Anthologie: Blutgrütze 1

© 2016 EDITION NOCTURNO
© der einzelnen Geschichten beim jeweiligen Autor
ca. 175 Seiten / ISBN 9781533420565

COVER:

Die besten Hardboiled-Autorinnen und -Autoren
laden ein zum deftigen 7-Gänge-Menü:
Unappetitlich – widerlich – ekelhaft – einfach nur geil!
Zu Eurer Freude und Unterhaltung!

Torsten Scheib – NÄCHTLICHE BEGEGNUNGEN
Rosa Leber – DIE MUTTER ALLER ABSZESSE
Markus Kastenholz – MEA MAXIMA CULPA
Alisha Godoy – DIE BEDROHUNG
Andreas Ellefred – SCHLÜSSEL ZUR FREIHEIT
Jasmin Krieger – MACARONS SPEZIAL
John Aysa – DIE YONI DER ERDE

BLUTGRÜTZE ist eine neue Anthologie-Reihe, in der die Autoren und Autorinnen keinerlei Zwängen unterworfen sind. Kein Thema, kein Umfang. Sie dürfen „die Sau rauslassen“, wie es ihnen gefällt.
Und das haben sie …

BLUTGRÜTZE
ist absolut kranken, perversen und geilen Inhalts.
Teststudien haben belegt:
Das Lesen kurz vor dem Schlafengehen kann zu Alpträumen, Erbrechen
sowie Inkontinenz führen (hält meist nur wenige Tage an).
Von chronischer Impotenz wurde nicht berichtet, da es den Betroffenen scheinbar zu peinlich war, darüber zu sprechen.
Nicht, dass hinterher jemand behauptet, wir hätten Sie nicht gewarnt …

REZENSION:

BLUTGRÜTZE ist eine neue Kurzgeschichtenreihe mit dem Ansatz, dass es einfach keine besonderen Vorschriften und Themen gibt. Kurz: Der jeweilige Autor darf einfach mal ohne eine Schere im Kopf die Sau rauslassen.
Man könnte jetzt sagen, so etwas gibt es ja schon. Ja, wer kennt nicht die FLEISCH-Reihe, die ähnlich aufwartet. Hier ist es jedoch so, dass auch der Rahmen der Geschichte von einer üblichen Länge gesprengt werden darf. Trotzdem geben sich die beiden Anthologien natürlich die Hand – kommen irgendwie ja auch aus dem gleichen Umfeld.
In Blutgrütze befinden sich lediglich 7 Geschichten. Dieser sind dabei gar nicht einmal so blutig, wie man es sich eventuell vorstellt. Nichts desto trotz lassen sie auch ab und an den Ekelfaktor durchblitzen und nehmen davor auch keine Rücksicht. Gleiches gilt für sexuelle Absonderlichkeiten. Somit sollte man auch hier als Leser kein zartes Fell besitzen – man muss schon mit sowas klarkommen, damit man das Buch nicht plötzlich angewidert auf die Seite legt.
Bei den Geschichten selbst konnte mich nicht jede durchweg überzeugen. Dies ist natürlich in einem Kurzgeschichtenband sehr oft der Fall. Da es sich hier aber nur um 7 Geschichten handelt, finde ich somit leider keine hundertprozentige Überzeugung in mir auftauchen.
Beachtet man dabei jedoch den Umstand, dass es hier der erste Band einer sicherlich noch gut wachsenden Reihe ist, hat der Herausgeber sein Ziel erreicht.
Darüber hinaus halte ich es für außerordentlich interessant, abermals verschiedene Ideen und Schreibstile aufstrebender und schon etwas bekannteren Autoren kennen zu lernen.
Alles in allem ein gelungener Einstieg in eine neu geschaffene literarische Welt ohne jegliche Vorschriften. Allein dieses Konzept ist schon mutig genug und sollte weiter verfolgt werden.
Jürgen Seibold/19.03.2017
Blutgrütze: Unappetitliche Geschichten – KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: Fleisch 3

Fleisch3© Eldur Verlag, Aachen
ISBN: 978-3-937419-20-6
ca. 216 Seiten

COVER:

Warnung!

Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sicher sein, dass Sie einiges verkraften können. Sie könnten hierin Dinge vorfinden, die Sie am liebsten gleich wieder vergessen möchten – aber das wird dann leider nicht mehr möglich sein.

Wieder einmal servieren Ihnen deutschsprachige Horror-Autoren ein extremes Menu aus Fleisch, Blut, Sex und Tod. Der Name der Reihe ist Programm.

Psychisch labilen Persönlichkeiten wird vom Genuss abgeraten!

REZENSION:

Mit „Fleisch 3“ führt der Eldur-Verlag seine erfolgreiche Kurzgeschichtenreihe fort, die mich bereits in den beiden ersten Bänden problemlos überzeugen konnte. Wie so oft, gibt auch diese Anthologie den Autoren ein Thema vor: In Fleisch können sich die Autoren schlicht und einfach austoben.
Erneut ergab sich dabei eine außerordentlich ausgewogene Sammlung an hochwertigen Kurzgeschichten, die absolut nichts missen lassen.
Im Vergleich zu den beiden Vorgängern scheint mir Buch 3 dabei etwas tiefgehender und anspruchsvoller zu sein, da der Fokus ein wenig vom “splatterhaften” Darstellen von Handlungen weggeht und dafür die Geschichten sehr oft eine tiefere Bedeutung in sich tragen. Hierdurch muss man als Leser zwar immer noch jederzeit damit rechnen, dass urplötzlich Blut aus den Seiten tropft – darüber hinaus hinterlässt aber beinahe jede Geschichte eine dezente Moral beziehungsweise die Fragestellung, ob das Gelesene reine Fiktion sein kann oder doch möglich werden könnte.
„Fleisch 3“ ist dadurch jedoch nicht mehr so durchgehend blutrünstig wie seine Vorgänger, was sicherlich den einen oder anderen Fan dieser Reihe ein wenig abschrecken wird.
In meinen Augen ist jedoch der dritte Band mit der Beste in dieser Reihe, zeigt sich der Inhalt doch sehr unterschiedlich, ideenreich und lädt fast immer zum Nachdenken an.
Jede darin enthaltene Geschichte ist eine kleine Perle in sich. Natürlich trifft dadurch manche Story den persönlichen Geschmack etwas besser als eine andere.
Beim Schließen des Buches ist mir dennoch aufgefallen, dass sich darin kein einziger “Blindgänger” befindet. Wie gesagt: Jede Geschichte eine Perle, mal etwas größer, mal etwas kleiner, aber immer einwandfrei unterhaltend.
Die Auswahl des Herausgebers lässt absolut keine Wünsche offen – es werden Newcomer genauso berücksichtigt, wie bereits etablierte Autoren. Dabei zeigte Markus Kastenholz ein geschicktes Händchen in der Auswahl und der Reihenfolge, wodurch das Gesamtpaket nichts zu wünschen übrig lässt.
In meinen Augen immer noch eine der besten Kurzgeschichtensammlungen, die es in diesem Genre gibt und ich hoffe, dass auch in Zukunft noch genug hochwertiges Material zur Verfügung gestellt wird, damit die Reihe noch viele Folgebände aufweisen kann.
Ich werde ihr jedenfalls sehr gerne und mit großer Freude treu bleiben.
Jürgen Seibold/29.05.2016
Fleisch 3 KAUFEN BEI AMAZON

Oliver Schütte, Uwe Voehl (Hg.): Angel Island – Die Halloween-Anthologie

Cover_Angel IslandCover:

Angel Island ist eine beschauliche kleine Insel. Die Einwohner leben seit jeher in Eintracht und Frieden miteinander. Doch an Halloween verändert sich alles. Denn dies ist der Tag, an dem das Böse nach Angel Island kommt.
Acht gruselige Horrorgeschichten in der Tradition von Stephen King, Dean Koontz und Peter Straub.

