Madeleine Harstall: Die Brückenbauerin

Originalausgabe März 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch
ca. 446 Seiten / € 8,95

COVER:

Thea stößt bei Recherchen zu ihrer Abschlussarbeit über Brückenbau auf den Namen ihrer eigenen Ururgroßmutter Fedora. Deren Mann hatte einst auf der Insel Usedom eine berühmte Brücke gebaut, die später einstürzte und unzählige Menschen in den Tod riss. Allmählich wird Thea klar, welche Rolle Fedora damals spielte, und sie entdeckt das Geheimnis ihrer Vorfahrin, das wie ein Fluch noch auf ihren Töchtern und Enkelinnen zu lasten scheint…

REZENSION:

„Die Brückenbauerin“ ist klassisch auf zwei Erzählebenen angelegt. Da ist einmal die Geschichte von Thea und Janek, die in der Gegenwart angesiedelt ist, und auf der anderen Seite die Familienchronik ihrer gemeinsamen Vorfahrin, Fedora, die Ende des 19. Jahrhunderts beginnt. Doch was sonst oft spannungsfördernd ist, wirkt hier eher störend. Das mag daran liegen, dass mich persönlich die Geschichte von Thea und Janek nicht besonders zu fesseln vermochte, und ich zu den beiden Figuren keinerlei Beziehung aufbauen konnte und letztendlich auch nicht wollte. Es wird nicht so ganz klar, ob es sich nun eigentlich um einen Liebes- oder doch eher einen Spionageroman handeln soll, doch beide Genres sind nicht besonders überzeugend umgesetzt. Die Familienchronik von Fedora hingegen fand ich sehr spannend, denn da wird ziemlich anschaulich das Leben in einer äußerst aufregenden Zeit beschrieben – es gibt noch keine Glühbirnen, Kühlschränke oder Staubsauger, dafür liegt aber ein ungeheurer Wissens- und Forscherdrang in der Luft, der auch für den Leser von heute noch spürbar wird. All die Dinge, die für uns heute so selbstverständlich sind, wurden dank der Neugier und Experimentierfreudigkeit dieser Menschen erfunden, die sich auch von unvermeidlichen Rückschlägen nicht entmutigen ließen. Das gilt natürlich nicht nur für die Technik sondern auch für die Medizin. Obwohl diese Zeit eigentlich noch gar nicht so weit zurück liegt, glaubt man sich in eine andere, ferne Welt versetzt, wenn man miterlebt, mit welchen Schwierigkeiten Frauen zu kämpfen hatten, die ihr Leben ebenfalls der Wissenschaft verschreiben wollten – Fedora als Ingenieurin und ihre Tochter Elsie als Ärztin – und welchen hohen Preis diese intelligenten und mutigen Frauen für diese Entscheidung bezahlen mussten. Wenn dann die Erzählung wieder in die Gegenwart zu Thea und Janek wechselt, war ich manchmal fast ein bisschen ungehalten und habe mich von den beiden regelrecht gestört gefühlt.
Fazit: „Die Brückenbauerin“ ist auf jeden Fall ein spannendes Buch, das auch ein bisschen nachdenklich macht – über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und darüber, wie sich Schicksale oder zumindestens bestimmte Muster innerhalb einer Familie über Generationen hinweg wiederholen können, was oft erst durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte – so wie Thea das für ihre Diplomarbeit macht – erkennbar wird.
Susanne Mayer für Hysterika, 16. Juli 2006

Madeleine Harstall: Das Geheimnis der Gräfinnen

c 2004 by Knaur Taschenbuch

COVER:

Im Sommer 2004 reisen Richard und Zilla von Genf nach Zingst in Nordvorpommern, wo Zillas Mutter, die Gräfin Rosalie, ein Trakehnergestüt leitet. In der Ehe der beiden kriselt es, und Zilla ahnt nicht, dass Richard ein düsteres Familiengeheimnis vor ihr verbirgt. Zillas Verhältnis zu ihrer Mutter ist schwierig, denn Zilla hat ihr nie verziehen, dass sie ihre Tochter in den 80er-Jahren in den Westen geschmuggelt hatte, so dass diese nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Kindheit an der Ostsee zwischen Dünen, Meer und Wolken verlor. Und nun hat ihre Mutter vor, ihrem Schwiegersohn die Leitung des Gestüts anzuvertrauen. Dieser aber wehrt sich zunächst. Der Grund: Richards Großvater hat in Ostpreußen ein furchtbares Verbrechen begangen…

Madeleine Harstall wurde 1958 in Genf geboren. Sie studierte Germanistik und Sprachen und lebt in Wangen im Allgäu.

REZENSION:

Die im Klappentext angekündigten Themen: dunkles Familiengeheimnis und Mutter-Tochter-Konflikt lassen eine spannende Lektüre erwarten. Als Leser freut man sich auf eine Geschichte, die auf zwei Ebenen – Gegenwart und Vergangenheit – erzählt wird, und die sich erst nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzt, so dass man das Buch erst wieder aus der Hand legen möchte, wenn man das ganze Bild kennt. Im Prinzip trifft das auch auf diesen Roman zu, allerdings wird die Geduld des Lesers streckenweise doch auf eine ziemlich harte Probe gestellt, denn bevor man zum nächsten Puzzle-Teil kommt, muss man – teilweise ziemlich langatmige – Ausführungen über die Landschaft (Nordvorpommern) und die Pferdezucht über sich ergehen lassen. Vielleicht habe ich mich aber auch nur deshalb durch diese Exkurse so ausgebremst gefühlt, weil diese Themen mich persönlich nicht unbedingt fesseln. Doch damit nicht genug, der Leser wird zudem noch mit jeder Menge geschichtlicher Daten und Details zum 2. Weltkrieg überschüttet, Stoff genug für einen eigenen – wahrscheinlich sogar ziemlich interessanten – Roman. Aber ich wollte ja eigentlich einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen und diesen Mutter-Tochter-Konflikt verstehen, und nicht meine Geschichtskenntnisse erweitern. Man hat das Gefühl, dass Frau Harstall befürchtet haben könnte, dass sie in ihrem ganzen Leben nur ein einziges Buch schreiben kann oder wird, und deshalb in diese 414 Seiten alles hineinpacken muss, was sie auf dieser Welt für wichtig, interessant und erzählenswert hält. Dem Leser wird dadurch einiges an Flexibilität und Toleranz abverlangt. Kaum glaubt man aus diesem Informationswust ein weiteres Puzzle-Teil herausgepickt zu haben, muss man erkennen, dass alles dann doch ganz anders ist, als man – und auch die Protagonisten des Romans – gedacht hat. Irgendwie gelingt es der Autorin aber dennoch, immer wieder gerade noch rechtzeitig zur „eigentlichen“ Geschichte zurückzukommen, so dass man dann doch bis zum Ende dabei bleibt.
Fazit: Für meinen Geschmack wäre weniger auf jeden Fall mehr gewesen. Doch trotz der epischen Abschweifungen ein ziemlich spannendes Buch.
Susanne Mayer für Hysterika, 28.09.2006

Johan Harstad: Darlah

Originaltitel: Darlah. 172 timer pa manen.
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Deutsche Erstausgabe März 2010
c 2008 Cappelen Damm AS, Oslo
Für die deutschsprachige Ausgabe:
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten / € 14,90

COVER:

Im Weltraum kann dich niemand schrehen hören.

