Nele Neuhaus: Wer Wind sät

Deutsche Erstausgabe Juni 2011
© 2011 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
ISBN 978-3-548-28351-7
557 Seiten / € 14,99

Cover:

Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen: Ein Nachtwächter lag mehrere Tage unentdeckt in einem Firmengebäude. Schnell wird klar, es war Mord. Gemeinsam mit Oliver von Bodenstein ermittelt Pia im Umkreis einer Bürgerinitiative, die gegen einen geplanten Windpark kämpft. Dabei stoßen sie auf ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen Euro wert ist – und einen Mann das Leben kostet…

Rezension:

Klimapolitik, Windkraftanlagen, Korruption und gefälschte Gutachten – man möchte fast fragen welche Zeitung man denn liest…
Nele Neuhaus greift hier ein Thema auf, das vor gut einem Jahr in aller Munde war.
Anfangs war es noch sehr spannend, aber durch unglaubliche Personenkonstellationen, diverse Nebengeschichten und einem Perspektivenwechsel in jedem Kapitel ist die Luft doch relativ schnell raus gewesen.
Dieses Buch war in meiner persönlichen Lesereihe von Nele Neuhaus eines das mich nicht so sehr überzeugte.
Nichtsdestotrotz hat Nele Neuhaus einen Schreibstil, der unglaublich gut zu lesen ist und der allein durch seine Art und Weise so fesselt, dass man eigentlich erst nach einiger Zeit und genauerem Nachdenken merkt, dass das Buch eigentlich keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Es ist schon etwas her, dass ich den Schmöker ausgelesen habe und ich muss gestehen, dass es mir jetzt schwerfällt wirklich etwas darüber zu schreiben. Ich habe unglaublich viele Charaktere kennengelernt, es gab viele Tote, es ist sensationell viel passiert auf den 500 Seiten, aber es ist irgendwie komisch, dass die Privatgeschichten der zwei Hauptakteure mehr Eindruck hinterlassen haben als der eigentliche Fall…
Insofern ein Buch für alle, die im besten Fall Nele Neuhaus schon kennen. Ansonsten ein guter Zeitvertreib und lesenswert für jeden Krimifan unter uns 😉
Birgit Grunwald für Hysterika, 10.01.2012

Wer Wind sät: Der fünfte Fall für Bodenstein und Kirchhoff KAUFEN BEI AMAZON

Brenda Joyce: Bevor der Tod euch scheidet

Originaltitel: Deadly Vows
Aus dem Amerikanischen von Ralph Sander
(c) 2010 by Brenda Joyce Dreams Unlimited, Inc.
(c) 2011 by MIRA Taschenbuch
Deutsche Erstveröffentlichung
ca. 428 Seiten / € 8,99

COVER:

New York, 1902: Die Falle schnappt zu!
Francesca Cahill sitzt in der leeren Galerie fest. Wie konnte die erfahrene Privatdetektivin so arglos in ihr eigenes Verderben tappen? Ausgerechnet heute, an ihrem eigenen Hochzeitstag mit ihrer großen Liebe Calder Hart, hat man sie hierher gelockt. Angeblich wegen eines gestohlenen Gemäldes, das einen Skandal in der eleganten New Yorker Gesellschaft heraufbeschwören könnte. Und das Francesca um jeden Preis haben will! Denn die nackte Schöne auf dem sündigen Gemälde ist niemand anderes als sie selbst. Sie muss fliehen, muss dem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende machen. Doch Francesca hat die Rechnung ohne ihren mörderischen Feind gemacht …

REZENSION:

Der 9. Fall von Francesca Cahill wurde schon lange erwartet. Nun liegt er endlich mit “Bevor der Tod euch scheidet” vor. Abermals handelt es sich um eine spannende und flüssig geschrieben Geschichte, die prinzipiell nichts missen lässt.
Der einzige Manko an Brenda Joyce liegt im Umstand, das einiges teilweise kitschig erzählt wird und manches naiv und romantisch dargelegt wird. Nichts desto trotz schafft sie immer wieder die Kurve und lässt spannende Elemente – die zu einem Krimi einfach gehören – einfliessen.
Irgendwie fragt man sich, warum Joyce wieder einen Fall veröffentlicht – beim Lesen jedoch erkennt man abermals, wie schön die Bücher zu lesen sind und man hofft am Ende erneut, dass ein Neuer folgen wird.
Jürgen Seibold/21.01.2012

 

Bevor der Tod euch scheidet KAUFEN BEI AMAZON

Jutta Profijt: Kühlfach Betreten Verboten!

Originalausgabe 2012
(c) 2012 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-21340-0
ca. 320 Seiten / € 9,95

COVER:

Pascha, der vorlaute Geist aus “Kühlfach 4” bekommt wieder Arbeit. Bei einem schweren Autounfall werden vier Kinder verletzt, und die Fahrerin – eine türkischstämmige Lehrerin – ist verschwunden. Im Krankenhaus werden die Kids vorübergehend in ein künstliches Koma versetzt, was bedeutet, dass ihre Seelen derweil fröhlich auf Erkundungstour gehen und Pascha in der Zwischenwelt Gesellschaft leisten. Der hat alle Hände voll zu tun, den Flohzirkus um sich zu bändigen. Gleichzeitig will er mit seinen unternehmungslustigen Nachwuchsassistenten der vermissten Lehrerin auf die Spur kommen. Doch die Ermittlungen zwischen Schule und Nachtclub geraten schnell ins Stocken, und einmal mehr muss Pascha seine kriminalistischen wie auch pädagogischen Talente unter Beweis stellen. Von Rechtsmediziner-Freund Martin ist diesmal wenig Hilfe zu erwarten. Der ist aufgeregter denn je, weil er Vater wird.

REZENSION:

Mit „Kühlfach – betreten verboten! Legt Jutta Profijt bereits den vierten Roman um den Kleinkriminellen Pascha vor, der es sich zur Lebensaufgabe machte, bei der Aufklärung von Kriminalfällen zu fällen.
Nun, das wäre alles nichts besonderes – aber einiges stimmt doch nicht so ganz:
Allein das Wort „Lebensaufgabe“ stimmt schon nicht – handelt es sich bei Pascha doch um einen „Ermittler“ der besonderen Art: Er ist nämlich tot!
Aus ihm unerfindlichen Gründen fand er jedoch während seines Ablebens das berühmte weiße Licht nicht und so ist er nun so ziemlich allein auf weiter Flur und macht es sich als Geist gemütlich.
Sein einziger Kontrapart in der Welt der Lebenden ist der Gerichtsmediziner Martin, der als einziger Pascha hören kann. Diese beiden Personen könnten unterschiedlicher nicht sein und so treffen der schnorrige, kein Blatt vor den Mund nehmende Kleinkriminelle auf den anständigen Mediziner.
Dies allein sorgt schon für verschiedenste Unstimmigkeiten, die von Jutta Profijt auf witzige Weise dargestellt werden.
Die Kriminalfälle sind durchweg sehr gut aufgebaut und können leicht Vorbild für manch anderes Buch sein. Hinzu kommt der durchgehende Witz und der Umstand, dass hier auch noch ein Geist die größte Rolle spielt.
Um keine Langeweile aufkommen zu lassen wird Pascha in jedem Band mit diversen Problemfällen belästigt. Im vorliegenden Buch sind es nun vier Kinder, deren Körper im künstlichen Koma liegen. Nun kann sich Pascha um diese vier Bälger kümmern, muss einen Mordfall lösen und gleichzeitig darauf achten, dass die Kids rechtzeitig bei ihren Körpern sind, um das Aufwecken nicht zu verpassen, da sie sonst auf ewig bei ihm bleiben müssten.
Alles in allem ein absolut witziger Roman mit einem frechen Helden und einer Sprache, die absolut kein Blatt vor den Mund nimmt – dies alles unter Verwendung eines hohen Niveaus, da Jutta Profijt trotz Verwendung manch unkorrekter Wörter niemals unter die Gürtellinie der Geschichte kommt.
Absolut empfehlenswerte Reihe!!
Jürgen Seibold/20.01.2012

Kühlfach Betreten Verboten KAUFEN BEI AMAZON

Rita Falk: Schweinskopf Al Dente

Originalausgabe 2011
(c) 2011 Deutsche Taschenbuch Verlag GmbH & Co. Kg, München
ISBN 978-3-423-24892-1
ca. 240 Seiten / € 14,90

COVER:

Anruf von der PI Landshut beim Eberhofer Franz. Dr. Küster, zu fünfzehn Jahren Haft wegen Mordes verurteilt, ist aus dem Gefängnis entflohen und muss rasch wieder eingesammelt werden. Doch obwohl der Franz dem Küster quasi schon auf der Spur ist, geschehen merkwürdige Dinge in Niederkaltenkirchen: Das halbe Dorf wird nach dem Verzehr von Omas Rotweinkuchen im Krankenhaus eingeliefert, Termiten belagern das Büro vom Franz, und wer ist bitte dieser “Cousin”, mit dem die Gattin des Richters in Bad Wörishofen gesehen wurde? Dem Franz wird der ganze Stress zu bunt, und so macht er sich auf an den Gardasee. Währenddessen läuft Dr. Küster noch immer frei herum …

REZENSION:

Wissens, ich bin ein reinrassiger Oberbayer und hab so meine eigenen Erfahrungen mit den dramatischen Geschehnissen in den Käffern dieser Welt. Nun wunder ich mich natürlich schon ein bissal, warum so viele Kritiker die Bücher von der Rita Falk so hinstellen, als ob sie uns Bayern damit was antun möchte. Ehrlich gsagt, versteh ich des net, weil, ich überleg schon andauernd, ob des jetzt nun eine Situationskomik ist oder ob des einfach nur die Wahrheit ist – Wissts Leut: genauso geht’s zu in den Dörfern des Südens! Hier is einfach die Welt noch a bissal anders aber trotzdem schwer in Ordnung!
Somit kann auch der dritte Band um den kriminaltechnischen Oberspezialisten Franz Eberhofer uneingeschränkt empfohlen werden. Der Witz ist zwar nicht mehr ganz so reinfliegend, wie im zweiten Band – aber es gibt noch genug Momente, auf die man aufmerksam machen sollte: z.B., wie der Pfarrer vom Franz rausgeschmissen wird, weil die Oma zum Ersten nicht stirbt und außerdem dann ausgstopft auf’d Couch kommt oder gar der Italien-Trip, die Wallfahrt, der … und die.. und noch … außerdem … ach ja… und dann auch noch ….
Aber: Lass’ma des einfach, lests des Buach und ich verweis hiermit auf eine Co-Autorin, die direkt aus dem tiefsten Niederbayern kommt, das Buch glesn hat und mir eine kurze Kritik dazu geschickt hat:

Einwandfreies Buch, da gibt’s nix zu deuteln. Fast so gut wie der Kartoffelsalat von der Oma.Die Handlung? Ja mei, ein niederbayerischer Provinzkrimi halt, aber auf die Handlung kommt’s ja eigentlich auch gar nicht an. Vom Witz her ist es eher ein bisserl schwächer wie die zwei Vorgänger, aber immer noch einwandfrei und ein echter Schenkelklopfer. Da würd ich sogar den Schweinsbraten von der Oma dafür stehenlassen….. Oder das Rahmgulasch…. Oder die Leberkäs-Semmeln vom Simmerl.
Jürgen Seibold feat. Andrea Dalle Molle / 16.12.2011

 

Schweinskopf Al Dente KAUFEN BEI AMAZON

Jack Ross: Die Minuten vor dem Tod

Originaltitel: Requiem
Aus dem Englischen von Karin Meddekis
Deutsche Erstausgabe2009
©2008 by Jack Ross
© 2009 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co.KG
ISBN978-3-404-16300-7
349 Seiten/ 7,95 €

COVER:

William Craig ist ein verurteilter Mörder. Er hat den Vergewaltiger seiner Enkelin kaltblütig erstochen – den Sohn eine US-Senators. Doch es ging um mehr als Rache. Craig kennt ein Geheimnis, das Washington erschüttern kann. Hinter Gitter war er zum Schweigen verurteilt.Seine letzte Chance ist die junge Journalistin Deborah Jones. Sie will die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen. Die Zeit läuft. In fünf Wochen ist William Craig ein toter Mann.

Rezension:

Ein Buch über ein Thema das zwar bewegt aber weder etwas Neues ist noch irgendwelche Änderungen bringt: Die Todesstrafe.
In diesem Fall will die junge Journalistin Deborah einen Häftling aus der Todeszelle befreien. Der Häftling, William Craig, hat vor Jahren den Vergewaltiger seiner Enkelin umgebracht. Dieser wiederum war Tochter des Senators und kein Einzeltäter…
Wird es Deborah gelingen den Täter zu befreien?
Ich muss gestehen, ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen, aber:
Natürlich wird es ihr gelingen! Und das selbstverständlich nur mit der Gewissheit dass sie dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt und in unglaubliche Gefahr gerät!

Die Leseprobe die ich damals gelesen habe, war sehr vielversprechend und trotz aller Vorhersehbarkeit kann  man sagen dass dies ein teilweise spannendes Buch ist, das sich sehr gut lesen lässt.
Vor allem für diejenigen, die nur ab und an einen Ausflug in die Kriminalromane machen, ist dieses Buch in jedem Fall empfehlenswert.
Birgit Grunwald für Hysterika, 19.08.2011

Die Minuten vor dem Tod: Thriller KAUFEN BEI AMAZON

Carlos Salem: Wir töten nicht jeden

Originaltitel: Matar y guarda la ropa
Aus dem Spanischen von Ilse Layer
Deutsche Erstausgabe 2011
(c) 2008 Carlos Salem
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21302-8
ca. 288 Seiten / € 8,95

COVER:

Ein schöner, heißer Sommer. Ferienzeit. Pharmavertreter Juan Pérez Pérez freut sich auf vier Wochen Strand mit seinen beiden Kindern. Doch just vor der Abreise erklären ihm seine Chefs, dass er seine Pläne ein wenig variieren muss: Sein Urlaubsziel sei nun ein luxuriöser FKK-Campingplatz am Meer. Juan Pérez Pérez kann sich ihnen nicht widersetzen – denn er hat eine zweite Persönlichkeit, von der sonst niemand weiß: Er ist die Nummer Drei einer internationalen Killer-Organisation. Wie üblich gibt m an ihm die Autonummer des Opfers, das er zunächst nur observieren soll – und das bringt den hochkarätigen Killer in die Bredouille: Es ist der Wagen seiner Ex, der Mutter seiner Kinder. Warum hat man sie im Visier? Oder muss ihr neuer Lover sterben? Oder vielleicht er selbst, die erfolgreiche Nummer Drei?

REZENSION:

Es gibt Romane, die bestechen einfach durch einen absolut gelungenen Ideenreichtum und zeigen, dass Geschichten, die ausschließlich zur Unterhaltung dienen sollen, dies auch allumfassend machen können.
Carlos Salems Roman “Wir töten nicht jeden” ist erneut mit dem bekannten Aufkleber “Krimi des Monats” plakatiert worden – nun, ob es ein Krimi ist, dem kann ich nur teilweise zustimmen. Nichts desto trotz ist es definitiv der Unterhaltungsroman des Monats mit einer durchweg skurrilen Idee, deren Schlichtheit durch die Bank für Wirkung sorgt und den Leser latent schmunzelnd an die Seiten klebt. Interessanterweise ist der Plot seitens des Autors sehr einfach gehalten und dementsprechend flüssig erzählt – nur: Man hat trotzdem erfreulicherweise Schwierigkeiten, Voraussagen zu treffen – was die Qualität des Plots erheblich steigert.
Ich kann vor Carlos Salem somit nur noch meinen Hut ziehen, da er für einige sehr vergnügliche Stunden meines Lebens gesorgt hat. Und davon abgesehen ist allein die Idee mit dem  Killer auf FKK-Urlaub schon einen Preis wert.
Jürgen Seibold/1008.2011

Wir töten nicht jeden: Kriminalroman KAUFEN BEI AMAZON

Andreas Laudan: Das weisse Mädchen

Originalausgabe 2011
(c) 2011 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21280-9
ca. 332 Seiten / € 8,95

COVER:

Das Interesse der jungen Journalistin Lea Peterson ist sofort geweckt, als eines Tages in der Redaktion einer niedersächsischen Tageszeitung eine anonyme Mail eingeht, die an den nie aufgeklärten Fall eines vor zwanzig Jahren verschwundenen jungen Mädchens erinnert. Das Örtchen Verchow im Wendland gerät erneut in die Schlagzeilen der Lokalpresse, als Autofahrer immer wieder von Geistererscheinungen an einer Landstraße berichten. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Vermissten und dem “weißen Mädchen von Verchow”, wie das Phänomen genannt wird? Lea macht sich auf eigene Faust an die Recherche vor Ort und mietet sich in dem 300-Seelen-Dorf inmitten der einsamen Wald- und Moorlandschaft ein. Doch bei ihren Ermittlungen stößt sie auf eine Mauer des Schweigens und gerät selbst in Gefahr. Da steht sie plötzlich dem weißen Mädchen selbst gegenüber …

REZENSION:

Es gibt auf dieser Welt unwahrscheinlich viele „Düstere Legenden“, die sich vorwiegend nachts am Lagerfeuer durch Erzählungen unter Jugendlichen weiter verbreiten. Der vorliegende Fall könnte ebenfalls in diese Kategorie fallen – handelt es sich doch um eine geisterhafte Erscheinung, die laut Erzählungen und Augenzeugen angeblich nachts am Straßenrand erscheint und den ein oder anderen vorbeikommenden Fahrer mit Leichtigkeit zu erschrecken weiß. Wie jedem in dem kleinen Wendlander Dorf Verchow bekannt ist, ist vor ca. 24 Jahren – wohl an dieser Stelle – ein Mädchen verschwunden. Somit passt die dazugehörige Geistererscheinung bestens zu einer „Düsteren Legende“ dieses Dorfes zu werden.
Andreas Laudan nimmt sich diesem Thema an und führt den Leser anhand dieser mysteriösen Erscheinung in eine Geschichte, die den Leser von Anfang an für sich einnimmt und zu fesseln weiß.
Was gibt es besseres als ein mysteriöses Thema; nur: Laut Cover handelt es sich um einen Kriminalroman… Warum sprechen wir nun über eine Geistererscheinung? Ist es üblicherweise nicht ein Zeichen des Genres Kriminalromane, die Realität wieder zu spiegeln? – Nun, die weiteren Seiten lösen auch dieses Rätsel.
Laudan spielt mit dem Leser und lässt ihn jederzeit am Grübeln seiner Hauptdarstellerin teilhaben, wodurch dieser sehr tief in eine spannende Geschichte abtaucht und daran teilnimmt. Seine Wendungen sind vorbehaltlos nachvollziehbar – womit man jederzeit voll persönlicher Spannung sehr darauf erpicht ist, den weiteren Verlauf der Geschichte zu erforschen.
Die anfangs eher unwichtige Brisanz des Falles (ist ja doch schon 24 Jahre her) bietet dem Leser erst mal eine nette Abwechslung – diese “nette Abwechslung” wandelt sich jedoch im Verlauf der erzählten Worte durch die entstehende Atmosphäre, die teilnehmenden Darsteller, die düstere Umgebung und dem dargestellten Detailreichtum in einen Bereich, der nicht nur aufdeckt, dass der Autor noch viele Ideen mehr zu bieten hatte, sondern es entfaltet sich vor des lesers Augen nun vielmehr ein tiefgehender und vielschichtiger Kriminalfall, wie er besser nicht sein kann.
Endlich mal ein Krimi der etwas untypischen Art und somit eine absolut zu empfehlende Entdeckung – spannend, glaubhaft, nachvollziehbar und bis zur letzten Seite abhängig machend. Perfekt!
Jürgen Seibold/09.06.2011

Andreas Laudan: Das weiße Mädchen – kaufen bei AMAZON

Oystein Wiik: Tödlicher Applaus

Originaltitel: Dodelig applaus
Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob und Maike Dörries
Deutsche Erstausgabe 2011
(c) 2010 H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard) AS, Oslo
(c) 2011 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21278-6
ca. 448 Seiten / 9,95 €

COVER:

Bjorvika, August 2008. Die Menschen strömen in die neu eröffnete Osloer Oper, um den Gastauftritt des weltberühmten Tenors James Medina als Mario Cavaradossi in Tosca zu erleben. Als Medina während der Hinrichtungsszene tödlich verwundet zu Boden sinkt, ist sein Blut echt. Der Tumult im Saal verwandelt sich rasch in ein Flammeninferno, aus dem sich Opernjournalist Tom Hartmann schwer verletzt retten kann. Einige Tage später erhält er von Medinas Agenten Victor Kamarov den Auftrag, einen umfangreichen Nachruf auf den herausragenden Tenor zu verfassen. Tom beginnt zu recherchieren und entdeckt nicht nur, dass viele Menschen ein Motiv hatten, Medina umzubringen, sondern er gerät auch auf die Spur seines Mörders. Der plant bereits den nächsten anschlag auf einen Kamarov-Schützling und arrangiert die Tat so, dass der Verdacht auf Tom fällt. Das bringt diesen nicht nur in akute Beweisnot, sondern auch in höchste Lebensgefahr …

REZENSION:

Oystein Wiik ist selbst ein Operntenor und hat eine Ausbildung an namhaften und vor allem internationalen Theaterhochschulen genossen. Dass ein Tenor aber auch ein schriftstellerisches Talent besitzen kann, beweist Oystein Wiik in seinem Debütroman „Tödlicher Applaus“.  Und was liegt da wohl näher als den Plot selbst in der Oper und der Opernwelt spielen zu lassen?

Es finden Anschläge auf die Schützlinge eines bestimmten Opernagenten statt, die alle sehr blutig und mit vielen Opfern zu Ende gehen. Ein Journalist, Tom, wird von eben jenem Agenten Kamarov angeheuert einen Nachruf auf einen besonders berühmten Tenor zu schreiben und kommt dabei nicht nur dem Mörder auf die Spur. Plötzlich steht auch noch sein eigenes Leben auf dem Spiel. Dabei muss er sich in gefährlichen Situationen und waghalsigen Aktionen vor der Polizei und dem Mörder retten. Eine Flucht die mir ab und an etwas abstrus vorkam… aber gut, ich musste auch noch nie vor der Polizei fliehen. 😉
Als dann die Ex-Frau von Tom, ihres Zeichens Polizistin, entführt wird, bleibt Tom gar nichts anderes übrig, als sich wieder in die Höhle des Löwen zu begeben.

Ein Buch bei dem man mitdenken muss, denn zwischen den einzelnen Kapiteln, die meist von einer anderen Person handeln, bestehen auch noch Zeitunterschiede, die teilweise nicht auf den ersten Blick deutlich werden. Aber keine Sorge, man wird immer wieder vom Autor abgeholt und in die richtige Zeit und an den richtigen Ort „gebracht“.
Außerdem hat der Autor hier ein unglaubliches Netz an verschiedenen Situationen und Lebensgeschichten gesponnen, das so spannend, perfide und mit Fingerspitzengefühl ist, dass man das Buch eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen kann.
Definitiv ein Werk das absolut empfehlenswert ist, auch wenn man mit Opern keinerlei Erfahrung hat.
Birgit Grunwald, 03.06.2011

Tödlicher Applaus: Kriminalroman KAUFEN BEI AMAZON

Rita Falk: Dampfnudelblues

Originalausgabe 2011
(c) 2011 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24850-1
ca. 255 Seiten / € 14,90

COVER:

Gerade läuft’s für den Eberhofer mit der Susi recht fesch, sein heimischer Saustall ist so gut wie fertig eingerichtet, da überschlagen sich die Ereignisse in Niederkaltenkirchen: Realschulrektor Höpfl liegt tot auf den Gleisen! Gut, der Höpfl war immer schon ein Miststück. Aber muss er deshalb erst verschwinden und sich dann auch noch direkt auf die Gleise legen? Ist er’s überhaupt? Die einzige Angehörige ist Höpfls Schwester, die den abgetrennten Kopf schließlich identifiziert. Selbstmord? Mord? Mal wieder Stress pur für den Franz: nicht nur, dass die Susi sich so mir nichts, dir nichts nach Italien absetzt. Im Fall Höpfl tauchen immer mehr Verdächtige auf, und zu allem Überfluss soll er jetzt dauernd auf den zwergnasigen Balg seines Bruders aufpassen.
Glücklicherweise sorgt zumindest die Oma für sein leibliches Wohl, so dass der Franz dampfnudelgestärkt in einen nervenzerfetzenden Showdown geht.

REZENSION:

Als mich das neue Werk von Rita Falk mit dem Titel „Dampfnudelblues“ erreichte, musste ich zwar ob der Coverbeschreibung etwas schmunzeln, legte es aber trotzdem erst einmal ein wenig zur Seite. Was soll ich auch mit einem regional angesiedelten Provinzkrimi? Insbesondere, da ich über bayerische Eigenheiten nicht unbedingt lachen kann – bin ich doch ebenfalls von dieser Sorte und dadurch selbst Kenner aller Klischees …
Nun gut, irgendwie habe ich mich dann doch einige Zeit später dazu entschlossen, ein Auge zwischen die Buchdeckel zu werfen – irrsinniger weise war es ab diesem Augenblick um mich geschehen.
Es kam schon länger nicht mehr vor, dass ich während einer Lektüre nicht nur schmunzeln konnte, sondern sogar einige Passagen dringend meiner holden Partnerin vorlesen musste.Ich möchte jetzt bewusst hier keine Zitate einbauen – aber ein kleiner Hinweis sei gestattet: Dampfnudelblues steckt voll Situationskomik, bei der ich mich frage ob auch „landesauswärtige“ – also Nicht-Bayern – mit den kleinen Spitzfindigkeiten klar kommen. Rita Falk beschreibt nicht nur ein sehr reelles bayerisches Dorfbild, sondern baut auch die Sätze in der bayerischen Eigentümlichkeit auf. Weil, es ist zum Beispiel grammatikalisch nicht ganz sauber, wenn ein Satz mit „Weil“ anfängt.
Die ungefähren 250 Seiten musste ich in nahezu einem Zug verschlingen – dies allein ist bereits ein Gradmesser ob der Qualität des Inhalts.
Ich persönlich bin nun ein wenig enttäuscht, dass der erste Fall Eberhartingers an mir vorbei ging – aber was soll’s, der Zweite hat mich durchweg überzeugt und somit lässt sich nichts vermissen.
Ein bayerischer Krimi, der rundum zu Empfehlen ist und sicherlich jedem die Mundwinkel mehrmals nach oben ziehen lässt.
Jürgen Seibold/01.06.2011

Dampfnudelblues: Ein Provinzkrimi KAUFEN BEI AMAZON

Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot

Originaltitel: A Field of Darkness
Deutsch von Sophie Zeitz
Deutsche Erstausgabe Mai 2008
c 2006 Cornelia Read
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 430 Seiten / 14,– €

COVER:

”Es gibt Menschen, die überall glücklich sein können. Ich gehöre nicht dazu. Als das Haus in der Nachbarstrasse in der zweiten Nacht in Folge in Flammen aufging, fragte ich mich wieder einmal, was zum Henker ich eigentlich in Syracuse machte. Dabei muss ich gleich dazusagen, dass die Brände nichts mit den ermordeten Schwestern zu tun hatten.”
Madeline Dare stammt aus einer alteingesessenen New Yorker Familie, lebt aber zu ihrem Leidwesen mit ihrem Mann in der ländlichen und recht langweiligen Kleinstadt Syracuse, wo sie bei der Lokalzeitung arbeitet. Hier hört sie von einem neunzehn Jahre zurückliegenden Mord an zwei jungen Mädchen. Der Fall wurde nie gelöst. Als sie feststellt, dass ein Beweisstück (von dem die Polizei nie erfahren hat) ausgerechnet auf ihren Lieblingscousin Lapthorne hindeutet, lässt ihr das keine Ruhe. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und benimmt sich dabei alles andere als unauffällig. Hat sie schlafende Hunde geweckt? Denn es wird ein weiterer Mord begangen, und jetzt zeichnet sich ein unheimliches Muster ab: Der Mörder inszeniert seine Opfer wie Illustrationen zu Märchen und Mythen …

REZENSION:

Zugegebenermaßen habe ich mich verlesen, als ich das Buch das erste Mal in Händen hatte.
Der Link zu dem altbekannten Grimms-Märchen „Schneeweißchen und RosenRot“ ist hier aber durchaus gegeben und tatsächlich spielen Märchen in diesem Krimi eine
große Rolle. Denn alle Opfer in diesem Werk werden in einer Art und Weise hingerichtet, dass ein solcher Bezug unumgänglich ist. Diese Vorgehensweise war mir persönlich neu und als jemand, der als Kind sämtliche Märchen verschlungen hat, war ich sehr gespannt, wie die Schriftstellerin dies hier in einen Roman verspinnt. Es ist ihr sehr gut
gelungen muss man sagen.

Aber von vorne:

Eigentlich könnte man sagen, dass diese Geschichte klischeehafter nicht sein kann. Eine Tochter aus reichem Hause, die aber nie so recht in dieses passen wollte, zieht der Liebe wegen in ein kleines Nest um dort bei ihrem Liebsten zu sein und nebenbei noch ihre Karriere als Journalistin in Schwung zu bringen. Als sie aus purem Zufall erfährt, dass ausgerechnet Ihr Lieblingscousin in einen Mord an 2 jungen Mädchen verwickelt gewesen sein soll, setzt sie alle Hebel in Bewegung um hinter die Wahrheit zu kommen. Selbstverständlich wurden die Morde nie aufgeklärt. Der Lieblingscousin seines Zeichens trägt den (um ehrlich zu sein) ziemlich lächerlichen Vornamen  Lapthorne, schwimmt in Geld und ist eigentlich ein Netter aber nichtsdestotrotz ein Schnösel und man merkt ziemlich schnell dass mit ihm irgendetwas nicht ganz stimmen kann. Ob der Gute aber wirklich der Schuldige ist, bleibt für jeden selbst herauszufinden….
Der Kreis schließt sich mit korrupten Polizeibeamten, Journalisten, die ebenfalls bestechlich sind und Koks-schnupfenden Frauen, die laut Schriftstellerin „ihr eigenes Klischee“ sind. Das Ganze rundet Cornelia Read mit einem sehr bissigen Humor ab, den ich persönlich geliebt habe. Dazu kommt, dass sie in einem ihrer letzten Sätze den
Leser direkt anspricht und ihrem eigenen Humor damit quasi die Krone aufsetzt. Es hat das Buch unglaublich kurzweilig gemacht und trotz einiger nicht sehr ansehnlichen Leichen zu einem witzigen Buch das man gern liest.
Dass dies die erste Veröffentlichung der Autorin ist, merkt man nur teilweise, aber dann sehr deutlich, da sie immer wieder Wörter benutzt die genau zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht in den Kontext passen und die eher von Umgangssprache zeugen als geschriebenem Wort. Allerdings war diese Tatsache für mich nur auffällig aber nicht störend und somit kann ich dieses Werk guten Gewissens jedem empfehlen, der Krimis, Kurzweiligkeit und dezent bösen Humor mag.
Birgit Grunwald, 28.04.2011
Schneeweißchen und Rosentot: Kriminalroman KAUFEN BEI AMAZON

Jutta Profijt: Im Kühlfach nebenan

Ca. 285 Seiten / 9,95 €
Originalausgabe Dezember 2009
c 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Der kleinkriminelle Autoknacker Pascha wurde ermordet. Jetzt geistert seine Seele durch das Rechtsmedizinische Institut von Köln. Der Einzige, zu dem Pascha Kontakt aufnehmen kann, ist der bieder-brave Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein. Und selbst das gestaltet sich schwierig, denn Martin liegt nach dem letzten gemeinsamen Abenteuer schwer verletzt im Krankenhaus. Pascha langweilt sich, bis er unerwartete Gesellschaft bekommt: Auch Ordensschwester Marlene hat nach ihrem dramatischen Ableben bei einem Brand in ihrem Kloster noch nicht den Weg in den Himmel gefunden. Die resolute Nonne ist für Pascha zwar nicht gerade „eine echte Tussi“, aber dass bei dem Klosterbrand etwas faul ist, wittert seine Spürnase sofort. Gemeinsam mit dem noch rekonvaleszenten Martin und dessen Nun-endlich-Freundin Birgit will das ungleiche Geisterduo die Wahrheit ans Licht bringen. Dabei geraten sie schnell in eine brenzlige Situation …
Die witzig-freche Fortsetzung einer ganz ungewöhnlichen Freundschaft.

REZENSION:

Wie manch einer meiner fleißigen Leser den bisherigen Rezensionen zur Reihe über den nicht tot zu kriegenden Pascha entnehmen konnte, bin ich eher zufällig Fan dieser Reihe geworden. Lag doch ganz unbedarft der dritte Band mit dem Titel „Kühlfach zu vermieten“ auf meiner Couch in einem kleinen Bücherstapel. Meine Wenigkeit sitzt gelangweilt vor dem Fernseher und glotzt so vor sich hin. Während der dritten Werbung (und wenn ich etwas hasse, dann ist es Werbung!) schweifte mein Blick durchs Wohnzimmer und blieb auf besagtem Buchstapel hängen. Sofort meldete sich das schlechte Gewissen, da ja zu jedem Buch eine Rezi geschrieben werden sollte und dazu der Inhalt seinen Weg in meine Gehirnwindungen finden muss – dieser Vorgang wird landläufig oft als „Lesen“ bezeichnet.
Nun gut, die Werbung säuselt vor sich hin und ich griff mir das dünnste Buch besagten Stapels. Ab diesem Augenblick war es um mich geschehen – ich hatte einen neuen Freund, dieser ist bereits gestorben, treibt aber als Geist weiterhin sein Unwesen und sorgt nebenbei dafür, dass das geordnete Leben eines Pathologen ins Chaos verläuft.
Sehr oft enttäuschen mich Bücher von weiblichen Schriftstellern. Dies hat sicherlich nichts mit der Qualität der geschriebenen Geschichten zu tun – es ist vielmehr der Umstand, dass ein hoher Prozentsatz weiblicher Autoren unbedingt irgendeine Liebesgeschichte mit einbauen muss. Und sobald der Romantikfaktor zum Tropfen anfängt, hört es beim spannungsverwöhnten Leser einfach auf. Warum nur muss sich immer irgendjemand verlieben?
Nun aber zurück zu Pascha: Jutta Profijt schlägt hiermit eine Bresche für die weiblichen Autoren: Sie lässt es einfach mit einer Liebesgeschichte sein und konzentriert sich in witzigster Art und Weise auf den Geist und seinen einzigen, ihn hörenden Kumpel.
Nach Genuß des dritten Bandes folgte bei mir natürlich unverzüglich der erste namens „Kühlfach 4“ und nun als momentaner Abschluss „Im Kühlfach nebenan“, der zur der bestehenden Problematik zwischen Martin Gänsewein und Pascha noch eine kleine Komponente hinzufügt: Pascha bekommt eine Tussi an die Seite gestellt. Endlich ein weiterer Geist, mit dem Konversation möglich ist – die anderen machen sich ja immer gleich auf den Weg in den Tunnel voller Licht und sind dann nicht mehr auffindbar.
Pascha, unverblümt daherredender Ex-Autoknacker, kann sich jedoch nur kurz freuen: Handelt es sich doch bei dieser Tussi um eine gestandene Nonne – womit seine unverblümte Art einen groben Riegel vorgeschoben bekommt.
Erneut entsteht ein Kriminalfall, in dem die Nonne gemeinsam mit Pascha und seiner Schnittstelle in die reale Welt namens Martin um Aufklärung bemüht sind. Abermals lebt die Geschichte von Jutta Profijt weniger vom Kriminalfall – hier erfindet sie das Genre sicherlich nicht neu. Ihre Geschichten leben vielmehr von exakt den darin auftretenden Protagonisten und insbesondere, weil einer von ihnen (in diesem Fall sogar zwei) ein Geist ist, der mit seiner unverblümten Art auf einen absolut anständigen, ordentlichen und niemanden jemals etwas antuendem Menschen stößt und ausschließlich mit diesem kommunizieren kann.
Dies lässt die komplette Reihe als absoluten Höhepunkt entstehen und man kann nur hoffen, dass es noch viele witzige Erlebnisse Paschas zu lesen geben wird. Hauptsache sein Witz bleibt so bestehen und die Autorin bleibt sich ebenfalls treu und verlässt die Pfade ihrer genialen Redewendungen und Vergleiche niemals – der Leser wird es ihr danken!
Jürgen Seibold/12.03.2011

Jutta Profijt: Kühlfach 4

Originalausgabe April 2009
c 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 255 Seiten / € 9,95

COVER:

Dr. Martin Gänsewein trägt Dufflecoat, fährt Ente, sammelt alte Stadtpläne und geht als Rechtsmediziner dem täglichen Geschäft mit dem Tod äußerst gewissenhaft nach. Über das Seelenleben der Verstorbenen macht er sich keine Gedanken, bis ihm eines Tages die Seele von Autoschieber Pascha ein Gespräch aufdrängt. Pascha ist soeben gestorben – und ist stinksauer darüber. Sein angeblicher Unfalltod war in Wirklichkeit nämlich Mord. Da Martin der Einzige ist, mit dem er Kontakt aufnehmen kann, soll der ihm jetzt helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. So nistet sich die nervtötende Seele bei dem Rechtsmediziner ein, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Martins Leben gerät in den nächsten Tagen nicht nur völlig aus den Fugen, sondern auch in große Gefahr. Und jetzt ist es an Pascha, sich schnellstens etwas einfallen zu lassen, um seinen neuen Freund zu retten …

REZENSION:

Kühlfach 4 ist ein recht kurzweiliger Kriminalroman, der prinzipiell dem Genre des Krimis nichts neues abgewinnen könnte, wäre da nicht eine klitzekleine Kleinigkeit mit eingewoben: Hier besteht das Ermittlerduo aus dem hochanständigen und netten Pathologen Martin Gänsewein und dem in diesem Band gerade verstorbenen Autodieb Sascha – gerne auch Pascha genannt.
Dieser ist das hundertprozentige Gegenteil zu Martin: Nicht nur Geist, der lediglich mit Martin Kontakt aufnehmen kann, sondern auch noch in seiner blumigen Art eher der ungehörigen Spezies des Menschen zuzurechnen. Dies allein führt schon zu vielen kuriosen Begebenheiten.
Nun kommt noch hinzu, dass Pascha ermordet worden ist – der pathologische Befund jedoch von einem Unfall spricht. Gut, dass hier der Tote höchstselbst das Zepter übernimmt und seinen Pathologen davon zu überzeugen weiß.
Wie bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, hatte ich als ersten Band das aktuelle, dritte Buch dieser Serie gelesen (Im Kühlfach nebenan) – und habe mich beinahe totgelacht. Im vorliegenden – wirklich ersten – Buch erkennt man durch diesen Umstand sehr deutlich, dass Jutta Profijt noch stark an der Entstehung dieses Dreamteams gearbeitet hat und hierdurch etwas zu stark zwischen diesen beiden Personen hin- und herspringt. Nichts desto trotz ist Kühlfach 4 absolut kurzweilig und Pascha noch richtig bissig. Dies hat er leider ein klein wenig im dritten Band verloren. Dafür ist die Art des Schreibens im dritten Band hochwertiger, womit die Entwicklung der Autorin sehr schön zu beobachten ist.
Kühlfach 4 lebt in erster Linie durch den Kulturschock, den Pascha als auch Martin mitmachen müssen in ihrer Erkenntnis, dass es wohl etwas mehr zwischen Himmel und Hölle zu geben scheint.
Somit ein absolut genialer und kurzweiliger Krimi, der durch einen Toten Leben gewinnt und nebenbei durch einen dezenten schwarzen Humor absolut witzig ist – dies könnte meiner Meinung nach noch etwas mehr gesteigert werden.
Ich persönlich freue mich schon auf den zweiten Band und hoffe, dass die Autorin noch viele gute Ideen folgen lassen kann.
Jürgen Seibold/20.02.2011

Jutta Profijt: Kühlfach zu vermieten

Originalausgabe 2010
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 304 Seiten / € 9,95

COVER:

Eine Hitzewelle rollt über Köln. Die Leute sterben wie die Fliegen und die Stadt weiß nicht mehr, wohin mit den Leichen. Da hat der profitgierige neue Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts eine folgenschwere Idee: Er will leer stehende Kühlfächer an Bestattungsunternehmen vermieten. Ab sofort hält das Chaos Einzug in die sonst so geordnete Welt von Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein: Unbefugte gehen am RMI ein und aus, Leichen oder Teile von ihnen verschwinden, und dubiose Obduktionsbefunde bei anonymen Toten häufen sich. Martin beauftragt den prollig-nervigen Pascha (seines Zeichens Autoknacker zu Lebzeiten und nun unfreiwillig auf Erden wandelnder Geist), der Sache auf den Grund zu gehen. Pascha passt das gar nicht, wo er doch gerade auf Liebespfaden wandelt …

REZENSION:

Bei manchen Büchern sorgt der liebenswerte Zufall für interessante Erfahrungen literarischer Art. Lag doch Jutta Profijts “Kühlfach zu vermieten” ganz unbeachtet auf meiner Couch, da ich auf meinem Nachtkästchen gerade ein anderes Werk für den abendlichen Genuß liegen hatte.
Nun liegt also dieses Buch neben einem frustrierten Fernsehschauer, der sich in der dritten Werbung dachte, jetzt wäre ein Buch für den Zeitvertreib recht. Zu Faul, um nach oben zu gehen und das aktuell im Lesemodus befindliche Buch zu holen, nahm ich das neben mir liegende Buch und begann einfach mal völlig unmotiviert zu Lesen.
Ab diesem Augenblick war mir nicht mehr bewusst, dass es sich an diesem Abend um einen Fernsehabend handelte – Jutta Profijt und besonders Pascha hatten mich in ihrer Hand.
Selten, dass Krimis bei mir wirken, da diese zumeist vorhersehbar, fad, langweilig und immer wieder das selbe zu sein scheinen. Wie schon des öfteren betont, bin ich eher der spannenderen Genre zugetan – oder aber dem bissigen Humor.
Nun gibt es hier plötzlich einen Krimi mit einem toten Hauptdarsteller, der mit einer rotzfrechen Schnauze das Leben eines menschlich komplett anders gearteten Pathologen schwierig macht. Diese beiden scheinen sich nicht gesucht, aber doch irgendwie gefunden zu haben.
Nebenbei lästert die Autorin durch den hinzugefügten, neuen Chef des rechtsmedizinischen Instituts auch noch über die unsagbaren Dummheiten der nur auf Kostenreduzierung und Effektivitätssteigerung bedachten Vorgesetzten. Dies alles sehr glaubwürdig – trotz Geist – und durchweg humorvoll dargelegt.
Ich kann dieses Buch nur noch uneingeschränkt empfehlen und werde diesen Glücksgriff nun fortsetzen: ich beginne sogleich mit dem ersten Buch dieser Serie – wie konnte ich dies nur übersehen?
Jürgen Seibold/13.02.2011

Christina Wahldén: Verschleppt

Originaltitel: Till salu
Aus dem Schwedischen von Marie-Sophie Kasten
Deutsche Erstausgabe September 2006
c 2006 der deutschsprachigen Ausgabe bei Knaur Taschenbuch.
ca. 335 Seiten / € 7,95

COVER:

Eine kleine Stadt nahe der finnischen Grenze. Ein scharf bewachtes Haus am Waldrand mit auffällig vielen Besuchern. Um Hinweisen auf Frauenhandel mit Russinnen nachzugehen, reisen die Stockholmer Polizisten Ek und Flores in Schwedens kalten Norden. In der verschworenen Gemeinschaft des Ortes stoßen die beiden Ermittler auf eine Mauer des Schweigens. Niemand weiß etwas, niemand will etwas gesehen haben. Erst als ein Informantin in der Nähe des anrüchigen Hauses tot aufgefunden wird, kommt der Stein ins Rollen…

REZENSION:

Mit “Verschleppt” legt Christina Wahlden ihr Debüt als Krimiautorin vor und nimmt sich sogleich einem sehr intensiven Thema an.
Ihr in Schweden angesiedelter Roman bedient sich auf höchst interessante Weise dem Menschenhandel zum Zwecke der Prostitution.
Die Ermittlungen er beiden auswertigen Polizisten in der kleinen Stadt nahe der finnischen Grenze gehen nur sehr träge voran, da sie bei der ansässigen Dorfgemeinschaft auf eine sehr starke Mauer des Schweigens treffen.
Der Stein kommt auch erst nach dem Mord einer Zeugin mehr und mehr ins Rollen…
Christina Wahlden bleibt in ihrem zügig zu lesenden Roman sehr nahe an der Realität und kann dadurch den Leser sehr überzeugend unterhalten.
Alles in allem bleibt ein spannender, interessanter und sehr informativer Krimi, der seinem Leser gekonnt die Zeit zu vertreiben weiß (was sehr wichtig sein kann). In seiner Gesamtheit kann er jedoch leider nicht aus der Masse der Kriminalromane herausstechen.
Sonja Seibold/28.10.2006

Henrik Tandefelt: Lauf, Helin, lauf!

Originaltitel: Som om
Übersetzung: Knut Krüger
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München

COVER:

Selten hatte sich Kriminalkommissar Knut Lindström so auf die Sommerferien gefreut. Gemeinsam mit seiner Frau Ingbritt und Freund Josef Friedmann nebst Hund beginnt er mit der Renovierung ihres Landhauses. Ansonsten wollen sie sich ganz dem Müßiggang hingeben. Doch die Beschaulichkeit in der südschwedischen Provinz findet rasch ein Ende: Beim Tapetenablösen stößt Ingbritt auf eine fast dreißig Jahre alte Zeitungsnotiz, die von einem mysteriösen Unfall berichtet, der bis heute nicht aufgeklärt scheint.
Ingbritt beginnt zu recherchieren – und muss sich beeilen, denn der Fall könnte bald verjährt sein. Dann geht es Schlag auf Schlag: Helin Arras, ein kurdisches Mädchen, verschwindet mitsamt der Mutter. Wenige Wochen später wird im Kanal der Kleinstadt Ekemala eine stark verweste Leiche gefunden. Jetzt ist es endgültig vorbei mit der Sommerruhe: unfreiwillig geraten Lindström, seine Frau und Friedmann mitten hinein in die polizeilichen Ermittlungen…

“Es gibt einen neuen Stern am schwedischen Krimihimmel: Henrik Tandefelt, der mit seinem eigenen, ironisch-amüsanten Stil eine Nische zwischen all den anderen schwedischen Krimiautoren entdeckt hat.”
Smalands-Tidningen

Henrik Tandefelt, in Helsinki geboren, unterrichtet “Medien” an einem Gymnasium in Smaland. In den vergangenen Jahren war er sowohl in Finnland als auch in Schweden als Künstler und Fotograf, am Theater und als Journalist tätig. “Lauf, Helin, lauf!” ist sein zweiter Josef-Friedmann-Krimi.

REZENSION:

In diesem Buch gibt es weder schockierende Elemente, noch starke Spannung, noch blutige Darstellungen – macht aber trotzdem unwahrscheinlich viel Spaß beim Lesen.
Henrik Tandefelt schrieb mit “Lauf, Helin, lauf!” einen Krimi, der sich von den üblichen Konventionen und Mitstreitern dieses Genres erfreulich und erheblich absetzt und bereits allein durch diese Neuartigkeit und Unvorhersehbarkeit zu überzeugen weiß. Er bedient sich hierzu mehreren vordergründig nicht zusammengehörenden Handlungssträngen, die locker und leicht erzählt werden, jedoch durch diese Weise und einem ganz dezenten “Thrill” den Leser an das Buch fesseln.
Sehr positiv hervorzuheben ist auch der dezent erhobene Zeigefinger des Autors, mit dem er auf sehr viele Missstände innerhalb der Gesellschaft hinweist, ohne jedoch im Fluss der Geschichte aufdringlich als “Mahnfinger” aufzufallen. Sämtliche dargestellten Vorurteile und Probleme (Rassismus, Homosexualismus, Prostitution, Vergewaltigung, Politik,…) sind sicherlich länderübergreifend vorhanden und somit für jeden Leser leicht nachvollziehbar – werden aber als zur Geschichte gehörend wahrgenommen und führen den Leser somit eher nebenbei zu einem gewissen “Nachdenken”.
Als Schlusswort sei nur gesagt: Erstaunlich, was Schweden so alles zu bieten hat!
Jürgen Seibold / 29.05.04