Anthologie: Tolkiens Erbe

Herausgegeben von Erik Simon und Friedel Wahren
c der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2005
ca. 651 Seiten

COVER:

Mit seinem Epos “Der Herr der Ringe” verhalf J.R.R. Tolkien der Fantasy zu einem beispiellosen Siegeszug. Der Autor des “Buchs des Jahrhunderts” und des beliebtesten Buchs der Deutschen hatte nicht nur zahlreiche Weggefährten, sondern sein Werk rief auch unendlich viele Nachfolger auf den Plan. Und ebenso gibt es so manchen Großmeister der Fantasy, der sich Tolkien und seinen Geschöpfen lieber auf humorvoll-sarkastische Weise nähert. Zwölf der bekanntesten Zeitgenossen und Erben Tolkiens haben zu diesem Buch beigetragen. Es enthält phantastische Abenteuer, magische Märchen und skurrile Geschichten von Lord Dunsany, Stephen R. Donaldson, Michael Moorcock, Ursula K. Le Guin, Terry Pratchett und sieben anderen Kultautoren, so von Andrzej Sapkowski, dem Star der polnischen Fantasy.

REZENSION:

Mit “Tolkiens Erbe” veröffentlicht der Piper-Verlag einen Sammelband gefüllt mit hochkarätigen Autoren der Fantasyszene.
Das Buch unterteilt sich in drei Bereiche:
Es beginnt mit “Zwei Zeitgenossen”, hinter dem sich je eine Story von Lord Dunsany und E.R. Eddison befinden.
Der zweite Abschnitt nennt sich “Tolkiens Erben” und widmet sich mit sieben beteiligten Autoren sehr umfangreich den aktuellen Schriftstellern des Fantasy-Genres. Man findet hierin so glanzvolle Namen wie Andrzej Sapkowski, Jack Vance, Stephen R. Donaldson, Ursula K. LeGuin, Barrington J. Bayley, den sagenhaften Michael Morrcock und eine Erzählung von Tanith Lee, deren “Tochter des Magiers” bereits den Kauf dieses Buches rechtfertigt.
Im dritten Teil dieser Anthologie wenden wir uns den “Tollkühnheiten” zu, in dem sich diese Art von Autoren versteckt, die es sich zur Aufgabe machten, die Fantasy vollgestopft mit Irrsinn, Ironie und Spaß zu erzählen:
Beard + Kennedy, Esther M. Friesner und der erfolgreiche Scheibenwelt-Guru Terry Pratchett mit “Der Zauber des Wyrmbergs”.
Die Lektüre des Buchrückens lenkt ein wenig vom eigentlichen Thema ab: Immerhin wird dabei suggeriert, man befände sich in dieser Anthologie ausschließlich auf Mittelderde. Dem ist natürlich keineswegs so – viel zu eigenständig und einfallsreich sind die beteiligten Autoren.
Nichts desto trotz bleibt eine hochwertige, interessante, teils spannende und mit namhaften Autoren des Genres durchsetzte Anthologie, durch die man mit Sicherheit neue Autoren kennenlernen und somit neue Lesequellen aufspüren und entdecken kann.
Eine sehr breit gefächerte und somit zu empfehlende Anthologie für den Fanatasy-Kenner als auch den Einsteiger.
Jürgen Seibold / 28.05.2007

Anthologie: Holmes und der Kannibale – Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 2

Herausgeber: Roman Sander
c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
 

COVER:

Neben jenen 60 Berichten über die Fälle des Londoner Detektivs Sherlock Holmes, welche von Arthur Conan Doyle als Ghostwriter des Holmes-Freundes Dr. Watson veröffentlicht wurden, gibt es eine ganze Reihe anderer Fälle, die aus diversen Gründen zu Lebzeiten der beteiligten Personen nicht veröffentlicht werden durften. In unserem neuen Jahrtausend jedoch muss das keine Gültigkeit mehr haben, und so eröffnen wir dem geneigten Leser hier eine Sammlung von fünf neuen Fallberichten zur Unterhaltung und zum Nachdenken.

