Anthologie: Fleisch 6

Vollständige Taschenbuchausgabe 2018
©Eldur Verlag, Aachen
ISBN 978-3-937419-25-1
ca. 196 Seiten

COVER:

Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können. – Den Spruch kennen unsere Altleser schon auswendig. Doch hat er nichts von seiner Aktualität verloren.

Zum sechsten Mal servieren Ihnen ausgewählte deutschsprachige Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod.

In dieser Ausgabe sind die Geschichten allesamt sexuell aufgeladen, wenn nicht gar pornös.

FLEISCH – die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien. Oft kopiert, nie erreicht.

REZENSION:

Als ich meine Rezension zum fünften Band der Fleisch-Reihe schrieb, war ich noch ein wenig irritiert ob der vermehrt auftretenden Horror-Fantasien, die in sexuellen Eskapaden der verrücktesten Art enden. Dies warf ich dabei als leicht negativen Punkt in die Runde, da dieser Umstand im genannten Band für zu schnelle Abstumpfung beim Leser sorgte.
Nun also Fleisch Nummer 6 und wie sollte es auch anders sein: Der Verlag schnappt sich diese doppeldeutige Zahl und schreibt ganz frech SEX auf das Cover. Das Programm wäre somit vorgegeben und mir bleibt nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren und somit darüber hinweg zu sehen.
Fleisch Sex ist wieder vollgestopft mit den kranksten Geschichten, die mir trotz meiner Vielzahl an gelesenen Stories jemals vorkamen. Erneut finden sich 15 Geschichte von teils (mittlerweile) namhaften deutschen Autoren. Gleichzeitig ein schönes Spiegelbild der kommenden Autorengeneration – independent sozusagen.
Mir selbst liegt dieses Werk schon einige Zeit vor – ich habe mich aber bewusst dazu entschieden, diesen Band nicht in einem Zug zu lesen, sondern nach jeder Geschichte eine Pause zu machen, um wieder in den Alltag zu finden 🙂
Teilweise habe ich mir zwar ein wenig zu lange Zeit gelassen, dies lag aber daran, dass ich schlicht die Mitfahrer in der U-Bahn nicht verstören wollte. Mit diesem Werk muss man sich zu Hause eine kleine Ecke suchen und dann hoffen, dass man nach dem Lesen daraus wieder herzukommen in der Lage ist.
Die Geschichte sind durchweg hochwertig und interessant erzählt. Wenn ich diese krankhaften Ideen und Beschreibungen außen vorlasse, zeigt sich eine herausragende Qualität. Somit bleibt auch dies weiterhin Programm: Die Fleisch-Reihe ist eine kunstvolle Darbietung des Möglichen.
Gleichzeitig darf man aber einen eventuell noch unbedarften Leser nicht ohne Warnung auf den Inhalt loslassen – denn jegliche Story trieft vor Wahnsinn, Blut, Perversitäten, Kannibalismus, Folterungen der übelsten Art und noch vielen mehr. Dennoch wird versucht, dies nicht nur zu zeichnen, sondern eben auch in eine nachhaltige Geschichte einzuweben. Dies ist auch nahezu jedem Autor ganz gut gelungen.
Es muss aber auch jedem Erzähler hierin klar sein, dass sie sich von den Menschen mit den weißen Turnschuhen fernhalten sollten.
Alles in allem eine rundum gelungene Fortsetzung – hier mit reinem Fokus auf fleischliche Vorgänge der übelsten Art. Ich persönlich würde mir nun für den ein oder anderen Band wieder eine kleine Rückbesinnung zum eigentlichen Horror wünschen. Wie bereits bei Band 5 gesagt, stumpft man etwas ab – lösen lässt sich dieser Umstand nur durch den einzelnen Genuss einer Story, einige Tage Pause und dann der erneute Griff zum Büchlein, um die nächsten kranken Erlebnisse lesen zu können.
Volle Punktzahl gibt es dennoch von mir, da diese Reihe für sich alleine steht, der Klientel weiterhin hochwertigen Wahnsinn bietet und das Niveau seit Anbeginn durchgehend hochwertig ist und bleibt.
Jürgen Seibold/09.11.2019

Laufhütte, Andreas: Das ewige Spiel

Deutsche Erstausgabe 07/2019
© Eldur verlag, Aachen
ISBN 978-3-937-41929-9
ca. 188 Seiten

COVER:

Mein Name ist David Riemschneider. Ich bin 48 Jahre alt, 1,85 Meter groß, und ich habe einen Hirntumor.

