Anne George: Mörderische Aussichten

Originaltitel: Murder Gets A Life
Deutsch von Christiane Filius-Jehne
Deutsche Erstausgabe Oktober 2008
c 1999 Anne George
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 303 Seiten / € 8,95

COVER:

Schon wieder eine Hochzeit! Aber diesmal ist Mary Alice gar nicht erfreut: Dieses kleine blonde Biest namens Sunshine, das sich ihren Sohn geangelt hat, ist doch nur hinter seinem Geld (beziehungsweise dem von Mary Alice) her… Die schlimmsten Befürchtungen über die gar nicht feine Herkunft der Auserwählten bestätigen sich beim ersten Besuch von Mary Alice, zu dem sie Patricia Anne natürlich mitnimmt. Als Erstes stolpern sie in der nicht gerade eleganten Behausung der angeheirateten Familie (einem Wohnwagen) gleich mal über eine Leiche. Worauf die Dinge ein klein wenig hektisch werden. Und dann immer schockierender. Kann es wahr sein, dass Sunshines Mutter ihre Brötchen mit Sexfilmen verdient?!

REZENSION:

Zwei reizende alte Schwester, die mörderische Hitze von Alabama, eine Blondine namens Sunshine und eine gut verdienende Pornodarstellerin. Was will der Leser mehr? Na gut, die Leiche fehlt. Aber auf die braucht er nicht lange zu warten und schon sind wir mitten drin in einem der herrlich schräg anmutenden Krimis von Anne Caroll George, die mit skurrilen Charakteren, witzigen Dialogen, einer ordentliche Portion Südstaatenflair und einer Menge an Charme punkten und dem Leser, der leichte, witzige Kost mag, immer wieder aufs Neue begeistern. Schwer beschäftigt mit heimischem Klatsch und Tratsch absolvieren sie ihr mehr oder weniger umfangreiches Familienleben an dessen Rande mal wieder ein Mord geschieht und jemand spurlos verschwindet. Eine wunderbare Krimikomödie mit amüsanten Wortwechseln, überraschenden Wendungen, subtiler Spannung und, wie sollte es anders sein, auch gefährlichen Situationen. Eine Leseempfehlung für alle, die nicht auf Action, übermüdete Kommissare und Ritualmorde Wert legen.
Dorit Wiebke für hysterika.de / 25.09.2009

Laura Gallego García: Geheime Welt Idhún – Die Verschwörung

Originaltitel: Memorias de Idhún – La Resistencia (2004; Ediciones SM, Madrid)
Übersetzung: Ilse Layer
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 510 Seiten / € 12,50

COVER:

Die geheime Welt Idhún leidet unter dem Regiment des Schwarzmagiers Ashran. Nur wenige Bewohner Idhúns konnten vor seiner Schreckensherrschaft auf die Erde fliehen. Dort entbrennt ein Wettlauf auf der Suche nach dem letzten Einhorn und dem letzten Drachen. Denn nur wenn die Energie dieser Tiere miteinander verschmolzen wird, kann Ashrans Macht gebrochen werden. In Ashrans Diensten sucht Kirtash, trotz seiner Jugend ein unbarmherziger, aber charismatischer Kämpfer, nach diesen Geschöpfen. Ihm entgegen stellen sich die beiden Jugendlichen Victoria und Jack. Für Victoria ist Jack bald mehr als ein Kampfgefährte gegen Ashran – aber auch von Kirtash ist sie fasziniert…

Laura Gallego García wurde 1977 bei Valencia in Spanien geboren. Sie hat Geschichte und Spanische Literatur studiert und sich auf Themen des Mittelalters spezialisiert.
Für ihren ersten Roman >Finis Mundi< bekam sie den renommierten Preis >El Barco de Vapor<. Seither hat sie zwölf Bücher veröffentlicht. Heute lebt sie in einem kleinen Ort in der Nähe von Valencia.

REZENSION:

Die Autorin nimmt den Leser in diesem 1. Teil einer Trilogie mit auf eine Reise, die einen aufgrund des wunderschön 3-farbig und schlicht gestalteten Umschlages vermuten lässt, was das Buch von Seite 1 an auch zu halten verspricht. Eine Reise in eine Märchenwelt von Feen, Drachen, Magiern, fliegenden Schlangen und so einigen anderen Arten von Fantasyfiguren. Man entflieht mit Jack, der zu Beginn harte Verluste einstecken muss und eine gewisse „unnatürliche“ Begabung hat, aus einem schrecklichen Alltag und taucht tief ein in die Welt der Magie. Liest man zu Beginn das Zitat von Paul Coelho, so wird man während man das Buch verschlingt, weil man es – wie magisch- einfach nicht wieder zur Seite legen kann, dieses Zitat immer wieder im Kopf umher schwirren haben. Ein Passenderes hätte man nicht wählen können.

Gleichgültig, was ein Mensch tut,
er steht jederzeit im Mittelpunkt der Weltgeschichte.
Doch meist weiß er es nicht.“
(Paul Coelho, der Alchimist)

 
Auffallend ist, dass man all das Geschriebene auch auf den normalen heutigen Alltag beziehen könnte, ein wenig „modifiziert“ zwar, aber dennoch stecken viele Weisheiten in diesem wunderbaren Werk.
 Laura Gallego García hat mit diesem einmalig plastisch geschriebenen Buch eine Welt geschaffen, die man sich perfekt vorstellen kann und in die manch einer gern entfliehen würde. In seinen ganz persönlichen Rückzugsraum, durch eine Seele, die erkennt, wen man darin haben will und wer nicht willkommen ist.
Da es hier nun aber um ein Fantasywerk geht, will ich meine Rezension auch wieder in diese Bahn lenken.
Der erste Teil einer Trilogie, die zeitgleich auch meine erste Begegnung mit dem Genre Fantasy ist, bietet auf 508 Seiten Spannung, Entspannung, Abenteuer und Erlebnis pur.
Das Buch ist gegliedert in 2 Teile mit jeweils 14 Kapiteln und einem Epilog. Jack, eine der letztendlich 2 Hauptpersonen, hat man das 1. Kapitel gewidmet, während man sein Schicksal verfolgt, welches überhaupt erst dazu führt, dass er diese fremde, und noch so vertraute Welt Idhún kennen lernen darf.
Es gibt eben jenen Ort, an den die „Verschwörung“ – anfänglich bestehend aus  dem Magier Shail, dem Krieger Alsan und dem jungen Waisenmädchen Victoria, die ebenfalls seltsame Kräfte ihr Eigen nennt, sich in den Künsten von den beiden Anderen unterrichten lässt und die Hauptfigur Nr. 2 ist- sich mithilfe einer, aus dem vom Schwarzmagier Ashran belagerten Idhún, geretteten Seele , zurückziehen kann.
Diese Seele kann die Mitglieder, welche alle aus der Welt Idhún stammen, aber ins Exil geschickt oder teilweise auch geflohen sind, erkennen und bietet Ihnen Schutz vor Ashran und seinem Sohn Kirtash, der Halb-Magier (Mensch) ist und Halb-Shek (fliegende Schlange), indem er dieses Team in alle Teile sämtlicher Welten schicken kann und sie auch wieder zurück in die kleine, aber wunderschöne Welt, genannt Limbhad zurückholen kann.
In diese Welt können Ihnen die Bösewichte nicht folgen. Man lernt im Verlauf des Werkes sämtliche Emotionen kennen, die Mensch sich vorstellen kann. Besonders an diesem Buch, bzw. am Schreibstil Garcías ist, dass man das Gefühl hat, man wäre Teil jeglicher Neuentdeckung und jeglichen Kampfes der Helden, Teil der „Verschwörungsgruppe“, einfach Teil der Fantasywelt Limbhad. Dieser 1. Band ist eine tolle Mischung aus Freundschaft, Vertrauen, Stärke, Fantasy und Mut. Es gibt überraschende Wendungen, die zwar teilweise ein wenig vorhersehbar sind für jeden aufmerksamen Leser, die aber gleichzeitig neue Geheimnisse offenbaren und neue Fragen aufwerfen, die man als Leser unbedingt noch wissen muss, was dann schon einmal dazu führen kann, dass man in diese 508 Seiten so tief versinkt, dass man nicht wieder aufhören kann zu lesen und – so wie ich- das Abenteuer in knapp 5h verschlingt.
Wie Profi- Fantasyfans dieses Buch einordnen würden, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir als „Neuling“ in diesem Genre und als Pen&Paper- Rollenspielerin hat es den Einstieg in diese Welt sehr versüßt und Lust auf mehr gemacht! Daher finde ich es sehr empfehlenswert und werde mich sicher bald in Band 2 vertiefen.
Ina O. für Hysterika.de / 01.05.2009

Rebecca Gablé: Das Spiel der Könige

Verlag: Bastei Lübbe; 10,99 €
Deutsche Erstausgabe © 2007

COVER:

„In diesen Zeiten wird man unversehens zum Verräter. Oft unfreiwillig und schneller, als man es begreifen kann. Alles ist in Bewegung; nichts hat mehr Gültigkeit. Und es gibt niemanden, dem du noch trauen kannst …“
England 1455: Der Bruderkrieg zwischen Lancaster und York um den englischen Thron macht den achtzehnjährigen Julian unverhofft zum Earl of Waringham. Als mit Edward IV. der erste König des Hauses York die Krone erringt, brechen für Julian schwere Zeiten an. Obwohl er ahnt, dass Edward seinem Land ein guter König sein könnte, schließt er sich dem lancastrianischen Widerstand unter der entthronten Königin Marguerite an, denn sie hat ihre ganz eigenen Methodenen, sich seiner Vasallentreue zu versichern. Und die Tatsache, dass seine Zwillingsschwester eine gesuchte Verbrecherin ist, macht Julian verwundbar …

REZENSION:

Nach „Die Hüter der Rose“ und „“Das Lächeln der Fortuna“ ist „Das Spiel der Könige“ der dritte Roman von Rebecca Gablé, in dem die Hauptfiguren zur fiktiven Familie Waringham gehören. Auch wenn diese Familie nur der Fantasie einer brillanten Romanautorin entsprungen ist, kann sie so oder so ähnlich dennoch existiert haben.
Wie in allen vorherigen Romanen von Rebecca Gablé wird auch hier das Leben von Julian von der Jugend bis ins (für damalige Verhältnisse) hohe Alter erzählt, neu ist allerdings, dass seine Schwester Blanche ebenfalls im Vordergrund steht. Als Earl bewegen sich Julian und seine Angehörigen in den Kreisen des englischen Hochadels und im Freundeskreis des Königs und genießen deren Vertrauen.
In vielen bunten Facetten werden alle Figuren dargestellt, jeder Charakter ist so vielschichtig, wie Menschen nun einmal sind. Der Spagat zwischen geschichtlichen Fakten und Fiktion ist Rebecca Gablé wieder einmal vortrefflich gelungen. Dabei ist das Kapitel der „Rosenkriege“ eine besonders dunkle Zeit in der englischen Geschichte, voller blutiger Schlachten, grausamer und despotischer Edelleute, die auch vor Mord am König und dem Kronprinzen nicht zurück schreckten.
Julians Hauptproblem besteht darin, seinen eigenen Weg zu finden, sich nicht in blutige Intrigen verwickeln zu lassen. Dabei muss er auch Bündnisse mit Personen eingehen, die er verachtet, und den „Thronräuber“ zum Feind erklären, obwohl er ihn als Mensch schätzt.
Was ich persönlich recht anstrengend fand, waren die Ausführungen über Verwandtschaftsverhältnisse – in einer Zeit, in der es normal war, dass eine Witwe oder ein Witwer erneut heiratete, dass Edelleute mit ihren Konkubinen aus Adelshäusern Kinder hatten und dass Ehen zwischen Cousin und Cousine erlaubt war. Dadurch waren die Adligen irgendwie alle untereinander verwandt, und die Namen Richard, Edward und Henry beziehungsweise Anne und Marguerite häufen sich in erschreckender Art und Weise.
Dennoch ein absolutes „Muss“ für alle Fans von historischen Romanen!
Diana Becker für hysterika / 15.04.2010

Cornelia Funke: Tintenherz

cDv Dressler Verlag
19,90 € (HC)

Cover:

„Die Dunkelheit war blass vom Regen und der Fremde war kaum mehr als ein Schatten. Nur sein Gesicht leuchtete zu Meggie herüber.“
Wer ist Staubfinger, der Fremde, wirklich? Und wer ist Capricorn, wer Zauberzunge? Antworten findet Meggie in einem alten ligurischen Bergdorf – und in einem Buch.