Fall 1: Ein englischer Lord als Kannibale? Welche Umstände führten zu einem so schrecklichen Verhalten?
Fall 2: Gab es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Sherlocks Bruder Mycroft und dem schurkischen Professor Moriarty?
Fall 3: Ein Fluch liegt über der Ausgrabungsstätte, an der englische Archäologen arbeiten. Doch Holmes zweifelt an der realen Existenz eines solchen Fluchs…
Fall 4: Der alternde Sherlock Holmes wird an ein Ereignis erinnert, das er lange Jahre verdrängt hatte. Nun holt ihn die Wahrheit ein.
Fall 5: Unzählige Vermutungen wurden über die wahre Identität von “Jack the Ripper” angestellt. Dem soll nun ein Ende bereitet werden, denn hier finden Sie endlich die Wahrheit über den berühmtesten Serienmörder aller Zeiten.

Die Autoren:
GARY LOVISI, amerikanischer Allround-Schriftsteller (bereits mit einem Buch in der BLACK COLLECTION vertreten)
BARRIE ROBERTS, Brite, Autor einer Reihe neuer Holmes-Romane
MARTIN BARESCH, aufsteigender deutscher Schriftsteller
UND die große Überraschung in diesem Buch: GEOFFREY LANDIS, US-Wissenschaftler und Science-Fiction-Autor.

REZENSION:

Sherlock Holmes ist für mich leider lediglich ein Begriff wie “Columbo”: Ich kenne das meiste nur vom Film. Sicherlich, ich stand sogar schon mal vor dem angeblichen Haus in dem Holmes gelebt haben soll und kam auch schon in den Genuss des ein oder anderen Romanes von Arthur Conan Doyle (nur eben kein “Holmes”).
Nun liegt vor mir ein Band mit fünf Fällen des Meisterdetektivs und ich frage mich, ob solche Kriminalfälle den netten Jürgen vom Ofen hervor locken können…
Pflichtbewusst schlug ich dieses Buch auf und begann überraschenderweise eine Lektüre, die mir sehr deutlich zeigte, dass auch Kriminalfälle, sofern sie gut erzählt werden, absolut spannend und glaubwürdig sein können.
Für einen Nicht-Holmes-Kenner wie mich sind dies meine ersten fünf Berichte des Londoner Detektivs und ich könnte mir vorstellen, dass selbst Arthur Conan Doyle viel Überzeugungsarbeit leisten müsste, um mir klar zu machen, dass er selbst der Erschaffer dieses Phänomens ist. Jaja, wer’s glaubt…
Aus meiner Sicht ist nun der Blitz-Verlag mit diesem Band der Erschaffer Holmes und konnte mich ausnahmslos durch alle fünf Beiträge von insgesamt vier unterschiedlichen Autoren überzeugen.
Die Reihenfolge in diesem Buch ist ebenfalls sehr passend und geschickt gewählt:
Der erste Fall scheint ein ziemlich “klassischer” Fall zu sein, was durch die zweite Geschichte, nun aus der Sicht Holmes’ Bruder Mycroft erzählt, erheblich getoppt wird (Ich steige damit sicherlich keinem auf den Schlitz, da ja die beiden ersten Fälle von demselben Autoren sind).
Erheblich spannender geht es in der dritten, sehr mystisch angehauchten Geschichte weiter. Das Ganze spitzt sich während dem vierten Fall um die ermordete Frau Watsons zu und erreicht seinen Zenit mit der absolut genialen fünften Story, in dem wir auch noch nähere Informationen über “Jack the Ripper” erhalten (welche, sei hier bewusst nicht erwähnt).
Auf jeden Fall handelt es sich bei dieser Geschichte für Holmes-Kenner um schweren Tobak, der aber gleichzeitig sicherlich zu den unheimlichsten aber trotzdem genialsten Fällen Holmes zu zählen ist.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass das Titelbild sehr schön in das damalige London zu führen weiss und die Illustrationen vor den jeweiligen Geschichten eine sehr schöne und passende Einleitung darstellen.
Was will man mehr??
Jürgen Seibold/24.01.2006

Anthologie: Fleisch und andere Appetitverderber

c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 196 Seiten

COVER:

Warnung!
Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sich sicher sein, daß Sie einiges verkraften können. Vielleicht werden Sie hierin Dinge vorfinden, die Sie am liebsten gleich wieder vergessen möchten – aber das wird dann leider nicht mehr möglich sein.

