Khan, Katie: Schwerelos

Originaltitel: Hold Back The Stars
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kempen
Deutsche Erstausgabe 01/2018
©2017 by Katie Wood
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31843-3
ca. 414 Seiten

COVER:

Das Weltall, in der Nähe des Erdorbits: Eigentlich ist es ein ganz normaler EVA-Einsatz, als die junge Astronautin Carys und ihr Freund und Kollege Max die Laertes verlassen. Doch dann löst sich die Sicherheitsleine und die beiden werden von ihrem Raumschiff getrennt. Zwei Menschen schweben schwerelos und allein in der Weite des Alls. Hilflos müssen sie mit ansehen, wie ihr Schiff immer weiter in der Dunkelheit verschwindet. Jetzt können sie sich nur noch aneinander festhalten – und die Atemluft in den Lebenserhaltungssystemen ihrer Raumanzüge reicht für genau neunzig Minuten. Neunzig MInuten, um ihr Leben zu retten.

Direkt unter ihnen leuchtet die Erde – zum Greifen nah und doch unerreichbar. Der Ort, an dem sie sich einst ineinander verliebt haben und den sie verlassen haben, um zusammen zu sein. Der Ort, an den sie nun um jeden Preis zurückkehren wollen. Doch die Zeit arbeitet erbarmungslos gegen sie …

REZENSION:

Auf Basis der Coverbeschreibung erwartete ich bei diesem Werk einen durchdachten Überlebenskampf zweier Protagonisten. Mir schwebte sozusagen eine Geschichte vor, die sich in etwa bei „Der Marsianer“ einordnen könnte.
Katie Khan wirft ihren Leser auch ungebremst in diese dramatische und nahezu unlösbare Situation in den Weiten des Weltalls. Ihre diesbezügliche Art des Erzählens lässt einen sogleich mitfiebern. Die Science-Fiction Elemente sind sehr gut recherchiert und glaubwürdig eingefügt.
Während Rückblenden lernen wir die beiden Protagonisten als auch die Zukunftsvision der Autorin kennen. Bei der Vision hatte sie mich als Leser noch – bei den beiden Hauptdarstellern schwenkte die Geschichte zu einem Liebesroman, der zwar teils interessante Ansätze der philosophischen Art vorweisen konnte, dennoch ein Liebesroman ist.
Aus diesem Grund verlies mich die Lust, mich dem Werk, trotz der interessanten Begebenheiten im Weltraum, weiter zu widmen. Ich entscheid mich somit zu einem Abbruch, da ich nicht gewillt war, über die für mich uninteressanten Teile quer zu lesen bzw. diese zu überblättern.
Ich denke dennoch, dass dieses Werk seine Klientel finden wird und bereits inne hat. Jeder Leser, der nicht vor Liebesromanen zurückschreckt, kann sich hier rundum aufgehoben fühlen. Gleichzeitig könnte damit manch einer problemlos in das Genre SF hinein schnuppern und damit eventuell ein für sich neues Genre entdecken.
Jürgen Seibold/28.09.2018

Suarez, Daniel: BIOS

Originaltitel: Change Agent
Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Deutsche Erstausgabe
©2017 by Rowohlt Verlag, GmbH
„Change Agent“ ©2017 by Daniel Suarez
ISBN 978-3-499-29133-3
ca. 542 Seiten

COVER:

DAS WILD, DAS DU JAGST: DU BIST ES SELBST

Im Jahr 2045 ist das Zeitalter der Technik Geschichte; die biologische Moderne ist angebrochen. Algen und Pilze bauen Autogehäuse, die Boomstädte Asiens werden nachts von Leuchtbäumen erhellt. Auch vor dem menschlichen Körper macht die Bio-Revolution nicht halt. Jeder will hochgezüchtete Designer-Babys, ob legal oder nicht. Die Zeche zahlen andere.

Kenneth Durand leitet bei Interpol den Kampf gegen diese Genkriminalität. Und ein Mann steht dabei im Fadenkreuz: Marcus Demang Wyckes, Kopf eines so mächtigen wie skrupellosen Kartells. Eines Tages erwacht Durand aus dem Koma. Man hat ihn entführt. Er sieht anders aus. Seine DNA ist verändert. Er ist Marcus Demang Wyckes. Der Mann, der weltweit gesucht wird.

REZENSION:

Daniel Suarez mausert sich mit seinen wissenschaftlich und technikverliebten Thrillern mehr und mehr zu einem futuristisch angehauchten Erbe von Autoren, wie zum Beispiel Michael Crichton. Ebenso wie dieses Vorbild, sind seine Romane mal atemberaubend gut, mal ein wenig belanglos. Nichts desto trotz machen fast alle seine Werke ausreichend Spaß beim Lesen, vermitteln eine Botschaft und sorgen für zumeist durchgehend spannende Unterhaltung.
Auch im vorliegenden BIOS begeben wir uns in eine Zukunftsvision des Autoren. Sein Plot spielt im Jahre 2045 – die Nähe zur heutigen Zeit passt dabei ziemlich gut, da die meisten von ihm dargelegten Techniken in ihren ersten Entwicklungsstufen bereits vorliegen und somit möglich sind und wohl in den nächsten Jahren stärker in den Vordergrund treten können.
BIOS erinnert in seiner Gänze ein wenig an einen Agentenfilm – sehr Bondlastig angelehnt – mit einem Bösewicht und seinem gegenüberstehenden Ideal der Rechtschaffenheit.
Über den Plot selbst möchte ich mich gar nicht zu sehr auslassen, da der Klappentext das Grundgerüst der Geschichte recht gut umreißt.
Neben der sehr plausibel wirkenden Zukunftsvision erinnert der handelnde Plot stark an einige Filme der ausgehenden 90er Jahre. Hier scheint sich der Autor wohl hemmungslos bedient zu haben, um seiner interessanten und beängstigenden Vision eine an die Seiten fesselnde Handlung zu bieten.
Ab und an wirkt seine Story leider sehr stark konstruiert. Wohl um den Ablauf in die gewünschte Richtung zu biegen. Zumeist kann man jedoch problemlos darüber hinwegsehen.
Schlussendlich bleibt ein sehr spannender Thriller ohne großartige Handlungsüberraschungen plus einigen Momenten, bei denen man besser ein Auge zudrückt oder man sich kurzzeitig auf das Niveau eines drittklassigen B-Movies herablässt.
Anderseits ist BIOS aber auch eine sehr interessante und glaubwürdig erzählte Vision der nahen Zukunft – inklusive einer neuen kapitalistischen Weltordnung, die nicht von der Hand zu weisen ist. Gefühlt scheint die Zukunftsvision dem Autor wichtiger gewesen zu sein, als der eigentliche Plot. Dennoch ist BIOS ein rundum unterhaltsamer und spannender Action-Thriller, der den Leser ähnlich unterhalten kann, wie der Gang in das Kino zu einem ähnlich gelagerten Film.
Jürgen Seibold/27.09.2018

