Hörbücher – eine phantastische Alternative?

Durch meinen Hunger an literarischem Stoff bin ich immer wieder auf der Suche nach sinnvollen Möglichkeiten, meine Lesefrequenz auf geschickte Art und Weise erweitern zu können. Dabei führt natürlich kein Weg an der Möglichkeit des Genusses von Hörbüchern vorbei. Aus diesem Grund machte ich mir hierzu einige Gedanken und versuchte mich als Testkandidat.
Sehr schnell stellte ich dabei fest, dass mittlerweile auch örtliche Bibliotheken oft in der Lage sind, ihren Verleih elektronisch durch zu führen. In der Gemeindebibliothek meines Wohnortes gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, Bücher sowohl wie früher als „echte“ Bücher auszuleihen, als auch diese oder andere als eBook zu bekommen. Gleiches gilt auch für Hörbücher, wodurch für den interessierten eine ganz gute Alternative zu den bekannten Platzhirschen gegeben ist.
Nichts desto trotz schnappte ich mir für mein eigenes Erleben den allseits bekannten Abo-Dienst namens Audible, um mehr darüber zu erfahren und mich der Welt der Hörbücher zu widmen.
Ursprünglich wollte ich diesen Test anhand meiner Bücherei durchführen – leider ist deren Portfolio nicht umfangreich genug auf meine eigenen Genre-Bedürfnisse zugeschnitten. Somit widmete ich mich für einige Monate dem bekannten Anbieter.
Ich möchte hier über meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen schreiben, wenn sich jemand über die Modalitäten schlau machen möchte, dann einfach auf www.audible.de die gewünschten Informationen einholen – so wie ich Audible bisher kennengelernt habe, ist dabei sicher auch ein Probemonat mit im Angebot.

Die übliche Unterscheidung zwischen Buch und Hörbuch möchte ich nicht unbedingt ausführen. Ja, das Buch hat man haptisch in der Hand, das Hörbuch wird einem vorgelesen. Beide Variationen stehen für sich und aus diesem Grund möchte ich keinen schwarz/weiß-Vergleich beginnen.
Nichts desto trotz kommt es beim Hörbuch sehr stark auf den Sprecher an. Ab und an hatte ich schlicht das Problem, dass mir die Stimme des Lesers nicht gefallen hat oder – der Supergau – es fehlte jegliche Emotion und die Geschichte wird wie von einem gelangweilten Schüler, der ein Kapitel eines gehassten Buches vorlesen muss, vorgetragen.
In diesem Fall kann jede Minute gefühlt zu einer Stunde werden.
Komplett auf Hörbücher umsteigen stelle ich mir sehr schwierig vor – wer aber ungern liest, dennoch gerne zuhört, kann in diesem Bereich eine geschickte Möglichkeit finden, sich dennoch mit Geschichten zu befassen. Für einen Vielleser oder Gernleser können Hörbücher nur eine weitere Option anbieten – sozusagen die Lücke füllen, in der man das Buch nicht in der Hand haben kann (Joggen, Autofahren, Gassigehen, …)

