Michael Dissieux: Richtung Nirgendwo – Melodys Song

©2020 by KOVD Verlag, Herne
ISBN 978-3-96698-607-6
ca. 383 Seiten

COVER:

Drei Jahre war ich unterwegs gewesen, immer auf der Suche nach dem letzten Überlebenden. Ich kam durch Dörfer, die keine Namen mehr trugen, und Städte, die so still wie ein Friedhof waren. Ich begann zu trinken, um die Dämonen zu vertreiben, schrie, um eine menschliche Stimme zu hören und weinte, wenn meine tote Tochter in den Nächten zu mir kam. Drei Jahre blieb ich alleine. Dann sah ich den Rauch am Horizont …

REZENSION:

Michael Dissieux hatte sich spätestens durch seine dystopische Reihe „Graues Land“ in diesem Genre einen nicht gerade unerheblichen Namen gemacht. Eine kurze Suche auf meinem Blog zeigte mir, dass seit meiner letzten Rezension zu einem seiner Titel bereits sagenhafte 7 Jahre vergangen sind und auch das mit Michael Dissieux durchgeführte Interview im Podcast fand bereits im Oktober 2014 statt.
Nun ist mir durch Zufall in den sozialen Medien eine dezente Werbung zu seinem neuesten Werk mit dem Titel „Richtung Nirgendwo – Melodys Song“ aufgefallen. Ein klein wenig ging ich mit mir ins Gericht, da ich kurz das Gefühl hatte, hier fällt einem Autor nichts Neues ein und somit versucht er sich erneut an einer Variante eines dystopischen Romans.
Dem gegenüber stand jedoch meine damalige Meinung zu Michael Dissieux – war er doch in meinen Augen ein sehr einfühlsamer, geschickt zu erzählen wissender und somit begnadeter Schriftsteller. Erfreulicherweise konnte mich dieser Aspekt überzeugen und ich wagte es, meinen Blick in dieses Werk zu werfen.
Auch hier offenbart Dissieux eine postapokalyptische Welt. Die Menschheit ist schlicht nicht mehr vorhanden und wir begleiten als Leser den in der Ich-Form erzählenden, lange Zeit namenlosen Hauptdarsteller auf seiner dreijährigen Reise durch die Staaten.
Unglaublich schnell verliert man sich in dieser Geschichte und selbst bei den kurzen Lesepausen denkt man darüber nach, wie man selbst vorgehen würde, wäre man urplötzlich der vermeintlich letzte Mensch auf diesem Planeten.
Michael Dissieux lässt viele Fragen der eigentlichen Apokalypse unbeantwortet – und wenn ich ehrlich bin, tut das dieser Geschichte auch richtig gut. Man kann sich selbst seine Gedanken darüber machen, um dann jedoch gleich feststellen zu müssen, dass es absolut irrelevant ist und man als letzter Überlebender ganz andere Sorgen mit sich zu tragen hat.
„Richtung Nirgendwo – Melodys Song“ ist ein sehr melancholisch erzählter Roman und bedient sich stark den Gedanken des Protagonisten mit allen seinen positiven und negativen Eigenschaften. Interessanterweise war dies auch der hauptsächliche Grund, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe, bin ich doch aktuell eher auf der Suche nach dem Besonderen und ein weiteres dystopisches Werk mit herumlungernden und mordenden Gegnern hätte mich trotz der eventuellen Action sicher nicht mehr begeistern können. Im Gegenzug dazu konnte mich dieses Buch rundherum begeistern und ich ziehe meinen Hut vor der aufkommenden Kraft zwischen den Umschlägen.
Anfangs dachte ich noch in Kategorien, die dafür sorgten, dass meine gedankliche Vorhersage die typischen Wege dieses Genres einschlug – Michael Dissieux schiebt diese jedoch wie einen zarten Vorhang mit Leichtigkeit zur Seite und lässt uns nicht nur weiterhin nachdenklich sondern auch mit offenem Mund zurück.
„Richtung Nirgendwo – Melodys Song“ ist endlich ein Roman in diesem Genre, der es nebenbei auch noch schafft, dass man sich als Leser tiefgehende Gedanken über das Leben an sich macht und wer zum Ende dieses Werkes unberührt bleibt, der sollte sich Gedanken über seine eigene Psyche machen.
Ein absolut überraschendes Endzeit-Drama, wundervoll erzählt und in seiner Gänze ein Meisterwerk.
Jürgen Seibold/06.04.2020