Falk, David: Blutsbande – Krieger des Nordens 1

Originalausgabe Oktober 2017
© Piper Verlag GmbH, München 2017
ISBN 978-3-492-28160-7
ca. 557 Seiten

COVER:

Die Brüder Seran und Kayo entstammen einer Linie nordischer Krieger. Als Kinder wurden sie ihrer Familie entrissen, nachdem ihr Dorf vom Volk der Thebaner erobert wurde, aber daran erinnern sie sich kaum. Während Kayo als Sklave niederste Dienste verrichten muss, macht der junge Seran Karriere als Offizier im thebanischen Heer. Doch dann wird sein Bruder ermordet, und die Stämme des Nordens erheben sich zum Aufstand gegen das Kaiserreich. Seran muss sich entscheiden: Will er als Feldherr in die Fußstapfen seines thebanischen Ziehvaters treten oder sein Volk befreien?

REZENSION:

Bei David Falks erstem Band seines Epos mit dem übergeordneten Titel „Krieger des Nordens“ passt die Coverbeschreibung nur oberflächlich. Sicher, oberflächlich betrachtet scheint die Geschichte kurz abgesteckt zu sein – die handelnden Personen bekommen manches aber erst erheblich später mit.
Prinzipiell positiv, da man dadurch als Leser beinahe von anderen Voraussetzungen ausgeht. Für mich klang die Beschreibung auf dem Buchrücken fast nach einer Neuauflage von Conan – zum Glück ist das in keinster Weise der Fall.
Die Geschichte selbst lässt nichts neues im Genre der Fantasy entstehen. Dies sehe ich aber nicht als negativen Aspekt, da eine gänzliche Neuerfindung des Genres ja wirklich eher eine Ausnahme ist.
Man könnte dennoch dem Autoren vorwerfen, dass er es sich etwas einfach gemacht hat: Seine Story scheint sich viele Anleihen aus der vorhandenen Welt der Fantasyliteratur ebenso zu holen, wie auch aus dem Geschichtsunterricht unserer realen Welt.
Falks Weltenbau ist stimmig und beinahe typisch: Zwei konkurrierende Stämme, Nord gegen Süd.
Aber was solls – im Gegenzug dazu offenbart sich eine rundum flüssig und eingängig erzählte Geschichte, die vom Grundsatz her der puren Unterhaltung dienen möchte – und dies auch absolut überzeugend, spannend und an die Seiten fesselnd durchzieht.
In meinen Augen ein richtig gutes Highlight des Genres. Wie gesagt: Keine Neuerfindung – dennoch durch den überzeugenden Schreibstil eine Geschichte, die für rundum zufriedenstellende Unterhaltung sorgt. Mehr erwarte ich in erster Linie auch gar nicht. Lediglich die Zeit zum nächsten Band könnte kürzer sein, da man nach Beenden des Buches am Liebsten direkt darauf zugreifen würde.
Als kleines Fazit, ein gelungener Serienauftakt. Ich freue mich schon auf Band 2 und hoffe, dieser wird seinem Erstling in nichts nachstehen.
Jürgen Seibold/26.09.2018

 

HYS099 – Bullshit

Die neue Podcastfolge:

Zelazny, Roger: Die Chroniken von Amber – Die neun Prinzen von Amber

Originaltitel: Nine Princes in Amber
Aus dem Englischen von Thomas Schlück
©1970 by The Amber Corporation
Für die deutsche Ausgabe:
©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-98127-8
ca. 268 Seiten

COVER:

Der Schlüssel zu allem liegt in Amber.

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle anderen Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Mal näher, mal weiter entfernt haben sie nur einen Mittelpunkt: Amber.

Nach einem Autounfall wacht Corwin in einer obskuren Klinik im Staate New York auf – er ist in unserer Welt gestrandet. Schnell findet er heraus, dass er Teil der großen Königsfamilie von Amber ist. Von nun an unternimmt er alles, um in sein Reich zurückzukehren und seinen Bruder Eric vom Thron zu stürzen.
Der Auftaktband zu der einzigartigen Fantasyreihe DIE CHRONIKEN VON AMBER.

