Alexander Grin / Stephen Gilbert / Harald Howart / H. J. Alpers: Tod durch Ratten (4 Romane in einem Band)

Alexander Grin: Der Rattenfänger
Titel der russischen Originalausgabe: Krysolov
Übersetzung aus dem Russischen von Waltraud Ahrndt
c 2004 by area verlag gmbh, Erftstadt

Stephen Gilbert: Aufstand der Ratten
Titel der englischen Originalausgabe: Ratman’s Notebook
Übersetzung aus dem Englischen von Walter Erev
Lizenzausgabe der area verlag gmbh, Erftstadt
c 1968 by Stephen Gilbert
c der deutschen Übersetzung by Marion von Schröder, Berlin

Harald Howart: Tod durch Ratten
c 1971 by Harald Howart
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt

Hans Joachim Alpers: Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich
c 2004 by Hans Joachim Alpers und area verlag gmbh, Erftstadt

COVER:

Vier fulminante Rattenhorror-Werke erstmals in einem Band! Szenarien des Grauens, in denen die Ratten ihren eigenen Plänen folgen, sich über den Menschen stellen und zu einer entsetzlichen Bedrohung für ihn werden – die Horrorgeschichten aus der Feder internationaler und deutscher Kultautoren lassen eines zur grausigen Gewissheit werden: Unsere Angst vor Ratten ist berechtigt.

Vier Romane in einem Band:
Alexander Grin: “Der Rattenfänger”
Stephen Gilbert: “Aufstand der Ratten”
Harald Howart: “Tod durch Ratten”
Hans Joachim Alpers: “Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich”

REZENSION:

Der area-Verlag legt mit dem Band „Tod durch Ratten“ ein 800 Seiten starkes Buch vor, in dem sich 2 Kurzgeschichten und 2 ganzwertige Romane mit Ratten als Hauptthema finden.
Als erstes findet man Alexander Grin’s knapp 90seitige Kurzgeschichte „Der Rattenfänger“:
Diese Geschichte ist sehr spannend geschrieben und kann sehr viel positive Eindrücke beim Lesen hinterlassen. Einziges Manko: Die Geschichte konnte sich mir nicht wirklich erschließen. Dies klingt zwar nach einem Widerspruch, zeigt aber zumindest daß Alexander Grin weiß, wie man den Leser bei der Stange hält.
Als zweites folgt Stephen Gilbert’s „Aufstand der Ratten“. In diesem Buch erreicht der Hauptdarsteller, daß ihm eine nicht unerhebliche Anzahl Ratten gehörig sind und seinen Befehlen nahezu fehlerfrei folgen. Durch seine beruflichen und allgemeinen Probleme setzt er diese immer mehr zu räuberischen Tätigkeiten ein, was zu einem gewissen Reichtum führt, jedoch den Weg zu seinem ersten befohlenen Mord führt. Dieses Thema spitzt sich immer mehr zu bis…..
Stephen Gilbert schuf hiermit einen Plot, der nicht nur spannend zu Lesen ist sondern auch zeitweise eine sehr interessante Beziehung zwischen dem Leser, dem Hauptakteur sowie den Ratten schafft. Dieser Roman befriedigt jeden Horrorleser und ist allein schon das Geld für diesen günstigen Rattensammelband wert.
Weiter geht es dann mit „Tod durch Ratten“ von Harald Howart, in dem ein Wissenschaftler durch seine Gehirnforschungen an Ratten ebenfalls die Kontrolle über zumindest eine Ratte erhält. Nachdem er jedoch von seinem Professor als Scharlatan verhöhnt wird und sowieso nicht gerade angesehen war, verliert er sich in klassische Rachegedanken und setzt hierzu mörderisch seine von ihm gesteuerte Ratte ein. Dieser Roman strotzt ebenfalls vor Spannung und lässt sich in beinahe einem Zug durchlesen, da man diese Geschichte nicht mehr loslassen kann. Einziges Manko an diesem Roman ist der absolut plötzliche Schluß, der sich so schnell und endgültig darlegt, daß man das Gefühl hat es würden noch ein paar Seiten fehlen oder der Autor wurde beim Schreiben gestört und musste sofort damit aufhören. Schade eigentlich, da man ansonsten nichts negatives über diese Geschichte sagen könnte.
Als letztes folgt noch eine recht kurze Geschichte von Hans Joachim Alpers mit dem Titel „Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich“, in dem jemand Briefe von seinem bereits vor mehreren Jahren verstorbenen Freund erhält und bei dessen Lektüre in einen mystischen und wahnsinnigen Strudel gerissen wird. Mehr kann man über den Inhalt nicht sagen, da man sonst etwas zuviel verraten könnte. Es ist auf jeden Fall ein sehr guter Abschluß dieses Buches, da diese Kurzgeschichte in der Spannung und Eingängigkeit in nichts den anderen nachsteht.
Somit hat der area-verlag erneut ein sehr gutes Näschen für spannende Geschichten bewiesen, die sich in diesem Fall zumindest überwiegend über ein Thema ranken.
Schadet nicht, damit die Horror-Sammlung des area-verlages zu erweitern.
JS/14.10.04

Andreas Gößling / H.R. Giger: DEA MORTIS – Der Tempel der dunklen Göttin

Originalausgabe November 2005
c 2005 Knaur Verlag
Copyright aller Abbildungen in diesem Buch: H.R. Giger, Zürich, 2005
ca. 300 Seiten

COVER:

”Hüte dich vor der Brut der Bestie!”, schrie der alte Mann. “Komm zurück, ich beschwöre dich! Vor langer Zeit schon wurde prophezeit, dass sie eines Tages zurückkehren wird.”

Seit Jahrhunderten ruht tief unter der Stadt Idleton ein vergessener Tempel. Als man ihn bei den Bauarbeiten für ein neues U-Bahn-System wieder entdeckt, passiert die Katastrophe: eine uralte Macht wird geweckt, eine dunkle Göttin. Hungrig verlangt sie nach Anbetung und Opfergaben – und beginnt, sich die Menschen untertan zu machen.

