Susanna Clarke: Piranesi

Originaltitel: Piranesi
Aus dem Englischen von Astrid Finke
©2020 by Susanna Clarke
©2020 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Karl Blessing Verlag, München
ISBN 978-3-89667-672-6
ca. 269 Seiten

COVER:

Ein riesiges Gebäude, in dem sich endlos Räume aneinanderreihen, verbunden durch ein Labyrinth aus Korridoren und Treppen. An den Wänden stehen Tausende Statuen, das Erdgeschoss besteht aus einem Ozean, bei Flut donnern die Wellen die Treppenhäuser hinauf. Das Obergeschoss ist das Reich der Vögel und der Wolken.

In diesem Gebäude wohnt Piranesi. Er hat sein Leben der Erforschung dieser bizarren Welt gewidmet. Angeleitet von seinem einzigen Freund, einem Wissenschaftler, will er ein Geheimnis lösen, das vor langer Zeit verlorenging. Und je weiter sich Piranesi in die Zimmerfluchten des Gebäudes vorwagt, desto näher kommt er diesem Geheimnis.

REZENSION:

PIRANESI ist eines der wenigen Bücher, die ich mir aufgrund der geschickt konstruierten Covergestaltung ausgesucht hatte. Ich konnte mich dieser Darstellung schlicht nicht entziehen und dementsprechend stieg das Interesse, was sich wohl zwischen den Buchdeckeln befinden mochte.
Gleichzeitig möchte ich darauf hinweisen, dass mir weder Susanna Clarke noch der Bestseller „Jonathan Strange & Mr. Norrell“ ein Begriff war und auch weiterhin ist. Somit konnte ich mich dem vorliegenden Buch ganz unbeeindruckt von anderen Einflüssen widmen.
In PIRANESI begleiten wir den Namensgeber auf seinen Streifzügen durch endlose Räume. Diese wirken durchweg interessant und man fragt sich recht schnell, was sich wohl im nächsten befinden möge. Ab und an trifft Piranesi eine weitere Person, die er als Propheten sieht. Diese Person bleibt recht wage in ihrer Darstellung und man fragt sich als Leser recht schnell, welchen Sinn dieser unregelmäßige Auftritt wohl inne hat.
Das Buch hat unglaublich viele Stärken – gleichzeitig sind diese für manchen Leser auch Schwächen des Werkes, da sich das „Herumstöbern“ doch recht umfangreich hinzieht und keine neuen Erkenntnisse mit sich bringt. Dennoch wollte ich das Buch – trotz der immer wiederkehrenden Gedanken nach einem frühzeitigen Beenden – unbedingt zu seinem Ende führen, da ich mich einfach nicht mit gutem Gewissen vom weiteren Lesen abhalten konnte.
Interessanterweise führte das zu einem eher wohlwollenden Gedanken am Ende des Werkes, da die Geschichte in ihrer Gänze einen interessanten Schwenk vorbereitet und manchen Leser mit seinem kuriosen aber sehr interessanten Ende doch für sich überzeugen kann.
Die Auflösung ist auch durchweg gelungen und lässt einen leicht nachdenklich und noch etwas philosophierend zurück. Allein dafür lohnt sich das Lesen – nichts desto trotz verliert das Werk mit Sicherheit viele Leser auf dem Weg dorthin, da dieser definitiv etwas zu langatmig dargelegt ist.
PIRANESI ist ein besonderes Werk, welches mit Sicherheit nicht für jeden geeignet ist. Auch ich zähle mich eher zu dieser Klientel – trotz meine doch eher in Richtung positiv schwenkenden Meinung. Dies liegt an dem Umstand, dass Susanna Clarke es dem Leser nicht wirklich einfach macht, beziehungsweise durch ihre Art des Erzählens sicher nicht jeden für sich einvernehmen kann. PIRANESI ist sehr unkonventionell erzählt – dies schreckt sicher auf dem Weg in Richtung Auflösung viele ab, dies war gleichzeitig der einzige Grund, warum ich mich bis dorthin damit beschäftigt hatte und den langen Weg auf mich nahm
Hysterika.de/JMSeibold/14.03.2021