A. K. Benedict: Die Seelen von London

Originaltitel: Jonathan Dark or the Evidence of Ghosts
Aus dem Englischen von Alice Jakubeit
Deutsche Erstausgabe Juni 2017
©2016 by A.K. Benedict
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52055-0
ca. 396 Seiten

COVER:

Die blinde Maria ist Schatzsucherin, sie durchkämmt den Schlamm des Londoner Themseufers nach verborgenen Kostbarkeiten. Eines Tages macht sie einen unheimlichen Fund, garniert mit einer Zeile in Braille-Schrift: “Willst du mich heiraten, Maria?”
Detective Inspector Jonathan Dark ist höchst beunruhigt – er sucht unter Hochdruck nach einem Stalker, der sein letztes Opfer mit ähnlichen Botschaften beglückte, bevor er die junge Frau tötete.
Die Suche nach dem Psychopathen scheint aussichtslos – da wächst dem Kommissar Hilfe aus unerwarteter Quelle zu: Das Bestattungsinstitut in Jonathan Darks Nachbarschaft ist ein Ort, an dem sich Seltsames abspielt. Bestatter Frank scheint mit seinen verstorbenen Kunden in bestem Einvernehmen, hilft ihnen, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden und auf die Lebenden einzuwirken.
Und auf einmal taucht das junge Mordopfer auf – voll schwarzer Rachegedanken …

REZENSION:

“Die Seelen von London” strotzt förmlich voll interessanter Protagonisten. Man fühlt sich relativ schnell angetan von der wunderschönen Idee, einen beinahe normalen Stalker-Krimi mit den in unserer Welt befindlichen Geistern zu verknüpfen.
Die junge Maria wirkt unglaublich dominant trotz ihrer Behinderung. Der Ermittler wartet mit einer Vielzahl persönlicher Probleme auf und steht sich damit ab und an selbst im Weg. Der Bestatter wirkt außerordentlich wissensreich und hilfsbereit. Selbst der Stalker bekommt von der Autorin seine Rolle glaubwürdig übergestülpt und von der hilfsbereiten Taxifahrerin aus der Geisterwelt möchte ich gar nicht reden – eine unwahrscheinlich sympathische Figur.
Nichts desto trotz hatte ich Anfangs ein wenig Probleme, die unterschiedlichen Ebenen greifen zu können. Im Nachgang betrachtet scheint dies vor allem den Absatzwechseln geschuldet, die innerhalb eines Kapitels in der Handlung beziehungsweise Erzählebene springen und man selbst sich gedanklich noch im Absatz davor befand. Vielleicht hätte man hier ein klein wenig mehr machen sollen, als lediglich eine doppelte Zeilenschaltung.
Sobald man jedoch die Vorgehensweise der Autorin in sich aufgesogen hat, eröffnet sich ein guter Krimi mit einer erfrischenden Idee.
Die Verknüpfung von mystischen Elementen mit der realen Welt halte ich sehr oft für eine wunderbare Art, genreübergreifend eine Erzählung zu offenbaren. Sicher, in diesem Werk war dann doch das Ende hierdurch recht vorhersagbar, nichts desto trotz hat mir wirklich jede teilnehmende Person in ihrer Rolle sehr gut gefallen.
Ab und an bekommt man das Gefühl, dass ein wenig mehr detaillierte Zeichnung manch einer Person etwas besser getan hätte – gleichzeitig könnte ich mir aber vorstellen, dass die Autorin hier noch weitere Bücher folgen lassen wird und dadurch hoffentlich mehr personenbezogene Details vom Stapel lässt.
Alles in allem ein recht erfrischender und ausreichend gut gelungener, Grenzen überschreitender Krimi mit interessanten Ideen. Teilweise noch ein wenig holprig in seiner Ausführung, aber dennoch ein Garant, um damit einige unterhaltsame Lesestunden zu haben.
Jürgen Seibold/17.06.2017
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