Tad Williams: Das Reich der Grasländer 1

Originaltitel: Empire of Grass. The Last King of Osten Ard
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle
©2019 by Beale Williams Enterprise
Für die deutsche Ausgabe
©2020 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94954-4
ca. 664 Seiten

COVER:

30 Jahre herrschten König Simon und Königin Miriamel über ihre Königreiche in Frieden. Aber nun ist die totgeglaubte Nornenkönigin Utuk’ku wiedererwacht, und ein neuer Krieg wirft seine Schatten voraus. In dem riesigen Panorama der Völker von Osten Ard wird es vor allem auf zwei Einzelne ankommen: Prinz Morgan, den unsteten Thronfolger, und Unver, einen stolzen und grausamen Wilden, vom Volk der Graslandbewohner.

REZENSION:

Vorne weg lässt sich schon mal sagen, dass es immer wieder eine Freude ist, wieder nach Osten Ard zu kommen. Immerhin ist die komplette Drachenbeinthron-Saga eine der wenigen Fantasy-Werke, die mit schuld daran sind, dass ich überhaupt Fantasy lese. Es befindet sich somit in der ewigen Riege mit dem Herrn Der Ringe und den Shannara-Bänden von David Eddings.
Für mich war die Drachenbeinthron-Sage ein abgeschlossenes Werk und lange Zeit galt dies wohl auch für den Autor selbst. Immerhin sind ganze 30 Jahre ins Land gezogen, bis er seinen Blick wieder nach Osten Ard richtete. Als in Zuge dessen „Das Herz der verlorenen Dinge“ das Licht der Welt erblickte, war ich ein klein wenig enttäuscht. Es fehlte schlicht der Zugang und insbesondere Simon, dessen Weg ich vom Küchenjungen zum König begleiten durfte, blitzte nur als kleines Beiwerk durch.
Als dann jedoch „Die Hexenholzkrone“ erschien, ließ sich diese Enttäuschung ohne jeglichen Einwand beiseiteschieben und der erneute Weg in ein spannendes Osten Ard öffnete sich umfangreich vor meinen Augen. Erneut schaffte es Tad Williams grandios seinen Leser zu überzeugen.
Nun wurde „Das Reich der Grasländer“ veröffentlicht und erneut stellte ich mir die Frage, ob die Geschehnisse in Osten Ard weiterhin dieses Niveau halten können.
Das Werk ist erneut aufgrund des Umfangs in zwei Bände geteilt – dies führt natürlich dazu, dass der erste Band in seiner Erzählung ein klein wenig absinkt und mit dem berühmten „Luft holen“ beginnt, diese aber nicht mehr herauslassen kann, da dafür eben Buch 2 zuständig sein wird.
Die Erlebnisse sind abermals interessant, detailreich aufgebaut und sorgen für eine sehr hochwertige, fantastische Unterhaltung. Gleichzeitig entstehen ein wenig zu viele Längen in diesem Werk, wie man sie von einem Tad Williams üblicherweise eher nicht kennt. Natürlich ist es hochwertige High-Fantasy – dennoch innerhalb seines ersten Bandes erheblich schwächer als die Geschichte in „Die Hexenholzkrone“. Es ist auch weiterhin schön, sich nach Osten Ard zu begeben – die Story wird auch bestimmt im Laufe des zweiten Bandes anziehen und sich dem Finale zuwenden. Dennoch ist es schon jetzt schade, dass das vorhandene Flair nicht mehr zur Gänze erreicht werden kann.
Dies alles klingt schlimmer als es soll und ist wahrlich ein Jammern auf sehr hohem Niveau, denn auch „Das Reich der Grasländer“ ist ein gelungenes Werk und schafft es trotz mancher Langatmigkeit zu Überzeugen. Es muss sich aber selbstverständlich auch seinen eigenen Vorfahren stellen und diese (insbesondere „Drachenbeinthron“) stehen auf einer erheblich höheren Stufe. Ich freue mich jetzt erst einmal auf die zweite Hälfte und bin schon ganz gespannt, wie sich Prinz Morgan weiterhin noch so schlagen wird.
hysterika.de/20.06.2020

Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Originaltitel: The Heart of What was Lost
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96144-7
ca. 380 Seiten

COVER:

Nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki flohen die Nornen hinter die schützenden Mauern ihrer Burg Nakkiga im Norden, um dort erneut Kräfte zu sammeln. Viyeki, ihr Herresvormann, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Volk vor der endgültigen Auslöschung durch Herzog Isgrimnur und seinen Truppen zu retten. Den Truppen Isgrimnurs haben sich zwei einfache Soldaten angeschlossen, Porto und Endri, deren Freundschaft angesichts der Grausamkeit der Kämpfe auf eine harte Probe gestellt wird. Und unter den Elben spielt ein Amulett eine immer wichtigere Rolle: Es trägt den Namen „Das Herz der verlorenen Dinge“ und erinnert an das einstige Paradies dieses uralten Volkes.

REZENSION:

Es gibt nicht viele Bücher, die einen Leser noch lange Zeit nach dem Lesen des letzten Wortes noch beschäftigen. Es gibt auch nicht viele Bücher, die man ohne dem geringsten Zucken uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Es gibt auch nicht viele Bücher, die selbst beim großzügigsten Ausmisten von Regalen weiterhin wie in Stein gegossen dort stehen bleiben.
In meinem Fall trifft dies auf die gesamte Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams zu: Immer noch stehen diese wunderschönen Bücher im Regal und werden in unregelmäßigen Abständen liebevoll betrachtet. Weder Umzüge noch notwendige Maßnahmen, um der Vielzahl an Büchern Herr zu werden, konnten ihnen etwas anhaben. Sie stehen da und beglücken einfach mit ihrer Anwesenheit.
Nun hat also ihr höchstpersönlicher Autor ein Buch mit dem sagenhaften Titel „Das Herz der verlorenen Dinge“ geschrieben – das allein wäre noch kein Problem, ist er doch seines Zeichens ein Autor und somit sollte er so etwas auch tunlichst tun. Von irgendwas muss auch ein Tad Williams leben. In diesem Falle legt der Autor jedoch nicht einfach irgendeinen neuen Roman oder eine neue Sage vor, sondern er betritt damit erneut seine damalige Welt: Osten Ard.
Kann das funktionieren? Mehr als zwanzig Jahre sind bereits vergangen. Somit stellt sich nicht nur die Frage, ob ich als Leser den erneuten Zugang zu einer vor langer Zeit gelesenen Welt finde, sondern auch, ob sich der Autor damit überhaupt einen Gefallen machen kann – immerhin ist die Saga um Simon ein in meinen Augen nahezu unerreichbarer Fantasyroman mit allem, was so dazu gehört.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ setzt fast nahtlos an die damalige Sage an und genau dies schien Anfangs mein Problem zu sein. Nur langsam konnte ich in die Geschichte finden. Vor allem, weil mir vom Ursprung lediglich noch im Kopfe hängen geblieben ist, dass Simon nun Herrscher über Osten Ard ist – mir aber partout sonst nicht mehr wirklich tiefgehendes einfallen wollte. Nun lässt Williams aber Simon nahezu außen vor: Man „hört“ nur manchmal, dass er eben der neue, junge König ist.
Es war somit wirklich schwer, in diese Geschichte ein zu tauchen. Nach und nach hat es dennoch funktioniert und erneut blieb mir nichts weiter übrig, als dieser schönen Geschichte zu folgen.
Tad Williams bleibt sich treu und erfreut seinen Leser mit einer gut durchdachten Geschichte und sehr interessanten als auch detailliert gezeichneten Personen.
Nichts desto trotz kommt „Das Herz der verlorenen Dinge“ nicht an seine Vorgänger heran. Aber das ist auch schon ein gewaltiges Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum ist „Das Herz der verlorenen Dinge“ eine doch recht interessant und gut gelungene Nahtstelle zwischen dem Drachenbeinthron und den mittlerweile auf dem Markt befindlichen Werken mit dem Obertitel „Die Hexenholzkrone“, auf die ich mich bereits unwahrscheinlich freue.
Stellt sich schlussendlich die Frage, ob man „Das Herz der verlorenen Dinge“ benötigt: Nun, als Freund Osten Ards stellt sich die Frage gar nicht – einem Neueinsteiger sei geraten, entweder die Hexenholkrone-Bücher zu lesen oder einfach mit dem Drachenbeinthron zu beginnen. Zeitlos sind die Bücher jedenfalls.
Jürgen Seibold/30.11.2017

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