Zehn wahnsinnige Autoren servieren Ihnen ein reiches Menu aus Sex, Blut und Tod – kurzum: Es geht um FLEISCH in jeder Hinsicht.

Psychisch labilen Persönlichkeiten wird vom Genuß abgeraten.

Zum Buch und seinen Autoren:
Kann Horror Literatur sein? Kann Horror Kunst sein? Oder endet jeder Versuch am Ende doch nur in der Aneinanderreihung billiger Schock- und Ekeleffekte?

Dieses Buch ist ein solcher Versuch eines Brückenschlages. Ein kompromisslos abstoßendes Sammelsurium kranker Phantasien, und doch von ganz eigener Ästhetik.

Der Titel ist Programm. Es geht um Fleisch. Das Fleisch des menschlichen Körpers; seine Sinnlichkeit, seine Zerbrechlichkeit, und um das, was übrig bleibt, wenn man dem Menschen seine Menschlichkeit genommen hat. Zum Bedauern, zum Entsetzen, zum Verzehr.

Zehn Autoren haben zum Entstehen dieses Werkes beigetragen. Einige von ihnen sind in gewissen Kreisen bereits Kult, wenngleich man sie dort unter anderem Namen kennt. Und so ist auch dieses Buch etwas ganz besonderes. Erstmals wurde versucht, die besten und zugleich ekligsten Horror-Kurzgeschichten dieser Leute in einem Buch zusammenzutragen. Zu einer Achterbahnfahrt der Seele – und bei empfindlichen Personen auch des Magen-Darm-Traktes.

REZENSION:

Bei diesem Buch scheiden sich mit Sicherheit die Geister. Es befinden sich hierin zehn verschiedene Autoren, deren Kurzgeschichten sich alle um das Thema “Fleisch” in jeglicher Form drehen.
Entstanden ist dabei der absolute Horror!
Die Geschichten pendeln jeweils innerhalb der unterschiedlichen Betrachtungsweisen des jeweiligen Autors: Der eine baut seine Geschichte anhand fleischlicher Gelüste auf; der andere lässt das Thema “Fleisch” um Gewalt, Tod oder schlichtem “gefressen werden” kreisen. Somit ein allumfassendes Menü, welches sämtliche Facetten des Horrors ohne jegliche Scheu und Zensierung beleuchtet und darstellt.
Ebenfalls als positiv anzumerken ist die geschickte Gratwanderung am Rande des Splatters ohne jedoch in diesen Bereich zu driften.
Bisher gab es meistens nur das eine Extrem: Splatter-Horror mit einer Aneinanderreihung von Schocksequenzen ohne jeglichen literarischen Anspruch.
In diesem Buch wurden die Geschichten durch den eldur-verlag jedoch mit sehr geschickt ausgewählt, was zur Folge hatte, dass alle Stories dieses Buches zwar brutal, unzensiert und haarsträubend sind, aber trotzdem in einer sehr hochwertigen Erzählweise vor dem Leser ausgebreitet werden. Dies wiederum sorgt natürlich dafür, daß die Geschichten beim Leser erheblich intensiver wirken – man muss schon was verkraften können.
Die Warnung am Buchrücken sollte daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Psychisch labile Personen sollten wirklich die Finger davon lassen. Allen hartgesottenen und trotzdem anspruchsvollen Lesern dieses Genres kann dieses Buch nur empfohlen werden!
Kurzum: Wer sich solche Geschichte ausdenkt, kann eigentlich nur wahnsinnig sein – in diesem Fall sind die Autoren jedoch auch noch wahnsinnig gut.
Jürgen Seibold/30.06.2005

