Jennifer Fallon: Der unsterbliche Prinz (Gezeitenstern Saga 01)

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel The Immortal Prince bei HarperCollinsPublishers Australia Pty Limited.
Copyright Jennifer Fallon 2007
Copyright der deutschsprachigen Erstausgabe April 2008 bei LYX verlegt durch EGMONT Verlagsgesellschaften mbH, Köln
Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler und Rene Satzer

COVER:

Über viele Jahrhunderte herrschten die unsterblichen Gezeitenfürsten über die Welt von Amyrantha. Doch ihre Macht ist an den Gezeitenstern gebunden. Mit der kosmischen Ebbe ließen ihre Kräfte nach und verschwanden schließlich ganz. Inzwischen scheinen die Gezeitenfürsten nur noch in den althergebrachten Legenden zu existieren. Das Sklavenvolk der Crasii bewahrt die Erinnerungen an die mythischen Herrscher in seinen mündlichen Erzählungen auf. Eines Tages jedoch taucht ein Mann auf, der behauptet, Cayal, der unsterbliche Prinz, zu sein. Sind die Gezeitenfürsten zurückgekehrt?

Die junge Herzogin und Legendenforscherin Arkady wird hinzugezogen. Niemals würde sie an die Existenz mythischer Gestalten glauben, dennoch übt der Unbekannte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf sie aus. Ist er ein Hochstapler, ein Fantast oder gar ein ausländischer Agent? Sie lauscht seinen Geschichten und wird sich nach und nach bewusst, dass eine Gefahr von apokalyptischen Ausmaßen ihre Heimat Amyrantha bedroht……

REZENSION:

Wenn es  nach einem kurzen Prolog in einem Buch gleich mit einer erfolglosen Erhängung losgeht, dann darf sich der Leser auf einiges gefasst machen. Mit dem Anfang ihres Romans „Der unsterbliche Prinz“ hat die australische Schriftstellerin Jennifer Fallon einen schnellen Einstieg in die Handlung gewählt. Bereist auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass es sich bei Kyle Lakesh um den unsterblichen Prinz und Gezeitenfürsten Cayal handelt. 
Er spricht es ganz offen aus, aber im Kerker von Lebec schenkt man dem Mann kein Glauben. Die Gezeitenfürsten gelten als Legende und nur die Crasii, das Sklavenvolk, bewahren die alten Geschichten. Dieses Sklavenvolk ist eine seltsame Mischung als Mensch und Katze, aber es gibt noch weitere Absonderlichkeiten in der fantastischen Welt von Jennifer Fallon. Gekonnt wird eine Welt, bestehend aus verschiedenen Fürstentümern, unter der Führung eines Königs aufgezeigt. Einer der Fürsten heißt Stellan Desean und ist der Fürst von Lebec, eben jenem Ort, in dem der unsterbliche Prinz im Kerker weilt. Dessen Geschichte klingt zwar unglaubwürdig, aber sein Überleben am Galgen verleiht ihm dennoch einen besonderen Stand unter den Gefangenen. Als dann auch noch der erste Spion des Königs im Kerker erscheint und sich diesen ungewöhnlichen Mann näher anschaut, ahnt der Leser die Entwicklung des Romans voraus.
Doch bereits hier gelingt es der Autorin, ihre Leser mit geschickten Wendungen abzulenken. Nicht Declan Hawks, der erste Spion, sondern die Fürstin von Lebec wird zur entscheidenden Person in der weiteren Handlung. Lady Arkady Desean ist die genauso schöne, wie eigenwillige Frau an der Seite des Fürsten. Sie stammt wie Declan Hawks aus einfachsten Verhältnissen, ist studierte Historikerin, kennt die Geschichte der Gezeitenfürsten und teilt ein wichtiges Geheimnis mit dem Fürsten von Lebec. Sie und Declan sind alte Freunde, daher bittet er den Fürsten um die Unterstützung der Historikerin. Arkady Desean soll die Behauptungen des verurteilten Mörders Kyle Lakesh widerlegen, dass er der unsterbliche Prinz und damit ein Gezeitenfürst ist.
Nach einigem Zögern übernimmt die Fürstin den Auftrag, da sie keine Sekunde an dieser Behauptung glaubt. Sie ist überzeugt davon, den Schwindler in kürzester Zeit entlarven zu können. Mit der ersten Begegnung der Fürstin und dem undurchsichtigen Kyle oder Cayal nimmt die Handlung ihren fesselnden Lauf. Von Anfang erregt ein Casii die Aufmerksamkeit der Fürstin, da dieser riesige Ark den Angaben des Mörders uneingeschränkt Glauben schenkt. Als Crasii sollte Warlock, so der Name des Ark, aus purem Instinkt jedem Gezeitenfürst bedingungslos gehorchen. Doch bei den Arks hat sich über viele Jahre eine Lösung dieser instinktiven Gefolgschaft eingeschlichen, was sie auch für die Menschen sehr unbequem erscheinen lassen. Diese Crasii leben als freie Wesen, auch wenn man sie für Tiere hält und so behandelt. Als ein Mitgefangener von Kyle Lakesh, nimmt Warlock regen Anteil an den Treffen mit der Fürstin.
Die Fürstin kämpft permanent um den Schutz der Geheimnise ihres Mannes und gegen eine zunehmende emotionale Verbindung zu Kyle Lakesh. Dieser Mann ärgert und fasziniert Arkady gleichzeitig und so lässt sie sich von ihm die ganze unfassbare Geschichte der Gezeitenfürsten erzählen. Mehr und mehr entwickelt sich das Leben der Fürsten von Lebec zu einem Alptraum, der schließlich in der Fluchthilfe Arkadys für Cayal gipfelt.
Im letzten Drittel des umfangreichen Romans entwickelt die Handlung sich radikal und man erlebt mit der Protagonistin ein Wechselbad der Gefühle. Zum Schluss des ersten Bandes kennt der Leser sich in der fantastischen Welt von Jennifer Fallon hervorragend aus und ist mit der Legende der Gezeitenfürsten bestens vertraut. Die Bedrohung für Lady Arkady Desean persönlich sowie für die gesamte Menschheit wird anschaulich herausgearbeitet. Die Zeit der Ebbe, in der die Gezeitenfürsten ihre magischen Fähigkeiten einbüßen, ist nahezu vorbei. Was der Menschheit während der tausend Jahre anhaltenden Flut der Gezeiten blüht, steht dem Leser deutlich vor Augen. Aber es gibt Hoffnung, denn im Gegensatz zu vergangenen Epochen, haben einige kluge Menschen sich vorbereitet. Neben diesen tapferen Menschen werden im weiteren Verlauf der Gezeitenstern-Saga auch die Arks eine wichtige Rolle einnehmen.

Fazit:
Dem umtriebigen Lyx-Verlag ist mit der Gezeitenstern-Saga ein sehr unterhaltsames Fantasywerk gelungen.
Hier stimmen Verlagsbeschreibung und tatsächlicher Inhalt wirklich zusammen und den Lesern wird meines Erachtens großartige Unterhaltung geboten. Besonders die sprachliche Gestaltung durch Katrin Kremmler und Rene Satzer trägt zu dem Lesegenuss in hohem Maße bei.
Harald Jacobsen für hysterika.de / 08.07.2008

Melissa Fairchild: Himmelsauge – Die Geheimnisse des Brückenorakels

Aus dem Englischen von Karin Dufner
Ca. 383 Seiten / 14,95 €
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
c 2009 by Working Partners Two
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag.

COVER:

In einem Londoner Krankenhaus kommt ein Junge ohne Gedächtnis zu sich. Den Ärzten ist er unheimlich, denn er hat einen schweren Unfall überlebt – und nun heilen die Verletzungen mit übernatürlicher Geschwindigkeit. Doch diese Gabe nutzt ihm wenig, als er kurze Zeit später auf der Flucht vor einem mächtigen Gegner ist, der alles daransetzt, ihn in seine wahre Heimatwelt zurückzubringen, aus der er geflohen ist. Doch zum Glück ist der Junge nicht ganz allein: Hilfe bekommt er von Hannah, einem ganz normalen Mädchen, und den im Verborgenen lebenden magischen Bewohnern von London …

REZENSION:

Es gibt Bücher, bei denen ich nach Lektüre der kurzen Coverbeschreibung am Rücken des Buches bereits bis in die Haarspitzen ob des zu erwartenden Inhalts gespannt bin.
Voller Erwartung und eigenen kreativen Ideen widmete ich mich sogleich dem Inhalt.
Wie ich dabei feststellen musste, wurde die Geschichte jedoch in keinster Weise meinen Ideen und Erwartungen gerecht. Das klingt natürlich sehr hart – muß aber nun mal so gesagt werden, da der Inhalt dieses fantasiereichen Werkes meine Ideen als auch Erwartungen hundertprozentig übertroffen hat und mich mit einer sehr gelungen aufgebauten Mischung aus Realität und Fantasie durchweg überzeugen konnte.
Himmelsauge schafft es auch mit Leichtigkeit, sowohl als Jugendbuch zu wirken – ohne dabei den fantasievollen Erwachsenen beiseite zu legen. Für beide Klientel ein absolut spannendes, interessantes und ideenreiches Werk voll interessanter Wendungen.
Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold / 20.09.2010

Jon Evans: Tödlicher Pfad

Originaltitel: Trail of the Dead
Übersetzung: Bela Stern
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

In einem verlassenen Dorf am Annapurna-Massiv in Nepal entdeckt Paul Wood die Leiche eines ermordeten Trekkers, der obendrein brutal entstellt wurde: Aus den Augen des Toten ragen zwei Schweizer Armeemesser. Die nepalesische Polizei ist an der Aufklärung des Falles nicht interessiert, da man andere Touristen nicht verschrecken will. Doch für Paul stellt die Entdeckung des Toten ein grauenhaftes Déjà-vu dar: Vor zwei Jahren wurde seine Freundin Laura während einer Backpacker-Expedition in Kamerun auf exakt dieselbe Weise umgebracht. Aber was haben zwei Morde miteinander zu tun, die auf verschiedenen Kontinenten verübt wurden? Über ein Internet-Forum informiert Paul ander Backpacker über den Fall – und erhält eine Antwort von einem anonymen User, der sich “Der Stier” nennt und behauptet, der Mörder zu sein. Zudem geht das Gerücht, ein Serienkiller treibe unter den Rucksacktouristen sein Unwesen. Mit einem Umstand jedoch hat dieser Killer nicht gerechnet: Paul Wood ist Computer-Programmierer und kann anonyme Nachrichten entschlüsseln…

Jon Evans, geboren 1973 und aufgewachsen in Kanada, lebt und arbeitet derzeit in San Francisco. Wenn er nicht gerade auf Reisen ist oder an seinem zweiten Thriller schreibt, verdient er sein Geld als IT-Consultant. “Tödlicher Pfad” ist sein erster Roman.

REZENSION:

Jon Evans, geboren und aufgewachsen in Kanada, lebend und arbeitend in San Francisco. Beruflich IT-Consultant und privat viel auf Reisen.
Paul Wood, Hauptdarsteller in “tödlicher pfad”, geboren und aufgewachsen in Kanada, lebend und arbeitend in San Francisco. Beruflich Programmierer und privat viel auf Reisen.
Ich hoffe hier enden die Gemeinsamkeiten, denn Paul Wood entdeckt auf dem Annapurna-Massiv eine grausam zugerichtete Leiche und versucht, von den Behörden enttäuscht, auf eigene Faust den Mörder zu finden.
Diese Nachforschungen führen relativ schnell zu einem Dialog mit dem Mörder in einem Internetforum. Es entsteht daraufhin ein spannendes, gut konsumierbares Katz-und-Maus-Spiel.
Jon Evans fügt in diesem Selbstjustizthriller mehrere verschiedene Elemente glaubhaft aneinander und lässt den Leser an der Jagd und den dazugehörigen Reisen teilhaben.
Die Recherchetätigkeiten Paul Woods werden sehr glaubhaft und nachvollziehbar dargelegt, lediglich die Computer- und Internet-bezogenen Erklärungen könnten für den ein oder anderen EDV-technisch unbedarften Leser etwas kompliziert bzw. langatmig sein.
Übrig bleibt aber auf jeden Fall ein sehr guter Debut-Roman, welcher spannend erzählt ist und die unvermeidliche Selbstjustiz glaubhaft und relativ gut nachvollziehbar offenbart.
Als Fazit zeigt sich wieder einmal, daß echte Freundschaften das A und O im Leben sind.
JS/15.01.2005

Jon Evans: Blutpreis

Originaltitel: The Blood Price
Übersetzung: Bela Stern
Deutsche Erstausgabe Juli 2007
c 2005 Jonathan Evans
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher  Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 478 Seiten / € 14,50

COVER:

Als Paul mit seiner Freundin Talena 2003 im Nachkriegs-Bosnien ankommt, ist ihre Beziehung auf dem Nullpunkt. Doch die eigenen Probleme rücken in den Hintergrund, als klar wird, daß Talenas Schwester Saskia, die sie in der Nähe von Sarajewo besuchen, von ihrem Mann seit Jahren brutal mißhandelt wird.
Talena ist eines klar: Ohne ihre Schwester wird sie das Land nicht verlassen. Da für Saskia eine legale Ausreise unmöglich ist, bleibt nur der Weg über Menschenhändler. So geraten sie an Sinisa, der anbietet, Saskia nach Amerika zu bringen. Er will dafür kein Geld, sondern Pauls Dienste als Programmierer. Für ein dubioses Unterfangen, dessen Ausmaße Paul noch nicht erahnen kann… Eine gefährliche Reise um den halben Globus beginnt.

REZENSION:

Jon Evans konnte bereits mit seinem Debüt-Roman “Tödlicher Pfad” den Leser spannend und fesselnd unterhalten. Sein nun vorliegender, zweiter Roman “Blutpreis” legt dem noch einen drauf.
Abermals fegt der Autor in seiner Geschichte um den halben Erdball und zeigt darin, dass dies seine persönlichen Interessen zu decken scheint – anders könnte man den Detailreichtum und die gut recherchierten Hintergründe auch nicht so virtuos darlegen.
Des weiteren schafft er es nun verstärkt, den Leser zu fesseln und den Spannungsbogen zum Zerreissen gespannt zu halten.
Seine Geschichte verknüpft scheinbar losgelöste Themen, wie z.B. albanische Schmuggler, Drogendealer, Guerillas usw. mit -weltpolitisch betrachtet – lapidaren Problemen einer Ehefrau, die ihren brutalen Mann verlassen möchte, dies aber nur durch eine illegale Ausreise schaffen kann.
Jon Evans steuert seinen Hauptprotagonisten Paul Wood – der nicht nur der ausreisewilligen Saskia helfen will, sondern es dadurch auch gleich mit ganzen Banden aufnehmen muss –  durch eine sehr rasant erzählte, originelle und actionreiche Geschichte, die auch geschickt eingefügte Thrillerelemente nicht vermissen lässt.
Somit hat Jon Evans nicht nur einen erfolgreichen Nachfolgeband kreiert, sondern auch gezeigt, dass er diesem noch gewaltig einen drauf setzen konnte.
Lediglich der unvermeidliche Showdown ist etwas zu lang geraten und die Geschehnisse während des Burning Man – Festivals scheinen sehr übertrieben zu sein und wirken somit für den Leser mehr und mehr unglaubwürdig. Vielleicht gebe ich dem Autor auch Unrecht – ich kenne dieses Festival nicht – aber man muss natürlich für alle Leser glaubwürdig bleiben und ich kann einfach nicht glauben, dass es ein Festival mit ausschließlich “durchgeknallten” Teilnehmern und Besuchern gibt. Hier hätte etwas weniger sicherlich für mehr gesorgt.
Alles in allem bleibt aber ein extrem spannender und interessanter Roman mit gut gezeichneten Figuren, dessen Genuss an das Buch fesselt und den Leser problemlos für einige Stunden eintauchen lässt.
Jürgen Seibold/01.09.2007

Charlotte Engmann: Kjartan, der Vitländer

Erstauflage: September 2004
c Charlotte Engmann
c Edition Nocturno im VirPriV Verlag
ca. 133 Seiten

INHALT:

”Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fuhr das Schwert des Reiters auf Kjartan nieder. Instinktiv wehrte er den Angriff ab. Die Waffen schlugen aufeinander. Funken sprühten. Wie ein Glockenschlag hallte der Klang von Stahl auf Stahl über das Land.”

Ob tief unter der See oder hoch über dem Meer, der Recke Kjartan von Froda erlebt mehr als ein fantastisches Abenteuer auf seinen Reisen in die fernen Länder des Westens und Ostens. Aber auch auf seiner Heimatinsel Vitland muss er sich bewähren in Zeiten der Not und im Streit mit den Anhängern des alten und des neuen Glaubens.
Gefährliche Kreaturen, allein aus alten Legenden bekannt, stellen Kjartan vor harte Prüfungen, bis er erkennt, nicht alle magischen Geschöpfe sind Feinde der Menschen.

REZENSION:

Charlotte Engmann führt uns in ihrem Episodenroman in die Welt von Kjartan dem Vitländer und zeigt dabei geschickt gute erzählerische Fähigkeiten in diesem Genre.
Kjartan muss nicht nur die unterschiedlichsten Abenteuer bestehen sondern ist auch ein sehr sympathischer Hauptdarsteller und man ist ein wenig traurig, dass es sich hierbei lediglich um einzelne, zeitlich aufeinander folgende, Episoden handelt, die bereits nach ungefähr 130 Seiten das Schließen des Buches erfordern.
Charlotte Engmann baut sehr geschickt viele bekannte Mythen und Sagen in ihre Episoden ein, ohne diese jedoch zu kopieren oder lediglich neu zu erzählen.
Sie führt uns durch das gesamte Leben Kjartans und erschafft virtuos eine lebendige Figur, die sich vor dem Auge des Lesers entfaltet.
Dadurch entsteht eine schöne Atmosphäre und man leidet, freut sich und kämpft mit allen beteiligten Figuren als wäre man ein Teil des Ganzen.
Die Episoden lassen sich sehr schön lesen und wirken durch und durch glaubwürdig.
Somit ein sehr schönes kurzweiliges Buch für zwischendurch und ich denke Kjartan hätte auch das Zeug zu einem echten Romanhelden.
Jürgen Seibold/15.11.2005

Dianne Emley: Tiefe Stiche

Originaltitel: The First Cut
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Pflüger
Deutsche Erstausgabe Februar 2008
c 2006 by Emley and Co., LLC
c 2008 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
ca. 446 Seiten / 7,95 €

COVER:

Detective Nan Vining hätte es fast erwischt: Bei dem hinterhältigen Messerangriff eines Gangsters entkam sie nur knapp dem Tod. Gerade als sie sich, unsicher und zweifelnd, nach einem Jahr wieder traut, in ihren Job zurückzukehren, weckt ein neuer Fall furchtbare Erinnerungen: Unter einer Brücke wird die Leiche einer Polizistin entdeckt – mit durchschnittener Kehle. Bei ihren Ermittlungen kommt Nan einem unbarmherzigen Killer auf die Spur, dessen mörderische Methoden sie an den Mann erinnern, dem sie um ein Haar zum Opfer gefallen wäre. Ist sie erneut in Gefahr?

REZENSION:

Dianne Emley legt mit “Tiefe Stiche” ihren ersten Thriller vor, der gleichzeitig Auftakt einer Reihe um Detective Nan Vining sein soll.
Man erkennt auch bereits das vorhanden Potential der Autorin – immerhin schreibt sie flüssig und führt den Leser geschickt in die Welt der Nan Vining heran. Leider scheint sie sich nicht dem für das Genre absolut notwendigen Vorsatz gewidmet zu haben: Dem Spannungsaufbau – hier fehlt es im vorliegenden Buch schon gewaltig und somit ist auch sicherlich der Verweis zu einer Tess Gerritsen “noch” nicht gegeben.
Alles in allem bleibt mit “Tiefe Stiche” lediglich ein durchschnittlicher Krimi, der noch säckeweise Spannung vertragen hätte – betrachtet man dieses Buch jedoch als Erstlingswerk, kann es natürlich sein, dass die Autorin mit diesem Buch den Leser erst an die Person Nan Vining heranführen wollte, um dann in Zukunft “Gas zu geben”. Ob dies so ist, wird sich zeigen…
Jürgen Seibold/01.11.2008

Will Elliott: Hölle

Originaltitel: The Pilo Family Circus
Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch
c 2008 Will Elliott
c der deutschsprachigen Ausgabe:
2008 Piper Verlag GmbH, München
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
ca. 388 Seiten / € 9,95

COVER:

Als Jamie eines Nachts beinahe einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seiner Motorhaube auftaucht, ist nichts mehr, wie es war. Jamie erhält unheimliche Drohungen, und eine Horde mordgieriger Geschöpfe in Clownskostümen macht Jagd auf ihn. Die Clowns entführen Jamie in den Pilo-Zirkus, eine bizarre, jenseitige Welt, beherrscht von unheimlichen Akrobaten, Zwergen, Freaks und Wahrsagern. Ein geheimnisvolles Pulver erfüllt jeden Wunsch, und auch Jamie verfällt ihm. Doch wer es einnimmt, wird zum erbarmungslosen Killer. Wenn Jamie dieser Hölle entkommen will, muss er nicht nur den Zirkus zerstören, sondern auch seinen größten Feind besiegen – die eigene dunkle Seite …

REZENSION:

„Hölle“ von Will Elliott handelt von einem latent durchgeknallten Typen, der von wirklich durchgeknallten Clowns (?) entführt und in einen kuriosen Zirkus verschleppt wird. Aus diesem Zirkus – der sich wie eine parallel vorhandene Welt darstellt – kommt man nur sehr schwierig wieder heraus. Es ist lediglich einigen zuverlässigen Clowns kurzzeitig gestattet, an die „Oberfläche“ zu kommen, wenn sie dort einige zwiespältige Aufträge erledigen.
Dies klingt alles irgendwie irre und verrückt – und genauso ist dieses Buch. Hier ist nichts, wie man es sonst aus anderen Werken kennt – man ist beim Lesen nicht sicher, dass man umblättert, weil die Geschichte fesselt oder weil man eventuell selbst verrückt ist. Tja, vielleicht bin ich ebenfalls verrückt, denn ich konnte während der Lektüre niemals sagen, dass dieses Buch gut ist – irrerweise hat es aber trotzdem dafür gesorgt, dass ich aus Interesse am Geschehen weiterblätterte, weiterblätterte und weiterblätterte…
Am Ende konnte das Buch nur bestätigen, was ich bereits vorher dachte: Eine absolut verrückte Story!
Durch diese abgedrehte Irrsinnigkeit ist man jedoch aus unerfindlichen Gründen daran gefesselt und man verfolgt beinahe gedankenfrei eine irrwitzige, ironische, blutige und teils horrorhafte Geschichte über einen Zirkus, dessen Hintergründe noch etwas mehr beleuchtet hätten werden können.
Dies ist somit eins der ersten Bücher, bei dem ich nicht sagen kann, ob es mich begeistert oder schlicht abgestoßen hat – ein sehr sehr interessantes Phänomen war es jedoch uneingeschränkt.
Ich persönlich würde es empfehlen, kann mir aber auch gut vorstellen, dass mir daraufhin einige Personen am liebsten das Buch an den Kopf schmeißen würden.
Jürgen Seibold/18.01.2010

David & Leigh Eddings: Belgarath der Zauberer

c 1996 by David & Leigh Eddings
Originaltitel: Belgarath the Sorcerer
Dt. Lizensausgabe 1997 Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach
Band 28 301
Übersetzung: Susi Grixa

COVER:

Jahrhundertelang tobte der Krieg, nun ist er endlich beendet, und das Schicksal nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Es gibt nur noch einen Menschen, der von den fast vergessenen Zeiten zu erzählen weiß, als die Götter noch über die Erde wandelten. Einen Menschen, der noch weiß, wie der Dunkle Gott Torak das Auge Aldurs stahl und die Welt spaltete, wie die Menschen in einen erbarmungslosen Konflikt gezogen wurden, den Krieg der Götter. Einen einsamen letzten Zeugen, genannt der Alte Wolf: Belgarath der Zauberer. Und er war von Beginn an Teil dieser Geschichte…

In diesem lang erwarteten Roman, der die Vorgeschichte der berühmten Belgariad-Saga erzählt, greifen DAVID und LEIGH EDDINGS die Legende von Belgarath dem Zauberer auf: voller Spannung, geistreich, atmosphärisch dicht und mit der gewohnten Begeisterung, die sehr schnell auch den Leser packt.

REZENSION:

Belgarath der jahrtausendealte Zauberer erzählt in diesem Buch die Vorgeschichte der großangelegten Saga von David Eddings.
Dieses 1016 Seiten umfassendes Buch lässt sich unwahrscheinlich schnell lesen und der alte Zauberer sprüht vor Energie und einem Witz, das das Lesen sogleich doppelt soviel Spass macht.
Einziges Manko ist wohl, dass die Jahrhunderte wie im Flug vergehen und man wohl am Liebsten noch viel mehr Details lesen würde.
Alles in allem ein sehr gutes Buch zur kurzweiligen Unterhaltung.
Werde mir wohl demnächst “Polgara” zu Gemüte führen – Ich bin jetzt schon gespannt, wie die Geschichte aus der Sicht von Belgarath’s Tochter erzählt wird.
 Jürgen Seibold 29.11.2002

David & Leigh Eddings: Polgara die Zauberin

Copyright 1996 by David & Leigh Eddings
Originaltitel: Polgara the Sorceress
Dt. Lizenzausgabe c 1998 by Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach
Band 28 312
Übersetzung: Susanne Tschirner

COVER:

Als ihr Vater sie zum erstenmal berührte, färbte sich eine Strähne von Polgaras Haar weiß.
Alles beginnt in Beldins Turm, wo Polgara, Tochter des Zauberers Belgarath und der Gestaltwandlerin Poledra, aufwächst. Hier nimmt sie die ersten Schritte auf dem gefahrvollen Pfad des Schicksals, das ihr die Rolle als Hüterin des Guten zugedacht hat, als Gegnerin von Torak, dem Einäugigen Drachengott, und als Wächterin der letzten Hoffnung der Menschheit: als Erbin des Throns von Rivan.

Die Belgariad und Malloreon Saga fand in BELGARATH DER ZAUBERER eine geniale Fortsetzung. Dort wurde die Vorgeschichte der großen Kriege um das Auge Aldurs erzählt, aus der Sicht des damals noch jungen Belgarath. Nun übernimmt dessen Tochter Polgara die Rolle der Erzählerin: ein Blick zurück auf ein abenteuerliches dreitausendjähriges Leben.

REZENSION:

Mit Polgara die Zauberin spinnt das Ehepaar Eddings die sagenhafte Geschichte weiter, die in den beiden bisherigen Reihen (Die Malloreon, sowie die Belgariad-Saga) entstanden ist.
Die Belgariad, sowie die Malloreon-Sage war ein genialer Schriftsteller-Streich David Eddings.
Mit den Fortsetzungsbänden, Belgarath der Zauberer und Polgara die Zauberin, geht das Ehepaar in die Vorgeschichte der bereits vorliegenden Sagas ein. Beide erzählen von den früheren Jahrtausenden, gehen jedoch auch in die bereits bekannten Gefilde der neuen Zeit über – was sehr stark beim Begreifen der ganzen, komplexen Welt hilft.
Das einzige Problem in beiden Büchern ist die Ich-Erzählweise, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Immerhin läuft hier eine Frau durch mehrere Jahrtausende und erzählt die Dinge sämtlichst aus ihrer Sicht. Dies wurde von Belgarion zwar so verlangt, baut jedoch beim Leser zwar eine interessante Geschichte auf, kann aber nicht so tief greifen, wie eine “von oben” erzählte Geschichte – die es möglich macht, auch die Sichtweisen der beteiligten Protagonisten zu beschreiben.
Davon jedoch abgesehen, liest sich dieses über eintausendseitige Buch ziemlich gut und ist ein gebührender Abschluss der jeweils 5-bändigen Sagas, sowie dem Erzählbuch von Belgarath.
Man sollte jedoch nicht mit diesem (oder Belgarath der Zauberer) Buch anfangen, bevor man die Sagas kennt – es sind einfach zuviele Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen vorhanden, die einen unvorbereiteten Leser bestimmt zur Verzweiflung und dem “Wegwerfen” des buches bringt. Das hat es jedoch nicht verdient.
 Jürgen Seibold 23.12.2003

Umberto Eco: Der Name der Rose

Originaltitel: Il nome della rosa
Carl Hanser Verlag, München 1982
vorliegendes Exemplar: Lizensausgabe für die Weltbild Verlag GmbH, Augsburg

COVER:

Sorry – beim vorliegenden Exemplar leider kein Covertext vorhanden!

REZENSION:

“Der Name der Rose” als Film mit Sean Connery war mein erster Kontakt. Diesen Film liebte ich – er war sehr gut inszeniert und spannend erzaehlt. Jahre spaeter – ich sah den Film bereits mehrere Male – hielt ich das Buch in meinen Haenden und dachte: Warum nicht mal lesen?
Wissen Sie was geschah?
Seitdem gefaellt mir der Film schon bei weitem nicht mehr so gut. Umberto Eco baut hier einen historischen Thriller auf, der einen von Seite zu Seite nicht mehr aus der Hand laesst. Am Ende war die Enttaeuschung gross – jedoch nicht weil die Geschichte eine schlechte Wendung genommen haette, nein : Weil das Buch zu Ende war!!
Nun bin ich soweit: Der Film wird nicht mehr allzu stark beachtet, dafuer das Buch immer wieder aus dem Regal genommen und dieses nicht nur zum Abstauben, sondern um sich ein weiteres Mal von diesem genialen Roman fesseln zu lassen.
Jürgen Seibold/06.12.2002

Sabine Ebert: Das Geheimnis der Hebamme

Originalausgabe November 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 653 Seiten / 8,95 €

COVER:

Das Deutsche Reich unter Kaiser Barbarossa: Weil sein Sohn tot geboren wurde, will Burgherr Wulfhart der jungen Hebamme Marthe Hände und Füße abschlagen lassen. Nur mit knapper Not gelingt ihr die Flucht aus ihrem Dorf. Um zu überleben, schließt sich das Mädchen einer Gruppe Siedler an, die ostwärts in das heutige Sachsen ziehen, um sich in dem noch unerschlossenen Gebiet ein neues, freies Leben aufzubauen.
Angeführt werden sie von dem edlen Ritter Christian, der sofort von Marthe fasziniert ist. Doch ihre Schönheit und ihre besondere heilende Gabe haben auch die Aufmerksamkeit von Randolf erregt, Christians erbittertstem Feind. Da wird in Christians Dorf Silber gefunden…

REZENSION:

Sabine Ebert führt uns in ihrem Debüt in das Sachsen im 12. Jahrhundert. Sie beginnt mit der Erzählung über eine Gruppe, die ihr altes Leben sowie ihre Heimat aufgeben um ins Ungewisse zu ziehen und sich in der Fremde eine neue Zukunft auf zu bauen. Während der Reise erlebt der Siedlerzug einige unangenehme Überraschungen. Doch auch als sie ihr Ziel erreichen ist bei weitem noch nicht alles überstanden – im Gegenteil – jetzt fängt alles erst an…
Hauptfigur in Sabine Eberts Werk ist die junge und mutige Hebamme Marthe, die auch in der Kräuterkunde sehr bewandert und somit für die Siedler besonders kostbar ist.
Entstanden ist hierbei ein sehr empfehlenswerter historischer Roman, der eine sehr abenteuerliche und spannende Geschichte vorlegt und mit Leichtigkeit den Leser zu überzeugen weiß. Sabine Ebert bleibt auch durchweg überzeugend und beweisst mit viel Liebe zum Detail, dass es nicht nur eine Iny Lorentz in diesem Genre gibt.
So sollten historische Romane geschrieben sein!
Jürgen Seibold/05.02.2008

Marc-AlastorE.-E.: Die Kinder der fünften Sonne (Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik 3)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 334 Seiten

COVER:

Dilara erzählt ihrem Gefährten Calvin von ihrer Reise im ausgehenden 19. Jahrhundert, in der sie weltweit Informationen für Antediluvian sammelt. Längst weiß sie, daß der Ur-Nosferatu mehr über die mysteriöse Herkunft der Vampire weiß, und um seine Macht zu sichern, diese Kenntnisse für sich behält und Beweise vernichtet.
Als Dilara in Avignon den Auftrag erhält, ein uraltes Dokument aus den geheimen Archiven des Vatikans zu stehlen, und zugleich erfährt, daß offenbar die Rosenkreuzer ebenfalls an dem Manuskript interessiert sind, ahnt sie, daß es ein letzter Schlüssel zu allen Geheimnissen sein könnte.
Nicht ganz freiwillig steht ihr die bezaubernde Rosenkreuzerin Gelophee Roche zur Seite, und so beginnt eine unweigerliche Irrfahrt, die Dilara durch Zweifel, Lug und Trug geradewegs zu einer unliebsamen Gewißheit führt…

REZENSION:

Im dritten Band der Schattenchronik um die Vampirin Dilara begleiten wir die Hauptakteurin in das ausgehende 19. Jahrhundert.
Gleichzeitig ist es der erste Beitrag zur Schattenchronik von Marc-Alastor E.-E., der dieser Serie einen interessanten Stempel aufdrückt. Man merkt sehr deutlich, dass Marc-Alaster sich durch sehr detaillierte Recherchetätigkeiten selbst in diese Zeit begeben hat und neben dem Einfügen von interessanten Personen in Nebenrollen (Renoir / Monet) nicht nur der uns wohl mittlerweile ans Herz gewachsenen Dilara sehr viel Tiefe verleiht, sondern auch den Sprachgebrauch der damaligen Zeit in einer schönen Art und Weise in das Geschehen einflechtet. Dadurch taucht man als Leser hinab in dieses ausgehende Jahrhundert und spürt förmlich den Hauch der Zeit.
Beinahe nebenbei erzählt er eine weitere Episode aus dem Leben Dilaras und geht dabei sehr virtuos in einen langsam aufgebauten Spannungsbogen, der den Leser neben den zeitlichen, interessanten Geschehnissen auch noch an die Seiten bindet.
Er erschuf neue, sehr lebendige Figuren und lässt diese tiefgründig im Umfeld der Vampirin aufleben.
Durch diesen Band merkt man sehr deutlich, dass die Figur Dilara immer mehr an Leben gewinnt und man die weiteren Folgen beinahe nicht mehr erwarten kann.
Marc-Alastor E.-E. ist hiermit nicht nur eine kolossale Gothic-Novelle gelungen – nein, er legt die Latte auch noch ein klein wenig höher und zeigt, welches kreative Potenzial unsere Autoren haben. Nebenbei merkt man, dass der Blitz-Verlag ein sehr geschicktes Händchen beim Auswählen seiner Autoren hat und wir sicherlich noch mit mehreren Blockbustern im Leben der Vampirin Dilara zu rechnen haben.
Wir können uns somit nur überraschen lassen…
Jürgen Seibold/24.01.2006

Rebecca Drake: Still sollst du sterben…

Originaltitel: The Next Killing
Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Hartmann
Deutsche Erstausgabe März 2009
c 2007 by Rebecca Mertz
c 2009 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
Ca. 552 Seiten / € 7,95

COVER:

Lauren will ihre dunkle Vergangenheit endlich hinter sich lassen und fängt an der idyllisch gelegenen Mädchenschule St. Ursula als Lehrkraft an. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft entdeckt sie im Wald eine Mädchenleiche. Die Schülerinnen sind entsetzt und ihres Lebens nicht mehr sicher. Nicht nur die smarte Polizistin Stephanie Land ermittelt, auch Lauren recherchiert heimlich. Doch der Serienkiller, der die Mädchenschule heimsucht, beobachtet Lauren und wartet nur darauf, sie für ihre Sünden büßen zu lassen …

REZENSION:

Rebecca Drake legt mit „Still sollst du sterben…“ einen routinierten Thriller vor, der relativ gut als reine Unterhaltungsliteratur zum entspannenden Zeitvertreib genutzt werden kann. Anfangs ist man allerdings mit sich selbst im Zweifel, ob man das Buch zur Seite legen sollte – glücklicherweise findet die Autorin doch noch den Hebel zum Umlegen und man folgt daraufhin einem Thriller, der mit einer Portion Spannung den Einsteiger überzeugen kann. Ihre Protagonisten werden lebend und glaubhaft dargestellt – gleiches gilt für die gesamte Geschichte. Leider bleibt es ein wenig vorhersehbar und sorgt somit nicht dafür, beim Leser in großer Erinnerung haften zu bleiben. Somit ein ganz guter Urlaubsroman – leider nicht allzu viel mehr.
Jürgen Seibold / 30.05.09

Harry Dolan: Böse Dinge geschehen

Titel der amerikanischen Originalausgabe: Bad Things Happen
Deutsch von Martin Ruben Becker
Deutsche Erstausgabe 2010
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
c 2009 Harry Dolan
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe:
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 415 Seiten / € 14,90

COVER:

David Loogan ist Redakteur bei einem Krimi-Magazin, das in der beschaulichen amerikanischen Universitätsstadt Ann Arbor herausgegeben wird. Eines Tages tritt sein Boss und Freund Tom mit einer ungewöhnlichen Bitte an ihn heran: Loogan soll ihm helfen, eine Leiche zu begraben. Nun ja, unter Freunden tut man sich schon mal einen Gefallen. Loogan willigt ein. Doch als Nächstes ist der Boss selber tot. Und das ist noch lange nicht die letzte Leiche im kleinen Ann Arbor! Natürlich fühlt sich Logan berufen, selbst Nachforschungen in der Sache anzustellen, sehr zum Missfallen von Elizabeth Waishkey, der zuständigen Ermittlerin. Während die beiden einander ständig in die Quere kommen, scheint nach und nach der gesamte Autorenstamm von Loogans Magazin das Zeitliche zu segnen.

REZENSION:

Das dezent aber trotzdem für einen Kriminalroman sehr gelungen auftrendende Cover sorgte dafür, das ich dieses Buch einem anderen vorziehen musste. Persönlich bin ich eher dem Thriller- als dem Krimi-Genre verfallen, aber was solls – vielleiht verbirgt sich hinter den Buchdeckeln eine geeignete und unterhaltsame Geschichte.
Wie ich erkennen durfte, wurde ich auch nicht enttäuscht – sicherlich strotzt die Geschichte vor allen möglichen Krimi-Klischees, die der Autor ironischerweise nicht nur verwendet, sondern auch geschickt mit ihnen spielt und selbst als Klischees innerhalb der beschriebenen Krimiautorenbranche verwendet. Dies allein gebührt schon einen Pluspunkt!
Die Geschichte wiederum verwendet nicht unbedingt Neues innerhalb des Genres – lässt aber trotzdem das Interesse des Lesers aufrecht und spielt auch virtuos mit einigen Wendungen, die nicht immer vorhersehbar waren. Somit ein wahrlich recht raffinierter Plot, der besonders von der Unwissenheit des Lesers über die Hintergründe des Hauptdarstellers lebt. Würde dies nicht der Fall sein, könnte ein Großteil des Buches sicherlich seinen Reiz verlieren – irgendwie möchte man aber über David Loogan mehr erfahren.
Somit ein ganz guter, interessant aufgebauter Debütroman, der dem Genre dezent noch die ein oder andere neue Möglichkeit offenbart.
Sollte Harry Dolan noch ein klein wenig “böser” werden und sich einen dezenten Schubs in Richtung Thriller geben, wäre er mit Sicherheit ein Kandidat auf meiner Wunschliste für seine nächsten Bücher,
Jürgen Seibold/05.01.2011

Luc Deflo: Nackte Seelen

Originaltitel: Naakte zielen
Übersetzung: Stefanie Schäfer
Deutsche Erstausgabe August 2007
c 1999 by Uitgeverij Manteau / Standaard Uitgeverij nv en Luc Deflo
c 2007 der deutchsprachigen Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 362 Seiten / 8,95 €

COVER:

”Was war mit dem Blut im Flur? Hatte er es aufgewischt und den Putzlappen mitgenommen? War das durchtränkte Tuch seine Beute? Saß er jetzt in einem dunklen Winkel und roch oder leckte daran?”

Fieberhaft versucht Polizeipsychologe Dirk Deleu, sich in die kranke Gedankenwelt jenes brutalen Killers hineinzuversetzen, der in Mechelen ganze Familien auslöscht. So sehr vergräbt er sich in den Fall, dass er die Parallelen zwischen seinem eigenen Leben und dem der Opfer übersieht. Dabei plant der Täter bereits sein nächstes blutiges Ritual…

REZENSION:

Luc Deflo erklimmt in seinem Heimatland regelmäßig die Bestsellerlisten. Nun erschien sein Debütroman NACKTE SEELEN auch in Deutschland.
Das Buch handelt in erster Linie von Dirk Deleu – Polizeipsychologe mit genug privaten Problemen, um seinen Job an den Nagel zu hängen. Dirk Deleu’s Stärke liegt in der “Hineinversetzung” in die kranken Gedankenwelten der mordenden Psychopathen. Dies wird von Luc Deflo auch in virtuoser Weise dargestellt – lässt er doch den Leser an den gedanklichen und teils kranken Spielereien des Ermittlers teilhaben.
Dadurch führt er seine Leser in einen Sog, der voller Blutrünstigkeit strotzt – hinzu kommt die Brutalität des Mörders, dessen Rituale ebenfalls sehr detailreich präsentiert werden. Dieser Umstand lässt sicherlich die Meinungen der Leser auseinander driften – gibt es doch genug, die bei einem Thriller nicht mehr als einen spannenden Krimi erwarten. Deflo geht aber hierin darüber hinaus und zeigt jede Kleinigkeit in farbenfroher und dadurch um so erschreckenderen Art und Weise.
Nach etwa 150 Seiten führt er den Mörder vor und man ist zwar überrascht über die Person, aber auch ein wenig enttäuscht über dieses vorzeitige Wissen. Wie sich aber herausstellt, lässt er es nicht dabei, sondern zeigt uns auch die Krankhaftigkeit und das Entstehen des Monsters.
Das Ende wird einige Leser mit offenem Mund sitzen lassen – ist aber nichts desto trotz nachvollziehbar.
Alles in allem bleibt ein recht spannender aber auch brutaler Thriller, der zu gefallen weiß und als Debütroman sehr überzeugend wirkt. Es gibt sicherlich noch einiges an Potenzial – insbesondere, was die Spannung betrifft – aber dies wird Luc Deflo hoffentlich in seinen Folgebändern zu erfüllen wissen.
Jürgen Seibold/19.10.2007