Arthur C. Clarke: Die Stadt und die Sterne

clarke_stadtOriginaltitel: The City And The Stars
Deutsche Übersetzung von Tony Westermayr
© 1956 by Arthur C. Clarke
© 2011 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-53397-4

COVER:

In ferner Zukunft hat sich das Antlitz der menschlichen Gesellschaft radikal verändert. In Diaspar, der riesigen, durch eine Kuppel hermetisch abgeriegelten letzten Stadt auf der Erde, leben die Menschen tausend Jahre, speichern ihre Erinnerungen und werden danach wiedererweckt. Doch als ein Kind ohne Erinnerungen geboren wird und alles hinterfragt, gerät eine scheinbar perfekte Gesellschaft ins Wanken…

REZENSION:

Wir befinden uns in einer sehr fernen Zukunft. Die Menschheit hat sich in einer riesigen Stadt zurückgezogen. Die Menschen haben eine Lebensspanne, die seinesgleichen sucht: Man lebt nahezu tausend Jahre, um dann erneut mit den gleichen Erinnerungen wiedergeboren zu werden. Gesteuert wird dies alles von hochentwickelten Maschinen, wodurch sich die Menschen einfach ihren Interessen widmen können, ohne jegliche Sorgen zu haben.
Ab und an kommt jedoch ein Mensch auf die Welt, dessen Erinnerungen noch nicht gefüllt sind. Bei diesen Menschen handelt es sich um Kuriositäten, die – wie bei uns üblich – alles erst erlernen müssen.
Clarkes Protagonist Alvin gibt sich jedoch mit den vorhandenen Verhältnissen zufrieden – er ist durch und durch wissbegierig und möchte die Welt außerhalb der Stadtmauern kennen lernen.
Hier beginnt sogleich die Stärke Clarkes, der keine Weltraumschlachten aufbaut, sondern seine Geschichten auf ruhige und tiefgehende Art – beinahe sachlich – zu erzählen weiß.
Arthur C. Clarkes Geschichte spielt in einer fernen Zukunft – nichts desto trotz baut der Autor abermals eine visionäre Metapher zu unserer Gegenwart auf. Er zeigt dabei auf sehr philosophische Art und Weise, wie wichtig ein gesunder Wissensdrang sein kann. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und zeigt uns, dass durch Akzeptanz auch Brücken abgerissen werden können.
Man darf dabei nie vergessen, in welcher Zeit Clarke diese Geschichte bereits geschrieben hat. Dadurch ist man manchmal ein wenig irritiert, da Clarke viele Millionen Jahre in die Zukunft geht, jedoch einige technische Errungenschaften teils stehen geblieben sind. Andere wiederum entwickelte Clarke selbst und somit entsteht eine kleine Diskrepanz, wenn man die Geschichte mit der Sichtweise unseres Jahrhunderts betrachtet.
Dies ist aber kein Vorwurf, denn diese Problematik wird jeder SF-Autor haben, wenn man dessen Geschichte mit einem Abstand von 50 bis 60 Jahren betrachtet.
Ich persönlich glaube aber, dass der Ideenreichtum Clarkes trotzdem außerordentlich war und dies eigentlich nicht der eigentliche Fokus der Story sein sollte. Vielmehr ist es – wie bereits erwähnt – eine wunderschöne Geschichte, deren Moral nichts an seiner Notwendigkeit verloren hat. Schade eigentlich, dass sich in diesem Bereich 60 Jahre später fast nichts entwickelt hat.
Alles in allem ein sehr interessanter, ruhiger und nachdenklich stimmender Plot, der noch nichts an seiner Wirkung zu verloren haben scheint.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Die Stadt und die Sterne: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Arthur C. Clarke: Die letzte Generation

Clarke_GenerationOriginaltitel: Childhood’s End
Übersetzung von Else von Hollander-Lossow
Neu durchgesehen und vollständig überarbeitet von Bernhard Kempen
© 1953, 1990 by Arthur C. Clarke
© 2002 des Vorworts by Peter F. Hamilton
© 2003 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
eISBN 978-3-641-10041-4

COVER:

Gigantische Raumschiffe erscheinen über den Städten der Erde. Die Außerirdischen, die “Overlords”, sind den Menschen technisch und moralisch weit überlegen, stehen jedoch ihrerseits im Dienst einer übergeordneten Macht. Sie haben den Auftrag, die Menschheit auf eine höhere Entwicklungsstufe zu führen. Als Erstes verbieten sie gewalttätige Auseinandersetzungen und erzwingen die Bildung einer Weltregierung. Die Overlords halten die Fäden in der Hand – doch sie weigern sich beharrlich, sich den Menschen zu zeigen. Viele Jahre später ist auf der Erde ein neues, utopisches Zeitalter angebrochen. Und es kommt der Tag, an dem sich die Overlords zu erkennen geben …

REZENSION:

Arthur C. Clarkes “Die letzte Generation” mauserte sich problemlos zu einem Klassiker der Science Fiction Literatur und es gibt so gut wie keine SF-Liste, die nicht auch diesen Titel mit aufführen würde.
Man erkennt auch in einer Vielzahl danach entstandener Werke und Filmen als auch Serien, dass eine nicht unerhebliche Zahl an kreativen Köpfen sich von diesem Werk beeinflussen ließen.
Arthur C. Clarkes Geschichte ist aus dem Jahre 1953 – zeigt aber sehr deutlich einen sehr philosophischen Wunsch des Autors nach einer besseren und friedvollen Weiterentwicklung der Menschheit. Über 60 Jahre später scheinen wir noch immer keinen Schritt näher gekommen zu sein. Im Gegenteil: Auf der einen Seite huldigen wir Menschen diversen technischen Errungenschaften und vergessen dabei den Blick auf das Wesentliche und auf der anderen Seite scheinen gewalttätige und herrschsüchtige Vorgänge keinen Millimeter näher an ein ruhiges und friedvolles Miteinander gerückt zu sein.
Man könnte in Clarkes Werk die Aliens auch als eine Gottheit betrachten, die uns den richtigen Weg weisen und dabei sehr sachte vorgehen. Stellt sich natürlich die Frage, warum wir Menschen nach einer höheren Macht streben, die uns den richtigen Weg weisen soll: Ist dieser doch vom Prinzip her absolut offensichtlich und könnte mit etwas weniger Machthaberei auch nach und nach erreicht werden.
“Die letzte Generation” lässt einen sehr viel über aktuelle Begebenheiten philosophieren und allein dadurch erkennt man bereits den Wert dieser Geschichte – hat sie doch immer noch kein Jota an Glaubwürdigkeit bzw. visionärer Überzeugungskraft verloren.
Eine Geschichte, deren Sog man sich schlichtweg nicht entziehen kann und die allein durch ihre erzählerische Stärke den Leser überzeugt. Sicher, es befinden sich Raumschiffe über den Städten und man denkt sogleich an Schlachten und Explosionen a’la “Independence Day” – “Die letzte Generation” stand dafür zwar sicherlich Pate, jedoch befinden wir uns in einer ruhigen aber tiefgehenden Erzählung.
Alles in allem ein echter Klassiker der SF-Literatur mit sehr vielen philosophischen Anregungen, die einen noch länger darüber Nachdenken lassen.
Jürgen Seibold/17.07.2016
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