REZENSION:

Beim Lesen der Beschreibung auf dem rückwärtigen Cover des Buches und der eigenen Freude am Lesen von klassischen, fantastischen Werken, die mir in meiner Kindheit entgangen sind, freute ich mich unglaublich auf diesen ersten Auftaktband zu den Chroniken von Amber.
Bereits die Idee der Verknüpfung verschiedener Welten und dem Erwachen des Prinzen in unserer Welt ohne jegliche Erinnerung an sich selbst.
Leider sollte diese selbstauferlegte Euphorie vom Inhalt des Buches nicht befriedigt werden. Somit war ich nach etwa der Hälfte des Werkes gezwungen, dieses unbeendet beiseite zu legen.
Doch woran mag dies gelegen haben?
Nun, ich denke in diesem Falle war es schlicht und einfach der Schreibstil als auch die Erzählweise von Roger Zelazny. Mir persönlich waren zu wenig detailverliebte Informationen vorhanden – demgegenüber eine Vielzahl an Dialogen, anhand deren der Autor die Geschichte voran treibt. Manchmal funktioniert so eine Vorgehensweise – in diesem Fall kam es mir jedoch ein wenig zu konstruiert vor. Gleichzeitig konnte er mich dadurch nicht an die Geschehnisse innerhalb der beiden Buchdeckel als Leser fixieren, wenn nicht gar fesseln.
Mir ist bewusst, dass es erst ein Auftaktband zu einer berühmten Reihe ist – dennoch war es nicht mein Geschmack und konnte mich nicht überzeugen. Sehr gerne hätte ich noch viel mehr über die Erlebnisse des Prinzen in unserer Welt gelesen – diese verwoben mit einer Vielzahl an kuriosen Details. Tja, hat leider nicht sollen sein – aber genau deshalb sind Geschmäcker einfach unterschiedlich. Während der eine davon rundum überzeugt ist, findet der andere absolut keinen Zugang. Ich finde es schade, da mich die Idee gereizt hat und ich mich gerne auf eine weitere Reihe aus vergangener schriftstellerischer Zeit eingelassen hätte.
Jürgen Seibold/02.09.2018

Die neun Prinzen von Amber: Die Chroniken von Amber 1 – KAUFEN BEI AMAZON

Kern, Claudia: Divided States Of America

Herausgeber: Amigo Grafik, Ludwigsburg
©2017 Claudia Kern
ISBN 978-3-95981-499-7
ca. 615 Seiten

COVER:

Quo Vadis, USA?

Joseph Johnson, der neue Präsident der USA, polarisiert. Der Wahlkampf war hart und schmutzig, das Land ist gespalten. Extremistengruppen tauchen aus dem Untergrund auf und die Menschen sind verunsichert. Johnson sucht die Schuld bei Terror und illegaler Einwanderung, nicht bei seiner eigenen Inkompetenz. Um sich zu profilieren, erlässt er ein Dekret, das alle legalen Einwanderer zum Tragen eines Ausweises verpflichtet. Der Beschluss schlägt ein wie eine Bombe, Nationalisten und Neonazis feiern. Plötzlich ist es politisch korrekt, ein Rassist zu sein.

Washington State, Oregon und Kalifornien weigern sich, das Dekret umzusetzen, und bieten Zuflucht. Die große Völkerwanderung beginnt. Der Gouverneur von Arizona schließt die Grenzen, um die Flüchtlingsströme aufzuhalten, obwohl er selbst nicht hinter dem Dekret steht. Doch wer sich nach dem höchsten Amt des Landes sehnt, darf keine Ideal haben.

Die Flüchtlinge stauen sich in Arizona und es werden mehr und mehr. Aktivistengruppen nutzen die Situation als Bühne für ihre eigenen Anliegen, dann treten auch noch Nazis auf den Plan. Johnsons Machtbasis bröckelt, die Zustände im Land geraten außer Kontrolle. Die Vereinigten Staaten schlittern unaufhaltsam ins Chaos und das Spiel mit der Angst wird zum Todeskampf einr ganzen Nation. Doch die größte Katastrophe steht ihr noch bevor.

REZENSION:

Sicherlich hatte Claudia Kern mit diesem umfangreichen Werk hauptsächlich die Geschehnisse während als auch nach der Wahl in den Staaten vor Augen, als sie sich der Erstellung dieses Werkes widmete.
Mit dieser außerordentlich gut erzählten Geschichte versucht sie dabei, auf mögliche, nicht gerade positive, Entwicklungen hin zu weisen. Mit „Divided States Of America“ entstand somit ein politischer Thriller mit einem sehr gut durchdachten und interessanten Gedankenspiel, dessen Titel wahrlich Programm ist.
Dabei zeigt sich nun leider, dass die Autorin nicht weit weg von der Realität zu sein scheint. Dies allein macht ihr Buch sogleich erschreckender, denn so nach und nach scheint es sogar schlimmer zu werden, als sich die Autorin wohl in ihren kühnsten Träumen je erdacht haben konnte.
Hätte man ihr vor Jahren bei mancher Szene noch Unglaubwürdigkeit vorgeworfen, trifft sie nun mit Divided States Of America direkt in das aktuelle politische Herz. Erstaunlicherweise nicht nur in das Herz des amerikanischen Staates – spielen doch unsere europäischen Länder mittlerweile eine ganz ähnlich klingende Melodie.
Claudia Kern lässt ausreichend Freiraum für das verstärkte Auftreten des Rechtsradikalismus. Sehr deutlich schwingt das kleingeistige Denken von unzufriedenen Menschen mit, die gleichzeitig unbewusst von machthungrigen „Vorstadtnazis“ ausgebeutet werden und sich dabei auch noch einer Gruppe zugehörig fühlen.
Teilweise rast mir ihre Geschichte ein wenig zu schnell von Handlungsstrang zu Handlungsstrang – im Nachgang denke ich aber, dies könnte lediglich an dem Umstand liegen, dass man schlichtweg detaillierter über jeden einzelnen Aspekt lesen wollen würde.
Man kann sich nun mit diesem Buch gemütlich auf der Couch zurücklehnen und mit dem Hintergedanken „Ist ja weit weg dieses Amerika“ einfach einen weiteren politischen Thriller genießen.
Kann man, aber in diesem Fall funktioniert es leider nicht: „Divided States Of America“ spielt zwar mit den aktuellen Geschehnissen in den Staaten seit Auftreten dieses neuen Präsidenten – nichts desto trotz lassen sich viele ihrer beschriebenen Entwicklungen mittlerweile auch vor unserer eigenen Haustüre problemlos erkennen.
Alleine deshalb lohnt sich schon dieser gelungene Roman. Vielleicht schafft er es auch, manches Auge ein klein wenig zu öffnen…
Jürgen Seibold/28.08.2018

