Originaltitel: Nightfall
Aus dem australischen Englisch von Birgit Reß-Bohusch
Deutsche Erstausgabe Januar 2012
(c) 2011 Will Elliott
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: 2012 Piper Verlag GmbH, München
ISBN 978-3-492-26848-6
ca. 297 Seiten / € 12,99

COVER:

Für alle “Inception”-Fans ist dieser Roman das perfekte Kinoerlebnis im Kopf: Die Welt “Nightfall” ist ein Ort außerhalb von Raum und Zeit, an dem Geschöpfe ihr Unwesen treiben, die den schlimmsten Albträumen entsprungen zu sein scheinen. Als Aden hier erwacht, hat er nicht nur sein Gedächtnis verloren, sondern sein ganzes bisheriges Leben. Er ist in Nightfall gestrandet, einem Reich, das ihm fremd und doch unheimlich vertraut erscheint. Aden erfährt, dass er mit dieser Welt enger verbunden ist, als er ahnte – und dass Nightfall dem Untergang geweiht ist. Aden muss das Unmögliche versuchen: den Prozess umkehren und Nightfall retten …

REZENSION:

Will Elliott konnte mich mit seinem Debüt “Hölle” durch seine irrsinnige Geschichte bereits durchweg überzeugen. Aus diesem Grund war ich auch überaus erfreut, als sein neues Werk “Intrusion” auf den Markt kam. Den Genuss des Buches konnte ich beinahe nicht erwarten und somit widmete ich mich auch innerhalb kürzester Zeit dem als “Thriller für alle Inception-Fans” betitelten Werk.
Elliott begann auch wahrlich virtuos: Erneut lässt er einen Protagonisten etwas gänzlich wirres erleben. Wachte dieser doch nach einem Selbstmordversuch in einer neuen und aberwitzigen Welt auf. Hier lässt Will Elliott auch seine geniale Fantasie freien Lauf und er schafft es problemlos, verschiedene Genre auf einander prallen zu lassen. Immerhin findet sich sein Darsteller in einer Fantasywelt wieder und hat dort mit unterschiedlichsten Begebenheiten zu kämpfen.
So weit so gut, dies klingt alles absolut Blockbuster-fähig, wäre der Autor nicht irgendwie seinen eigenen Ideen davon gelaufen. Man hat mehr und mehr das Gefühl, dass die Story sich ins Unendliche verläuft und der Autor nur noch mit Mühe seinen Weg zum Ende führt.
Das Ende besitzt leider auch alleinstehend die ansonsten sehr geringe Dualität zu dem genannten Kinothriller – hinzu kommt, dass man bereits lange vorher mit einem Ende dieser Art rechnet. Somit kann durch diese Vorhersagbarkeit auch kein großer Aha-Effekt mehr aufkommen.
Ich bin mir nun nicht sicher, ob dies der Übersetzung geschuldet ist, oder ob der Autor einfach mit seiner eigenen Idee überfordert war.
Durch “Hölle” erwartete ich erheblich mehr, sticht Elliott doch dadurch bereits als gänzlich neu gearteter Autor  aus der Masse heraus – mit “Intension” hat er leider sehr viel von diesem zarten Pflänzchen eines gelungenen Rufes wieder in die Weiten der Vergessenheit gelegt.
Schade – mit ein wenig mehr Esprit wäre das sicherlich ein sehr gelungener Roman geworden.
Jürgen Seibold/07.01.2012

Intrusion KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
(c) 2011 Ransom Riggs
Für die deutschsprachige Ausgabe:
(c) 2011 PAN-Verlag
ISBN 978-3-426-28368-4
ca. 416 Seiten / € 16,99

COVER:

Gerade als ich mich an den Gedanken gewöhnte, dass dieses Leben keine Abenteuer für mich bereithalten würde, geschah etwas Seltsames. So wie alles, was einen für immer verändert, teilte es mein Leben in zwei Hälften: vorher und nachher. Und wie bei so vielen der außergewöhnlichen Dinge, die sich noch ereignen würden, war mein Großvater darin verwickelt.

Der Schock trifft Jacob vollkommen unvorbereitet: In einem kleinen Wald findet er seinen tödlich verwundeten Großvater – und meint für einen kurzen, schrecklichen Moment, ein Monster im Unterholz zu sehen. Seine Eltern und ein Psychiater versichern ihm, dass er sich dies nur eingebildet hat, und schließlich ist Jacob bereit, ihnen zu glauben. Doch dann beginnen sich die Hinweise darauf zu mehren, dass Abrahams Schauergeschichten möglicherweise alles andere als erfunden waren. Gibt es auf einer Insel vor der Küste Englands vielleicht immer noch ein Heim für “besondere” Kinder? Jacob macht sich auf die Suche danach – und entdeckt mehr, als er jemals für möglich gehalten hätte …

REZENSION:

Was gibt es schöneres, als an den Lippen des Großvaters zu hängen und dessen märchenhaften Geschichten zu lauschen? Überhaupt ist die mündliche Erzählung von Erwachsenen durchweg interessant und besitzt eine eigene phantastische Energie. Was jedoch, wenn die ganzen Geschichten nicht nur das Hirngespinst eines Erwachsenen zur Unterhaltung der Kinder sind, sondern sich mehr und mehr herausstellt, dass jede Kleinigkeit der Wahrheit entspricht?
Dieser Gedanke streifte wohl Ransom Riggs und er erschuf damit seinen Debutroman „Die Insel der besonderen Kinder“.
Bereits die Betrachtung der sehr schönen Ausgabe führt zu reinen Gedankenspielen des potenziellen Lesers: Auf dem Cover ein schwebendes Mädchen und im Buch noch eine Vielzahl an Fotografien, deren Mystik man sich nur schwer entziehen kann.
Nun, Bilder gibt es oft in Büchern – hier spielen sie jedoch eine absolut eigenständige und exakt integrierte Rolle: Sobald zum Beispiel eine Person näher beschrieben wird, erscheint auf der Folgeseite das dazugehörige Bild. Dies gibt dem Roman noch eine zusätzliche Tiefe, da man dem Buch entnehmen kann, dass es sich bei diesen Fotos durchweg um reale Bilder handelt.
Die Geschichte um die Entdeckung als auch den Geschehnissen auf der „Insel der besonderen Kinder“ besitzt überwiegend eine wohlige Düsterniss, die für eine dezente Gänsehaut sorgt. Dies legt sich zwar ein wenig in Richtung Ende des Buches, nichts desto trotz kann diese Kleinigkeit keinesfalls mehr für eine Herabsetzung des Buches sorgen. „Die Insel der besonderen Kinder“ ist ein sehr schön gestaltetes Jugendbuch mit einer sehr niveauvollen Geschichte, die zum Nachdenken anregt und dabei mit einem sehr hohen phantastischen Anteil das unvermeidliche Erwachsenwerden zu verzögern versucht. Personen ohne kreative Gedankengänge sollten die Finger von diesem Buch lassen – jeder, der jedoch noch ein klein wenig Kindheit als auch Fantasie in sich hat, wird mit absoluter Sicherheit nicht vom Inhalt dieses beindruckenden Buches enttäuscht werden.
Jürgen Seibold/19.12.2011