Mia aus Norwegen, Midori aus Japan und Antoine aus Frankreich – sie sind die drei Gewinner eines weltweiten Preisausschreibens der NASA und dürfen am ersten bemannten Mondflug seit 1976 teilnehmen. Ihre Motivationen könnten unterschiedlicher nicht sein: Midori will weg aus Japan, Antoine weg von seiner Ex. Mia will eigentlich gar nicht weg, aber ihre Eltern und der Rest der Welt finden, das sei eine einzigartige Chance, ein Sprungbrett in die Berühmtheit. Dass die Ausschreibung nicht mehr ist als ein billiger Trick, um Sponsoren anzuwerben, da für die Expedition das Geld fehlt, ahnt kaum jemand. Und der einzige Mensch, der weiß, was in Wahrheit dahintersteckt und dass dieser Mondflug das Ende von allem sein kann, ist ein an Alzheimer erkrankter, alter Mann, dem niemand Glauben schenkt. Der Countdown läuft…

REZENSION:

Johan Harstad legt mit Darlah einen Science Fiction Thriller mit Horrorelementen für die jüngere Lesergeneration vor. Seine Geschichte ist auch durchweg glaubwürdig und interessant erzählt. Seine Spannungselemente sind geschickt eingewoben und lassen an nichts zu wünschen übrig. Nichts desto trotz darf man die Klientel nicht vergessen – und dies hat der Autor auch in keinster Weise getan. Im Rahmen eines anspruchsvollen “Erwachsenenbuches” würde ich eine detailliertere Beschreibung mancher Inhalte sehr wünschen – auch die lediglich als Nebenrolle dargestellte Idee mit dem an Alzheimer erkrankten ehemaligen Mitarbeiter der “Area 51” hätte noch mehr Potenzial.
Bleiben wir aber bei der Zielgruppe: Und hierbei erkennt man, dass es sich doch tatsächlich um eine rasante Science Fictiongeschichte handelt, die voller Ideen und verwoben mit vielen Anspielungen dargelegt wird. Es gibt keinen einzigen Augenblick, der nicht die Aufmerksamkeit des Lesern aufrecht erhält. Somit kann man dieses gelungene Werk jedem jüngeren Lesern uneingeschränkt empfehlen. Der einzige Nachteil dieser Klientel besteht darin, dass diese allein aufgrund ihres Alters eventuell nicht jede Anspielung greifen können, da die dafür verwendeten Vorbilder sich überwiegend bei anderen Generationen aufhielten. Dies beeinträchtigt aber sicherlich in keinster Weise den Lesensfluss.
Jürgen Seibold/05.04.2010

Cynthia Harrod-Eagles: Lügen, verdammte Lügen

Originaltitel: Blood Sinister
Deutsch von Susanne Aeckerle
Deutsche Erstausgabe August 2007
c 1999 Cynthia Harrod-Eagles
c 2007 der deutschsprachigen Ausgabe bei Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 381 Seiten / 8,95 €

COVER:

Ob es wirklich ein allzu leidenschaftlicher Liebhaber war, der Phoebe Agnew, halb nackt und ans Kopfteil des Bettes gefesselt, nach einem intimen Dinner erwürgt hat? So ganz kann das Detective Inspector Slider nicht glauben. Schließlich war die als Fürsprecherin der sozial Schwachen bekannte Journalistin eine gefürchtete Frau: Oft genug hatte sie der Polizei mit ihren kritischen Artikeln eingeheizt und zudem etliche korrupte Kriminalbeamte auffliegen lassen. Sliders Leute dürfen während ihrer Ermittlungen deshalb keinerlei Zweifel an ihrer Unparteilichkeit aufkommen lassen. Keine leichte Aufgabe, zumal ihnen auch noch das Innenministerium zusetzt. EIner der Verdächtigen ist nämlich ein Regierungsbeamter: Josh Prentiss, ein alter Freund der Toten…

REZENSION:

Cynthia Harrod-Eagles legt mit der Kriminalgeschichte “Lügen, verdammte Lügen” ein genregerechtes Stück vor, das insbesondere durch den eingängigen und fließenden Schreibstil sowie den klassisch anmutenden in sich widersprechenden Zeugenaussagen zu überzeugen weiß.
In ihrer Geschichte jagt ein Lügengespinst hinter dem anderen her und man tappt als Leser dadurch sehr lange im Dunkeln – insbesondere, was die Person des Mörders betrifft: Sobald man eine Ahnung zu haben scheint, wendet sich das Blatt erneut um hundertachtzig Grad und man irrt weiterhin der echten Auflösung hinterher.
Nebenbei führt Cynthia Harrod-Eagles einen sympathischen Detective Inspector ein, dessen eigene Probleme absolut realistisch sind und ihn somit menschlich und verletzlich machen. Dadurch entsteht ein kleiner Nebenplot zum eigentlichen Kriminalfall, der sich mehr und mehr als nette zusätzliche Unterhaltung herausstellt. Harrod-Eagles Schreibweise bildet scheinbar nebenbei sehr witzige und interessante Dialoge heraus, was der Geschichte absolut gut bekommt.
Somit eigentlich ein typischer Krimi, der aber doch überzeugen kann und damit etwas heraussticht. Sehr schöne Unterhaltung!
Jürgen Seibold/05.02.2008

Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab

Originaltitel: An Ice Cold Grave
Deutsch von Christiane Burkhardt
Deutsche Erstausgabe Februar 2010
c 2007 Charlaine Harris
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 302 Seiten / € 8,95

COVER:

Die junge Harper Connelly hat, seit sie einmal vom Blitz getroffen wurde, eine etwas unheimliche Gabe: Sie kann Tote finden. Jetzt soll sie in Doraville, North Carolina, einen verschwundenen Jungen aufspüren. Es stellt sich heraus, dass dort in den letzten Jahren noch mehr Teenager verschwunden sind. Und Harper findet sie – zu ihrem Entsetzen. Danach möchte sie so schnell wie möglich aus Doraville verschwinden, doch nach einem brutalen Überfall ist sie gezwungen, zu bleiben. So erfährt sie mehr über die Einwohner und deren Geheimnisse, als gut für sie ist. Aber ist wirklich einer von ihnen ein Serienmörder?

