Anthologie – Philip Petit / Mazan / Cécile Chicault: Grimms Märchen

Übersetzung aus dem Französischen: Klaus Jöken und Judith Holfelder
1. Auflage Ehapa Comic Collection verlegt durch Egmont vgs verlagsges. mbH
c der deutschsprachigen Ausgabe: Egmont vgs verlagsges. mbH, Köln 2006
ca. 128 Seiten / € 18,–

COVER:

Es war einmal…

… ein märchenhaftes Comicbuch, das in vielen bunten Bildern vier der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm erzählte. Das Buch machte sich auf die Suche nach seinen Lesern. Von der Druckerei bis zur Buchhandlung erlebte es vielerlei Abenteuer und gelangte schließlich in die Hände eines sehr lieben Menschen. Das Buch sprach: “Du bist nett, willst du mein Leser sein? Ich verspreche dir auch viele Bilder und schöne Geschichten!”
Da war der Gute ganz erstaunt und rief: “Ein Buch, dass sprechen kann und noch dazu mit so vielen Bildern! Wie wunderbar! Dich will ich mitnehmen!” Der Leser nahm das überglückliche Buch mit nach Hause und dort blättern sie noch heute.

REZENSION:

Mit dem Comicband “Grimms Märchen” veröffentlicht Ehapa ein wunderschön gestaltetes und hochwertig wirkendes Hardcoverbuch in dem sich die Comicadaptionen von vier berühmten und sehr unterschiedlichen Märchen der Gebrüder Grimm befinden:
Hänsel und Gretel,
Das tapfere Schneiderlein,
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren und
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.
Diese vier Märchen werden auf 128 Seiten sehr lebhaft und liebevoll umgesetzt erzählt – ohne dabei den Blick und Respekt auf den literarischen Ursprung zu verlieren.
Teilweise ist die Sprache ein wenig durch moderne Dialoge erweitert worden – was Anfangs einen Kenner der original Geschichte etwas verwundert und leicht verwirrt. Gleichzeitig wird aber der Charme des Originals beibehalten und lediglich um eine ganz eigene, dem Comic vorbehaltene, charmante Art erweitert.
Die Zeichnungen sind sehr detailverliebt und von einem Niveau, welches den Ruf von Comics allgemein mit Sicherheit erheblich heben kann. Man lässt immer wieder die Augen schweifen, um auch kein einziges Detail zu übersehen.
Positiv zu erwähnen sind auch einige zum Schmunzeln führende Dialoge oder Begebenheiten, wie z.B. der Vater, der seinen Söhnen Grimms Rotkäppchen vorliest.
Somit ein sehr zu empfehlender Band für Märchen- und Comic-Fans – egal ob jung oder alt!
Wäre auch ein gelungener Auftakt für eine Serie.
Jürgen Seibold/17.06,2006

Anthologie: Nocturno 5 – Magazin für Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz, Timo Kümmel
ca. 204 Seiten
www.nocturno-mag.de.vu

INHALT:

Charlotte Engmann: UM KOPF UND KRAGEN
Stefan T. Pinternagel: KLEX
Eddie M. Angerhuber: MADAME MOSCA
Andrea Tillmanns: DAS BILD ÜBER DER TREPPE
Markus Kastenholz: MARLEEN!
Micha Wischniewski: ABSCHIEDSSCHMERZ
Antje Ippensen: DAS INNERE ODER: DIE NULLTE STUNDE
Thomas Wagner: DIE FARBEN DER TIEFE
Cassandra Schwartz: SCHNELLER!
Ramona Schroller: DIE (ALP-) TRAUMWOHNUNG
Michael Tillmann: INNSMOUTH IN METROPOLIS
Sieglinde Breitschwerdt: BLUTIGER HAUCH
Andreas Gruber: IN GEDENKEN AN MEINEN BRUDER
Linda Budinger: NEBELTANZ

+ Illustrationen von Michael Marrak, Nicole Erxleben, Manfred Lafrentz, Timo Kümmel, Detlef Krämer, Thorsten Grewe, sowie Klaus & Wolfgang Schwandt

ausserdem Rezensionen von Ramona Schroller, Thomas Hofmann, Malte S. Sembten, Markus Kastenholz und Constanze von Kolck

REZENSION:

Das Wort Schwarzmalerei ist immer mit etwas negativem assoziiert. Dabei finde ich, dass die schönsten Fotografien in schwarz-weiß gemacht werden und die schönsten Zeichnungen mit Bleistift gefertigt sind, wodurch sich doch auch wiederum eine Art „Schwarzmalerei“ entwickelt.
Leider ist jedoch nicht alles so wie es scheint und nicht jedes Wort ist wortwörtlich zu nehmen.
In diesem Fall aber schon:
Dem Nocturno 5.
Von einem Magazin entwickelte es sich zu einem Buch der besonderen Art; einem, in dem Gothic Novels – Horror- und Schauergeschichten Platz finden.
Bei der Zusammenstellung des nun fünften Bands legten die Herausgeber Markus Kastenholz und Timo Kümmel wieder einmal Wert auf ein hohes Niveau, welches sie durch die vorherigen Ausgaben schon erzielten und wieder mit dieser erreichten.
Nicht nur die Vielzahl, auch die Vielfalt der Beiträge dieses Buches sei erwähnt. Es befinden sich zig Splitter des Spiegels dieses Genres in der Anthologie – gruseliges, grausames, aber auch Science Fiction und Fantasy sind vertretene Sparten.
Nocturno 5 kann also getrost ein Bilderbuchbeispiel genannt werden.
Denn Apropos Bilder: In diesem Werk befinden sich zu den Geschichten auch Zeichnungen und Illustrationen, denen der Leser ein besonderes Augenmerk leihen sollte. Sie beziehen sich auf die Storys. Und was die eigene Fantasie einen vielleicht sich nicht vorstellen lässt, wird durch sie vermittelt.
Entnehmen wir dem Wort „Schwarzmalerei“ also den negativen Effekt und lassen es für sich stehen – dann ist es das Wort, dass zu dieser Anthologie passt.
Nocturno 5 ist schwarz im Sinne von tief und dunkel. Eben ein Werk für die Nacht und jene, die sich von ihr angezogen fühlen.
Erschienen ist das Buch im VirPriV Verlag unter der ISSN 1617-8475 für € 9,80.
Die 1. Auflage ist begrenzt auf 200 Exemplare. Wer also noch eins ergattern möchte, sollte sich ranhalten…
Miriam Stephanie Reese
(Juli 2010)

Anthologie: Nocturno 6 – Magazin für dunkle Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz / Timo Kümmel
ca. 310 Seiten / €11,95
www.nocturno-mag.de.vu

