Thomas, F. I.: Glühender Zorn – Krieg der Drachen 1

Originalausgabe November 2017
ISBN 978-3-492-28135-5
©Piper Verlag GmbH, München 2017
ca. 479 Seiten

COVER:

Jahrhunderte sind vergangen, seit sich die Bewohner der Jungen Königreiche von der Schreckensherrschaft der Drachen befreit haben. Sechs Magier gebieten nun über das kostbare Vermächtnis der Drachen, die Zauberei. Doch dieser Orden der Stäbe hegt nicht nur gute Absichten … Denn noch während sie sich auf ihre Große Weihe vorbereiten, finden die Novizen der Ordensmagier Erschreckendes heraus: Statt Tandurin, Dania, Geron, Kyrell, Boltan und Ambra zu vollwertigen Magiern zu machen, wollen ihre skrupellosen Lehrmeister sie töten, um selbst unsterblich zu werden. Gejagt von den mächtigsten Zauberern der Welt, kann den jungen Magiern auf ihrer Flucht nur noch eines helfen: Wissen. Doch je mehr Geheimnisse der Zauberei sie ergründen, desto näher kommen sie einer furchtbaren Wahrheit, die hinter der Magie steckt – und deren Entdeckung die alten Zauberer um jeden Preis zu verhindern suchen. Ein magischer Krieg voller Verrat und Intrigen beginnt. Werden Tandurin, Dania, Geron, Kyrell, Boltan und Ambra ihn gewinnen?

REZENSION:

Ich könnte jetzt abermals zum Philosophieren anfangen, ob die Verwendung eines Pseudonyms wirklich sinnvoll ist. Ich stehe dem sehr zwiespältig gegenüber, da ich gerne wissen möchte, welche Bücher ein mir bekannter Autor veröffentlicht. Wenn zum Beispiel ein von mir geliebter Horrorautor plötzlich einen Heimatroman schreibt, dann würde ich auf Basis einer dann hoffentlich sinnvollen Coverbeschreibung leicht entscheiden können, ob ich einen Genrewechsel lesen möchte. Eventuell kann es dabei sogar sein, dass allein die mir bekannte Qualität eines Autors dazu führt, ein neues Genre kennen zu lernen.
Im vorliegenden Fall handelt es sich ebenfalls um die Verwendung eines Pseudonyms. Ganz ehrlich: Hätte ich nicht gewusst, wer dieses Buch geschrieben hat, hätte es sehr stark sein können, dass ich mich diesem Werk nicht zugewendet hätte. Nachdem das gerade sehr viele „hätte“ waren, merkt man sehr deutlich, dass ich mich dem Glühenden Zorn widmete.
Erneut handelt es sich um einen ersten Band einer Reihe. Mir persönlich wäre es lieber, wenn sich die Zeit so langsam in Richtung Einzelwerke zurückdrehen könnte. Aber das ist Geschmackssache. Sicher ist es wunderschön, immer wieder in eine geliebte Welt abtauchen zu können – wenn ich aber an die Anzahl der bereits begonnenen Fantasywerke denke, stellt sich mir immer wieder die Frage, ob es denn wirklich sein muss. Hinzu kommt die lange Wartezeit, die schon sehr oft dafür gesorgt hat, dass ich in einen Nachfolger einfach nicht mehr richtig eintauchen konnte.
Aber genug Abschweifung in dieser Rezension. Gehen wir zu „Glühender Zorn“: Es handelt sich um den ersten Band des Epos „Krieg der Drachen“ von F.I. Thomas – einem zumeist eher dem Horrorsektor zuzuordnenden Schriftsteller, der hier nun in die Welt der Fantasy abtaucht,
Horror und Fantasy sind meiner Meinung nach nicht unbedingt wie voneinander entfernt. Somit konnte ich mir bereits vor Öffnen des Buches gut vorstellen, dass der Autor auch in diesem Genre seine positive Leistung darbieten kann.
Genau das ist auch geschehen. Anfangs wirkte die Geschichte nach meinem Empfinden noch etwas holprig und es ließen sich nur schwer die Fäden zusammenhalten. Nach und nach löste sich der gedankliche Knoten aber auf. Dies geschieht erfreulicherweise nicht allzu spät – funktioniert bereits recht gut bei dem Punkt, an dem die Novizen erkennen, dass sie wohl Opfer ihrer Meister werden sollen.
An diesem Punkt wird einem auch klar, dass der holprige, nicht rundum greifbare Beginn der Geschichte notwendig war. Die Protagonisten wurden dadurch geschickt als Individuen eingeführt und man konnte sich bereits dort für den ein oder anderen Liebling des Buches entscheiden.
Die Story ist sehr interessant aufgebaut und die grundsätzliche Idee wirkt sehr erfrischend. Die erschaffene Welt ist recht düster, macht aber definitiv Lust auf weitere Erlebnisse.
F.I. Thomas‘ Erzählweise ist – wie in allen seinen Büchern – sehr eingängig und geht ohne große Umwege vorwärts. Die Story wirkt absolut lebendig. Dies, obwohl der Autor nicht haarklein alles Mögliche erklärt und erzählt. Dadurch bleibt einem die Möglichkeit, die eigene Fantasie spielen zu lassen.
Alles in allem ein sehr interessanter Auftakt, der das Interesse nach dem nächsten Band weckt. Erneut würde man gerne einfach nahtlos weiterlesen – aber auch bei diesem Werk kommt als Erstes eine nicht gerade kurze Wartezeit. Ich bin gespannt, ob die Geschichte dann durch den zeitlichen Versatz noch funktioniert, bzw. ob ich mich dann noch an die Begebenheiten des ersten Bandes ausreichend erinnern kann.
Jürgen Seibold/28.09.2018