Rezension:

Im Herbst kehren die Nebel zurück und die Schatten werden länger. Das ist kein Phänomen, sondern ein der Umlaufbahn geschuldeter Gang der Dinge, wenn die dunkle Jahreszeit in den hiesigen Breitengraden eintritt. Aber ich stelle mir dennoch gern vor, es wäre eines und die Zeit des Übernatürlichen würde von diesen Erscheinungen eingeläutet.
Liegt es am alten Aberglauben, dass die meisten Totenfeste ausgerechnet in den Raum des Kalenders fallen, in dem das auch draußen die Blätter an den Bäumen ihnen gleichtun?
Die Welt mag den Anschein erwecken dahinzuwelken, doch die Fantasie wird genau durch diesen angeregt. Anstatt Kälteschauer lasse ich mir lieber welche des morbiden Charmes und der lauernden Horrorgeschichten über den Rücken jagen.
So stellen sich mir im Oktober immer wieder die drei selben Fragen:
Welche Fratze wird in den Kürbis geschnitzt, welches Kostüm getragen und mit welchem Buch sich auf den 31. des Monats eingestimmt?
Jörg Kleudgen, Autor und Frontmann der Band „The House of Usher“, half mir diesmal bei der Beantwortung, indem er mir „Angel Island – die Halloween Anthologie“, herausgegeben von Oliver Schütte und Uwe Voehl, zusandte.
Drehscheibe aller Beiträge des Buches ist die ihm den Titel gebende Insel „Angel Island“, deren Bewohner ein beschauliches Leben führten – bis zur Nacht vom Reformationstag auf Allerheiligen, in der sich die Tore zur Welt der Toten, aber auch die zu der des Bösen, öffnen lassen können.
Genau das ist auch die Thematik der ersten Geschichte „Die Mission des Titus Brown“ von Michael Marcus Thurner.
Die zweite handelt vom Van-Roermond-Filter, einem schwarzen Kristall, dessen besonderer Schliff die Seelen Verstorbener für die Lebenden sichtbar macht. „Prayer´s Rock“ von Malte S. Sembten erinnerte mich etwas an „13 Geister“, bot aber ebenso neuen Stoff durch den schriftstellerisch tätigen Protagonisten, der seine Tochter verloren hatte.
Das dritte Kapitel – „Tommyboy“ von Hendrik Schmitz – behandelt die Abgründe eines Jungen, nachdem dessen Schwester in einen ins Meer gestürzt war. Oder wurde sie gestoßen?
Im vierten treffen wir in „Masken des Hasses“ von Jörg Kleudgen auf einen Gemischtwarenhändler, dem sie an seinem Schaufenster zuerst auffielen – die Kinder in den unheimlichen Verkleidungen. Bald wird aus dieser Begegnung eine Hatz über die Insel und um das Leben des Ladenbesitzers.
„Katharsis“ von Sunny Meury fällt in das Genre der Gothic Novels. Eine junge Frau, ein verlorenes Baby und ein Geistlicher bilden den Rahmen des sich abzeichnenden Bildes, welches sich dann doch in anderen Farben zeigt als man es vermuten würde.
„Banshees weinen nicht“ sticht im Passus aus der Sammlung heraus, wie schon das Psydonym der Autorin – Gritta Graus – vermuten lässt. Sie bedient Klischees, ohne dabei im Ansatz klischeehaft zu wirken. Ihre Mitwirkung würde ich unter Fantasy-Horror mit einem Schuss Tragikkomödie verbuchen.
Der vorletzte Part – „Der Preis“ von Stephan Reinbacher – spiegelt für mich am deutlichsten wieder, dass es Vorgabe war die Beiträge in Manier von Stephan King, Dean Koontz und Peter Staub zu halten. Ort seiner Handlung ist eine Schule, in der die Kinder zu blutrünstigen Wesen werden. Hier wird aus dem Horror schon Splatter.
Am Schluss der Anthologie landen die Leser in den „Mauern von Ronwick Abbey“ und begleiten Jürgen Scheivens Pfarrer Barton auf dessen Mission den Schrecken von der Welt abzuwenden.
Und dann treffen sie wieder hier, bei mir, ein. Mitten im Herbst, mitten im verhangenen Wetter, mitten auf einer ähnlichen Suche nach passender Lektüre für schaurige Abende. Diese kann durchaus mit „Angel Island“ enden …
Erschienen ist die Halloween Anthologie bei Bastei-Lübbe unter der ISBN 978-3-404-17075-3 und erhältlich für € 8,99.
Miriam Stephanie Reese
(Oktober 2015)

Angel Island: Die Halloween-Anthologie (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher) KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: Fleisch 2

Fleisch2© Eldur Verlag, Aachen
ISBN 978-3937419183

COVER:

Auch Fleisch 2 ist wie sein Vorgänger ein kompromisslos abstoßendes Sammelsurium kranker Phantasien. 16 zum Teil sehr bekannte Namen der Horror-Literatur-Szene haben dazu beigetragen. Zur erneuten Achterbahnfahrt der Seele – und bei empfindlichen Personen auch des Magen-Darm-Traktes.

REZENSION:

Lang genug hat es gedauert, bis es einen Fortsetzungsband zu FLEISCH geben sollte.
Wie bereits im Erstling ist hier das Konzept recht schnell erzählt: Autoren, lasst die Sau raus und schei… auf übliche Einschränkungen.
Genau dieses Konzept sorgt dafür, dass die Autoren – eine echte Creme-de-la-Creme der deutschen Horrorlandschaft – kein Blatt vor den Mund nehmen und den Leser somit auf eine blutige und oft auch sexuell angeheizte Tour de Force mitnehmen.
Dabei sei definitiv davor eine Warnung zu beachten: Dünnhäutige Personen sollten unbedingt die Finger vor dem ersten und insbesondere auch dem vorliegenden Band lassen.
Interessanterweise sind die Geschichten durchweg von hohem Niveau – natürlich gibt es die ein oder andere Story, die einem als Leser nicht hundertprozentig überzeugt; interessanterweise kann man aber trotzdem nicht loslassen und somit blättert man trotz hohem Ekel- und Blutfaktor von Seite zu Seite beziehungsweise Geschichte zu Geschichte. Jeder für sich eine Perle, mal mehr mal weniger überzeugend, jedoch im Gesamtkontext ein absolut irrer Kurzgeschichtenband voll mit interessanten Ideen und ausschweifenden Details.
Ich möchte jetzt nicht unbedingt auf jede Geschichte eingehen, da ich ebenfalls dazu gezwungen worden bin, von Story zu Story zu rasen – Ich versuche aber dennoch auf manch eine einzugehen:
Los geht es dabei gleich mit Torsten Scheibs DEMENTIA, welches ganz simpel mit einem Freier auf der Suche nach ein wenig sexueller Abwechslung zu beginnen scheint. Tja, dabei bleibt es nicht, denn der ursprüngliche Grund eine Prostituierte aufzugabeln ist dann doch ein gänzlich anderer…
Sehr überraschende Wendung, die einen schon am Anfang atemlos zurücklässt – Nun, das war dann doch die erste Story und schon geht es mit Peter Lancesters Geschichte aus dem OP weiter. Diese Story ist wirklich schräg – interessanterweise fühlt man sich dann aber urplötzlich dabei ertappt, wie man als Leser plötzlich zu schmunzeln beginnt. Leider fast ein wenig zu kurz, da der darin enthaltene, subtile Witz doch umfassend überzeugen konnte.
Weiter geht es mit der doch recht langen Kurzgeschichte „Der Koch“ von John Aysa, in der detailreich die Entstehung eines mehrgängigen Menüs dargelegt wird. Die Story ist ziemlich unappetitlich – gleichzeitig aber so gut geschrieben, dass man nur noch eine Verneigung vor dem Autor übrig hat. Man muss dabei nur aufpassen, den Gedanken nicht aufzunehmen und dabei hungrig zu seinem Partner zu blicken…
Piper Marous „R“ ist sogleich wieder erheblich kürzer und wir begleiten eine blutige Folterung mit Hintergedanken. In meinen Augen im Vergleich zu den bisherigen ein klein wenig nicht ganz meine Geschichte – aber trotzdem hochwertig in der Umsetzung.
Thomas Williams „Pornozismus“ handelt nun von einem Exorzismus der besonderen Art und wir befinden uns in einer sehr brutalen Geschichte in der sehr packend der Exorzismus nicht nur vollzogen, sondern auch auf Zelluloid gebannt wird. Was genau der Godfather of F… dabei treibt würde hier bei einer Beschreibung nur zu einer fehlenden Freigabe der Rezi bei manch einem Portal ergeben.
Selbstverständlich dreht sich urplötzlich die Situation, da der Dämon ein eigenes Spiel treibt.
Sehr überraschen die Geschichte des Autorenduos Markus Kastenholz/Peter Lancester, die nicht ganz so brutal und blutig wirkt aber sehr genial geschrieben ist und dadurch rundum überzeugen kann.
Sönke Hansen dreht dann als nächstes den irren Show-Wahnsinn mit „Kill the Show-Show“ in ungeahnte Höhen. Diese Geschichte ist sehr erschreckend, da nicht nur kranke Realitysendungen beschrieben werden, sondern auch noch dem Ganzen ein Tüpfelchen auf das kranke „i“ gesetzt wird. Eingängig geschrieben, sicher nichts für jeden, aber dennoch ein klein wenig kritisch, was die Entwicklung der vorherrschenden Medienlandschaft betrifft.
In eine gänzlich andere Welt führt uns Antje Ippensen mit „Welt in Fetzen“. Nun befinden wir uns in der Schule, in der die Schüler durch Medikamentenverabreichung zu braven, willenlosen und stillen Zuhörern gemacht werden. Wie sich herausstellt, zeigen diese Medikamente bei der Hauptdarstellerin keine Wirkung…
„Welt in Fetzen“ ist dabei in diesem Band die Story, die einen wohl am Nachdenklichsten zurück lässt, was aber auch nur für deren Qualität spricht.
In Rosa Lebers „Wunschkind“ begleiten wir eine Ärztin, die unbedingt ein Kind bekommen möchte. Sie holt sich dabei Hilfe und wird tatsächlich schwanger – doch über das, was dann den Weg aus ihrem Körper sucht, möchte ich hier nicht sprechen…
Sehr eklig aber mit einem durchweg gelungenen Stil erzählt. Rosa Leber kannte ich bisher noch nicht – werde ich mir aber zur Sicherheit wohl merken.
Als ich Alisha Godoys „Olga“ zu lesen begann, fragte ich mich Anfangs des Öfteren, wie naiv die Protagonistin ist – aber solche Menschen scheint es ja zu geben…
Jedenfalls versucht sie sich in der fremden Stadt ein wenig Geld nebenbei zu verdienen und landet nach verschiedenen unterschiedlichen Jobversuchen bei einer Food-Company als Testesser. Man ahnt sehr schnell, was sie dabei verzehrt – nichts desto trotz kann man sich auch dieser Kurzgeschichte nicht entziehen, da diese kurz gesagt einfach Spaß macht.
„Audreys Baby“ von Sören Prescher führt uns zu einer knackigen, kurzen Geschichte eines Babysitters, der nach dem Aufwachen plötzlich seinen Schützling vermisst.
Eine grandios erzählte Geschichte, die leider viel zu schnell an des lesers Augen vorbeizieht.
Sehr makaber wird es dann bei Torsten Exter in „Ein Geschenk der Hölle“. Vor der Tür des eigenartigen Hinterwäldlers Damian stehen eines Tages zwei hübsche Schwestern, die eine „Frohe Botschaft“ vermitteln möchten. Ehrlich gesagt, dachte ich zu erst an christliche Klingelputzer, die dann von Damian „verputzt“ werden – ich sollte mich aber irren, da die Geschichte interessanterweise einen ganz anderen Weg zu beschreiten begann. Erneut ein Highlight in diesem Band (wie gesamt betrachtet irgendwie jede…)
Deftig wird es bei Michael Hauensteins „Hammelfleisch“. Hier bereitet sich der Protagonist auf ein Grillfest mit seinen Freunden vor – von Hunger überkommen ist er schon mal vorab etwas von diesem Fleisch, welches – wie sich herausstellen sollte – durch kein einziges Etikett markiert zu sein scheint. Mit einem komischen Gefühl im Magen beginnt eine sehr deftige und brutale Geschichte, die ebenfalls sehr gut erzählt worden ist.
Mit einem Psychopathen konfrontiert werden wir in Peter Lancesters „Sehen sie es ein?!“
Die Protagonistin erwacht gefesselt in einem fremden Bett und schon geht es los mit einer durchweg toll erzählten Rachegeschichte, in der Frau Hildebrandt nun endlich mal etwas einsehen soll.
Peter Lancester konnte mich schon des Öfteren mit seinen Geschichten und auch Romanen durchweg überzeugen – hier ist es definitiv nicht anders.
Ebenso ging es mir bisher bei Markus Kastenholz der hierin noch mit „Jenseits der Gleise“ aufwartet. Diese Geschichte über den allein lebenden Einsiedler Brock, der täglich auf der Suche nach Fundstücken am Bahndamm entlang spaziert, dabei eine Sucht entwickelt, die nicht verstörender sein kann…
Kastenholz ist dabei ein Garant und integriert hier in diesem Band eine schöne Gruselgeschichte, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Sehr interessante und begeisternde Umsetzung.
Als nächstes begeben wir uns in ein Gefängnis, denn Thomas Backus schnappt sich vorherrschende Vergewaltigungsklischees in seiner Geschichte „Frischfleisch“ und lässt uns dabei teilhaben, wie sich sechs Schwerverbrecher an dem Gefangenen Martin vergehen. Selbstverständlich ist es auch hier so, dass nichts ist wie es scheint, denn der unscheinbare Martin birgt etwas in sich, womit die Vergewaltiger schlicht nicht rechnen konnten.
Eingängige und fesselnde Erzählweise und dabei gleichzeitig ein Genresprung. In meinen Augen eine zwar nicht witzig erzählte aber doch witzig wirkende Geschichte, die mich ein klein wenig schmunzelnd zurückließ – Tja, warum nicht einfach mal den Spieß umdrehen?
Darauf folgend eine sehr schnelle Geschichte, denn Cassandra Schwartz gibt einfach mal Gas und schon befinden wir uns in einer wahrlich rasanten, sexuell aufgeladen Geschichte mit dem aussagekräftigen Titel „Gib Gas!“.
Kurzum: Ein Pärchen steigt ins Taxi und verlangt vom Fahrer entgegen jeglicher Straßenverkehrsordnungsvorschriften einfach auf die Tube zu drücken – im Fond des Wagens verlustieren sich dabei die beiden und dabei steigt die Lust mit aufkommendem Tempo des Fahrers, der sich natürlich manchen Blick in den Rückspiegel nicht verkneifen kann.
Eine absolut rasante Geschichte, die einfach nur Spaß macht und deshalb erneut eine absolut überzeugende Story in diesem hochwertigen Band.
Was denkt man nicht oft als kleiner Junge, wenn man dem Mobbing und der Tyrannisierung älterer Mitschüler ausgesetzt ist.
Bernhard Giersche lässt dieses „Kleines Senfkorn“ wachsen und somit trifft der kleine, gemobbte Schüler Jahrzehnte später wieder auf seine Tyrannen. Natürlich hat er sich diesmal bewusst darauf vorbereitet…
Wieder mal eine kleine Racherunde, aus der niemand herauskommt. Geschickt geschrieben und somit befinden wir uns am Ende meiner Rezension, die nun doch urplötzlich auf jede Perle in wenig eingegangen ist.
Ich denke, es ist so gut wie alles gesagt – FLEISCH 2 ist ein würdiger Nachfolger, wenn nicht sogar noch einen Deut besser als der vor Jahren erschienene Erstling.
Wer sich vor absolut nichts ekelt und Geschichten nicht mit tiefgehenden Gedanken unterfüttert, sondern einfach nur mal auf eine andere – teils eklige – Art unterhalten werden möchte, kann hier definitiv nichts falsch machen.
Ich jedenfalls bin sehr froh, dass dies auch gleichzeitig ein Lebenszeichen des vor Jahren sehr aktiven und durchweg überzeugenden Eldur-Verlages ist. Ich freue mich schon sehr auf weitere Veröffentlichungen dieser Perle im Verlagswesen und ziehe auch gleichzeitig meinen Hut vor Markus Kastenholz und Peter Lnacester, die sich diesem Werk nicht nur als Schreiber sondern auch als Herausgeber angenommen haben und dabei ein sehr guten Händchen in der Auswahl der beteiligten Geschichten bewiesen haben.
Chapeau
Jürgen Seibold/16.01.2015
Fleisch 2 KAUFEN BEI AMAZON

Constantin Dupien (Hrsg.): Mängelexemplare – Dystopia

Maengelexemplare-DystopiaAnthologie
© 2014 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
© der Kurzgeschichten bei den jeweiligen Autoren
ISBN 978-944729-41-1
http://amrun-verlag.de

COVER:

Neunzehn Autoren blicken in eine Zukunft, in der die Menschheit am Abgrund steht. Schreckensvisionen, die bald Realität werden könnten …

”Das in der allgegenwärtigen Hitze verdunstende Wasser hatte die Luftfeuchtigkeit bis ins Unerträgliche gesteigert. Metall rostete um ein Vielfaches schneller, als sie es aus der alten Welt kannten. Metallhaltiges Gestein nahm eine rostrote Farbe an. Ein optisches Phänomen, das durch das blutrote Licht einer sterbenden Sonne noch weiter verstärkt wurde, Selbst das den Himmel reflektierende Meer wirkte wie eine an den Rändern überkochende Blutsuppe, die im feinen Sand am Fuß des Berges versickerte und eine rötliche Algenschicht zurückließ.”

Mit Uwe Voehl, D.J. Franzen, Markus K. Korb, Vincent Voss, Tim Svart, Jennifer Jäger, Jana Oltersdorff, Lisanne Surborg, Andreas Zwengel, Regina Müller, Arthur Gordon Wolf, Michael Dissieux, Xander Morus, Thomas Backus, Constantin Dupien, Moe Teratos, Stefanie Maucher, Manfred Schnitzler, Markus K. Korb, Torsten Scheib

REZENSION:

Wieder einmal ein Kurzgeschichtenband, der sich wohl mit der Menschheit nach oder während unseres Untergangs auf diesem Planeten befassen wird.
Zur Zeit sprießen die Untergangsszenarien wie Pilze aus der Erde und somit kann man sich schon einmal geflissentlich die Frage stellen, ob dazugehörige Autoren vielleicht mehr wissen, als wir Leser?
Na egal, wenden wir uns dem Buch zu: Etwa 373 Seiten und dabei sage und schreibe ganze 19 Autoren, die sich hierin verewigt haben.
Wollen mir die alle etwas über Zombies erzählen? Mitnichten, dem Vorwort lässt sich ziemlich schnell entnehmen, dass dies beileibe kein weiteres Weltuntergangs-Zombie-Sammelsurium sein soll.
Wie sich recht schnell herausstellt: Dem ist auch so und es schadet diesem Buch in keinster Weise.
Erneut offenbart sich vor mir ein Kurzgeschichtenband – und ich bin sehr zwiespältig, was Kurzgeschichten betrifft – , der durchweg und scheinbar problemlos den geneigten Leser überzeugen kann.
Wieder einmal nahm ich mir vor, über jede einzelne Geschichte etwas zu schreiben – erneut war mir das aber nicht möglich, da ich Kurzgeschichten gerne zum nebenbei Lesen verwende und zum Anderen bei diesem Buch trotz oft fehlender Zeit recht schnell weiterblättern musste, um eine weitere Story in mich auf zu saugen.
In MÄNGELEXEMPLARE-DYSTOPIA gab es in meinen Augen nicht eine einzige Geschichte, deren Qualität im Gesamtkontext nicht mithalten konnte – und dies bei einer Anthologie, deren Inhalt wahrlich von hoher Qualität ist.
Mir persönlich hat nahezu jede Geschichte außerordentlich gut gefallen und ich ziehe meinen Hut vor dieser Auswahl und der Person, die diese Selektion so diffizil vorgenommen hat.
Jürgen Seibold/29.08.2014
Mängelexemplare: Dystopia KINDLE-EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: Das Ende der Menschheit

ende_menschheitHerausgeber: Jürgen Eglseer
© 2014 Amrûn Verlag
240 Seiten broschierte Ausgabe
Taschenbuchausgabe 12,90 €
ISBN 978-3-944729-26-8
E-Book
mobi und ebpub 3,99€
ISBN 978-3-944729-40-4
http://amrun-verlag.de

COVER:

Die Menschheit steht vor dem Abgrund, die Welt ist gefangen in einer Spirale aus Tod und Verderben. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, ist am Ende. Was würdest du tun, wenn es kaum noch Hoffnung gibt? Deine Liebsten um dich scharen und auf den Untergang warten oder um dein Leben kämpfen?

20 Kurzgeschichten voller Zweifel und Hoffnung, Liebe und Hass und dem Tod als einziger Konstante auf den letzten Wegen der Menschheit.

Kurzgeschichten von Andre Hahn, Anke Höhl-Kayser, Denise Mildes, Detlef Klewer, Dirk Wendt, Frederic Brake, Jasmin Ickes, Johanna Theuer, Lily Beier, Manfred Schnitzler, Marco Callari, Markus Cremer, Markus Unger, Martin Beckmann, Peter Biedermann, Regina Schleheck, Simona Turini, Thomas Williams, Torsten Exter und Ulrike Lantermann-Kliem.

REZENSION:

Als ich mich gerade über meinen Stapel ungelesener Bücher beugte und verzweifelt überlegte, welches Werk ich denn nun als nächstes lesen sollte, hörte ich den Postboten und nutzte diese Gelegenheit, auf dem kurzen Weg zum Briefkasten den Kopf diesbezüglich etwas frei zu bekommen. Dummerweise gab es kein Mitleid für mich, denn es lag ein Päckchen darin – und in dem befand sich erneuter Lesestoff. Am liebsten hätte ich diesen Lesestoff sogleich wieder irgendwo vergraben – aber die Inhaltsangaben ließen mich nicht mehr los und somit griff ich mir die Kurzgeschichtenanthologie DAS ENDE DER MENSCHHEIT, in dem sich sage und schreibe 20 Autoren dazu aufgemacht hatten, die Geschehnisse in einer postapokalyptischen Welt zu beschreiben.
Üblicherweise sind themenbezogene Anthologien mit Vorsicht zu genießen, da die Vorgabe eines Themas sehr oft für Wiederholungen innerhalb eines solchen Bandes sorgen kann. In diesem Fall trifft dies jedoch nicht ein einziges Mal zu – die Autoren haben es vielmehr geschafft, aus diesem Thema unabhängig voneinander 20 durchweg unterschiedliche Geschichten zu kreieren, deren Inhalt frei von jeglicher Enttäuschung ist.
Selbstverständlich kann man bereits vorm Lesen davon ausgehen, dass hier nicht mit romantischen Happy-Ends zu rechnen ist; ist doch die Welt förmlich aus den Fugen geraten und die Menschheit wie wir sie kennen am Abgrund. Jeder Autor hat sich dabei eine Episode ausgedacht, die mal von Geschehnissen kurz vor dem Supergau handeln, mal von Erlebnissen auf einem bereits am Boden liegenden Planeten. Die Geschichten sind dadurch zumeist sehr bedrückend, regen aber deutlich zum Nachdenken an, das sich die Autoren überwiegend darüber einig sind, das unsere Spezies selbst Schuld an dieser Misere ist.
Der Grund des Untergangs variiert dabei aber erfreulicherweise und somit werden wir mit Seuchen genauso konfrontiert, wie auch mit dem Klassiker, der atomaren Ausrottung. Manch Autor geht gar nicht besonders auf den Untergangsgrund ein, baut aber trotzdem eine bedrückende Umgebung auf, deren Sog manch sich nicht entziehen kann.
Sämtliche dieser 20 Geschichten in diesem Band lohnen sich gelesen zu werden – sicher, manch eine wird man mehr lieben als manch andere; nichts desto trotz gab es – zumindest meiner Meinung nach – keine Einzige, die mir nicht gefallen hätte. Dies allein spricht schon für diesen Band.
Alles in allem ein durchweg und absolut zu empfehlender Kurzgeschichtenband, den man nur ungern aus der Hand legt – auch wenn die Basis grundsätzlich deprimierend ist.
Perfekt!
Jürgen Seibold/08.06.2014
Das Ende der Menschheit (Anthologie) KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: DIABOLOS MMXIV

Diabolos© Luzifer-Verlag
Horror-Anthologie, 552 Seiten
€ 16,95, ISBN: 978-3-943408-25-6

Cover:

Eine internationale Horrorgeschichten-Sammlung.

