Andreas Franz: Tödliches Lachen – Ein Julia-Durant-Krimi

Originalausgabe Oktober 2006
c 2006 by Knaur Taschenbuch.
ca. 446 Seiten / € 8,95

COVER:

Kommissarin Julia Durant ist höchst beunruhigt. Mit der Post hat sie einen Umschlag erhalten, in dem sich das Foto einer offensichtlich ermordeten jungen Frau befindet. Ein makabrer Scherz oder aber grausame Wirklichkeit?
Noch während Julia und ihre Kollegen rätseln, wird eine Frauenleiche gefunden – die Frau auf dem Foto!
Lange tappt Kommissarin Durant im Dunkeln, denn Svenja Martens, das Opfer, scheint ein völlig unauffälliger Mensch gewesen zu sein. Doch bald drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Mord nur der Beginn einer grausamen Serie sein könnte. Julia ahnt nicht, dass sich der Täter ganz in ihrer Nähe befindet…

REZENSION:

Mit dem Roman “Tödliches Lachen” ist dem Autor Andreas Franz ein Krimi der Meisterklasse gelungen.
Am Anfang seines Werkes wird man in das Leben des Mörders eingeführt. Einfühlsam beschreibt der Autor die Probleme und vor allem die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Mörder und seinem Vater. Ohne das man es merkt, wird die Person des Mörders zu einer sympathischen und menschlichen Figur – mit allen ihren Problemen, Ängsten und Gefühlen.
Man hat zwar sehr schnell das Gefühl “Ich weiß wer der Mörder ist”, trotzdem tappt man dennoch bis zum Schluss stark im Dunkeln.
Auch die Julia-Durant-Person wird hervorragend beschrieben. Sie wird nicht als Superfrau dargestellt, sondern als eine weibliche Protagonistin, die mit beiden Beinen im Leben steht. Beruflich wie auch privat werden diverse Problematiken geschildert, die jedem von uns in der selben Weise begegnen können.
Des weiteren ist der Kriminalfall in einem flüssigen, leicht lesbaren und bis zum Schluss absolut spannenden Stil geschrieben.
Sonja Seibold/25.10.2006

Andreas Franz: Mörderische Tage

Originalausgabe März 2009
c 2009 by Knaur Taschenbuch
Ca. 457 Seiten / € 8,95

COVER:

Innerhalb kurzer Zeit verschwinden mehrere Frauen spurlos. Es werden keine Leichen gefunden, die Polizei tappt im Dunkeln. Trotzdem beschließt Julia Durant, ihren lange geplanten Urlaub in Südfrankreich anzutreten. Doch kurz vorher wird sie von einem Unbekannten brutal überfallen und entführt. Er hält sie in einem dunklen und feuchten Kellergewölbe gefangen, in dem sich offenbar noch andere Frauen befinden. Verzweifelt versucht Julia herauszufinden, was der Entführer von ihr will. Inzwischen laufen die Ermittlungen der Kollegen auf Hochtouren, denn Julia hat nicht mehr viel Zeit…

REZENSION:

Andreas Franz legt mit seinem neuesten Julia Durant-Fall „Mörderische Tage“ erneut einen routinierten Krimi vor, der jeden Anhänger dieser Reihe problemlos überzeugen und somit an die Seiten fesseln kann.
Wieder einmal vergisst Andreas Franz weder die gelungene Darstellung seiner Protagonisten, noch die gut eingewebten Spannungsbögen, durchsetzt mit einem Hauch von Action.
Am Ende dieses spannenden, eingängigen und flüssig zu lesenden Buches ist man abermals enttäuscht, es schließen zu müssen – jedoch gleichzeitig in freudiger Erwartung auf die weiteren Erlebnisse Julia Durants.
Jürgen Seibold/30.05.2009

Harry Dolan: Böse Dinge geschehen

Titel der amerikanischen Originalausgabe: Bad Things Happen
Deutsch von Martin Ruben Becker
Deutsche Erstausgabe 2010
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
c 2009 Harry Dolan
c 2010 der deutschsprachigen Ausgabe:
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 415 Seiten / € 14,90

COVER:

David Loogan ist Redakteur bei einem Krimi-Magazin, das in der beschaulichen amerikanischen Universitätsstadt Ann Arbor herausgegeben wird. Eines Tages tritt sein Boss und Freund Tom mit einer ungewöhnlichen Bitte an ihn heran: Loogan soll ihm helfen, eine Leiche zu begraben. Nun ja, unter Freunden tut man sich schon mal einen Gefallen. Loogan willigt ein. Doch als Nächstes ist der Boss selber tot. Und das ist noch lange nicht die letzte Leiche im kleinen Ann Arbor! Natürlich fühlt sich Logan berufen, selbst Nachforschungen in der Sache anzustellen, sehr zum Missfallen von Elizabeth Waishkey, der zuständigen Ermittlerin. Während die beiden einander ständig in die Quere kommen, scheint nach und nach der gesamte Autorenstamm von Loogans Magazin das Zeitliche zu segnen.

REZENSION:

Das dezent aber trotzdem für einen Kriminalroman sehr gelungen auftrendende Cover sorgte dafür, das ich dieses Buch einem anderen vorziehen musste. Persönlich bin ich eher dem Thriller- als dem Krimi-Genre verfallen, aber was solls – vielleiht verbirgt sich hinter den Buchdeckeln eine geeignete und unterhaltsame Geschichte.
Wie ich erkennen durfte, wurde ich auch nicht enttäuscht – sicherlich strotzt die Geschichte vor allen möglichen Krimi-Klischees, die der Autor ironischerweise nicht nur verwendet, sondern auch geschickt mit ihnen spielt und selbst als Klischees innerhalb der beschriebenen Krimiautorenbranche verwendet. Dies allein gebührt schon einen Pluspunkt!
Die Geschichte wiederum verwendet nicht unbedingt Neues innerhalb des Genres – lässt aber trotzdem das Interesse des Lesers aufrecht und spielt auch virtuos mit einigen Wendungen, die nicht immer vorhersehbar waren. Somit ein wahrlich recht raffinierter Plot, der besonders von der Unwissenheit des Lesers über die Hintergründe des Hauptdarstellers lebt. Würde dies nicht der Fall sein, könnte ein Großteil des Buches sicherlich seinen Reiz verlieren – irgendwie möchte man aber über David Loogan mehr erfahren.
Somit ein ganz guter, interessant aufgebauter Debütroman, der dem Genre dezent noch die ein oder andere neue Möglichkeit offenbart.
Sollte Harry Dolan noch ein klein wenig “böser” werden und sich einen dezenten Schubs in Richtung Thriller geben, wäre er mit Sicherheit ein Kandidat auf meiner Wunschliste für seine nächsten Bücher,
Jürgen Seibold/05.01.2011

Simon Brett: Der Tote im Hotel

Originaltitel: The Hanging in the Hotel
Übersetzung: Renate Weitbrecht und Friedrich Pflüger
Deutsche Erstausgabe November 2007
c 2004 by Simon Brett
c 2007 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
ca. 396 Seiten / 7,95 €

COVER:

Im Hopwicke Country Hotel feiert ein exklusiver Männerclub der britischen Oberschicht ein rauschendes Fest. Am Morgen danach wird der junge Anwalt Nigel Ackford erhängt in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Doch die Besitzerin des Hotels ist misstrauisch und fürchtet um ihr Geschäft. Sie bittet die exzentrischen Hobbydetektivinnen Jude und Carole, Nachforschungen anzustellen. Aber die Hotelgäste tischen den beiden immer neue Lügengeschichten auf…

REZENSION:

Mit “Der Tote im Hotel” legt Simon Brett eine übliche Kriminalgeschichte vor, die leider nicht aus der Masse hervorstechen kann. Simon Brett versucht sich zwar durch seine Hobbydetektive im Rentenalter an Miss Marple anzulehnen – kommt aber an den Witz der etwas zerstreut aber doch gewieft wirkenden Figur nicht ran. Durch den Einbau entsprechender und verwirrenden Lügengeschichten der einzelnen Verdächtigen führt er zwar den Leser etwas an der Nase herum, schafft es aber leider nicht, die notwendige Lebendigkeit und die erwartete Spannung ein zu bauen. Somit plätschert die vorliegende Geschichte in erster Linie vor sich hin und hat als einzigen positiven Punkt, dass der Mörder wirklich erst auf den letzten Seiten enthüllt wird.
Übrig bleibt ein mittelmäßiger Krimi, der sein Genre bedient aber nach Schließen des Buches sicherlich nicht bleibend in Erinnerung fortleben kann.
Jürgen Seibold/05.02.2008

Thráinn Bertelsson: Walküren

Originaltitel: Valkyrjur
Aus dem Isländischen von Tina Flecken
Deutsche Erstausgabe Februar 2008
c 2008 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 365 Seiten / 9,95 €

COVER:

Den Spuren nach zu urteilen, hätte es gar nicht eindeutiger sein können. Selbstmord. Die Frau hatte einen Staubsaugerschlauch auf den Auspuff gesteckt und das andere Ende durch das Fenster in den Wagen geführt. Doch schon bald finden Víkingur und Gudrún von der Kripo in Reykjavík erste Hinweise, dass die Frauenpolitikerin Freyja Hilmarsdóttir ermordet worden ist. Irgendjemand schien ein enormes Interesse daran zu haben, die Veröffentlichung ihres jüngsten Buches zu verhindern. Denn nach ihrem gewaltsamen Tod ist das Manuskript spurlos verschwunden – und taucht schon bald unter ominösen Umständen wieder auf…
Es ist eine ganz eigene Welt, in die uns die Ermittlungen der Kripo Reykjavík führen. Eine Welt, in der es fast mehr Gletscher, Vulkane und Wasserfälle als Einwohner gibt, in der ein Mörder an Außerirdische glaubt, mit einem Hauptkommissar, der eigentlich Theologe ist, und einer Polizeichefin, der schon mal die Faust ausrutscht. Das ist Island: ein Land, wo jeder jeden kennt und nichts schwerer ist, als ein Geheimnis für sich zu behalten.

REZENSION:

Die Frauenrechtlerin und Skandalautorin Freya Hilmarsdottir hat viele gegen sich aufgebracht, gehörnte Ehemänner, hochkarätige Politiker, Polizisten, … Die Liste der Tatverdächtigen ist lang, viele haben viel zu verbergen und noch mehr zu verlieren, wenn ihr geplantes Buch veröffentlicht wird. Vikingur und Gudrun haben viel zu tun.
Thrainn Bertelsson entführt den Leser in eine andere Welt, in der die Leute an Außerirdische und Elfen glauben, in der jeder mit jedem verwandt ist oder zumindest kennt, in der man sich mit Vornamen und „du“ anspricht, und in der Wahnsinn zum alltäglichen Leben gehört.
Es gibt neben der Haupterzählung noch zahlreiche Nebenschauplätze: Gudruns Ehekrise, Vikingurs Depressionen, ein Mann behauptet, seine Frau sei von Außerirdischen entführt, ein hochrangiger Politiker wird auf das Abstellgleis verfrachtet, die Gründung einer „Sicherheitsabteilung“ oder besser als Geheimdienst bezeichnet.
Den Schluss fand ich recht enttäuschend. Es ist zwar sehr überraschend, wer letztendlich der Täter ist, aber das Motiv bleibt unklar. Dennoch ist „Walküren“ sehr spannend erzählt und macht Appetit auf mehr.
Diana Becker / 02.03.2010

Anthologie: Holmes und der Kannibale – Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 2

Herausgeber: Roman Sander
c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
 

COVER:

Neben jenen 60 Berichten über die Fälle des Londoner Detektivs Sherlock Holmes, welche von Arthur Conan Doyle als Ghostwriter des Holmes-Freundes Dr. Watson veröffentlicht wurden, gibt es eine ganze Reihe anderer Fälle, die aus diversen Gründen zu Lebzeiten der beteiligten Personen nicht veröffentlicht werden durften. In unserem neuen Jahrtausend jedoch muss das keine Gültigkeit mehr haben, und so eröffnen wir dem geneigten Leser hier eine Sammlung von fünf neuen Fallberichten zur Unterhaltung und zum Nachdenken.

Fall 1: Ein englischer Lord als Kannibale? Welche Umstände führten zu einem so schrecklichen Verhalten?
Fall 2: Gab es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Sherlocks Bruder Mycroft und dem schurkischen Professor Moriarty?
Fall 3: Ein Fluch liegt über der Ausgrabungsstätte, an der englische Archäologen arbeiten. Doch Holmes zweifelt an der realen Existenz eines solchen Fluchs…
Fall 4: Der alternde Sherlock Holmes wird an ein Ereignis erinnert, das er lange Jahre verdrängt hatte. Nun holt ihn die Wahrheit ein.
Fall 5: Unzählige Vermutungen wurden über die wahre Identität von “Jack the Ripper” angestellt. Dem soll nun ein Ende bereitet werden, denn hier finden Sie endlich die Wahrheit über den berühmtesten Serienmörder aller Zeiten.

Die Autoren:
GARY LOVISI, amerikanischer Allround-Schriftsteller (bereits mit einem Buch in der BLACK COLLECTION vertreten)
BARRIE ROBERTS, Brite, Autor einer Reihe neuer Holmes-Romane
MARTIN BARESCH, aufsteigender deutscher Schriftsteller
UND die große Überraschung in diesem Buch: GEOFFREY LANDIS, US-Wissenschaftler und Science-Fiction-Autor.

REZENSION:

Sherlock Holmes ist für mich leider lediglich ein Begriff wie “Columbo”: Ich kenne das meiste nur vom Film. Sicherlich, ich stand sogar schon mal vor dem angeblichen Haus in dem Holmes gelebt haben soll und kam auch schon in den Genuss des ein oder anderen Romanes von Arthur Conan Doyle (nur eben kein “Holmes”).
Nun liegt vor mir ein Band mit fünf Fällen des Meisterdetektivs und ich frage mich, ob solche Kriminalfälle den netten Jürgen vom Ofen hervor locken können…
Pflichtbewusst schlug ich dieses Buch auf und begann überraschenderweise eine Lektüre, die mir sehr deutlich zeigte, dass auch Kriminalfälle, sofern sie gut erzählt werden, absolut spannend und glaubwürdig sein können.
Für einen Nicht-Holmes-Kenner wie mich sind dies meine ersten fünf Berichte des Londoner Detektivs und ich könnte mir vorstellen, dass selbst Arthur Conan Doyle viel Überzeugungsarbeit leisten müsste, um mir klar zu machen, dass er selbst der Erschaffer dieses Phänomens ist. Jaja, wer’s glaubt…
Aus meiner Sicht ist nun der Blitz-Verlag mit diesem Band der Erschaffer Holmes und konnte mich ausnahmslos durch alle fünf Beiträge von insgesamt vier unterschiedlichen Autoren überzeugen.
Die Reihenfolge in diesem Buch ist ebenfalls sehr passend und geschickt gewählt:
Der erste Fall scheint ein ziemlich “klassischer” Fall zu sein, was durch die zweite Geschichte, nun aus der Sicht Holmes’ Bruder Mycroft erzählt, erheblich getoppt wird (Ich steige damit sicherlich keinem auf den Schlitz, da ja die beiden ersten Fälle von demselben Autoren sind).
Erheblich spannender geht es in der dritten, sehr mystisch angehauchten Geschichte weiter. Das Ganze spitzt sich während dem vierten Fall um die ermordete Frau Watsons zu und erreicht seinen Zenit mit der absolut genialen fünften Story, in dem wir auch noch nähere Informationen über “Jack the Ripper” erhalten (welche, sei hier bewusst nicht erwähnt).
Auf jeden Fall handelt es sich bei dieser Geschichte für Holmes-Kenner um schweren Tobak, der aber gleichzeitig sicherlich zu den unheimlichsten aber trotzdem genialsten Fällen Holmes zu zählen ist.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass das Titelbild sehr schön in das damalige London zu führen weiss und die Illustrationen vor den jeweiligen Geschichten eine sehr schöne und passende Einleitung darstellen.
Was will man mehr??
Jürgen Seibold/24.01.2006

Friedrich Ani: Wer lebt, stirbt

Originalausgabe April 2007 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Lizenzausgabe mit Genehmigung des Paul Zsolnay Verlags
c 2007 Paul Zsolnay Verlag, Wien
ca. 222 Seiten / € 7,95

COVER:

Die Leiche liegt zusammengekrümmt auf dem Teppich, ihr Gesicht ist aufgequollen, das zerrissene Hemd weist dunkle Flecken auf. Falk Sieger, Angestellter eines Münchner Wach- und Sicherheitsdiensts, ist erstochen worden. Der Verdacht fällt schon bald auf Siegers Kollegen Jens Schulte. Eines kommt Hauptkommissar Jonas Vogel dabei allerdings seltsam vor: Schulte wird von einem sündhaft teuren Anwalt vertreten: Hilmar Opitz. Dieser steckt im Moment jedoch selbst in Schwierigkeiten, denn seine heimliche Geliebte ist entführt worden, und er wird erpresst. Die Sache sei äußerst delikat, erklärt Dezernatsleiter Schuhmacher, Stadtrat Opitz kandidiere schließlich für das Amt des Oberbürgermeisters; Vogel solle sich deshalb nicht in die Arbeit der Sonderkommission einmischen. Vogel stutzt. Noch nie hat Schuhmacher ihm bei seinen Ermittlungen die Zügel angelegt. Steht der Mord an dem Wachmann etwa in Zusammenhang mit der Erpressung? Zum ersten Mal in seiner Laufbahn arbeitet der Hauptkommissar hinter dem Rücken seines Vorgesetzten mit seinem Sohn, Oberkommissar Max Vogel, zusammen, der mit dem Entführungsfall betraut worden ist. Doch dann geschieht etwas, das Jonas Vogels Leben für immer verändert…

Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, ist Absolvent der Drehbuchwerkstatt an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und arbeitete als Reporter und Hörfunkautor. Neben dem Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums erhielt er den Radio Bremen Kriminalpreis und zweimal den Deutschen Krimipreis für seine Romane um den Ermittler Tabor Süden. Für seinen Roman “Idylle der Hyänen” wurde er mit dem Tukan-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Friedrich Ani lebt in München.

REZENSION:

Interessanter Weise wird Friedrich Ani in unseren Landen mehr und mehr als fulminanter Krimiautor gelobt. Vielleicht ist dies auch für seine weiteren Bücher absolut gerechtfertigt – ich bin der letzte, der aufgrund eines einzigen und auch noch recht kurzen Buches jemandem diese Lorbeeren streitig machen würde.
Nichts desto trotz ist das vorliegende Buch “Wer lebt, stirbt” alles andere als ein spannender Kriminalfall, der den Leser fesseln sollte. Die grundsätzliche Idee mit dem erblindeten Ermittler ist sehr interessant und kann sicherlich noch für viel Stoff in den Folgebänden sorgen. Im vorliegenden Buch jedoch kommt Friedrich Ani trotz der nur knapp über 200 Seiten langen Geschichte nicht ins Rollen und man wartet nach dem Genuss des halben Buches immer noch auf den erhofften Krimi- bzw. Spannungseffekt.
Ani legt viel Wert auf die Darstellung seiner Personen und zeigt dabei auch einen großen Hang zum Detail – dies ist positiv, doch ein Krimi muss in erster Linie zur Unterhaltung des Lesers dienen und dieses Genre sollte sich auch mit einigermaßen spannenden Plots zu erkennen geben. “Wer lebt, stirbt” bewegt sich leider eher auf dem Kriminiveau der öffentlich-rechtlichen Sender: wenig Steigerungen, wenig Spannung … – es plätschert so dahin und bleibt durchgehend oberflächlich, was es jedem Leser erschwert, offenen Auges die Geschichte zu ergründen.
Normalerweise würde ich ein 200 Seiten umfassendes und dabei fesselndes Buch innerhalb kürzester Zeit verschlingen – bei “Wer lebt, stirbt” kam ich nicht mal  zum Ende…
Jürgen Seibold/29.12.2007