Jon Evans: Tödlicher Pfad

Originaltitel: Trail of the Dead
Übersetzung: Bela Stern
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

In einem verlassenen Dorf am Annapurna-Massiv in Nepal entdeckt Paul Wood die Leiche eines ermordeten Trekkers, der obendrein brutal entstellt wurde: Aus den Augen des Toten ragen zwei Schweizer Armeemesser. Die nepalesische Polizei ist an der Aufklärung des Falles nicht interessiert, da man andere Touristen nicht verschrecken will. Doch für Paul stellt die Entdeckung des Toten ein grauenhaftes Déjà-vu dar: Vor zwei Jahren wurde seine Freundin Laura während einer Backpacker-Expedition in Kamerun auf exakt dieselbe Weise umgebracht. Aber was haben zwei Morde miteinander zu tun, die auf verschiedenen Kontinenten verübt wurden? Über ein Internet-Forum informiert Paul ander Backpacker über den Fall – und erhält eine Antwort von einem anonymen User, der sich “Der Stier” nennt und behauptet, der Mörder zu sein. Zudem geht das Gerücht, ein Serienkiller treibe unter den Rucksacktouristen sein Unwesen. Mit einem Umstand jedoch hat dieser Killer nicht gerechnet: Paul Wood ist Computer-Programmierer und kann anonyme Nachrichten entschlüsseln…

Jon Evans, geboren 1973 und aufgewachsen in Kanada, lebt und arbeitet derzeit in San Francisco. Wenn er nicht gerade auf Reisen ist oder an seinem zweiten Thriller schreibt, verdient er sein Geld als IT-Consultant. “Tödlicher Pfad” ist sein erster Roman.

REZENSION:

Jon Evans, geboren und aufgewachsen in Kanada, lebend und arbeitend in San Francisco. Beruflich IT-Consultant und privat viel auf Reisen.
Paul Wood, Hauptdarsteller in “tödlicher pfad”, geboren und aufgewachsen in Kanada, lebend und arbeitend in San Francisco. Beruflich Programmierer und privat viel auf Reisen.
Ich hoffe hier enden die Gemeinsamkeiten, denn Paul Wood entdeckt auf dem Annapurna-Massiv eine grausam zugerichtete Leiche und versucht, von den Behörden enttäuscht, auf eigene Faust den Mörder zu finden.
Diese Nachforschungen führen relativ schnell zu einem Dialog mit dem Mörder in einem Internetforum. Es entsteht daraufhin ein spannendes, gut konsumierbares Katz-und-Maus-Spiel.
Jon Evans fügt in diesem Selbstjustizthriller mehrere verschiedene Elemente glaubhaft aneinander und lässt den Leser an der Jagd und den dazugehörigen Reisen teilhaben.
Die Recherchetätigkeiten Paul Woods werden sehr glaubhaft und nachvollziehbar dargelegt, lediglich die Computer- und Internet-bezogenen Erklärungen könnten für den ein oder anderen EDV-technisch unbedarften Leser etwas kompliziert bzw. langatmig sein.
Übrig bleibt aber auf jeden Fall ein sehr guter Debut-Roman, welcher spannend erzählt ist und die unvermeidliche Selbstjustiz glaubhaft und relativ gut nachvollziehbar offenbart.
Als Fazit zeigt sich wieder einmal, daß echte Freundschaften das A und O im Leben sind.
JS/15.01.2005

Jon Evans: Blutpreis

Originaltitel: The Blood Price
Übersetzung: Bela Stern
Deutsche Erstausgabe Juli 2007
c 2005 Jonathan Evans
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher  Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 478 Seiten / € 14,50

COVER:

Als Paul mit seiner Freundin Talena 2003 im Nachkriegs-Bosnien ankommt, ist ihre Beziehung auf dem Nullpunkt. Doch die eigenen Probleme rücken in den Hintergrund, als klar wird, daß Talenas Schwester Saskia, die sie in der Nähe von Sarajewo besuchen, von ihrem Mann seit Jahren brutal mißhandelt wird.
Talena ist eines klar: Ohne ihre Schwester wird sie das Land nicht verlassen. Da für Saskia eine legale Ausreise unmöglich ist, bleibt nur der Weg über Menschenhändler. So geraten sie an Sinisa, der anbietet, Saskia nach Amerika zu bringen. Er will dafür kein Geld, sondern Pauls Dienste als Programmierer. Für ein dubioses Unterfangen, dessen Ausmaße Paul noch nicht erahnen kann… Eine gefährliche Reise um den halben Globus beginnt.

REZENSION:

Jon Evans konnte bereits mit seinem Debüt-Roman “Tödlicher Pfad” den Leser spannend und fesselnd unterhalten. Sein nun vorliegender, zweiter Roman “Blutpreis” legt dem noch einen drauf.
Abermals fegt der Autor in seiner Geschichte um den halben Erdball und zeigt darin, dass dies seine persönlichen Interessen zu decken scheint – anders könnte man den Detailreichtum und die gut recherchierten Hintergründe auch nicht so virtuos darlegen.
Des weiteren schafft er es nun verstärkt, den Leser zu fesseln und den Spannungsbogen zum Zerreissen gespannt zu halten.
Seine Geschichte verknüpft scheinbar losgelöste Themen, wie z.B. albanische Schmuggler, Drogendealer, Guerillas usw. mit -weltpolitisch betrachtet – lapidaren Problemen einer Ehefrau, die ihren brutalen Mann verlassen möchte, dies aber nur durch eine illegale Ausreise schaffen kann.
Jon Evans steuert seinen Hauptprotagonisten Paul Wood – der nicht nur der ausreisewilligen Saskia helfen will, sondern es dadurch auch gleich mit ganzen Banden aufnehmen muss –  durch eine sehr rasant erzählte, originelle und actionreiche Geschichte, die auch geschickt eingefügte Thrillerelemente nicht vermissen lässt.
Somit hat Jon Evans nicht nur einen erfolgreichen Nachfolgeband kreiert, sondern auch gezeigt, dass er diesem noch gewaltig einen drauf setzen konnte.
Lediglich der unvermeidliche Showdown ist etwas zu lang geraten und die Geschehnisse während des Burning Man – Festivals scheinen sehr übertrieben zu sein und wirken somit für den Leser mehr und mehr unglaubwürdig. Vielleicht gebe ich dem Autor auch Unrecht – ich kenne dieses Festival nicht – aber man muss natürlich für alle Leser glaubwürdig bleiben und ich kann einfach nicht glauben, dass es ein Festival mit ausschließlich “durchgeknallten” Teilnehmern und Besuchern gibt. Hier hätte etwas weniger sicherlich für mehr gesorgt.
Alles in allem bleibt aber ein extrem spannender und interessanter Roman mit gut gezeichneten Figuren, dessen Genuss an das Buch fesselt und den Leser problemlos für einige Stunden eintauchen lässt.
Jürgen Seibold/01.09.2007