Laymon, Richard: Das Ende

Originaltitel: Among The Missing
Aus dem Amerikanischen von Marcel Häußler
Vollständige deutsche Erstausgabe 04/2018
©1999 by Richard Laymon
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67714-2
ca. 304 Seiten

COVER:

„Bass ging weiter, Faye dicht an seiner Seite. Das fremde Paar lag noch ein gutes Stück entfernt und rührte sich nicht. Der Mann trug eine Jeans, aber kein Oberteil. Er lag auf der Seite zusammengerollt und verdeckte die Frau teilweise. Die Beine der Frau waren jedoch zu sehen. Sie war offensichtlich nackt. Eine Brust war zu erkennen, aber die andere blieb hinter der Schulter des Mannes verborgen. Bass und Faye blieben stehen, unschlüssig, wie sie sich verhalten sollten. Da bewegte der Mann einen Arm. Er drehte sich auf den Rücken und gab den Blick auf die Frau frei. Sie hatte keinen Kopf mehr …“

REZENSION:

Richard Laymon ist vielen Fans der etwas härteren Gangart mit Sicherheit ein Begriff. Der leider bereits verstorbene Autor konnte sehr oft mit seiner schnellen und auf den Punkt kommenden Art des Schreibens den Leser mit spannenden, eingängigen und ab und an ziemlich brutalen Geschichten überzeugen.
Dementsprechend freute ich mich auch auf das bei Heyne erschienene „Das Ende“ – lockte doch die Beschreibung des Buches mit ähnlichen Superlativen.
Es ist jedoch nach Genuss des nicht allzu dicken Buches notwendig, hier einige Abstriche zu machen. „Das Ende“ ist sicherlich ein handwerklich gut erzählter Plot mit einigen interessanten Wendungen. Gleichzeitig aber nichts weiter als ein Thriller, erzählt in manchmal etwas deftigerer Sprache. Zu wenig jedoch für einen echten Laymon.  Er schafft es dadurch nicht, seine eigentliche Klientel rundum überzeugen zu können. Nichts desto trotz hat die Geschichte für ausreichend Unterhaltung gesorgt. Ich wäre aber dennoch – insbesondere durch die eigene Erwartungshaltung – zufriedener gewesen, wenn es sich auch bei diesem Werk um einen reinrassigen Horror gehandelt hätte. „Das Ende“ ist ein Thriller – flüssig, gut aufgebaut und für einen Thriller ausreichend spannend erzählt. Somit ein ganz guter und auch interessanter Plot zur Unterhaltung zwischendurch.
Mehr gibt es in meinen Augen nicht her, vor allem, wenn man es mit anderen, weitaus besseren Werken des Autors vergleicht.
Jürgen Seibold/27.04.2018

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Grumley, Michael: Breakthrough

Originaltitel: Breakthrough
Aus dem Amerikanischen von Wally Anker
Deutsche Erstausgabe 10/2017
©2013 by Michael Grumley
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31875-5
ca. 382 Seiten

COVER:

Mitten in der Karibik muss die Triton II, ein U-Boot der US-Marine, von einer Sekunde auf die andere ihre Mission abbrechen. Dann verschwindet sie spurlos. Die Besatzung bleibt verschollen, die näheren Umstände des Vorfalls sind ungeklärt. In ihrer Verzweiflung kontaktieren die beiden Navy-Sonderermittler John Clay und Steve Caesare die Meeresbiologin Alison Shaw, der das scheinbar Unmögliche gelungen ist: Sie hat einen Weg gefunden, mit Delfinen zu sprechen. Clay und Caesare setzen Alisons Schützlinge im Meer aus, in der Hoffnung, die hochintelligenten Tiere könnten etwas über den Verbleib der Triton II herausfinden. Doch was sie stattdessen auf dem Grund des Ozeans entdecken, wird die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttern …

REZENSION:

Der Wissenschaftsthriller von Michael Grumley ist der erste Teil einer Geschichte, die sich nach aktuellem Stand über drei Bücher ausbreiten wird.
Aus unerfindlichen Gründen muss ein amerikanisches U-Boot seinen Auftrag abbrechen. Der Grund ist auf den ersten Blick nicht gerade als dramatisch zu betrachten: Sie sind urplötzlich laut ihren Geräten über 15 Seemeilen vom Kurs abgekommen. Nachdem dieser Vorgang trotz aller Nachforschungen jedoch nicht auflösbar ist, versuchen sie durch den Einsatz eines Tauchbootes einen greifbaren Grund heraus zu finden. Dieses Boot verschwindet jedoch und somit scheint sich doch mehr als eine reine technische Panne dahinter zu verbergen.
Die Ermittler versuchen Hilfe durch das Meeresbiologenteam um Alison Shaw zu bekommen. Diese hat gemeinsam mit ihrem Team eine Möglichkeit entwickelt, um mit Delphinen sprachlich zu kommunizieren. Gemeinsam versucht man nun, die Geschehnisse auf dem Meeresboden in der Karibik zu ergründen und das verschollene U-Boot zu finden.
Michael Grumleys Thriller ist sehr rasant erzählt und fühlt sich beinahe wie ein Film an. Wenn man daran denkt, dass BREAKTHROUGH erst der Auftaktband ist, könnte man sich auch ganz gute eine Serie vorstellen. Diese würde auch problemlos dem Buch entsprechen, da Grumley kein allzu großes Risiko eingeht und nahezu alle notwenigen Mittel verwendet, die den Leser wie auf der Couch sitzend und in den Kasten sehend zur Hand nimmt.
BREAKTHROUGH funktioniert aber wohl auch gerade deswegen ausreichend gut. Sicher, es ist kein herausragendes Werk aus dem Genre der Wissenschaftsthriller – dennoch sorgt es problemlos für unterhaltsame und spannende Stunden.
Am stärksten funktionieren dabei die Delphine und man frägt sich ohne Unterlass, ob die Tiere wohl in Wirklichkeit eine ähnliche Empathie und Nachdenklichkeit aufweisen, wie in diesem Buch beschrieben. Ich würde es jedenfalls sehr begrüßen.
Die Behörden – allen voran die US-Army und Regierung – spielt die klassische Serien-Rolle: Hier befinden sich die machthungrigen und über Leichen gehenden Menschen, deren einziges Ziel die Vernichtung von unbekannten Begebenheiten ist. Koste es, was es wolle.
Mir stellt sich da die Frage, ob es nicht ab und an sinnvoll sein könnte, dass diese Klientel einfach auch mal den ein oder anderen Thriller mit Verwendung von Behörden lesen sollte.
Naja, ob die das noch lernen werden, ist eine andere Frage und hat nichts mit dem Buch zu tun.
BREAKTHROUGH macht jedenfalls recht viel Spaß und lässt einen auf unterhaltsame Art und Weise an den Begebenheiten teilhaben. Ein typisches Buch für den Weg in die Arbeit oder das gemütliche Abschalten im Flieger bzw. ähnlichen Zeitvernichtungsplätzen. Allzu stark braucht man sich als Leser nicht konzentrieren – nichts desto trotz sind solche Bücher auch immer wieder notwendig und dementsprechend freue ich mich bereits auch die Fortsetzung.
Jürgen Seibold/15.04.2018

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Stefán Máni: Der Stier und das Mädchen

Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig
©2015 by Stefán Máni
© der deutschsprachigen Ausgabe 2017 by Karl-Ludwig Wetzig
Edition M Verlag
ISBN 978-1-542-04969-6
ca. 240 Seiten

COVER:

In einer verlassenen Ecke Islands, wo der weite Himmel bis zur Erde reicht und nur das Brausen des fernen Meeres zu hören ist, haben zwei junge Touristinnen eine Autopanne. Zu Fuß erreichen sie einen einsamen Bauernhof. Auf ihrer Suche nach den Bewohnern entdecken sie in der Scheune zwei Tote, grausam zugerichtet. Auch im Wohnhaus machen sie einen ähnlich entsetzlichen Fund. Aber bevor sie fliehen können, merken sie, dass sie nicht allein auf dem Hof sind …

REZENSION:

Als ich das erste Kapitel dieses doch recht düsteren Thrillers gelesen hatte, dachte ich, es handelt sich ganz schlicht und einfach um einen typischen „da-sind-zwei-junge-Damen-zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort“-Thriller. Somit schweiften die Gedanken gleich in Gefilde, die bereits durch eine Vielzahl an Horrorthrillern ausgelutscht worden sind. Interessanterweise verlässt man diese beiden Freundinnen, denn urplötzlich ändert sich die Perspektive und man kann als Leser nicht mehr richtig greifen, wo man sich denn nun eigentlich in dieser Story befindet.
Der Autor springt beinahe bei jedem Kapitel nicht nur innerhalb verschiedener Zeiten sonder wechselt dabei auch regelmäßig die Perspektive. Lange Zeit dachte ich, was will Stefán Máni mir denn nun eigentlich sagen? Wie sich jedoch herausstellen sollte, löst sich der gedankliche Knoten in den Lesers Hirn (bei ausreichender und notwendiger Aufmerksamkeit) nach und nach auf. Teilweise – vor allem, wenn man zeitlich begrenzt nur Häppchen lesen kann – fällt es schwer dran zu bleiben und eine gewisse Zeit war ich mir deshalb nicht wirklich sicher, ob mir das Buch denn nun gefallen soll oder eben nicht.
Aber wie gesagt, der Knoten löst sich nach und nach auf und die jeweiligen Kapitel allein sind bereits ausreichend interessant, um am Ball bleiben zu können.
Im Laufe der Seiten verdichtet sich die Story unter Verwendung dieser verschiedenen Ebenen mehr und mehr und man erkennt die Zusammenhänge. Diese wiederum sorgen dafür, dass die Geschichte eine gewisse Tiefe erreicht, der man sich auch nicht mehr wirklich entziehen kann. Man möchte einfach wissen, wohin das alles führen soll.
Die Story funktionierte immer besser, dennoch war ich noch lange am Überlegen, ob sie lediglich in einem guten Mittelfeld landen soll. Stefán Máni schafft es aber zum Ende einen gewissen Twist einzubauen, denn ich lange nicht vorhergesehen hatte, mich aber mit seiner Deftigkeit sehr gut überzeugen konnte.
Kurzum: Man rechnet mit etwas ganz Anderem zum Anfang der Story, versucht lange Zeit Sinn und Zweck der Geschichte zu folgen, erkennt plötzlich die Hintergründe und Motivationen, um dann ungebremst in eine gänzlich andere Richtung und neue Motivation geschubst zu werden.
Somit ein doch recht gut zu empfehlender Thriller, bei dem man sich nebenbei auch noch gefühlt in einem wunderschönen Land befindet, über das der Autor sich meiner Meinung nach noch erheblich mehr hätte auslassen können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

Der Stier und das Mädchen – Ein Island-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Richard Laymon: Das Auge

Originaltitel: ALARMS
Aus dem Amerikanischen von Sven-Eric Wehmeyer
Vollständige deutsche Erstausgabe 10/2017
©1992 by Richard Laymon
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-17654-9
ca. 352 Seiten

COVER:

Pen öffnete die Augen. Sie lag eingerollt auf der Seite, die Beine leicht ausgestreckt. Das obere Bein war eingeschlafen. Die enge Jeans hatte die Blutzirkulation abgebunden. Sie erinnerte sich nicht daran, sich auf die Seite gewälzt zu haben. War sie eingeschlafen, so wie ihr Bein? Sie spähte zum erleuchteten Zifferblatt des Weckers hinüber. Halb vier. Sie machte die Augen wieder zu. Und hörte Schritte. Die Wucht ihres Herzschlags raubte ihr den Atem. Sie vernahm nichts anderes als das Hämmern ihres Herzens. Dann einen neuerlichen leisen, kratzenden Schritt. Nicht innerhalb des Apartements, sondern auf dem Asphalt direkt vor ihrem Fenster. Das Fenster befand sich über ihrem Gesicht. Zitternd zog sie den Vorhang beiseite. Ihr gefror das Blut in den Adern …

REZENSION:

Der im Jahre 1947 geborene und leider bereits im Jahre 2001 gestorbene Richard Laymon wurde mit einer Vielzahl seiner Werke zu einem Garant für gelungene, blutige und spannende Horrorliteratur.
Seine Büchern schwanken dabei jedoch recht stark von absoluten Kultwerken zu Romanen, die ganz nett zum Lesen sind, dennoch sich nicht unbedingt in das Gehirn des Lesers einfräsen.
DAS AUGE liegt irgendwo dazwischen. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich dabei um ein Buch aus dem Jahre 1992 handelt. Wenn man dies im Hinterkopf behält, wird einem recht klar, dass zu dieser Zeit sehr viele Romane dieses Genres recht ähnlich aufgebaut waren und trotzdem ausreichend für Unterhaltung sorgen konnten.
DAS AUGE ist dabei – vor allem im Vergleich zu anderen Werken des Autors – recht harmlos. Dennoch sorgt es für eine funktionierende Unterhaltung mit ausreichend Spannungselementen. Sehr oft leider stark vorhersehbar, dennoch eine interessante Idee und ganz in Ordnung für einige Stunden zum Abschalten. Schlichtweg ein kurzweiliger, nicht zu tiefsinniger Thriller mit interessanten Protagonisten und in der eingängigen Sprache Laymons geschrieben. Sicherlich hätte er noch stärker auf das Gas drücken können, was wohl auch dafür sorgt, das DAS AUGE sicherlich harte Laymon-Fans nicht umfassend überzeugen kann.
Kurzum ein netter kleine Thriller für Zwischendurch – ähnlich einem Film aus dem Abendprogramm, dessen Hintergedanke nichts weiter als die kurzweilige Unterhaltung ihres Konsumenten darstellen möchte.
Jürgen Seibold/29.11.2017

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Timo Leibig: Fang den Tod

© Timo Leibig
www.timoleibig.de
ISBN 978-3-9817076-7-0
ca. 269 Seiten

COVER:

Fünf Tage. Fünf Tote.
Wer kann den Tod stoppen?

