Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017

 

Kiki Blu (Daniela Rohr): SelbstzerstörungsaktiVIERung (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 4)

© 2017 Daniele Rohr
www.danielarohr.de

COVER:

Kein Sprit, kein Kaffee und keine Rettung in Sicht. Auf halber Strecke zum nächsten Ziel geht der Titanicus der Saft aus und die provisorische Crew – bestehend aus Kiki, Max und Pieh – muss improvisieren, um nicht wochenlang durchs All zu driften.

Ein abenteuerlicher Plan zur Selbsthilfe ist schnell gefasst. Alles, was es dazu braucht, sind eine selbstmörderische Außenmission und die Bereitschaft, reihenweise Gesetze zu brechen. Ein bisschen Sachverstand, Erfahrung und Besonnenheit wären mindestens genauso wichtig, doch Kiki und ihre Gefährten müssen sich wohl einfach auf ihr Glück verlassen.

REZENSION:

Im August letzten Jahres schrieb ich eine Rezension zur dritten Folge der geplant 11 Folgen andauernden Odyssee Kiki Blus. So langsam konnte ich gar nicht mehr wirklich daran glauben, dass diese schräge und überaus witzige Reise weiter fortgesetzt wird. Viel zu oft gibt es Autoren, denen urplötzlich die Luft ausgeht.
Nun hatte das Warten jedoch glücklicherweise ein Ende und ich konnte mich weiteren 100 Seiten dieser bisher unglaublichen und witzigen Reise widmen.
Kiki Blu ist dabei weiterhin auf der Suche nach ihrem One-Night-Stand des ersten Bandes. Dieser hatte – ihrer Meinung nach – rotzfrech ihren Vibrator mitgehen lassen. Nun befindet sie sich auf der Jagd nach ihm. Klar, dass sich hier wohl eher eine versteckte Liebe befindet, denn es wäre sicherlich einfacher, einen neuen Vibrator zu kaufen, als sich den Mühen und Kosten einer Weltraumodyssee anzunehmen.
Aber das ist ja genau das Prinzip dieser Reihe: Hier ist einfach nichts normal. Kiki Blu ist somit auf dem Weg durch die unendlichen Weiten des Weltraums, trifft diesmal sogar kurz auf ihren One-Night-Stand.
Nebenbei geht ihnen der Sprit aus und sie macht sich auf die Suche nach einem Ersatz auf einem fremden und nicht erschlossenen Planeten. Hier gibt es sogleich das ein oder andere Malheur und ihr Leben befindet sich nur noch auf sehr dünnem Eis. Kiki wäre aber nicht Kiki, wenn sie dafür nicht eine Lösung finden würde…
Erneut handelt es sich natürlich bei den etwa 100 Seiten nur um ein weiteres Häppchen im Kosmos um Kiki Blu – dennoch hat sich die Wartezeit definitiv gelohnt! Konnten mich die ersten drei Teile bereits sehr gut unterhalten und überzeugen, scheint dies mit dem vierten noch erheblich besser funktioniert zu haben. Erneut konnte ich mir manch Schmunzeln nicht mehr aus dem Gesicht entfernen und weiterhin macht es einfach irre viel Spaß, diesen Trip als Leser zu begleiten.
Selbstzerstörungsaktivierung ist erneut voller schräger Typen, einem enormen Witz und diesmal eine sehr eingängige und in sich geschlossene Handlung. Dadurch wirkt Teil 4 etwas besser konstruiert als die Vorgänger. Dennoch sind diese weiterhin notwendig, um den gesamten Kosmos zu verstehen und gebührend begleiten zu können.
Ich bin weiterhin froh, dass ich die Gelegenheit zu dieser abstrusen Story hatte, denn sie macht einfach und immer noch extrem viel Spaß und durch die geringe Seitenzahl kann man sich damit eine nette kurze Unterhaltungsauszeit nehmen. Ich kann es somit erneut nur empfehlen – insbesondere für Leser, die kein Problem mit SF im Stile eine Douglas Adams, etc. haben – und freue mich schon sehr auf die weiteren Episoden, die hoffentlich nicht erneut so lange auf sich warten lassen.
Jürgen Seibold/17.11.2017

Selbstzerstörungsaktivierung (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 4) – KAUFEN BEI AMAZON

Liu Cixin: Die drei Sonnen

Deutsche Erstausgabe 01/2017
©2006 by Liu Cixin
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31716-1
ca. 592 Seiten

COVER:

China, Ende der 1960er-Jahre: Während im ganzen Land die Kulturrevolution tobt, beginnt eine kleine Gruppe von Astrophysikern, Politkommissaren und Ingenieuren ein streng geheimes Forschungsprojekt. Ihre Aufgabe: Signale ins All zu senden und noch vor allen anderen Nationen Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Fünfzig Jahre später wird diese Vision Wirklichkeit – auf eine so erschreckende, umwälzende und globale Weise, dass dieser Kontakt das Schicksal der Menschheit für immer verändern wird.

REZENSION:

In unserer, eher vom Westen geprägten Welt, ist es doch immer noch recht selten, dass ein Buch eines chinesischen Autors seinen Weg zu uns findet. Ich bin sehr froh, dass es im Falle Liu Cixins dennoch funktioniert hat. Wir müssten sonst einen sehr interessant erzählten Science Fiction Roman missen.
Cixin erschafft in seinem Buch “Die drei Sonnen” einen weit ausholenden Bogen über etwa 50 Jahre. Er spart dabei nichts aus und beginnt fast mit einer historischen Betrachtung der revolutionären Zeit Chinas. Nebenbei entwickelt sich sehr ruhig und langsam der Science-Fiction-Anteil seiner Geschichte. Dieser ist gefüllt mit einer Vielzahl an wissenschaftlichen Erklärungen und einem recht oft auftretenden Plot innerhalb der virtuellen Welt eines Spiels.
Diese beiden Pole wurden mir beinahe zu viel, da ich mir eine gewisse Zeit nicht sicher war, ob ich diesen allumfassenden Wissenschaftsbackground überhaupt benötige (ich verstehe davon das meiste eh nicht…) und ich mich sehr oft fragte, was mir der Autor mit seinen Szenen innerhalb der Spielewelt sagen möchte.
Nach und nach lüftete Cixin das Geheimnis und die Geschichte konnte mich immer stärker überzeugen.
Es gibt eine ausreichende Anzahl an unterschiedlichen Handlungsfäden, die alle auch aus unterschiedlichen Genre kommen könnten.
Die wissenschaftlichen Elemente sind glaubwürdig, manchmal ein wenig zu viel nach meinem Geschmack,  dennoch in dieser Story notwendig, um zur richtigen Richtung zu kommen.
Urplötzlich entwickelt sich eine Bedrohung, deren Auswüchse man mit dem Lesen lediglich dieses Buches noch nicht wirklich erfassen kann. Dafür folgt aber demnächst der zweite Band aus dieser Reihe.
Alles in allem ein sehr interessantes Werk, bei dem ich durch die Vielzahl an für mich nicht verständlichen Wissenschaftsthemen lange überlegte, ob ich es nur gut oder doch sehr gut finden soll.
Nun, ich entscheide mich dafür, dieses Werk als eine außerordentlich gute Bereicherung im SF-Genre zu betrachten und bin trotz einiger für mich unnötiger Seiten froh, es gelesen zu haben.
Ein jedenfalls sehr erfrischendes neues Werk im Genre und ich denke, allein dafür sollte man schon sein Haupt vor dem Autor verneigen.
Jürgen Seibold/27.08.2017
Die drei Sonnen: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Becky Chambers: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Originaltitel: The Long Way to a Small Angry Planet
©2014 by Becky Chambers
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2016, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-403710-3
ca. 390 Seiten (eBook)

COVER:

Willkommen an Bord der Wayfarer!

Becky Chambers hat mit ›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ eine zutiefst optimistische Space Opera geschrieben, die uns den Glauben an die Science Fiction (im Besonderen) und an die Menschheit (im Allgemeinen) zurückgibt.

Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

›Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten‹ wurde für zahlreiche Preise nominiert, u.a. für den Kitschies Award, den Baileys Women’s Prize for Fiction und den Arthur C. Clarke Award.

REZENSION:

Bei “Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten” scheinen sich wahrlich die Geister zu scheiden. Betrachtet man die verschiedenen Rezension in den Weiten des Internets, gibt es bei diesem Werk wohl zwei komplett divergierende Strömungen. Es gefällt, oder es gefällt nicht.
Leider ist es in diesem Fall so, dass ich wohl zur zweiten – eher negativ darüber denkenden – Strömung gehöre.
Sicher, das Buch besitzt eine sehr gute Sprache. Außerordentlich eingängig geschrieben und strotzend vor einem unendlichen Ideenreichtum der Autorin. Gleichzeitig in meinen Augen etwas zu leicht geschrieben. Dies könnte aber Absicht sein, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Leserklientel eine sehr große Altersspanne inne haben kann. “Der Weg zu einem kleinen zornigen Planeten” kann somit problemlos sehr junge als auch sehr alte Leser unterhalten.
Meine persönliche Schwierigkeit liegt somit nicht in der schriftstellerischen Ausführung von Becky Chambers. Vielmehr hatte die Story keine besonderen Anhaltspunkte um mich zu begeistern. Spannungselemente bauen sich nicht ausreichend auf, beziehungsweise werden zu schnell abgehakt. Alles lebt sehr harmonisch und gleichmäßig vor sich hin. Die Geschichte plätschert somit fröhlich vor sich hin und kann dadurch mit Sicherheit eine Vielzahl an Lesern überzeugen – mir reicht es jedoch nicht.
Man fühlt sich immer wieder wie in einem Wohlfühlzenario eines öffentlich-rechtlichen Sonntagabendfilms voll Herzschmerz und wunderschönen Landschaften.
Wer sich in solchen Bereichen wohl fühlt, wird von Becky Chambers Werk begeistert sein.
Jürgen Seibold/27.08.2017
Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten – KAUFEN BEI AMAZON

Ian McDonald: Luna

Originaltitel: Luna – New Moon
Aus dem Englischen übersetzt von Friedrich Mader
Deutsche Erstausgabe 01/2017
©2015 Ian McDonald
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31795-6
ca. 512 Seiten

COVER:

Die Zukunft: Der Mond ist den Menschen zu einer zweiten Heimat geworden – trotz der lebensgefährlichen Umweltbedingungen. Doch auf dem Erdtrabanten geschieht nichts, ohne dass die dort ansässigen, rivalisierenden Wirtschaftsgiganten – die sogenannten fünf Drachen – davon erfahren. Einer davon ist die Corta Helio Corporation unter dem Vorsitzder Patriarchin Adriana Corta. Als junge Frau wanderte die Brasilianerin auf den Mond aus, um dort ihr Glück zu machen. Entgegen aller Widerstände kämpfte sie sich in der brutalen Mondgesellschaft nach oben und begründete eines der mächtigsten und reichsten Familienimperien auf dem Mond. Doch dabei hat sie sich eine Menge Feinde gemacht. Feinde, die Adriana und ihren Clan nun zu Fall bringen wollen …

REZENSION:

In LUNA befinden wir uns in der nahen Zukunft – jedoch hauptsächlich auf unserem Erdtrabanten, dem Mond. Dieser wurde aufgrund seiner Rohstoffvorkommen besiedelt und von einigen machthungrigen Gesellschaften nun ausgebeutet. Insgesamt fünf namhafte Familien beherrschen den Trabanten und könnten durch ihre unterschiedlichen Geschäftspraktiken auch ganz einfach nebeneinander agieren und dennoch ausreichend reich werden. Wie auch auf unserem Planeten oft der Fall, besitzen auch diese Familienclans einen sehr starken Machthunger, wodurch sie damit beginnen, den jeweils anderen Clan zu Fall zu bringen.
Ian McDonald beginnt mit seinem Science-Fiction-Roman Luna sehr langsam mit der Einführung seiner nicht gerade wenigen Personen und deren Hintergründe. Hierdurch kann es sehr leicht vorkommen, dass man es als Leser nicht unbedingt bis zum Ende des Buches schafft. Ich hatte mehrmals mit dem Gedanken gespielt, das Buch einfach zur Seite zu legen. Irgendetwas trieb mich dennoch ein wenig an und so gelang es mir, über den erklärenden und sehr lang ausholenden Bereich von etwa 60% des Buches zu kommen. Ab diesem Punkt hat es dann erheblich mehr Freude bereitet, den weiteren Geschehnissen zu folgen.
Das Buch wird beworben als “Game Of Thrones im Weltraum” – ich persönlich würde es eher mit der damaligen 80er-Jahre Serie namens “Dallas” vergleichen. LUNA könnte auch ganz einfach auf unsere Planeten spielen – durch die Verwendung des gut dargelegten Settings auf dem Mond trägt der Autor seine Geschichte aber auf einen weitaus interessanteren Level, denn nur durch Verwendung dieser lebensfeindlichen Welt funktioniert sein Werk und geht nicht unter in der Belanglosigkeit eines weiteren Wirtschaftsthrillers.
Ian McDonald lässt sich wirklich außerordentlich viel Zeit und quält damit ein wenig seinen geneigten Leser. Nichts desto trotz hat er es dennoch geschafft, mich mit einem klassischen Cliffhanger zu überraschen, der wohl dafür sorgt, dass ich mir auch den Folgeband zu Gemüte führen werde.
Alles in allem eigentlich eine recht belanglose und schon oft dagewesene Storyline – dennoch sehr gut ausgeführt und mit einem neuen Setting unterlegt.
Die Familienclans sind irgendwie alle negativ und ausbeuterisch besetzt, trotzdem mag man die eine mehr, die andere weniger.
Schlußendlich muss man es einfach mögen, mit einer sehr ruhigen und langatmigen Erzählweise klar zu kommen. Wenn man sich darauf einlässt, funktioniert LUNA ziemlich gut – ich hoffe aber, dass Ian McDonald im zweiten Band – die Personen kennen wir nun ja – erheblich mehr Gas geben wird. Sollte dies der Fall sein, kann man Buch eins erheblich besser verschmerzen, da es dann als Einführung in eine neue Welt fungiert.
Jürgen Seibold/27.08.2017
Luna: Roman (Luna-Reihe, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Charlie Jane Anders: Alle Vögel unter dem Himmel

Originaltitel: All the Birds in the Sky
©2016 Charlie Jane Anders
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-10-403838-4
ca. 330 Seiten (eBook)

COVER:

›Alle Vögel unter dem Himmel‹ von Charlie Jane Anders ist vieles: ein magischer Science-Fiction-Roman, eine unvergessliche Liebesgeschichte zwischen einer Hexe und einem Nerd – und eine feinsinnige Bestandsaufnahme des modernen Lebens.

Patricia Delfine merkt früh, dass sie eine Hexe ist. Schließlich kann sie mit den Vögeln sprechen – oder konnte es früher zumindest einmal (an jenem warmen Sommertag). Laurence Armstead ist ein Nerd: Schon als Highschool-Schüler erfindet er in seinem Kinderzimmer eine Zeitmaschine, die es ihm erlaubt, zwei Sekunden in die Zukunft zu reisen. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie schnell Freunde.
Gegen Ende der Schulzeit verlieren sie sich aus den Augen, nur um sich einige Jahre später in San Francisco wiederzutreffen: Doch der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Die Welt wird gerade von einer ökologischen Katastrophe heimgesucht: Ganze Regionen versinken im Meer, Flüchtlingsströme durchziehen die Welt. Wissenschaftler wie Hexen suchen nach einem Ausweg, können sich jedoch nicht einigen. Laurence und Patricia finden sich auf unterschiedlichen Seiten der Auseinandersetzung wieder und müssen sich fragen: Wem können wir trauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät, dem Verstand oder dem Gefühl?

REZENSION:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass man hier das Buch definitiv nicht auf Basis des Covers beurteilen kann. Ganz schlicht prangt darauf lediglich der Autorenname sowie der Titel des Buches. Beides platzfüllend und ohne jegliche bildhafte Unterstützung.
Somit lässt sich durch den Umschlag schon einmal nichts über das gedruckte Wort zwischen den Deckeln erahnen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es ein solches Werk auf dem üblichen Büchertisch in einem Laden recht schwer haben könnte. Nichts desto trotz hat es dieses Buch definitiv verdient, von seinem zukünftigen Leser nach Hause genommen zu werden.
Ich greife jedoch vorweg: Ich konnte mir absolut keinen Reim auf den Inhalt machen, wusste lediglich, dass es wohl eine Art Crossover zwischen Fantasy und Science Fiction zu sein scheint. Nun, dies klingt doch allein schon recht vielversprechend und somit siegte meine Neugierde zu Gunsten des ersten umfänglichen Romans von Charlie Jane Anders.
Anfangs war ich dennoch sehr skeptisch, ob ich nun eine für mich Interessante Geschichte oder gar ein Jugend-, wenn nicht sogar ein Kinderbuch in meinen Händen halte. Der Grund liegt am Anfang: Lese ich doch in einer recht einfach gehaltenen Sprache von einem jungen Mädchen, welches plötzlich mit den Vögeln sprechen kann und mit ihnen gemeinsam zu einer Vogelversammlung geht.
Nach und nach steigt jedoch die Story in eine Ebene, die dafür sorgt, dass man einfach nicht mehr davon loskommt. Wir begleiten die beiden Außenseiter durch ihr Leben – eine der Natur verbundene Hexe und ein Wissenschaftsnerd, der sich der technischen Entwicklung verschrieben hat. Beide exzentrische Außenseiter, die von ihren Mitschülern dementsprechend gemobbt werden. Nach und nach entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit allen möglichen Höhen und Tiefen zwischen diesen Beiden. Gleichzeitig sind sie Konkurrenten auf ihrem jeweils eingeschlagenen Weg.
Charlie Jane Anders entwickelt nach und nach recht rasante und dennoch sehr philosophische Geschichte, deren Inhalt einfach als wunderschön zu betrachten ist.

Prinzipiell würde ich jetzt nicht unbedingt von Fantasy vs. Science Fiction sprechen – spielt die Geschichte doch gefühlt in unserer Zeit und die technischen Errungenschaften, die von den Nerds gerade entwickelt werden oder wurden, klingen recht plausibel. Gut, die Fähigkeiten einer Hexe klingen nach Fantasy – aber was soll‘s? Könnte doch ein Quentchen Wahrheit sein…
Alles in allem kann ich dieses Buch jedem wirklich nur ans Herz legen. Es handelt sich darin einfach um eine durchweg gelungene Geschichte, die erfrischend neu wirkt und in der viele Sätze zum Nachdenken anregen. Diese sind dabei so nebenbei eingestreut, dass sie einfach zur Story gehören und dem Leser in kleinster Weise irgendeinen erhobenen Finger vor die Augen halten möchten. Trotzdem könnte man sich sehr gut vorstellen, dass die beiden Bereiche gemeinsam wohl sinnvoller wären – aber darum geht es hier nicht.
Kurzum: Genießt einfach dieses Buch, es lässt einen wirklich auf außerordentlich interessante Art vom Alltag abtauchen. Ein wahrlich perfektes Debüt.
Jürgen Seibold/11.08.2017
Alle Vögel unter dem Himmel – KAUFEN BEI AMAZON

Ernest Cline: Armada – Nur du kannst die Erde retten

Originaltitel: Armada
© 2015 by Dark All Day, Inc.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt
ISBN 978-3-10-490195-4
ca. 320 Seiten (eBook)

COVER:

Zack Lightman ist ein Träumer und Geek. Seine Freizeit verbringt er am liebsten vor dem Computer, und richtig gut ist er nur in ›Armada‹, einem Virtual-Reality-Shooter, in dem eine außerirdische Spezies versucht, die Erde zu erobern. Damit ähnelt sein Leben zahlreicher anderer Gamer. Bis eines Tages ein echtes Alien-Raumschiff über seiner Heimatstadt auftaucht – und aus dem Computerspiel bitterer Ernst wird. Denn als sich die ersten Wellen außerirdischer Raumschiffe ankündigen, sind es allein die Gamer, die ihnen im Drohnenkampf gewachsen sind. Die besten unter ihnen werden von der Earth Defense Alliance angeworben und ausgebildet. Von einer geheimen Operationsbasis auf dem Mond aus führen Zack und seine Freunde einen Krieg, in dem es um das Schicksal der Erde geht.

REZENSION:

Bereits mit „Ready Player One“ zeigte Ernest Cline virtuos seine Leidenschaft für die 80er Jahre und der Welt der Computerspiele. Nun liegt sein neuestes Werk vor und erneut handelt es sich dabei um eine Art Science Fiction Roman, der jedoch gefühlt in unserer Zeit spielt und dabei nebenbei noch mit einer Vielzahl an Reminiszenzen in besagte 80er Jahre aufwartet.
In „Armada“ stellt sich relativ schnell heraus, dass das Zocken am Computer oder jeder beliebigen Konsole doch mehr Sinn zu haben scheint, als man bisher dachte. Handelt es sich dabei doch tatsächlich um einen Test einer geheimen Regierungsorganisation, die auf Basis der Bestenlisten neue, vielversprechende Rekruten ausbildet.
Diese sollen dabei nichts Geringeres vollbringen, als unsere Welt vor eindringenden Aliens zu retten.
Erneut ist die Geschichte von Ernest Cline sehr speziell. Während meiner Meinung nach sein Erstling „Ready Player One“ am Besten bei Lesern seine volle Wirkung entfalten kann, die bewusst die 80er Jahre selbst erlebt hatten, so funktioniert das interessanterweise im vorliegenden Werk mit Sicherheit hauptsächlich und uneingeschränkt bei der computerspielaffinen Klientel. Somit beinahe ein Buch für Nerds, deren Lebensinhalt das Zocken ist.
Nun gut, jetzt möchte ich dem Buch nicht ungerecht werden. Auch ich hielt es für ausreichend interessant, um nicht abspringen zu möchten. Nichts desto trotz erzählt Cline viele Teile seine Geschichte wie einen Plot direkt dem Konsolenbildschirm entsprungen. Manchmal könnte man dabei vergessen, dass einige als Spiel verpackte Sequenzen doch Real sein sollen.
Nichts desto trotz macht das Buch Spaß und sorgt mit der witzigen Darbietung für eine gute Unterhaltung. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dieses Werk ebenfalls eines Tages als Film auf den Kinoleinwänden erscheinen wird. Die Geschichte wirkt bereits innerhalb der beiden Buchdeckel wie eine filmische Darbietung und kommt darüber hinaus mit einem beinahe typischen filmreifen Ende, welches dafür sorgt, dass man sich ein klein wenig Gedanken über die Menschheit im Allgemeinen macht.
Kurzum eine doch interessante, eingängig erzählte und irgendwie recht witzig anmutende SF-Story mit angreifenden Drohnen und einer dezenten Moral inklusive Hintertür – ab und an mit einer etwas leicht hervorsehbaren Entwicklung. Ein schöner Zeitvertreib, dennoch nicht ganz am ideenreichen Niveau von „Ready Player One“.
Jürgen Seibold/09.08.2017
Armada: Nur du kannst die Erde retten – KAUFEN BEI AMAZON

Jeff VanderMeer: Akzeptanz – Southern-Reach-Trilogie III

Originaltitel: Acceptance
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Juli 2017
©2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51806-9
ca. 336 Seiten

COVER:

Es ist Winter, und eine weitere Expedition übertritt die Grenze zu Area X. Auf der Suche nach einem verschollenen Mitglied einer früheren Expedition dringen die Teilnehmer tief ins mysteriöse und fremdartige Gebiet der Area X vor. Während sie sich mit neuen Gefahren konfrontiert sehen, nimmt auch die Bedrohung der Außenwelt immer beängstigendere Ausmaße an. Das Gebiet dehnt sich weiter aus, und die Folgen sind abgrundtief erschreckend.

REZENSION:

Beim ersten Band der Southern-Reach-Trilogie war ich sichtlich irritiert und konnte nur teilweise etwas Gutes dem Werk abringen. Zu sehr spielte der Autor mit unterschiedlichen Erzählweisen und erschwerte einem damit das durchgängige Lesen.
Dem Werk eine Chance geben wollend und insbesondere dem Umstand geschuldet, dass der Autor eine grundsätzliche geniale Idee ausarbeitet und dabei einen virtuosen Schreibstil darlegen konnte, widmete ich mich danach sogleich dem zweiten Band dieser Trilogie. In diesem konnte er mich dann einigermaßen überzeugen, wie meiner damaligen Rezension zu entnehmen ist.
Dementsprechend freute ich mich auf den abschließenden Band und konnte es gar nicht mehr erwarten, alle noch offenen Fragen zu endgültigen Antworten zu führen.
Leider ließ mich dabei der Autor mit meiner Erwartungshaltung gänzlich alleine.
Erneut schreibt er wahrlich hoch anspruchsvoll und lässt einen in die Gedankengänge der beteiligten Personen eintauchen. Nichts desto trotz schwenkt er erneut mit seinem Schreibstil und schon ist man beim Wechsel der Kapitel ab und an irritiert. Darüber könnte man jedoch noch hinwegsehen, da man sich daran in diesem Buch recht schnell gewöhnt. Nichts desto trotz plätschert die Geschichte unaufgeregt vor sich hin. Als Leser befindet man sich lediglich in der Rolle eines übergeordneten Betrachters. Antworten werden dabei keine geliefert. Abermals erfährt man nichts über die Hintergründe, weitere Fragen bleiben ungelöst. Der Autor lässt seinen Leser schlichtweg am langen Arm verhungern.
Dies allein ist bereits sehr irritierend, ist der Autor doch eher in der qualitativ hochwertigen Literatur angesiedelt. Somit ein hochwertiger Roman ohne jegliche Rücksicht auf Verluste.
Es wird sicherlich manch einen geben, der diesem Gesamtwerk etwas abgewinnen kann – in meinen Augen fehlt jedoch zu viel. Insbesondere bei einem sehr phantastisch angehauchten Werk kann man normalerweise problemlos ein geeignetes Ende aufwarten – egal wie phantastisch es anmuten würde.
Als Film, der einer anderen Gesetzmäßigkeit folgen muss, könnte die Geschichte trotzdem gut funktionieren – in seiner Darbietung als geschriebenes Wort hat es bei mir leider nicht geklappt.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Akzeptanz 3 Southern-Reach-Trilogie: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Frank Herbert: Der Herr des Wüstenplaneten

Originaltitel: Dune Messiah
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm und Ronald M. Hahn
Vorliegendes Buch: Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1995
© der Originalausgabe by Frank Herbert
© der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 254 Seiten

COVER:

Paul Atreides, ein Zuchtprodukt der uralten Sekte der Bene Gesserit, Sohn des ermordeten Herzogs Leto Atreides, ist in den extrem menschenfeindlichen Wüsten von Arrakis aufgewachsen. Er ist in die Schule der Fremen gegangen, der Reiter der Shai-Hulud, der gigantischen Sandwürmer des Wüstenplaneten. Sie haben ihn als Anführer erkoren und folgen ihm bedingungslos. Er ist der lang erwartete Prophet, und er ist ein Seher.
Als Mahdi führt er die Fremen in den Djihad, den Heiligen Krieg, und er fegt wie ein Sturmwind durch die Galaxis. In einem Siegeszug ohnegleichen pflanz er sein Banner auf alle von Menschen besiedelten Planeten und errichtet sein neues Imperium. Doch seine Machtfülle ruft Neider und Gegner auf den Plan, die unermüdlich auf Mittel sinnen, diese Herrschaft zu brechen.

REZENSION:

Nach dem unvermeidlichen Ende des fulminanten ersten Bandes im Zyklus des Wüstenplaneten, kann man nicht wirklich anders, als einmal kurz durch zu schnaufen, Band 1 zur Seite zu legen und noch in der gleichen Bewegung befindlich Band 2 zu ergreifen und vor den Augen zu platzieren.
Band 2 des Wüstenplaneten-Epos trägt den Titel “Der Herr des Wüstenplaneten” und spielt etwa 12 Jahre nach dem Ende des ersten Bandes.
Paul Atreides konnte dadurch zu einem jungen Mann heranwachsen und unwahrscheinlich viel bei den Fremen an Kenntnissen erlangen. Durch seine besonderen – dem Gewürz geschuldeten – Kräfte war es für ihn wohl eher ein leichtes, die Herrschaft über die Fremen zu erlangen und im Laufe der Jahre seinen Wirkungskreis in die gesamte Galaxie zu entfalten.
Dies ruft selbstverständlich eine Vielzahl an konkurrierenden Kräften auf, die ihre eigene Macht beziehungsweise ihren eigenen Status in Gefahr sehen. Die Verschwörungen nehmen rasant zu, die Angriffsplanungen gegenüber dem Alleinherrscher ebenfalls.
Im Gegensatz zu “Der Wüstenplanet” öffnet sich die recht kurz gehaltene Episode nicht ausreichend genug vor seinem Leser. Sicherlich lässt es sich weiterhin sehr eingängig lesen und wenn man nicht allzu viel Zeit zwischen dem Genuß von Buch 1 und diesem vergehen ließ, dann befindet man sich auch noch mitten in der Geschichte um Paul Atreides. Nichts desto trotz schafft es “Der Herr des Wüstenplaneten” nicht mal ansatzweise, den allumfassenden Flair seines Vorgängers zu erreichen. Diese Meinung zeigte sich nun auch beim zweiten Lesen dieses Werkes – dazwischen befanden sich sagenhafte 22 Jahre Abstand. Manchmal scheinet sich wohl an einer persönlichen Meinung nichts zu ändern.
“Der Herr des Wüstenplaneten” macht trotzdem ein wenig Spaß beim Lesen. Es ist aber gleichzeitig auch eine Abhandlung der unterschiedlichen Intrigen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man die Umstände und Umgebung des Paul Atreides bereits kennenlernen durfte und er nun auch eher einem Übermenschen gleicht, als dem noch viel lernen zu müssenden, jungen Burschen. Somit verschwinden die Aha-Effekte und man folgt lediglich den tiefen und philosophisch stark angehauchten Dialogen – schlußendlich ist man erfreut, wenn die 250 Seiten erreicht wurden und man das Buch zur Seite legen kann.
Dies klingt jetzt böser als es sein soll. Beim Wüstenplaneten ist es aber auch ein recht schwieriges Terrain und ich denke, Neulinge sollten einfach den ersten Band als Einzelbuch betrachten, diesen genießen, für gut behalten und als fertig abhaken. Will man natürlich weiter in die Herbertsche Welt um den Wüstenplaneten eintauchen, bleibt einem natürlich nichts anderes übrig, als die Folgebände zu erforschen. Ich jedenfalls bin dabei ein wenig beruhigt, da ich mich noch vage daran erinnern kann, dass lediglich das dünne zweite Buch die Talfahrt einläutete. Die nächsten – sofern ich meiner Erinnerung glauben kann – bringen einen wieder in höhere Gelage.
Dummerweise kann es einem passieren, dass man nach Buch 2 eine kurze Wüstenplanet-Pause einlegt – mir ging es zumindest so, nichts desto trotz liegen die anderen vier zumindest schon bereit.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Der Herr des Wüstenplaneten: Roman (Der Wüstenplanet, Band 2)

Frank Herbert: Der Wüstenplanet

Originaltitel: DUNE
Deutsche Übersetzung von Ronald M. Hahn
Vorliegendes Buch: Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1995
© der Originalausgabe by Frank Herbert
© der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 700 Seiten

COVER:

Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Fremen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad’dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

REZENSION:

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass man den Buchtitel “Der Wüstenplanet” in den allgemeinen Sprachgebrauch übernehmen kann – ich glaube nämlich, dass es sicher nur wenige Menschen gibt, die mit diesem Begriff nichts anfangen können. Selbst “Nicht-Leser” wissen zumindest rudimentär, um was es sich beim Wüstenplaneten handelt.
Der namensgebende erste Band des Zyklus ist nach meinem Kenntnisstand in vollständiger Ausstattung erst seit 1978 auf dem deutschen Markt erhältlich. Ich selbst hatte es zuerst Mitte der 90er Jahre komplett gelesen.
Vor kurzem stöberte ich durch mein Bücherregal und schon entdeckte ich mich blätternd in den sechs Bänden des Wüstenplaneten. In Erinnerungen schwelgend entschied ich mich zu einem neuen Versuch, um dabei herauszubekommen, ob dieses Werk auch 22 Jahre nach dem ersten Genuß weiterhin noch funktioniert.
Wie sich dabei herausstellte: “Der Wüstenplanet” ist nicht umsonst ein Klassiker der Weltliteratur geworden. Man ist erneut in den Tiefen dieses heißen Planeten gefangen und man kann es fast nicht erwarten, bis der erste Wurm auftaucht.
Die Intrigen und religiösen Zusammenhänge konnten sich durch mein gesteigertes Alter sogar noch etwas stärker entfalten und man findet dabei sehr viele noch gültige Prozesse im Bezug auf die heutige Realität.
Der Schreibstil ist umfangreich und ausschweifend. Das Buch lebt sehr stark von seinen Dialogen und ist gleichzeitig ein Spiegelbild zu unserer Realität. Science-Fiction-Elemente sind eher nebensächlich – außer, dass wir uns in einer fernen Zukunft auf einem fernen Planeten befinden – wodurch das Buch absolut von jedem gerne Lesenden in die Hand genommen werden kann.
Prinzipiell würde es auch reichen, den ersten Band dieses Zyklus zu lesen – abgeschlossen genug ist er und wenn ich mich noch richtig daran erinnern kann, kommen einige der Folgebände auch nicht mehr ansatzweise an die Qualität des Erstlings heran.
Schlußendlich bleibt “Der Wüstenplanet” von Frank Herbert ein richtungsweisendes Werk.
Durch Rezensionen über die neu übersetzten Ausgaben habe ich erfahren, dass wohl die Qualität des Textes etwas gelitten hat. Dies kann ich durch die erneute Verwendung meines schon sehr alten Buches natürlich nicht nachvollziehen und somit weiße ich hiermit nur kurz darauf hin, dass meine Ausgabe von 1995 ist und zwar einer anderen Rechtschreibung folgt, aber durch und durch hochwertig und angenehm zu lesen ist. Sollte bei diesem Klassiker übersetzungstechnisch etwas geändert worden sein, wäre ich erneut verwundert, warum man sich bei einem Klassiker die Mühe macht, ihn in die heutige Sprache zu transferieren – aber dies hat jetzt nichts mit dieser Rezi zu tun.
Kurzum: DER WÜSTENPLANET funktioniert auch 22 Jahre später erneut und bleibt weiterhin eines der besten und wegweisendsten Werke dieses Genres.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Der Wüstenplanet. Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Andreas Brandhorst: Das Arkonadia-Rätsel

©2017 Piper Verlag GmbH, München/Berlin
ISBN 978-3-492-70426-7
ca. 536 Seiten

COVER:

Omni ist ein mächtiger, uralter Bund, in dem sich die herrschenden Völker der Milchstraße zusammengeschlossen haben. Jasper und seine Tochter Jasmin gehören zu den wenigen Auserwählten, die in den Diensten Omnis stehen. Ihr Auftrag führt sie zu dem fernen Planeten Arkonadia. Seit Jahrtausenden stranden dort wieder und wieder Raumschiffe unter dem Einfluss einer unerklärlichen Raumzeit-Anomalie. Zudem bewirkt das geheimnisvolle Nerox, das alle 453 Jahre auftritt, technologischen Stillstand. Niemand kennt den Ursprung des Phänomens. Jasper und Jasmin setzen alles daran, das Rätsel von Arkonadia zu lösen.
Doch dabei stoßen sie auf eine Wahrheit, die das Schicksal aller Zivilisationen der Galaxis verändern wird…

REZENSION:

In den letzten Monaten hat es sich immer wieder ergeben, dass ich mich einem Werke des Science Fiction Autors namens Andreas Brandhorst widme. Dabei ergaben sich in meinen Augen jeweils zwei Punkte, die ein wenig konträr gegeneinander laufen: Seine Bücher haben mir von der Thematik jedesmal uneingeschränkt gefallen. Im Gegenzug hatte ich aber bei seinen Werken auch oft das Gefühl, dass Herr Brandhorst ein wenig zu detailverliebt ist und seine Zukunftsvisionen in aller Breite und Tiefe vor des Lesers Augen ausbreiten und erklären möchte. Das war mir dann doch ab und an ein wenig zu viel – hier wäre in meinen Augen oft etwas weniger etwas mehr gewesen.
Mir ist bewusst, dass es eine große SF-Fan-Gemeinde gibt, die in erster Linie auf die Visionen eines Autoren Wert legen. Für mich ist ein Roman in erster Linie ein Mittel zum Zweck: Er muss es schaffen, mir eine ausreichende Unterhaltung zu bieten. Je mehr ich eintauchen kann beziehungsweise gefesselt bin, desto mehr Wertigkeit bekommt die Geschichte aus meiner rein privaten Lesesicht.
Beim Vorgängerband zu “Das Arkonadia-Rätsel” namens “OMNI” konnte mich der Autor auf Basis seiner Idee und seinem philosophischen Ansatz durchweg überzeugen – nichts desto trotz war dort ebenso etwas viel Technik, die mir keine großartige Hilfe auf dem Weg zur Geschichte gab.
Nun also “Das Arkonadia-Rätsel”, welches unbedingt auf meinem Lesestapel landen musste, da ich unbedingt wissen wollte, wie es im “Omniversium” weitergehen wird.
Bei diesem Werk ist mir dann zum ersten Mal in meinem Leben etwas passiert, worüber ich normalerweise nur schmunzeln konnte: Ich war in das Buch vertieft und verpasste meine U-Bahn-Station. Das allein spricht schon für dieses Werk.
Im Arkonadia-Rätsel hatte ich uneingeschränkt das Gefühl, dass Andreas Brandhorst seinen Fokus auf die Geschichte legte. Sicherlich ist die Technik notwendig – hier scheint sie jedoch einfach vorhanden zu sein und es wird nicht zu viel davon integriert. Genau deshalb scheint diese Episode aus der Welt von Omni bei mir so gut zu funktionieren; mir ist es nämlich als Nicht-Techniker fast egal, wie z.B. ein iPhone funktioniert und gerade deswegen würde es mich auch in einem Roman, welcher in der heutigen Zeit spielt, sehr nerven, wenn mir die Technik ausschweifend dargelegt werden würde. Ich bin mir sicher, dass in 10.000 Jahren oder noch später jemand eher an der Technik eines alten iPhones im Museum interessiert wäre, als an der dann aktuell vorhandenen Technik.
Aber ich schweife ab: Bei “Das Arkonadia-Rätsel” ist dies ja nicht der Fall! Hier hat es der Autor geschafft, eine sehr rasante Geschichte zu entwickeln, die durch die nicht zu langen Kapitel und die jeweils auftretenden Wechsel der Protagonisten sehr schnell geschnitten wirkt, was lediglich dazu führte, dass man schlichtweg einfach weiter lesen musste.
Im Laufe des Bandes wurde ich weit in die Zukunft hineingezogen und ich bin wirklich durchweg von diesem Buch überzeugt.
Sicher, es wäre hilfreich und auch angeraten, sich vorher dem ersten Buch namens “OMNI” zu widmen – dadurch lernt man Brandhorsts Welten kennen und vielleicht ist das Buch auch der Grund, warum der Autor etwas weniger ins Detail gehen musste oder wollte.
“Das Arkonadia-Rätsel” ist jedenfalls ein absoluter Tipp aus der Welt der anspruchsvollen, philosophischen und angenehm unaufgeregt erzählten Science Fiction; gleichzeitig trotzdem spannend und in meinen Augen das beste Buch, welches ich bisher von Andreas Brandhorst gelesen habe – und das waren dann doch schon einige.
Absolut gelungen und ich würde mich freuen, wenn der Autor erneut seinen Weg in Richtung Omniversum sucht und findet.
Jürgen Seibold/28.05.2017

Das Arkonadia-Rätsel: Ein Roman aus dem Omniversum – KAUFEN BEI AMAZON

Jeff VanderMeer: Autorität – Southern-Reach-Trilogie II

Originaltitel: Authority
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Mai 2017
Knaur Taschenbuch
© 2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51805-2
ca. 365 Seiten

COVER:

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die Area X erkunden sollte, befindet sich die verantwortliche Organisation Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf von Southern Reach, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X vielleicht doch noch zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst, seine Kollegen und die Organisation, der er die Treue geschworen hat.

REZENSION:

Nach dem Lesen vom ersten Buch dieser Trilogie – mit dem Titel “Auslöschung” – blieb ich relativ verwirrt zurück. Zum Einen lag das daran, dass der Autor den ersten Band in der Ich-Form geschrieben hatte und man sozusagen ein Tagebuch liest. Hierbei hatte ich einfach Probleme, so richtig einzutauchen. Darüber hinaus wirkte es – was aber bei einem Tagebuch auch wieder logisch ist – wie eine sehr subjektive Erzählung einer einzelnen Person. Dadurch ergab sich der zweite Umstand, denn es entstanden eine Reihe von Fragezeichen in meinen Gedankengängen – somit blieb ich etwas unbefriedigt und zwiespältig zurück.
Nichts desto trotz war es dadurch unbedingt notwendig, mich auch dem zweiten Band zu widmen – vor allem in der Hoffnung, ein wenig mehr Klarheit zu bekommen.
Im Gegensatz zum ersten Band ist “Autorität” in der dritten Person geschrieben, was mir persönlich etwas besser liegt. Gleichzeitig spielt der Roman fast durchweg innerhalb der Mauern von Southern Reach. Die ominöse Pflanzenwelt namens AREA X wird nicht betreten.
Das Buch geht dadurch gänzlich andere Wege, als man es im Vorhinein beim Lesen der Rahmenhandlung auf dem Cover erwartet.
Wir begleiten John – hauptsächlich “Control” genannt – auf seiner internen Erforschung der bisherigen Begebenheiten. Dadurch entstehen neue Fragezeichen; gleichzeitig muss ich zugute halten, dass sich auch manch kleines Fragezeichen auflöst.
Sehr gelungen halte ich die Integration der Biologin, die im ersten Band das Tagebuch geschrieben hatte. Nachdem man sie gefunden hatte, hat man sie in Buch 2 innerhalb der Organisation in Gewahrsam genommen. Sie muss sich dabei in recht regelmäßigen Abständen von Control verhören lassen. Hierbei lässt sie nur sehr wenig heraus, was auch ein weiterer Grund ist, warum Control nicht wirklich weiter kommt und lediglich Mutmaßungen trifft. Hier ist man als Leser definitiv im Vorteil, da man ja das Tagebuch bereits kennt und somit sehr schön beobachten kann, ob Control auf dem richtigen Wege ist.
Ebenso wie in Band 1 fehlt es der Geschichte etwas an Spannung. “Autorität” ist eher ein Psychogramm von John Rodriguez. Dadurch bleibt der Ton ruhig, wird ab und an thematisch verstörend und wie ein Spanner beobachtet man Control, wie er immer mehr abzudriften scheint.
Über die Geheimnisse von Area X erfährt man nicht wirklich etwas neues – man stochert somit genauso im Trüben, wie alle namhaften Wissenschaftler, Expeditionen und Organisationen. Prinzipiell auch wieder nachvollziehbar: Wie soll der Leser mehr wissen, als die Personen im Buch?
Zum Ende hin hat die Story in meinen Augen ein klein wenig nachgelassen. Dies lag aber vor allem daran, dass man endlich Antworten oder Spannung bekommen möchte. Ein reines Psychogramm auf Dauer ist dann doch etwas anstrengend und für manchen auch langweilig – ist ja eine Fiktion.
Alles in allem geht die Story jedenfalls voran und ich hoffe wirklich sehr, dass sich im Abschlussband alles bisher aufgeworfene auflösen wird. Dies dann auch noch so, dass man als Leser auch überzeugt ist.
Sollte dies der Fall sein, ist die Trilogie sicher eine sehr nennenswerte Trilogie – verliert er mich im dritten Band, könnte es genau das Gegenteil sein. Ich will es mal nicht hoffen und freue mich bereits auf die Lüftung der Area X-Geheimnisse.
Jürgen Seibold/13.05.2017
Autorität: Buch 2 der Southern Reach Trilogie – KAUFEN BEI AMAZON

Patrick S. Tomlinson: The Ark – Die letzte Reise der Menschheit

Originaltitel: The Ark
Aus dem Englischen von Markus Mäurer
Deutsche Erstausgabe April 2017
© 2016 Patrick S. Tomlinson
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52048-2
ca. 416 Seiten

COVER:

Seit 100 Jahren ist das gewaltige Generationenraumschiff “The Ark” mit den letzten 50.000 Menschen unterwegs ins Sonnensystem Tau Ceti. Das Leben an Bord ist streng reglementiert, jeder Bewohner über ein Implantat jederzeit zu orten. Dennoch verschwindet der brillante junge Wissenschaftler Edmond Laraby spurlos – und wird kurz darauf tot an der Außenhülle des Schiffs gefunden. “Selbstmord” heißt es von offizieller Stelle, doch Detective Bryan Benson entdeckt mehr und mehr Ungereimtheiten: Was hat es mit den Aufnahmen von Tau Ceti auf sich, die Laraby ausgewertet hat? Und wie hängt eine geheime Organisation, deren Mitglieder sich der Überwachung entzogen haben, in der Sache mit drin?

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee – die Menschheit befindet sich auf dem Weg in ein anderes Sonnensystem – gibt es ja bereits in einer nicht mehr zu zählenden Vielfalt im Genre der Science Fiction-Bücher. Interessanterweise können viele Autoren dem immer wieder etwas neues abgewinnen und somit auch den Leser einige Stunden in ferne Welten entführen.
Bei Tomlinsons THE ARK erhoffte ich erneut genau dieses Gefühl – der Plot scheint ja ausreichend interessant zu sein.
Wie sich dabei herausstellte, handelt es sich bei THE ARK eigentlich um einen recht normalen Krimi, der einfach nur in die Weiten des Weltraums verlagert worden ist. Nun bin ich nicht gerade dafür bekannt, Krimis recht gerne zu mögen – durch die interessante Umgebung war ich dennoch ausreichend motiviert, dieser Story bis zum Ende zu folgen.
Tomlinson schreibt dabei sehr flüssig und eingängig. Sein Detective bleibt dennoch etwas oberflächlich und manchesmal macht es sich der Autor doch recht einfach in der Lösungsfindung. Eine Wissensvermittlung z.B. per “Das hab ich mal in einer Doku gesehen” ist doch etwas dünn in seiner Ausarbeitung – oder soll ich öfter Dokus anschauen, um auch ein guter Detective zu werden?
Nun ja, die Geschichte treibt dennoch einigermaßen unterhaltend voran und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hiermit einige Krimifans auch ihren ersten Schritt in die Welt der Science Fiction machen könnten. THE ARK bietet aber auch nicht wirklich mehr – ein klassischer Krimi mit einem kuriosen Todesfall in einer interessanten Weltraumumgebung und dem stringenten Weg zur Auflösung.
Nicht schlecht, aber auch kein Werk der besonderen Art.
Jürgen Seibold/30.04.2017
The Ark – Die letzte Reise der Menschheit: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Robert Corvus: Feuer der Leere

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-70439-7
ca. 495 Seiten

COVER:

Der Weltraum der Zukunft kennt keine Gnade. Die letzten Menschen ziehen in Großraumschiffen durch die Galaxis, ihr Leben geprägt vom ständigen Kampf um Ressourcen mit anderen Spezies. Ihre größten Feinde, die Giats, jagen sie erbarmungslos.
Rila und Starn sind Geschwister, aber außer ihrem Wunsch, das Überleben ihrer Spezies zu sichern, verbindet sie wenig. Während sich Rila als Kampfpilotin einen Namen macht, hat sich Starn von seiner Militärkarriere abgewandt. Als Xenofarmer versorgt er die Flotte mit Nahrungsmitteln. Dazu müssen die Menschen auf Cochada zwischenlanden, einem Planeten, der überraschende Ähnlichkeit zur Erde aufweist. Doch was bedeutet dieser Kontakt für die Bewohner des Planeten – ihren Untergang oder eine Blüte ihrer Zivilisation? Und noch während die Menschen um ihre Existenz kämpfen, ereignet sich auf der SQUID, dem einzigen außerirdischen Raumschiff der menschlichen Flotte, Unglaubliches. Denn die SQUID ist eine riesige Lebensform und Ugrôn, ein Besatzungsmitglied und Jünger des Void, lauscht auf den Gesang des Schiffes in seinem Fleisch. Er betritt einen Pfad, den niemals zuvor ein Mensch bestritten hat.

REZENSION:

FEUER DER LEERE von Robert Corvus startet bereits am Anfang mit einer detailliert beschriebenen Raumschlacht zwischen den Menschen und ihren Widersachern, den Giats. Bereits hier lernt man die erste Protagonistin kennen und man ist erfreut ob ihres Wagemuts.
Bereits hier erkennt man die Liebe des Autors zum Detail. Davon lässt er auch nicht los und lässt eine unwahrscheinlich interessante Welt vor des Lesers Augen entstehen. Man ist schier geplättet von dieser liebevoll und bis ins kleinste Detail gezeichnetem Umgebung in den tiefen Welten des Universums.
Sämtliche Raumschiffe und ganz besonders die SQUID – ein von den Menschen genutztes, außerirdisches und lebendes Raumschiff – zeugt von dem Ideenreichtum Robert Corvus.
Dies trifft auch auf seine wichtigsten Darsteller zu. Interessanterweise handelt es sich dabei hauptsächlich um drei Personen: Die wagemutige Rila, ihr Bruder Starn, der sich vom Militär abgewandt hatte und Ugrôn, ein Passagier auf der SQUID, der auf nahezu unbeschreibliche Weise eine ganz besondere Rolle in Verbindung mit dem Raumschiff eingeht.
Nebenbei handelt es sich bei dem aus mehreren Raumschiffen bestehenden Schwarm um die kläglichen Reste der gesamten Menschheit, die durch die Welten reisen, um ihr eigenes Überleben zu sichern.
Prinzipiell somit ein sehr interessanter Plot mit allen notwendigen Zutaten, die man dafür benötigt: Weltraumkämpfe, verschiedene Lebensformen, unterschiedlichste Welten, atemberaubende Raumschiffe und immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, der eigenen Spezies eine Zukunft zu bieten.
Nun ist es aber leider so, dass Robert Corvus zwar diese genialen Zutaten entwickelte und sehr detailliert in diesem beinahe 500 Seiten langen Plot einbaut – dabei aber ein wenig zu sehr seine Personen auf der Strecke lässt. Die Geschichte wird somit zu einer Geschichte ohne wirklichem Antrieb durch seine Protagonisten und deren Erlebnissen. Sicher, es ist sehr interessant zu lesen, welchen Einfluss die SQUID auf Ugrôn nimmt – hier könnte man durch den dezenten Touch einer Religion auch den auf dem Buchrücken befindlichen Vergleich zu dem fulminanten Klassiker DER WÜSTENPLANET ziehen. Nichts desto trotz hatte DER WÜSTENPLANET trotz seines starken philosophischen Ansatzes erheblich mehr Drive in der eigentlichen Geschichte. FEUER DER LEERE würde man abbrechen, wäre da nicht die detailreiche Zeichnung der jeweiligen Umgebung. Irgendwie konnte mich diese immer wieder dazu antreiben, dieses Buch weiter zu lesen und gar zu beenden. Es blieb aber trotzdem ein leeres Gefühl, den irgendetwas fehlte einfach, um eine in sich treibende Story zu erkennen.
Man könnte fast sagen, eine Geschichte ohne wirkliche Geschichte, die aber interessanterweise wohl trotzdem bei manchem funktionieren könnte.
Ich persönlich bin immer noch ein wenig irritiert, denn zum einen ziehe ich vor diesem Autor wahrlich meinen Hut, denn der Schreibstil und das großartige Ausschweifen und die sehr detaillierte Zeichnung ist auf einem sehr hohen Niveau und lässt den Leser in die beschriebene Welt problemlos eintauchen – zum anderen fehlte mir einfach der wirkliche Plot, um dieses Werk in gebührender Erinnerung zu behalten.
Hier wäre somit etwas weniger Detail, dafür mehr Story sicher besser gewesen.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Feuer der Leere: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Jeff VanderMeer: Auslöschung – Southern-Reach-Trilogie

Originaltitel: Annihilation
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe März 2017
© 2014 VanderMeerCreative, Inc.
© 2014 der deutschen Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51804-5
ca. 234 Seiten

COVER:

Geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet an der amerikanischen Küste übernommen, und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam immer weiter aus. Nur, was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt entsendet das Southern Reach-Institut eine zwölfte Expedition – doch was hat sie der Faszination und dem Grauen von Area X entgegenzusetzen?

REZENSION:

Die Southern Reach-Trilogie von Jeff VanderMeer konnte sich eine Vielzahl namhafter Literaturpreise ergattern – darunter en Hugo, den Nebula, den BSFA und auch den World Fantasy Award. Somit bleibt einem prinzipiell ja schon fast nichts anderes mehr übrig, als auch in dieses Buch die eigene Nase zu stecken.
Auslöschung ist dabei der erste Band der Trilogie – wirkt mit seinen knapp über 200 Seiten aber nicht gerade ausschweifend.
Geschrieben ist dieser erste Band in der Ich-Form, die sowohl Vor- als auch Nachteile in sich hat. Mir persönlich wäre bei diesem ersten Band wohl die Sicht aus der dritten Person etwas lieber gewesen – gleichzeitig wird einem beim Lesen aber auch sehr schnell bewusst, dass der Autor diesen Stil mit Sicherheit absichtlich verwendet hatte, da eine Geschichte bestehend aus Tagebucheinträgen den Leser unter Umständen auf eine falsche Spur bringen kann – liest man doch ausschließlich aus der Sicht einer einzigen Protagonistin.
Wir begleiten in AUSLÖSCHUNG eine Anthropologin, eine Landvermesserin, eine Psychologin und die dieses Tagebuch schreibende Biologin auf ihrer Expedition in die Area X – ein Areal, dass von der Natur auf geheimnisvolle Art übernommen worden ist und sich immer weiter ausbreitet. Hierbei handelt es sich bereits um die zwölfte Expedition – alle bisherigen führten weder zu einem Ergebnis noch zu einem einigermaßen erfolgreichen Ende. Im Gegenteil: Entweder kamen die Teilnehmer nicht mehr zurück und blieben verschollen oder aber sie waren nicht mehr sie selbst und konnten sich auch an nichts relevantes mehr erinnern.
Sehr schnell bekommt man mit, dass hier einiges nicht so zu sein scheint, wie es sich zuerst darstellt. Dies betrifft auch die Teilnehmer dieser kleinen Expedition.
Nachdem AUSLÖSCHUNG anhand von Tagebucheinträgen seine Geschichte erzählt bleibt einem nur der Glaube an die hoffentlich vorhandene Ehrlichkeit der Biologin. Gleichzeitig werden dadurch aber auch eine Vielzahl an Fragen eröffnet, die sich leider – hier im ersten Band – nicht auflösen. Darüber hinaus würde man sich sehr über tiefergehende Details freuen, worauf die Tagebuchschreiberin aber verzichtet.
Der Vergleich zu dem Serienblockbuster LOST ist somit gegeben und ich kann nur hoffen, dass man nach  den beiden Folgebänden nicht weiterhin mit ungelösten Fragezeichen auf der Strecke bleibt.
Für mich persönlich war es etwas schwierig, in dieses Buch eintauchen zu können. Irgendwie konnte ich mich mit der Protagonistin nicht identifizieren – nichts desto trotz wollte ich der Geschichte weiter folgen, da man sich doch treiben lässt und dadurch das Interesse an Area X – wie die Pflanzen – zu wachsen beginnt.
Spannung lässt die Story dabei leider ein wenig missen – muss man aber wohl auch dem Stil zuschreiben, da selten jemand einen Tagebucheintrag im Stile eines spannungsgeladenen Romans schreibt.
Alles in allem hinterließ mich der erste Band recht zwiespältig zurück – nichts desto trotz bleibt der Drang nach den Folgebänden und ich hoffe sehr, dass diese dem ersten Band etwas draufsetzen können, da sonst die Geschichte meine Erwartungen nicht erfüllen kann. Meines Wissens ist im Folgeband die Ich-Form wohl kein Thema mehr und somit könnte ich mir gut vorstellen, dass der Autor dann etwas mehr ausholt. Nun, ich werde mich überraschen lassen…
Jürgen Seibold/30.04.2017

 
Auslöschung #1 Southern-Reach-Trilogie: Roman – KAUFEN BEI AMAZON