Divided States of America – KAUFEN BEI AMAZON

HYS098 – Urlaubsland mit S

Die neue Podcastfolge:

Boone, Ezekiel: Die Brut – Das Ende naht

Originaltitel: Zero Day
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©2018 Ezekiel Boone
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-03584-7
ca. 395 Seiten

COVER:

Die Menschheit befindet sich am Rande der Ausrottung. Die zweite Welle der Spinnen ist größer, schwieriger zu töten und noch schrecklicher, denn die Tiere kommunizieren untereinander. Die verzweifelte Reaktion des Militärs lässt nichts mehr übrig, was man retten könnte. Doch da ist noch ein Fünkchen Hoffnung: Dem genialischen Erfinder Shotgun ist es gelungen, die Kommunikation der Spinnen zu dekodieren. Das stärkste Signal kommt von den Nazca-Linien. Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Melanie Guyer und ihrem Team mach er sich auf den Weg nach Peru. Doch werden sie es schaffen, diese fürchterliche Bedrohung zu bekämpfen, bevor es zu spät ist?

REZENSION:

Mit „Die Brut – Das Ende naht“ liegt das Finale der dreibändigen Reihe vor.
Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden scheinen hier die Spinnen vorerst nur thematisch eine Rolle zu spielen. Die Auftritte der boshaften Killer kommen eher selten vor. Ezekiel Boone legt sein Augenmerk eher auf die politischen Begebenheiten, die durch die atomaren Versuche der Auslöschung der Spinnen durchweg angespannt sind.
Die Präsidentin scheint weiterhin sehr professionell und rücksichtsvoll zu agieren – während sich rabiatere Kontrahentin in Position stellen.
Durch diesen verstärkten Blick auf die Geschehnisse im und um das Weisse Haus gehen leider die in den ersten Bänden aufgetretenen Protagonisten etwas in den Hintergrund. Insbesondere Dr. Guyer scheint hier eher eine Nebenrolle zu spielen – zwar eine tragende, dennoch nicht mehr so präsent wie in den Vorgängern.
„Die Brut – Das Ende naht“ verliert auch ein wenig im Vergleich zu den ersten beiden Büchern. Die Spannung ist etwas abgeflaut, die Spinnen bieten natürlich keinen großen Überraschungseffekt mehr und durch den Fokus auf die Regierung lässt es sich auch nicht mehr so intensiv mitfiebern. Nichts desto trotz benötigt man natürlich diesen vorliegenden Abschluss, um der apokalyptischen Spinneninvasion ein gebührendes Ende zu bereiten.
Und ehrlich gesagt: Es macht trotz der oben genannten Gründen weiterhin Spaß, dieser Geschichte zu folgen. Boone schreibt rasant und sorgt für eine klare Unterhaltung. Das Thema „Spinnen“ war meiner Meinung nach schon seit Jahren nahezu totgetreten – Ezekiel Boone schaffte es, diesem „Horror“-Element ein wenig neues Leben einzuhauchen. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass man im Falle eines nationalen Problems nicht wirklich rundum von den folgenden Vorgehensweisen der zuständigen Regierungsmitglieder überzeugt sein kann. Somit auch noch ein dezenter Hinweis auf die Problematiken bei machthungrigen Menschen, deren Entscheidungen lediglich durch persönliche Motive geprägt sind.
Alles in allem ist diese dreibändige Reihe jedenfalls ein sehr erfrischender und im Großen und Ganzen durchweg unterhaltsamer Thriller, der zwar im Abschlussband etwas nachlässt, dennoch in seiner Gänze für durchweg unterhaltsame Stunden gesorgt hat.
Jürgen Seibold/29.07.2018

Die Brut – Das Ende naht – KAUFEN BEI AMAZON

HYS097 – rasenmähende Volksmusik

Die neue Podcastfolge:

Bardugo, Leigh: Das Lied der Krähen

Originaltitel: Six Of Crows
Aus dem amerikanischen Englisch von Michelle Gyo
Deutsche Erstausgabe Oktober 2017
©2015 Leigh Bardugo
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65443-9
ca. 585 Seiten

COVER:

Sechs unberechenbare Außenseiter – eine unmögliche Mission

Ein Dieb mit der Begabung, aus jeder Falle zu entkommen.
Eine Spionin, die nur „das Phantom“ genannt wird.
Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache.
Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben.
Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann.
Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff.