Ryan, Anthony: Das Erwachen des Feuers – Draconis Memoria 1

Originaltitel: The Waking Fire. Book One oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2016 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmBh, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94974-2
ca. 724 Seiten

COVER:

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen.
Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis zu seinem Rabenschatten-Epos absolut kein Begriff. Sein Lied des Blutes konnte mich aber rundum zufrieden zurücklassen und somit konnte ich bei diesem neuen Start einer Trilogie natürlich nur zugreifen.
DAS LIED DES BLUTES war eine Geschichte, die zwar herausragend erzählt worden ist, dennoch dem normalen Schema eines Fantasyromans entsprach. In seinem aktuellen Werk geht Anthony Ryan auf eine sehr interessante Weise gänzlich anders vor. DAS ERWACHEN DES FEUERS ist zwar ebenso ein Fantasyroman unter Verwendung einer selbst erfundenen Welt. Gleichzeitig aber auch gewürzt mit Steampunkelementen und darüber hinaus eine Piratengeschichte als auch ein Spionageroman.
Diese geschickte Nutzung verschiedenster Elemente unter Verwendung von nur wenigen Hauptcharakteren, macht zwar unglaublich viel Spaß beim Lesen, sorgt aber auch für einen etwas schwierigen Einstieg in die Geschichte. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass bereits der erste Band mit nicht gerade wenigen Seiten aufwartet. Dementsprechend weit holt Ryan aus und dementsprechend detailverliebt lässt er seine Geschichte langsam auferstehen.
Seine verschiedenen Drachenarten und die dazugehörigen Fähigkeiten durch Nutzung des Blutes sind eine sehr interessante Idee, die etwas Neues zum Drachengenre beitragen kann.
Sobald man einigermaßen die Fäden aufgenommen hat, kann man problemlos in die jeweiligen Erzählstränge abtauchen und sich dem reinen Genuss widmen.
Erneut erzählt Ryan literarisch hochwertig – etwas stärker sogar, als in seiner Rabenschatten-Trilogie – wodurch es unbedingt notwendig ist, immer konzentriert dabei zu bleiben. Nach und nach öffnet sich aber sein erzählerischer Fluss und es wird immer einfacher den weiteren Erlebnissen der Protagonisten zu folgen.
Es bleibt einem nach dem holprigen Start plötzlich nichts anderes mehr übrig, als dem weiteren Fortgang der Geschichte ungebremst zu folgen.
Anthony Ryan hat bereits sein Talent bei seiner Rabenschatten-Trilogie bewiesen – erstaunlich, dass er hier noch einen draufsetzen kann.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Roman mit einer Vielzahl an erfrischenden und neu wirkenden Ideen. Man kann nur noch gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Band 1 wirkt ja beinahe – bis auf wenige Ausnahmen – wie ein abgeschlossener Roman. Aber wie man weiß, sollen ja noch zwei weitere folgen…
Jürgen Seibold/08.04.2018

