05.2018

Drúdir: Dampf & Magie – KAUFEN BEI AMAZON

Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 2 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96196-6
ca. 555 Seiten

COVER:

Die Nornenkönigin streckt ihre Hand nach der sagenumwobenen Hexenholzkrone aus und der Schatten eines aufziehenden Krieges legt sich über Osten Ard. Eine Gesandte der Sithi, die mit einer Nachricht für den König Simon und Königin Miriamel unterwegs war, wurde schwer verwundet im Wald nahe dem Palast gefunden. Und ein Attentat auf einen alten Gefährten innerhalb der Palastmauern sorgt für noch größere Unruhe. Der Angreifer erwähnt immer wieder die Morriga, eine uralte Kriegsgöttin. Um mehr über die Bedrohung durch die Nornen herauszufinden, schickt das Herrscherpaar schweren Herzens Prinz Morgan zu dem alten Volk der Sithi. Wird er wohlbehalten zurückkehren von seiner Mission? Ist ein Krieg gegen die Nornen noch abzuwenden?

REZENSION:

Beim zweiten Band mit dem Titel „Die Hexenholzkrone“ handelt es sich weiterhin um den ersten Band der neuen Tad Williams-Saga „Der letzte König von Osten Ard“.
Auf dem deutschen Markt wurde der erste Band in zwei Teilen veröffentlicht. Ohne großartig nachzudenken, könnte man jetzt dem Klett-Cotta – Verlag Geldmacherei vorwerfen. Ich würde aber definitiv nicht so weit gehen, denn zum einen handelt es sich um zwei sehr schön wirkende Bände und zum anderen wäre der Verlag dann gezwungen gewesen, bei einem Gesamtumfang von ca. 1.300 Seiten erheblich dünneres Papier zu verwenden, um ein einigermaßen noch händelbares Gewicht bieten zu können.
Ich persönlich halte erheblich mehr von guter Lesbarkeit und dementsprechend gutem Papier. Somit lohnt sich in diesem Fall definitiv der Kauf von zwei separaten Bänden.
Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band beschrieben, fühlt man sich als Kenner der früheren Saga, als ob man wieder nach Hause gekommen wäre. Einfach ein durchweg wohliges und heimeliges Gefühl, während man einer atemberaubenden und sehr interessanten Geschichte aus der Welt Osten Ards folgt.
Wie bei Tad Williams oft üblich, fängt er sehr detailliert und somit für manchen etwas langatmig wirkend an. Wie meiner letzten Rezension zu entnehmen, konnte ich mich aber dennoch dem Sog des ersten Bandes nicht entziehen. Nun, in der zweiten Hälfte, wird das Tempo vom Autor erheblich beschleunigt, somit spannender und somit nicht weniger interessant – im Gegenteil.
Bevor ich hier in der Rezension zur zweiten Hälfte der neuen Saga um Osten Ard erneut weit aushole, verweise ich lieber auf meine erste Rezension und möchte nur noch hinzufügen, dass sich mit der Hexenholzkrone eine sagenhafte Geschichte vor dem Leser ausbreitet, die nichts geringeres leistet, als das gesamte Fantasy-Genre zu feiern und dabei beinahe nebenbei mit einer durchweg hochwertigen schriftstellerischen Qualität glänzt.
Der einzige Wermutstropfen: Es dauert nun leider einige Zeit, bis die Geschichte fortgeführt wird. Man würde ja am liebsten einfach ungebremst weiterlesen…
Jürgen Seibold/16.05.2018

Der letzte König von Osten Ard / Die Hexenholzkrone 2: Der letzte König von Osten Ard 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Williams, Tad: Die Hexenholzkrone 1 – Der letzte König von Osten Ard 1

Originaltitel: The Witchwood Crown. The Last King of Osten Ard Volume 1
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94953-7
ca. 745 Seiten

COVER:

Osten Ard ist in Aufruhr. Seit dreißig Jahren regieren König Simon und Königin Miriamel mit Weisheit und Güte über ihr Land. Doch die dunklen Mächte sammeln sich um die Nornenkönigin und wollen sich Osten Ard untertan machen. Vor allem Prinz Morgan ist in Gefahr, denn die Feinde wollen seine Thronbesteigung verhindern und selbst die Macht erlangen. Da ruft König Simon seine alten Freunde zu Hilfe und Binabiq, Tiamak, Eolair und Jeremias treten gemeinsam mit ihm gegen die Nornen und andere Widersacher an. Wird es einen gerechten Kampf geben? Können die Freunde Osten Ard verteidigen? Und wird Prinz Morgan unversehrt aus der Schlacht zurückkehren?