Ob subtil oder brachial – immer schauderhaft, gruselig, erschreckend! Das ist DIABOLOS, eine Geschichtensammlung der besonderen Art. Frei nach dem Motto des herausgebenden Verlages: »Nix für Angsthasen!«

Autoren:
Simon Clark, Kealan Patrick Burke, Adam Nevill, Christopher Fowler, Mark Hodder, Craig DiLouie, Andreas Gruber, Michael Siefener, Christian Endres, George Mann, Jonathan Green, Uwe Vöhl, Malte S. Sembten, Markus K. Korb, Tobias Bachmann, Sören Prescher, Michael Dissieux, Arthur Gordon Wolf, Lars Maly, A.P. Glonn, Rona Walter, D.J. Franzen, Torsten Scheib

REZENSION:

Als der Luzifer-Verlag mit diesem doch recht umfangreichen Kurzgeschichtenband um die Ecke kam, war ich ein klein wenig überrascht und ging in Habacht-Stellung. Warum denn Kurzgeschichten? Diese sin doch zumeist eher zu kurz, zu undetailliert und versuchen lediglich mit irgendwelchen Pointen den Leser mit einer kleinen Überraschung am Ende der jeweiligen Geschichte zu überraschen, ohne jedoch diesen bereits innerhalb der Geschichte abzuholen.
Nun auch noch ein über 500seitiger Band des Luzifer-Verlages – möchte dieser nun auch in die übliche Riege der Geschichtenverwertung einsteigen?
Nun, ganz so schlimm ist es dann doch nicht geworden.
In DIABOLOS sind die Geschichten sehr geschickt gewählt worden und darüber hinaus in einer recht geschickten Reihenfolge präsentiert. Hierin gibt es beinahe jede mögliche Seitenzahl: Von recht langen Geschichten bis zu ganz kurzen Häppchen. Die Namen der Autoren sind mir zumeist einigermaßen bekannt, andere scheinen interessant genug zu sein, um sich weiter mit ihnen befassen zu wollen.
Die Mischung ist international und dementsprechend abwechslungsreich. Selbstverständlich (das liegt ja in der Natur der Sache) kann mich in diesem Band nicht jede Geschichte überzeugen – nichts desto trotz hatte ich bei nicht einer einzigen davon das Gefühl, diese sogleich als Mist abzutun. Die überwiegende Anzahl der verschiedenen Horrorhäppchen fesselte mich an die Seiten und somit bin ich endlich einmal von einem reinen Kurzgeschichtenband durchweg positiv überzeugt worden. DIABOLOS MMXIV ist dadurch für Kenner ein gelungener Band für die Geschichte zwischendurch und ein klasse “Kennenlernband” neuer oder dem Leser noch unbekannter Autoren.
Sehr gut.
Jürgen Seibold/17.05.2014
DIABOLOS MMXIV: eine internationale Horrorgeschichten-Sammlung KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Michael Schmidt (Hrsg.): Zwielicht Band 1

ZwielichtMagazin für unheimliche Literatur
Herausgegeben von Michael Schmidt.
www.defms.de
Das Copyright der einzelnen Texte liegt beim jeweiligen Autor.

Inhalt:

Geschichten:

Christian Weis – Im Abgrund
Bernard Craw – Erwachen
Jakob Schmidt – Eine andere Wildnis
Rainer Innreiter – Sieben Katzenleben
Achim Hildebrand – Margit
Peter Nathschläger – Die Wölfe von Nebraska
David Grashoff – Der Autobahn-Heiland
Marcus Richter – Meer der Halme
Markus Niebios – Warten
N.T.Neumann – Das unterste Fundbüro
Markus Saxer – Das weiße Gesicht
Walter Diociaiuti – Sexy Sadie
Michael Schmidt – Volldampf voraus!
Tobias Bachmann – Kaleidoskop der Seele
Torsten Scheib – Götterdämmerung

Artikel:

Daniel Neugebauer – M. R. James und die Gespenstergeschichte
Martin Strasser – Der vergessene Wolfkind
Martin Strasser – Die Magie der Außenseiter
Michael Schmidt – Vincent Preis 2007

REZENSION:

Mit ZWIELICHT veröffentlichte der Gründer der mittlerweile sehr etablierten Vincent Preis-Auszeichnung ein Magazin in dem sich 15 sehr unterschiedliche Vertreter der unheimlichen Literatur befinden. Sämtliche dieser Geschichten sind in einem sehr hohen Niveau dargelegt und zeigen in beeindruckender Weise zu welcher Leistung jeder einzelne Autor in der Lage zu sein ist.
Erfreulicherweise befinden wir uns hierin in einer Sammlung deren Autoren direkt aus dem in diesem Genre oft als begraben befindlichen Land entstammen – sie zeigen somit, dass sich auch unser Land hinter seinen Autoren nicht zu verstecken braucht und darüber hinaus, dass auch Geschichten der oft als Trivialliteratur bezeichneten Genrezugehörigkeit des Unheimlichen sehr wohl nicht nur der reinen Unterhaltung dienen können, sondern auch literarischen Ansprüchen gerecht werden können.
Die in dieser als Magazin betitelten Anthologie befindlichen Geschichten lassen einen manches mal verstörend zurück, manches mal nachdenklich und ab und an einfach nur gut unterhaltend. Somit handelt es sich um einen Querschnitt, dessen Inhalt sicherlich nicht jeden – ähnlich einem musikalischen Sampler – durchweg überzeugen kann. In meinen Augen fand sich jedoch keine einzige Geschichte, die sich als gänzlich uninteressant dargestellt hätte und somit war ich beim Erreichen der Artikelsektion dieses Magazins sehr froh darüber, diesen Inhalt genossen zu haben.
Neben den interessanten Geschichten befinden sich noch einige Artikel in diesem Band – wodurch nun der Name “Magazin” auch seine Bedeutung erlangt.
Diese Artikel sind sehr interessant geschrieben und man bekommt sogleich neue Ideen zur Findung erfolgreicher Autoren, die leider in unserem Gefilden nicht sehr bekannt geworden sind. Hier wird man ein wenig mit Hintergrundmaterial gefüttert und ich bin bereits am Überlegen, ob ich demnächst auf die Jagd nach der ein oder anderen Geschichte eines Autors namens M. R. James gehen sollte.
Alles in allem ist Zwielicht ein durchweg gelungener Erstling eines Magazins mit durchweg hochwertigem Inhalt.
Mal sehen, ob die Zukunft hier noch weitere Perlen aufweisen kann.
Jürgen Seibold/01.01.2014
Michael Schmidt (Hrsg.) – Zwielicht KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: Kranke Geschichten

KrankeGeschichten © Ubooks Verlag

COVER:

Das Leben ist unberechenbar und schier unglaublich. Und manchmal ist es auch ziemlich krank. Davon berichten die Autoren dieses Buches.
In dieser Anthologie geht es unter anderem um Menschen, die sich in Kunden verwandeln, ein verlassenes Huhn am Straßenstrich, einen freiberuflichen Engelmacher mit Gewissen und Automaten mit seltsamen Vorlieben.
Außerdem gibt es Erzählungen über die hässliche Seite des Landlebens, einen Berliner, der jede Nacht in einem anderen Bett landet, und über zartrosafarbene Dämonen im Hasenkostüm.

