Christian von Aster: Armageddon TV

(c) 2011 Periplaneta – Verlag und Mediengruppe
ISBN 978-3-940767-72-1
ca. 216 Seiten / € 13,–

COVER:

Hal Davidson will ein Vorbild sein,
Sit Hatlogg sinnt auf Rache,
Poe Network braucht die Quote.
Und die Welt will einen Star.

In einer nicht allzufernen Zukunft ist die mediale Macht fast vollständig in der Hand von Poe Network. Auf allen Kanälen liefern sich Sportler, von Werbepausen unterbrochen, brutale Kämpfe. Doch das Volk ist dem langsam überdrüssig.
Die Zuschauerzahlen sinken. Ein neues Format muss her.
Für dieses neue Spiel werden noch größere Geschütze aufgefahren. Und so findet sich eine handvoll Menschen in den unbarmherzigen Mühlen der Medienmaschinerie wieder.

ARMAGEDDON TV ist grandiose Social Fiction und eine bitterböse Mediensatire auf Big Brother, Popstars und den Krieg um die Quote.

REZENSION:

Christian von Aster schrieb bereits vor längerer Zeit das vorliegende Buch und konnte es vor nunmehr sieben Jahren schon einmal bei einem Verlag unterbringen. Leider ist es damals gänzlich an mir vorbei gegangen.
Nun, im Jahre 2011 unserer Zeitrechnung ergab sich erfreulicherweise der Umstand, dass der Periplaneta-Verlag aus irgendwelchen Gründen die Gelegenheit ergriff und diesem Werk eine erneute Chance auf dem hart umkämpften Buchmarkt zu geben versucht. Glücklicherweise führte dabei der Weg des Buches auch über meine bescheidene Schwelle und ich konnte mich daraufhin den darin enthaltenen Seiten in keinster Weise mehr entziehen.
Christian von Aster erzählt eine Geschichte über ein Medienimperium und deren Haupteinnahmequelle: einer Sportattraktion, dessen Einfachheit man sich nicht entziehen kann – wäre da nicht die damit verbundene Gewalt, die zum Erreichen des Zieles benötigt wird – sind doch ganze Waffenarsenale notwendig, um die gegnerische Fahne zu erobern und über eine Linie zu bringen. Dies natürlich ohne jegliche Rücksicht auf Verluste innerhalb der beteiligten Mannschaften: Wer will denn zimperlich sein? Der geneigte Zuschauer möchte ja unterhalten werden…
ARMAGEDDON TV lebt durch zwei sehr wichtige Mechanismen: Der Leser fühlt sich angewidert und gleichzeitig angezogen.
Dadurch ist man nicht nur auf die bloße Lesung einer Geschichte fixiert – nein, man lässt seinen Gedanken freien Lauf und muss dabei leider feststellen, dass eine nicht unerhebliche Zahl an Geschehnissen in diesem Buch ein Spiegelbild zur wirklichen Gegenwart ausserhalb des Buchumschlages zu haben scheint.
Viele werden ARMAGEDDON TV als Mediensatire abtun – aber ist das wirklich der Fall? Sind wir nicht schon in der Realität beinahe dort angekommen, wohin uns der Autor zu führen scheint?
Eine wahnsinnige Geschichte, die uns den Wahnsinn vor Augen hält und nicht nur von Wahnsinnigen gelesen werden sollte – Ich kann dieses Werk ohne Einschränkungen lediglich empfehlen!
Jürgen Seibold/27.05.2011

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Stephen King: Das Monstrum

Originaltitel: The Tommyknockers
Aus dem Amerikanischen von Jaochim Körber
(c) 1987 by Stephen King, Tabitha King
vorliegendes Buch: Lizenzausgabe mit Genehmigung der Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München für die Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh.
Deutsche Ausgabe: (c) 1988 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
ca. 685 Seiten

COVER:

Was sind Tommyknockers?
Klopfgeister? Oder, um einem Hinweis des Autors zu folgen, Geister, die in verlassenen Bergwerksstollen oder Höhlen umgehen – an Orten also, die tief in der Erde liegen, tief in Waldboden und Felsgrund? Auf den Ort ihres gespenstischen Wirkens kommt es offenbar an. Und es gibt einen solchen Ort: in der Nähe der idyllischen Kleinstadt Haven im US-Bundesstaat Maine, in einem seit jeher verrufenen Wald. Dort liegt in der Tat etwas in der Erde; nur wußte bisher niemand davon.
Niemand wußte davon, bis Bobbi Anderson, Autorin beliebter Western-Romane, bei einem Waldspaziergang stolpert – über ein metallisches Ding, das aus dem Boden ragt und von dem offenbar irgendwas ausgeht: in seiner Nähe liegen tote Vögel herum, und Bobbis alter Hund Peter, seit langem halbblind, lässt Zeichen der Besserung erkennen. Bobbie beschließt, das Ding auszugraben; doch es ist größer, als es auf den ersten Blick zu vermuten war: ein Monstrum, das, so scheint es, tief hinabreicht in Waldboden und felsgrund.
Schon seit Urzeiten muss es sich dort befunden haben, längst bevor es die Kleinstadt Haven gab; und seit ihrer Gründung hat es über die Geschicke Havens und seiner Bevölkerung eine geheimnisvolle Macht ausgeübt. Schon immer hat es in Haven seltsame Vorkommnisse gegeben – und seltsame Todesfälle.
Jetzt, da das Monstrum nach und nach ans Licht kommt, gibt es sie erst recht. Die schläfrige Kleinstadt wird zum verwunschenen Ort – einem Ort, den niemand betreten, den aber auch niemand verlassen kann. Schrecken bricht über Haven herein – Schrecken, wie nur Stephen King ihn schildern kann, in wirksamem Kontrast zum Hintergrund harmlosen Kleinstadtlebens ganz gewöhnlicher Menschen. King siedelt das Grauenhafte da an, wo es die meisten Chance hat, zum Albtraum zu werden: im Alltag. Mit Recht: denn gerade im Alltag, im banalen Raum zwischen gestern und morgen, lauern die bösen Träume – und die Tommyknockers.

REZENSION:

Stephen King ist Zeit meines Lebens der einzige Autor, dessen Bücher ich mehrmals zur Hand nehme – was natürlich recht viel Zeit kostet, da er nicht gerade wenig in seinem bisherigen Schaffenszyklus auf die Welt losließ.
Vor kurzem zog sich mein Blick – locker mal zwanzig Jahre nach dem ersten Genuss – erneut auf Das Monstrum und meine Gedanken entschieden sich für eine erneute Reise nach Haven.
Über die Qualität der Geschichte möchte ich nicht große Worte verlieren – eher über mein Empfinden nach einem vergangenen Zeitraum von über 20 Jahren: Hierzu sei gesagt, die Handlung überzeugt noch immer – sehr deutlich stellte ich nun fest, dass Stephen King prinzipiell ein absoluter Schwätzer ist. Dies klingt negativ, ist aber im Gegenteil ein absolut als Positiv zu betrachtender Punkt: Ich kennen keinen weiteren Autoren, der einfach nur so vor sich hin erzählt – man hat oft genug das gefühl, er labert und labert und labert und vergisst dabei seine Handlungsfäden; dem ist natürlich nicht so – kurz bevor man das Gefühl bekommt, er verliert sich in sich selbst, düst er in eine Abzweigung, die uns wieder zurück zum eigentlichen Thema bringt.
Das eigentlcihe Thema ist ebenfalls eine Besonderheit: Ich kann mich noch sehr gut an die ausklingende zeit der 80er erinnern – und wenn etwas als “ausgelutscht” vorherrschte, dann waren es Aliens mit irgendwelchen UFOs. Nur einen Stephen King scheinen landläufige Meinungen keinen Deut zu interessieren – nein, er legt einen dementsprechenden Roman mit schlappen 700 Seiten vor. Davon abgesehen, überzeugt er damit sogar.
Somit konnte ich als Kenner jeden King-Buches erneut in eines seiner Werke eintauchen und dabei abermals feststellen, dass mich seine Geschichten weiterhin fesseln und ich zusätzlich scheinbar ein absoluter Fan seines Gelabers bin (kein anderer kann zig Seiten über eine Lesung und der folgenden “Party” mit einem Alkoholiker schreiben ohen zu langweilen).
Für mich immer noch einer der allerbesten Autoren – mit sämtlichen Höhen und Tiefen.
Jürgen Seibold/07.05.2011
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Sara Grant: Neva

Originaltitel: Dark Parties
Aus dem Englischen von Kerstin Winter
Deutsche Erstausgabe März 2011
(c) 2011 by Sara Grant
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe bei PAN-Verlag
ISBN 978-3-426-28348-6
ca. 350 Seiten / 16,99 €
COVER:
“Die Protektosphäre bringt uns um”, platzt Sanna heraus. Jemand schnappt hörbar nach Luft. Noch keiner hat es gewagt, so etwas laut auszusprechen. Wenn ich doch auch so mutig wäre!
Eigentlich sollen die mächtige Energiekuppel und die strengen Gesetze den Bürgern von Heimatland Schutz und Sicherheit garantieren – doch ihr Leben ist alles andere als idyllisch: Die Regierung überwacht jeden Schritt, der Einzelne hat kaum persönliche Entscheidungsfreiheit. Selbst äußerlich sind sich die Menschen nach Generationen der Isolation immer ähnlicher geworden. Viele Jugendliche legen sich darum Kenn-Zeichen wie Tätowierungen zu, um sich von den anderen zu unterscheiden. Neva reicht diese Form des stummen Protestes nicht mehr. Sie beginnt, mit einer Gruppe Gleichgesinnter zu rebellieren.
Dabei kommt Neva allerdings auch Braydon immer näher, der großen Liebe ihrer besten Freundin Sanna.
Als eine erste Protestaktion scheinbar unentdeckt gelingt, sind die Jugendlichen euphorisch. Doch schon am nächsten Tag beweist die Regierung, dass ihr nichts entgeht …
REZENSION:
Beim Genuss von NEVA muss man sich als Erwachsener natürlich ein klein wenig zurücknehmen – viel zu oft wünscht man sich, dass die geniale Idee und der Inhalt noch etwas stärker ausgebaut worden wäre. Würde dies jedoch der Fall sein, könnte das Buch nicht mehr als Jugendbuc durchgehen, da der Anspruch naturgemäß mit dem Alter steigt.
Somit bleibt für einen Erwachsenen ein sehr gelungenes Buch mit vielen Ausbaumöglichkeiten – Mit den Augen eines Jugendlichen betrachtet befindet sich zwischen den Buchdeckeln eine unwahrscheinlich gelungene und umgesetzte Idee, die so gut wie nichts zu missen scheint. Es ist alles vorhanden, was der Leser zur Unterhaltung benötigt und man wünscht sich so schnell wie möglich ein weiteres Buch dieser Autorin – und ich denke, dieser Wunsch ist Aussage genug…
Jürgen Seibold/07.05.2011

Markus Heitz/Hannes Radke/Jörg Krismann: Justifiers – Collector Band 1 “Die Obhut”

(c) 2010 by Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-53009-2
ca 46 Seiten / € 12,99

COVER:

“Schützenswerte, bedrohte Rasse Mensch! Ihr Planet wurde für das Obhut-Programm ausgesucht. Fühlen Sie sich geehrt! Wir sind ein Volk von höheren Wesen, das sich um die Schwächeren kümmert. Ihre Rasse befindet sich in einem kritischen Zustand, und wir werden alles für Ihre Rettung tun.

Schützenswerte, bedrohte Rasse Mensch! Um den menschlichen Körper und Geist zu schonen, dürfen Sie den Planeten nicht mehr verlassen. Sobald das umfangreiche Aufbauprogramm angeschlossen ist, verlassen wir Sie wieder. Und Sie werden glücklicher sein als jemals zuvor.

Sollten Sie das nicht verstehen, müssen wir Sie leider mit anderen Mitteln überzeugen. Wir erwarten Ihre Antwort in zehn Standardminuten.”

Die Graphic Novel zum Romanerfolg “Collector” vom Bestsellerautor Markus Heitz!

REZENSION:

Nachdem mir der dieser Graphic Novel zugrundeliegende Roman „Collector“ von Markus Heitz gänzlich unbekannt ist, kann ich mich hiermit ganz unvoreingenommen dem vorliegenden Band widmen.
Es handelt sich dabei um den ersten Band einer Serie, die sicherlich noch viele fulminante Erzählungen und Erkenntnisse aufweisen kann.
Der vorliegende erste Band ist als gehobene Graphic Novel zu betrachten, die in ihrer Gänze mit Sicherheit absolut überzeugen kann. Die Zeichnungen sind stimmig und legen teilweise eine Zerrissenheit dar, die die Geschichte zu hundert Prozent unterstützt und man es sich gar nicht mehr anders vorstellen kann.
Das einzige Manko ist die Kürze des Bandes, da er den Leser ohne Vorkenntnisse ziemlich unbefriedigt zurück lässt. Genauso, wie auch die Geschichte durch diesen Umstand sehr verwirrend durch die Gedankengänge des Lesers springt. Der rote Faden wurde mir leider anfangs überhaupt nicht bewusst – erst als die Collectoren die Macht zu übernehmen begannen, öffneten sich ein klein wenig meine Augen. Dies wäre durch eine Verdoppelung der Seiten sicherlich behebbar gewesen – nichts desto trotz ist man zwar verwirrt, aber die Rechnung des Verlags scheint aufzugehen: man möchte weiterlesen…
Somit ein sehr stimmiger „Comic“ der gehobenen Art für den geneigten Science Fiction Leser. Die Personen treten noch etwas sprunghaft auf, erhalten aber bei erneuten Begebenheiten mehr und mehr an Fassade – ich denke, die folgenden Bände werden der Tiefe der Personen auch noch erheblich mehr beitragen können. Hierfür reichten die vorliegenden Seiten einfach nicht aus.
So wie es aussieht, entsteht hier eine gelungene Serie mit einer Geschichte, die noch einiges in petto zu haben scheint.
Jürgen Seibold/12.03.2011

Jules Verne: Die Jagd auf den Meteor – Die Originalfassung

Originaltitel: La chasse au météore
Übersetzung: Gaby Wurster
c der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2005

COVER:

Als Jules Verne im Jahr 1905 starb, war sein Roman “Die Jagd auf den Meteor” unveröffentlicht geblieben. Im Auftrag des Verlags, dem das Werk zu politisch und kritisch erschien, arbeitete Vernes Sohn und Alleinerbe Michel es um, fügte Figuren hinzu und veränderte ganze Erzählstränge. Alle bisherigen deutschen Übersetzungen beruhten auf dieser veränderten Version. Nun liegt erstmals die von Jules Verne erdachte Originalfassung des fesselnden Abenteuers vor: Nahezu zeitgleich entdecken zwei Forscher einen geheimnisvoll schimmernden Meteor am Nachthimmel. Noch ahnen sie nicht, wie spektakulär ihre Beobachtung ist: Der Flugkörper besteht aus reinem Gold, und er droht auf die Erde zu stürzen. Doch wem steht das größte Vermögen zu, das die Welt je gesehen hat? Nicht nur die Entdecker des Meteors, sondern auch mächtige Regierungen setzen alles daran, das Gold an sich zu reißen. Und inmitten des Aufruhrs werden zwei junge Liebende zueineander finden…
In diesem phantastischen Roman entfalten sich für deutsche Leser erstmals der ganze Charme, der Humor und die Faszination von Vernes berühmten Werken.

Jules Verne, geboren 1828 in Nantes, träumte in seiner Jugend davon, als Goldsucher oder Schiffsjunge nach Kalifornien auszuwandern. Sein Vater drängte ihn jedoch zum Studium der Rechtswissenschaften. Abenteuerlust und Fernweh verließen Verne aber nie: Bereits während des Studiums verfasste er Theaterstücke und Kurzgeschichten und erzählte darin von phantastischen Reisen in exotische Länder. Mit dem Abenteuerroman “Fünf Wochen im Ballon” gelang ihm 1863 der literarische Durchbruch. Über neunzig Romane und Erzählungen folgten. Seine großen Werke wie “20.000 Meilen unter dem Meer” und “Reise zum Mittelpunkt der Erde” wurden weltberühmt. Jules Verne starb am 24. März 1905.

REZENSION:

„Die Jagd auf den Meteor“ ist das letzte von Jules Verne geschriebene Werk, das er jedoch nicht mehr veröffentlichen konnte. Sein Sohn hat es post mortem fertig gestellt, dabei aber einige Erzählstränge völlig verändert, weil es dem Verleger „zu politisch und kritisch“ war. 100 Jahre später wurde das Original neu herausgebracht.
Man merkt, dass Jules Verne es zu Lebzeiten nicht mehr geschafft hat, „Die Jagd auf den Meteor“ zu Ende zu schreiben. Einige Absätze sind nicht flüssig zu lesen, teilweise gibt es Widersprüche in den technischen Details, mehrmals fehlen einzelne Wörter oder sogar ganze Sätze.
Dennoch ist es ein Buch, das ich regelrecht verschlungen habe. Jules Verne erzählt mit viel Liebe zum Detail, mit Witz, Charme und Ironie, er beschreibt die Schrullen und Eigenarten seiner Hauptdarsteller und ist nicht zimperlich, wenn er über die Geldgier der Mächtigen herzieht. Bei seiner „Abrechnung“ macht er auch nicht vor der Sensationslust der Boulevard-Zeitungen oder seinen eigenen Büchern halt.
Für eingefleischte Jules-Verne-Leser ist das Ende nicht wirklich überraschend. Es war mir schon recht früh klar, dass niemand gewinnt und alles in einer Katastrophe endet … jedenfalls für diejenigen, die sich einen Anteil an dem Gold erhofft hatten. Hochmut kommt eben vor dem Fall.
Mein Fazit: Auf den besten Roman von Jules Verne musste man lange warten, es hat sich aber gelohnt.
Diana Becker / 02.03.2010

Bruce Sterling: Der Staubozean

Originaltitel: Involution Ocean (1977)
Wilhelm Heyne Verlag, München 1996
1980 bereits bei Droemer Knaur unter dem Titel „Der Staubplanet“ veröffentlicht.

COVER:

Nullaqua ist eine menschenfeindliche Welt und niemand würde sich um den öden Planeten scheren, wenn das Syncophin nicht so hoch im Kurs stünde, eine begehrte Droge, die den Süchtigen zu dem eigentümlichen “Flackern” verhilft, ohne das sie die Wirklichkeit nicht ertragen können.

Und Syncophin gibt es nur an einem einzigen Punkt in der Galaxis: auf Nullaqua.

Es wird aus den Kadavern der riesigen Wale gewonnen, die das Staubmeer dieser Welt durchstreifen, gejagt von den todesmutigen Kapitänen mit ihren tollkühnen Mannschaften, die nur zum Teil aus Menschen bestehen und dennoch unverbrüchliche Gemeinschaften bilden, zusammengeschweißt durch Entbehrungen und die tödliche Bedrohung durch die grausame fremde Natur.

Der von der Kritik hochgelobte und mit Melvilles “Moby Dick” verglichene Erstlingsroman Bruce Sterlings, mit dem der spätere Wortführer des Cyberpunk auf Anhieb den Durchbruch schaffte.

REZENSION:

Die Coverbeschreibung erinnerte mich zunächst sehr stark an den allseits bekannten Wüstenplaneten (Dune). Ich dachte zunächst, es handelt sich um einen Abklatsch. Doch dem ist bei weitem nicht so. Der Staubozean ist eher eine Geschichte über Walfänger in der fernen Zukunft und ihrem scheinbar verrückten Kapitän. Des weiteren handelt es sich um eine Geschichte über eine Droge und deren Auswirkungen.
Der Vergleich mit „Moby Dick“ ist meiner Meinung nach etwas weit hergeholt – ich finde dieser Roman erinnert eher an die Romane von Jules Verne. Jedoch ohne deren Klasse zu erreichen.
Der Staubozean ist lockere Unterhaltung mit einem Touch Moral über rassenunabhängige Liebe und dem Drogenmissbrauch. Ganz nett zu lesen, aber nicht unbedingt mehr als das.
JS/05.06.03

Beverly Schnett: Völker der Sonne

c 2005 by Edition Kaitain
240 Seiten

COVER:

Ein enges, halbdunkles Zimmer in einem Stundenhotel in der schwerelosen Nabenregion von Merkur Vier. Manuel schwebt nackt vor ihr und lächelt, sein langes schwarzes Haar steht wirr in alle Richtungen ab. Sie packt ihn am Po, streichelt sein Glied, bis es sich aufrichtet und zieht ihn an sich. Sie treiben in einem nicht enden wollenden Orgasmus durch das Zimmer…

REZENSION:

Bei Beverly Schnetts “Völker der Sonne” handelt es sich um ein sehr zwiespältiges Werk mit dem ich so meine Probleme hatte.
Wenn jetzt jemand meint, ich wäre ein weiterer Leser der mit den eingebauten, schamlosen sexuellen Eskapaden nicht klar kommt, der ist gänzlich falsch gewickelt. Diese sind das geringste Problem und im Gegenteil, sogar recht geschickt und passend eingebaut.
Womit wir auch schon bei den schriftstellerischen Qualitäten von Beverly Schnett wären: Die sind sicherlich vorhanden und man erkennt deutlich eine gewisse Liebe zur Science-Fiction-Literatur. Alles ist verständlich, glaubhaft und sehr detailliert erzählt – was bei SF-Romanen durch die pure Ausbreitung von Fantasien nicht einfach ist. Man liest somit einen gut erzählten Science-Fiction-Roman mit lebendigen Charakteren und interessanten, sehr bildlich dargestellten Begebenheiten und Welten.
Nun möchte ich aber den Kreis schließen und zum eigentlichen Zwiespalt kommen: Sehr schön erzählt – aber es fehlt das gewisse Etwas – DIE SPANNUNG!
Durch den leider fehlenden Reiz zum Umblättern verliert man recht schnell und einfach das Interesse an einem Werk, welches dies durch die vorhandenen erzählerischen Qualitäten eigentlich nicht verdient hätte. Die sexuellen Eskapaden können dies leider nicht mehr gänzlich als Cliffhanger für vielleicht lediglich daran interessierte Leser retten.
Jürgen Seibold/01.01.2006

Julie Lang: Silberne Augen

c 2004: Julie Lang
c der deutschsprachigen Ausgabe: 2004 Eldur Verlag, Aachen

COVER:

Zum Buch:
Nur wenige Jahre nach dem verlustreichen Krieg gegen die Noorai taucht in dem von Menschen kolonisierten Teil der Galaxis eine neue Bedrohung auf: Eine unbekannte, auf Plasma basierende Spezies lässt Menschen verschwinden, alle bekannten Waffen sind wirkungslos.
Kim Miland, eine junge Kampfpilotin, kommt unfreiwillig in engeren Kontakt mit ihnen, als Konsequenz wirft die Militärjustiz ihr Verrat vor.

Doch als die Noorai, Gegner in einem lange zurückliegenden Krieg, wieder angreifen, könnte ausgerechnet das, was die fremde Spezies Kim hinterlassen hat, entscheidend werden für das Überleben der Menschheit.

In diesem Roman, der sich wohltuend von plumpen Sternkriegsszenarien abhebt, steht das Schicksal des einzelnen Menschen im Vordergrund, der unbeirrt seinen Weg geht und am Ende triumphiert.

Zum Autor:
Julie Lang wurde 1959 in Frankfurt/M geboren. Als Baby verlor sie bei einem Indianerüberfall in den Appalachen ihre Familie. Durch ihren Adoptivvater, der deutsche Literaturgeschichte in Harvard lehrte, entstanden ihre ersten schriftstellerischen Ambitionen.

Nach ihrem Abschluss in Astronomie konnte sie an einer Spaceshuttlemission zu ISS teilnehmen.

Nach Europa kehrte sie zurück, als ihr Adoptivcousin, in den sie sich verliebt hatte, in Heidelberg stationiert wurde. Wenig später trennte sie sich von ihm

Ihre Reisen führten sie in den Orient, wo sie Jahre bei verschiedenen Berber-, Tuareg- und Yubabastämmen verbrachte und an diverse Lokalfürsten weiterverkauft wurde. In der Einsamkeit der Wüste entstanden ihre Ideen für diesen und folgende Romane.

Julie Lang lebt heute in Österreich und züchtet Vollblutaraber.

REZENSION:

Science-Fiction-Romane handeln meistens von Schlachten in fernen Welten, geführt von Menschen gegen vermeintlich böse Aliens. Die Betrachtung erfolgt übergeordnet, wobei die Beleuchtung einzelner Personen gerne in den Hintergrund gedrängt wird.
Julie Lang geht anfangs in „Silberne Augen“ ähnlich vor.
Bei ihr erfolgt die Handlung ebenfalls in fernen Welten. Es gibt ebenfalls ein aus menschlicher Sicht kriegslüsternes Volk, das immer mehr zur Bedrohung für die Menschheit wird.
Julie Lang geht jedoch noch viel weiter:
Sie erzählt vom Schicksal der jungen Kampfpilotin Kim Miland, welche in engeren Kontakt zu einer unbekannten Spezies kommt. Die Militärjustiz wirft ihr daraufhin Verrat vor und verurteilt sie in einem politisch motivierten Schauprozeß zur Arbeit auf einem Bergwerksplaneten.
Als jedoch die früheren Gegner der Menschen wieder angreifen, stellt sich heraus, daß das Militär auf die Hilfe Kim Milands und ihrer freundschaftlichen Beziehung zu der „Schwarzen Wolke“ angewiesen sind.
Julie Lang wechselt von einem anfänglichen „klassischen“ SF-Roman sehr geschickt zu einem Justizthriller und dessen Folgen, um im weiteren Verlauf den Weg zurückzufinden, um uns einen Spiegel vor zu halten und das Augenmerk auf Tugenden, wie Toleranz, Freundschaft, Ehrlichkeit zu lenken.
Somit ist ein wunderbar erzählter, spannender und glaubhafter Roman entstanden, der auch Nicht-SF-Leser spielerisch überzeugen könnte.
Durch den letzten Satz in ihrer Geschichte behält sich Julie Lang die Möglichkeit nach einer Fortsetzung offen – und ich muß ehrlich sagen: „Hoffentlich kommt eine!“
Jürgen Seibold / 25.03.05

Terry Jones: Douglas Adams’ Raumschiff Titanic

Verlag: Goldmann; 7,95 €
Deutschsprachige Taschenbuchausgabe © 2009
Originalausgabe: „Douglas Adams’ Starship Titanic“; © 1997

COVER:

Vorwitzige Anhalter von der Erde auf einem Raumschiff auf Abwegen:
ein ausgelassenes Weltraumabenteuer!
Das gigantische Raumschiff Titanic ist orientierungslos im All unterwegs. Als es ausgerechnet über der Erde einen Kurzaufenthalt einlegt, besteigen prompt ein paar vorwitzige Erdlinge das Schiff, und ehe sie sich’s versehen, sind sie mit der Titanic auf Reisen. Zusammen mit anderen blinden Passagieren sowie einem geistig verwirrten Papagei und fehlprogrammierten Robotern beginnt die Reisegesellschaft einen verzweifelten Kampf gegen die computergesteuerte Bürokratie an Bord und versucht gleichzeitig, den Auslösemechanismus einer tickenden Zeitbombe aufzuhalten …
Von Monty Pythons Terry Jones und „Per Anhalter durch die Galaxis“ – Douglas Adams

REZENSION:

Was soll man zu so einem Buch sagen? Wenn sich „Monty Python“-Terry Jones und „Per Anhalter durch die Galaxis“-Douglas Adams zusammentun, dann erhält man eine Synergie sonder Gleichen: Ein wahres Feuerwerk aus skurrilen Situationen, urkomischen Dialogen und ein aberwitziges Abenteuer.
Es ist zum Schreien komisch, wenn ein Tourist mit einer sturen Stehlampe darüber diskutiert, welche Konsequenzen es für den intergalaktischen Tourismus hat, wenn man nicht zum Kapitän vorgelassen wird; wenn das größte Genie aller Zeiten von der irdischen Polizei für verrückt erklärt wird; wenn sich ein verklemmter Außerirdischer verliebt; wenn yassakkanische Söldner ein Raumschiff entern und sofort alle Schäden reparieren …
Wer „Monty Python“ und „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt, wird „Raumschiff Titanic“ lieben.
Diana Becker / 15.04.2010

Horst Hoffmann: Die galaktische Rallye (Magic-Edition Band 9)

Originalveröffentlichung
c 2006 BLITZ-Verlag GmbH
ca. 225 Seiten

COVER:

Alles Leben beginnt im Meer – jedenfalls auf den meisten Planeten. Eines Tages fällt ihm dann ein, aufs Land zu kriechen und sich erst mal zu sonnen. Irgendwann entwickeln sich die Menschen oder noch gräßlichere Ungeheuer. Sie erfinden das Rad, wählen sich einen Anführer, gründen Ich-AGs, praktizieren Safer Sex und tun andere nützliche Dinge – und ganz logischerweise entdecken sie die Raumfahrt.

In der Evolution der Arten ist das vielleicht der wichtigste Schritt überhaupt. Konsequenterweise treffen die Rassen der Galaxis aufeinander – im Ringen um die Vorherrschaft in der Milchstrasse. Das Universum hält den Atem an, das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Es ist nicht mehr zu stoppen, wenn die GALAKTISCHE RALLYE beginnt!

REZENSION:

Mit “Die galaktische Rallye” veröffentlichte der Blitz-Verlag einen Science-Fiction-Roman eines deutschen Autors namens Horst Hoffmann, der zumindest in seiner Idee zu überzeugen weiß. Horst Hoffmann gibt in seinem Buch auch gleich Gas und zeigt, daß wohl nun auch Deutschland endlich einen Autor vorweisen kann, der mit dem Humor zu spielen weiß, der bisher nur Größen des Genres vorbehalten war.
Die Rallye beginnt sehr temporeich und wahnwitzig – mit der Betonung auf witzig…
Leider nutzen sich die Pointen im Laufe der Lektüre sehr stark ab, da diese durch ihre häufigen Wiederholungen nicht mehr in der Lage sind, die Mundwinkel des Lesers zu heben. Durch diese Problematik und dem Umstand, dass leider die Figuren ein wenig zu oberflächlich betrachtet werden und man als Leser somit keinerlei Bezug zu der ein oder anderen Person aufbauen kann, verliert leider die Spannung als auch die Geschichte erheblich.
Dies ist sehr schade, da ich mich wirklich freuen würde, wenn nun endlich mal ein geeigneter Kandidat der deutschsprachigen Literaturszene das Zepter eines z.B. Douglas Adams übernehmen und weiterführen könnte.
Horst Hoffmann hätte sicherlich das Potenzial dazu – er müsste jedoch stärker auf den Plot und den darin befindlichen Personen eingehen und seine humorvollen Ideen gezielter einbauen. Eine Überarbeitung des vorliegenden Buches hätte dabei bereits um einiges geholfen, da die grundsätzliche Idee genug Dramatik und Potenzial dafür hergeben würde.
Nachdem dies nicht der Fall ist, bleibt leider “Die galaktische Rallye” unter den bisherigen Veröffentlichungen des Blitz-Verlages zurück – zeigt aber, das Horst Hoffmann mit etwas mehr Aufwand sicherlich ein zu merkender Name sein könnte.
Jürgen Seibold/11.04.2007

Johan Harstad: Darlah

Originaltitel: Darlah. 172 timer pa manen.
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Deutsche Erstausgabe März 2010
c 2008 Cappelen Damm AS, Oslo
Für die deutschsprachige Ausgabe:
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München
ca. 412 Seiten / € 14,90

COVER:

Im Weltraum kann dich niemand schrehen hören.

Mia aus Norwegen, Midori aus Japan und Antoine aus Frankreich – sie sind die drei Gewinner eines weltweiten Preisausschreibens der NASA und dürfen am ersten bemannten Mondflug seit 1976 teilnehmen. Ihre Motivationen könnten unterschiedlicher nicht sein: Midori will weg aus Japan, Antoine weg von seiner Ex. Mia will eigentlich gar nicht weg, aber ihre Eltern und der Rest der Welt finden, das sei eine einzigartige Chance, ein Sprungbrett in die Berühmtheit. Dass die Ausschreibung nicht mehr ist als ein billiger Trick, um Sponsoren anzuwerben, da für die Expedition das Geld fehlt, ahnt kaum jemand. Und der einzige Mensch, der weiß, was in Wahrheit dahintersteckt und dass dieser Mondflug das Ende von allem sein kann, ist ein an Alzheimer erkrankter, alter Mann, dem niemand Glauben schenkt. Der Countdown läuft…

REZENSION:

Johan Harstad legt mit Darlah einen Science Fiction Thriller mit Horrorelementen für die jüngere Lesergeneration vor. Seine Geschichte ist auch durchweg glaubwürdig und interessant erzählt. Seine Spannungselemente sind geschickt eingewoben und lassen an nichts zu wünschen übrig. Nichts desto trotz darf man die Klientel nicht vergessen – und dies hat der Autor auch in keinster Weise getan. Im Rahmen eines anspruchsvollen “Erwachsenenbuches” würde ich eine detailliertere Beschreibung mancher Inhalte sehr wünschen – auch die lediglich als Nebenrolle dargestellte Idee mit dem an Alzheimer erkrankten ehemaligen Mitarbeiter der “Area 51” hätte noch mehr Potenzial.
Bleiben wir aber bei der Zielgruppe: Und hierbei erkennt man, dass es sich doch tatsächlich um eine rasante Science Fictiongeschichte handelt, die voller Ideen und verwoben mit vielen Anspielungen dargelegt wird. Es gibt keinen einzigen Augenblick, der nicht die Aufmerksamkeit des Lesern aufrecht erhält. Somit kann man dieses gelungene Werk jedem jüngeren Lesern uneingeschränkt empfehlen. Der einzige Nachteil dieser Klientel besteht darin, dass diese allein aufgrund ihres Alters eventuell nicht jede Anspielung greifen können, da die dafür verwendeten Vorbilder sich überwiegend bei anderen Generationen aufhielten. Dies beeinträchtigt aber sicherlich in keinster Weise den Lesensfluss.
Jürgen Seibold/05.04.2010

Hel Fried: Tinnitus

c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe bei Eldur-Verlag Aachen

COVER:

Zum Buch:
Zweihundert Jahre nach dem Dritten Weltkrieg besteht die dezimierte Menschheit im Wesentlichen aus Bauern in verstreuten Dörfern, sowie Nomaden, die in Schutzanzügen die Überreste strahlenverseuchter Großstädte plündern. Die größte Sorge aller sind jedoch die Dämonen: Menschen, die über furchterregende Kräfte verfügen und einem geheimnisvollen Ruf folgen, den nur sie hören können. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem laut Überlieferung der Teufel auf seine Befreiung wartet, um die Menschheit zu vernichten. Bewaffnete Dämonenjäger haben daher Hochkonjunktur.

Der telepathisch begabte Kramsky verlässt seine Heimat, um das Geheimnis dieses Ortes zu ergründen. Bald ist er nicht nur im Fadenkreuz der Dämonenjäger, er trifft auch auf allerlei obskure Gestalten. – Und er muss feststellen, dass die Angst der Menschen vor dem Untergang der Welt keineswegs unbegründet ist.

Über den Autor:
Hel Fried wurde 1963 in Skandinavien geboren. Aufgewachsen ohne Schulbildung begleitete er jahrelang Rentierkarawanen, die sowjetische Zwangsarbeitslager in der eisigen Tundra Sibiriens mit illegalen Waren versorgten. Während dieser Zeit brachte ihm ein alter Kirgise das Lesen bei, anhand von russischen Science Fiction Romanen, die Teil ihrer Lieferungen waren.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lebte er einige Jahre in Lappland, wo er die ersten Ideen für eigene Geschichten sammelte, ohne sie jedoch niederzuschreiben.
Später machte er in Norwegen eine Ausbildung als Techniker und arbeitete als Überwacher in einer Wetterstation nahe des Polarkreises.
Dort war es auch, wo er Zeit und Muße fand, seinen ersten Roman zu verfassen.

REZENSION:

Was schreibt man über ein Buch, dem man sich nach Beginn der Lektüre bis zum Ende nicht mehr entziehen kann?
Was schreibt man über einen Debutroman, den der Autor nur schwerlich toppen kann?
Was schreibt man über einen Science-Fiction-Roman, der uns einen Spiegel vor hält und gleichzeitig zeigt, wie brutal die Menschheit sein kann?
Was schreibt man über eine Geschichte, die mit ethischen Grundgedanken spielt und deutlich zeigt, dass Religiosität und Glauben zu Intoleranz und Furcht sowie Hass gegen Andersdenkende führen kann?
Was schreibt man über einen Plot, der in seinen 230 Seiten sogar glaubhaft darlegt, was oder wer Gott ist bzw. sein könnte?
Was schreibt man über einen Autor, der es in dieser geringen Anzahl an Seiten schafft, sehr viele glaubhafte Darsteller entstehen zu lassen, die dem Leser auch noch detailliert und bildhaft dargelegt werden?
Hel Fried hat auf jeden Fall in seinem Endzeitroman einige Antworten parat und zeigt deutlich, dass er zu überzeugen weiss und in der oberen Autorenriege mitspielen müsste.
Mehr fällt mir dazu nicht ein und ich verneige mich ehrfürchtig vor diesem Werk und seinem Autoren.
Danke für dieses Buch…
Jürgen Seibold/20.02.05

Herbert W. Franke: Cyber City Süd

Originalausgabe Juni 2005
c 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

”Der dritte Pfeifton war verklungen, die Lampen verdunkelten sich. Ruhezeit. Auch Dhouri hatte seine Wohnnische aufgesucht. Jetzt hätte er bereits in seinem Schlaftrog liegen müssen, in der körperwarmen Lösung, die so herrliche Müdigkeit bereitete. Sie enthielt Nährstoffe und Medikamente, die durch die Haut in den Körper eindrangen. Doch irgendetwas hielt ihn heute davon ab, sich in die Flüssigkeit zu legen. Angst stieg in ihm hoch.”

Kybernetische Wunder, virtuelle Flüsse und Kriegsverbrecherprozesse als Publikumsspektakel – gegen Inter-Dollars war in der Cyber City Süd alles zu bekommen. Früher war diese Stadt ein Kleinod des Orients gewesen, heute kommen die Menschen aus aller Welt hierher, um sich bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu amüsieren. Doch die Tage dieser Stadt sind gezählt. Während eine junge Frau sich auf die gefahrenvolle Suche nach ihrem Vater begibt, bereitet sich in der geheimen Kommandozentrale eine gentechnisch perfektionierte Armee auf den Tag der Befreiung vor. Zu spät merken die Besucher der Cyber City Süd, dass unterdrückte politische und wirtschaftliche Konflikte eine Katastrophe heraufbeschwören…

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der Universität Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. Seit 1957 ist er freier Schriftsteller. 1980 wurde Franke zum Mitglied des Deutschen PEN-Clubs gewählt. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Er ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrere für jahresbeste Science-Fiction-Romane.
Frankes faszinierende Utopien basieren auf den Erkenntnissen seiner wissenschaftlichen Arbeit. Neben Autoren wie Philip K. Dick oder Stanislaw Lem ist Franke einer der bekanntesten Science-Fiction-Autoren der Gegenwart.
2003 erschien seine spannende Zukunftsvision “Sphinx_2”.

REZENSION:

Herbert W. Franke führt den Leser in seinem neuesten Buch “Cyber City Süd” in eine Stadt des Orients, die sich zwanzig Jahre nach ihrer Eroberung zu einer Unterhaltungsmetropole ohnegleichen entwickelt hat. Selbst Las Vegas wirkt gegen Cyber City Süd lediglich wie ein in der Wüste vergessener Einarmiger Bandit.
Die Stadt hat jedoch zwei grundlegende Probleme, von denen weder die Einwohner noch die unterhaltungssüchtigen Touristen etwas ahnen: Erstens bereitet sich eine Untergrundorganisation auf die erneute Machtübernahme vor und zweitens geht der verschwenderischen Stadt in kürzester Zeit das wichtigste Grundelement – das Wasser – aus.
Aufgebaut wird die ganze Geschichte in erster Linie um die Person Majda, die als Touristin nach Cyber City Süd reist, um nach Spuren ihres im Umkreis der Stadt verschollenen Vaters zu suchen.
Anfangs lässt sie sich noch sehr stark von den virtuellen Spielwelten dieser Unterhaltungsindustrie blenden und vergisst dabei beinahe ihren eigentlichen Aufenthaltsgrund. Nachdem sie sich jedoch auf ihre Aufgabe zurück besinnt und ein wenig hinter verschlossenen Türen ungern gehörte Fragen stellt, spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu und man findet sich in einem ausgewachsenen SF-Thriller wieder.
Neben den virtuos aufgebauten Spannungselementen zeigt Herbert W. Franke wieder einmal insbesondere sein Talent bei der Beschreibung von futuristischen Welten, Begebenheiten aber auch Kleinigkeiten in einer Zeit die noch keiner erblicken konnte und erschafft damit spielerisch eine Stadt im Kopf des Lesers, bei der man jedes einzelne Blinken wahrnimmt und man mit allen Sinnen eintauchen kann.
Neben dieser qualitativ hochwertigen Art des Schreibens erschuf Herbert W. Franke einen spannenden Plot, der die Aufmerksamkeit des Lesers problemlos aufrecht erhält. Im Gegensatz zu seinem letzten Buch “Sphinx_2” verliert er sich jedoch zum Schluß ein wenig in philosophische Sphären, die aus meiner Sicht zwar interessant aber der Geschichte als alleiniges Ende nicht dienlich sind.
Es bleiben dadurch leider nach Schließen des Buches sehr viele Fragen offen, was nach dem ansonsten fehlerfreien Genuss dieser thrillerhaften, hochspannenden Geschichte zu einer kleinen, unvermeidlichen Enttäuschung führt. Hätte er neben seiner philosophischen Betrachtung noch ein wenig weiter ausgeholt, wäre dem Leser sehr geholfen.
Jürgen Seibold/14.08.05

Herbert W. Franke: Sphinx_2

Originalausgabe Mai 2004
c 2004 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Die Welt ist zu weiten Teilen unbewohnbar geworden, die Menschheit teilt sich auf in die weniger privilegierten Mitglieder der Allianz der freien Nationen und die reichen Bewohner der Union unabhängiger Stadtstaaten: Sie leben unter schützenden Kuppeln, in denen Gewebekulturen und Zuchtautomaten für die Ernährung zuständig sind und virtuelle Spaziergänge, Emotionsboxen und Parasex für Abwechslung sorgen. Der junge Wissenschaftler Gareth Lavalle wundert sich sehr, als er aus heiterem Himmel Besuch von zwei Vertretern des “Verbands zur Unterstützung des sanften Selbstmords” erhält. Seine Verwunderung wird zur Panik, als man ihm suggeriert, dass er an einer schweren Krankheit leidet. Es dauert eine Weile, bis er herausfindet, was man mit ihm vorhat. Und dann nimmt die Angelegenheit eine Wendung, die sein ganzes Leben verändert…

Ein ungewöhnlich spannender Roman über Genforschung, Künstliche Intelligenz und eine skrupellose Wissenschaft. Die Warnung des wohl bekanntesten deutschen Science-Fiction-Autors vor einer inhumanen Zukunft, die wir alle nicht wollen.

“Unter den deutsch schreibenden SF-Autoren ist Herbert W. Franke der prominenteste. Naturwissenschaftler von Haus aus, hat er eine Theorie der Science-Fiction entwickelt, die sich ihrem pädagogischen Ernst von anderen, mehr spielerischen Deutungen stark unterscheidet.”
Die Zeit

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, studierte Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. Er promovierte an der Universität Wien mit einem Thema aus der theoretischen Physik zum Doktor der Philosophie. Seit 1957 ist er freier Schriftsteller. Seine ersten Science-Fiction-Geschichten publizierte er in den Jahren 1953 und 1954 in der Wiener Kulturzeitschrift “Neue Wege”. Weitere Veröffentlichungen unter anderen:
“Der grüne Komet” (1960), “Das Gedankennetz” (1961), “Der Orchideenkäfig” (1961), “Die Glasfalle” (1962), “Die Stahlwüste” (1962), “Der Elfenbeinturm” (1965), “Zone Null” (1970), “Einsteins Erben” (1972), “Ypsilon minus” (1976), “Zarathustra kehrt zurück” (1977), “Sirius Transit” (1979), “Schule für Übermenschen” (1980), “Paradies 3000” (1981), “Endzeit” (1985), “Hiobs Stern” (1988). 1980 wurde Franke zum Mitglied des Deutschen PEN-Clubs gewählt. Im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Herbert W. Franke ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter mehrere für jahresbeste Sience-Fiction-Romane.

REZENSION:

Science Fiction?
Unendliche Weiten…?
Raumschiffe?

Mitnichten! Herbert W. Franke vermeidet in „Sphinx_2“ geschickt die Darstellung irgendwelcher SF-Klischees. Im Gegenteil: Er stellt unsere Welt so dar, wie sie in wahrscheinlich nicht mehr allzu ferner Zeit aussehen könnte, wenn die momentane Entwicklung bei uns so weitergeht. Und genau dies ist das erschreckende an seinem Roman. Die gesamte Entwicklung der Welt und die Trennung zwischen Arm und Reich ist detailliert dargestellt und absolut glaubwürdig.
Es wird die Geschichte eines Wissenschaftlers und seines Klons erzählt – dies jeweils beinahe abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der Person. Hinzu kommen die Probleme zwischen den reichen Menschen in ihren Kuppelstädten und den Armen, die außerhalb der abgeschlossenen Bereiche leben. Diese Probleme mit dazugehörigen Kriegsgefahren und dem Terrorismus weisen sehr viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit auf und machen diesen Thriller somit umso erschreckender.
Herbert W. Franke baut beinahe gemütlich eine Spannung auf, die sehr stark wird und zum Weiterlesen zwingt. Alles ist sehr interessant und nachvollziehbar dargestellt und lässt durch die dezenten SF-Einflüsse auch des öfteren vergessen, das man sich eigentlich in der Zukunft befindet – Ich könnte mir vorstellen, daß sich einige Entwicklungen bereits in der Herstellung befinden (man denke nur an das Klonen…). Dadurch stellt man sich bei dieser Geschichte natürlich auch die Frage, ob man diese Entwicklungen positiv findet, bzw. noch erleben möchte.
Die philosophischen Einflüsse des Autors werden sehr stark wahrgenommen und hinterlassen einen sehr nachdenklichen Eindruck, was bei einer Geschichte dieser Art sicherlich auch Absicht des Schriftstellers sein sollte und wohl auch ist.
„Sphinx_2“ ist somit ein nachdenklich stimmender, spannender Thriller, der jedoch durch die Schublade „Science Fiction“ viele potenzielle Leser abschrecken wird – obwohl er mit Sicherheit mehr Klientel verdient hätte und nicht als SF-Roman wahrgenommen wird.
Ich persönlich habe schon lange nicht mehr so schnell einen Roman abgeschlossen und danke dem Autor sehr herzlich für diese schlaflose Nacht meines Lebens – und kann dieses Buch jedem ohne Gewissensbisse ans Herz legen…
Jürgen Seibold / 04.06.04

Thomas Finn: Der Funke des Chronos

c Piper Verlag GmbH, München 2006
ca. 413 Seiten / €19,90

COVER:

Im Jahr 1842 hat Heinrich Heine eine schicksalhafte Begegnung: Er trifft Tobias, einen zeitreisenden aus dem 21. Jahrhundert. Gemeinsam decken die beiden ein uraltes Familiengeheimnis auf und kommen einer teuflischen Verschwörung auf die Spur. Freimaurer, Alchimisten und Erfinder knüpfen ein bedrohliches Netz um den Dichter und den jungen Mann aus der Zukunft. Und so wird Tobias’ Suche nach seiner verlorenen Zeitmaschine zu einer Achterbahnfahrt voll tödlicher Überraschungen – bis sich mit dem Großen Brand von Hamburg die Pforten der Hölle öffnen.

In der Tradition von H.G. Wells’ berühmten Roman “Die Zeitmaschine” spinnt Thomas Finn einen phantastischen Thriller um Deutschlands größtem Dichter.

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren. Er war Chefredakteur eines großen Phantastik-Magazins sowie Lektor und Dramaturg in einem Drehbuch- und Theaterverlag. Bereits seit sechzehn Jahren lebt und arbeitet der preisgekrönte Roman-, Drehbuch- und Theaterautor in seiner Wahlheimat Hamburg, einer Stadt, die ihn aufgrund ihrer aufregenden Geschichte immer wieder aufs neue inspiriert.

REZENSION:

Thomas Finn führt uns mit seinem Buch “Der Funke des Chronos” nicht nur in vergangene Zeiten in Hamburg, sondern erschuf sogar einen phantastischen Zeitreiseroman, der glaubwürdig und spannend erzählt wird.
Die Zeitreise bettet einen historischen Roman ein, der das vergangen Hamburg und den unvermeidlichen Großen Brand wieder auferstehen lässt um vor dem geistigen Auge des Lesers zu erscheinen.
Nebenbei lässt Thomas Finn die (für mich nicht gerade leichte…) Sprache des damaligen Hamburgs genauso auftreten, wie auch die Informationen zu einigen Begriffsentstehungen, mit denen wir uns in der heutigen Zeit brüsten, ohne deren Hintergründe zu kennen.
Ebenso spannend und detailverliebt wie er Hamburg beschreibt, lässt er vor dem Leser einen Mann auferstehen, der den meisten leider nur als langweiliger Begriff im Deutschunterricht bekannt ist: Heinrich Heine. Nach Lektüre dieses Romans wird man diesen begnadeten Autor sicherlich in einem gänzlich anderen Licht zu sehen in der Lage sein.
Somit eine wunderschöne und rundum glaubhafte, phantastische Geschichte, die nebenbei auch noch sehr spannend erzählt ist. Ein unglaublicher Detailreichtum, sowie eine geniale Mischung aus historischen Fakten und spannenden Thriller-, sowie SF-Elementen lassen einen Typus Geschichte entstehen, wie er schon lange nicht mehr vorhanden war.
Man merkt, dass Thomas Finn damit eine Hommage an H.G.Wells “Die Zeitmaschine” schreiben wollte. Und durch diese gänzlich andere und nicht kopierende Art und Weise ist ihm dies auch rundum perfekt gelungen.
Ein sehr empfehlenswertes Werk, dass geschickt die Brücke schlägt zwischen den SF-Fans und den historischen Roman-Lesern.
Jürgen Seibold/01.05.2006