Michael Dissieux: Die Legende von Arc’s Hill – Die Schwarze Stadt

Arcs Hill - 01 WebBand 1 einer 5-teiligen Novellen-Serie
Deutsche Erstausgabe
© 2014 LUZIFER-Verlag, Bochum
ISBN eBook: 978-3-95835-038-0

Cover:

Wenn man alles verloren hat, was man im Leben als wichtig erachtete, ist es kein leichtes Unterfangen, wieder aus den düsteren Tiefen der Verzweiflung heraus zu gelangen. Noch aussichtsloser erscheint der mutlose Versuch, seinen Geist von der wunderlichen und verlockenden Sehnsucht nach dem Tode zu befreien oder gar zu beschützen.

In London, jener lauten und grellen Stadt, in der Wahnsinn und Hochgefühl an jeder Ecke Hand in Hand gingen, hatte Mike Osmond diesbezüglich keine Möglichkeit gesehen, den schreienden Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und sich aus dem Sumpf von Niedergang und verzehrendem Selbstmitleid zu befreien. Und so zog es ihn nach Arc’s Hill, einer kleinen Stadt im Schoße düsterer Gebirge … nicht ahnend, welch dunkle Geheimnisse dort auf ihn warteten.

Rezension:

Manchmal ist der Sprung von einem Buch in ein anderes wahrlich nicht gerade als leicht zu benennen: Bevor ich mich diesem stark an lovecraftsche Gefilde anlehnende Werk widmete, las ich einen reinrassigen Science-Fiction-Roman. Somit war mir bereits bei den ersten Zeilen dieser neuen Reihe Michael Dissieux’ klar, dass ich nun gedanklich die fernen Galaxien verlassen muss und mich wieder in Richtung meines literarischen Ursprungs bewegen sollte.
DIE LEGENDE VON ARC’S HILL ist eine neue, fünfteilige Reihe des bisher eher als dystopisch auftretenden Autors Michael Dissieux (bekannt besonders durch seine GRAUES LAND-REIHE); der vorliegende erste Band dieser Novellen nennt sich bereits düster bedrohlich DIE SCHWARZE STADT.
Wie bei vielen Novellen, die sich dem Kosmos H.P. Lovecrafts bedienen und sehr oft als Hommage an diesen unerreichten aber leider nicht zu Lebzeiten gebührend gefeierten Autoren, ist auch Michael Dissieux versucht, sprachlich in die Richtung Lovecrafts zu kommen. Bereits vor einiger Zeit las ich eine kleine Novelle, die ebenfalls als Hommage an Lovecraft diente und deren Inhalt auch nicht schlecht war – leider verschachtelte dieser Autor seine Sätze derart, dass sie für heutige Leser regelrecht annähernd unlesbar wurden. Diese Befürchtung hatte ich auch, als ich während eines Interviews mit Herrn Dissieux erfahren habe, dass er eine Lovecraft-Novellen-Reihe veröffentlichen möchte.
Erfreulicherweise schafft Michael Dissieux aber den schmalen Grat zugunsten des Lesers – sicher, die Sprache wird von ihm ein wenig “altertümlich” getrimmt, hierbei jedoch eher dezent und mehr dem Stile Lovecrafts mit dezenter Mischung aus der heutigen Zeit entsprechend. Somit fühlt man sich bereits nach einigen Seiten immer wieder dazu herausgefordert, ob auf dem Umschlag nicht doch ein anderer Autor steht.
Bereits mit Lesen des Namens Charles Ward  – der von Dissieux verwendete, fast allein vorkommender Protagonist – taucht man in die Welt des Lovecraft ein und ich ertappte mich dabei, wie sich meine Gedanken in Richtung “Der Fall Charles Dexter Ward” davon machten.
Die Geschichte selbst ist natürlich erst einmal ein Auftakt – dieser ist aber bereits ausreichend genug gelungen, um dafür zu sorgen, dass ich definitiv die nächsten vier Novellen ebenfalls lesen werde; die SCHWARZE STADT alleine reicht mir als befriedigendes Ende noch nicht aus, machte aber bereits genug Appetit um mehr erfahren zu wollen.
Die Umgebung in dieser Geschichte ist als absolut klassisch zu betrachten, denn man befindet sich in einem kleinen, nebligen Dorf in England mit wissenden, aber schweigenden Bürgern. Darüber hinaus übernimmt Charles Ward ein bereits seit 20 Jahren allein stehendes Haus – allein dies sollte jeden Horrorleser bereits in Habachtstellung bringen…
Näheres möchte ich über den Inhalt der leider viel zu kurzen Geschichte nicht erzählen – außer: Ich warte auf Band 2.
Jürgen Seibold/11.11.2014
Die schwarze Stadt: Horror-Novelle (Die Legende von Arc’s Hill 1) KAUFEN BEI AMAZON