REZENSION:

„An der Ostküste wimmelt es nur so von Toten“  .
Beim Lesen dieses ersten Satzes musste ich an meinen früheren Deutschlehrer denken, der uns damals erzählt hat dass man Bücher aufgrund des ersten Satzes schon ein Stück weit analysieren und interpretieren kann. Ich machte mich also auf einiges gefasst… und wurde  nicht enttäuscht. Die Ostküste Amerikas wimmelt in diesem Buch tatsächlich von Toten.
In dieser Geschichte wird von einer jungen Frau erzählt, die in jüngeren Jahren vom Blitz getroffen wurde (und das ist durchaus wörtlich zu nehmen). Dieser Blitzschlag hat ihr die Fähigkeit Tote zu finden verliehen. Und darüber hinaus sogar noch die letzten Minuten der Toten zu „sehen“ und somit herauszufinden ob dieser gewaltsam oder eines natürlichen Todes gestorben ist.
Zugeben: das klingt alles sehr fantastisch – ist es auch.
Böse Zungen könnten behaupten: typisch amerikanisch.  Ja, ein stück weit tatsächlich auch das.
Trotzdem hat dieses Buch einen gewissen Spannungsfaktor, dem ich mich nicht entziehen konnte. Wenn auch, um ehrlich zu sein, nicht genügend für die Tatsache dass es von Leichen wimmelt.
Dennoch denk ich, dass das Buch einen Leser, der weder auf besondere Spannung noch auf „spritzendes Blut“ Wert legt, durchaus begeistern kann.
Birgit Grunwald für hysterika.de/22.12.2010

Charlaine Harris: Der Vampir, der mich liebte

Originaltitel: Dead to the World
Übersetzung: Britta Mümmler
c 2004 Charlaine Harris Schulz
Deutsche Erstausgabe September 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Sookie Stackhouse ist Kellnerin in einer Bar in Louisiana. Sie ist hübsch, jung, ihr Job macht ihr Spaß. Viele Freunde hat sie allerdings nicht – denn nicht jedermann weiß Sookies besondere Gabe zu schätzen: Sie kann Gedanken lesen. Eines Nachts trifft sie auf dem Nachhauseweg auf einen herumirrenden Vampir. Er hat kaum einen Faden am Leib und außerdem sein Gedächtnis verloren. Zum Glück kennt ihn Sookie: Es ist Eric, der Boss ihres Ex-Freunds. Eric hat ein gewaltiges Problem: Ein Hexenzirkel ist in die kleine Stadt eingefallen und verlangt Schutzgeld von Eric, der ein erfolgreicher Vampir-Bar-Unternehmer ist. Er weigert sich zu zahlen, mit desaströsen Folgen. Sookie nimmt ihn bei sich auf – und bald jagt eine gefährliche Situation die andere. Außerdem ist Eric ein sehr attraktiver Vampir…

“Harris hat eine kleine Stadt in Louisiana erschaffen, die voller eigenwilliger, lebendiger Figuren ist und in die der Leser nur zu gern immer wieder zurückkehren wird.”
Crescent Blues

Charlaine Harris lebt in Arkansas, gemeinsam mit ihrem Mann, ihren drei Kindern, zwei Hunden, zwei Frettchen und einer Ente. Sie ist eine unersättliche Leserin, gemäßigte Cineastin und gelegentliche Gewichtheberin. Charlaine Haris hat zahlreiche Kriminalromane veröffentlicht und wurde für ihre Vampirromane mit dem begehrten Anthony Award ausgezeichnet.

REZENSION:

Zugegeben, der deutsche Titel ist ein bisschen unglücklich gewählt, denkt man doch automatisch an einen kitschigen Groschenheftroman mit der üblichen Formel: arme, schwache Menschenfrau verfällt attraktiven Vampir, wird von ihm aus allem unmöglichen Situationen gerettet bis sie am Ende dann zusammen in den Sarg sinken. Doch weit gefehlt: Hauptheldin Sookie ist kein naives Anhängsel, sondern eine Powerfrau, die ihren Mann zu stehen weiß. Und die kurze aber knackige Liebesgeschichte zwischen ihr und Eric nur eine Zutat in diesem sympathischem Genremix aus Krimi, Mystery und Komödie.
Eigentlich ist dies bereits der vierte Band einer ganzen Serie um die leicht lakonische Kellnerin, doch der erste, der auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Für die in sich geschlossene Geschichte werden aber keine Vorkenntnisse benötigt, Beziehungen und Vergangenheit der Hauptpersonen erschließen sich nebenbei. Allgemein ist das Buch sehr flüssig zu lesen, auf detailverliebte seitenlange Beschreibungen wird zugunsten der rasanten Geschichte verzichtet, ohne jedoch oberflächlich zu werden. Gerade die Bewohner des kleinen Südstaatenstädtchens – eine düstere Version des amerikanischen Traums – sind mit sehr viel Liebe ausgearbeitet: eine wilde Mischung aus Menschen, Vampiren, Werwölfen und noch allerhand anderen magischen Gestalten. Sicher, Klischees sind nicht immer zu vermeiden werden aber gekonnt und mit einem Augenzwinkern auf die Spitze getrieben.
Wer einen modernen Vampirroman, der sich selber nicht all zu ernst nimmt, sucht, der ist mit “Der Vampir, der mich liebte” bestens versorgt.Bleibt die Hoffnung dass DTV ein Einsehen hat und den Leser auch bald in den Genuss der anderen Bücher der Serie kommen lässt.
Update zur deutschen Übersetzung: Die drei ersten Bände sind bei Feder & Schwert erschienen, ab Band 4 hat DTV die Serie übernommen – und “Der Vampir, der mich liebte” zwar ein neues Cover aber immer noch keinen besseren Titel verpasst.
Bis jetzt (2008) sind 6 Bände der Serie übersetzt wurden, der siebente Band “Vampire schlafen fest” wird im Juni 2008 erscheinen.
Marie-Luise Führ für Hysterika.de/19.02.2008

Gisbert Haefs: Alexander der Grosse

Coverbild: Heyne-Verlag (ISBN 3453866630)
Vorliegendes Exemplar: Sonderausgabe mit den beiden zuvor im Haffmans Verlag erschienenen Bänden Alexander “Hellas” und Alexander “Asien”
Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1998
c 1992, 1993, 1995, 1997 by Gisbert Haefs

COVER:

Nach seinem großen Karthago-Roman Hannibal legt Gisbert Haefs den gewaltigen Weltreich-Roman Alexander vor: die farbenprächtige, lebendige Auferstehung der Antike.
Der erste Teil umspannt die Zeit von der Einigung Griechenlands unter Alexanders Vater Philipp II. bis zur Meerfahrt des jungen Königs über den Hellespont. Der zweite Teil führt von der Schlacht am Granikos zur Eroberung und Neuordnung des ersten Weltreichs der Weltgeschichte, das ein Zusammenleben vieler Völker unter einem Gesetz möglich machte: Perser, Ägypter, Babylonier, Araber, Inder, Griechen, Makedonier hatten unter Alexanders Herrschaft gleiche Rechte und gleiche Chancen. Der große Roman verleiht einem Lidschlag der Historie, einer menschgewordenen Utopie, anschauliche Gegenwart.