COVER:

Inhalt:

Malte S. Sembten: MASKENHANDLUNGEN
Linda Budinger: VERLOREN!
Astrid Pfister: DER RING ZUM GLÜCK
Markus Kastenholz: FENRIR
Sebastian Mander: DIE BILDER DER IRREN
Michael Tillmann: TEENAGE WITCHES KÖNNEN GRAUSAM SEIN
Eddie M. Angerhuber: RINALDINIS HÄNDE
Bernhard Brunner: DAS MÄDCHEN MIT DEN SPINNEN
Stefan T. Pinternagel: RUCKLDIGU
Andreas Gruber: RISTORANTE MYSTICO
Markus K. Korb: DER DIE MÜNZEN UNTER DEN ZUNGEN DER TOTEN STIEHLT
Thomas Wawerka: IM FALSCHEN FILM
Horst Hoffmann: MR. COCHRANS WUNDERBARE WELT
Charlotte Engmann: DIE HÜTTE IM WALD
Alfred Bekker: DIE BYZANTINISCHE PEST
Andrea Tillmanns: DIE RUNE NACHT
‘C.J. Walkin: IT CAN HAPPEN TO YOU
Boris Koch: EIN GANZ NORMALER TAG
Markus Saxer: SYMPHONIE DES TODES
Thomas Wagner: NOCTURNALIEN

+ Illustrationen / Graphiken und Rezensionen

REZENSION:

Romane können den Status eines guten Freundes entwickeln. Man lebt und erlebt die Geschichte eines Protagonisten für einige Zeit mit, teilt oder flüchtet sich in das Schicksal des jeweiligen Helden.
Kurzgeschichten hingegen sind bloß Bruchteile – Bruchteile einer Story, Bruchteile eines Lebens. Und letztlich benötigt man nur Bruchstücke an Zeit sie zu lesen.
Sind sie deshalb nur Bekannte? Kennengelernte Fragmente eines von einem Autor zu Papier gebrachten Stücks? Eines Autors, den man eventuell noch gar nicht oder nur vom Namen her kennt?
Nein!
Definitiv sind Kurzgeschichten mehr als bloß zeitfüllende Unterhaltung für Leser, denen genau das fehlt – Zeit.
Kurzgeschichten sind Vielfalt – und eine solche bietet die Anthologie Nocturno 6.
Das einstige Magazin, dass sich schon in seiner ersten Form als Geheimtipp entpuppte, hat sich nun in ein Buch verwandelt, um den Schreibern und Lesern ein größeres Forum an Literatur zu bieten.
Ich selbst bin nicht bloß angetan, sondern regelrecht begeistert, inzwischen kein Heft mehr, sondern eine als Taschenbuch gebundene Anthologie in den Händen zu halten.
Und der Inhalt? Ein wahrer Rausch an Geschichten der Genres Horror, Gothic Novel, Science Fiction und Fantasy.
So unterschiedlich sie sind, so haben sie doch alle eins gemeinsam – den Funken zum Dunklen, der überspringt.
20 weniger oder besser bekannte Autoren reichen sich in Nocturno 6 die Klinke in die Hand. Und jeder von ihnen erreicht dabei das Maß gut zu sein.
Ich möchte hier keine einzelnen Geschichten benennen oder hervorheben, denn Geschmack liegt im Gefallen des Betrachters. Doch ich kann jedem nur raten mal einen Blick in diese von Markus Kastenholz und Timo Kümmel herausgebrachte Anthologie zu werfen…
Das Augenmerk wird sich dann nicht nur auf das geschriebene Wort legen, sondern auch garantiert auf den wundervollen Zeichnungen und Illustrationen, passend zur jeweiligen Erzählung, haften…
Erschienen ist Nocturno 6 im VirPriV Verlag mit der ISSN 1617-8475.
Das 312 Seiten umfangreiche Buch kostet € 11,95.
Ich wünsche dem Leser viele Schauer, die ihm über den Rücken laufen…

Miriam Stephanie Reese (2009)

Anthologie: Happy Bissday! – Vampirgeschichten

Originaltitel: Many Bloody Returns
Deutsche Erstausgabe Oktober 2008
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
c 2007 Charlaine Harris und Toni L.P. Kelner
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 461 Seiten / € 9,95

COVER:

13 Autorinnen und Autoren schreiben über Wiegenfeste mit Biss. Natürlich ist auch Sookie Stackhouse, die gedankenlesende Kellnerin, mit dabei. Sie erhält eine Einladung zu einer Vampir-Party – das Geburtstagskind ist niemand anderer als Dracula persönlich. Unglücklicherweise scheint er Sookie als besonders originelles Geburtstagsgeschenk anzusehen …
Auf eine ganz andere Fete verschlägt es den Magier Harry Dresden samt Zauberlehrling Molly, und es erweist sich als erstaunlich schwierig, das Geschenk für seinen Vampir-Halbbruder mit Anstand zu überreichen – denn ständig kommen wild gewordene Rollenspieler echten und sehr blutrünstigen Vampiren in die Quere …
Außerdem dabei: der Vampirdetektiv Jack Fleming, ein falsches Medium, diverse Hexen und jede Menge weitere Vampire verschiedenster Provenienz.
“Eine beeindruckende Sammlung literarischer Größen, es sind einige der besten Autoren des Paranormalen dabei, samt ihren Star-Figuren.” (Book Fetish)
Alle Erzählungen erscheinen hier erstmals auf Deutsch.

REZENSION:

Zitat aus der Vorbemerkung: „(…) Jeder Tag, an dem uns wieder eine neue Erzählung erreichte, war wie – ja, wie ein Geburtstag. Es ist erstaunlich, was kreative Köpfe aus ein und demselben Thema machen können. Keine der in dieser Anthologie versammelten Erzählungen gleicht der anderen. Einige sind komisch, andere tragisch, doch alle sind sie faszinierend. (…)“ Treffender kann man es gar nicht ausdrücken. Geschichten mit viel Witz und Charme, zu Tränen rührende Erzählungen, überraschende Wendungen.

Hochkarätige und namhafte Autoren erzählen 13 bunte und spannend geschriebene Geschichten über Vampire und Geburtstage, so bunt
und vielfältig das Leben der Blutsauger eben ist. Einige der Geschichten fand ich so schön erzählt, dass ich fast ein wenig enttäuscht war, wenn sie zu Ende waren.

Zu meinen Favoriten gehören:

Christopher Golden: „Der Schrei der Eulen“

Die Teenagerin Donika, die sich bis dahin für ein normales 15-jähriges Mädchen hielt, erfährt an ihrem 16. Geburtstag ein schreckliches Geheimnis.