Mit diesen Worten beginnt eine zunächst gewöhnlich anmutende Schicksalsgeschichte, die aber im weiteren Verlauf zunehmend groteskere Züge annimmt, insbesondere, was die Halluzinationen des Icherzählers angeht.

Und irgendwann stellt einer der behandelnden Ärzte die Frage aller Fragen: Was, wenn das gar keine Halluzinationen sind?

Ist dann aber stattdessen das ganze bisherige Leben Davids eine Einbildung, inklusive seiner über alles geliebten Frau? Die nächtlichen Schreie, die er während seines Klinikaufenthaltes aus einem Nachbarzimmer hört, sagen ihm etwas anderes.

Dieser Roman ist eine hochspannende Mixtur aus Horror, Thriller und Science Fiction. Von dieser gibt es nicht viele, es lohnt sich also auf jeden Fall, einen Blick zu riskieren.

REZENSION:

Es gibt sie wahrlich immer noch: Bücher, die einen überraschen. Bücher, deren Inhalt und Ausgang so ganz anders ist, als man beim Öffnen des Werkes gedacht hatte.
Gut, der Eldur Verlag konnte mich bisher mit einer Vielzahl an Werken überzeugen – dennoch hatte ich keinerlei besondere Erwartung zum oben genannten kleinen Buch.
Andreas Laufhütte ist mir nicht wirklich ein Begriff. Meines Wissens trat er bisher lediglich als Kurzgeschichtenschreiber in besagtem Verlag auf. Seine Teilnahme bei „Fleisch“ kannte ich somit, aber wie so oft bei Kurzgeschichten: Selbst unter Folter hätte ich weder den Titel noch den Inhalt nennen können. Ist doch schon einige Zeit her…
Nun also eine etwa 180 Seiten starke Geschichte, deren Cover ein klein wenig die Richtung vor zu geben scheint.
Beim Lesen stellt man sich dann dennoch die Frage, wer auf die dumme Idee des Covers kam? Hat doch so gar nichts mit der Geschichte zu tun. Nach und nach wandelt sich der Inhalt der gewöhnlich beginnenden Geschichte jedoch – und so langsam öffnet sich das Verständnis für das Bild auf der Vorderseite des Buches.
„Das ewige Spiel“ ist eine absolute Überraschung. Hier ist nichts, wie es scheint. Der Autor schafft es immer wieder, falsche Fährten auszulegen, plötzlich wieder zurück zu kommen, um dann doch wieder komplett wo anders zu landen. Dabei auch noch ohne Rücksicht auf irgendwelche Genregrenzen. Nein, wir treiben haltlos mit und versuchen herauszubekommen, wie denn eigentlich dieser ganze Reigen enden soll.
Das Ende kommt natürlich unweigerlich – bei gerade mal 180 Seiten auch noch viel zu schnell, aber: es ist erneut eine kleine Wendung und man wird nachdenklich und leicht geplättet zurückgelassen.
„Das ewige Spiel“: Bizarr, wirr, irreführend, genresprengend, ergreifend, ab und an sehr verwirrend. Nichts desto trotz ein absoluter Geheimtipp!
Jürgen Seibold/24.08.2019

Anthologie: Fleisch 5

©Eldur Verlag, Aachen
ISBN 978-3-937419-24-4
ca. 195 Seiten

COVER:

Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können. – Den Spruch kennen unsere Altleser schon auswendig. Zu trifft er dennoch.

Zum fünften Mal servieren Ihnen ausgewählte deutschsprachige Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod.

FLEISCH – die Königin der deutschsprachigen Horror-Anthologien. Oft kopiert, nie erreicht.

