Ines Binnemann & Oliver Baglieri: Der Gayal

u-books-Verlag, Augsburg

COVER:

Ein Vampir auf der Flucht vor seinem Verfolger – doch über beiden liegt ein dunkles Geheimnis. Eine alte Legende zieht sie in ihren Bann, und sie geraten in einen Strudel verhängnisvoller Ereignisse.

In der besten Tradition gothischer Schauerromane gelingt es den Autoren, die Leser mit einer ungewöhnlichen Verfolgungsjagd zu fesseln, deren überraschende Wendungen die Spannung fast ins Unerträgliche steigern.
Gerald Axelrod

REZENSION:

Nach dem sehr guten Buch „Ewiges Blut“ von Simon Rhys Beck, fand ein weiterer Vampirroman den Weg über meine Schwelle.
Wieder einmal bin ich über die Schaffenskraft der leider unbekannten Autoren im deutschen Untergrund der schreibenden Zunft erstaunt.
Der Gayal erzählt die Geschichte eines Vampirs und seines Jägers. Wie so oft, schenkt man auch bei diesem Roman dem Vampir sein Herz – obwohl diese doch eigentlich blutdurstig durch die Welt streifen.
Es ist in diesem Buch erstaunlich interessant zu verfolgen, wie sich der Jäger und der Gejagte voller Hass verfolgen und trotzdem eine Verbindung teilen, die sich erst spät auflöst und dem Leser eine glaubwürdige, interessante Wendung der Geschichte bietet.
Der Gayal ist eine klassische Schauergeschichte, die spannend erzählt wurde und mir erneut zeigt, welches Potenzial im „Underground“ steckt und warum ich mir soviel Mühe mit meiner Website mache.
Nur weiter so!!
Jürgen Seibold/13.07.03

Thráinn Bertelsson: Walküren

Originaltitel: Valkyrjur
Aus dem Isländischen von Tina Flecken
Deutsche Erstausgabe Februar 2008
c 2008 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 365 Seiten / 9,95 €

COVER:

Den Spuren nach zu urteilen, hätte es gar nicht eindeutiger sein können. Selbstmord. Die Frau hatte einen Staubsaugerschlauch auf den Auspuff gesteckt und das andere Ende durch das Fenster in den Wagen geführt. Doch schon bald finden Víkingur und Gudrún von der Kripo in Reykjavík erste Hinweise, dass die Frauenpolitikerin Freyja Hilmarsdóttir ermordet worden ist. Irgendjemand schien ein enormes Interesse daran zu haben, die Veröffentlichung ihres jüngsten Buches zu verhindern. Denn nach ihrem gewaltsamen Tod ist das Manuskript spurlos verschwunden – und taucht schon bald unter ominösen Umständen wieder auf…
Es ist eine ganz eigene Welt, in die uns die Ermittlungen der Kripo Reykjavík führen. Eine Welt, in der es fast mehr Gletscher, Vulkane und Wasserfälle als Einwohner gibt, in der ein Mörder an Außerirdische glaubt, mit einem Hauptkommissar, der eigentlich Theologe ist, und einer Polizeichefin, der schon mal die Faust ausrutscht. Das ist Island: ein Land, wo jeder jeden kennt und nichts schwerer ist, als ein Geheimnis für sich zu behalten.

REZENSION:

Die Frauenrechtlerin und Skandalautorin Freya Hilmarsdottir hat viele gegen sich aufgebracht, gehörnte Ehemänner, hochkarätige Politiker, Polizisten, … Die Liste der Tatverdächtigen ist lang, viele haben viel zu verbergen und noch mehr zu verlieren, wenn ihr geplantes Buch veröffentlicht wird. Vikingur und Gudrun haben viel zu tun.
Thrainn Bertelsson entführt den Leser in eine andere Welt, in der die Leute an Außerirdische und Elfen glauben, in der jeder mit jedem verwandt ist oder zumindest kennt, in der man sich mit Vornamen und „du“ anspricht, und in der Wahnsinn zum alltäglichen Leben gehört.
Es gibt neben der Haupterzählung noch zahlreiche Nebenschauplätze: Gudruns Ehekrise, Vikingurs Depressionen, ein Mann behauptet, seine Frau sei von Außerirdischen entführt, ein hochrangiger Politiker wird auf das Abstellgleis verfrachtet, die Gründung einer „Sicherheitsabteilung“ oder besser als Geheimdienst bezeichnet.
Den Schluss fand ich recht enttäuschend. Es ist zwar sehr überraschend, wer letztendlich der Täter ist, aber das Motiv bleibt unklar. Dennoch ist „Walküren“ sehr spannend erzählt und macht Appetit auf mehr.
Diana Becker / 02.03.2010

Katryn Berlinger: Das Schokoladenmädchen

c 2004 bei Knaur Taschenbuch

COVER:

Ende des 19.Jahrhunderts in Riga: Die junge Madelaine, eine begabte Konditorin, ist ehrgeizig und gierig auf das Leben. Ein Zuckerbäcker, der überzeugt von ihrem Talent ist, setzt sie als Leiterin seiner florierenden Confiserie ein. Madelaine erweist sich schon bald als seines Vetrauens würdig und erobert mit ihren süßen Kreationen die Stadt im Sturm – und so manches Männerherz.
Ihr eigenes Herz aber gehört einem ungarischen Adligen, und der soll eine andere heiraten…

Ein Roman, bei dessen Lektüre die Lust auf eine Praline (oder mehr) unwiderstehlich wird!