REZENSION:

Es sind mittlerweile einige Jahrzehnte vergangen, seitdem ich mich nach Osten Ard gewagt habe. Damals war ich übermäßig begeistert von den Erlebnissen des Küchenjungen Simon Mondkalb, der in der Saga um den Drachenbeinthron auf interessante und spannende Weise seinen Weg zur Regentschaft erklimmen sollte.
Die Drachenbeinsaga (heutzutage: Das Geheimnis der Großen Schwerter) ist auch immer noch Gegenstand meines Bücherregals, da diese großangelegte Saga einfach nicht weggegeben werden kann, sondern allein durch das Betrachten immer wieder an eine wunderschöne Lesezeit erinnert.

Als dann im letzten Jahr Tad Williams mit seinem Roman „Das Herz der verlorenen Dinge“ erneut seine Leser nach Osten Ard entführen wollte, war ich mir ob der langen Abstinenz nicht sicher, ob damit ein neuer Zugang möglich sein kann. Gleichzeitig ist man auch noch – ähnlich wie Simon – älter und vielleicht sogar ein wenig reifer geworden.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ war aus meiner Sicht zwar ein guter Fantasyroman, konnte aber durch seine lediglich locker vorhandenen Fäden zu Simon nicht mehr gänzlich überzeugen. Irgendwie fühlte man sich zwar wieder daheim, aber der erwartete Besuch wollte partout nicht an der Tür anklopfen.
Mir war aber bewusst, dass „Das Herz der verlorenen Dinge“ nur eine Schnittstelle sein sollte. Der Autor hat sich wohl damit auf geschickte Weise einen eigenen erneuten Zugang nach Osten Ard kreiert.
Wir können darin ein wenig durch Osten Ard wandeln und lernen, dass Simon mit seiner Frau Miriamel weiterhin regiert und diese Regentschaft seinem damaligen Charakter entsprechend wohl im Großen und Ganzen positiv für sein Volk vollzogen wurde.
Nun sollte mit „Hexenholzkrone“ die Tür zu Simon komplett geöffnet werden und Tad Williams bittet uns freundlich, erneut einzutreten und den weiteren Erlebnissen des nun gealterten Königspaars zu folgen.
Bereits beim Betrachten des Buches stellt sich die Frage, ob das Durchschreiten dieser Tür nach etwa 30 Jahren noch funktionieren kann. Hinzu kommt der Umstand, dass man sich gefühlt nur noch rudimentär an die damaligen Erlebnisse Simons erinnern kann. Tad Williams geht auch in seinem Vorwort auf diese Problematik ein und versucht seinen Leser mit der Information zu beruhigen, dass er notwendige Dinge locker erklären wird und somit sein neues Epos ohne das Wissen um die früheren Bücher funktionieren kann und soll.
Nun gut, ganz kann ich ihm dabei nicht zustimmen, denn ich glaube, ein absoluter Neuling wird es schon ein wenig wenig schwerer haben, als jemand, dessen Erinnerungen im Laufe der Seiten des vorliegenden Buches immer weiter aufgefrischt werden und somit für eine nicht unerhebliche Anzahl an Aha-Effekten sorgen.
Nichts desto trotz möchte ich niemanden abschrecken, denn rein vom Verständnis her funktioniert die Hexenholzkrone natürlich auch ohne die früheren Bücher. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass ein Neueinsteiger diesen ersten Band ein wenig langweilig findet. Kenner der früheren Bände sind einfach froh, wieder in Osten Ard zu sein und diesem königlichen und dennoch sympathischen Ehepaar zu folgen. Das etwas lange Ausholen und die dafür notwendige, detaillierte Ausschmückung jeglicher Szene kennt und liebt man bereits seit Anbeginn dieser Saga – somit hatte Tad Williams mich bereits nach wenigen Seiten rundum überzeugen können. Über die Seiten hinweg erwachten alte Erinnerungen und man tauchte immer tiefer in dieser Welt ab. Das schöne Gefühl breitete sich wieder aus, zu Hause angekommen zu sein.
Tad Williams blieb sich in diesem Buch abermals durchweg treu und schaffte es auf virtuose Weise, allen Wünschen des Lesers gerecht zu werden.
Kurzum: Hier wird Fantasy wahrlich gefeiert und somit mit einer absolut hochwertigen Qualität vor des Lesers Augen ausgebreitet. In sämtlichen Bereichen sehr liebevoll und detailliert ausgearbeitet.

Tad Williams hat laut seinen eigenen Worten lange mit sich gehadert (erkennt man ja schon an der langen Zeitspanne), ob er sich erneut diesem Blockbuster widmen soll. Ich bin jedenfalls froh, dass er dieses Abenteuer eingegangen ist und auch mich als Leser daran teilhaben lässt.
Nachdem es sich bei der Hexenholzkrone erst um den Anfang eines – wieder einmal – groß angelegten Epos handelt, bin ich schon jetzt  gespannt, wie es weitergehen wird und ob Williams es schafft, dieses Niveau durchgehend aufrecht zu halten.
Jürgen Seibold/27.04.2018

Die Hexenholzkrone 1: Der letzte König von Osten Ard 1 – KAUFEN BEI AMAZON