Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

©2008 by Knaur Taschenbuch
ca. 361 Seiten

COVER:

Sie wurden nicht vergewaltigt. Nicht gefoltert. Nicht getötet.
Ihnen geschah viel Schlimmeres …

Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den “Seelenbrecher” nennt, genügt: Als die Frauen wieder auftauchen, sind sie psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. In der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt …

REZENSION:

Beim Durchstöbern von Buchversandkatalogen, Bahnhofs- oder Flughafenbuchläden, Bibliotheken und Online-Archiven, stolpert man grundsätzlich über Sebastian Fitzek. Wenn man den dazugehörigen Stimmen glauben kann, handelt es sich bei ihm um einen der besten deutschen Autoren für Thriller. Gleichzeitig wohl einer der wenigen, dessen Werke auch in die englischsprachige Welt exportiert werden.
Nun, wenn das mal keine Ansage ist.
Aber: Klingt sowas nicht sehr nach Mainstream? Wohl aus diesem leise herauströpfelnden Hintergedanken wehrte ich mich immer wieder recht erfolgreich, einen weiteren Tipp – bezogen auf diesen Autor – anzunehmen. Ich las dann lieber andere Sachen, da ich immer ein wenig vorbehalten bin, wenn sich ein Autor mit einer nahezu unerschöpflichen Vielzahl an Werken auf nahezu jedem Marketingstapel befindet.
Vielleicht werde ich ihm dabei jedoch auch unrecht – und: Ist nicht auch mein Lieblingsautor – Stephen King – mittlerweile schon dem Mainstream zu zu ordnen?
Gut, vielleicht einfach mal den Namen Fitzek im Hinterkopf behalten.
Eines Tages stand ich in unserer örtlichen Gemeindebibliothek und suchte während deren Flohmarkt nach geeigneten Schätzen. Dabei stieß ich auf ein Buch von Sebastian Fitzek mit dem bereits interessant klingenden Titel “Der Seelenbrecher”. Darunter eingeordnet als Psychothriller und schon landete dieses Werk einfach mal so aus grundsätzlichem Interesse an der deutschen Autorenlandschaft in meinem Eigentum.
“Der Seelenbrecher” handelt von einem Psychopathen, der es irgendwie schafft, seine Opfer durchweg seelisch gebrochen zurück zu lassen. Man sitzt als sein Opfer nur noch im Rollstuhl und vegetiert vor sich hin. Man lebt nur noch innerhalb des eigenen Geistes und kann sich nicht mehr nach außen artikulieren.
Dieses Setting klingt für einen Psychothriller schon mal verlockend und dementsprechend rasant startet Fitzek auch mit seiner Story.
Der Autor benutzt dabei eine recht untypische Art der Vorgehensweise: Man liest einen Patientenbericht in Romanform. Der ganze Fall ist somit schon Vergangenheit.
Klingt nicht uninteressant und funktioniert auch sehr gut. Man davon abgesehen, dass sich jemand die Mühe machte, einen Patientenbericht in Romanform zu schreiben – dies wird aber vom Autor natürlich später aufgeklärt.
Bevor die Geschichte zu einem kleinen und leicht fiesen Ende kommt, befinden wir uns in eine psychiatrischen Anstalt, in der sich der Seelenbrecher auf der Jagd nach seinen Opfern befindet.
Dieser gesamte Hauptteil wirkt leider recht konstruiert – sicherlich gut konstruiert, dennoch fehlt das gewisse Etwas. Ich fühlte mich immer wieder an diverse Filme erinnert, in denen einen Gruppe sich immer wieder mal trennt, da sie den Killer fassen möchten – man weiß ja, was in Horrorfilmen mit den Protagonisten geschieht, wenn sie eine Szene mit “wir müssen uns trennen” beginnt…
Einiges wird darüber hinaus sehr stark dem Zufall überlassen und selbst der Schluß führte bei mir nur noch zu einem kleinen Grinsen.
Man erkennt sehr deutlich die Routine des Autors und ich könnte mir sehr gut vorstellen, weitere Bücher von ihm zu testen. “Der Seelenbrecher” ist jedenfalls ein ganz netter Thriller mit dem man auch in einer U-Bahn mit quasselnden Fahrgästen keinerlei Probleme zum Folgen hat. Alles in allem ein netter Zeitvertreib aber kein Werk zum Aufbewahren für das erneute Eintauchen.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Der Seelenbrecher (BILD am Sonntag Thriller 2017) – KAUFEN BEI AMAZON

Matthew Delaney: Dämon

Originaltitel: Jinn
Aus dem Amerikanischen von Axel Merz
© 2003 by Matthew B.J. Delaney
© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach
ISBN 3-404-15264-6
ca. 764 Seiten

COVER:

Als Meeresforscher ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes Schiff entdecken und bergen, können sie nicht ahnen, welche Gefahren sie damit heraufbeschwören. Denn in dem Wrack befindet sich ein Wesen, das nur ein Ziel kennt: zu töten. Mit der Überführung des Schiffes nach Boston beginnt für die Bewohner der Stadt eine Phase des Schreckens. Bizarre Morde, verstümmelte Leichen und kryptische Zeichen halten die Polizei in Atem, und alles scheint auf eine Verbindung zwischen den Gewalttaten und dem Wrack hinzudeuten. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kriminalbeamten auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

REZENSION:

Matthew Delaney holt in seinem beinahe achthundert Seiten starkem Werk recht weit aus. Bereits im ersten Kapitel, welches eher als Prolog zu betrachten ist, fragt man sich, warum er in seinem ersten Roman sogleich soviel zu erzählen hat. Interessanterweise fühlt man sich dabei nicht gestört und somit liest man erst einmal sehr lange über die Begebenheiten einer US-Amerikanischen Truppe bei ihrem Einsatz gegen die Japaner auf einer nicht wirklich kriegsentscheidenden Insel. Nach und nach erkennt man dabei jedoch, dass sich auf dieser Insel eine weitere Gefahr befindet.
Hierdurch sehen sich die Kontrahenten – zumindest teilweise – dazu gezwungen, ihre Kampfhandlungen gegeneinander einzustellen um sich gemeinsam dem mächtigen Gegner zu widmen.
Als nächstes nehmen wir als Leser bei einer Bergungsmission im Ozean teil – weiterhin bleibt der lockere Faden zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg bestehen. Als Leser kann man sich spätestens jetzt diesem Werk nicht mehr entziehen, da Delaney diese Mission außerordentlich interessant, wahrheitsgetreu und spannend vor des Lesers Augen entfaltet.
Erneut vergehen einige Jahre, bis wir auf die ersten Todesfälle in Boston treffen. Ab diesem Augenblick könnte man beinahe von einem reinen Krimi sprechen, wäre da nicht die noch nicht greifbare und wohl übernatürliche Komponente des Bösen.
Delaney bleibt sich treu und erzählt und erzählt. Ab und an fragt man sich, ob weniger nicht etwas mehr gewesen wäre – man ist aber dennoch weiterhin an die Geschichte gefesselt und versucht, über manchen Logikfehler und auch Nutzung des ein oder anderen Zufalls hinweg zu sehen.
Die Fäden finden im Laufe des Romans immer näher zusammen und bis zum Ende schafft es der Autor auch problemlos, alle zu einem relativ plausiblen und gemeinsamen Ergebnis zusammenlaufen zu lassen.
DÄMON ist wahrlich ein Roman im Stile eines gut erzählten Thrillers, wie man ihn sich auch im Kino vorstellen könnte. Trotz seines Ausschweifens fühlt man sich nicht verlassen – im Gegenteil, man sieht über manche Handlungskleinigkeit hinweg und folgt einfach dieser spannenden Geschichte.
Sicher hätten dem Roman einige Seiten weniger wohl recht gut getan – nichts desto trotz macht er in seiner Gänze trotzdem ausreichend Spaß, um ihn mit einem guten Gefühl zu Ende zu lesen. Ein purer Unterhaltungsroman mit sehr guten Ideen und Ansätzen.
Jürgen Seibold/25.06.2017
Dämon: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen Leather: Brut des Teufels

Originaltitel: Midnight
Aus dem Englischen von Barbara Ostrop
©2011 by Stephen Leather
© der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-442-37813-5
ca. 480 Seiten

COVER:

“Deine Schwester holt der Teufel, Jack Nightingale.” Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser mysteriöse Spruch seit jeher über dem Leben des ehemaligen Polizeiermittlers. Dieses Mal vernimmt er die unheilvollen Worte aus dem Mund einer Frau, die tot über einer Treppe baumelt, aufgehängt mit einer Wäscheleine. Doch Jack kennt seine Schwester nicht, denn mit dem Tag ihrer Geburt ist sie aus seinem Leben verschwunden. Wie kann er jemanden retten, dem er noch nie begegnet ist?
Jack Nightingale macht sich auf die Suche, doch jeder, mit dem er über seine Schwester spricht, stirbt einen grauenvollen Tod. Jemand – oder etwas – scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass die beiden Geschwister zusammenkommen. Sollte Jack sie retten wollen, muss er eine Fähigkeit einsetzen, die er einst bei der Polizei lernte und seitdem blind beherrscht: Er muss verhandeln. Doch jede Verhandlung mit den dunklen Mächten hat ihren Preis, und so muss Jack sich fragen: Ist es jede Seele wert, dass man sie rettet?

REZENSION:

Stephen Leathers “Brut des Teufels” ist ein Thriller, der mit einer Vielzahl an übersinnlichen beziehungsweise satanischen Elementen angereichert worden ist. Allein dadurch fühlt man sich beinahe in einen rasanten Film hineingezogen, der einem keine Ruhe lässt.
Jack Nightingale ist auf der Suche nach seiner Schwester, die – ebenfalls wie er – am Tage ihrer Geburt zur Adoption freigegeben worden ist.
Nach und nach bekommt man als Leser von “Brut des Teufels” heraus, dass bereits Jacks Seele durch seinen Vater an den Teufel verschachert worden ist. Dies scheint auch auf die Seele seiner Schwester zu zu treffen.
Nachdem es in meinen Augen dadurch einige auftretende Fragezeichen gab und diese auch nur durch kleine Hinweise beantwortet worden sind, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier noch eine Vorgeschichte zu geben scheint. Wie sich herausstellen sollte: “Brut des Teufels” ist die zweite Story mit Jack Nightingale in der Hauptrolle. Somit wäre es unter Umständen eventuell hilfreich, mit “Höllennacht” zu beginnen. Nichts desto trotz wagte ich mich weiter durch die Seiten dieses Werkes und verzichtete auf den Genuß des ersten Bandes.
Schade jedoch, dass man weder auf dem Cover noch im Buch vom Verlag darauf aufmerksam gemacht wird.
Die Geschichte selbst ist absolut eingängig geschrieben und Jack selbst ist kurios genug, um beim Leser als geeigneter Protagonist anzukommen.
Geschickt baut der Autor kleine aber feine Horrorelemente ein, die zwar beinahe vor lauter Klischee tropfen, dabei aber dennoch Spaß beim Lesen machen.
Von der Thematik her fühlt man sich ein wenig in die Geschichten und Filme der 80er Jahre zurück versetzt – damals gab es nach meinem Empfinden eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, die Teufelsbeschwörungen in irgendeiner Art und Weise zum Thema hatten.
Auf der Suche nach seiner Schwester gibt es ausreichend Action für Jack Nightingale, eine Vielzahl an kuriosen Todesfällen, sowie eine ganze Palette an satanischen Lebewesen, die Jack das Leben recht schwer machen.
Ab und an lässt der Autor den Zufall ein wenig arg stark zu seinen eigenen Gunsten wirken – dennoch führt das nicht zu irgendeiner Abwertung, da diese klischeebeladene Geschichte durchweg eingängig, rasant und spannend erzählt worden ist und gerade deswegen für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
Einfach mal ein satanischer Thriller zur reinen Unterhaltung ohne besonderen Anspruch auf Tiefgang.
Jürgen Seibold/03.06.2017
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Mario Reading: The Nostradamus Prophecies

© 2009, Mario Reading
ISBN 978-1-84887-124-3
Atlantic Books, London
ca. 428 Seiten

COVER:

NOSTRADAMUS WROTE A THOUSAND PROPHECIES.
ONLY 942 HAVE SURVIVED.
What happened to the missing verses?
And what secrets did they contain?

This mystery drives two very different men. Adam Sabir is a writer desperate to revive his flagging career; Achor Bale is a member of an ancient secret society that long ago dedicated itself to the support of the ‘Three Antichrists’ foretold by Nostradamus – Napoleon, Adolf Hitler, and the ‘one still to come’…
As Sabir is drawn into the hidden world of France’s gypsies, Bale is on his trail. A terryfying hunt begins…

REZENSION:

Nach einer gefühlten Ewigkeit wollte ich mich mal wieder einem Werk in seiner Originalsprache widmen. Mein Weg führte mich in die örtliche Bibliothek, auf der Suche nach irgendeinem spannenden Buch, dessen Inhalt nicht zu hochtrabend ist und somit von mir hoffentlich sehr gut verstanden werden würde.
Innerhalb kürzester Zeit hielt ich dabei “The Nostradamus Prophecies” von Mario Reading in meiner Hand. Das klingt doch mal spannend und interessant – in meinen Augen entstand bereits die Ahnung einer Schnitzeljagd, wie man sie sonst nur von Dan Brown kennt.
Eine rasante Jagd nach irgendwelchen mysteriösen Gegenständen, Informationen oder Verschwörungen macht üblicherweise sowohl im Film- als auch (oft noch detaillierter) im Buchgenre sehr viel Freude. Strotzen diese Geschichten doch zumeist von einer rasant abgewickelten Idee und geschickt eingeschobene, reale Begebenheiten oder Informationen aus längst vergangenen Zeiten.
Nostradamus ist dazu sicher ein Garant für spannende Romane – insbesondere, wenn man sich den verschollenen Versen an nimmt und dabei auch noch die Vorhersage des dritten Antichristen aufs Tablett bringt.
Naja, eine Idee reicht leider nicht immer, um damit auch einen Roman wie erwartet zu füllen. Mario Readings “The Nostradamus Prophecies” geht ehrlicherweise so gut wie gar nicht auf diese Prophezeiungen ein. Irgendwie scheint das alles ein Nebenrolle in dieser Geschichte zu spielen.
Okay, man lernt sehr viel über die Interna von Zigeunern. Sprachlich kam ich außerordentlich gut mit – stellt sich nur die Frage, ob es dementsprechend leicht geschrieben worden ist, oder meine Englischkenntnisse nun endlich auf einem ausreichenden Niveau zu stehen scheinen.
Aber darum geht es ja nicht – nur kurz angemerkt: Ich konnte der Story sehr gut folgen. Dadurch entstand aber auch die Enttäuschung, die sich immer mehr breit machen sollte.
Mario Reading hätte eine richtig gute Dan-Brown-Schnitzeljagd entstehen lassen können. Aber nein, wir begleiten hauptsächlich Sabir, der sich mehr und mehr bei Frankreichs Zigeunern einnistet, dabei ab und an etwas von seinem Widersacher gestört wird. Nostradamus? Wollen wir mal nicht so sein: Manchmal konnte man auch davon was lesen.
Alles in allem ein leidlich nettes Buch, um mal wieder in die Sprache eintauchen zu können, dabei jedoch auch eine kleine Enttäuschung, dass sich nicht mehr dahinter befand.
Werde dennoch noch öfter etwas im Original lesen – hoffe dabei jedoch auf erheblich mehr Spannung oder eben Inhalt.
Jürgen Seibold/27.05.2017
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Lucas Grimm: Nach dem Schmerz

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-05778-3
ca. 316 Seiten

COVER:

David Berkoff, Ex-Kriegsreporter, Ex-Familienvater, Ex-Starjournalist, versucht seit Jahren, ein gefährliches Komplott aufzudecken. 1989 verschwanden 381 CD-Rom aus der Berliner Stasi-Zentrale. Darauf die berüchtigten Rosenholz-Dateien mit den Namen westdeutscher Politiker, Journalisten und Unternehmer, die für die Stasi spioniert haben. Der finanzielle Wert? Das hängt davon ab, was ein Betroffener bereit ist zu bezahlen. Das Ziel? Erpressung. Der Täter? Vermutlich Walter Gold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR.
Aber der ist doch tot – denkt Berkoff. Bis Gold nach 27 Jahren wieder auftaucht. Jetzt sieht Berkoff die Chance seines Lebens gekommen und wird in einen Strudel hineingezogen, der ihn fast das Leben kostet. Denn nicht nur eine alte Stasi-Connection, sondern auch der BND ist hinter den Dateien her. Und da ist auch noch Hannah, Walter Golds Tochter, die mehr weiß, als ihr bewusst ist.

REZENSION:

Lucas Grimm ist das Pseudonym eines Drehbuchautors und “Nach dem Schmerz” ist dessen Thriller-Debüt.
In diesem Werk kommen zwei sehr unterschiedliche Protagonisten zusammen: Zum einen der doch mittlerweile recht abgehalfterte Journalist Berkoff und zum anderen Hannah Gold, eine gefeierte Cellistin und gleichzeitig Tochter Walter Golds, der ehemalige und für tot erklärte Staatssekretär der früheren DDR.
“Nach dem Schmerz” beginnt bereits im Prolog sehr rasant – bereits im ersten Satz befinden wir uns mitten in einer Folterszene. Dabei lernen wir auch kurz die junge Hannah Gold kennen, um dann ab dem ersten Kapitel einen Zeitsprung in unsere heutige Gegenwart vor zu nehmen.
Lucas Grimms Debüt ist außerordentlich gut recherchiert und sehr eingängig erzählt. Natürlich handelt es sich um einen Thriller, der den üblichen Wegen des Genres folgt und dabei keinen Ausbruch in seitliche Pfade versucht. Nichts desto trotz macht “Nach dem Schmerz” ziemlich viel Spaß beim Lesen. Grimm hat dabei nicht nur auf sehr glaubwürdige und teils reale Begebenheiten der früheren DDR geachtet, sondern – insbesondere – die Cellistin inklusive ihrer Musik und ihrer Auftritte zu einem wahren Leben innerhalb zweier Buchdeckel verholfen. Als Leser kann man fast nicht mehr anders, als klassische Musik erklingen zu lassen – insbesondere Bach wäre der Tipp zu diesem Buch – und damit klanglich untermalt über die Seiten dieses rasanten Thrillers zu hetzen.
Man kann nicht sagen, dass “Nach dem Schmerz” ein absolutes Thrillerhighlight ist. Nein, aber es ist ein sehr unterhaltsames und recht spannend erzähltes Debüt, dessen Inhalt besonders bei Personen, die noch die Zeit vor und nach 1989 kennen gelernt haben, seine Wirkung entfaltet. Nebenbei fügt Grimm seine musikalischen Elemente aus der Klassik wie einen roten und dabei detailliert ausgebreiteten Faden durch seine komplette Geschichte. Hierdurch erhielt dieser klassisch erzählte Thriller eine kleine Besonderheit, die wahrlich Freude bereitet und für unterhaltsame Stunden sorgt. Dadurch kann man getrost ab und an das ein oder andere Auge mal zudrücken und der Entwicklung sowie der Auflösung dieses spannenden Katz- und Mausspiels folgen.
Kurzum: Ein recht interessanter und guter Thriller für einige spannende Lesestunden. Gleichzeitig ein sehr gutes Debüt – mal sehen, ob der Autor weiterhin von sich hören lässt.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Nach dem Schmerz: Thriller (David Berkoff, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Jussi Adler-Olsen: Selfies

Originaltitel: Selfies
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
© 2017 Jussi Adler-Olsen
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28107-2
ca. 576 Seiten

COVER:

In einem Park in Kopenhagen wird eine alte Frau ermordet aufgefunden. Fast zeitgleich begibt sich ein durchgedrehter Autofahrer auf die tödliche Jagd nach jungen Frauen. Irgendwo da draußen, so hat es den Anschein, werden weitere perfide Morde geplant. Steht all dies womöglich im Zusammenhang mit einem lange zurückliegenden und noch immer unaufgeklärten Verbrechen?

Das Management des Polizeipräsidiums in Kopenhagen ist höchst unzufrieden mit der Aufklärungsrate des Sonderdezernats Q. Ausgerechnet Rose soll nun das Ruder herumreißen – doch Rose ist in ihrem aktuellen Zustand weit davon entfernt, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Die Wurzeln ihrer desaströsen Verfassung liegen in einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit: “Zu dem tiefsten inneren Raum in ihrem Dunkel bekamen sie keinen Zutritt, dieser Raum gehöre ihr. Ihr allein.”

Carl, Assad und Gordon stehen vor ihrer bislang größten Herausforderung und dass Rose ihren eigenen Kampf kämpft, ist für alle schwer erträglich. Doch Scheitern ist keine Option. Es muss ihnen einfach gelingen, diese schrecklichen Verbrechen in Kopenhagen zu stoppen.

REZENSION:

Mit “Selfies” befinden wir uns nun bereits beim siebten Fall des Kopenhagener Sonderdezernats Q, welches sich an die Fahne geschrieben hat, alte, ungelöste und längst zu den Akten gelegte Fälle erneut aufzurollen.
Bereits mit dem ersten Fall dieses Dezernats konnte Jussi Adler-Olsen für eine spannende und außerordentlich interessante Unterhaltung sorgen. Seine Fälle hatten fast immer eine Verbindung in die aktuelle Zeit und seine Erzählweise sorgte dafür, dass die Beschreibung “Thriller” auf dem Cover definitiv gepasst hatte.
Dies zog sich auch die weiteren Fälle auf diesem hohen Niveau durch – lediglich beim sechsten Fall konnte er mich nicht mehr umfänglich überzeugen. Hierin wurde das Thrillerelement ein wenig zu sehr auf die Seite geschoben und man folgte einem noch interessanten aber nicht außergewöhnlichen Krimi.
Dementsprechend gespannt war ich auf den nun vorliegenden, siebten Fall.
Darüber hinaus halte ich alle Mitglieder des Sonderdezernats für durchgängig und tiefgründig gezeichnete Protagonisten, deren Verhalten und Innenleben bereits für einen hohen Unterhaltungs- und Interessenswert sorgt.
Würde ich jetzt “Selfies” als mein erstes Adler-Olsen-Buch bewerten, würde es aber nicht wirklich sehr positiv abschließen. Erneut scheint der Autor die Spannungsschraube zu lockern – gleichzeitig wirkt der damalige Fall eher banal im Vergleich zu seinen früheren Fällen.
Interessant bleibt aber die Motivation der Sozialamtsmitarbeiterin, über die ich hier nichts näheres sagen möchte, da die Gefahr des Spoilerns zu groß wäre.
Betrachtet man “Selfies” als ein weiteres Buch in einer groß angelegten Reihe, wird einem klar, dass der überwiegend depressive Inhalt – bezogen auf die psychische Krankheit von Rose – erzählt werden musste. Immerhin hatte man sich als Leser ja schon mehrere Bände lang gefragt, was denn nun mit ihr los ist und warum sie in verschiedene Rollen schlüpft.
Dies alles löst sich in “Selfies” auf. Dadurch ist der aktuelle Roman aber auch überwiegend depressiv in seiner Darstellung. Durch die dabei fast nebensächliche Fall-Verkettung war ich anfangs fast dazu genötigt, das Buch unabgeschlossen zu beenden. Gleichzeitig freue ich mich ja immer auf ausreichend Spannungselemente, die hierin eher nicht vorkommen.
Nichts desto trotz besteht für einen langjährigen Sonderdezernat-Leser ausreichend Interesse für das Seelenleben der guten Rose – und exakt aus diesem Grund lieb mir auch nichts weiter übrig, als diesem Werk bis zum auflösenden Ende zu folgen.
Jussi Adler-Olsen ist dabei weiterhin ein sehr eingängiger Schreiber. Kennt man jedoch die vorherigen Bände nicht, könnte man mit diesem Buch schlicht überfordert sein.
Weiterhin hoffe ich, dass dem Autoren wieder ein sehr spannender und berührender Fall aus den Tiefen der abgeschlossenen, jedoch nicht gelösten Fälle einfällt und dabei beim nächsten Mal wieder zur alten Thrillerstärke der ersten Bände zurückfindet. Mir ist dabei aber auch bewusst, dass so langsam auch der Hintergrund von Assad beleuchtet werden müsste – denn in dessen Vergangenheit scheint sich wohl auch so einiges zu verstecken.
Alles in allem war auch “Selfies” sehr interessant und in seiner detaillierten Betrachtung von Rose’s Problemen auch nötig. Trotzdem bleibt es ein wenig hinter den Bänden 1 bis 5.
Jürgen Seibold/02.04.2017
Selfies: Der siebte Fall für das Sonderdezernat Q in Kopenhagen Thriller (Carl Mørck) – KAUFEN BEI AMAZON

Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Des Teufels Gebetbuch: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Ilkka Remes: Ein Schlag ins Herz

Originaltitel: Isku Ytimeen
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
© 2010 Polaris Media
© 2011 der deutschsprachigen Übersetzung: Stefan Moster/Polaris Media
Deutsche Erstausgabe 2011 – Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24853-2
ca. 463 Seiten

COVER:

“Ihr seid doch nicht so wahnsinnig, dass ihr an den Atommüllbehälter ran wollt?”, sagte Patrik fassungslos zu Andrus. Der blieb vor ihm stehen und sah ihn an, die Augen kalt und vollkommen emotionslos. Erst in dem Moment begriff Patrik. Er war mit dabei, weil sie genau das vorhatten.

In Stockholm werden die hochrangigen Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz entführt und auf einen Atommülltransporter gebracht. Als der Frachter die schwedische Küste verlässt, kommt ihm ein Schnellboot mit Umweltaktivisten entgegen, die auf der Ostsee gegen den Bau der russisch-deutschen Gaspipeline protestieren. Mit an Bord: der finnische Geologe Patrik, ein Spezialist für Fragen der Endlagerung von Atommüll. Zu spät erkennt Patrik, dass die Protestaktion fingiert ist und einzig dem Zweck dient, ihn, den Experten für Kernmaterial, den Geiselnehmern auszuliefern. Doch damit nicht genug: Unter den Geiseln befindet sich die belgische Ärztin Sandrine, die, davon ist Patrik überzeugt, seine Freundin Beate auf dem Gewissen hat. Patrik und Sandrine geraten zwischen die Fronten der Geheimdienste und in einen Strudel von lebensgefährlichen Ereignissen.
In den tiefen Schluchten Afghanistans werden sie Zeugen eines spektakulären Geiseltauschs…

REZENSION:

Ilkka Remes legt mit “Ein Schlag ins Herz” abermals einen Thriller vor, in dem sein Ermittler Timo Nortamo einen Auftritt hat. Dabei handelt es sich bei seinen Thrillern aber keineswegs um eine Reihe, deren Bücher nach Erscheinen gelesen werden müssen, um die Entwicklung Timos zu verstehen. Aus diesem Grund kann man ohne großes Nachdenken zu beinahe jeglichem Thriller Ilkka Remes’ greifen und der Geschichte ohne auftretende Lücken folgen.
Wie bereits in vorhergegangenen Thrillern dieses Autors gibt es auch im vorliegenden einen hohe politische und grenzüberschreitende Brisanz. Gleichzeitig deckt der Autor viele Probleme auf und man ertappt sich dabei, für manche Aktivisten das eigene Herz schlagen zu lassen.
Es bleibt bei Remes aber selten so, wie es scheint und somit schwenkt er auch im vorliegenden Thriller, um den Leser ein wenig an der Nase herum zu führen.
Dabei vergisst er niemals ein sehr starkes Augenmerk auf seine nahezu unzähligen Spannungselemente zu legen. Hierdurch rast man förmlich durch dieses doch recht umfangreiche Werk. Gleichzeitig klingt absolut alles in seinem Roman plausibel und könnte sich wohl exakt so in der realen Welt darstellen.
In “Ein Schlag ins Herz” ist dabei so gut wie alles vertreten: Man begleitet Umweltaktivisten, es gibt einen großangelegten Entführungsfall mit realen Persönlichkeiten, eine interessante Wendung und einen Showdown in fernen Ländern.
Es ist wirklich erfreulich, mit Ilkka Remes einen Autoren kennengelernt zu haben, dessen Ideenreichtum in nahezu jedem Buch den Leser fesseln kann. Ich könnte mir dabei auch jedes Werk als gelungenen Actionthriller im Kino vorstellen – dazu müssten sich die amerikanischen Filmemacher jedoch ihr Augenmerk einmal auf Autoren anderer Länder legen.
“Ein Schlag ins Herz” ist jedenfalls ein sehr zu empfehlender, spannender Thriller mit viel politischer Brisanz und Ilkka Remes lässt weiterhin jede Schwäche missen.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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Elliott Hall: Den ersten Stein

Originaltitel: The First Stone
Deutsch von Barbara Ostrop
© 2009 Elliott Hall
© 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24818-1
ca. 352 Seiten

COVER:

Das Gesicht der USA hat sich dramatisch verändert: Christliche Fundamentalisten haben die Macht übernommen. Demokratie und Freiheit sind zu Unwörtern geworden. Im noch nicht lange zurückliegenden Irankrieg ist nicht nur Teheran zerstört worden. Auch Houston wurde in einem Atomangriff dem Erdboden gleichgemacht …
Als in New York ein frommer Prediger ermordet wird, der möglicherweise hochrangige Politiker und Prominente erpresst hat, wird der Privatermittler Felix Strange mit dem Fall betraut. Strange ist kein Freund der Evangelikalen, doch ihm bleibt keine Wahl. Im Irankrieg hat er sich eine Krankheit zugezogen, die sein Leben stark verkürzen wird. Medikamente kann er sich nur auf dem Schwarzmarkt beschaffen. Ihm ist klar, dass seine Auftraggeber ihre eigenen Ziele verfolgen: Sie müssen einen Grund dafür haben, ausgerechnet ihn mit dem Fall zu beauftragen. Ihm bleibt nur wenig Zeit, um das Rätsel zu lösen.

REZENSION:

Wenn man sich die ersten Sätze der Coverbeschreibung zu Gemüte führt, schweben einem sogleich ungeahnte Möglichkeiten vor, die in so einer nahezu dystopisch anmutenden Welt vorkommen können. Man stelle sich einfach mal vor: Die Macht liegt in den Händen christlicher Fundamentalisten – das klingt sehr stark nach einer Verschiebung, deren Inhalt thematisch problemlos und kritisch ausgearbeitet werden könnte. Nebenbei erwähnt: Houston wurde von einer Atombombe gänzlich vernichtet! Vor meinen Augen entstand ein Roman, dessen Jagd nach einem Mörder eher zur Nebensache wird – hier scheint doch die Umwelt selbst viel Stoff für detaillierte Beschreibungen zu bieten…
Nun, das war jedoch alles nur Wunschdenken. “Den ersten Stein” ist nämlich hiervon sehr weit entfernt. Gut, die neue Regierung wird ein wenig dargelegt. Es wird auch erwähnt, dass Houston dem Erdboden gleichgemacht worden ist. Aber sonst? Eher sehr wenig bis nahezu gar nichts. Somit befinden wir uns als Leser leider nur in einem nahezu normalen Kriminalroman, denn das Wort “Thriller” ist in meinen Augen auch etwas zu viel des Guten.
Wir verfolgen Srange auf seiner Suche nach dem Killer des hochrangigen Predigers. Zum Ende hin gibt es zwar noch einen ganz kleinen Drift, jedoch ist dabei das Ende auch ein wenig zu hastig abgearbeitet.
Sehr schade dass dieses Buch nicht mehr hergibt. Die Idee ist nämlich außerordentlich interessant und ich hätte sehr gerne Thriller oder auch einen spannenden Politroman in diesem Umfeld gelesen. Bei dieser Thematik kann man verschiedenste Strömungen aufeinander loslassen.
Nun, sollte hier nicht sein und nachdem ich nun festgestellt habe, dass hier ein wenig übertrieben wird, ich ein weiteres Buch dieses Autors und dieses Ermittlers lesen wollte, werde ich nun darauf verzichten. Denn ich bin mir sicher, dass Elliott Hall auch im zweiten Werk um seinen Ermittler die Umgebung nur als Mittel zum Zweck ohne weiteren Tiefgang verwendet.
Jürgen Seibold/05.03.2017
Den ersten Stein: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Barry Eisler: Der Zirkel der Macht

© AmazonCrossing 2015
ISBN: 978-1477822418
ca. 402 Seiten
COVER:

Folter.
Inoffizielle Gefangene.
Eine massive Vertuschung, die bis heute andauert.

Ben Treven ist ein Veteran der schwärzesten aller schwarzen Geheimeinsätze. Nach einer Kneipenschlägerei mit tödlichem Ausgang strandet er im Gefängnis von Manila – bis er Besuch von seinem ehemaligen Kommandanten Colonel Scott Horton erhält, der ihm den Preis für seine Freilassung nennt: Er soll Daniel Larison finden und eliminieren, einen abtrünnigen Agenten, der zweiundneunzig Foltervideos der CIA gestohlen hat und damit die US-Regierung erpresst.

Doch Ben ist nicht der Einzige, der hinter den Videos her ist. CIA-Todeskommandos und Blackwater-Söldner trachten ihm nach dem Leben, und er bekommt den langen Arm des Weißen Hauses zu spüren. Dann ist da noch Paula Lanier, eine clevere, sexy FBI-Agentin, die die Videobänder aus ganz eigenen Gründen haben will und entschlossen ist, sie vor Ben in die Hand zu bekommen. Der Einsatz ist hoch, und alle Beteiligten haben verborgene Motive. Wenn Ben überleben will, muss es ihm gelingen, die richtigen Allianzen zu schließen.

REZENSION:

Eigentlich handelt es sich bei “Der Zirkel der Macht” um das zweite Buch mit dem Ermittler Ben Treven. Dies macht aber nicht wirklich etwas aus, da es sich um ein durchweg abgeschlossenes Werk handelt. Lediglich einige wenige Verweise auf einen früheren Fall zeigen auf, dass es wohl schon mal vorher eine Geschichte gab. Nichts desto trotz hatte diese wohl nicht wirklich eine besondere Abhängigkeit zur vorliegenden Story.
Vordergründig handelt es sich um Foltervideos, die als Mittel zu einer Erpressung hochrangiger Politiker verwendet werden. Wie sich nach und nach jedoch herausstellt, gibt es noch viel mehr Verwicklungen. Sämtliche davon mit hoher politischer Brisanz. Sehr schön ist dabei zu erkennen, wie sich die einzelnen machthungrigen Kreise gegenseitig auszuspielen versuchen und man landet mehr und mehr in einer Mischung aus Actionroman und “House-of-Cards”.
Das politische System wird eingängig und dabei beängstigend realistisch beschrieben. Ben Treven ist dabei ein Agent, wie er sich bereits in einer Vielzahl an Büchern und Filmen herumtreiben durfte.
Das macht aber nicht wirklich viel aus, da in meinen Augen solche Bücher zwar sicherlich ein wenig Hintergründe vermitteln möchten, dabei aber hauptsächlich auf eine gute Unterhaltung des Lesers schielen. Dies gelang in meinen Augen diesem Buch auch ausreichend gut und somit fühlte ich mich auch recht gut unterhalten. Einiges ist dabei sehr vorhersagbar – was daran liegen mag, dass das darin befindliche Schema schon sehr oft verwendet worden ist. Irgendwie machen solche Themen aber trotzdem immer noch recht viel Freude und somit handelt es sich schlußendlich um einen guten Unterhaltungsroman für die U-Bahn oder den Urlaub ohne allzu großen Tiefgang. Ist aber sehr oft auch einfach auch mal nötig – man muss ja auch mal Zeit zum Abschalten haben und dafür ist dieses Buch im Großen und Ganzen recht gut geeignet.
Jürgen Seibold/27.02.2017
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Ivar Leon Menger: Monster 1983 – Die komplette erste Staffel (Hörspiel)

monster1983© 2015 Audible GmbH
ca. 10 Stunden, 56 Minuten

COVER:

Oregon, Sommer 1983 – eine Serie mysteriöser Todesfälle rüttelt das Küstenstädtchen Harmony Bay aus seinem friedlichen Schlaf.
Sheriff Cody, den es nach dem Tod seiner Frau dorthin verschlagen hat, wird bereits kurz nach seiner Ankunft zur Pflicht gerufen, denn es geschehen merkwürdige Dinge: Ein Gefangenentransport zerschellt an einer Klippe, ein russischer Spion ist wie vom Erdboden verschluckt und es tauchen immer mehr Leichen auf, die merkwürdige Einstiche im Rücken aufweisen.

Cody und sein Team gehen davon aus, dass die Morde von einem Serienkiller begangen werden, der seine Opfer bestialisch im Schlaf ermordet. Doch wer steckt wirklich dahinter? Welches Geheimnis verbirgt der Bürgermeister? Was führen die Regierungsbeamten im Schilde? Und wohin ist eigentlich Sheriff Codys Vorgänger verschwunden?

Bald wird klar: Hinter der idyllischen Fassade des kleinen Küstenörtchens lauert etwas Unheimliches. Dunkle Geheimnisse bahnen sich bedrohlich ihren Weg ans Tageslicht. Und das monströse Treiben, das die verträumte Stadt heimsucht, wird schließlich auch zu Sheriff Codys schlimmsten Albtraum.

Mit dieser 10-teiligen, spannungsgeladenen Hörspielserie präsentiert Audible eine weitere exklusive Eigenproduktion. “Monster 1983” entführt Sie auf eine atmosphärische Zeitreise in das kultigste Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts und weckt dabei alte Kinderängste.

Geschrieben von Ivar Leon Menger, Anette Strohmeyer sowie Raimon Weber und eingesprochen von der Crème de la Crème der deutschen Synchronsprecherriege (u. a. David Nathan, Luise Helm, Ekkehardt Belle, Bernd Rumpf, Norbert Langer, Till Hagen, Udo Schenk, Nana Spier, Erich Räuker, Simon Jäger, Andreas Fröhlich, u. v. m.), wird “Monster 1983” zum absoluten Gruselspaß für alle Hörspiel-Fans und 80er Jahre-Nostalgiker – Ein schrecklich schauriges Hörvergnügen, das Sie nicht mehr loslassen wird.

REZENSION:

Eine gewisse Zeit versuchte ich den Genuss von Hörbüchern. Dabei stellte ich jedoch leider fest, dass diese Art des Verschlingens von Büchern einfach nicht zu mir zu passen scheint. Viel zu sehr bin ich dabei abgelenkt und verliere – gerade bei etwas komplizierteren Handlungssträngen – zu leicht den Faden.
Nachdem ich als Kind ab und an Hörspiele genießen durfte, wagte ich mich nun noch einmal als Erwachsener an diese Art der Erzählung. Nachdem ich die 80er Jahre selbst erlebt habe, war es nur noch eine kleine Entscheidung, mich dem Hörspiel Monster 1983 zu widmen.
Wie sich dabei herausstellte, lässt sich Hörspielen erheblich einfacher folgen, da hier hauptsächlich der Dialog vorne steht und durch die verschiedenen Sprecher und eingebauten Geräusche auch eine kurze Nichtachtsamkeit kein Problem darstellt. Darüber hinaus ist die Geschichte relativ einfach gestrickt und somit nahezu kein Problem beim nebenbei anhören.
Monster 1983 lebt natürlich von seinen Reminiszenzen an diese Zeit und man fühlt sich ab und an dort wieder hineinversetzt.
Das Ensemble ist im Großen und Ganzen sehr gut ausgewählt und die Produktion hochwertig. Natürlich steht und fällt alles mit der Geschichte selbst. Diese ist interessant genug, um ihr bis zum Ende zu folgen. Gleichzeitig jedoch auch sehr vorhersagbar – was die Unterhaltung aber nicht wirklich stört. Das Ende war mir persönlich jedoch zu lieblos und zu schnell dargestellt. Hier hätte man noch erheblich interessanter und liebevoller vorgehen können. Man wurde dort das Gefühl nicht los, dass entweder die Luft ausging oder man eine gewisse Zeit einhalten musste. Schlussendlich handelt es sich um eine sehr gute Produktion zur lockeren Unterhaltung. Was das Ende betrifft, hoffe ich sehr, dass die Produzenten in der zweiten Staffel dabei ein wenig mehr ins Detail gehen, um noch das letzte Körnchen Qualität heraus zu holen.
Jürgen Seibold/04.01.2017
Monster 1983: Die komplette 1. Staffel – KAUFEN BEI AMAZON

Arthur Gordon Wolf: Kalliope

kalliope-webDeutsche Erstausgabe
© 2016 Luzifer-Verlag
ISBN eBook: 978-3-95835-177-6
ca. 387 Seiten

COVER:

Markus Reuther, ein Wuppertaler Krimi-Autor, hat Probleme mit seinem aktuellen Roman. Seine Protagonistin weigert sich plötzlich, mit ihm zu »sprechen«. Hilflos muss er mit ansehen, wie sie von einer Katastrophe in die nächste stolpert. Dabei hat er keine Ahnung, was als nächstes geschieht. Liegt es vielleicht daran, dass es niemanden gibt, der ihn zum Schreiben drängt? Würde die Kommunikation mit seinen fiktiven Charakteren besser laufen, wenn von außen ein wenig mehr Druck auf ihn ausgeübt würde?