Die mal finsteren, mal humorvollen Geschichten erlauben einen Einblick in weitere Titel des Verlagsprogramms, viele davon wurden exklusiv für diese Anthologie verfasst. Die Anthologie enthält Beiträge von:

. Ramona Ambs . Ina Brinkmann . Stiff Chainey . Oliver Flesch . Markolf Hoffmann . Alexander Kaschte . Boris Koch . Andreas Kurz . Christoph Straßer . Luci van Org . Christian von Aster

REZENSION:

So wirklich konnte ich mit der Genrebezeichnung ANTI-POP des UBooks-Verlages nichts anfangen – darüber hinaus bin ich kein Freund großartig entwickelter Schubladen, mir ist aber bewusst, dass man die ein oder andere Schublade kreieren muss, um Leser darauf aufmerksam machen zu können.
KRANKE GESCHICHTEN ist also Anti-Pop – der erste Gedanke: Also nichts populäres, sondern irgendwie anders oder gar das Gegenteil. Mal sehen, was die darin befindlichen Geschichten so gänzlich anders machen soll.
Kaum befindet man sich in diesem Buch eröffnen sich unterschiedlichste Erzählungen vor des Lesers Augen, deren Inhalt man definitiv nicht vorhersagen kann – viel zu sehr unterscheiden sie sich vom Mainstream und lassen urplötzlich etwas gänzlich anderes oder gar unpassendes ums Eck kommen.
Nichts desto trotz sind alle Geschichten durchweg als interessant ein zu stufen und man ist am Ende einer Geschichte bereits auf den Inhalt der nächsten eines anderen Autors gespannt.
Innerhalb meines Lesespektrums war Luci van Orgs Geschichte das absolute Highlight in dieser Anthologie – glücklicherweise befand sich diese Hommage an das Ausleben der eigenen Sexualität ganz am Ende dieses Bandes und somit steigerte sich der Inhalt von Geschichte zu Geschichte. Alle Stories regen trotz ihrer nicht gerade konventionellen Erzählweise zum Nachdenken an und sorgen darüber hinaus für das ein oder andere Schmunzeln.
Ganz schön fand ich auch die Geschichte der sorgenvollen Prostituierten, die sich aufopferungsvoll um ein Huhn kümmert, dessen Ende einem schier die Nackenhaare ob der vorher erlebten Zeilen aufrichten lässt.
KRANKE GESCHICHTEN ist wahrlich mal etwas gänzlich anderes – lässt aber einen trotz der oft sehr komisch wirkenden Erzählungen am echten Leben teilnehmen. Hier sind wohl sämtliche Ideen erlaubt gewesen und man kann sich trotz der Irrsinnigkeit mancher Geschichten dem Einhalt dieses Buches nicht entziehen.
Durchweg ein komisches Werk, das jedoch schon wieder so wirr ist, das man als Leser davon zu hundert Prozent geplättet und überzeugt zu sein scheint.
Irrsinn pur aber durchweg interessant, teils melancholisch, teils nachdenklich und immer mit einem kleinen Schelm auf dem Buch sitzend.
Jürgen Seibold/03.09.2013

 

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Anthologie – Bernd Rothe (Hrsg.): Rattenfänger (Magic-Edition Band 8)

Originalveröffentlichung
c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 395 Seiten

COVER:

Diese Novellen – in der Tradition des Rattenfängers von Hameln – lehnen sich weniger an die klassische Sage an, sondern grenzen sich phantasievoll davon ab. “Fänger” aller Art sind nicht nur auf Ratten aus. Dieser von Pat Hachfeld reich illustrierte Band wirft ein völlig neues Licht auf das interessante Thema.
Marc-Alastor E.-E. bringt die Frage auf: Was treiben Vampire aus Siebenbürgen am Mäuseturm von Bingen? Alisha Biondas MEPHISTO gibt Goethes Faust eine erotische Note und greift die scheinbar unvereinbaren Werte “Weltprinzip und lüsternes Geschöpf” des Klassikers auf. Armin Rößlers SF-Variante DER VERLORENE spielt gar auf einem fernen Planeten. Dirk Taeger fabuliert aus der Sicht der Ratten – ungewöhnlich in Form und Sprache, dem Werk Sir Thomas Malorys “König Artus” nachempfunden. Und Christian von Aster bietet eine ganz besonders moderne und technische Variante.

Inhalt:
Stefanie Bense: Schattenschläger
Alisha Bionda: Mephisto
Marc-Alastor E.-E.: Nicht ohne Wut, sei vom Lamm das Blut
Christian Schönwetter: Die Rattenfänger sind in der Stadt!
Marlies Eifert: Lenas Wege
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg
Dominik Irtenkauf: Der Lichtfänger
Barbara Jung: Die Königin und ihr Gardist
Monique Lhoir: Das Rattenmädchen
Markus K. Korb: Rattentod GmbH
Armin Rößler: Der Verlorene
Dirk Taeger: Die Stadt der Riesen
Stefanie Hübner-Raddatz: Die Flöte des Spielmannes
Christian von Aster: Niederfrequenzmanipulation oder Des großen Rattenfänger Trick
Veruka Aniko: Canard – Liebling
Volly Tanner: Ein leises Lied vom Verschwinden…
Martin Skerhut: Der Rattenkönig
Alexander Amberg: Die Wege des Herrn

REZENSION:

Anthologien die ein Thema vorschreiben gibt es wie Sand am Meer. Normalerweise ist dieses Thema jedoch sehr weit gefächert: Drachen, Monster, Grusel, Vampire, ….
Somit kann man sich als Autor jedesmal eigentlich innerhalb eines extrem umfangreichen Bereiches austoben und man trifft trotzdem das vorgegebene Thema.
Nun erreichte mich ein Buch des Blitz-Verlages, in dem als Thema “Der Rattenfänger von Hameln” vorgegeben wird.
Diese Thema ist sehr eng begrenzt und ich konnte mir nur schwer vorstellen, wie die Autoren damit umgehen und diese Grenzen sogar noch einzureissen in der Lage sind.
Aber es hat funktioniert!
Es befinden sich in diesem Buch 18 Kurzgeschichten, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Man schwenkt darin zwischen “klassischen” Erzählungen der Rattenfänger-Saga – aus unterschiedlichen Sichtweisen (sehr schön auch mal die Sichtweise der Ratten!) und gänzlich anderen Inhalten, die sich lediglich das Prinzip des Rattenfängers zu eigen machten und komplett neu erzählten.
Durch diese Vielfalt ist sicherlich für jeden etwas dabei und es kann jeder selbst beurteilen, welche dieser Geschichten seine Favoriten sind und welche sich lediglich als Durchschnitt darstellen. Dies möchte ich auf keinen Fall alleine beurteilen, da die Geschichten sehr abwechslungsreich und unterschiedlich erzählt sind und somit nicht jede einzelne Story jeden Geschmack des Lesers treffen kann.
Dies soll jetzt nicht negativ klingen – es liegt oft in der Natur der Sache: Anthologien sind nun mal unterschiedlich in Erzählweise und Schreibstil.
Auf jeden Fall ist “Rattenfänger” eine sehr interessante Idee, die auch dementsprechend gut umgesetzt wurde. Besonders lobenswert ist der Umstand, dass die Autoren nicht nur die Sage neu erzählten, sondern auch mit gänzlich anderen Ideen aufwarten konnten und den Rattenfänger lediglich als Metapher benutzten.
Sehr erwähnenswert sollen auch die sehr gut passenden Zeichnungen sein, die den Leser in die folgende Geschichte einführen. Ebenso auch die Vorstellung aller Autoren (und des Herausgebers) am Ende des Buches – so fällt es einem leichter, einen Autor weiter zu betrachten (…und zu verfolgen.)
Des weiteren gibt es auch noch eine kurzen Überblick über die Sagenentstehung und über Hameln selbst – was sich sehr gut in das Gesamtbild des Buches einfügt.
Jürgen Seibold/01.05.06

Anthologie – Philip Petit / Mazan / Cécile Chicault: Grimms Märchen

Übersetzung aus dem Französischen: Klaus Jöken und Judith Holfelder
1. Auflage Ehapa Comic Collection verlegt durch Egmont vgs verlagsges. mbH
c der deutschsprachigen Ausgabe: Egmont vgs verlagsges. mbH, Köln 2006
ca. 128 Seiten / € 18,–

COVER:

Es war einmal…

… ein märchenhaftes Comicbuch, das in vielen bunten Bildern vier der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm erzählte. Das Buch machte sich auf die Suche nach seinen Lesern. Von der Druckerei bis zur Buchhandlung erlebte es vielerlei Abenteuer und gelangte schließlich in die Hände eines sehr lieben Menschen. Das Buch sprach: “Du bist nett, willst du mein Leser sein? Ich verspreche dir auch viele Bilder und schöne Geschichten!”
Da war der Gute ganz erstaunt und rief: “Ein Buch, dass sprechen kann und noch dazu mit so vielen Bildern! Wie wunderbar! Dich will ich mitnehmen!” Der Leser nahm das überglückliche Buch mit nach Hause und dort blättern sie noch heute.