 

Die Insel der besonderen Kinder KAUFEN BEI AMAZON

Originalausgabe 2011
(c) 2011 Deutsche Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-24892-1
ca. 240 Seiten / € 14,90

COVER:

Anruf von der PI Landshut beim Eberhofer Franz. Dr. Küster, zu fünfzehn Jahren Haft wegen Mordes verurteilt, ist aus dem Gefängnis entflohen und muss rasch wieder eingesammelt werden. Doch obwohl der Franz dem Küster quasi schon auf der Spur ist, geschehen merkwürdige Dinge in Niederkaltenkirchen: Das halbe Dorf wird nach dem Verzehr von Omas Rotweinkuchen im Krankenhaus eingeliefert, Termiten belagern das Büro vom Franz, und wer ist bitte dieser “Cousin”, mit dem die Gattin des Richters in Bad Wörishofen gesehen wurde? Dem Franz wird der ganze Stress zu bunt, und so macht er sich auf an den Gardasee. Währenddessen läuft Dr. Küster noch immer frei herum …

REZENSION:

Wissens, ich bin ein reinrassiger Oberbayer und hab so meine eigenen Erfahrungen mit den dramatischen Geschehnissen in den Käffern dieser Welt. Nun wunder ich mich natürlich schon ein bissal, warum so viele Kritiker die Bücher von der Rita Falk so hinstellen, als ob sie uns Bayern damit was antun möchte. Ehrlich gsagt, versteh ich des net, weil, ich überleg schon andauernd, ob des jetzt nun eine Situationskomik ist oder ob des einfach nur die Wahrheit ist – Wissts Leut: genauso geht’s zu in den Dörfern des Südens! Hier is einfach die Welt noch a bissal anders aber trotzdem schwer in Ordnung!
Somit kann auch der dritte Band um den kriminaltechnischen Oberspezialisten Franz Eberhofer uneingeschränkt empfohlen werden. Der Witz ist zwar nicht mehr ganz so reinfliegend, wie im zweiten Band – aber es gibt noch genug Momente, auf die man aufmerksam machen sollte: z.B., wie der Pfarrer vom Franz rausgeschmissen wird, weil die Oma zum Ersten nicht stirbt und außerdem dann ausgstopft auf’d Couch kommt oder gar der Italien-Trip, die Wallfahrt, der … und die.. und noch … außerdem … ach ja… und dann auch noch ….
Aber: Lass’ma des einfach, lests des Buach und ich verweis hiermit auf eine Co-Autorin, die direkt aus dem tiefsten Niederbayern kommt, das Buch glesn hat und mir eine kurze Kritik dazu geschickt hat:

Einwandfreies Buch, da gibt’s nix zu deuteln. Fast so gut wie der Kartoffelsalat von der Oma.Die Handlung? Ja mei, ein niederbayerischer Provinzkrimi halt, aber auf die Handlung kommt’s ja eigentlich auch gar nicht an. Vom Witz her ist es eher ein bisserl schwächer wie die zwei Vorgänger, aber immer noch einwandfrei und ein echter Schenkelklopfer. Da würd ich sogar den Schweinsbraten von der Oma dafür stehenlassen….. Oder das Rahmgulasch…. Oder die Leberkäs-Semmeln vom Simmerl.
Jürgen Seibold feat. Andrea Dalle Molle / 16.12.2011

 

Schweinskopf Al Dente KAUFEN BEI AMAZON

1. Auflage 2011
(c) by WOA Verlag, Zürich
ISBN 978-3-9523657-2-4
ca. 255 Seiten / € 19,90

COVER:

“Es war eine weitere unsterbliche Melodie von Albert. Und doch war sie sterblich, denn mit ihm würde auch sie die Welt auf immer verlassen. Es war Alberts Todesmelodie, sein Requiem. Es war gut. Teuflisch gut.”

Albert Leblanc führt ein trostloses Leben als Koch in der verrauchten Dorfbeiz von Rechthalten. Ständig wird er vom Wirt erniedrigt und von betrunkenen Gästen verhöhnt, Anerkennung erhält er kaum. Die wenigen Freuden in seinem Alltag sind das Gitarrenspiel, der Absinth – und die Serviertochter Mona, die ihm als einzige etwas Sympathie entgegenbringt.

In einsamen Momenten hängt er immer öfter morbiden Gedanken nach. Er beschliesst, in vier Tagen all den Bosheiten ein Ende zu setzen. Albert macht sich an sein schauriges Werk …

Ob sich heute in Rechthalten noch jemand an Albert Leblanc zu erinnern vermag? Wer seinerzeit regelmässig in die Wirtschaft pilgerte, wird sich womöglich noch ein Bild seiner schmächtigen Gestalt machen können. Es würde allerdings nicht erstaunen, wenn er vollends in Vergessenheit geraten wäre. Dies ist seine so verwegene wie tragische Geschichte.

REZENSION:

Durch einen eher als Zufall zu betrachtenden Umstand erreichte mich “Flucht eines Toten”  - ein unbekanntes Werk eines mir unbekannten Autoren. Darüber hinaus scheint die Beschreibung so gar nicht zu meinen persönlichen Vorlieben zu passen. Nichts desto trotz versprach ich die Lektüre und musste mich somit diesem Buch widmen.
Interessanterweise wurde ich in einen Roman gezogen, der bedrückender aber auch interessanter nicht sein konnte.
Ich verfolgte die Geschichte einer Person, die nur von Trostlosigkeit getrieben von Tag zu Tag lebte. Sehr unscheinbar verdingte er sich als Koch und war lediglich dem Hohn und Spott seiner Mitbürger ausgesetzt.
Innerhalb kürzester Zeit versteht man seinen Drang nach einem Abschluss dieses unwerten Daseins. Albert Leblanc, der Hauptdarsteller dieser Geschichte, machte sich daran, seine letzten Tage zu planen. Ironischerweise funktioniert sein Ableben nicht – und er muss sich als vermeintlich Toter auf die Flucht machen…
David Bielmann schreibt auf virtuose Art und lässt den Leser über die Schulter Albert Leblancs schauen. Sein erster Teil – bis zum “Ableben” Alberts – trieft förmlich vor Depression; komischerweise kann man sich als Leser trotz der drückenden Stimmung dem weiteren Geschehen in keiner Weise entfliehen.
Die weiteren Erlebnisse Albert Leblancs entwickeln sich beinahe zu einem Roadmovie in dem jemand nach und nach mehr Lust zum Leben entwickelt – natürlich nicht, ohne weitere Schicksalsschläge der besonderen Art zu erleben.
Bielmann erzählt dies alles in einer unglaublich farbigen Sprache und baut sehr geschickt dezente Spannungsbögen ein. Im Großen und Ganzen entstand hierbei eine Geschichte voll Dramatik, Depression aber auch viel Liebe, die zart wie eine Knospe aufgeht und doch die Dornen nicht vermissen lässt.
Ganz nebenbei hält uns David Bielmann einen Spiegel vor Augen: Ist es nicht oft so, dass man durch unbedachte Äußerungen anderen Menschen Schmerz zufügt? Ist es dann nicht zu spät für Reue, wenn man am Grab dieser Person steht?
“Flucht eines Toten” war für mich eine gänzlich andere Art der üblicherweise konsumierten Literatur – trotzdem ist es ein ganz besonderes Buch das nach Möglichkeit nicht in der Masse des Marktes untergehen sollte. Ich kann es jedenfalls definitiv nur empfehlen!
Jürgen Seibold/11.12.2012