Anthologie: Drachennächte

Herausgeber: Roman Sander
April 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Inmitten eines tobenden Sturmes, unter dem Heulen der Geister, wird ein Kind geboren, dem man magische Kräfte zuschreibt…
Fantasy – das sind Geschichten wie aus uralten Zeiten: die sturmgepeitschte Nacht über dem Rhein, der Wald, der sich dem Zorn eines Knaben beugt, die einsame Gebirgskluft, die ein Ungeheuer beherbergt, der Rand der Weltenscheibe, unter der sich das Sternenmeer erstreckt, und, ja, auch einen richtigen Drachen gibt es hier, von jeher ein Symbol für Urkräfte, für das Böse, aber auch für Weisheit…
Zehn spannende Fantasy-Geschichten, sieben davon erscheinen hier erstmals auf Deutsch.

Autoren:
Uschi Zietsch / Terry Pratchett / Anna Kashina / Uwe Luserke / David Case / David C. Smith / Hans Dieter Römer / Lucius Shepard / Chris Naylor / Marion Zimmer Bradley & Ted White

REZENSION:

Drachennächte beinhaltet zehn Kurzgeschichten aus dem Fantasy-Genre, die – entgegen dem Buchtitel – nur vereinzelt von Drachen handeln. Davon abgesehen hat es der Herausgeber Roman Sander perfekt geschafft einen großen Teil der Creme-de-la-creme dieses Genres zu vereinen.
Darüber hinaus schafft es jede einzelne Geschichte zu fesseln und den Leser virtuos in fantastische Welten und Zeiten zu entführen.
Die Geschichten sind sehr geschickt ausgewählt und reichen von zarten und märchenhaften bis hin zu bitterbösen Erzählungen. Jede einzelne ist bereits ihr Geld wert und es offenbart sich ein sehr hohes erzählerisches Niveau, das durch keine einzige Geschichte unterbrochen wird.
Der Vorteil bei Kurzgeschichten liegt ja daran, daß man mal nebenbei ohne viel zeitlichen Aufwand die Umwelt vergessen oder sogar verlassen kann. Bei diesem Buch wird man aber weiterlesen und weiterlesen und weiter…. – bis man leider nach zu kurzer Zeit alle zehn Perlen gelesen hat.
Was kommt dann? – Man liest es nochmal und …
Ein Buch, das im Regal nicht verstauben kann…
Jürgen Seibold/25.03.05

Anthologie: Vampirwelten

Anthologie herausgegeben von
 Ines Binnemann und Oliver Baglieri
u-books Verlag, Augsburg

COVER:

– Unsterblichkeit –
Ein Traum so alt, wie die Menschheit selbst. Das endlose Verlangen, dem Tod zu entrinnen und die Sehnsucht nach Schönheit und Perfektion findet vollkommene Vollendung in der Figur des Vampirs. Der Untote regt Fantasien an und lädt ein, zu Reisen in mysteriöse Dunkelheiten, in der Naturgesetze aufgehoben sind. Wie unterschiedlich Vampirwelten sein können, zeigen die Geschichten und Gedichte dieser Anthologie. Das Besondere an “Vampirwelten” ist, dass dieser leise Hauch der Ewigkeit ausnahmslos aus der deutschsprachigen Vampir-Szene weht.
Britta Radkowsky
www.sanktuarium.de

REZENSION:

Vampirwelten ist eine Anthologie mit Beiträgen von 31 Autoren, die sich alle um das Thema Vampire bewegen und trotzdem nicht unterschiedlicher sein können.
Anfangs war ich leicht geschockt: Beim Durchblättern sah ich nicht nur Kurzgeschichten sondern auch viele Gedichte. Dazu muss ich sagen, das es bis jetzt nur zwei Gedichte gab, die mir gefallen haben. Das eine ist „Der Rabe“ von Poe und das zweite ein vor zehn Jahren von mir selbst geschriebenes Kurzgedicht.
Aber egal: Ein Rezensionsexemplar ist ein Rezensionsexemplar – also lesen.
Die 190 Seiten lassen sich relativ gut und zügig durchlesen. Wie es aber bei fast allen Anthologien der Fall ist, gibt es Gedichte/Geschichten, die einem gar nicht gefallen und gleichzeitig eine mindestens gleiche Anzahl davon, die einem gut bis sehr gut gefallen. Es hat mir mehr als die Hälfte gut bis sehr gut gefallen (sogar bei den Gedichten), was für eine Anthologie positiv zu bewerten ist. Sehr interessant an Vampir-
welten ist die unterschiedliche Betrachtungs- und Ausführungsweise der Autoren. Allein aus diesem Grund wird die Anthologie noch etwas wertvoller. Hinzu kommt – wieder einmal – der Schaffungsreichtum der deutschen „Untergrund“-Schreiberszene.
Ein einziger Punkt hat mich ein wenig gestört: Die Herausgeber haben im Text auf jeder Seite ein Wort in einer größeren, ins Auge springenden Schrift dargestellt. Die Idee an sich ist ganz gut – Problem ist jedoch, daß das Auge beim Umblättern und beim Lesen immer wieder auf diese Stelle springt und dadurch der Lesefluss etwas gestört wird.
Alles in allem handelt es sich um eine sehr interessante Sammlung, die sehr stark vom Ideenreichtum und der verschiedenen Betrachtungsweisen der Autoren lebt und dadurch zu einer kleinen, weiteren aber auch schönen Insel im Genre der Vampire wird und jedem „Vampir“ positiv in Erinnerung bleibt.
 Jürgen Seibold 18.07.03

Friedrich Ani: Wer lebt, stirbt

Originalausgabe April 2007 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Lizenzausgabe mit Genehmigung des Paul Zsolnay Verlags
c 2007 Paul Zsolnay Verlag, Wien
ca. 222 Seiten / € 7,95

COVER:

Die Leiche liegt zusammengekrümmt auf dem Teppich, ihr Gesicht ist aufgequollen, das zerrissene Hemd weist dunkle Flecken auf. Falk Sieger, Angestellter eines Münchner Wach- und Sicherheitsdiensts, ist erstochen worden. Der Verdacht fällt schon bald auf Siegers Kollegen Jens Schulte. Eines kommt Hauptkommissar Jonas Vogel dabei allerdings seltsam vor: Schulte wird von einem sündhaft teuren Anwalt vertreten: Hilmar Opitz. Dieser steckt im Moment jedoch selbst in Schwierigkeiten, denn seine heimliche Geliebte ist entführt worden, und er wird erpresst. Die Sache sei äußerst delikat, erklärt Dezernatsleiter Schuhmacher, Stadtrat Opitz kandidiere schließlich für das Amt des Oberbürgermeisters; Vogel solle sich deshalb nicht in die Arbeit der Sonderkommission einmischen. Vogel stutzt. Noch nie hat Schuhmacher ihm bei seinen Ermittlungen die Zügel angelegt. Steht der Mord an dem Wachmann etwa in Zusammenhang mit der Erpressung? Zum ersten Mal in seiner Laufbahn arbeitet der Hauptkommissar hinter dem Rücken seines Vorgesetzten mit seinem Sohn, Oberkommissar Max Vogel, zusammen, der mit dem Entführungsfall betraut worden ist. Doch dann geschieht etwas, das Jonas Vogels Leben für immer verändert…

Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, ist Absolvent der Drehbuchwerkstatt an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und arbeitete als Reporter und Hörfunkautor. Neben dem Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums erhielt er den Radio Bremen Kriminalpreis und zweimal den Deutschen Krimipreis für seine Romane um den Ermittler Tabor Süden. Für seinen Roman “Idylle der Hyänen” wurde er mit dem Tukan-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Friedrich Ani lebt in München.