P. N. Elrod: „Grabraub“

Ein Privatdetektiv erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Die Schwester der Mandantin ist davon besessen, in Seancen mit ihrem toten Ehemann zu sprechen. Der Leiter dieser Seancen soll als Betrüger entlarvt werden.

Jeanne C. Stein: „Die Hexe und der Vampir“

Sophie ist Hexe und für das Catering auf Vampir-Parties zuständig. Ein Unglücksfall auf einer Geburtstagsparty ermöglicht es ihr, ihren Traum von einem besonderen Make Up zu erfüllen.

Diana Becker / 02.03.2010

Anthologie: Der ewig dunkle Traum (W. Hohlbeins Schattenchronik 1)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 387 Seiten

COVER:

Diese Anthologie entführt den Leser mit morbiden Erzählungen von Barbara Büchner, Markus Heitz und anderen namhaften Autoren über Geschöpfe der Nacht in Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik. Subtiler Horror, Welten feinsten psychischen Grauens erschaffen eine Chronik des Schreckens.

Die Titelstory, die erste Einblicke in die neue Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik-Serie rund um die Vampirin Dilara gibt, ist vom Meister der Fantasy selbst.

INHALT:
Markus Heitz: Ein besonderer Geschmack
Eddie M. Angerhuber: Das Nachtbuch
Mark Freier: Das Höllenwunder
Alisha Bionda: Seelenpfand
Armin Rößler: Vergnügungspark
Frank H. Haubold: Die Stadt am Fluß
Dominik Irtenkauf & Javier Hurtado: Trauerflug aus dem Süden
Wolfgang Hohlbein: Schattenchronik – der ewig dunkle Traum
Barbara Büchner: Die Nahrung der Toten
Mar-Alastor E.-E.: Lang lebe die Königin!
Michael Borlik: Engel der Nacht
Dominik Irtenkauf: Mumienglanz in der Nekrophilharmonie
Boris Koch: Heiligabend bei Manfred
Linda Budinger: Schattentrinker
Christel Scheja: Der Verfluchte von Tainsborough Manor
Markus K. Korb: Die Brut

REZENSION:

Mit dem circa 380 Seiten umfassenden Buch “Der ewig dunkle Traum” startet der Blitz-Verlag eine neue Serie unter dem Oberbegriff “Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik”.
“Der ewig dunkle Traum” ist entgegen den Folgebänden eine Sammlung morbider Kurzgeschichten, die sich sämtlichst um das jedem Horrorleser vertrauten Subgenres – dem Vampirismus, bzw. dem ewigen Leben – ranken.
in diesem Buch befinden sich 16 Kurzgeschichten, die sich trotz der gleichen Grundlage als unwahrscheinlich differenziert und erfrischend unterschiedlich darlegen. Durch die geschickte Autorenauswahl zeigt sich ein sehr schönes Spektrum der gegenwärtigen und zukünftigen deutschen Gruselliteratur. Die Autorennamen pendeln spielerisch zwischen “Newcomern” und “Berühmtheiten”, wobei sich die “Newcomer” sicherlich nicht hinter den Größen des Genres zu verstecken brauchen.
Meines bisherigen Wissens werden die zukünftigen Bände dieser Serie jeweils einen geschlossenen Roman beinhalten, die – dargestellt durch unterschiedliche Autoren – das Leben und Wirken der Vampirin Dilara zum Thema haben und dieses aus wohl unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten wissen.
In “Der ewig dunkle Traum” wird dieser Reigen lediglich durch den Namensgeber dieser Serie – Wolfgang Hohlbein – anhand seiner Geschichte “Schattenchronik – der ewig dunkle Traum” eröffnet. Dies hat aber keinerlei negativen Einfluss auf die anderen Geschichten zur Folge, da sich diese ja um ein ähnliches Thema bewegen und ohne Probleme zu überzeugen wissen.
Übrig bleibt somit ein schön aufgemachter Kurzgeschichtenband – gewürzt mit einigen Essays am Ende des Buches – , der nicht nur durch seine Verpackung, sondern auch durch seinen abwechslungsreichen und gut ausgewählten Inhalt den Leser geschickt von der Qualität dieses Eröffnungsbandes und somit den noch folgenden Romanen überzeugen kann. Ich denke, jedem Leser bleibt nur der Drang zum nächsten Werk…
Jürgen Seibold/21.06.2005

Anthologie: Phantastischer Oberrhein

Erzählungen, herausgegeben von Jörg Weigand
c der einzelnen Beiträge bei den Autoren
Herstellung: Schillinger Verlag GmbH, Freiburg
168 Seiten / € 18,80

COVER:

15 phantastische Geschichten von 11 Autoren zeigen das Oberrheingebiet zwischen Basel und Straßburg in einer ganz ungewöhnlichen Sicht. Es werden dabei so gut wie alle Genres der phantastischen Literatur bedient: Märchenhaft-Wunderbares, klassische Fantasy, Science Fiction, sogar Historisches – die Autorinnen und Autoren, alle wohnen in der Region, hatten freie Wahl, in welchem Teilgebiet sie ihre Erzählung ansiedeln wollten.
Das Buch will mitnehmen in eine Region, die geradezu prädestiniert ist als Schauplatz phantastischer Ereignisse und als solcher vielleicht noch viel zu wenig erkannt bzw. ausgelotet.

Inhalt:

Rainer Schorm: HUNGER
Klaus N. Frick: DIE RHEIN-LINIE
Ursula Isbel: IM WUNDERLAND
Karla Weigand: SIMON ODER: EINE ANDERE ART VON UNSTERBLICHKEIT
Frank G. Gerigk: DER SCHACHT
Daniel Walther: DER ANDERE ZUG
Rainer Schorm: MAGNITUDE
Jörg Weigand: VRENELI
Markus Kastenholz: CELPHIA
Helmut Ehls: VERPASS’ NICHT DIE ZUKUNFT
Jörg Weigand: FAHRT IN DIE INNERE FREIHEIT
Markus Kastenholz: DAHEIM
Karla Weigand: QUELL DER KRAFT
Frank Borsch: LUCKY
Manfred Borchard: MEI LETZSCHDE SCHDORIE
REZENSION:

Mit dem Ruf eine idyllische Gegend zu sein, schallt dennoch auch das Echo vom Oberrhein mit, welches von Hexen, Henkern, Spuk und Fabelwesen kündet.
Genau dies ist der Mystizismus, der diese Region in meinen Augen nicht nur schön, sondern auch spannend erscheinen lässt – der etwas andere Blick, wenn man so will, hinter die Fachwerkfassaden des Breisgaus und der Umgebung, dessen Geschichten entweder eine Sichtweite zeigen, die nicht immer die heile Welt spiegelt oder dieser gerade weitere Märchen hinzufügt.
Ob man nun schauerliches sucht oder sich in romantischen Landschaften wiederfindet, das ist Sache des Betrachters – oder des Lesers dieser Anthologie, denn dieses Buch bietet in seinen Geschichten beides.
Was mir beim Schmökern etwas fehlte waren Aspekte der alten Sagen rund um den Oberrhein, die leider von keinem der Autoren aufgegriffen wurden; dafür verfasste jeder einen modernen Beitrag, der, wie das zweite Wort des Titel richtig vermuten lässt, einen Bezug zu der Gegend hat.
Wie man das Buch findet liegt im Auge des Betrachters, doch ich kann jedem nur nahe legen mal einen Blick hineinzuwerfen – auch denen, die nicht vom Oberrhein stammen (wie ich).
Von ihrer Machart ist diese Anthologie unvergleichlich und bisher die Einzige mit diesem Thema.
Bloß wer von phantastisch auf Fantasy schließt, wird enttäuscht sein. Die Beiträge sind so vielseitig, dass sich das Buch nur schwerlich einem Genre zuordnen lässt – vom Science Fiction Freak, über den Horrorfan, bis hin zum Leser von Thrillern oder Dramen wird hier jeder zufriedengestellt.
Unter der Redaktion von Markus Kastenholz ist Jörg Weigand mit dieser Anthologie jedenfalls ein phantastisches Buch über den Oberrhein gelungen…
Ein besonderes Lob verdient hierbei auch die Titelgestaltung von Rainer Schorm.

Unter der ISBN 978-3-89155-339-9 sind die Erzählungen im Schillinger Verlag Freiburg erschienen.

Miriam Stephanie Reese
(Oktober 2010)

Anthologie: Tolkiens Erbe

Herausgegeben von Erik Simon und Friedel Wahren
c der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2005
ca. 651 Seiten

COVER:

Mit seinem Epos “Der Herr der Ringe” verhalf J.R.R. Tolkien der Fantasy zu einem beispiellosen Siegeszug. Der Autor des “Buchs des Jahrhunderts” und des beliebtesten Buchs der Deutschen hatte nicht nur zahlreiche Weggefährten, sondern sein Werk rief auch unendlich viele Nachfolger auf den Plan. Und ebenso gibt es so manchen Großmeister der Fantasy, der sich Tolkien und seinen Geschöpfen lieber auf humorvoll-sarkastische Weise nähert. Zwölf der bekanntesten Zeitgenossen und Erben Tolkiens haben zu diesem Buch beigetragen. Es enthält phantastische Abenteuer, magische Märchen und skurrile Geschichten von Lord Dunsany, Stephen R. Donaldson, Michael Moorcock, Ursula K. Le Guin, Terry Pratchett und sieben anderen Kultautoren, so von Andrzej Sapkowski, dem Star der polnischen Fantasy.

REZENSION:

Mit “Tolkiens Erbe” veröffentlicht der Piper-Verlag einen Sammelband gefüllt mit hochkarätigen Autoren der Fantasyszene.
Das Buch unterteilt sich in drei Bereiche:
Es beginnt mit “Zwei Zeitgenossen”, hinter dem sich je eine Story von Lord Dunsany und E.R. Eddison befinden.
Der zweite Abschnitt nennt sich “Tolkiens Erben” und widmet sich mit sieben beteiligten Autoren sehr umfangreich den aktuellen Schriftstellern des Fantasy-Genres. Man findet hierin so glanzvolle Namen wie Andrzej Sapkowski, Jack Vance, Stephen R. Donaldson, Ursula K. LeGuin, Barrington J. Bayley, den sagenhaften Michael Morrcock und eine Erzählung von Tanith Lee, deren “Tochter des Magiers” bereits den Kauf dieses Buches rechtfertigt.
Im dritten Teil dieser Anthologie wenden wir uns den “Tollkühnheiten” zu, in dem sich diese Art von Autoren versteckt, die es sich zur Aufgabe machten, die Fantasy vollgestopft mit Irrsinn, Ironie und Spaß zu erzählen:
Beard + Kennedy, Esther M. Friesner und der erfolgreiche Scheibenwelt-Guru Terry Pratchett mit “Der Zauber des Wyrmbergs”.
Die Lektüre des Buchrückens lenkt ein wenig vom eigentlichen Thema ab: Immerhin wird dabei suggeriert, man befände sich in dieser Anthologie ausschließlich auf Mittelderde. Dem ist natürlich keineswegs so – viel zu eigenständig und einfallsreich sind die beteiligten Autoren.
Nichts desto trotz bleibt eine hochwertige, interessante, teils spannende und mit namhaften Autoren des Genres durchsetzte Anthologie, durch die man mit Sicherheit neue Autoren kennenlernen und somit neue Lesequellen aufspüren und entdecken kann.
Eine sehr breit gefächerte und somit zu empfehlende Anthologie für den Fanatasy-Kenner als auch den Einsteiger.
Jürgen Seibold / 28.05.2007

Anthologie: Holmes und der Kannibale – Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 2

Herausgeber: Roman Sander
c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
 

COVER:

Neben jenen 60 Berichten über die Fälle des Londoner Detektivs Sherlock Holmes, welche von Arthur Conan Doyle als Ghostwriter des Holmes-Freundes Dr. Watson veröffentlicht wurden, gibt es eine ganze Reihe anderer Fälle, die aus diversen Gründen zu Lebzeiten der beteiligten Personen nicht veröffentlicht werden durften. In unserem neuen Jahrtausend jedoch muss das keine Gültigkeit mehr haben, und so eröffnen wir dem geneigten Leser hier eine Sammlung von fünf neuen Fallberichten zur Unterhaltung und zum Nachdenken.

Fall 1: Ein englischer Lord als Kannibale? Welche Umstände führten zu einem so schrecklichen Verhalten?
Fall 2: Gab es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Sherlocks Bruder Mycroft und dem schurkischen Professor Moriarty?
Fall 3: Ein Fluch liegt über der Ausgrabungsstätte, an der englische Archäologen arbeiten. Doch Holmes zweifelt an der realen Existenz eines solchen Fluchs…
Fall 4: Der alternde Sherlock Holmes wird an ein Ereignis erinnert, das er lange Jahre verdrängt hatte. Nun holt ihn die Wahrheit ein.
Fall 5: Unzählige Vermutungen wurden über die wahre Identität von “Jack the Ripper” angestellt. Dem soll nun ein Ende bereitet werden, denn hier finden Sie endlich die Wahrheit über den berühmtesten Serienmörder aller Zeiten.