REZENSION:

In “Das Schokoladenmädchen” erzählt Katryn Berlinger von der jungen Madelaine, die mit ihren Eltern nach Südamerika auswandert, um der Armut zu entfliehen. Durch einen Schicksalsschlag wird der Traum vom Glück jedoch zerschlagen und sie tritt die Heimreise zurück nach Europa an. Nach dem Untergang des Schiffes zählt sie zu den wenigen Überlebenden, ebenso wie der Schweizer Zuckerbäcker Martieli, der ihr eine Lehrstelle in seiner Hamburger Konditorei anbietet. Somit kann sie einem Leben im Gängeviertel entgehen. Durch ihren weiteren Werdegang schafft sie es immer mehr in die gesellschaftliche Oberschicht voller Liebe, Intrigen und den in ihrer Zeit mehr und mehr hervortretenden Ausschreitungen der Sozialisten.
Leider werden diese sehr interessanten sozialen Missstände, sowie die Sozialistenaufstände nur am Rande und nicht sehr befriedigend beleuchtet. Somit entwickelt sich dieser Roman zu einer üblichen romantischen Geschichte mit leicht historischem Hintergrund. Dadurch kann “Das Schokoladenmädchen” sicherlich als unterhaltsamer Roman der leichten Art für die Dame am Strand aushelfen, wird jedoch den Möglichkeiten eines guten historischen Romans nicht gerecht.
Durch ein stärkeres Ausleuchten des ausgehenden 19. Jahrhunderts hätte man sicherlich mehr aus diesem Standardroman machen können.
Jürgen Seibold/20.08.04

Peter Berling: Franziskus oder Das zweite Memorandum

Bastei Lübbe 1999 (4.Auflage)

COVER:

Giovanni Bernardone wurde 1181 als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Assisi geboren. Nach einer schweren Krankheit, die ihn an den Rand des Todes brachte, wandte er sich vom weltlichen Leben ab, pflegte die Aussätzigen seiner Vaterstadt und führte ein Bettlerleben. Als Franziskus von Assisi und Ordensgründer wurde er 1228, zwei Jahre nach seinem Tod, heiliggesprochen.

Dem Autor ist im Wechselspiel zwischen dem Heiligen und seinem Bischof Guido II. von Assisi (1204-1228) eine lebendige Darstellung des Hohen Mittelalters gelungen, dessen Bogen sich von den Ketzerbewegungen bis zu den Kreuzzügen, von praller Lebenslust zu inbrünstigem Glauben und fanatischer Askese spannt.

REZENSION:

Dieses Buch von Peter Berling hinterlässt unterschiedliche Empfindungen. Einerseits ist es unwahrscheinlich interessant – andererseits aber durch die Briefform sehr schwer zu lesen. Wer sich für das Leben des Franziskus interessiert, kommt trotzdem an diesem Buch nicht vorbei. Man sei jedoch gewarnt, da es teilweise wie ein Geschichtsbuch anmutet, d.h. es ist leidlich spannend, manchmal langweilig und trotzdem zeitweise sehr interessant. Sollte man jedoch einen klassichen Roman erwarten, wird man von diesem Werk sicherlich enttäuscht – stellt sich auch die Frage, ob eine “klassische” Romanform nicht geeigneter gewesen wäre als diese “hinterlegten” Dokumente der Protagonisten. Die Randbemerkungen lenken stark vom eigentlichen Text ab, sind aber teilweise doch recht interessant. Über die Abkürzungen am Seitenrand muss man hinwegsehen, da man sonst die “Übersetzung” im Anhang sucht und somit vom Text noch mehr abgelenkt wird.
Positiv ist, daß Berling seinen Bogen immer weiter spannt – immerhin ist Franziskus ein frühes Werk und führt einen schon an die Personen der folgenden Gral-Bücher heran. (Die erheblich besser geschrieben sind)
Alles in allem ein zwiespältiges Werk, da interessant und doch schwer, bzw. von spannend bis langweilig reicht.
Jürgen Seibold/10.05.04

Elmar Bereuter: Hexenhammer

c 2003 F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München
Ungekürzte Taschenbuchausgabe Piper Verlag GmbH, München April 2005

COVER:

Wer trägt die Schuld an den schlimmen Missernten, an den Lawinen, an der Kälte und der Hungersnot, unter denen die Menschen im Deutschland des 15. Jahrhunderts leiden? Heinrich Institoris, 1479 zum Inquisitor der Provinz Alemannia ernannt, weiß die Antwort: Es sind die Hexen, die sich mit dem Satan verbündet haben. 1486 verfasst er den erfolgreichen “Hexenhammer”, eine unheilvolle Anleitung zur Hexenjagd. Schon bald brennen in Deutschland, der Schweiz, in Österreich und Oberitalien die Scheiterhaufen, und immer mehr unschuldige Frauen fallen dem Hexenwahn zum Opfer. Erst als der junge Mönch Cornelius seine Jugendliebe Afra wieder trifft und diese als Hexe angeklagt wird, beginnen die Menschen gegen den fanatischen Inquisitor aufzubegehren…
Spannend und dramatisch schildert Elmar Bereuter die kaum bekannten Anfänge des Hexenglaubens. In diesem Roman werden, zumeist historisch belegt, die damaligen Menschen und ihre Ängste, ihr Glauben und Aberglauben, aber auch die Hoffnung auf ein neues Zeitalter lebendig.

Elmar Bereuter, geboren 1948 als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager betreibt er seit 1991 eine Werbeagentur und lebt mit seiner Familie in der Nähe des Bodensees. Nach seinem Bestseller “Die Schwabenkinder” erschien zuletzt sein Roman “Hexenhammer”.

REZENSION:

Elmar Bereuter begibt sich in seinem Roman “Hexenhammer” in das 15. Jahrhundert unseres Landes. Er erzählt die Entstehungsgeschichte des berühmt berüchtigten Werkes, dass für sehr viele Kirchenvertreter zum Leitfaden für die Entdeckung von Hexen geworden ist. Er zeichnet gekonnt das Leben des Frauenhassers und Inquisitors Heinrich Institoris nach. Ebenso dessen teilweise illegale Vorgehensweise um sein bereits in der damaligen Zeit umstrittenes Werk publik zu machen.
Nebenbei beleuchtet Elmar Bereuter in glaubhafter und beklemmender Darstellung einige “Befragungen” von Hexen, welche dann teils tödlich und teils durch geschickte Einflussnahme der Gegner Institoris’ mit dem Freispruch endeten.
Dem Leser offenbart Bereuter mit Leichtigkeit die damaligen Umstände sowie die Lebensart der Bürger und insbesondere die der Kirchenvertreter. Er nimmt den geschichtlich interessierten Leser bei der Hand und führt ihn in ein früheres dunkles Kapitel Deutschlands und lässt dieses absolut glaubhaft und nachvollziehbar auferstehen.
Ein Geschichtsunterricht, wie er nicht besser dargestellt werden kann.
Jürgen Seibold/11.05.05

Peter Benchley: Beast – Schrecken der Tiefe

Verlag Ullstein GmbH, Berlin, Frankfurt/M. 1992
vorliegendes Exemplar: Lizenzausgabe für die Bertelsmann Club GmbH, Buch Nr. 06661 3

