Originaltitel: Dead in the Family
Deutsch von Britta Mümmler
Deutsche Erstausgabe 2011
(c) 2010 Charlaine Harris, Inc.
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21283-0
ca. 378 Seiten / €8,95

COVER:

Sookie Stackhouse, die gedankenlesende Kellnerin, musste einiges wegstecken in der letzten Zeit – die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen übernatürlichen Wesen, in die sie verwickelt war, sind nicht leicht zu verkraften. Immerhin ist ihre Beziehung zu dem Vampir Eric in eine neue Phase getreten. Doch dann tauchen zwei Vampire aus Erics wechselvoller Vergangenheit auf. Sie sind ein gefährliches Paar. Und sie haben ihre eigenen Pläne, was Sookies Zukunft betrifft …
Es sieht ganz so aus, als würde Sookies sehnsüchtiger Wunsch nach ein bisschen Ruhe und Frieden noch lange nicht erfüllt werden.

Originaltitel: Le Rasoir d’Ockham
Aus dem Französischen von Marie-Sophie Kasten
Deutsche Erstausgabe Februar 2011
(c) 2008 by Flammarion
(c) 2011 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch.
ca. 542 Seiten / € 9,99

Cover:

Eine rätselhafte Verschwörung, eine Geheimloge aus dem Mittelalter und die lebensgefährliche Jagd nach einem mysteriösen Manuskript…

Ari Mackenzie ist Spezialist für Sekten und Verschwörungen bei der Pariser Polizei. Als er seinen Freund Paul aufsucht, findet er dessen grausam zugerichtete Leiche vor: Der Schädel wurde durchbohrt, das Hirn verflüssigt. Doch dies ist nur der Auftakt zu einer Serie von bizarren Morden. Offenbar stehen sie alle mit einer jahrhundertealten Geheimloge und einem verloren gegangenen Pergament in Zusammenhang.
In diesem Manuskript fehlen sechs Seiten – genauso viele, wie die Loge Mitglieder hat …

REZENSION:

Henri Loevenbruck legt mit „Das verschollene Pergament“ nach seinen beiden Thrillern „Das Jesusfragment“ und „Das Kopernikus-Syndrom“ erneut ein genretreues Werk vor, dass sich um verschollene Geheimnisse und deren Auswirkungen in die heutige Zeit dreht.
Abermals handelt es sich um einen Mysterythriller im Fahrwasser eines Scott McBain oder Dan Brown. Im Gegensatz zu seinem Erstlingswerk „Das Jesusfragment“ lässt Loevenbruck anfangs das Aufkommen von Spannung missen – schafft es aber im Zuge der weiteren Entwicklung den Leser durch detailgetreue und glaubwürdige Beschreibungen einer Jagd nach verschollenen Pergamenten und besonders der Jagd nach einem Mörder bei der Hand zu nehmen und mit einer dezent steigenden Spannung bei Laune zu halten.
Die Geschichte entwickelt sich mehr und mehr zu Gunsten des Autors – schafft nicht ganz das Niveau des „Jesusfragments“ zu halten, zeigt aber weiterhin dass Loevenbruck noch voller Ideen innerhalb des Mysterygenres steckt und diese auch geschickt verwebt auszubreiten weiß.
Übrig bleibt ein dann doch recht spannender Thriller mit einem glaubhaften aber doch beinahe enttäuschenden Ende. Die Protagonisten sind lebendig und voller Detail gezeichnet und lassen selbst die Hintergründe bei den Übeltätern nicht missen.
Durch das Thema, welches man nur mit viel historischem Background kennen kann, ist man nicht so sehr damit verbunden, wie bei allgemein bekannten Verschwörungen – nichts desto trotz bleibt im Großen und Ganzen ein sehr empfehlenswerter und gut gezeichneter Thriller, dessen sympathischer Held fast nach einer Fortsetzung ruft.
Davon abgesehen sollte man weitere Veröffentlichungen Henri Loevenbrucks im Auge behalten.
Jürgen Seibold/14.03.2011

Ca. 285 Seiten / 9,95 €
Originalausgabe Dezember 2009
c 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Der kleinkriminelle Autoknacker Pascha wurde ermordet. Jetzt geistert seine Seele durch das Rechtsmedizinische Institut von Köln. Der Einzige, zu dem Pascha Kontakt aufnehmen kann, ist der bieder-brave Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein. Und selbst das gestaltet sich schwierig, denn Martin liegt nach dem letzten gemeinsamen Abenteuer schwer verletzt im Krankenhaus. Pascha langweilt sich, bis er unerwartete Gesellschaft bekommt: Auch Ordensschwester Marlene hat nach ihrem dramatischen Ableben bei einem Brand in ihrem Kloster noch nicht den Weg in den Himmel gefunden. Die resolute Nonne ist für Pascha zwar nicht gerade „eine echte Tussi“, aber dass bei dem Klosterbrand etwas faul ist, wittert seine Spürnase sofort. Gemeinsam mit dem noch rekonvaleszenten Martin und dessen Nun-endlich-Freundin Birgit will das ungleiche Geisterduo die Wahrheit ans Licht bringen. Dabei geraten sie schnell in eine brenzlige Situation …
Die witzig-freche Fortsetzung einer ganz ungewöhnlichen Freundschaft.

REZENSION:

Wie manch einer meiner fleißigen Leser den bisherigen Rezensionen zur Reihe über den nicht tot zu kriegenden Pascha entnehmen konnte, bin ich eher zufällig Fan dieser Reihe geworden. Lag doch ganz unbedarft der dritte Band mit dem Titel „Kühlfach zu vermieten“ auf meiner Couch in einem kleinen Bücherstapel. Meine Wenigkeit sitzt gelangweilt vor dem Fernseher und glotzt so vor sich hin. Während der dritten Werbung (und wenn ich etwas hasse, dann ist es Werbung!) schweifte mein Blick durchs Wohnzimmer und blieb auf besagtem Buchstapel hängen. Sofort meldete sich das schlechte Gewissen, da ja zu jedem Buch eine Rezi geschrieben werden sollte und dazu der Inhalt seinen Weg in meine Gehirnwindungen finden muss – dieser Vorgang wird landläufig oft als „Lesen“ bezeichnet.
Nun gut, die Werbung säuselt vor sich hin und ich griff mir das dünnste Buch besagten Stapels. Ab diesem Augenblick war es um mich geschehen – ich hatte einen neuen Freund, dieser ist bereits gestorben, treibt aber als Geist weiterhin sein Unwesen und sorgt nebenbei dafür, dass das geordnete Leben eines Pathologen ins Chaos verläuft.
Sehr oft enttäuschen mich Bücher von weiblichen Schriftstellern. Dies hat sicherlich nichts mit der Qualität der geschriebenen Geschichten zu tun – es ist vielmehr der Umstand, dass ein hoher Prozentsatz weiblicher Autoren unbedingt irgendeine Liebesgeschichte mit einbauen muss. Und sobald der Romantikfaktor zum Tropfen anfängt, hört es beim spannungsverwöhnten Leser einfach auf. Warum nur muss sich immer irgendjemand verlieben?
Nun aber zurück zu Pascha: Jutta Profijt schlägt hiermit eine Bresche für die weiblichen Autoren: Sie lässt es einfach mit einer Liebesgeschichte sein und konzentriert sich in witzigster Art und Weise auf den Geist und seinen einzigen, ihn hörenden Kumpel.
Nach Genuß des dritten Bandes folgte bei mir natürlich unverzüglich der erste namens „Kühlfach 4“ und nun als momentaner Abschluss „Im Kühlfach nebenan“, der zur der bestehenden Problematik zwischen Martin Gänsewein und Pascha noch eine kleine Komponente hinzufügt: Pascha bekommt eine Tussi an die Seite gestellt. Endlich ein weiterer Geist, mit dem Konversation möglich ist – die anderen machen sich ja immer gleich auf den Weg in den Tunnel voller Licht und sind dann nicht mehr auffindbar.
Pascha, unverblümt daherredender Ex-Autoknacker, kann sich jedoch nur kurz freuen: Handelt es sich doch bei dieser Tussi um eine gestandene Nonne – womit seine unverblümte Art einen groben Riegel vorgeschoben bekommt.
Erneut entsteht ein Kriminalfall, in dem die Nonne gemeinsam mit Pascha und seiner Schnittstelle in die reale Welt namens Martin um Aufklärung bemüht sind. Abermals lebt die Geschichte von Jutta Profijt weniger vom Kriminalfall – hier erfindet sie das Genre sicherlich nicht neu. Ihre Geschichten leben vielmehr von exakt den darin auftretenden Protagonisten und insbesondere, weil einer von ihnen (in diesem Fall sogar zwei) ein Geist ist, der mit seiner unverblümten Art auf einen absolut anständigen, ordentlichen und niemanden jemals etwas antuendem Menschen stößt und ausschließlich mit diesem kommunizieren kann.
Dies lässt die komplette Reihe als absoluten Höhepunkt entstehen und man kann nur hoffen, dass es noch viele witzige Erlebnisse Paschas zu lesen geben wird. Hauptsache sein Witz bleibt so bestehen und die Autorin bleibt sich ebenfalls treu und verlässt die Pfade ihrer genialen Redewendungen und Vergleiche niemals – der Leser wird es ihr danken!
Jürgen Seibold/12.03.2011

Originalausgabe April 2009
c 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 255 Seiten / € 9,95

COVER:

Dr. Martin Gänsewein trägt Dufflecoat, fährt Ente, sammelt alte Stadtpläne und geht als Rechtsmediziner dem täglichen Geschäft mit dem Tod äußerst gewissenhaft nach. Über das Seelenleben der Verstorbenen macht er sich keine Gedanken, bis ihm eines Tages die Seele von Autoschieber Pascha ein Gespräch aufdrängt. Pascha ist soeben gestorben – und ist stinksauer darüber. Sein angeblicher Unfalltod war in Wirklichkeit nämlich Mord. Da Martin der Einzige ist, mit dem er Kontakt aufnehmen kann, soll der ihm jetzt helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. So nistet sich die nervtötende Seele bei dem Rechtsmediziner ein, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Martins Leben gerät in den nächsten Tagen nicht nur völlig aus den Fugen, sondern auch in große Gefahr. Und jetzt ist es an Pascha, sich schnellstens etwas einfallen zu lassen, um seinen neuen Freund zu retten …

REZENSION:

Kühlfach 4 ist ein recht kurzweiliger Kriminalroman, der prinzipiell dem Genre des Krimis nichts neues abgewinnen könnte, wäre da nicht eine klitzekleine Kleinigkeit mit eingewoben: Hier besteht das Ermittlerduo aus dem hochanständigen und netten Pathologen Martin Gänsewein und dem in diesem Band gerade verstorbenen Autodieb Sascha – gerne auch Pascha genannt.
Dieser ist das hundertprozentige Gegenteil zu Martin: Nicht nur Geist, der lediglich mit Martin Kontakt aufnehmen kann, sondern auch noch in seiner blumigen Art eher der ungehörigen Spezies des Menschen zuzurechnen. Dies allein führt schon zu vielen kuriosen Begebenheiten.
Nun kommt noch hinzu, dass Pascha ermordet worden ist – der pathologische Befund jedoch von einem Unfall spricht. Gut, dass hier der Tote höchstselbst das Zepter übernimmt und seinen Pathologen davon zu überzeugen weiß.
Wie bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, hatte ich als ersten Band das aktuelle, dritte Buch dieser Serie gelesen (Im Kühlfach nebenan) – und habe mich beinahe totgelacht. Im vorliegenden – wirklich ersten – Buch erkennt man durch diesen Umstand sehr deutlich, dass Jutta Profijt noch stark an der Entstehung dieses Dreamteams gearbeitet hat und hierdurch etwas zu stark zwischen diesen beiden Personen hin- und herspringt. Nichts desto trotz ist Kühlfach 4 absolut kurzweilig und Pascha noch richtig bissig. Dies hat er leider ein klein wenig im dritten Band verloren. Dafür ist die Art des Schreibens im dritten Band hochwertiger, womit die Entwicklung der Autorin sehr schön zu beobachten ist.
Kühlfach 4 lebt in erster Linie durch den Kulturschock, den Pascha als auch Martin mitmachen müssen in ihrer Erkenntnis, dass es wohl etwas mehr zwischen Himmel und Hölle zu geben scheint.
Somit ein absolut genialer und kurzweiliger Krimi, der durch einen Toten Leben gewinnt und nebenbei durch einen dezenten schwarzen Humor absolut witzig ist – dies könnte meiner Meinung nach noch etwas mehr gesteigert werden.
Ich persönlich freue mich schon auf den zweiten Band und hoffe, dass die Autorin noch viele gute Ideen folgen lassen kann.
Jürgen Seibold/20.02.2011

COVER:

Die Geschichte einer gleich dreifachen Reise: einer wirklichen nach Griechenland, einer phantastischen auf eine magische Insel und einer gedanklichen in die Philosophie. Jede für sich wäre abenteuerlich genug – zu einer raffinierten Romanhandlung verwoben, werden sie zu einem Leseerlebnis der besonderen Art.

REZENSION:

Verwundert nahm ich das Buch, welches über Partiencekarten, Purpurlimonade und Goldfische handelte zur Hand. Und erstaunt legte ich es so schnell nicht mehr aus den Fingern…
Die Reise eines Jungen und seines Vaters nach Griechenland, um dort die Mutter, die sich im Land der Philosophen selbst finden wollte, zu suchen, zog mich in ihren Bann.
Sie führt den Leser nicht nur von Norwegen durch Europa zu den Tempeln Athens, sondern auch auf eine geheimnisvolle Expedition eines Schiffbrüchigen, der auf einer geheimnisvollen Insel strandete, auf der es eben diese Dinge gab, die mich im ersten Moment des Lesens so verwunderten.
Dem Protagonisten dieses Buchs ergeht es ähnlich – denn auch er kann fortan nicht von dem erstaunlichen Buch lassen, welches ihm ein Bäcker in einem Schweizer Dorf zuspielte.
Wie einfach hatte ich es hingegen, es auf meinem Nachttisch liegen zu haben und nur danach greifen zu müssen? Das machte es zwar sicherlich leichter zum Schmökern, aber nicht beim Erfassen…
Können Partiencekarten der Phantasie entsteigen und lebendig werden?
Können sie das wiederum nur bleiben, während sie ein Getränk zu sich nehmen, welches ihren Verstand so lähmt, dass sie nicht begreifen, wer und schon gar nicht das sie überhaupt sind?
Und was hat das mit in Regenbogenfarben schillernden Goldfischen zu tun?
Nur der Joker kennt die Antworten!
Und mir stellt sich erst gar nicht die Frage, ob ich den Vater und seinen Sohn erneut im roten Fiat durch die Erzählung begleiten würde, um zu erfahren, ob die beiden es schaffen, die Mutter zu einer Rückkehr zu bewegen, das Kartengeheimnis zu ergründen und letztlich den Weg durch Piks, Kreuze, Karos und Herzen zu suchen, der die philosophischen Fragen aufwirft, wer wir sind und woher wir kommen…
Würde ich das Buch nun nicht schon kennen, wäre mein nächster Weg der zu einer Handlung, um es zu erwerben!
Erschienen sind die 352 Seiten  des Kartengeheimnisses im Hanser Verlag in Halbleinen gebunden unter der ISBN 3-446-17710-8.
(Ich bin mir aber sicher, dass es das Werk des Autors von „Sofies Welt“ auch als Taschenbuch geben wird…)
Miriam Stephanie Reese
(Januar 2011)

COVER:

Es ist Mitternacht. Geisterstunde auf der alten Burg.
“Hallo!” ruft da plötzlich eine Stimme aus dem Dunkel. “Ist da jemand?” Tommys Herz schlägt wie rasend. Aber er nimmt seinen ganzen Mut zusammen, er läuft nicht weg.
Und so lernt er den seltsamen Jungen kennen, den er nur nachts treffen kann. Zwischen ihm und Tommy entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft.

In der Erzählung
“Mein Freund, der Vampir”,
macht Martina Siebke deutlich, daß die Phantasiewelt der Kinder genauso wirklich ist wie die Realität der Erwachsenenwelt: Die Geschichte zeigt auch, daß Kinder anderen Menschen ohne Vorurteil begegnen können.