Die Autoren:
GARY LOVISI, amerikanischer Allround-Schriftsteller (bereits mit einem Buch in der BLACK COLLECTION vertreten)
BARRIE ROBERTS, Brite, Autor einer Reihe neuer Holmes-Romane
MARTIN BARESCH, aufsteigender deutscher Schriftsteller
UND die große Überraschung in diesem Buch: GEOFFREY LANDIS, US-Wissenschaftler und Science-Fiction-Autor.

REZENSION:

Sherlock Holmes ist für mich leider lediglich ein Begriff wie “Columbo”: Ich kenne das meiste nur vom Film. Sicherlich, ich stand sogar schon mal vor dem angeblichen Haus in dem Holmes gelebt haben soll und kam auch schon in den Genuss des ein oder anderen Romanes von Arthur Conan Doyle (nur eben kein “Holmes”).
Nun liegt vor mir ein Band mit fünf Fällen des Meisterdetektivs und ich frage mich, ob solche Kriminalfälle den netten Jürgen vom Ofen hervor locken können…
Pflichtbewusst schlug ich dieses Buch auf und begann überraschenderweise eine Lektüre, die mir sehr deutlich zeigte, dass auch Kriminalfälle, sofern sie gut erzählt werden, absolut spannend und glaubwürdig sein können.
Für einen Nicht-Holmes-Kenner wie mich sind dies meine ersten fünf Berichte des Londoner Detektivs und ich könnte mir vorstellen, dass selbst Arthur Conan Doyle viel Überzeugungsarbeit leisten müsste, um mir klar zu machen, dass er selbst der Erschaffer dieses Phänomens ist. Jaja, wer’s glaubt…
Aus meiner Sicht ist nun der Blitz-Verlag mit diesem Band der Erschaffer Holmes und konnte mich ausnahmslos durch alle fünf Beiträge von insgesamt vier unterschiedlichen Autoren überzeugen.
Die Reihenfolge in diesem Buch ist ebenfalls sehr passend und geschickt gewählt:
Der erste Fall scheint ein ziemlich “klassischer” Fall zu sein, was durch die zweite Geschichte, nun aus der Sicht Holmes’ Bruder Mycroft erzählt, erheblich getoppt wird (Ich steige damit sicherlich keinem auf den Schlitz, da ja die beiden ersten Fälle von demselben Autoren sind).
Erheblich spannender geht es in der dritten, sehr mystisch angehauchten Geschichte weiter. Das Ganze spitzt sich während dem vierten Fall um die ermordete Frau Watsons zu und erreicht seinen Zenit mit der absolut genialen fünften Story, in dem wir auch noch nähere Informationen über “Jack the Ripper” erhalten (welche, sei hier bewusst nicht erwähnt).
Auf jeden Fall handelt es sich bei dieser Geschichte für Holmes-Kenner um schweren Tobak, der aber gleichzeitig sicherlich zu den unheimlichsten aber trotzdem genialsten Fällen Holmes zu zählen ist.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass das Titelbild sehr schön in das damalige London zu führen weiss und die Illustrationen vor den jeweiligen Geschichten eine sehr schöne und passende Einleitung darstellen.
Was will man mehr??
Jürgen Seibold/24.01.2006

Anthologie: Fleisch und andere Appetitverderber

c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 196 Seiten

COVER:

Warnung!
Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sich sicher sein, daß Sie einiges verkraften können. Vielleicht werden Sie hierin Dinge vorfinden, die Sie am liebsten gleich wieder vergessen möchten – aber das wird dann leider nicht mehr möglich sein.

Zehn wahnsinnige Autoren servieren Ihnen ein reiches Menu aus Sex, Blut und Tod – kurzum: Es geht um FLEISCH in jeder Hinsicht.

Psychisch labilen Persönlichkeiten wird vom Genuß abgeraten.

Zum Buch und seinen Autoren:
Kann Horror Literatur sein? Kann Horror Kunst sein? Oder endet jeder Versuch am Ende doch nur in der Aneinanderreihung billiger Schock- und Ekeleffekte?

Dieses Buch ist ein solcher Versuch eines Brückenschlages. Ein kompromisslos abstoßendes Sammelsurium kranker Phantasien, und doch von ganz eigener Ästhetik.

Der Titel ist Programm. Es geht um Fleisch. Das Fleisch des menschlichen Körpers; seine Sinnlichkeit, seine Zerbrechlichkeit, und um das, was übrig bleibt, wenn man dem Menschen seine Menschlichkeit genommen hat. Zum Bedauern, zum Entsetzen, zum Verzehr.

Zehn Autoren haben zum Entstehen dieses Werkes beigetragen. Einige von ihnen sind in gewissen Kreisen bereits Kult, wenngleich man sie dort unter anderem Namen kennt. Und so ist auch dieses Buch etwas ganz besonderes. Erstmals wurde versucht, die besten und zugleich ekligsten Horror-Kurzgeschichten dieser Leute in einem Buch zusammenzutragen. Zu einer Achterbahnfahrt der Seele – und bei empfindlichen Personen auch des Magen-Darm-Traktes.

REZENSION:

Bei diesem Buch scheiden sich mit Sicherheit die Geister. Es befinden sich hierin zehn verschiedene Autoren, deren Kurzgeschichten sich alle um das Thema “Fleisch” in jeglicher Form drehen.
Entstanden ist dabei der absolute Horror!
Die Geschichten pendeln jeweils innerhalb der unterschiedlichen Betrachtungsweisen des jeweiligen Autors: Der eine baut seine Geschichte anhand fleischlicher Gelüste auf; der andere lässt das Thema “Fleisch” um Gewalt, Tod oder schlichtem “gefressen werden” kreisen. Somit ein allumfassendes Menü, welches sämtliche Facetten des Horrors ohne jegliche Scheu und Zensierung beleuchtet und darstellt.
Ebenfalls als positiv anzumerken ist die geschickte Gratwanderung am Rande des Splatters ohne jedoch in diesen Bereich zu driften.
Bisher gab es meistens nur das eine Extrem: Splatter-Horror mit einer Aneinanderreihung von Schocksequenzen ohne jeglichen literarischen Anspruch.
In diesem Buch wurden die Geschichten durch den eldur-verlag jedoch mit sehr geschickt ausgewählt, was zur Folge hatte, dass alle Stories dieses Buches zwar brutal, unzensiert und haarsträubend sind, aber trotzdem in einer sehr hochwertigen Erzählweise vor dem Leser ausgebreitet werden. Dies wiederum sorgt natürlich dafür, daß die Geschichten beim Leser erheblich intensiver wirken – man muss schon was verkraften können.
Die Warnung am Buchrücken sollte daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Psychisch labile Personen sollten wirklich die Finger davon lassen. Allen hartgesottenen und trotzdem anspruchsvollen Lesern dieses Genres kann dieses Buch nur empfohlen werden!
Kurzum: Wer sich solche Geschichte ausdenkt, kann eigentlich nur wahnsinnig sein – in diesem Fall sind die Autoren jedoch auch noch wahnsinnig gut.
Jürgen Seibold/30.06.2005

