Jay Kristoff: Nevernight – Die Prüfung

Originaltitel: Nevernight
Aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
©2016 Jay Kristoff
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
(Fischer Tor 09/2017)
ISBN 978-3-596-29757-3
ca. 702 Seiten

COVER:

In einer Welt mit drei Sonnen, in einer Stadt, errichtet auf dem Grab eines toten Gottes, sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere ist sechzehn Jahre alt, und sie kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben die mächtigsten Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio, einem Antiquitätenhändler, großgezogen. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die “Rote Kirche”. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit dem Tag, an dem ihre Familie ausgelöscht wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der “Roten Kirche” machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

REZENSION:

Die Geschichte um Mia hat es mir bereits beim Lesen der Buchbeschreibung angetan. Hier scheint jemand einige nette und neue Ideen aufwarten zu wollen. Dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt dieses recht umfangreichen Fantasy-Schmökers von Jay Kristoff.
Die Handlung seines Werkes ist relativ einfach umrissen: Die Eltern eines jungen Mädchens werden als Verräter hingerichtet bzw. weggeschlossen, das Mädchen musste die Hinrichtung im zarten Alter von zehn Jahren mit ansehen und hat seitdem nur noch einen Gedanken im Sinne: Rache!
Sie wird von einem Antiquitätenhändler aufgenommen, der sich als Mitglied des Assassinenordens “Rote Kirche” herausstellt und ihr die ersten Verteidigungstricks beibringt. Ab einem gewissen Punkt macht sich Mia auf den Weg zur Assassinenkirche und beginnt dort ihre Ausbildung zum absoluten Killer. Ihr Ziel ist dabei weiterhin ihre Rachlust, dennoch hinterlässt die Ausbildung auch ihre Spuren an der 16jährigen.
Die ersten Seiten hatte ich unglaublich viele Probleme in dieses Werk hinein zu finden. Hauptsächlich lag das wohl an der vom Autor in einer unglaublichen Vielzahl verwendeten Fußnoten, die dabei auch noch recht umfangreich geschrieben sind: Teilweise bis zu einer halben Seite und dabei in einer erheblich kleineren Schrift als der eigentliche Storytext.
Man wird dadurch als Leser einfach zu sehr abgelenkt und somit aus der Geschichte heraus gerissen. Nach einiger Zeit beschloss ich für mich, einfach über diese Fußnoten hinweg zu gehen – und siehe da: Ab diesem Augenblick ließ sich diese Geschichte auch flüssig lesen und ich konnte in die Tiefen Mias Welt eintauchen.
Als Gesamteindruck bekam ich zeitweise das Gefühl, bei Nevernight handelt es sich um eine Art Harry Potter für den etwas blutigeren und erwachseneren Geschmack. Insbesondere, da Kristoff wahrlich kein Blatt vor den Mund nimmt und somit seine Geschichte recht “erwachsen” klingt. Der Harry Potter-Vergleich hinkt natürlich ein wenig, dennoch lesen wir hier eine Geschichte eines Mädchens, die eine Ausbildung zu durchlaufen hat. Diese wiederum bildet das Mädchen in verschiedenen Fächern zu einem ausgewachsenen Assassinen aus – sofern sie natürlich die jeweiligen Prüfungen auch überlebt, denn bei dieser Schule werden die nicht so guten Schüler schlicht durch ihren eigenen Tod ausgesiebt, wenn sie eine Prüfung nicht schaffen. Dementsprechend gefährlich sind diese Prüfungen.
Nichts desto trotz entwickeln sich verschiedene Freundschaften und Feindschaften in der “Schule”.
Kristoff baut darüber hinaus magische und mystische Elemente ebenso ein und somit ist für jeden Anspruch etwas vorhanden. Seine Welt ist stimmig dargelegt, sein Schreibstil nach einer gewissen Zeit auch eingängig und flüssig zu lesen, die Fußnoten – wie gesagt – vernachlässigbar.
Sehr interessant auch die Rolle der Nicht-Katze, die im Schatten Mias lebt und sich von ihren Ängsten ernährt – dabei auch mit ihr des öfteren im Gespräch auftritt.
Alles in allem ein wunderschöner und erfreulich anders aufgebauter fantastischer Roman, der mich rundum überzeugen konnte. Darüber hinaus von Zeit zu Zeit auch witzig im Dialog erzählt, dennoch immer mit dem Blick auf die notwendigen Mechanismen, um die Story anzutreiben.
Ein wirklich sehr spezielles Werk und gerade deshalb sehr zu empfehlen. Ich bin auch froh, dass ein Autor vor nichts zurückschreckt und mit einigen Konventionen bricht. Somit auch ein blutiges Werk mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten, das Zeitliche zu segnen. Gleichzeitig eine Enklave, die mit Räumen und Personen aufwartet, die auch den etwas älter gewordenen Harry-Potter-Fan überzeugen kann. Ich denke dabei ganz besonders an die sehr interessante Bibliothek und ihren Bibliothekar.
Kurz gesagt: Ein absoluter Tipp und ich freue mich bereits sehr auf den Folgeband.
Aber: Lasst es doch bitte mit den zwar witzigen, dennoch ablenkenden Fußnoten.
Jürgen Seibold/02-10-2017

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