COVER:

Vor Bermuda kentert ein Segelboot. Das junge Paar auf dem Rettungsfloß wähnt sich bereits in Sicherheit. Die Wettervorhersage ist gut, und die Notsignale werden sicher irgendwo gehört. Doch dann macht sich Angst breit.
Nicht ohne Grund. Unter dem Rettungsboot rührt sich etwas. Etwas Unglaubliches, Urtümliches, Riesenhaftes…
Peter Benchley, Autor des Welterfolges “Der weiße Hai”, hat mit “Beast” sein bisher aufregendstes Hochsee-Abenteuer geschrieben. Held dieses faszinierenden Romans ist Whip Darling, der seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit dem Fischen rund um Bermuda bestreitet. Eines Morgens entdeckt Whip Darling das leere Rettungsboot, das auf den Wellen dahintreibt. Es gibt keinerlei Anzeichen, daß ein Kampf stattgefunden hätte – bis auf ein paar seltsame Kratzspuren und einen eigenartigen, strengen Ammoniakgeruch.
Die unerklärlichen Ereignisse häufen sich. Stahltrossen eines Fangkäfigs scheinen glatt durchgebissen.
In Sichtweite des Ufers explodiert ein Boot aus offenbar unbegreiflichen Gründen. Eine Frau, die mit einem Teleskop Wale beobachtet, will ein Ungeheuer gesehen haben. Panik bricht aus. Hat die Zerstörung der Meere durch den Menschen eine sagenhafte Kreatur aus der Tiefe heraufgetrieben? Ein Ungeheuer von riesigen Ausmaßen und so unersättlich, daß es töten wird, bis es selbst getötet ist?
Sensationsgierige Geschäftemacher und Journalisten treibt es an den Ort des unheimlichen Geschehens. Das ruft die US-Navy auf den Plan. Sie sorgt sich um die Sicherheit ihrer Sonaranlagen, denn schließlich sind die Gewässer um Bermuda NATO-Gebiet…
Die Jagd auf das Ungeheuer beginnt.

Peter Benchley stammt aus einer angesehenen amerikanischen Literaten-Familie. Als Reporter der Washington Post machte er sich einen Namen und schrieb später Reden für US-Präsident Lyndon B. Johnson. Seine Forschungsarbeiten über Haie regten ihn schließlich an, den “Weißen Hai” zu schreiben. Benchley ist Autor weiterer Bucherfolge wie z.B. “Das Riff”, “Der Berg der Fische” und “Q-Clearance – Streng geheim”.

REZENSION:

Man nehme den früheren Erfolgsroman, wartet ein paar Jahre, vermischt dies alles nochmal und tauscht den Hai gegen ein anderes großes Untier aus – somit hat man eine vermeintlich “neue” Geschichte und man kann damit wieder Geld verdienen.
Ich habe mir das Buch vor einigen Jahren geleistet und ärgere mich immer noch darüber.
Die schreiberisch sehr gelungene Geschichte mit dem großen bösen Hai ist sehr gut und spannend erzählt.
Dadurch ist dieses Buch auch gut erzählt – wie gesagt: Ist aber nichts anderes als “Der weiße Hai” mit einem anderen Tier.
Jürgen Seibold/29.08.03

Peter Benchley: Der weiße Hai

Verlag Ullstein GmbH
vorliegendes Exemplar: Bertelsmann Reinhard Mohn OHG, Gütersloh
Buch Nr. 5457

COVER:

Mittelpunkt dieses packenden Romans ist ein riesiger weißer Hai, der lautlos und unerwartet an den Stränden von Long Island auftaucht und die Einwohner des kleinen Badeortes Amity in Furcht und Schrecken versetzt. Eine junge Frau, die nach einer heißen Partynacht Abkühlung im Meer sucht, ist sein erstes Opfer. Am nächsten Morgen werden Kopf und Brustkorb, von Seetang umschlungen, an den Strand gespült.
Polizeichef Martin Brody erkennt als einziger die Gefahr. Zwar sind Haie in dieser Gegend und um diese Jahreszeit ungewöhnlich, doch sein Entschluß steht fest: Um weiteres Unheil zu verhindern, müssen die Strände geschlossen werden. Aber Amity lebt von seinen Sommergästen, und eine schlechte Saison bedeutet Armut und Not für alle. Unter dem Druck der Geschäftsleute und des Bürgermeisters muß Brody nachgeben, und der Unglücksfall wird verschwiegen. Doch dieser Leichtsinn bleibt nicht ohne Folgen; ein sechsjähriger Junge und zwei Männer sind die nächsten Opfer des menschenfressenden Ungeheuers.
Eine Welle der Hysterie erfaßt Amity. Die Nachrichten, die sich mit Windeseile im ganzen Land verbreiten, wecken die Sensationslust und locken Neugierige herbei. Der Strand wird von Reportern und Schaulustigen belagert. Es gibt nur einen Ausweg – der Riesenhai muß gefangen werden. Die drei Männer, die sich in dieses Abenteuer stürzen, stehen aif verlorenem Posten. Es ist die Jagd nach einem Phantom – ein Kampf um Leben und Tod beginnt…
Der Roman erreicht einen Höhepunkt, der an Spannung und Dramatik seinesgleichen sucht.
Peter Benchley, 1940 als Sohn des Romanciers Nathaniel Benchley und Enkel des Humoristen Robert Benchley in New York geboren, ist mit seinem ersten Roman auf Anhieb der Sprung in die Reihe der Bestseller-Autoren gelungen. “Der weiße Hai” erschien zu gleicher Zeit außer in den USA und Japan in acht europäischen Ländern. Die Verfilmung des Buches, die in Amerika einen noch größeren Erfolg hatte als “Der Pate” und “Der Exorzist”, ist auch schon in Deutschland angelaufen.

REZENSION:

Wer kennt diese Geschichte nicht?
Aus diesem Grund wird das eine Kurzkritik:
Der Film von Stephen Spielberg ist genial und das dazugehörige Buch von Benchley ist ebenfalls genial. In diesem Buch zeigt Peter Benchley wozu er fähig ist. Die Geschichte ist unerträglich spannend und trotzdem mit viel hineingestreuten ironischen Stückchen geschrieben und kann gut als Beginn einer Ära verstanden werden. Ab da ging es mit vielen mehr schlecht als recht gemachten Büchern und Filmen weiter. Es schaffte nur keine an den Film, geschweige denn an das Buch.
Wer’s noch nicht kennt, sollte es lesen.
Jürgen Seibold/29.08.03

Frank Beddor: Das Spiegellabyrinth

Originaltitel: The Looking Glass Wars (Egmont, London 2004)
Übersetzung: Gyldan Stern, Edgar Müller, Dagmar Andrea Sivas
Deutsche Erstausgabe November 2005
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 316 Seiten

COVER:

Alyss wächst in einem Land voller Wunder und fantastischer Dinge aus. Doch an ihrem siebten Geburtstag fällt ihre Tante Redd mit einem Heer ins Wunderland ein. Die Königin, Alyss’ Mutter, wird ermordet. Alyss kann mit knapper Not fliehen – sie nutzt eine schmale Öffnung in die Gegenwelt und gelangt ins viktorianische London. Bald muss sie feststellen: Der Weg zurück ist ihr verwehrt. Alyss hat keine Hoffnung mehr, Wunderland noch einmal wiederzusehen. Jahre vergehen, während sie versucht, sich an das Leben in der fremden Welt zu gewöhnen. Mac Rehhut jedoch, der treue Leibwächter ihrer toten Mutter, hat die Suche nach Alyss nicht aufgegeben und spürt sie schließlich auf. Aber auch die Spione der bösen Königin Redd ruhen nicht – sie schickt Mac einen Killer nach, ein grausames Geschöpf, halb Katze, halb Mensch, das stets ein eigenartiges Grinsen im Gesicht trägt. Und der Kampf mit dem Killer ist nicht die letzte Bewährungsprobe für Alyss: In Wunderland muss sie ihren Weg durch das geheimnisvolle Spiegellabyrinth finden, das sich nur für die rechtmäßige Königin auftut und nur von ihr durchschritten werden kann…

“Eine geniale neue Version von >Alice im Wunderland<-kraftvoll, handlungsreich und düster.”
THE TIMES

Frank Beddor, geboren in Minneapolis, ist Filmproduzent in Hollywood. Er wurde als Mitglied des US-Ski-Teams zweimal Freestyle-Weltmeister und hat als Filmschauspieler und Ski-Stuntman gearbeitet. Dies ist sein erstes Buch und der erste Band einer Trilogie.

“Ein höchst originelles und mitreißendes Buch, das Lewis Carrolls Geschichte von Alice in absolut überzeugender Weise auf den Kopf stellt. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und kann es kaum erwarten, dass der nächste Band herauskommt.”
BESTSELLER

REZENSION:

Wenn ich früher eine Geschichte nicht leiden konnte, dann war das mit Sicherheit die in meinen Augen überdrehte Geschichte von Alice im Wunderland.
Sicherlich mag das Buch von Lewis Carroll gut sein – doch ich gebe zu: Allein durch das bei mir vorhandene Wissen über den Inhalt war ich nie dazu geneigt, dieses Buch in die Hand zu nehmen.
Glücklicherweise hat sich nun jemand namens Frank Beddor meinem Problem angenommen und der Geschichte von Alice ein gänzlich neues und absolut geniales Gewand verliehen.
Und siehe da: Auf einmal gefällt die Geschichte um Alice – ähm, ALYSS.
Seine Erzählung strotzt vor Ideenreichtum, aberwitzigen Personen und Geschehnissen und führt den Leser durch eine Welt die ihresgleichen sucht.
Nun ist die Geschichte ein echter und mitreißender Fantasythriller der wie im Fluge gelesen werden kann und muss – sowie den Hunger nach mehr Erlebnissen der jungen Alyss schürt.
Nebenbei verkauft uns Frank Beddor auch noch, daß seine Geschichte die wahre Story über Alyss ist und Carroll’s Werk lediglich eine kindische Abwandlung der nicht geglaubten Erzählungen Alyss’ – geschrieben von einem Geistlichen, der Lewis Carroll als Pseudonym verwendete.
Nun hat sich “Alice im Wunderland” in genialster Weise auch mir eröffnet – ich werde aber nun weiterhin nicht das Buch von Carroll lesen, sondern warte hoffnungsvoll auf den nächsten Band von Frank Beddor!
Jürgen Seibold/17.06.2006

Ditte und Giovanni Bandini: Das Zwergenbuch

c 2004: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
Originalausgabe November 2004

COVER:

Sie sind wachsam, fleißig, in vielerlei Handwerkskünsten bewandert, gerecht, strebsam, mutig und treu – doch leider auch äußerst empfindlich, rachsüchtig und auf Unfug bedacht. Zudem sind sie meist (Verzeihung!) “ziemlich” hässlich, so alt wie der Böhmerwald und recht mäkelig, was das Essen angeht: So mögen sie ihren Brei mit einem Klacks Butter “obendrauf” und nicht etwa “darin”; außerdem hassen sie Kümmel und alles Neumodische.
Diesen und vielen weiteren Eigenheiten der kleinen Wichte spüren Ditte und Giovanni Bandini auf bewährt gründliche wie witzige Weise nach. Darüber hinaus beantworten sie die Frage, ob (und wenn ja inwiefern) Kobolde, Heinzelmännchen und Klabautermänner zu den Zwergen zu rechnen sind – bzw. worin sie sich von diesen unterscheiden – und wieso sie einerseits sämtlich aus unseren Breiten verschwunden zu sein scheinen, andererseits noch immer so viele Vorgärten, Schreibtische und Köpfe bevölkern.

Ditte Bandini, geboren 1956, studierte Religionsgeschichte, Indologie und Ethnologie. Sie arbeitet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.

Giovanni Bandini, geboren 1951, studierte Indologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Indische Kunstgeschichte. Er arbeitet seit 1987 als freier Übersetzer.

Bei dtv ist von Ditte und Giovanni Bandini zuletzt erschienen: “Das Buch der Elfen und Feen”.

REZENSION:

Ditte und Giovanni Bandini beleuchten in ihrem Werk „Das Zwergenbuch“ die Geschichte und Entstehung der Mythen, Märchen, Sagen und Legenden der Zwerge aus beinahe wissenschaftlicher Sicht. Aus diesem Grund wechselt das Buch von trockenen Beschreibungen zu interessanten Erkenntnissen und ist gespickt mit vielen Zitaten und Erzählungen aus der Literatur oder der Geschichte.
Sie betrachten ihre Zwerge über einen beinahe unbegreifbaren Horizont: Sie greifen die Edda genauso auf, wie die griechische Mythologie und scheuen auch nicht davor, ihre wissenschaftliche Betrachtung auf die geliebt/gehassten Gartenzwerge auszuweiten.
Somit ist ein Werk für all jene entstanden, die über das „normale“ Lesen von Märchen und Fantasy hinausgehen möchten in die realen Ursprünge der sehr oft vorkommenden Zwergenwesen unserer Geschichte.
Es ist auch sehr erstaunlich, festzustellen, in wie weit sich oft die kulturell unterschiedlichsten Mythen verschiedenster Länder und Sitten immer wieder angleichen, ähnlich sind und eigentlich nur überwiegend an das Gute im Menschen plädieren.
Ebenso ist es erstaunlich, daß sich jemand die Mühe macht, eine sehr gut recherchierte Abhandlung über erfundene (wirklich?) Fantasiegestalten zu schreiben.
Alles in allem: Sehr interessant!!
Jürgen Seibold / 25.03.05

Ditte und Giovanni Bandini: Das Vampirbuch

Originalausgabe November 2008
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 217 Seiten / € 14,90

COVER:

Der Vampir ist nicht lieb und nett – Töten gilt als sein Metier. Er ist mit der Nacht und deren Wesen im Bunde. Dennoch übt er, seit er vor mehr als hundert Jahren als Dracula die literarische Bühne betrat, eine unglaubliche Faszination auf die Menschen aus. Er nimmt Einfluss auf Aussehen, Kleidung und Lebensstil ganzer Gruppen. Doch was sind eigentlich “Psivamps” und was genau “Vampyre”? Müssen Vampire unbedingt Blut trinken? Sind sie mit den Werwölfen verwandt, den Wiedergängern oder den Zombies? Ditte und Giovanni Bandini gehen diesen Fragen nach, sie schreiben über den ursprünglichen, den literarischen und den modernen Vampir. Zahlreiche Abbildungen, auch in Farbe, vermitteln einen lebhaften Eindruck von der Wandlung des Phänomens “Vampir”

REZENSION:

Das Vampire nicht nett sind war mir schon bekannt. Auch das sie angeblich nur im Dunkeln unterwegs sind.
Aber dieses Buch gibt noch einen weiteren Einblick in die Welt der Vampire… von dem allgemein bekannten Dracula über lesbische Vampire, Werwölfe und Psivamps bis zum Thema Goth behandelt das Buch alle Bereich und gibt zusätzlich noch einen Einblick darüber, welche Rolle die Vampire mittlerweile auch im Internet spielen.

Besonders schön sind die vielen Bilder und Illustrationen.

Inhaltlich ist das Buch leicht zu verstehen. Es ist eine schöne Lektüre für “nebenbei”, geht aber im Laufe des Buches weg von Informationen hin zur Unterhaltung. Leider wird es am Ende etwas abgedreht und kommt meiner Meinung nach weg vom eigentlichen Thema Vampir. Was mir ein bisschen gefehlt hat ist der eigentliche Ursprung der Vampire, woher kommt der Glaube an diese sonderbaren Wesen wirklich…..
Es war trotzdem eine schöne Unterhaltung.
Sandra Wiegard für hysterika.de/18.08.2010

J.G. Ballard: Crash / Die Betoninsel / Der Block

Crash
Titel der englischen Originalausgabe: Crash
c 1973 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber

Die Betoninsel
Titel der englischen Originalausgabe: Concrete Island
c 1973 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm

Der Block
Titel der englischen Originalausgabe: High-Rise
c 1975 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm
 

COVER:

Schnellstraßen, Verkehrsinseln, Hochhäuser – alltägliche Erscheinungen der modernen Welt. Doch in den Erzählungen des britischen Erfolgsautors J.G. Ballard verwandeln sich vertraute Orte plötzlich in Schauplätze menschlicher Grausamkeit, Dinge des Alltags zu Symbolen unkontrollierbarer Triebe. Ballard beschreibt wie kein zweiter “die schrecklichen Möglichkeiten einer fortgeschrittenen Technologie und das rattenhafte Verhalten von Menschen, die in der Falle sitzen” (Financial Times)

Neben dem von David Cronenberg verfilmten “Crash” enthält dieser Band mit “Die Betoninsel” und “Der Block” zwei weitere packende Romane über den Horror der Zvilisation, mit denen Ballard Kultstatus erlangt hat.

REZENSION:

Erfreulicherweise hat wieder einmal ein Buch der schönen Horror-Reihe des Area-Verlages seinen Weg in meine Hände gefunden.
In diesem Fall handelt es sich um drei Romane eines einzigen Autoren: J.G.Ballard, der in diesem 900 Seiten starken Werk drei Romane vorlegt, die es wahrlich in sich haben.
Los geht es mit „Crash“, das bereits von David Cronenberg erfolgreich verfilmt wurde und (wie der Film) ein sehr kontroverses Werk ist.
Grundprinzipiell handelt dieser Roman schlicht gesagt von Sex. Dies wäre so ziemlich alles was man über diese Geschichte sagen könnte, wäre hier nicht der Umstand, daß es sich bei diesen sexuellen Handlungen nicht nur um Menschen handelt sondern auch noch PKW’s als sexueller Partner mit einbezogen werden. Dies schafft Ballard mit einer so intensiven Sprache, das man sich beinahe nach seinem Auto sehnt. Einzig der für den Menschen zerstörerische Akt dieser Beziehung lässt den Leser davon abhalten.
Man kann „Crash“ locker als Vorspiel betrachten, da diese Geschichte erstens nicht jedem gefällt und zweitens der Autor mit „Die Betoninsel“ eine wahre Perle der Horrorliteratur eröffnet. Allein für die geniale Idee müsste man als Autor sämtliche Literaturpreise erhalten.
Jeder kennt sie: Die Inseln – meist mit Unkraut und Gras bewachsen – zwischen den An- und Abfahrten der Autobahnkreuze.
Und auf genau so eine „Betoninsel“ verschlägt es den Protagonisten, als er beim zu schnellen Abfahren von der Autobahn die Kontrolle über seinen Wagen verliert und von der Straße abkommt.
Sein Problem: Er kommt nicht mehr davon weg da er verletzt wurde und die steile Böschung nicht mehr erklimmen kann. Nun sitzt er fest im Angesicht der oben vorbeirauschenden PKW’s, ohne bemerkt zu werden. Mehr sei nicht darüber erzählt, außer daß J.G.Ballard den Leser an die Seiten fesselt und sicherlich jeder ein wenig öfter auf die „Inseln“ herunter blickt – es könnte ja jemand Hilfe erwarten.
Als letztes hält Ballard der Menschheit in „Der Block“ einen Spiegel vor. Es geht hier um einen 40-stöckigen Block in dem sich die Bewohner mehr und mehr in Ober-, Mittel- und Unterschicht teilen und gegen die jeweils andere Schicht ankämpfen. Dies führt zur absoluten Anarchie und exzessiven Gewalthandlungen zwischen den Bewohnern bis hin zum totalen Zusammenbruch des normalerweise üblichen Miteinanders von Nachbarschaften. Ballard zeigt virtuos und deutlich, zu welchem viehischen Verhalten der Mensch neigt wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt oder sich in Gruppen zusammentut um andere Territorien zu erobern.
Ballard stellt dies alles glaubhaft, spannend und sehr interessant dar.
Alles in allem zeigt der Area-Verlag wieder einmal ein sicheres Händchen für hochwertige, extrem spannende Romane innerhalb dieser Reihe und hat ein großes Gespür für die richtige Reihenfolge der Geschichten.
Ich freue mich bereits sehr auf weitere Veröffentlichungen in dieser guten Horror-Reihe,
JS/06.10.04

Cherith Baldry: Der venezianische Ring

Originaltitel: The Reliquary Ring
Übersetzung: Irene Bonhorst
Deutsche Erstausgabe Juni 2005
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München

COVER:

In einer namenlosen Stadt der Zukunft, einem apokalyptischen Abbild Venedigs: Der Wasserspiegel ist gestiegen, und die Gebäude verfallen zusehends. Religiöse Fanatiker, Grafen und Herzöge feiern rauschende Feste und schmieden dunkle Intrigen. Sie beherrschen die Genics, genetisch manipulierte Menschen, deren Schöpfer längst vergessen sind. Da taucht der geheimnisvolle Graf Dracone auf, der auf der Suche nach einer alten Reliquie ist – einem Ring, der angeblich ein Haar des “Christos” enthält. Umgeben von einer Schar Genics, einem skrupellosen Wissenschaftler und intriganten Adligen ersinnt Dracone einen aberwitzigen Plan: Aus dem Haar will er einen Klon Christos’ erzeugen, ihn kontrollieren und dadurch absolute Macht erlangen. Doch im Meer vor den Toren der Stadt leben die letzten freien Genics, und auf ihnen ruht alle Hoffnung…
Ein phantastischer okkulter Thriller in der Tradition Dan Browns.

Cherith Baldry, geboren in Lancaster, England, studierte an der Universität von Manchester und arbeitete als Lehrerin, bevor sie sich der Schriftstellerei widmete. Nach zahlreichen Büchern für Jugendliche ist “Der venezianische Ring” ihr erster düster-phantastischer Roman. Cherith Baldry lebt verwitwet mit ihren zwei Söhnen in Surrey.

REZENSION:

Cherith Baldry’s erster Roman “Der venezianische Ring” ist eine Mischung aus Science-Fiction, Mystery und Fantasy.
Die Handlung findet in einer namenlosen Stadt der Zukunft dar, die sich wie ein apokalyptisches Abbild Venedigs darstellt. Dies ist aber leider auch schon das erste Manko dieses Romans: Cherith Baldry verzichtet unglücklicherweise auf nähere, detailliertere Beschreibungen dieser doch ziemlich interessant wirkenden Stadt.
Davon abgesehen erschuf sie jedoch einen sehr spannenden, dichten Plot der den Leser größtenteils zu überzeugen weiß und das Leseinteresse wach hält.
Sie spielt mit sehr vielen unterschiedlichen Elementen aus den diversen oben genannten Genrebereichen: Man findet genmanipulierte Menschen, die Genics, aus der SF-Tradition genauso vor, wie Fantasyelemente durch die herrschenden, skrupellosen Fanatiker, Grafen und Herzoge, als auch das bereits mehrfach verwendete Mysteryelement – dem Klonen des “Christos” aus einem Haar in einer alten Reliquie. Dieses Mysteryelement entwickelt sich aber positiverweise  immer mehr zu einem Nebenschauplatz. Dies hilft dem weiteren Handlungsverlauf sehr, da Cherith Baldry ihren Fokus eher auf rassistische und somit verwerfliche Elemente – der Beziehung Mensch/Genic – setzte und uns damit einen Spiegel vorhält und zum Nachdenken bringt.
Der letztendlich ein wenig negative Punkt in ihrer Geschichte ist die zu einfache charakterliche Zeichnung aller beteiligten Individuen. Man weiß dadurch leider von Anfang an, wen man in die “Gute”- und wen in die “Böse”-Kategorie einzuordnen hat.
Davon abgesehen liegt mit “Der venezianische Ring” ein unterhaltsamer, genreübergreifender und spannender Roman vor, der den Leser bei der Stange hält und – wie es sich für ein gutes Buch gehört – für ein paar schöne, zeitvertreibende Stunden sorgt.
Jürgen Seibold/30.08.05

Matilde Asensi: Wächter des Kreuzes

c 2001 Matilde Asensi
Titel der spanischen Originalausgabe: El último Catón
Übersetzung: Silvia Schmid
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Seltsame Zeichen zieren die Leiche eines Äthiopiers, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Keine zwei Tage nach dem Unglück ruft Seine Eminenz, Kardinalstaatssekretär Sodano, die renommierteste Paläographin des Vatikanischen Geheimarchivs zu sich: Ottavia Salina soll die Tätowierungen entschlüsseln. Aber warum zeigt der mächtigste Mann des Kirchenstaats ein so brennendes Interesse an dem Toten? Nur zögerlich weiht man die Ordensschwester ein in das Geheimnis um den größten Reliquienraub aller Zeiten. Die bei der Leiche aufgefundenen Holzsplitter stammen zweifelsfrei vom Heiligen Kreuz. Und auf geheimnisvolle Weise sind auf der ganzen Welt nahezu alle Kreuzesreliquien verschwunden. Gemeinsam mit Hauptmann Glauser-Röist von der Schweizergarde und Farag Boswell, einem Archäologen aus Alexandria, verfolgt Ottavia die Spuren, die sie zu einer seit dem 4. Jahrhundert existierenden geheimen Bruderschaft führen. Sieben Prüfungen auf Leben und Tod hat das kuriose Trio zu bestehen. Sieben Prüfungen, die allesamt um Dantes “Göttliche Komödie” kreisen. Sieben Prüfungen, die sie in die sieben Städte des Christentums führen: Rom, Ravenna, Athen, Jerusalem, Konstantinopel, Alexandria und Antiochia. In einem rasanten Strudel aus Abenteuern und geheimnisvollen Verflechtungen kommen sie dem dunklen Rätsel um die mysteriöse Bruderschaft immer näher.

Matilde Asensi, 1962 in Alicante geboren, schrieb und arbeitete nach dem Journalismusstudium für Rundfunk und Printmedien. Bereits ihr Debüt, “El salón de Ámbar” (1999), wurde in mehrere Sprachen übersetzt. MIt ihrem zweiten Roman, “Iacobus” (2000, dtv 20766), eroberte sie sich endgültig die Herzen ihrer Leserschaft und erstmals auch einen Platz in den Bestsellerlisten. Dieser Erfolg wurde von “Wächter des Kreuzes” (2001) noch übertroffen, in dem Matilde Asensi spannungsreich Fiktion mit Fakten vermischt und wie nebenbei einen Bogen über anderthalb Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte des Christentums schlägt.

REZENSION:

Matilde Asensi’s „Wächter des Kreuzes“ ist ein Thriller, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe. Die Geschichte über die drei Protagonisten, die sich auf Anweisung des Vatikans auf die Suche nach Reliquienräubern, den Staurophylaken, machen weiß absolut zu überzeugen und ist für einen Roman dieser Art extrem spannend erzählt und zwingt zum „Verschlingen“ des Buches.
Matilde Asensi verknüpft Mythen und historische Ereignisse geschickt zu einem spannenden Plot der dem Leser viel echtes geschichtliches Wissen nahebringt, sowie eine Rahmenhandlung die zu überzeugen weiß.
Das Buch handelt von den Staurophylaken die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das heilige Kreuz auf dem Jesus gekreuzigt worden ist zu bewahren und zu bewachen. Nachdem in den vergangenen Jahrhunderten viele Splitter dieses Kreuzes als Reliquien weltweit verstreut bei den unterschiedlichsten Kirchen bewahrt werden, „sammeln“ die Staurophylaken diese zur Komplettierung des ganzen Kreuzes wieder ein.
Dieser „Diebstahl“ veranlasst selbstverständlich den Vatikan dazu diesem Umstand Einhalt zu gebieten. Er beauftragt hierzu eine Ordensschwester die im Geheimarchiv des Vatikan tätig ist, einen ägyptischen Wissenschaftler sowie einen Hauptmann der Schweizer Garde damit, die Diebe ausfindig zu machen und dem ganzen ein Ende zu bereiten.
Diese drei sehr unterschiedlichen Personen machen sich somit auf die beschwerliche Suche nach den Wächtern des Kreuzes um diese vor Gericht zu bringen und die Reliquien wieder einzusammeln.
Als ersten Anhaltspunkt gab es nur einen gestorbenen Äthiopier, der mit sieben unterschiedlichen Kreuzen tätowiert worden ist und somit wohl zu dieser Bruderschaft zu zählen ist.
Die Nachforschungen ergeben, das Dantes „Göttliche Komödie“ eine Art Wegbeschreibung zu den Staurophylaken darstellt – und somit versuchen die drei die beschriebenen Prüfungen zu bestehen, um die Wächter ausfindig zu machen.
Matilde Asensi erschuf mit diesem Plot eine komplett neue Sichtweise auf die Göttliche Komödie Dantes und stellt dieses trockene Werk in einem gänzlich neuen Licht dar.
Einige Seitenhiebe auf die negativen Auswüchse des Vatikans lässt sie ebenso wenig missen, wie die klassiche Liebesgeschichte, die sehr glaubwürdig erzählt wird. Dies trifft auch für die Darstellung sämtlicher Prüfungen und Personen ebenfalls in starkem Maße zu.
Durch die geschickte Verknüpfung von Wahrheit und Fiktion nimmt man Matilde Asensis Roman jedes Wort ab und man würde sich am liebsten selbst auf die Suche nach den Wächtern des heiligen Kreuzes begeben.

Abschließend kann ich nur noch meinen Hut vor dieser Autorin ziehen und ihr die besten Plätze in den gängigen Verkaufslisten wünschen.
JS/15.10.04

Anthologie – Bernd Rothe (Hrsg.): Rattenfänger (Magic-Edition Band 8)

Originalveröffentlichung
c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 395 Seiten

COVER:

Diese Novellen – in der Tradition des Rattenfängers von Hameln – lehnen sich weniger an die klassische Sage an, sondern grenzen sich phantasievoll davon ab. “Fänger” aller Art sind nicht nur auf Ratten aus. Dieser von Pat Hachfeld reich illustrierte Band wirft ein völlig neues Licht auf das interessante Thema.
Marc-Alastor E.-E. bringt die Frage auf: Was treiben Vampire aus Siebenbürgen am Mäuseturm von Bingen? Alisha Biondas MEPHISTO gibt Goethes Faust eine erotische Note und greift die scheinbar unvereinbaren Werte “Weltprinzip und lüsternes Geschöpf” des Klassikers auf. Armin Rößlers SF-Variante DER VERLORENE spielt gar auf einem fernen Planeten. Dirk Taeger fabuliert aus der Sicht der Ratten – ungewöhnlich in Form und Sprache, dem Werk Sir Thomas Malorys “König Artus” nachempfunden. Und Christian von Aster bietet eine ganz besonders moderne und technische Variante.

Inhalt:
Stefanie Bense: Schattenschläger
Alisha Bionda: Mephisto
Marc-Alastor E.-E.: Nicht ohne Wut, sei vom Lamm das Blut
Christian Schönwetter: Die Rattenfänger sind in der Stadt!
Marlies Eifert: Lenas Wege
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg
Dominik Irtenkauf: Der Lichtfänger
Barbara Jung: Die Königin und ihr Gardist
Monique Lhoir: Das Rattenmädchen
Markus K. Korb: Rattentod GmbH
Armin Rößler: Der Verlorene
Dirk Taeger: Die Stadt der Riesen
Stefanie Hübner-Raddatz: Die Flöte des Spielmannes
Christian von Aster: Niederfrequenzmanipulation oder Des großen Rattenfänger Trick
Veruka Aniko: Canard – Liebling
Volly Tanner: Ein leises Lied vom Verschwinden…
Martin Skerhut: Der Rattenkönig
Alexander Amberg: Die Wege des Herrn

REZENSION:

Anthologien die ein Thema vorschreiben gibt es wie Sand am Meer. Normalerweise ist dieses Thema jedoch sehr weit gefächert: Drachen, Monster, Grusel, Vampire, ….
Somit kann man sich als Autor jedesmal eigentlich innerhalb eines extrem umfangreichen Bereiches austoben und man trifft trotzdem das vorgegebene Thema.
Nun erreichte mich ein Buch des Blitz-Verlages, in dem als Thema “Der Rattenfänger von Hameln” vorgegeben wird.
Diese Thema ist sehr eng begrenzt und ich konnte mir nur schwer vorstellen, wie die Autoren damit umgehen und diese Grenzen sogar noch einzureissen in der Lage sind.
Aber es hat funktioniert!
Es befinden sich in diesem Buch 18 Kurzgeschichten, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Man schwenkt darin zwischen “klassischen” Erzählungen der Rattenfänger-Saga – aus unterschiedlichen Sichtweisen (sehr schön auch mal die Sichtweise der Ratten!) und gänzlich anderen Inhalten, die sich lediglich das Prinzip des Rattenfängers zu eigen machten und komplett neu erzählten.
Durch diese Vielfalt ist sicherlich für jeden etwas dabei und es kann jeder selbst beurteilen, welche dieser Geschichten seine Favoriten sind und welche sich lediglich als Durchschnitt darstellen. Dies möchte ich auf keinen Fall alleine beurteilen, da die Geschichten sehr abwechslungsreich und unterschiedlich erzählt sind und somit nicht jede einzelne Story jeden Geschmack des Lesers treffen kann.
Dies soll jetzt nicht negativ klingen – es liegt oft in der Natur der Sache: Anthologien sind nun mal unterschiedlich in Erzählweise und Schreibstil.
Auf jeden Fall ist “Rattenfänger” eine sehr interessante Idee, die auch dementsprechend gut umgesetzt wurde. Besonders lobenswert ist der Umstand, dass die Autoren nicht nur die Sage neu erzählten, sondern auch mit gänzlich anderen Ideen aufwarten konnten und den Rattenfänger lediglich als Metapher benutzten.
Sehr erwähnenswert sollen auch die sehr gut passenden Zeichnungen sein, die den Leser in die folgende Geschichte einführen. Ebenso auch die Vorstellung aller Autoren (und des Herausgebers) am Ende des Buches – so fällt es einem leichter, einen Autor weiter zu betrachten (…und zu verfolgen.)
Des weiteren gibt es auch noch eine kurzen Überblick über die Sagenentstehung und über Hameln selbst – was sich sehr gut in das Gesamtbild des Buches einfügt.
Jürgen Seibold/01.05.06

Anthologie – Philip Petit / Mazan / Cécile Chicault: Grimms Märchen

Übersetzung aus dem Französischen: Klaus Jöken und Judith Holfelder
1. Auflage Ehapa Comic Collection verlegt durch Egmont vgs verlagsges. mbH
c der deutschsprachigen Ausgabe: Egmont vgs verlagsges. mbH, Köln 2006
ca. 128 Seiten / € 18,–

COVER:

Es war einmal…

… ein märchenhaftes Comicbuch, das in vielen bunten Bildern vier der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm erzählte. Das Buch machte sich auf die Suche nach seinen Lesern. Von der Druckerei bis zur Buchhandlung erlebte es vielerlei Abenteuer und gelangte schließlich in die Hände eines sehr lieben Menschen. Das Buch sprach: “Du bist nett, willst du mein Leser sein? Ich verspreche dir auch viele Bilder und schöne Geschichten!”
Da war der Gute ganz erstaunt und rief: “Ein Buch, dass sprechen kann und noch dazu mit so vielen Bildern! Wie wunderbar! Dich will ich mitnehmen!” Der Leser nahm das überglückliche Buch mit nach Hause und dort blättern sie noch heute.

REZENSION:

Mit dem Comicband “Grimms Märchen” veröffentlicht Ehapa ein wunderschön gestaltetes und hochwertig wirkendes Hardcoverbuch in dem sich die Comicadaptionen von vier berühmten und sehr unterschiedlichen Märchen der Gebrüder Grimm befinden:
Hänsel und Gretel,
Das tapfere Schneiderlein,
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren und
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.
Diese vier Märchen werden auf 128 Seiten sehr lebhaft und liebevoll umgesetzt erzählt – ohne dabei den Blick und Respekt auf den literarischen Ursprung zu verlieren.
Teilweise ist die Sprache ein wenig durch moderne Dialoge erweitert worden – was Anfangs einen Kenner der original Geschichte etwas verwundert und leicht verwirrt. Gleichzeitig wird aber der Charme des Originals beibehalten und lediglich um eine ganz eigene, dem Comic vorbehaltene, charmante Art erweitert.
Die Zeichnungen sind sehr detailverliebt und von einem Niveau, welches den Ruf von Comics allgemein mit Sicherheit erheblich heben kann. Man lässt immer wieder die Augen schweifen, um auch kein einziges Detail zu übersehen.
Positiv zu erwähnen sind auch einige zum Schmunzeln führende Dialoge oder Begebenheiten, wie z.B. der Vater, der seinen Söhnen Grimms Rotkäppchen vorliest.
Somit ein sehr zu empfehlender Band für Märchen- und Comic-Fans – egal ob jung oder alt!
Wäre auch ein gelungener Auftakt für eine Serie.
Jürgen Seibold/17.06,2006