Dummerweise erzählt er einer Zufallsbekanntschaft in einem Klub von seinen Nöten. Von diesem Zeitpunkt an nimmt sein beschaulicher Alltag eine radikale Wendung. Es beginnt alles ganz harmlos. Reuther erhält mysteriöse Emails von einem Fan, der sich selbst nur als ›K‹ bezeichnet. »Schreibe immer! Tag und Nacht. Und fürchte den Zorn der Götter!« lautet die sich immer wiederholende Botschaft. Nur das Gefasel eines verrückten Lesers oder doch eine ernst zu nehmende Drohung? Für Reuther ist alles nur ein alberner Scherz. Seine selbsternannte Muse hat jedoch gerade erst damit begonnen, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Alle Freunde und Bekannten des Autors schweben plötzlich in tödlicher Gefahr.

REZENSION:

Markus Reuther ist ein Wuppertaler Krimi-Autor, der sich als eher lustlosen Schriftsteller darstellt. Finanziell ausgesorgt, scheint ihn nichts wirklich an die Erstellung weiterer Seiten in seinem neuesten Werk zu drängen. Dementsprechend lustlos verschiebt er seine schreiberischen Ambitionen von einem Tag zum anderen.
Urplötzlich nimmt jedoch sein Leben eine Wendung, denn er erhält Mails von einem vermeintlichen Fan, der anfängt, Markus zu seinem schreiberischen Glück zu zwingen.
Anfangs noch von einem Scherz ausgehend, lässt sich Markus erst einmal nicht wirklich auf diese fordernden Mails ein. Als jedoch diese Drohungen ihren Weg in die Wirklichkeit finden und nun nahezu jeder im Umkreis des Autors sich in Todesgefahr befindet, wird dem Schriftsteller klar, dass er nur noch mit seinem schreiberischen Talent dem Einhalt gebieten könnte…
Arthur Gordon Wolf legte mit seiner KATZENDÄMMERUNG seine eigene schriftstellerische Leistung bereits auf eine sehr hohe Ebene und somit stellt sich die Frage, ob Wolf sein Talent auch im vorliegenden Buch vor des Lesers Augen ausbreiten kann. Wie sich bereits nach kurzer Zeit herausstellt, gelingt dies Arthur Gordon Wolf nahezu problemlos.
Kalliope ist dabei jedoch ein recht »normaler« Thriller, wodurch er gefühlt nicht ganz an die Klasse der KATZENDÄMMERUNG herankommt. Hierbei soll dies aber keineswegs herabwertend klingen, denn ich bin mir sicher, dass KATZENDÄMMERUNG mit Sicherheit nicht jedermanns Fall ist – Kalliope dabei jedoch eine etwas leichtere und eingängigere Kost darstellt.
Dies ist dabei auch sogleich der Grund, warum Kalliope so außerordentlich gut funktioniert – hat man dabei doch ab und an das Gefühl, ähnliche Thematiken schon in irgendeiner Form irgendwo mitbekommen zu haben. Ich könnte mir dabei sehr gut vorstellen, dass der Autor sich sehr geschickt bei eigenen Interessen oder gar Vorbildern bedient hat. Mir persönlich schwebte des öfteren ein Stephen King (u.a. Stark) ebenso vor, wie ein hoher Anteil an Hitchcocks Psycho – ohne dabei Markus Reuther mit Norman Bates vergleichen zu wollen – nichts desto trotz schwebte in meinen Gedanken Bates doch ein wenig hin und her; insbesondere das ausgeklügelte Finale sorgte für diesen Gedanken.
Alles in allem ist Kalliope jedenfalls ein absolut gelungener Thriller, der glaubwürdig und eingängig erzählt worden ist und dabei sicher von jedem Thrillerfan problemlos ins Herz geschlossen wird. Sehr empfehlenswert und ich freue mich bereits auf weitere Veröffentlichungen dieses hochwertigen Autors.
Jürgen Seibold/14.12.2016
Kalliope: Mystery-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Will Hofmann: Lebensnacht

Hofmann_Lebensnacht© 2016 by Fabulus-Verlag, Tanja Höflinger, Fellbach
ISBN 978-3-944788-06-7

COVER:

Menschen sterben weltweit in großer Zahl, ihre Leichname lösen sich in Pfützen auf, nur Knochen und Kleidungsstücke bleiben übrig. Und der Geruch nach Benzin. Der nicht für möglich gehaltene Super-GAU stellt selbst die Auswirkungen der Atombombe in den Schatten und wird Realität: Die Menschheit steht vor dem Aus.
Professor Harry Kauffmann, Träger des Chemie-Nobelpreises und weltweit anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, versucht mit seinem Team, den Schaden einzudämmen, der ihm bei seinen Experimenten unterlaufen ist. Er wollte Benzin mithilfe genetisch veränderter Bakterien herstellen. Um die tödlichen Folgen seiner Forschungen zu bekämpfen, fehlen aber die adäquaten Mittel. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt. Wie wird dieser enden?

REZENSION:

Die Idee hat zumindest ihren gewissen Charme: Einfach mit Hilfe von Gentechnik das Problem der Endlichkeit des Öls zu lösen. Sicher, Öl ist nicht gerade ein umweltschonender Kraftstoff – aber lassen wir das hier einfach mal außen vor, denn bei Will Hofmanns Thriller Lebensnacht handelt es sich um einen Wissenschaftsthriller, der mit den Gefahren der als Innovation verpackten Forschungsergebnisse spielt.
Will Hofmann führt sehr geschickt in seine Geschichte ein und lässt dabei die entstehende Problematik noch beiseite beziehungsweise nur langsam auftreten.
Mehr und mehr Menschen sterben und lösen sich auf. Dabei verströmen sie einen starken Benzingeruch. Hierdurch wird sehr schnell klar, dass die neue Technik wohl Auslöser des Ganzen zu sein scheint. Doch warum werden plötzlich Menschen mit dieser viralen Krankheit konfrontiert?
Wie bei einer Apokalypse steigen die gemeldeten Zahlen der Todesfälle ins Unermessliche, handelt es sich doch um eine virale Vorgehensweise der Bakterien.
Harry Kauffmann, anfangs durch seine Entwicklung ein sehr angesehener Nobelpreisträger sieht sich nun konfrontiert mit der Suche nach einer schnellen Lösung und darüber hinaus mit den Gedanken und der öffentlichen Wahrnehmung, hierfür der allein Schuldige zu sein.
Will Hofmann legt einen sehr rasanten Thriller vor, der relativ gut ins Detail geht und dabei auch nicht davor zurückschreckt, einige Todesfälle haarklein zu beschreiben.
Teilweise wirkt die Geschichte ein klein wenig zu sehr konstruiert – dies stört jedoch nicht wirklich, da der Anspruch dieses Romans (neben seiner grundsätzlichen Botschaft) komplett auf der Unterhaltungsschiene liegt und hier auch einwandfrei funktioniert.
Das wissenschaftliche Thema als auch die millionenfachen Todesfälle hätte der Autor bestimmt auch zu einem apokalyptischen Roman mit weit über 1.000 Seiten ausbauen können – stellt sich dabei aber die Frage, ob das notwendig wäre. Lebensnacht ist jedenfalls ein sehr guter und rasant erzählter Thriller mit interessant dargelegten Protagonisten und sorgt uneingeschränkt für einige Stunden gute Unterhaltung. Ich denke, das ist auch der Anspruch dieses Werkes. Falls ja, erfüllt es diesen auch problemlos.
Jürgen Seibold/26.08.2016
Lebensnacht: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Philip Kerr: Game Over