Rezension:

Meggies Vater Mortimer, kurz Mo genannt, hat eine besondere Fähigkeit. Wenn er aus einem Buch vorliest, wird der Text regelrecht lebendig, im wahrsten Sinn des Wortes: Er hat die Macht, Figuren aus Büchern herauszulesen. Für sein Talent muss er jedoch einen hohen Preis bezahlen.
Allein schon die Idee fand ich so faszinierend, dass ich Tintenherz unbedingt lesen musste, und ich wurde mit einem Leckerbissen sonder Gleichen belohnt. Cornelia Funke versteht es, den Leser dermaßen zu fesseln, dass man das Buch unbedingt an einem Tag durchlesen möchte.
Die einzelnen Figuren werden bis in jede noch so kleine Einzelheit liebevoll beschrieben. Meggie, Mo und Tante Elinor teilen meine Liebe zu Büchern und spannenden Geschichten.
Cornelia Funke zitiert aus vielen Abenteuer-Romanen, von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, über „Alice im Wunderland“ bis hin zum „Herr der Ringe“ und beschreibt in farbigen Bildern die Gefühle und Gedanken, die dem Leser dabei durch den Kopf gehen, ohne dabei langweilig oder abgedroschen zu werden.
Alles in Allem ist Tintenherz ein Gesamtkunstwerk, das eine wahre Liebeserklärung an Bücher darstellt. Schade, dass es in Buchhandlungen unter „Kinderbücher“ einsortiert wird – es ist für Erwachsene genau so spannend und fantastisch zu lesen.
Diana Becker / 02.03.2010

Scott Frost: risk – Du sollst mich fürchten

Originaltitel: Run the Risk
Übersetzung: Karl-Heinz Ebnet
Deutsche Erstausgabe Juli 2007
c 2004 by Scott Frost
c 2007 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 474 Seiten / 8,95 €

COVER:

Gelähmt vor Angst sitzt der junge Mann auf einem Stuhl. In Schweiß gebadet, die Augen weit aufgerissen, auf seinem Schoß eine Bombe mit einem Bewegungsmelder. In allerletzter Sekunde können Lieutenant Alex Delillo und ihr Partner sein Leben retten.
Doch der Täter ist trotzdem auf seine Kosten gekommen. Nicht seine Opfer zu töten, verschafft ihm Befriedigung, vielmehr weidet er sich an ihrer Verzweiflung. Auch Alex spürt bald die eisige Hand der Angst im Nacken: Der Psychopath entführt ihre Tochter – und stellt die Mutter vor eine grausame Entscheidung…

REZENSION:

Wäre es nicht bereits ein Buch würde das Sprichwort “Ein Thriller wie er im Buche steht” auf Scott Frost’s RISK perfekt passen – Immerhin spielt der Autor mit allen Elementen, die für einen guten Thriller notwendig sind.
Seine Geschichte um die Ermittlerin Alex Delillo lässt einen nicht mehr los und sorgt unablässig für ein weit oben angelegtes Spannungsniveau. Davon abgesehen, vergisst Scott Frost auch niemals, die persönlichen Probleme und Empfindungen seiner Hauptdarsteller mit einzuweben, wodurch die Geschichte sehr viel Kraft und Energie erhält.
Der gesamte Plot ist absolut flüssig, spannend, voller Action und extrem kurzweilig geschrieben und schreit somit förmlich nach einer hochgradigen Verfilmung.
Sicherlich gibt es Szenen und Wendungen, die man als Thrillerleser eventuell bereits kennt bzw. erwartet – trotzdem bleiben genug neuartige Ideen und ein sehr untypischer Schluss, der die Glaubwürdigkeit des gesamten Buches nur noch bestätigt. Ein Autor, der zu fesseln weiß und nicht mehr vergessen werden sollte!
Jürgen Seibold/19.10.2007

Scott Frost: Fear – Angst hat einen Namen

Originaltitel: Never Fear
Aus dem Amerikanischen von Karl-Heinz Ebnet
Deutsche Erstausgabe April 2009
c 2006 by Scott Frost
c 2009 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 412 Seiten / € 8,95

COVER:

Selten ging Kommissarin Alex Delillo ihr Job so nahe: Am Ufer des L. A. River liegt ein Toter, der ihr Halbbruder gewesen sein soll – ein Bruder, von dem sie zeitlebens nichts wusste! Und bald schon bestätigen weitere Leichenfunde einen grausigen Verdacht: Jemand mordet wie der “Riverkiller”, der vor zwanzig Jahren drei junge Frauen tötete und nie gefasst wurde. Alex ermittelt fieberhaft und begibt sich damit in Lebensgefahr. Denn der Hauptverdächtige damals war ein Mann, den sie für tot hielt. Ohne den es sie und ihren Bruder jedoch nicht gäbe: ihr eigener Vater. Und der scheint sich bester Gesundheit zu erfreuen…

Rezension:

Mit “Fear – Angst hat einen Namen” legt der Autor Scott Frost eine weitere Episode um seine Ermittlerin Alex Delillo vor des geneigten Lesers Augen. Er schafft es hierbei auch geschickt, die im ersten Thriller traumatisierte Hauptdarstellerin mit all ihren Problemen, Ecken und Kanten als glaubwürdige und sympathische Person dar zu stellen.
nachdem erneut seine Kommissarin eher als Opfer agiert, ist man anfangs als Thrillerkenner ob der Vorhersagbarkeit eher etwas abgetan. Dies wird auch leider in der ersten Hälfte des Buches bestätigt. Der Autor ist im Gegensatz zu seinem Erstlingswerk sehr langatmig und scheint zu viel erzählen zu wollen – dies jedoch ohne den Leser mit einer aufbauenden Erwartungshaltung bei der Hand zu nehmen.
Schafft man jedoch diese erste Hürde, entwickelt sich nach zähem Ringen doch noch ein ziemlich interessanter Plot, der dann nach erheblich mehr Details verlangt – hier hätte der Autor zum Erzählen anfangen können, leider scheint er sein Pulver in der ersten Hälfte verschossen zu haben.
Nichts desto trotz ist die folgende Entwicklung als spannend und interessant zu betrachten – insbesondere die in der Vergangenheit aufgetretenen Geschehnisse gefallen sehr gut und hätten noch vielmehr Inhalt verdient. Hiermit kann man Leser fangen, da dieser leicht voyeuristische Drang im Erfahren von Erlebnissen in fast jedem von uns steckt.
Nach der Art des erzählten Endes könnte der Autor problemlos einen weiteren Band nachlegen – dies wird sicherlich auch geschehen. Hierbei sollte er jedoch ein wenig mehr auf Thrillerelemente achten, da ihm sonst die Leser mehr und mehr abhanden kommen könnten. Genügend Potenzial hat der Autor jedenfalls – es muss nur noch stärker aktiviert werden.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Hel Fried: Tinnitus