Als Rick nach Idleton kommt, ahnt er nicht, dass er sich bereits mitten in einer apokalyptischen Auseinandersetzung befindet, in der er bald mit aller Macht um sein Leben kämpfen muss – und seine Seele …

DER AUTOR
Andreas Gößling wurde 1958 geboren und ist ein ausgewiesener Experte für phantastische, mythen- und kulturgeschichtliche Themen. Viele seiner Sachbücher – Die Rückkehr der Engel, Drachenwelten, Voodoo und andere, teilweise veröffentlicht unter dem Pseudonym Pietro Bandini – wurden viel zitierte Bestseller. Seine Romane Die Maya-Priesterin und Der Alchimist von Krumau begeisterten Publikum und Kritiker gleichermaßen. Andreas Gößling lebt mit seiner Familie in Coburg.

DER KÜNSTLER
H. R. Giger wurde 1940 in Chur (Schweiz) geboren. Er studierte Architektur und Industriedesign in Zürich. Neben seinen surrealistischen Traumlandschaften ist er vor allem durch sein Design für Ridley Scotts Film “Alien” bekannt geworden.
Für seine Mitarbeit an diesem Film erhielt Giger 1980 einen Oscar in der Kategorie Best Achievement for Visual Effects. Im Laufe der Jahre folgten Filmprojekte wie Poltergeist II und Species. 1998 wurde das “Museum HR Giger Château St. Germain” im schweizerischen Gruyères eröffnet, in dem seine Werke der 60er- und 70er-Jahre sowie die Filmdesigns zu sehen sind. H.R. Giger lebt und arbeitet in Zürich.

REZENSION:

Mit DEA MORTIS hat ein optisch sehr interessantes Werk seinen Weg in meine Gefilde gefunden.
Es handelt sich hierbei um eine Mischung aus einem hochkarätigen Bildband und einem gruseligen aber auch für manch einen schwer zu verdauenden Roman.
Der Bildband besteht aus Werken des berühmten Alien-Erschaffers H.R. Giger und sorgt allein dadurch schon dafür, als Lichtblick im Regal zu wirken. Man kann sich seiner Schaffenskraft nur schwer entziehen und ich denke, innerhalb der Szene bzw. der Genre in und um den Horror ist er mit Sicherheit einer der ganz großen anerkannten Künstler.
Allein dadurch scheint sich die Anschaffung dieses künstlerisch wertvollen Buches zu lohnen.
Nachdem es sich jedoch nicht nur um einen Bildband, sondern auch um einen Roman handelt, sei dessen Wirkung zum Gesamtkunstwerk ebenfalls betrachtet:
Es handelt sich hierbei um “DEA MORTIS – Der Tempel der dunklen Göttin” von Andreas Gößling. Der Autor führt uns in seiner Geschichte in eine apokalyptisch anmutende Stadt mit unzähligen seltsamen Bewohnern und Begebenheiten.
Sein Roman ist sehr stark an die Tradition eines H.P. Lovecraft angelehnt und wirkt absolut beklemmend.
Andreas Gößling wird aber mit Sicherheit bei diesem Roman nicht jeden Leser zu überzeugen wissen. Zu konfus und verwirrend mutet die Geschichte und seine Protagonisten an.
Für Fans etwas abstruser und trotzdem sehr spannender, in die Tiefen der Menschheit abtriftende Stories eröffnet sich jedoch ein Kosmos, der zu überzeugen weiß und die Freude am Lesen aufrecht erhält.
Man muss sich nur fallen lassen und die befremdliche Geschichte auf sich einwirken lassen.
Alles in allem ein Gesamtkunstwerk in Form eines Buches, in das sich die Geschichte gut einfügt — man ist sich nicht ganz sicher, ob Giger die Zeichnungen zur Geschichte oder Gößling die Geschichte zu den Zeichnungen erschaffen hat.
Wem die Geschichte nicht gefällt, der ergötze sich an den Werken eines genialen Künstlers.
Jürgen Seibold/28.02.2006

Markus Gerwinski: Das Lied der Sirenen (Magic-Edition Band 6)

Originalveröffentlichung
c 2005 BLITZ-Verlag GmbH
ca. 256 Seiten

COVER:

Seit sich die Sirenen auf der Insel Valstrom niedergelassen haben, ist die Fahrt durch die Meerenge für jeden Seefahrer ein Wagnis auf Leben und Tod. Die ruhelosen Seelen der Ertrunkenen suchen die Küste heim.
Der junge Magier Jeral Nerigon lässt sich auf die gefahrvolle Mission ein, die Sirenen zu studieren und ein Mittel gegen ihr todbringendes Lied zu suchen.
Als er sich in einem Dorf an der Küste vor Valstrom einquartiert, wird er schon bald in Kämpfe mit Untoten, Kobolden und Gespenstern verwickelt.
Auch unter den Dorfbewohnern scheint er sich Feinde zu machen. Doch sein gefährlichster Gegner verfolgt ihn aus den Tiefen seines eigenen Herzens heraus.

REZENSION:

Der junge Magier Jeral beschließt aus Liebeskummer, die Nachfolge des vor 4 Jahren bei einem mysteriösen Unfall verstorbenen Magiers Drahnier anzutreten und das Lied der Sirenen zu entschlüsseln. Dabei eckt er bei vielen Dorfbewohnern an, an der Küste wimmelt es von Geistern und Kobolden, und auch der Söldner Varamur, der zu seiner Unterstützung mitkommt, ist nicht gut auf Jeral zu sprechen. Immer deutlicher wird es, dass sich Jeral mit seinem Liebeskummer abschließen muss, wenn er sich den Sirenen stellen will.

Markus Gerwinski spielt mit Worten und „malt“ auf einmalige Weise eindrucksvolle Bilder, die die Landschaften, Personen und Situationen lebendig werden lassen. Dabei sind Jeral und Varamur keine schillernden Helden, sondern „normale“ Menschen mit Fehlern und Schwächen, die beim Lesen nur umso sympathischer werden.