GISBERT HAEFS
Alexander der Große

“Gisbert Haefs hatte schon einen historischen Roman über Hannibal vorgelegt. Dieser erweist sich nun als Probestück, dem ein Meisterwerk in der gleichen Art gefolgt ist.”
Jürgen Busche/Süddeutsche Zeitung

“Haefs’ Antike ist kein glatter Marmor, sie lebt, frißt, grölt, lacht, liebt und verreckt. Sie lebt auch literarisch.
‘Alexander’ ist ein veritabler Spionageroman, ein Politthriller, Schlachtengemälde, Helden_Epos und Schelmenstück, Parodie auf antike Chroniken, selbst antike Chronik, wundersames Mysterienspiel, philosophischer Diskurs, Reisebeschreibung und anderes, oft ironisch gebrochen, mit Anspielungen von Schiller bis Asterix durchsetzt. Aber beileibe kein unernster Bilderbogen für kindliche Gemüter.
Denn es ist durchaus eine ernsthafte Intention von Haefs, die Antike, deren Wahrnehmung oft von mythischer Verklärung verstellt ist, plausibel zu machen. Dementsprechend enorm ist auch der Recherche-Aufwand, der beispielsweise zum Thema antike Musik etliches Neues zu sagen hat oder die zukünftige Historiographie überzeugend korrigieren kann und eine Detailgenauigkeit erzeugt, die erstaunlich ist.”
Thomas Wörtche/Frankfurter Rundschau

“Antikes Leben wird anschaulich. Selbst kritisch gestimmte Wissenschaftler, die Haefs’ aristotelischer Geschichtssicht die Zustimmung wahrscheinlich versagen, werden ihren respekt nicht verweigern.”
Rudolf Pförtner/Die Welt

GISBERT HAEFS (sprich: Haafs), geboren am 9.1.1950 in Wachtendonk am Niederrhein; studierte Anglistik und Romanistik, war während des Studiums Komponist, Chansonnier und Kneipier; lebt als Autor, Übersetzer und Herausgeber in Bad Godesberg.

REZENSION:

Gisbert Haefs Werk lag nun schon 10 Jahre in meinem Bücherregal und staubte vor sich hin. Vor ungefähr 6 Jahren nahm ich es mal in die Hand und begann eher zögerlich mit der Lektüre. Irgendwie kam ich jedoch nicht rein und legte es wieder in das besagte Regal.
Nun, im Jahre 2009 fiel es mir wieder in die Hände und mein Gefühl sagte mir, es wäre nun an der richtigen Zeit.
Den Fehler des Beiseitelegens bereute ich nun mehr als stark – konnte mich doch tatsächlich dieser knapp tausendseitige Wälzer durch und durch überzeugen.
Haefs erschafft ein Bildnis, das durchgehend stimmig ist und diese verwirrende Zeit der alten Griechen farbenfroh mit allen Ecken und Kanten vor dem Leser ausbreitet. Man fühlt sich beinahe als stiller Beobachter einer Zeit, die voller Intrigen, Machtkämpfe, Dreck, Wein, Hurerei steckt und man ist fasziniert ob der detailreichen Fülle eines Autors, der sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr solchen Personen widmen sollte.
Der Großteil der Protagonisten ist historisch gesichert, ironischerweise habe ich eine nicht reale Person ins Herz geschlossen: den Khitaristen Dymas, der als Musiker diversen Spionagetätigkeiten nachkommt und mich einfach überzeugen konnte. Selbst der mir lediglich als trockener Schulstoff bekannt gewordene Aristoteles fand seinen Weg in meine Gehirnwindungen – und wenn dieser Philosoph nur annähernd so gewesen sein sollte, wie dargestellt, dann war Aristoteles ein verdammt “cooler Typ”.
Sicherlich werden einige Historiker die Haare raufen – jedoch schaffen es diese leider selten, geschichtliche Hintergründe und Begebenheiten so lebendig darzustellen, wie es Haefs im vorliegenden Buch macht.
Warum nur ist Geschichte oft so trocken und ein Abzählen von Daten (“333 vor Issos Keilerei”) – es geht doch auch ganz anders!
Jürgen Seibold / 01.09.2009

Stephan Grundy: Rheingold

Originaltitel: The Rhinegold
Übersetzung: Manfred Ohl und Hans Sartorius
vorliegendes Exemplar: Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh
c 1992 Stephan Grundy
deutsche Ausgabe: c 1992 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.

COVER:

RHEINGOLD erzählt von einer Welt, in der das Schicksal von Menschen und Göttern noch eng miteinander verknüpft ist – ein Kosmos voller Zauber, Fabelwesen und Geheimnisse.
Sigfrid, der Held, verfügt zwar wie im Mythos über Stärke und scheinbare Unverwundbarkeit, zeigt sich aber in seiner ganzen widersprüchlichen Menschlichkeit: in seiner Naivität, seiner Unfähigkeit, Menschen und Mächte zu durchschauen, und damit in seiner Unterlegenheit gegenüber Gunter, Hagen und Krimhild – in seinem unschuldigen Wunsch nach Freundschaft und Zuverlässigkeit und seiner heimlichen Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Ein furchtloser Held, ein unbesiegbarer Drachentöter nach außen, innen ein noch unreifer und unsicherer, leicht zu beeinflussender Mann.

RHEINGOLD wie es Stephan Grundy ausfabuliert, ist mehr als ein phantastisch-mysthischer Roman über das Schicksal der Nibelungen. Grundy hat viele alte Geschichten aus dem nordeuropäischen Kulturraum miteinander verwoben und verknüpft, um eine unendliche Geschichte zu erzählen von Liebe und Versagen, Macht, Geheimnis und Tod.

Der Amerikaner Stephan Grundy studiert nordische Literatur an der Universität Cambridge in England. Er spricht deutsch, schreibt Gedichte, spielt die keltische Harfe, singt Schubert- und Wagner-Lieder. Grundy arbeitete als Goldschmied und ging bei dem bayerischen Holzschnitzer Ludwig Kienig in eine fünfjährige Lehre. Seine Hobbys sind Fechten, Karate, Met- und Bierbrauen.

