Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und die Drei Furien von Paris

©acabus Verlag, Hamburg 2019
ISBN 978-3-86282-721-3
ca. 432 Seiten

COVER:

„Nymphen sind es nicht gewohnt, das Wort Nein zu hören. Wenn sie emotional zu stark abrutschen, verwandeln sie sich in Furien.“

Ein halbes Jahr ist vergangen seit Inspektor Grayson Steel und sein Team die Magische Hanse und ganz Norddeutschland gerettet haben. Grimmig sind sie auf der Spur der Verschwörer, die nun schon zweimal versucht haben, die Ordnung der Nebula Convicto zum Einsturz zu bringen. Daher ist der Ermittler gar nicht angetan, als er auf einmal zu einer diplomatischen Mission nach Paris entsandt wird, einem Ort der Waffenruhe zwischen den Wesen der magischen Gemeinschaft. Die französische Hauptstadt wird von drei Schwestern beherrscht. Verwandte der Lady vom See, doch seit einiger Zeit melden sie sich nicht mehr beim Verhangenen Rat. Was für den mürrischen Grayson als Zeitverschwendung beginnt, entpuppt sich bald als handfeste Krise: Immer mehr Menschen und Wesen beginnen in Paris plötzlich die Kontrolle zu verlieren. Die Stadt der Liebe droht in Chaos und Gewalt zu versinken.

REZENSION:

Torsten Weitzes Bücher über den Ermittler Grayson Steel begeistern mich seit Erscheinen des ersten Bandes. Die Ideenvielfalt zwischen den Buchdeckeln lässt wahrlich nichts zu wünschen übrig und die gesamte Reihe ist als dementsprechend erfrischend innerhalb der gesamten phantastischen Unterhaltungsliteratur zu betrachten.
Die Vermischung von „normalem“ Leben mit der Welt der „Wesen“ ist zwar keine Neuerfindung, dennoch konnte Weitze diese kleine Genre-Schublade mit seinen nun mittlerweile drei Büchern komplett entstauben und ihr im Anschluss einen eigenen Stempel aufdrücken.
In „Grayson Steel und die Drei Furien von Paris“ begleiten wir den Ermittler und sein Team auf den Weg nach Paris zu einem Anfangs rein diplomatischen Einsatz. Natürlich bleibt es nicht dabei, da die Menschen und sämtliche Wesen scheinbar von einer Art Fluch belegt worden sind und dementsprechend aggressiv aufeinander losgehen. Das Ermittlerteam um Grayson Steel nimmt sich dem an und urplötzlich befinden sie sich in einer handfesten Krise, die sich über die gesamte Hauptstadt Frankreichs ausbreitet.
Abermals lässt die Ideenvielfalt des Autors keine Wünsche beim interessierten Leser übrig. Auch in diesem Band halte ich das zu Anfang recht zusammengewürfelt wirkende Team für absolut eigenständig und rundum unterhaltend in ihren Tätigkeiten. Die Dialoge sind erneut nicht nur als zielgerichtet zu betrachten, sondern lassen auch den bekannten und erfrischenden Witz absolut nicht missen.
Auf Basis der vorliegenden Bände halte ich Torsten Weitze mittlerweile für einen absoluten Kenner des gesamten Genres der phantastischen Literatur und wohl auch der alten Sagen und Legenden. Dementsprechend viele bekannte Wesen trifft man in seinen Werken, was für eine hohe Zahl an Wiedererkennung aus der Welt der Literatur sorgt. Dies alles scharf gewürzt und erweitert mit einer unerschöpflich wirkenden Anzahl an eigenen Ideen und einer kreativen Vielfalt, wie man sie nur noch selten sieht beziehungsweise zu lesen in der Lage ist.
Nichts desto trotz kommt der vorliegende Band nicht ganz an die Qualität der beiden vorherigen Werke heran. Dies ist zwar etwas Meckern auf hohem Niveau – dennoch lässt sich Torsten Weitze leider zu intensiv und seitenaufwändig auf die mehr und mehr aufwallende Beziehung zwischen Grayson und der Halbdämonin Shaja ein. Dadurch verleiht er seiner Story unnötige Längen und verliert etwas im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern. Man wird das Gefühl einfach nicht los, dass Grayson Steel unter sexuellem Notstand leidet – und falls ja: Lieber Torsten Weitze, lass die beiden hurtig zusammenkommen, damit wir uns wieder interessanten Fällen widmen können und nicht durch unnötige „ich-würde-gerne-aber…“-Gedanken wandern müssen.
Die Grayson Steel-Reihe benötigt meiner Meinung nach diese billigen Mechanismen nicht. Der Liebestopf ist aber nun geöffnet und somit bleibt wohl nichts anderes übrig, als diesen bedienen zu müssen. Bitte aber nicht zu langatmig in seiner weiteren Darstellung, da die Erlebnisse dieses herausragenden Teams zu über einhundert Prozent ausreichend interessant genug sind und keinen künstlichen Anschub durch irgendwelche Liebes- oder gar Sextätigkeiten benötigen.
Wie gesagt: Meckern auf hohem Niveau, denn auch der mittlerweile dritte Band weiß zu überzeugen, konnte sehr gut unterhalten und lässt auf einen zügig nachkommenden, vierten Band hoffen. Möge die Reihe um Grayson Steel noch lange weiter gehen!
Jürgen Seibold/04.03.2020

Wilckens, Carl: 13 – Das Tagebuch, Band 3: Das Spielbild

©2019 acabus Verlag, Hamburg
ISBN 978-3-86282-700-8
ca. 467 Seiten

COVER:

Godric End, meistgesuchter Widerstandskämpfer Dustriens, erzählt den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte.

Ich stehe im Hafen von Treedsgow. Der Wind zerrt an den Papieren in meiner Hand und Dunkelheit senkt sich über mich herab. Was auf der zweiten Seite von Williams Tagebuch steht, droht mich um den Verstand zu bringen. Die Worte öffnen in meinem Innern die Tore zu etwas Bösem und ich werde wieder zu dem, der ich auf der Swimming Island war. Zu einem Mörder. Zum Redscarf Butcher.
Mein Weg fürht mich zur Universität und ich helfe, eine uralte Technologie zum Leben zu erwecken. Die Himmelsschiffe, die Gothin bombardieren, die Golems, die für uns auf dem Schlachtfeld kämpfen … sie alle entspringen der jahrtausendalten Technologie der Segovia.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von den Fortschritten an der Treedsgow University und von meinem Krieg gegen den König der Banditen. Wie ich beinahe dem, Wahnsinn verfiel, von einem Wesen aus reiner Energie und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

In den letzten Monaten ist mir immer mehr aufgefallen, dass ich nicht mehr wirklich gewillt bin, langatmige Geschichten zu lesen, welche über mehrere Bände ausgebreitet werden. Viel zu oft bin ich seit einiger Zeit enttäuscht worden. Insbesondere, wenn man einige Zeit auf den Nachfolgeband warten muss und dabei unter Umständen den Zugang zur Geschichte verliert.
Nun, die Serie um Godrics End von Carl Wilckens ist dabei eine rühmliche Ausnahme und ich bin immer wieder erfreut, wenn ich höre, dass ein neuer Band das Licht der Welt erblicken wird.
Mit 13 – Das Spiegelbild befinden wir uns nun bereits beim dritten Band und das grundsätzliche Prinzip hat sich in keinster Weise geändert: Godric sitzt in seiner Zelle und erzählt seinen Mitgefangenen über sein Leben.
Interessanterweise entspricht Godric überhaupt nicht den üblichen Protagonisten in fantastischen Geschichten. Godric End ist eher eine Art Antiheld und glänzt nicht gerade mit Sympathie. Nichts desto trotz folgt man seinen Erzählungen und dem dazugehörigen Leben voller Gewalt, phantastischen Wesen, Irrungen und Wirrungen, seine persönlichen Fehden, sowie den dazugehörigen skrupellosen Kämpfen.
Carl Wilckens erzählt auch im vorliegenden, dritten Band virtuos seine Geschichte und bedient sich dabei weitläufig in der Welt der Phantastik. Sein Ideenreichtum steht beinahe allein in weiter Flur und seine detaillierte als auch liebevolle Art des Erzählens zeugt von einem ungebremsten Schaffensreichtum, der hoffentlich noch lange nicht abbrechen wird.
Das düstere Leben von Godric End ist nicht nur interessant – nein, man möchte auch immer wissen, wie es denn nun weitergeht. Einerseits wünscht man sich ein stilvolles Ende herbei, andererseits möchte man weiterhin den Erlebnissen folgen und folgen und folgen.
13 ist mittlerweile so ziemlich die einzige Reihe, bei der ich mich bereits sehnsüchtig nach dem nächsten Band verzerre. Ich hoffe dabei sehr, dass Wilckens‘ Ideenreichtum auch weiterhin das bestehende Niveau als auch den Abwechslungsreichtum aufrecht erhalten kann und somit ein weiteres Spitzenwerk abliefern wird.
Auch 13 – Band 3 ist somit ein Highlight dieser Crossover-Serie und ich finde es absolut klasse, dass der Autor es bisher scheinbar problemlos geschafft hatte, seinen Plot immer besser zu entwickeln und keinen einzigen langweiligen Buchstaben zu integrieren.
Weiter so!
Godrics Erlebnisse sind und bleiben eine ganz besondere Empfehlung – wer ihn noch nicht kennt, sollte einfach beim ersten Buch zuschlagen, dieses herausragende Werk genießen und dabei berücksichtigen, dass die Reihe bisher immer besser geworden ist.
Jürgen Seibold/07.12.2019

Vieten, Michael E.: Christine Bernard – Die Legende vom bösen Wolf

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-566-0
ca. 291 Seiten

COVER:

Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen.

Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos?

Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf?

Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nache dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.

REZENSION:

Als ich im Jahre 2013 einen Kurzgeschichtenband eines mir bis dato unbekannten Autors mit dem Titel „Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt“ positiv rezensiert hatte, behielt ich den Namen des Autors locker im Gedächtnis. Kurzgeschichten sind ein Genre für sich und viele Roman-Autoren scheuen sich, dieses „Genre“ zu bedienen. Ist es doch extrem schwierig, auf begrenztem Raum einen durchweg überzeugenden Plot zu kreieren.
Vieten ist es damals gelungen und somit wollte ich den Namen des Autors nicht gänzlich vergessen.
Ein Jahr später kam Vieten mit einem Kriminalroman ums Eck – es handelte sich dabei um „Der fall Siebenschön“, in dem die Kommissarin Christine Bernard die Ermittlungen aufnimmt.
Kriminalromane sind nicht wirklich mein Steckenpferd – durch den oben kurz angerissenen Kurzgeschichtenband widmete ich mich dennoch diesem Fall und war erneut sehr angetan.
Michael E. Vieten entwickelte mit Christine Bernard eine Krimireihe, die sicherlich interessant ist. Aber es sind nun mal Kriminalromane und hierdurch widmete ich mich mit meiner begrenzten Zeit eher meinen normalen Lieblingsgenres.
Letztes Jahr erreichte mich „Handbuch zur Rettung der Welt“, ich las, rezensierte und war schon wieder ausreichend überzeugt, um nun dann doch dem Wunsch des Autors nach zu kommen, ein Auge auf den neuesten Fall Christine Bernards zu werfen.
Ich überlegte kurz, ob ich mich einem Krimi widmen sollte – ich glaube, die Wölfe überzeugten mich dann, da dieses Thema ausreichend interessant klang.
Erfreulicherweise war es dabei absolut kein Problem, die bisher erschienen Fälle über diese Kommissarin nicht zu kennen. Im Gegenteil, man findet sich sofort zurecht und kann sich uneingeschränkt diesem sehr gut erzählten Plot widmen.
Als sehr positiv erachte ich die Verknüpfung aktueller Themen mit einem Mordfall. In diesem Werk sind es die Wölfe inklusive einer Vielzahl an Pro- und Contra – ebenso, wie es gerade durch die Medien wabert.
Nachdem ich persönlich eher auf der Seite der Wölfe stehe, sind meine Fronten in diesem Buch sogleich geklärt.
Im Laufe des Kriminalfalls lernt man sehr viel über diese Tierart – ab und an wirkt das ein wenig aufgesetzt, nichts desto trotz hat dieser Umstand das Buch für mich interessant gemacht. Ähnlich wie in seinem „Handbuch zur Rettung der Welt“ versucht Vieten uns auf Missstände aufmerksam zu machen und dabei dennoch seinen Leser gut zu unterhalten.
Erneut ist es ihm gelungen und ich bin fast ein bisschen traurig darüber, nicht alle Bernard-Fälle gelesen zu haben.
Alles in allem ein gelungener, sehr eingängig erzählter Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin, einem brisanten Thema und einem rundum interessanten Plot. Liebhaber des Genres sollten definitiv ein Auge auf diesen Autoren werfen.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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