Originaltitel: Cold in Hand
Deutsch von Sophie Kreutzfeldt
Deutsche Erstausgabe 2012
(c) 2008 John Harvey
(c) 2012 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21346-2
ca. 432 Seiten / € 9,95

COVER:

Valentinstag. Auf dem Heimweg von einem Sondereinsatz hört Detektive Inspektor Lynn Kellogg im Polizeifunk vom Streit zweier Jugendgangs. Als die Polizistin einzugreifen versucht, fallen aus der umstehenden Menge zwei Schüsse. Einer verletzt Lynn, der andere trifft die junge Kelly Brent tödlich. Kellys Vater behauptet daraufhin, Lynn habe seine Tochter als menschlichen Schutzschild benutzt. Unverhohlen droht er Lynn – was den mit dem Fall betrauten Charlie Resnick fast die Beherrschung verlieren lässt, denn Lynn ist seit mehreren Jahren seine große Liebe. Der Polizeialltag lässt den beiden Polizisten jedoch keine Zeit, sich zu ängstigen: Kurz vor dem Prozess um einen Prostituiertenmord kommt der tatverdächtige Bordellbesitzer auf freien Fuß, weil die zwei einzigen Zeugen spurlos verschwunden sind. Lynn fürchtet um deren Leben – und übersieht dabei, dass sie selbst ins Visier eines Mörders geraten ist …

Pass auf dich auf KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Zloty Will
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes
(c) 2009 Wydawnictwo W.A.B.
(c) 2012 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Deutsche Erstausgabe 2012
ISBN 978-3-423-21331-8
ca. 366 Seiten / € 9,95

COVER:

Sanok, 1896. In einer nebligen Septembernacht wird unter einer Klostermauer der grauenvoll zugerichtete Leichnam eines Ratsherren entdeckt. Die Leute erzählen von Ungeheuern, wilden Bestien und Werwölfen, die nachts aus dem Wald kommen, um zu töten. Boris, ein junger Hauslehrer, und ein eilends herzugebetener österreichischer Professor glauben nicht an solche Gruselgeschichten, sondern suchen fieberhaft nach einem leibhaftigen Täter, denn das grausame Morden nimmt kein Ende …

Die Bestie von Sanok: Historischer Kriminalroman KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: The Cleaner
Aus dem Englischen von Martin Ruf
© 2006 by Paul Cleave
© 2007 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-43247-5
413 Seiten / € 8,95

Cover:

Tagsüber putzt Joe in der Polizeistation, zweimal täglich füttert er seine Fische, einmal die Woche besucht er seine Mutter. Gelegentlich würzt er ihren Kaffee mit Rattengift. Die Berichte über den Schlächter von Christchurch, der sieben Frauen ermordet haben soll, lassen ihn kalt. Denn er weiß, dass es nur sechs waren. Er ist der Einzige, der das wissen kann. Jemand anderes hat den siebten Mord begangen. Jetzt wird er ihn finden, ihn bestrafen und ihm die anderen sechs Morde anhängen.

Rezension:

„Mein Name ist Joe. Ich bin ein netter Kerl. Aber manchmal bringe ich Frauen um.“

Dieser Satz prangt in großen Lettern auf dem Cover. Und er passt. Joe ist wirklich ein netter Kerl und eigentlich ein ganz normaler Mensch, mit Arbeitskollegen die nerven, einer Mutter die ein bisschen verrückt ist, Haustieren um die man sich zu kümmern hat… gut man muss sagen dass seine Sorgen und Ängste ein bisschen anders sind als die anderer Menschen. Nichtsdestotrotz ist Joe ein recht sympathischer Kerl, für den man auch durchaus so etwas wie Mitleid empfinden kann.

Trotzdem bringt er manchmal Frauen um. Obwohl er nach eigener Aussage eine einigermaßen glückliche Kindheit hatte und eigentlich niemals ein typischer Psychopath sein kann, allenfalls einen kleinen Knacks hat.

Tja, so spielt das Leben…

Als ich anfing das Buch zu lesen habe ich mir kurzzeitig überlegt ob es mir nicht doch zu unheimlich ist…also Buch weglegen und tagsüber, wenn es hell ist, weiterlesen ;-)

Und dann nicht mehr aus der Hand legen ;-)

Quintessenz: ein geniales Buch, das erstaunlicherweise aus der Sicht des Mörders geschrieben ist, aber mit einer Herzlichkeit und einem Humor, dass das Lesen wirklich Spaß macht.

Absolut empfehlenswert für jeden, der keinen „Mainstream-Humor“ hat und der einfach mal „was anderes“ lesen will. Grandios!
Birgit Grunwald für Hysterika, 10.01.2012

 
Der siebte Tod KAUFEN BEI AMAZON

Deutsche Erstausgabe Juni 2011
© 2011 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
ISBN 978-3-548-28351-7
557 Seiten / € 14,99

Cover:

Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen: Ein Nachtwächter lag mehrere Tage unentdeckt in einem Firmengebäude. Schnell wird klar, es war Mord. Gemeinsam mit Oliver von Bodenstein ermittelt Pia im Umkreis einer Bürgerinitiative, die gegen einen geplanten Windpark kämpft. Dabei stoßen sie auf ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen Euro wert ist – und einen Mann das Leben kostet…

Rezension:

Klimapolitik, Windkraftanlagen, Korruption und gefälschte Gutachten – man möchte fast fragen welche Zeitung man denn liest…
Nele Neuhaus greift hier ein Thema auf, das vor gut einem Jahr in aller Munde war.
Anfangs war es noch sehr spannend, aber durch unglaubliche Personenkonstellationen, diverse Nebengeschichten und einem Perspektivenwechsel in jedem Kapitel ist die Luft doch relativ schnell raus gewesen.
Dieses Buch war in meiner persönlichen Lesereihe von Nele Neuhaus eines das mich nicht so sehr überzeugte.
Nichtsdestotrotz hat Nele Neuhaus einen Schreibstil, der unglaublich gut zu lesen ist und der allein durch seine Art und Weise so fesselt, dass man eigentlich erst nach einiger Zeit und genauerem Nachdenken merkt, dass das Buch eigentlich keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Es ist schon etwas her, dass ich den Schmöker ausgelesen habe und ich muss gestehen, dass es mir jetzt schwerfällt wirklich etwas darüber zu schreiben. Ich habe unglaublich viele Charaktere kennengelernt, es gab viele Tote, es ist sensationell viel passiert auf den 500 Seiten, aber es ist irgendwie komisch, dass die Privatgeschichten der zwei Hauptakteure mehr Eindruck hinterlassen haben als der eigentliche Fall…
Insofern ein Buch für alle, die im besten Fall Nele Neuhaus schon kennen. Ansonsten ein guter Zeitvertreib und lesenswert für jeden Krimifan unter uns ;-)
Birgit Grunwald für Hysterika, 10.01.2012

Wer Wind sät: Der fünfte Fall für Bodenstein und Kirchhoff KAUFEN BEI AMAZON

COVER:

Dieser Band versammelt Märchen, die von den vier bekanntesten mittelalterlichen Ketzerströmungen geprägt sind: die Katharer Südfrankreichs, die Templer, die in ganz Europa verbreitet waren und die Bogomilen des Balkans.
Ein Nachwort erläutert Bedeutung und Herkunft der Ketzerbewegungen und ihre Einflüsse auf Märchen.

REZENSION:

Märchen von Ketzern sind nicht etwa welche für Ungläubige – in ihnen geht es genauso um Gott und Teufel, wie in anderen auch.
Aber vor allem spiegeln sie die Werte in Symbolsprache wieder, erzählen verschlüsselt von historischen Gegebenheiten, wodurch sie heute noch als wichtige Zeugnisse untergegangener Kulturen und Zeiten gelten.
Die Unterdrückung von Minderheiten und Randgruppen erlangt ihren Höhepunkt in deren Verfolgung.
Offenkundig zählt im Mittelalter die Ketzerbewegung dazu.
Um ihre Lehren dennoch zu verbreiten und trotzdem im geheimen zu agieren, bedienten sie sich der Form des Märchens.
Doch sie erzählten nicht etwa welche – keine erfundenen Geschichten – sondern verpackten uralte Motive in neue Zauberwelten, die ihre Ideale, aber auch Kritik transportierten.
Das Wort „Ketzer“ leitet sich von Katharer ab, wodurch diese quasi als Prototyp der Bewegung erachtet werden.
Aber auch die Bogomilen, Templer und Katharer wurden in dieser Sammlung nicht außer acht gelassen.
Ich hätte mir gewünscht meinen Wissensdurst mehr über die Hintergründe der sogenannten Ketzer als nur in einer kurzen Kapiteleinleitung und dem Nachwort zu stillen.
Dennoch konnte ich mich nicht satt an den Märchen lesen.

Dieses Buch machte mich neugierig mehr über die Herkunft und Bedeutung der einzelnen Ströme „Ungläubiger“ zu erfahren, entschädigte aber durch das eigentliche Thema die – Märchen von Ketzern.

Erschienen ist das Buch bereits erstmals 1986 im Fischer Taschenbuch Verlag unter der ISBN 3-596-10657-5. Wer es im Handel oder Antiquariat entdeckt sollte sich das Schmökern darin nicht entgehen lassen…

Einzig zum Vorlesen für jüngere Kinder eignet es sich nicht unbedingt. Aber es (ent- oder ver-)führt Erwachsene zu verwunschenen Jungfrauen, kühnen Prinzen, Fabeltieren und in vergangene Tage, die wir allzu gern als mystisch betrachten…
Miriam Stephanie Reese
(September 2011)

 

Originaltitel: Deadly Vows
Aus dem Amerikanischen von Ralph Sander
(c) 2010 by Brenda Joyce Dreams Unlimited, Inc.
(c) 2011 by MIRA Taschenbuch
Deutsche Erstveröffentlichung
ca. 428 Seiten / € 8,99

COVER:

New York, 1902: Die Falle schnappt zu!
Francesca Cahill sitzt in der leeren Galerie fest. Wie konnte die erfahrene Privatdetektivin so arglos in ihr eigenes Verderben tappen? Ausgerechnet heute, an ihrem eigenen Hochzeitstag mit ihrer großen Liebe Calder Hart, hat man sie hierher gelockt. Angeblich wegen eines gestohlenen Gemäldes, das einen Skandal in der eleganten New Yorker Gesellschaft heraufbeschwören könnte. Und das Francesca um jeden Preis haben will! Denn die nackte Schöne auf dem sündigen Gemälde ist niemand anderes als sie selbst. Sie muss fliehen, muss dem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende machen. Doch Francesca hat die Rechnung ohne ihren mörderischen Feind gemacht …