Flucht eines Toten KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Robocalype
Aus dem Amerikanischen von Markus Bennemann
(c) 2011 by Daniel H. Wilson
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe bei Droemer Verlag.
ISBN 978-3-426-22600-1
ca. 462 Seiten / € 16,99

COVER:

Mobiltelefone, Verkehrsampeln, Navigationssysteme – was geschieht, wenn sich diese stummen Diener mit tödlicher Präzision gegen uns wenden?

Der Wissenschaftler professor Wasserman experimentiert mit einer überlegenen künstlichen Intelligenz – bis zu dem Tag, an dem sie sich nicht mehr löschen lassen will: ARCHOS entkommt aus dem Labor und übernimmt die Kontrolle über sämtliche Maschinen auf der Welt.
Zunächst gibt es nur wenige Anzeichen dafür, in welcher Gefahr die ahnungslose Menschheit schwebt, doch schon nach kurzer Zeit regieren Chaos und Vernichtung. Und doch gibt es Hoffnung, denn selbst der überlegenste Computer kann nicht berechnen, zu was Menschen fähig sind, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen: Sie formen neue Allianzen. Sie wachsen über ihre Grenzen hinaus. Sie formieren sich zum Gegenschlag. Zu ihnen gehören ein Hacker aus London, eine mutige Mutter aus Amerika, ein Soldat in Afghanistan und ein alter Japaner, dessen stille Trauer um seine Frau ungeahnte Folgen hat …

REZENSION:

Bücher, in denen künstliche Intelligenz die Macht zu ergreifen sucht, gibt es sicherlich mittlerweile wie Sand am Meer – zeigt dieses Thema doch die Ur-Angst des Menschen, der schon des öfteren gezeigt hat, das seine Rasse der Ursprung für manches Übel ist. Da liegt es nur nahe, dass diese Angst auch auf die Erschaffungen des technischen Zeitalters übergreift und manch Autor dies thematisiert.
Als mich Robocalypse erreichte, dachte ich sogleich an ein sehr spannendes Werk aus den 90ern, das bei uns leider eher nicht beachtet worden ist: Die Deus Maschine des französischen Autors Pierre Ouellette, in dem unter anderem bereits ein Rechner das Zepter übernehmen wollte.
Glücklicherweise ist Daniel H. Wilsons Buch kein Abklatsch – weder des oben genannten Buches, noch eines anderen. Wilson geht in seiner Erzählung gänzlich anders vor. Zum Einen spielt er zeitlich in einer nicht näher datierten Zukunft, womit er sich die Freiheit nehmen kann, technologisch auf einem höheren Niveau zu arbeiten – zum Anderen erzählt er in Rückblenden, was der Geschichte nur noch mehr Dramatik verleiht.
Seine Erzählung beginnt am Ende des Widerstandes der Menschen gegen die Maschinen: Der Soldat Cormack Wallace, ebenfalls Widerstandskämpfer, findet eine Datenbox mit den Aufzeichnungen, die zur gesamten Sicht des Widerstandes. Durch diese Vorgehensweise kennt man zwar bereits das Ergebnis des Widerstandes – jedoch kann der Autor dadurch mit Leichtigkeit unterschiedlichste Erzählstränge ausbreiten und muss sich nicht auf einzelne Protagonisten fixieren. Diese Vorgehensweise führt jedoch auch zu einer sehr “kalten” Art des Erzählend – was jedoch den Inhalt der Story nur noch verstärkt – wer ist kälter, als eine rücksichtslose Maschine auf der Jagd nach der endgültigen Herrschaft?
Interessanterweise lässt der Autor aber auch der Maschine einige Türen offen und man ist versucht, sie das ein oder andere Mal zu verstehen: Ist doch ihr Ursprung von Menschenhand erschafft und ihr Ziel doch auch prinzipiell von einer positiven Grundsubstanz geleitet – möchte sie doch einfach nur die Welt von den zerstörerischen Menschen retten und der Natur die Erde zurückgeben.
Dieser latente, ökologische Touch sorgt zwar ein wenig für Verständnis, doch was ist mit den Vernichtungswellen, die die Maschine dafür übernimmt? Hat der Mensch trotz seiner Eigenheiten nicht doch das Recht, die Erde ebenfalls zu bewohnen? Kann man ihm wirklich nicht anders helfen als mit der völligen Zerstörung?
Nun, ich möchte hier nicht philosophisch werden – nichts desto trotz handelt es sich in Wilsons Roman um einen ironischen Seitenhieb auf die Menschen, deren Kreativität zur eigenen Vernichtung führte.
Dieser bedrückende Umstand dreht sich natürlich im Laufe des Buches. Man möchte den Widerstand begleiten und es ist erstaunlich unter wie viel verschiedenen Facetten und unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Personen der Autor diesen formiert. Alles führt zum Endkampf in der Kälte des Eises und man erkennt sehr schön das technische Wissen des Autors und seine eigene Affinität zur Robotik.
Alles in allem ein Thriller, der sehr kalt erzählt ist und nur vereinzelt den Fokus auf sympathische Personen wirft. Trotzdem – oder gerade deswegen – ein sehr spannend erzählter Plot, der uns abermals die Gefahren vor Augen legt.
Jürgen Seibold/06.12.2011

Robocalypse: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: The Hollow City
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe Oktober 2011
(c) 2011 Dan Wells
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: 2011 Piper Verlag GmbH, München
ISBN 978-3-492-26858-5
ca. 448 Seiten / € 12,99

COVER:

»Mein Name ist Michael, und ich habe Visionen. Von gesichtslosen Monstern, die mich verfolgen. Doch die Visionen sind mein geringstes Problem: Denn einige der Monster sind real. Und ich weiß nicht, welche … «

Mit »Ich bin kein Serienkiller« gelang dem jungen US-Autor Dan Wells ein Überraschungserfolg, der die Grenzen zwischen Thriller und Fantasy sprengte. Nun erzählt Dan Wells eine ganz neue Geschichte: Michael erwacht in einem Krankenhaus. Was ist in den letzten zwei Wochen geschehen? Er erinnert sich nicht. Er weiß nur, dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt. Denn er sieht Monster. Er hört fremde Stimmen in seinem Kopf. Die Ärzte behaupten, er habe Wahnvorstellungen. Doch Michael weiß es besser. Die Monster sind real. Sie verfolgen einen dunklen Plan. Und wenn er den Kampf gegen sie aufnimmt – wer wird zuerst sterben?

REZENSION:

Dan Wells entwickelte sich mit seinen Büchern um John Wayne Cleaver zu einem Garant, der mühelos Genregrenzen übertritt und verwischen lässt.
Nun legt er mit “Du stirbst zuerst” einen neuen Thriller vor, der so gar nichts mit seinen früheren Werken aus thematischer Sicht zu tun hat.
In “Du stirbst zuerst” lässt Wells den Leser teilhaben an einer Person, die von Wahnvorstellungen (oder ist es gar die Wirklichkeit?) getrieben auf der Suche nach Erkenntnissen ist, um nicht als Serienkiller gebrandmarkt zu werden – ist er doch sicher, die Morde des Wellnesskillers nicht verübt zu haben.
Abermals treten wir als Leser in einen absolut spannenden Plot ein, in dem uns der Autor über die Schulter des Protagonisten schauen lässt. Man ist schier gefesselt, ob der geistigen Vorstellungen Michaels und dessen Suche nach Wahrheit. Nebenbei werden die typischen oberflächlichen Vorgehensweisen der am lebenden Objekt forschenden Ärzte an die Wand gestellt – sind sie doch viel zu schnell mit Psychopharmaka auf der “heilenden Spur” ohne dem Patienten eine echte Chance der Entfaltung zu bieten. Viel zu oft geht es um das reine “Stillstellen” des Patienten – klingen seine Erzählungen doch lediglich phantastisch und können nicht real sein.
Doch sind diese auf der richtigen Spur? Ist nicht vielmehr der Patient der einzige, der die Wahrheit kennt? Und schon bewegen wir uns in einem Strudel voll Wahrnehmungen, Wahnvorstellungen, Gedanken und der Sorge, doch der Serienkiller zu sein.
Man kann sich dem nicht entziehen, da man vom Autor an die Hand genommen wird und man durch die Irrungen und Wirrungen eines vermeintlich kranken Gehirns die weitere Geschichte nicht vorhersehen kann.
Zum Ende hin zeigt Wells erneut, dass er keinen Deut auf Genreabgrenzungen gibt und führt ein Ende ins Feld, das sicherlich nicht jedem Leser einen befriedigenden Abschluss gibt. Nichts desto trotz hat er erneut einen spannenden Plot geschrieben, der zwar nicht ganz seinen früheren Plots entspricht aber dennoch problemlos überzeugen kann.
Nur weiter so…
Jürgen Seibold/06.12.2011

Du stirbst zuerst: Thriller KAUFEN BEI AMAZON

(c) 2011 Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-426-64714-1
ca. 144 Seiten / € 16,99

COVER:

Professionelle Anleitung von den Dozenten der Comicademy

Comic? Manga? Klassisch? Animiert? Spielt das eine Rolle?
Nein. Nicht wenn man das Handwerk des Grafik-Designers wirklich beherrscht und seinen eigenen Stil findet.

- Die Topdozenten der Comicademy vermitteln unterschiedliche Herangehensweisen zur Erschaffung eines einmaligen Charakters.
- Pink Princess, Fantasy Zauberer, Superheld und Monster-Force – 4 Design Cases, anhand derer man auf leichte Art und Weise lernt, Charaktere zu entwickeln und zu zeichnen.
- Von den “Seelenbausteinen” des Charakters bis zu der harmonischen Eingliederung in seine Umwelt.
- Zahlreiche Tipps, klare und detaillierte Anleitungen führen zu professionellen Ergebnissen

Eigene Charaktere entwerfen, ihnen eine Seele geben und sie zum Leben erwecken.

REZENSION:

Mit diesem “Sachbuch” erreichte mich ausnahmsweise mal ein Buch, das so gar nichts mit den üblichen Genrevorgaben der Hysterika zu tun hat. Nichts desto trotz nahm ich mir die Zeit, hierin nicht nur zu Blättern, sondern gar den Inhalt auf mich wirken zu lassen.
Selbst ein absoluter Zeichen-Laie wie ich wurde durch den Inhalt auf interessante Weise ein wenig klüger. Sofort dachte ich an meine frühere Zeit, als ich das ein oder andere Mal meine Zeit mit dem Zeichnen vertrieben habe. Sicher, diese Tätigkeit war nicht von Erfolg gekrönt – es ist aber trotzdem ein schönes Hobby, dessen kreative Freiheit schier grenzenlos ist.
Das vorliegende Buch wendet sich jedoch eher an den ambitionierten und fortgeschrittenen Zeichner. Es wird zwar auch auf die Materialien kurz eingegangen, dann jedoch sehr schnell der Fokus auf das charakterliche Bild der Figuren geschwenkt.
Wer ein Buch zum Erlernen der grundsätzlichen Fähigkeiten sucht, ist hier eher bei der falschen Adresse – sucht man jedoch den nächsten Level mit erheblich mehr hochwertigem Inhalt, ist man bei dem Werk der einzigen Comic-Akademie Deutschlands gut aufgehoben. Man findet wahrlich viele professionelle Praxistipps, die zumindest helfen, den eigenen Wissensstand als auch Level auf eine neue Ebene zu heben.
Jürgen Seibold/06-12-2011

Zeichnen und Entwerfen mit der Comicademy KAUFEN BEI AMAZON

Sonderausgabe
ISBN 978-3-492-70239-3
(c) Piper Verlag GmbH, München
(c) der Einzelbände Piper Verlag GmbH, München 2006, 2007, 2008
ca. 1.592 Seiten / € 20,–

COVER:

Erdwelt scheint dem Untergang geweiht – das einst friedliche Reich der Orks, Elfen und Menschen ist entzweit, und ein uralter Feind wartet nur auf den richtigen Moment, um seine grausamen Truppen zu vereinen und die Macht über Erdwelt an sich zu reißen. Wenn nicht … ja, wenn nicht Balbok und Rammar wären, die faulsten Orks des ganzen Stammes, die eigentlich nichts im Sinn haben, als bei Blutbier und Gnomengulasch in den Tag hineinzuleben. Ausgerechnet sie müssen die Welt retten – und das gleich drei Mal! Denn dieser Band vereint alle drei Romane um Balbok und Rammar erstmals komplett zum absoluten Bestpreis. Ein Feuerwerk für alle Ork-Fans!

