Shusterman, Neal: Scythe – Die Hüter des Todes

Originaltitel: Scythe – Arc of a Scythe
Aus dem Amerikanischen von Pauline Kurbasik und Kristian Lutze
©2016 by Neal Shusterman
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-7373-5506-3
ca. 516 Seiten

COVER:

Die Scathe sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes in einer fast perfekten Welt.
Als Citra und Rowan – gegen ihren Willen – für die Ausbildung zum Scythe berufen werden, bleiben ihnen nur zwei Dinge: ihre Freundschaft, die vielleicht mehr als Freundschaft ist, und die hohen moralischen Regeln der Scythe, die das Töten irgendwie erträglich machen. Doch nicht alle Hüter des Todes halten sich noch an die uralten Regeln der Gilde, und aus einem Grund, der für Citra unbegreiflich bleibt, fühlt Rowan sich von diesen dunklen Scythe angezogen.

Bald stehen Citra und Rowan auf unterschiedlichen Seiten und kämpfen doch um das Gleiche: das perfekte Leben, das richtige Sterben, ihre Liebe.

REZENSION:

Wir befinden uns bei diesem Buch von Neal Shusterman in einer nahezu perfekten Welt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. In dieser nahezu perfekten Welt gibt es keine Kriege und als Sahnehäubchen: Man stirbt nicht mehr! Als Mensch altert man zwar ganz normal, man kann sich aber in gewissen Intervallen zu einem Wunschalter zurück resetten lassen. Man wird somit älter, ohne irgendwelche körperlichen Gebrechen zu bekommen. Sollte man zum Beispiel überfahren und somit getötet werden, kommt man einfach in ein besonderes Krankenhaus, welches einen wieder zurückholt. Regierungen sind abgeschafft – lediglich eine übergeordnete künstliche Intelligenz wacht über die Menschheit. Diese ist autark, human und ausgesprochen sozial.
Wie gesagt: Eine nahezu perfekte Welt.
Selbstverständlich spricht das Bevölkerungswachstum gegen das unendliche Leben. Aus diesem Grund gibt es eine Gilde mit dem Namen SYTHE, deren Mitglieder dafür zuständig sind, Menschen „nach zu lesen“ – das heißt, diese Gildenmitglieder sind die einzigen Menschen, die die Macht haben, andere Menschen zu töten. Dies allein, um dem Bevölkerungswachstum entgegentreten zu können.
Dies entspricht dem früheren Sensenmann, der sich um das ordnungsgemäße Ableben von Menschen kümmerte. In Scythe ist es eine weltweit aufgestellte Gilde.
Natürlich ist es auch für eine Gilde dieser Art notwendig, für Nachwuchs zu sorgen. Aus diesem Grund werden Citra und Rowan als Auszubildende berufen – beide hatten dies ehrlich gesagt nicht wirklich vor…
Während ihrer Ausbildung kommen die beiden sich nach und nach näher – sie wissen aber auch, dass nur einer von beiden am Ende ausgewählt werden wird. Die erste Amtshandlung des dann neu Ausgewählten soll dabei darin bestehen, den anderen hinzurichten.
Allein diese kurze Beschreibung hätte schon ausreichend Potenzial für einen Roman. Neal Shusterman lässt es aber dabei nicht bewenden und führt uns auch die unterschiedlichen Ströme der Scythe vor. Die Einen sind sehr konservativ und hassen selbst das Töten. Dementsprechend vorsichtig und umsichtig gehen sie vor. Die Anderen wiederum sehen im Töten eine Art Sport oder gar Spiel und sorgen skrupellos und nach eigenem Gutdünken für das Ableben einer Vielzahl von Menschen, bleiben dabei aber immer haarscharf den Regeln der Scythe treu – beugen diese aber so weit es geht.
Recht viel mehr sollte hier nicht gesagt sein – man möchte ja nicht zu viel verraten.
Scythe ist vom erzählerischen Stil Shustermans her sowohl als Jugend- wie auch Erwachsenenbuch einzuordnen. Für Erwachsene ist der Schreibstil dementsprechend als leicht und überaus eingängig zu empfinden. Nichts desto trotz funktioniert die Geschichte bravourös und ich konnte mich ihr einfach nicht mehr entziehen. Im Gegenteil, sofort nach Beendigen des Buches musste ich es meinem gesamten Umfeld altersunabhängig empfehlen.
Es handelt sich einfach um einen absoluten Pageturner mit einer sehr interessanten und erfrischenden Geschichte. Darüber hinaus eine ausgesprochen tolle Idee, die aus einer Dystopie eine Utopie macht und dennoch eine perfekte Welt ein klein wenig unperfekt macht.
Das Buch funktioniert sehr gut als Einzelband, auch wenn ich davon ausgehe, dass man sich unbedingt auch die beiden noch folgenden Bände zu Gemüte führen möchte. Man kann dabei nur hoffen, dass der Autor dabei dieses extrem hohe Level auch weiterhin einhalten kann und somit mit seiner gesamten Trilogie zu überzeugen weiß.
Scythe ist jedenfalls in meinen Augen ein absolutes Highlight für nahezu jede Altersgruppe ab etwa 16 Jahren. Man kann nur hoffen, dass die Hüter des Todes nicht zu schnell zu einem selbst kommen und man somit noch viele hochwertige Bücher wie dieses genießen kann.
Kurzum: Eine absolute Empfehlung!
Jürgen Seibold/29.03.2018

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Dath, Dietmar: Der Schnitt durch die Sonne

©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-397306-8
ca. 361 Seiten

COVER:

Sechs Menschen – eine Schülerin, ein Koch, ein Finanzberater, eine Mathematikerin, ein Gitarrist und eine Pianistin – reisen zur Sonne. Ihr Auftrag: drei Aufgaben zu lösen, die mit dem Verschwinden des sogenannten Koronakindes zu tun haben. Das Koronakind ist ein hochintelligentes Wesen, das einen gewaltigen Konflikt auf der Sonne entfacht und die Gemeinschaft schließlich verlassen hat. Die Menschen geraten zwischen die Fronten dieses Konflikts und weiten ihn sogar auf die Erde aus.

REZENSION:

Bei diesem Buch scheinen sich wirklich die Geister zu scheiden. Sehr hochgelobt von diversen Kritikern, platziert in der Phantastik-Bestenliste (durch die ich darauf aufmerksam geworden bin) und gleichzeitig auch einige Stimmen, die exakt das Gegenteil beschreiben.
Neben diesen unterschiedlichen Aussagen und der interessanten Coverbeschreibung war es natürlich für mich unbedingt notwendig, mich auch diesem Werk zu widmen.
Wie sich dabei jedoch leider herausstellen sollte, gehöre ich wohl zur zweiten Kategorie an Kritikern: Die, denen das Buch nicht zusagen konnte.
Sicherlich, der Schreibstil Dietmar Dath‘ war meiner Meinung nach sehr interessant und konnte mich auch einige Zeit lang an den Seiten festhalten. Nichts desto trotz konnte ich absolut keinen Zugang zur Geschichte finden und entschied mich dann zu einer Tätigkeit, die ich als Vielleser immer noch unglaublich ungern durchführe: Ich habe das Buch bei knapp der Hälfte abgebrochen.
Nichts desto trotz kann man dadurch sehr schön erkennen, dass Meinungen immer die Betrachtung einer einzelnen Person ist und Geschmäcker schlichtweg unterschiedlich sind. In diesem Fall hat es bei mir einfach nicht funktioniert – gleichzeitig erkenne ich aber durch meine Recherche sehr deutlich, dass „Der Schnitt durch die Sonne“ dennoch scheinbar problemlos seine Klientel begeistern kann.
Ich finde es auch schade, dass es bei mir nicht zu einer Wirkung führte, da mich das grundsätzliche Konzept der Geschichte sehr interessiert hat. Aber manchmal sollen manche Dinge einfach nicht sein.
Jürgen Seibold/11.03.2018

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Wolv, Sabrina: Nummer 365 – Die Lichtbringer

Juli 2017
www.verlagshaus-el-gato.de
ISBN 978-3-946049-04-3
ca. 344 Seiten

COVER:

„Das hier ist die Akademie. Dein neues Zuhause. Du kannst dich geehrt fühlen, Soldat. Von heute an gehörst du zu den Lichtbringern.“
Strudel fühlte sich nicht geehrt, Strudel hatte Angst.
Das Lebenserhaltungssystem Eden, ist die einzige Zuflucht der Menschheit. Als der sechsjährige Strudel seinen tyrannischen Onkel tötet, wird der Junge von der Armee der Lichtbringer in die Akademie verschleppt. Dort soll er in einem tödlichen Training zum Soldaten ausgebildet werden. Gemeinsam mit seinen Freunden muss Strudel fortan ums Überleben kämpfen. Doch welche geheimen Ziele verfolgen die Lichtbringer und was verbirgt sich hinter ‚Projekt Neshamah‘?
Kann Strudel seine Vergangenheit hinter sich lassen?
Kann er seine Freunde retten?
Wird er überleben?
Erster Teil einer Dystopie über Kindersoldaten und Genmanipulation

REZENSION:

Bei dem ersten Band der Dystopie von Sabrina Wolv bin ich ehrlich gesagt sehr zwiespältig zurückgelassen worden. Zum einen gefällt mir der Schreibstil der Autorin außerordentlich gut. Sie erzählt sehr eingängig und man fühlt sich mitten im Geschehen. Des Weiteren ist es eine sehr gute Allegorie zum Thema Missbrauch von Kindern als Soldaten. Man ist sogleich geplättet von der Skrupellosigkeit der Akademie, Kinder zu ausgewachsenen Soldaten aus zu bilden.
Man begleitet hierbei Strudel, der als Sechsjähriger seinen Onkel getötet hat und im Zuge dessen von Soldaten zum Eintritt in die Akademie abgeholt worden ist.
Als Gegenpol zu diesem dramatischen Inhalt steht jedoch der weitere Fortlauf der Geschichte. Hier fand ich leider keinen Anker, der dafür sorgen konnte, dass man den Umstand des Kindersoldaten als frevelhaft verteufelt. Im Gegenteil, es scheint alles als absolut gegeben und normal. Sicher, dies ist ebenfalls beängstigend, wenn sich eine solche Akademie als übliche Vorgehensweise entpuppt – dennoch hätte in wenig mehr „Anprangern“ der Geschichte sicherlich gutgetan.
Unter Umständen kann dies natürlich noch geschehen, handelt es sich doch bei vorliegendem Buch erst um den ersten Band einer dystopischen Erzählung. Dementsprechend unbeendet schließt sich das Werk auch.
Leider bestand für mich aber keine Möglichkeit der Identifikation, da man über nahezu jede Seite dieses Werkes lediglich die Protagonisten beim Erlernen ihrer neuen kämpferischen Fähigkeiten folgt.
Sicher, ein wenig Zusätzliches gab es natürlich auch, dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, hier lediglich den Trainingsmaßnahmen der Akademie zu folgen.
Ich könnte mir dennoch sehr gut vorstellen, dass dieses Werk bei vielen Lesern funktionieren wird und man sich allein darauf aufhängt, dass es sich durchweg um Kinder handelt. Man kann es natürlich unter dem Aspekt „Anti-Kindersoldaten“ lesen. Nichts desto trotz hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht. Ein früheres Abschließen der Entwicklung als Soldat und darauffolgendem Erkennen von Missständen wäre auch möglich gewesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der zweite Band stärker darauf eingeht – aber gerade deswegen wäre es vielleicht geschickter gewesen, den ersten mit weniger Seiten abzuschließen und direkt in den Plot des zweiten einzutauchen. Somit statt einem Zweiteiler einen etwas dickeren Einteiler zu generieren.
Jürgen Seibold/02.03.2018

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Chu, Wesley: Zeitkurier

Originaltitel: Time Salvager
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe 09/2017
©2016 by Wesley Chu
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31733-8
ca. 493 Seiten

COVER:

Die Erde hat sich in der Zukunft in ein verseuchtes Ödland verwandelt, und die Menschheit musste ins äußere Sonnensystem ausweichen. Dort, in den Weiten des Alls, sind Ressourcen allerdings ein seltener Luxus, und so bedient sich die menschliche Zivilisation der Zeitreise als letztes Mittel. Sogenannte Zeitkuriere reisen in die Vergangenheit, um dort nach Ressourcen und Antworten zu suchen. Bei seinem letzten Auftrag macht der Zeitkurier James Griffin-Mars jedoch einen fatalen Fehler: Er greift in die Zeitlinie ein – und rettet eine Frau. Jetzt bleibt ihnen nur noch die Flucht in die Gegenwart …

REZENSION:

In Wesley Chus Zeitkurier befinden wir uns in einer dystopischen Zukunft. Die Menschheit lebt in den Weiten des Alls. Unser Planet ist nichts mehr als ein ödes Land. Nur noch wenige Menschen trotzen den Gefahren auf unserem bisherigen Planeten. Dabei sind sie aber nichts weiter als arme, hungernde Hinterbliebene einer längst vergangenen Welt.
Nachdem auch für die verbleibenden, im Weltraum lebenden Menschen die Ressourcen ein endliches Gut sind, entwickelte sich eine Behörde, die auf Basis ihrer Zeitkuriere in die Vergangenheit eintreten, um Antworten als auch Ressourcen zu finden und in die gegenwärtige Gegenwart zu bringen.
Einer dieser Zeitkuriere ist James Griffin-Mars, der sehr erfolgreich seit Jahren eine dieser Stellen inne hat. Auf seiner letzten Reise entschied er sich jedoch zu einem Fauxpax: Er nahm eine Frau aus der Vergangenheit mit in seine Gegenwart. Dadurch brach er das oberste Gesetz der Zeitreisenden. Unverzüglich beginnt die Jagd auf diesen Gesetzesbrecher.
Nach und nach stellt sich dabei heraus, dass sich noch erheblich mehr dahinter verbirgt als lediglich die Festsetzung eines Outlaws.
Wesley Chu schreibt sehr eingängig und lässt – insbesondere in der ersten Buchhälfte – absolut nichts an Spannung missen. Seine Darstellung der Zeitreisen mit den dazugehörigen Problemen von eventuellen zeitlichen Konflikten oder gar Paradoxien umgeht er interessant, gut erklärt und einigermaßen glaubwürdig. Zeitreisen sind ja immer etwas Besonderes im Genre der SF und es lässt sich sicherlich über bestimmte Vorgänge tiefgehend diskutieren. Für mich als Unterhaltungsleser ist es wichtig, dass es einigermaßen plausibel klingt und dies ist Chu in meinen Augen ganz gut gelungen. Wie es in Wirklichkeit ist, weiß sowieso niemand…
Es stellt sich sehr schnell heraus, dass sich natürlich in der Geschichte etwas mehr befindet als nur der kleine Fehler eines Agenten. In der zweiten Hälfte wird das auch immer deutlicher und schon befinden wir uns auch noch in der Welt der Intrigen großer Mächte und Konzerne.
Die zweite Hälfte bekommt zwar vom Autor in diesem Bereich etwas mehr Handlung geschenkt, verliert dadurch aber deutlich an spannenden Elementen. Es ist aber dennoch weiterhin ausreichend interessant und somit harrt man der Auflösung entgegen. Ab und an nervt die von ihm in seine Gegenwart gebrachte Frau (Eliese) ein wenig stark, aber darüber drückte ich einfach manchmal ein Auge zu. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass irgendjemand so vehement auftritt, wenn er gerade mehrere hundert Jahre in die Zukunft gebracht worden ist. Aber lassen wir das – scheinbar wollte Wesley Chu es eben exakt so haben. Nach und nach gewöhnt man sich auch wieder an diesen Aspekt und wenn man nicht zu tiefsinnig über die gesamte Geschichte nachzudenken versucht, klappt es auch wunderbar mit ihr. Zeitkurier ist nichts Tiefgehendes und nachhaltiges – aber ein wunderbar erzählter und spannender Science-Fiction Roman mit einer interessanten Idee. Sicherlich ein wenig erzählt, wie man es von der Leinwand gewohnt ist, aber ab und an halte ich diese Vorgehensweise auch in Büchern für ausreichend.
Alles in allem ein sehr unterhaltsamer, interessanter und recht spannender SF-Roman für einige unterhaltsame Stunden. Tja, und was will man eigentlich mehr?
Jürgen Seibold/01.03.2018

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Bordage, Pierre: Die Sphären

Originaltitel: Les Dames Blanches
Aus  dem Französischen von Carola Fischer
©2015 Librairie Atalante, Nantes
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31848-9
ca. 443 Seiten

COVER:

Eines Tages entdeckt man im Westen Frankreichs eine riesige weiße Kugel. Niemand weiß, woher sie kommt oder was es mit diesem eigenartigen Phänomen auf sich hat. Dann verschwindet der dreijährige Léo beim Spielen spurlos. Seine Mutter Èlodie ist verzweifelt, denn die weiße Kugel scheint ihren Sohn regelrecht verschluckt zu haben. Doch Léos Fall ist erst der Anfang – auf der ganzen Welt tauchen diese sogenannten „weißen Damen“ auf, auf der ganzen Welt verschwinden Kinder. Alle Versuche, das Rätsel zu lösen und die Kinder von diesem geheimnisvollen Phänomen fernzuhalten, scheitern – die Kleinen werden geradezu magisch von den „weißen Damen“ angezogen. Der französischen Regierung ist schnell klar, dass die Kugeln zerstört werden müssen, bevor alle Kinder in ihnen verschwinden. Doch so einfach sind die „weißen Damen“ nicht zu besiegen, und schon bald versinkt das ganze Land in Chaos …

REZENSION:

Ohne jegliche Vorwarnung befindet sich eines Tages in der Nähe des Hauses von Èlodie eine weiße Kugel. Léo, ihr Kind, läuft auf diese zu und ist urplötzlich verschwunden. Recht schnell ist das Gebiet vom Militär eingegrenzt. Nachdem man aber keinerlei Möglichkeit hat, irgendwo an dieser Kugel eine Unregelmäßigkeit zu entdecken, geht man noch einige Zeit davon aus, dass Èlodie etwas mit dem Verschwinden ihres Kindes zu tun hat.
Dies löst sich recht schnell auf. Erscheinen doch weltweit immer mehr Kugel wie aus heiterem Himmel. Recht schnell wird klar: Man muss diese Kugeln vernichten.
Es stellt sich dabei heraus, dass es absolut nicht möglich ist, den Kugeln irgendetwas an zu tun. Nicht einmal ein Kratzer erscheint auf der makellosen, weißen Oberfläche.
Man ist ratlos und weiterhin verschwinden Kinder unter vier Jahren in diesen Gebilden.
Recht schnell vereinigen sich die Regierungen und erlassen ein menschenunwürdiges Gesetz: Familien müssen dafür sorgen, dass ausreichend Kinder unter vier Jahren als Kanonenfutter zur Verfügung stehen. Bepackt mit Sprengstoff entlässt man diese Kinder in diese Kugeln und hofft dadurch, für eine Vernichtung zu sorgen…
Pierre Bordage legt mit Die Sphären einen durchweg interessant erzählten Science-Fiction-Plot vor, der mehr oder weniger in unserer Zeit spielt und überwiegend ohne jegliche außerirdische Aktivität funktioniert. Seine „weiße Damen“ zeigen sich ausschließlich durch Präsenz. Sie sind einfach da und werden immer größer.
Dabei zerbricht nebenbei unser Kommunikationssystem und die Menschen spalten sich in Befürworter der neuen Gesetze als auch in Gegner.
Bordage spielt dabei stark mit den Gefühlen seines Lesers. Gleichzeitig konfrontiert er die Menschheit mit einem Spiegel, um die Frage aufzuwerfen, ob wir in der Lage wären, exakt so zu handeln. Zählt nur die Allgemeinheit oder hat das Individuum auch seine Berechtigung?
Bordage erzählt seinen Plot auf Basis einer nicht unerheblichen aber dennoch begrenzten Zahl an Protagonisten. Man darf aber dabei nie vergessen, dass sein Phänomen der weißen Kugeln weltweit aufgestellt ist. Im Laufe des Buches ist die gesamte Zahl der vorhandenen Kugeln in das Unermessliche gestiegen. Dabei findet die Menschheit trotz ihres theoretischen Überlegenheitsgedankens keine sinnvolle Möglichkeit, sich diesem inaktiven Feind zu entledigen.
Ich möchte hier nun nicht weiter in die Geschichte eintauchen, da sonst die Gefahr bestehen könnte, ein wenig zu viel zu verraten. Die Sphären ist jedenfalls ein SF-Thriller, der rundum für absolut gelungene Unterhaltung sorgt. Dabei versucht er auch uns allen einen Spiegel vor zu halten und man stellt sich des Öfteren die Frage, wie man sich selbst in dieser Situation fühlen würde.
Die Geschichte ist durchweg spannend und sehr eingängig erzählt. Ein absoluter Pageturner, der das Science-Fiction-Genre einfach mal so nebenbei in unseren Garten verlegt.
Als einziger Wermutstropfen in dieser Story zeigte sich das Ende. Pierre Bordage wollte hier sehr philosophisch agieren. Das war auch notwendig und löst den gesamten Plot nachhaltig und glaubwürdig auf. Dennoch wunderte ich mich, warum er sich dabei nicht etwas mehr Zeit lassen konnte. Seine Auflösung ist plötzlich da, kurz erklärt und schon wieder weg. Hier hätte ich mir definitiv etwas mehr Detail oder Ausschweifung gewünscht. Insbsondere, da die Geschichte auf dieses Ende hinlief und er exakt dort seine Moral darlegen wollte.
Schade, aber so richtig abwerten konnte das Ende die gelungene Story dann doch nicht mehr. Mir hat sie jedenfalls ziemlich gut gefallen.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Kristoff, Jay / Kaufman, Amie: Illuminae – Die Illuminae Akten_01

Originaltitel: Illuminae. The Illuminae Files_01
Aus dem amerikanischen Englisch von Gerald Jung & Katharina Orgaß
©2015 LaRoux Industries Pty Ltd. Und Neverafter Pty Ltd.
Deutsche Erstausgabe 2017
© für die deutschsprachige Ausgabe: 2017 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-76183-3
ca. 600 Seiten

COVER:

Gestern noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Heute dann wird ihr Planet angegriffen.

Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein XXX, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligenz der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Eigentlich soll AIDAN sie beschützen, aber er verhält sich mehr als seltsam.

All das und noch viel mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Und so wendet sich Kady an den Jungen, mit dem sie nie wieder ein Wort sprechen wollte …

REZENSION:

Wenn man das Buch ILLUMINAE in der Hand hält und oberflächlich durchblättert, sieht man nur Textfragmente, Dialoge, Zeichnungen, weggeschwärzte Textstellen, vermeintliche Dokumente, kurze Statusmeldungen.
Hätte mich Jay Kristoff mit einem seiner Fantasyepen nicht bereits von sich überzeugen können, wäre ich mir recht sicher, mich nicht an dieses Buch getraut zu haben. Schlußendlich stellte sich aber heraus, dass es sich doch auf eine erfrischende und gänzlich neuartige Art gelohnt hat, sich diesem eher für den Jugendbereich gedachten Buch zu widmen.
Das Buch erzählt seine Geschichte anhand von Protokollen, Dokumenten und „Dateien“. Textstellen sind teilweise geschwärzt, was hauptsächlich für Kraftausdrücke vorgenommen worden ist, dennoch die Dokumente etwas realistischer machen.
Man folgt somit einem Sammelsurium an aufgetauchten Unterlagen zu einem Angriff einer Gesellschaft auf einen kleinen Planeten. Dabei lernt man die beiden hauptsächlichen Protagonisten kennen, die ihre Kommunikation überwiegend im geheimen durch Nutzung von Logins anderer Schiffsbewohner vornehmen. Meistens „reiten“ sie dabei auf einer unserer E-Mail angelehnten Kommunikationsart.
Ich fragte mich wirklich lange, ob sich so ein Konzept durchgehend über eine Bandbreite von nahezu 600 Seiten durchhalten lässt. Insbesondere, ob dabei auch ein klein wenig Spannung aufkommen kann. Sicher, ab und an gab es schon Augenblicke, an denen es mir fast zu schwer geworden ist, mich weiterhin dieser untypischen Erzählart zu folgen. Bin ich doch eher ein Freund des ausholenden erzählerischen Textes. Nach und nach entwickelt sich aber interessanterweise dennoch eine sehr gelungene Story, die gleichzeitig Fasetten unterschiedlicher Genre zusammenfügt: Wir treffen hier auf eine sich liebendes Jugendpärchen in einem ScienceFiction-Roman und dürfen auch vor Zombies nicht zurückschrecken. Als Sahnehäubchen noch ein allumfassender Schiffscomputer, der nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben scheint und immer mehr zu einer Gefahr für alle noch lebenden Menschen wird.
ILLUMINAE wird sicherlich nicht jedem gefallen. Ich konnte mich aber nach und nach mit dieser Idee anfreunden und irgendwie entwickelt sich beim Lesen von lediglich „Dokumenten“ eine Art Voyeurismus, dem man sich nicht mehr entziehen kann.
Die gesamte Story ist in einem Fluss auf Basis dieser Dokumente erzählt. Beide Autoren schafften es dabei sogar, diesen Stil bis zum Ende durchzuhalten und dennoch für einen ausgesprochen gut erzählten Schluss zu sorgen.
Funktionieren wird dieses Buch wohl hauptsächlich in der gedruckten Version. So kann ich es auch einigermaßen gut empfehlen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass hier eine gänzlich andere Art des Erzählens vorgenommen wird und es darüber hinaus wohl eher in Richtung Jugendbuch geht. Dennoch ist es ein ausgesprochen interessantes Konzept, eine geniale Idee und ich finde es auch klasse, dass sich ein Verlag auf so eine Veröffentlichung einlässt. Ist ja eben etwas Anderes und nicht für jeden geeignet. Ich fand es schlußendlich sehr interessant, bin mir aber gleichzeitig nicht sicher, ob ich noch weitere solche Bücher lesen könnte. Trotzdem ein sehr gelungenes Experiment.
Jürgen Seibold/20.12.2017

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Michael E. Vieten: Handbuch zur Rettung der Welt

©2017 Vieten, Michael E..
ISBN 978-3740733766
ca.286 Seiten

COVER:

„Schaue nicht nach Westen, schaue nach Osten. Dort geht jeden Morgen eine neue Sonne auf.“

Was erwartet die Menschheit, wenn sie weitermacht, wie bisher?
Anthropozän 2050. Ende des Industriezeitalters.
Es ist genau das passiert, was jeder Mensch hätte wissen müssen. Die Menschen haben die Erde der Gier, der Selbstsucht und der Ignoranz geopfert. Die Umwelt ist größtenteils zerstört. Unbesiegbare Keime, Kriege, Hungersnöte und eine verheerende Pandemie haben den überwiegenden Teil der Menschheit dahingerafft. Der Rest kämpft allein oder in kleinen Gruppen ums Überleben. Jeder ist sich selbst der Nächste. In dieser feindlichen Umgebung lebt die junge Mila in der Hoffnung auf ein fernes Hochtal, in dem die Natur noch intakt sein soll. Mit dem alten Josh macht sie sich auf den gefährlichen Weg und kämpft mit den schrecklichen Folgen des Unterlassens und der Ignoranz der Menschen des 21. Jahrhunderts.

Ein Roman über ein großes Abenteuer, verzweifelte Hoffnung, grenzenlose Zuversicht und aufrichtige Freundschaft.

REZENSION:

Es gibt eine schier unermessliche Vielzahl an dystopischen Romanen. Man begegnet dabei vor allem Zombies, Seuchen, Aliens oder gar Vampiren. Die Ursachen sind zumeist nicht konsequent geklärt, dennoch schwingt oft ein kleines Unbehagen bei diesen Stories mit, die einen irgendwie andauernd darüber nachdenken lassen, ob wir als Menschheit dabei nicht gerade eine unerhebliche Rolle auf dem Weg zur beschriebenen Dystopie hatten.
Nachdem es aber meistens lediglich Überlebensromane sind, kann man da relativ simpel darüber hinwegsehen. Die Spannung allein reicht und warum es plötzlich Zombies gibt, ist doch egal.
Jede Geschichte möchte aber nicht nur etwas erzählen, sondern auch oft etwas vermitteln. Sehr häufig leider gut versteckt und deswegen macht man sich keine großartigen Gedanken als Leser eines typischen Dystopie-Spannungsromans.
Michael E. Vieten legt ebenfalls mit „Handbuch zur Rettung der Welt“ einen kleinen, knackigen Dystopie-Roman vor. Wir begleiten die junge Mila auf ihrem Weg durch eine karge Welt. Sie trifft dabei auf den über 70jährigen Josh, der sich als hilfreicher Zeitgenosse herausstellt und somit bleiben beide zusammen und suchen ein traumhaftes Tal, welches Mila lediglich auf einer alten Postkarte gesehen hat.
Im Gegensatz zu Mila kennt Josh aufgrund seines Alters die Welt, wie wir sie kennen – also: Vor dem Untergang. Diese Verknüpfung nimmt der Autor, greift sich einen Spiegel und lässt uns Menschen der heutigen Zeit nicht nur hineinschauen, sondern haut ihn uns förmlich in die Fresse. Genau so kann es geschehen, wenn wir nicht endlich unseren Allerwertesten hochbekommen und etwas tun.
Die Geschichte selbst lebt exakt von diesem immer wieder auftretenden Vergleich beziehungsweise den Erzählungen Joshs. Mila selbst – Kind der Neuzeit – kann diese Ignoranz nicht verstehen, geschweige denn nachvollziehen.
Michael E. Vieten möchte mit diesem Buch exakt diesen Umstand vermitteln und versucht uns ganz geschickt und nebenbei einiges klar zu machen.
Die Wanderung und der Überlebenskampf der beiden Protagonisten ist dabei lediglich Beiwerk und in meinen Augen eher Mittel zum Zweck.
Würde man „Handbuch zur Rettung der Welt“ auf die eigentliche Wanderschaft in einer dystopischen Welt reduzieren, müsste ich sagen, hier gibt es erheblich bessere Werke, mit erheblich mehr Spannung und anspruchsvollerem Überlebenskampf. Aber: Man darf dieses Buch nicht darauf reduzieren. „Handbuch zur Rettung der Welt“ ist unglaublich lehrreich und versucht, das ein oder andere Auge zu öffnen. Allein deshalb lohnt es sich bereits und somit bleibt mir nichts Anderes übrig, als dieses eingängig und einfach geschriebene Werk zu empfehlen. Lässt man es zu, kann man sehr viel daraus lernen und man bekommt auf unterhaltsame Art und Weise die Fehler unserer aktuellen Generation vorgelegt.
Es muss somit nicht immer ein Fachbuch sein, um jemanden aufrütteln zu können.
Jürgen Seibold/07.12.2017

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Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017

 

Kiki Blu (Daniela Rohr): SelbstzerstörungsaktiVIERung (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 4)

© 2017 Daniele Rohr
www.danielarohr.de

COVER:

Kein Sprit, kein Kaffee und keine Rettung in Sicht. Auf halber Strecke zum nächsten Ziel geht der Titanicus der Saft aus und die provisorische Crew – bestehend aus Kiki, Max und Pieh – muss improvisieren, um nicht wochenlang durchs All zu driften.

Ein abenteuerlicher Plan zur Selbsthilfe ist schnell gefasst. Alles, was es dazu braucht, sind eine selbstmörderische Außenmission und die Bereitschaft, reihenweise Gesetze zu brechen. Ein bisschen Sachverstand, Erfahrung und Besonnenheit wären mindestens genauso wichtig, doch Kiki und ihre Gefährten müssen sich wohl einfach auf ihr Glück verlassen.

REZENSION:

Im August letzten Jahres schrieb ich eine Rezension zur dritten Folge der geplant 11 Folgen andauernden Odyssee Kiki Blus. So langsam konnte ich gar nicht mehr wirklich daran glauben, dass diese schräge und überaus witzige Reise weiter fortgesetzt wird. Viel zu oft gibt es Autoren, denen urplötzlich die Luft ausgeht.
Nun hatte das Warten jedoch glücklicherweise ein Ende und ich konnte mich weiteren 100 Seiten dieser bisher unglaublichen und witzigen Reise widmen.
Kiki Blu ist dabei weiterhin auf der Suche nach ihrem One-Night-Stand des ersten Bandes. Dieser hatte – ihrer Meinung nach – rotzfrech ihren Vibrator mitgehen lassen. Nun befindet sie sich auf der Jagd nach ihm. Klar, dass sich hier wohl eher eine versteckte Liebe befindet, denn es wäre sicherlich einfacher, einen neuen Vibrator zu kaufen, als sich den Mühen und Kosten einer Weltraumodyssee anzunehmen.
Aber das ist ja genau das Prinzip dieser Reihe: Hier ist einfach nichts normal. Kiki Blu ist somit auf dem Weg durch die unendlichen Weiten des Weltraums, trifft diesmal sogar kurz auf ihren One-Night-Stand.
Nebenbei geht ihnen der Sprit aus und sie macht sich auf die Suche nach einem Ersatz auf einem fremden und nicht erschlossenen Planeten. Hier gibt es sogleich das ein oder andere Malheur und ihr Leben befindet sich nur noch auf sehr dünnem Eis. Kiki wäre aber nicht Kiki, wenn sie dafür nicht eine Lösung finden würde…
Erneut handelt es sich natürlich bei den etwa 100 Seiten nur um ein weiteres Häppchen im Kosmos um Kiki Blu – dennoch hat sich die Wartezeit definitiv gelohnt! Konnten mich die ersten drei Teile bereits sehr gut unterhalten und überzeugen, scheint dies mit dem vierten noch erheblich besser funktioniert zu haben. Erneut konnte ich mir manch Schmunzeln nicht mehr aus dem Gesicht entfernen und weiterhin macht es einfach irre viel Spaß, diesen Trip als Leser zu begleiten.
Selbstzerstörungsaktivierung ist erneut voller schräger Typen, einem enormen Witz und diesmal eine sehr eingängige und in sich geschlossene Handlung. Dadurch wirkt Teil 4 etwas besser konstruiert als die Vorgänger. Dennoch sind diese weiterhin notwendig, um den gesamten Kosmos zu verstehen und gebührend begleiten zu können.
Ich bin weiterhin froh, dass ich die Gelegenheit zu dieser abstrusen Story hatte, denn sie macht einfach und immer noch extrem viel Spaß und durch die geringe Seitenzahl kann man sich damit eine nette kurze Unterhaltungsauszeit nehmen. Ich kann es somit erneut nur empfehlen – insbesondere für Leser, die kein Problem mit SF im Stile eine Douglas Adams, etc. haben – und freue mich schon sehr auf die weiteren Episoden, die hoffentlich nicht erneut so lange auf sich warten lassen.
Jürgen Seibold/17.11.2017

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Liu Cixin: Die drei Sonnen

Deutsche Erstausgabe 01/2017
©2006 by Liu Cixin
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31716-1
ca. 592 Seiten

COVER:

China, Ende der 1960er-Jahre: Während im ganzen Land die Kulturrevolution tobt, beginnt eine kleine Gruppe von Astrophysikern, Politkommissaren und Ingenieuren ein streng geheimes Forschungsprojekt. Ihre Aufgabe: Signale ins All zu senden und noch vor allen anderen Nationen Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Fünfzig Jahre später wird diese Vision Wirklichkeit – auf eine so erschreckende, umwälzende und globale Weise, dass dieser Kontakt das Schicksal der Menschheit für immer verändern wird.

REZENSION:

In unserer, eher vom Westen geprägten Welt, ist es doch immer noch recht selten, dass ein Buch eines chinesischen Autors seinen Weg zu uns findet. Ich bin sehr froh, dass es im Falle Liu Cixins dennoch funktioniert hat. Wir müssten sonst einen sehr interessant erzählten Science Fiction Roman missen.
Cixin erschafft in seinem Buch “Die drei Sonnen” einen weit ausholenden Bogen über etwa 50 Jahre. Er spart dabei nichts aus und beginnt fast mit einer historischen Betrachtung der revolutionären Zeit Chinas. Nebenbei entwickelt sich sehr ruhig und langsam der Science-Fiction-Anteil seiner Geschichte. Dieser ist gefüllt mit einer Vielzahl an wissenschaftlichen Erklärungen und einem recht oft auftretenden Plot innerhalb der virtuellen Welt eines Spiels.
Diese beiden Pole wurden mir beinahe zu viel, da ich mir eine gewisse Zeit nicht sicher war, ob ich diesen allumfassenden Wissenschaftsbackground überhaupt benötige (ich verstehe davon das meiste eh nicht…) und ich mich sehr oft fragte, was mir der Autor mit seinen Szenen innerhalb der Spielewelt sagen möchte.
Nach und nach lüftete Cixin das Geheimnis und die Geschichte konnte mich immer stärker überzeugen.
Es gibt eine ausreichende Anzahl an unterschiedlichen Handlungsfäden, die alle auch aus unterschiedlichen Genre kommen könnten.
Die wissenschaftlichen Elemente sind glaubwürdig, manchmal ein wenig zu viel nach meinem Geschmack,  dennoch in dieser Story notwendig, um zur richtigen Richtung zu kommen.
Urplötzlich entwickelt sich eine Bedrohung, deren Auswüchse man mit dem Lesen lediglich dieses Buches noch nicht wirklich erfassen kann. Dafür folgt aber demnächst der zweite Band aus dieser Reihe.
Alles in allem ein sehr interessantes Werk, bei dem ich durch die Vielzahl an für mich nicht verständlichen Wissenschaftsthemen lange überlegte, ob ich es nur gut oder doch sehr gut finden soll.
Nun, ich entscheide mich dafür, dieses Werk als eine außerordentlich gute Bereicherung im SF-Genre zu betrachten und bin trotz einiger für mich unnötiger Seiten froh, es gelesen zu haben.
Ein jedenfalls sehr erfrischendes neues Werk im Genre und ich denke, allein dafür sollte man schon sein Haupt vor dem Autor verneigen.
Jürgen Seibold/27.08.2017
Die drei Sonnen: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Becky Chambers: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Originaltitel: The Long Way to a Small Angry Planet
©2014 by Becky Chambers
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2016, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-403710-3
ca. 390 Seiten (eBook)

COVER:

Willkommen an Bord der Wayfarer!

Becky Chambers hat mit ›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ eine zutiefst optimistische Space Opera geschrieben, die uns den Glauben an die Science Fiction (im Besonderen) und an die Menschheit (im Allgemeinen) zurückgibt.

Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ wurde für zahlreiche Preise nominiert, u.a. für den Kitschies Award, den Baileys Women’s Prize for Fiction und den Arthur C. Clarke Award.

REZENSION:

Bei “Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten” scheinen sich wahrlich die Geister zu scheiden. Betrachtet man die verschiedenen Rezension in den Weiten des Internets, gibt es bei diesem Werk wohl zwei komplett divergierende Strömungen. Es gefällt, oder es gefällt nicht.
Leider ist es in diesem Fall so, dass ich wohl zur zweiten – eher negativ darüber denkenden – Strömung gehöre.
Sicher, das Buch besitzt eine sehr gute Sprache. Außerordentlich eingängig geschrieben und strotzend vor einem unendlichen Ideenreichtum der Autorin. Gleichzeitig in meinen Augen etwas zu leicht geschrieben. Dies könnte aber Absicht sein, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Leserklientel eine sehr große Altersspanne inne haben kann. “Der Weg zu einem kleinen zornigen Planeten” kann somit problemlos sehr junge als auch sehr alte Leser unterhalten.
Meine persönliche Schwierigkeit liegt somit nicht in der schriftstellerischen Ausführung von Becky Chambers. Vielmehr hatte die Story keine besonderen Anhaltspunkte um mich zu begeistern. Spannungselemente bauen sich nicht ausreichend auf, beziehungsweise werden zu schnell abgehakt. Alles lebt sehr harmonisch und gleichmäßig vor sich hin. Die Geschichte plätschert somit fröhlich vor sich hin und kann dadurch mit Sicherheit eine Vielzahl an Lesern überzeugen – mir reicht es jedoch nicht.
Man fühlt sich immer wieder wie in einem Wohlfühlzenario eines öffentlich-rechtlichen Sonntagabendfilms voll Herzschmerz und wunderschönen Landschaften.
Wer sich in solchen Bereichen wohl fühlt, wird von Becky Chambers Werk begeistert sein.
Jürgen Seibold/27.08.2017
Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten – KAUFEN BEI AMAZON

Ian McDonald: Luna

Originaltitel: Luna – New Moon
Aus dem Englischen übersetzt von Friedrich Mader
Deutsche Erstausgabe 01/2017
©2015 Ian McDonald
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31795-6
ca. 512 Seiten

COVER:

Die Zukunft: Der Mond ist den Menschen zu einer zweiten Heimat geworden – trotz der lebensgefährlichen Umweltbedingungen. Doch auf dem Erdtrabanten geschieht nichts, ohne dass die dort ansässigen, rivalisierenden Wirtschaftsgiganten – die sogenannten fünf Drachen – davon erfahren. Einer davon ist die Corta Helio Corporation unter dem Vorsitzder Patriarchin Adriana Corta. Als junge Frau wanderte die Brasilianerin auf den Mond aus, um dort ihr Glück zu machen. Entgegen aller Widerstände kämpfte sie sich in der brutalen Mondgesellschaft nach oben und begründete eines der mächtigsten und reichsten Familienimperien auf dem Mond. Doch dabei hat sie sich eine Menge Feinde gemacht. Feinde, die Adriana und ihren Clan nun zu Fall bringen wollen …

REZENSION:

In LUNA befinden wir uns in der nahen Zukunft – jedoch hauptsächlich auf unserem Erdtrabanten, dem Mond. Dieser wurde aufgrund seiner Rohstoffvorkommen besiedelt und von einigen machthungrigen Gesellschaften nun ausgebeutet. Insgesamt fünf namhafte Familien beherrschen den Trabanten und könnten durch ihre unterschiedlichen Geschäftspraktiken auch ganz einfach nebeneinander agieren und dennoch ausreichend reich werden. Wie auch auf unserem Planeten oft der Fall, besitzen auch diese Familienclans einen sehr starken Machthunger, wodurch sie damit beginnen, den jeweils anderen Clan zu Fall zu bringen.
Ian McDonald beginnt mit seinem Science-Fiction-Roman Luna sehr langsam mit der Einführung seiner nicht gerade wenigen Personen und deren Hintergründe. Hierdurch kann es sehr leicht vorkommen, dass man es als Leser nicht unbedingt bis zum Ende des Buches schafft. Ich hatte mehrmals mit dem Gedanken gespielt, das Buch einfach zur Seite zu legen. Irgendetwas trieb mich dennoch ein wenig an und so gelang es mir, über den erklärenden und sehr lang ausholenden Bereich von etwa 60% des Buches zu kommen. Ab diesem Punkt hat es dann erheblich mehr Freude bereitet, den weiteren Geschehnissen zu folgen.
Das Buch wird beworben als “Game Of Thrones im Weltraum” – ich persönlich würde es eher mit der damaligen 80er-Jahre Serie namens “Dallas” vergleichen. LUNA könnte auch ganz einfach auf unsere Planeten spielen – durch die Verwendung des gut dargelegten Settings auf dem Mond trägt der Autor seine Geschichte aber auf einen weitaus interessanteren Level, denn nur durch Verwendung dieser lebensfeindlichen Welt funktioniert sein Werk und geht nicht unter in der Belanglosigkeit eines weiteren Wirtschaftsthrillers.
Ian McDonald lässt sich wirklich außerordentlich viel Zeit und quält damit ein wenig seinen geneigten Leser. Nichts desto trotz hat er es dennoch geschafft, mich mit einem klassischen Cliffhanger zu überraschen, der wohl dafür sorgt, dass ich mir auch den Folgeband zu Gemüte führen werde.
Alles in allem eigentlich eine recht belanglose und schon oft dagewesene Storyline – dennoch sehr gut ausgeführt und mit einem neuen Setting unterlegt.
Die Familienclans sind irgendwie alle negativ und ausbeuterisch besetzt, trotzdem mag man die eine mehr, die andere weniger.
Schlußendlich muss man es einfach mögen, mit einer sehr ruhigen und langatmigen Erzählweise klar zu kommen. Wenn man sich darauf einlässt, funktioniert LUNA ziemlich gut – ich hoffe aber, dass Ian McDonald im zweiten Band – die Personen kennen wir nun ja – erheblich mehr Gas geben wird. Sollte dies der Fall sein, kann man Buch eins erheblich besser verschmerzen, da es dann als Einführung in eine neue Welt fungiert.
Jürgen Seibold/27.08.2017
Luna: Roman (Luna-Reihe, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Charlie Jane Anders: Alle Vögel unter dem Himmel

Originaltitel: All the Birds in the Sky
©2016 Charlie Jane Anders
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-10-403838-4
ca. 330 Seiten (eBook)

COVER:

›Alle Vögel unter dem Himmel‹ von Charlie Jane Anders ist vieles: ein magischer Science-Fiction-Roman, eine unvergessliche Liebesgeschichte zwischen einer Hexe und einem Nerd – und eine feinsinnige Bestandsaufnahme des modernen Lebens.

Patricia Delfine merkt früh, dass sie eine Hexe ist. Schließlich kann sie mit den Vögeln sprechen – oder konnte es früher zumindest einmal (an jenem warmen Sommertag). Laurence Armstead ist ein Nerd: Schon als Highschool-Schüler erfindet er in seinem Kinderzimmer eine Zeitmaschine, die es ihm erlaubt, zwei Sekunden in die Zukunft zu reisen. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie schnell Freunde.
Gegen Ende der Schulzeit verlieren sie sich aus den Augen, nur um sich einige Jahre später in San Francisco wiederzutreffen: Doch der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Die Welt wird gerade von einer ökologischen Katastrophe heimgesucht: Ganze Regionen versinken im Meer, Flüchtlingsströme durchziehen die Welt. Wissenschaftler wie Hexen suchen nach einem Ausweg, können sich jedoch nicht einigen. Laurence und Patricia finden sich auf unterschiedlichen Seiten der Auseinandersetzung wieder und müssen sich fragen: Wem können wir trauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät, dem Verstand oder dem Gefühl?

REZENSION:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass man hier das Buch definitiv nicht auf Basis des Covers beurteilen kann. Ganz schlicht prangt darauf lediglich der Autorenname sowie der Titel des Buches. Beides platzfüllend und ohne jegliche bildhafte Unterstützung.
Somit lässt sich durch den Umschlag schon einmal nichts über das gedruckte Wort zwischen den Deckeln erahnen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es ein solches Werk auf dem üblichen Büchertisch in einem Laden recht schwer haben könnte. Nichts desto trotz hat es dieses Buch definitiv verdient, von seinem zukünftigen Leser nach Hause genommen zu werden.
Ich greife jedoch vorweg: Ich konnte mir absolut keinen Reim auf den Inhalt machen, wusste lediglich, dass es wohl eine Art Crossover zwischen Fantasy und Science Fiction zu sein scheint. Nun, dies klingt doch allein schon recht vielversprechend und somit siegte meine Neugierde zu Gunsten des ersten umfänglichen Romans von Charlie Jane Anders.
Anfangs war ich dennoch sehr skeptisch, ob ich nun eine für mich Interessante Geschichte oder gar ein Jugend-, wenn nicht sogar ein Kinderbuch in meinen Händen halte. Der Grund liegt am Anfang: Lese ich doch in einer recht einfach gehaltenen Sprache von einem jungen Mädchen, welches plötzlich mit den Vögeln sprechen kann und mit ihnen gemeinsam zu einer Vogelversammlung geht.
Nach und nach steigt jedoch die Story in eine Ebene, die dafür sorgt, dass man einfach nicht mehr davon loskommt. Wir begleiten die beiden Außenseiter durch ihr Leben – eine der Natur verbundene Hexe und ein Wissenschaftsnerd, der sich der technischen Entwicklung verschrieben hat. Beide exzentrische Außenseiter, die von ihren Mitschülern dementsprechend gemobbt werden. Nach und nach entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit allen möglichen Höhen und Tiefen zwischen diesen Beiden. Gleichzeitig sind sie Konkurrenten auf ihrem jeweils eingeschlagenen Weg.
Charlie Jane Anders entwickelt nach und nach recht rasante und dennoch sehr philosophische Geschichte, deren Inhalt einfach als wunderschön zu betrachten ist.

Prinzipiell würde ich jetzt nicht unbedingt von Fantasy vs. Science Fiction sprechen – spielt die Geschichte doch gefühlt in unserer Zeit und die technischen Errungenschaften, die von den Nerds gerade entwickelt werden oder wurden, klingen recht plausibel. Gut, die Fähigkeiten einer Hexe klingen nach Fantasy – aber was soll‘s? Könnte doch ein Quentchen Wahrheit sein…
Alles in allem kann ich dieses Buch jedem wirklich nur ans Herz legen. Es handelt sich darin einfach um eine durchweg gelungene Geschichte, die erfrischend neu wirkt und in der viele Sätze zum Nachdenken anregen. Diese sind dabei so nebenbei eingestreut, dass sie einfach zur Story gehören und dem Leser in kleinster Weise irgendeinen erhobenen Finger vor die Augen halten möchten. Trotzdem könnte man sich sehr gut vorstellen, dass die beiden Bereiche gemeinsam wohl sinnvoller wären – aber darum geht es hier nicht.
Kurzum: Genießt einfach dieses Buch, es lässt einen wirklich auf außerordentlich interessante Art vom Alltag abtauchen. Ein wahrlich perfektes Debüt.
Jürgen Seibold/11.08.2017
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Ernest Cline: Armada – Nur du kannst die Erde retten

Originaltitel: Armada
© 2015 by Dark All Day, Inc.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt
ISBN 978-3-10-490195-4
ca. 320 Seiten (eBook)

COVER:

Zack Lightman ist ein Träumer und Geek. Seine Freizeit verbringt er am liebsten vor dem Computer, und richtig gut ist er nur in ›Armada‹, einem Virtual-Reality-Shooter, in dem eine außerirdische Spezies versucht, die Erde zu erobern. Damit ähnelt sein Leben zahlreicher anderer Gamer. Bis eines Tages ein echtes Alien-Raumschiff über seiner Heimatstadt auftaucht – und aus dem Computerspiel bitterer Ernst wird. Denn als sich die ersten Wellen außerirdischer Raumschiffe ankündigen, sind es allein die Gamer, die ihnen im Drohnenkampf gewachsen sind. Die besten unter ihnen werden von der Earth Defense Alliance angeworben und ausgebildet. Von einer geheimen Operationsbasis auf dem Mond aus führen Zack und seine Freunde einen Krieg, in dem es um das Schicksal der Erde geht.

REZENSION:

Bereits mit „Ready Player One“ zeigte Ernest Cline virtuos seine Leidenschaft für die 80er Jahre und der Welt der Computerspiele. Nun liegt sein neuestes Werk vor und erneut handelt es sich dabei um eine Art Science Fiction Roman, der jedoch gefühlt in unserer Zeit spielt und dabei nebenbei noch mit einer Vielzahl an Reminiszenzen in besagte 80er Jahre aufwartet.
In „Armada“ stellt sich relativ schnell heraus, dass das Zocken am Computer oder jeder beliebigen Konsole doch mehr Sinn zu haben scheint, als man bisher dachte. Handelt es sich dabei doch tatsächlich um einen Test einer geheimen Regierungsorganisation, die auf Basis der Bestenlisten neue, vielversprechende Rekruten ausbildet.
Diese sollen dabei nichts Geringeres vollbringen, als unsere Welt vor eindringenden Aliens zu retten.
Erneut ist die Geschichte von Ernest Cline sehr speziell. Während meiner Meinung nach sein Erstling „Ready Player One“ am Besten bei Lesern seine volle Wirkung entfalten kann, die bewusst die 80er Jahre selbst erlebt hatten, so funktioniert das interessanterweise im vorliegenden Werk mit Sicherheit hauptsächlich und uneingeschränkt bei der computerspielaffinen Klientel. Somit beinahe ein Buch für Nerds, deren Lebensinhalt das Zocken ist.
Nun gut, jetzt möchte ich dem Buch nicht ungerecht werden. Auch ich hielt es für ausreichend interessant, um nicht abspringen zu möchten. Nichts desto trotz erzählt Cline viele Teile seine Geschichte wie einen Plot direkt dem Konsolenbildschirm entsprungen. Manchmal könnte man dabei vergessen, dass einige als Spiel verpackte Sequenzen doch Real sein sollen.
Nichts desto trotz macht das Buch Spaß und sorgt mit der witzigen Darbietung für eine gute Unterhaltung. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dieses Werk ebenfalls eines Tages als Film auf den Kinoleinwänden erscheinen wird. Die Geschichte wirkt bereits innerhalb der beiden Buchdeckel wie eine filmische Darbietung und kommt darüber hinaus mit einem beinahe typischen filmreifen Ende, welches dafür sorgt, dass man sich ein klein wenig Gedanken über die Menschheit im Allgemeinen macht.
Kurzum eine doch interessante, eingängig erzählte und irgendwie recht witzig anmutende SF-Story mit angreifenden Drohnen und einer dezenten Moral inklusive Hintertür – ab und an mit einer etwas leicht hervorsehbaren Entwicklung. Ein schöner Zeitvertreib, dennoch nicht ganz am ideenreichen Niveau von „Ready Player One“.
Jürgen Seibold/09.08.2017
Armada: Nur du kannst die Erde retten – KAUFEN BEI AMAZON

Jeff VanderMeer: Akzeptanz – Southern-Reach-Trilogie III

Originaltitel: Acceptance
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Juli 2017
©2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51806-9
ca. 336 Seiten

COVER:

Es ist Winter, und eine weitere Expedition übertritt die Grenze zu Area X. Auf der Suche nach einem verschollenen Mitglied einer früheren Expedition dringen die Teilnehmer tief ins mysteriöse und fremdartige Gebiet der Area X vor. Während sie sich mit neuen Gefahren konfrontiert sehen, nimmt auch die Bedrohung der Außenwelt immer beängstigendere Ausmaße an. Das Gebiet dehnt sich weiter aus, und die Folgen sind abgrundtief erschreckend.

REZENSION:

Beim ersten Band der Southern-Reach-Trilogie war ich sichtlich irritiert und konnte nur teilweise etwas Gutes dem Werk abringen. Zu sehr spielte der Autor mit unterschiedlichen Erzählweisen und erschwerte einem damit das durchgängige Lesen.
Dem Werk eine Chance geben wollend und insbesondere dem Umstand geschuldet, dass der Autor eine grundsätzliche geniale Idee ausarbeitet und dabei einen virtuosen Schreibstil darlegen konnte, widmete ich mich danach sogleich dem zweiten Band dieser Trilogie. In diesem konnte er mich dann einigermaßen überzeugen, wie meiner damaligen Rezension zu entnehmen ist.
Dementsprechend freute ich mich auf den abschließenden Band und konnte es gar nicht mehr erwarten, alle noch offenen Fragen zu endgültigen Antworten zu führen.
Leider ließ mich dabei der Autor mit meiner Erwartungshaltung gänzlich alleine.
Erneut schreibt er wahrlich hoch anspruchsvoll und lässt einen in die Gedankengänge der beteiligten Personen eintauchen. Nichts desto trotz schwenkt er erneut mit seinem Schreibstil und schon ist man beim Wechsel der Kapitel ab und an irritiert. Darüber könnte man jedoch noch hinwegsehen, da man sich daran in diesem Buch recht schnell gewöhnt. Nichts desto trotz plätschert die Geschichte unaufgeregt vor sich hin. Als Leser befindet man sich lediglich in der Rolle eines übergeordneten Betrachters. Antworten werden dabei keine geliefert. Abermals erfährt man nichts über die Hintergründe, weitere Fragen bleiben ungelöst. Der Autor lässt seinen Leser schlichtweg am langen Arm verhungern.
Dies allein ist bereits sehr irritierend, ist der Autor doch eher in der qualitativ hochwertigen Literatur angesiedelt. Somit ein hochwertiger Roman ohne jegliche Rücksicht auf Verluste.
Es wird sicherlich manch einen geben, der diesem Gesamtwerk etwas abgewinnen kann – in meinen Augen fehlt jedoch zu viel. Insbesondere bei einem sehr phantastisch angehauchten Werk kann man normalerweise problemlos ein geeignetes Ende aufwarten – egal wie phantastisch es anmuten würde.
Als Film, der einer anderen Gesetzmäßigkeit folgen muss, könnte die Geschichte trotzdem gut funktionieren – in seiner Darbietung als geschriebenes Wort hat es bei mir leider nicht geklappt.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Akzeptanz 3 Southern-Reach-Trilogie: Roman – KAUFEN BEI AMAZON