REZENSION:

Der 9. Fall von Francesca Cahill wurde schon lange erwartet. Nun liegt er endlich mit “Bevor der Tod euch scheidet” vor. Abermals handelt es sich um eine spannende und flüssig geschrieben Geschichte, die prinzipiell nichts missen lässt.
Der einzige Manko an Brenda Joyce liegt im Umstand, das einiges teilweise kitschig erzählt wird und manches naiv und romantisch dargelegt wird. Nichts desto trotz schafft sie immer wieder die Kurve und lässt spannende Elemente – die zu einem Krimi einfach gehören – einfliessen.
Irgendwie fragt man sich, warum Joyce wieder einen Fall veröffentlicht – beim Lesen jedoch erkennt man abermals, wie schön die Bücher zu lesen sind und man hofft am Ende erneut, dass ein Neuer folgen wird.
Jürgen Seibold/21.01.2012

 

Bevor der Tod euch scheidet KAUFEN BEI AMAZON

Originalausgabe 2012
(c) 2012 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-21340-0
ca. 320 Seiten / € 9,95

COVER:

Pascha, der vorlaute Geist aus “Kühlfach 4″ bekommt wieder Arbeit. Bei einem schweren Autounfall werden vier Kinder verletzt, und die Fahrerin – eine türkischstämmige Lehrerin – ist verschwunden. Im Krankenhaus werden die Kids vorübergehend in ein künstliches Koma versetzt, was bedeutet, dass ihre Seelen derweil fröhlich auf Erkundungstour gehen und Pascha in der Zwischenwelt Gesellschaft leisten. Der hat alle Hände voll zu tun, den Flohzirkus um sich zu bändigen. Gleichzeitig will er mit seinen unternehmungslustigen Nachwuchsassistenten der vermissten Lehrerin auf die Spur kommen. Doch die Ermittlungen zwischen Schule und Nachtclub geraten schnell ins Stocken, und einmal mehr muss Pascha seine kriminalistischen wie auch pädagogischen Talente unter Beweis stellen. Von Rechtsmediziner-Freund Martin ist diesmal wenig Hilfe zu erwarten. Der ist aufgeregter denn je, weil er Vater wird.

REZENSION:

Mit „Kühlfach – betreten verboten! Legt Jutta Profijt bereits den vierten Roman um den Kleinkriminellen Pascha vor, der es sich zur Lebensaufgabe machte, bei der Aufklärung von Kriminalfällen zu fällen.
Nun, das wäre alles nichts besonderes – aber einiges stimmt doch nicht so ganz:
Allein das Wort „Lebensaufgabe“ stimmt schon nicht – handelt es sich bei Pascha doch um einen „Ermittler“ der besonderen Art: Er ist nämlich tot!
Aus ihm unerfindlichen Gründen fand er jedoch während seines Ablebens das berühmte weiße Licht nicht und so ist er nun so ziemlich allein auf weiter Flur und macht es sich als Geist gemütlich.
Sein einziger Kontrapart in der Welt der Lebenden ist der Gerichtsmediziner Martin, der als einziger Pascha hören kann. Diese beiden Personen könnten unterschiedlicher nicht sein und so treffen der schnorrige, kein Blatt vor den Mund nehmende Kleinkriminelle auf den anständigen Mediziner.
Dies allein sorgt schon für verschiedenste Unstimmigkeiten, die von Jutta Profijt auf witzige Weise dargestellt werden.
Die Kriminalfälle sind durchweg sehr gut aufgebaut und können leicht Vorbild für manch anderes Buch sein. Hinzu kommt der durchgehende Witz und der Umstand, dass hier auch noch ein Geist die größte Rolle spielt.
Um keine Langeweile aufkommen zu lassen wird Pascha in jedem Band mit diversen Problemfällen belästigt. Im vorliegenden Buch sind es nun vier Kinder, deren Körper im künstlichen Koma liegen. Nun kann sich Pascha um diese vier Bälger kümmern, muss einen Mordfall lösen und gleichzeitig darauf achten, dass die Kids rechtzeitig bei ihren Körpern sind, um das Aufwecken nicht zu verpassen, da sie sonst auf ewig bei ihm bleiben müssten.
Alles in allem ein absolut witziger Roman mit einem frechen Helden und einer Sprache, die absolut kein Blatt vor den Mund nimmt – dies alles unter Verwendung eines hohen Niveaus, da Jutta Profijt trotz Verwendung manch unkorrekter Wörter niemals unter die Gürtellinie der Geschichte kommt.
Absolut empfehlenswerte Reihe!!
Jürgen Seibold/20.01.2012

Kühlfach Betreten Verboten KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Nightfall
Aus dem australischen Englisch von Birgit Reß-Bohusch
Deutsche Erstausgabe Januar 2012
(c) 2011 Will Elliott
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: 2012 Piper Verlag GmbH, München
ISBN 978-3-492-26848-6
ca. 297 Seiten / € 12,99