Kerr_GameOverOriginaltitel: Gridiron
© 1996 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg
“Gridiron” © 1995 by thynKER ltd
ISBN 978-3-499-22400-3
ca. 544 Seiten

COVER:

Ein High-Tech-Hochhaus in Los Angeles wird zur tödlichen Falle, als der Zentralcomputer plötzlich verrückt spielt. Mit dem ersten Toten beginnt für den Stararchitekten Ray Richardson ein wahrer Alptraum, mit jedem weiteren Toten steigert sich der Horror.

REZENSION:

Als ich die Beschrreibung des Buches Game Over von Philip Kerr gelesen hatte, dachte ich sogleich an frühere Horrorfilme wie zum Beispiel “Fahrstuhl des Schreckens”. Diese spielten schon vor langer Zeit mit einer kleinen Verschiebung der Normalität: Die Technik macht nicht nur, was sie machen soll.
Philip Kerr geht noch einen Schritt weiter und bringt uns in ein komplett neu konstruiertes Hochhaus vor seiner eigentlichen Eröffnung. Die letzten Vorbereitungen werden durchgeführt, jedoch kommen nach und nach einzelne Personen ohne anzunehmende Fremdeinwirkung ums Leben.
Sehr schnell stellt sich dabei heraus, dass die Menschen zum Spielball des hochentwickelten Computersystems werden, welches in diesem Haus sämtliche Versorgungseinrichtungen vollautomatisch steuert und dabei selbstlernend funktioniert.
Philip Kerr legt dabei einen sehr gut durchdachten und für das Entstehungsjahr bereits sehr visionären und immer noch zum größten Teil technisch passenden Thriller vor, der sich durchweg flüssig und eingängig lesen lässt. Seine Charakter bestehen aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die gut vom Autor gezeichnet werden.
Die Allmacht des Computersystems wird plausibel dargelegt und man springt bereits nach kurzer Einführungszeit von Geschehnis zu Geschehnis. Ein durchweg gut strukturierter Roman mit einer einfachen aber dennoch klaren Botschaft. Gleichzeitig ein typischer Thriller, den man sich sehr gut auch als abendfüllenden Unterhaltungsfilm vorstellen könnte.
Kurzum: Ein sehr gut durchdachter und spannender Unterhaltungsroman für einige angenehme Lesestunden voller Spannung in einem atemberaubenden Gebäude.
Jürgen Seibold/27.08.2016
Game over – KAUFEN BEI AMAZON

Scott Nicholson: Danach – Das Echo (Band #2 der DANACH-Reihe)

Nicholson_EchoOriginaltitel: AFTER: The Echo
Aus dem Amerikanischen von Stefan Mommerts
© 2014 Scott Nicholson – Haunted Computer Books
ca. 254 Seiten

COVER:

Sechs Wochen nach dem Schock. Die Rauchfahnen am Horizont sind dünner geworden und Rachel Wheeler ist gemeinsam mit ihren beiden Gefährten auf dem Weg in die Berge, wo ihr Großvater Franklin ein Überlebenscamp errichtet hat. Die »Zapphirne« genannten Mutanten scheinen sich von blutrünstigen Mördern zu etwas noch viel Bedrohlicherem zu verändern. Eine geheime militärische Anlage könnte der Kern eines Wiederaufbaus der Zivilisation sein, aber Franklin traut den Absichten der Soldaten nicht. Und die Zapphirne passen sich schneller an die neue Welt an als die menschlichen Überlebenden, die um ihren Platz in einer Zukunft kämpfen müssen, in der sie womöglich keine Rolle mehr spielen.

REZENSION:

Beinahe nahtlos an DER SCHOCK anschließend begleiten wir im zweiten Band der Danach-Reihe hauptsächlich Rachel Wheeler mit ihren Gefährten auf ihrem Weg in die Berge. Dort hat ihr Großvater bereits vor Jahren ein Überlebenscamp errichtet.
DAS ECHO geht in Bezug auf die Zapphirne einen Schritt weiter, denn scheinbar scheinen sich diese Mutanten geistig zu entwickeln. Hierdurch gibt Scott Nicholson dem üblichen Zombie-Schema eine neue und interessante Note und man fragt sich mehr und mehr, in welche Richtung diese Entwicklung zu gehen scheint. Entsteht dabei eine positive neue Welt? Sind die “normal” gebliebenen Menschen nur noch ein Schatten ihrer selbst? Wer passt sich den neuen Gegebenheiten schneller an?
Scott Nicholson wirft vor dem Leser diese Fragen dezent auf, gleichzeitig begleiten wir aber weiterhin die Gefährten auf ihrem Weg. Würde er das nicht mit den Erlebnissen Franklin Wheelers ein wenig auflockern, würde man das Gefühl nicht loswerden, dass man immer wieder von Zapphirnen auf der Reise gestört wird, gegen diese in irgendeiner Art und Weise kämpft, um dann einige Kilometer weiter erneut auf das gleiche Problem zu stoßen. Ab und an aufgelockert von unfreundlichen “normalen” Zeitgenossen, die sich nicht besser aufführen, als die Zapphirne und somit zum gleichen Problem führen.
Ein wiederkehrender Überlebenskampf, der ab und an zu viel des Guten zu sein scheint. Interessant werden die Zapphirne, die sich auf einer noch nicht ganz nachvollziehbaren geistigen Entwicklung befinden, vor der man sich wohl bereits jetzt schon ein wenig fürchten sollte.
DAS ECHO ist als weiterer Schritt in der Danach-Reihe erneut ganz angenehm zu lesen und man ist auch auf die weiteren Entwicklungen gespannt. Leider fehlt dem zweiten Band ein gewisser Drive und auch die Spannung lässt sehr zu wünschen übrig. Eventuell holt die Geschichte nur kurz Luft, um dann uns Leser im nächsten Band wieder fester an sich zu reißen. Wollen wir es hoffen, denn noch besteht der Drang, der gesamten Story weiterhin zu folgen, obwohl man sich bei DAS ECHO ein wenig vernachlässigt fühlt.
Ich hoffe sehr, dass der Autor die Spannungsschraube wieder anzieht und ein wenig kreativer seine Protagonisten begleiten. Darüber hinaus werde ich das Gefühl nicht los, immer noch zu wenig von diesem Personenkreis erfahren zu haben. Hier ist noch etwas Tiefe gewünscht.
Jürgen Seibold/30.03.2016
Das Echo: Ein postapokalyptischer Thriller (Danach 2) KAUFEN BEI AMAZON