REZENSION:

Mit dem Comicband “Grimms Märchen” veröffentlicht Ehapa ein wunderschön gestaltetes und hochwertig wirkendes Hardcoverbuch in dem sich die Comicadaptionen von vier berühmten und sehr unterschiedlichen Märchen der Gebrüder Grimm befinden:
Hänsel und Gretel,
Das tapfere Schneiderlein,
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren und
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.
Diese vier Märchen werden auf 128 Seiten sehr lebhaft und liebevoll umgesetzt erzählt – ohne dabei den Blick und Respekt auf den literarischen Ursprung zu verlieren.
Teilweise ist die Sprache ein wenig durch moderne Dialoge erweitert worden – was Anfangs einen Kenner der original Geschichte etwas verwundert und leicht verwirrt. Gleichzeitig wird aber der Charme des Originals beibehalten und lediglich um eine ganz eigene, dem Comic vorbehaltene, charmante Art erweitert.
Die Zeichnungen sind sehr detailverliebt und von einem Niveau, welches den Ruf von Comics allgemein mit Sicherheit erheblich heben kann. Man lässt immer wieder die Augen schweifen, um auch kein einziges Detail zu übersehen.
Positiv zu erwähnen sind auch einige zum Schmunzeln führende Dialoge oder Begebenheiten, wie z.B. der Vater, der seinen Söhnen Grimms Rotkäppchen vorliest.
Somit ein sehr zu empfehlender Band für Märchen- und Comic-Fans – egal ob jung oder alt!
Wäre auch ein gelungener Auftakt für eine Serie.
Jürgen Seibold/17.06,2006

Anthologie: Nocturno 5 – Magazin für Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz, Timo Kümmel
ca. 204 Seiten
www.nocturno-mag.de.vu

INHALT:

Charlotte Engmann: UM KOPF UND KRAGEN
Stefan T. Pinternagel: KLEX
Eddie M. Angerhuber: MADAME MOSCA
Andrea Tillmanns: DAS BILD ÜBER DER TREPPE
Markus Kastenholz: MARLEEN!
Micha Wischniewski: ABSCHIEDSSCHMERZ
Antje Ippensen: DAS INNERE ODER: DIE NULLTE STUNDE
Thomas Wagner: DIE FARBEN DER TIEFE
Cassandra Schwartz: SCHNELLER!
Ramona Schroller: DIE (ALP-) TRAUMWOHNUNG
Michael Tillmann: INNSMOUTH IN METROPOLIS
Sieglinde Breitschwerdt: BLUTIGER HAUCH
Andreas Gruber: IN GEDENKEN AN MEINEN BRUDER
Linda Budinger: NEBELTANZ

+ Illustrationen von Michael Marrak, Nicole Erxleben, Manfred Lafrentz, Timo Kümmel, Detlef Krämer, Thorsten Grewe, sowie Klaus & Wolfgang Schwandt

ausserdem Rezensionen von Ramona Schroller, Thomas Hofmann, Malte S. Sembten, Markus Kastenholz und Constanze von Kolck

REZENSION:

Das Wort Schwarzmalerei ist immer mit etwas negativem assoziiert. Dabei finde ich, dass die schönsten Fotografien in schwarz-weiß gemacht werden und die schönsten Zeichnungen mit Bleistift gefertigt sind, wodurch sich doch auch wiederum eine Art „Schwarzmalerei“ entwickelt.
Leider ist jedoch nicht alles so wie es scheint und nicht jedes Wort ist wortwörtlich zu nehmen.
In diesem Fall aber schon:
Dem Nocturno 5.
Von einem Magazin entwickelte es sich zu einem Buch der besonderen Art; einem, in dem Gothic Novels – Horror- und Schauergeschichten Platz finden.
Bei der Zusammenstellung des nun fünften Bands legten die Herausgeber Markus Kastenholz und Timo Kümmel wieder einmal Wert auf ein hohes Niveau, welches sie durch die vorherigen Ausgaben schon erzielten und wieder mit dieser erreichten.
Nicht nur die Vielzahl, auch die Vielfalt der Beiträge dieses Buches sei erwähnt. Es befinden sich zig Splitter des Spiegels dieses Genres in der Anthologie – gruseliges, grausames, aber auch Science Fiction und Fantasy sind vertretene Sparten.
Nocturno 5 kann also getrost ein Bilderbuchbeispiel genannt werden.
Denn Apropos Bilder: In diesem Werk befinden sich zu den Geschichten auch Zeichnungen und Illustrationen, denen der Leser ein besonderes Augenmerk leihen sollte. Sie beziehen sich auf die Storys. Und was die eigene Fantasie einen vielleicht sich nicht vorstellen lässt, wird durch sie vermittelt.
Entnehmen wir dem Wort „Schwarzmalerei“ also den negativen Effekt und lassen es für sich stehen – dann ist es das Wort, dass zu dieser Anthologie passt.
Nocturno 5 ist schwarz im Sinne von tief und dunkel. Eben ein Werk für die Nacht und jene, die sich von ihr angezogen fühlen.
Erschienen ist das Buch im VirPriV Verlag unter der ISSN 1617-8475 für € 9,80.
Die 1. Auflage ist begrenzt auf 200 Exemplare. Wer also noch eins ergattern möchte, sollte sich ranhalten…
Miriam Stephanie Reese
(Juli 2010)

Anthologie: Nocturno 6 – Magazin für dunkle Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz / Timo Kümmel
ca. 310 Seiten / €11,95
www.nocturno-mag.de.vu

COVER:

Inhalt:

Malte S. Sembten: MASKENHANDLUNGEN
Linda Budinger: VERLOREN!
Astrid Pfister: DER RING ZUM GLÜCK
Markus Kastenholz: FENRIR
Sebastian Mander: DIE BILDER DER IRREN
Michael Tillmann: TEENAGE WITCHES KÖNNEN GRAUSAM SEIN
Eddie M. Angerhuber: RINALDINIS HÄNDE
Bernhard Brunner: DAS MÄDCHEN MIT DEN SPINNEN
Stefan T. Pinternagel: RUCKLDIGU
Andreas Gruber: RISTORANTE MYSTICO
Markus K. Korb: DER DIE MÜNZEN UNTER DEN ZUNGEN DER TOTEN STIEHLT
Thomas Wawerka: IM FALSCHEN FILM
Horst Hoffmann: MR. COCHRANS WUNDERBARE WELT
Charlotte Engmann: DIE HÜTTE IM WALD
Alfred Bekker: DIE BYZANTINISCHE PEST
Andrea Tillmanns: DIE RUNE NACHT
‘C.J. Walkin: IT CAN HAPPEN TO YOU
Boris Koch: EIN GANZ NORMALER TAG
Markus Saxer: SYMPHONIE DES TODES
Thomas Wagner: NOCTURNALIEN

+ Illustrationen / Graphiken und Rezensionen

REZENSION:

Romane können den Status eines guten Freundes entwickeln. Man lebt und erlebt die Geschichte eines Protagonisten für einige Zeit mit, teilt oder flüchtet sich in das Schicksal des jeweiligen Helden.
Kurzgeschichten hingegen sind bloß Bruchteile – Bruchteile einer Story, Bruchteile eines Lebens. Und letztlich benötigt man nur Bruchstücke an Zeit sie zu lesen.
Sind sie deshalb nur Bekannte? Kennengelernte Fragmente eines von einem Autor zu Papier gebrachten Stücks? Eines Autors, den man eventuell noch gar nicht oder nur vom Namen her kennt?
Nein!
Definitiv sind Kurzgeschichten mehr als bloß zeitfüllende Unterhaltung für Leser, denen genau das fehlt – Zeit.
Kurzgeschichten sind Vielfalt – und eine solche bietet die Anthologie Nocturno 6.
Das einstige Magazin, dass sich schon in seiner ersten Form als Geheimtipp entpuppte, hat sich nun in ein Buch verwandelt, um den Schreibern und Lesern ein größeres Forum an Literatur zu bieten.
Ich selbst bin nicht bloß angetan, sondern regelrecht begeistert, inzwischen kein Heft mehr, sondern eine als Taschenbuch gebundene Anthologie in den Händen zu halten.
Und der Inhalt? Ein wahrer Rausch an Geschichten der Genres Horror, Gothic Novel, Science Fiction und Fantasy.
So unterschiedlich sie sind, so haben sie doch alle eins gemeinsam – den Funken zum Dunklen, der überspringt.
20 weniger oder besser bekannte Autoren reichen sich in Nocturno 6 die Klinke in die Hand. Und jeder von ihnen erreicht dabei das Maß gut zu sein.
Ich möchte hier keine einzelnen Geschichten benennen oder hervorheben, denn Geschmack liegt im Gefallen des Betrachters. Doch ich kann jedem nur raten mal einen Blick in diese von Markus Kastenholz und Timo Kümmel herausgebrachte Anthologie zu werfen…
Das Augenmerk wird sich dann nicht nur auf das geschriebene Wort legen, sondern auch garantiert auf den wundervollen Zeichnungen und Illustrationen, passend zur jeweiligen Erzählung, haften…
Erschienen ist Nocturno 6 im VirPriV Verlag mit der ISSN 1617-8475.
Das 312 Seiten umfangreiche Buch kostet € 11,95.
Ich wünsche dem Leser viele Schauer, die ihm über den Rücken laufen…