„Das Lied der Sirenen“ gehört zu den Büchern, die ich gerne auch ein 2. und 3. Mal lesen werde. Es ist spannend vom Anfang bis zum Ende, auch wenn es nicht für alle ein „Happy End“ gibt.
Diana Becker, August 2009

Susanne Gerdom: Der Nebelkönig

Gebundene Ausgabe: 334 Seiten
Verlag: Ueberreuter (Juli 2010)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

COVER:

In Sallies Welt geht alles seinen scheinbar gewohnten Gang: Sie ist Küchenmädchen in einem Herrenhaus, so gross, verwinkelt und weitläufig, dass Sallie nur einen winzigen Bruchteil davon kennt. Am liebsten hält sie sich ohnedies in der Bibliothek auf, um zu lesen. Denn die Geschichte vom ewigen Kampf des Nebelkönigs gegen die Katzenkönigin lässt sie nicht mehr los. Doch schon bald wird Sallie herausfinden, dass diese Geschichte viel mehr mit ihr zu tun hat, als sie sich auch nur vorstellen kann. Sie beginnt Türen zu öffnen und Fragen zu stellen derweil kriecht der Nebel unaufhörlich ins Haus…

REZENSION:

Wer in Susanne Gerdoms Roman eintaucht, findet sich in der düsteren Umgebung eines (englischen?) Herrenhauses wieder, in welchem Sallie, die Hauptfigur dieses Buches, als Küchenmädchen von morgens bis abends arbeitet. Ihre freie Zeit verbringt das Mädchen in der grossen Bibliothek. Als ihr eines Tages ein Buch geschenkt wird, dass vom Nebelkönig spricht, entscheidet sie sich, dem Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen, denn gewisse Umstände lassen das Mädchen vermuten, dass es sich beim Nebelkönig nicht einfach um eine Figur aus einem Buch handelt. Dabei trifft sie auf Gestaltwandler, sprechende Katzen und andere sonderbare Mitbewohner, verirrt sich in den schier endlosen Gängen des Hauses, wie auch in Erinnerungen an Geschehnisse, die scheinbar nicht vorgefallen sind. Die Autorin spielt geschickt mit Fakten und falschen Pisten, was dazu führt, dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen kann.

Trotz allem, bedingt vielleicht durch die Titelwahl und den Cover (Katze), kann der Leser bald schon der Hauptfigur einen Schritt voraus sein. Auch das Ende des Buches bietet nichts sonderlich Überraschendes. Der Nebelkönig ist beim Überreuter Verlag als Jugendbuch ab 12 Jahren erschienen, was ich angesichts gewisser Szenen als gewagt empfinde. Nichtsdestotrotz bleibt das Buch ein gute Lektüre mit eindeutig packendem Handlungsaufbau, undurchsichtigen Figuren und Orte, welches ständig zwischen Fantasy, Horror und gotischer Literatur hin und her pendelt. Wer dunkle Geschichten mag und auch nicht davor scheut, ein „Jugenbuch“ zu lesen, dem kann ich den Roman nur wärmstens empfehlen
Jean-Pascal Ansermoz / 31.08.2010

Anne George: O du Mörderische

Originaltitel: Murder on a Bad Hair Day (Avon Books, New York 1996)
Übersetzung: Christiane Filius-Jehne
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Zwei streitlustige Schwestern werden zu unfreiwilligen Detektivinnen. Patricia Anne ist Ex-Lehrerin mit geordnetem Familienleben und (glücklicherweise) Sinn für Humor, ihre Schwester Mary Alice ist eine Frau mit Vergangenheit: drei Ehemänner, alle viel älter als sie, hat sie bereits unter die Erde gebracht und jeweils ein ansehnliches Vermögen geerbt. Im Moment hat sie eine ehemannfreie Phase und jobbt als Weihnachtsfrau im örtlichen Einkaufszentrum, die rote Mütze mit eleganten Blinklichtern ausgestattet. Das Fest rückt näher, und die täglichen schwesterlichen Wortgefechte kreisen jetzt um die Frage der idealen Weihnachtsgeschenke. Auf der Weihnachtsparty einer schicken Galerie soll diese Frage endgültig geklärt und der Großeinkauf begonnen werden. Doch bevor sich die beiden so richtig dem Kaufrausch hingeben können, wird die Galeristin ermordet. Die Schwestern stolpern mitten in die Lösung des Mordfalls hinein…

“Absolut köstlich! Ich wünschte, Patricia Anne und Mary Alice wären meine Schwestern – das wäre ein Spaß.”
Jill Churchill

Anne George hat sieben Krimis um die “Southern Sisters” geschrieben und erhielt den begehrten Agatha Award. Sie veröffentlichte außerdem einen literarischen Roman und Lyrik, wurde zum “Alabama State Poet” ernannt, gründete den Verlag Druid Press und wurde für ihre Lyrik für den Pulitzer-Preis nominiert. Sie starb 2001.

REZENSION:

In Anne Georges “O du Mörderische” geht es um zwei ältere Schwestern die unversehens in einen Mordfall rutschen und sich sogleich, beinahe nebenbei, um dessen Aufklärung bemühen. Dies erfolgt in sehr unterhaltsamer und lockerer Art. Die beiden Schwestern sind ziemlich unterschiedliche Charaktere und Anne George malt diese beiden Personen für den Leser mit einer unwahrscheinlich starken Authentizität aus – man hat beinahe das Gefühl mittendrin zu sein und zur Familie zu gehören. Die Geschichte um die verstorbene Galeristin und die Aufklärung des Falles erfolgt ziemlich nebenbei da wohl das Hauptaugenmerk der Autorin bei den beiden Schwestern lag.
Auf jeden Fall ist ein unterhaltsamer Plot für den gemütlichen Abend entstanden. Das Einzige was ich mir noch gewünscht hätte, wäre ein wenig mehr Spannung gewesen. Diese fehlt leider, wobei aber trotzdem ein Hauch der berühmten Margaret Rutherford in ihrer Rolle als Miss Marple bestehen bleibt.
Somit erhielt Anne George auch berechtigterweise für ihre “Southern Sisters” den Agatha Award.
JS/19.11.04

Anne George: Mörderische Aussichten

Originaltitel: Murder Gets A Life
Deutsch von Christiane Filius-Jehne
Deutsche Erstausgabe Oktober 2008
c 1999 Anne George
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 303 Seiten / € 8,95

COVER:

Schon wieder eine Hochzeit! Aber diesmal ist Mary Alice gar nicht erfreut: Dieses kleine blonde Biest namens Sunshine, das sich ihren Sohn geangelt hat, ist doch nur hinter seinem Geld (beziehungsweise dem von Mary Alice) her… Die schlimmsten Befürchtungen über die gar nicht feine Herkunft der Auserwählten bestätigen sich beim ersten Besuch von Mary Alice, zu dem sie Patricia Anne natürlich mitnimmt. Als Erstes stolpern sie in der nicht gerade eleganten Behausung der angeheirateten Familie (einem Wohnwagen) gleich mal über eine Leiche. Worauf die Dinge ein klein wenig hektisch werden. Und dann immer schockierender. Kann es wahr sein, dass Sunshines Mutter ihre Brötchen mit Sexfilmen verdient?!

REZENSION:

Zwei reizende alte Schwester, die mörderische Hitze von Alabama, eine Blondine namens Sunshine und eine gut verdienende Pornodarstellerin. Was will der Leser mehr? Na gut, die Leiche fehlt. Aber auf die braucht er nicht lange zu warten und schon sind wir mitten drin in einem der herrlich schräg anmutenden Krimis von Anne Caroll George, die mit skurrilen Charakteren, witzigen Dialogen, einer ordentliche Portion Südstaatenflair und einer Menge an Charme punkten und dem Leser, der leichte, witzige Kost mag, immer wieder aufs Neue begeistern. Schwer beschäftigt mit heimischem Klatsch und Tratsch absolvieren sie ihr mehr oder weniger umfangreiches Familienleben an dessen Rande mal wieder ein Mord geschieht und jemand spurlos verschwindet. Eine wunderbare Krimikomödie mit amüsanten Wortwechseln, überraschenden Wendungen, subtiler Spannung und, wie sollte es anders sein, auch gefährlichen Situationen. Eine Leseempfehlung für alle, die nicht auf Action, übermüdete Kommissare und Ritualmorde Wert legen.
Dorit Wiebke für hysterika.de / 25.09.2009

Laura Gallego García: Geheime Welt Idhún – Die Verschwörung

Originaltitel: Memorias de Idhún – La Resistencia (2004; Ediciones SM, Madrid)
Übersetzung: Ilse Layer
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 510 Seiten / € 12,50

COVER:

Die geheime Welt Idhún leidet unter dem Regiment des Schwarzmagiers Ashran. Nur wenige Bewohner Idhúns konnten vor seiner Schreckensherrschaft auf die Erde fliehen. Dort entbrennt ein Wettlauf auf der Suche nach dem letzten Einhorn und dem letzten Drachen. Denn nur wenn die Energie dieser Tiere miteinander verschmolzen wird, kann Ashrans Macht gebrochen werden. In Ashrans Diensten sucht Kirtash, trotz seiner Jugend ein unbarmherziger, aber charismatischer Kämpfer, nach diesen Geschöpfen. Ihm entgegen stellen sich die beiden Jugendlichen Victoria und Jack. Für Victoria ist Jack bald mehr als ein Kampfgefährte gegen Ashran – aber auch von Kirtash ist sie fasziniert…

Laura Gallego García wurde 1977 bei Valencia in Spanien geboren. Sie hat Geschichte und Spanische Literatur studiert und sich auf Themen des Mittelalters spezialisiert.
Für ihren ersten Roman >Finis Mundi< bekam sie den renommierten Preis >El Barco de Vapor<. Seither hat sie zwölf Bücher veröffentlicht. Heute lebt sie in einem kleinen Ort in der Nähe von Valencia.

REZENSION:

Die Autorin nimmt den Leser in diesem 1. Teil einer Trilogie mit auf eine Reise, die einen aufgrund des wunderschön 3-farbig und schlicht gestalteten Umschlages vermuten lässt, was das Buch von Seite 1 an auch zu halten verspricht. Eine Reise in eine Märchenwelt von Feen, Drachen, Magiern, fliegenden Schlangen und so einigen anderen Arten von Fantasyfiguren. Man entflieht mit Jack, der zu Beginn harte Verluste einstecken muss und eine gewisse „unnatürliche“ Begabung hat, aus einem schrecklichen Alltag und taucht tief ein in die Welt der Magie. Liest man zu Beginn das Zitat von Paul Coelho, so wird man während man das Buch verschlingt, weil man es – wie magisch- einfach nicht wieder zur Seite legen kann, dieses Zitat immer wieder im Kopf umher schwirren haben. Ein Passenderes hätte man nicht wählen können.

Gleichgültig, was ein Mensch tut,
er steht jederzeit im Mittelpunkt der Weltgeschichte.
Doch meist weiß er es nicht.“
(Paul Coelho, der Alchimist)

 
Auffallend ist, dass man all das Geschriebene auch auf den normalen heutigen Alltag beziehen könnte, ein wenig „modifiziert“ zwar, aber dennoch stecken viele Weisheiten in diesem wunderbaren Werk.
 Laura Gallego García hat mit diesem einmalig plastisch geschriebenen Buch eine Welt geschaffen, die man sich perfekt vorstellen kann und in die manch einer gern entfliehen würde. In seinen ganz persönlichen Rückzugsraum, durch eine Seele, die erkennt, wen man darin haben will und wer nicht willkommen ist.
Da es hier nun aber um ein Fantasywerk geht, will ich meine Rezension auch wieder in diese Bahn lenken.
Der erste Teil einer Trilogie, die zeitgleich auch meine erste Begegnung mit dem Genre Fantasy ist, bietet auf 508 Seiten Spannung, Entspannung, Abenteuer und Erlebnis pur.
Das Buch ist gegliedert in 2 Teile mit jeweils 14 Kapiteln und einem Epilog. Jack, eine der letztendlich 2 Hauptpersonen, hat man das 1. Kapitel gewidmet, während man sein Schicksal verfolgt, welches überhaupt erst dazu führt, dass er diese fremde, und noch so vertraute Welt Idhún kennen lernen darf.
Es gibt eben jenen Ort, an den die „Verschwörung“ – anfänglich bestehend aus  dem Magier Shail, dem Krieger Alsan und dem jungen Waisenmädchen Victoria, die ebenfalls seltsame Kräfte ihr Eigen nennt, sich in den Künsten von den beiden Anderen unterrichten lässt und die Hauptfigur Nr. 2 ist- sich mithilfe einer, aus dem vom Schwarzmagier Ashran belagerten Idhún, geretteten Seele , zurückziehen kann.
Diese Seele kann die Mitglieder, welche alle aus der Welt Idhún stammen, aber ins Exil geschickt oder teilweise auch geflohen sind, erkennen und bietet Ihnen Schutz vor Ashran und seinem Sohn Kirtash, der Halb-Magier (Mensch) ist und Halb-Shek (fliegende Schlange), indem er dieses Team in alle Teile sämtlicher Welten schicken kann und sie auch wieder zurück in die kleine, aber wunderschöne Welt, genannt Limbhad zurückholen kann.
In diese Welt können Ihnen die Bösewichte nicht folgen. Man lernt im Verlauf des Werkes sämtliche Emotionen kennen, die Mensch sich vorstellen kann. Besonders an diesem Buch, bzw. am Schreibstil Garcías ist, dass man das Gefühl hat, man wäre Teil jeglicher Neuentdeckung und jeglichen Kampfes der Helden, Teil der „Verschwörungsgruppe“, einfach Teil der Fantasywelt Limbhad. Dieser 1. Band ist eine tolle Mischung aus Freundschaft, Vertrauen, Stärke, Fantasy und Mut. Es gibt überraschende Wendungen, die zwar teilweise ein wenig vorhersehbar sind für jeden aufmerksamen Leser, die aber gleichzeitig neue Geheimnisse offenbaren und neue Fragen aufwerfen, die man als Leser unbedingt noch wissen muss, was dann schon einmal dazu führen kann, dass man in diese 508 Seiten so tief versinkt, dass man nicht wieder aufhören kann zu lesen und – so wie ich- das Abenteuer in knapp 5h verschlingt.
Wie Profi- Fantasyfans dieses Buch einordnen würden, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir als „Neuling“ in diesem Genre und als Pen&Paper- Rollenspielerin hat es den Einstieg in diese Welt sehr versüßt und Lust auf mehr gemacht! Daher finde ich es sehr empfehlenswert und werde mich sicher bald in Band 2 vertiefen.
Ina O. für Hysterika.de / 01.05.2009

Rebecca Gablé: Das Spiel der Könige

Verlag: Bastei Lübbe; 10,99 €
Deutsche Erstausgabe © 2007

COVER:

„In diesen Zeiten wird man unversehens zum Verräter. Oft unfreiwillig und schneller, als man es begreifen kann. Alles ist in Bewegung; nichts hat mehr Gültigkeit. Und es gibt niemanden, dem du noch trauen kannst …“
England 1455: Der Bruderkrieg zwischen Lancaster und York um den englischen Thron macht den achtzehnjährigen Julian unverhofft zum Earl of Waringham. Als mit Edward IV. der erste König des Hauses York die Krone erringt, brechen für Julian schwere Zeiten an. Obwohl er ahnt, dass Edward seinem Land ein guter König sein könnte, schließt er sich dem lancastrianischen Widerstand unter der entthronten Königin Marguerite an, denn sie hat ihre ganz eigenen Methodenen, sich seiner Vasallentreue zu versichern. Und die Tatsache, dass seine Zwillingsschwester eine gesuchte Verbrecherin ist, macht Julian verwundbar …

REZENSION:

Nach „Die Hüter der Rose“ und „“Das Lächeln der Fortuna“ ist „Das Spiel der Könige“ der dritte Roman von Rebecca Gablé, in dem die Hauptfiguren zur fiktiven Familie Waringham gehören. Auch wenn diese Familie nur der Fantasie einer brillanten Romanautorin entsprungen ist, kann sie so oder so ähnlich dennoch existiert haben.
Wie in allen vorherigen Romanen von Rebecca Gablé wird auch hier das Leben von Julian von der Jugend bis ins (für damalige Verhältnisse) hohe Alter erzählt, neu ist allerdings, dass seine Schwester Blanche ebenfalls im Vordergrund steht. Als Earl bewegen sich Julian und seine Angehörigen in den Kreisen des englischen Hochadels und im Freundeskreis des Königs und genießen deren Vertrauen.
In vielen bunten Facetten werden alle Figuren dargestellt, jeder Charakter ist so vielschichtig, wie Menschen nun einmal sind. Der Spagat zwischen geschichtlichen Fakten und Fiktion ist Rebecca Gablé wieder einmal vortrefflich gelungen. Dabei ist das Kapitel der „Rosenkriege“ eine besonders dunkle Zeit in der englischen Geschichte, voller blutiger Schlachten, grausamer und despotischer Edelleute, die auch vor Mord am König und dem Kronprinzen nicht zurück schreckten.
Julians Hauptproblem besteht darin, seinen eigenen Weg zu finden, sich nicht in blutige Intrigen verwickeln zu lassen. Dabei muss er auch Bündnisse mit Personen eingehen, die er verachtet, und den „Thronräuber“ zum Feind erklären, obwohl er ihn als Mensch schätzt.
Was ich persönlich recht anstrengend fand, waren die Ausführungen über Verwandtschaftsverhältnisse – in einer Zeit, in der es normal war, dass eine Witwe oder ein Witwer erneut heiratete, dass Edelleute mit ihren Konkubinen aus Adelshäusern Kinder hatten und dass Ehen zwischen Cousin und Cousine erlaubt war. Dadurch waren die Adligen irgendwie alle untereinander verwandt, und die Namen Richard, Edward und Henry beziehungsweise Anne und Marguerite häufen sich in erschreckender Art und Weise.
Dennoch ein absolutes „Muss“ für alle Fans von historischen Romanen!
Diana Becker für hysterika / 15.04.2010

Cornelia Funke: Tintenherz

cDv Dressler Verlag
19,90 € (HC)

Cover:

„Die Dunkelheit war blass vom Regen und der Fremde war kaum mehr als ein Schatten. Nur sein Gesicht leuchtete zu Meggie herüber.“
Wer ist Staubfinger, der Fremde, wirklich? Und wer ist Capricorn, wer Zauberzunge? Antworten findet Meggie in einem alten ligurischen Bergdorf – und in einem Buch.