HYS036 – Im Gespräch mit Michael Dissieux

die neue Podcast-Folge:

Michael Dissieux: Graues Land – Am Ende der Welt

Dissieux_Ende© 2014 Luzifer-Verlag Steffen Janssen, Bochum
ISBN: 978-3-95835-000-7 / ca. 250 Seiten

COVER:

7 Jahre später … 7 Jahre nach Mayfield … Die Welt ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, eine stille Hülle, ein Relikt … Wenige Menschen wandeln über diesen unendlichen, von Gott verlassenen Friedhof, noch weniger sind bei klarem Verstand. Das Leben hat seine Werte verloren. Hoffnung ist ein bitteres Wort, bedeutungslos. Daryll ist einer der Überlebenden. Ein Gestrandeter, gezeichnet von Hunger und Furcht. Dennoch sucht er weiter. Er sucht eine Bedeutung in all dieser Sinnlosigkeit … Auf seiner einsamen Reise durch diese verheerte Welt macht er seltsame Bekanntschaften und muss einer schrecklichen Wahrheit ins Auge sehen.

REZENSION:

Nach dem tiefgründigen und zum Nachdenken anregendem ersten Buch der Trilogie mit dem allumfassenden Titel GRAUES LAND, konnte Michael Dissieux auch mit dem Folgeband “Die Schreie der Toten” uneingeschränkt seinen Leser unterhalten.
Nun liegt mit AM ENDE DER WELT der bis dato abschließende Roman dieser Trilogie über den Überlebenskampf in einer tristen, apokalyptischen Welt vor und abermals kennen wir den Hauptdarsteller aus der bereits vorangegangenen Erzählung.
Im Gegensatz zu dem nahtlos an Buch eins anknüpfenden DIE SCHREIE DER TOTEN, beginnt AM ENDE DER WELT erst ganze sieben Jahre später – wodurch Daryll, der Zeitungsjunge aus GRAUES LAND, nun auch schon 20 Lenze zählt und immer noch durch die graue, triste und voll Gefahren steckende Welt wandert, um weiterhin den notwendigen Überlebenskampf an zu nehmen – dabei aber auch gleichzeitig vom eigenen Ende als finale Erlösung zu träumen beziehungsweise gar herbei zu sehnen.
Erneut erleben wir – im Gegensatz zu Band 2 – wie im Erstling GRAUES LAND eine Geschichte, die in ihrer Stimmung eher in sich gekehrt ist und dadurch die depressiv wirkende Welt deutlich mehr an Gestalt annimmt.
Darüber hinaus tauchen wir ab in die Gefühlswelt Darylls, wodurch AM ENDE DER WELT eine ähnliche Intensität ausbreitet, wie bereits GRAUES LAND.
Man befindet sich als Leser dieser Trilogie somit auf einer intensiven, stimmungsvollen Berg-und-Tal-Fahrt – beginnend mit Buch eins, das sich als sehr nachdenklich stimmend und leider endgültige Liebesgeschichte entpuppt, darüber hinaus den Leser am Ende enttäuscht, traurig und ein wenig verzweifelt alleine lässt.
