Robert Finn: Tribut

Originaltitel: Adept (Snowbooks Ltd., London 2004)
Übersetzung: Sophie Zeitz
c 2004 Robert Finn
Deutsche Erstausgabe März 2007
c der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 415 Seiten / € 9,90

COVER:

Wenn ein hartgesottener Versicherungsdetektiv und eine spröde Wissenschaftlerin auf die Jagd nach einem mächtigen chinesischen Amulett gehen, das übernatürliche Fähigkeiten verleiht und das zugleich so geheim ist, dass es nicht mal Zeichnungen davon gibt, dann ist das nicht nur ein gefährliches Abenteuer, sondern auch ein subtiler Spaß. Ausgangspunkt ist ein ungewöhnlich brutaler Einbruch in einem Londoner Büro, bei dem zwei Täter tot zurückbleiben, während der dritte auf rätselhafte Weise entkommt. Es geht um ein geheimnisvolles Vermächtnis, das uralte Rituale beschreibt… David und Susan riskieren ihr Leben bei dem Versuch, das gestohlene Amulett wiederzubeschaffen, denn die Beraubten sind höchst bedrohliche Männer, die nicht mit sich spaßen lassen. “Eine geglückte Verbindung von Krimi und okkultem Thriller – eine britische Variante von >Sakrileg<” (Andrew Taylor)

Robert Finn hat die meiste Zeit seines Lebens in London gelebt und wechselt jetzt zwischen England und Amerika hin und her. Schriftsteller wurde er unter anderem, um seine todschicken, teuren Laptops zu rechtfertigen. Nach allgemeiner Ansicht weiß er verblüffend viel über eine Menge scheinbar nciht so wichtiger Dinge.

REZENSION:

Es gibt in der heutigen Zeit eine schier unglaubliche Menge an Mystery-Romanen – allen voran natürlich ein gern genannte Blockbuster wie Dan Browns Sakrileg, welches immer wieder als Bezug genannt wird. Bei Robert Finn’s Buch “Tribut” ist dies in der Buchbeschreibung erneut geschehen – was diesem Buch aber absolut nicht gerecht wird: Viel zu unterschiedlich scheinen mir die Ansprüche dieser nicht vergleichbaren Werke.
Ich denke, Robert Finn ging es einfach nur um Unterhaltung, ohne irgendjemandem vor den Kopf zu stoßen oder durch dubiose Theorien anzugreifen. Anders lässt es sich nicht erklären, daß er sich einen Mystery- und Verschwörungsthriller um ein antikes Amulett mit übernatürlichen Kräften einfallen lässt, der gänzlich ohne kirchliche oder andere wohl bekannte Institutionen auskommt.
Er bleibt nicht mal dabei, sondern verlässt auch noch den üblichen und mittlerweile sehr ausgetretenen Pfad und bietet dem Leser darüber hinaus auch noch Heilkräfte und telekinetische Fähigkeiten – bis hin zur Magie an.
Dadurch befindet man sich in einem Plot, der in den ersten 30 Seiten Luft zu holen scheint, um dann in den restlichen 380 Seiten den Leser luftanhaltend von einer rastlosen Begebenheit zur anderen hetzen zu lassen.
Robert Finn vergisst dabei nicht den nötigen Witz sowie den gekonnten Einbau von hochwertigen und überzeugenden Spannungselementen. Man sollte lediglich die Geschichte nicht zu ernst nehmen: Viel zu kurios sind die unnatürlichen Elemente.
Lässt man sich jedoch als Leser fallen, erlebt man einen absolut genialen, unterhaltsamen, gut durchdachten, sehr spannenden und ironischen Thriller, wie es ihn schon sehr lange nicht mehr gegeben hat.
Somit für mich ein unanfechtbarer Monatstipp, der für einige atemberaubende Lesestunden sorgen kann.
Jürgen Seibold/02.06.2007

Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte

Originaltitel: The Well of Lost Plots
Übersetzung: Joachim Stern
Deutsche Erstausgabe Juni 2005
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten

COVER:

Die Welt der Literatur gegen alle möglichen Missetäter zu verteidigen, ist eine ehrenvolle, aber auch nervenaufreibende Aufgabe. Wen wundert es also, dass Thursday Next sich zu ihrem Mutterschaftsurlaub in die tiefsten Tiefen des Brunnens der Manuskripte zurückzieht. Genauer gesagt auf ein gemütliches Flug-/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Krimi, der wahrscheinlich nie veröffentlicht wird. Hier kann sie sich auf die Große Dienstprüfung der Jurisfiktion vorbereiten. Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: Es ist ein Mörder in diesem Roman unterwegs, der sich auf Jurisfiktion-Agenten spezialisiert hat. TextGrand-Central will das neue Betriebssystem Ultra-WordTM mit aller Gewlat durchsetzen.

Jasper Fforde ist Waliser (daher das markante doppelte F!) und wurde 1961 geboren. Seine Romane schrieb er 14 Jahre lang neben seiner Arbeit als Kameramann bei verschiedenen Filmproduktionen. Nach 76 Ablehnungen erschien im Jahre 2001 der erste Band der Abenteuer von Thursday Next, “Der Fall Jane Eyre”. Der zweite Band “In einem anderen Buch” folgte dann 2002. Jasper Fforde wurde 2004 aufgrund seiner literarischen Verdienste zum zeitweiligen Ehren-Bürgermeister von Swindon ernannt.

REZENSION:

Die Lektüre von „Im Brunnen der Manuskripte“ war auch ein Selbstversuch: Eignet sich der dritte Band einer Reihe, um in eine Serie einzusteigen?
Das Ergebnis sei gleich vorweg genommen – das geht hervorragend, macht vermutlich aber noch mehr Spaß, wenn man die vorhergehenden Bände kennt.
Die Serie an sich ist nämlich recht komplex aufgebaut, geht es doch um das versteckte Innenleben der Bücher. Wir „Aussenweltler“ leben ja in dem Glauben, Autoren würden Bücher schreiben – weit gefehlt! Bücher schreiben sich selbst in der BuchWelt, einer parallelen Ebene der Wirklichkeit, die durch ein kompliziertes, unseren Textverarbeitungsprogrammen nicht unähnliches System zusammengehalten wird. Hier gibt es eigene Helden (die durchaus darüber traurig sind, nichts als Romanfiguren zu sein) und Gegner (wie die Grammasiten, die Wörter fressen), eigene Regeln, Gesetze und Figuren, die über deren Einhaltung wachen.
In dieser Welt bewegt sich eine junge Frau namens Thursday Next als Agentin der buchinternen Sicherheitsbehörde. Da sie schwanger ist, soll sie aus Sicherheitsgründen in einem Buch untertauchen, das keinerlei literarische Bedeutung hat. Dazu begibt sie sich in den „Brunnen der Manuskripte“ – dem Ort, an dem alle hoffnungslosen Texte lagern und darauf warten, einmal gedruckt zu werden. Natürlich wird aus dem geplanten Erholungsurlaub nichts: Die drei Hexen aus Macbeth prophezeien Thursday dramatische Ereignisse, ihre Großmutter steht unverhofft vor der Tür, sie muss sich mit Mitbewohnern herumschlagen und zu allem Überfluss gibt es ja auch noch die Abschlussprüfung, der sie sich stellen muss…
Bevor die eigentlich Story rund um einen Mörder und das neue Textverarbeitungsprogramm „UltraWord“ los geht, vergeht auf diese Weise schon mal die erste Hälfte des Romans. Ein wenig Geduld muss man da schon mitbringen. Witzige Ideen wie das „Fußnotofon“, das im Text Fußnoten produziert oder munter eingestreute Anspielungen an Literaturklassiker lassen aber keine Langeweile aufkommen.
Weitaus spannender als die eigentliche Story ist die Welt, in der Thursday sich bewegt. Voller Anspielungen nicht nur auf große Werke der Literatur, sondern auch auf unsere moderne Gesellschaft und ihre Technik liest sich kaum eine Seite ohne Lacher. Der Stil lädt ein zu Vergleichen mit Fantasy-Größen wie Terry Pratchett oder Douglas Adams. Fforde punktet noch zusätzlich dadurch, dass er mit dieser Reihe eine Fantasy geschrieben hat, die ihre Genregrenzen weit hinter sich zurücklässt. Dass macht die Lektüre sowohl für Fantasy-Fans als auch für Leser mit Ahnung von Literaturgeschichte lohnenswert. Wirklich vermissen tut man aber auch nichts, wenn man Vorwissen dieser Art nicht mitbringt, es entgehen den Lesern dann „nur“ zusätzliche Lacher.
Wer mit dem dritten Band anfangen will, sollte sich bewusst sein, dass das Buch kein leichter Schmöker ist, sondern aufgrund der neuartigen Welt und ihrer Namen beständig die Konzentration und Aufmerksamkeit der Leser fordert. Vielleicht liest es sich ja leichter, wenn man die anderen Bände kennt. Vorwissen braucht man aber keines.
Lesern, die der englischen Sprache mächtig sind, würde ich jedoch in jedem Falle das Original ans Herz legen. Einige Gags muten im Deutschen reichlich seltsam an, weil sie auf englischen Sprachspielen beruhen. Ob in deutsch  oder englisch, mit dem dritten oder dem ersten Band – Spaß macht die Lektüre in jedem Fall!
Katja Angenent für Hysterika/01.03.2008

Jean-Louis Fetjaine: Der Weg des Magiers

Originaltitel: Le pas de Merlin (Belfond, Paris 2002)
Übersetzung: Svenja Geithner
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München.

COVER:

Schottland im 6. Jahrhundert: Ryderc, König von Strathclyde, hat alle britannischen Fürsten zusammengerufen, damit sie ihre Streitigkeiten beilegen und gemeinsam gegen die einfallenden Sachsen, Pikten und Iren kämpfen. Auch Gwendoleu, König von Cumberland, folgt der Einladung nach Schottland. Unter seinen Getreuen befindet sich Merlin, ein junger Barde, der es trotz seines zarten Alters aufgrund seiner rätselhaften Herkunft und durch seine Zauberkunst bereits zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Als nach tagelangen Verhandlungen nicht Ryderc, sondern Gwendoleu zum obersten Herrscher ernannt wird, lockt der eifersüchtige Ryderc diesen in einen Hinterhalt und lässt ihn mitsamt seinem Gefolge töten. Merlin, der als Einziger überlebt, obliegt nun die schwere Aufgabe, Frieden unter den britannischen Völkern zu schaffen. Allein und auf der Flucht durchlebt der sensible Merlin Barbarei und Heimtücke, aber auch die Wirren einer verbotenen Liebe. Als dann über Nacht seine Haare weiß werden, spürt er nicht nur, dass er nun erwachsen ist, sondern erkennt auch seine wahre Herkunft.

Nach dem großen Erfolg der Elfentrilogie zeichnet Jean-Louis Fetjaine in diesem ersten Band seiner neuen Trilogie, die sich mit dem Leben des berühmten Magiers Merlin beschäftigt, erneut ein atmosphärisch dichtes Bild einer Epoche, die im Dunkel der Geschichte liegt.

Jean-Louis Fetjaine, geboren 1956, studierte Philosophie und Mittelalterliche Geschichte. Als Journalist und Verleger veröffentlichte er mit großem Erfolg einige humoristische Werke. Mit seiner vielbeachteten Elfentrilogie betrat er das Fantasy-Universum und zählt heute zu den wichtigsten Vertretern des Genres. Mit “Der Weg des Magiers” hat der Autor nun eine neue Trilogie begonnen, deren zweiter Band “Brocéliande” im Sommer 2004 in Frankreich erschien.

Die Elfentrilogie:
Vor der Elfendämmerung
Die Nacht der Elfen
Die Stunde der Elfen

REZENSION:

“Der Weg des Magiers” stellt sich Anfangs für den Leser als ein wenig schwierig dar. Jeder hat bereits in seinem Kopf eine Variante der Artus-Sage festgesetzt und man erwischt sich dabei leicht, Bücher die diese Legende beleuchten aufgrund der eigenen Meinung zu lieben oder zu verteufeln.
Jean-Louis Fetjaine hat jedoch entgegen der geläufigen und überwiegend in die Köpfe festgebrannten Artus-Legende versucht, diese anhand der geschichtlich bekannten Fakten zu erzählen. Er benutzt hierbei eine erfundene Geschichte um den sagenumwobenen Merlin, der in diesem Buch jedoch nicht mehr allzu viel mit Artus zu tun hat.
Sobald man sich von der im Kopf eingebrannten Legende trennt und sich bereitwillig auf die Darstellungsweise des Autors einlässt, entsteht ein extrem interessanter frühmittelalterlicher Plot, der mit seinen Intrigen und dem langsam in den Vordergrund kommenden Jüngling Merlin zu überzeugen weiß und sich hinter keinem anderen Buch dieser Art verstecken muss.
Man merkt jedoch auch, das es sich hierbei um den ersten Band einer Trilogie handelt. Fetjaine hält sich lange bei dem Aufbau dieser Zeit und den Zusammenhängen zwischen den Personen auf. Dies soll jedoch nicht abwertend klingen. Im Gegenteil: Dadurch taucht man sehr viel intensiver in die Geschichte ein. Außerdem schafft es der Autor, diese Gegebenheiten in einer sehr überzeugenden und glaubhaften Art und Weise zu erzählen – womit das Interesse beim Leser bestehen bleibt. Den Spannungsbogen baut Jean-Louis Fetjaine sehr geschickt zum Ende des Buches auf und man ist sichtlich enttäuscht, wenn die letzte Seite erreicht ist und der zweite Band nicht bereit liegt.
Nachdem ich Anfangs allein schon aufgrund des Titels an einen Fantasyroman dachte, werde ich dies nun revidieren und das Buch als historischen Roman betrachten. Sicherlich ist die Geschichte erfunden, aber bei welchem historischen Roman ist das nicht?
Ich bin sehr gespannt, ob sich das zweite Buch auch in meine Hände verirrt und würde mich auf jeden Fall sehr darüber freuen.
Kurz gesagt: Eine komplett neue Interpretation der Artus-Legende aber gleichzeitig  eine sehr intensive Betrachtung des frühen Mittelalters auf der Insel.
Absolut empfehlenswert.
JS/19.11.2004

Philip José Farmer: Die Verkörperung des Bösen / Ausser Atem / Fleisch

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt
Titel der Originalausgaben:
Die Verkörperung des Bösen: The Image of the Beast
Ausser Atem: Blown
Fleisch: Flesh
Übersetzung von Ronald M. Hahn

COVER:

Ein “Exorzismus in drei Ritualen” – drei erotische Fantasy-Romane von Philip José Farmer.

Sie gelten als die Enfants terribles des Science-Fiction-Genres: die Episoden um Detektiv Herald Childe, der einer grausamen Horde Außerirdischer anheimfällt, und die Abenteuer des Sonnenhelden Peter Bock, der in einem Fruchtbarkeitsritual unversehens zum Sexprotz mutiert..
Ende der sechziger Jahre erschienen, gehören die drei legendären Romane Philip José Farmers bis heute zu den Klassikern der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur und bestechen nach wie vor durch verblüffende Tabu- und Respektlosigkeit genauso wie hintergündigen Humor und Satire.

REZENSION:

Der Band “Fleisch” der Fantasyreihe des Area-Verlages beinhaltet die drei Romane “Die Verkörperung des Bösen”, “Ausser Atem” und “Fleisch” von Philip José Farmer aus den Jahren 1968 und 1969.
Diese Jahreszahlen sollte man sich noch mehrmals auf der Zunge zergehen lassen, denn Farmer erzählt in einer brutalen und schamlosen, sowie vor sexuellen Eskapaden strotzenden Art und Weise, wie es für diese Zeit sicherlich noch nicht üblich wahr. Es gibt bestimmt genug Menschen in der heutigen Zeit, die damit noch Probleme haben würden.
Viele würden dieses Werk somit schlicht und einfach als Pornographie abtun und in dieser Ecke abstellen. Dies würde jedoch weder dem Autor noch den Geschichten gerecht werden.
“Die Verkörperung des Bösen” und “Ausser Atem” sind zwei zeitlich aufeinander folgende Episoden im Leben des Detektivs Herald Childe, der sich auf der Suche nach Mördern durch so ziemlich alles schlagen muss, was man einem nur entgegensetzen kann: Außerirdische, abgrundtiefe Bosheit, sexuelle und orgiastische Ausschweifungen, Vampire, Wolfsmenschen, und und und.
Und ich muss uneingeschränkt sagen: Diese Tour macht irre Spass!!
Herald Childe ist ein Mensch wie du und ich – bzw. wie ein John McClane in “Stirb langsam”: zur falschen Zeit am falschen Ort.
Philip José Farmer erzählt rasend schnell und trotzdem eingängig, sehr detailliert und glaubhaft. Seine mit einer übertriebenen Offenheit dargelegten sexuellen Abgründe sind sehr regelmäßig aber auch geschickt und passend in die Erzählstränge eingebaut und legen sich problemlos zur Handlungsauflösung gehörend dar.
Man fühlt sich wie auf einer durchgeknallten Geisterbahn, bei deren Ausfahrt man mit offenem Mund herauskommt und nur noch ein “WOW!” ausstossen kann.

Ein kleines Manko muß ich lediglich trotz der Lobpreisungen loswerden:
Erstens ist man bei dieser Tour de Force sehr stark auf die Figur Herald Childe fixiert (was sicherlich auch an der erzählerischen Qualität des Autors liegt), der leider bei der dritten Geschichte nicht mehr mitspielt, da diese eine Science-Fiction-Story losgelöst der vorangegangenen Romane darstellt.
Dadurch verspürt man eine gewisse Enttäuschung, die sich durch die nicht mehr so stark überzeugende dritte Geschichte auch leider nicht mehr gänzlich abstreifen lässt. Ich denke, hier wäre weniger mehr gewesen und es hätten die beiden Episoden um Herald Childe als Doppelband sicherlich auch gereicht.
Zweitens fehlt mir ein wenig der Bezug zur Fantasy und ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Area-Verlag diese Romane unter dem Label Area-Fantasy veröffentlicht. “Fleisch” ist Science-Fiction und die beiden genialen Romane um Herald Childe spielen in der “heutigen” Zeit und sind nach meinem Empfinden eher in die mystische Thrillerecke mit Horrorelementen einzuordnen. Ich bin zwar kein großer Freund zu detaillierten Schubladendenkens, aber in diesem Fall befindet sich die Leserschaft wohl eher in der “grausamen” Ecke. Somit hätte ich mir diesen Band auch ganz gut in der Horror-Reihe des Area-Verlages vorstellen können.
Ich möchte aber nun die Qualitäten dieses Buches nicht schmälern und finde, dass es einen Buchtipp des Monats verdient hat. Diesen “Preis” verleihe ich aber ausschließlich den beiden Herald-Childe-Romanen!
Aber Vorsicht: Man muß ein sehr aufgeschlossener Leser sein, um dies alles ohne Probleme zu verkraften….;-)
Jürgen Seibold/01.01.2006

Jennifer Fallon: Der unsterbliche Prinz (Gezeitenstern Saga 01)

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel The Immortal Prince bei HarperCollinsPublishers Australia Pty Limited.
Copyright Jennifer Fallon 2007
Copyright der deutschsprachigen Erstausgabe April 2008 bei LYX verlegt durch EGMONT Verlagsgesellschaften mbH, Köln
Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler und Rene Satzer

COVER:

Über viele Jahrhunderte herrschten die unsterblichen Gezeitenfürsten über die Welt von Amyrantha. Doch ihre Macht ist an den Gezeitenstern gebunden. Mit der kosmischen Ebbe ließen ihre Kräfte nach und verschwanden schließlich ganz. Inzwischen scheinen die Gezeitenfürsten nur noch in den althergebrachten Legenden zu existieren. Das Sklavenvolk der Crasii bewahrt die Erinnerungen an die mythischen Herrscher in seinen mündlichen Erzählungen auf. Eines Tages jedoch taucht ein Mann auf, der behauptet, Cayal, der unsterbliche Prinz, zu sein. Sind die Gezeitenfürsten zurückgekehrt?

Die junge Herzogin und Legendenforscherin Arkady wird hinzugezogen. Niemals würde sie an die Existenz mythischer Gestalten glauben, dennoch übt der Unbekannte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf sie aus. Ist er ein Hochstapler, ein Fantast oder gar ein ausländischer Agent? Sie lauscht seinen Geschichten und wird sich nach und nach bewusst, dass eine Gefahr von apokalyptischen Ausmaßen ihre Heimat Amyrantha bedroht……

REZENSION:

Wenn es  nach einem kurzen Prolog in einem Buch gleich mit einer erfolglosen Erhängung losgeht, dann darf sich der Leser auf einiges gefasst machen. Mit dem Anfang ihres Romans „Der unsterbliche Prinz“ hat die australische Schriftstellerin Jennifer Fallon einen schnellen Einstieg in die Handlung gewählt. Bereist auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass es sich bei Kyle Lakesh um den unsterblichen Prinz und Gezeitenfürsten Cayal handelt. 
Er spricht es ganz offen aus, aber im Kerker von Lebec schenkt man dem Mann kein Glauben. Die Gezeitenfürsten gelten als Legende und nur die Crasii, das Sklavenvolk, bewahren die alten Geschichten. Dieses Sklavenvolk ist eine seltsame Mischung als Mensch und Katze, aber es gibt noch weitere Absonderlichkeiten in der fantastischen Welt von Jennifer Fallon. Gekonnt wird eine Welt, bestehend aus verschiedenen Fürstentümern, unter der Führung eines Königs aufgezeigt. Einer der Fürsten heißt Stellan Desean und ist der Fürst von Lebec, eben jenem Ort, in dem der unsterbliche Prinz im Kerker weilt. Dessen Geschichte klingt zwar unglaubwürdig, aber sein Überleben am Galgen verleiht ihm dennoch einen besonderen Stand unter den Gefangenen. Als dann auch noch der erste Spion des Königs im Kerker erscheint und sich diesen ungewöhnlichen Mann näher anschaut, ahnt der Leser die Entwicklung des Romans voraus.
Doch bereits hier gelingt es der Autorin, ihre Leser mit geschickten Wendungen abzulenken. Nicht Declan Hawks, der erste Spion, sondern die Fürstin von Lebec wird zur entscheidenden Person in der weiteren Handlung. Lady Arkady Desean ist die genauso schöne, wie eigenwillige Frau an der Seite des Fürsten. Sie stammt wie Declan Hawks aus einfachsten Verhältnissen, ist studierte Historikerin, kennt die Geschichte der Gezeitenfürsten und teilt ein wichtiges Geheimnis mit dem Fürsten von Lebec. Sie und Declan sind alte Freunde, daher bittet er den Fürsten um die Unterstützung der Historikerin. Arkady Desean soll die Behauptungen des verurteilten Mörders Kyle Lakesh widerlegen, dass er der unsterbliche Prinz und damit ein Gezeitenfürst ist.
Nach einigem Zögern übernimmt die Fürstin den Auftrag, da sie keine Sekunde an dieser Behauptung glaubt. Sie ist überzeugt davon, den Schwindler in kürzester Zeit entlarven zu können. Mit der ersten Begegnung der Fürstin und dem undurchsichtigen Kyle oder Cayal nimmt die Handlung ihren fesselnden Lauf. Von Anfang erregt ein Casii die Aufmerksamkeit der Fürstin, da dieser riesige Ark den Angaben des Mörders uneingeschränkt Glauben schenkt. Als Crasii sollte Warlock, so der Name des Ark, aus purem Instinkt jedem Gezeitenfürst bedingungslos gehorchen. Doch bei den Arks hat sich über viele Jahre eine Lösung dieser instinktiven Gefolgschaft eingeschlichen, was sie auch für die Menschen sehr unbequem erscheinen lassen. Diese Crasii leben als freie Wesen, auch wenn man sie für Tiere hält und so behandelt. Als ein Mitgefangener von Kyle Lakesh, nimmt Warlock regen Anteil an den Treffen mit der Fürstin.
Die Fürstin kämpft permanent um den Schutz der Geheimnise ihres Mannes und gegen eine zunehmende emotionale Verbindung zu Kyle Lakesh. Dieser Mann ärgert und fasziniert Arkady gleichzeitig und so lässt sie sich von ihm die ganze unfassbare Geschichte der Gezeitenfürsten erzählen. Mehr und mehr entwickelt sich das Leben der Fürsten von Lebec zu einem Alptraum, der schließlich in der Fluchthilfe Arkadys für Cayal gipfelt.
Im letzten Drittel des umfangreichen Romans entwickelt die Handlung sich radikal und man erlebt mit der Protagonistin ein Wechselbad der Gefühle. Zum Schluss des ersten Bandes kennt der Leser sich in der fantastischen Welt von Jennifer Fallon hervorragend aus und ist mit der Legende der Gezeitenfürsten bestens vertraut. Die Bedrohung für Lady Arkady Desean persönlich sowie für die gesamte Menschheit wird anschaulich herausgearbeitet. Die Zeit der Ebbe, in der die Gezeitenfürsten ihre magischen Fähigkeiten einbüßen, ist nahezu vorbei. Was der Menschheit während der tausend Jahre anhaltenden Flut der Gezeiten blüht, steht dem Leser deutlich vor Augen. Aber es gibt Hoffnung, denn im Gegensatz zu vergangenen Epochen, haben einige kluge Menschen sich vorbereitet. Neben diesen tapferen Menschen werden im weiteren Verlauf der Gezeitenstern-Saga auch die Arks eine wichtige Rolle einnehmen.

Fazit:
Dem umtriebigen Lyx-Verlag ist mit der Gezeitenstern-Saga ein sehr unterhaltsames Fantasywerk gelungen.
Hier stimmen Verlagsbeschreibung und tatsächlicher Inhalt wirklich zusammen und den Lesern wird meines Erachtens großartige Unterhaltung geboten. Besonders die sprachliche Gestaltung durch Katrin Kremmler und Rene Satzer trägt zu dem Lesegenuss in hohem Maße bei.
Harald Jacobsen für hysterika.de / 08.07.2008

Melissa Fairchild: Himmelsauge – Die Geheimnisse des Brückenorakels

Aus dem Englischen von Karin Dufner
Ca. 383 Seiten / 14,95 €
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
c 2009 by Working Partners Two
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag.

COVER:

In einem Londoner Krankenhaus kommt ein Junge ohne Gedächtnis zu sich. Den Ärzten ist er unheimlich, denn er hat einen schweren Unfall überlebt – und nun heilen die Verletzungen mit übernatürlicher Geschwindigkeit. Doch diese Gabe nutzt ihm wenig, als er kurze Zeit später auf der Flucht vor einem mächtigen Gegner ist, der alles daransetzt, ihn in seine wahre Heimatwelt zurückzubringen, aus der er geflohen ist. Doch zum Glück ist der Junge nicht ganz allein: Hilfe bekommt er von Hannah, einem ganz normalen Mädchen, und den im Verborgenen lebenden magischen Bewohnern von London …

REZENSION:

Es gibt Bücher, bei denen ich nach Lektüre der kurzen Coverbeschreibung am Rücken des Buches bereits bis in die Haarspitzen ob des zu erwartenden Inhalts gespannt bin.
Voller Erwartung und eigenen kreativen Ideen widmete ich mich sogleich dem Inhalt.
Wie ich dabei feststellen musste, wurde die Geschichte jedoch in keinster Weise meinen Ideen und Erwartungen gerecht. Das klingt natürlich sehr hart – muß aber nun mal so gesagt werden, da der Inhalt dieses fantasiereichen Werkes meine Ideen als auch Erwartungen hundertprozentig übertroffen hat und mich mit einer sehr gelungen aufgebauten Mischung aus Realität und Fantasie durchweg überzeugen konnte.
Himmelsauge schafft es auch mit Leichtigkeit, sowohl als Jugendbuch zu wirken – ohne dabei den fantasievollen Erwachsenen beiseite zu legen. Für beide Klientel ein absolut spannendes, interessantes und ideenreiches Werk voll interessanter Wendungen.
Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold / 20.09.2010

Jon Evans: Tödlicher Pfad

Originaltitel: Trail of the Dead
Übersetzung: Bela Stern
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

In einem verlassenen Dorf am Annapurna-Massiv in Nepal entdeckt Paul Wood die Leiche eines ermordeten Trekkers, der obendrein brutal entstellt wurde: Aus den Augen des Toten ragen zwei Schweizer Armeemesser. Die nepalesische Polizei ist an der Aufklärung des Falles nicht interessiert, da man andere Touristen nicht verschrecken will. Doch für Paul stellt die Entdeckung des Toten ein grauenhaftes Déjà-vu dar: Vor zwei Jahren wurde seine Freundin Laura während einer Backpacker-Expedition in Kamerun auf exakt dieselbe Weise umgebracht. Aber was haben zwei Morde miteinander zu tun, die auf verschiedenen Kontinenten verübt wurden? Über ein Internet-Forum informiert Paul ander Backpacker über den Fall – und erhält eine Antwort von einem anonymen User, der sich “Der Stier” nennt und behauptet, der Mörder zu sein. Zudem geht das Gerücht, ein Serienkiller treibe unter den Rucksacktouristen sein Unwesen. Mit einem Umstand jedoch hat dieser Killer nicht gerechnet: Paul Wood ist Computer-Programmierer und kann anonyme Nachrichten entschlüsseln…

Jon Evans, geboren 1973 und aufgewachsen in Kanada, lebt und arbeitet derzeit in San Francisco. Wenn er nicht gerade auf Reisen ist oder an seinem zweiten Thriller schreibt, verdient er sein Geld als IT-Consultant. “Tödlicher Pfad” ist sein erster Roman.

REZENSION:

Jon Evans, geboren und aufgewachsen in Kanada, lebend und arbeitend in San Francisco. Beruflich IT-Consultant und privat viel auf Reisen.
Paul Wood, Hauptdarsteller in “tödlicher pfad”, geboren und aufgewachsen in Kanada, lebend und arbeitend in San Francisco. Beruflich Programmierer und privat viel auf Reisen.
Ich hoffe hier enden die Gemeinsamkeiten, denn Paul Wood entdeckt auf dem Annapurna-Massiv eine grausam zugerichtete Leiche und versucht, von den Behörden enttäuscht, auf eigene Faust den Mörder zu finden.
Diese Nachforschungen führen relativ schnell zu einem Dialog mit dem Mörder in einem Internetforum. Es entsteht daraufhin ein spannendes, gut konsumierbares Katz-und-Maus-Spiel.
Jon Evans fügt in diesem Selbstjustizthriller mehrere verschiedene Elemente glaubhaft aneinander und lässt den Leser an der Jagd und den dazugehörigen Reisen teilhaben.
Die Recherchetätigkeiten Paul Woods werden sehr glaubhaft und nachvollziehbar dargelegt, lediglich die Computer- und Internet-bezogenen Erklärungen könnten für den ein oder anderen EDV-technisch unbedarften Leser etwas kompliziert bzw. langatmig sein.
Übrig bleibt aber auf jeden Fall ein sehr guter Debut-Roman, welcher spannend erzählt ist und die unvermeidliche Selbstjustiz glaubhaft und relativ gut nachvollziehbar offenbart.
Als Fazit zeigt sich wieder einmal, daß echte Freundschaften das A und O im Leben sind.
JS/15.01.2005

Jon Evans: Blutpreis

Originaltitel: The Blood Price
Übersetzung: Bela Stern
Deutsche Erstausgabe Juli 2007
c 2005 Jonathan Evans
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher  Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 478 Seiten / € 14,50

COVER:

Als Paul mit seiner Freundin Talena 2003 im Nachkriegs-Bosnien ankommt, ist ihre Beziehung auf dem Nullpunkt. Doch die eigenen Probleme rücken in den Hintergrund, als klar wird, daß Talenas Schwester Saskia, die sie in der Nähe von Sarajewo besuchen, von ihrem Mann seit Jahren brutal mißhandelt wird.
Talena ist eines klar: Ohne ihre Schwester wird sie das Land nicht verlassen. Da für Saskia eine legale Ausreise unmöglich ist, bleibt nur der Weg über Menschenhändler. So geraten sie an Sinisa, der anbietet, Saskia nach Amerika zu bringen. Er will dafür kein Geld, sondern Pauls Dienste als Programmierer. Für ein dubioses Unterfangen, dessen Ausmaße Paul noch nicht erahnen kann… Eine gefährliche Reise um den halben Globus beginnt.

REZENSION:

Jon Evans konnte bereits mit seinem Debüt-Roman “Tödlicher Pfad” den Leser spannend und fesselnd unterhalten. Sein nun vorliegender, zweiter Roman “Blutpreis” legt dem noch einen drauf.
Abermals fegt der Autor in seiner Geschichte um den halben Erdball und zeigt darin, dass dies seine persönlichen Interessen zu decken scheint – anders könnte man den Detailreichtum und die gut recherchierten Hintergründe auch nicht so virtuos darlegen.
Des weiteren schafft er es nun verstärkt, den Leser zu fesseln und den Spannungsbogen zum Zerreissen gespannt zu halten.
Seine Geschichte verknüpft scheinbar losgelöste Themen, wie z.B. albanische Schmuggler, Drogendealer, Guerillas usw. mit -weltpolitisch betrachtet – lapidaren Problemen einer Ehefrau, die ihren brutalen Mann verlassen möchte, dies aber nur durch eine illegale Ausreise schaffen kann.
Jon Evans steuert seinen Hauptprotagonisten Paul Wood – der nicht nur der ausreisewilligen Saskia helfen will, sondern es dadurch auch gleich mit ganzen Banden aufnehmen muss –  durch eine sehr rasant erzählte, originelle und actionreiche Geschichte, die auch geschickt eingefügte Thrillerelemente nicht vermissen lässt.
Somit hat Jon Evans nicht nur einen erfolgreichen Nachfolgeband kreiert, sondern auch gezeigt, dass er diesem noch gewaltig einen drauf setzen konnte.
Lediglich der unvermeidliche Showdown ist etwas zu lang geraten und die Geschehnisse während des Burning Man – Festivals scheinen sehr übertrieben zu sein und wirken somit für den Leser mehr und mehr unglaubwürdig. Vielleicht gebe ich dem Autor auch Unrecht – ich kenne dieses Festival nicht – aber man muss natürlich für alle Leser glaubwürdig bleiben und ich kann einfach nicht glauben, dass es ein Festival mit ausschließlich “durchgeknallten” Teilnehmern und Besuchern gibt. Hier hätte etwas weniger sicherlich für mehr gesorgt.
Alles in allem bleibt aber ein extrem spannender und interessanter Roman mit gut gezeichneten Figuren, dessen Genuss an das Buch fesselt und den Leser problemlos für einige Stunden eintauchen lässt.
Jürgen Seibold/01.09.2007

Charlotte Engmann: Kjartan, der Vitländer

Erstauflage: September 2004
c Charlotte Engmann
c Edition Nocturno im VirPriV Verlag
ca. 133 Seiten

INHALT:

”Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fuhr das Schwert des Reiters auf Kjartan nieder. Instinktiv wehrte er den Angriff ab. Die Waffen schlugen aufeinander. Funken sprühten. Wie ein Glockenschlag hallte der Klang von Stahl auf Stahl über das Land.”

Ob tief unter der See oder hoch über dem Meer, der Recke Kjartan von Froda erlebt mehr als ein fantastisches Abenteuer auf seinen Reisen in die fernen Länder des Westens und Ostens. Aber auch auf seiner Heimatinsel Vitland muss er sich bewähren in Zeiten der Not und im Streit mit den Anhängern des alten und des neuen Glaubens.
Gefährliche Kreaturen, allein aus alten Legenden bekannt, stellen Kjartan vor harte Prüfungen, bis er erkennt, nicht alle magischen Geschöpfe sind Feinde der Menschen.

REZENSION:

Charlotte Engmann führt uns in ihrem Episodenroman in die Welt von Kjartan dem Vitländer und zeigt dabei geschickt gute erzählerische Fähigkeiten in diesem Genre.
Kjartan muss nicht nur die unterschiedlichsten Abenteuer bestehen sondern ist auch ein sehr sympathischer Hauptdarsteller und man ist ein wenig traurig, dass es sich hierbei lediglich um einzelne, zeitlich aufeinander folgende, Episoden handelt, die bereits nach ungefähr 130 Seiten das Schließen des Buches erfordern.
Charlotte Engmann baut sehr geschickt viele bekannte Mythen und Sagen in ihre Episoden ein, ohne diese jedoch zu kopieren oder lediglich neu zu erzählen.
Sie führt uns durch das gesamte Leben Kjartans und erschafft virtuos eine lebendige Figur, die sich vor dem Auge des Lesers entfaltet.
Dadurch entsteht eine schöne Atmosphäre und man leidet, freut sich und kämpft mit allen beteiligten Figuren als wäre man ein Teil des Ganzen.
Die Episoden lassen sich sehr schön lesen und wirken durch und durch glaubwürdig.
Somit ein sehr schönes kurzweiliges Buch für zwischendurch und ich denke Kjartan hätte auch das Zeug zu einem echten Romanhelden.
Jürgen Seibold/15.11.2005

Dianne Emley: Tiefe Stiche

Originaltitel: The First Cut
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Pflüger
Deutsche Erstausgabe Februar 2008
c 2006 by Emley and Co., LLC
c 2008 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
ca. 446 Seiten / 7,95 €

COVER:

Detective Nan Vining hätte es fast erwischt: Bei dem hinterhältigen Messerangriff eines Gangsters entkam sie nur knapp dem Tod. Gerade als sie sich, unsicher und zweifelnd, nach einem Jahr wieder traut, in ihren Job zurückzukehren, weckt ein neuer Fall furchtbare Erinnerungen: Unter einer Brücke wird die Leiche einer Polizistin entdeckt – mit durchschnittener Kehle. Bei ihren Ermittlungen kommt Nan einem unbarmherzigen Killer auf die Spur, dessen mörderische Methoden sie an den Mann erinnern, dem sie um ein Haar zum Opfer gefallen wäre. Ist sie erneut in Gefahr?

REZENSION:

Dianne Emley legt mit “Tiefe Stiche” ihren ersten Thriller vor, der gleichzeitig Auftakt einer Reihe um Detective Nan Vining sein soll.
Man erkennt auch bereits das vorhanden Potential der Autorin – immerhin schreibt sie flüssig und führt den Leser geschickt in die Welt der Nan Vining heran. Leider scheint sie sich nicht dem für das Genre absolut notwendigen Vorsatz gewidmet zu haben: Dem Spannungsaufbau – hier fehlt es im vorliegenden Buch schon gewaltig und somit ist auch sicherlich der Verweis zu einer Tess Gerritsen “noch” nicht gegeben.
Alles in allem bleibt mit “Tiefe Stiche” lediglich ein durchschnittlicher Krimi, der noch säckeweise Spannung vertragen hätte – betrachtet man dieses Buch jedoch als Erstlingswerk, kann es natürlich sein, dass die Autorin mit diesem Buch den Leser erst an die Person Nan Vining heranführen wollte, um dann in Zukunft “Gas zu geben”. Ob dies so ist, wird sich zeigen…
Jürgen Seibold/01.11.2008

Will Elliott: Hölle

Originaltitel: The Pilo Family Circus
Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch
c 2008 Will Elliott
c der deutschsprachigen Ausgabe:
2008 Piper Verlag GmbH, München
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
ca. 388 Seiten / € 9,95

COVER:

Als Jamie eines Nachts beinahe einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seiner Motorhaube auftaucht, ist nichts mehr, wie es war. Jamie erhält unheimliche Drohungen, und eine Horde mordgieriger Geschöpfe in Clownskostümen macht Jagd auf ihn. Die Clowns entführen Jamie in den Pilo-Zirkus, eine bizarre, jenseitige Welt, beherrscht von unheimlichen Akrobaten, Zwergen, Freaks und Wahrsagern. Ein geheimnisvolles Pulver erfüllt jeden Wunsch, und auch Jamie verfällt ihm. Doch wer es einnimmt, wird zum erbarmungslosen Killer. Wenn Jamie dieser Hölle entkommen will, muss er nicht nur den Zirkus zerstören, sondern auch seinen größten Feind besiegen – die eigene dunkle Seite …

REZENSION:

„Hölle“ von Will Elliott handelt von einem latent durchgeknallten Typen, der von wirklich durchgeknallten Clowns (?) entführt und in einen kuriosen Zirkus verschleppt wird. Aus diesem Zirkus – der sich wie eine parallel vorhandene Welt darstellt – kommt man nur sehr schwierig wieder heraus. Es ist lediglich einigen zuverlässigen Clowns kurzzeitig gestattet, an die „Oberfläche“ zu kommen, wenn sie dort einige zwiespältige Aufträge erledigen.
Dies klingt alles irgendwie irre und verrückt – und genauso ist dieses Buch. Hier ist nichts, wie man es sonst aus anderen Werken kennt – man ist beim Lesen nicht sicher, dass man umblättert, weil die Geschichte fesselt oder weil man eventuell selbst verrückt ist. Tja, vielleicht bin ich ebenfalls verrückt, denn ich konnte während der Lektüre niemals sagen, dass dieses Buch gut ist – irrerweise hat es aber trotzdem dafür gesorgt, dass ich aus Interesse am Geschehen weiterblätterte, weiterblätterte und weiterblätterte…
Am Ende konnte das Buch nur bestätigen, was ich bereits vorher dachte: Eine absolut verrückte Story!
Durch diese abgedrehte Irrsinnigkeit ist man jedoch aus unerfindlichen Gründen daran gefesselt und man verfolgt beinahe gedankenfrei eine irrwitzige, ironische, blutige und teils horrorhafte Geschichte über einen Zirkus, dessen Hintergründe noch etwas mehr beleuchtet hätten werden können.
Dies ist somit eins der ersten Bücher, bei dem ich nicht sagen kann, ob es mich begeistert oder schlicht abgestoßen hat – ein sehr sehr interessantes Phänomen war es jedoch uneingeschränkt.
Ich persönlich würde es empfehlen, kann mir aber auch gut vorstellen, dass mir daraufhin einige Personen am liebsten das Buch an den Kopf schmeißen würden.
Jürgen Seibold/18.01.2010

David & Leigh Eddings: Belgarath der Zauberer

c 1996 by David & Leigh Eddings
Originaltitel: Belgarath the Sorcerer
Dt. Lizensausgabe 1997 Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach
Band 28 301
Übersetzung: Susi Grixa

COVER:

Jahrhundertelang tobte der Krieg, nun ist er endlich beendet, und das Schicksal nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Es gibt nur noch einen Menschen, der von den fast vergessenen Zeiten zu erzählen weiß, als die Götter noch über die Erde wandelten. Einen Menschen, der noch weiß, wie der Dunkle Gott Torak das Auge Aldurs stahl und die Welt spaltete, wie die Menschen in einen erbarmungslosen Konflikt gezogen wurden, den Krieg der Götter. Einen einsamen letzten Zeugen, genannt der Alte Wolf: Belgarath der Zauberer. Und er war von Beginn an Teil dieser Geschichte…

In diesem lang erwarteten Roman, der die Vorgeschichte der berühmten Belgariad-Saga erzählt, greifen DAVID und LEIGH EDDINGS die Legende von Belgarath dem Zauberer auf: voller Spannung, geistreich, atmosphärisch dicht und mit der gewohnten Begeisterung, die sehr schnell auch den Leser packt.

REZENSION:

Belgarath der jahrtausendealte Zauberer erzählt in diesem Buch die Vorgeschichte der großangelegten Saga von David Eddings.
Dieses 1016 Seiten umfassendes Buch lässt sich unwahrscheinlich schnell lesen und der alte Zauberer sprüht vor Energie und einem Witz, das das Lesen sogleich doppelt soviel Spass macht.
Einziges Manko ist wohl, dass die Jahrhunderte wie im Flug vergehen und man wohl am Liebsten noch viel mehr Details lesen würde.
Alles in allem ein sehr gutes Buch zur kurzweiligen Unterhaltung.
Werde mir wohl demnächst “Polgara” zu Gemüte führen – Ich bin jetzt schon gespannt, wie die Geschichte aus der Sicht von Belgarath’s Tochter erzählt wird.
 Jürgen Seibold 29.11.2002

David & Leigh Eddings: Polgara die Zauberin

Copyright 1996 by David & Leigh Eddings
Originaltitel: Polgara the Sorceress
Dt. Lizenzausgabe c 1998 by Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach
Band 28 312
Übersetzung: Susanne Tschirner

COVER:

Als ihr Vater sie zum erstenmal berührte, färbte sich eine Strähne von Polgaras Haar weiß.
Alles beginnt in Beldins Turm, wo Polgara, Tochter des Zauberers Belgarath und der Gestaltwandlerin Poledra, aufwächst. Hier nimmt sie die ersten Schritte auf dem gefahrvollen Pfad des Schicksals, das ihr die Rolle als Hüterin des Guten zugedacht hat, als Gegnerin von Torak, dem Einäugigen Drachengott, und als Wächterin der letzten Hoffnung der Menschheit: als Erbin des Throns von Rivan.

Die Belgariad und Malloreon Saga fand in BELGARATH DER ZAUBERER eine geniale Fortsetzung. Dort wurde die Vorgeschichte der großen Kriege um das Auge Aldurs erzählt, aus der Sicht des damals noch jungen Belgarath. Nun übernimmt dessen Tochter Polgara die Rolle der Erzählerin: ein Blick zurück auf ein abenteuerliches dreitausendjähriges Leben.

REZENSION:

Mit Polgara die Zauberin spinnt das Ehepaar Eddings die sagenhafte Geschichte weiter, die in den beiden bisherigen Reihen (Die Malloreon, sowie die Belgariad-Saga) entstanden ist.
Die Belgariad, sowie die Malloreon-Sage war ein genialer Schriftsteller-Streich David Eddings.
Mit den Fortsetzungsbänden, Belgarath der Zauberer und Polgara die Zauberin, geht das Ehepaar in die Vorgeschichte der bereits vorliegenden Sagas ein. Beide erzählen von den früheren Jahrtausenden, gehen jedoch auch in die bereits bekannten Gefilde der neuen Zeit über – was sehr stark beim Begreifen der ganzen, komplexen Welt hilft.
Das einzige Problem in beiden Büchern ist die Ich-Erzählweise, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Immerhin läuft hier eine Frau durch mehrere Jahrtausende und erzählt die Dinge sämtlichst aus ihrer Sicht. Dies wurde von Belgarion zwar so verlangt, baut jedoch beim Leser zwar eine interessante Geschichte auf, kann aber nicht so tief greifen, wie eine “von oben” erzählte Geschichte – die es möglich macht, auch die Sichtweisen der beteiligten Protagonisten zu beschreiben.
Davon jedoch abgesehen, liest sich dieses über eintausendseitige Buch ziemlich gut und ist ein gebührender Abschluss der jeweils 5-bändigen Sagas, sowie dem Erzählbuch von Belgarath.
Man sollte jedoch nicht mit diesem (oder Belgarath der Zauberer) Buch anfangen, bevor man die Sagas kennt – es sind einfach zuviele Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen vorhanden, die einen unvorbereiteten Leser bestimmt zur Verzweiflung und dem “Wegwerfen” des buches bringt. Das hat es jedoch nicht verdient.
 Jürgen Seibold 23.12.2003

Umberto Eco: Der Name der Rose

Originaltitel: Il nome della rosa
Carl Hanser Verlag, München 1982
vorliegendes Exemplar: Lizensausgabe für die Weltbild Verlag GmbH, Augsburg

COVER:

Sorry – beim vorliegenden Exemplar leider kein Covertext vorhanden!

REZENSION:

“Der Name der Rose” als Film mit Sean Connery war mein erster Kontakt. Diesen Film liebte ich – er war sehr gut inszeniert und spannend erzaehlt. Jahre spaeter – ich sah den Film bereits mehrere Male – hielt ich das Buch in meinen Haenden und dachte: Warum nicht mal lesen?
Wissen Sie was geschah?
Seitdem gefaellt mir der Film schon bei weitem nicht mehr so gut. Umberto Eco baut hier einen historischen Thriller auf, der einen von Seite zu Seite nicht mehr aus der Hand laesst. Am Ende war die Enttaeuschung gross – jedoch nicht weil die Geschichte eine schlechte Wendung genommen haette, nein : Weil das Buch zu Ende war!!
Nun bin ich soweit: Der Film wird nicht mehr allzu stark beachtet, dafuer das Buch immer wieder aus dem Regal genommen und dieses nicht nur zum Abstauben, sondern um sich ein weiteres Mal von diesem genialen Roman fesseln zu lassen.
Jürgen Seibold/06.12.2002

Sabine Ebert: Das Geheimnis der Hebamme

Originalausgabe November 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 653 Seiten / 8,95 €

COVER:

Das Deutsche Reich unter Kaiser Barbarossa: Weil sein Sohn tot geboren wurde, will Burgherr Wulfhart der jungen Hebamme Marthe Hände und Füße abschlagen lassen. Nur mit knapper Not gelingt ihr die Flucht aus ihrem Dorf. Um zu überleben, schließt sich das Mädchen einer Gruppe Siedler an, die ostwärts in das heutige Sachsen ziehen, um sich in dem noch unerschlossenen Gebiet ein neues, freies Leben aufzubauen.
Angeführt werden sie von dem edlen Ritter Christian, der sofort von Marthe fasziniert ist. Doch ihre Schönheit und ihre besondere heilende Gabe haben auch die Aufmerksamkeit von Randolf erregt, Christians erbittertstem Feind. Da wird in Christians Dorf Silber gefunden…

REZENSION:

Sabine Ebert führt uns in ihrem Debüt in das Sachsen im 12. Jahrhundert. Sie beginnt mit der Erzählung über eine Gruppe, die ihr altes Leben sowie ihre Heimat aufgeben um ins Ungewisse zu ziehen und sich in der Fremde eine neue Zukunft auf zu bauen. Während der Reise erlebt der Siedlerzug einige unangenehme Überraschungen. Doch auch als sie ihr Ziel erreichen ist bei weitem noch nicht alles überstanden – im Gegenteil – jetzt fängt alles erst an…
Hauptfigur in Sabine Eberts Werk ist die junge und mutige Hebamme Marthe, die auch in der Kräuterkunde sehr bewandert und somit für die Siedler besonders kostbar ist.
Entstanden ist hierbei ein sehr empfehlenswerter historischer Roman, der eine sehr abenteuerliche und spannende Geschichte vorlegt und mit Leichtigkeit den Leser zu überzeugen weiß. Sabine Ebert bleibt auch durchweg überzeugend und beweisst mit viel Liebe zum Detail, dass es nicht nur eine Iny Lorentz in diesem Genre gibt.
So sollten historische Romane geschrieben sein!
Jürgen Seibold/05.02.2008