REZENSION:

Als ich mir den vierten Band der fulminanten und nahezu alleinstehenden Kurzgeschichtenreihe mit dem stilgebenden Namen „Fleisch“ einverleibte, war ich ein klein wenig enttäuscht. Diese Enttäuschung beruhte aber im Nachhinein betrachtet eher auf einem etwas höheren Niveau, denn „Fleisch“ ist nun mal die Königin der grenzenlosen Horrorkurzgeschichten unseres Landes.
Dennoch konnte mich der vierte Band nicht mehr gänzlich überzeugen und ich sah die Serie geistig schon sterbend danieder liegen.
Nun also der fünfte Band und die Gedanken an Band 4 krochen still und leise in den Vordergrund meiner Gehirnwindungen.
Können die neuen 15 Geschichten den etwas schwächeren vierten Band ungebremst beiseite wischen oder reihen sie sich dort ein und wir Leser warten auf den Todesstoß einer sehr beliebten Reihe?
Das Ergebnis lässt sich nur durch den lesenden Selbsttest herausfinden und somit blieb mir nichts anderes übrig, als mich dem fünften Band zu widmen, um mir eine eigene Meinung bilden zu können.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt erneut einige sehr bekannte Namen und – zumindest aus meiner Sicht – wieder einige Neuentdeckungen. Die Länge der Geschichten variiert von knappen 2 Seiten bis zu etwa 20 Seiten.
Moment…
Knappe 2 Seiten? Das ist doch sicher ein Druckfehler…
Nein, das Buch beginnt mit einer Geschichte von Stefan M. Fischer mit dem Titel „Vom Baum abgestoßen“ und hat tatsächlich gerade mal 1,5 Seiten Platz in diesem Buch bekommen.
Mir kam sogleich der Gedanke eines recht bekannten Schriftstellers in den Sinn, der lautete, dass er sehr ungern Kurzgeschichten schreibt, da diese erheblich schwerer umzusetzen sind als Romane mit mehreren hunderten Seiten.
Er erklärte mir dabei auch den Grund und der liegt ganz einfach im Umstand begründet, dass eine Kurzgeschichte innerhalb kürzester Zeit (daher ihr Name) überzeugen, fesseln und mit einer Pointe aufwarten muss.
Nun also ein neuer Fleisch-Kurzgeschichtenband mit einem Opener wie er wohl kürzer nicht mehr möglich ist.
Aber was für ein Start!!! Allein für diesen kleinen Opener hat sich Fleisch bereits gelohnt. Ich habe in meinem gesamten lesereichen Leben noch niemals eine so kurze und dennoch dermaßen intensive Geschichte vor meinen Augen gehabt. Chapeau!
Nun hat mich Fleisch bereits vollumfänglich überzeugt und ich war wirklich auf die folgenden 14 Geschichten gespannt.
Ohne auf jede einzelne eingehen zu wollen, ist Fleisch 5 definitiv wieder ein anderes Kaliber als der Vorgängerband.
Gut, es kann nicht jede Geschichte überzeugen – aber dieses Problem hat wirklich jeder Kurzgeschichtenband; sogar, wenn es ein Band eines Lieblingsautors ist.
Wenn ich aber meine, es kann nicht jede überzeugen, dann fallen mir da höchsten 1 bis 2 Geschichten ein, die mich sprachlich oder geschmacklich nicht zu 100% überzeugen konnten. Aber: keine dieser insgesamt 15 Geschichten war in meinen Augen ein Fehler – nein, jede Geschichte ist grandios und eben ein bis zwei lediglich meinem Geschmack entsprechend nicht ganz „befriedigend“.
Es ist mir immer noch rätselhaft, wo diese ganzen grandiosen Erzähler herkommen. Vielleicht liegt es aber auch nur an dem Umstand, dass ihnen diese Reihe nichts vorschreibt und somit ihren Gedankengängen freie Entfaltung überlässt.
Fleisch 5 ist somit angetreten, meinen hohen Erwartungen gerecht zu werden und hat dabei in voller Linie gewonnen.
Einziges kleines Manko: Auch in diesem Band gibt es sehr viele sexuelle Auswüchse. Nicht, dass mich das stören würde – dennoch wäre mir gepflegter Horror etwas lieber und würde meiner Meinung nach auch mehr hergeben, als der ewige Drang nach sexuellen Befriedigungen und/oder Ausschweifungen mit anschließendem Schwenk zum Horror. Hier sollten die Autoren lieber wieder etwas mehr für das eigentliche Genre tun, da sonst die Gefahr des Abdriftens zu groß werden könnte.
Aber: Das ist nun schon Meckern auf sehr hohem Niveau.
Jürgen Seibold/11.02.2019