Ich höre ja sehr gerne Podcasts an – diese hauptsächlich während dem Spaziergang mit meinem Hund, im Auto auf dem Weg zum Park&Ride – das wars. Ansonsten halte ich Bücher in der Hand: U-Bahn, Bett, Couch, etc…
Nun also statt Podcast das Hörbuch: Geeignete Werke sind schnell gefunden und es kann losgehen. Sehr schnell stellte ich dabei fest, dass meine Aufmerksamkeitsspanne für Hörbücher etwas begrenzt zu sein scheint. Ich lasse mich viel zu sehr von äußeren Eindrücken ablenken. Im täglichen Stau geht es noch am Besten, beim Gassigehen reicht ein kurzer Befehl an meinen Hund und schon habe ich den ein oder anderen Satz geistig verpasst.
Ja, dies kommt auch ab und an im Buch vor (vor allem, wenn einem Nachts beim Lesen die Augen zufallen) – aber in diesem Fall lässt sich halt schnell zurück blättern und noch mal kurz drüber lesen. Diese Funktion auf geschickte Art und ohne Aufwand vermisste ich beim gesprochenen Wort etwas. Bei Podcasts wiederum war mir das egal, da ich hauptsächlich „Laber“-Podcasts anhöre und somit einige fehlende Sätze absolut nichts ausmachen. In Büchern halte ich schlicht jeden Satz für wichtig.
Interessant war ein neuer Blick auf bekannte Werke: Eines meiner liebsten Bücher ist bekanntermaßen Stephen Kings ES – dieses hörte ich mir auf diese Art zum ersten Mal in meinem Leben auf Englisch an. Das Buch kannte ich und wenn ich bei dieser Interpretation mal was nicht mitbekommen hatte, war es mir egal. Hier konnte mir das Hörbuch wahrlich einen Mehrwert bieten. Diese Art des Sprachenlernens vollführte ich dann noch mehrmals – leider ist dabei auch das Phänomen der Konzentration aufgetreten, wenn ich mich einer mir unbekannten Geschichte widmete.
Eines Tages versuchte ich mich einem sehr dicken Science-Fiction-Roman zu widmen. Dieser war sehr kompliziert, wodurch ich keinen richtigen Zugang bekam, da ich nicht ausreichend lange in einem Stück zuhören konnte, um den jeweiligen Faden aufzugreifen. Auch in Büchern ist es sinnvoll, gerade am Anfang mit einer ganzen Stunde zu beginnen. In Hörbüchern hat man durch die eher langsame Vorlesegeschwindigkeit im gleichen Zeitraum natürlich noch weniger Seiten aufgenommen.
Vielleicht lag das aber auch an den Vor-Lesern, denn meine dreimaligen Ausflüge in die Hörspielwelt hielt ich für außerordentlich interessant und ich erinnerte mich stark an frühere Kassettenzeiten. Gut gemachte Hörspiele sind eine sehr gelungene Darbietung, um einer Geschichte eine neue Darbietungsform zu geben. Ich hörte da zum Beispiel „Das Kind“ von Fitzek (sehr gelungene Umsetzung) und die erste Staffel von Monster 1983. Diese könnte aus meiner Sicht etwas spannender sein, war dennoch interessant erzählt.
Eine kleine aktuelle Übersicht über das Hörspielangebot findet sich unter www.audible.de/ep/hoerspiele.
Last but not least widmete ich mich einigen Sachbüchern der lockeren Art. Hier konnte ein Mehrwert generiert werden, da man sich mit dem darin befindlichen Wissen einfach berieseln lassen konnte. Würde ich jeden Monat meine Nase in solche Bücher stecken müssen, wäre das wohl meine bevorzugte Wahl.
Wie man herauslesen kann, schaffte es diese zusätzliche Variante für Geschichten nicht rundherum, mich zu überzeugen – im Gegensatz dazu steht meine Frau: Sie fährt recht lange mit dem Auto und erweiterte den Versuch um eine interessante Option: Neben dem ausschließlichen Hören eines Buches legte sie sich zu aktuell von ihr gelesenen Werken das jeweilige Hörbuch zu. Somit las sie zu Hause im gedruckten Buch, merkte sich das Kapitel und lies sich ab dort beginnend das Buch bis zu ihrer Arbeitsstelle vorlesen.
Diese Möglichkeit führte sie durch die “Onleihfunktion” der Bibliothek durch – ob Audible ähnliches anbietet, müsstet ihr bitte den dortigen Bedingungen entnehmen. Interessant genug klingt diese Variante ja.
Alles in allem können Hörbücher sicher eine Option für den Freund geschriebener Worte sein. Gleichzeitig lässt sich keine Zufriedenheit nach dem Jedermannsprinzip aussprechen und somit kann ich euch nur zum Selbstversuch raten. Prinzipiell aufgefallen ist mir die notwendige Zeit. Fährt man länger Auto als ich mit gerade mal 15 bis 20 Minuten, dann sind Hörbücher eine echte Alternative.

Das phantastische Genre ist schon mal sehr gut vertreten bei genanntem Anbieter. Einfach mal schmökern schadet und kostet nichts.
Ich persönlich halte nahezu sämtliche von David Nathan gelesenen Stephen-King-Editionen erwähnenswert. Darüber hinaus schafften es bei meinem Test folgende Werke mich für sich einzunehmen: Der Schwarm von Frank Schätzing (gelesen von Stefan Kaminski), Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach (gelesen von Volker Niederfahrenhorst), Ready Player One von Ernest Cline (Martin Brose), Hell House von Richard Matheson (Ray Porter), Stephen Kings IT (Steven Weber), The Talisman und The Green Mile beide ebenfalls von Stephen King (Frank Muller).
Wie ich gerade merke, waren es doch einige, die ich ganz gut fand. Gleichzeitig merkt man auch deutlich, das in dieser Art der Darbietung die Geschichte alleine nicht für sich stehen kann – hier ist auch der Mensch hinter dem Mikrofon außerordentlich wichtig, da er Blockbuster-Geschichten durch langweiliges Vorlesen zu Rohrkrepierern machen kann.

Der gute Ordnung halber noch die Information, dass dieser Artikel mit freundlicher Unterstützung von Audible entstand (was keinen Einfluss auf meinen Text, Meinung und Einschätzung hatte).