Anthologie: Drachennächte

Herausgeber: Roman Sander
April 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Inmitten eines tobenden Sturmes, unter dem Heulen der Geister, wird ein Kind geboren, dem man magische Kräfte zuschreibt…
Fantasy – das sind Geschichten wie aus uralten Zeiten: die sturmgepeitschte Nacht über dem Rhein, der Wald, der sich dem Zorn eines Knaben beugt, die einsame Gebirgskluft, die ein Ungeheuer beherbergt, der Rand der Weltenscheibe, unter der sich das Sternenmeer erstreckt, und, ja, auch einen richtigen Drachen gibt es hier, von jeher ein Symbol für Urkräfte, für das Böse, aber auch für Weisheit…
Zehn spannende Fantasy-Geschichten, sieben davon erscheinen hier erstmals auf Deutsch.

Autoren:
Uschi Zietsch / Terry Pratchett / Anna Kashina / Uwe Luserke / David Case / David C. Smith / Hans Dieter Römer / Lucius Shepard / Chris Naylor / Marion Zimmer Bradley & Ted White

REZENSION:

Drachennächte beinhaltet zehn Kurzgeschichten aus dem Fantasy-Genre, die – entgegen dem Buchtitel – nur vereinzelt von Drachen handeln. Davon abgesehen hat es der Herausgeber Roman Sander perfekt geschafft einen großen Teil der Creme-de-la-creme dieses Genres zu vereinen.
Darüber hinaus schafft es jede einzelne Geschichte zu fesseln und den Leser virtuos in fantastische Welten und Zeiten zu entführen.
Die Geschichten sind sehr geschickt ausgewählt und reichen von zarten und märchenhaften bis hin zu bitterbösen Erzählungen. Jede einzelne ist bereits ihr Geld wert und es offenbart sich ein sehr hohes erzählerisches Niveau, das durch keine einzige Geschichte unterbrochen wird.
Der Vorteil bei Kurzgeschichten liegt ja daran, daß man mal nebenbei ohne viel zeitlichen Aufwand die Umwelt vergessen oder sogar verlassen kann. Bei diesem Buch wird man aber weiterlesen und weiterlesen und weiter…. – bis man leider nach zu kurzer Zeit alle zehn Perlen gelesen hat.
Was kommt dann? – Man liest es nochmal und …
Ein Buch, das im Regal nicht verstauben kann…
Jürgen Seibold/25.03.05

Anthologie: Vampirwelten

Anthologie herausgegeben von
 Ines Binnemann und Oliver Baglieri
u-books Verlag, Augsburg

COVER:

– Unsterblichkeit –
Ein Traum so alt, wie die Menschheit selbst. Das endlose Verlangen, dem Tod zu entrinnen und die Sehnsucht nach Schönheit und Perfektion findet vollkommene Vollendung in der Figur des Vampirs. Der Untote regt Fantasien an und lädt ein, zu Reisen in mysteriöse Dunkelheiten, in der Naturgesetze aufgehoben sind. Wie unterschiedlich Vampirwelten sein können, zeigen die Geschichten und Gedichte dieser Anthologie. Das Besondere an “Vampirwelten” ist, dass dieser leise Hauch der Ewigkeit ausnahmslos aus der deutschsprachigen Vampir-Szene weht.
Britta Radkowsky
www.sanktuarium.de

REZENSION:

Vampirwelten ist eine Anthologie mit Beiträgen von 31 Autoren, die sich alle um das Thema Vampire bewegen und trotzdem nicht unterschiedlicher sein können.
Anfangs war ich leicht geschockt: Beim Durchblättern sah ich nicht nur Kurzgeschichten sondern auch viele Gedichte. Dazu muss ich sagen, das es bis jetzt nur zwei Gedichte gab, die mir gefallen haben. Das eine ist „Der Rabe“ von Poe und das zweite ein vor zehn Jahren von mir selbst geschriebenes Kurzgedicht.
Aber egal: Ein Rezensionsexemplar ist ein Rezensionsexemplar – also lesen.
Die 190 Seiten lassen sich relativ gut und zügig durchlesen. Wie es aber bei fast allen Anthologien der Fall ist, gibt es Gedichte/Geschichten, die einem gar nicht gefallen und gleichzeitig eine mindestens gleiche Anzahl davon, die einem gut bis sehr gut gefallen. Es hat mir mehr als die Hälfte gut bis sehr gut gefallen (sogar bei den Gedichten), was für eine Anthologie positiv zu bewerten ist. Sehr interessant an Vampir-
welten ist die unterschiedliche Betrachtungs- und Ausführungsweise der Autoren. Allein aus diesem Grund wird die Anthologie noch etwas wertvoller. Hinzu kommt – wieder einmal – der Schaffungsreichtum der deutschen „Untergrund“-Schreiberszene.
Ein einziger Punkt hat mich ein wenig gestört: Die Herausgeber haben im Text auf jeder Seite ein Wort in einer größeren, ins Auge springenden Schrift dargestellt. Die Idee an sich ist ganz gut – Problem ist jedoch, daß das Auge beim Umblättern und beim Lesen immer wieder auf diese Stelle springt und dadurch der Lesefluss etwas gestört wird.
Alles in allem handelt es sich um eine sehr interessante Sammlung, die sehr stark vom Ideenreichtum und der verschiedenen Betrachtungsweisen der Autoren lebt und dadurch zu einer kleinen, weiteren aber auch schönen Insel im Genre der Vampire wird und jedem „Vampir“ positiv in Erinnerung bleibt.
 Jürgen Seibold 18.07.03

Friedrich Ani: Wer lebt, stirbt

Originalausgabe April 2007 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Lizenzausgabe mit Genehmigung des Paul Zsolnay Verlags
c 2007 Paul Zsolnay Verlag, Wien
ca. 222 Seiten / € 7,95

COVER:

Die Leiche liegt zusammengekrümmt auf dem Teppich, ihr Gesicht ist aufgequollen, das zerrissene Hemd weist dunkle Flecken auf. Falk Sieger, Angestellter eines Münchner Wach- und Sicherheitsdiensts, ist erstochen worden. Der Verdacht fällt schon bald auf Siegers Kollegen Jens Schulte. Eines kommt Hauptkommissar Jonas Vogel dabei allerdings seltsam vor: Schulte wird von einem sündhaft teuren Anwalt vertreten: Hilmar Opitz. Dieser steckt im Moment jedoch selbst in Schwierigkeiten, denn seine heimliche Geliebte ist entführt worden, und er wird erpresst. Die Sache sei äußerst delikat, erklärt Dezernatsleiter Schuhmacher, Stadtrat Opitz kandidiere schließlich für das Amt des Oberbürgermeisters; Vogel solle sich deshalb nicht in die Arbeit der Sonderkommission einmischen. Vogel stutzt. Noch nie hat Schuhmacher ihm bei seinen Ermittlungen die Zügel angelegt. Steht der Mord an dem Wachmann etwa in Zusammenhang mit der Erpressung? Zum ersten Mal in seiner Laufbahn arbeitet der Hauptkommissar hinter dem Rücken seines Vorgesetzten mit seinem Sohn, Oberkommissar Max Vogel, zusammen, der mit dem Entführungsfall betraut worden ist. Doch dann geschieht etwas, das Jonas Vogels Leben für immer verändert…

Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, ist Absolvent der Drehbuchwerkstatt an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und arbeitete als Reporter und Hörfunkautor. Neben dem Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums erhielt er den Radio Bremen Kriminalpreis und zweimal den Deutschen Krimipreis für seine Romane um den Ermittler Tabor Süden. Für seinen Roman “Idylle der Hyänen” wurde er mit dem Tukan-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Friedrich Ani lebt in München.

REZENSION:

Interessanter Weise wird Friedrich Ani in unseren Landen mehr und mehr als fulminanter Krimiautor gelobt. Vielleicht ist dies auch für seine weiteren Bücher absolut gerechtfertigt – ich bin der letzte, der aufgrund eines einzigen und auch noch recht kurzen Buches jemandem diese Lorbeeren streitig machen würde.
Nichts desto trotz ist das vorliegende Buch “Wer lebt, stirbt” alles andere als ein spannender Kriminalfall, der den Leser fesseln sollte. Die grundsätzliche Idee mit dem erblindeten Ermittler ist sehr interessant und kann sicherlich noch für viel Stoff in den Folgebänden sorgen. Im vorliegenden Buch jedoch kommt Friedrich Ani trotz der nur knapp über 200 Seiten langen Geschichte nicht ins Rollen und man wartet nach dem Genuss des halben Buches immer noch auf den erhofften Krimi- bzw. Spannungseffekt.
Ani legt viel Wert auf die Darstellung seiner Personen und zeigt dabei auch einen großen Hang zum Detail – dies ist positiv, doch ein Krimi muss in erster Linie zur Unterhaltung des Lesers dienen und dieses Genre sollte sich auch mit einigermaßen spannenden Plots zu erkennen geben. “Wer lebt, stirbt” bewegt sich leider eher auf dem Kriminiveau der öffentlich-rechtlichen Sender: wenig Steigerungen, wenig Spannung … – es plätschert so dahin und bleibt durchgehend oberflächlich, was es jedem Leser erschwert, offenen Auges die Geschichte zu ergründen.
Normalerweise würde ich ein 200 Seiten umfassendes und dabei fesselndes Buch innerhalb kürzester Zeit verschlingen – bei “Wer lebt, stirbt” kam ich nicht mal  zum Ende…
Jürgen Seibold/29.12.2007

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Poul Anderson: Das zerbrochene Schwert

Originaltitel: The Broken Sword
Übersetzung: Rosemarie Hundertmarck
c 1971 Poul Anderson
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2005 Piper Verlag GmbH, München
303 Seiten

COVER:

In einem mythischen Zeitalter wird der Menschensohn Skafloc von den Elfen großgezogen. Gemäß einer alten Prophezeiung ist er als Einziger in der Lage, das legendäre zerbrochene Schwert wieder zusammenzufügen. Und nur er kann die Waffe schwingen, die im Krieg der Elfen gegen die Trolle die Entscheidung bringen soll. Doch durch den Gebrauch des Schwerts erfüllt sich ein tragisches Schicksal…
Zeitgleich mit “Der Herr der Ringe” erschienen, gilt “Das zerbrochene Schwert” als das düstere Gegenstück zu Tolkiens Werk. Meisterhaft verarbeitet Poul Anderson die Sagen und Mythen des Nordens zu einem fesselnden und sprachlich dichten Fantasy-Epos.

Poul Anderson, geboren 1926 in Bristol, Pennsylvania, und dort 2001 verstorben, zählt zu den beliebtesten und bedeutendsten phantastischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Der Sohn skandinavischer Einwanderer studierte Physik und schloss die Universität mit Auszeichnung ab. Fortan widmete er sich dem Schreiben und gewann während seiner fünfzig Jahre überdauernden Schriftsteller-Karriere unzählige Preise. Die nordische Sagenwelt faszinierte Anderson von Beginn an und übte großen Einfluss auf sein Werk aus.

REZENSION:

“Das zerbrochene Schwert” von Poul Anderson erschien erstmals 1954 – somit im selben Jahr, in dem der erste Herr-der-Ringe-Band ‘Die Gefährten’ von J.R.R. Tolkien das Licht der Welt erblickte.
Beide Werke arbeiten mit ziemlich ähnlichen Figuren und Themen. Während jedoch Tolkien eine absolut eigenständige Welt erschuf, legte Poul Anderson seine Elfen und Trolle in uns bekannte Gefilde, wie z.B. England.
Während bei Tolkien ein über 1000-seitiges Werk entstand, ein Volumen dem viele spätere Fantasy-Autoren manchmal erfolgreich – manchmal verzweifelt hinterherlaufen, beweist Poul Anderson die Unnötigkeit eines heutzutage oft unnütz aufgeblasenen Werkes (was nicht heißen soll, daß “Der Herr der Ringe” aufgeblasen wäre!!!).
“Das zerbrochene Schwert” ergiest sich über lediglich 303 Seiten, womit man zwar das gefühl hat, es könnte ruhig noch mehr sein, aber Poul Anderson hat damit absolut einwandfrei erzählt was er erzählen wollte.
Im Gegensatz zu Tolkien geht Anderson ein wenig düsterer und brutaler zur Sache und mangels meiner Kenntnis über ältere Fantasyromane dieser Art ist “Das zerbrochene Schwert” sicherlich einer der Begründer des Dark-Fantasy-Genres.
Grundsätzlich sei dieses Buch neben jedem Tolkien-Leser auch jedem Fantasyfan an sich uneingeschränkt ans Herz zu legen.
Meiner Meinung nach sollten sich noch viel mehr Fantasy-Autoren daran versuchen, eine Geschichte trotz der für das Genre doch recht geringen Seitenzahl zu erschaffen, die trotzdem oder gerade deshalb voller Spannung, Dichte, detaillierter Zeichnung und Glaubwürdigkeit steckt.
Jürgen Seibold/16.10.05