Höchst unterschiedliche Motive treiben die sechs Außenseiter an, die einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt befreien sollen. Kaz Brekker, Meisterdieb und Mastermind, ist nicht der Einzige, der Geheimnisse vor den anderen verbirgt – und natürlich steckt weitaus mehr hinter dem Auftrag, als die sechs „Krähen“ ahnen können …

REZENSION:

Es stellt sich natürlich die Frage, ob man – oberflächlich betrachtet -, einer Geschichte folgen möchte, deren einziges Ziel die Rettung eines Magiers aus einem Hochsicherheitsgefängnis ist.
Tja, dennoch hat es der erste Band von Leigh Bardugo auf nahezu sämtliche nennenswerten Buchlisten geschafft. Der Kelch sollte auch nicht an mir vorübergehen und somit widmete ich mich vorbehaltlos dem ersten Band dieser neuen Reihe.
Leigh Bardugo lässt eine sehr unterschiedlich gezeichnete Schar an Protagonisten an uns los. Alle dabei rundum detailliert vor des Lesers Augen ausgebreitet und mit den unterschiedlichsten Charakterzügen als auch Motivationen belegt. Allein dies sorgte – insbesondere durch die liebevolle Zeichnung und sehr eingängige Schreibweise – bereits dafür, mich als Leser die meiste Zeit bei der Stange zu halten.
Die Story selbst hielt ich dabei vordergründig ein wenig dünn und manchmal sehr dem Zufall überlassend konstruiert. Interessanterweise ist es aber in diesem Fall absolut kein Problem hier ein Auge zu zu drücken, da die einzelnen Erlebnisse sehr niveauvoll geschrieben sind und durch die jeweilige Handlung beinahe für sich selbst stehen können. Da spielt es dann schon fast keine Rolle mehr, dass der hauptsächliche Handlungsstrang etwas uninspiriert wirkt.
Das Buch von Bardugo lebt einfach durch die sehr flüssige Weise und dem außerordentlich interessanten Setting. Zusätzlich verliebt man sich in beinahe jede einzelne teilnehmende Figur und man kann allein deshalb schon nicht mehr loslassen.
Sicher, ab und an fragte ich mich, warum ich das Buch nicht einfach auf die Seite lege – spätestens dann gab es jedoch wieder ein liebevoll beschriebenes Seitenerlebnis, welches schlussendlich jeden dazugehörigen Gedanken problemlos auf die Seite schob.
„Das Lied der Krähen“ wird seinem guten Ruf gerecht und dementsprechend freue ich mich auf den Bachfolgeband. Erhoffe mir dabei dennoch einen etwas stärkeren Haupt-Handlungsstrang. Nichts desto trotz lässt sich „Das Lied der Krähen“ getrost empfehlen. Liebhaber von phantastischer Literatur – gemischt mit ein wenig Abenteuer – finden ausreichend Material innerhalb der Buchdeckel, um jede Seite genießen zu können.
Jürgen Seibold/27.07.2018

Das Lied der Krähen: Roman (Glory or Grave, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Sullivan, James A.: Die Granden von Pandaros

©Piper Verlag GmbH, München 2017
ISBN 978-3-492-70418-2
ca. 640 Seiten

COVER:

Cosima Amberson und John A. Glennscaul sind lebende Legenden. Als Gründer der mächtigen Schattenkonzerne Amberson Unbound und Glennscaul Unlimited werden die beiden Konkurrenten im ganzen All respektiert und gefürchtet – jedenfalls wurden sie das. Nachdem die beiden zwei Jahre lang auf einem defekten Raumfrachter im All festsaßen, haben sich die Machtverhältnisse im Weltraum geändert. Weder Cosima noc John können dies hinnehmen – auch wenn die beiden Erzfeinde dafür zusammenarbeiten müssen. Bei dem Diebstahl eines scheinbar harmlosen KI-Moduls geraten sie jedoch in das Visier eines mächtigen Gegners. Die beiden Konzernbosse müssen schnellstmöglich hinter das Geheimnis der KI kommen, um die Informationen zu ihrem Vorteil zu nutzen oder für immer unterzugehen.

REZENSION:

In James A. Sullivans neuestem Werk begeben wir uns in die ferne Zukunft. Die Galaxis wird von mächtigen Konzernen beherrscht.
Zusätzlich gibt es noch die Granden: Die machtvollen Lenker von intergalaktischen Schattenfirmen, die teils legal, teils illegal operieren. Wie sich sehr schnell herausstellt, sind die Granden oft mächtiger und angesehener als die Führer von „legalen“ Konzernen.
Cosima Amberson und John A. Glennscaul sind zwei konkurrierende Granden. Bereits seit frühester Zeit kämpfen sie erbittert gegeneinander, damit keiner jeweils die alleinige Vorherrschaft übernehmen kann.
Nach und nach lernt man in dieser Geschichte die eigentlichen Gründe für die Entstehung dieser Feindschaft kennen – diese ist auch nicht uninteressant, ein wenig klischeebeladen, dennoch zur Story passend.
Bereits am Anfang des Buches wenden wir uns diesen beiden zu: Erbittert bekämpfen sie sich auf einem defekten Raumfrachter. Während ihres Kampfes werden sie von ihren Begleitern verlassen und finden sich somit plötzlich allein auf diesem Frachter wieder. 2 Jahre hängen sie dort fest und müssen gemeinsam um ihr Überleben kämpfen.
Nach ihrer Rettung stellt sich sehr heraus, dass ihre Imperien übernommen worden sind. Gemeinsam versuchen sie nun, ihre Konzerne wieder zu altem Glanz zu führen.

Im vorliegenden Werk geht es unverzüglich rasant los. Die beiden Kontrahenten wirken in ihrer Darstellung durchweg interessant und lassen keinen Versuch außen vor, dem anderen eine Falle zu legen. Selbstverständlich werden sie durch die 2 Jahre auf dem Frachter ein wenig zusammengeschweißt. Diese Episode in Sullivans Werk strotzt vor interessanten Begebenheiten und einem furios eingewobenen Witz, der mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Leider wird dieser vermeintlich lange Zeitraum vom Autor viel zu kurzgehalten. Urplötzlich steht die Rettung vor der Tür und die wundervoll erzählte Episode auf dem Frachter findet ihr jähes Ende.
Schade, hierzu hätte er sich meiner Meinung nach noch länger und detaillierter auslassen können.
Aber was solls, die Story geht ja weiter. Ab diesem Augenblick wird die Geschichte so eine Art „Ocean’s Eleven“ im Weltraum. Ehrlich gesagt macht das auch relativ viel Spaß. Beide konkurrieren miteinander, wachsen aber – wie bereits geahnt – mehr und mehr zusammen. Die Handlung treibt rasant und ausreichend spannend nach vorne und die grundsätzliche Geschichte fand bei mir genug Anklang, um weiterhin am Ball zu bleiben.
Etwas außergewöhnliches ist „Die Granden von Panderos“ nicht wirklich. Dennoch handelt es sich um einen soliden SF-Unterhaltungsroman mit sehr interessanten Kontrahenten, bei denen man sich als Leser fast nicht entscheiden kann, wem man nun mehr Sympathie entgegenbringen soll.
Jürgen Seibold/27.07.2018