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Perplies, Bernd: Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer

©2017 Bernd Perplies
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490205-0
ca. 376 Seiten

COVER:

In der Stadt Skargakar, an den Gestaden des geheimnisvollen Wolkenmeeres, leben die Bewohner von der Jagd auf Drachen, die es in den dunstig weißen Weiten jenseits der großen Klippe in schier endloser Zahl gibt. Auch Lian trägt seinen Teil bei. Als Kristallschleifer verarbeitet er magische Kyrilliane, die die Flugschiffe der Jäger in die Lüfte heben. Eines Tages jedoch macht sich Lian einen gefährlichen Mann zum Feind und ist gezwungen, aus Skargakar zu fliehen. In seiner Verzweiflung heuert er auf dem erstbesten Flugschiff an, dessen Kapitän ihn mitnimmt. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt: Denn Adaron, der fanatische Kapitän der Carryola, jagt nicht irgendwelche Drachen. Sein Ziel ist der Urdrache Garganthuan selbst, ein Geschöpf der Legenden – und er ist bereit, für diese Jagd alles zu opfern.

REZENSION:

Bernd Perplies führt uns in seiner ersten Reise ins Wolkenmeer in eine fantastische Welt, in der Drachen die hauptsächliche Rohstoffquelle darstellen. Dementsprechend angesehen sind die Drachenjäger, die sich in ihren fliegenden Schiffen den Gefahren bei der Drachenjagd entgegenstellen.
Der junge Kristallschleifer Lian muss aus Sicherheitsgründen die Stadt verlassen und heuert aus diesem Grund ohne groß nachzudenken auf der Carryola an.
Wie sich dabei herausstellen sollte, besteht der einzige Antrieb des Kapitäns Adaron auf der Jagd nach einem der größten Drachen die es überhaupt gibt. Sein persönlicher Ansporn ist dabei nichts weiter als pure Rache: Hat doch dieser Drache vor langer Zeit seine Lebensgefährtin getötet.
Bernd Perplies ist etwas gelungen, worauf ich immer hoffe, es aber nicht oft vorkommt: Er hat mich überrascht! DerDrachenjäger ist eine rundum gelungene Geschichte mit einem atemberaubenden Setting und wunderbaren Figuren. sowohl Personen als auch Drachen.
Jede einzelne Seite ist pure Unterhaltung und man erkennt auch durch und durch die Hommage an den alten Litertaurklassiker MOBY DICK. Erstaunlich, wie es der Autor nahezu problemlos schafft, aus Ahab Adaron zu machen, aus Moby Dick den Drachen Garganthuan entstehen zu lassen. Dabei jedoch ohne eine platte Kopie des Klassikers zu generieren.
Der Drachenjäger ist eine wahrhaft rundum gelungene Fantasygeschichte, deren Sog ich mich schlichtweg nicht entziehen konnte und das Buch nahezu ungebremst verschlungen hatte. Perplies Schreibstil ist sehr zügig und eingängig. Dabei auch recht simpel und vollgepackt mit atemberaubenden Ideen. Er verliert dabei jedoch niemals die Story aus dem Auge und führt uns ungebremst zu dem von ihm geplanten Ende.
Der Drachenjäger ist natürlich erst der erste Band einer neuen Reihe – ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie Perplies weiter vorgehen wird, denn das Thema Moby Dick ist abgehandelt und die Erwartungshaltung nach Genuß dieses Buches von meiner Seite aus bereits sehr hoch angesiedelt. Ich hoffe wirklich sehr, dass er mich auch weiterhin so positiv überraschen kann.
Der Drachenjäger ist jedenfalls eine absolute Empfehlung wert und ich freue mich schon sehr auf den Weltenfinder.
Jürgen Seibold/04.03.2018

Der Drachenjäger – Die erste Reise ins Wolkenmeer: Roman (Die Reise ins Wolkenmeer)

Markus Heitz: Drachengift

Drachengift©Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2016
ISBN 978-3-492-70353-6
ca. 560 Seiten

COVER:

Sie sind die Mächte des Feuers. Sie bringen Tod und Vernichtung über die Welt. Doch Silena und ihre Gefährten schlagen zurück, um das Überleben der Menschheit zu sichern … Mit »Drachengift« eröffnet Markus Heitz die finale Schlacht zwischen den Menschen und den feuerbewehrten Geschöpfen. Silenas Kampf gegen die Drachen geht weiter, allerdings tritt neben dem Officium Draconis und den freien Drachenjägern plötzlich ein neuer Mitbewerber auf den Plan: eine mysteriöse Flugstaffel, die zu einem Chemie-Unternehmen gehört und mit Sprühmitteln gegen die Drachen vorgeht. Und Grigorij benimmt sich zusehends merkwürdiger. Als sei er unter den Bann eines Drachen gefallen …

REZENSION:

»Drachengift« ist der dritte Band einer eher untypischen Reihe. Untypisch deshalb, da Markus Heitz seine Drachen nicht wie zumeist üblich in einer fantastischen und vom Autor selbst erschaffenen Welt aufsteigen lässt, sondern diese sozusagen in unsere eigene, historische Welt einfügt.
Dadurch befinden wir uns im Jahre 1927. Der erste Weltkrieg ist vorbei, Russland ein Zarenreich und Deutschland noch vom Kaiser regiert.
Selbstverständlich lässt Markus Heitz einige historische Begebenheiten beiseite beziehungsweise betrachtet diese nicht. Dadurch kann er seiner Geschichte seinen eigenen, historischen Stempel aufdrücken. Wir befinden uns also in einer teilweise realen und außerordentlich gut recherchierten Vergangenheit, die jedoch – nicht nur durch die darin befindlichen Drachen – dem Fluss seiner Erzählung entsprechend auf interessante Weise »gebogen« wird. Als Beispiel sei der vor der Tür stehende Zweite Weltkrieg genannt. Dieser findet erfreulicherweise absolut keine Beachtung in Heitz`Geschichte.
Bereits im Jahre 2007 schrieb ich eine Rezension zum ersten Band dieser Reihe. Dabei war ich jedoch leider nicht umfänglich von der Geschichte überzeugt. Wie ich meiner damaligen Rezension entnehmen konnte, überzeugte mich das Sittengemälde der 20er Jahre erheblich mehr, als der eigentliche Plot um und über die Drachen.
Ich denke, dies war auch der Grund, warum ich mich dem zweiten Buch – Drachenkaiser – dann nicht mehr widmen wollte. Nun lag jedoch »Drachengift« vor mir und im Zuge eines geplanten Interviews blieb mir nichts anderes übrig, als mich diesem Werk zu widmen. Wie sich dabei erfreulicherweise herausstellen sollte, schaffte es »Drachengift« nahezu problemlos mich an die Seiten zu fesseln. Innerhalb kürzester Zeit erreichte ich das Ende einer sehr interessanten und spannend erzählten Geschichte. Kämpfe, Intrigen, Politik, interessante historische Details: Alles Mögliche war vorhanden und geschickt ineinander verwebt. Das fehlende Wissen des Inhalts von Band 2 störte mich dabei absolut gar nicht. Darüber hinaus kann ich mich nur noch vage an den ersten Band erinnern. Somit scheint der Autor in diesem Werk sehr geschickt alle notwendigen Informationen ausreichend und geschickt eingebaut zu haben, denn weder fehlte mir eine Information, noch fühlte ich mich andauernd an Vergangenes erinnert.
Ergo lässt sich »Drachengift« auch als »stand-alone-Buch« gut lesen und es ist nicht unbedingt notwendig, die bisherigen beiden Bände zu kennen.
Nichts desto trotz blieben einige Fragen offen und ganz besonders die für die Kirche tätig gewordene Archäologin Ulrika Mang spielt zwar eine nette Rolle, dennoch hat ihr Auftreten nicht wirklich etwas mit der Story im Allgemeinen zu tun. Markus Heitz ist ja dafür bekannt, einige Fragen offen zu lassen – möchte er sich doch nicht den Weg zu einem eventuellen weiteren Band nicht verbauen. Und dementsprechend schließt er zwar momentan die Reihe – sein Nachwort lässt aber erneut ein wenig hoffen.
Alles in allem ein absolut unterhaltendes Buch in einer beinahe realen Welt mit intriganten und hochintelligenten Drachen, die noch einiges vor zu haben scheinen.
Mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen.
Jürgen Seibold/14.01.2016
Drachengift: Roman (Drachen (Heitz), Band 3) KAUFEN BEI AMAZON