Horst Hoffmann: Die galaktische Rallye (Magic-Edition Band 9)

Originalveröffentlichung
c 2006 BLITZ-Verlag GmbH
ca. 225 Seiten

COVER:

Alles Leben beginnt im Meer – jedenfalls auf den meisten Planeten. Eines Tages fällt ihm dann ein, aufs Land zu kriechen und sich erst mal zu sonnen. Irgendwann entwickeln sich die Menschen oder noch gräßlichere Ungeheuer. Sie erfinden das Rad, wählen sich einen Anführer, gründen Ich-AGs, praktizieren Safer Sex und tun andere nützliche Dinge – und ganz logischerweise entdecken sie die Raumfahrt.

In der Evolution der Arten ist das vielleicht der wichtigste Schritt überhaupt. Konsequenterweise treffen die Rassen der Galaxis aufeinander – im Ringen um die Vorherrschaft in der Milchstrasse. Das Universum hält den Atem an, das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Es ist nicht mehr zu stoppen, wenn die GALAKTISCHE RALLYE beginnt!

REZENSION:

Mit “Die galaktische Rallye” veröffentlichte der Blitz-Verlag einen Science-Fiction-Roman eines deutschen Autors namens Horst Hoffmann, der zumindest in seiner Idee zu überzeugen weiß. Horst Hoffmann gibt in seinem Buch auch gleich Gas und zeigt, daß wohl nun auch Deutschland endlich einen Autor vorweisen kann, der mit dem Humor zu spielen weiß, der bisher nur Größen des Genres vorbehalten war.
Die Rallye beginnt sehr temporeich und wahnwitzig – mit der Betonung auf witzig…
Leider nutzen sich die Pointen im Laufe der Lektüre sehr stark ab, da diese durch ihre häufigen Wiederholungen nicht mehr in der Lage sind, die Mundwinkel des Lesers zu heben. Durch diese Problematik und dem Umstand, dass leider die Figuren ein wenig zu oberflächlich betrachtet werden und man als Leser somit keinerlei Bezug zu der ein oder anderen Person aufbauen kann, verliert leider die Spannung als auch die Geschichte erheblich.
Dies ist sehr schade, da ich mich wirklich freuen würde, wenn nun endlich mal ein geeigneter Kandidat der deutschsprachigen Literaturszene das Zepter eines z.B. Douglas Adams übernehmen und weiterführen könnte.
Horst Hoffmann hätte sicherlich das Potenzial dazu – er müsste jedoch stärker auf den Plot und den darin befindlichen Personen eingehen und seine humorvollen Ideen gezielter einbauen. Eine Überarbeitung des vorliegenden Buches hätte dabei bereits um einiges geholfen, da die grundsätzliche Idee genug Dramatik und Potenzial dafür hergeben würde.
Nachdem dies nicht der Fall ist, bleibt leider “Die galaktische Rallye” unter den bisherigen Veröffentlichungen des Blitz-Verlages zurück – zeigt aber, das Horst Hoffmann mit etwas mehr Aufwand sicherlich ein zu merkender Name sein könnte.
Jürgen Seibold/11.04.2007

Johan Harstad: Darlah

Originaltitel: Darlah. 172 timer pa manen.
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Deutsche Erstausgabe März 2010
c 2008 Cappelen Damm AS, Oslo
Für die deutschsprachige Ausgabe:
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten / € 14,90

COVER:

Im Weltraum kann dich niemand schrehen hören.

Mia aus Norwegen, Midori aus Japan und Antoine aus Frankreich – sie sind die drei Gewinner eines weltweiten Preisausschreibens der NASA und dürfen am ersten bemannten Mondflug seit 1976 teilnehmen. Ihre Motivationen könnten unterschiedlicher nicht sein: Midori will weg aus Japan, Antoine weg von seiner Ex. Mia will eigentlich gar nicht weg, aber ihre Eltern und der Rest der Welt finden, das sei eine einzigartige Chance, ein Sprungbrett in die Berühmtheit. Dass die Ausschreibung nicht mehr ist als ein billiger Trick, um Sponsoren anzuwerben, da für die Expedition das Geld fehlt, ahnt kaum jemand. Und der einzige Mensch, der weiß, was in Wahrheit dahintersteckt und dass dieser Mondflug das Ende von allem sein kann, ist ein an Alzheimer erkrankter, alter Mann, dem niemand Glauben schenkt. Der Countdown läuft…

REZENSION:

Johan Harstad legt mit Darlah einen Science Fiction Thriller mit Horrorelementen für die jüngere Lesergeneration vor. Seine Geschichte ist auch durchweg glaubwürdig und interessant erzählt. Seine Spannungselemente sind geschickt eingewoben und lassen an nichts zu wünschen übrig. Nichts desto trotz darf man die Klientel nicht vergessen – und dies hat der Autor auch in keinster Weise getan. Im Rahmen eines anspruchsvollen “Erwachsenenbuches” würde ich eine detailliertere Beschreibung mancher Inhalte sehr wünschen – auch die lediglich als Nebenrolle dargestellte Idee mit dem an Alzheimer erkrankten ehemaligen Mitarbeiter der “Area 51” hätte noch mehr Potenzial.
Bleiben wir aber bei der Zielgruppe: Und hierbei erkennt man, dass es sich doch tatsächlich um eine rasante Science Fictiongeschichte handelt, die voller Ideen und verwoben mit vielen Anspielungen dargelegt wird. Es gibt keinen einzigen Augenblick, der nicht die Aufmerksamkeit des Lesern aufrecht erhält. Somit kann man dieses gelungene Werk jedem jüngeren Lesern uneingeschränkt empfehlen. Der einzige Nachteil dieser Klientel besteht darin, dass diese allein aufgrund ihres Alters eventuell nicht jede Anspielung greifen können, da die dafür verwendeten Vorbilder sich überwiegend bei anderen Generationen aufhielten. Dies beeinträchtigt aber sicherlich in keinster Weise den Lesensfluss.
Jürgen Seibold/05.04.2010

Hel Fried: Tinnitus

c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe bei Eldur-Verlag Aachen

COVER:

Zum Buch:
Zweihundert Jahre nach dem Dritten Weltkrieg besteht die dezimierte Menschheit im Wesentlichen aus Bauern in verstreuten Dörfern, sowie Nomaden, die in Schutzanzügen die Überreste strahlenverseuchter Großstädte plündern. Die größte Sorge aller sind jedoch die Dämonen: Menschen, die über furchterregende Kräfte verfügen und einem geheimnisvollen Ruf folgen, den nur sie hören können. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem laut Überlieferung der Teufel auf seine Befreiung wartet, um die Menschheit zu vernichten. Bewaffnete Dämonenjäger haben daher Hochkonjunktur.

Der telepathisch begabte Kramsky verlässt seine Heimat, um das Geheimnis dieses Ortes zu ergründen. Bald ist er nicht nur im Fadenkreuz der Dämonenjäger, er trifft auch auf allerlei obskure Gestalten. – Und er muss feststellen, dass die Angst der Menschen vor dem Untergang der Welt keineswegs unbegründet ist.

Über den Autor:
Hel Fried wurde 1963 in Skandinavien geboren. Aufgewachsen ohne Schulbildung begleitete er jahrelang Rentierkarawanen, die sowjetische Zwangsarbeitslager in der eisigen Tundra Sibiriens mit illegalen Waren versorgten. Während dieser Zeit brachte ihm ein alter Kirgise das Lesen bei, anhand von russischen Science Fiction Romanen, die Teil ihrer Lieferungen waren.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lebte er einige Jahre in Lappland, wo er die ersten Ideen für eigene Geschichten sammelte, ohne sie jedoch niederzuschreiben.
Später machte er in Norwegen eine Ausbildung als Techniker und arbeitete als Überwacher in einer Wetterstation nahe des Polarkreises.
Dort war es auch, wo er Zeit und Muße fand, seinen ersten Roman zu verfassen.

REZENSION:

Was schreibt man über ein Buch, dem man sich nach Beginn der Lektüre bis zum Ende nicht mehr entziehen kann?
Was schreibt man über einen Debutroman, den der Autor nur schwerlich toppen kann?
Was schreibt man über einen Science-Fiction-Roman, der uns einen Spiegel vor hält und gleichzeitig zeigt, wie brutal die Menschheit sein kann?
Was schreibt man über eine Geschichte, die mit ethischen Grundgedanken spielt und deutlich zeigt, dass Religiosität und Glauben zu Intoleranz und Furcht sowie Hass gegen Andersdenkende führen kann?
Was schreibt man über einen Plot, der in seinen 230 Seiten sogar glaubhaft darlegt, was oder wer Gott ist bzw. sein könnte?
Was schreibt man über einen Autor, der es in dieser geringen Anzahl an Seiten schafft, sehr viele glaubhafte Darsteller entstehen zu lassen, die dem Leser auch noch detailliert und bildhaft dargelegt werden?
Hel Fried hat auf jeden Fall in seinem Endzeitroman einige Antworten parat und zeigt deutlich, dass er zu überzeugen weiss und in der oberen Autorenriege mitspielen müsste.
Mehr fällt mir dazu nicht ein und ich verneige mich ehrfürchtig vor diesem Werk und seinem Autoren.
Danke für dieses Buch…
Jürgen Seibold/20.02.05

Herbert W. Franke: Cyber City Süd

Originalausgabe Juni 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

”Der dritte Pfeifton war verklungen, die Lampen verdunkelten sich. Ruhezeit. Auch Dhouri hatte seine Wohnnische aufgesucht. Jetzt hätte er bereits in seinem Schlaftrog liegen müssen, in der körperwarmen Lösung, die so herrliche Müdigkeit bereitete. Sie enthielt Nährstoffe und Medikamente, die durch die Haut in den Körper eindrangen. Doch irgendetwas hielt ihn heute davon ab, sich in die Flüssigkeit zu legen. Angst stieg in ihm hoch.”

Kybernetische Wunder, virtuelle Flüsse und Kriegsverbrecherprozesse als Publikumsspektakel – gegen Inter-Dollars war in der Cyber City Süd alles zu bekommen. Früher war diese Stadt ein Kleinod des Orients gewesen, heute kommen die Menschen aus aller Welt hierher, um sich bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu amüsieren. Doch die Tage dieser Stadt sind gezählt. Während eine junge Frau sich auf die gefahrenvolle Suche nach ihrem Vater begibt, bereitet sich in der geheimen Kommandozentrale eine gentechnisch perfektionierte Armee auf den Tag der Befreiung vor. Zu spät merken die Besucher der Cyber City Süd, dass unterdrückte politische und wirtschaftliche Konflikte eine Katastrophe heraufbeschwören…

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der Universität Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. Seit 1957 ist er freier Schriftsteller. 1980 wurde Franke zum Mitglied des Deutschen PEN-Clubs gewählt. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Er ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrere für jahresbeste Science-Fiction-Romane.
Frankes faszinierende Utopien basieren auf den Erkenntnissen seiner wissenschaftlichen Arbeit. Neben Autoren wie Philip K. Dick oder Stanislaw Lem ist Franke einer der bekanntesten Science-Fiction-Autoren der Gegenwart.
2003 erschien seine spannende Zukunftsvision “Sphinx_2”.

REZENSION:

Herbert W. Franke führt den Leser in seinem neuesten Buch “Cyber City Süd” in eine Stadt des Orients, die sich zwanzig Jahre nach ihrer Eroberung zu einer Unterhaltungsmetropole ohnegleichen entwickelt hat. Selbst Las Vegas wirkt gegen Cyber City Süd lediglich wie ein in der Wüste vergessener Einarmiger Bandit.
Die Stadt hat jedoch zwei grundlegende Probleme, von denen weder die Einwohner noch die unterhaltungssüchtigen Touristen etwas ahnen: Erstens bereitet sich eine Untergrundorganisation auf die erneute Machtübernahme vor und zweitens geht der verschwenderischen Stadt in kürzester Zeit das wichtigste Grundelement – das Wasser – aus.
Aufgebaut wird die ganze Geschichte in erster Linie um die Person Majda, die als Touristin nach Cyber City Süd reist, um nach Spuren ihres im Umkreis der Stadt verschollenen Vaters zu suchen.
Anfangs lässt sie sich noch sehr stark von den virtuellen Spielwelten dieser Unterhaltungsindustrie blenden und vergisst dabei beinahe ihren eigentlichen Aufenthaltsgrund. Nachdem sie sich jedoch auf ihre Aufgabe zurück besinnt und ein wenig hinter verschlossenen Türen ungern gehörte Fragen stellt, spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu und man findet sich in einem ausgewachsenen SF-Thriller wieder.
Neben den virtuos aufgebauten Spannungselementen zeigt Herbert W. Franke wieder einmal insbesondere sein Talent bei der Beschreibung von futuristischen Welten, Begebenheiten aber auch Kleinigkeiten in einer Zeit die noch keiner erblicken konnte und erschafft damit spielerisch eine Stadt im Kopf des Lesers, bei der man jedes einzelne Blinken wahrnimmt und man mit allen Sinnen eintauchen kann.
Neben dieser qualitativ hochwertigen Art des Schreibens erschuf Herbert W. Franke einen spannenden Plot, der die Aufmerksamkeit des Lesers problemlos aufrecht erhält. Im Gegensatz zu seinem letzten Buch “Sphinx_2” verliert er sich jedoch zum Schluß ein wenig in philosophische Sphären, die aus meiner Sicht zwar interessant aber der Geschichte als alleiniges Ende nicht dienlich sind.
Es bleiben dadurch leider nach Schließen des Buches sehr viele Fragen offen, was nach dem ansonsten fehlerfreien Genuss dieser thrillerhaften, hochspannenden Geschichte zu einer kleinen, unvermeidlichen Enttäuschung führt. Hätte er neben seiner philosophischen Betrachtung noch ein wenig weiter ausgeholt, wäre dem Leser sehr geholfen.
Jürgen Seibold/14.08.05

Herbert W. Franke: Sphinx_2

Originalausgabe Mai 2004
c 2004 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Die Welt ist zu weiten Teilen unbewohnbar geworden, die Menschheit teilt sich auf in die weniger privilegierten Mitglieder der Allianz der freien Nationen und die reichen Bewohner der Union unabhängiger Stadtstaaten: Sie leben unter schützenden Kuppeln, in denen Gewebekulturen und Zuchtautomaten für die Ernährung zuständig sind und virtuelle Spaziergänge, Emotionsboxen und Parasex für Abwechslung sorgen. Der junge Wissenschaftler Gareth Lavalle wundert sich sehr, als er aus heiterem Himmel Besuch von zwei Vertretern des “Verbands zur Unterstützung des sanften Selbstmords” erhält. Seine Verwunderung wird zur Panik, als man ihm suggeriert, dass er an einer schweren Krankheit leidet. Es dauert eine Weile, bis er herausfindet, was man mit ihm vorhat. Und dann nimmt die Angelegenheit eine Wendung, die sein ganzes Leben verändert…

Ein ungewöhnlich spannender Roman über Genforschung, Künstliche Intelligenz und eine skrupellose Wissenschaft. Die Warnung des wohl bekanntesten deutschen Science-Fiction-Autors vor einer inhumanen Zukunft, die wir alle nicht wollen.

“Unter den deutsch schreibenden SF-Autoren ist Herbert W. Franke der prominenteste. Naturwissenschaftler von Haus aus, hat er eine Theorie der Science-Fiction entwickelt, die sich ihrem pädagogischen Ernst von anderen, mehr spielerischen Deutungen stark unterscheidet.”
Die Zeit

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der Universität Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. Seit 1957 ist er freier Schriftsteller. Seine ersten Science-Fiction-Geschichten publizierte er in den Jahren 1953 und 1954 in der Wiener Kulturzeitschrift “Neue Wege”. Weitere Veröffentlichungen unter anderen:
“Der grüne Komet” (1960), “Das Gedankennetz” (1961), “Der Orchideenkäfig” (1961), “Die Glasfalle” (1962), “Die Stahlwüste” (1962), “Der Elfenbeinturm” (1965), “Zone Null” (1970), “Einsteins Erben” (1972), “Ypsilon minus” (1976), “Zarathustra kehrt zurück” (1977), “Sirius Transit” (1979), “Schule für Übermenschen” (1980), “Paradies 3000” (1981), “Endzeit” (1985), “Hiobs Stern” (1988). 1980 wurde Franke zum Mitglied des Deutschen PEN-Clubs gewählt. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Herbert W. Franke ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrere für jahresbeste Sience-Fiction-Romane.

REZENSION:

Science Fiction?
Unendliche Weiten…?
Raumschiffe?

Mitnichten! Herbert W. Franke vermeidet in „Sphinx_2“ geschickt die Darstellung irgendwelcher SF-Klischees. Im Gegenteil: Er stellt unsere Welt so dar, wie sie in wahrscheinlich nicht mehr allzu ferner Zeit aussehen könnte, wenn die momentane Entwicklung bei uns so weitergeht. Und genau dies ist das erschreckende an seinem Roman. Die gesamte Entwicklung der Welt und die Trennung zwischen Arm und Reich ist detailliert dargestellt und absolut glaubwürdig.
Es wird die Geschichte eines Wissenschaftlers und seines Klons erzählt – dies jeweils beinahe abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der Person. Hinzu kommen die Probleme zwischen den reichen Menschen in ihren Kuppelstädten und den Armen, die außerhalb der abgeschlossenen Bereiche leben. Diese Probleme mit dazugehörigen Kriegsgefahren und dem Terrorismus weisen sehr viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit auf und machen diesen Thriller somit umso erschreckender.
Herbert W. Franke baut beinahe gemütlich eine Spannung auf, die sehr stark wird und zum Weiterlesen zwingt. Alles ist sehr interessant und nachvollziehbar dargestellt und lässt durch die dezenten SF-Einflüsse auch des öfteren vergessen, das man sich eigentlich in der Zukunft befindet – Ich könnte mir vorstellen, daß sich einige Entwicklungen bereits in der Herstellung befinden (man denke nur an das Klonen…). Dadurch stellt man sich bei dieser Geschichte natürlich auch die Frage, ob man diese Entwicklungen positiv findet, bzw. noch erleben möchte.
Die philosophischen Einflüsse des Autors werden sehr stark wahrgenommen und hinterlassen einen sehr nachdenklichen Eindruck, was bei einer Geschichte dieser Art sicherlich auch Absicht des Schriftstellers sein sollte und wohl auch ist.
„Sphinx_2“ ist somit ein nachdenklich stimmender, spannender Thriller, der jedoch durch die Schublade „Science Fiction“ viele potenzielle Leser abschrecken wird – obwohl er mit Sicherheit mehr Klientel verdient hätte und nicht als SF-Roman wahrgenommen wird.
Ich persönlich habe schon lange nicht mehr so schnell einen Roman abgeschlossen und danke dem Autor sehr herzlich für diese schlaflose Nacht meines Lebens – und kann dieses Buch jedem ohne Gewissensbisse ans Herz legen…
Jürgen Seibold / 04.06.04

Thomas Finn: Der Funke des Chronos

c Piper Verlag GmbH, München 2006
ca. 413 Seiten / €19,90

COVER:

Im Jahr 1842 hat Heinrich Heine eine schicksalhafte Begegnung: Er trifft Tobias, einen zeitreisenden aus dem 21. Jahrhundert. Gemeinsam decken die beiden ein uraltes Familiengeheimnis auf und kommen einer teuflischen Verschwörung auf die Spur. Freimaurer, Alchimisten und Erfinder knüpfen ein bedrohliches Netz um den Dichter und den jungen Mann aus der Zukunft. Und so wird Tobias’ Suche nach seiner verlorenen Zeitmaschine zu einer Achterbahnfahrt voll tödlicher Überraschungen – bis sich mit dem Großen Brand von Hamburg die Pforten der Hölle öffnen.

In der Tradition von H.G. Wells’ berühmten Roman “Die Zeitmaschine” spinnt Thomas Finn einen phantastischen Thriller um Deutschlands größtem Dichter.

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren. Er war Chefredakteur eines großen Phantastik-Magazins sowie Lektor und Dramaturg in einem Drehbuch- und Theaterverlag. Bereits seit sechzehn Jahren lebt und arbeitet der preisgekrönte Roman-, Drehbuch- und Theaterautor in seiner Wahlheimat Hamburg, einer Stadt, die ihn aufgrund ihrer aufregenden Geschichte immer wieder aufs neue inspiriert.

REZENSION:

Thomas Finn führt uns mit seinem Buch “Der Funke des Chronos” nicht nur in vergangene Zeiten in Hamburg, sondern erschuf sogar einen phantastischen Zeitreiseroman, der glaubwürdig und spannend erzählt wird.
Die Zeitreise bettet einen historischen Roman ein, der das vergangen Hamburg und den unvermeidlichen Großen Brand wieder auferstehen lässt um vor dem geistigen Auge des Lesers zu erscheinen.
Nebenbei lässt Thomas Finn die (für mich nicht gerade leichte…) Sprache des damaligen Hamburgs genauso auftreten, wie auch die Informationen zu einigen Begriffsentstehungen, mit denen wir uns in der heutigen Zeit brüsten, ohne deren Hintergründe zu kennen.
Ebenso spannend und detailverliebt wie er Hamburg beschreibt, lässt er vor dem Leser einen Mann auferstehen, der den meisten leider nur als langweiliger Begriff im Deutschunterricht bekannt ist: Heinrich Heine. Nach Lektüre dieses Romans wird man diesen begnadeten Autor sicherlich in einem gänzlich anderen Licht zu sehen in der Lage sein.
Somit eine wunderschöne und rundum glaubhafte, phantastische Geschichte, die nebenbei auch noch sehr spannend erzählt ist. Ein unglaublicher Detailreichtum, sowie eine geniale Mischung aus historischen Fakten und spannenden Thriller-, sowie SF-Elementen lassen einen Typus Geschichte entstehen, wie er schon lange nicht mehr vorhanden war.
Man merkt, dass Thomas Finn damit eine Hommage an H.G.Wells “Die Zeitmaschine” schreiben wollte. Und durch diese gänzlich andere und nicht kopierende Art und Weise ist ihm dies auch rundum perfekt gelungen.
Ein sehr empfehlenswertes Werk, dass geschickt die Brücke schlägt zwischen den SF-Fans und den historischen Roman-Lesern.
Jürgen Seibold/01.05.2006

Anthologie: Nocturno 5 – Magazin für Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz, Timo Kümmel
ca. 204 Seiten
www.nocturno-mag.de.vu

INHALT:

Charlotte Engmann: UM KOPF UND KRAGEN
Stefan T. Pinternagel: KLEX
Eddie M. Angerhuber: MADAME MOSCA
Andrea Tillmanns: DAS BILD ÜBER DER TREPPE
Markus Kastenholz: MARLEEN!
Micha Wischniewski: ABSCHIEDSSCHMERZ
Antje Ippensen: DAS INNERE ODER: DIE NULLTE STUNDE
Thomas Wagner: DIE FARBEN DER TIEFE
Cassandra Schwartz: SCHNELLER!
Ramona Schroller: DIE (ALP-) TRAUMWOHNUNG
Michael Tillmann: INNSMOUTH IN METROPOLIS
Sieglinde Breitschwerdt: BLUTIGER HAUCH
Andreas Gruber: IN GEDENKEN AN MEINEN BRUDER
Linda Budinger: NEBELTANZ

+ Illustrationen von Michael Marrak, Nicole Erxleben, Manfred Lafrentz, Timo Kümmel, Detlef Krämer, Thorsten Grewe, sowie Klaus & Wolfgang Schwandt

ausserdem Rezensionen von Ramona Schroller, Thomas Hofmann, Malte S. Sembten, Markus Kastenholz und Constanze von Kolck

REZENSION:

Das Wort Schwarzmalerei ist immer mit etwas negativem assoziiert. Dabei finde ich, dass die schönsten Fotografien in schwarz-weiß gemacht werden und die schönsten Zeichnungen mit Bleistift gefertigt sind, wodurch sich doch auch wiederum eine Art „Schwarzmalerei“ entwickelt.
Leider ist jedoch nicht alles so wie es scheint und nicht jedes Wort ist wortwörtlich zu nehmen.
In diesem Fall aber schon:
Dem Nocturno 5.
Von einem Magazin entwickelte es sich zu einem Buch der besonderen Art; einem, in dem Gothic Novels – Horror- und Schauergeschichten Platz finden.
Bei der Zusammenstellung des nun fünften Bands legten die Herausgeber Markus Kastenholz und Timo Kümmel wieder einmal Wert auf ein hohes Niveau, welches sie durch die vorherigen Ausgaben schon erzielten und wieder mit dieser erreichten.
Nicht nur die Vielzahl, auch die Vielfalt der Beiträge dieses Buches sei erwähnt. Es befinden sich zig Splitter des Spiegels dieses Genres in der Anthologie – gruseliges, grausames, aber auch Science Fiction und Fantasy sind vertretene Sparten.
Nocturno 5 kann also getrost ein Bilderbuchbeispiel genannt werden.
Denn Apropos Bilder: In diesem Werk befinden sich zu den Geschichten auch Zeichnungen und Illustrationen, denen der Leser ein besonderes Augenmerk leihen sollte. Sie beziehen sich auf die Storys. Und was die eigene Fantasie einen vielleicht sich nicht vorstellen lässt, wird durch sie vermittelt.
Entnehmen wir dem Wort „Schwarzmalerei“ also den negativen Effekt und lassen es für sich stehen – dann ist es das Wort, dass zu dieser Anthologie passt.
Nocturno 5 ist schwarz im Sinne von tief und dunkel. Eben ein Werk für die Nacht und jene, die sich von ihr angezogen fühlen.
Erschienen ist das Buch im VirPriV Verlag unter der ISSN 1617-8475 für € 9,80.
Die 1. Auflage ist begrenzt auf 200 Exemplare. Wer also noch eins ergattern möchte, sollte sich ranhalten…
Miriam Stephanie Reese
(Juli 2010)

Anthologie: Nocturno 6 – Magazin für dunkle Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz / Timo Kümmel
ca. 310 Seiten / €11,95
www.nocturno-mag.de.vu

COVER:

Inhalt:

Malte S. Sembten: MASKENHANDLUNGEN
Linda Budinger: VERLOREN!
Astrid Pfister: DER RING ZUM GLÜCK
Markus Kastenholz: FENRIR
Sebastian Mander: DIE BILDER DER IRREN
Michael Tillmann: TEENAGE WITCHES KÖNNEN GRAUSAM SEIN
Eddie M. Angerhuber: RINALDINIS HÄNDE
Bernhard Brunner: DAS MÄDCHEN MIT DEN SPINNEN
Stefan T. Pinternagel: RUCKLDIGU
Andreas Gruber: RISTORANTE MYSTICO
Markus K. Korb: DER DIE MÜNZEN UNTER DEN ZUNGEN DER TOTEN STIEHLT
Thomas Wawerka: IM FALSCHEN FILM
Horst Hoffmann: MR. COCHRANS WUNDERBARE WELT
Charlotte Engmann: DIE HÜTTE IM WALD
Alfred Bekker: DIE BYZANTINISCHE PEST
Andrea Tillmanns: DIE RUNE NACHT
‘C.J. Walkin: IT CAN HAPPEN TO YOU
Boris Koch: EIN GANZ NORMALER TAG
Markus Saxer: SYMPHONIE DES TODES
Thomas Wagner: NOCTURNALIEN

+ Illustrationen / Graphiken und Rezensionen

REZENSION:

Romane können den Status eines guten Freundes entwickeln. Man lebt und erlebt die Geschichte eines Protagonisten für einige Zeit mit, teilt oder flüchtet sich in das Schicksal des jeweiligen Helden.
Kurzgeschichten hingegen sind bloß Bruchteile – Bruchteile einer Story, Bruchteile eines Lebens. Und letztlich benötigt man nur Bruchstücke an Zeit sie zu lesen.
Sind sie deshalb nur Bekannte? Kennengelernte Fragmente eines von einem Autor zu Papier gebrachten Stücks? Eines Autors, den man eventuell noch gar nicht oder nur vom Namen her kennt?
Nein!
Definitiv sind Kurzgeschichten mehr als bloß zeitfüllende Unterhaltung für Leser, denen genau das fehlt – Zeit.
Kurzgeschichten sind Vielfalt – und eine solche bietet die Anthologie Nocturno 6.
Das einstige Magazin, dass sich schon in seiner ersten Form als Geheimtipp entpuppte, hat sich nun in ein Buch verwandelt, um den Schreibern und Lesern ein größeres Forum an Literatur zu bieten.
Ich selbst bin nicht bloß angetan, sondern regelrecht begeistert, inzwischen kein Heft mehr, sondern eine als Taschenbuch gebundene Anthologie in den Händen zu halten.
Und der Inhalt? Ein wahrer Rausch an Geschichten der Genres Horror, Gothic Novel, Science Fiction und Fantasy.
So unterschiedlich sie sind, so haben sie doch alle eins gemeinsam – den Funken zum Dunklen, der überspringt.
20 weniger oder besser bekannte Autoren reichen sich in Nocturno 6 die Klinke in die Hand. Und jeder von ihnen erreicht dabei das Maß gut zu sein.
Ich möchte hier keine einzelnen Geschichten benennen oder hervorheben, denn Geschmack liegt im Gefallen des Betrachters. Doch ich kann jedem nur raten mal einen Blick in diese von Markus Kastenholz und Timo Kümmel herausgebrachte Anthologie zu werfen…
Das Augenmerk wird sich dann nicht nur auf das geschriebene Wort legen, sondern auch garantiert auf den wundervollen Zeichnungen und Illustrationen, passend zur jeweiligen Erzählung, haften…
Erschienen ist Nocturno 6 im VirPriV Verlag mit der ISSN 1617-8475.
Das 312 Seiten umfangreiche Buch kostet € 11,95.
Ich wünsche dem Leser viele Schauer, die ihm über den Rücken laufen…

Miriam Stephanie Reese (2009)

Anthologie: Phantastischer Oberrhein

Erzählungen, herausgegeben von Jörg Weigand
c der einzelnen Beiträge bei den Autoren
Herstellung: Schillinger Verlag GmbH, Freiburg
168 Seiten / € 18,80

COVER:

15 phantastische Geschichten von 11 Autoren zeigen das Oberrheingebiet zwischen Basel und Straßburg in einer ganz ungewöhnlichen Sicht. Es werden dabei so gut wie alle Genres der phantastischen Literatur bedient: Märchenhaft-Wunderbares, klassische Fantasy, Science Fiction, sogar Historisches – die Autorinnen und Autoren, alle wohnen in der Region, hatten freie Wahl, in welchem Teilgebiet sie ihre Erzählung ansiedeln wollten.
Das Buch will mitnehmen in eine Region, die geradezu prädestiniert ist als Schauplatz phantastischer Ereignisse und als solcher vielleicht noch viel zu wenig erkannt bzw. ausgelotet.

Inhalt:

Rainer Schorm: HUNGER
Klaus N. Frick: DIE RHEIN-LINIE
Ursula Isbel: IM WUNDERLAND
Karla Weigand: SIMON ODER: EINE ANDERE ART VON UNSTERBLICHKEIT
Frank G. Gerigk: DER SCHACHT
Daniel Walther: DER ANDERE ZUG
Rainer Schorm: MAGNITUDE
Jörg Weigand: VRENELI
Markus Kastenholz: CELPHIA
Helmut Ehls: VERPASS’ NICHT DIE ZUKUNFT
Jörg Weigand: FAHRT IN DIE INNERE FREIHEIT
Markus Kastenholz: DAHEIM
Karla Weigand: QUELL DER KRAFT
Frank Borsch: LUCKY
Manfred Borchard: MEI LETZSCHDE SCHDORIE
REZENSION:

Mit dem Ruf eine idyllische Gegend zu sein, schallt dennoch auch das Echo vom Oberrhein mit, welches von Hexen, Henkern, Spuk und Fabelwesen kündet.
Genau dies ist der Mystizismus, der diese Region in meinen Augen nicht nur schön, sondern auch spannend erscheinen lässt – der etwas andere Blick, wenn man so will, hinter die Fachwerkfassaden des Breisgaus und der Umgebung, dessen Geschichten entweder eine Sichtweite zeigen, die nicht immer die heile Welt spiegelt oder dieser gerade weitere Märchen hinzufügt.
Ob man nun schauerliches sucht oder sich in romantischen Landschaften wiederfindet, das ist Sache des Betrachters – oder des Lesers dieser Anthologie, denn dieses Buch bietet in seinen Geschichten beides.
Was mir beim Schmökern etwas fehlte waren Aspekte der alten Sagen rund um den Oberrhein, die leider von keinem der Autoren aufgegriffen wurden; dafür verfasste jeder einen modernen Beitrag, der, wie das zweite Wort des Titel richtig vermuten lässt, einen Bezug zu der Gegend hat.
Wie man das Buch findet liegt im Auge des Betrachters, doch ich kann jedem nur nahe legen mal einen Blick hineinzuwerfen – auch denen, die nicht vom Oberrhein stammen (wie ich).
Von ihrer Machart ist diese Anthologie unvergleichlich und bisher die Einzige mit diesem Thema.
Bloß wer von phantastisch auf Fantasy schließt, wird enttäuscht sein. Die Beiträge sind so vielseitig, dass sich das Buch nur schwerlich einem Genre zuordnen lässt – vom Science Fiction Freak, über den Horrorfan, bis hin zum Leser von Thrillern oder Dramen wird hier jeder zufriedengestellt.
Unter der Redaktion von Markus Kastenholz ist Jörg Weigand mit dieser Anthologie jedenfalls ein phantastisches Buch über den Oberrhein gelungen…
Ein besonderes Lob verdient hierbei auch die Titelgestaltung von Rainer Schorm.

Unter der ISBN 978-3-89155-339-9 sind die Erzählungen im Schillinger Verlag Freiburg erschienen.

Miriam Stephanie Reese
(Oktober 2010)