Die Granden von Pandaros: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Zimmermann, Cornelius: Rocking The Forest

©2017 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-29927-0
ca. 364 Seiten

COVER:

Iggy der Wolfmorf ist einer der begnadetsten Forest-Doom-Musiker im ganzen Müützelwald. Klar, dass er mit seiner Band, den Müützel Monotones, beim diesjährigen Rocking the Forest Band Contest unbedingt die „Goldene Dolde“ gewinnen will. Zu dumm nur, dass seine Bandkollegen ihn nur elf Tage vor dem Festival sitzen lassen.
Dem Wolfmorf bleibt nichts anderes übrig, als sich auf eine Odyssee durch den Wald zu begeben, um den erfolgreichsten und legendärsten aller Musikproduzenten zu finden: Blubb die Pfütze. Denn nur er kann Iggy helfen, seinen großen Traum zu verwirklichen. Dabei begegnet er allen möglichen und unmöglichen Wesen und zu allem Überfluss auch noch der allerschönsten und wunderbarsten Wolfmörfin der Welt, die ihm völlig den Kopf verdreht …

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Cornelius Zimmermann sorgte dafür, dass ich mich unbedingt diesem Werk widmen wollte. Der Verweis auf dem Buch, dass dieses Werk gut für Terry-Pratchett-Leser geeignet ist, erhöhte diesen Wunsch nur noch – sorgte aber natürlich auch für das Auftreten gewisser Erwartungen.
Bereits zu Beginn sorgt der Autor für einige Schmunzeleien während dem Lesen. Der unfreiwillige Abgang Iggys aus dem Proberaum bzw. –baum gefiel mir außerordentlich gut und war witzig als auch nachvollziehbar erzählt.
Die eingestreuten Fußnoten des Autors entsprechen dem oben genannten Vorbild. Gleichzeitig weiß man spätestens dann, dass es hier nicht um einen literarischen Höhepunkt gehen soll, sondern ausschließlich um eine humoristisch erzählte Geschichte.
Die weiteren Seiten – Iggy auf dem Weg – sorgten aber leider dafür, dass ich mich letztendlich doch dazu entscheiden musste, die weitere Lektüre aufzugeben. Ich bin mir aber immer noch nicht ganz sicher, woran das lag, glaube aber, dass ich entweder nicht zur expliziten Zielgruppe gehöre oder andere Gründe dafür ausschlaggeben waren. Hier fällt mir zum Beispiel die nach und nach auftretende Langatmigkeit ein – ebenso wie eine fehlende Spannung, die man aber durch einen konsequenten und strikten Vorwärts-Antrieb innerhalb der Story beheben könnte. Irgendwas hatte mir einfach gefehlt, um mich weiterhin auf Iggys Weg einzulassen.
Sicher, der Schreibstil ist absolut gelungen, Iggy als Figur durchweg sympathisch und man findet immer wieder einen Grund für ein Hochziehen der Mundwinkel – aber: ich verlor schlichtweg den persönlichen Halt an einer vorwärtstreibenden Handlung und somit an der Story selbst.
Das persönliche und notwendige Eintauchen in die Geschichte wollte einfach nicht gelingen.
Schade, da es viel mehr solcher Romane geben sollte und die grundsätzliche Idee doch recht witzig ist.
Jürgen Seibold/27.07.2018

Rocking the Forest: Ein Müützelwald-Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Lubbadeh, Jens: Neanderthal

© 2017 by Jens Lubbadeh
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31825-0
Ca. 526 Seiten

COVER:

Deutschland, Mitte des 21. Jahrhunderts. Kommissar Philipp Nix wird zu einem Tatort gerufen, der ihm einige Rätsel aufgibt. Das Gesicht der Leiche sieht seltsam unförmig aus, und auch der Körperbau des Toten wirkt eigenartig. Seit die Menschen bereits vor der Geburt genetisch optimiert werden, gibt es eigentlich keine Krankheiten oder gar Beheinderungen mehr. Der einzige Hinweis ist ein Link im Smartphone des Toten, der Nix in ein Tal in der Nähe von Düsseldorf führt – direkt zu einem Massengrab voller Knochen. Schon bald ist klar: Das sind keine normalen menschlichen Knochen. Als Nix den gehörlosen Anthropologen Max Stiller und dessen Kollegin Sarah Weiss dazuholt, stellen beide sofort zwei scheinbar unmögliche Tatsachen fest. Erstens muss es sich um Neandertaler-Knochen handeln Und zweitens sind diese Knochen nicht, wie zu erwarten wäre, fünfzigtausend Jahre alt, sondern nur dreißig. Wurden hier etwa Neandertaler geklont und dann getötet? Aber wozu? Plötzlich wendet sich das Blatt, und Kommissar Nix, Stiller und Weiss geraten selbst in Gefahr. Offenbar sind sie einem großangelegten Skandal auf der Spur, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Dort will man die Aufdeckung des geheimen „Projekts Neanderthal“ um jeden Preis verhindern. Aber so leicht lassen sich Nix, Stiller und Weiss nicht abschütteln. Eine gefährliche Jagd auf Leben und Tod nach dem mysteriösen Erbe der Neandertaler beginnt …