COVER:

Für alle “Inception”-Fans ist dieser Roman das perfekte Kinoerlebnis im Kopf: Die Welt “Nightfall” ist ein Ort außerhalb von Raum und Zeit, an dem Geschöpfe ihr Unwesen treiben, die den schlimmsten Albträumen entsprungen zu sein scheinen. Als Aden hier erwacht, hat er nicht nur sein Gedächtnis verloren, sondern sein ganzes bisheriges Leben. Er ist in Nightfall gestrandet, einem Reich, das ihm fremd und doch unheimlich vertraut erscheint. Aden erfährt, dass er mit dieser Welt enger verbunden ist, als er ahnte – und dass Nightfall dem Untergang geweiht ist. Aden muss das Unmögliche versuchen: den Prozess umkehren und Nightfall retten …

REZENSION:

Will Elliott konnte mich mit seinem Debüt “Hölle” durch seine irrsinnige Geschichte bereits durchweg überzeugen. Aus diesem Grund war ich auch überaus erfreut, als sein neues Werk “Intrusion” auf den Markt kam. Den Genuss des Buches konnte ich beinahe nicht erwarten und somit widmete ich mich auch innerhalb kürzester Zeit dem als “Thriller für alle Inception-Fans” betitelten Werk.
Elliott begann auch wahrlich virtuos: Erneut lässt er einen Protagonisten etwas gänzlich wirres erleben. Wachte dieser doch nach einem Selbstmordversuch in einer neuen und aberwitzigen Welt auf. Hier lässt Will Elliott auch seine geniale Fantasie freien Lauf und er schafft es problemlos, verschiedene Genre auf einander prallen zu lassen. Immerhin findet sich sein Darsteller in einer Fantasywelt wieder und hat dort mit unterschiedlichsten Begebenheiten zu kämpfen.
So weit so gut, dies klingt alles absolut Blockbuster-fähig, wäre der Autor nicht irgendwie seinen eigenen Ideen davon gelaufen. Man hat mehr und mehr das Gefühl, dass die Story sich ins Unendliche verläuft und der Autor nur noch mit Mühe seinen Weg zum Ende führt.
Das Ende besitzt leider auch alleinstehend die ansonsten sehr geringe Dualität zu dem genannten Kinothriller – hinzu kommt, dass man bereits lange vorher mit einem Ende dieser Art rechnet. Somit kann durch diese Vorhersagbarkeit auch kein großer Aha-Effekt mehr aufkommen.
Ich bin mir nun nicht sicher, ob dies der Übersetzung geschuldet ist, oder ob der Autor einfach mit seiner eigenen Idee überfordert war.
Durch “Hölle” erwartete ich erheblich mehr, sticht Elliott doch dadurch bereits als gänzlich neu gearteter Autor  aus der Masse heraus – mit “Intension” hat er leider sehr viel von diesem zarten Pflänzchen eines gelungenen Rufes wieder in die Weiten der Vergessenheit gelegt.
Schade – mit ein wenig mehr Esprit wäre das sicherlich ein sehr gelungener Roman geworden.
Jürgen Seibold/07.01.2012

Intrusion KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
(c) 2011 Ransom Riggs
Für die deutschsprachige Ausgabe:
(c) 2011 PAN-Verlag
ISBN 978-3-426-28368-4
ca. 416 Seiten / € 16,99

COVER:

Gerade als ich mich an den Gedanken gewöhnte, dass dieses Leben keine Abenteuer für mich bereithalten würde, geschah etwas Seltsames. So wie alles, was einen für immer verändert, teilte es mein Leben in zwei Hälften: vorher und nachher. Und wie bei so vielen der außergewöhnlichen Dinge, die sich noch ereignen würden, war mein Großvater darin verwickelt.

Der Schock trifft Jacob vollkommen unvorbereitet: In einem kleinen Wald findet er seinen tödlich verwundeten Großvater – und meint für einen kurzen, schrecklichen Moment, ein Monster im Unterholz zu sehen. Seine Eltern und ein Psychiater versichern ihm, dass er sich dies nur eingebildet hat, und schließlich ist Jacob bereit, ihnen zu glauben. Doch dann beginnen sich die Hinweise darauf zu mehren, dass Abrahams Schauergeschichten möglicherweise alles andere als erfunden waren. Gibt es auf einer Insel vor der Küste Englands vielleicht immer noch ein Heim für “besondere” Kinder? Jacob macht sich auf die Suche danach – und entdeckt mehr, als er jemals für möglich gehalten hätte …

REZENSION:

Was gibt es schöneres, als an den Lippen des Großvaters zu hängen und dessen märchenhaften Geschichten zu lauschen? Überhaupt ist die mündliche Erzählung von Erwachsenen durchweg interessant und besitzt eine eigene phantastische Energie. Was jedoch, wenn die ganzen Geschichten nicht nur das Hirngespinst eines Erwachsenen zur Unterhaltung der Kinder sind, sondern sich mehr und mehr herausstellt, dass jede Kleinigkeit der Wahrheit entspricht?
Dieser Gedanke streifte wohl Ransom Riggs und er erschuf damit seinen Debutroman „Die Insel der besonderen Kinder“.
Bereits die Betrachtung der sehr schönen Ausgabe führt zu reinen Gedankenspielen des potenziellen Lesers: Auf dem Cover ein schwebendes Mädchen und im Buch noch eine Vielzahl an Fotografien, deren Mystik man sich nur schwer entziehen kann.
Nun, Bilder gibt es oft in Büchern – hier spielen sie jedoch eine absolut eigenständige und exakt integrierte Rolle: Sobald zum Beispiel eine Person näher beschrieben wird, erscheint auf der Folgeseite das dazugehörige Bild. Dies gibt dem Roman noch eine zusätzliche Tiefe, da man dem Buch entnehmen kann, dass es sich bei diesen Fotos durchweg um reale Bilder handelt.
Die Geschichte um die Entdeckung als auch den Geschehnissen auf der „Insel der besonderen Kinder“ besitzt überwiegend eine wohlige Düsterniss, die für eine dezente Gänsehaut sorgt. Dies legt sich zwar ein wenig in Richtung Ende des Buches, nichts desto trotz kann diese Kleinigkeit keinesfalls mehr für eine Herabsetzung des Buches sorgen. „Die Insel der besonderen Kinder“ ist ein sehr schön gestaltetes Jugendbuch mit einer sehr niveauvollen Geschichte, die zum Nachdenken anregt und dabei mit einem sehr hohen phantastischen Anteil das unvermeidliche Erwachsenwerden zu verzögern versucht. Personen ohne kreative Gedankengänge sollten die Finger von diesem Buch lassen – jeder, der jedoch noch ein klein wenig Kindheit als auch Fantasie in sich hat, wird mit absoluter Sicherheit nicht vom Inhalt dieses beindruckenden Buches enttäuscht werden.
Jürgen Seibold/19.12.2011

 

Die Insel der besonderen Kinder KAUFEN BEI AMAZON

Originalausgabe 2011
(c) 2011 Deutsche Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-24892-1
ca. 240 Seiten / € 14,90

COVER:

Anruf von der PI Landshut beim Eberhofer Franz. Dr. Küster, zu fünfzehn Jahren Haft wegen Mordes verurteilt, ist aus dem Gefängnis entflohen und muss rasch wieder eingesammelt werden. Doch obwohl der Franz dem Küster quasi schon auf der Spur ist, geschehen merkwürdige Dinge in Niederkaltenkirchen: Das halbe Dorf wird nach dem Verzehr von Omas Rotweinkuchen im Krankenhaus eingeliefert, Termiten belagern das Büro vom Franz, und wer ist bitte dieser “Cousin”, mit dem die Gattin des Richters in Bad Wörishofen gesehen wurde? Dem Franz wird der ganze Stress zu bunt, und so macht er sich auf an den Gardasee. Währenddessen läuft Dr. Küster noch immer frei herum …

REZENSION:

Wissens, ich bin ein reinrassiger Oberbayer und hab so meine eigenen Erfahrungen mit den dramatischen Geschehnissen in den Käffern dieser Welt. Nun wunder ich mich natürlich schon ein bissal, warum so viele Kritiker die Bücher von der Rita Falk so hinstellen, als ob sie uns Bayern damit was antun möchte. Ehrlich gsagt, versteh ich des net, weil, ich überleg schon andauernd, ob des jetzt nun eine Situationskomik ist oder ob des einfach nur die Wahrheit ist – Wissts Leut: genauso geht’s zu in den Dörfern des Südens! Hier is einfach die Welt noch a bissal anders aber trotzdem schwer in Ordnung!
Somit kann auch der dritte Band um den kriminaltechnischen Oberspezialisten Franz Eberhofer uneingeschränkt empfohlen werden. Der Witz ist zwar nicht mehr ganz so reinfliegend, wie im zweiten Band – aber es gibt noch genug Momente, auf die man aufmerksam machen sollte: z.B., wie der Pfarrer vom Franz rausgeschmissen wird, weil die Oma zum Ersten nicht stirbt und außerdem dann ausgstopft auf’d Couch kommt oder gar der Italien-Trip, die Wallfahrt, der … und die.. und noch … außerdem … ach ja… und dann auch noch ….
Aber: Lass’ma des einfach, lests des Buach und ich verweis hiermit auf eine Co-Autorin, die direkt aus dem tiefsten Niederbayern kommt, das Buch glesn hat und mir eine kurze Kritik dazu geschickt hat:

Einwandfreies Buch, da gibt’s nix zu deuteln. Fast so gut wie der Kartoffelsalat von der Oma.Die Handlung? Ja mei, ein niederbayerischer Provinzkrimi halt, aber auf die Handlung kommt’s ja eigentlich auch gar nicht an. Vom Witz her ist es eher ein bisserl schwächer wie die zwei Vorgänger, aber immer noch einwandfrei und ein echter Schenkelklopfer. Da würd ich sogar den Schweinsbraten von der Oma dafür stehenlassen….. Oder das Rahmgulasch…. Oder die Leberkäs-Semmeln vom Simmerl.
Jürgen Seibold feat. Andrea Dalle Molle / 16.12.2011

 

Schweinskopf Al Dente KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: Rivers Of London
Deutsch von Karlheinz Dürr
Deutsche Erstausgabe 2012
(c) 2011 Ben Aaronovitch
(c) 2012 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21341-7
ca. 478 Seiten / € 9,95

COVER:

Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands: Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein grausiger Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand. Und er stellt fest, dass es mehr Dinge in London gibt, als seine Polizeischulweisheit sich träumen ließ. Wer hätte zum Beispiel geahnt, dass der Themsegott und die Themsegöttin einander Spinnefeind sind, was gravierende Auswirkungen auf alle Flüsse Londons hat? Peter soll vermitteln – keine leichte Aufgabe, wenn man sowieso anfällig für Magie ist und insbesondere eine der Flusstöchter unwiderstehliche Reize besitzt …

 

Die Flüsse von London KAUFEN BEI AMAZON

Originaltitel: The Abused Werwolf Rescue Group
Aus dem Englischen von Cornelia Stoll
Deutsche Erstausgabe 2012
(c) 2009 Catherine Jinks
(c) 2012 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24885-3
ca. 398 Seiten / € 14,90

COVER:

Tobias Richard Vandevelde ist ein normaler Jugendlicher, vielleicht nicht ganz normal: er hat besonders schnelle Reflexe, einen hervorragenden Geruchssinn und schnell wachsende Haare. Alles nicht weiter beunruhigend. Beunruhigend ist allerdings, dass er eines Tages im Krankenhaus aufwacht und Tobys entsetzte Mutter ihm erzählt, er sei splitterfasernackt in einem Dingo-Gehege im Nationalpark gefunden worden. Seltsam. Seltsam ist auch der jungen Mann, der Toby besucht und ihm klarzumachen versucht, dass er eine Selbsthilfegruppe aufsuchen muss, damit sein “Leiden” nicht zur Gefahr für ihn und andere wird.
So einen Quatsch hat Toby ja noch nie gehört. Als er die Gruppe doch, natürlich nur aus reiner Neugier, besucht, packt ihn der Schrecken vor diesen bleichen, irgendwie nicht so richtig Lebendigen, die angeblich nur helfen wollen (ja klar, sich selbst – indem sie ihren Gast zum Abendessen aussaugen).
Doch Toby wird von ganz üblen Burschen ins Outback verschleppt und in einen Käfig gesperrt. Er muss sich schließlich eingestehen: Alle glauben, er sei ein Werwolf, und nun will man mit ihm auch noch Geld verdienen. Sein Mitgefangener, Sergio, musste schon Kämpfe auf Leben und Tod führen. Den beiden gelingt die Flucht. Aber wohin im Outback? Da kann man sich ja nicht mal hinter einem Busch verstecken! Gott sei Dank hat die Selbsthilfegruppe Wind von der Sache bekommen und macht sich auf den Weg …

 

Mit Zähnen und Klauen KAUFEN BEI AMAZON

1. Auflage 2011
(c) by WOA Verlag, Zürich
ISBN 978-3-9523657-2-4
ca. 255 Seiten / € 19,90

COVER:

“Es war eine weitere unsterbliche Melodie von Albert. Und doch war sie sterblich, denn mit ihm würde auch sie die Welt auf immer verlassen. Es war Alberts Todesmelodie, sein Requiem. Es war gut. Teuflisch gut.”

Albert Leblanc führt ein trostloses Leben als Koch in der verrauchten Dorfbeiz von Rechthalten. Ständig wird er vom Wirt erniedrigt und von betrunkenen Gästen verhöhnt, Anerkennung erhält er kaum. Die wenigen Freuden in seinem Alltag sind das Gitarrenspiel, der Absinth – und die Serviertochter Mona, die ihm als einzige etwas Sympathie entgegenbringt.

In einsamen Momenten hängt er immer öfter morbiden Gedanken nach. Er beschliesst, in vier Tagen all den Bosheiten ein Ende zu setzen. Albert macht sich an sein schauriges Werk …

Ob sich heute in Rechthalten noch jemand an Albert Leblanc zu erinnern vermag? Wer seinerzeit regelmässig in die Wirtschaft pilgerte, wird sich womöglich noch ein Bild seiner schmächtigen Gestalt machen können. Es würde allerdings nicht erstaunen, wenn er vollends in Vergessenheit geraten wäre. Dies ist seine so verwegene wie tragische Geschichte.

REZENSION:

Durch einen eher als Zufall zu betrachtenden Umstand erreichte mich “Flucht eines Toten”  - ein unbekanntes Werk eines mir unbekannten Autoren. Darüber hinaus scheint die Beschreibung so gar nicht zu meinen persönlichen Vorlieben zu passen. Nichts desto trotz versprach ich die Lektüre und musste mich somit diesem Buch widmen.
Interessanterweise wurde ich in einen Roman gezogen, der bedrückender aber auch interessanter nicht sein konnte.
Ich verfolgte die Geschichte einer Person, die nur von Trostlosigkeit getrieben von Tag zu Tag lebte. Sehr unscheinbar verdingte er sich als Koch und war lediglich dem Hohn und Spott seiner Mitbürger ausgesetzt.
Innerhalb kürzester Zeit versteht man seinen Drang nach einem Abschluss dieses unwerten Daseins. Albert Leblanc, der Hauptdarsteller dieser Geschichte, machte sich daran, seine letzten Tage zu planen. Ironischerweise funktioniert sein Ableben nicht – und er muss sich als vermeintlich Toter auf die Flucht machen…
David Bielmann schreibt auf virtuose Art und lässt den Leser über die Schulter Albert Leblancs schauen. Sein erster Teil – bis zum “Ableben” Alberts – trieft förmlich vor Depression; komischerweise kann man sich als Leser trotz der drückenden Stimmung dem weiteren Geschehen in keiner Weise entfliehen.
Die weiteren Erlebnisse Albert Leblancs entwickeln sich beinahe zu einem Roadmovie in dem jemand nach und nach mehr Lust zum Leben entwickelt – natürlich nicht, ohne weitere Schicksalsschläge der besonderen Art zu erleben.
Bielmann erzählt dies alles in einer unglaublich farbigen Sprache und baut sehr geschickt dezente Spannungsbögen ein. Im Großen und Ganzen entstand hierbei eine Geschichte voll Dramatik, Depression aber auch viel Liebe, die zart wie eine Knospe aufgeht und doch die Dornen nicht vermissen lässt.
Ganz nebenbei hält uns David Bielmann einen Spiegel vor Augen: Ist es nicht oft so, dass man durch unbedachte Äußerungen anderen Menschen Schmerz zufügt? Ist es dann nicht zu spät für Reue, wenn man am Grab dieser Person steht?
“Flucht eines Toten” war für mich eine gänzlich andere Art der üblicherweise konsumierten Literatur – trotzdem ist es ein ganz besonderes Buch das nach Möglichkeit nicht in der Masse des Marktes untergehen sollte. Ich kann es jedenfalls definitiv nur empfehlen!
Jürgen Seibold/11.12.2012

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Originaltitel: Robocalype
Aus dem Amerikanischen von Markus Bennemann
(c) 2011 by Daniel H. Wilson
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe bei Droemer Verlag.
ISBN 978-3-426-22600-1
ca. 462 Seiten / € 16,99

COVER:

Mobiltelefone, Verkehrsampeln, Navigationssysteme – was geschieht, wenn sich diese stummen Diener mit tödlicher Präzision gegen uns wenden?

Der Wissenschaftler professor Wasserman experimentiert mit einer überlegenen künstlichen Intelligenz – bis zu dem Tag, an dem sie sich nicht mehr löschen lassen will: ARCHOS entkommt aus dem Labor und übernimmt die Kontrolle über sämtliche Maschinen auf der Welt.
Zunächst gibt es nur wenige Anzeichen dafür, in welcher Gefahr die ahnungslose Menschheit schwebt, doch schon nach kurzer Zeit regieren Chaos und Vernichtung. Und doch gibt es Hoffnung, denn selbst der überlegenste Computer kann nicht berechnen, zu was Menschen fähig sind, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen: Sie formen neue Allianzen. Sie wachsen über ihre Grenzen hinaus. Sie formieren sich zum Gegenschlag. Zu ihnen gehören ein Hacker aus London, eine mutige Mutter aus Amerika, ein Soldat in Afghanistan und ein alter Japaner, dessen stille Trauer um seine Frau ungeahnte Folgen hat …

REZENSION:

Bücher, in denen künstliche Intelligenz die Macht zu ergreifen sucht, gibt es sicherlich mittlerweile wie Sand am Meer – zeigt dieses Thema doch die Ur-Angst des Menschen, der schon des öfteren gezeigt hat, das seine Rasse der Ursprung für manches Übel ist. Da liegt es nur nahe, dass diese Angst auch auf die Erschaffungen des technischen Zeitalters übergreift und manch Autor dies thematisiert.
Als mich Robocalypse erreichte, dachte ich sogleich an ein sehr spannendes Werk aus den 90ern, das bei uns leider eher nicht beachtet worden ist: Die Deus Maschine des französischen Autors Pierre Ouellette, in dem unter anderem bereits ein Rechner das Zepter übernehmen wollte.
Glücklicherweise ist Daniel H. Wilsons Buch kein Abklatsch – weder des oben genannten Buches, noch eines anderen. Wilson geht in seiner Erzählung gänzlich anders vor. Zum Einen spielt er zeitlich in einer nicht näher datierten Zukunft, womit er sich die Freiheit nehmen kann, technologisch auf einem höheren Niveau zu arbeiten – zum Anderen erzählt er in Rückblenden, was der Geschichte nur noch mehr Dramatik verleiht.
Seine Erzählung beginnt am Ende des Widerstandes der Menschen gegen die Maschinen: Der Soldat Cormack Wallace, ebenfalls Widerstandskämpfer, findet eine Datenbox mit den Aufzeichnungen, die zur gesamten Sicht des Widerstandes. Durch diese Vorgehensweise kennt man zwar bereits das Ergebnis des Widerstandes – jedoch kann der Autor dadurch mit Leichtigkeit unterschiedlichste Erzählstränge ausbreiten und muss sich nicht auf einzelne Protagonisten fixieren. Diese Vorgehensweise führt jedoch auch zu einer sehr “kalten” Art des Erzählend – was jedoch den Inhalt der Story nur noch verstärkt – wer ist kälter, als eine rücksichtslose Maschine auf der Jagd nach der endgültigen Herrschaft?
Interessanterweise lässt der Autor aber auch der Maschine einige Türen offen und man ist versucht, sie das ein oder andere Mal zu verstehen: Ist doch ihr Ursprung von Menschenhand erschafft und ihr Ziel doch auch prinzipiell von einer positiven Grundsubstanz geleitet – möchte sie doch einfach nur die Welt von den zerstörerischen Menschen retten und der Natur die Erde zurückgeben.
Dieser latente, ökologische Touch sorgt zwar ein wenig für Verständnis, doch was ist mit den Vernichtungswellen, die die Maschine dafür übernimmt? Hat der Mensch trotz seiner Eigenheiten nicht doch das Recht, die Erde ebenfalls zu bewohnen? Kann man ihm wirklich nicht anders helfen als mit der völligen Zerstörung?
Nun, ich möchte hier nicht philosophisch werden – nichts desto trotz handelt es sich in Wilsons Roman um einen ironischen Seitenhieb auf die Menschen, deren Kreativität zur eigenen Vernichtung führte.
Dieser bedrückende Umstand dreht sich natürlich im Laufe des Buches. Man möchte den Widerstand begleiten und es ist erstaunlich unter wie viel verschiedenen Facetten und unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Personen der Autor diesen formiert. Alles führt zum Endkampf in der Kälte des Eises und man erkennt sehr schön das technische Wissen des Autors und seine eigene Affinität zur Robotik.
Alles in allem ein Thriller, der sehr kalt erzählt ist und nur vereinzelt den Fokus auf sympathische Personen wirft. Trotzdem – oder gerade deswegen – ein sehr spannend erzählter Plot, der uns abermals die Gefahren vor Augen legt.
Jürgen Seibold/06.12.2011