REZENSION:

Ein Kind hat Eltern!
Doch wenn ein Teil dem Leben entrissen wird, stirbt automatisch ein anderer.
So erging es Bram, dem Sohn von Minenarbeitern, als sein Vater durch den Staubhusten, einer typischen Krankheit von Leuten, die in die Grube einfuhren, den Tod fand und seine Mutter nach einem Minenunglück nur verletzt geborgen werden konnte und im Schacht ihre Gesundheit eingebüßt hatte.
Fortan war der 12-jährige Junge, der schon mit 5 Jahren hart für seine Familie arbeitete, für sich und seine Geschwister verantwortlich…
Bis ihm sein Leben entrissen wurde…
Vom Schicksal getroffen, traf er seinen Meister…

Diese Begegnung lag Jahrhunderte zurück als Tommy mit seinen Eltern eine Reise ins schottische Hochland unternahm.
Und dennoch lernen er und Bram sich zu nächtlicher Stunde auf der Burgruine kennen, die dem kindlichen Vampir noch als Herrensitz der Grafschaft bekannt war, und deren Mauern er nun ganz allein bewohnt.
Sie freunden sich an.
Doch schnell wird beiden klar, dass selbst die Ewigkeit vergänglich sein kann und jede Zeit einmal zu Ende geht – ob es nun ein Urlaub oder gar ein Vampirdasein ist…

Was ich an diesem Buch bemerkenswert fand, war die einfache Sprache, in der es geschrieben wurde. Gut, es handelt sich um einen Kinder- und Jugendroman, der allerdings kein leichtes Thema, nämlich das des Abschiednehmens, aufgreift.
Schlechthin kann man es also getrost auch Erwachsenen zum Lesen empfehlen.
Erschienen ist „Vampirgeschichte“ von Martina Siebke bereits 1995 beim Franz Schneider Verlag unter der ISBN 3-505-10185-0.
Wer sich etwas Mühe macht, wird das lesenswerte Buch mit wunderschönen Illustrationen jedoch vielleicht noch in einem Antiquariat auftreiben…
Miriam Stephanie Reese
(Januar 2011)

COVER:

Ich nenne ihn Are. Das habe ich von Anfang an getan. Niemals “Air”, wie die anderen. Nur Are, ein ganz normaler Junge. Das dachte ich jedenfalls. Am Anfang.

Mein Name ist Liam, und ich bin 17 Jahre alt. Als ich Are kennenlernte, war ich 16. Niemals hätte ich gedacht, dass mein Leben sich so verändern könnte. Nie. Aber ich bereue keinen Tag.

REZENSION:

Mit Vornamen ist das so eine Sache – das weiß ich spätestens, seit ich Kinder habe…
Und Liam, der 17-jährige Protagonist in Ich-Erzählform des Romans „Tokio Vampire“, weiß das auch!
Er weiß es seit dem Tag, an dem er den Freund seiner älteren Schwester Leonara kennenlernt – den Sänger und Frontmann der dem Buch titelgebenden Band.
Für andere trägt er den Künstlernamen Air, doch Liam entscheidet sich, ihn bei seinem bürgerlichen Namen, Are, zu nennen, wodurch er in einen Konflikt gerät – was ist er nun für sein Idol? Ein männliches Groupie? Der kleine Bruder Leos´? Oder ein Freund?
Dabei steht das Wort „Vamp“ gar nicht ihm zu – es geistert durch die Gerüchteküchen der Internetseiten und Musikmagazine, der Sänger mit der bleichen Haut, den dunklen Haaren und der unheimlichen, faszinierenden und anziehenden Ausstrahlung sei ein Vampir.
Lächerlich für Liam! Doch wird ihm das Lachen noch vergehen?
Kennt seine Schwester nur die Band? Oder verschweigt sie ihm Geheimnisse der Musiker?
Egal, wie man das Verhältnis zwischen seiner Schwester, dem Frontmann und ihm bezeichnen möchte, in jedem Fall wirft es ein neues Problem auf – die Beziehungskonstellation der Drei zueinander.
Und dann wären da auch noch die in Liam verknallte beste Freundin Leonaras´ und sein eigener bester Freund, der keinen blassen Schimmer von seinem bis dahin quasi nicht vorhandenem und durch Are erwecktem Liebesleben hat…
Liam ist hin- und hergerissen… Hin zu Are, gemeinsam mit seiner Schwester zusammen mit „Tokio Vampire“ auf Tournee – und das Coming Out muss her!
Doch wie, wenn man keine Ahnung hat, woran man ist?
Was soll man bitteschön glauben, wenn das Unrealistischste greifbar wird? Und wie begreift man, dass eigene Schicksal in die Hände anderer für die Wahrheit zu legen? 
Ich kann nur jedem empfehlen sich dieses Buch, welches die Widmung trägt „Es hat großen Spaß gemacht, etwas zu schreiben, was nicht so ist – was aber vielleicht so sein könnte…“ zuzulegen.
Mir bereitete das Lesen großes Vergnügen!
Florine Roth hat diesen Roman nicht mit Tinte geschrieben, soviel ist sicher! Er muss mit Blut verfasst worden sein – mit Herzblut! Und eben jenes bringt er auch zum Kochen! 

Erschienen ist „Tokio Vampire“ unter der ISBN 978-3-934442-58-0 für € 10,95 im Dead Soft Verlag.
Miriam Stephanie Reese
(Februar 2011)

Originaltitel: Grave Secret
Deutsch von Christian Burkhardt
Deutsche Erstausgabe 2011
(c) 2009 Charlaine Harris, Inc.
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 318 Seiten / € 8,95

COVER:

Die junge Harper Connelly hat eine besondere Gabe: Sie kann Tote finden und deren letzte Momente nacherleben. Doch diesmal wird sie nicht nur mit einem geheimnisvollen Todesfall konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Während Harper in Texas auftragsgemäß dem Tod eines reichen Patriarchen nachspürt, erfährt ihr Manager und Lebensgefährte Tolliver, dass sein ehemals drogensüchtiger Vater (und Harpers Stiefvater) aus dem Gefängnis entlassen wurde. Tolliver und Harper wollen nichts mit ihm zu tun haben, können jedoch nicht verhindern, dass er sich wieder in ihr Leben drängt. Nachdem Tolliver von einem Unbekannten angeschossen wurde, überstürzen sich die Ereignisse – und endlich wird auch das Geheimnis um Harpers vor Jahren verschwundene Schwester Cameron gelüftet …

Originalausgabe Januar 2011
(c) 2011 bei PAN-Verlag
ISBN 978-3-426-28339-4
ca. 480 Seiten

COVER:

“Du bist eine Banshee, Aileen, eine Todesfee.”
Im ersten Moment war ich einfach nur platt, im nächsten begann ich, den Verstand des Mannes anzuzweifeln.
“Ja, klar, eine Todesfee.” Mein Lachen klang unsicher. “Warum denn nicht gleich die Zahnfee?”
“Weil das eine unbedeutende Verwandte von dir ist, die bei weitem nicht deine Kräfte hat.”

Als Aileen erfährt, dass sie die letzte Banshee ist, glaubt sie an einen schlechten Scherz: Sie soll eine Gestalt aus der irischen Sagenwelt sein? Sie soll den Tod von anderen Menschen vorhersagen und mit ihrer Stimme Magie wirken können? Das ist doch vollkommen absurd!
Das junge Mädchen ahnt noch nicht, dass ihr Abenteuer mit dieser Enthüllung erst beginnt. Dass sie in eine Welt eintauchen wird, in der Mythen und Legenden keine Erfindung sind. Dass sie zusammen mit Sirenen, Wassermännern und Nymphen den Kampf gegen ein uraltes Wesen aufnehmen muss. Und dass sie sich verlieben wird – in einen guten Freund, der plötzlich nicht mehr in diese neue Welt passt …

Originalausgabe 2010
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 304 Seiten / € 9,95

COVER:

Eine Hitzewelle rollt über Köln. Die Leute sterben wie die Fliegen und die Stadt weiß nicht mehr, wohin mit den Leichen. Da hat der profitgierige neue Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts eine folgenschwere Idee: Er will leer stehende Kühlfächer an Bestattungsunternehmen vermieten. Ab sofort hält das Chaos Einzug in die sonst so geordnete Welt von Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein: Unbefugte gehen am RMI ein und aus, Leichen oder Teile von ihnen verschwinden, und dubiose Obduktionsbefunde bei anonymen Toten häufen sich. Martin beauftragt den prollig-nervigen Pascha (seines Zeichens Autoknacker zu Lebzeiten und nun unfreiwillig auf Erden wandelnder Geist), der Sache auf den Grund zu gehen. Pascha passt das gar nicht, wo er doch gerade auf Liebespfaden wandelt …

REZENSION:

Bei manchen Büchern sorgt der liebenswerte Zufall für interessante Erfahrungen literarischer Art. Lag doch Jutta Profijts “Kühlfach zu vermieten” ganz unbeachtet auf meiner Couch, da ich auf meinem Nachtkästchen gerade ein anderes Werk für den abendlichen Genuß liegen hatte.
Nun liegt also dieses Buch neben einem frustrierten Fernsehschauer, der sich in der dritten Werbung dachte, jetzt wäre ein Buch für den Zeitvertreib recht. Zu Faul, um nach oben zu gehen und das aktuell im Lesemodus befindliche Buch zu holen, nahm ich das neben mir liegende Buch und begann einfach mal völlig unmotiviert zu Lesen.
Ab diesem Augenblick war mir nicht mehr bewusst, dass es sich an diesem Abend um einen Fernsehabend handelte – Jutta Profijt und besonders Pascha hatten mich in ihrer Hand.
Selten, dass Krimis bei mir wirken, da diese zumeist vorhersehbar, fad, langweilig und immer wieder das selbe zu sein scheinen. Wie schon des öfteren betont, bin ich eher der spannenderen Genre zugetan – oder aber dem bissigen Humor.
Nun gibt es hier plötzlich einen Krimi mit einem toten Hauptdarsteller, der mit einer rotzfrechen Schnauze das Leben eines menschlich komplett anders gearteten Pathologen schwierig macht. Diese beiden scheinen sich nicht gesucht, aber doch irgendwie gefunden zu haben.
Nebenbei lästert die Autorin durch den hinzugefügten, neuen Chef des rechtsmedizinischen Instituts auch noch über die unsagbaren Dummheiten der nur auf Kostenreduzierung und Effektivitätssteigerung bedachten Vorgesetzten. Dies alles sehr glaubwürdig – trotz Geist – und durchweg humorvoll dargelegt.
Ich kann dieses Buch nur noch uneingeschränkt empfehlen und werde diesen Glücksgriff nun fortsetzen: ich beginne sogleich mit dem ersten Buch dieser Serie - wie konnte ich dies nur übersehen?
Jürgen Seibold/13.02.2011

Originaltitel: 616 – Todo es infierno
Übersetzung: Alice Jakubeit
c 2006 by David Zurdo/Ángel Gutiérrez
c 2008 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Verlag
ca. 408 Seiten / 14,95 €

COVER:

“Der Teufel, den der Exorzist für besiegt hielt, hatte sie hinters Licht geführt. Das Wesen stieß ein grausames Lachen aus, das aus unendlicher Ferne zu kommen schien …”

In einem kleinen spanischen Dorf soll der ehemalige Priester seliggesprochen werden. Nach altem Brauch wird er zunächst exhumiert, um festzustellen, ob er unversehrt in seinem Sarg liegt. Doch den Anwesenden bietet sich ein grausiges Bild: Alle Knochen des Toten sind gebrochen, der Sargdeckel von innen zerkratzt. Und Jesuitenpater Albert Cloister entdeckt mit Entsetzen die ins Holz geritzten Worte: “Die Hölle ist überall”.
Albert Cloister gehört einer Kommission des Vatikans an, die mit wissenschaftlichen Mitteln unerklärliche Vorfälle untersucht. Seit einiger Zeit gibt es Grund zur Besorgnis: Es häufen sich Berichte von Nahtoderfahrungen, die nicht im Licht, sondern in unfassbaren Leiden enden. Den Betroffenen bleibt nur Hoffnungslosigkeit. Was steckt dahinter? Warum sagte sogar Jesus am Ende: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”

Zutiefst beunruhigt wendet sich Pater Albert einem neuen Fall zu, der die Nonnen eines Klosters in Boston umtreibt. Ihr alter Gärtner Daniel hat quälende Alpträume, nachdem er aus einer Feuersbrunst gerettet wurde. Die Therapeutin Audrey Barrett, die sich um ihn kümmert, entdeckt fremdes Wissen in ihm, das er eigentlich nicht haben kann – Wissen über ihren vor fünf Jahren verschwundenen Sohn …

Während Audrey zu allem bereit wäre, um ihr Kind wiederzufinden, nimmt Pater Albert den Kampf mit einer anderen Dimension auf. Aif den Spuren des Bösen reist er um die ganze Welt und zu den Wurzeln seines Glaubens, um endlich Wahrheit zu erlangen – doch werden die Menschen sie ertragen können?

REZENSION:

“616 -  Die Hölle ist überall” spielt mit allen Facetten des Mysterygenres und wirkt dadurch teilweise sehr klischeebeladen. Nichts desto trotz ist 616 ein Buch, das trotzdem zu überzeugen weiß und sicherlich jeden Mysteryfan bei der Stange hält. Die beiden Wissenschaftsjournalisten Zurdo und Gutierrez schienen ihre ganzen Erfahrungen in diesem Bereich in ein Buch mit lediglich etwa 400 Seiten einbauen zu wollen – dies kann schief gehen, aber auch funktionieren. In diesem Fall hat es funktioniert, da die unterschiedlichen Erzählstränge geschickt beieinander bleiben und der Leser niemals auch nur annähernd den Faden verliert.
Die Erzählweise der beiden Autoren ist sehr eingängig und sorgt von Seite zu Seite für ein leichtes Kribbeln beim Leser – steigt doch nicht nur die Spannung in ungeahnte Höhen, sondern auch die Dichte der Geschichte.
Nebenbei führen sehr mystische Elemente – wie z.b. der Hinweis des Teufels höchstpersönlich – zu üblichen Thrillerlementen, die zur Aufdeckung eines Psychopaten führen.
Beinahe am Interessantesten in dieser Geschichte ist die Darstellung des persönlichen Glaubenskrieges eines Paters, der durch seine wissenschaftliche Betrachtung innerlich sehr zerrissen ist und sich deshalb auf der Suche nach der Wahrheit befindet.
Sicherlich werden Kenner des Genres einige Facetten und leider auch Klischees kennen und unter Umständen belächeln – man sollte aber nicht aus dem Auge verlieren, dass es solche klassischen Mysteryromane in der Vergangenheit zwar sehr oft gab – heutzutage aber leider nicht mehr allzu häufig in einer gelungenen Qualität aufzufinden sind. Man denke nur an William Peter Blatty’s DER EXORZIST, dessen Paralellen in diesem Buch nicht von der Hand zu weisen sind. Aber warum soll man ein gutes Essen, gemischt mit einigen neuen Gewürzen, nicht erneut auf den Tisch bringen? Deswegen schmeckt es auch nicht schlechter. In diesem Fall siegt der Geschmack und schafft sogar die ein oder andere überraschende Wendung – was sehr für das Ideenreichtum der Köche spricht.
Somit ein für Genreliebhaber sehr gelungenes und spannendes Werk, das bereits allein durch die reale Erkenntnis der Bedeutung der Zahl 616 für sich spricht.
Jürgen Seibold/19.05.08

Originaltitel: A Certain Slant of Light
aus dem Amerikanischen von Sabine Thiele
c 2005 by Laura Whitcomb
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag.
ca. 315 Seiten / 14,95 €

COVER:

Helen ist tot. Und doch ist es ihr nicht vergönnt, ins Himmelreich aufzusteigen. Als durchsichtiger Schatten einer einst wunderschönen Frau bleibt sie auf Erden gefangen. Niemand sieht sie und niemand kann sie berühren. Sie ist die stille Muse ihrer “Bewahrer”, allesamt Schriftsteller, denen sie die richtigen Worte einflüstert und die nie etwas von ihrer Existenz erfahren werden. Bis eines Tages ein Siebzehnjähriger ihr Leben verändert: Er blickt Helen direkt ins Gesicht und … er lächelt! Im Körper des Schülers steckt James, ebenfalls eine Lichtgestalt. Er ist fasziniert von Helens Schönheit, und vom ersten Augenblick an wissen die beiden, dass sie füreinander bestimmt sind. nun müssen sie alles daransetzen, einen menschlichen Körper für Helen zu finden. Eine abenteuerliche Suche beginnt …

REZENSION:

Silberlicht ist erneut eine Veröffentlichung des PAN-Verlags, die bereits durch die harmonische und liebevolle Aufmachung zu glänzen weiß.
Ebenso zu überzeugen schafft es Laura Whitcomb zwischen den Buchdeckeln. Sie erschuf mit “Silberlicht” eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art, voll von Dramaturgie und sehr überzeugenden Darstellern.
Zum Teil zeigen sich in ihrer Geschichte einige Längen, die aber den Genuß in keinster Weise zu schmälern vermögen.
Somit für jeden Liebhaber übersinnlicher Liebesgeschichten durchweg zu empfehlen.
Jürgen Seibold/14.11.2010

Th. Knaur Nachf. GmbH

COVER:

Ich weiß nicht, wie ich aussehe, wenn das Tier in mir Kontrolle übernimmt. Ich weiß nur, was ich in den Augen der Menschen sehe, wenn es geschieht.

Sie ist stark. Sie ist unverwundbar. Und sie hat verdammt schlechte Laune – denn seit Anna Strong zur Vampirin wurde, muss sie gegen das immer größer werdende Verlangen nach frischem Blut ankämpfen. Da kommt es ihr durchaus gelegen, als sie erfährt, dass ihre Nichte verschwunden ist und einer ihrer Lehrer etwas damit zu tun hat. Welche bessere Ablenkung kann es geben, als sich einen solchen Widerling vorzuknöpfen? Anna ahnt nicht, wer dieser Daniel Frey wirklich ist …

Diese Frau hat wirklich Biss: Der zweite Teil der neuen Vampirserie um Anna Strong!

REZENSION:

Anna ist Kopfgeldjägerin, seit einigen Wochen Vampir und kommt nicht wirklich damit zurecht. Die Ex-Freundin von Annas verstorbenem Bruder Stephen hat einen neuen Auftrag: Ihre Tochter und damit Annas Nichte ist verschwunden. Anna ermittelt und muss feststellen, dass nicht alles so ist, wie es scheint, nicht jeder ist der, der er vorgibt zu sein. Daneben gibt es im Untergrund außer Vampiren noch andere übersinnliche Wesen, die auch nicht ganz durchsichtig sind.

Anna Strong ist keine typische Heldin, sie macht Fehler und hat auch Schwächen. Genau das macht sie so „menschlich“. Sie hat ein weiches Herz, ihre Familie und das Wohl ihrer Klienten gehen ihr über alles. Andererseits sieht sie im wahrsten Sinne des Wortes „rot“, als sie die wahren Hintergründe erkennt. Sie hat die üblichen und alltäglichen Sorgen und Probleme in ihrer Beziehung und mit ihrer Familie.

Außerdem muss sich Anna erst einmal selbst wieder finden, nachdem ihr Leben völlig aus den Fugen geraten ist.

Jeanne C. Stein schreibt dabei so fesselnd, dass man nicht aufhören kann zu lesen, und dass ich hoffe, noch viele weitere Geschichten über Anna Strong zu lesen. Würde mir eine Steigerung von „überaus empfehlenswert“ einfallen, hätte sie das verdient.
Diana Becker, August 2009

Originaltitel: Raven Stole the Moon
c der deutschsprachigen Ausgabe 1999 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
Übersetzung: Sabine Lohmann

COVER:

Buch
Seit ihr fünfjähriger Sohn Bobby bei einem Urlaub in Alaska ertrunken ist, treibt Jenna Rosen auf einen Abgrund zu. Anders als ihr Mann, der als erfolgreicher Immobilienmakler ganz auf zukünftigen Erfolg setzt, gelingt es Jenna nicht, sich von der Vergangenheit zu lösen. Bis sie spontan beschließt, an den Ort des Unheils zurückzukehren. Mitten in der Nacht bricht sie in Seattle auf und fährt gen Norden, Richtung Alaska. Ihr Ziel ist der kleine Fischerort Wrangell, denn ganz in der Nähe liegt jene Bucht, in der Bobbys Körper für immer verschwand. Doch schon nach kurzer Zeit widerfahren Jenna dort beängstigende Erlebnisse. Sie fühlt sich verfolgt und beobachtet, gespenstische Schatten bedrohen sie, und Menschen kreuzen ihren Weg, die ihr zutiefst unheimlich sind. Und dann stößt sie immer öfter auf die Indianerlegende von den Kushtakas, den Seelendieben, die ein Grenzreich zwischen Lebenden und Toten bevölkern. Jenna beginnt zu ahnen, daß Bobbys Schicksal auf rätselhafte Weise mit diesen gefährlichen Mächten verknüpft sein muß…
Mit “Seelendiebe” ist Garth Stein ein eindringliches Debüt gelungen, das große Mythen beschwört, urmenschliche Gefühle und Ängste zum Leben erweckt und auf verzaubernde Weise die Sphäre des Magischen mit der Realität verknüpft.

Autor
Garth Stein gilt trotz seiner jungen Jahre als herausragender Dokumentarfilmer, dessen Arbeiten mehrfach preisgekrönt wurden, u.a. in Cannes. Er selbst stammt von den Tlingit-Indianern ab und wuchs in Seattle auf. Heute lebt Garth Stein mit seiner Familie in New York.

REZENSION:

Garth Stein liefert mit seinem Debüt-Roman ganz solide Unterhaltung mit einer gehörigen Portion an Mythen, Legenden und indianischen Geistern.
Leider gibt es in der an sich sehr interessanten Geschichte einige Sachen, die mir ein wenig negativ aufgefallen sind. Hierzu gehört zum Beispiel der Umstand, daß Garth Stein von Beruf Dokumentarfilmer ist, sich jedoch in seinem Roman absolut nicht über die sicherlich genialen Landschaften Alaskas auslässt – dies hätte bestimmt in einer detaillierten Darstellung manch einen Leser zu einem Alaska-Fan machen können.
Als weiteres macht Garth Stein einige Handlungen auf, die nicht weiter verfolgt werden: Hier fällt mir besonders der Umstand auf, daß der männliche Hauptakteur von einer Investorengruppe 70.000,– Dollar erhält, damit er nicht auf die Idee kommt, diese für den Tod seines Sohnes verantwortlich zu machen. Dies war erstens für mich sehr verwunderlich, da der Sohn an einem Unfall gestorben ist (lassen wir mal die Geister aus dem Spiel – die kann man vor Gericht eh nicht vorbringen) und es für Robert Rosen und seine Frau keinerlei rechtliche Handhabe gegen diese Gruppe geben kann. Wenn ein Autor so ein Fass öffnet, erwarte ich auch die dementsprechende Handlung – ich dachte schon an alle möglichen Verschwörungen etc.; nur wird dieser Umstand schlicht im weiteren Verlauf ausser acht gelassen (zeigt mir bitte ein Unternehmen, daß Kohle abdrückt, ohne ein schlechtes Gewissen oder Dreck am Stecken zu haben!).
Jenna Rosen wid zwei Jahre lang von sämtlichen Therapeuten behandelt und kann trotzdem den Tod ihres Sohnes nicht verarbeiten, hat immense Probleme mit ihrem Mann und reist heimlich nach Alaska an den Ort, an dem das tragische Ünglück passiert ist – und siehe da, sie verhält sich wieder nahezu normal. Hier war Garth Stein ein bischen zu schnell mit der Heilung. Als letzten negativen Touch sehe ich den für mich unglücklichen Ausgang der entstandenen Liebesgeschichte – diesen möchte ich nicht verraten, da sonst zuviel an der Atmsophäre verloren gehen könnte.
Die aufgebaute Geschichte ist ansonsten sehr interessant, spannend aufgebaut und voller Informationen über die Mythen und Legenden der Tinglit-Indianer – leider ist die Entwicklung und der Ausgang sehr leicht vorhersagbar.
Alles in allem ist dieser Roman ein relativ leichter und ganz guter Einstieg in die Romanwelten der Genre Mystic, Horror, Fantasy. Ich denke jedoch, daß alte Hasen bei diesem Roman enttäuscht sind, da sie diese Geschichten schon tausendmal (und tausendmal besser dargestellt) gelesen haben.
Jürgen Seibold/26.12.2003

Erstauflage: September 2004
c Markus Saxer
c Edition Nocturno im VirPriV Verlag
ca. 131 Seiten

INHALT:

Vor Jahren verlor der Antiquitätenhändler Pascal Caviezel seine mystisch begabte Frau Salome bei einem tödlichen Autounfall. Während eines Schneesturms sucht er Zuflucht in der Kathedrale von St. Belem. Dort bekommt er unverhofft Gesellschaft. Ein älterer, eleganter Herr setzt sich zu ihm und beginnt – inspiriert von einem entsprechenden Buntglasfenster – seine Version vom Sündenfall zu erzählen.
Pascal packt das Grauen, als er mit Parallelen der eigenen, schändlichen Vergangenheit konfrontiert wird. Bald muss er sich fragen, ob da neben ihm nur ein hinterhältiger alter Fabulierer Platz genommen hat – oder der Teufel persönlich…

Hinweis: “Die Symmetrie des Bösen” wurde für den Deutschen Phantastik Preis nominiert.

REZENSION:

“Die Symmetrie des Bösen” von Markus Saxer ist ein Buch, das unwahrscheinlich zu fesseln weiß und viele Gedankengänge eines jeden auffrischt, bzw. erneut in Frage stellt.
Das Buch ist beinahe eine geschickt geschriebene philosophische Abhandlung, die den Leser zur erneuten Betrachtung unterschiedlichster Themen führt. Man wird mit vielen Fragen als auch Antworten insbesondere religiöser Art konfrontiert, die mit Sicherheit bei vielen Lesern zu “internen” Diskussionen führt oder führen werden.
Die Konfrontation des Hauptprotagonisten Pascal mit seinen eigenen, schändlichen Taten der Vergangenheit und dem erneuten Durchleben des Todes seiner Frau wird anhand eines Gesprächs zwischen Pascal und einem ominösen, älteren Herr dargestellt. Dieser scheint nicht von dieser Welt zu sein, da er Pascal mit sehr persönlichen Geschehnissen konfrontiert, die er eigentlich nicht wissen dürfte. Der ältere Fabulierer geht hierbei sogar noch weiter und legt selbst den Sündenfall in unterschiedlichster Weise neu aus.
Markus Saxer scheint voller Fragen und Ideen zu stecken und hat einen immensen Teil davon in diesem Buch zu verarbeiten versucht. Er kann durch seine unaufdringliche und glaubhafte Art den Leser absolut überzeugen und sich in das Buch verlieben lassen.
Ich war am Ende sichtlich enttäuscht, da ich gerne noch hunderte von Seiten weitergelesen hätte.
Somit ein Werk, das durch den Titel ein wenig in die Horror-Ecke zu driften scheint, dem aber natürlich nicht gerecht werden kann. Im Gegenteil: Es steckt erheblich mehr als eine Genrezuordnung in diesem Buch und sollte jedem in die Hand fliegen, der sich ein wenig Gedanken über Gott und die Welt macht und nach weiteren Antworten, Diskussionsgrundlagen oder auch Fragen sucht.
Kurz gesagt: Absolut jedem genreübergreifend und uneingeschränkt zu empfehlen!
Jürgen Seibold/30.08.05

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