c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe bei Eldur-Verlag Aachen

COVER:

Zum Buch:
Zweihundert Jahre nach dem Dritten Weltkrieg besteht die dezimierte Menschheit im Wesentlichen aus Bauern in verstreuten Dörfern, sowie Nomaden, die in Schutzanzügen die Überreste strahlenverseuchter Großstädte plündern. Die größte Sorge aller sind jedoch die Dämonen: Menschen, die über furchterregende Kräfte verfügen und einem geheimnisvollen Ruf folgen, den nur sie hören können. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem laut Überlieferung der Teufel auf seine Befreiung wartet, um die Menschheit zu vernichten. Bewaffnete Dämonenjäger haben daher Hochkonjunktur.

Der telepathisch begabte Kramsky verlässt seine Heimat, um das Geheimnis dieses Ortes zu ergründen. Bald ist er nicht nur im Fadenkreuz der Dämonenjäger, er trifft auch auf allerlei obskure Gestalten. – Und er muss feststellen, dass die Angst der Menschen vor dem Untergang der Welt keineswegs unbegründet ist.

Über den Autor:
Hel Fried wurde 1963 in Skandinavien geboren. Aufgewachsen ohne Schulbildung begleitete er jahrelang Rentierkarawanen, die sowjetische Zwangsarbeitslager in der eisigen Tundra Sibiriens mit illegalen Waren versorgten. Während dieser Zeit brachte ihm ein alter Kirgise das Lesen bei, anhand von russischen Science Fiction Romanen, die Teil ihrer Lieferungen waren.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lebte er einige Jahre in Lappland, wo er die ersten Ideen für eigene Geschichten sammelte, ohne sie jedoch niederzuschreiben.
Später machte er in Norwegen eine Ausbildung als Techniker und arbeitete als Überwacher in einer Wetterstation nahe des Polarkreises.
Dort war es auch, wo er Zeit und Muße fand, seinen ersten Roman zu verfassen.

REZENSION:

Was schreibt man über ein Buch, dem man sich nach Beginn der Lektüre bis zum Ende nicht mehr entziehen kann?
Was schreibt man über einen Debutroman, den der Autor nur schwerlich toppen kann?
Was schreibt man über einen Science-Fiction-Roman, der uns einen Spiegel vor hält und gleichzeitig zeigt, wie brutal die Menschheit sein kann?
Was schreibt man über eine Geschichte, die mit ethischen Grundgedanken spielt und deutlich zeigt, dass Religiosität und Glauben zu Intoleranz und Furcht sowie Hass gegen Andersdenkende führen kann?
Was schreibt man über einen Plot, der in seinen 230 Seiten sogar glaubhaft darlegt, was oder wer Gott ist bzw. sein könnte?
Was schreibt man über einen Autor, der es in dieser geringen Anzahl an Seiten schafft, sehr viele glaubhafte Darsteller entstehen zu lassen, die dem Leser auch noch detailliert und bildhaft dargelegt werden?
Hel Fried hat auf jeden Fall in seinem Endzeitroman einige Antworten parat und zeigt deutlich, dass er zu überzeugen weiss und in der oberen Autorenriege mitspielen müsste.
Mehr fällt mir dazu nicht ein und ich verneige mich ehrfürchtig vor diesem Werk und seinem Autoren.
Danke für dieses Buch…
Jürgen Seibold/20.02.05

Andreas Franz: Das Todeskreuz

Originalausgabe Mai 2007
c 2007 by Knaur Taschenbuch
ca. 517 Seiten / 8,95 €

COVER:

Die Staatsanwältin Corinna Sittler wird ermordet in ihrem Haus aufgefunden. In ihrem Mund entdeckt Julia Durant einen Zettel mit den Worten: “Confiteor – Mea Culpa”. Ein Ritualmord? Doch Corinna Sittler war nicht die untadelige Staatsanwältin, für die alle sie gehalten haben. War also Rache das Motiv für die brutale Tat?
Da geschieht in der Nähe von Offenbach ein Mord, der dieselbe Täterhandschrift aufweist, und diesmal ist ein Richter das Opfer. Peter Brandt, der zuständige Kommissar, setzt sich mit Julia Durant in Verbindung – wenn auch äußerst widerwillig…
Zum ersten Mal arbeiten Julia Durant und Peter Brandt, die Ermittler von Erfolgsautor Andreas Franz, zusammen!