Miriam Stephanie Reese (2009)

Anthologie: Happy Bissday! – Vampirgeschichten

Originaltitel: Many Bloody Returns
Deutsche Erstausgabe Oktober 2008
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
c 2007 Charlaine Harris und Toni L.P. Kelner
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 461 Seiten / € 9,95

COVER:

13 Autorinnen und Autoren schreiben über Wiegenfeste mit Biss. Natürlich ist auch Sookie Stackhouse, die gedankenlesende Kellnerin, mit dabei. Sie erhält eine Einladung zu einer Vampir-Party – das Geburtstagskind ist niemand anderer als Dracula persönlich. Unglücklicherweise scheint er Sookie als besonders originelles Geburtstagsgeschenk anzusehen …
Auf eine ganz andere Fete verschlägt es den Magier Harry Dresden samt Zauberlehrling Molly, und es erweist sich als erstaunlich schwierig, das Geschenk für seinen Vampir-Halbbruder mit Anstand zu überreichen – denn ständig kommen wild gewordene Rollenspieler echten und sehr blutrünstigen Vampiren in die Quere …
Außerdem dabei: der Vampirdetektiv Jack Fleming, ein falsches Medium, diverse Hexen und jede Menge weitere Vampire verschiedenster Provenienz.
“Eine beeindruckende Sammlung literarischer Größen, es sind einige der besten Autoren des Paranormalen dabei, samt ihren Star-Figuren.” (Book Fetish)
Alle Erzählungen erscheinen hier erstmals auf Deutsch.

REZENSION:

Zitat aus der Vorbemerkung: „(…) Jeder Tag, an dem uns wieder eine neue Erzählung erreichte, war wie – ja, wie ein Geburtstag. Es ist erstaunlich, was kreative Köpfe aus ein und demselben Thema machen können. Keine der in dieser Anthologie versammelten Erzählungen gleicht der anderen. Einige sind komisch, andere tragisch, doch alle sind sie faszinierend. (…)“ Treffender kann man es gar nicht ausdrücken. Geschichten mit viel Witz und Charme, zu Tränen rührende Erzählungen, überraschende Wendungen.

Hochkarätige und namhafte Autoren erzählen 13 bunte und spannend geschriebene Geschichten über Vampire und Geburtstage, so bunt
und vielfältig das Leben der Blutsauger eben ist. Einige der Geschichten fand ich so schön erzählt, dass ich fast ein wenig enttäuscht war, wenn sie zu Ende waren.

Zu meinen Favoriten gehören:

Christopher Golden: „Der Schrei der Eulen“

Die Teenagerin Donika, die sich bis dahin für ein normales 15-jähriges Mädchen hielt, erfährt an ihrem 16. Geburtstag ein schreckliches Geheimnis.

P. N. Elrod: „Grabraub“

Ein Privatdetektiv erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Die Schwester der Mandantin ist davon besessen, in Seancen mit ihrem toten Ehemann zu sprechen. Der Leiter dieser Seancen soll als Betrüger entlarvt werden.

Jeanne C. Stein: „Die Hexe und der Vampir“

Sophie ist Hexe und für das Catering auf Vampir-Parties zuständig. Ein Unglücksfall auf einer Geburtstagsparty ermöglicht es ihr, ihren Traum von einem besonderen Make Up zu erfüllen.

Diana Becker / 02.03.2010

Anthologie: Der ewig dunkle Traum (W. Hohlbeins Schattenchronik 1)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 387 Seiten

COVER:

Diese Anthologie entführt den Leser mit morbiden Erzählungen von Barbara Büchner, Markus Heitz und anderen namhaften Autoren über Geschöpfe der Nacht in Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik. Subtiler Horror, Welten feinsten psychischen Grauens erschaffen eine Chronik des Schreckens.

Die Titelstory, die erste Einblicke in die neue Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik-Serie rund um die Vampirin Dilara gibt, ist vom Meister der Fantasy selbst.

INHALT:
Markus Heitz: Ein besonderer Geschmack
Eddie M. Angerhuber: Das Nachtbuch
Mark Freier: Das Höllenwunder
Alisha Bionda: Seelenpfand
Armin Rößler: Vergnügungspark
Frank H. Haubold: Die Stadt am Fluß
Dominik Irtenkauf & Javier Hurtado: Trauerflug aus dem Süden
Wolfgang Hohlbein: Schattenchronik – der ewig dunkle Traum
Barbara Büchner: Die Nahrung der Toten
Mar-Alastor E.-E.: Lang lebe die Königin!
Michael Borlik: Engel der Nacht
Dominik Irtenkauf: Mumienglanz in der Nekrophilharmonie
Boris Koch: Heiligabend bei Manfred
Linda Budinger: Schattentrinker
Christel Scheja: Der Verfluchte von Tainsborough Manor
Markus K. Korb: Die Brut

REZENSION:

Mit dem circa 380 Seiten umfassenden Buch “Der ewig dunkle Traum” startet der Blitz-Verlag eine neue Serie unter dem Oberbegriff “Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik”.
“Der ewig dunkle Traum” ist entgegen den Folgebänden eine Sammlung morbider Kurzgeschichten, die sich sämtlichst um das jedem Horrorleser vertrauten Subgenres – dem Vampirismus, bzw. dem ewigen Leben – ranken.
in diesem Buch befinden sich 16 Kurzgeschichten, die sich trotz der gleichen Grundlage als unwahrscheinlich differenziert und erfrischend unterschiedlich darlegen. Durch die geschickte Autorenauswahl zeigt sich ein sehr schönes Spektrum der gegenwärtigen und zukünftigen deutschen Gruselliteratur. Die Autorennamen pendeln spielerisch zwischen “Newcomern” und “Berühmtheiten”, wobei sich die “Newcomer” sicherlich nicht hinter den Größen des Genres zu verstecken brauchen.
Meines bisherigen Wissens werden die zukünftigen Bände dieser Serie jeweils einen geschlossenen Roman beinhalten, die – dargestellt durch unterschiedliche Autoren – das Leben und Wirken der Vampirin Dilara zum Thema haben und dieses aus wohl unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten wissen.
In “Der ewig dunkle Traum” wird dieser Reigen lediglich durch den Namensgeber dieser Serie – Wolfgang Hohlbein – anhand seiner Geschichte “Schattenchronik – der ewig dunkle Traum” eröffnet. Dies hat aber keinerlei negativen Einfluss auf die anderen Geschichten zur Folge, da sich diese ja um ein ähnliches Thema bewegen und ohne Probleme zu überzeugen wissen.
Übrig bleibt somit ein schön aufgemachter Kurzgeschichtenband – gewürzt mit einigen Essays am Ende des Buches – , der nicht nur durch seine Verpackung, sondern auch durch seinen abwechslungsreichen und gut ausgewählten Inhalt den Leser geschickt von der Qualität dieses Eröffnungsbandes und somit den noch folgenden Romanen überzeugen kann. Ich denke, jedem Leser bleibt nur der Drang zum nächsten Werk…
Jürgen Seibold/21.06.2005