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Originaltitel: The Hollow City
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe Oktober 2011
(c) 2011 Dan Wells
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: 2011 Piper Verlag GmbH, München
ISBN 978-3-492-26858-5
ca. 448 Seiten / € 12,99

COVER:

»Mein Name ist Michael, und ich habe Visionen. Von gesichtslosen Monstern, die mich verfolgen. Doch die Visionen sind mein geringstes Problem: Denn einige der Monster sind real. Und ich weiß nicht, welche … «

Mit »Ich bin kein Serienkiller« gelang dem jungen US-Autor Dan Wells ein Überraschungserfolg, der die Grenzen zwischen Thriller und Fantasy sprengte. Nun erzählt Dan Wells eine ganz neue Geschichte: Michael erwacht in einem Krankenhaus. Was ist in den letzten zwei Wochen geschehen? Er erinnert sich nicht. Er weiß nur, dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt. Denn er sieht Monster. Er hört fremde Stimmen in seinem Kopf. Die Ärzte behaupten, er habe Wahnvorstellungen. Doch Michael weiß es besser. Die Monster sind real. Sie verfolgen einen dunklen Plan. Und wenn er den Kampf gegen sie aufnimmt – wer wird zuerst sterben?

REZENSION:

Dan Wells entwickelte sich mit seinen Büchern um John Wayne Cleaver zu einem Garant, der mühelos Genregrenzen übertritt und verwischen lässt.
Nun legt er mit “Du stirbst zuerst” einen neuen Thriller vor, der so gar nichts mit seinen früheren Werken aus thematischer Sicht zu tun hat.
In “Du stirbst zuerst” lässt Wells den Leser teilhaben an einer Person, die von Wahnvorstellungen (oder ist es gar die Wirklichkeit?) getrieben auf der Suche nach Erkenntnissen ist, um nicht als Serienkiller gebrandmarkt zu werden – ist er doch sicher, die Morde des Wellnesskillers nicht verübt zu haben.
Abermals treten wir als Leser in einen absolut spannenden Plot ein, in dem uns der Autor über die Schulter des Protagonisten schauen lässt. Man ist schier gefesselt, ob der geistigen Vorstellungen Michaels und dessen Suche nach Wahrheit. Nebenbei werden die typischen oberflächlichen Vorgehensweisen der am lebenden Objekt forschenden Ärzte an die Wand gestellt – sind sie doch viel zu schnell mit Psychopharmaka auf der “heilenden Spur” ohne dem Patienten eine echte Chance der Entfaltung zu bieten. Viel zu oft geht es um das reine “Stillstellen” des Patienten – klingen seine Erzählungen doch lediglich phantastisch und können nicht real sein.
Doch sind diese auf der richtigen Spur? Ist nicht vielmehr der Patient der einzige, der die Wahrheit kennt? Und schon bewegen wir uns in einem Strudel voll Wahrnehmungen, Wahnvorstellungen, Gedanken und der Sorge, doch der Serienkiller zu sein.
Man kann sich dem nicht entziehen, da man vom Autor an die Hand genommen wird und man durch die Irrungen und Wirrungen eines vermeintlich kranken Gehirns die weitere Geschichte nicht vorhersehen kann.
Zum Ende hin zeigt Wells erneut, dass er keinen Deut auf Genreabgrenzungen gibt und führt ein Ende ins Feld, das sicherlich nicht jedem Leser einen befriedigenden Abschluss gibt. Nichts desto trotz hat er erneut einen spannenden Plot geschrieben, der zwar nicht ganz seinen früheren Plots entspricht aber dennoch problemlos überzeugen kann.
Nur weiter so…
Jürgen Seibold/06.12.2011

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