Dean Koontz: Seelenlos (Odd Thomas 2)

koontz_seelenlos(c) 2011 Heyne Verlag
ca. 369 Seiten

Cover:

Odd Thomas muss ins Geisterreich. Eilig stopft er in seiner Wohnung in der Provinz von Kalifornien alles zusammen, was er für die Reise braucht. Dass der junge Grillkoch dabei von niemand Geringerem als Elvis Presley beobachtet wird, macht ihn nicht sonderlich nervös. Denn Elvis ist seit siebenundzwanzig Jahren tot, und in dieser Eigenschaft so einsam und zurückhaltend, „wie es nur die zögerlichen Toten sein können“. Dass Thomas mit Elvis kommunizieren (oder doch zumindest zu kommunizieren versuchen) kann, liegt an seinen paranormalen Fähigkeiten, die auch Grund seines Abenteuers sind. Denn der Geist des Vaters seines besten Freundes hat ihm durch einen Auftritt im Diesseits mitgeteilt, dass er brutal ermordet und sein kranker Sohn entführt worden ist. Thomas macht sich auf in ein gespenstisches Casino, zum Showdown mit der Entführerin. Als er erkennt, dass diese es eigentlich auf ihn selbst abgesehen hat, ist es fast schon zu spät…

Rezension:

Mit Odd Thomas hat der Erfolgsautor Dean Koontz einen sehr sympathischen – wenn auch etwas naiven – Hauptdarsteller kreiert, der als kleiner Grillkoch in einem beschaulichen Nest wohnt und überhaupt nicht auffallen würde, hätte er nicht eine ganz besondere Eigenschaft: Er kann Verstorbene, die ihren Weg noch nicht in das Jenseits gefunden haben, sehen und mit ihnen sogar in gewissem Maße agieren.
Nach dem absolut fulminanten ersten Band mit dem Titel „Die Anbetung“ war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich dem zweiten Band widmen musste.
„Seelenlos“ knüpft relativ eng an die Geschehnisse des ersten Bandes an und erneut erzählt Koontz lediglich von einem einzigen Tag im Leben Odds.
Leider wirkt „Seelenlos“ jedoch ein wenig unmotiviert und der gesamte Fall ist durchweg vorhersehbar. Es geht diesmal um die Rettung eines Freundes, dessen Versteck er durch seine weitere Fähigkeit (er lässt sich sozusagen beim Aufspüren erfolgreich von seinem eigenen Ich „lenken“) beinahe problemlos aufspürt. Er trifft dort auf eine wirre Psychopathin und versucht seinen Freund aus deren Fänge zu bekommen.
Wie gesagt, sehr schnell spinnt man als Leser die Geschichte selbst weiter und man trifft dabei auch auf keinerlei Überraschung. Odd Thomas ist aber weiterhin eine gelungene Figur und nachdem ich davon ausgehe, dass Koontz in den weiteren Büchern um Odd Thomas wohl wieder die Kurve bekommt, werde ich mal über den doch zu simpel gestrickten, zweiten Band hinwegsehen und mich auf den nächsten mit dem Titel „Schattennacht“ konzentrieren.
Nebenbei: Elvis ist natürlich auch im zweiten Band abermals dabei…
Jürgen Seibold/16.06.2015
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Dean Koontz: Die Anbetung – Odd Thomas 1

koontz_AnbetungOriginaltitel: Odd Thomas (1)
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
© 2003 Dean Koontz
© 2006 der deutschsprachigen Ausgabe: Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-43244-4

COVER:

Odd Thomas lebt bescheiden und zufrieden als Koch in einem kleinen amerikanischen Provinznest. Hochgeistiges ist ihm fremd, doch er hat eine besondere Gabe: Er sieht die Toten und kann mit ihnen kommunizieren. Und er sieht Bodachs, lebende Schatten, die sich von Leid und Verderben nähren. Als ein merkwürdiger Fremder, umflirrt von diesen Schatten, das Restaurant betritt, in dem Odd arbeitet, weiß er, dass Fürchterliches droht. Trotz der Warnungen seiner impulsiven Freundin Stormy wagt er es, dem Mann nachzuspüren und in sein Haus einzudringen. Was er in einem Geheimzimmer findet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: einen Schrein, der all den Massenmördern dieser Welt gewidmet ist …

REZENSION:

Dean Koontz gehört zu den Autoren, deren Bücher ich vor vielen Jahren regelrecht verschlungen habe und im Anschluss an ein Beendetes sogleich das Nächste zu ergattern versuchte. Immer noch fallen mir aus dem Stegreif Titel wie zum Beispiel das endlos spannende und rasante INTENSITY, das nicht minder geniale DUNKLE FLÜSSE DES HERZENS als auch BRANDZEICHEN ein.
Leider hat es sich dann aber einige Jahre später ergeben, dass ich den Autor etwas aus den Augen verloren hatte.
Eines Tages dachte ich mir jedoch, ich könnte doch mal wieder etwas von Dean Koontz lesen und stöberte durch eine Vielzahl an Werken, die dieser Autoren in den von mir nicht beachteten Jahren veröffentlichte.
Eher zufällig schnappte ich mir den ersten Band um Odd Thomas, einem Grillkoch in einem kleinen Kaff irgendwo in den Staaten. Odd Thomas wiederum besitzt die Gabe die Geister längst Verstorbener zu sehen und unterstützt mit dieser Fähigkeit den örtlichen Sheriff bei der Aufklärung von Morden.
Sicherlich denkt man dabei sogleich an Geschichten wie etwa THE 6TH SENSE und dementsprechend interessiert war ich auch unverzüglich. Womit ich jedoch nicht rechnen konnte: Odd Thomas 1 macht irrsinnig viel Spaß beim Lesen. Odd selbst ist dabei ein wenig einfältig, wird aber vom Autor dermaßen liebevoll gezeichnet, dass einem nichts anderes übrig zu bleiben scheint, als diesen Typen ins Herz zu schließen. Hinzu kommt noch ein wunderbarer Witz und eine Ironie, die sich gewaschen hat.
Die von Koontz bekannten Horrorelemente blendet der Autor bis auf einen geringen Maß aus – interessanterweise hat mich dies aber in keinster Weise gestört und ich fegte förmlich von Seite zu Seite.
Immer tiefer führt uns der Autor in die Person Odd und dessen Leben ein und man erkennt deutlich, dass auch der Autor hier wohl sehr viel Spaß bei der Sache hatte und diese auch vermitteln wollte.
Der darin liegende Kriminalfall wird beinahe zur Nebensächlichkeit und baut sich dementsprechend langsam auf – aber dies sorgt ebenfalls nicht mehr für irgendwelche Abstriche. Richtig ernst nehmen kann man die Geschichte selbstverständlich nicht – aber das ist auch keineswegs die Intention dieses Werkes. Hier handelt es sich schlichtweg um einen nahezu perfekten Roman, dessen Aufgabe darin besteht, seinen Leser zu unterhalten. Und ja, dies klappt ihm außerordentlich.
Wer also keine Probleme damit hat, dass plötzlich der Geist Elvis`eine witzige Rolle spielt und einfach nur lockere und dabei doch intensiv gezeichnete Unterhaltung haben möchte, der ist hierbei durchaus bedient.
Ich werde mich jedenfalls in nicht allzu ferner Zeit den weiteren Erlebnissen Odd Thomas`widmen.
Jürgen Seibold/19.04.2015