Im Buch zwei driften wir ein wenig in das Tal hinab, da der Autor nach Abschluss des nachdenklich stimmenden GRAUES LAND mehr Wert auf die obligatorische Reise von A nach B legt und dabei ausreichenden Actionszenen die Chance zum Auftritt gewährt.
Bei AM ENDE DER WELT verlassen wir die übliche, leicht vorhersagbare Welt und wenden uns erneut den in sich gekehrten Gedanken eines bereits bekannten Protagonisten zu. Gleichzeitig vergisst Michael Dissieux auch die Action nicht und somit ist der dritte Band mindestens auf der gleichen Stufe wie GRAUES LAND zu sehen, wenn nicht sogar ein klein wenig weiter oben.
Alles in allem schließt sich nun der Kreis und schlussendlich betrachtet kann man diese Trilogie einfach nur noch ohne jegliche Einschränkung empfehlen – und dies, obwohl ich immer noch ein wenig betrübt darüber bin, welches Ende Harvey aus GRAUES LAND nehmen musste.
Jürgen Seibold/17.08.2014
Am Ende der Welt: Roman / Endzeit-Thriller (Graues Land) KINDLE-EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Michael Dissiuex: Graues Land – Die Schreie der Toten

Dissiuex_Schreie© 2012 Luzifer-Verlag Steffen Janssen, Ahlen
ISBN 978-3-943408-30-0 / 284 Seiten

COVER:

Der dreizehnjährige Daryll hat zwei Wochen in einer postapokalyptischen Welt überlebt. Zusammen mit der kleinen Mary Jane machte er sich das Leben so angenehm wie es die Umstände zuließen. Als das Mädchen eines Tages von einer höllischen Kreatur angefallen wird und kurz darauf verschwindet, beschließt Daryll seine Heimatstadt zu verlassen. 

Auf seiner Reise trifft er auf andere Überlebende, wie etwa Murphy, einen alten, kauzigen Mann, die zwölfjährige Demi und Wulf, einen Biker, den der Verlust seiner Familie zu zerreißen droht. Sie alle merken schnell, dass sie die Gefahren, die diese tote, nahezu entvölkerte Welt für sie bereithält, nur gemeinsam bestehen können. Und so beschließen sie, eine Militärbasis an der Küste aufzusuchen, in der Hoffnung auf Hilfe und medizinische Versorgung. Als sie nach einer gefährlichen und aufrüttelnden Reise die Basis erreichen, wird der Gruppe auf brutale Weise vor Augen geführt, dass die Welt sich weitergedreht hat. 
Und dann ist da noch Meg, das Mädchen von der Straße, das die Schreie der Toten hören kann …

REZENSION:

Nachdem uns Michael Dissieux in seinem tiefgehenden Kammerspiel mit dem Titel “Graues Land” sehr depressiv gestimmt verlassen hat, lässt er uns nun erneut an seinen postapokalyptischen Ideen teilhaben.
In DIE SCHREIE DER TOTEN führt er uns nahtlos an GRAUES LAND und webt diese Geschichte weiter.
Im Gegensatz zu GRAUES LAND lässt er seinen Leser dabei nicht erneut an einer zarten Liebesgeschichte in Form eines Kammerspiels teilhaben, sondern eröffnet nun – abermals mit einer reduzierten Protagonistenzahl  – ein nahezu klassisch wirkendes Roadmovie. Durch diese Darbietung fehlt es  in diesem Buch gezwungenermaßen an der Alleinstellung, wie sie GRAUES LAND noch bieten konnte – nichts desto trotz ist weiterhin die Art des Erzählens sehr eingängig und Dissieux verpasst es auch hier erneut keineswegs, seine Personen mit allen Ecken und Kanten vor des Lesers Augen auferstehen zu lassen.
Durch den Roadmovie-Stil ist der zweite Band dieser Graues-Land-Reihe ein wenig vorhersagbar, was aber den Unterhaltungswert keineswegs schmälern kann.
Hinzu kommt, dass der Autor mit diesem band manch Actionliebhaber wieder einfangen kann – war doch Buch 1 eher auf Tiefgang denn auf das Überleben gemünzt.
Ich persönlich finde GRAUES LAND auf Basis seiner intensiven Erzählkraft erheblich stärker – DIE SCHREIE DER TOTEN ist dagegen kurzweilige Unterhaltung, was ja nichts negatives ist.
Lediglich das Ende kam mir ein wenig zu plötzlich um die Kurve und wird dabei leider zu schnell abgehakt. Hier hätte Herr Dissieux sicher noch viel detaillierter und somit ausführlicher vorgehen können.
Durch diesen plötzlichen Schluß blieben bei mir auch einige Fragen offen, deren Beantwortung mich schon sehr interessiert hätte – beispielhaft hierbei hätte der Autor noch erheblich mehr auf die Forschungstätigkeiten Doktor Shoemakers eingehen können. Ohne dies handelte es sich bei der gefangenen “Zombie-Dame” um eine nette Nebenepisode in diesem Buch ohne jeglichen Mehrwert.
Alles in allem ist DIE SCHREIE DER TOTEN trotzdem ein kurzweiliger und sehr eingängig geschriebener Plot, dessen Ende ein klein wenig zu rasant war, man aber sofort nach Schließen dieses Buches zum dritten Band greifen muss.
Bin schon ganz gespannt, womit AM ENDE DER WELT aufwarten wird.
Jürgen Seibold/15.08.2015
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Michael Dissieux: Graues Land

Dissieux_Graues© 2012 Luzifer-Verlag Steffen Janssen, Ahlen
Roman, 276 Seiten
€ 14,95, ISBN: 978-3-943408-03-4

COVER:

Harvey und Sarah führen ein glückliches, ruhiges Leben in den Bergen. Als Sarah erkrankt, kümmert sich der alte Harv liebevoll um seine Ehefrau.
Doch eines Tages hat sich etwas geändert in der Welt da draußen. Es beginnt damit, dass die Fernsehsender kein Programm mehr ausstrahlen, dann fällt die Stromversorgung aus, auch das Telefon verstummt. Ein grauer Schleier umhüllt das Land. Eine trügerische Stille liegt über den Feldern, über dem Haus.
Des Nachts glaubt Harvey, Kreaturen ums Haus schleichen zu hören. Und die kurze Begegnung mit einer jener Kreaturen im Garten bringt die schreckliche Gewissheit, keiner Einbildung erlegen zu sein.
Harvey beschließt, in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit der Welt geschehen ist. Und so steigt er in seinen rostigen Van und fährt hinüber zu seinem alten Freund Murphy, der ein paar Meilen die Straße hinab ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Doch dieser scheint bereits dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein …

REZENSION:

Wenn man die Geschichte des Grusel- oder Horrorgenres – egal, ob aus literarischer oder filmischer Sicht – betrachtet, erkennt man sehr schnell, dass hier im Laufe der letzten Jahrzehnte immer auch diverse Ängste verarbeitet worden sind. Man denke hierbei zum Beispiel einfach mal an die ganzen Filme der 50er Jahre, die in diesen Genre sehr häufig auf atomare Ursachen eingegangen sind – und hier sehr stark den damaligen Sorgen Rechnung trugen.
In der jetzigen Zeit stellt sich mir nun die Frage, ob ich mir so langsam Sorgen machen sollte, da sich das Horrorgenre momentan sehr stark der Apokalypse zuwendet und dies durch Zombieromane, Überlebende, postapokalyptische Begebenheiten, allumfassende Kriege ihre Ausprägung findet.
Michael Dissieux legt nun mit GRAUES LAND einen weiteren Roman innerhalb dieses Genres vor. Im Gegensatz zu seinem sehr spannenden Werk „Die Saat der Bestie“ begleiten wir aber nicht eine Person anhand eines Roadmovies durch die zerstörte Welt, sondern lernen Harvey kennen, der sich aufopferungsvoll um seine darniederliegende Frau kümmert und sich somit nicht von A nach B durchkämpft, um weitere Überlebende zu finden.
Durch diese Eingrenzung lässt Michael Dissieux uns sehr stark an den persönlichen Gedanken Harveys teilhaben. Hierdurch entsteht eine durchweg persönliche Dramaturgie, die einerseits höchst interessant, anderseits auch äußerst depressiv wirkt.
Selbstverständlich kommen noch einige wenige Protagonisten hinzu – nichts desto trotz handelt es sich überwiegend um das persönliche Empfinden der Hauptfigur, dessen Liebe zu seiner Frau das Hauptthema dieses Buches zu sein scheint.
Seine Hilflosigkeit in dieser ausgerotteten Welt zieht sich komplett durch das gesamte Werk und man hofft beinahe, dass nun etwas Action Einzug findet, damit man wieder ein wenig Abstand zu Harvey gewinnen kann.
Leider lässt der Autor dies – bis auf wenige Begebenheiten – nicht zu und somit bleibt man als Leser an diese depressive Episode einer Person gefesselt.
Aufgelockert wird das Ganze lediglich ein klein wenig durch den vermeintlichen Rettungsversuch seines Sohnes, der mit seiner Enkelin per Hubschrauber den Weg zu Harvey aufgenommen hat.
Hierbei sind einige wenige Punkte ein klein wenig fragwürdig erzählt, da man sich selbst die Frage stellt, warum sein Sohn so lange auf sich warten ließ. Hinzu kommen einige von seinem Sohn erzählte Begebenheiten, bei denen man glaubt, anders reagiert zu haben, sollte man so etwas erleben müssen.
Darüber hinaus wundert man sich ein wenig über Harveys Freund Murphy, der einen Lebensmittelladen sein eigen nennt, jedoch nur seine Wohnung einbruchssicher verbarrikadiert – dumm jedenfalls, da die mutierten Menschen diesen verwüsten und er somit nichts mehr zum Beißen hat.
Diese kleinen Fehlpässe konnten bei mir aber den Genuss dieses Buches nicht mehr schmälern und somit pflügte ich mich von Seite zu Seite, um mehr von dieser eher traurigen Geschichte in mich auf zu nehmen.
Sehr schön fand ich den durchgehenden Verweis auf einen Satz meines Lieblingsautors (Die Welt hat sich weitergedreht), welcher sich wie ein zarter Faden von vorne bis hinten in das Buch legt.
GRAUES LAND ist somit kein typischer Roman dieses Genres, da er Freunde der blutigen Action sicher nicht leicht überzeugen kann – wer aber (mal abgesehen von kleinen Unstimmigkeiten) einen dystopischen Roman der etwas nachdenklicheren Art lesen möchte, ist hiermit bestens beraten.
Mir hat er außerordentlich gut gefallen und ich freue mich bereits auf den Folgeband – und dies, obwohl ich den Schluss von GRAUES LAND fast ein wenig zu traurig fand. Ich war jedenfalls davon etwas überrascht, da es ein eher untypisches Ende ist – höre nun aber auf, da sonst die Gefahr besteht, hier etwas zu offenbaren.
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Michael Dissieux: Die Saat der Bestie

Dissieux_SaatBestie Webseite(1)Roman, 256 Seiten
Taschenbuch, Broschur € 13,95,
ISBN: 978-3-943408-16-4

COVER:

Was passiert, wenn einer der letzten Menschen auf der Erde ein schizophrener Psychopath ist? Und wie groß ist die Chance, eine Begegnung mit ihm zu überleben?
David glaubt, dass er der einzige Überlebende der Apokalypse ist. Die Stadt gehört ihm. Sein Leben ist geprägt von alltäglicher Routine, schmerzvollen Erinnerungen und der Musik von Neil Young.
Als eines Tages Samantha in seine Stadt kommt, erwacht die Bestie in ihm …

REZENSION:

Michael Dissieux war mir als Autor bisher absolut kein Begriff – ich bekam diesen Namen nur durch dezente Werbemaßnahmen des Luzifer-Verlages mit, der ja durch diverse Tätigkeiten wohl doch schon recht eng mit Hysterika verbunden ist.
Als “Die Saat der Bestie” zu einem Sonderpreis bei Amazon beinahe verschenkt worden ist, griff ich kurzentschlossen zu und vermied den Weg nach einem etwaigen, kostenlosen Rezensionsexemplar – viel zu sehr hatte mich der Inhalt interessiert und die Preispolitik des Verlages tat nur noch ein übriges (ein eBook ist erheblich günstiger als das gedruckte Werk) und schon klickte ich auf den Beschaffungsbutton, mein Konto wurde angezapft und das Buch lud sich auf mein Lesegerät.
Ab diesem Augenblick war es beinahe um mich geschehen – wir tauchen in “Die Saat der Bestie” in eine apokalyptische Welt ein, bei der man durchweg das Gefühl hat, das diese nicht wirklich weit von aktuellen Gegenwart entfernt zu sein scheint. Durch diesen kleinen Kniff des Autors fühlt sich die von Menschen bereinigte Welt beinahe noch ein wenig dramatischer an als bei Romanen, die irgendwo in der fernen Zukunft spielen.
Nun begleiten wir die taffe Samantha auf ihrem Weg durch diese düstere Welt, die durch das Fehlen von weiteren Lebewesen eine ganze Zeit lang nicht wirklich allzu bedrohlich wirkt.
Nun, natürlich kann es nicht nur Samantha als letzten Bewohner geben und somit lernt sie einen ganz netten Menschen kennen, mit dem sie einige sehr schöne Stunden verbringt, bevor sie sich wieder auf den Weg macht.
Ab diesem Augenblick beginnt das wirkliche Grauen für Samantha und man wird als Leser nur noch durch die weiteren Geschehnisse gejagt.
Erfreulicherweise hatte ich die Geschichte ohne Kenntnis der oben genannten Coverbeschreibung kennenlernen dürfen – diese ist in meinen Augen ein wenig zu sehr spoilerhaft und ohne sie wird man als Leser ein wenig unerwarteter in die weiteren Geschehnisse hineinkatapultiert.
Nichts desto trotz ist DIE SAAT DER BESTIE ein durchweg interessanter, spannender und glaubwürdiger Roman eines für mich recht neuen Autoren, der geschickt erzählen kann und somit für eine kurzweilige und interessante Unterhaltung sorgt.
Abermals ein Buch, dessen letzte Seite am Besten so lange wir nur möglich auf sich warten lässt – denn genau dies ist der einzige Negativpunkt an diesem Buch: Es ist irgendwann zu Ende.
Ein durchweg gelungenes Werk mit einer bedrückenden Utopie, wenigen Protagonisten und doch tiefgehender Spannung. Darüber hinaus vergisst der Autor niemals seinen Fokus auf eine detaillierte Beschreibung der notwendigen Motivation eines jeden Beteiligten zu legen und somit ist man als Leser immer durchweg informiert und man kann sehr eng an allen Beteiligten teilhaben und sogar für jeden von ihnen ein wenig Verständnis entwickeln – was einem dann die Saat der Bestie in ihm selbst offenbart!
Ein absolut zu empfehlendes Werk eines Autoren, dessen weitere Veröffentlichungen unbedingt zu beachten zu sein scheinen – sollten diese nur fast so gut sein, reichen sie bereits als erfreulichen Zeitvertreib ohne negativem Beigeschmack.
Jürgen Seibold/04.09.2013

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DIE SAAT DER BESTIE – Horror – Thriller KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON