Will Hofmann: Lebensnacht

Hofmann_Lebensnacht© 2016 by Fabulus-Verlag, Tanja Höflinger, Fellbach
ISBN 978-3-944788-06-7

COVER:

Menschen sterben weltweit in großer Zahl, ihre Leichname lösen sich in Pfützen auf, nur Knochen und Kleidungsstücke bleiben übrig. Und der Geruch nach Benzin. Der nicht für möglich gehaltene Super-GAU stellt selbst die Auswirkungen der Atombombe in den Schatten und wird Realität: Die Menschheit steht vor dem Aus.
Professor Harry Kauffmann, Träger des Chemie-Nobelpreises und weltweit anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, versucht mit seinem Team, den Schaden einzudämmen, der ihm bei seinen Experimenten unterlaufen ist. Er wollte Benzin mithilfe genetisch veränderter Bakterien herstellen. Um die tödlichen Folgen seiner Forschungen zu bekämpfen, fehlen aber die adäquaten Mittel. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt. Wie wird dieser enden?

REZENSION:

Die Idee hat zumindest ihren gewissen Charme: Einfach mit Hilfe von Gentechnik das Problem der Endlichkeit des Öls zu lösen. Sicher, Öl ist nicht gerade ein umweltschonender Kraftstoff – aber lassen wir das hier einfach mal außen vor, denn bei Will Hofmanns Thriller Lebensnacht handelt es sich um einen Wissenschaftsthriller, der mit den Gefahren der als Innovation verpackten Forschungsergebnisse spielt.
Will Hofmann führt sehr geschickt in seine Geschichte ein und lässt dabei die entstehende Problematik noch beiseite beziehungsweise nur langsam auftreten.
Mehr und mehr Menschen sterben und lösen sich auf. Dabei verströmen sie einen starken Benzingeruch. Hierdurch wird sehr schnell klar, dass die neue Technik wohl Auslöser des Ganzen zu sein scheint. Doch warum werden plötzlich Menschen mit dieser viralen Krankheit konfrontiert?
Wie bei einer Apokalypse steigen die gemeldeten Zahlen der Todesfälle ins Unermessliche, handelt es sich doch um eine virale Vorgehensweise der Bakterien.
Harry Kauffmann, anfangs durch seine Entwicklung ein sehr angesehener Nobelpreisträger sieht sich nun konfrontiert mit der Suche nach einer schnellen Lösung und darüber hinaus mit den Gedanken und der öffentlichen Wahrnehmung, hierfür der allein Schuldige zu sein.
Will Hofmann legt einen sehr rasanten Thriller vor, der relativ gut ins Detail geht und dabei auch nicht davor zurückschreckt, einige Todesfälle haarklein zu beschreiben.
Teilweise wirkt die Geschichte ein klein wenig zu sehr konstruiert – dies stört jedoch nicht wirklich, da der Anspruch dieses Romans (neben seiner grundsätzlichen Botschaft) komplett auf der Unterhaltungsschiene liegt und hier auch einwandfrei funktioniert.
Das wissenschaftliche Thema als auch die millionenfachen Todesfälle hätte der Autor bestimmt auch zu einem apokalyptischen Roman mit weit über 1.000 Seiten ausbauen können – stellt sich dabei aber die Frage, ob das notwendig wäre. Lebensnacht ist jedenfalls ein sehr guter und rasant erzählter Thriller mit interessant dargelegten Protagonisten und sorgt uneingeschränkt für einige Stunden gute Unterhaltung. Ich denke, das ist auch der Anspruch dieses Werkes. Falls ja, erfüllt es diesen auch problemlos.
Jürgen Seibold/26.08.2016
Lebensnacht: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Philip Kerr: Game Over

Kerr_GameOverOriginaltitel: Gridiron
© 1996 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg
“Gridiron” © 1995 by thynKER ltd
ISBN 978-3-499-22400-3
ca. 544 Seiten

COVER:

Ein High-Tech-Hochhaus in Los Angeles wird zur tödlichen Falle, als der Zentralcomputer plötzlich verrückt spielt. Mit dem ersten Toten beginnt für den Stararchitekten Ray Richardson ein wahrer Alptraum, mit jedem weiteren Toten steigert sich der Horror.

REZENSION:

Als ich die Beschrreibung des Buches Game Over von Philip Kerr gelesen hatte, dachte ich sogleich an frühere Horrorfilme wie zum Beispiel “Fahrstuhl des Schreckens”. Diese spielten schon vor langer Zeit mit einer kleinen Verschiebung der Normalität: Die Technik macht nicht nur, was sie machen soll.
Philip Kerr geht noch einen Schritt weiter und bringt uns in ein komplett neu konstruiertes Hochhaus vor seiner eigentlichen Eröffnung. Die letzten Vorbereitungen werden durchgeführt, jedoch kommen nach und nach einzelne Personen ohne anzunehmende Fremdeinwirkung ums Leben.
Sehr schnell stellt sich dabei heraus, dass die Menschen zum Spielball des hochentwickelten Computersystems werden, welches in diesem Haus sämtliche Versorgungseinrichtungen vollautomatisch steuert und dabei selbstlernend funktioniert.
Philip Kerr legt dabei einen sehr gut durchdachten und für das Entstehungsjahr bereits sehr visionären und immer noch zum größten Teil technisch passenden Thriller vor, der sich durchweg flüssig und eingängig lesen lässt. Seine Charakter bestehen aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die gut vom Autor gezeichnet werden.
Die Allmacht des Computersystems wird plausibel dargelegt und man springt bereits nach kurzer Einführungszeit von Geschehnis zu Geschehnis. Ein durchweg gut strukturierter Roman mit einer einfachen aber dennoch klaren Botschaft. Gleichzeitig ein typischer Thriller, den man sich sehr gut auch als abendfüllenden Unterhaltungsfilm vorstellen könnte.
Kurzum: Ein sehr gut durchdachter und spannender Unterhaltungsroman für einige angenehme Lesestunden voller Spannung in einem atemberaubenden Gebäude.
Jürgen Seibold/27.08.2016
Game over – KAUFEN BEI AMAZON

Scott Nicholson: Danach – Das Echo (Band #2 der DANACH-Reihe)

Nicholson_EchoOriginaltitel: AFTER: The Echo
Aus dem Amerikanischen von Stefan Mommerts
© 2014 Scott Nicholson – Haunted Computer Books
ca. 254 Seiten

COVER:

Sechs Wochen nach dem Schock. Die Rauchfahnen am Horizont sind dünner geworden und Rachel Wheeler ist gemeinsam mit ihren beiden Gefährten auf dem Weg in die Berge, wo ihr Großvater Franklin ein Überlebenscamp errichtet hat. Die »Zapphirne« genannten Mutanten scheinen sich von blutrünstigen Mördern zu etwas noch viel Bedrohlicherem zu verändern. Eine geheime militärische Anlage könnte der Kern eines Wiederaufbaus der Zivilisation sein, aber Franklin traut den Absichten der Soldaten nicht. Und die Zapphirne passen sich schneller an die neue Welt an als die menschlichen Überlebenden, die um ihren Platz in einer Zukunft kämpfen müssen, in der sie womöglich keine Rolle mehr spielen.

REZENSION:

Beinahe nahtlos an DER SCHOCK anschließend begleiten wir im zweiten Band der Danach-Reihe hauptsächlich Rachel Wheeler mit ihren Gefährten auf ihrem Weg in die Berge. Dort hat ihr Großvater bereits vor Jahren ein Überlebenscamp errichtet.
DAS ECHO geht in Bezug auf die Zapphirne einen Schritt weiter, denn scheinbar scheinen sich diese Mutanten geistig zu entwickeln. Hierdurch gibt Scott Nicholson dem üblichen Zombie-Schema eine neue und interessante Note und man fragt sich mehr und mehr, in welche Richtung diese Entwicklung zu gehen scheint. Entsteht dabei eine positive neue Welt? Sind die “normal” gebliebenen Menschen nur noch ein Schatten ihrer selbst? Wer passt sich den neuen Gegebenheiten schneller an?
Scott Nicholson wirft vor dem Leser diese Fragen dezent auf, gleichzeitig begleiten wir aber weiterhin die Gefährten auf ihrem Weg. Würde er das nicht mit den Erlebnissen Franklin Wheelers ein wenig auflockern, würde man das Gefühl nicht loswerden, dass man immer wieder von Zapphirnen auf der Reise gestört wird, gegen diese in irgendeiner Art und Weise kämpft, um dann einige Kilometer weiter erneut auf das gleiche Problem zu stoßen. Ab und an aufgelockert von unfreundlichen “normalen” Zeitgenossen, die sich nicht besser aufführen, als die Zapphirne und somit zum gleichen Problem führen.
Ein wiederkehrender Überlebenskampf, der ab und an zu viel des Guten zu sein scheint. Interessant werden die Zapphirne, die sich auf einer noch nicht ganz nachvollziehbaren geistigen Entwicklung befinden, vor der man sich wohl bereits jetzt schon ein wenig fürchten sollte.
DAS ECHO ist als weiterer Schritt in der Danach-Reihe erneut ganz angenehm zu lesen und man ist auch auf die weiteren Entwicklungen gespannt. Leider fehlt dem zweiten Band ein gewisser Drive und auch die Spannung lässt sehr zu wünschen übrig. Eventuell holt die Geschichte nur kurz Luft, um dann uns Leser im nächsten Band wieder fester an sich zu reißen. Wollen wir es hoffen, denn noch besteht der Drang, der gesamten Story weiterhin zu folgen, obwohl man sich bei DAS ECHO ein wenig vernachlässigt fühlt.
Ich hoffe sehr, dass der Autor die Spannungsschraube wieder anzieht und ein wenig kreativer seine Protagonisten begleiten. Darüber hinaus werde ich das Gefühl nicht los, immer noch zu wenig von diesem Personenkreis erfahren zu haben. Hier ist noch etwas Tiefe gewünscht.
Jürgen Seibold/30.03.2016
Das Echo: Ein postapokalyptischer Thriller (Danach 2) KAUFEN BEI AMAZON

Scott Nicholson: Danach – Der Schock (Band #1 der DANACH-Reihe)

Nicholson_SchockOriginaltitel: AFTER: The Shock
Aus dem Amerikanischen von Stefan Mommertz
© 2013 Scott Nicholson – Haunted Computer Books
ca. 314 Seiten

COVER:

Eine gewaltige Sonneneruption hat die technologische Infrastruktur der Erde ausgelöscht und Milliarden von Menschen getötet. Während die wenigen Überlebenden damit beschäftigt sind, sich anzupassen und zu überleben, müssen sie feststellen, dass sich einige von ihnen verändert haben. Rachel Wheeler ist auf sich allein gestellt in einer Stadt, in der gewalttätige »Zapphirne« in den Straßen herumziehen, um zu zerstören und zu töten. Rachels einzige Hoffnung ist, die Berge zu erreichen, in denen ihr Großvater, ein legendärer Überlebenskämpfer, als Vorbereitung auf den Weltuntergang einen sicheren Rückzugsort gebaut hat. Auch andere Überlebende wollen aus der Stadt fliehen, aber die Zapphirne sind nicht die einzige Gefahr. Skrupellose Gruppen von Soldaten versuchen, in den bröckelnden Ruinen der Zivilisation ihre eigene Ordnung zu errichten. Als Rachel einen zehnjährigen Jungen entdeckt, schwört sie sich, dass sie sich um ihn kümmern wird, auch wenn sie dabei ihr Leben riskieren muss.

REZENSION:

DER SCHOCK ist nach dem kurzen Prequel der erste eigentliche Band der apokalyptischen Reihe von Scott Nicholson. Ähnlich wie in nahezu jedem postapokalyptischen Szenarium, folgen wir einigen Protagonisten auf dem Weg nach einem vermeintlichen, hoffnungsvollen Ziel.
Im Gegensatz zu vielen Zombie- und Apokalypse-Romanen, ist bei Scott Nicholson die Welt nicht zerstört, da die Ursache eine immense Sonneneruption war, die dabei nicht nur die technologische Infrastruktur zerstört hatte, sondern auch für Veränderungen bei den meisten Menschen sorgte. Diese – Zapphirne genannt – ziehen durch die Straßen und greifen wie Zombies jeden “normalen” Menschen an. Interessanterweise scheinen die Zapphirne aber nach und nach eine Art Bewusstsein zu entwickeln und man fragt sich bereits im ersten Band, in welche Richtung sich dies noch entwickeln wird. Sind die wenigen Überlebenden die Zukunft, oder werden sich die Zapphirne zur neuen Weltordnung aufbauen?
Das Schema des Romans erfindet nicht wirklich neues und somit begleiten wir einige Protagonisten auf ihrem Überlebenstrip und hoffen mit ihnen, dass alles irgendwann zu einem guten Ende führt.
DER SCHOCK ist interessant erzählt und kann somit für einige unterhaltsame Stunden sorgen. Gleichzeitig bleiben dessen Hauptdarsteller noch etwas blass und oberflächlich erzählt. Das Gleiche trifft auf die Geschehnisse zu, da auf deren Wegen natürlich immer wieder etwas ähnlich anmutendes geschieht. Nichts desto trotz war das Buch angenehm zu lesen und man konnte sich ohne tiefgehenden Anspruch der reinen Unterhaltung widmen. Ein klein wenig mehr Spannung würde dem Buch gut tun, aber im Großen und Ganzen ist es ein gelungener Anfang einer recht umfangreichen Reihe.
Jürgen Seibold/30.03.2016
Der Schock (Danach) KAUFEN BEI AMAZON

Milos Never: Sommertod – Der Indie-Killer

never_sommertod© 2013 Milos Never

COVER:

Deutschlands erste Satire auf die Self-Publisher-Szene Alles, was du schon immer vermutet hast, stimmt: Rezensionen werden gekauft, Ebooks werden künstlich gepusht, und keiner tut was dagegen. Bis heute… „Sommertod“ ist schonungslos, ehrlich, hart und ab 18. Ein satirischer Thriller mit Extras. Spaß und Empörung garantiert. „Darauf hat die Ebook-Welt gewartet.“ – Cornelius aus dem Nicht-Hier „Dieses Buch gehört verboten. Ich kontaktiere sofort meinen Anwalt.“ – Anonym „Na, wenn das mal keine negativen Rezensionen nach sich zieht.“ – Nikolas Preil Ach so, zum Inhalt: Ein Serienkiller, der es auf erfolgreiche Self-Publisher abgesehen hat. Eine Kommissarin, die Horror-Romane auf ihrem E-Reader liest. Und ein Indie-Autor, der ins Visier des Killers gerät. Das Ebook umfasst ca. 50.000 Worte, also ca. 200 Normseiten. Inklusive von zwei Kurzgeschichten und einer Leseprobe.

REZENSION:

Sommertod ist ein Selfpublishing-Thriller, der den Kosmos des Selfpublishings zum Thema hat und dabei als ausgewachsener Thriller die damit verbundenen Gefahren aufzeigt…
Sommertod ist dabei sowohl ein brutaler Thriller, als auch eine Satire über den Rezensionswahn und den dazugehörigen Charts auf großen Handelsplattformen.
Milos Never lässt uns dabei eintauchen in die Welt der schreibenden Zunft, die jeweils versucht, ihr selbst verlegtes eBook in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und dabei sogar Genreabgrenzungen aufweichen, um zumindest in irgendwelchen Charts zu erscheinen. Darüber hinaus gibt es Gruppen, die für ihre eigenen Werke positive Rezensionen schreiben und für fremde, im Weg stehende Werke negative Kritiken hinterlassen, damit ihre Werke in einem besseren Licht stehen.
Manch einer bestellt seine eigenen Werke, um in den Charts höher zu kommen und eben ein ganz besonders aktiver Zeitgenosse schreckt nicht davor zurück, die vor ihm befindlichen Gegner innerhalb der vermeintlichen Bestenlisten einfach mal auf brutale Art und Weise zu quälen und um die Ecke zu bringen.
Pikanterweise vollzieht er dies auch noch auf die gleiche Art und Weise, wie vom jeweiligen Autor bereits im eigenen Werk beschrieben.
Sommertod ist ein sehr kurzweiliges, spannendes und zusätzlich noch satirisches Werk, welches einen Bogen über diese ganzen Punkte spannt und dabei sowohl sehr gut unterhalten kann, als auch ein wenig zum Nachdenken anregt.
Mir persönlich hat es außerordentlich gut gefallen – leider scheint es als eBook zumindest beim großen “A” nicht mehr vorhanden zu sein. Ob der Grund am Inhalt liegt? Meiner Meinung nach sollte es wieder erscheinen, damit sich auch weitere Leser mit diesem Buch vergnügen können.
Jürgen Seibold/30.03.2016

Ronald Malfi: December Park

malfi_december© 2014 by Ronald Malfi
Deutsche Erstausgabe © 2015 Luzifer-Verlag
ISBN E-Book: 978-3-95835-033-5
ca. 616 Seiten

COVER:

Im Herbst 1993 wird das beschauliche Städtchen Harting Farms in Maryland vom Verschwinden mehrerer Kinder erschüttert. Zunächst denken die Bewohner noch an Ausreißer – bis in dem großen, gespenstischen, umwaldeten December Park die erste Leiche eines Mädchens gefunden wird. Die Zeitungen sprechen vom Entführer als Piper – als Rattenfänger, wie in der Sage der Brüder Grimm –, weil er gekommen ist, um die Kinder wegzulocken. Doch in den Schulgängen flüstern die Kinder noch viel düsterere Namen.

Angelo Mazzone und seine Freunde entdecken eine Verbindung zu dem toten Mädchen und nehmen die Verfolgung des Mörders auf. Die fünf Jugendlichen schwören sich, der Schreckensherrschaft des Pipers ein Ende zu setzen. Doch was als mutiges Versprechen beginnt, entpuppt sich nicht nur als Odyssee in die Düsternis ihrer Heimatstadt und ihrer Bewohner, sondern auch als Selbsterfahrungstrip. In der Dämmerung ist auf den Straßen von Harting Farms jeder verdächtig, und jeder der Jungs könnte das nächste Opfer des Pipers sein.

REZENSION:

December Park versteckte sich lange Zeit auf meinem Stapel der ungelesenen Bücher. Jedesmal, wenn ich darüber nachdachte, dieses Buch nun endlich zu lesen, blickte ich auf diverse Rezensionen die es mit ES und DIE LEICHE von Stephen King vergleichten. ES ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher und wohl aus diesem Grund schreckte mich dieser Vergleich jedesmal ein wenig ab – viel zu sehr hatte ich Angst, DECEMBER PARK zu sehr damit zu vergleichen und somit wohl als nicht gut zu empfinden.
Eines Tages überkam es mich trotzdem und ich widmete mich diesem Werk des mir bis dato unbekannten Autors.
Bei DECEMBER PARK handelt es sich um eine Geschichte über fünf Jugendliche, die sich teilweise recht dilettantisch auf die Jagd nach einem Kindermörder machen.
Diese Jagd ist jedoch eher der lockere Faden, der die Geschichte zu einem Ergebnis führen möchte. Ebenso wie bei ES oder DIE LEICHE (verfilmt als “Stand By Me”) geht es in diesem Buch vielmehr um die ausklingende Jugendzeit dieser eng miteinander verbundenen Freunde. Und exakt aus diesem Grund funktioniert das Buch auch einwandfrei. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum ich solche “Coming-of-Age”-Geschichten so liebe – vielleicht liegt es einfach daran, dass ich mich noch sehr gut an meine eigene Kindheit und Jugendzeit mit allen Höhen und Tiefen erinnern kann. Scheinbar treffen solche Stories dann einen Nerv in mir, der mich davor bewahrt, das Werk wieder aus der Hand zu legen.
Der Vergleich mit ES hinkt ein klein wenig, da Stephen King einen Schritt weiter geht und den Klub der Verlierer auch als Erwachsene beleuchtet. Eher passt dabei die kurze Novelle “Die Leiche” des gleichen Autors, in dem es wie auch in December Park um die Erlebnisse von Freunden geht, die sich ein gewisses Ziel vorgenommen haben. Dort suchen sie eine Leiche, bei December Park einen Mörder.
Wie oft bei solchen Romanen scheinen Autoren sehr viel persönliches mit einzubringen, wodurch die Geschichten eine sehr schöne Tiefe erhalten, die einfach wunderbar zu lesen ist und man jedesmal am liebsten mit im erlauchten Club der Jugendlichen dabei sitzen möchte, gemeinsam eine Kippe rauchen und überlegen, was man nun an diesem Tag noch so vollbringen kann.
DECEMBER PARK hat sich förmlich in mein Herz gefräst und ich frage mich immer noch, wie es monatelang ein Schattendasein auf dem Stapel der ungelesenen Bücher fristen konnte.
Dieses Werk hat mich jedenfalls absolut überzeugt und wird nun auf dem Stapel der ewigen Bestenliste landen – eventuell gleich hinter Stephen Kings ES.
Prefekt!
Jürgen Seibold/28.03.2016
December Park: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Thomas Thiemeyer: Babylon

thiemeyer_babylon©2016 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65363-0
ca. 524 Seiten

COVER:

Um nach aufreibenden Abenteuern zur Ruhe zu kommen, erholt sich Hannah Peters mit Mann und Tochter an einem idyllischen Ausgrabungsort auf dem Peloponnes. Doch als ihr schwerreicher Mäzen Stromberg mit einem neuen Auftrag eintrifft, ist es vorbei mit dem Frieden:
Inmitten der irakischen Wüste, jener Gegend, die niemals zur Ruhe zu kommen scheint, sind Forscher auf ein rätselhaftes Bauwerk gestoßen. Sein Zweck ist noch nicht ersichtlich – doch es entsendet bedrohliche elektromagnetische Wellen.
Was Hannahs Team entdeckt, übertrifft die kühnsten Erwartungen aller: eine pyramidenartige Konstruktion, die sich, anstatt in den Himmel, in immer engeren Spiralen hinunter in die Erde schraubt. Ein Höllenschlund, der fatal an Dantes Unterwelt erinnert. Und was immer in der tiefsten seiner Kammern erwacht ist – ein vorzeitlicher Mechanismus oder eine uralte rachsüchtige Gottheit -, es hat das Ende der Menschheit eingeläutet.
Für Hannah gibt es nur eine Möglichkeit, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten: Sie muss die Reise in die Tiefe antreten – und dabei ihre Familie mitnehmen.

REZENSION:

Bereits seit dem ersten Roman Thomas Thiemeyers verfolge und lese ich alle Bücher von ihm. Dies liegt daran, dass er mich bis zu seinem Thriller namens “Devil’s River” durchweg sehr gut unterhalten und überzeugen konnte. Als Leser ist man aber scheinbar doch auf Dauer recht anspruchsvoll, denn nachdem mich “Devil’s River” leider nicht überzeugen konnte, verlor sich ein wenig die Hoffnung nach weiteren Werken Thiemeyers.
Nun erreichte mich BABYLON, welchem ich mich dadurch ein wenig skeptisch annäherte. Laut Coverbeschreibung handelt es sich dabei um ein weiteres Abenteuer von Hannah Peters und die Reihe um diese Archäologin konnte mich bisher immer sehr gut unterhalten – hatte sie doch immer einen kleinen Touch Indiana Jones an sich.
Wie sich beim Lesen erfreulicherweise herausstellte, konnte mich Thiemeyer nun wieder von sich bzw. seinem Werk überzeugen. In BABYLON verwebt der Autor die Mythen um das sagenumwobene Babel mit der Erzählung Dantes. Dies alles mit einer sehr aktuellen Brise an politischen Begebenheiten gewürzt entwickelt sich ein wirklich schöner und ausreichend spannender Abenteuerroman, dessen man sich über die doch erkleckliche Anzahl an Seiten nicht mehr entziehen kann.
Theimeyers Recherchen scheinen durchweg stimmig zu sein und sind somit plausibel dargelegt. Die Unruhen in der Wüste durch den IS als auch weiteren politischen Einflüssen geben dem Werk eine Aktualität, die dafür sorgt, dass man sich ungebremst im heutigen Irak wieder findet.
Hannah Peters selbst wirkt nicht mehr so taff wie in den vorherigen Bänden – dies ist aber dem Umstand geschuldet, dass sie sich nun auch noch um ihr Kind kümmern muss. Ich denke, keine Mutter kann ihre bisherige Rolle einfach mal so weiter spielen, somit ist auch dieser Umstand gut inszeniert.
Das Buch wird sicherlich nicht jedem gefallen, da Thiemeyer seinen Abenteuerroman auch mit mystischen wenn nicht gar fantastischen Elementen bereichert. Somit entsteht ein Genremix, wie es auch im bisher letzten Indiana Jones Film (Abenteuer meets Science Fiction) der Fall war. Mir persönlich macht so etwas überhaupt nichts aus – im Gegenteil, ich finde solche Vermischungen zumeist auch erheblich interessanter als reine Genreerzählungen.
Wer also kein Problem mit einer Archäologiegeschichte, angereichert mit fantastischen Elementen hat, der kann hier problemlos zuschlagen, sich einige Stunden zurück lehnen und einfach gut unterhalten lassen.
Mir hat BABYLON jedenfalls sehr gut gefallen und ich würde mich freuen, demnächst wieder etwas über Hannah Peters lesen zu können.
Jürgen Seibold/23.03.2016
Babylon: Thriller KAUFEN BEI AMAZON

Martin S. Burkhardt: ausradiert

burkhardt_ausradiert© 2016 Luzifer-Verlag
ISBN 978-3-95835-110-3
ca. 316 Seiten

COVER:

Wie fühlt sich jemand, der auf einen Schlag für die gesamte Welt unbekannt geworden ist, an den sich weder die eigene Freundin noch die Kollegen erinnern?
Genau das passiert Moritz.
Als er kurz darauf von nebulösen Erscheinungen angegriffen und beinahe getötet wird, ist das erst der Anfang eines schrecklichen Albraumes…

REZENSION:

Beim Lesen der Coverbeschreibung dachte ich als Erstes an die üblichen Geschichten, in denen jemandem seine eigene Identität geklaut wird und er daraufhin allumfassende Probleme in seinem Leben bekommt. Sind wir doch angewiesen auf digitale Informationen, sei es die EC-Karte, staatliche Identitäten, etc.
Martin S. Burkhardt geht aber doch gänzlich anders vor: Moritz wird einfach nicht mehr erkannt! Ganz egal, ob es sich um seine Arbeitskollegen handelt oder gar um seine Freundin.
Dieser Umstand belebt das Buch ungemein, denn es fesselt einen als Leser förmlich, mit welchen Problemen Moritz hierbei zu kämpfen hat.
Ab und an unterlaufen dem Autor dabei aber ganz kleine Fehler, bzw. hätte ich eine andere Erwartung gehabt. Als Beispiel sei hier das Problem genannt, als Moritz’ Schlüssel nicht mehr in sein eigenen Wohnungsschloss passt. Der Anruf beim Vermieter führte zu keinerlei Problemen – ich rechnete damit, dass Moritz auch dort nicht mehr als Mieter bekannt ist und deswegen das Schloss nicht zu öffnen ist.
Dies ist aber wohl der Geschichte geschuldet oder einfach nur ein kleiner Lapsus. Nichts desto trotz ist “ausradiert” ein geschickt geschriebener Thriller mit einem schlussendlichen Drift in Richtung Fantasy. Mit sowas kann man mich problemlos überzeugen, da ich Genreüberschreitungen einfach liebe.
Martin S. Burkhardt schreibt sehr eingängig und überzeugend. Die Spannung wird geschickt aufrechterhalten und man könnte noch ewige Seiten lang über die resultierenden Probleme Moritz bei der Suche nach Verständnis und Verstehen folgen.
Ab und an ist die Story ein wenig konstruiert und manchmal hatte ich mit meiner gedanklichen Vorhersage auch recht, dies wirkt sich aber nicht wirklich störend aus und somit ist Burkhardt erneut ein ziemlich guter Thriller mit fantastischen Elementen gelungen.
Ich bin jetzt schon gespannt, welche weiteren Buchideen noch von diesem Autoren zu erwarten sind.
Jürgen Seibold/15.03.2016
Ausradiert: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Fred Ink: Uppercut

ink_uppercut© 2013 Fred Ink
ca. 290 Seiten

COVER:

»Verprügeln Sie einen Obdachlosen. Laden Sie ein Beweisfoto auf Facebook hoch.« Sie haben seine Frau. Ihre Forderungen erscheinen vollkommen unsinnig. Um sie zu erfüllen, muss er alte Wunden aufreißen und sich seiner kriminellen Vergangenheit stellen. Wer tut ihm das an? Und warum? Der ehemalige Boxer Robert Strauss stolpert von einer bizarren Situation in die nächste, und nur eines ist sicher: Jemand bekommt bald ganz gewaltig was aufs Maul!

REZENSION:

Uppercut von Fred Ink ist ein rasanter Thriller mit einem relativ einfachem Plot: Die Frau des ehemaligen Boxers Robert Strauss wird entführt. Um seine Frau wieder in seine Arme schließen zu können, muss Robert Strauss einige Forderungen der Entführer erfüllen. Diese sind durchweg illegal, anfangs noch relativ einfach zu lösen (“verprügeln sie einen Obdachlosen”), werden aber in ihrer Intensität nach und nach verstärkt, bis hin zu einem finanziellen Auslösebetrag, den man nicht mal so nebenbei in der Portokasse hat.
Fred Ink lässt seinen Protagonisten von Situation zu Situation stolpern und man fühlt sich wie in einem rasanten Actionfilm, der nicht durch tiefgehende Handlung glänzt, sondern auf einfach Weise zu unterhalten versucht. Robert Strauss selbst ist nicht unbedingt ein Sympathieträger – nichts desto trotz hofft man natürlich, dass er seine Frau zurück erobern kann. Gleichzeitig fragt man sich, ob man auch bereit wäre, so weit zu gehen – ist doch nach Absolvierung aller Forderungen der eigene zukünftige Weg doch eher hinter Gittern zu erwarten.
Fred Inks Uppercut macht Spaß beim Lesen und schafft eine ganz ordentliche Unterhaltung. Er kommt aber trotzdem nicht an die Qualität der beiden anderen Bücher – die ich von diesem Autor bisher gelesen habe – ran (5 Tode, Crossover). Dafür war mir persönlich die Geschichte in weiten Teilen ein wenig zu vorhersehbar, was dazu führte, dass ich mit keiner großen Überraschung mehr rechnete und diese auch nicht erfahren durfte. Als rasanter Actionstreifen hat das Buch aber trotzdem funktioniert und somit kann man es getrost lesen, wenn man einfach mal Lust auf nicht gerade tiefgehende, dafür actiongeladene Unterhaltung hat.
Jürgen Seibold/14.03.2016

Uppercut KAUFEN BEI AMAZON

Gerwalt Richardson: Blutlinie

Blutlinie©2015 Eldur Verlag, Aachen
ISBN 978-3-937419-21-3
ca. 186 Seiten

COVER:

Was kommt dabei heraus, wenn ein bekannter BDSM-Autor einen Horrorthriller schreibt? Wahrscheinlich etwas, das weit abseits des Mainstreams gelegen ist, und vielleicht geeignet, den Leser nachhaltig zu verstören.

Zum Inhalt:

Nachdem Billy “Schwabbel” Lassalle von einem Yupiie-Paar und seiner Chefin wegen seines enormen Übergewichts provoziert wurde, läuft er Amok, von New Mexico bis zur Wüste in Arizona. Seine bevorzugten Opfer: Junge, schöne Paare.

Als er in die Verkehrskontrolle des jungen Sherriffs Joseph Squire gerät, schießt er diesen nieder.

Joseph überlebt, muss aber feststellen, dass das ermittelnde FBI auffallend wenig Interesse zeigt, den Mörder zu stellen. So verlässt er seine hochschwangere Frau Alison und nimmt auf eigene Faust die Verfolgung auf. Doch Billy ist ihm immer einen Schritt voraus. Und er hat Alison nicht vergessen, deren Bild er in Josephs Wagen gesehen hat.

Ein durch und durch abartiger Serienmörder, eine Verschwörung und ein Setting im Südwesten der USA sind die Bausteine, aus denen dieser von Sex, Blut und Perversionen triefende Thriller errichtet ist.

Wir haben Sie gewarnt.

REZENSION:

Am Ende der Coverbeschreibung steht ganz lapidar der kleine Satz “Wir haben Sie gewarnt.”
Nun gut, so etwas schreiben Verlage gerne auf ihre Bücher und möchten dem Leser damit mitteilen, dass der Inhalt natürlich brutal, abartig und voll Sex ist. Meistens liest man dann alles mögliche, nur eben nichts wirklich abartiges, brutales und auch von Sex keine Spur.
Der Eldur Verlag wäre aber nicht der Eldur Verlag, wenn an diesem Satz nicht doch etwas wahres daran haften würde und ich kann mich nach dem Genuß dieses mir bis dato unbekannten Autors nur anschließen: Der Leser wurde hiermit ernsthaft gewarnt.
Jeder blumige Mainstream-Thriller-Leser sollte einfach die Finger von Blutlinie lassen, denn ich bin davon überzeugt, würde ich das Buch in einen Mixer stecken, bleibt nur eine Melasse aus Blut, Gedärmen und Sperma übrig. Aber verdammt nochmal: Die Geschichte macht trotzdem Spaß, denn es handelt sich um eine rasante Geschichte, die einem keine Ruhe lässt.
Anfangs ist man noch ein wenig verwirrt, da der Prolog eine Richtung vorlegt, die einem lange nicht klar wird. Billy selbst ist ein gelangweilt wirkender Allerweltstyp, der sich in paar Dollar an der Zapfsäule einer Tankstelle verdient. Wie schmal der Grat zum Amoklauf ist, zeigt sogleich die nächste Szene, in der er von einem neureichen Yuppie blöd angemacht wird. Ab diesem Augenblick ist es für jeden besser, nicht den Weg Billys zu kreuzen. Insbesondere Paare haben es ihm angetan und die folgenden Folterszenen und Vergewaltigungen sind haarklein beschrieben – aber man wurde ja gewarnt!
Sehr sympathisch wirkt Sheriff Joseph, der sich eher widerwillig auf die Jagd nach Billy macht. Darüber hinaus taucht ab und an auch noch das FBI auf, zeigt aber deutlich, dass diese keine großartigen Anstrengungen vornehmen.
Dies verwundert zeitweise ein wenig – erfreulicherweise löst der Autor sämtliche Begebenheiten recht plausibel auf. Billy selbst wirkt sehr unsympathisch und einfach nur krankhaft. Dieser Eindruck löst sicher aber mit der Zeit und am Ende taucht doch tatsächlich sogar etwas Sympathie für ihn auf.
Blutlinie ist ein rasant erzählter Plot, der vor absolut gar nichts zurückschreckt. Somit sicher nicht für jeden Leser geeignet. Wer jedoch auch vor Stücken der härteren Gangart nicht zurück schreckt, ist hier sehr gut aufgehoben.
Jürgen Seibold/07.03.2016
Billys Blutlinie KAUFEN BEI AMAZON

Martin S. Burkhardt: Auf Leben und Tod

Burkhardt_LebenTod©2015 Luzifer-Verlag
ISBN 978-3-95835-114-1
ca. 283 Seiten

COVER:

Henry, ein gewalttätiger, kaputter Mann, besitzt geeignete Räume. Er fängt Frauen und Männer ein und zwingt sie in seinen unterirdischen Katakomben zum Sex.
Eine neue Generation wächst heran, die das Tageslicht niemals gesehen hat. Bereits von klein auf müssen die Kinder lernen, sich zu behaupten. Henry ist ein Fan von brutalen Ultimate-Kämpfen und möchte diese Kämpfe zum Mittelpunkt seines unterirdischen Reiches machen.
Aus den Kindern werden im Laufe der Jahre Jugendliche. »Einfache« Kämpfe reichen Henry nicht mehr aus. Von nun an geht es auf Leben und Tod.

REZENSION:

Henry gründete seine eigene Welt. Hier kann er König seiner Untertanen sein. Hier zählen nur seine Gesetze und jeder hat sich ihm unter zu werfen. Henrys Herrschaft fusst auf brutalen Kämpfen zwischen seinen Untertanen, die auf Leben und Tod durchgeführt werden. Die jeweilige Gewinnerin darf dafür in seine Gemächer. Henrys Welt lässt sich somit kurz mit den Worten Gewalt, Sex, Abhängigkeit beschreiben.
Doch warum ist Henry König seines eigenen Volkes? Warum ist Henry zu dem geworden, was er hier in der heutigen Zeit darstellt?
Diese Fragen werden von Martin S. Burkhardt in seinem Buch “Auf Leben und Tod” ganz geschickt dargestellt und beantwortet. Burkhardt verwendet dabei mehrere Zeitstränge und somit lernen wir nicht nur Henry als König seines unterirdischen Reiches kennen, sondern erfahren auch sehr viel über seine Kindheit, die beinahe ausschließlich von harter Arbeit auf dem elterlichen Hof geprägt war. Hinzu kam der Umstand, dass er es seinem Vater niemals recht machen konnte, dies mit Gewalt vermittelt worden ist. Die leibliche Mutter stellte sich auch nicht gerade als helfender Anker heraus – stand sie ihrem Mann doch in nichts nach; weniger mit Schlägen, dafür mit sexuellem Missbrauch.
Eine Kindheit, bei der sich dem Leser immer wieder die Nackenhaare sträuben. Dennoch wird einem bewusst, dass Henry es nur so kennt und er somit in eine ähnlich gelagerte Gesinnung wandern wird.
Jedesmal, wenn er wenige Minuten für sich hatte, flüchtete er sich in ein Buch über einen König und baute sich gedanklich auf dessen Basis sein eigenes Königreich auf. Dies Drang verstärkte sich und schon fand er sich mit seinem Freund beim Entführen von jungen Damen, die sie in ihrem Versteck missbrauchten und gleichzeitig Basis für das neue Königreich werden sollten.
Martin S. Burkhardts Geschichte ist brutal, abgefahren aber dennoch nachvollziehbar und entwickelt einen Sog als auch eine Dramatik, deren man sich nicht mehr entziehen kann.
Ein Buch zum Verschlingen. Sehr gerne hätte ich mich länger in der Kindheit Henrys aufgehalten. Der Aufbau der Zeitstränge ist aber ein geschicktes Mittel zur Vermittlung der Zusammenhänge. Sicherlich gab es den ein oder anderen Punkt, bei dem sich vor meinem geistigen Auge Fragezeichen entwickelten – diese blieben aber blass genug, um sie auszublenden. Damit konnte ich einfach dieser spannenden Geschichte weiter folgen. Zum Schluss hin wurde es mir fast ein wenig zu rasant in der Auflösung für die Untertanen. Hier hätte man fast noch einen zweiten band nachlegen können.
Alles in allem erneut ein sehr interessanter Plot Burkhardts. Gelungene Unterhaltung – jedoch nichts für zartbesaitete Seelen, denn der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund. Zum Glück bin ich bei Büchern nicht zartbesaitet und kann somit solchen guten Büchern problemlos folgen.
Jürgen Seibold/20.02.2016
Auf Leben und Tod: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Marc Elsberg: Blackout – Morgen ist es zu spät

Elsberg_Blackout©2012 by Marc Elsberg
© der deutschen Originalausgabe 2012 by Blanvalet Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-442-38029-9
ca. 800 Seiten

COVER:

An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, zu den Behörden durchzudringen – erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, werden dubiose E-Mails auf seinem Computer gefunden. Selbst unter Verdacht wird Manzano eins klar: Ihr Gegner ist ebenso raffiniert wie gnadenlos. Unterdessen liegt Europa im Dunkeln, und die Menschen stehen vor ihrer größten Herausforderung: Überleben.

REZENSION:

Als ich die Idee hinter diesem Buch gelesen hatte, war es beinahe um mich geschehen: Noch vor dem ersten Buchstaben malte ich mir eine Welt ohne Strom aus. In meiner Fantasie spitzte sich das dramatisch zu, denn unser Leben ist durch und durch abhängig von einer funktionierenden Versorgung von Strom. Nahezu nichts wird möglich sein, der Mensch befindet sich auf dem Weg zurück und ist dennoch durch seine moderne Umwelt in keinster Weise darauf eingestellt.
Dementsprechend spannend und gefüttert mit menschlichem Überlebenswahnsinn stellte ich mir den Inhalt dieses umfangreichen Werkes vor.
Leider wurde ich beinahe durchgehend enttäuscht – doch warum?
Nun, wenn man diesem Werk etwas zugute lassen soll, dann der Umstand, dass der Autor absolut brillant recherchiert hatte. Denn sämtliche von ihm genannten Szenen und Umstände sind wissenschaftlich akribisch dargelegt. Das Problem dabei: Als Leser hatte ich eher das Gefühl, zum Kenner des europäischen Stromnetzes zu werden, denn zum Empfänger eines spannenden Plots.
Sicherlich hat die Geschichte oberflächlich betrachtet viele spannende Momente zu bieten – leider sind diese aber nicht ausreichend dargelegt, wodurch die Spannung einfach nicht aus ihrem Versteck herauskriechen konnte. Sobald der Autor etwas dramatisches ansprach, wird dem Leser dies anhand eines Zeitungsartikels dargelegt. Und welche Eigenschaft haben Zeitungsartikel, wenn sie über ein Geschehniss berichten sollen? Exakt, sie müssen es sachlich und trocken erzählen. Hinzu kommen Politiker und Firmenbosse, die genauso ausschweifend reden, wie sie es im realen Leben in ihrer jeweiligen Regierungserklärung eben auch machen. Somit zwar realistisch – aber auch realistisch langweilig.
Das Buch ist nicht gerade als dünn zu nennen und ich dachte nahezu alle einhundert Seiten darüber nach, einfach damit auf zu hören. Warum ich mich bis zum bitteren Ende durch gequält habe, erschließt sich mir heute immer noch nicht, denn die Hoffnung auf spannende Elemente wurde einfach nicht befriedigt.
Sicherlich können viele diesem Werk etwas abgewinnen, in meinen Augen blieb nur noch eine Enttäuschung übrig, da die Idee einen sehr spannenden Plot bieten könnte, dies aber hier beinahe in einer wissenschaftlichen Arbeit verschwunden ist.
Man könnte jetzt natürlich anmerken, dass Blackout dafür lehrreich ist und keine leichte Unterhaltung sein soll – ja, aber man kann auch lehrreich und spannend Geschichten erzählen und das ist mir immer noch lieber als das Gefühl eines Sachbuches.
Ein kleiner Erfolg war dennoch vorhanden: Durch die zielgerichtete Werbung wurde ich auf weitere Bücher mit einem Stromausfall als Hauptthema aufmerksam. Einige davon wanderten auf meinen Stapel und ich bin mal gespannt, wie andere Autoren mit dieser nahezu apokalyptischen Szenerie umzugehen wissen.
Jürgen Seibold/20.02.2016
BLACKOUT – Morgen ist es zu spät: Roman KAUFEN BEI AMAZON

Timo Leibig: Mamasohn – Fußabschneider

fussabschneider_timoleibig_web© Timo Leibig
www.timoleibig.de
ca. 298 Seiten

COVER:

Der zweite Fall für Goldmann und Brandner!

Eine übel zugerichtete Frauenleiche taucht in den Auen auf. Ihr fehlt ein Fuß, mit einer Handsäge abgeschnitten. Darüber hinaus gibt es weder verwertbare Spuren noch einen Hinweis auf ihre Identität.
Die Kommissare Leonore Goldmann und Walter Brandner stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe.
Dann verschwindet noch eine junge Frau, die Leonore bekannt ist. Inwieweit haben die beiden Fälle miteinander zu tun?
Goldmann und Brandner stürzen sich in die Ermittlungen – und müssen feststellen, dass die Welt ein sehr dunkler Ort ist.

REZENSION:

Timo Leibig lässt sein sehr interessantes und mit eigenen Problemen besticktes Ermittlerduo erneut auf einen Psychopathen los, der scheinbar wahllos Frauen auf qualvolle Weise ermordet und dabei auch nicht auf ein Souvenir für seine persönliche Sammlung verzichtet.
Goldmann und Brandner waren noch sichtlich geschockt von ihrem ersten Fall – nichts desto trotz nehmen sie die Jagd auf und werden auch persönlich mit hineingerissen.
Sehr geschickt schreibt Leibig nicht nur aus der Sicht des Ermittlerduos, sondern ebenfalls aus der Sicht des Täters. Hierdurch wird uns als Leser dieser ebenfalls sehr detailreich und plastisch vorgeführt und man ertappt sich dabei, wie man mit geweiteten Augen seinen Taten folgt. Spätestens nach dem der Täter seine eigene Familie mit in das Geschehen einbezieht, fragt man sich, in wie weit ein eigener Partner zu so etwas in der Lage wäre.
Das Ermittlerduo hat bereits im ersten Buch seinen Platz in meinem Protagonistenherzen gefunden und ich ertappte mich dabei, ein wenig enttäuscht zu sein, als das Buch zu Ende war, da ich noch sehr viel Lust auf weitere private Details dieser beiden habe. Wie ich aber Timo Leibig einschätze, wird es mit dem vorliegenden zweiten Fall glücklicherweise nicht gewesen sein.
Der Fußabschneider ist bereist der vierte Roman aus der Feder Leibigs. Sein Debüt gab er mit “Blut und Harz”, welches mir in einer sehr frühen und dadurch noch ein wenig mit Fehlern gespickten Fassung vorliegt (meines Wissens sind diese aber behoben). Darüber hinwegsehend, war aber bereits das Debüt ein sehr guter Thriller und ich freute mich, als ich erfuhr, dass Timo Leibig einen weiteren Roman auf die Welt los lies.
Interessanterweise deklarierte ich ihn als Geheimtipp in meiner Rezension zu seinem Debüt – jeder weitere Roman zeigte, dass ich damit Recht behalten sollte, denn die Qualität stieg immer weiter und somit kann man als Thrillerfan nun getrost einen Roman Timo Leibigs zur Hand nehmen.
Insbesondere die Fälle der beiden Ermittler zeigten mir, dass man Kriminalfälle auch problemlos mit Thrillerelementen füttern kann. Dadurch erhält dieses Genre (sofern man es dem Krimi zuordnen möchte) eine gelungene Aufwertung. Für mich sind es reinrassige Thriller und ich hoffe, dass der Autor auch weiterhin so unverblümt bleibt und nirgendwo den Schonungsbalken darüber legt. Wenn er exakt auf diesem Niveau weitermacht, mache ich mir jedenfalls absolut keinerlei Sorgen über die nächsten Wereke – im Gegenteil: Ich freue mich bereits jetzt darauf.
Jürgen Seibold/04.02.2016
Fußabschneider: Thriller (Goldmann und Brandner) KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Basar der bösen Träume

King_basarOrignaltitel: Bazaar of Bad Dreams
©2015 by Stephen King
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-16403-4
ca. 768 Seiten

COVER:

Abermals legt Stephen King, u. a. Träger des renommierten »O.-Henry-Preises«, eine umfassende und vielseitige Kurzgeschichtensammlung vor. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht.

Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube – Geschichten, die uns einladen, Stephen Kings Meisterschaft im Erzählen aufs Neue beizuwohnen, oder, wie er selbst in seinem Basar der bösen Träume ausruft: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.«

REZENSION:

Im vorliegenden Band vereinen sich zwanzig Kurzgeschichten meines absoluten Lieblingsautors. In der Vergangenheit sah ich King jedoch nicht wirklich als Kurzgeschichtenerzähler, da mir seine ausschweifenden Romane nahezu durch die Bank erheblich mehr zusagten. Nun erneut ein Kurzgeschichtenband, in dem sich teils bereits veröffentlichte, teils neue Kurzgeschichten des Autors wiederfinden lassen. Die Geschichten selbst sind sehr unterschiedlich und somit kann ein Leser, dessen Meinung in Richtung Stephen King immer noch ausschließlich etwas von Horror sagt, hier nicht durchgehend zufrieden sein. Viel zu verschiedene Stimmungen und Genres baut King auf.
Nichts desto trotz schaffte er es erneut nicht umfassend, mich mit diesem Band zu überzeugen. Sicher: Einige Geschichten überzeugten mit jedem Wort – andere jedoch konnten mich in keinster Weise berühren.
Der Schreibstil Kings ist beileibe bei allen außerordentlich, aber trotzdem konnte der Funke nicht immer überspringen. Somit ein ganz netter Band für mich als 100%igen-King-Käufer-und-Leser, aber nun warte ich lieber auf den nächsten Roman.
Positiv sei zu erwähnen, dass Heyne in diesem Fall den Originaltitel einfach mal in das deutsche übersetzt hat und wohl weg ist vom unsäglichen “wir brauchen einen Titel mit nur einem Wort”. Endlich!
Negativ sei zu erwähnen, dass der namhafte Verlag aber ein wenig in der Übersetzung geschludert hat. Im Falle eines 2,99 € Buches eines aufstrebenden Selfpublishers schließe ich wohlwollend meine Augen und kann das akzeptieren – bei diesen doch recht hochpreisigen Büchern erwarte ich aber auch die notwendige Qualität. Hier muss definitiv darauf geachtet werden, insbesondere, da Verlage in der heutigen Zeit durch die aufkommende Konkurrenz immer das Argument bringen, dass bei ihnen eben eine andere Qualität dahinter steckt. Nun, dann möchte ich neben einigen Fehlern in Sätzen auch nicht so etwas offensichtliches lesen, wie “Rache” statt dem Namen “Rachel”. Das darf einfach nicht passieren.
Jürgen Seibold/04.02.2016
Basar der bösen Träume KAUFEN BEI AMAZON

Frank Lauenroth: New York Run

Lauenroth_NYRun© Sportwelt Verlag
www.sportwelt-verlag.de
ISBN 978-3-941297-20-3
ca. 280 Seiten

COVER:

Der skrupellose Oligarch Stalin zwingt Brian Harding und Christopher Johnson, mit Sprengstoff in den Schuhen den New York Marathon zu laufen – und zu gewinnen. Mit einem Dopingmittel im Blut sollen sie an der Spitze des Feldes für Aufmerksamkeit sorgen. Und da einer der Läufer auf den Fahndungslisten der Geheimdienste ganz oben steht, entwickelt sich schon kurz nach dem Start eine wilde Verfolgungsjagd. Brian Harding und Christopher Johnson bleiben nur zwei Stunden Zeit, um ihr Leben zu retten.

REZENSION:

Nachdem ich bereits vor einiger Zeit den ersten Marathon-Thriller namens Boston Run von Frank Lauenroth nicht nur gelesen, sondern auch für gut befunden habe, war es nahezu selbstverständlich, dass ich mich auch dem zweiten Thriller aus der Welt des Marathons widmen würde.
Wie sich bereits in Boston Run herausstellen sollte, muss man nicht unbedingt ein Freund dieser Veranstaltungen oder des Laufens sein, um mit diesen Werken etwas anfangen zu können. Sicherlich irritiert es ein wenig, diese Bücher im Dach eines Sportliteratur-Verlages zu finden – aber warum nicht einfach ein wenig Diversifikation betreiben und auch Thriller im Kosmos des Sports anbieten?
Boston Run zeigte sich als reinrassiger Geheimdienstthriller und ich fragte mich kurz, ob dem Autor überhaupt etwas neues einfallen wird, oder ob er einfach auf simple Weise lediglich die Örtlichkeit ändert.
Wie sich erfreulicherweise herausstellen sollte, schafft es Frank Lauenroth spielend, seine Protagonisten des ersten Buches durch einen erneut durchweg rasanten Thriller zu jagen.
Bereits die Idee mit der Erpressung ist sagenhaft: Tragen doch beide kleine Sprengsätze in ihren Schuhen, die losgehen, sobald mit dem Laufen aufgehört wird. Als ob das nicht ausreichend Motivation für die beiden Läufer wäre, wird auch der Geheimdienst auf sie aufmerksam und eröffnet die Jagd.
Würde ich die Geschehnisse aus Boston Run nicht kennen, hätte ich bei New York Run ein wenig zu bemängeln: Sind doch die Geheimdienste bereits durch bloßes sehen der Protagonisten auf sie aufmerksam geworden und starten unverzüglich ihre Maßnahmen. Dies geht fast ein wenig zu schnell und man fragt sich, wieso dieser Apparat ohne Vorwarnung loslegen kann.
Als Leser von Boston Run wiederum ist einem das absolut klar, da einer der beiden sehr wohl bekannt ist und darüber hinaus auf den Fahndungslisten steht.
New York Run lässt einem keinerlei Ruhe, denn es gibt so gut wie kein Kapitel, welches nicht auf spannende Weise die Geschichte antreibt. Man spürt förmlich jeden einzelnen Kilometer dieses Laufes – darüber hinaus fragt man sich pausenlos, wie die beiden mit der Situation klar kommen werden. Immerhin sollen sie nicht nur mitlaufen, sondern sogar gewinnen.
Ich persönlich kann jedem nur anraten, vorher auch den spannenden Boston Run zu genießen und erst dann New York Run in die Hand zu nehmen. Im Gesamten wirkt der zweite Lauf erheblich intensiver.
Zum Ende gibt es auch noch einen schönen Twist, mit dem man eigentlich nicht wirklich gerechnet hat – wiederum aber plausibel ist.
Alles in allem ein absolut rasanter und spannender Thriller aus der Welt der Geheimdienste mit einem interessanten Setting. Sehr zu empfehlen und sollte der Autor noch die ein oder andere weiterführende Idee haben: Schreiben, schreiben, schreiben…
Jürgen Seibold/02.02.2016
New York Run: Der zweite Marathon-Thriller KAUFEN BEI AMAZON