Rezension:

Meggies Vater Mortimer, kurz Mo genannt, hat eine besondere Fähigkeit. Wenn er aus einem Buch vorliest, wird der Text regelrecht lebendig, im wahrsten Sinn des Wortes: Er hat die Macht, Figuren aus Büchern herauszulesen. Für sein Talent muss er jedoch einen hohen Preis bezahlen.
Allein schon die Idee fand ich so faszinierend, dass ich Tintenherz unbedingt lesen musste, und ich wurde mit einem Leckerbissen sonder Gleichen belohnt. Cornelia Funke versteht es, den Leser dermaßen zu fesseln, dass man das Buch unbedingt an einem Tag durchlesen möchte.
Die einzelnen Figuren werden bis in jede noch so kleine Einzelheit liebevoll beschrieben. Meggie, Mo und Tante Elinor teilen meine Liebe zu Büchern und spannenden Geschichten.
Cornelia Funke zitiert aus vielen Abenteuer-Romanen, von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, über „Alice im Wunderland“ bis hin zum „Herr der Ringe“ und beschreibt in farbigen Bildern die Gefühle und Gedanken, die dem Leser dabei durch den Kopf gehen, ohne dabei langweilig oder abgedroschen zu werden.
Alles in Allem ist Tintenherz ein Gesamtkunstwerk, das eine wahre Liebeserklärung an Bücher darstellt. Schade, dass es in Buchhandlungen unter „Kinderbücher“ einsortiert wird – es ist für Erwachsene genau so spannend und fantastisch zu lesen.
Diana Becker / 02.03.2010

Scott Frost: risk – Du sollst mich fürchten

Originaltitel: Run the Risk
Übersetzung: Karl-Heinz Ebnet
Deutsche Erstausgabe Juli 2007
c 2004 by Scott Frost
c 2007 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 474 Seiten / 8,95 €

COVER:

Gelähmt vor Angst sitzt der junge Mann auf einem Stuhl. In Schweiß gebadet, die Augen weit aufgerissen, auf seinem Schoß eine Bombe mit einem Bewegungsmelder. In allerletzter Sekunde können Lieutenant Alex Delillo und ihr Partner sein Leben retten.
Doch der Täter ist trotzdem auf seine Kosten gekommen. Nicht seine Opfer zu töten, verschafft ihm Befriedigung, vielmehr weidet er sich an ihrer Verzweiflung. Auch Alex spürt bald die eisige Hand der Angst im Nacken: Der Psychopath entführt ihre Tochter – und stellt die Mutter vor eine grausame Entscheidung…

REZENSION:

Wäre es nicht bereits ein Buch würde das Sprichwort “Ein Thriller wie er im Buche steht” auf Scott Frost’s RISK perfekt passen – Immerhin spielt der Autor mit allen Elementen, die für einen guten Thriller notwendig sind.
Seine Geschichte um die Ermittlerin Alex Delillo lässt einen nicht mehr los und sorgt unablässig für ein weit oben angelegtes Spannungsniveau. Davon abgesehen, vergisst Scott Frost auch niemals, die persönlichen Probleme und Empfindungen seiner Hauptdarsteller mit einzuweben, wodurch die Geschichte sehr viel Kraft und Energie erhält.
Der gesamte Plot ist absolut flüssig, spannend, voller Action und extrem kurzweilig geschrieben und schreit somit förmlich nach einer hochgradigen Verfilmung.
Sicherlich gibt es Szenen und Wendungen, die man als Thrillerleser eventuell bereits kennt bzw. erwartet – trotzdem bleiben genug neuartige Ideen und ein sehr untypischer Schluss, der die Glaubwürdigkeit des gesamten Buches nur noch bestätigt. Ein Autor, der zu fesseln weiß und nicht mehr vergessen werden sollte!
Jürgen Seibold/19.10.2007

Scott Frost: Fear – Angst hat einen Namen

Originaltitel: Never Fear
Aus dem Amerikanischen von Karl-Heinz Ebnet
Deutsche Erstausgabe April 2009
c 2006 by Scott Frost
c 2009 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 412 Seiten / € 8,95

COVER:

Selten ging Kommissarin Alex Delillo ihr Job so nahe: Am Ufer des L. A. River liegt ein Toter, der ihr Halbbruder gewesen sein soll – ein Bruder, von dem sie zeitlebens nichts wusste! Und bald schon bestätigen weitere Leichenfunde einen grausigen Verdacht: Jemand mordet wie der “Riverkiller”, der vor zwanzig Jahren drei junge Frauen tötete und nie gefasst wurde. Alex ermittelt fieberhaft und begibt sich damit in Lebensgefahr. Denn der Hauptverdächtige damals war ein Mann, den sie für tot hielt. Ohne den es sie und ihren Bruder jedoch nicht gäbe: ihr eigener Vater. Und der scheint sich bester Gesundheit zu erfreuen…

Rezension:

Mit “Fear – Angst hat einen Namen” legt der Autor Scott Frost eine weitere Episode um seine Ermittlerin Alex Delillo vor des geneigten Lesers Augen. Er schafft es hierbei auch geschickt, die im ersten Thriller traumatisierte Hauptdarstellerin mit all ihren Problemen, Ecken und Kanten als glaubwürdige und sympathische Person dar zu stellen.
nachdem erneut seine Kommissarin eher als Opfer agiert, ist man anfangs als Thrillerkenner ob der Vorhersagbarkeit eher etwas abgetan. Dies wird auch leider in der ersten Hälfte des Buches bestätigt. Der Autor ist im Gegensatz zu seinem Erstlingswerk sehr langatmig und scheint zu viel erzählen zu wollen – dies jedoch ohne den Leser mit einer aufbauenden Erwartungshaltung bei der Hand zu nehmen.
Schafft man jedoch diese erste Hürde, entwickelt sich nach zähem Ringen doch noch ein ziemlich interessanter Plot, der dann nach erheblich mehr Details verlangt – hier hätte der Autor zum Erzählen anfangen können, leider scheint er sein Pulver in der ersten Hälfte verschossen zu haben.
Nichts desto trotz ist die folgende Entwicklung als spannend und interessant zu betrachten – insbesondere die in der Vergangenheit aufgetretenen Geschehnisse gefallen sehr gut und hätten noch vielmehr Inhalt verdient. Hiermit kann man Leser fangen, da dieser leicht voyeuristische Drang im Erfahren von Erlebnissen in fast jedem von uns steckt.
Nach der Art des erzählten Endes könnte der Autor problemlos einen weiteren Band nachlegen – dies wird sicherlich auch geschehen. Hierbei sollte er jedoch ein wenig mehr auf Thrillerelemente achten, da ihm sonst die Leser mehr und mehr abhanden kommen könnten. Genügend Potenzial hat der Autor jedenfalls – es muss nur noch stärker aktiviert werden.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Hel Fried: Tinnitus

c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe bei Eldur-Verlag Aachen

COVER:

Zum Buch:
Zweihundert Jahre nach dem Dritten Weltkrieg besteht die dezimierte Menschheit im Wesentlichen aus Bauern in verstreuten Dörfern, sowie Nomaden, die in Schutzanzügen die Überreste strahlenverseuchter Großstädte plündern. Die größte Sorge aller sind jedoch die Dämonen: Menschen, die über furchterregende Kräfte verfügen und einem geheimnisvollen Ruf folgen, den nur sie hören können. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem laut Überlieferung der Teufel auf seine Befreiung wartet, um die Menschheit zu vernichten. Bewaffnete Dämonenjäger haben daher Hochkonjunktur.

Der telepathisch begabte Kramsky verlässt seine Heimat, um das Geheimnis dieses Ortes zu ergründen. Bald ist er nicht nur im Fadenkreuz der Dämonenjäger, er trifft auch auf allerlei obskure Gestalten. – Und er muss feststellen, dass die Angst der Menschen vor dem Untergang der Welt keineswegs unbegründet ist.

Über den Autor:
Hel Fried wurde 1963 in Skandinavien geboren. Aufgewachsen ohne Schulbildung begleitete er jahrelang Rentierkarawanen, die sowjetische Zwangsarbeitslager in der eisigen Tundra Sibiriens mit illegalen Waren versorgten. Während dieser Zeit brachte ihm ein alter Kirgise das Lesen bei, anhand von russischen Science Fiction Romanen, die Teil ihrer Lieferungen waren.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lebte er einige Jahre in Lappland, wo er die ersten Ideen für eigene Geschichten sammelte, ohne sie jedoch niederzuschreiben.
Später machte er in Norwegen eine Ausbildung als Techniker und arbeitete als Überwacher in einer Wetterstation nahe des Polarkreises.
Dort war es auch, wo er Zeit und Muße fand, seinen ersten Roman zu verfassen.

REZENSION:

Was schreibt man über ein Buch, dem man sich nach Beginn der Lektüre bis zum Ende nicht mehr entziehen kann?
Was schreibt man über einen Debutroman, den der Autor nur schwerlich toppen kann?
Was schreibt man über einen Science-Fiction-Roman, der uns einen Spiegel vor hält und gleichzeitig zeigt, wie brutal die Menschheit sein kann?
Was schreibt man über eine Geschichte, die mit ethischen Grundgedanken spielt und deutlich zeigt, dass Religiosität und Glauben zu Intoleranz und Furcht sowie Hass gegen Andersdenkende führen kann?
Was schreibt man über einen Plot, der in seinen 230 Seiten sogar glaubhaft darlegt, was oder wer Gott ist bzw. sein könnte?
Was schreibt man über einen Autor, der es in dieser geringen Anzahl an Seiten schafft, sehr viele glaubhafte Darsteller entstehen zu lassen, die dem Leser auch noch detailliert und bildhaft dargelegt werden?
Hel Fried hat auf jeden Fall in seinem Endzeitroman einige Antworten parat und zeigt deutlich, dass er zu überzeugen weiss und in der oberen Autorenriege mitspielen müsste.
Mehr fällt mir dazu nicht ein und ich verneige mich ehrfürchtig vor diesem Werk und seinem Autoren.
Danke für dieses Buch…
Jürgen Seibold/20.02.05

Andreas Franz: Das Todeskreuz

Originalausgabe Mai 2007
c 2007 by Knaur Taschenbuch
ca. 517 Seiten / 8,95 €

COVER:

Die Staatsanwältin Corinna Sittler wird ermordet in ihrem Haus aufgefunden. In ihrem Mund entdeckt Julia Durant einen Zettel mit den Worten: “Confiteor – Mea Culpa”. Ein Ritualmord? Doch Corinna Sittler war nicht die untadelige Staatsanwältin, für die alle sie gehalten haben. War also Rache das Motiv für die brutale Tat?
Da geschieht in der Nähe von Offenbach ein Mord, der dieselbe Täterhandschrift aufweist, und diesmal ist ein Richter das Opfer. Peter Brandt, der zuständige Kommissar, setzt sich mit Julia Durant in Verbindung – wenn auch äußerst widerwillig…
Zum ersten Mal arbeiten Julia Durant und Peter Brandt, die Ermittler von Erfolgsautor Andreas Franz, zusammen!