REZENSION:

Interessanter Weise wird Friedrich Ani in unseren Landen mehr und mehr als fulminanter Krimiautor gelobt. Vielleicht ist dies auch für seine weiteren Bücher absolut gerechtfertigt – ich bin der letzte, der aufgrund eines einzigen und auch noch recht kurzen Buches jemandem diese Lorbeeren streitig machen würde.
Nichts desto trotz ist das vorliegende Buch “Wer lebt, stirbt” alles andere als ein spannender Kriminalfall, der den Leser fesseln sollte. Die grundsätzliche Idee mit dem erblindeten Ermittler ist sehr interessant und kann sicherlich noch für viel Stoff in den Folgebänden sorgen. Im vorliegenden Buch jedoch kommt Friedrich Ani trotz der nur knapp über 200 Seiten langen Geschichte nicht ins Rollen und man wartet nach dem Genuss des halben Buches immer noch auf den erhofften Krimi- bzw. Spannungseffekt.
Ani legt viel Wert auf die Darstellung seiner Personen und zeigt dabei auch einen großen Hang zum Detail – dies ist positiv, doch ein Krimi muss in erster Linie zur Unterhaltung des Lesers dienen und dieses Genre sollte sich auch mit einigermaßen spannenden Plots zu erkennen geben. “Wer lebt, stirbt” bewegt sich leider eher auf dem Kriminiveau der öffentlich-rechtlichen Sender: wenig Steigerungen, wenig Spannung … – es plätschert so dahin und bleibt durchgehend oberflächlich, was es jedem Leser erschwert, offenen Auges die Geschichte zu ergründen.
Normalerweise würde ich ein 200 Seiten umfassendes und dabei fesselndes Buch innerhalb kürzester Zeit verschlingen – bei “Wer lebt, stirbt” kam ich nicht mal  zum Ende…
Jürgen Seibold/29.12.2007

Poul Anderson: Das zerbrochene Schwert

Originaltitel: The Broken Sword
Übersetzung: Rosemarie Hundertmarck
c 1971 Poul Anderson
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München
303 Seiten

COVER:

In einem mythischen Zeitalter wird der Menschensohn Skafloc von den Elfen großgezogen. Gemäß einer alten Prophezeiung ist er als Einziger in der Lage, das legendäre zerbrochene Schwert wieder zusammenzufügen. Und nur er kann die Waffe schwingen, die im Krieg der Elfen gegen die Trolle die Entscheidung bringen soll. Doch durch den Gebrauch des Schwerts erfüllt sich ein tragisches Schicksal…
Zeitgleich mit “Der Herr der Ringe” erschienen, gilt “Das zerbrochene Schwert” als das düstere Gegenstück zu Tolkiens Werk. Meisterhaft verarbeitet Poul Anderson die Sagen und Mythen des Nordens zu einem fesselnden und sprachlich dichten Fantasy-Epos.

Poul Anderson, geboren 1926 in Bristol, Pennsylvania, und dort 2001 verstorben, zählt zu den beliebtesten und bedeutendsten phantastischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Der Sohn skandinavischer Einwanderer studierte Physik und schloss die Universität mit Auszeichnung ab. Fortan widmete er sich dem Schreiben und gewann während seiner fünfzig Jahre überdauernden Schriftsteller-Karriere unzählige Preise. Die nordische Sagenwelt faszinierte Anderson von Beginn an und übte großen Einfluss auf sein Werk aus.

REZENSION:

“Das zerbrochene Schwert” von Poul Anderson erschien erstmals 1954 – somit im selben Jahr, in dem der erste Herr-der-Ringe-Band ‘Die Gefährten’ von J.R.R. Tolkien das Licht der Welt erblickte.
Beide Werke arbeiten mit ziemlich ähnlichen Figuren und Themen. Während jedoch Tolkien eine absolut eigenständige Welt erschuf, legte Poul Anderson seine Elfen und Trolle in uns bekannte Gefilde, wie z.B. England.
Während bei Tolkien ein über 1000-seitiges Werk entstand, ein Volumen dem viele spätere Fantasy-Autoren manchmal erfolgreich – manchmal verzweifelt hinterherlaufen, beweist Poul Anderson die Unnötigkeit eines heutzutage oft unnütz aufgeblasenen Werkes (was nicht heißen soll, daß “Der Herr der Ringe” aufgeblasen wäre!!!).
“Das zerbrochene Schwert” ergiest sich über lediglich 303 Seiten, womit man zwar das gefühl hat, es könnte ruhig noch mehr sein, aber Poul Anderson hat damit absolut einwandfrei erzählt was er erzählen wollte.
Im Gegensatz zu Tolkien geht Anderson ein wenig düsterer und brutaler zur Sache und mangels meiner Kenntnis über ältere Fantasyromane dieser Art ist “Das zerbrochene Schwert” sicherlich einer der Begründer des Dark-Fantasy-Genres.
Grundsätzlich sei dieses Buch neben jedem Tolkien-Leser auch jedem Fantasyfan an sich uneingeschränkt ans Herz zu legen.
Meiner Meinung nach sollten sich noch viel mehr Fantasy-Autoren daran versuchen, eine Geschichte trotz der für das Genre doch recht geringen Seitenzahl zu erschaffen, die trotzdem oder gerade deshalb voller Spannung, Dichte, detaillierter Zeichnung und Glaubwürdigkeit steckt.
Jürgen Seibold/16.10.05

Andreas Albes: Der Schatz

Originalausgabe August 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 234 Seiten

COVER:

Das kleine Dorf Sabunja im Norden Iraks wirkt, als währe Saddam noch immer an der Macht. Nirgends sind amerikanische Soldaten zu sehen. Irakische Milizen, vermummte Männer mit Kalaschnikows, kontrollieren das Gebiet. Lastwagen mit dem Kürzel einer deutschen Hilfsorganisation fahren tagaus, tagein nach Sabunja. Was haben sie in Saddam Husseins ehemaligem Palast zu tun? – Michael Bellow wird für eine Berliner Tageszeitung nach Bagdad geschickt. Der Krieg ist vorbei, es herrschen Chaos und Anarchie. Beim Besuch in einem türkischen Bad belauscht er das Gespräch zweier Männer. Es geht darin offenbar um die Plünderungen der staatlichen Museen und darum, dass unersetzliche Kunstschätze nach Europa geschmuggelt werden sollen. Bellow beginnt zu recherchieren und steht kurz vor einem echten Scoop…

Andreas Albes, geboren am 30. Juni 1967 in Göttingen, war früher Polizeireporter bei der “Abendzeitung”, der “tz” und “Bild” in München, dann Lokalchef bei der “Neuen Presse” in Hannover. 1998 wechselte er als In- und Auslandsreporter zum “Stern” (u.a. Reportagen im Irak und im Kosovo, in Afghanistan, Namibia und Brasilien). 2003 erschien sein erster Roman, “Die Insel”. Albes lebt derzeit als Russland-Korrespondent in Moskau. “Der Schatz” ist sein zweiter Roman.

REZENSION:

Andreas Albes zeigt in “Der Schatz” sehr deutlich zu welchem Irrsinn mit Sicherheit einige Lebewesen dieses Planeten möglich sind. Ein Krieg sollte nicht als Quell der Geldvermehrung verwendet werden – leider ist dies schon ein Widerspruch in sich, da die meisten Kriege alleine dadurch entstehen – somit sind Kunsträuber, die sich den Umstand eines Krieges zunutze machen, schon fast wieder verständlich.
Durch die Jagd auf die Kunsträuber in den Wirren des Krieges zeigt Andreas Albes ein schönes Gespür für eine spannende Geschichte die problemlos den Leser unterhalten kann. Seine Sprache ist manchmal zwar etwas simpel – interessanterweise führt dies beim vorliegenden Plot jedoch eher zu mehr Authentizität als das es ihm schaden könnte.
Übrig ist jedenfalls ein sehr spannender Krimi um einen sympathischen und glaubwürdigen Hauptdarsteller – somit problemlos als Reiselektüre oder als entspannenden und trotzdem spannenden Unterhaltungsroman für den Krimifan zu empfehlen.
Jürgen Seibold/11.11.2007