REZENSION:

Andreas Franz wird mehr und mehr zum Fahnenträger der deutschen Kriminalautoren. Seine bisherigen Werke erfreuen jedes mal als gute Unterhaltungsliteratur, die dafür sorgt, das man einige Stunden bestens abschalten und abtauchen kann.
Sein Schreibstil ist auch im vorliegenden Band wieder flüssig und eingängig. Man kann diesen Schreibstil fast nur mit dem Begriff “hervorragend” umschreiben, da er es wieder einmal schafft, seinen Krimi unterhaltsam mit dem nötigen Hauch an Spannung vor dem Leser auszubreiten.
Er bleibt dabei glaubwürdig in seiner Darstellung und erfreut ebenfalls durch die intelligente Ausführung – sowohl der Handlung als auch seiner Hauptdarsteller gegenüber.
In “DAS TODESKREUZ” verbindet er nun zum ersten Mal seine beiden bisher unabhängig agierenden Protagonisten Julia Durant und Peter Brandt. Diese beiden grundsätzlich unterschiedlichen Charaktere sorgen allein schon für die ein oder andere Unterhaltungspointe, was den Roman nur noch interessanter macht.
Somit erneut ein sehr gutes Werk von Andreas Franz, daß nun die Fans der Ermittler zusammenführt und weiter an deren Aufklärungsarbeiten mitfiebern lässt.
Absolut empfehlenswert und abermals Zeichen dafür, daß Andreas Franz nun ganz oben in diesem Genre mitspielen kann. Ich freue mich bereits aufs nächste….
Sonja Seibold/02.06.2007

Andreas Franz: Eisige Nähe

(c) 2010 by Knaur Verlag
ca. 584 Seiten / € 16,95

COVER:

Wer hat den produzenten Peter Bruhns auf dem Gewissen? Durch seine spektakulären Auftritte hat er mehr als polarisiert, und die Frauen, die er verführt und dann sitzengelassen hat, sind nicht zu zählen. Hat sich eine von ihnen gerächt? Oder hat etwa seine junge Ehefrau die Hand im Spiel gehabt? Natürlich gerät Frau Bruhns als Erste in Verdacht, doch weder Sören Henning noch Lisa Santos von der Kieler Mordkommission wollen so recht daran glauben, dass sie etwas mit der Tat zu tun hat.
Bei der Obduktion wird nicht nur ein Kontaktgift gefunden, auch Schmauchspuren an der linken Hand des Opfers werden entdeckt. Selbstmord? Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und scheinen eine neue Wendung zu nehmen, als der Rechtsmediziner eine hochbrisante Entdeckung macht, die Henning und Santos in noch größere Verwirrung stößt. Immer stärker drängt sich ihnen der Verdacht auf, dass hier mehr vertuscht als aufgeklärt werden soll, und bald sind sie einem der bestgehüteten Geheimnisse der Politik auf der Spur. Was steckt wirklich hinter dem Mord an dem skandalumwitterten Produzenten?

REZENSION:

Andreas Franz bleibt weiterhin seinem Genre treu und veröffentlicht mit “Eisige Nähe” einen Kriminalroman, der nur so vor Verschwörungen und deren Theorien strotzt. Immer noch kann der Autor überzeugen und verliert keinesfalls den Leser, der sich in Franz’ Verstrickungen sichtlich wohl fühlt und nur ungern zum Ende des Buches kommt.
Andreas Franz bleibt somit weiterhin einer der wichtigsten deutschen Krimiautoren – sollte sein Ideenreichtum nur annähernd auf diesem Niveau bleiben, werden es ihm seine Fans sicherlich danken.
Manch einer vermisst zwar im vorliegenden Band die Ermittlerin Julia Durant – ich bin mir aber sicher, dass diese wieder auftreten wird. “Eisige Nähe” ist somit ein gelungener Abstecher in weitere Krimigefilde.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Andreas Franz: Tödliches Lachen – Ein Julia-Durant-Krimi

Originalausgabe Oktober 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch.
ca. 446 Seiten / € 8,95

COVER:

Kommissarin Julia Durant ist höchst beunruhigt. Mit der Post hat sie einen Umschlag erhalten, in dem sich das Foto einer offensichtlich ermordeten jungen Frau befindet. Ein makabrer Scherz oder aber grausame Wirklichkeit?
Noch während Julia und ihre Kollegen rätseln, wird eine Frauenleiche gefunden – die Frau auf dem Foto!
Lange tappt Kommissarin Durant im Dunkeln, denn Svenja Martens, das Opfer, scheint ein völlig unauffälliger Mensch gewesen zu sein. Doch bald drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Mord nur der Beginn einer grausamen Serie sein könnte. Julia ahnt nicht, dass sich der Täter ganz in ihrer Nähe befindet…

REZENSION:

Mit dem Roman “Tödliches Lachen” ist dem Autor Andreas Franz ein Krimi der Meisterklasse gelungen.
Am Anfang seines Werkes wird man in das Leben des Mörders eingeführt. Einfühlsam beschreibt der Autor die Probleme und vor allem die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Mörder und seinem Vater. Ohne das man es merkt, wird die Person des Mörders zu einer sympathischen und menschlichen Figur – mit allen ihren Problemen, Ängsten und Gefühlen.
Man hat zwar sehr schnell das Gefühl “Ich weiß wer der Mörder ist”, trotzdem tappt man dennoch bis zum Schluss stark im Dunkeln.
Auch die Julia-Durant-Person wird hervorragend beschrieben. Sie wird nicht als Superfrau dargestellt, sondern als eine weibliche Protagonistin, die mit beiden Beinen im Leben steht. Beruflich wie auch privat werden diverse Problematiken geschildert, die jedem von uns in der selben Weise begegnen können.
Des weiteren ist der Kriminalfall in einem flüssigen, leicht lesbaren und bis zum Schluss absolut spannenden Stil geschrieben.
Sonja Seibold/25.10.2006

Andreas Franz: Mörderische Tage

Originalausgabe März 2009
c 2009 by Knaur Taschenbuch
Ca. 457 Seiten / € 8,95

COVER:

Innerhalb kurzer Zeit verschwinden mehrere Frauen spurlos. Es werden keine Leichen gefunden, die Polizei tappt im Dunkeln. Trotzdem beschließt Julia Durant, ihren lange geplanten Urlaub in Südfrankreich anzutreten. Doch kurz vorher wird sie von einem Unbekannten brutal überfallen und entführt. Er hält sie in einem dunklen und feuchten Kellergewölbe gefangen, in dem sich offenbar noch andere Frauen befinden. Verzweifelt versucht Julia herauszufinden, was der Entführer von ihr will. Inzwischen laufen die Ermittlungen der Kollegen auf Hochtouren, denn Julia hat nicht mehr viel Zeit…

REZENSION:

Andreas Franz legt mit seinem neuesten Julia Durant-Fall „Mörderische Tage“ erneut einen routinierten Krimi vor, der jeden Anhänger dieser Reihe problemlos überzeugen und somit an die Seiten fesseln kann.
Wieder einmal vergisst Andreas Franz weder die gelungene Darstellung seiner Protagonisten, noch die gut eingewebten Spannungsbögen, durchsetzt mit einem Hauch von Action.
Am Ende dieses spannenden, eingängigen und flüssig zu lesenden Buches ist man abermals enttäuscht, es schließen zu müssen – jedoch gleichzeitig in freudiger Erwartung auf die weiteren Erlebnisse Julia Durants.
Jürgen Seibold/30.05.2009

Herbert W. Franke: Cyber City Süd

Originalausgabe Juni 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

”Der dritte Pfeifton war verklungen, die Lampen verdunkelten sich. Ruhezeit. Auch Dhouri hatte seine Wohnnische aufgesucht. Jetzt hätte er bereits in seinem Schlaftrog liegen müssen, in der körperwarmen Lösung, die so herrliche Müdigkeit bereitete. Sie enthielt Nährstoffe und Medikamente, die durch die Haut in den Körper eindrangen. Doch irgendetwas hielt ihn heute davon ab, sich in die Flüssigkeit zu legen. Angst stieg in ihm hoch.”

Kybernetische Wunder, virtuelle Flüsse und Kriegsverbrecherprozesse als Publikumsspektakel – gegen Inter-Dollars war in der Cyber City Süd alles zu bekommen. Früher war diese Stadt ein Kleinod des Orients gewesen, heute kommen die Menschen aus aller Welt hierher, um sich bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu amüsieren. Doch die Tage dieser Stadt sind gezählt. Während eine junge Frau sich auf die gefahrenvolle Suche nach ihrem Vater begibt, bereitet sich in der geheimen Kommandozentrale eine gentechnisch perfektionierte Armee auf den Tag der Befreiung vor. Zu spät merken die Besucher der Cyber City Süd, dass unterdrückte politische und wirtschaftliche Konflikte eine Katastrophe heraufbeschwören…

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der Universität Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. Seit 1957 ist er freier Schriftsteller. 1980 wurde Franke zum Mitglied des Deutschen PEN-Clubs gewählt. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Er ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrere für jahresbeste Science-Fiction-Romane.
Frankes faszinierende Utopien basieren auf den Erkenntnissen seiner wissenschaftlichen Arbeit. Neben Autoren wie Philip K. Dick oder Stanislaw Lem ist Franke einer der bekanntesten Science-Fiction-Autoren der Gegenwart.
2003 erschien seine spannende Zukunftsvision “Sphinx_2”.

REZENSION:

Herbert W. Franke führt den Leser in seinem neuesten Buch “Cyber City Süd” in eine Stadt des Orients, die sich zwanzig Jahre nach ihrer Eroberung zu einer Unterhaltungsmetropole ohnegleichen entwickelt hat. Selbst Las Vegas wirkt gegen Cyber City Süd lediglich wie ein in der Wüste vergessener Einarmiger Bandit.
Die Stadt hat jedoch zwei grundlegende Probleme, von denen weder die Einwohner noch die unterhaltungssüchtigen Touristen etwas ahnen: Erstens bereitet sich eine Untergrundorganisation auf die erneute Machtübernahme vor und zweitens geht der verschwenderischen Stadt in kürzester Zeit das wichtigste Grundelement – das Wasser – aus.
Aufgebaut wird die ganze Geschichte in erster Linie um die Person Majda, die als Touristin nach Cyber City Süd reist, um nach Spuren ihres im Umkreis der Stadt verschollenen Vaters zu suchen.
Anfangs lässt sie sich noch sehr stark von den virtuellen Spielwelten dieser Unterhaltungsindustrie blenden und vergisst dabei beinahe ihren eigentlichen Aufenthaltsgrund. Nachdem sie sich jedoch auf ihre Aufgabe zurück besinnt und ein wenig hinter verschlossenen Türen ungern gehörte Fragen stellt, spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu und man findet sich in einem ausgewachsenen SF-Thriller wieder.
Neben den virtuos aufgebauten Spannungselementen zeigt Herbert W. Franke wieder einmal insbesondere sein Talent bei der Beschreibung von futuristischen Welten, Begebenheiten aber auch Kleinigkeiten in einer Zeit die noch keiner erblicken konnte und erschafft damit spielerisch eine Stadt im Kopf des Lesers, bei der man jedes einzelne Blinken wahrnimmt und man mit allen Sinnen eintauchen kann.
Neben dieser qualitativ hochwertigen Art des Schreibens erschuf Herbert W. Franke einen spannenden Plot, der die Aufmerksamkeit des Lesers problemlos aufrecht erhält. Im Gegensatz zu seinem letzten Buch “Sphinx_2” verliert er sich jedoch zum Schluß ein wenig in philosophische Sphären, die aus meiner Sicht zwar interessant aber der Geschichte als alleiniges Ende nicht dienlich sind.
Es bleiben dadurch leider nach Schließen des Buches sehr viele Fragen offen, was nach dem ansonsten fehlerfreien Genuss dieser thrillerhaften, hochspannenden Geschichte zu einer kleinen, unvermeidlichen Enttäuschung führt. Hätte er neben seiner philosophischen Betrachtung noch ein wenig weiter ausgeholt, wäre dem Leser sehr geholfen.
Jürgen Seibold/14.08.05

Herbert W. Franke: Sphinx_2

Originalausgabe Mai 2004
c 2004 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Die Welt ist zu weiten Teilen unbewohnbar geworden, die Menschheit teilt sich auf in die weniger privilegierten Mitglieder der Allianz der freien Nationen und die reichen Bewohner der Union unabhängiger Stadtstaaten: Sie leben unter schützenden Kuppeln, in denen Gewebekulturen und Zuchtautomaten für die Ernährung zuständig sind und virtuelle Spaziergänge, Emotionsboxen und Parasex für Abwechslung sorgen. Der junge Wissenschaftler Gareth Lavalle wundert sich sehr, als er aus heiterem Himmel Besuch von zwei Vertretern des “Verbands zur Unterstützung des sanften Selbstmords” erhält. Seine Verwunderung wird zur Panik, als man ihm suggeriert, dass er an einer schweren Krankheit leidet. Es dauert eine Weile, bis er herausfindet, was man mit ihm vorhat. Und dann nimmt die Angelegenheit eine Wendung, die sein ganzes Leben verändert…

Ein ungewöhnlich spannender Roman über Genforschung, Künstliche Intelligenz und eine skrupellose Wissenschaft. Die Warnung des wohl bekanntesten deutschen Science-Fiction-Autors vor einer inhumanen Zukunft, die wir alle nicht wollen.

“Unter den deutsch schreibenden SF-Autoren ist Herbert W. Franke der prominenteste. Naturwissenschaftler von Haus aus, hat er eine Theorie der Science-Fiction entwickelt, die sich ihrem pädagogischen Ernst von anderen, mehr spielerischen Deutungen stark unterscheidet.”
Die Zeit

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der Universität Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. Seit 1957 ist er freier Schriftsteller. Seine ersten Science-Fiction-Geschichten publizierte er in den Jahren 1953 und 1954 in der Wiener Kulturzeitschrift “Neue Wege”. Weitere Veröffentlichungen unter anderen:
“Der grüne Komet” (1960), “Das Gedankennetz” (1961), “Der Orchideenkäfig” (1961), “Die Glasfalle” (1962), “Die Stahlwüste” (1962), “Der Elfenbeinturm” (1965), “Zone Null” (1970), “Einsteins Erben” (1972), “Ypsilon minus” (1976), “Zarathustra kehrt zurück” (1977), “Sirius Transit” (1979), “Schule für Übermenschen” (1980), “Paradies 3000” (1981), “Endzeit” (1985), “Hiobs Stern” (1988). 1980 wurde Franke zum Mitglied des Deutschen PEN-Clubs gewählt. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Herbert W. Franke ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrere für jahresbeste Sience-Fiction-Romane.

REZENSION:

Science Fiction?
Unendliche Weiten…?
Raumschiffe?

Mitnichten! Herbert W. Franke vermeidet in „Sphinx_2“ geschickt die Darstellung irgendwelcher SF-Klischees. Im Gegenteil: Er stellt unsere Welt so dar, wie sie in wahrscheinlich nicht mehr allzu ferner Zeit aussehen könnte, wenn die momentane Entwicklung bei uns so weitergeht. Und genau dies ist das erschreckende an seinem Roman. Die gesamte Entwicklung der Welt und die Trennung zwischen Arm und Reich ist detailliert dargestellt und absolut glaubwürdig.
Es wird die Geschichte eines Wissenschaftlers und seines Klons erzählt – dies jeweils beinahe abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der Person. Hinzu kommen die Probleme zwischen den reichen Menschen in ihren Kuppelstädten und den Armen, die außerhalb der abgeschlossenen Bereiche leben. Diese Probleme mit dazugehörigen Kriegsgefahren und dem Terrorismus weisen sehr viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit auf und machen diesen Thriller somit umso erschreckender.
Herbert W. Franke baut beinahe gemütlich eine Spannung auf, die sehr stark wird und zum Weiterlesen zwingt. Alles ist sehr interessant und nachvollziehbar dargestellt und lässt durch die dezenten SF-Einflüsse auch des öfteren vergessen, das man sich eigentlich in der Zukunft befindet – Ich könnte mir vorstellen, daß sich einige Entwicklungen bereits in der Herstellung befinden (man denke nur an das Klonen…). Dadurch stellt man sich bei dieser Geschichte natürlich auch die Frage, ob man diese Entwicklungen positiv findet, bzw. noch erleben möchte.
Die philosophischen Einflüsse des Autors werden sehr stark wahrgenommen und hinterlassen einen sehr nachdenklichen Eindruck, was bei einer Geschichte dieser Art sicherlich auch Absicht des Schriftstellers sein sollte und wohl auch ist.
„Sphinx_2“ ist somit ein nachdenklich stimmender, spannender Thriller, der jedoch durch die Schublade „Science Fiction“ viele potenzielle Leser abschrecken wird – obwohl er mit Sicherheit mehr Klientel verdient hätte und nicht als SF-Roman wahrgenommen wird.
Ich persönlich habe schon lange nicht mehr so schnell einen Roman abgeschlossen und danke dem Autor sehr herzlich für diese schlaflose Nacht meines Lebens – und kann dieses Buch jedem ohne Gewissensbisse ans Herz legen…
Jürgen Seibold / 04.06.04

Alan Dean Foster: Bannsänger / Die Stunde des Tors / Der Tag der Dissonanz

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt, c der deutschen Übersetzung: 1986 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG, München; 2005 by Piper Verlag GmbH, München
Titel der Originalausgaben:
Bannsänger: Spellsinger – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld
Die Stunde des Tors: The Hour of the Gate – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld
Der Tag der Dissonanz: The Day of Dissonance – Übersetzung: Leo P. Kreysfeld und Ralph Tegtmeier

COVER:

Die ersten drei Romane des legendären Bannsänger-Zyklus – Das abenteuerliche Fantasy-Epos von Alan Dean Foster

Jon-Tom Meriweather, netter, tagträumender Durchschnittsstudent aus Kalifornien, gerät nach dem Genuß eines Joints in eine absonderliche Parallelwelt. Durch ein magisches Mißgeschick des greisen Schildkröten-Hexers Clodsahamps wird Jon-Tom zum unfreiwilligen Gast der Welt intelligenter, rücksichtsloser Tiere – Fledermäuse, Bären, Tiger und Orang-Utans. Doch schon bald muß er sich zwischen den Welten entscheiden: Das Land wird vom Volk der Gepanzerten, grausamen Insektenwesen, überfallen, und seine Anwesenheit könnte von großem Nutzen sein. Denn eine übersinnliche Gabe schlummert in Jon-Tom: Er ist ein Bannsänger!

REZENSION:

Mit diesem über 800 Seiten dicken Wälzer zeigt der Area-Verlag eine neue Richtung, die mir bis dahin nicht bekannt war. Bisher war dieser Verlag für mich ein Garant für anspruchsvolle Horrorliteratur und zeigt nun, dass er diesen Anspruch auch im Bereich des Fantasy-Genres zu erreichen versucht.
Mit Alan Dean Fosters “Bannsänger” ist ihm das bereits gelungen:
Es beginnt alles mit einer sehr guten Idee: Ein netter junger Student – ein wenig high vom Genuss eines Joints – wird von einem Zauberer in eine andere Welt gerufen bzw. unfreiwilligerweise geholt.
Bei dem Zauberer handelt es sich um eine Schildkröte und Jon Tom stellt fest, dass in dieser Welt noch mehreres anders ist: Die Menschen sind hier in einer starken Minderheit und die restlichen “Personen” sind alles intelligente und sprechen könnende Tiere.
Entgegen der anfänglichen Annahme, das Jon-Tom aus Versehen aus seiner Welt “geklaut” worden ist, stellt sich ziemlich schnell heraus, daß er eigentlich ebenfalls ein Zauberer ist – nämlich in Form eines Bannsängers.
Dies zeigt sich, in dem Jon-Tom Lieder unserer Zeit zum Besten gibt und dadurch je nach den Texten gewisse Dinge geschehen oder Wesen gerufen werden. Nachdem jedoch die Texte und deren Eigenheiten eher in unsere Welt als in diese Welt passen, ergeben sich daraus die unvorhersehbarsten Umstände und Probleme.
In diesem Sammelband des Area-Verlages befinden sich insgesamt drei Romane um den Bannsänger:
1. Bannsänger, 2. Die Stunde des Tors und 3. Der Tag der Dissonanz.
Die ersten beiden Bände ergeben zusammen eine abgeschlossene Geschichte, in der Jon-Tom mit Hilfe seiner Freunde, dem Zauberer, dem Otter und noch einigen anderen Helfern die Welt rettet. Im dritten Band “Der Tag der Dissonanz” wird Jon-Tom von dem Zauberer in Schildkrötengestalt aufgefordert ein Medikament zu besorgen, das es nur jenseits des Glittergeistmeeres gibt und welches der Zauberer zum Bekämpfen seiner Krankheit dringend benötigt.
Nachdem die ersten beiden Geschichten und die Rettung der Welt bereits voller Ideen strotzt und für so manchen “Schenkelklopfer” zu gebrauchen ist, zeigt Alan Dean Foster meisterlich in “Der Tag der Dissonanz” zu was er eigentlich fähig ist. Man merkt sehr deutlich den Erfolg der ersten beiden Geschichten und Foster konnte wohl deshalb in dem dritten Buch ein wenig spielerischer mit seinen Protagonisten umgehen. Er schreibt voller Ironie, Seitenhieben und der Fähigkeit, Personen und Tiere ( die den Personen gleichzustellen sind) in den unterschiedlichsten Facetten und Eigenheiten darzustellen. Dies alles, ohne jemals den Witz dieser Geschichte aus den Augen zu verlieren. Sicherlich ein Zyklus, der noch viele Leser überzeugen könnte – Einfach perfekt! (Außerdem würde ich wahrscheinlich die Schildkröte erwürgen, wenn ich herausgefunden hätte, um was für ein Medikament es sich handelte, hihi…)
Jürgen Seibold / 24.04.2005

Ken Follett: Die Säulen der Erde

Gustav Lübbe 1990
vorliegendes Exemplar: RM Buch und Medien Vertrieb GmbH

COVER:

”Ich schreibe Bücher, um zu unterhalten. Mein Ziel ist, die Menschen zum Weiterlesen zu animieren, so interessant zu sein, daß sie im Zug ihre Station verpassen.” – Ken Follett

Der Steinmetz Tom Builder träumt vom Bau einer Kathedrale. Doch wo die Säulen der Erde sich in den lichten Himmel recken, werfen sie auch tiefe Schatten auf das Leben der Menschen. Krieg und Hunger herrschen in England. Besonders die Frommen und Gerechten leiden unter der Willkür des Adels: der Baumeister Tom Builder und seine Kinder, die geheimnisvolle Ellen aus den großen Wäldern, der weise Abt von Kingsbridge und die schöne Aliena. Sie alle bleiben dem Leser dieses gewaltigen Panoramas so unvergeßlich wie William Hamleigh, der finstere Baron…

REZENSION:

Bei Ken Follett frage ich mich jedesmal, wie es sein kann, daß ein Autor über unwahrscheinlich viele Themen schreiben kann, ohne die Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Ken Follett sagt, er möchte die Leser unterhalten und sogar so weit bringen, das sie ihre nächste Station verpassen.
Mit „Die Säulen der Erde“ verpasst man sogar noch viel mehr Stationen. Keine Sorge: Irgendwann kommt der Schaffner und schmeisst einen raus.
Mit diesem monumentalen Werk geht Ken Follett in das 12. Jahrhundert und erzählt von den Wirren der Zeit, den Problemen der Menschen, den Intrigen der Ritter, Grafen, Bischöfe und Mönchen. Dies alles bewegt sich um den Bau einer Kathedrale in Kingsbridge, einem anfangs kleinen Örtchen, das sich durch die Baumaßnahmen zu einer Stadt entwickelt.
Die Ideenvielfalt und der Erzählungsreichtum zwingen zum Weiterblättern und man verschlingt diese 1100 Seiten in kürzester Zeit. Ken Follett schafft es wieder einmal, sehr dicht und spannend zu erzählen. Er bleibt aber trotzdem glaubwürdig und beschreibt mit einer detaillierten Liebe das Leben im Mittelalter.
Es gibt sehr viele Schlüsselfiguren in diesem Roman und man kann es nicht mehr erwarten, über die jeweilige Person weiterzulesen. Jede Person ist interessant dargestellt und voller Leben. Man freut sich auf die Entdeckung des Lebens der „guten“ Personen genauso, wie auf die Darstellung der „bösen“ Gestalten.
Ken Follett scheint sehr gut das mittelalterliche Leben recherchiert zu haben und baut eine Vielfalt auf, die einen nahezu erschlägt und man am Ende des Buches enttäuscht ist, das man es zuklappen muss.
Teilweise ist der Roman jedoch etwas vorhersagbar, da man bei einigen Personen schon damit rechnet, das sie ihr Ziel erreichen – was auch eintritt.
Nichts desto trotz ist es eine sehr spannende Unterhaltungslektüre und vertreibt einem mühelos die Zeit. Auf solche Romane kann man sich jederzeit freuen – Sie hinterlassen einen sehr positiven Nachgeschmack.
JS/14.04.03