REZENSION:

In Rheingold erzählt Stephan Grundy die komplette Nibelungensage von den Wälsungen über Sigfrid zu Gudrun. Dies schafft Grundy so detailliert und interessant, das dem Leser das Umblättern aufgezwungen wird und man nach der Lektüre fast versucht ist, sich auf die Suche nach dem berühmten Schatz im Rhein zu machen.
Das Nibelungenlied wurde schon sehr oft verfilmt, neu erzählt und weitergewoben – jedoch selten in dieser Dichte. Er verwebt hierbei nicht nur die alte Sage von Sigfrid dem Drachentöter, sondern auch alte Geschichten und Mythen aus unserem europäischen Kulturraum. Das alles so gut erzählt, das sich vor dem Leser die alten Zeiten wieder auftun und man sich unversehens bei den Burgundern, den Franken und dem Rhein befindet.
Selten gelingt es einem Autor bei der Nacherzählung einer Sage so zu fesseln und die Geschichte hierbei so zu erzählen, als ob das alles genau so geschehen wäre.
Dadurch ist ein Buch entstanden, das man fast als historischen Roman bezeichnen müsste, obwohl doch viele Vorgänge eher der Fantasy zuzuschreiben wären.
Somit nicht nur ein Werk für den Nibelungen-Interessierten, sondern für alle die gute historische Romane verschlingen, als auch für alle Fantasy-Freaks, die in einer andere Welt eintauchen möchten.
Das alles ist Stephan Grundy problemlos gelungen und lässt auf mehr Ergüsse von diesem Autor hoffen.
Jürgen Seibold

Alexander Grin / Stephen Gilbert / Harald Howart / H. J. Alpers: Tod durch Ratten (4 Romane in einem Band)

Alexander Grin: Der Rattenfänger
Titel der russischen Originalausgabe: Krysolov
Übersetzung aus dem Russischen von Waltraud Ahrndt
c 2004 by area verlag gmbh, Erftstadt

Stephen Gilbert: Aufstand der Ratten
Titel der englischen Originalausgabe: Ratman’s Notebook
Übersetzung aus dem Englischen von Walter Erev
Lizenzausgabe der area verlag gmbh, Erftstadt
c 1968 by Stephen Gilbert
c der deutschen Übersetzung by Marion von Schröder, Berlin

Harald Howart: Tod durch Ratten
c 1971 by Harald Howart
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt

Hans Joachim Alpers: Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich
c 2004 by Hans Joachim Alpers und area verlag gmbh, Erftstadt

COVER:

Vier fulminante Rattenhorror-Werke erstmals in einem Band! Szenarien des Grauens, in denen die Ratten ihren eigenen Plänen folgen, sich über den Menschen stellen und zu einer entsetzlichen Bedrohung für ihn werden – die Horrorgeschichten aus der Feder internationaler und deutscher Kultautoren lassen eines zur grausigen Gewissheit werden: Unsere Angst vor Ratten ist berechtigt.

Vier Romane in einem Band:
Alexander Grin: “Der Rattenfänger”
Stephen Gilbert: “Aufstand der Ratten”
Harald Howart: “Tod durch Ratten”
Hans Joachim Alpers: “Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich”

REZENSION:

Der area-Verlag legt mit dem Band „Tod durch Ratten“ ein 800 Seiten starkes Buch vor, in dem sich 2 Kurzgeschichten und 2 ganzwertige Romane mit Ratten als Hauptthema finden.
Als erstes findet man Alexander Grin’s knapp 90seitige Kurzgeschichte „Der Rattenfänger“:
Diese Geschichte ist sehr spannend geschrieben und kann sehr viel positive Eindrücke beim Lesen hinterlassen. Einziges Manko: Die Geschichte konnte sich mir nicht wirklich erschließen. Dies klingt zwar nach einem Widerspruch, zeigt aber zumindest daß Alexander Grin weiß, wie man den Leser bei der Stange hält.
Als zweites folgt Stephen Gilbert’s „Aufstand der Ratten“. In diesem Buch erreicht der Hauptdarsteller, daß ihm eine nicht unerhebliche Anzahl Ratten gehörig sind und seinen Befehlen nahezu fehlerfrei folgen. Durch seine beruflichen und allgemeinen Probleme setzt er diese immer mehr zu räuberischen Tätigkeiten ein, was zu einem gewissen Reichtum führt, jedoch den Weg zu seinem ersten befohlenen Mord führt. Dieses Thema spitzt sich immer mehr zu bis…..
Stephen Gilbert schuf hiermit einen Plot, der nicht nur spannend zu Lesen ist sondern auch zeitweise eine sehr interessante Beziehung zwischen dem Leser, dem Hauptakteur sowie den Ratten schafft. Dieser Roman befriedigt jeden Horrorleser und ist allein schon das Geld für diesen günstigen Rattensammelband wert.
Weiter geht es dann mit „Tod durch Ratten“ von Harald Howart, in dem ein Wissenschaftler durch seine Gehirnforschungen an Ratten ebenfalls die Kontrolle über zumindest eine Ratte erhält. Nachdem er jedoch von seinem Professor als Scharlatan verhöhnt wird und sowieso nicht gerade angesehen war, verliert er sich in klassische Rachegedanken und setzt hierzu mörderisch seine von ihm gesteuerte Ratte ein. Dieser Roman strotzt ebenfalls vor Spannung und lässt sich in beinahe einem Zug durchlesen, da man diese Geschichte nicht mehr loslassen kann. Einziges Manko an diesem Roman ist der absolut plötzliche Schluß, der sich so schnell und endgültig darlegt, daß man das Gefühl hat es würden noch ein paar Seiten fehlen oder der Autor wurde beim Schreiben gestört und musste sofort damit aufhören. Schade eigentlich, da man ansonsten nichts negatives über diese Geschichte sagen könnte.
Als letztes folgt noch eine recht kurze Geschichte von Hans Joachim Alpers mit dem Titel „Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich“, in dem jemand Briefe von seinem bereits vor mehreren Jahren verstorbenen Freund erhält und bei dessen Lektüre in einen mystischen und wahnsinnigen Strudel gerissen wird. Mehr kann man über den Inhalt nicht sagen, da man sonst etwas zuviel verraten könnte. Es ist auf jeden Fall ein sehr guter Abschluß dieses Buches, da diese Kurzgeschichte in der Spannung und Eingängigkeit in nichts den anderen nachsteht.
Somit hat der area-verlag erneut ein sehr gutes Näschen für spannende Geschichten bewiesen, die sich in diesem Fall zumindest überwiegend über ein Thema ranken.
Schadet nicht, damit die Horror-Sammlung des area-verlages zu erweitern.
JS/14.10.04

Andreas Gößling / H.R. Giger: DEA MORTIS – Der Tempel der dunklen Göttin

Originalausgabe November 2005
c 2005 Knaur Verlag
Copyright aller Abbildungen in diesem Buch: H.R. Giger, Zürich, 2005
ca. 300 Seiten

COVER:

”Hüte dich vor der Brut der Bestie!”, schrie der alte Mann. “Komm zurück, ich beschwöre dich! Vor langer Zeit schon wurde prophezeit, dass sie eines Tages zurückkehren wird.”

Seit Jahrhunderten ruht tief unter der Stadt Idleton ein vergessener Tempel. Als man ihn bei den Bauarbeiten für ein neues U-Bahn-System wieder entdeckt, passiert die Katastrophe: eine uralte Macht wird geweckt, eine dunkle Göttin. Hungrig verlangt sie nach Anbetung und Opfergaben – und beginnt, sich die Menschen untertan zu machen.

