HYS093 – Im Gespräch mit CHRISTOPHER GOLDEN auf der #LBM2018

Auf der Leipziger Buchmesse 2018 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der Veröffentlichungen von
DER FÄHRMANN und DIE SIEBEN PFEIFER des amerikanischen Autoren CHRISTOPHER GOLDEN ein Gespräch mit ihm zu führen.
So gut es in diesem begrenzten Zeitrahmen möglich war, streiften wir beide Bücher und gingen sogar ein wenig darüber hinaus.
Leider ist im Video Christopher Golden nicht richtig auf der Leinwand zu sehen – was aber wohl den unterschiedlichen Bildfrequenzen (Leinwand – Kamera) geschuldet ist.
Nichts desto trotz entwickelte sich ein schönes Gespräch mit einem sehr sympathischen und interessanten Autor.
Vielen Dank an den Buchheim-Verlag, der mich hierzu eingeladen hatte und selbstverständlich unserem Übersetzer, der Anfangs aufgrund der lauten Umgebungsgeräusche einen echt harten Job hatte.

King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Martin, George R. R.: Armageddon Rock

Originaltitel: Armageddon Rag
Deutsche Übersetzung von Peter Robert
©1983 by George R.R. Martin
©2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Golkonda Verlag GmbH.
©2016 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-19772-8
ca. 576 Seiten

COVER:

In einer apokalyptischen Nacht des Jahres 1971 stirbt eine Band – und mit ihr eine ganze Generation. Tausende von Zuschauern erleben live mit, wie der Sänger der legendären Nazgûl, von der Kugel eines Scharfschützen getroffen, auf offener Bühne tot zusammenbricht. Der Sommer der Liebe ist endgültig vorbei. Doch zehn Jahre später geschieht etwas Unglaubliches: Die Nazgûl sind zurück! Aber ihre Musik hat sich in ein rasendes Requiem verweandelt und kündet von Wahnsinn und Tod …

REZENSION:

George R.R. Martin ist ja durch seine sagenhafte und weit ausgeholte Geschichte über die Geschehnisse auf Westeros wohl mittlerweile jedermann ein Begriff.
Man könnte dieses Autoren somit problemlos auf seine Rolle im Genre der Fantasy reduzieren – gäbe es da nicht zusätzlich noch das ein oder andere Werk, dessen Inhalt nicht zu verachten ist und dabei eine weitgefächerte Kreativität des Autors belegen kann.
ARMAGEDDON ROCK ist ein früheres Werk Martins und wendet sich dem Ende der friedvollen, von Drogen, Sex und Leidenschaft getriebenen Welt des Rock and Roll zu. Er erzählt von einer Band namens Nazgûl, dessen Sänger auf dem Höhepunkt ihrer Karriere per Kopfschuss während eines sagenhaften Liveauftritts von einem Scharfschützen erschossen wird. Die Band löste sich natürlich nach dieser Grausamkeit auf und schien nur noch zu einer kleinen Notiz im Universum der Rockgeschichte zu werden.
Zehn Jahre später wird der abgehalfterte Musikjournalist und Möchtegernautor von seinem früheren Verleger dazu überredet, einen Artikel über die Nazgûl zu schreiben. Hintergrund ist ein Mordfall, bei dem der damalige Manager der Nazgûl auf brutale Weise getötet worden ist. Er macht sich auf den Weg, um die früheren Mitglieder zu finden, zu interviewen und dabei nach und nach heraus zu finden, dass erheblich mehr dahintersteckt, als man in seinen kühnsten Gedanken erwarten konnte. Zusätzlich macht das Gerücht seinen Weg, die Nazgûl würden einen Reunion-Tour planen – interessanterweise wissen lange Zeit nicht einmal die Bandmitglieder etwas davon, bis sie sich dann doch eines Tages gemeinsam wieder auf der Bühne finden. Doch wer übernimmt die Rolle des ermordeten Sängers? Nun, davon kann sich jeder Leser selbst überzeugen…
George R.R. Martin bietet uns mit diesem Werk eine liebevolle Hommage an den Rock der ausgehenden 60 und beginnenden 70er Jahre. Gleichzeitig wirkt Armageddon Rock auch als Abgesang auf diese Zeit. Man könnte somit sagen, es handelt sich um ein Musikbuch – und ja, um ein verdammt gutes Musikbuch, welches mit einem Lebensgefühl aufwartet und darlegt, wie es wohl seit Ende der „Blumenzeit“ wohl nicht mehr wirklich gegeben hat.
Eine Geschichte, die als Widmung zu vielen vergangenen Bands verstanden werden möchte. Dabei aber gleichzeitig ein grotesker Horrorroman, der die Reunion auf eine ganz andere Ebene hebt.
Sein Werk dient liebevoll als Reisebricht des unglücklichen Journalisten durch die Staaten, als epochales Rockbuch und fast sogar als Musikdokumentation längst vergangener Zeiten.
Er schafft es dabei auf geniale Weise, ein Lebensgefühl zu transportieren und man ertappt sich dabei, wie man plötzlich gitarrenlastige Musik als Hintergrundmusik zum Lesen benötigt.
Seine Personen sind durchweg detailliert eingefügt und glaubhaft dargestellt. Man erkennt schon ein wenig seine zukünftige Art des Ausschweifens – jedoch ist es in diesem Werk noch angenehm aufgebaut.
In meinen Augen ein nicht zu verachtendes Werk eines Autoren, der heutzutage im Großen und Ganzen auf sein epochales Game-Of-Thrones reduziert wird. Wie man merkt, gibt es da auch in der Vergangenheit bereits manch Perle von ihm.
Ein sehr empfehlenswertes Werk.
Jürgen Seibold/07.01.2018

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King, Stephen / Chizmar, Richard: Gwendys Wunschkasten

Originaltitel: Gwendy’s Button Box
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
©2017 by Stephen King und Richard Chizmar
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-43925-2
ca. 127 Seiten

COVER:

Wiedersehen mit Castle Rock

Die kleine Stadt Castle Rock in Maine hat die seltsamsten Dinge erlebt. Warum sollte es der jungen Gwendy anders ergehen? Eines Tages schenkt ein schwarz gekleideter Unbekannter ihr einen Holzkasten mit lauter Schaltern und Hebeln. Wozu er dient? Gwendy probiert es aus, und ihr Leben verändert sich von Grund auf.