REZENSION:

Jens Lubbadeh entführt uns in seinem aktuellen Wissenschaftsthriller „Neanderthal“ in ein Deutschland der nahen Zukunft. Die Genetik hat scheinbar die letzten Hürden übersprungen und es ist ein Einfaches, sich sein Wunschkind zusammen zu stellen, bevor es final ausgetragen wird. Krankheiten spielen keine große Rolle mehr, Suchtprobleme ebenfalls abgeschafft. Das hohe Ideal herrscht vor, die Menschheit lässt sich darauf ein und treibt oberflächlich vor sich hin.
Wie so oft hat jede Errungenschaft auch seine Schattenseiten – obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich eine großartige Lust auf dieses perfekte Leben hätte. Aber darum geht es jetzt ja nicht. Die Menschen fühlen sich wohl und das ist scheinbar Hauptsache. Wie in nahezu jeder Errungenschaft – egal ob wissenschaftlich oder jegliche andere Ware – geht es auch hier um den schnöden Mammon. Irgendwo sitzen machtvolle Hintermänner, die entweder mehr Geld verdienen oder die schlichtweg ihre Macht weiter ausbauen möchten.
Auch im vorliegenden Buch geht es um diese Themen. Jens Lubbadeh erfindet definitif das Genre nicht neu – interessant ist seine Geschichte dennoch.
Ich glaube, ich habe mit diesem Buch zum allerersten Mal in meinem gesamten Leseleben einen gehörlosen Protagonisten in einer der Hauptrollen. Jens Lubbadeh hat dies wirklich sehr geschickt umgesetzt und nach und nach nimmt man Max nicht mehr als gehörlosen Menschen war. Erstaunlich gut erzählt.
Die Mischung aus wissenschaftlich angehauchtem Thriller mit einem klassischen Kriminalfall lässt die Story angenehm vor sich hertreiben. Als Leser fühlt man sich wie in einem recht guten Kinofilm unterhalten. Genau so funktioniert die Geschichte auch. Sie wirkt spannend und ist fundiert sowie detailliert ausgearbeitet dargelegt. Ich hatte meine Freude und fühlte mich auf interessante Art und Weise ausreichend gut unterhalten. Bei manchen Romanen reicht dies auch. Sicher, eine gewisse Botschaft ist vorhanden und sollte auch vorhanden sein. Dennoch muss nicht jedes Werk hochtrabend sein, sondern einfach den Leser bei der Hand nehmen und ihn etwas vom alltäglichen Geschehen abrücken lassen. Dies gelingt diesem Thriller und mehr hatte ich auch nicht erwartet.
Jürgen Seibold/08.07.2018

Neanderthal: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Rieks, Josefine: Serverland

© Carl Hanser Verlag München 2018
ISBN 978-3-446-25898-3
Ca. 170 Seiten

COVER:

Reiner ist Mitte zwanzig und arbeitet bei der Deutschen Post. Er sammelt Laptops und wird damit nicht nur zu einem Experten einer lange vergangenen Zeit.
Der schüchterne Computernerd wird auch zum Begründer einer Jugendbewegung, die sich auf Industriebrachen versammelt und das verklärt, was es früher wohl einmal gab – die Freiheit einer Gesellschaft, die alles miteinander teilt. Mit Hilfe einer Autobatterie gelingt es Reiner, eine Verbindung zu lange stillgelegten Servern herzustellen. Die Jugendlichen sehen, was seit Jahrzehnten keiner mehr gesehen hat: Das Internet.
Serverland erzählt von einer Zukunft, die sich anfühlt wie die Vergangenheit. Ein Romandebüt, das man mit weit aufgerissenen Augen liest.

REZENSION:

Als ich das Cover zu diesem Buch gelesen habe, war ich ohne jeglichen zeitlichen Verlust hin und weg von dieser Idee. Meine Gedanken drifteten ab in eine zukünftige Welt ohne Internet. Das Internet nicht nur abgeschaltet, sondern gar verboten. Diese Idee hat ungeahntes Potential für eine Dystopie der besonderen Art.
Als mich das Buch erreichte, war ich dann doch überrascht, dass es sich um gerade mal 170 Seiten handelt. Wie soll auf diesem begrenzten Raum eine Geschichte mit einer so weit gefassten und nahezu unbegrenzten Idee diese Vielzahl an Möglichkeiten abdecken?
Nun, gehen wir in Richtung Buch:
Eines Tages schafft es aber der Computernerd Reiner, mit Hilfe einer Autobatterie alte Server in einem Gewerbepark zum Leben zu erwecken. Die Dinge nehmen ihren Lauf und die Jugendlichen träumen von der angeblichen freiheitlichen Vergangenheit in der jeder jedes miteinander – zumindest virtuell – geteilt hat.
Ehrlich gesagt reicht dies schon als Erklärung – die Jugendlichen, welche sich in Folge dessen auf dem Areal breit machen scheinen irgendwie nichts weiter zu vollbringen, als von YouTube-Videos unserer Gegenwart überrascht und geplättet zu sein. Erstaunlich, welche Rolle das Musikvideo von Robin Williams übernimmt – dies nur, weil die Kids noch nie so etwas gesehen haben: Ein Mann tanzt umringt von Frauen und entkleidet sich bis auf die Knochen. Tja, das Video war schon sehr effektvoll produziert – aber als Beginn einer „Bewegung“?
Hätte SERVERLAND nicht die geringe Anzahl von gerade mal 170 Seiten innegehabt, ich hätte es schlichtweg abgebrochen. Bei 170 Seiten dachte ich mir, vielleicht kommt noch der eigentliche Sinn oder eine gewisse Moral dieser Geschichte.
Leider wurde ich durchweg enttäuscht. Der Schreibstil Josefine Rieks ist zwar eingängig und hätte durchweg Potenzial für interessante Bücher. Die vorliegende Geschichte war ihr aber scheinbar eine Nummer zu groß. Als etwas älterer Leser wird man das Gefühl nicht los, dass die Autorin schlichtweg zu jung für eine Welt ohne Internet ist und somit nicht durchdringend greifen kann, welche Auswirkungen ein gezwungenes Abschalten in der heutigen Zeit zur Folge hätte.
Darüber hinaus wird die Geschichte schlicht zu leicht erzählt. Allein der Gedanke, das Web ist seit Jahrzehnten nicht vorhanden – dennoch hat sich sonst absolut nichts technisch in dieser Welt getan? Das ist meiner Meinung nach nicht wirklich glaubwürdig. Josefine Rieks Welt wirkt (auch technisch) wie das Ende der 80er Jahre. Bei einem Zukunftsroman sollte zumindest ein klein wenig etwas vorangegangen sein. Insbesondere der Wegfall des Internets hätte ungeahnte Auswirkungen auf unser Leben. Allein das Verschwinden von zur Verfügung stehenden Informationen würde in manchen Ländern zu Ausschreitungen führen.
In Serverland scheint das Web lediglich aus YouTube zu bestehen.
Alles was somit bei diesem Buch übrigbleibt: Eine tolle Idee, ein guter Schreibstil, aber leider eine Geschichte ohne greifbare Botschaft, geschweige denn einer Handlung, die mich als Leser positiv überrascht und somit manches Auge zudrücken lässt.
Jürgen Seibold/07.07.2018

Serverland: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Ruff, Matt: Lovecraft Country

Originaltitel: Lovecraft Country
Aus dem Englischen von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube
© 2016 Matt Ruff
Alle Rechte der deutschen Ausgabe © Carl Hanser Verlag München 2018
ISBN 978-3-446-25820-4
Ca. 428 Seiten

COVER:

Atticus Turners Verhältnis zu seinem Vater Montrose war schon immer schwierig. Doch als der von einem Tag auf den anderen aus Chicago verschwindet, macht sich der zweiundzwanzigjährige Atticus wohl oder übel auf die Suche. Auch wenn Montrose` letzte Spur nach „Lovecraft Country“ in Neuengland führt, Mitte der fünfziger Jahre ein Ort der schärfsten Rassegesetze.
Zusammen mit seinem Onkel George, Herausgeber des Safe Negro Travel Guide, und Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus schließlich bis zum Anwesen der Braithwhites. Im alten Herrenhaus tagt der Adamitische Orden der Alten Morgenröte, eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe der junge Caleb Braithwhite nichts weniger als die Weltherrschaft anstrebt. Doch dafür braucht er Atticus, und nicht nur ihn.

REZENSION:

Matt Ruff legt mit seinem neuesten Werk „Lovecraft Country“ einen Roman vor, dessen Inhalt zwar durch einen gemeinsamen Faden zusammengehalten wird, dennoch vielmehr als Episodenroman zu betrachten ist. Es handelt sich dabei um mehrere Geschichten, die in ihrer Gänze problemlos als Roman funktionieren – somit ist „Lovecraft Country“ definitiv keine geschickt verpackte Kurzgeschichtensammlung.
Die Vorgehensweise erinnert etwas an die heutige Serienlandschaft: Einzelne Episoden, die in Richtung gemeinsames Ziel laufen, dabei von einer weiteren, übergeordneten und verbindenden Hauptrahmenhandlung verbunden werden.
Zeitlich befinden wir uns im Jahre 1954. Örtlich in den Vereinigten Staaten. Der Rassenhass ist auf seinem Höhepunkt und Matt Ruff nimmt dies sehr detailliert und geschichtlich korrekt in sein Werk auf. Als Leser sieht man sich konfrontiert von kuriosen Schwarz-Weiß-Gesetzen und vordergründig anständigen, weißen Bürgern, die sich ja nur um ihr Land kümmern.
Diese rassistischen Züge und Erlebnisse zwischen den Buchdeckeln regen unglaublich zum Nachdenken an – immer wieder stellt man sich die Frage, ob wir Menschen seit den 50er Jahren überhaupt etwas dazu gelernt haben…
Neben den eben erwähnten Themen erleben die Protagonisten natürlich noch erheblich mehr. Sie sind dabei konfrontiert mit einer rassistischen Loge, Geisterhäusern, Zauberern und sogar der Weg in fremde Welten bleibt nicht aus.
Matt Ruff lässt eine sehr interessante Ideenvielfalt auf den Leser los. Paart diese kuriosen Geschichten dabei beinahe nebenbei mit historisch korrekten Begebenheiten.
Am Stärksten ist sein Buch beim Auftreten des Rassenhasses – hier wird man direkt in die Welt der Protagonisten hineingezogen und man würde am liebsten das Wort erheben. Im Laufe des Buches lässt dieser Bereich etwas nach – als ob der Autor nun verstärkt seinen Fokus auf die eigentlichen Episoden legen musste.
„Lovecraft Country“ ist ein wahrlich gelungenes Werk auf hohem literarischen Niveau. Ich persönlich empfand etwa die erste Hälfte des Buches am Stärksten in seiner Aussagekraft. In der zweiten Hälfte sackte es etwas ab, konnte dennoch weiterhin ausreichend überzeugen.
Alles in allem ein wirklich interessant erzähltes Werk, bei dem man sich nicht ganz sicher ist, welcher Aspekt gruseliger ist: Die Horrorelemente oder der real existierende soziale Horror?
Jürgen Seibold/07.07.2018

Lovecraft Country: Roman – KAUFEN BEI AMAZON