Cecilia Ahern: P.S. Ich liebe Dich

Originaltitel: P.S. I love you
Übersetzung: Christine Strüh
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Krüger Verlag
ca. 416 Seiten

COVER:

Der Plan war einfach: zusammenbleiben, ein Leben lang. Doch nun ist Gerry tot. Gehirntumor. Und Holly, erst 29, bleibt alleine zurück. Wie soll sie nun weitermachen? Alles scheint zu Ende. Da taucht ein Paket mit Briefen auf: von Gerry, geschrieben in seinen letzten Lebenstagen, für Holly, für die nächsten Monate. „Werde Karaoke-Queen, Holly! Suche Dir endlich einen interessanten Job, Holly! Greif nach den Sternen, Holly! Und P.S: Ich liebe Dich!“. Holly lacht, weint, und tut, was Gerry schreibt: sie lernt, wer ihre wahren Freunde sind. Sie lernt, sich ein wenig neu zu verlieben und macht mit jedem Brief eine Schritt in ein neues Leben und ein neues Glück.

Die Autorin:

Cecilia Ahern, geboren 1981, ist die Tochter des irischen Ministerpräsidenten. Sie studierte in Dublin Film, Journalismus und Medienkommunikation. Ihr erster Roman „P.S. Ich liebe Dich“ erschien 2004 und führte in der irischen sowie in der britischen Sunday Times die Bestsellerlisten an. Der Roman wurde in 50 Länder verkauft und erschien in 15 Sprachen. Die Filmrechte wurden von Warner Brothers erworben. Bisher erschienen von Cecilia Ahern außerdem die Romane „Für immer vielleicht“ (2005) und „Zwischen Himmel und Liebe“ (2006).

REZENSION:

Cecilia Ahern nimmt den Leser mit auf eine Reise in der Achterbahn der Gefühle ihrer Hauptfigur Holly. Das Leben scheint für die junge Frau zu Ende zu sein, noch bevor es richtig angefangen hat, zumindestens bis sie die Briefe in den Händen hält, die Gerry ihr noch vor seinem Tod geschrieben hat: zwölf Stück, für jeden Monat einen. Begleitet von ihrer Familie und ihren Freunden macht sich Holly auf den Weg zurück ins Leben, zuerst an der Hand von Gerry und seinen Briefen, bis sie dann ganz allmählich lernt, ihren Weg alleine zu gehen. Man kann eigentlich gar nicht anders als mit ihr zu weinen und zu lachen, manchmal zwei Schritte vor und wieder einen zurück zu machen, gespannt zu sein auf den nächsten Monat, den nächsten Brief, ihre nächste Aufgabe und darauf, ob und wie sie sie meistern wird. Der Leser taucht mit Holly ein in den bunten Kosmos von Hollys Familie und Freunden, mit all seinen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Geschichten. Man ist beinahe ebenso überrascht wie Holly, wenn man erfährt, dass das Leben der Anderen weiter geht, wo ihres doch stehen geblieben zu sein scheint. Man möchte Holly manchmal in den Arm nehmen und manchmal aufrütteln. Cecilia Ahern spielt auf der Klaviatur der Emotionen und reizt mit dieser Geschichte das gesamte Spektrum komplett aus.
Fazit:  „P.S: Ich liebe Dich“ verdanke ich ein paar ebenso intensive wie kurzweilige Lesestunden. Es ist eine Lektüre, bei der man schon mal alles andere um sich herum vergessen kann.
Susanne Mayer für Hysterika, 26.Juni 2006