Rebecca Drake: Still sollst du sterben…

Originaltitel: The Next Killing
Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Hartmann
Deutsche Erstausgabe März 2009
c 2007 by Rebecca Mertz
c 2009 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
Ca. 552 Seiten / € 7,95

COVER:

Lauren will ihre dunkle Vergangenheit endlich hinter sich lassen und fängt an der idyllisch gelegenen Mädchenschule St. Ursula als Lehrkraft an. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft entdeckt sie im Wald eine Mädchenleiche. Die Schülerinnen sind entsetzt und ihres Lebens nicht mehr sicher. Nicht nur die smarte Polizistin Stephanie Land ermittelt, auch Lauren recherchiert heimlich. Doch der Serienkiller, der die Mädchenschule heimsucht, beobachtet Lauren und wartet nur darauf, sie für ihre Sünden büßen zu lassen …

REZENSION:

Rebecca Drake legt mit „Still sollst du sterben…“ einen routinierten Thriller vor, der relativ gut als reine Unterhaltungsliteratur zum entspannenden Zeitvertreib genutzt werden kann. Anfangs ist man allerdings mit sich selbst im Zweifel, ob man das Buch zur Seite legen sollte – glücklicherweise findet die Autorin doch noch den Hebel zum Umlegen und man folgt daraufhin einem Thriller, der mit einer Portion Spannung den Einsteiger überzeugen kann. Ihre Protagonisten werden lebend und glaubhaft dargestellt – gleiches gilt für die gesamte Geschichte. Leider bleibt es ein wenig vorhersehbar und sorgt somit nicht dafür, beim Leser in großer Erinnerung haften zu bleiben. Somit ein ganz guter Urlaubsroman – leider nicht allzu viel mehr.
Jürgen Seibold / 30.05.09

Luc Deflo: Nackte Seelen

Originaltitel: Naakte zielen
Übersetzung: Stefanie Schäfer
Deutsche Erstausgabe August 2007
c 1999 by Uitgeverij Manteau / Standaard Uitgeverij nv en Luc Deflo
c 2007 der deutchsprachigen Ausgabe by Knaur Taschenbuch
ca. 362 Seiten / 8,95 €

COVER:

”Was war mit dem Blut im Flur? Hatte er es aufgewischt und den Putzlappen mitgenommen? War das durchtränkte Tuch seine Beute? Saß er jetzt in einem dunklen Winkel und roch oder leckte daran?”

Fieberhaft versucht Polizeipsychologe Dirk Deleu, sich in die kranke Gedankenwelt jenes brutalen Killers hineinzuversetzen, der in Mechelen ganze Familien auslöscht. So sehr vergräbt er sich in den Fall, dass er die Parallelen zwischen seinem eigenen Leben und dem der Opfer übersieht. Dabei plant der Täter bereits sein nächstes blutiges Ritual…

REZENSION:

Luc Deflo erklimmt in seinem Heimatland regelmäßig die Bestsellerlisten. Nun erschien sein Debütroman NACKTE SEELEN auch in Deutschland.
Das Buch handelt in erster Linie von Dirk Deleu – Polizeipsychologe mit genug privaten Problemen, um seinen Job an den Nagel zu hängen. Dirk Deleu’s Stärke liegt in der “Hineinversetzung” in die kranken Gedankenwelten der mordenden Psychopathen. Dies wird von Luc Deflo auch in virtuoser Weise dargestellt – lässt er doch den Leser an den gedanklichen und teils kranken Spielereien des Ermittlers teilhaben.
Dadurch führt er seine Leser in einen Sog, der voller Blutrünstigkeit strotzt – hinzu kommt die Brutalität des Mörders, dessen Rituale ebenfalls sehr detailreich präsentiert werden. Dieser Umstand lässt sicherlich die Meinungen der Leser auseinander driften – gibt es doch genug, die bei einem Thriller nicht mehr als einen spannenden Krimi erwarten. Deflo geht aber hierin darüber hinaus und zeigt jede Kleinigkeit in farbenfroher und dadurch um so erschreckenderen Art und Weise.
Nach etwa 150 Seiten führt er den Mörder vor und man ist zwar überrascht über die Person, aber auch ein wenig enttäuscht über dieses vorzeitige Wissen. Wie sich aber herausstellt, lässt er es nicht dabei, sondern zeigt uns auch die Krankhaftigkeit und das Entstehen des Monsters.
Das Ende wird einige Leser mit offenem Mund sitzen lassen – ist aber nichts desto trotz nachvollziehbar.
Alles in allem bleibt ein recht spannender aber auch brutaler Thriller, der zu gefallen weiß und als Debütroman sehr überzeugend wirkt. Es gibt sicherlich noch einiges an Potenzial – insbesondere, was die Spannung betrifft – aber dies wird Luc Deflo hoffentlich in seinen Folgebändern zu erfüllen wissen.
Jürgen Seibold/19.10.2007

Michael Crichton: Congo

Originaltitel: Congo
Übersetzung: Karl A. Klewer
c 1994 Droemersche Verlagsanstalt Th.Knaur Nachf., München
vorl. Exemplar: Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH

COVER:

John Michael Crichton wurde am 23. Oktober 1942 in Roslyn (Long Island) geboren. Bereits mit neun Jahren schrieb er seine ersten Stücke für ein Puppentheater, und als er vierzehn war, verkaufte er schon seinen ersten Artikel an die New York Times. Er machte in Harvard seinen Bachelor of Arts in Anthropologie, um schon mit zweiundzwanzig Jahren in Cambridge vor Gleichaltrigen zu dozieren. Schließlich kehrte er zum Medizinstudium nach Harvard zurück. Dreißigjährig war Crichton bereits ein erfolgreicher Arzt und Bakteriologe. Sein Studium hatte er sich mit dem Schreiben von Krimis verdient, allerdings – so sagt er selbst – “unter den Pseudonymen John Lange und Jeffrey Hudson, sie waren einfach zu schlecht”. Nur ein Buch veröffentlichte er damals unter seinem richtigen Namen: Andromeda – heute ein Klassiker des Science-Fiction-Genres.
Crichton erhielt die Möglichkeit, dem Regisseur Robert Wise bei den Dreharbeiten zu Andromeda über die Schulter zu schauen. Seither hat ihn das Drehbuchschreiben und Filmemachen nie mehr ganz losgelassen. Er führte selbst Regie bei mehreren Filmen, darunter der Adaption seines eigenen Romans Der große Eisenbahnraub mit Sean Connery. Seine Bücher, stets hervorragend recherchiert und erzählt, haben ihm mittlerweile weltweiten Ruhm eingebracht: Enthüllung, verfilmt mit Michael Douglas und Demi Moore, Nippon Connection, als Film Die Wiege der Sonne mit Sean Connery in der Hauptrolle, und der Saurier-Schocker Jurassic Park von Stephen Spielberg, der als der größte Kinoerfolg aller Zeiten gilt.
Der Regisseur Frank Marshall (Arachnophobia) verfilmte Michael Crichtons Roman Expedition Kongo. Crichton selbst hat – wie in früheren Verfilmungen seiner Werke – am Drehbuch mitgearbeitet.

In der Datenzentrale der Earth Resources Technology Services (ERTS) in Houston, Texas, wartet Dr. Karen Ross auf die routinemäßige Telekommunikation eines Teams aus dem menschenleeren Nordosten Zaires, das dort nach speziellen, industriell noch nicht herstellbaren Diamanten sucht. Doch die Kongo-Expedition meldet sich nicht. Über Satellit bietet sich Karen Ross ein entsetzliches Bild: brennende Zelte, Leichen – und ein unheimliches schwarzes Wesen, das die Kamera zerschmettert. Dann reißt die Verbindung ab. Die nächste Expedition leitet Karen Ross selbst und macht bald eine aufsehenerregende Entdeckung: graue Gorillas, die ofenbar über eine hochentwickelte Intelligenz verfügen!

REZENSION:

Dieses Buch von Michael Crichton ist sicherlich spannend geschrieben und erheblich besser als der ziemlich schlechte Film.
Alles in allem finde ich aber trotzdem, das dieses Buch ausschließlich zur lockeren Unterhaltung nebenbei dienlich ist. Es ist teilweise doch sehr einfach und nicht mit allzu viel Herzblut geschrieben.
Crichton hat sicherlich bessere Bücher – ich möchte es jetzt aber nicht zu schlecht machen, da es eine kurzweilige und spannende Unterhaltung bietet, was ja auch des öfteren nötig ist. Man kann hiermit sicherlich gemütlich abschalten und mal eine ganz gute Thrillergeschichte lesen.
Jürgen Seibold/01.02.2003

Michael Crichton: Timeline

Originaltitel: Timeline
Knopf, New York
Karl Blessing Verlag München, 2000
vorliegendes Exemplar: RM Buch und Medien Vertrieb GmbH, Buch Nr. 05192 0

COVER:

Am idyllischen Fluß Dordogne in Frankreich liegt das Ausgrabungscamp des amerikanischen Geschichtsprofessors Edward Johnston. Genau hier fand Mitte des 14. Jahrhunderts eine Episode des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich statt, und die vier Ruinen – zwei Festungen, eine Mühle und ein Kloster – sind für Johnston und seine Studenten ein ideales Betätigungsfeld.
Eines Tages kommt Professor Johnston ein unheimlicher Verdacht: Könnte es sein, daß die amerikanische High-Tech-Firma ITC, die sein Forschungsprojekt seit Jahren großzügig unterstützt, eine Zeitmaschine entwickelt hat und damit bereits in die Vergangenheit gereist ist? Oder wie sonst ist die Genauigkeit eines Aufrißplans des Klosters zu erklären, der ihm aus Amerika in die Hände gespielt wurde? Wutentbrannt fährt Johnston in die USA. Nur wenige Tage später erreicht ein erregter Anruf das Camp: Der Professor sei ins Mittelalter gereist, und seine Studenten würden dringend gebeten, ihn von dort zurückzuholen. Auf den Wissenschaftshistoriker Chris, die Architektin Katherine und den Alltagshistoriker André wartet die Begegnung mit einer sensationellen Maschinerie, die die Erfüllung eines uralten Menschheitstraums in greifbare Nähe rückt – und eine Reise zurück in eben die Zeit, an deren Erforschung sie schon seit Jahren arbeiten. Die Verlockung, sie hautnah zu erleben – und dabei den Professor zu retten – ist größer als jede Angst …

Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane – “Andromeda”, “Der große Eisenbahnraub”, “Jurassic Park”, “Enthüllung”, “Die Wiege der Sonne” und viele mehr – wurden auch als Filme weltweit Erfolge. Autor der Fernsehserie “Emergency Room”.

REZENSION:

Dieses Buch ist sehr unterhaltsam, kurzweilig und macht Spaß zum Lesen. Es ist eine gute Idee und nicht schwer geschrieben.
Es ist aber gleichzeitig auch nicht besonders anspruchsvoll und wird nicht in die Geschichte der Crichton-Bücher eingehen.
Davon mal abgesehen bekommt es trotzdem von mir 4 Sterne, da es nun mal wirklich Spaß macht und mal eben zum zwischendurch lesen sehr gut geeignet ist. Es könnte natürlich auch besser sein – aber manchmal braucht man auch mal ein Buch zum reinen Abschalten, sich unterhalten lassen und zum relaxen. Dafür einfach perfekt.
Jürgen Seibold / 17.01.2003

Enrique Cortés: Der 26. Stock

Originaltitel: La Torre
Aus dem Spanischen von Luis Ruby
Deutsche Erstausgabe April 2010
c 2007 Enrique Cortéz
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutsche Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 608 Seiten / € 14,90

COVER:

In einer kalten Februarnacht füllt sich der Himmel über Madrid mit Rauch: Die Zentrale eines internationalen Großkonzerns brennt lichterloh. Die Feuerwehr kann nichts gegen das Flammeninferno ausrichten, der Wolkenkratzer wird komplett evakuiert. Trotzdem entdecken Schaulustige im 26. Stock menschliche Schatten – aber in den Tagen darauf wird keine Leiche gefunden und auch niemand vermisst.

Isabel Alvarado ist Personalverantwortliche in der Abteilung Human Resources der Holding. Wochen vor der unheilvollen Brandnacht wird die 30-Jährige durch seltsame Vorkommnisse plötzlich hellhörig: Ihr Vorgesetzter verschwindet spurlos; ein neues Zutrittskontrollsystem wird über Nacht installiert; ihr geistig behinderter Bruder Teo, der in dem Büroturm als Reinigungskraft arbeitet, erlebt im Lift einen haarsträubenden Albtraum; Kollegen werden befördert, um dann ebenfalls spurlos zu verschwinden; und dann taucht auch noch ein seltsames Video auf…

Rezension:

“Der 26. Stock” ist in meinen Augen ein eher zwiespältiges Werk eines sicherlich aufstrebenden Autors. Das Problem liegt hierbei insbesondere in der falschen Erwartungshaltung des Lesers durch einen sehr reißerischen Klappentext, wodurch die dadurch entstandenen Bedürfnisse in keinster Weise befriedigt werden und somit das Buch schlechter dar stehen lassen, als es ihm ohne diese gerecht wird.
Die Geschichte ist eher als etwas kruder Krimi zu sehen, der am Meisten durch seine – vielen persönlich ähnlich bekannten – Geschehnisse im Büroalltag lebt. Diese spitzen sich zwar etwas zu – teilweise leider auch recht unglaubwürdig – wodurch ein relativ gut zu lesender Roman entstanden ist, der mit einem furiosen Ende versucht, dem Klappentext gerecht zu werden. Leider ist das Buch auch recht langatmig und wird dadurch dem implizierten Genre des Psychothrillers nicht durchgehend gerecht.
Enrique Cortes jedenfalls hat eine eingängige Art des Schreibens und somit entsteht die Hoffnung, das dies hier sein Lehrstück war und er uns noch beweist, zu was er wirklich fähig ist.
Jürgen Seibold / 24.08.2010

Lincoln Child: Eden Inc.

Originaltitel: Death Match
Übersetzung: Ronald M. Hahn
c 2004 by Lincoln Child
c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe bei Droemer Verlag.

COVER:

“Liza ist ein Hybridrechner. So einen gibt es auf der Welt nicht noch mal.”
“WIeso nicht?”, fragte Lash.
“Weil er der einzige Großrechner ist, der um den Kern einer künstlichen Intelligenz herum gebaut wurde.”
“Und wie ist Silver dazu gekommen, ihn zu bauen?”
Tora trank einen Schluck Tee.”Darüber gibt es nur Gerüchte.”

Der brillante Informatikspezialist Richard Silver erschafft einen lernfähigen Computer, der zum Erfolgsgarant der Partnervermittlungsagentur Eden Inc. wird: Liza. Nur dieser Superrechner ist in der Lage, aus den komplexen Profilen von Millionen einsamer Menschen die beiden auszuwählen, die optimal zueinander passen und für ein glückliches Leben prädestiniert sind. Sechs solche perfekte Paare sind das Aushängeschild der Agentur – doch dann begeht das erste gemeinsamen Selbstmord. Der ehemalige FBI-Psychologe Dr. Christopher Lash soll herausfinden, wie es dazu kommen konnte. Seine Untersuchungen ergeben zunächst nichts Ungewöhnliches. Doch dann stirbt das zweite Trampaar. Lash muss sich in die Höhle des Löwen begeben, um das Geheimnis zu lösen – in die Welt von Eden Inc., High-Tech, totaler Überwachung – und Liza…

Lincoln Child arbeitete als Lektor für einen großen amerikanischen Verlag und machte sich als Herausgeber von Anthologien einen Namen, bis er 1995 zusammen mit Douglas Preston seinen ersten Wissenschaftsthriller schrieb. Relic – Museum der Angst wurde ein internationaler Bestseller, dem bisher sieben weitere folgten, darunter Ice Ship – Tödliche Fracht und Formula – Tunnel des Grauens. 2002 erschien Lincoln Childs erster Soloroman Das Patent, der als Knaur Taschenbuch vorliegt.
Lincoln Child lebt mit seiner Familie in Morristown, New Jersey. Er arbeitet derzeit sowohl an eigenen Projekten als auch am nächsten Roman mit seinem Freund Douglas Preston.

REZENSION:

Eden Inc. ist ein unglaublich spannender Roman über eine sehr erfolgreiche Partnervermittlungsagentur. Durch den auf der Welt einmaligen Superrechner Liza ist es der Agentur möglich, die komplexesten Berechnungen zur Partnerfindung durchzuführen.
Eine Übereinstimmung ab 90% sorgt bereits für ein glückliches Leben – eine absolute Übereinstimmung von 100% ist nahezu unmöglich und bei Eden Inc. erst sechs mal vorgekommen.
Als das erste dieser perfekten Paare gemeinsam Selbstmord begeht, soll der ehemalige FBI-Psychologe Christopher Lash den Grund dafür herausfinden. Während seine Untersuchungen im Umfeld dieses Paares zu nichts Ungewöhnlichem führen stirbt das zweite Traumpaar. Dr. Christopher Lash begibt sich nun zur Klärung des Falles in das Innere von Eden Inc. …
Beim Genuss dieses Romans vergisst man sehr schnell die eigene Umwelt um förmlich in das Geschehen um Christopher Lash einzutauchen. Lincoln Child schreibt extrem spannend und versteht es, den Leser mit einer glaubhaften Darstellung der technischen Entwicklungen, sowie den Eigenheiten der Firma an das Buch zu fesseln. Es ist eine furchteinflössende Geschichte, die Big-Brother-Elemente geschickt mit der Allmacht von überlegener Rechenkraft verbindet.
Lediglich die Auflösung gab es schon mehrfach in ähnlichen Romanen gleichen Grundthemas – Nur: Lincoln Child schaffte es am spannendsten.
Jürgen Seibold/16.05.05

Michael Byrnes: Relictum

Originaltitel: The Sacred Bones
Übersetzung: Dois Styron
Deutsche Erstausgabe Mai 2007
c 2007 by Michael Byrnes
c 2007 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch.
ca. 460 Seiten / 8,95 €

COVER:

Eine mit modernstem Hightech-Gerät ausgerüstete Söldnertruppe stürmt den Felsendom in Jerusalem und raubt aus einer verborgenen Grabkammer eine antike Reliquie: ein Ossarium, das die Gebeine eines unbekannten Toten enthält. Auftraggeber ist der römische Kardinal Santelli, dem ein geheimnisumwittertes Manuskript aus dem 1. Jahrhundert in die Hände gespielt wurde. Dort finden sich Hinweise darauf, dass diese Grabkiste die sterblichen Überreste Jesu Christi enthalten könnte. Und Santelli will mit allen Mitteln verhindern, dass die heilige Lehre von der Auferstehung Christi widerlegt wird…

REZENSION:

Mysteryromane schießen seit dem unglaublichen Erfolg von Dan Brown wie Pilze aus dem Boden. Wie bei vielen anderen wird auch bei Michael Byrnes RELICTUM auf diesen Zusammenhang hingewiesen.
Meistens werden die dann erzählten Geschichten dieser Verbindung in keinster Weise gerecht und man hat das Gefühl, das einfach die Marketingabteilung des Verlages damit lediglich die Verkaufszahlen erhöhen möchte – ohne Rücksicht auf die Qualität der Story zwischen den Buchdeckeln.
Es gibt jedoch auch Autoren, die es absolut nicht nötig haben, so eine Hilfe zu erhalten. Michael Byrnes gehört definitiv zu dieser Sorte.
Sein RELICTUM ist vielmehr eine gelungene und hochinteressante Variante dieses Genres. Er verknüpft spielerisch mysteriöse Elemente, kirchliche Hintergründe, Verschwörungen, Ängste, Nachforschungen mit politischen Gegebenheiten und baut damit eines hochgradigen Blockbuster auf, der zum Umblättern zwingt und den Leser durch seinen geschickten Spannungsaufbau die Umgebung vergessen lässt.
Die Geschichte ist durchweg glaubhaft erzählt und bezieht auch viele reale Elemente mit ein. Sämtliche Figuren zeigen sich sehr detailliert und glaubhaft gezeichnet und sorgen für unterschiedlichste Empfindungen.
RELICTUM ist damit uneingeschränkt jedem Buchstabenverschlinger empfohlen und ein absoluter “pageturner”.
Wahrlich ein Autor, der sich nicht mehr im Fahrwasser eines Dan Brown oder Scott McBain befindet – Michael Byrnes hat schon zum Überholen angesetzt.
Jürgen Seibold/22.07.2007

Matilde Asensi: Wächter des Kreuzes

c 2001 Matilde Asensi
Titel der spanischen Originalausgabe: El último Catón
Übersetzung: Silvia Schmid
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Seltsame Zeichen zieren die Leiche eines Äthiopiers, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Keine zwei Tage nach dem Unglück ruft Seine Eminenz, Kardinalstaatssekretär Sodano, die renommierteste Paläographin des Vatikanischen Geheimarchivs zu sich: Ottavia Salina soll die Tätowierungen entschlüsseln. Aber warum zeigt der mächtigste Mann des Kirchenstaats ein so brennendes Interesse an dem Toten? Nur zögerlich weiht man die Ordensschwester ein in das Geheimnis um den größten Reliquienraub aller Zeiten. Die bei der Leiche aufgefundenen Holzsplitter stammen zweifelsfrei vom Heiligen Kreuz. Und auf geheimnisvolle Weise sind auf der ganzen Welt nahezu alle Kreuzesreliquien verschwunden. Gemeinsam mit Hauptmann Glauser-Röist von der Schweizergarde und Farag Boswell, einem Archäologen aus Alexandria, verfolgt Ottavia die Spuren, die sie zu einer seit dem 4. Jahrhundert existierenden geheimen Bruderschaft führen. Sieben Prüfungen auf Leben und Tod hat das kuriose Trio zu bestehen. Sieben Prüfungen, die allesamt um Dantes “Göttliche Komödie” kreisen. Sieben Prüfungen, die sie in die sieben Städte des Christentums führen: Rom, Ravenna, Athen, Jerusalem, Konstantinopel, Alexandria und Antiochia. In einem rasanten Strudel aus Abenteuern und geheimnisvollen Verflechtungen kommen sie dem dunklen Rätsel um die mysteriöse Bruderschaft immer näher.

Matilde Asensi, 1962 in Alicante geboren, schrieb und arbeitete nach dem Journalismusstudium für Rundfunk und Printmedien. Bereits ihr Debüt, “El salón de Ámbar” (1999), wurde in mehrere Sprachen übersetzt. MIt ihrem zweiten Roman, “Iacobus” (2000, dtv 20766), eroberte sie sich endgültig die Herzen ihrer Leserschaft und erstmals auch einen Platz in den Bestsellerlisten. Dieser Erfolg wurde von “Wächter des Kreuzes” (2001) noch übertroffen, in dem Matilde Asensi spannungsreich Fiktion mit Fakten vermischt und wie nebenbei einen Bogen über anderthalb Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte des Christentums schlägt.

REZENSION:

Matilde Asensi’s „Wächter des Kreuzes“ ist ein Thriller, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe. Die Geschichte über die drei Protagonisten, die sich auf Anweisung des Vatikans auf die Suche nach Reliquienräubern, den Staurophylaken, machen weiß absolut zu überzeugen und ist für einen Roman dieser Art extrem spannend erzählt und zwingt zum „Verschlingen“ des Buches.
Matilde Asensi verknüpft Mythen und historische Ereignisse geschickt zu einem spannenden Plot der dem Leser viel echtes geschichtliches Wissen nahebringt, sowie eine Rahmenhandlung die zu überzeugen weiß.
Das Buch handelt von den Staurophylaken die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das heilige Kreuz auf dem Jesus gekreuzigt worden ist zu bewahren und zu bewachen. Nachdem in den vergangenen Jahrhunderten viele Splitter dieses Kreuzes als Reliquien weltweit verstreut bei den unterschiedlichsten Kirchen bewahrt werden, „sammeln“ die Staurophylaken diese zur Komplettierung des ganzen Kreuzes wieder ein.
Dieser „Diebstahl“ veranlasst selbstverständlich den Vatikan dazu diesem Umstand Einhalt zu gebieten. Er beauftragt hierzu eine Ordensschwester die im Geheimarchiv des Vatikan tätig ist, einen ägyptischen Wissenschaftler sowie einen Hauptmann der Schweizer Garde damit, die Diebe ausfindig zu machen und dem ganzen ein Ende zu bereiten.
Diese drei sehr unterschiedlichen Personen machen sich somit auf die beschwerliche Suche nach den Wächtern des Kreuzes um diese vor Gericht zu bringen und die Reliquien wieder einzusammeln.
Als ersten Anhaltspunkt gab es nur einen gestorbenen Äthiopier, der mit sieben unterschiedlichen Kreuzen tätowiert worden ist und somit wohl zu dieser Bruderschaft zu zählen ist.
Die Nachforschungen ergeben, das Dantes „Göttliche Komödie“ eine Art Wegbeschreibung zu den Staurophylaken darstellt – und somit versuchen die drei die beschriebenen Prüfungen zu bestehen, um die Wächter ausfindig zu machen.
Matilde Asensi erschuf mit diesem Plot eine komplett neue Sichtweise auf die Göttliche Komödie Dantes und stellt dieses trockene Werk in einem gänzlich neuen Licht dar.
Einige Seitenhiebe auf die negativen Auswüchse des Vatikans lässt sie ebenso wenig missen, wie die klassiche Liebesgeschichte, die sehr glaubwürdig erzählt wird. Dies trifft auch für die Darstellung sämtlicher Prüfungen und Personen ebenfalls in starkem Maße zu.
Durch die geschickte Verknüpfung von Wahrheit und Fiktion nimmt man Matilde Asensis Roman jedes Wort ab und man würde sich am liebsten selbst auf die Suche nach den Wächtern des heiligen Kreuzes begeben.

Abschließend kann ich nur noch meinen Hut vor dieser Autorin ziehen und ihr die besten Plätze in den gängigen Verkaufslisten wünschen.
JS/15.10.04

Andreas Albes: Der Schatz

Originalausgabe August 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 234 Seiten

COVER:

Das kleine Dorf Sabunja im Norden Iraks wirkt, als währe Saddam noch immer an der Macht. Nirgends sind amerikanische Soldaten zu sehen. Irakische Milizen, vermummte Männer mit Kalaschnikows, kontrollieren das Gebiet. Lastwagen mit dem Kürzel einer deutschen Hilfsorganisation fahren tagaus, tagein nach Sabunja. Was haben sie in Saddam Husseins ehemaligem Palast zu tun? – Michael Bellow wird für eine Berliner Tageszeitung nach Bagdad geschickt. Der Krieg ist vorbei, es herrschen Chaos und Anarchie. Beim Besuch in einem türkischen Bad belauscht er das Gespräch zweier Männer. Es geht darin offenbar um die Plünderungen der staatlichen Museen und darum, dass unersetzliche Kunstschätze nach Europa geschmuggelt werden sollen. Bellow beginnt zu recherchieren und steht kurz vor einem echten Scoop…

Andreas Albes, geboren am 30. Juni 1967 in Göttingen, war früher Polizeireporter bei der “Abendzeitung”, der “tz” und “Bild” in München, dann Lokalchef bei der “Neuen Presse” in Hannover. 1998 wechselte er als In- und Auslandsreporter zum “Stern” (u.a. Reportagen im Irak und im Kosovo, in Afghanistan, Namibia und Brasilien). 2003 erschien sein erster Roman, “Die Insel”. Albes lebt derzeit als Russland-Korrespondent in Moskau. “Der Schatz” ist sein zweiter Roman.

REZENSION:

Andreas Albes zeigt in “Der Schatz” sehr deutlich zu welchem Irrsinn mit Sicherheit einige Lebewesen dieses Planeten möglich sind. Ein Krieg sollte nicht als Quell der Geldvermehrung verwendet werden – leider ist dies schon ein Widerspruch in sich, da die meisten Kriege alleine dadurch entstehen – somit sind Kunsträuber, die sich den Umstand eines Krieges zunutze machen, schon fast wieder verständlich.
Durch die Jagd auf die Kunsträuber in den Wirren des Krieges zeigt Andreas Albes ein schönes Gespür für eine spannende Geschichte die problemlos den Leser unterhalten kann. Seine Sprache ist manchmal zwar etwas simpel – interessanterweise führt dies beim vorliegenden Plot jedoch eher zu mehr Authentizität als das es ihm schaden könnte.
Übrig ist jedenfalls ein sehr spannender Krimi um einen sympathischen und glaubwürdigen Hauptdarsteller – somit problemlos als Reiselektüre oder als entspannenden und trotzdem spannenden Unterhaltungsroman für den Krimifan zu empfehlen.
Jürgen Seibold/11.11.2007