REZENSION:

Andreas Franz wird mehr und mehr zum Fahnenträger der deutschen Kriminalautoren. Seine bisherigen Werke erfreuen jedes mal als gute Unterhaltungsliteratur, die dafür sorgt, das man einige Stunden bestens abschalten und abtauchen kann.
Sein Schreibstil ist auch im vorliegenden Band wieder flüssig und eingängig. Man kann diesen Schreibstil fast nur mit dem Begriff “hervorragend” umschreiben, da er es wieder einmal schafft, seinen Krimi unterhaltsam mit dem nötigen Hauch an Spannung vor dem Leser auszubreiten.
Er bleibt dabei glaubwürdig in seiner Darstellung und erfreut ebenfalls durch die intelligente Ausführung – sowohl der Handlung als auch seiner Hauptdarsteller gegenüber.
In “DAS TODESKREUZ” verbindet er nun zum ersten Mal seine beiden bisher unabhängig agierenden Protagonisten Julia Durant und Peter Brandt. Diese beiden grundsätzlich unterschiedlichen Charaktere sorgen allein schon für die ein oder andere Unterhaltungspointe, was den Roman nur noch interessanter macht.
Somit erneut ein sehr gutes Werk von Andreas Franz, daß nun die Fans der Ermittler zusammenführt und weiter an deren Aufklärungsarbeiten mitfiebern lässt.
Absolut empfehlenswert und abermals Zeichen dafür, daß Andreas Franz nun ganz oben in diesem Genre mitspielen kann. Ich freue mich bereits aufs nächste….
Sonja Seibold/02.06.2007

Andreas Franz: Eisige Nähe

(c) 2010 by Knaur Verlag
ca. 584 Seiten / € 16,95

COVER:

Wer hat den produzenten Peter Bruhns auf dem Gewissen? Durch seine spektakulären Auftritte hat er mehr als polarisiert, und die Frauen, die er verführt und dann sitzengelassen hat, sind nicht zu zählen. Hat sich eine von ihnen gerächt? Oder hat etwa seine junge Ehefrau die Hand im Spiel gehabt? Natürlich gerät Frau Bruhns als Erste in Verdacht, doch weder Sören Henning noch Lisa Santos von der Kieler Mordkommission wollen so recht daran glauben, dass sie etwas mit der Tat zu tun hat.
Bei der Obduktion wird nicht nur ein Kontaktgift gefunden, auch Schmauchspuren an der linken Hand des Opfers werden entdeckt. Selbstmord? Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und scheinen eine neue Wendung zu nehmen, als der Rechtsmediziner eine hochbrisante Entdeckung macht, die Henning und Santos in noch größere Verwirrung stößt. Immer stärker drängt sich ihnen der Verdacht auf, dass hier mehr vertuscht als aufgeklärt werden soll, und bald sind sie einem der bestgehüteten Geheimnisse der Politik auf der Spur. Was steckt wirklich hinter dem Mord an dem skandalumwitterten Produzenten?

REZENSION:

Andreas Franz bleibt weiterhin seinem Genre treu und veröffentlicht mit “Eisige Nähe” einen Kriminalroman, der nur so vor Verschwörungen und deren Theorien strotzt. Immer noch kann der Autor überzeugen und verliert keinesfalls den Leser, der sich in Franz’ Verstrickungen sichtlich wohl fühlt und nur ungern zum Ende des Buches kommt.
Andreas Franz bleibt somit weiterhin einer der wichtigsten deutschen Krimiautoren – sollte sein Ideenreichtum nur annähernd auf diesem Niveau bleiben, werden es ihm seine Fans sicherlich danken.
Manch einer vermisst zwar im vorliegenden Band die Ermittlerin Julia Durant – ich bin mir aber sicher, dass diese wieder auftreten wird. “Eisige Nähe” ist somit ein gelungener Abstecher in weitere Krimigefilde.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Andreas Franz: Tödliches Lachen – Ein Julia-Durant-Krimi

Originalausgabe Oktober 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch.
ca. 446 Seiten / € 8,95

COVER:

Kommissarin Julia Durant ist höchst beunruhigt. Mit der Post hat sie einen Umschlag erhalten, in dem sich das Foto einer offensichtlich ermordeten jungen Frau befindet. Ein makabrer Scherz oder aber grausame Wirklichkeit?
Noch während Julia und ihre Kollegen rätseln, wird eine Frauenleiche gefunden – die Frau auf dem Foto!
Lange tappt Kommissarin Durant im Dunkeln, denn Svenja Martens, das Opfer, scheint ein völlig unauffälliger Mensch gewesen zu sein. Doch bald drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Mord nur der Beginn einer grausamen Serie sein könnte. Julia ahnt nicht, dass sich der Täter ganz in ihrer Nähe befindet…

REZENSION:

Mit dem Roman “Tödliches Lachen” ist dem Autor Andreas Franz ein Krimi der Meisterklasse gelungen.
Am Anfang seines Werkes wird man in das Leben des Mörders eingeführt. Einfühlsam beschreibt der Autor die Probleme und vor allem die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Mörder und seinem Vater. Ohne das man es merkt, wird die Person des Mörders zu einer sympathischen und menschlichen Figur – mit allen ihren Problemen, Ängsten und Gefühlen.
Man hat zwar sehr schnell das Gefühl “Ich weiß wer der Mörder ist”, trotzdem tappt man dennoch bis zum Schluss stark im Dunkeln.
Auch die Julia-Durant-Person wird hervorragend beschrieben. Sie wird nicht als Superfrau dargestellt, sondern als eine weibliche Protagonistin, die mit beiden Beinen im Leben steht. Beruflich wie auch privat werden diverse Problematiken geschildert, die jedem von uns in der selben Weise begegnen können.
Des weiteren ist der Kriminalfall in einem flüssigen, leicht lesbaren und bis zum Schluss absolut spannenden Stil geschrieben.
Sonja Seibold/25.10.2006