Eine Männerleiche wird entdeckt – das Herz durchbohrt, die Innereien entnommen und offenbar verspeist. Schnell findenWalter Brandner, Cahide Pfeiffer und Gregor Schanzer den vermeintlichen Kannibalen. Doch dann taucht eine zweite Leiche auf, und drei weitere werden angekündigt. Für Walter, sein Team und Privatdetektivin Goldmann beginnt ein perfides Spiel, dessen Regeln nur der Täter kennt.

Fang den Tod ist der fünfte Fall der Thrillerserie um das Ermittlerteam Goldmann und Brandner.

REZENSION:

Timo Leibig reiht sich in eine sehr geringe Anzahl an Autoren ein, deren Werke ich von Anfang an al Leser begleite. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Rezension zu seinem ersten Buch erinnern. Bereits damals hielt ich die darin enthaltene Story für außerordentlich erwähnenswert und hoffte, dass der Autor damit nicht einfach nur eine weitere Eintagsfliege im Kosmos der “Kleinautoren” darstellt, sondern noch das ein oder andere nachkommt.
Erfreulicherweise sollte genau dies geschehen und wir blicken nun auf bereits 8 Bücher zurück, die sich gegenseitig nahezu in nichts nachstehen. Als achtes Buch nun erneut ein Fall, in dem das mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsene Ermittlerduo Goldmann und Brandner seine Jagd nach einem oder mehreren Mördern aufnimmt.
Abermals schafft es Leibig geschickt, eine Brücke zwischen Krimi- und Thrillerlesern zu schaffen. Sicherlich für manchen Krimileser ein wenig harter Tobak, dennoch immer noch gerade so, dass damit keiner wirklich ein Problem haben sollte. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Timo Leibig dadurch seine Fangemeinde weiterhin stetig ansteigend vorfinden wird.
Die grundsätzliche Idee in “Fang den Tod” ist sehr interessant – aufgrund der Gefahr, relativ schnell zu spoilern, vermeide ich aber hier näher darauf ein zu gehen.
Der Schreibstil Leibigs ist sehr eingängig und die Geschichte rasant erzählt. Seine Personen sind ausreichend tief gezeichnet und bekommen beim Kennen aller Werke immer mehr Kontur. Nichts detso trotz würde “Fang den Tod” auch bei Neueinsteigern funktionieren, da Leibig dezent Informationen aus vorangegangenen Werken einbaut. Das komplette Gefühlswesen und die dazugehörigen Eigenheiten lernt man natürlich nur nach der kompletten Lektüre aller Fälle kennen.
Kurz hatte ich die Sorge, dass Leonore Goldmann auf das Abstellgleis geschoben wird. Glücklicherweise ist das nicht der Fall – im Gegenteil: Durch die Hinzufügung weiterer Ermittler und Nutzung Leonores als Detektivin bekommt das gesamte “Netzwerk” der Gruppe erheblich mehr Möglichkeiten.
“Fang den Tod” ist unwahrscheinlich schnell gelesen, was ja grundsätzlich bereits für das Buch spricht. Ich hätte mir trotzdem noch weitere Seiten gewünscht. Zum einen, weil mir die Story einfach gut gefallen hat und zum anderen, da der Autor dann vielleicht noch erheblich mehr ausholen hätte können.
Weiterhin sind zwei andere Fälle aus dieser Reihe immer noch meine Favoriten – aber das zusammen ist lediglich Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum: Erneut ein sehr interessanter und empfehlenswerter Fall und ich freue mich schon enorm auf weitere Erlebnisse im Kosmos dieser Truppe um Goldmann und Brandner.
Jürgen Seibold/24.11.2017

Fang den Tod: Thriller (Goldmann und Brandner, Band 5) – KAUFEN BEI AMAZON

Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017

 

Ezekiel Boone: Die Brut – Die Zeit läuft

Originaltitel: Skitter
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©Ezekiel Boone 2017
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-03583-0
ca. 426 Seiten

COVER:

Sie sind da und vermehren sich rasend schnell …
Doch das ist erst der Anfang.

Fleischfressende Spinnen haben Los Angeles, Oslo, Delhi, Rio de Janeiro und weitere Städte befallen. Millionen von Menschen sind weltweit gestorben, und China gleicht einem nuklearen Wasteland. Da gibt die Wissenschaftlerin Melanie Guyer Entwarnung. Die Spinnen sterben, die Plage scheint überstanden. Doch hat sie damit recht? Als in Japan ein Kokon gefunden wird, der Spinneneier gigantischen Ausmaßes enthält und Überlebende in Los Angeles die Quarantänezone mit Waffengewalt verlassen, müssen die Regierungen einsehen: Der Ausnahmezustand kann nicht aufgehoben werden. Jetzt muss die Präsidentin der USA mit einer schrecklichen Nachricht an die Presse: Jeder ist auf sich allein gestellt – denn die Spinnen haben sich Wirte gesucht, menschliche Wirte.

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band dieser Trilogie konnte Ezekiel Boone ausreichend unterhalten und überzeugen. Sein auf Spinnen basierendes Grauen ist eine Analogie zu allgemeinen Ängsten der heutigen Zeit. Man kann die menschenfressenden Achtbeiner ganz leicht mit Viren, Seuchen und Kriegen austauschen. Nichts desto trotz wirken Spinnen für viele Leser sicherlich eingängiger und greifbarer. Jeder hat doch im tiefsten Inneren Angst vor diesen Killermaschinen, die unseren Planeten schon nahezu seit Anbeginn bevölkern.
In seinem Fortsetzungsband “Die Zeit läuft” ist die Gefahr bereits bekannt und ich fragte mich wirklich, ob Ezekiel Boone nun lediglich weitere spinnenhaften “Eroberungen” gegenüber den Menschen zu erzählen hat oder doch mit weiteren Ideen aufwarten kann.
Wie sich herausstellen sollte, legt er seinen Fokus verstärkt auf die agierenden Menschen – was irgendwie sogleich beängstigender wird, als die schwarz behaarte Gefahr.
Neben Überlebenskünstlern und Familiendramen lässt er uns sehr stark an den Begebenheiten im Weissen Haus teilhaben. Und genau hier liegt das größte Drama, welches sich meiner Meinung nach auch mit Sicherheit so oder so ähnlich bei einer realen Gefahr abspielen könnte:
Es gibt die militärischen Befürworter, die am Liebsten halb Amerika mit ihrem Atom-Arsenal dem Erdbogen gleich machen würden. Im Gegenzug dabei glücklicherweise eine Präsidentin, die erstaunlich kompetent und anständig wirkt. Dennoch muss sie einen weitreichenden Befehl geben, der zur Folge hat, dass die Menschen in ihrem Staat eingegrenzt und auf sich allein gestellt werden. Millionen Tote sind im Zuge dessen leider nichts weiter als ein Kollateralschaden zugunsten der allgemeinen Menschheit.
Dieses Schema macht vorliegenden Roman so erschreckend, denn man kann sich einfach nicht von dem Gedanken befreien, dass dies der Realität entsprechen wird.
Der Schreibstil von Boone ist auch im zweiten Buch unverändert eingängig und mit kurz gehaltenen Kapiteln rasant erzählt. Die Spinnengefahr ist beinahe als Sekundär zu betrachten, dennoch weiterhin nicht vernachlässigbar.
Alles in allem eine gelungene Fortsetzung eines bis jetzt sehr geschickt aufgebauten und spannenden Unterhaltungsromans. Ich bin schon ganz auf den finalen Band gespannt und lass mich davon überraschen, ob die bereits etwas dezimierte Menschheit noch auf einem einigermaßen sauberen Weg die Kurve bekommt – oder gewinnen gar die Kolonien der menschenvernichtenden, achtbeinigen, Jahrtausende überlebenden Spinnentiere?
Ich lasse mich gerne überraschen…
Jürgen Seibold/10.11.2017

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Ezekiel Boone: Die Brut – Sie sind da

Originaltitel: The Hatching
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©2016 Ezekiel Boone
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-03553-3
ca. 398 Seiten

COVER:

Etwas lebt. Und es vermehrt sich rasend schnell.

Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe. Kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören.
In Indien schnellen die Seismographen in die Höhe, doch es folgt kein Erdbeben.
In China wird eine Atombombe gezündet. Angeblich versehentlich.
In Minneapolis stürzt ein Flugzeug vom Himmel. Im Wrack findet Agent Mike Rich eine verbrannte Leiche aus der etwas Schwarzes kriecht.
Biologin Melanie Guyer erhält in Washington eine FedEx-Sendung. Ein mysteriöser Fund von den Nazca-Linien.

REZENSION:

Mit “Die Brut” erblickte endlich einmal wieder ein Thriller das Licht der Welt, der seine Gefahr mit phantastischen Elementen anreichert und dadurch geschickt einen kleinen Schritt in Richtung Horror wagt.
Solche Romane helfen ein wenig, das Genredenken mancher Lesen etwas zur Seite zu schieben, und manchen davon zu überzeugen, einfach eine Story zu lesen, weil man am Inhalt interessiert ist und nicht, weil man die Realität abgebildet haben möchte. Bücher – vor allem solche – dienen der Unterhaltung und das sollten sich doch einige immer wieder vor Augen halten.
Hier also ein erster Band eines mir unbekannten Autoren. Mag sein, dass es daran liegt, das Ezekiel Boone ein Pseudonym ist. Spielt aber auch keine Rolle. “Die Brut” ist ausreichend spannend, um den Thrillerfan und ein klein wenig auch den Horrorfan ausreichend unterhalten zu können. Boones Vorgehensweise ist ganz geschickt aufgebaut: Er wechselt in seinen Kapiteln die Örtlichkeiten. Hierdurch auch die Perspektive, sowie die handelnden Personen. Dadurch bekommt man einen recht eingehenden und weit gefächerten Eindruck ob der auf unseren Planeten eindringen Gefahr. Ein globaler Dystopiebeginn simpel dargestellt. Boone fängt ruhig an und bringt dennoch die Gefahr geschickt bei jedem Kapitel einen Schritt weiter. Am Ende wird er mir fast ein wenig zu hektisch – insbesondere, da er ja im vorliegenden Band noch ausreichend Zeit hat, handelt es sich doch erst um den ersten Band einer mehrbändigen Reihe (Trilogie?). Nichts desto trotz erzählt Boone seine Geschichte rasant und lässt dabei seinen Leser niemals auf der Strecke. Die kurzen Kapitel wirken wie ein schneller Filmschnitt – und ähnlich einem verfilmten Thriller ist auch “Die Brut” aufgebaut: Leichte Unterhaltung, dennoch spannend und für manch einen auch eklig genug dargestellt, um wieder einmal etwas forschender in die dunklen Ecken der häuslichen Umgebung zu schielen. Na, wollen wir hoffen, das die beschriebene Gefahr weiterhin unrealistisch bleibt, denn dadurch ist unser Überleben gesichert und wir können uns getrost dem zweiten Band von “Die Brut” widmen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

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Andreas Brandhorst: Das Erwachen

©Piper Verlag GmbH, München 2017
ISBN 978-3-492-06080-6
ca. 736 Seiten

COVER:

Kenia. Ein unscheinbarer Computer wird von einem Virus befallen. Ein kleines Programm, das sich rasend schnell im Internet ausbreitet und unzählige Rechner auf der ganzen Welt miteinander vernetzt. Überall kommt es zu Störfällen, die Stromversorgung bricht zusammen. Alles, was am Internet hängt, gerät außer Kontrolle. Die Regierungen beschuldigen sich gegenseitig, die Staaten geraten an den Rand eines globalen Krieges. Der Hacker Alex Krohn und seine Verbündete Giselle suchen nach einem Weg, das Virus aufzuhalten. Doch dabei entdecken sie etwas viel Größeres: Der Moment, vor dem die Wissenschaftler immer gewarnt haben, ist gekommen – die erste Maschinenintelligenz ist erwacht …

REZENSION:

Es gibt eine ganze Reihe an Büchern und Filmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, auf Basis der aktuellen Forschungen den mahnenden Finger zu heben. Teilweise gut verkleidet als dystopische Werke, teilweise sehr detailverliebt und erklärend. Viele davon konnten mich zwar sehr gut unterhalten, dennoch konnten sie die auftretende Gefahr nicht ausreichend genug widerspiegeln, um den mahnenden Finger im Gedächtnis des Lesers bzw. Betrachters bei zu behalten.
Nun nimmt sich Andreas Brandhorst dem Thema der Maschinenintelligenz an. Bisher eher bekannt als herausragender Science-Fiction-Autor schweift er mit seinem neuesten Werk namens “Das Erwachen” in das Genre des Thrillers ab.
Brandhorst ist mir dabei bekannt als ein Autor, der sich die Arbeit nicht allzu einfach macht. Dementsprechend gut sind sämtliche seiner Werke recherchiert und ich fragte mich oft, warum er sich für seine Zukunftsszenarien soviel Mühe macht – könnte er doch einfach alles erfinden, wie er es denn möchte. Wohl deshalb sind seine SF-Romane jedoch so angesehen, wirkt doch seine Technik und insbesondere die von ihm jeweils verbreiteten philosophischen Gedanken sehr dicht gewebt und klar herausgestellt.
Nun also ein Roman, der in etwa in unserer Zeit spielt und dabei die technische Abhängigkeit innerhalb eines Thrillers zum Thema hat.
Mal davon abgesehen, dass die reinen Thriller-Elemente dem Genre entsprechen und dadurch ab und an vorhersehbar sind, wirkt “Das Erwachen” insbesondere durch die detaillierte Ausführung Brandhorsts in Bezug auf die Entstehung der Maschinenintelligenz und ganz besonders unserer Abhängigkeit zur heutigen Technik.
Man könnte sich eigentlich ruhig zurücklehnen und sich keine Gedanken darüber machen, wenn plötzlich in der Vielzahl an vernetzten Rechnern ein Virus dafür sorgt, dass sich eine Maschinenintelligenz bildet. Wenn man jedoch ein klein wenig mehr darüber nachdenkt – wozu dieses Buch hervorragend hilft – erkennt man sehr deutlich, dass sich erheblich mehr dahinter verbirgt als lediglich ein eventuell nicht mehr vorhandenes Internet. Sind doch mittlerweile fast alle von uns genutzten Geräte, Verkehrsnetze, Kraftwerke und vieles mehr miteinander verbunden – welche Macht würde dadurch entstehen, wenn diese plötzlich jemand autark steuern könnte? Noch schlimmer: Was wäre, wenn es sich dabei um eine lernende Maschine handelt, die nicht wirklich Rücksicht auf die auf diesem Planeten lebende, menschliche Spezies nehmen muss.
Brandhorst lässt einen dementsprechend mitfiebern und man hofft, das die Menschheit irgendwie noch die Kurve bekommen wird.
Brandhorst wäre natürlich nicht Brandhorst, wenn er nicht auch ein wenig philosophieren könnte und seine “Endlösung” sorgt definitiv für einige tiefgehende Gedanken nach Beenden des Buches. Wäre wahrlich schön, wenn es wirklich so funktionieren könnte – aber macht euch selbst ein Bild.
Alles in allem ein wirklich außerordentlich gut geschriebener Thriller, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Normalerweise würde ich Brandhorst bitten, weiter in seinem Genre zu schreiben – nun muss ich das revidieren und würde mich auch über weitere Bücher aus dem Thriller-Genre von ihm freuen. Bin mal gespannt, welche Ideen dieser Autor noch aufweisen kann.
Jürgen Seibold/02.10.2017
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Jack Ketchum: Scar

Originaltitel: The Secret Life OF Souls
© 2016 by Dallas Mayr and Lucky McKee
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67717-3
ca. 336 Seiten

COVER:

Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichte zu machen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren …

REZENSION:

Geschichten, in denen Kinder die tragische Hauptrolle tragen, sind in meinen Augen immer besonders intensiv. Bereits in EVIL ging Jack Ketchum in diese Richtung und präsentierte ohne jegliche Rücksicht auf Verluste einen Ausblick auf die unglaublichen Möglichkeiten des Mobbings, des Gruppenzwangs und der sozialen Abgeschiedenheit.
Während er bei EVIL noch stark auf Horrorelemente Wert zu legen schien, ließ er dies im vorliegenden Buch beinahe durchweg unberücksichtigt. Was jedoch dieser Geschichte keinesfalls schadet – im Gegenteil: Sie bekommt dadurch eine stärkere Glaubwürdigkeit verliehen.
In SCAR lernen wir eine Familie kennen, wie es sie sicherlich unzählige Male auf diesem Planeten gibt. Die Zusammenstellung beinahe klischeehaft: Eltern, 2 Kinder und ein Hund. Nun jedoch auch noch eine Mutter, die schon immer Schauspielerin werden wollte, dabei jedoch auf keinen wirklich grünen Zweig gekommen ist. Aber sie hat ja ein hübsches Töchterchen. Recht jung noch, dennoch – oder gerade deswegen – leicht zu vermarkten. Beide tingeln dabei von einem Fotoshooting zum anderen, von einer Werbeaufnahme zur anderen und von einem Casting zum nächsten.
Delia ist nicht wirklich davon begeistert, spielt aber als anständige Tochter stoisch mit.
Nach und nach erkennt man an Ketchums Geschichte, dass das gesamte Familieneinkommen auf dieser Tätigkeit beruht. Somit sich nahezu alternativlos darstellt. Als dann plötzlich ein sehr dummes Unglück geschieht und dabei Delias Gesicht mit Narben entstellt wird, verdichtet sich diese Problematik in ungeahnte Höhen: Die Krankenhausrechnungen mögen bezahlt sein, Abstriche beim Lebensstandard werden nur ungern gesehen.
Während sich beide Elternteile immer mehr dem Alkohol und neuen Ideen widmen, arrangiert sich Delia mit ihrem neuen Aussehen und ist fast froh, dem Filmwahnsinn damit entgehen zu können.
Die Ehe bröckelt immer mehr, bis kurzfristig eine Lösung am Horizont auftaucht: Man könnte ja auch das verunglückte Kind vermarkten. Am Besten noch gemeinsam mit ihrem Hund, der ihr damals das Leben gerettet hatte.
Ketchum zieht ab da wieder die Dramatik an und führt Delia wieder als Spielball ihrer Mutter vor – diese möchte sich das aber nicht mehr wirklich gefallen lassen und reagiert immer öfter auf eigene Entscheidung und mit unvorhergesehenen Äußerungen.
DasFamiliendrama spitzt sich dadurch immer mehr zu: Der Alkohol fließt und auch der zeitweise Besuch fremder Betten ist nicht mehr wirklich eine Randerscheinung.
SCAR ist beileibe kein Horrorroman, wie viele Fans dieses Autors sicher erwarten würden. Nichts desto trotz ist es Jack Ketchum gelungen, eine Geschichte zu kreieren, die ihren Horror aus der normalen Nachbarschaft zieht. Als Leser fühlt man sich wie ein Voyeur, der seinen Blick in die Tiefen einer angespannten Familie legen darf. Dabei erkennt man sehr deutlich, wie nahe oft Alltäglichkeit, Hoffnung und absoluter Wahnsinn beieinander liegen können.
SCAR wirkt absolut real und dementsprechend glaubwürdig. Aus diesem Grund auch dementsprechend intensiv. Nun gut, auch Freunde der dezent eingestreuten, mystischen Elemente kommen nicht zu kurz: Es gibt ja noch Caity, Delias Hund. Hier könnte man fast sagen, dass klingt nicht gerade nach Realität – aber ich als Hundebesitzer kann nur sagen: Doch, das klingt sehr wohl glaubwürdig. Davon abgesehen gibt es dieser Geschichte eine gewisse freundliche Würze, denn Caity ist einfach der einzige Anker, der Delia noch geblieben ist.
In meinen Augen ein absolut gelungener und intensiver Roman über eine Familie, die von Besessenheit getrieben wird und dabei nicht einmal Rücksicht auf ihre eigenen Kinder nimmt.
Leider befürchte ich, dass es auch viele Beispiele außerhalb des gedruckten Wortes im realen Leben gibt – auch das wird zu keinem guten Ende führen…
Jürgen Seibold/24.09.2017

SCAR: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

©2008 by Knaur Taschenbuch
ca. 361 Seiten

COVER:

Sie wurden nicht vergewaltigt. Nicht gefoltert. Nicht getötet.
Ihnen geschah viel Schlimmeres …

Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den “Seelenbrecher” nennt, genügt: Als die Frauen wieder auftauchen, sind sie psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. In der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt …

REZENSION:

Beim Durchstöbern von Buchversandkatalogen, Bahnhofs- oder Flughafenbuchläden, Bibliotheken und Online-Archiven, stolpert man grundsätzlich über Sebastian Fitzek. Wenn man den dazugehörigen Stimmen glauben kann, handelt es sich bei ihm um einen der besten deutschen Autoren für Thriller. Gleichzeitig wohl einer der wenigen, dessen Werke auch in die englischsprachige Welt exportiert werden.
Nun, wenn das mal keine Ansage ist.
Aber: Klingt sowas nicht sehr nach Mainstream? Wohl aus diesem leise herauströpfelnden Hintergedanken wehrte ich mich immer wieder recht erfolgreich, einen weiteren Tipp – bezogen auf diesen Autor – anzunehmen. Ich las dann lieber andere Sachen, da ich immer ein wenig vorbehalten bin, wenn sich ein Autor mit einer nahezu unerschöpflichen Vielzahl an Werken auf nahezu jedem Marketingstapel befindet.
Vielleicht werde ich ihm dabei jedoch auch unrecht – und: Ist nicht auch mein Lieblingsautor – Stephen King – mittlerweile schon dem Mainstream zu zu ordnen?
Gut, vielleicht einfach mal den Namen Fitzek im Hinterkopf behalten.
Eines Tages stand ich in unserer örtlichen Gemeindebibliothek und suchte während deren Flohmarkt nach geeigneten Schätzen. Dabei stieß ich auf ein Buch von Sebastian Fitzek mit dem bereits interessant klingenden Titel “Der Seelenbrecher”. Darunter eingeordnet als Psychothriller und schon landete dieses Werk einfach mal so aus grundsätzlichem Interesse an der deutschen Autorenlandschaft in meinem Eigentum.
“Der Seelenbrecher” handelt von einem Psychopathen, der es irgendwie schafft, seine Opfer durchweg seelisch gebrochen zurück zu lassen. Man sitzt als sein Opfer nur noch im Rollstuhl und vegetiert vor sich hin. Man lebt nur noch innerhalb des eigenen Geistes und kann sich nicht mehr nach außen artikulieren.
Dieses Setting klingt für einen Psychothriller schon mal verlockend und dementsprechend rasant startet Fitzek auch mit seiner Story.
Der Autor benutzt dabei eine recht untypische Art der Vorgehensweise: Man liest einen Patientenbericht in Romanform. Der ganze Fall ist somit schon Vergangenheit.
Klingt nicht uninteressant und funktioniert auch sehr gut. Man davon abgesehen, dass sich jemand die Mühe machte, einen Patientenbericht in Romanform zu schreiben – dies wird aber vom Autor natürlich später aufgeklärt.
Bevor die Geschichte zu einem kleinen und leicht fiesen Ende kommt, befinden wir uns in eine psychiatrischen Anstalt, in der sich der Seelenbrecher auf der Jagd nach seinen Opfern befindet.
Dieser gesamte Hauptteil wirkt leider recht konstruiert – sicherlich gut konstruiert, dennoch fehlt das gewisse Etwas. Ich fühlte mich immer wieder an diverse Filme erinnert, in denen einen Gruppe sich immer wieder mal trennt, da sie den Killer fassen möchten – man weiß ja, was in Horrorfilmen mit den Protagonisten geschieht, wenn sie eine Szene mit “wir müssen uns trennen” beginnt…
Einiges wird darüber hinaus sehr stark dem Zufall überlassen und selbst der Schluß führte bei mir nur noch zu einem kleinen Grinsen.
Man erkennt sehr deutlich die Routine des Autors und ich könnte mir sehr gut vorstellen, weitere Bücher von ihm zu testen. “Der Seelenbrecher” ist jedenfalls ein ganz netter Thriller mit dem man auch in einer U-Bahn mit quasselnden Fahrgästen keinerlei Probleme zum Folgen hat. Alles in allem ein netter Zeitvertreib aber kein Werk zum Aufbewahren für das erneute Eintauchen.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Der Seelenbrecher (BILD am Sonntag Thriller 2017) – KAUFEN BEI AMAZON

Matthew Delaney: Dämon

Originaltitel: Jinn
Aus dem Amerikanischen von Axel Merz
© 2003 by Matthew B.J. Delaney
© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach
ISBN 3-404-15264-6
ca. 764 Seiten

COVER:

Als Meeresforscher ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes Schiff entdecken und bergen, können sie nicht ahnen, welche Gefahren sie damit heraufbeschwören. Denn in dem Wrack befindet sich ein Wesen, das nur ein Ziel kennt: zu töten. Mit der Überführung des Schiffes nach Boston beginnt für die Bewohner der Stadt eine Phase des Schreckens. Bizarre Morde, verstümmelte Leichen und kryptische Zeichen halten die Polizei in Atem, und alles scheint auf eine Verbindung zwischen den Gewalttaten und dem Wrack hinzudeuten. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kriminalbeamten auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

REZENSION:

Matthew Delaney holt in seinem beinahe achthundert Seiten starkem Werk recht weit aus. Bereits im ersten Kapitel, welches eher als Prolog zu betrachten ist, fragt man sich, warum er in seinem ersten Roman sogleich soviel zu erzählen hat. Interessanterweise fühlt man sich dabei nicht gestört und somit liest man erst einmal sehr lange über die Begebenheiten einer US-Amerikanischen Truppe bei ihrem Einsatz gegen die Japaner auf einer nicht wirklich kriegsentscheidenden Insel. Nach und nach erkennt man dabei jedoch, dass sich auf dieser Insel eine weitere Gefahr befindet.
Hierdurch sehen sich die Kontrahenten – zumindest teilweise – dazu gezwungen, ihre Kampfhandlungen gegeneinander einzustellen um sich gemeinsam dem mächtigen Gegner zu widmen.
Als nächstes nehmen wir als Leser bei einer Bergungsmission im Ozean teil – weiterhin bleibt der lockere Faden zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg bestehen. Als Leser kann man sich spätestens jetzt diesem Werk nicht mehr entziehen, da Delaney diese Mission außerordentlich interessant, wahrheitsgetreu und spannend vor des Lesers Augen entfaltet.
Erneut vergehen einige Jahre, bis wir auf die ersten Todesfälle in Boston treffen. Ab diesem Augenblick könnte man beinahe von einem reinen Krimi sprechen, wäre da nicht die noch nicht greifbare und wohl übernatürliche Komponente des Bösen.
Delaney bleibt sich treu und erzählt und erzählt. Ab und an fragt man sich, ob weniger nicht etwas mehr gewesen wäre – man ist aber dennoch weiterhin an die Geschichte gefesselt und versucht, über manchen Logikfehler und auch Nutzung des ein oder anderen Zufalls hinweg zu sehen.
Die Fäden finden im Laufe des Romans immer näher zusammen und bis zum Ende schafft es der Autor auch problemlos, alle zu einem relativ plausiblen und gemeinsamen Ergebnis zusammenlaufen zu lassen.
DÄMON ist wahrlich ein Roman im Stile eines gut erzählten Thrillers, wie man ihn sich auch im Kino vorstellen könnte. Trotz seines Ausschweifens fühlt man sich nicht verlassen – im Gegenteil, man sieht über manche Handlungskleinigkeit hinweg und folgt einfach dieser spannenden Geschichte.
Sicher hätten dem Roman einige Seiten weniger wohl recht gut getan – nichts desto trotz macht er in seiner Gänze trotzdem ausreichend Spaß, um ihn mit einem guten Gefühl zu Ende zu lesen. Ein purer Unterhaltungsroman mit sehr guten Ideen und Ansätzen.
Jürgen Seibold/25.06.2017
Dämon: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen Leather: Brut des Teufels

Originaltitel: Midnight
Aus dem Englischen von Barbara Ostrop
©2011 by Stephen Leather
© der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-442-37813-5
ca. 480 Seiten

COVER:

“Deine Schwester holt der Teufel, Jack Nightingale.” Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser mysteriöse Spruch seit jeher über dem Leben des ehemaligen Polizeiermittlers. Dieses Mal vernimmt er die unheilvollen Worte aus dem Mund einer Frau, die tot über einer Treppe baumelt, aufgehängt mit einer Wäscheleine. Doch Jack kennt seine Schwester nicht, denn mit dem Tag ihrer Geburt ist sie aus seinem Leben verschwunden. Wie kann er jemanden retten, dem er noch nie begegnet ist?
Jack Nightingale macht sich auf die Suche, doch jeder, mit dem er über seine Schwester spricht, stirbt einen grauenvollen Tod. Jemand – oder etwas – scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass die beiden Geschwister zusammenkommen. Sollte Jack sie retten wollen, muss er eine Fähigkeit einsetzen, die er einst bei der Polizei lernte und seitdem blind beherrscht: Er muss verhandeln. Doch jede Verhandlung mit den dunklen Mächten hat ihren Preis, und so muss Jack sich fragen: Ist es jede Seele wert, dass man sie rettet?

REZENSION:

Stephen Leathers “Brut des Teufels” ist ein Thriller, der mit einer Vielzahl an übersinnlichen beziehungsweise satanischen Elementen angereichert worden ist. Allein dadurch fühlt man sich beinahe in einen rasanten Film hineingezogen, der einem keine Ruhe lässt.
Jack Nightingale ist auf der Suche nach seiner Schwester, die – ebenfalls wie er – am Tage ihrer Geburt zur Adoption freigegeben worden ist.
Nach und nach bekommt man als Leser von “Brut des Teufels” heraus, dass bereits Jacks Seele durch seinen Vater an den Teufel verschachert worden ist. Dies scheint auch auf die Seele seiner Schwester zu zu treffen.
Nachdem es in meinen Augen dadurch einige auftretende Fragezeichen gab und diese auch nur durch kleine Hinweise beantwortet worden sind, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier noch eine Vorgeschichte zu geben scheint. Wie sich herausstellen sollte: “Brut des Teufels” ist die zweite Story mit Jack Nightingale in der Hauptrolle. Somit wäre es unter Umständen eventuell hilfreich, mit “Höllennacht” zu beginnen. Nichts desto trotz wagte ich mich weiter durch die Seiten dieses Werkes und verzichtete auf den Genuß des ersten Bandes.
Schade jedoch, dass man weder auf dem Cover noch im Buch vom Verlag darauf aufmerksam gemacht wird.
Die Geschichte selbst ist absolut eingängig geschrieben und Jack selbst ist kurios genug, um beim Leser als geeigneter Protagonist anzukommen.
Geschickt baut der Autor kleine aber feine Horrorelemente ein, die zwar beinahe vor lauter Klischee tropfen, dabei aber dennoch Spaß beim Lesen machen.
Von der Thematik her fühlt man sich ein wenig in die Geschichten und Filme der 80er Jahre zurück versetzt – damals gab es nach meinem Empfinden eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, die Teufelsbeschwörungen in irgendeiner Art und Weise zum Thema hatten.
Auf der Suche nach seiner Schwester gibt es ausreichend Action für Jack Nightingale, eine Vielzahl an kuriosen Todesfällen, sowie eine ganze Palette an satanischen Lebewesen, die Jack das Leben recht schwer machen.
Ab und an lässt der Autor den Zufall ein wenig arg stark zu seinen eigenen Gunsten wirken – dennoch führt das nicht zu irgendeiner Abwertung, da diese klischeebeladene Geschichte durchweg eingängig, rasant und spannend erzählt worden ist und gerade deswegen für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
Einfach mal ein satanischer Thriller zur reinen Unterhaltung ohne besonderen Anspruch auf Tiefgang.
Jürgen Seibold/03.06.2017
Brut des Teufels: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Mario Reading: The Nostradamus Prophecies

© 2009, Mario Reading
ISBN 978-1-84887-124-3
Atlantic Books, London
ca. 428 Seiten

COVER:

NOSTRADAMUS WROTE A THOUSAND PROPHECIES.
ONLY 942 HAVE SURVIVED.
What happened to the missing verses?
And what secrets did they contain?

This mystery drives two very different men. Adam Sabir is a writer desperate to revive his flagging career; Achor Bale is a member of an ancient secret society that long ago dedicated itself to the support of the ‘Three Antichrists’ foretold by Nostradamus – Napoleon, Adolf Hitler, and the ‘one still to come’…
As Sabir is drawn into the hidden world of France’s gypsies, Bale is on his trail. A terryfying hunt begins…

REZENSION:

Nach einer gefühlten Ewigkeit wollte ich mich mal wieder einem Werk in seiner Originalsprache widmen. Mein Weg führte mich in die örtliche Bibliothek, auf der Suche nach irgendeinem spannenden Buch, dessen Inhalt nicht zu hochtrabend ist und somit von mir hoffentlich sehr gut verstanden werden würde.
Innerhalb kürzester Zeit hielt ich dabei “The Nostradamus Prophecies” von Mario Reading in meiner Hand. Das klingt doch mal spannend und interessant – in meinen Augen entstand bereits die Ahnung einer Schnitzeljagd, wie man sie sonst nur von Dan Brown kennt.
Eine rasante Jagd nach irgendwelchen mysteriösen Gegenständen, Informationen oder Verschwörungen macht üblicherweise sowohl im Film- als auch (oft noch detaillierter) im Buchgenre sehr viel Freude. Strotzen diese Geschichten doch zumeist von einer rasant abgewickelten Idee und geschickt eingeschobene, reale Begebenheiten oder Informationen aus längst vergangenen Zeiten.
Nostradamus ist dazu sicher ein Garant für spannende Romane – insbesondere, wenn man sich den verschollenen Versen an nimmt und dabei auch noch die Vorhersage des dritten Antichristen aufs Tablett bringt.
Naja, eine Idee reicht leider nicht immer, um damit auch einen Roman wie erwartet zu füllen. Mario Readings “The Nostradamus Prophecies” geht ehrlicherweise so gut wie gar nicht auf diese Prophezeiungen ein. Irgendwie scheint das alles ein Nebenrolle in dieser Geschichte zu spielen.
Okay, man lernt sehr viel über die Interna von Zigeunern. Sprachlich kam ich außerordentlich gut mit – stellt sich nur die Frage, ob es dementsprechend leicht geschrieben worden ist, oder meine Englischkenntnisse nun endlich auf einem ausreichenden Niveau zu stehen scheinen.
Aber darum geht es ja nicht – nur kurz angemerkt: Ich konnte der Story sehr gut folgen. Dadurch entstand aber auch die Enttäuschung, die sich immer mehr breit machen sollte.
Mario Reading hätte eine richtig gute Dan-Brown-Schnitzeljagd entstehen lassen können. Aber nein, wir begleiten hauptsächlich Sabir, der sich mehr und mehr bei Frankreichs Zigeunern einnistet, dabei ab und an etwas von seinem Widersacher gestört wird. Nostradamus? Wollen wir mal nicht so sein: Manchmal konnte man auch davon was lesen.
Alles in allem ein leidlich nettes Buch, um mal wieder in die Sprache eintauchen zu können, dabei jedoch auch eine kleine Enttäuschung, dass sich nicht mehr dahinter befand.
Werde dennoch noch öfter etwas im Original lesen – hoffe dabei jedoch auf erheblich mehr Spannung oder eben Inhalt.
Jürgen Seibold/27.05.2017
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Lucas Grimm: Nach dem Schmerz

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-05778-3
ca. 316 Seiten

COVER:

David Berkoff, Ex-Kriegsreporter, Ex-Familienvater, Ex-Starjournalist, versucht seit Jahren, ein gefährliches Komplott aufzudecken. 1989 verschwanden 381 CD-Rom aus der Berliner Stasi-Zentrale. Darauf die berüchtigten Rosenholz-Dateien mit den Namen westdeutscher Politiker, Journalisten und Unternehmer, die für die Stasi spioniert haben. Der finanzielle Wert? Das hängt davon ab, was ein Betroffener bereit ist zu bezahlen. Das Ziel? Erpressung. Der Täter? Vermutlich Walter Gold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR.
Aber der ist doch tot – denkt Berkoff. Bis Gold nach 27 Jahren wieder auftaucht. Jetzt sieht Berkoff die Chance seines Lebens gekommen und wird in einen Strudel hineingezogen, der ihn fast das Leben kostet. Denn nicht nur eine alte Stasi-Connection, sondern auch der BND ist hinter den Dateien her. Und da ist auch noch Hannah, Walter Golds Tochter, die mehr weiß, als ihr bewusst ist.

REZENSION:

Lucas Grimm ist das Pseudonym eines Drehbuchautors und “Nach dem Schmerz” ist dessen Thriller-Debüt.
In diesem Werk kommen zwei sehr unterschiedliche Protagonisten zusammen: Zum einen der doch mittlerweile recht abgehalfterte Journalist Berkoff und zum anderen Hannah Gold, eine gefeierte Cellistin und gleichzeitig Tochter Walter Golds, der ehemalige und für tot erklärte Staatssekretär der früheren DDR.
“Nach dem Schmerz” beginnt bereits im Prolog sehr rasant – bereits im ersten Satz befinden wir uns mitten in einer Folterszene. Dabei lernen wir auch kurz die junge Hannah Gold kennen, um dann ab dem ersten Kapitel einen Zeitsprung in unsere heutige Gegenwart vor zu nehmen.
Lucas Grimms Debüt ist außerordentlich gut recherchiert und sehr eingängig erzählt. Natürlich handelt es sich um einen Thriller, der den üblichen Wegen des Genres folgt und dabei keinen Ausbruch in seitliche Pfade versucht. Nichts desto trotz macht “Nach dem Schmerz” ziemlich viel Spaß beim Lesen. Grimm hat dabei nicht nur auf sehr glaubwürdige und teils reale Begebenheiten der früheren DDR geachtet, sondern – insbesondere – die Cellistin inklusive ihrer Musik und ihrer Auftritte zu einem wahren Leben innerhalb zweier Buchdeckel verholfen. Als Leser kann man fast nicht mehr anders, als klassische Musik erklingen zu lassen – insbesondere Bach wäre der Tipp zu diesem Buch – und damit klanglich untermalt über die Seiten dieses rasanten Thrillers zu hetzen.
Man kann nicht sagen, dass “Nach dem Schmerz” ein absolutes Thrillerhighlight ist. Nein, aber es ist ein sehr unterhaltsames und recht spannend erzähltes Debüt, dessen Inhalt besonders bei Personen, die noch die Zeit vor und nach 1989 kennen gelernt haben, seine Wirkung entfaltet. Nebenbei fügt Grimm seine musikalischen Elemente aus der Klassik wie einen roten und dabei detailliert ausgebreiteten Faden durch seine komplette Geschichte. Hierdurch erhielt dieser klassisch erzählte Thriller eine kleine Besonderheit, die wahrlich Freude bereitet und für unterhaltsame Stunden sorgt. Dadurch kann man getrost ab und an das ein oder andere Auge mal zudrücken und der Entwicklung sowie der Auflösung dieses spannenden Katz- und Mausspiels folgen.
Kurzum: Ein recht interessanter und guter Thriller für einige spannende Lesestunden. Gleichzeitig ein sehr gutes Debüt – mal sehen, ob der Autor weiterhin von sich hören lässt.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Nach dem Schmerz: Thriller (David Berkoff, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON