Abbott, James: Höllenkönig

Originaltitel: The Never King
Deutsch von Ole Johan Christiansen
©2017 by James Abbott
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3199-7
ca. 602 Seiten

COVER:

Die Höllenfest ist ein schreckliches Gefängnis: Auf dem Gipfel eines Berges gelegen, umgeben von einer feindlichen Wildnis, die mit übernatürlichen Gefahren gespickt ist, war es bislang unmöglich, aus der Höllenfeste auszubrechen. Einem Gefangenen muss es nun gelingen: Xavir Argentum, dem gefeierten Kriegshelden von einst. Seit Jahren sitzt er freiwillig in Haft, um Sühne zu leisten für die dunklen Taten seiner Vergangenheit. Als der Meisterspion Landrill die Höllenfeste erreicht und Xavir eine unheilvolle Nachricht überbringt, beschließt der Höllenkönig, sein Schicksal zu wenden. Doch das größte Hindernis ist noch nicht genommen: Xavir muss aus dem Gefängnis entkommen – und ist dabei auf die Hilfe von Mördern, Verbrechern und Schurken angewiesen…

REZENSION:

Bereits nach diesem Satz in der Coverbeschreibung hatte mich das Buch: „Die Höllenfest ist ein schreckliches Gefängnis: Auf dem Gipfel eines Berges gelegen, umgeben von einer feindlichen Wildnis, die mit übernatürlichen Gefahren gespickt ist, war es bislang unmöglich, aus der Höllenfeste auszubrechen.“
Das klingt doch mal richtig nach einem tollen Gefängnisroman. Dann auch noch innerhalb des Genres Fantasy und somit mit allen möglichen, tiefgehenden Gefahren gespickt und durch die Seitenzahl von 600 auch noch detailliert ausgearbeitet.
Das kann doch nur funktionieren, dachte ich bei mir und freute mich auf den Genuss dieses Werkes von James Abbott.
Tja, es tut mir wahnsinnig leid, aber nach 89 Seiten war es vorbei mit dem weiteren Lesen dieses Werkes.
Doch was ist geschehen?
Klappentexte sind dafür bekannt, ab und an etwas zu übertreiben. Dennoch kann man sich zumeist ein einigermaßen gutes Bild über den Inhalt des Buches machen. Ein Klappentext erweckt dadurch gewisse Erwartungen und man möchte sich diesen stellen.

Bei „Höllenkönig“ passt jedoch in Bezug auf diesen Text absolut gar nichts, denn bereits nach 80 Seiten ist der Höllenkönig aus diesem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen.
Natürlich würde ich weiterlesen und auf den Text des Covers einfach verzichten. Leider geht das in diesem Buch nicht, da auf jeder Seite das Gefühl auftritt – und stärker wird -, dass hier ein zwar sehr ideenreicher Autor unterwegs war, dieser sich aber nicht ausreichend Zeit für seine Erzählung gegeben hat.
Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass der bereits 5 Jahre im Knast sitzende „Höllenkönig“ seine Gang leitet und dabei eines Tages ganz locker zu seinem einzigen Erzfeind innerhalb des Gefängnis geht und ihn darum bittet, gemeinsam den Ausbruch zu wagen. Beide durften bisher aufgrund ihres gegenseitigen Hasses nicht einmal gemeinsam in den Gefängnishof – nun ein simples Gespräch und schon agieren sie als Partener? Hallo? Das nimmt keiner ab.
Okay – drücken wir ein Auge zu und gehen weiter: Wir befinden uns in dem sichersten Gefängnis aller Zeiten – aber: auf Seite 80 sind wir schon erfolgreich ausgebrochen? Ach ja, der noch folgende Hexen-Zauber-Sicherheitsgürtel wird auch durch ein nettes Gespräch von den Hexen aufgelöst. Man will den Ausbrechern ja nicht im Wege stehen, hatte der Höllenkönig doch so nett danach gefragt, bzw. ein wichtiges Steinchen dabei, auf das die Hexen schon lange wieder hofften.
Nun, hier passt es einfach nicht – grundsätzlich ein tolle Idee, jedoch zu oberflächlich dargelegt. Der Autor hat viele Ideen, die sicher in einer guten Ausarbeitung den Leser fesseln könnten – leider spielt er damit nicht und lässt alles absolut blass in seiner Aufarbeitung.
Nun, weiter möchte ich gar nicht mehr ins Detail gehen, da es dem Buch nicht wirklich gerecht wird. Vielleicht könnte es als einfachstes Jugendbuch funktionieren – obwohl ich das auch nicht glauben kann, da die Jugendlichen in meinem Leseumkreis oft noch kritischer sind als ich selbst.
Jürgen Seibold/07.03.2019