REZENSION:

Mit Gwendys Wunschkasten kommt eine in meinen Augen sehr kurze Geschichte von lediglich knappen 130 Seiten auf den Markt. Die Bindung als Hardcover wirkt handlich und macht sich gut im Stephen-King-Regal.
Bei dieser Seitenzahl kann natürlich der normalerweise ausschweifend erzählende Autor nicht ausholen, wie man es von ihm kennt und zu schätzen weiß.
Bereits nach einigen Seiten musste ich schmunzeln, da Gwendy von einem Fremden namens Richard Farris einen Kasten mit Tasten bekommt. Nun, wer King kennt, weiß, das er gerne mit seinen Figuren bücherübergreifend spielt und sogar in Initialen Bedeutungen verborgen sind. Nun, Richard Farris = R.F. = Randall Flagg. Somit scheint sich hinter diesem Kasten sicherlich mehr zu verbergen, als es oberflächlich den Anschein zu haben scheint.
Die Story selbst ist eine wunderschöne Parabel über das Erwachsenwerden (wohl eine Leidenschaft Kings), als auch über die auftretenden Probleme beim Übernehmen von großer Verantwortung.
Sicher, durch die begrenzte Seitenzahl kann hier nicht allzu sehr ausgeholt werden, dennoch war es wieder einmal ganz schön, nach Castle Rock zurück zu kommen.
Gwendys Wunschkasten ist jedenfalls ein gelungenes Häppchen, bevor man sich dem nächsten 1000-Seiten-Blocker Kings widmet. Das Ende ist diskussionswürdig, aber auch wieder typisch für einen King.
Gwendys Wunschkasten besitzt einen dezenten Grusel, regt zum Nachdenken an und sorgt für ein behagliches Wiedersehen mit der fiktiven Stadt. Ein, zwei Verweise auf andere Werke konnte der Autor trotz der kurzen Möglichkeit auch noch hinterlassen.
Ein nettes, kleines Büchlein mit einer Geschichte, die mich ausreichend überzeugen konnte. Es gibt schlechtere King-Kurzgeschichten, aber es gibt auch bessere. Nichts desto trotz konnte Gwendys Wunschkasten überzeugen und ich freue mich bereits auf den Genuss seines neuesten Romans.
Jürgen Seibold/17.12.2017

Gwendys Wunschkasten – KAUFEN BEI AMAZON

Richard Laymon: Das Auge

Originaltitel: ALARMS
Aus dem Amerikanischen von Sven-Eric Wehmeyer
Vollständige deutsche Erstausgabe 10/2017
©1992 by Richard Laymon
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-17654-9
ca. 352 Seiten

COVER:

Pen öffnete die Augen. Sie lag eingerollt auf der Seite, die Beine leicht ausgestreckt. Das obere Bein war eingeschlafen. Die enge Jeans hatte die Blutzirkulation abgebunden. Sie erinnerte sich nicht daran, sich auf die Seite gewälzt zu haben. War sie eingeschlafen, so wie ihr Bein? Sie spähte zum erleuchteten Zifferblatt des Weckers hinüber. Halb vier. Sie machte die Augen wieder zu. Und hörte Schritte. Die Wucht ihres Herzschlags raubte ihr den Atem. Sie vernahm nichts anderes als das Hämmern ihres Herzens. Dann einen neuerlichen leisen, kratzenden Schritt. Nicht innerhalb des Apartements, sondern auf dem Asphalt direkt vor ihrem Fenster. Das Fenster befand sich über ihrem Gesicht. Zitternd zog sie den Vorhang beiseite. Ihr gefror das Blut in den Adern …

REZENSION:

Der im Jahre 1947 geborene und leider bereits im Jahre 2001 gestorbene Richard Laymon wurde mit einer Vielzahl seiner Werke zu einem Garant für gelungene, blutige und spannende Horrorliteratur.
Seine Büchern schwanken dabei jedoch recht stark von absoluten Kultwerken zu Romanen, die ganz nett zum Lesen sind, dennoch sich nicht unbedingt in das Gehirn des Lesers einfräsen.
DAS AUGE liegt irgendwo dazwischen. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich dabei um ein Buch aus dem Jahre 1992 handelt. Wenn man dies im Hinterkopf behält, wird einem recht klar, dass zu dieser Zeit sehr viele Romane dieses Genres recht ähnlich aufgebaut waren und trotzdem ausreichend für Unterhaltung sorgen konnten.
DAS AUGE ist dabei – vor allem im Vergleich zu anderen Werken des Autors – recht harmlos. Dennoch sorgt es für eine funktionierende Unterhaltung mit ausreichend Spannungselementen. Sehr oft leider stark vorhersehbar, dennoch eine interessante Idee und ganz in Ordnung für einige Stunden zum Abschalten. Schlichtweg ein kurzweiliger, nicht zu tiefsinniger Thriller mit interessanten Protagonisten und in der eingängigen Sprache Laymons geschrieben. Sicherlich hätte er noch stärker auf das Gas drücken können, was wohl auch dafür sorgt, das DAS AUGE sicherlich harte Laymon-Fans nicht umfassend überzeugen kann.
Kurzum ein netter kleine Thriller für Zwischendurch – ähnlich einem Film aus dem Abendprogramm, dessen Hintergedanke nichts weiter als die kurzweilige Unterhaltung ihres Konsumenten darstellen möchte.
Jürgen Seibold/29.11.2017

Das Auge: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Carl Wilckens: 13 – Das Tagebuch (Band 1)

© acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-473-1
ca. 255 Seiten

COVER:

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich in einer Drogenhölle ohne Sonnenlicht. Mein einziger Freund war der Hunger. Worte wie Freundschaft, Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich kann euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin mehr Bestie denn Mann und giere nach einer Droge namens Perl.
Trotzdem nennt man mich einen Helden. Ihr habt von mir gehört, von Godric End, dem Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich kennt ihr nicht. Sie ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.
Ihr sollt meine Geschichte hören. Die Geschichte von meinem Dasein im Rumpf der Swimming Island, von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

REZENSION:

Als Carl Wilckens das Licht der Welt erblickte, musste ich mich bereits dem täglichen Irrsinn des Berufslebens widmen. Laut Beschreibung entspringt er somit einer Generation, die von Fantasyliteratur geprägt aufgewachsen ist. Nun, das würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Sicher, diese Generation hatte es sicherlich leichter, da zu meiner Zeit Fantasy in den Augen unserer Eltern lediglich Papier für den Müll war. Trotzdem ist es uns gelungen, uns der Phantastik zu widmen – ausreichend Werke waren auch damals bereits vorhanden. Man musste nur etwas tiefer wühlen, gab ja keine Onlinemöglichkeit…
Na egal, es soll ja in dieser Rezension eher um 13 gehen. Der erste Band eines Tagebuches über Godric End. Godric End ist eigentlich nicht wirklich ein Sympathieträger. Im Gegenteil, ich würde unverzüglich und ohne zu Zögern die Strassenseite wechseln, nur um ihm aus dem Weg gehen zu können.
Irgendwie ist es im Laufe des Buches dennoch ein wenig irritierend, dass einem dieser Kerl immer mehr ans Herz wächst. Man lauscht mit ebenso spitzen Ohren wie seine Zellengenossen der Erzählung Godrics. Innerhalb kürzester Zeit fühlt man sich in den Zellenblock 13 versetzt und sucht nach Zigaretten – nur, damit Godric weiterhin damit bestochen werden kann und uns noch mehr von seinem Leben erzählt.
Wie gesagt, Godric ist nicht gerade ein Sympathieträger – drogensüchtig, hinterfotzig, mörderisch – aber: ein verdammt interessantes Leben in einer teils realen, teils phantastischen Welt.
Gleichzeitig ein Genremix und nebenbei auch ein wenig Steampunk.
Carl Wilckens erzählt eingehend und doch recht detailliert. Es gibt verschiedene Ebenen, die der Geschichte ausreichend Tiefe und Abwechslung liefern. Teilweise ein brutaler Überlebensroman, teilweise ein mystisch angehauchter LIebesroman. Alles so geschickt vermengt, dass wahrlich für jeden etwas dabei ist. Man fühlt sich einfach an die Wand seiner Zelle gelehnt und lauscht den Worten Godric Ends und hofft, dass er noch lange damit weitermacht. Gleichzeitig steigt auch die Hoffnung der Insassen, dass sie in Godric ihren lange erwarteten Retter vor sich haben.
Nun, abwarten und einfach dieses sowie die nächsten Tagebücher genießen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

Dreizehn. Das Tagebuch: Band 1. Roman (Dreizehn -13-) – KAUFEN BEI AMAZON

Peter Clines: Der Raum

Originaltitel: 14
Aus dem Amerikanischen von Marcel Häußler
Deutsche Erstausgabe 05/2017
©2012 by Peter Clines
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31642-3
ca. 592 Seiten

COVER:

Nathan Tucker, den alle nur Nate nennen, findet in Los Angeles zu seiner großen Überraschung eine traumhafte Wohnung mit unglaublichem Panorama-Ausblick, und das für eine unverschämt niedrige Miete. Die Wohnungsbesichtigung in dem uralten, ziegelverkleideten Gebäude verläuft ebenfalls reibungslos, bis auf die schillernd grüne Kakerlake, die Nate kurz über den Boden krabbeln sieht. Das stört ihn jedoch nicht weiter, und so zieht er eine Woche später ein. Als er dann von mehreren Leuten hört, dass irgendetwas mit dem Haus nicht stimmt, kommen erste Zweifel bei Nate auf, die sich schon bald nach dem Einzug verstärken: Es tauchen seltsam mutierte Küchenschaben auf, im Keller gibt es einen riesigen Fahrstuhl-Maschinenraum, obwohl der Fahrstuhl angeblich noch nie funktioniert hat, und die Elektrizität des Hauses hat keinerlei Verbindung zum Stromnetz von Los Angeles. Schließlich erfährt Nate von seinen neuen Nachbarn, dass es in dem nach einer Inschrift über dem Eingang so benannten Kavach-Haus bereits etliche Selbstmorde gab. Außerdem hat keiner der Mieter seit ihrem Einzug jemals wieder geträumt. Als sie beschließen, das Geheimnis des Kavach zu lüften, müssen sie feststellen, dass das Haus bereits eigene Pläne mit ihnen hat …

REZENSION:

Es sollte eigentlich einen potenziellen Mieter stutzig machen, wenn sich eine Mietwohnung in einer Stadt wie Los Angeles nicht nur als schöne Wohnung darbietet, sondern dabei auch noch extrem günstig angeboten wird.
Nate kann es selbst kaum glauben, dennoch konnte er nahezu problemlos zugreifen und somit konnte sein Leben als weiterer Mieter des Kavach-Hauses im Herzen LA’s beginnen.
Nach und nach lernt er einige sehr skurrile Nachbarn kennen, die in auch immer mehr von der Kuriosität dieses Gebäudes überzeugen. Recht schnell stellt sich dabei heraus, dass dieses uralte Haus einige Geheimnisse in sich zu tragen scheint. Ein schnell zusammengestelltes “Erkundungsteam” unter Nates Leitung macht sich auf den Weg, das Gebäude näher zu erforschen. Dabei immer sehr vorsichtig, da ihnen des öfteren der Hausmeister im Nacken sitzt.
Sie treffen dabei auf Räume, die nirgendwo einen Sinn zu ergeben scheinen – darüber hinaus einen Weg durch den Keller in ungeahnte Tiefen…
Peter Clines’ Roman beginnt recht sanft und führt ein sehr skurriles Publikum ein. Man lernt dabei Personen kennen, bei denen man sich immer wieder selbst fragt, ob man diese gerne als Nachbarn haben wollen würde. Das geht von der zumeist nackt auf der Gemeinschafts-Dachterrasse liegenden, von allen sexuellen Schamgefühlen befreiten Frau, hin zum weiblichen Computernerd, deren Wohnung mit Technik vollgestopft ist, einem alles im Auge behaltenden und auf die Regeln pochenden Hausmeister, als auch dem religiös-fanatischen und alles verteufelnden Einsiedler.
Natürlich ist dabei nicht das gesamte Setting genannt, welches Clines auflaufen lässt, dennoch ist damit schon einmal kurz angerissen, dass in diesem Haus mehreres nicht in Ordnung zu sein scheint. Nichts desto trotz wächst diese Gemeinschaft immer mehr zusammen und nutzt die jeweiligen Eigenschaften der Beteiligten, um zum Ziel zu kommen: Die Geheimnisse dieses Hauses zu ergründen.
Romane mit Häusern in der Hauptrolle sind immer wieder schön zu lesen. Wer möchte nicht mehr über vermeintliche Geschichten dieser Häuser kennen lernen. Insbesondere, wenn darin auch einige Selbstmorde geschehen sind und man auf Räume stößt, deren Sinn sich nicht sogleich erschließt. Ganz zu schweigen von dem kilometerlangen Weg in die Tiefen der Erde und der Erkenntnis am Ende dieses Weges.
Dementsprechend stimmungsvoll sind auch die ersten beiden Drittel dieses mystisch angehauchten Gruselromans. Sicher, die Personen sind zwar skurril, wirken aber auch ab und an ein wenig schablonenhaft entwickelt und somit etwas vorhersehbar. Trotzdem macht es aber aufgrund der Stimmung und der langsamen Entdeckungsreise durch das Haus recht viel Spaß, dieses Buch zu lesen.
Über das Ende möchte ich nicht allzu viel verraten. Nur soviel sei gesagt: Es ist eine dezente Lovecraft-Hommage und gleichzeitig ein klein wenig Science-Fiction.
Dies auch relativ glaubwürdig, leider sehr schnell und somit viel zu hektisch abgehandelt. Ein wenig, als ob der Autor eine bestimmte Seitenzahl einhalten musste. Er steigt zwar in das Action-Gas, dennoch wäre es schöner gewesen, wenn er hier ebenso sanft vorgegangen wäre, wie in den ersten beiden Dritteln des Buches. Hätte er diese Stimmung bis zum Ende durchziehen können, wäre DER RAUM eine absolute Empfehlung. So ist es jedenfalls ein recht unterhaltsamer Roman mit einem relativ interessanten Thema und einem durch und durch interessantem Haus.
Jürgen Seibold/02.10.2017

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Jack Ketchum: Scar

Originaltitel: The Secret Life OF Souls
© 2016 by Dallas Mayr and Lucky McKee
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67717-3
ca. 336 Seiten

COVER:

Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichte zu machen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren …

REZENSION:

Geschichten, in denen Kinder die tragische Hauptrolle tragen, sind in meinen Augen immer besonders intensiv. Bereits in EVIL ging Jack Ketchum in diese Richtung und präsentierte ohne jegliche Rücksicht auf Verluste einen Ausblick auf die unglaublichen Möglichkeiten des Mobbings, des Gruppenzwangs und der sozialen Abgeschiedenheit.
Während er bei EVIL noch stark auf Horrorelemente Wert zu legen schien, ließ er dies im vorliegenden Buch beinahe durchweg unberücksichtigt. Was jedoch dieser Geschichte keinesfalls schadet – im Gegenteil: Sie bekommt dadurch eine stärkere Glaubwürdigkeit verliehen.
In SCAR lernen wir eine Familie kennen, wie es sie sicherlich unzählige Male auf diesem Planeten gibt. Die Zusammenstellung beinahe klischeehaft: Eltern, 2 Kinder und ein Hund. Nun jedoch auch noch eine Mutter, die schon immer Schauspielerin werden wollte, dabei jedoch auf keinen wirklich grünen Zweig gekommen ist. Aber sie hat ja ein hübsches Töchterchen. Recht jung noch, dennoch – oder gerade deswegen – leicht zu vermarkten. Beide tingeln dabei von einem Fotoshooting zum anderen, von einer Werbeaufnahme zur anderen und von einem Casting zum nächsten.
Delia ist nicht wirklich davon begeistert, spielt aber als anständige Tochter stoisch mit.
Nach und nach erkennt man an Ketchums Geschichte, dass das gesamte Familieneinkommen auf dieser Tätigkeit beruht. Somit sich nahezu alternativlos darstellt. Als dann plötzlich ein sehr dummes Unglück geschieht und dabei Delias Gesicht mit Narben entstellt wird, verdichtet sich diese Problematik in ungeahnte Höhen: Die Krankenhausrechnungen mögen bezahlt sein, Abstriche beim Lebensstandard werden nur ungern gesehen.
Während sich beide Elternteile immer mehr dem Alkohol und neuen Ideen widmen, arrangiert sich Delia mit ihrem neuen Aussehen und ist fast froh, dem Filmwahnsinn damit entgehen zu können.
Die Ehe bröckelt immer mehr, bis kurzfristig eine Lösung am Horizont auftaucht: Man könnte ja auch das verunglückte Kind vermarkten. Am Besten noch gemeinsam mit ihrem Hund, der ihr damals das Leben gerettet hatte.
Ketchum zieht ab da wieder die Dramatik an und führt Delia wieder als Spielball ihrer Mutter vor – diese möchte sich das aber nicht mehr wirklich gefallen lassen und reagiert immer öfter auf eigene Entscheidung und mit unvorhergesehenen Äußerungen.
DasFamiliendrama spitzt sich dadurch immer mehr zu: Der Alkohol fließt und auch der zeitweise Besuch fremder Betten ist nicht mehr wirklich eine Randerscheinung.
SCAR ist beileibe kein Horrorroman, wie viele Fans dieses Autors sicher erwarten würden. Nichts desto trotz ist es Jack Ketchum gelungen, eine Geschichte zu kreieren, die ihren Horror aus der normalen Nachbarschaft zieht. Als Leser fühlt man sich wie ein Voyeur, der seinen Blick in die Tiefen einer angespannten Familie legen darf. Dabei erkennt man sehr deutlich, wie nahe oft Alltäglichkeit, Hoffnung und absoluter Wahnsinn beieinander liegen können.
SCAR wirkt absolut real und dementsprechend glaubwürdig. Aus diesem Grund auch dementsprechend intensiv. Nun gut, auch Freunde der dezent eingestreuten, mystischen Elemente kommen nicht zu kurz: Es gibt ja noch Caity, Delias Hund. Hier könnte man fast sagen, dass klingt nicht gerade nach Realität – aber ich als Hundebesitzer kann nur sagen: Doch, das klingt sehr wohl glaubwürdig. Davon abgesehen gibt es dieser Geschichte eine gewisse freundliche Würze, denn Caity ist einfach der einzige Anker, der Delia noch geblieben ist.
In meinen Augen ein absolut gelungener und intensiver Roman über eine Familie, die von Besessenheit getrieben wird und dabei nicht einmal Rücksicht auf ihre eigenen Kinder nimmt.
Leider befürchte ich, dass es auch viele Beispiele außerhalb des gedruckten Wortes im realen Leben gibt – auch das wird zu keinem guten Ende führen…
Jürgen Seibold/24.09.2017