Andreas Albes: Der Schatz

Originalausgabe August 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 234 Seiten

COVER:

Das kleine Dorf Sabunja im Norden Iraks wirkt, als währe Saddam noch immer an der Macht. Nirgends sind amerikanische Soldaten zu sehen. Irakische Milizen, vermummte Männer mit Kalaschnikows, kontrollieren das Gebiet. Lastwagen mit dem Kürzel einer deutschen Hilfsorganisation fahren tagaus, tagein nach Sabunja. Was haben sie in Saddam Husseins ehemaligem Palast zu tun? – Michael Bellow wird für eine Berliner Tageszeitung nach Bagdad geschickt. Der Krieg ist vorbei, es herrschen Chaos und Anarchie. Beim Besuch in einem türkischen Bad belauscht er das Gespräch zweier Männer. Es geht darin offenbar um die Plünderungen der staatlichen Museen und darum, dass unersetzliche Kunstschätze nach Europa geschmuggelt werden sollen. Bellow beginnt zu recherchieren und steht kurz vor einem echten Scoop…

Andreas Albes, geboren am 30. Juni 1967 in Göttingen, war früher Polizeireporter bei der “Abendzeitung”, der “tz” und “Bild” in München, dann Lokalchef bei der “Neuen Presse” in Hannover. 1998 wechselte er als In- und Auslandsreporter zum “Stern” (u.a. Reportagen im Irak und im Kosovo, in Afghanistan, Namibia und Brasilien). 2003 erschien sein erster Roman, “Die Insel”. Albes lebt derzeit als Russland-Korrespondent in Moskau. “Der Schatz” ist sein zweiter Roman.

REZENSION:

Andreas Albes zeigt in “Der Schatz” sehr deutlich zu welchem Irrsinn mit Sicherheit einige Lebewesen dieses Planeten möglich sind. Ein Krieg sollte nicht als Quell der Geldvermehrung verwendet werden – leider ist dies schon ein Widerspruch in sich, da die meisten Kriege alleine dadurch entstehen – somit sind Kunsträuber, die sich den Umstand eines Krieges zunutze machen, schon fast wieder verständlich.
Durch die Jagd auf die Kunsträuber in den Wirren des Krieges zeigt Andreas Albes ein schönes Gespür für eine spannende Geschichte die problemlos den Leser unterhalten kann. Seine Sprache ist manchmal zwar etwas simpel – interessanterweise führt dies beim vorliegenden Plot jedoch eher zu mehr Authentizität als das es ihm schaden könnte.
Übrig ist jedenfalls ein sehr spannender Krimi um einen sympathischen und glaubwürdigen Hauptdarsteller – somit problemlos als Reiselektüre oder als entspannenden und trotzdem spannenden Unterhaltungsroman für den Krimifan zu empfehlen.
Jürgen Seibold/11.11.2007

Cecilia Ahern: P.S. Ich liebe Dich

Originaltitel: P.S. I love you
Übersetzung: Christine Strüh
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Krüger Verlag
ca. 416 Seiten

COVER:

Der Plan war einfach: zusammenbleiben, ein Leben lang. Doch nun ist Gerry tot. Gehirntumor. Und Holly, erst 29, bleibt alleine zurück. Wie soll sie nun weitermachen? Alles scheint zu Ende. Da taucht ein Paket mit Briefen auf: von Gerry, geschrieben in seinen letzten Lebenstagen, für Holly, für die nächsten Monate. „Werde Karaoke-Queen, Holly! Suche Dir endlich einen interessanten Job, Holly! Greif nach den Sternen, Holly! Und P.S: Ich liebe Dich!“. Holly lacht, weint, und tut, was Gerry schreibt: sie lernt, wer ihre wahren Freunde sind. Sie lernt, sich ein wenig neu zu verlieben und macht mit jedem Brief eine Schritt in ein neues Leben und ein neues Glück.

Die Autorin:

Cecilia Ahern, geboren 1981, ist die Tochter des irischen Ministerpräsidenten. Sie studierte in Dublin Film, Journalismus und Medienkommunikation. Ihr erster Roman „P.S. Ich liebe Dich“ erschien 2004 und führte in der irischen sowie in der britischen Sunday Times die Bestsellerlisten an. Der Roman wurde in 50 Länder verkauft und erschien in 15 Sprachen. Die Filmrechte wurden von Warner Brothers erworben. Bisher erschienen von Cecilia Ahern außerdem die Romane „Für immer vielleicht“ (2005) und „Zwischen Himmel und Liebe“ (2006).

REZENSION:

Cecilia Ahern nimmt den Leser mit auf eine Reise in der Achterbahn der Gefühle ihrer Hauptfigur Holly. Das Leben scheint für die junge Frau zu Ende zu sein, noch bevor es richtig angefangen hat, zumindestens bis sie die Briefe in den Händen hält, die Gerry ihr noch vor seinem Tod geschrieben hat: zwölf Stück, für jeden Monat einen. Begleitet von ihrer Familie und ihren Freunden macht sich Holly auf den Weg zurück ins Leben, zuerst an der Hand von Gerry und seinen Briefen, bis sie dann ganz allmählich lernt, ihren Weg alleine zu gehen. Man kann eigentlich gar nicht anders als mit ihr zu weinen und zu lachen, manchmal zwei Schritte vor und wieder einen zurück zu machen, gespannt zu sein auf den nächsten Monat, den nächsten Brief, ihre nächste Aufgabe und darauf, ob und wie sie sie meistern wird. Der Leser taucht mit Holly ein in den bunten Kosmos von Hollys Familie und Freunden, mit all seinen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Geschichten. Man ist beinahe ebenso überrascht wie Holly, wenn man erfährt, dass das Leben der Anderen weiter geht, wo ihres doch stehen geblieben zu sein scheint. Man möchte Holly manchmal in den Arm nehmen und manchmal aufrütteln. Cecilia Ahern spielt auf der Klaviatur der Emotionen und reizt mit dieser Geschichte das gesamte Spektrum komplett aus.
Fazit:  „P.S: Ich liebe Dich“ verdanke ich ein paar ebenso intensive wie kurzweilige Lesestunden. Es ist eine Lektüre, bei der man schon mal alles andere um sich herum vergessen kann.
Susanne Mayer für Hysterika, 26.Juni 2006