Als Rick nach Idleton kommt, ahnt er nicht, dass er sich bereits mitten in einer apokalyptischen Auseinandersetzung befindet, in der er bald mit aller Macht um sein Leben kämpfen muss – und seine Seele …

DER AUTOR
Andreas Gößling wurde 1958 geboren und ist ein ausgewiesener Experte für phantastische, mythen- und kulturgeschichtliche Themen. Viele seiner Sachbücher – Die Rückkehr der Engel, Drachenwelten, Voodoo und andere, teilweise veröffentlicht unter dem Pseudonym Pietro Bandini – wurden viel zitierte Bestseller. Seine Romane Die Maya-Priesterin und Der Alchimist von Krumau begeisterten Publikum und Kritiker gleichermaßen. Andreas Gößling lebt mit seiner Familie in Coburg.

DER KÜNSTLER
H. R. Giger wurde 1940 in Chur (Schweiz) geboren. Er studierte Architektur und Industriedesign in Zürich. Neben seinen surrealistischen Traumlandschaften ist er vor allem durch sein Design für Ridley Scotts Film “Alien” bekannt geworden.
Für seine Mitarbeit an diesem Film erhielt Giger 1980 einen Oscar in der Kategorie Best Achievement for Visual Effects. Im Laufe der Jahre folgten Filmprojekte wie Poltergeist II und Species. 1998 wurde das “Museum HR Giger Château St. Germain” im schweizerischen Gruyères eröffnet, in dem seine Werke der 60er- und 70er-Jahre sowie die Filmdesigns zu sehen sind. H.R. Giger lebt und arbeitet in Zürich.

REZENSION:

Mit DEA MORTIS hat ein optisch sehr interessantes Werk seinen Weg in meine Gefilde gefunden.
Es handelt sich hierbei um eine Mischung aus einem hochkarätigen Bildband und einem gruseligen aber auch für manch einen schwer zu verdauenden Roman.
Der Bildband besteht aus Werken des berühmten Alien-Erschaffers H.R. Giger und sorgt allein dadurch schon dafür, als Lichtblick im Regal zu wirken. Man kann sich seiner Schaffenskraft nur schwer entziehen und ich denke, innerhalb der Szene bzw. der Genre in und um den Horror ist er mit Sicherheit einer der ganz großen anerkannten Künstler.
Allein dadurch scheint sich die Anschaffung dieses künstlerisch wertvollen Buches zu lohnen.
Nachdem es sich jedoch nicht nur um einen Bildband, sondern auch um einen Roman handelt, sei dessen Wirkung zum Gesamtkunstwerk ebenfalls betrachtet:
Es handelt sich hierbei um “DEA MORTIS – Der Tempel der dunklen Göttin” von Andreas Gößling. Der Autor führt uns in seiner Geschichte in eine apokalyptisch anmutende Stadt mit unzähligen seltsamen Bewohnern und Begebenheiten.
Sein Roman ist sehr stark an die Tradition eines H.P. Lovecraft angelehnt und wirkt absolut beklemmend.
Andreas Gößling wird aber mit Sicherheit bei diesem Roman nicht jeden Leser zu überzeugen wissen. Zu konfus und verwirrend mutet die Geschichte und seine Protagonisten an.
Für Fans etwas abstruser und trotzdem sehr spannender, in die Tiefen der Menschheit abtriftende Stories eröffnet sich jedoch ein Kosmos, der zu überzeugen weiß und die Freude am Lesen aufrecht erhält.
Man muss sich nur fallen lassen und die befremdliche Geschichte auf sich einwirken lassen.
Alles in allem ein Gesamtkunstwerk in Form eines Buches, in das sich die Geschichte gut einfügt — man ist sich nicht ganz sicher, ob Giger die Zeichnungen zur Geschichte oder Gößling die Geschichte zu den Zeichnungen erschaffen hat.
Wem die Geschichte nicht gefällt, der ergötze sich an den Werken eines genialen Künstlers.
Jürgen Seibold/28.02.2006

Markus Gerwinski: Das Lied der Sirenen (Magic-Edition Band 6)

Originalveröffentlichung
c 2005 BLITZ-Verlag GmbH
ca. 256 Seiten

COVER:

Seit sich die Sirenen auf der Insel Valstrom niedergelassen haben, ist die Fahrt durch die Meerenge für jeden Seefahrer ein Wagnis auf Leben und Tod. Die ruhelosen Seelen der Ertrunkenen suchen die Küste heim.
Der junge Magier Jeral Nerigon lässt sich auf die gefahrvolle Mission ein, die Sirenen zu studieren und ein Mittel gegen ihr todbringendes Lied zu suchen.
Als er sich in einem Dorf an der Küste vor Valstrom einquartiert, wird er schon bald in Kämpfe mit Untoten, Kobolden und Gespenstern verwickelt.
Auch unter den Dorfbewohnern scheint er sich Feinde zu machen. Doch sein gefährlichster Gegner verfolgt ihn aus den Tiefen seines eigenen Herzens heraus.

REZENSION:

Der junge Magier Jeral beschließt aus Liebeskummer, die Nachfolge des vor 4 Jahren bei einem mysteriösen Unfall verstorbenen Magiers Drahnier anzutreten und das Lied der Sirenen zu entschlüsseln. Dabei eckt er bei vielen Dorfbewohnern an, an der Küste wimmelt es von Geistern und Kobolden, und auch der Söldner Varamur, der zu seiner Unterstützung mitkommt, ist nicht gut auf Jeral zu sprechen. Immer deutlicher wird es, dass sich Jeral mit seinem Liebeskummer abschließen muss, wenn er sich den Sirenen stellen will.

Markus Gerwinski spielt mit Worten und „malt“ auf einmalige Weise eindrucksvolle Bilder, die die Landschaften, Personen und Situationen lebendig werden lassen. Dabei sind Jeral und Varamur keine schillernden Helden, sondern „normale“ Menschen mit Fehlern und Schwächen, die beim Lesen nur umso sympathischer werden.

„Das Lied der Sirenen“ gehört zu den Büchern, die ich gerne auch ein 2. und 3. Mal lesen werde. Es ist spannend vom Anfang bis zum Ende, auch wenn es nicht für alle ein „Happy End“ gibt.
Diana Becker, August 2009

Susanne Gerdom: Der Nebelkönig

Gebundene Ausgabe: 334 Seiten
Verlag: Ueberreuter (Juli 2010)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

COVER:

In Sallies Welt geht alles seinen scheinbar gewohnten Gang: Sie ist Küchenmädchen in einem Herrenhaus, so gross, verwinkelt und weitläufig, dass Sallie nur einen winzigen Bruchteil davon kennt. Am liebsten hält sie sich ohnedies in der Bibliothek auf, um zu lesen. Denn die Geschichte vom ewigen Kampf des Nebelkönigs gegen die Katzenkönigin lässt sie nicht mehr los. Doch schon bald wird Sallie herausfinden, dass diese Geschichte viel mehr mit ihr zu tun hat, als sie sich auch nur vorstellen kann. Sie beginnt Türen zu öffnen und Fragen zu stellen derweil kriecht der Nebel unaufhörlich ins Haus…

REZENSION:

Wer in Susanne Gerdoms Roman eintaucht, findet sich in der düsteren Umgebung eines (englischen?) Herrenhauses wieder, in welchem Sallie, die Hauptfigur dieses Buches, als Küchenmädchen von morgens bis abends arbeitet. Ihre freie Zeit verbringt das Mädchen in der grossen Bibliothek. Als ihr eines Tages ein Buch geschenkt wird, dass vom Nebelkönig spricht, entscheidet sie sich, dem Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen, denn gewisse Umstände lassen das Mädchen vermuten, dass es sich beim Nebelkönig nicht einfach um eine Figur aus einem Buch handelt. Dabei trifft sie auf Gestaltwandler, sprechende Katzen und andere sonderbare Mitbewohner, verirrt sich in den schier endlosen Gängen des Hauses, wie auch in Erinnerungen an Geschehnisse, die scheinbar nicht vorgefallen sind. Die Autorin spielt geschickt mit Fakten und falschen Pisten, was dazu führt, dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen kann.

Trotz allem, bedingt vielleicht durch die Titelwahl und den Cover (Katze), kann der Leser bald schon der Hauptfigur einen Schritt voraus sein. Auch das Ende des Buches bietet nichts sonderlich Überraschendes. Der Nebelkönig ist beim Überreuter Verlag als Jugendbuch ab 12 Jahren erschienen, was ich angesichts gewisser Szenen als gewagt empfinde. Nichtsdestotrotz bleibt das Buch ein gute Lektüre mit eindeutig packendem Handlungsaufbau, undurchsichtigen Figuren und Orte, welches ständig zwischen Fantasy, Horror und gotischer Literatur hin und her pendelt. Wer dunkle Geschichten mag und auch nicht davor scheut, ein „Jugenbuch“ zu lesen, dem kann ich den Roman nur wärmstens empfehlen
Jean-Pascal Ansermoz / 31.08.2010

Anne George: O du Mörderische

Originaltitel: Murder on a Bad Hair Day (Avon Books, New York 1996)
Übersetzung: Christiane Filius-Jehne
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Zwei streitlustige Schwestern werden zu unfreiwilligen Detektivinnen. Patricia Anne ist Ex-Lehrerin mit geordnetem Familienleben und (glücklicherweise) Sinn für Humor, ihre Schwester Mary Alice ist eine Frau mit Vergangenheit: drei Ehemänner, alle viel älter als sie, hat sie bereits unter die Erde gebracht und jeweils ein ansehnliches Vermögen geerbt. Im Moment hat sie eine ehemannfreie Phase und jobbt als Weihnachtsfrau im örtlichen Einkaufszentrum, die rote Mütze mit eleganten Blinklichtern ausgestattet. Das Fest rückt näher, und die täglichen schwesterlichen Wortgefechte kreisen jetzt um die Frage der idealen Weihnachtsgeschenke. Auf der Weihnachtsparty einer schicken Galerie soll diese Frage endgültig geklärt und der Großeinkauf begonnen werden. Doch bevor sich die beiden so richtig dem Kaufrausch hingeben können, wird die Galeristin ermordet. Die Schwestern stolpern mitten in die Lösung des Mordfalls hinein…

“Absolut köstlich! Ich wünschte, Patricia Anne und Mary Alice wären meine Schwestern – das wäre ein Spaß.”
Jill Churchill

Anne George hat sieben Krimis um die “Southern Sisters” geschrieben und erhielt den begehrten Agatha Award. Sie veröffentlichte außerdem einen literarischen Roman und Lyrik, wurde zum “Alabama State Poet” ernannt, gründete den Verlag Druid Press und wurde für ihre Lyrik für den Pulitzer-Preis nominiert. Sie starb 2001.

REZENSION:

In Anne Georges “O du Mörderische” geht es um zwei ältere Schwestern die unversehens in einen Mordfall rutschen und sich sogleich, beinahe nebenbei, um dessen Aufklärung bemühen. Dies erfolgt in sehr unterhaltsamer und lockerer Art. Die beiden Schwestern sind ziemlich unterschiedliche Charaktere und Anne George malt diese beiden Personen für den Leser mit einer unwahrscheinlich starken Authentizität aus – man hat beinahe das Gefühl mittendrin zu sein und zur Familie zu gehören. Die Geschichte um die verstorbene Galeristin und die Aufklärung des Falles erfolgt ziemlich nebenbei da wohl das Hauptaugenmerk der Autorin bei den beiden Schwestern lag.
Auf jeden Fall ist ein unterhaltsamer Plot für den gemütlichen Abend entstanden. Das Einzige was ich mir noch gewünscht hätte, wäre ein wenig mehr Spannung gewesen. Diese fehlt leider, wobei aber trotzdem ein Hauch der berühmten Margaret Rutherford in ihrer Rolle als Miss Marple bestehen bleibt.
Somit erhielt Anne George auch berechtigterweise für ihre “Southern Sisters” den Agatha Award.
JS/19.11.04

Anne George: Mörderische Aussichten

Originaltitel: Murder Gets A Life
Deutsch von Christiane Filius-Jehne
Deutsche Erstausgabe Oktober 2008
c 1999 Anne George
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 303 Seiten / € 8,95

COVER:

Schon wieder eine Hochzeit! Aber diesmal ist Mary Alice gar nicht erfreut: Dieses kleine blonde Biest namens Sunshine, das sich ihren Sohn geangelt hat, ist doch nur hinter seinem Geld (beziehungsweise dem von Mary Alice) her… Die schlimmsten Befürchtungen über die gar nicht feine Herkunft der Auserwählten bestätigen sich beim ersten Besuch von Mary Alice, zu dem sie Patricia Anne natürlich mitnimmt. Als Erstes stolpern sie in der nicht gerade eleganten Behausung der angeheirateten Familie (einem Wohnwagen) gleich mal über eine Leiche. Worauf die Dinge ein klein wenig hektisch werden. Und dann immer schockierender. Kann es wahr sein, dass Sunshines Mutter ihre Brötchen mit Sexfilmen verdient?!

REZENSION:

Zwei reizende alte Schwester, die mörderische Hitze von Alabama, eine Blondine namens Sunshine und eine gut verdienende Pornodarstellerin. Was will der Leser mehr? Na gut, die Leiche fehlt. Aber auf die braucht er nicht lange zu warten und schon sind wir mitten drin in einem der herrlich schräg anmutenden Krimis von Anne Caroll George, die mit skurrilen Charakteren, witzigen Dialogen, einer ordentliche Portion Südstaatenflair und einer Menge an Charme punkten und dem Leser, der leichte, witzige Kost mag, immer wieder aufs Neue begeistern. Schwer beschäftigt mit heimischem Klatsch und Tratsch absolvieren sie ihr mehr oder weniger umfangreiches Familienleben an dessen Rande mal wieder ein Mord geschieht und jemand spurlos verschwindet. Eine wunderbare Krimikomödie mit amüsanten Wortwechseln, überraschenden Wendungen, subtiler Spannung und, wie sollte es anders sein, auch gefährlichen Situationen. Eine Leseempfehlung für alle, die nicht auf Action, übermüdete Kommissare und Ritualmorde Wert legen.
Dorit Wiebke für hysterika.de / 25.09.2009

Laura Gallego García: Geheime Welt Idhún – Die Verschwörung

Originaltitel: Memorias de Idhún – La Resistencia (2004; Ediciones SM, Madrid)
Übersetzung: Ilse Layer
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2006 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 510 Seiten / € 12,50

COVER:

Die geheime Welt Idhún leidet unter dem Regiment des Schwarzmagiers Ashran. Nur wenige Bewohner Idhúns konnten vor seiner Schreckensherrschaft auf die Erde fliehen. Dort entbrennt ein Wettlauf auf der Suche nach dem letzten Einhorn und dem letzten Drachen. Denn nur wenn die Energie dieser Tiere miteinander verschmolzen wird, kann Ashrans Macht gebrochen werden. In Ashrans Diensten sucht Kirtash, trotz seiner Jugend ein unbarmherziger, aber charismatischer Kämpfer, nach diesen Geschöpfen. Ihm entgegen stellen sich die beiden Jugendlichen Victoria und Jack. Für Victoria ist Jack bald mehr als ein Kampfgefährte gegen Ashran – aber auch von Kirtash ist sie fasziniert…

Laura Gallego García wurde 1977 bei Valencia in Spanien geboren. Sie hat Geschichte und Spanische Literatur studiert und sich auf Themen des Mittelalters spezialisiert.
Für ihren ersten Roman >Finis Mundi< bekam sie den renommierten Preis >El Barco de Vapor<. Seither hat sie zwölf Bücher veröffentlicht. Heute lebt sie in einem kleinen Ort in der Nähe von Valencia.

REZENSION:

Die Autorin nimmt den Leser in diesem 1. Teil einer Trilogie mit auf eine Reise, die einen aufgrund des wunderschön 3-farbig und schlicht gestalteten Umschlages vermuten lässt, was das Buch von Seite 1 an auch zu halten verspricht. Eine Reise in eine Märchenwelt von Feen, Drachen, Magiern, fliegenden Schlangen und so einigen anderen Arten von Fantasyfiguren. Man entflieht mit Jack, der zu Beginn harte Verluste einstecken muss und eine gewisse „unnatürliche“ Begabung hat, aus einem schrecklichen Alltag und taucht tief ein in die Welt der Magie. Liest man zu Beginn das Zitat von Paul Coelho, so wird man während man das Buch verschlingt, weil man es – wie magisch- einfach nicht wieder zur Seite legen kann, dieses Zitat immer wieder im Kopf umher schwirren haben. Ein Passenderes hätte man nicht wählen können.

Gleichgültig, was ein Mensch tut,
er steht jederzeit im Mittelpunkt der Weltgeschichte.
Doch meist weiß er es nicht.“
(Paul Coelho, der Alchimist)

 
Auffallend ist, dass man all das Geschriebene auch auf den normalen heutigen Alltag beziehen könnte, ein wenig „modifiziert“ zwar, aber dennoch stecken viele Weisheiten in diesem wunderbaren Werk.
 Laura Gallego García hat mit diesem einmalig plastisch geschriebenen Buch eine Welt geschaffen, die man sich perfekt vorstellen kann und in die manch einer gern entfliehen würde. In seinen ganz persönlichen Rückzugsraum, durch eine Seele, die erkennt, wen man darin haben will und wer nicht willkommen ist.
Da es hier nun aber um ein Fantasywerk geht, will ich meine Rezension auch wieder in diese Bahn lenken.
Der erste Teil einer Trilogie, die zeitgleich auch meine erste Begegnung mit dem Genre Fantasy ist, bietet auf 508 Seiten Spannung, Entspannung, Abenteuer und Erlebnis pur.
Das Buch ist gegliedert in 2 Teile mit jeweils 14 Kapiteln und einem Epilog. Jack, eine der letztendlich 2 Hauptpersonen, hat man das 1. Kapitel gewidmet, während man sein Schicksal verfolgt, welches überhaupt erst dazu führt, dass er diese fremde, und noch so vertraute Welt Idhún kennen lernen darf.
Es gibt eben jenen Ort, an den die „Verschwörung“ – anfänglich bestehend aus  dem Magier Shail, dem Krieger Alsan und dem jungen Waisenmädchen Victoria, die ebenfalls seltsame Kräfte ihr Eigen nennt, sich in den Künsten von den beiden Anderen unterrichten lässt und die Hauptfigur Nr. 2 ist- sich mithilfe einer, aus dem vom Schwarzmagier Ashran belagerten Idhún, geretteten Seele , zurückziehen kann.
Diese Seele kann die Mitglieder, welche alle aus der Welt Idhún stammen, aber ins Exil geschickt oder teilweise auch geflohen sind, erkennen und bietet Ihnen Schutz vor Ashran und seinem Sohn Kirtash, der Halb-Magier (Mensch) ist und Halb-Shek (fliegende Schlange), indem er dieses Team in alle Teile sämtlicher Welten schicken kann und sie auch wieder zurück in die kleine, aber wunderschöne Welt, genannt Limbhad zurückholen kann.
In diese Welt können Ihnen die Bösewichte nicht folgen. Man lernt im Verlauf des Werkes sämtliche Emotionen kennen, die Mensch sich vorstellen kann. Besonders an diesem Buch, bzw. am Schreibstil Garcías ist, dass man das Gefühl hat, man wäre Teil jeglicher Neuentdeckung und jeglichen Kampfes der Helden, Teil der „Verschwörungsgruppe“, einfach Teil der Fantasywelt Limbhad. Dieser 1. Band ist eine tolle Mischung aus Freundschaft, Vertrauen, Stärke, Fantasy und Mut. Es gibt überraschende Wendungen, die zwar teilweise ein wenig vorhersehbar sind für jeden aufmerksamen Leser, die aber gleichzeitig neue Geheimnisse offenbaren und neue Fragen aufwerfen, die man als Leser unbedingt noch wissen muss, was dann schon einmal dazu führen kann, dass man in diese 508 Seiten so tief versinkt, dass man nicht wieder aufhören kann zu lesen und – so wie ich- das Abenteuer in knapp 5h verschlingt.
Wie Profi- Fantasyfans dieses Buch einordnen würden, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir als „Neuling“ in diesem Genre und als Pen&Paper- Rollenspielerin hat es den Einstieg in diese Welt sehr versüßt und Lust auf mehr gemacht! Daher finde ich es sehr empfehlenswert und werde mich sicher bald in Band 2 vertiefen.
Ina O. für Hysterika.de / 01.05.2009