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Charlie Jane Anders: Alle Vögel unter dem Himmel

Originaltitel: All the Birds in the Sky
©2016 Charlie Jane Anders
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2017 S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-10-403838-4
ca. 330 Seiten (eBook)

COVER:

›Alle Vögel unter dem Himmel‹ von Charlie Jane Anders ist vieles: ein magischer Science-Fiction-Roman, eine unvergessliche Liebesgeschichte zwischen einer Hexe und einem Nerd – und eine feinsinnige Bestandsaufnahme des modernen Lebens.

Patricia Delfine merkt früh, dass sie eine Hexe ist. Schließlich kann sie mit den Vögeln sprechen – oder konnte es früher zumindest einmal (an jenem warmen Sommertag). Laurence Armstead ist ein Nerd: Schon als Highschool-Schüler erfindet er in seinem Kinderzimmer eine Zeitmaschine, die es ihm erlaubt, zwei Sekunden in die Zukunft zu reisen. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie schnell Freunde.
Gegen Ende der Schulzeit verlieren sie sich aus den Augen, nur um sich einige Jahre später in San Francisco wiederzutreffen: Doch der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Die Welt wird gerade von einer ökologischen Katastrophe heimgesucht: Ganze Regionen versinken im Meer, Flüchtlingsströme durchziehen die Welt. Wissenschaftler wie Hexen suchen nach einem Ausweg, können sich jedoch nicht einigen. Laurence und Patricia finden sich auf unterschiedlichen Seiten der Auseinandersetzung wieder und müssen sich fragen: Wem können wir trauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät, dem Verstand oder dem Gefühl?

REZENSION:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass man hier das Buch definitiv nicht auf Basis des Covers beurteilen kann. Ganz schlicht prangt darauf lediglich der Autorenname sowie der Titel des Buches. Beides platzfüllend und ohne jegliche bildhafte Unterstützung.
Somit lässt sich durch den Umschlag schon einmal nichts über das gedruckte Wort zwischen den Deckeln erahnen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es ein solches Werk auf dem üblichen Büchertisch in einem Laden recht schwer haben könnte. Nichts desto trotz hat es dieses Buch definitiv verdient, von seinem zukünftigen Leser nach Hause genommen zu werden.
Ich greife jedoch vorweg: Ich konnte mir absolut keinen Reim auf den Inhalt machen, wusste lediglich, dass es wohl eine Art Crossover zwischen Fantasy und Science Fiction zu sein scheint. Nun, dies klingt doch allein schon recht vielversprechend und somit siegte meine Neugierde zu Gunsten des ersten umfänglichen Romans von Charlie Jane Anders.
Anfangs war ich dennoch sehr skeptisch, ob ich nun eine für mich Interessante Geschichte oder gar ein Jugend-, wenn nicht sogar ein Kinderbuch in meinen Händen halte. Der Grund liegt am Anfang: Lese ich doch in einer recht einfach gehaltenen Sprache von einem jungen Mädchen, welches plötzlich mit den Vögeln sprechen kann und mit ihnen gemeinsam zu einer Vogelversammlung geht.
Nach und nach steigt jedoch die Story in eine Ebene, die dafür sorgt, dass man einfach nicht mehr davon loskommt. Wir begleiten die beiden Außenseiter durch ihr Leben – eine der Natur verbundene Hexe und ein Wissenschaftsnerd, der sich der technischen Entwicklung verschrieben hat. Beide exzentrische Außenseiter, die von ihren Mitschülern dementsprechend gemobbt werden. Nach und nach entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte mit allen möglichen Höhen und Tiefen zwischen diesen Beiden. Gleichzeitig sind sie Konkurrenten auf ihrem jeweils eingeschlagenen Weg.
Charlie Jane Anders entwickelt nach und nach recht rasante und dennoch sehr philosophische Geschichte, deren Inhalt einfach als wunderschön zu betrachten ist.

Prinzipiell würde ich jetzt nicht unbedingt von Fantasy vs. Science Fiction sprechen – spielt die Geschichte doch gefühlt in unserer Zeit und die technischen Errungenschaften, die von den Nerds gerade entwickelt werden oder wurden, klingen recht plausibel. Gut, die Fähigkeiten einer Hexe klingen nach Fantasy – aber was soll‘s? Könnte doch ein Quentchen Wahrheit sein…
Alles in allem kann ich dieses Buch jedem wirklich nur ans Herz legen. Es handelt sich darin einfach um eine durchweg gelungene Geschichte, die erfrischend neu wirkt und in der viele Sätze zum Nachdenken anregen. Diese sind dabei so nebenbei eingestreut, dass sie einfach zur Story gehören und dem Leser in kleinster Weise irgendeinen erhobenen Finger vor die Augen halten möchten. Trotzdem könnte man sich sehr gut vorstellen, dass die beiden Bereiche gemeinsam wohl sinnvoller wären – aber darum geht es hier nicht.
Kurzum: Genießt einfach dieses Buch, es lässt einen wirklich auf außerordentlich interessante Art vom Alltag abtauchen. Ein wahrlich perfektes Debüt.
Jürgen Seibold/11.08.2017
Alle Vögel unter dem Himmel – KAUFEN BEI AMAZON

Jeff VanderMeer: Akzeptanz – Southern-Reach-Trilogie III

Originaltitel: Acceptance
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Juli 2017
©2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51806-9
ca. 336 Seiten

COVER:

Es ist Winter, und eine weitere Expedition übertritt die Grenze zu Area X. Auf der Suche nach einem verschollenen Mitglied einer früheren Expedition dringen die Teilnehmer tief ins mysteriöse und fremdartige Gebiet der Area X vor. Während sie sich mit neuen Gefahren konfrontiert sehen, nimmt auch die Bedrohung der Außenwelt immer beängstigendere Ausmaße an. Das Gebiet dehnt sich weiter aus, und die Folgen sind abgrundtief erschreckend.

REZENSION:

Beim ersten Band der Southern-Reach-Trilogie war ich sichtlich irritiert und konnte nur teilweise etwas Gutes dem Werk abringen. Zu sehr spielte der Autor mit unterschiedlichen Erzählweisen und erschwerte einem damit das durchgängige Lesen.
Dem Werk eine Chance geben wollend und insbesondere dem Umstand geschuldet, dass der Autor eine grundsätzliche geniale Idee ausarbeitet und dabei einen virtuosen Schreibstil darlegen konnte, widmete ich mich danach sogleich dem zweiten Band dieser Trilogie. In diesem konnte er mich dann einigermaßen überzeugen, wie meiner damaligen Rezension zu entnehmen ist.
Dementsprechend freute ich mich auf den abschließenden Band und konnte es gar nicht mehr erwarten, alle noch offenen Fragen zu endgültigen Antworten zu führen.
Leider ließ mich dabei der Autor mit meiner Erwartungshaltung gänzlich alleine.
Erneut schreibt er wahrlich hoch anspruchsvoll und lässt einen in die Gedankengänge der beteiligten Personen eintauchen. Nichts desto trotz schwenkt er erneut mit seinem Schreibstil und schon ist man beim Wechsel der Kapitel ab und an irritiert. Darüber könnte man jedoch noch hinwegsehen, da man sich daran in diesem Buch recht schnell gewöhnt. Nichts desto trotz plätschert die Geschichte unaufgeregt vor sich hin. Als Leser befindet man sich lediglich in der Rolle eines übergeordneten Betrachters. Antworten werden dabei keine geliefert. Abermals erfährt man nichts über die Hintergründe, weitere Fragen bleiben ungelöst. Der Autor lässt seinen Leser schlichtweg am langen Arm verhungern.
Dies allein ist bereits sehr irritierend, ist der Autor doch eher in der qualitativ hochwertigen Literatur angesiedelt. Somit ein hochwertiger Roman ohne jegliche Rücksicht auf Verluste.
Es wird sicherlich manch einen geben, der diesem Gesamtwerk etwas abgewinnen kann – in meinen Augen fehlt jedoch zu viel. Insbesondere bei einem sehr phantastisch angehauchten Werk kann man normalerweise problemlos ein geeignetes Ende aufwarten – egal wie phantastisch es anmuten würde.
Als Film, der einer anderen Gesetzmäßigkeit folgen muss, könnte die Geschichte trotzdem gut funktionieren – in seiner Darbietung als geschriebenes Wort hat es bei mir leider nicht geklappt.
Jürgen Seibold/09.07.2017
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Matthew Delaney: Dämon

Originaltitel: Jinn
Aus dem Amerikanischen von Axel Merz
© 2003 by Matthew B.J. Delaney
© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach
ISBN 3-404-15264-6
ca. 764 Seiten

COVER:

Als Meeresforscher ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes Schiff entdecken und bergen, können sie nicht ahnen, welche Gefahren sie damit heraufbeschwören. Denn in dem Wrack befindet sich ein Wesen, das nur ein Ziel kennt: zu töten. Mit der Überführung des Schiffes nach Boston beginnt für die Bewohner der Stadt eine Phase des Schreckens. Bizarre Morde, verstümmelte Leichen und kryptische Zeichen halten die Polizei in Atem, und alles scheint auf eine Verbindung zwischen den Gewalttaten und dem Wrack hinzudeuten. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kriminalbeamten auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

REZENSION:

Matthew Delaney holt in seinem beinahe achthundert Seiten starkem Werk recht weit aus. Bereits im ersten Kapitel, welches eher als Prolog zu betrachten ist, fragt man sich, warum er in seinem ersten Roman sogleich soviel zu erzählen hat. Interessanterweise fühlt man sich dabei nicht gestört und somit liest man erst einmal sehr lange über die Begebenheiten einer US-Amerikanischen Truppe bei ihrem Einsatz gegen die Japaner auf einer nicht wirklich kriegsentscheidenden Insel. Nach und nach erkennt man dabei jedoch, dass sich auf dieser Insel eine weitere Gefahr befindet.
Hierdurch sehen sich die Kontrahenten – zumindest teilweise – dazu gezwungen, ihre Kampfhandlungen gegeneinander einzustellen um sich gemeinsam dem mächtigen Gegner zu widmen.
Als nächstes nehmen wir als Leser bei einer Bergungsmission im Ozean teil – weiterhin bleibt der lockere Faden zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg bestehen. Als Leser kann man sich spätestens jetzt diesem Werk nicht mehr entziehen, da Delaney diese Mission außerordentlich interessant, wahrheitsgetreu und spannend vor des Lesers Augen entfaltet.
Erneut vergehen einige Jahre, bis wir auf die ersten Todesfälle in Boston treffen. Ab diesem Augenblick könnte man beinahe von einem reinen Krimi sprechen, wäre da nicht die noch nicht greifbare und wohl übernatürliche Komponente des Bösen.
Delaney bleibt sich treu und erzählt und erzählt. Ab und an fragt man sich, ob weniger nicht etwas mehr gewesen wäre – man ist aber dennoch weiterhin an die Geschichte gefesselt und versucht, über manchen Logikfehler und auch Nutzung des ein oder anderen Zufalls hinweg zu sehen.
Die Fäden finden im Laufe des Romans immer näher zusammen und bis zum Ende schafft es der Autor auch problemlos, alle zu einem relativ plausiblen und gemeinsamen Ergebnis zusammenlaufen zu lassen.
DÄMON ist wahrlich ein Roman im Stile eines gut erzählten Thrillers, wie man ihn sich auch im Kino vorstellen könnte. Trotz seines Ausschweifens fühlt man sich nicht verlassen – im Gegenteil, man sieht über manche Handlungskleinigkeit hinweg und folgt einfach dieser spannenden Geschichte.
Sicher hätten dem Roman einige Seiten weniger wohl recht gut getan – nichts desto trotz macht er in seiner Gänze trotzdem ausreichend Spaß, um ihn mit einem guten Gefühl zu Ende zu lesen. Ein purer Unterhaltungsroman mit sehr guten Ideen und Ansätzen.
Jürgen Seibold/25.06.2017
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A. K. Benedict: Die Seelen von London

Originaltitel: Jonathan Dark or the Evidence of Ghosts
Aus dem Englischen von Alice Jakubeit
Deutsche Erstausgabe Juni 2017
©2016 by A.K. Benedict
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52055-0
ca. 396 Seiten

COVER:

Die blinde Maria ist Schatzsucherin, sie durchkämmt den Schlamm des Londoner Themseufers nach verborgenen Kostbarkeiten. Eines Tages macht sie einen unheimlichen Fund, garniert mit einer Zeile in Braille-Schrift: “Willst du mich heiraten, Maria?”
Detective Inspector Jonathan Dark ist höchst beunruhigt – er sucht unter Hochdruck nach einem Stalker, der sein letztes Opfer mit ähnlichen Botschaften beglückte, bevor er die junge Frau tötete.
Die Suche nach dem Psychopathen scheint aussichtslos – da wächst dem Kommissar Hilfe aus unerwarteter Quelle zu: Das Bestattungsinstitut in Jonathan Darks Nachbarschaft ist ein Ort, an dem sich Seltsames abspielt. Bestatter Frank scheint mit seinen verstorbenen Kunden in bestem Einvernehmen, hilft ihnen, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden und auf die Lebenden einzuwirken.
Und auf einmal taucht das junge Mordopfer auf – voll schwarzer Rachegedanken …

REZENSION:

“Die Seelen von London” strotzt förmlich voll interessanter Protagonisten. Man fühlt sich relativ schnell angetan von der wunderschönen Idee, einen beinahe normalen Stalker-Krimi mit den in unserer Welt befindlichen Geistern zu verknüpfen.
Die junge Maria wirkt unglaublich dominant trotz ihrer Behinderung. Der Ermittler wartet mit einer Vielzahl persönlicher Probleme auf und steht sich damit ab und an selbst im Weg. Der Bestatter wirkt außerordentlich wissensreich und hilfsbereit. Selbst der Stalker bekommt von der Autorin seine Rolle glaubwürdig übergestülpt und von der hilfsbereiten Taxifahrerin aus der Geisterwelt möchte ich gar nicht reden – eine unwahrscheinlich sympathische Figur.
Nichts desto trotz hatte ich Anfangs ein wenig Probleme, die unterschiedlichen Ebenen greifen zu können. Im Nachgang betrachtet scheint dies vor allem den Absatzwechseln geschuldet, die innerhalb eines Kapitels in der Handlung beziehungsweise Erzählebene springen und man selbst sich gedanklich noch im Absatz davor befand. Vielleicht hätte man hier ein klein wenig mehr machen sollen, als lediglich eine doppelte Zeilenschaltung.
Sobald man jedoch die Vorgehensweise der Autorin in sich aufgesogen hat, eröffnet sich ein guter Krimi mit einer erfrischenden Idee.
Die Verknüpfung von mystischen Elementen mit der realen Welt halte ich sehr oft für eine wunderbare Art, genreübergreifend eine Erzählung zu offenbaren. Sicher, in diesem Werk war dann doch das Ende hierdurch recht vorhersagbar, nichts desto trotz hat mir wirklich jede teilnehmende Person in ihrer Rolle sehr gut gefallen.
Ab und an bekommt man das Gefühl, dass ein wenig mehr detaillierte Zeichnung manch einer Person etwas besser getan hätte – gleichzeitig könnte ich mir aber vorstellen, dass die Autorin hier noch weitere Bücher folgen lassen wird und dadurch hoffentlich mehr personenbezogene Details vom Stapel lässt.
Alles in allem ein recht erfrischender und ausreichend gut gelungener, Grenzen überschreitender Krimi mit interessanten Ideen. Teilweise noch ein wenig holprig in seiner Ausführung, aber dennoch ein Garant, um damit einige unterhaltsame Lesestunden zu haben.
Jürgen Seibold/17.06.2017
Die Seelen von London: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen Leather: Brut des Teufels

Originaltitel: Midnight
Aus dem Englischen von Barbara Ostrop
©2011 by Stephen Leather
© der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-442-37813-5
ca. 480 Seiten

COVER:

“Deine Schwester holt der Teufel, Jack Nightingale.” Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser mysteriöse Spruch seit jeher über dem Leben des ehemaligen Polizeiermittlers. Dieses Mal vernimmt er die unheilvollen Worte aus dem Mund einer Frau, die tot über einer Treppe baumelt, aufgehängt mit einer Wäscheleine. Doch Jack kennt seine Schwester nicht, denn mit dem Tag ihrer Geburt ist sie aus seinem Leben verschwunden. Wie kann er jemanden retten, dem er noch nie begegnet ist?
Jack Nightingale macht sich auf die Suche, doch jeder, mit dem er über seine Schwester spricht, stirbt einen grauenvollen Tod. Jemand – oder etwas – scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass die beiden Geschwister zusammenkommen. Sollte Jack sie retten wollen, muss er eine Fähigkeit einsetzen, die er einst bei der Polizei lernte und seitdem blind beherrscht: Er muss verhandeln. Doch jede Verhandlung mit den dunklen Mächten hat ihren Preis, und so muss Jack sich fragen: Ist es jede Seele wert, dass man sie rettet?