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Stephen King: The Green Mile

King_GreenMileGesprochen von Frank Muller
13 Stunden, 45 Minuten

Cover:

Hear this history-making serial novel – from cliffhanger to cliffhanger – in its entirety. When it first appeared, one volume per month, Stephen King’s The Green Mile was an unprecedented publishing triumph: all six volumes ended up on the New York Times best seller list – simultaneously – and delighted millions of fans the world over.

Welcome to Cold Mountain Penitentiary, home to the Depression-worn men of E Block. Convicted killers all, each awaits his turn to walk the Green Mile, keeping a date with “Old Sparky,” Cold Mountain’s electric chair. Prison guard Paul Edgecombe has seen his share of oddities in his years working the Mile. But he’s never seen anyone like John Coffey, a man with the body of a giant and the mind of a child, condemned for a crime terrifying in its violence and shocking in its depravity. In this place of ultimate retribution, Edgecombe is about to discover the terrible, wondrous truth about Coffey, a truth that will challenge his most cherished beliefs…and yours.

©1999 Stephen King, All Rights Reserved; (P)1999 Simon & Schuster, Inc., All Rights Reserved, AUDIOWORKS Is an Imprint of Simon & Schuster Audio Division, Simon & Schuster, Inc.

Rezension:

Die Geschichte um den inhaftierten und zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilten John Coffey ist sicherlich eine der absoluten Höhepunkte aus der Feder Stephen Kings.
Immer noch handelt es sich meiner Meinung nach um eine adaptierte Jesus-Geschichte und ich bin davon überzeugt, dass King bewusst die Initialen JC für den Namen des Protagonisten verwendet hat – spielt er doch des öfteren mit solchen Elementen.
The Green Mile ist ursprünglich als eine sechsbändige Serie veröffentlicht worden und ebenso wie viele anderen wohl auch, bin ich damals jeden Monat in den Buchladen meines Vertrauens, um den nächsten Band zu ergattern.
John Coffey und ganz besonders Mr. Jingles haben es mir dermaßen angetan, dass auch Veröffentlichung aller sechs Büchlein, die leicht geänderte Zusammenfassung seinen Weg zu mir finden musste.
Somit wurde von mir dieses Werk bereits auf Deutsch mehrfach von mir gelesen und während eines Auslandsaufenthalts stand ich plötzlich mit der englischsprachigen Version an der Kasse.
Nun, um weiterhin das eigene Fremdsprachen-Know-How aufrecht zu erhalten, entschied ich mich noch zum Genuss des ungekürzten Hörbuchs, gelesen von Frank Muller.
Erneut schafft es dabei die Geschichte mich durchweg zu überzeugen und trotz nicht vorhandener 100%-Sprachkenntnisse schaffte es der Autor und hier nun auch der Sprecher, dass abermals manche Szene für Gänsehaut sorgte.
Frank Muller selbst zeigt deutlich, dass er ein echter Amerikaner ist, wie wir ihn uns sprachlich so vorstellen: Seine Sprechweise ist oft “kauend”, jedoch in diesem Buch noch angenehm und ruhig gesprochen genug, um mich – bis auf wenige Kleinigkeiten – überzeugen zu können. Die Konzentration beim Anhören einer Fremdsprache wird sowieso angehoben und dadurch – und wohl auch, weil ich die Geschichte schon sehr gut kannte – konnte ich ihm außerordentlich gut folgen.
Kurzum: Die Geschichte lohnt sich allemal und als Hörbuchvariante im Original schafft sie es auch locker, den Sprachinteressierten zu überzeugen.
Immer noch perfekt und es tut mir auch immer noch leid um John Coffey.
Jürgen Seibold/19.04.2015
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Blogtour zu Thomas Finn: Aquarius

Aquarius_Blogtour_Banner
Vom 24. Oktober bis zum 01. November gibt es eine Blogtour zu dem neuen Thriller “Aquarius” von Thomas Finn, an der wir erfreulicherweise auch teilhaben dürfen.

 

Das Buch

Ein packender Thriller, so abgrundtief wie das Meer

Bei den Bergungsarbeiten an einer alten Seemine geschieht ein Unglück: Die Mine explodiert. Als Berufstaucher Jens Ahrens wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich in einem Keller wieder, gefangen mit anderen Männern, die unter Drogen gesetzt und so wehrlos gemacht wurden. Nur mit Mühe kann er sich befreien und flüchtet nach Egirsholm, eine kleine, wohlhabende Küstensiedlung. Diese aber wird zum Schauplatz rätselhafter Todesfälle. Menschen ertrinken – und das sogar auf der Landstraße oder in ihrem Haus! Etwas geht vor sich, in das Jens so schnell und tief hinab gesogen wird, dass er sich nicht mehr entziehen kann. Das Meer ist unruhig. Und es ist wütend.

Der Autor

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren und lebt heute in Hamburg. Der ausgebildete Werbekaufmann und Diplom-Volkswirt ist preisgekrönter Spiele- und Romanautor und hat einige Jahre als Lektor und Dramaturg sowie als Chefredakteur bei Nautilus gearbeitet.

Ablauf der Blogtour

24.10. Start der Leserunde auf Leserunden.de

25.10. “Das versunkene Rungholt” auf Papiergeflüster

26.10. “Sirenen, Meeresungeheuer, Meerjungfrauen” bei den Bookwives

27.10. Der Leonardo da Vinci des Nordens auf Kaugummiqueens Bücherstube

28.10. Werkstattbericht zum Plotten bei Darkstars Fantasy News

29.10. Interview mit Thomas Finn auf Literaturschock

30.10. Podcast: Im entspannten Gespräch mit Thomas Finn und Hysterika

Es gibt hierbei auch noch etwas zu gewinnen:
Es werden während dieser gesamten Blogtour insgesamt zehn signierte Bücher verlost. Doppelte Gewinne werden ausgeschlossen. Die Gewinner werden am 01.11.2014 auf Literaturschock bekannt gegeben und per E-Mail benachrichtigt.

Um hier teilnehmen zu können, müsst Ihr nicht viel tun:
Einfach die einzelnen Beiträge der teilnehmenden Blogs besuchen und die Blogtour genießen 🙂
Dabei einfach bei irgendeinem Teilnehmer den dazugehörigen Beitrag kommentieren oder eine Mail mit dem Betreff: “Blogtour – Aquarius” an podcast@hysterika.de senden.
Alle Kommentare, die bis 31.10.2014 (24.00 Uhr) hinterlassen werden, nehmen an der Auslosung teil.

Solltet Ihr hier bei Hysterika.de kommentieren, beachtet dabei bitte, dass ich diese Kommentare erst freischalten muss, wenn Ihr zum ersten Mal einen Kommentar hinterlässt. Somit bitte nicht nervös werden, wenn Ihr einen Kommentar nicht gleich sehen könnt. Er macht trotzdem bei der Auslosung mit.

Ray Bradbury: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Bradbury_leiseSohlenOriginaltitel: Something Wicked This Way Comes
Aus dem Amerikanischen von Norbert Wölfl
© 1962 by Ray Bradbury
Deutsche Erstausgabe erschien 1969 im Marion von Schröder Verlag.
© 2013 Diogenes Verlag AG Zürich
ISBN Buch: 978 3 257 20866 5
ISBN eBook: 978 3 257 60410 8

COVER:

Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Bill« Halloway und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.

REZENSION:

Ray Bradbury ist sicher mit seinen Werken in die Geschichte der Literatur eingegangen. Insbesondere seine Marschroniken als auch Fahrenheit 451 sind wohl jedem zumindest dem Namen nach ein Begriff.
Bereits 1962 veröffentlichte er „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“. Hierin erzählt er die Geschichte zweier Freunde, die sich gerade mal im zarten Alter von 13 Jahren befinden. In die sorgenfreie Welt dieser beiden lässt er einen kuriosen Jahrmarkt auftauchen, dessen Auftritt zur üblicherweise jahrmarktsfreien Zeit die beiden bereits etwas stutzig werden lässt. So nach und nach werden sie dann mit bösartigen und unwahrscheinlichen Begebenheiten konfrontiert und es bleibt ihnen nichts weiter übrig als der Konfrontation zuerst alleine zu begegnen – wer glaubt schon kleinen Kindern?
Sicherlich merkt man diesem Werk sein Alter sehr deutlich an – nichts desto trotz ist die Geschichte literarisch ausgefeilt und dicht genug erzählt, um immer noch im Großen und Ganzen sehr gut zu funktionieren.
Gleichzeitig erkennt man der Geschichte deutlich an, dass sie wohl viele zukünftige Autoren beeindruckt und inspiriert hat. Man denke nur an manchen Horrorroman, in denen Kinder sich dem Bösen entgegenstellen müssen und dabei ihre persönlichen Erfahrungen sammeln, beziehungsweise daran reifen. Insbesondere „ES“ von Stephen King lässt sich darin in einigen Zügen wieder erkennen und somit scheint sich der als Meister des Horror betitelte Autor mit seiner Geschichte vor Bradburys „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ zu verneigen. Neben „ES“ langte King ja noch öfter in diese Schublade und lässt noch heute das Grauen in den ganz normalen Alltag einziehen.
Alles in allem ein wegweisendes und immer noch funktionierendes Buch – auch, wenn es durch sein Alter aus Sicht der Spannungselemente natürlich auf einer anderen Schiene fährt als heutige Bücher dieses Genres. Aber „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ zählt sicher zu den Urvätern folgender, ähnlicher Erzählungen.
Jürgen Seibold/30.09.2014
Das Böse kommt auf leisen Sohlen KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King / Joe Hill: Im hohen Gras

King_GrasÜbersetzung von Hannes Riffel
Originaltitel: In the Tall Grass
© 2012 by Stephen King und Joe Hill
© 2013 der deutschen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-11985-0

COVER:

Die unzertrennlichen Geschwister Becky und Cal machen einen Landausflug nach Kansas, wo die Prärie bis zum Horizont reicht. In dem mannshohen Gras hat sich ein kleiner Junge verlaufen und ruft um Hilfe. Es scheint, dass die Rettungsaktion von Becky und Cal zu einem Horrortrip wird …

REZENSION:

“Im hohen Gras” ist nichts weiter als ein kleines, etwa 60-seitiges Häppchen des Vater-Sohn-Gespanns King/Hill.
Das sehr innige Geschwister-Pärchen Cal und die schwangere Becky hören einen Hilferuf eines Kindes aus einem Feld bestehend aus mannshohem Gras, welches sich – den Blick schweifend – scheinbar bis zum Horizont erstreckt.
Selbstverständlich folgen beide diesem Hilferuf und schon werden sie vom vermeintlichen Helfer zum Opfer dieser mysteriösen Grasfläche.
Irgendwie erkennt man als King-Leser einige starke Anleihen aus einem früheren Werk des Autors mit dem Titel “Kinder des Zorns”. Nichts desto trotz kann “Im hohen Gras” für eine ganz nette, unterhaltsame Stunde sorgen – ohne sich dabei in das Gedächtnis des Lesers zu brennen, aber dennoch ein ganz netter Zeitvertreib.
Ein klein wenig fragt man sich bei diesen zur Zeit recht oft im Vertrieb befindlichen Häppchen, ob da der Meister nicht einfach seinem Sprößling das Schreiben beibringen möchte ohne dabei auf ein wenig klingende Münze zu verzichten.
Andererseits hat Joe Hill schon ab und an gezeigt, dass er aus dem Schatten seines allumfassenden Dads ein wenig hervortreten kann.
Diese Häppchen sind im Großen und Ganzen als in Ordnung zu betrachten – sie würden sich sicher ganz gut in einem kleinen Band machen. So hat man aber leider immer ein klein wenig das Gefühl, dass ein Autor oder Verlag ein wenig mehr verdienen möchte, als es ein Sammelband hergeben könnte.
Am Ende dieses sehr kleinen eBooks gibt es dann auch noch zwei Leseproben: Stephen Kings “Doctor Sleep” und Joe Hills “Christmasland”.
Jürgen Seibold/20.08.2014
Im hohen Gras – KINDLE-EDITION kaufen bei Amazon

HYKG005 – 10 Meter

10 Meter – eine Kurzgeschichte von Vincent Voss.

Kontakt zum Autor gerne über Hysterika.

© der jeweiligen Geschichte in diesem Podcast beim Autor/Verlag
Mit freundlicher Unterstützung des jeweiligen Autors/Verlags.
Intro und Outro produziert von Narcotic Elements (www.darksignmusic.de)
Feedback an podcast@hysterika.de

Christian Baier: Die Wiedergänger

baier_wiedergänger© Luzifer-Verlag 2014
Klappenbroschur, SoftCover
€ 13,95, ISBN: 978-3-943408-17-1

COVER:

Serbien, Anfang des 18. Jahrhunderts. Nach dem Krieg gegen die Türken ist das Land verwüstet. Hunger und Krankheiten regieren an der schwach befestigten Militärgrenze gegen das osmanische Reich.
Gerüchte werden laut: In vielen Dörfern verlassen die Toten ihre Gräber und treiben unter den Lebenden ihr Unwesen. Nachzehrer werden sie genannt, Neuntöter, Moroi. Sie kehren zurück, so heißt es, um sich zu holen, was ihnen im Leben verwehrt geblieben ist. Die Religion redet von der Auferstehung, die Wiedergänger leben sie.
An der Schwelle zur Aufklärung streiten sich in ganz Europa Wissenschaftler, Philosophen und Theologen über das Phänomen. Staat und Kirche greifen hart gegen die „Gemütsseuche“ durch.
Dies ist die Geschichte von Micula und Amna, verdächtigt, Nachfahren eines Wiedergängers zu sein.
Dies ist die Geschichte des Mönchs Guido de Torrenti, der den Glauben an Gott verlor und das ewige Leben fand.
Dies ist die Geschichte des Kameralprovisors Heinrich Ignaz Frommenthal, der erfahren musste, was er nie erfahren wollte.
Dies ist die wahre Geschichte der Vampire.

REZENSION:

Christian Baier transferiert dem Leser in das 18. Jahrhundert und erklärt anhand seiner als Tatsachenberichte erzählten Geschichte die “wahre” Geschichte der Vampire.
Diese Idee ist grundsätzlich betrachtet exakt das, was ein Freund gepflegter Gruselgeschichten und Erzählungen über Vampire uneingeschränkt liebt und dementsprechend gespannt war ich auf den Inhalt dieses Buches.
Cristian Baiers Erzählstil lässt den Leser sogleich noch etwas mehr in die damalige Zeit eintauchen, da dieser sehr geschickt der damaligen Sprache angepasst worden ist.
“Die Wiedergänger” wird aber trotz dieser positiven Grundsätzlichkeiten nicht jeden überzeugen können, da im Laufe des Buches das Gefühl nicht verschwinden möchte, dass dieser als Bericht getarnter Roman auch darin gefangen ist und somit die Steigerung der Spannung nicht stattfindet.
Für Freunde reiner Darlegungen von Erlebnissen kann das Werk jedoch trotzdem wirken – mich hat es jedoch durch meine Erwartung leider nicht überzeugen können und somit musste ich das Werk nach etwa der Hälfte beiseitelegen – obwohl ich immer noch etwas zwiespältig bin, ob des Inhaltes und somit immer wieder darüber nachdenke, trotzdem noch einmal rein zu schauen und weiter zu lesen. Bin mal gespannt, ob dies trotz meiner bisher erlebten Vorbehalte passieren wird.
Jürgen Seibold/07.06.2014
Die Wiedergänger – Ein Bericht aus dem 18. Jahrhundert: Dies ist die wahre Geschichte der Vampire. KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach

profijt_knastOriginalausgabe 2014
© 2014 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21506-0
ca. 333 Seiten / € 9,95 (TB)

COVER:

Gregor, der beste Freund von Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein, steht unter Mordverdacht. Alle Indizien sprechen gegen ihn und Gregor schweigt hartnäckig zu allen Vorwürfen. Auf der Suche nach der Wahrheit stößt Pascha – Ex-Autoknacker und nach wie vor auf Erden weilender Geist – bald auf eine heiße Spur: Die Ermordete war Journalistin und recherchierte wegen mysteriöser Todesfälle in der Seniorenresidenz, in der ihr Vater lebt. Gleichzeitig geraten Gregors Kontakte zu einem zwielichtigen Nachtclubbesitzer in den Fokus der Ermittlungen. Martin ist dieses Mal bei der Aufklärung des Falls keine große Hilfe, denn der werdende Vater ist völlig ausgelastet mit Geburtsvorbereitungskursen, Kreißsaalbesichtigungen, Babyausstattungskatalogen und nicht enden wollender Namenssuche.

REZENSION:

Als mich der nun mittlerweile 5. Band der Krimireihe um den als Geist bei uns befindlichen Ex-Autoknacker Pascha erreichte, war ich sehr erfreut, endlich die weiteren Erlebnisse von ihm, Martin und dessen Lebensgefährtin geniessen zu können.
Gleichzeitig jedoch stellte sich mir auch die Frage, ob Jutta Profijt auch im fünften Band noch immer genug Einfallsreichtum und Witz zu Tage fördern kann, ohne die Reihe tot zu schreiben.
Der prinzipielle Reiz des ersten Bandes – Pascha bleibt als Geist auf der Erde und kann nur mit Martin kommunizieren – ist ja gezwungenermaßen bereits im ersten Band erledigt und somit kann sich die Autorin ihrem Konzept entsprechend nur noch um weitere Kriminalfälle kümmern, die dann ihre beiden Hauptprotagonisten, mal mit mehr Hilfe, mal mit weniger Hilfe, lösen sollten. Dies natürlich weiterhin mit dem bisher durchweg gelungenen Witz des nicht auf den Mund gefallenen Geistes.
Interessanterweise hat Jutta Profijt es auch im fünften Band durchweg geschafft, ihren Leser zu unterhalten. Sicher, ohne Pascha wäre es einfach nur eine Kriminalgeschichte – aber der Reiz ihrer Bücher liegt definitiv an dessen Geist. Pascha ist und bleibt der Treiber dieser Romane und in diesem Fall verstärkt sich das auch noch, da Martin durch das Herannahen seines ersten Kindes nahezu ausgeknockt zu sein scheint. Martin ist und bleibt einfach menschlich das krasse Gegenteil von Pascha – nichts desto trotz scheinen sie sich dabei relativ gut zu ergänzen.
In Knast oder Kühlfach schafft es Pascha jedenfalls auch auf geschickte Art und Weise weitere Helfer zu akquirieren, wodurch ein interessanter Drall in die Handlung kommt und somit keinerlei Langeweile durch lediglich eine weitere Martin-Pascha-Geschichte auftreten kann.
Der Kriminalfall selbst ist sehr geschickt konstruiert und lässt genug Interpretationsspielraum, um den Ergebnissen bis zum Ende nicht auf die Spur zu kommen.
Schlussendlich lebt die gesamte Reihe auch vom Witz der Autorin und ihrer darin dargelegten Sprache. Nahezu jeder gezogene Vergleich innerhalb eines Satzes sorgt für schmunzelnde Lippen beim Leser und die blühende Sprache Paschas setzt da nur noch einen oben drauf.
Alles in allem einfach eine sehr gelungen Krimireihe über zwei unfreiwillige Ermittler, vollgestopft mit Situationskomik und genug Witz für mehrere Bücher. Erneut durchweg zu empfehlen für einige vergnügliche, unterhaltungsvolle Stunden.
Jürgen Seibold/20.04.2014
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HYKG003 – WÄHLSCHEIBE ZUM TOD

Wählscheibe zum Tod – eine Kurzgeschichte von Stefan Lehner.

Eine Horror-Mystery-Kurzgeschichte aus Stefan Lehners Buch “Phantastika”.
Kontakt zum Autor gerne über Hysterika.

© der jeweiligen Geschichte in diesem Podcast beim Autor/Verlag
Mit freundlicher Unterstützung des jeweiligen Autors/Verlags.
Intro und Outro produziert von Narcotic Elements (www.darksignmusic.de)
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Arthur Gordon Wolf: Katzendämmerung

AGW_KatzendaemmerungRoman, 672 Seiten
Genre: düster-erotischer Thriller
Klappenbroschur, Softcover
€ 16,95, ISBN: 978-3-943408-15-7

COVER:

Das, was ich bislang für die wirkliche Welt, die Realität, gehalten hatte, war nichts weiter als eine plumpe Täuschung, eine dünne Haut, hinter der sich das wahre Grauen verbarg.

Es gibt Geheimnisse, die besser für alle Zeiten im Verborgenen bleiben. Zu dieser Erkenntnis gelangt der Fotograf Thomas Trait jedoch etwas zu spät. Hals über Kopf verliebt er sich in eine junge und überaus attraktive Übersetzerin antiker Schriften. Natascha hat jedoch nicht nur einen ungewöhnlichen Beruf – etwas Mysteriöses, ja Düsteres, scheint ihr anzuhaften; wild und bedrohlich. Doch es sind gerade diese Schattenseiten, die sie für Trait noch anziehender werden lassen.
Als er versucht, das Geheimnis seiner Geliebten zu ergründen, bezahlt er einen hohen Preis. Und der Tod ist nicht das Ende …

REZENSION:

„Katzendämmerung“ wurde als dreibändige Trilogie veröffenticht – in dieser Aufmachung lag mir diese Geschichte auch vor. Erfreulicherweise gibt es dieses Werk nun als alleinstehenden Band – die Lesung in drei Bänden passt einfach nicht zu diesem epochalen Werk.
„Katzendämmerung“ ist schwer zu greifen, da der Autor – Arthur Gordon Wolf – sehr vielschichtig und tiefgehend vorgeht. Er vermeidet dabei durchgehend das Zurückgreifen auf ausgetretene Pfade und nimmt dadurch genau im richtigen Augenblick eine nur leicht als Weg erkennbare Abzweigung, um diese mit seinen eigenen Ideen auszubauen.
In „Katzendämmerung“ bedient er sich dabei ägyptischen Mythologien, dessen Inhalte er – trefflich und durchweg umfassend recherchiert – problemlos in unsere Zeit transferiert.
Die Geschichte selbst ist in meinen Augen eine eher mystische Erlebnisgeschichte eines erfolgreichen Fotografen, inklusive einer tiefgehenden, leidenschaftlichen aber auch gefährlichen Liebesgeschichte sowie dezent eingewebten Elementen der düsteren Art; sozusagen ein sanftes Hineinfühlen in Thriller- und Horrorgenre, ohne diese zu sehr zu beanspruchen oder gar zu missbrauchen.
Wie man erkennen kann, lässt sich „Katzendämmerung“ als Werk nur schwer greifen und somit fällt es einem eher schwer, es mit dem Versuch den Inhalt zu erklären, weiter zu empfehlen.
Das soll keineswegs heißen, „Katzendämmerung“ wäre nicht zu empfehlen – mitnichten! – vielmehr sollte man „Katzendämmerung“ einfach ohne den Versuch einer nur schwer zu erklärenden Darlegung von Inhaltsangaben empfehlen – es muss bei diesem Buch reichen, zu sagen: Lies es und lass dich überraschen!
Mich persönlich hat „Katzendämmerung“ absolut überzeugt – nur durch den bei mir vorliegenden Umstand der drei Bände kam ich Anfangs ein wenig holprig in die Geschichte. Dies hat sich ja nun erfreulicherweise zu Gunsten eines durchgängigen Leseflusses erledigt und man kann getrost auf den kompletten Band verweisen.
Sicher, die ein oder andere dezente Länge scheint vorhanden zu sein. Im Nachgang betrachtet möchte ich aber keinen Satz davon missen.  Die Schreibweise Arthur Gordon Wolfs ist ausgesprochen niveauvoll, durchdacht, detailreich und lässt die Protagonisten mit all ihren Ecken und Kanten vor einem erscheinen. Hier scheint niemals eine oberflächliche Betrachtung Thema gewesen zu sein – alles liebevoll und detailreich gezeichnet. Genau so sollten Bücher sein.
Alles in allem ein durchweg gelungenes Werk, jenseits vom üblichen Mainstreambrei und dadurch gleich noch ein wenig besser. „Katzendämmerung“ bricht auch nebenbei sehr viele Genregrenzen und sorgt nicht nur für historisch bedingte Elemente, nein, es lässt noch genug Spielraum für puren, leidenschaftlichen Sex zu, um im Anschluss daran sogleich in thrillerhafte Tiefen abzutauchen. Als absoluter Höhepunkt viel mir in dieser Geschichte die fehlende Vorhersagbarkeit auf – dies gelingt ja wahrlich nur wenigen Autoren.
Also: Was will man mehr?
Ach ja: Ich sammelte einige Zeit ägyptische Figuren, u.a. eine Nofretete-Büste, ein Tut-Anch-Amun-Kopf und einige Gottheiten dieser Kultur. Nun, auch Bastet steht witzigerweise in meinem Regal – und wie mir bereits auffiel, betrachte ich nun diese Katze mit gänzlich anderen Augen…
Jürgen Seibold/23.02.2014
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Shirley Jackson: Spuk in Hill House

Jackson_Hillhouse© Shirley Jackson, 1959
„The Haunting of Hill House“
Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Krege
© der deutschen Übersetzung: 1993 Diogenes Verlag AG, Zürich
© der deutsche eBook-Ausgabe: 2013 Psychothriller GmbH
www.psychothriller.de
ISBN 978-3-942261-53-1
ca. 222 Seiten (Print)

COVER:

Sein Leben lang hatte er nach einem echten Spukhaus gesucht. Als er von Hill House hörte, war er zuerst skeptisch gewesen, dann erwartungsvoll und dann unbeirrbar. Er war nicht der Mann, der sich ein Haus wie dieses, wenn er es einmal gefunden hatte, wieder entgehen ließ. Die Methode, nach der er vorzugehen gedachte, leitete sich von den Methoden der unerschrockenen Geisterjäger des neunzehnten Jahrhunderts her; er wollte eine Zeitlang dort wohnen und sehen, was passierte …

REZENSION:

Shirley Jackson war mir schon seit jeher ein Begriff – irgendwie wurde diese Autorin grundsätzlich genannt, wenn es um Klassiker der Schauerliteratur ging.
Irritierenderweise hatte ich noch nie ein Buch dieser viel zu früh gestorbenen Autorin geöffnet und die Recherchen nach „Spuk In Hill House“ ergaben leider auch, dass diese Autorin wohl keine große Berücksichtigung im deutschen Blätterwald findet.
Die Geschichte über Hill House kannte ich bereits aus diversen Verfilmungen und somit war es nun einfach Zeit, dieses Buch zu beschaffen. Glücklicherweise hat sich erst vor kurzem ein Verlag dazu aufgerafft, diesen Klassiker als eBook zu veröffentlichen und somit ist man nun nicht mehr gezwungen in alten Bibliotheken oder gar Flohmärkten nach vergriffenen Exemplaren dieses Werkes zu suchen.
„Spuk in Hill House“ ist im Gegensatz zu den filmischen Umsetzungen keineswegs effekthaschend – Shirley Jackson versucht es vielmehr, durch psychologisch angehauchte Begebenheiten eine gewisse Stimmung aufzubauen, die durchweg dafür sorgt, dass man sich als Leser dezent bedroht fühlt und man urplötzlich jedes beim Lesen auftretende Geräusch des eigenen Hauses zu hinterfragen beginnt.
„Spuk in Hill House“ ist aus heutiger Sicht sehr ruhig erzählt – nichts desto trotz wabert immer ein dezenter Nebelschleier durch die gesamte Geschichte und man ist trotz fehlender – und heute oft üblicher – Spannungsspitzen immer daran interessiert zu erfahren, wie es denn nun weitergeht.
Sicherlich kann dieses Werk heutzutage nicht mehr jeden überzeugen – viel zu psychologisch schleicht sich das nur angedeutete Grauen durch Hill House. Nichts desto trotz ist und bleibt es ein Klassiker der Schauerliteratur, der problemlos Leser – unter Berücksichtigung vergangener Zeiten – überzeugen kann.
Ist man darüber hinaus Freund der beginnenden Gruselliteratur kann man jedenfalls an diesem Buch nicht vorbeigehen, ist es doch eines der grundsätzlichen Werke über „besessene“ Häuser. Mittlerweile kann man ja schon fast von einem eigenen Genre sprechen, da sehr viele Autoren und Filmemacher in den letzten Jahren über Häuser dieser Art philosophierten. „Spuk in Hill House“ ist dabei Wegbereiter und in genau der Zeit entstanden, in der man sich noch viele Gedanken über parapsychologische Phänomene machte, deren sich viele in der heutigen Zeit allein durch wissenschaftliche Erkenntnisse auflösten.
Aber vielleicht gibt es ja doch mehr als man ahnt…

 
Spuk in Hill House KINDLE EDITION KAUFEN BEI AMAZON

Jonathan Green: Unnatural History

Green_History(c) Luzifer-Verlag 2013
Roman, 376 Seiten
Broschur, Softcover
€ 13,95, ISBN: 978-3-943408-19-5

COVER:

Es ist das Ende des 20. Jahrhunderts und Queen Victoria regiert das Reich noch immer an oberster Stelle, gewartet von einer babbage’sken Lebenserhaltungsmaschine. Aufwiegelungen und Unzufriedenheit wachsen so stetig in Magna Britannia, wie das ständige Streben von Schattenwesen nach Macht und Einfluss.
Alles, was Sie in den viktorianischen Gothic-Novellen gelesen haben, ist wahr: Menschen können vom Tod wiederauferstehen, Dinosaurier leben noch immer in abgelegenen Bereichen der Welt (und im Londoner Zoo!), und auch Darwins Evolutionstheorie wurde korrekt nachgewiesen.
Aristokratische Stammbaumhalter der Vampire setzen sich in Osteuropa durch und graben ihre Klauen in die königliche russische Familie, Dampf- und Uhrwerkbetriebene Robotersklaven arbeiten neben den Ärmsten der Gesellschaft, während logisch denkende Maschinen der Führungsschicht helfen, ihren Machtanspruch in dieser überbevölkerten Welt  aufrecht zu erhalten.
In diese Kulisse setzen wir nun den höflichen Dandy und Galgenvogel Ulysses Lucian Quicksilver, gelegentlicher Abenteurer und Agent im Dienste des Thrones, der für schattenhafte Herren arbeitet, welche verzweifelt ein Regime zu erhalten versuchen, das seit 150 Jahren andauert und nun von innen einzustürzen droht – also keineswegs mehr das ist, was es zu sein scheint.
Er bekämpft schnauzbärtige Schurken in den zylindrischen Gewölben der Unterwelt mit raffinierter Eleganz und modischer Stilsicherheit. Unterstützung findet er dabei in seinem unerschütterlichen Hausdiener Nimrod, während die Uhr des Big Bens das Jahr 2000 ankündigt … und damit das Ende der Welt.

REZENSION:

Sobald man Jonathan Greens ersten Pax Britannia-Roman öffnet, befindet man sich im in einem teilweise stehen gebliebenen London – wir schreiben aber das Jahr 1997. Nichts desto trotz treffen wir auf Queen Victoria, die bereits 160 Jahre lang regiert und durch dampfbetriebene Maschinen noch weitere Jahre regieren wird. Darüber hinaus kann man im Londoner Zoo problemlos lebende Dinosaurier betrachten und man weiß, dass sich auch in der freien Wildbahn noch genügend davon herumtreiben. Beinahe unerwähnenswert lebt auch die Kolonialisierung Englands fort – jedoch nicht nur innerhalb großer Teile unserer Welt, sondern auch Mars und Venus sind britische Kolonien.
Man riecht förmlich das Teakholz und die Oberschicht Englands scheint modetechnisch schlicht stehen geblieben zu sein.
Dieser Transfer des viktorianischen Londons in unsere heutige Zeit ist sehr interessant und beinahe als selbstverständlich dargelegt.
Nun nehmen wir noch einen Oscar Wilde-ähnlichen Lebemann und lassen ihn als Abenteurer und Agent der englischen Regierung seinen Fall lösen.
Dessen Vorgehensweise in seinem Auftrag ist eine Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond. Sein Butler besitzt sehr viele Anleihen aus der Comic-Welt, wirkt er doch stark wie Batmans eingeweihter und hilfreicher Diener Alfred.
Darüber hinaus strotzt der Autor nicht nur vor lauter Ideenreichtum – er schafft es auch virtuos, sehr viele Anspielungen auf weitere literarische Begebenheiten vor des Lesers Augen aus zu breiten.
Interessanterweise hatte ich in dieser Geschichte durchweg kein Problem, den Transfer vergangener Zeiten in die heutige Welt zu akzeptieren – im Gegenteil, dies machte mir beim Lesen absolut viel Spaß und schreit förmlich nach weiteren Geschichten dieser Art.
Die Figurenzeichnung ist sehr durchwachsen dargestellt – Nimrod, der Butler und Simeon, der dazu stoßende Neandertaler sind detaillierter gezeichnet als der Hauptprotagonist selbst. Gleichzeitig war man leider ein wenig zu oft mit dem „sechsten Sinn“ Ulysses konfrontiert – da hat es sich der Autor schon ein klein wenig zu leicht gemacht.
Gleichzeitig handelt es sich natürlich in erster Linie um eine Kriminal- bzw. Agentengeschichte und diese beiden Genre sind nicht gerade meine Lieblinge – in diesem Fall wurde das durch die dargestellte Welt aufgelockert und ich konnte darüber hinwegsehen. Nichts desto trotz wäre das Drehen an der Spannungsschraube sicherlich nicht schadhaft und würde dem Inhalt in keinster Weise schaden. Im Gegenzug könnte man als Alternative auch etwas mehr den Leser bei der Hand nehmen und ihn die Begebenheiten und Umstände stärker selbst entdecken lassen. Das Potenzial der Differenzen zwischen heute und der viktorianischen Zeit wäre ja vorhanden.
Schlussendlich handelt es sich aber trotzdem um einen sehr interessanten Roman eines Genres, welches mir leider bis zu diesem Buch noch nie untergekommen ist. Die Geschichte ist auch interessant genug, um auf weitere Folgen mit Vorfreude entgegen zu sehen.
Jürgen Seibold/08.01.2014

 
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Michael Schmidt (Hrsg.): Zwielicht Band 1

ZwielichtMagazin für unheimliche Literatur
Herausgegeben von Michael Schmidt.
www.defms.de
Das Copyright der einzelnen Texte liegt beim jeweiligen Autor.

Inhalt:

Geschichten:

Christian Weis – Im Abgrund
Bernard Craw – Erwachen
Jakob Schmidt – Eine andere Wildnis
Rainer Innreiter – Sieben Katzenleben
Achim Hildebrand – Margit
Peter Nathschläger – Die Wölfe von Nebraska
David Grashoff – Der Autobahn-Heiland
Marcus Richter – Meer der Halme
Markus Niebios – Warten
N.T.Neumann – Das unterste Fundbüro
Markus Saxer – Das weiße Gesicht
Walter Diociaiuti – Sexy Sadie
Michael Schmidt – Volldampf voraus!
Tobias Bachmann – Kaleidoskop der Seele
Torsten Scheib – Götterdämmerung

Artikel:

Daniel Neugebauer – M. R. James und die Gespenstergeschichte
Martin Strasser – Der vergessene Wolfkind
Martin Strasser – Die Magie der Außenseiter
Michael Schmidt – Vincent Preis 2007

REZENSION:

Mit ZWIELICHT veröffentlichte der Gründer der mittlerweile sehr etablierten Vincent Preis-Auszeichnung ein Magazin in dem sich 15 sehr unterschiedliche Vertreter der unheimlichen Literatur befinden. Sämtliche dieser Geschichten sind in einem sehr hohen Niveau dargelegt und zeigen in beeindruckender Weise zu welcher Leistung jeder einzelne Autor in der Lage zu sein ist.
Erfreulicherweise befinden wir uns hierin in einer Sammlung deren Autoren direkt aus dem in diesem Genre oft als begraben befindlichen Land entstammen – sie zeigen somit, dass sich auch unser Land hinter seinen Autoren nicht zu verstecken braucht und darüber hinaus, dass auch Geschichten der oft als Trivialliteratur bezeichneten Genrezugehörigkeit des Unheimlichen sehr wohl nicht nur der reinen Unterhaltung dienen können, sondern auch literarischen Ansprüchen gerecht werden können.
Die in dieser als Magazin betitelten Anthologie befindlichen Geschichten lassen einen manches mal verstörend zurück, manches mal nachdenklich und ab und an einfach nur gut unterhaltend. Somit handelt es sich um einen Querschnitt, dessen Inhalt sicherlich nicht jeden – ähnlich einem musikalischen Sampler – durchweg überzeugen kann. In meinen Augen fand sich jedoch keine einzige Geschichte, die sich als gänzlich uninteressant dargestellt hätte und somit war ich beim Erreichen der Artikelsektion dieses Magazins sehr froh darüber, diesen Inhalt genossen zu haben.
Neben den interessanten Geschichten befinden sich noch einige Artikel in diesem Band – wodurch nun der Name “Magazin” auch seine Bedeutung erlangt.
Diese Artikel sind sehr interessant geschrieben und man bekommt sogleich neue Ideen zur Findung erfolgreicher Autoren, die leider in unserem Gefilden nicht sehr bekannt geworden sind. Hier wird man ein wenig mit Hintergrundmaterial gefüttert und ich bin bereits am Überlegen, ob ich demnächst auf die Jagd nach der ein oder anderen Geschichte eines Autors namens M. R. James gehen sollte.
Alles in allem ist Zwielicht ein durchweg gelungener Erstling eines Magazins mit durchweg hochwertigem Inhalt.
Mal sehen, ob die Zukunft hier noch weitere Perlen aufweisen kann.
Jürgen Seibold/01.01.2014
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Simon Heiser: Der Fall Scheib

scheib(c) Simon Heiser 2013

COVER:

“Dass ich in diesem Mausoleum vergessener Tage, in der Stille von Äonen, deren Gewicht schon jetzt schwer auf mir lastete, alleine bleiben sollte, nicht vermutend, was in der Schwärze auf mich lauern mochte, war mir unerträglich.”
-Eine Hommage auf H.P.Lovecraft-
Beschreibung:
Rudolf Schneider soll auf einem südhessischen Bauernhof kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine kranke Frau pflegen, deren Verstand nach dem Tod ihres Ehemannes gelitten hat. Doch schnell findet er heraus, dass hinter dem Leid der Witwe weit mehr zu stecken scheint, als er sich vorstellen kann …

REZENSION:

Howard Phillips Lovecraft ist sicherlich einer der einflussreichsten Autoren phantastischer Literatur. Somit ist es als mutig zu betrachten, ein in der heutigen Zeit erstelltes Werk direkt auf dem Cover als Hommage an diesen glorreichen Autor zu bezeichnen.
Simon Heiser traut sich dies ganz unverfroren und veröffentlichte nicht nur eine Geschichte mit dem Titel DER FALL SCHEIB, sondern bezieht sich sogleich direkt auf diesen angesehenen Autor.
Interessanterweise scheint Simon Heiser dem sogar gerecht zu werden, da man sich beim Lesen dieser Geschichte unverzüglich in die Sprache und Zeit Lovecrafts versetzt fühlt. Ich stelle es mir nicht gerade als einfach vor, mit dem Wissen und der bei uns in der heutigen Zeit vorherrschenden Sprache, sämtliche Satzzusammenstellungen in die Vorgehensweise eines Lovecraft zu heben.
DER FALL SCHEIB liest sich durch diesen Umstand zuerst ein wenig befremdlich – insbesondere, wenn man schon länger keine älteren Werke mehr genossen hat. Sobald man sich aber auf die alt wirkende Sprache einlässt, öffnet sich die Tür in die Welt Lovecrafts und es verschwimmt die Erkenntnis, dass diese Geschichte von einem Autor unserer Zeit erstellt worden ist.
Simone Heisers DER FALL SCHEIB ist eine durchweg interessanter Story, deren Aufbau mehr und mehr in Richtung Entdeckung des Bösen driftet und am Ende – ganz in der lovecraftschen Tradition – einen gebrochenen Menschen übrig lässt.
Zuviel möchte ich über den Inhalt nicht verraten – nur soviel, dass man sich wahrlich im Kosmos H.P. Lovecrafts befindet und Simon Heiser einen wirklich guten Job erledigte.
Jürgen Seibold/29.11.2013

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