Anthologie: Blutgrütze 1

© 2016 EDITION NOCTURNO
© der einzelnen Geschichten beim jeweiligen Autor
ca. 175 Seiten / ISBN 9781533420565

COVER:

Die besten Hardboiled-Autorinnen und -Autoren
laden ein zum deftigen 7-Gänge-Menü:
Unappetitlich – widerlich – ekelhaft – einfach nur geil!
Zu Eurer Freude und Unterhaltung!

Torsten Scheib – NÄCHTLICHE BEGEGNUNGEN
Rosa Leber – DIE MUTTER ALLER ABSZESSE
Markus Kastenholz – MEA MAXIMA CULPA
Alisha Godoy – DIE BEDROHUNG
Andreas Ellefred – SCHLÜSSEL ZUR FREIHEIT
Jasmin Krieger – MACARONS SPEZIAL
John Aysa – DIE YONI DER ERDE

BLUTGRÜTZE ist eine neue Anthologie-Reihe, in der die Autoren und Autorinnen keinerlei Zwängen unterworfen sind. Kein Thema, kein Umfang. Sie dürfen „die Sau rauslassen“, wie es ihnen gefällt.
Und das haben sie …

BLUTGRÜTZE
ist absolut kranken, perversen und geilen Inhalts.
Teststudien haben belegt:
Das Lesen kurz vor dem Schlafengehen kann zu Alpträumen, Erbrechen
sowie Inkontinenz führen (hält meist nur wenige Tage an).
Von chronischer Impotenz wurde nicht berichtet, da es den Betroffenen scheinbar zu peinlich war, darüber zu sprechen.
Nicht, dass hinterher jemand behauptet, wir hätten Sie nicht gewarnt …

REZENSION:

BLUTGRÜTZE ist eine neue Kurzgeschichtenreihe mit dem Ansatz, dass es einfach keine besonderen Vorschriften und Themen gibt. Kurz: Der jeweilige Autor darf einfach mal ohne eine Schere im Kopf die Sau rauslassen.
Man könnte jetzt sagen, so etwas gibt es ja schon. Ja, wer kennt nicht die FLEISCH-Reihe, die ähnlich aufwartet. Hier ist es jedoch so, dass auch der Rahmen der Geschichte von einer üblichen Länge gesprengt werden darf. Trotzdem geben sich die beiden Anthologien natürlich die Hand – kommen irgendwie ja auch aus dem gleichen Umfeld.
In Blutgrütze befinden sich lediglich 7 Geschichten. Dieser sind dabei gar nicht einmal so blutig, wie man es sich eventuell vorstellt. Nichts desto trotz lassen sie auch ab und an den Ekelfaktor durchblitzen und nehmen davor auch keine Rücksicht. Gleiches gilt für sexuelle Absonderlichkeiten. Somit sollte man auch hier als Leser kein zartes Fell besitzen – man muss schon mit sowas klarkommen, damit man das Buch nicht plötzlich angewidert auf die Seite legt.
Bei den Geschichten selbst konnte mich nicht jede durchweg überzeugen. Dies ist natürlich in einem Kurzgeschichtenband sehr oft der Fall. Da es sich hier aber nur um 7 Geschichten handelt, finde ich somit leider keine hundertprozentige Überzeugung in mir auftauchen.
Beachtet man dabei jedoch den Umstand, dass es hier der erste Band einer sicherlich noch gut wachsenden Reihe ist, hat der Herausgeber sein Ziel erreicht.
Darüber hinaus halte ich es für außerordentlich interessant, abermals verschiedene Ideen und Schreibstile aufstrebender und schon etwas bekannteren Autoren kennen zu lernen.
Alles in allem ein gelungener Einstieg in eine neu geschaffene literarische Welt ohne jegliche Vorschriften. Allein dieses Konzept ist schon mutig genug und sollte weiter verfolgt werden.
Jürgen Seibold/19.03.2017
Blutgrütze: Unappetitliche Geschichten – KAUFEN BEI AMAZON

Timo Leibig: Grenzgänger

©Timo Leibig
ISBN 978-3-9817076-6-3
ca. 280 Seiten

COVER:

Francis Maybach, Sohn wohlhabender Eltern, entgeht knapp einem Mordversuch. Daraufhin stellt man ihn unter Polizeischutz – dem er jedoch entflieht. Kommissar Walter Brandner und seine neue Kollegin Cahide Pfeiffer folgen seinen Spuren, die zunehmend blutiger werden. Ist Francis Maybach vielleicht gar kein Opfer, sondern Täter?
Viel Zeit bleibt den Kommissaren nicht, um Francis zu finden, denn auch andere sind hinter ihm her …

REZENSION:

Die Fälle um die beiden Ermittler Goldmann und Brandner sind meines Wissens die einzigen Fälle um ein Ermittlerteam, bei denen es mir gelungen ist, alle zu kennen.
Darüber hinaus scheint Timo Leibig auch der einzige Autor neben Stephen King zu sein, der bereits mehrere Bücher herausgebracht hat und ich ebenfalls alle bereits lesen durfte.
Das allein spricht ja schon mal für den Schriftsteller. Gleichzeitig hat man bei jedem Handgriff in Richtung eines weiteren Buches des Autors eine gewisse Erwartungshaltung, die nicht gerade auf einem geringen Niveau angesiedelt ist. Kurz gesagt: Es schwingt immer eine kleine Leserangst mit, ob auch ein weiteres Buch noch überzeugen kann.
Nun also GRENZGÄNGER, der bereits vierte Fall von Brandner und Goldmann…
Goldmann? Nun, hier wohl nur noch lapidar. Wie man aber als geneigter Leser der bisherigen Bücher weiß, hat sie sich ein wenig zurückziehen müssen. Somit hier nur eine Nebenrolle, die aber dennoch zu wichtigen Erkenntnissen führt.
Timo Leibig lässt aber nicht einfach den guten alten Brandner alleine weiter ermitteln, sondern gibt ihm zwei Kollegen an die Hand, die ebenfalls nicht ohne sind – und seine Ex-Kollegin wird sicherlich in Zukunft auch weiterhin eine Rolle zu spielen haben.
Ein klein wenig erinnert mich diese Vorgehensweise mittlerweile an die “Sonderdezernat Q”-Bücher von Jussi Adler-Olsen, der auch ein ganzes Team auf die Straße los lässt und dabei einem die Chefrolle zuspricht.
In GRENZGÄNGER erfährt man zum ersten Mal in dieser Reihe nicht bereits am Anfang, wer hier der Böse ist. Timo Leibig lässt uns nun etwas im Dunkeln tappen und baut einen klassischen Krimi mit ganz wenigen dezenten Thrillerelementen auf, führt diesen zielgerichtet zu seinem Ende und lässt dabei noch die ein oder andere Erkenntnis-Rakete los. Manchmal ist es doch anders, als man zuerst dachte.
Gleichzeitig ist der Plot aber nicht zu kompliziert konstruiert und lässt sich dementsprechend einfach konsumieren.
Mir persönlich hätte ein wenig mehr “Thriller” besser gefallen, da Timo Leibig nun mehr und mehr in die reine Krimiecke zu switchen scheint. Aber das ist natürlich Geschmackssache – manche mögen es einfach weniger blutig. Tja, damit meine ich nicht mich als Leser und ganz besonders die Darstellung von Psychopathen auf ihrem kranken Weg halte ich in typischen Thrillers für sehr interessant in der Betrachtung – dies fehlt hier leider, wird aber damit dem Krimi-Genre durchweg gerecht.
Kurzum: Erneut ein sehr guter Fall von einem ideenreichen und sehr gut und eingängig schreibenden Autor. Von mir gibt es trotzdem ein kleines “aber”, da ich es hiermit nicht vermissen möchte, den Autoren wieder etwas in die bösere Ecke zu schubsen – eben solche Fälle, denen sich die beiden Ermittler bereits in der Vergangenheit stellen mussten. – Timo Leibig, lass die Psychopathen wieder raus 🙂
Jürgen Seibold/18.03.2017
Grenzgänger: Thriller (Goldmann und Brandner, Band 4) – KAUFEN BEI AMAZON

 

P.S.: Wer wissen möchte, wie der Autor beim Sprechen klingt (er hat einen typischen Slang) und darüber hinaus, was er zu erzählen hat, kann auf dieser Webseite unter dem Reiter “Podcast” der Folge 80 folgen, in dem sich Timo Leibig meinen Fragen stellt.

Aleš Pickar: Kalion – Die lautlose Woge

© 2017 Periplaneta Berlin – Edition Drachenfliege
www.periplaneta.com
ISBN 978-3-95996-032-8
ca. 259 Seiten

COVER:

Die Neun Götter haben Kalion längst verlassen – nur der Stille Mahner am Firmament zeugt noch davon, dass die Welt einmal eine glücklichere war, bevor der Hochmut der Menschen sie zerstörte.
Seit Generationen sind die Völker des rauen Kontinents Neroê zerstritten. Im Norden wütet eine rätselhafte Krankheit. Die verwöhnte Prinzessin Linederion aus dem Ostreich soll an einen fremden Hof verheiratet werden, der gefallene Feldherr Gellen ist auf der Flucht, weil er sein Geheimnis nicht preisgeben kann, die ehemalige Sklavin Nelei will Rache nehmen und die Schwägerin des Königs von Kendaré spinnt Intrigen, um ihren unbeliebten Sohn auf den Thron zu setzen.
Doch sie alle ahnen nichts von der dunklen Gefahr, die sich im Westen zusammenbraut …

Aleš Pickar erschafft mit KALION ein facettenreiches, geheimnisvolles und vor allem düsteres Epos.
Die lautlose Woge ist der Beginn einer Reise in eine rätselhafte und raue Welt und ein spannender Roman, der mit den Normen des High-Fantasy-Genres bricht.

REZENSION:

Als ich gefragt wurde, ob ich mich diesem Werk aus dem Genre Fantasy annehmen möchte, musste ich erst einige Tage darüber nachdenken. Das liegt jedoch nicht daran, dass sich Kalion bei einem etwas kleinen – aber feinen – Verlag versteckt, sondern eher daran, dass dieses Buch seine fantastische Welt innerhalb von lediglich etwas über 250 Seiten ausbreiten möchte.
Das klingt so gar nicht nach den Gepflogenheiten innerhalb dieses Genres – hier werden doch immer Bücher geschrieben, die man auch locker als Waffe verwenden könnte, so dick sind sie jedesmal.
Nun also KALION mit einer reduzierten Seitenzahl und einem Autorennamen, der mir noch nie untergekommen ist.
Dafür kann der Autor jedoch nichts und somit musste ich dem Buch doch eine Chance geben. Kann ja sein, dass sich da etwas neues auftut.
Und genau das ist auch der Fall gewesen. KALION  ist dabei eingängig erzählt und scheut sich auch nicht vor Brutalität und Blut. Die von Pickar erschaffene Welt wird anhand von kurzen “historischen” Erzählungen am Beginn einiger Kapitel etwas tiefer dargelegt. Die grundsätzliche Zeichnung ist dabei natürlich etwas begrenzt, stört aber in diesem Fall keineswegs.
Man ist sofort mittendrin und fragt sich, wo das alles hinführen wird. Bereits nach einigen Seiten weiß man, welche Personen man nicht mehr missen möchte und fiebert ihren weiteren Erlebnissen entgegen.
KALION funktioniert bereits problemlos als nahezu abgeschlossener Roman – erfreulicherweise handelt es sich dabei jedoch keineswegs um eine kleine und dünne Fantasy-Eintagsfliege, sondern um den Auftakt einer dreibändigen Reihe.
Sicher, es strotzt vor Intrigen und dem recht typischen Kampf zwischen Gut und Böse. Dabei handelt es sich aber über eine erfrischend anders wirkende Erzählweise, die interessant wirkt und somit überzeugt.
Man darf sich als Fan dieses Genres so einem Werk keineswegs entziehen und somit muss man auch ab und an den Fokus erweitern und den vermeintlichen “Kleinverlegern” eine Chance geben. Ich glaube, die geben sich auch sehr oft besondere Mühe, da der Ruf sonst schnell ruiniert wäre.
KALION jedenfalls ist eine sehr interessante Welt voll interessanter Begebenheiten und ich freue mich schon auf die Folgebände.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Kalion. Die lautlose Woge (Edition Drachenfliege) – KAUFEN BEI AMAZON

Michael Peinkofer: Tote Helden – Die Legenden von Astray 1

©Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-70342-0
ca.528 Seiten

COVER:

Nach einer gewaltigen Schlacht ist das Reich Astray zerrissen. Getrennt durch einen schier unüberwindlichen Abgrund, haben sich die Völker des Kontinents entzweit. Auf beiden Seiten setzen zwielichtige Herrscher und religiöse Fanatiker alles daran, ihre Macht zu festigen. Der Sänger Rayan gerät auf seinen Reisen durch das unsichere Reich zwischen die Fronten: denn seine Lieder künden von Visionen über das künftige Schicksal Astrays, und allzu oft werden die dunklen Vorhersagen von Leid und Tod Wirklichkeit. Als der finstere Ordensmann Thorgon-Syn, Großexekutor von Morwa, auf seinen Missionen eine Spur des Schreckens hinterlässt, ahnt Rayan, dass ganz Astray dem Untergang geweiht ist. Nur eines könnte noch helfen: die Macht der Legenden, der sieben mythischen Helden von einst, die nach Meinung vieler nie existierten und nach Ansicht anderer zumindest längst tot sind. Aber was ist Wahrheit und was Erfindung? Besteht noch Hoffnung für Astray?

REZENSION:

TOTE HELDEN ist der erste Wurf von Michael Peinkofer in seiner neuen Fantasywelt Astray. Somit erst der Start der Legenden von Astray. Wenn man dies bereits auf dem Cover erkennt, stellt man sich schon vorab die Frage, ob man erneut etwas anfangen möchte, was zum heutigen Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise beendet worden ist. Durch solche Reihen werden die eigenen Stapel ungelesener Bücher definitiv nicht dünner, denn sollte einem der erste Band gefallen, dann kann man sich dem oder den nächsten mit Sicherheit nicht mehr entziehen.
Nun, egal. Peinkofer konnte mich schon mit seinen Orks außerordentlich gut unterhalten. Dementsprechend war es nur ein sehr kurz aufflammender widerstreitender Gedanke entgegen seinem neuesten Werk.
Ehrlich gesagt hatte mich Peinkofer dann bereits im Prolog und noch mehr im ersten Kapitel, als Rayan zu singen begann.
TOTE HELDEN ist dabei nicht so humorvoll wie besagte Werke über die Orks – dennoch kann man sich dem Inhalt von Seite zu Seite nur noch schlecht entziehen. Sehr interessant dabei ist der Gedanke des Autors, einen anderen Ansatz zu fahren: In TOTE HELDEN sind die großen Schlachten schon längst geschlagen und Vergangenheit. Teilweise vergessene Vergangenheit und nur noch für die Erzählung von Legenden relevant. Was aber, wenn die besagten und totgeglaubten Helden der einzige Schlüssel sind, die aufkommenden Machtkämpfe und Unruhen in Astray wieder gerade zu biegen?
Selbstverständlich gibt es hier im ersten Band noch keine finale Antwort dazu – meines Wissens wird aber der Zeitraum zum Folgeband nicht zu lange sein und somit besteht Hoffnung für Astray.
Erneut hat mir der Schreibstil von Michael Peinkofer sehr gut gefallen – gleiches gilt auch für die außerordentlich gut durchdachte Geschichte in einer fast real wirkenden Welt.
Ich bin immer wieder erstaunt, welche Perlen es immer noch zu entdecken gibt – gleichzeitig freut es mich auch, dass es wohl noch genug Einfallsreichtum bei den Schriftstellern gibt, um dem geneigten Leser ausreichend Futter zur Hand reichen zu können.
Ergo: Mir hat TOTE HELDEN außerordentlich gut gefallen und ich nutze die Wartezeit auf Band 2, um dieses jedem zu empfehlen.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Tote Helden: Die Legenden von Astray 1 – KAUFEN BEI AMAZON

P.S.: Anfang April 2017 wird es hier einen Podcast geben, in dem mir Michael Peinkofer Rede und Antwort steht.

Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Des Teufels Gebetbuch: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Michael R. Fletcher: Chroniken des Wahns

Originaltitel: Beyond Redemption
Aus dem amerikanischen Englisch von André Taggeselle
© 2015 Michael R. Fletcher
© 2017 Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20863-0
ca. 608 Seiten

COVER:

In einer Welt, in der der Wahnsinn regiert, ist ein Leben nicht viel wert. Nicht einmal das eines Gottes …

In der Welt der Wahnwirker gibt es nur eine unumstößliche Wahrheit: Glaube ist Macht. Glaubt man nur fest genug an etwas, so wird es zur Realität. Und deshalb sind es die Wahnwirker, die hier die meiste Macht auf sich vereinen: Geisteskranke, deren Wahnvorstellungen so mächtig sind, dass sie wahr werden. Soziopathen, die so überzeugt von der eigenen Überlegenheit sind, dass ihr Umfeld ihnen dienen muss. Schizophrene, die sich in mehrere Körper aufspalten. Pyromanen, die mit nur einem Gedanken Feuer legen können. Männer und Frauen, die jederzeit kurz davorstehen, sich in ihrem Wahnsinn zu verlieren – und ihre Umgebung mit in den Abgrund zu reißen.

In dieser Welt kämpfen drei Fraktionen um das Leben eines Jungen: Ein Tyrann, der sich in ihm einen eigenen Gott erschaffen will, um selbst allmächtig zu werden. Ein Trupp Vagabunden, der diesen jungen Gott entführen will, um ein wahrhaft göttliches Lösegeld zu erpressen. Und ein Versklaver, der ihn benutzen will, um seine unbändige Gier nach Liebe zu stillen.

Es beginnt eine grausame Jagd, die am Ende nur Verlierer kennt – denn die Chroniken des Wahns werden mit Blut geschrieben.

REZENSION:

In diesem Buch ist wirklich alles und jeder wahnsinnig. “Die Chroniken des Wahns” stehen mit ihrer Idee fast alleine auf weiter Flur im Genre der Fantasy-Romane.
Allein aufgrund dieser interessanten Idee scheint sich das Buch bereits zu lohnen. Man darf dabei aber auch nicht zart besaitet sein, denn wer einen typischen braven Fantasy-Roman sucht, sollte von diesem Werk einfach die Finger lassen.
Man begleitet als Leser mehrere Fraktionen, die schlußendlich – durch diverse Begebenheiten – zum gleichen Ziel kommen möchten: Sie kämpfen aus unterschiedlichen Motivationen um das Leben eines Jungen mit besonderen Fähigkeiten.
Die Vagabunden mit ihrer schrägen und durchgeknallten Art hatten mir dabei am Besten gefallen. Mit diesen Protagonisten würde ich mich sehr gerne erneut in einem großangelegten Epos auf den Weg durch düstere Welten machen.
Alle anderen Beteiligten sind Wahnwirker, deren Macht beinahe unendlich scheint, dennoch angreifbar ist.
Michael R. Fletcher lässt in seinem Buch nichts unversucht und fügt eine schier unermessliche Zahl an Boshaftigkeiten, Problemen, Kämpfen, Soziopathen, Geisteskranke und was ihm sonst noch so einfiel ein und lässt diese nahezu ungebremst aufeinander los.
Durch diese Neuausrichtung des Genres hatte ich einige Zeit meine Probleme in das Buch eintauchen zu können. Nach und nach hatte sich das jedoch aufgelöst und insbesondere, wenn die Dreiergruppe – unter ihnen der weltbeste Schwertkämpfer – eine Rolle spielte, konnte der Autor mich überzeugen.
Nichts desto trotz war mir die anfängliche Vorgehensweise ein wenig zu verwirrend, was etwas zur Abwertung meines Gesamteindrucks führt. Ich bin mir nun jedoch nicht sicher, ob das ein Übersetzungsproblem ist, oder der Autor erst seinen Weg finden musste.
Nichts desto trotz handelt es sich bei “Chroniken des Wahns” um eine erfrischende Idee, die für ein wenig Abwechslungsreichtum sorgen kann.
Schlußendlich muss man sich hiermit jedoch selbst ein Bild machen, da dieses Buch mit Sicherheit polarisierend wirken kann und somit von absoluter Überzeugung bis zum Gegenteil beim unterschiedlichen Leser führen kann.
Aus meiner Sicht sehr schwer einzuordnen – obwohl ich die kuriose Truppe nahezu ungebremst in mein Herz geschlossen habe.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Chroniken des Wahns – Blutwerk: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit

Originalausgabe 04/2010
© 2010 by Andreas Brandhorst
© 2010 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-52610-5
ca. 687 Seiten

COVER:

Die ferne Zukunft: In der von den unsterblichen “Erlauchten” regierten interstellaren Gesellschaft kann sich nicht jeder den Aufstieg zum ewigen Leben durch Meriten verdienen. Wer in den “Gemischten Gebieten” geboren wird, ist von vornherein zur Sterblichkeit verdammt. Doch in der Schattenwelt sind etliche Profiteure und Quacksalber bereit, gegen entsprechende Entlohnung den angeblichen Makel aus der Genstruktur zu entfernen – allerdings nicht immer mit Erfolg.

Esebian hat den radikalen Weg zu den “Hohen Welten” gewählt und als Auftragskiller in unterschiedlichen Identitäten Meriten für den Aufstieg gesammelt. Dann entschließt er sich, das Töten zu beenden und als Wissenschaftler zu arbeiten. Als er jedoch erpresst wird, El’Kalentar, den Direktoriatsvorsitzenden der “Erlauchten” zu ermorden, hofft er, durch einen letzten Akt der Gewalt die Pforte zur Unsterblichkeit aufstoßen zu können.

Aber wer kann ein Interesse am Tod El’Kalentars haben? Ein Konkurrent, der El’Kalentars Position einnehmen will? Das Untergrund-Netzwerk Aurora, das gegen die Diskriminierung der “Gemischten Gebiete” kämpft? Oder gar die Magister, Maschinenwesen mit einer gigantischen Datenverarbeitungskapazität, die über die Einhaltung der Gesetze auf den “Hohen Welten” wachen? Trotz aller Bedenken führt Esebian den Auftrag aus. Doch der Lohn ist nicht Unsterblichkeit, ganz im Gegenteil …

REZENSION:

Wenn man der Coverbeschreibung von “Kinder der Ewigkeit” glauben möchte, dann könnte man davon ausgehen, es hier mit einem typischen Thriller in der fernen Zukunft zu tun zu haben. Genau das dachte ich ehrlicherweise ebenfalls – somit ganz einfach: Ein Auftragsmörder erledigt seinen Auftrag, welcher sicherlich nicht einfach ist und somit auch eine hohe Seitenzahl vonnöten ist.
Wie sich dabei jedoch herausstellen sollte, ist der Auftrag relativ schnell erledigt und man hat noch einige hunderte an Seiten vor sich. Somit sei schon einmal jeder vorgewarnt: Die Geschichte entfaltet sich dann erst und wird auch – bezogen auf die reine Handlung – immer interessanter.
Die Ideen in diesem Werk sind wirklich sagenhaft und man kommt nicht umhin, immer mal wieder über die Unsterblichkeit nachzudenken. Was wäre denn, wenn das wirklich möglich sein könnte?
Andreas Brandhorst ist bekannt für seine detaillierte Beschreibung der von ihm entwickelten Zukunftswelt. Dies kann zum Vorteil führen, aber auch nachteilig wirken. Ich bin in diesem Fall ein wenig zwiegespalten. Einerseits hat mich die Geschichte wirklich durchweg überzeugt und somit konnte ich dem Buch auch weiterhin die Stange halten. Andererseits fiel mir aber genau das auch manches mal ein wenig schwer, da es beizeiten etwas zu viel an Umgebungsdetails waren. Ob diese technischen Elemente nun möglich oder lediglich vom Autor erfunden worden sind, entzieht sich meiner Kenntnis – dennoch war es gefühlt recht oft ein wenig zu viel an Hintergrund- und Detailinformation. Interessanterweise wirkte dennoch der Plot ausreichend, um ihm bis zum Schluß die Chance zu geben. Eine Enttäuschung trat dabei glücklicherweise nicht auf und somit ist “Kinder der Ewigkeit” dennoch ein gelungener Science Fiction Roman, der überzeugen kann. Aus meiner Sicht hätte man aber locker ein drittel weglassen können.
Aber wie gesagt: Es handelt sich hier um einen sehr zwiespältigen Eindruck und somit gibt die Geschichte  ausreichend Material für einen Leser, der sehr detailliert in die Tiefen und Philosophien einer Geschichte eintauchen möchte. Ich bin jedenfalls froh, bis zum Ende durchgehalten zu haben, da der Plot durchweg außerordentlich interessant ist und trotz der Detailverliebtheit stringent nach vorne getrieben worden ist.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Kinder der Ewigkeit: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Ilkka Remes: Ein Schlag ins Herz

Originaltitel: Isku Ytimeen
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
© 2010 Polaris Media
© 2011 der deutschsprachigen Übersetzung: Stefan Moster/Polaris Media
Deutsche Erstausgabe 2011 – Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24853-2
ca. 463 Seiten

COVER:

“Ihr seid doch nicht so wahnsinnig, dass ihr an den Atommüllbehälter ran wollt?”, sagte Patrik fassungslos zu Andrus. Der blieb vor ihm stehen und sah ihn an, die Augen kalt und vollkommen emotionslos. Erst in dem Moment begriff Patrik. Er war mit dabei, weil sie genau das vorhatten.

In Stockholm werden die hochrangigen Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz entführt und auf einen Atommülltransporter gebracht. Als der Frachter die schwedische Küste verlässt, kommt ihm ein Schnellboot mit Umweltaktivisten entgegen, die auf der Ostsee gegen den Bau der russisch-deutschen Gaspipeline protestieren. Mit an Bord: der finnische Geologe Patrik, ein Spezialist für Fragen der Endlagerung von Atommüll. Zu spät erkennt Patrik, dass die Protestaktion fingiert ist und einzig dem Zweck dient, ihn, den Experten für Kernmaterial, den Geiselnehmern auszuliefern. Doch damit nicht genug: Unter den Geiseln befindet sich die belgische Ärztin Sandrine, die, davon ist Patrik überzeugt, seine Freundin Beate auf dem Gewissen hat. Patrik und Sandrine geraten zwischen die Fronten der Geheimdienste und in einen Strudel von lebensgefährlichen Ereignissen.
In den tiefen Schluchten Afghanistans werden sie Zeugen eines spektakulären Geiseltauschs…

REZENSION:

Ilkka Remes legt mit “Ein Schlag ins Herz” abermals einen Thriller vor, in dem sein Ermittler Timo Nortamo einen Auftritt hat. Dabei handelt es sich bei seinen Thrillern aber keineswegs um eine Reihe, deren Bücher nach Erscheinen gelesen werden müssen, um die Entwicklung Timos zu verstehen. Aus diesem Grund kann man ohne großes Nachdenken zu beinahe jeglichem Thriller Ilkka Remes’ greifen und der Geschichte ohne auftretende Lücken folgen.
Wie bereits in vorhergegangenen Thrillern dieses Autors gibt es auch im vorliegenden einen hohe politische und grenzüberschreitende Brisanz. Gleichzeitig deckt der Autor viele Probleme auf und man ertappt sich dabei, für manche Aktivisten das eigene Herz schlagen zu lassen.
Es bleibt bei Remes aber selten so, wie es scheint und somit schwenkt er auch im vorliegenden Thriller, um den Leser ein wenig an der Nase herum zu führen.
Dabei vergisst er niemals ein sehr starkes Augenmerk auf seine nahezu unzähligen Spannungselemente zu legen. Hierdurch rast man förmlich durch dieses doch recht umfangreiche Werk. Gleichzeitig klingt absolut alles in seinem Roman plausibel und könnte sich wohl exakt so in der realen Welt darstellen.
In “Ein Schlag ins Herz” ist dabei so gut wie alles vertreten: Man begleitet Umweltaktivisten, es gibt einen großangelegten Entführungsfall mit realen Persönlichkeiten, eine interessante Wendung und einen Showdown in fernen Ländern.
Es ist wirklich erfreulich, mit Ilkka Remes einen Autoren kennengelernt zu haben, dessen Ideenreichtum in nahezu jedem Buch den Leser fesseln kann. Ich könnte mir dabei auch jedes Werk als gelungenen Actionthriller im Kino vorstellen – dazu müssten sich die amerikanischen Filmemacher jedoch ihr Augenmerk einmal auf Autoren anderer Länder legen.
“Ein Schlag ins Herz” ist jedenfalls ein sehr zu empfehlender, spannender Thriller mit viel politischer Brisanz und Ilkka Remes lässt weiterhin jede Schwäche missen.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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Timothy Dawson: Eduschée – Erbarmungslose Welt

© Timo Leibig
ca. 315 Seiten

COVER:

Die junge Marla träumt von Abenteuern und der großen, weiten Welt. Als eines Abends das Gasthaus ihrer Eltern überfallen wird, werden die Träume zwar Realität, doch Marla verliert mehr, als ein Mensch zu geben hat. Sie schwört Rache und begibt sich zusammen mit dem mysteriösen Söldner Zacharias auf einen Rachefeldzug durch die Südmark.

Dabei kreuzen seltsame Gestalten ihren Weg, so geheimnisvoll wie das Land selbst: der Schattenjäger Bogdan, die blinde Hexe Misha, das Schubkarrengespann Wulff und Etzel, der beringte Ansgar, Wolly die Wildsau – und die Wächterin der Seelen höchstpersönlich.

Düster, bewegend und nichts für schwache Nerven – das faszinierende Fantasydebüt von Thriller-Bestsellerautor Timo Leibig alias Timothy Dawson.

REZENSION:

Es ist immer so eine Sache mit Pseudonymen. Sicher, heutzutage kann man es erheblich schneller herausfinden, wenn ein Autor einen anderen Namen verwendet. Aber gleichzeitig stellt sich mir die Frage, ob das wirklich notwendig ist. Würde es nicht ausreichen, wenn einfach das Genre genannt wird, damit die Thrillerfans des Timo Leibig nicht plötzlich mit einem Fantasyroman überrascht werden. Obwohl, vielleicht würde dann manch einer mal ein anderes Genre kennenlernen…
Na egal, in diesem Fall handelt es sich jedenfalls um das Fantasydebüt des bisher als Thriller/Krimi-Autor aufgetretenen Timo Leibig.
Da Timo Leibig als Timo Leibig immer sehr gut überzeugen konnte, stellt sich nun die Frage, ob das Timo Leibig auch als Timothy Dawson in einem gänzlich anderen Genre schaffen kann.
Eduschée geht dabei auch sogleich rasant los und man verfolgt eine detailliert beschriebene Folter bevor man in die eigentliche Geschichte eintauchen kann.
Die gezeichnete Welt wirkt dabei sehr realistisch, wenn man das Mittelalter als Bezugspunkt verwendet und dabei natürlich berücksichtigt, dass hierin natürlich eine erhebliche Anzahl an fantastischen Elementen eingefügt geworden ist.
Eduschée lässt sich sehr eingängig lesen und wirkt außerordentlich interessant. Teilweise bekommt man das Gefühl, ein wenig den Faden verloren zu haben – Dawson webt aber zum Ende hin wieder alles ordentlich zusammen.
Eduschée ist damit zwar ein Fantasyroman, der den Leser nicht mit seiner sagenhaften Story niederschmettert – wirkt dennoch als ein absolut gelungenes Debüt in einem doch recht schwierigen Genre.
Man kann sich somit diesem Werk uneingeschränkt widmen und vom Inhalt her stellt sich die Frage, ob da nicht noch weitere Bände folgen könnten oder werden.
Auf den Schreibstil bezogen bleibt sich Timo Leibig treu und versuchte hier keine besonderen Experimente. Dadurch ist der Roman – wie seine anderen Werke – sehr eingängig und flüssig zu lesen. Die Welt ist düster und brutal, die Ideen zahlreich. Den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte man eventuell noch nicht benötigt – oder aber, sie wären fester mit der grundsätzlichen Story verknüpft gewesen. Nichts desto trotz lassen sich diese sicher recht gut zur weiteren Verwendung heranziehen.
Grundsätzlich somit im Großen und Ganzen ein empfehlenswerter Fantasyroman.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Eduschée – Erbarmungslose Welt: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Rita Falk: Weisswurstconnection

© 2016 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26127-2
ca. 303 Seiten

COVER:

… ‘zefix! Eine Wasserleiche im Heimatwinkel?

“Grundgütiger, der liegt aber schon ein ganzes Weilchen”, stellt der Doktor Brunnermeier gleich fest, wie er den Toten in der Badewanne des neuen Luxus-Hotels in Niederkaltenkirchen sieht. “Und wenn das hier ein Mord ist, Eberhofer, dann bröseln Sie grade den Tatort voll.”

Dabei sind Brösel nur der Anfang einer Reihe schwerwiegender Ermittlungspatzer in Eberhofers achtem Fall…

REZENSION:

Die Reihe um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer geht erfreulicherweise weiter. Nun liegt mit Weisswurstconnection bereits der achte Fall dieser sehr erfolgreichen und humorigen Krimis vor. Stellt sich natürlich die Frage, ob Rita Falk noch ausreichend Einfallsreichtum aufwarten kann, um sich nicht zu wiederholen und dem Lokalkolorit weiterhin etwas Neues hinzufügen zu können.
Ich war dabei recht zwiespältig, da der letzte Fall in meinen Augen schon ein wenig nachgelassen hatte. Dadurch überlegte ich einige Zeit, ob ich dem Franz noch eine Chance geben soll oder mich einfach anderen Werken widmen.
Nun, ich wagte es dennoch. Erfreulicherweise stellte sich dabei heraus, dass der achte Fall ausreichend ideenreich und witzig ist, um diese kleine Talfahrt vergessen zu machen.
Man entdeckt sich in diesem Werk endlich wieder schmunzelnd über die Seiten fegen und dementsprechend freut man sich, den Bürgern aus Niederkaltenkirchen wieder folgen zu können.
Natürlich handelt es sich hier keineswegs um hochtrabende Literatur – dies ist aber auch keineswegs der Gedanke hinter diesen Büchern. Einfach lockere Unterhaltung mit bayrischen Gepflogenheiten, die manchem kurios vorzukommen scheinen, für jeden Ansässigen aber fast normal wirken.
Kurzum bin ich der Meinung, dass Rita Falk mit Weisswurstconnection die kleine Schlenkerkurve bezwungen hat und ihrer Fangemeinde gerecht geworden ist.
Da kann man somit dieses Buch nur empfehlen und hoffen, dass die Autorin dem auch im sicherlich weitergehenden Leben Eberhofers noch gerecht werden kann.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Weißwurstconnection: Ein Provinzkrimi (Franz Eberhofer) – KAUFEN BEI AMAZON

HYS080 – Timo Leibig im Gespräch

Im Rahmen einer Blogtour zu Timo Leibigs neuem Buch “Grenzgänger” hatte ich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Autoren.

Hier ist die neue Podcastfolge:

 

Aldous Huxley: Schöne Neue Welt

Originaltitel: Brave New World
Aus dem Englischen von Uda Strätling
© 1932 Mrs Laura Huxley
© für die deutschsprachige Übersetzung: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2013
ISBN 978-3-596-95015-7
ca. 364 Seiten

COVER:

“Schließlich ist es, wo immer die Massen politische Macht errangen, stets eher um Glück als um Wahrheit und Schönheit gegangen.”

1932 erschien einer der wichtigsten utopischen Romane des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird in Form einer Tablette. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg, und Fertilisationsstationen haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten – bis einer von außen dahinter blickt und einen Abgrund aus Arroganz und Verzweiflung entdeckt.

REZENSION:

Man muss sich beim Lesen dieses Werkes immer wieder vor Augen halten, dass dieses Buch bereits im Jahre 1932 erschienen ist. Allein dadurch ist man geplättet ob der Vision Aldous Huxelys. Gleichzeitig merkt man immer mehr, dass seine dargestellte Zeit – die in etwa im Jahre 2500 nach unserer Zeitrechnung stattfinden sollte – uns immer schneller und immer mehr einholt.
Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob nicht die Mehrheit der Menschen unseres Planeten überhaupt mit der von Huxley als Zivilisation dargestellten Welt ein Problem hätten. Immerhin ist man von klein auf dazu konditioniert, während der täglichen Arbeit Freude zu empfinden. Sex ist nicht auf einen Partner fixiert, sondern kann mit wem auch immer als reiner Zeitvertreib durchgeführt werden. Sollte einem dann doch mal langweilig werden, gibt es noch die Flucht in den Alltagsurlaub anhand einer Droge, die erlaubt ist, keine Nebenwirkungen hat und den Nutzer geistig dahintreiben lässt.
Stellt sich somit die Frage, ob das nicht für viele ein angenehmen Leben darstelle würde – somit eine SCHÖNE NEUE WELT.
Es gibt auf unserem Planeten aber auch noch Bereiche, in denen Menschen auf normale Art und Weise gezeugt werden. Diese Bereiche werden von der Zivilisation aber höchstens als Urlaubsort verwendet – leben dort doch nur Wilde…
Eines Tages – durch gewisse Umstände – kommt einer dieser “Wilden” in die hochgepriesene Zivilisation, in der jeder Mensch glücklich und zufrieden vor sich hinlebt. Ab diesem Augenblick stellt man sich die Frage, ob dieser “Wilde” nicht eher der Spiegel ist, der uns vorgehalten wird – oder besser gesagt: Der Wilde stellt sich dieser Oberflächlichkeit entgegen und man hofft nahezu, eher als dieser Wilde eine Rolle spielen zu können. Andererseits wäre man ja nichts weiter als ein kleines Rädchen innerhalb einer durchdachten Zivilisation, in der man einfach nur vor sich hin lebt und sich dabei auch noch zufrieden fühlt.
Neben dieser Vielzahl an unterschiedlichen Gedanken, die dieses Werk entstehen lässt (und ja: es tauchen noch erheblich mehr auf), ist es dabei auch noch als durchweg visionär zu betrachten, welche Techniken der Autor in seine Geschichte einwebt. Man darf weiterhin nicht vergessen: Das Buch ist aus dem Jahre 1932!!! Nahezu alles, was Huxley darin beschreibt, hat uns schon eingeholt. Noch nicht in der schlußendlichen Ausprägung – der Weg dorthin ist aber erschreckenderweise geebnet und somit stellt sich die Frage, ob es sich bei diesem Roman nicht gar um eine Vorhersage handelt?
Noch einige wenige Generationen und wir könnten uns in dieser oberflächlichen Welt befinden. Ich denke, da sollte man zumindest ein klein wenig versuchen, dies nicht geschehen zu lassen.
Man könnte natürlich auch sagen, es handelt sich hier nur um eine Science Fiction Geschichte eines Schriftstellers – gibt ja auch heute genug davon – aber was, wenn doch mehr dahinter steckt?
In meinen Augen ist jedenfalls SCHÖNE NEUE WELT ein sehr visionärer Roman, dessen Thema – nun fast 90 Jahre später – uns immer schneller einholt. Gleichzeitig ist das Buch in dieser Übersetzung erfreulicherweise sehr gut zu lesen.
Mich hat dieses Werk sehr nachdenklich zurückgelassen und man ertappt sich dabei, ob man sich für ein ungefährliches Leben mit Sex und Drogen als Freizeitbeschäftigung oder aber für eine Art Freiheit, die aber gleichzeitig schwieriger aufrecht zu erhalten ist, entscheiden würde.
Macht euch einfach ein Bild und nehmt dieses Werk mit auf eure absolute muss-gelesen-werden-Liste.
Einer der besten visionären Science-Fiction-Romane aller Zeiten.
Jürgen Seibold/05.03.2017
Schöne Neue Welt: Ein Roman der Zukunft (Fischer Klassik) – KAUFEN BEI AMAZON

George Orwell: Animal Farm

© 1945 by Eric Blair
This edition © the Estate of the late Sonia Brownell Orwell, 1987
ISBN 978-0-141-03613-7
ca. 95 Seiten

COVER:

‘All animals are equal. But some animals are more equal than others.’

Mr Jones of Manor Farm is so lazy and drunken that one day he forgets to feed his livestock. The ensuing rebellion under the leadership of the pigs Napoleon and Snowball leads to the animals taking over the farm. Vowing to eliminate the terrible inequities of the farmyard, the renamed Animal Farm is organized to benefit all who walk on four legs. But as time passes, the ideals of the rebellion are corrupted, then forgotten. And something new and unexpected emerges…

REZENSION:

Vorab gesagt: Im Gegensatz zu Orwells 1984 kommt man mit einem einigermaßen guten Englisch mit diesem Buch erheblich besser zurecht. Dies liegt sicherlich auch daran, dass Orwell bei 1984 viele erfundenen Wörter mit eingeflechtet hatte. Auch wenn dem nicht so sein sollte: Bei Animal Farm handelt es sich laut Orwell um ein Märchen und wohl auch deshalb ist das sprachliche Niveau ein wenig anders angesiedelt.
Das Büchlein ist jedenfalls recht dünn und könnte mit seinen knappen hundert Seiten in der heutigen Zeit sicher auch als etwas längere Kurzgeschichte durchgehen. Trotz dieser Kürze ist das Buch durchweg als absolut interessant und lehrreich zu betrachten. Sozusagen eine Parabel unserer Welt. Orwell hatte zwas damals im Jahre 1945 sicher noch die tiefgehenden Eindrücke des Zweiten Weltkriegs im Auge – insbesondere sicherlich die Strömungen Russlands als auch Nazideutschlands. Nichts desto trotz verliert Animal Farm absolut nichts an Bedeutung, denn scheinbar haben wir Menschen beim Übernehmen von Macht in den letzten 70 Jahren absolut nichts dazu gelernt. Es ist wahrlich kein Wunder, dass der Satz “Jeder ist gleich, manche sind gleicher” zum Sprachgebrauch geworden ist (interessant zu erfahren, dass dieser Sprachgebrauch seinen Ursprung in einem Buch hatte, welches sicherlich nicht jeder gelesen hat).
Es ist sicher immer noch der gleiche Weg: Es gibt eine Revolution mit den besten Absichten. Jemand wird zum neuen Anführer ernannt. Aufgrund seiner machtvollen Position rutscht dieser mehr und mehr in die gleichen Fahrwasser wie der damalige Herrscher. Alle hehren Ziele werden nach und nach demaskiert und anders – zugunsten des Herrschers – neu kommuniziert. Kurzum: Eine Revolution scheint der Wegbereiter zu einer erneuten Revolution zu sein. Geschichte ist wie ein Rad, das sich dreht und dreht – mal ist man oben, mal unten…
Animal Farm ist dadurch eine absolute Pflichtlektüre, die auf einfachem Wege und unter Benutzung von Tieren anstatt Menschen jedem Leser diese Problematik gegenüber hält. Wer es dann immer noch nicht kapiert, dem kann man wohl nicht mehr helfen.
Schlußendlich ein Standardwerk, welches wirklich jeder einmal gelesen haben sollte.
Jürgen Seibold/05.03.2017
Animal Farm – KAUFEN BEI AMAZON

Elliott Hall: Den ersten Stein

Originaltitel: The First Stone
Deutsch von Barbara Ostrop
© 2009 Elliott Hall
© 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24818-1
ca. 352 Seiten

COVER:

Das Gesicht der USA hat sich dramatisch verändert: Christliche Fundamentalisten haben die Macht übernommen. Demokratie und Freiheit sind zu Unwörtern geworden. Im noch nicht lange zurückliegenden Irankrieg ist nicht nur Teheran zerstört worden. Auch Houston wurde in einem Atomangriff dem Erdboden gleichgemacht …
Als in New York ein frommer Prediger ermordet wird, der möglicherweise hochrangige Politiker und Prominente erpresst hat, wird der Privatermittler Felix Strange mit dem Fall betraut. Strange ist kein Freund der Evangelikalen, doch ihm bleibt keine Wahl. Im Irankrieg hat er sich eine Krankheit zugezogen, die sein Leben stark verkürzen wird. Medikamente kann er sich nur auf dem Schwarzmarkt beschaffen. Ihm ist klar, dass seine Auftraggeber ihre eigenen Ziele verfolgen: Sie müssen einen Grund dafür haben, ausgerechnet ihn mit dem Fall zu beauftragen. Ihm bleibt nur wenig Zeit, um das Rätsel zu lösen.

REZENSION:

Wenn man sich die ersten Sätze der Coverbeschreibung zu Gemüte führt, schweben einem sogleich ungeahnte Möglichkeiten vor, die in so einer nahezu dystopisch anmutenden Welt vorkommen können. Man stelle sich einfach mal vor: Die Macht liegt in den Händen christlicher Fundamentalisten – das klingt sehr stark nach einer Verschiebung, deren Inhalt thematisch problemlos und kritisch ausgearbeitet werden könnte. Nebenbei erwähnt: Houston wurde von einer Atombombe gänzlich vernichtet! Vor meinen Augen entstand ein Roman, dessen Jagd nach einem Mörder eher zur Nebensache wird – hier scheint doch die Umwelt selbst viel Stoff für detaillierte Beschreibungen zu bieten…
Nun, das war jedoch alles nur Wunschdenken. “Den ersten Stein” ist nämlich hiervon sehr weit entfernt. Gut, die neue Regierung wird ein wenig dargelegt. Es wird auch erwähnt, dass Houston dem Erdboden gleichgemacht worden ist. Aber sonst? Eher sehr wenig bis nahezu gar nichts. Somit befinden wir uns als Leser leider nur in einem nahezu normalen Kriminalroman, denn das Wort “Thriller” ist in meinen Augen auch etwas zu viel des Guten.
Wir verfolgen Srange auf seiner Suche nach dem Killer des hochrangigen Predigers. Zum Ende hin gibt es zwar noch einen ganz kleinen Drift, jedoch ist dabei das Ende auch ein wenig zu hastig abgearbeitet.
Sehr schade dass dieses Buch nicht mehr hergibt. Die Idee ist nämlich außerordentlich interessant und ich hätte sehr gerne Thriller oder auch einen spannenden Politroman in diesem Umfeld gelesen. Bei dieser Thematik kann man verschiedenste Strömungen aufeinander loslassen.
Nun, sollte hier nicht sein und nachdem ich nun festgestellt habe, dass hier ein wenig übertrieben wird, ich ein weiteres Buch dieses Autors und dieses Ermittlers lesen wollte, werde ich nun darauf verzichten. Denn ich bin mir sicher, dass Elliott Hall auch im zweiten Werk um seinen Ermittler die Umgebung nur als Mittel zum Zweck ohne weiteren Tiefgang verwendet.
Jürgen Seibold/05.03.2017
Den ersten Stein: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

George Orwell: Nineteen Eighty-Four

© 1949 Eric Blair
This edition © the estate of the late Sonia Brownell Orwell, 1987
ca. 326 Seiten
ISBN 978-0-141-03614-4

Cover:

‘It was a bright cold day in April, and the clocks were strike thirteen.’

Winston Smith works for the Ministry of Truth in London, chief of Airstrip One. Big Brother stares out from every poster, the Thought Police uncover every act of betrayal. When Winston finds love with Julia, he discovers that life does not have to be dull and deadening, and awakens to new possibilities. Despite the police helicopters that hover and circle overhead, Winston and Julia begin to question the Party; they are drawn towards conspiracy. Yet Big Brother will not tolerate dissent – even in the mind. For those with original thoughts they invented Romm 101 …

REZENSION:

1984 ist natürlich ein Buch der besonderen Art. Gemeinsam mit einigen wenigen Büchern der Weltliteratur steht es aufgrund der visionären Geschichte ganz oben der Werke, die man irgendwann einmal gelesen haben müsste.
Ich widmete mich dabei der englischen Originalausgabe und muss dabei gestehen, dass dies – für mich persönlich – ein kleiner Fehler war. Sicher, man konnte mal wieder in die englische Sprache eintauchen – nichts desto trotz war mir dieses Werk im Gegensatz zu neueren Büchern ein wenig zu hoch in der sprachlichen Verwendung. Davon abgesehen halte ich aber die Geschichte für außerordentlich visionär und beängstigend. Es spiegelt eine Zivilisation wieder, in der eigene Gedanken schlicht nicht gewünscht sind. Man bekommt Wahrheiten vorgegaukelt, die man schlichtweg akzeptieren muss. Der Weg zum Dissidenten ist wahrlich ein sehr einfacher.
Stellt man sich dem entgegen, wird man weggeschafft und im besten Fall wieder auf die “richtige” Spur gebracht.
Das Werk ist nicht umsonst in vielen Ländern eine Pflichtlektüre in Schulen und es sollte sich auch wirklich jeder Schüler ohne Aufstöhnen dieser nachdenklich anregenden Geschichte widmen. Dabei aber auch nicht vergessen, dass wir uns mehr und mehr in die von Orwell dargestellte Welt hinbewegen.
Ein wenig enttäuscht ob meiner eigenen englischen Sprachfähigkeiten, hat dieses Buch dennoch soviel zurückgelassen, dass ich erheblich berührt worden bin. Für die mir noch fehlenden Nuancen, folgt demnächst noch das gleiche Werk in der deutschen Übersetzung.
Jürgen Seibold/05.03.2017
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