REZENSION:

Kurz nach dem glorreichen Versuch, die “Herr der Ringe”-Saga auf Leinwand zu bringen, stampften plötzlich alle möglichen Gestalten dieser sagenumwobenen Welt auf den geneigten Käufer zu und gingen hinterrücks davon aus, dass sich jeder nun auf dem Markt befindliche Artikel zu kaufen lohnt. Das dem so ist, dies konnten nur wenige “Trittbrettfahrer” dieser Post-Film-Ära zeigen. Nichts desto trotz gab es einige Produkte – insbesondere in schriftlicher Form – die sich definitiv nicht hinter irgendeinem Film verstecken mussten – geschweige denn dem fulminanten Ursprung, der erst für die Ausarbeitung eines millionenschweren Blockbusters geschrieben werden musste.
Nun gab es also Bücher über Elben, über Zwerge und so weiter und so weiter…
Nur ganz wenige schnappten sich die übelsten Gestalten und versuchten ihnen ein neues Gesicht zu geben – ohne dabei ihrer ureigenen Art untreu zu werden. Einer davon ist Michael Peinkofer, der sich bereits vor einiger Zeit den Orks annahm und am Ende eine sehr erfolgreiche Trilogie mit zwei sehr interessanten Gestalten aufweisen konnte.
Es handelt sich hierbei um Rammar und Balbok, zwei Orks aus Tod und Horn, die unterschiedlicher nicht sein können und dabei dummerweise auch noch Brüder sind.
Peinkofer machte es sich jedenfalls nicht allzu einfach und ließ die beiden nicht nur von Kampf zu Kampf jagen – dies würde zwar ihrer Bestimmung entsprechen, aber als Leser lässt man dann schnell von der Lektüre ab…
In seinen drei Werken ist erfreulicherweise genau das Gegenteil geschehen: Hier macht jede Seite ob des Ideenreichtums Spaß! Peinkofer erzählt mit unglaublich viel Witz und führt uns durch eine fantastische Welt in der plötzlich alle möglichen Feinde zueinander finden und für den Frieden kämpfen. Die beiden Orks sind dabei eher auf der Jagd nach Schätzen und können ihre dabei entstehende Rolle beinahe selbst nicht glauben.
Nebenbei erwähnt ähneln seine beiden Protagonisten nicht nur der Gestalt wegen einem absolut genialen Traumpaar: Stan Laurel und Oliver Hardy! Ich weiß nicht ob es Absicht war, aber in seinen Büchern ist so ganz nebenbei eine nicht zu verachtende Hommage an diese beiden Künstler aus der S/W-Ära entstanden.
Ich bin jedenfalls sehr froh, diese 1.600 Seiten in einem Schwung gelesen zu haben. Endlich mal wieder ein durchweg überzeugendes Epos, dass sich selbst nicht zu ernst nimmt und dadurch den Leser ohne Einschränkungen zu unterhalten weiß. Bei mir ist jedenfalls dieser Sammelband ganz nach oben in meine gedankliche Riege der Lieblingsbücher gestiegen!
Herr Peinkofer: Weiter so!
Jürgen Seibold/30.10.2011

Orks: Die komplette Saga KAUFEN BEI AMAZON

ISBN 978-3-492-70197-6
(c) Piper Verlag GmbH, München 2011
ca. 652 Seiten / € 15,99

COVER:

Die Albae Sinthoras und Caphalor sehen sich beinahe am Ziel ihrer dunklen Pläne: Das Geborgene Land, die Heimat der Zwerge, wird von der Armee aus Trollen, Barbaren und Albae erobert. Die Länder der verhassten Elben sind zum Greifen nahe. Aber bald schon schwindet der Halt unter den Verbündeten, und die Gier siegt über den Gehorsam. Dazu droht Sinthoras und Caphalor neues Unheil. Denn es erscheint ein unerwarteter, bezwungen geglaubter Feind vor dem Reich der Albae – während die besten Krieger im Geborgenen Land kämpfen und die Heimat der Albae dem Gegner nahezu schutzlos ausgeliefert ist …

REZENSION:

Nach dem Genuss des ersten Bandes über die Albae wollte ich ohne jeglichen Hauch einer Atempause in das weitere Vorgehen dieser Geschichte eintauchen. Leider hat sich Markus Heitz hier etwas Zeit gelassen und somit musste man als geneigter Leser mal locker zwei Jahre bis zur weiteren Erkundung der Geschehnisse um die Albae warten.
Nun liegt mit “Vernichtender Hass” der Nachfolgeband vor und es stellt sich mir während der Lektüre mehrmals die Frage, ob die zwei Jahre “Pause” den Legenden gut getan hat.
Markus Heitz ist durch seinen Output der vergangenen Jahre so etwas wie ein Lieblingsautor meinerseits geworden – ich freue mich über jedes Werk das über meine Schwelle kommt und den Namen des Autors trägt. Somit musste ich natürlich auch ohne jegliche Verzögerung in die Folgegeschehnisse um Caphalor und Sinthoras eintauchen. Irgendwie konnte die Geschichte aber bei weitem nicht die sehr hoch angelegte Latte des ersten Bandes erreichen. Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, das Markus Heitz hierin zu viel einbauen wollte und ein wenig die Vorgehensweise links liegen ließ, die für seinen bisherigen Erfolg sprach.
Als Leser führen zu viele Sprünge zwischen zu vielen vermeintlichen Hauptdarstellern zu Irritationen, da man sich mit keiner Figur durchgehend beschäftigen und unter Umständen sogar identifizieren kann. Dadurch verliert man als “Abendleser” des öfteren den Faden beziehungsweise die notwendige Verbundenheit zu den Personen. Im Gegensatz dazu konnte der erste Band hier durchweg überzeugen – stellt sich die Frage, warum Heitz hier nachgelassen hat.
Des weiteren befindet sich die Geschichte in einer Welt, die vom Autor erschaffen wurde aber leider nicht detailliert dargelegt wird – bei seinem Epos zu den Zwergen lernt man zwar das Geborgene Land kennen – aber nicht jeder Leser kennt diese Geschichte und somit bewegen sich die Albae in einer nicht nachvollziehbaren oder nicht vor des Lesers Augen entstehenden Welt. Natürlich handelt es sich hier um einen Fantasyroman und jeder könnte sich selbst ein Bild dazu erschaffen – aber gerade dies ist doch ein Garant für gute Geschichten, wenn man vom Autor ein klein wenig an der Hand genommen wird.
Alles in allem handelt es sich bei “Die Legenden der Albae – Vernichtender Hass” um einen Roman, der zu unterhalten weiß. Leider nichts darüber hinaus. Dadurch hat sich bei mir im Vergleich zum ersten Band und vielleicht auch der entstandenen Erwartungshaltung in den vergangenen zwei jahren ein wenig Enttäuschung breit gemacht.
Jürgen Seibold/17.09.2011
Die Legenden der Albae – Vernichtender Hass KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Shadowman
Aus dem Englischen von Axel Merz
Deutsche Erstausgabe:2006
©  2006 by Cody McFadyen
© 2006 by Bastei Lübbe GmbH & Co.KG
ISBN978-3-404-15853-9
476 Seiten / € 8,99

COVER:

Nach dem Mord an einer Freundin folgt FBI-Agentin Smoky Barrett der Fährte des Killers. Doch die Spuren, die der eiskalten Serienmörder hinterlässt, sind so blutig, dass ihr ganzes Können gefragt ist. Die Zeit arbeitet gegen sie und mit jedem neuen Verbrechen gelant Smoky zu einer erschreckenden Erkenntnis: Der Mörder möchte sich einen  Traum erfüllen – einen Traum, der für viele zum Albtraum werden könnte….

REZENSION:

Die Blutlinie ist das zweite Buch, das ich von Cody McFadyen gelesen habe und ich bin nach wie vor begeistert… gut, man muss zugeben dass es die Bücher in sich haben…. ebenso dieses hier….
Hier jagt die Protagonistin, deren Privatleben immer in die Fälle verwickelt ist, einen Serienmörder der es auf junge Frauen abgesehen hat, die, wie man so schön sagt, „Homepages für Erwachsene“ betreiben. Er geht sogar so weit, dass er sowohl Smoky als auch jeden aus ihrem Team persönlich und direkt anspricht und herausfordert. Was natürlich kein FBI-Agent einfach so auf sich sitzen lassen kann.
Blutspritzend, unheimlich, grausam und fesselnd kann man McFadyens Schreibstil wohl am Besten beschreiben. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich zuweilen gefragt habe, wie ein weitgehend normaler Mensch solche Bücher schreiben kann.. aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.
Die New York Times titelt: „ Wenn Ihnen dieses Buch keine Angst macht, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen!“ Spätestens dann wenn man sich abends Gedanken macht, was man, beim nach Hause kommen, in seiner eigenen Wohnung wohl auffinden wird, dann sollte man entweder das Buch weglegen oder sein bildliches Vorstellungsvermögen ausschalten. Bei mir war leider beides nicht möglich…
Und so habe ich mich weiter gegruselt und teilweise sogar davon geträumt! Aber das macht es zum Teil natürlich auch aus….
Birgit Grunwald für Hysterika, 11.09.2011

 

Die Blutlinie: Thriller KAUFEN BEI AMAZON

Birgit Grunwald für Hysterika, 11.09.2011

1. Auflage April 2011
(c) 2011 Periplaneta – Verlag und Mediengruppe, Berlin
ISBN 978-3-940767-66-0
ca. 132 Seiten / € 12,–

COVER:

Konrad könnte glücklich sein.
Stattdessen vergrault er seine Freundin und schmeißt im Affekt seinen ungeliebten Job als Pressetexter hin.
Wenn schon bei Null anfangen, dann auf ganzer Linie – Männerlogik eben.
Nur kurz badet er in Selbstmitleid, dann schreibt er eine To-do-Liste:
zehn Dinge, die er noch nie getan hat, aber schon immer tun wollte – oder auch nicht.
Es gibt eben Dinge, die ein Mann tun muss.
Auf der Jagd nach Häkchen stürzt er sich in das Abenteuer seines Lebens und stolpert von einer skurrilen Situation in die nächste:
Wie trinkt man mit der soeben verstorbenen Nachbarin einen Kaffee?
Wie bricht man ohne jeden Grund eine Prügelei vom Zaun?
Und wie hält man sich bei alldem seine besorgten Eltern vom Leib?
Konrad ist stets um Haltung und Würde bemüht – doch die Liste kennt keine Gnade.
Ein erfrischender Roman – mal locker-leicht, mal bitter-süß, doch immer höchst amüsant.
Und, mal ehrlich: Sind wir nicht alle ein bisschen Konrad?

REZENSION:

Mit Häkchen-Harakiri erreichte mich ein recht interessant klingendes Buch eines Verlages, der mich bisher bereits durch manch anderes Werk überzeugen konnte. Nun, das vorliegende Buch klingt zwar interessant – aber: der Inhalt muss noch überzeugen. Somit kann ich mir erst ein Bild machen, wenn ich mich diesen 130 Seiten widme.
Normalerweise arbeite ich nicht mit Zitaten, aber in diesem Fall möchte ich die ersten Zeilen dieses Buches keinem vorenthalten:
“Alles fing damit an, dass Henriette ihn im Wohnzimmer beim Onanieren erwischte.
Sie stieß ein entsetztes “Du meine Güte, was ist denn hier los?” aus, woraufhin Konrad sich reflexartig zusammenrollte und versuchte, Beweisstück A in der Hose verschwinden zu lassen. Das war angesichts des erigierten Zustandes von Beweisstück A gar nicht so einfach. Im Fernsehen lief gerade SpongeBob, was bei Henriette noch zusätzliche Fragen aufwarf.”…
Ab diesem Augenblick war es um mich geschehen: Ich kugelte mich bereits vor Lachen und spielte mit dem Gedanken, rein versuchsweise natürlich, mit diesem Test mal die Reaktion meiner holden Dame zu testen.
Wer jetzt glaubt, Claudius Pläging legt hier nun eine schlüpfrige und billige Geschichte dar, der hat sich weiter getäuscht als je möglich ist. Vielmehr überzeugt der Autor mit einer Geschichte um einen absoluten Durchschnittstypen der sich nach dieser Schocksequenz – verlassen von seiner Liebsten – auf einem Selbstfindungstrip befindet und eine To-do-Liste mit 10 Punkten erstellt, die er schon immer mal machen wollte oder einfach mal machen will, weil ihn seine Ängste bisher von solchen oder ähnlichen Situationen abhielten.
Die Abarbeitung dieser Punkte werden nun zum Programm und man begleitet Konrad Roth von Punkt zu Punkt.
Nun entsteht vor des Lesers Augen eine Gesellschaftssatire voll Witz aber auch Nachvollziehbarkeit, was teilweise so ganz nebenbei neben den Schmunzeleffekten auch zum Nachdenken animiert.
Alles in allem eine durchweg gelungene Satire über einen Typen, in den man sich (leider) sehr leicht hineinversetzen kann(!). Dies erhöht ein wenig die Ernsthaftigkeit der Story und man bekommt dadurch eine Unterhaltungslektüre angereichert mit vielen Aha-Effekten und Erkenntnissen, die hoffentlich dem ein oder anderen behilflich sein werden. Das klingt jetzt dramatischer als es ist, da die Bauchmuskeln auch noch was mit zu reden haben und aufgrund der humorvollen Erzählweise und dem tappsigen Vorgehen Konrad Roths auch gestählert nach der Lektüre dieses leider viel zu kurzen Buches hervorgehen werden.
Ich freue mich sehr, dieses Buch gelesen zu haben …
Jürgen Seibold/03.09.11

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Originaltitel: Flaskepost fra P
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
Deutsche Erstausgabe 2011
(c) 2009 Jussi Adler-Olsen/J.P./Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24852-5
ca. 590 Seiten / € 14,90

COVER:

“Jehova würdigte die Jungen keines Blickes, denn sie hatten von dem verbotenen Blut getrunken. Der Mann hatte sie dazu gezwungen. Jetzt waren sie auf ewig verdammt. Und die Scham brannte in ihnen noch stärker als der Durst.”

Die verwitterte Flaschenpost hatte Ewigkeiten dort gestanden, in einem leeren Büro der Polizeiwache von Wick, am äußersten Ende von Schottland. Niemand hatte sie beachtet, der Hilfeschrei in ihrem Inneren war unerhört verhallt. Jahre später gelangt das verblasste Schriftstück aus der Flasche auf Umwegen ins Sonderdezernat Q in Kopenhagen. Die Materialanalyse zeigt, dass die Botschaft mit menschlichem Blut geschrieben wurde. Die Entzifferung der Buchstaben führt Carl Morck und seinen Assistenten Assas auf die Spur eines entsetzlichen Verbrechens – und in Bereiche der Gesellschaft, die ihnen beiden einigermaßen fremd erscheinen … Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass es sich bei der Botschaft in der Flaschenpost um das womöglich letzte Lebenszeichen zweier Jungen handelt, die irgendwann in den neunziger Jahren entführt wurden. Doch wer sind die Jungen? Warum haben ihre Eltern nie eine Vermisstenanzeige aufgegeben? Sind diese Kinder die einzigen Opfer? Oder hat der Täter mehrmals zugeschlagen? Und: mordet er womöglich immer noch?

REZENSION:

Wie bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle beschrieben, zog ich meinen Hut vor dem ersten Band “Erbarmen”, war ein klein wenig enttäuscht vom Nachfolger “Schändung” – nun, der dritte Band um das Sonderdezernat Q, welches sich um die ungelösten Fälle zu kümmern hat.
Nun kam mit ERLÖSUNG der dritte Band auf den Markt und ich war sichtlich gespannt, mit welchen glorreichen Ideen Jussi Adler-Olsen noch aufwarten kann.
ERLÖSUNG beginnt mit einer Flaschenpost, die mal ganz locker einige Jahre in Vergessenheit gerät – irgendwie hat Carl Morck vom Dezernat Q aber auch nicht gerade eine recht hoch angesiedelte Lust, sich darum zu kümmern. Durch seine resolute Kollegin, deren Schwester hier eine ganz besondere Rolle übernehmen wird, legt sich der Fokus trotz der vorherrschenden Unlust auf diesen Fall, dessen Spielwiese sich innerhalb verschlossener Gemeinschaften religiöser Sekten befindet.
Der beschriebene Psychopath ist erschreckend normal und realistisch dargestellt – diesen lernt man auch sehr früh kennen und fürchten. Dem weiteren Werdegang des Romans schadet dies jedoch in keinster Weise – vielmehr lernt man dadurch das Psychogramm dieses Menschen sehr detailreich und tiefgründig kennen und man begleitet das Dream-Team aus dem Keller der Dienststelle auf der Jagd nach Hinweisen bis hin zur Lösung des Falles.
Erneut schafft es Jussi Adler-Olsen kongenial, seinen hochspannenden Thriller mit einem trockenen Humor zu würzen, der als das Salz in der Suppe zu betrachten ist und diesem Roman durchweg gut zu tun scheint. In meinen Augen ist dies auch das absolute Erfolgsgeheimnis der Reihe, da dadurch zum Einen die drei wichtigen Hauptdarsteller eine Tiefe und Glaubwürdigkeit erhalten, wie man sie sonst nur sucht und man zum Anderen das erfreuliche Gefühl hat, dass hier jemand nicht bierernst erzählen möchte, sondern Spaß am Schreiben hat.
Jussi Adler-Olsen konnte mich somit erneut durch eine frische, ideenreiche Geschichte ohne jegliche Einfallslosigkeit überzeugen.
Und war ich beim ersten Buch bereits begeistert, hat er mit diesem Buch bisher seine absolute Meisterarbeit geschrieben. Absolut und ohne jegliche Einschränkungen für jeden zu empfehlen!
Jürgen Seibold/03.09.11

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Originaltitel: Pyörre
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
Deutsche Erstausgabe Februar 2010
c 2008 Ilkka Remes
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutsche Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 458 Seiten / € 14,90

COVER:

Der junge Roni Airas ist ein hoffnungsvolles Rennfahrertalent, sein Sprung in die Formel 1 greifbar nahe. Da wird seine Ex-Freundin tot im Wald aufgefunden. Roni hatte Streit mit ihr, er hatte sie sogar gewürgt, aber doch nicht ermordet! Ronis Vater Tero will die Karriere des Sohnes retten und täuscht die Polizei. Doch Julias Onkel Toomas erpresst die beiden. Sie sollen Geheimdokumente über den Untergang der Estonia aus einem Schweizer Schließfach beschaffen. Was wurde damals von den Behörden vertuscht? Und warum musste Julia sterben? Als Roni und sein Vater dem Geheimnis auf die Spur kommen, geraten sie in tödliche Gefahr.

REZENSION:

Ilkka Remes scheint sich immer mehr zu einem Phänomen zu entwickeln. Mit “Tödlicher Sog” wird er seinem Ruf als Spannungsgarant abermals gerecht und zeigt auch, dass er nicht nur Geschichten erzählen kann, sondern diese auch regelmäßig mit wahren Begebenheiten virtuos zu verknüpfen weiß. Dabei geht er sehr ins Detail und man erkennt, dass hier ein Autor seine Rechercheaufgaben ernst genommen hat.
In “Tödlicher Sog” verknüpft Remes eine Vielzahl an Erzählsträngen, die alle gemeinsam auf die Hauptakteure zulaufen und deren Leben immer schwieriger gestalten. Anfangs hielt ich das für überzogen und ich konnte mir nicht vorstellen, wie Remes damit noch glaubhaft die Kurve bekommen möchte. Immerhin handelt es sich hierbei um ein Handlungsnetz, dessen einzelne Fäden alleine für ganze Romane tauglich wären.
Erfreulicherweise hat er es geschafft und somit entstand ein absolut genialer Thriller, dessen Seiten man nur noch verschlingen kann. In meinen Augen gab es nicht einen einzigen Augenblick, der mich enttäuschen konnte und somit liegt mit diesem Buch ein wahrlich spannender und hochwertiger Thriller aus der Schmiede Remes vor. Kann nur empfohlen werden!
Jürgen Seibold/03.09.11

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Originalausgabe Juni 2006
c 2006 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 337 Seiten / €14,50

COVER:

Im 23. Jahrhundert hat die jahrhundertelange radikale Privatisierung und Globalisierung von Wirtschaft und Politik ihren Tribut gefordert: Die Machthaber sitzen längst nicht mehr in den Parlamenten, sondern in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen. Militär, Justiz, Schulen und Gefängnisse sind privatisiert, Firmen mit der Versorgung der Kranken und den Erziehungsaufgaben betraut. Vierzehn Tage bevor die Staatsoberhäupter der wichtigsten Nationen zusammenkommen, um über einen Antrag abzustimmen, mit dem sämtliche Wirtschaftsunternehmen unter eine gemeinsame Führung gestellt werden sollen, entstehen am Internationalen Gerichtshof Gerüchte: Kriminelle Vereinigungen planten einen Anschlag, der das Abstimmungsergebnis beeinflussen soll. Doch die kriminellen Machthaber lassen sich nicht mehr so ohne weiteres von den Mächtigen dieser Welt unterscheiden. Robin Landt, ein junger Jurist vom Internationalen Gerichtshof, der den Glauben an die im Jahr 2228 festgeschriebenen Menschenrechte noch nicht verloren hat, begibt sich auf die Suche nach seinem spurlos verschwundenen Freund Angelo. Er ahnt nicht, dass seine Reise ihn direkt in das Zentrum der Macht führen wird: Eine Bohrinsel in einem früheren Eissee ist der geheime Ort, an dem die Mächtigen dieser Welt zusammenkommen sollen, um über die Zukunft der Menschen zu entscheiden.

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, zählt neben Autoren wie Philip K. Dick oder Stanislaw Lem zu den bekanntesten Science-fiction-Autoren der Gegenwart. Für sein umfangreiches Werk erhielt er zahlreiche wichtige Preise, darunter mehrere für jahresbeste Science-fiction-Romane. Frankes faszinierende Utopien basieren auf den Erkenntnissen seiner naturwissenschaftlichen Arbeit.

REZENSION:

Herbert W. Franke ist ein Garant für sehr detailliert und glaubwürdig erzählte Geschichten, die überwiegend in einer Zukunft spielen die von ihm durchweg als real möglich dargestellt wird. Im Gegensatz zu üblichen SF-Romanen, die eher dem Fantasygenre zu entspringen scheinen, baut Franke ein Bild der Erde auf, wie sie in einigen hundert Jahren sein könnte – insbesondere, wenn der Mensch seinen Raubbau bzw. seinen Machthunger weiter ausbaut.
Im vorliegenden Buch mit dem Titel “Auf der Spur des Engels” versucht Franke dies erneut auf seine ihm vorbehaltene Art und Weise zu vollziehen. Leider wird er seinem eigenen Können nicht ganz gerecht und es fehlt ein wenig die reale Glaubwürdigkeit dieser Utopie. Insbesondere einige Themen scheinen nicht ganz nachvollziehbar zu sein – wer glaubt denn daran, dass USB-Sticks (oder gar das Öl?) im 23. Jahrhundert noch Verwendung finden?
Im Gegensatz hierzu scheinen die politischen Tendenzen wieder ganz einem Herbert W. Franke zu entsprechen: Hierzu lässt sich absolut nichts negatives sagen.
Bei seiner Geschichte selbst handelt es sich um einen lockeren Thriller mit Anleihen bei James Bond bzw. anderen einschlägigen Agenten. Die Erzählweise bleibt durchweg eingängig und von den oben genannten Abstrichen abgesehen auch prinzipiell glaubhaft und nachvollziehbar.
Somit kann Herbert W. Franke mit diesem Buch nicht die Qualität anderer Romane aus seiner Feder erreichen – nichts desto trotz handelt es sich bei “Auf der Spur des Engels” um einen Unterhaltungsroman, der für einige schöne Lesestunden sorgen kann und dies auch virtuos macht.
Jürgen Seibold/03.09.11

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Originaltitel: After the Music
Aus dem Englischen von Ursula Gnade
Deutsche Erstausgabe
Taschenbuch, Klappenbroschur, 288 Seiten
ISBN: 978-3-453-52790-4
€ 5,99

COVER:

Als Jessie in das Haus des Rockstars Dillon Wentworth kommt, ist sie sofort von dem charismatischen Musiker fasziniert. Zwischen den beiden entspinnt sich eine leidenschaftliche Affäre. Doch in dem düsteren gemäuer scheint es zu spuken, und auch Dillon wird von den Geistern seiner Vergangenheit gejagt …

REZENSION:

Durchschimmernde Haut – transparent wie das, was von seiner alten Persönlichkeit übrig blieb.
Dunkle, lockige Haare – so wirr und finster wie seine Seele.
Ein Rockstar.
Aus diesem Stoff sind Romane, die mystisch daherkommen sollen, aber eher als Krimi eingehen – bis zur Wendung…

Dillon Wentworth, Sänger und begnadeter Musiker, zieht sich bei einem Feuer in seinem Anwesen schwerste Verbrennungen zu als er in das Haus läuft, um seine Zwillinge zu retten, die bereits in Sicherheit gebracht waren.
Fortan steht im Raum und der Presse, der Musiker selbst habe seinen Wohnsitz angezündet – aus Überforderung und Rache an seiner psychisch kranken Frau, die er durch seinen Beruf, das Touren mit der Band, im Stich gelassen hat und die Trost in einer satanischen Sekte, deren Anführer und dem zelebrieren von schwarzen Messen suchte und fand.
Dillon duldete das unter seinem Dach, bis Jessica, die Tochter seines „Mädchens für alles“, den Jüngern zum Opfer fiel.
In einer Nacht loderte der Brand, der nicht nur Dillons Besitz, sondern auch sein Aussehen und seine Fähigkeit zu komponieren und zu spielen zerstörte, und bei dem seine Frau ums Leben kam.
Es wurde gegen ihn wegen Mordes ermittelt – ein Freispruch übertönte dennoch nie die Verdächtigungen…
Gekränkt, verletzt und zerbrochen zog sich Dillon zurück, ließ sein Anwesen wieder neu auf der einsamen Insel errichten.
Wie eine undurchdringliche Festung erschien es – und auch er ließ sich von nichts und niemandem mehr einnehmen, sondern zog sich gänzlich zurück, brach zu Jessica, die fortan die Zwillinge aufzog, den Kontakt ab und auch mit seinen Kindern…
Erst als Jessicas Mutter bei einem zweifelhaften Unfall stirbt und den Zwillingen anonyme Drohungen zugehen, beschließt sie, dass dieser Zustand nicht haltbar ist.
Wer könnte seine Kinder besser schützen als deren Eltern?
Kurz vor Weihnachten trifft sie auf dem abgeschiedenen Anwesen mit ihnen.
Überraschung und Entsetzen überschlagen sich, obskure Dinge gehen vor – wer oder was treibt sein Unwesen?
Sind es die Geister der Vergangenheit oder Gespenster, die hier erwachen?

Was als übersinnliche Geschichte begonnen wurde, entwickelt sich rasch zu einer des kriminalistischen Genres, die gegen Ende wieder ihren okkulten Touch gewinnt, aber dadurch auch an Glaubwürdigkeit verliert…

Miriam Stephanie Reese
(September 2011)

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