Charlie Jane Anders: Alle Vögel unter dem Himmel

Originaltitel: All the Birds in the Sky
©2016 Charlie Jane Anders
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-10-403838-4
ca. 330 Seiten (eBook)

COVER:

›Alle Vögel unter dem Himmel‹ von Charlie Jane Anders ist vieles: ein magischer Science-Fiction-Roman, eine unvergessliche Liebesgeschichte zwischen einer Hexe und einem Nerd – und eine feinsinnige Bestandsaufnahme des modernen Lebens.

Patricia Delfine merkt früh, dass sie eine Hexe ist. Schließlich kann sie mit den Vögeln sprechen – oder konnte es früher zumindest einmal (an jenem warmen Sommertag). Laurence Armstead ist ein Nerd: Schon als Highschool-Schüler erfindet er in seinem Kinderzimmer eine Zeitmaschine, die es ihm erlaubt, zwei Sekunden in die Zukunft zu reisen. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie schnell Freunde.
Gegen Ende der Schulzeit verlieren sie sich aus den Augen, nur um sich einige Jahre später in San Francisco wiederzutreffen: Doch der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Die Welt wird gerade von einer ökologischen Katastrophe heimgesucht: Ganze Regionen versinken im Meer, Flüchtlingsströme durchziehen die Welt. Wissenschaftler wie Hexen suchen nach einem Ausweg, können sich jedoch nicht einigen. Laurence und Patricia finden sich auf unterschiedlichen Seiten der Auseinandersetzung wieder und müssen sich fragen: Wem können wir trauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät, dem Verstand oder dem Gefühl?

REZENSION:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass man hier das Buch definitiv nicht auf Basis des Covers beurteilen kann. Ganz schlicht prangt darauf lediglich der Autorenname sowie der Titel des Buches. Beides platzfüllend und ohne jegliche bildhafte Unterstützung.
Somit lässt sich durch den Umschlag schon einmal nichts über das gedruckte Wort zwischen den Deckeln erahnen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es ein solches Werk auf dem üblichen Büchertisch in einem Laden recht schwer haben könnte. Nichts desto trotz hat es dieses Buch definitiv verdient, von seinem zukünftigen Leser nach Hause genommen zu werden.
Ich greife jedoch vorweg: Ich konnte mir absolut keinen Reim auf den Inhalt machen, wusste lediglich, dass es wohl eine Art Crossover zwischen Fantasy und Science Fiction zu sein scheint. Nun, dies klingt doch allein schon recht vielversprechend und somit siegte meine Neugierde zu Gunsten des ersten umfänglichen Romans von Charlie Jane Anders.
Anfangs war ich dennoch sehr skeptisch, ob ich nun eine für mich Interessante Geschichte oder gar ein Jugend-, wenn nicht sogar ein Kinderbuch in meinen Händen halte. Der Grund liegt am Anfang: Lese ich doch in einer recht einfach gehaltenen Sprache von einem jungen Mädchen, welches plötzlich mit den Vögeln sprechen kann und mit ihnen gemeinsam zu einer Vogelversammlung geht.
Nach und nach steigt jedoch die Story in eine Ebene, die dafür sorgt, dass man einfach nicht mehr davon loskommt. Wir begleiten die beiden Außenseiter durch ihr Leben – eine der Natur verbundene Hexe und ein Wissenschaftsnerd, der sich der technischen Entwicklung verschrieben hat. Beide exzentrische Außenseiter, die von ihren Mitschülern dementsprechend gemobbt werden. Nach und nach entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit allen möglichen Höhen und Tiefen zwischen diesen Beiden. Gleichzeitig sind sie Konkurrenten auf ihrem jeweils eingeschlagenen Weg.
Charlie Jane Anders entwickelt nach und nach recht rasante und dennoch sehr philosophische Geschichte, deren Inhalt einfach als wunderschön zu betrachten ist.

Prinzipiell würde ich jetzt nicht unbedingt von Fantasy vs. Science Fiction sprechen – spielt die Geschichte doch gefühlt in unserer Zeit und die technischen Errungenschaften, die von den Nerds gerade entwickelt werden oder wurden, klingen recht plausibel. Gut, die Fähigkeiten einer Hexe klingen nach Fantasy – aber was soll‘s? Könnte doch ein Quentchen Wahrheit sein…
Alles in allem kann ich dieses Buch jedem wirklich nur ans Herz legen. Es handelt sich darin einfach um eine durchweg gelungene Geschichte, die erfrischend neu wirkt und in der viele Sätze zum Nachdenken anregen. Diese sind dabei so nebenbei eingestreut, dass sie einfach zur Story gehören und dem Leser in kleinster Weise irgendeinen erhobenen Finger vor die Augen halten möchten. Trotzdem könnte man sich sehr gut vorstellen, dass die beiden Bereiche gemeinsam wohl sinnvoller wären – aber darum geht es hier nicht.
Kurzum: Genießt einfach dieses Buch, es lässt einen wirklich auf außerordentlich interessante Art vom Alltag abtauchen. Ein wahrlich perfektes Debüt.
Jürgen Seibold/11.08.2017
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Peter Anders: Was vom Tode übrig bleibt

4. Auflage
Originalausgabe 06/2011
(c) 2011 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-60184-0
ca. 255 Seiten / € 8,99

COVER:

Er kommt, wenn das Leben gegangen ist

Peter Anders ist Tatortreiniger. Er beseitigt, was der Tod hinterlassen hat. Jetzt schildert er erstmals seine spektakulärsten Fälle. Er erzählt von den Begegnungen mit den Angehörigen, von den Schicksalen, die sich hinter den Wohnungstüren verbergen, vom Geruch des Todes, den man nie wieder vergisst – spannende Kriminalfälle, bewegende Schicksale, Grenzerfahrungen!

REZENSION:

Durch einen Zufall erhielt ich dieses Buch – insbesondere, da ich als Thriller- und Horrorleser bekannt bin und mein Umkreis bei allem, was mit Tod zu tun hat, sagen, dass wäre doch was für mich…
Nun, normalerweise lese ich fiktive Werke – habe mich aber trotzdem auf dieses Buch eingelassen. “Was vom Tode übrig bleibt” handelt nicht nur von dem Tatortreiniger Peter Anders, sondern ist zugleich von ihm geschrieben worden. Allein dadurch erhält dieses Buch bereits unwahrscheinlich viel Authentizität. Peter Anders ist Feuerwehrmann und fing als Schädlingsbekämpfer an zu arbeiten. Er kam dann durch diese Tätigkeiten über zu dem oben genannten Einsatzgebiet und arbeitet nun auch als einer der wenigen Tatortreiniger Deutschlands.
Peter Anders erzählt unverblümt seine Geschichte und man ist zuweilen schockiert, betrübt, mitgenommen, jedoch auch durchweg mit dem Drang beseelt, die weiteren Seiten zu erforschen. Sicherlich, durch die unverblümte Art des Autors riecht es teilweise durch die Seiten und man hat das Gefühl, während der Sisyphusarbeit an seiner Seite zu stehen um ihm über die Schulter zu schauen.
Glücklicherweise besitzt der Autor auch einen dezenten Humor, den er in seiner Geschichte an den richtigen Stellen einfügt und dadurch nicht nur die Glaubwürdigkeit erhöht sondern auch den Leser wieder bei der Hand nimmt und aus den schrecklichen oder gar abstoßenden Einsatzorten wider mit nach draussen nimmt.
Es ist erstaunlich, dass sich jemand die Mühe zum Schreiben dieses Buches machte – vielmehr bin ich aber der Meinung, dass so ein Buch auch absolut notwendig ist und mit Sicherheit sehr vielen Menschen – ob dieses besonderen Themas – manches Auge öffnen kann.
Ein absoluter Tipp für die etwas andere Lektüre, die durchweg interessant, humorvoll und voller Einfühlsamkeit aber auch Ironie erzählt worden ist. Nur zu empfehlen!
Jürgen Seibold/01.04.2012

 

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