REZENSION:

Stephen Leathers “Brut des Teufels” ist ein Thriller, der mit einer Vielzahl an übersinnlichen beziehungsweise satanischen Elementen angereichert worden ist. Allein dadurch fühlt man sich beinahe in einen rasanten Film hineingezogen, der einem keine Ruhe lässt.
Jack Nightingale ist auf der Suche nach seiner Schwester, die – ebenfalls wie er – am Tage ihrer Geburt zur Adoption freigegeben worden ist.
Nach und nach bekommt man als Leser von “Brut des Teufels” heraus, dass bereits Jacks Seele durch seinen Vater an den Teufel verschachert worden ist. Dies scheint auch auf die Seele seiner Schwester zu zu treffen.
Nachdem es in meinen Augen dadurch einige auftretende Fragezeichen gab und diese auch nur durch kleine Hinweise beantwortet worden sind, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier noch eine Vorgeschichte zu geben scheint. Wie sich herausstellen sollte: “Brut des Teufels” ist die zweite Story mit Jack Nightingale in der Hauptrolle. Somit wäre es unter Umständen eventuell hilfreich, mit “Höllennacht” zu beginnen. Nichts desto trotz wagte ich mich weiter durch die Seiten dieses Werkes und verzichtete auf den Genuß des ersten Bandes.
Schade jedoch, dass man weder auf dem Cover noch im Buch vom Verlag darauf aufmerksam gemacht wird.
Die Geschichte selbst ist absolut eingängig geschrieben und Jack selbst ist kurios genug, um beim Leser als geeigneter Protagonist anzukommen.
Geschickt baut der Autor kleine aber feine Horrorelemente ein, die zwar beinahe vor lauter Klischee tropfen, dabei aber dennoch Spaß beim Lesen machen.
Von der Thematik her fühlt man sich ein wenig in die Geschichten und Filme der 80er Jahre zurück versetzt – damals gab es nach meinem Empfinden eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, die Teufelsbeschwörungen in irgendeiner Art und Weise zum Thema hatten.
Auf der Suche nach seiner Schwester gibt es ausreichend Action für Jack Nightingale, eine Vielzahl an kuriosen Todesfällen, sowie eine ganze Palette an satanischen Lebewesen, die Jack das Leben recht schwer machen.
Ab und an lässt der Autor den Zufall ein wenig arg stark zu seinen eigenen Gunsten wirken – dennoch führt das nicht zu irgendeiner Abwertung, da diese klischeebeladene Geschichte durchweg eingängig, rasant und spannend erzählt worden ist und gerade deswegen für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
Einfach mal ein satanischer Thriller zur reinen Unterhaltung ohne besonderen Anspruch auf Tiefgang.
Jürgen Seibold/03.06.2017
Brut des Teufels: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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Markus Kastenholz: Rotjäckchen und der perverse Wolf

© 2016 Eldur Verlag, Aachen
ISBN 978-3-937419-22-0
ca. 192 Seiten

COVER:

Sechs Geschichten, von denen die titelgebende den größten Raum einnimmt.

Aber handelt es sich dabei nun um Fantasy, Horror, eine blutig-eklige Märchenparodie oder vielleicht irgendwie alles zusammen …? Wir können es auch nicht sagen, und das gilt für die meisten der anderen Geschichten ebenfalls.

Aufgrund der düsteren Stimmungslage und der vielen Hektoliter Kunstblut, die eine Verfilmung erfordern würde, haben wir diese Sammlung letztlich unter Horror eingeordnet, wohlwissend, dass sie eigentlich in keine Schublade passt. Außer in die eine große Hauptschublade unseres Verlags:

Bloß nicht langweilen.

REZENSION:

Die Geschichten von Markus Kastenholz verfolgen mich schon viele Jahre. Wenn ich mich nicht täusche, waren Kastenholz’ Werke mit die ersten auf dieser Homepage. Zumindest die ersten eines aufstrebenden Autors, die ich erhalten hatte.
Interessanterweise konnte er mich mit jedem seiner Bücher außerordentlich gut unterhalten. Mir fällt heute noch ein sehr lokal angehauchtes Werk namens “Breisgauer Geschichten” ein, bei dem zwar das Cover so gar nicht nach interessantem Inhalt aussah, jedoch der Inhalt genau das Gegenteil darstellen sollte.
Darüber hinaus gab es immer wieder einige Kurzgeschichten des Autors in verschiedensten Büchern, die immer für sehr gute Leser-Unterhaltung sorgten.
Nun also ein weiterer Band – diesmal veröffentlicht beim Eldur-Verlag, der ebenfalls schon seit Jahren von mir besprochen und somit gelesen wird. Auch hier gab es noch nie etwas Negatives zu verzeichnen.
Nun also ein Buch mit dem doch recht irritierenden Titel.
Wie sich aber herausstellen sollte, macht die Titelgeschichte einfach nur Spaß – man könnte zwar locker sagen, es ist einfach eine Neuinterpretation des netten Märchens; dies würde dem aber nicht gerecht werden. Ist die Idee doch außerordentlich interessant und irgendwie auch witzig in ihrer Ausführung.
Schon einmal ein sehr gelungener Start in diesen Kurzgeschichtenband.
Es gibt dann noch fünf weitere Geschichten, die durchweg die Qualität dieses Autors aufzeigen. Ein durchweg gelungener und ideenreicher Kurzgeschichtenband, der wirklich zu hundert Prozent überzeugt und für gelungene Unterhaltung sorgt. Ich kann somit dieses Werk wirklich nur empfehlen und ich bin jetzt schon gespannt, welche Werke Kastenholz noch so auf das Papier bringen wird.
Ach ja: Die letzte Geschichte “Der letzte Gast” kommt mir irgendwie sehr sehr bekannt vor. Ich werde bei dieser das Gefühl nicht los, sie bereits irgendwann schon einmal gelesen zu haben.
Sollte das wirklich der Fall sein, ist es aber auch egal, denn ich halte diese Story für einen absoluten Höhepunkt und mochte sie sicher bereits beim ersten Mal. Allein für die gelungene Idee ziehe ich bereits meinen Hut. Einwandfrei umgesetzt.
Schlussendlich ist dieser Kurzgeschichtenband simple gesagt einfach nur zu empfehlen.
Jürgen Seibold/18.02.2017
Rotjäckchen und der perverse Wolf – KAUFEN BEI AMAZON