Timo Leibig: Mädchendurst

maedchendurst_timoleibig© Timo Leibig 2015
www.timoleibig.de

COVER:

Kurz vor den Sommerferien verschwindet eine Schulklasse bei einem Ausflug: acht Mädchen samt ihrer Klassenlehrerin.
Der Fall landet beim Ermittlerduo Leonore Goldmann und Walter Brandner. Walter meint, einen Zusammenhang mit einem früheren Fall zu erkennen: Vor vielen Jahren verschwanden nacheinander sechs Mädchen in einem ähnlichen Alter, immer während der Sommerferien. Sie alle tauchten nie wieder auf.
Haben die beiden es mit demselben Täter zu tun? Was hat er vor? Und warum erhalten die Eltern keine Lösegeldforderung?
Leonore und Walter bleiben nur Vermutungen, Ängste und eine grausige Gewissheit: Bei Kindesentführungen sterben die meisten Kinder innerhalb der ersten vierundzwanzig
Stunden …

REZENSION:

Wäre ich nicht bereits in den Genuss der ersten beiden Bücher Timo Leibigs gekommen, ich hätte wohl die Finger von Mädchendurst gelassen.
Dies liegt aber lediglich daran, dass mir dieses Buch als Krimi vermittelt worden ist – und jeder, der meine Präferenzen kennt, weiß, dass ich nicht unbedingt der große Krimifan bin. Bin ich in diesem Genre doch schon viel zu oft enttäuscht worden.
Nun ergab der Dialog mit dem Autor, dass es doch eher ein Thriller ist und somit wagte ich mich der Widmung dieses Buches.
In Mädchendurst wird beinahe nebenbei eine kleine Schulklasse von acht Mädchen an ihrem Wandertag entführt.
Wie die Ermittler wissen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Kinder das Zeitliche segnen werden.
Das Ermittlerduo – bestehend aus Leonore Goldmann und Walter Brandner – begibt sich sofort auf die Jagd nach dem Entführer.
Timo Leibig spielt jedoch nicht in erster Linie mit den dann üblicherweise kommenden Krimi-Elementen sondern führt uns Leser mehr und mehr in Richtung des Entführers. Hierdurch dreht sich der erste Krimifall der beiden Ermittler somit ganz stark in Richtung des Thrillergenres, welches üblicherweise erheblich spannender erzählt ist, als es Krimis von der Stange aufweisen.
Dementsprechend konnte mich Mädchendurst auch durchweg überzeugen, denn man erkennt nach und nach die krankhafte Intention des Entführers ebenso, wie das noch krankhaftere Vorhaben mit seinen Opfern. Gleichzeitig baut Leibig umfänglich das Psychogramm des Kindesentführers auf und man stellt fest, wie es so weit kommen konnte – wirkt er doch eigentlich recht sympathisch.
Im Gegensatz zu meiner ersten Information durch den Autor musste ich mit Freuden feststellen, dass er auf dem Cover nicht das Wort “Krimi” aufführt, sondern Mädchendurst nun als Thriller deklariert – absolut richtig, denn genau dieses Genre wird hierbei bedient und Leibig schafft es abermals außerordentlich gut seinen Leser auf eingängige, flüssig zu lesende und sehr spannende Weise zu unterhalten.
Wenn ich mich recht erinnere, nannte ich sein erstes Werk noch einen absoluten Geheimtipp – ich denke so langsam sollte er aus diesen geheimen Gefilden herauskommen, denn alle bisherigen drei Thriller Timo Leibigs sind durchweg zu empfehlen.
Bin schon ganz auf die nächsten Fälle der beiden – mit eigenen Problemen behafteten – Ermittler gespannt.
Jürgen Seibold/09.07.2015
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Jussi Adler-Olsen: Verheissung

Olsen_VerheissungOriginaltitel: Den graenselose
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
Deutsche Erstausgabe 2015
© 2014 Jussi Adler-Olsen
© 2015 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28048-8
ca. 596 Seiten

COVER:

Carl Morck hat gerade seine Beine auf dem Schreibtisch im Keller des Polizeipräsidiums zum Nickerchen platziert, da klingelt das Telefon. Christian Habersaat, ein Kollege von der dänischen Insel Bornholm, bittet ihn dringend um Unterstützung. Carl ist nicht allzu erfreut darüber, dass ihm ein uralter Fall aufs Auge gedrückt werden soll. Doch nur wenige Stunden später kommt Habersaat auf schockierende Weise ums Leben – und kurz darauf dessen Sohn.

Unter größtem Druck stürzt sich das Sonderdezernat Q in den siebzehn Jahre alten Fall um den tragischen Unfalltod einer fröhlichen jungen Frau auf Bornholm, die kopfüber in einem Baum hängend gefunden wurde.
Habersaat, der sie damals fand, glaubte nicht an fahrlässige Tötung mit Fahrerflucht – doch seine Ermittlungen waren siebzehn Jahre lang ergebnislos geblieben.

Das Sonderdezernat Q steht vor einem seiner rätselhaftesten Fälle, der die Zusammenarbeit auf eine harte Probe stellt. Denn es werden immer mehr dunkle Geheimnisse – auch aus dem Leben der Ermittler – an die Oberfläche gespült. Die Spuren führen bald nach Öland, zu einem obskuren “Zentrum zur Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur”. Während Carl, Assad und Rose immer tiefer in die Abgründe neoreligiöser Heilsversprecher und die Geheimnisse eines mysteriösen Sonnenkults eintauchen, hat ein höchst intelligenter Manipulator Wege gefunden, mit den bizarrsten Mitteln alles aus dem Weg zu räumen, was ihm in die Quere kommt…

Rezension:

Bei “Verheissung” handelt es sich nun bereits um den sechsten Fall des Sonderdezernats Q, welches für die Aufklärung längst abgelegter, ungeklärter Fälle zuständig ist.
Das Dezernat als auch das Team um Carl Morck hat sich eher unfreiwillig gebildet – im Laufe der Zeit fanden diese unterschiedlichen Persönlichkeiten jedoch mehr und mehr zusammen. Jussi Adler-Olsen verwendet dabei einen sehr schönen Witz, der sich insbesondere in den Persönlichkeiten und deren Dialogen widerspiegelt. Aus diesem Grund – und den doch recht spannenden Fällen der ersten 5 Bände – entwickelte sich diese Reihe zu einer der wenigen Kriminalreihen, die auch mich überzeugen konnten. Der Hang zum Thriller ist durch die aufkommende Spannung vorhanden und somit waren alle bisherigen Fälle ein Garant, mir einige schöne Lesestunden zu unterbreiten.
Nun liegt also der sechste Fall vor und bereits beim Öffnen des Buches stellt sich mir die Frage, ob der Autor dieses Niveau weiterhin aufrechterhalten kann.
Relativ rasant geht es auch gleich los: Das Team wird kontaktiert von einem Kollegen und um Mithilfe bei der Auflösung eines sehr alten Falles gebeten. Wer das Dezernat kennt, weiß sofort, dass Carls Initiative bei Fremdbestimmung nicht gerade hoch oben angesiedelt ist – nun ist es aber so, dass sich dieser Kollege bei seiner eigenen Verabschiedungsveranstaltung vor all seinen Kollegen das Leben nimmt. Plakativer kann man beinahe nicht vorgehen.
Somit nimmt sich das Sonderdezernat Q doch des Falles an und versuchen das herauszufinden, woran ihr Kollege jahrelang scheitern musste.
Der Dialogwitz – insbesondere zwischen Assad und Carl – ist weiterhin vorhanden, was zur sofortigen Überzeugung meinerseits führte. Nach und nach stellt sich aber beim Lesen heraus, dass VERHEISSUNG ein sehr guter und eingängig geschriebener Krimi mit Thrillerelementen ist – leider nicht mehr ganz an die Vorgängerbände herankommt. Diese waren durchweg dramatischer und fanden ihren Höhepunkt im fünften Fall, der den Leser in die Tiefen der mafiösen Szene brachte, die Kinder zum Diebstahl und Betteln nötigen.
VERHEISSUNG ist ein gut geschriebenes Werk und erneut konnte mich der dezent eingestreute Witz überzeugen – nichts desto trotz entstand kein neuer Höhepunkt. Mag sein, dass dies lediglich dem beschriebenen Fall zu schulden ist – jedoch war dieser in meinen Augen zu leicht vorhersagbar, was mir bei den 5 anderen Fällen etwas schwieriger fiel.
Schlussendlich ist auch VERHEISSUNG ein relativ gutes Werk um ein sehr interessantes Team. Trotzdem wirkt es im Vergleich betrachtet etwas blass und ich hoffe, dass Adler-Olsen eine gelungene Idee aus dem Ärmel schütteln kann, um die weiteren Fälle des Dezernats mit neuem Leben zu erwecken.
Jürgen Seibold/19.04.2015

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Jim Butcher: Die dunklen Fälle des Harry Dresden 2 – Wolfsjagd

butcher_dresden2© Jim Butcher 2000
© 2006 der deutschsprachigen Übersetzung bei Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München
© 2012 der vorliegenden Ausgabe Feder & Schwert GmbH
ISBN 978-3-86762-112-0
ca. 368 Seiten

COVER:

Chicago wird von einer Mordserie in Angst und Schrecken versetzt – alle vier Wochen, wenn der Vollmond fahl am Himmel steht, sterben in der Stadt unzählige Menschen. Fallen sie einem Psychopathen zum Opfer? Einer Gang? Oder etwas ganz anderem?
Harry Dresden, Privatermittler mit besonderen Fähigkeiten und Polizeiinformant wider Willen, wird schneller, als ihm lieb ist, in diesen Fall verwickelt. Immer wieder kreuzen dabei Menschen seinen Weg, die ein dunkles Geheimnis haben: Im Schutz der Dunkelheit verwandeln sie sich – und jagen.

REZENSION:

In den Fällen des Harry Dresden begleiten wir einen Ermittler der ganz besonderen Art, den er ist seines Zeichens Magier und wird dabei in ganz besondere Fälle verwickelt. Irgendwie hat man dabei immer das schleichende Gefühl, dass der Ermittler eher keine große Lust zu seiner Ermittlertätigkeit hat und vielmehr dadurch getrieben wird, dass er immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein scheint. Nachdem es auch noch eine Polizistin gibt, die um seine Fähigkeiten mehr oder weniger Kenntnis hat, wird er zum unfreiwilligen Informanten der Staatsgewalt und somit auch noch gezielt in diverseste Problemfälle hineingeschubst.
Im vorliegenden, zweiten Band der umfangreichen Harry Dresden Reihe haben wir es mit Mordfällen zu tun, die augenscheinlich von Tieren vollzogen worden sind.
Innerhalb kürzester Zeit befindet sich Dresden auf der Jagd nach Werwölfen, die in Chicago ihr Unwesen treiben.
Jim Butcher erzählt seinen mit vielen mystischen und magischen Elementen angehauchten Roman mit viel Witz. Darüber hinaus findet man als Leser durch die durchgängig verwendete Ich-Form sehr schnell in den Hauptdarsteller hinein und man folgt ihm auf seinen teilweise recht witzigen und magievollen Pfaden. Die Geschichte wäre prinzipiell nichts weiter als ein Krimi der etwas düsteren Art – durch die Hinzufügung von Magie und den Werwölfen schlägt Jim Butcher eine Brücke zwischen verschiedenen Genre, wodurch Krimifans genauso bedient werden, wie auch reine Freunde der fantastischen Spielart der Literatur.
Für Horror- und Gruselfans fehlt ein wenig die Spannung – ich kann mir aber vorstellen, dass die Intention des Autors aber eher in die klassische Krimiecke geht und er dieser einen ganz gelungenen Stempel aufdrückt. Bei Harry Dresden hat man irgendwie immer das Gefühl, dass er eine Mischung aus John McClane und Columbo darstellen soll.
Alles in allem eine wahrlich unterhaltsame Reihe für den Krimifan, der kein Problem mit Hinzufügung von Witz und Magie hat.
Jürgen Seibold/01-03-2015
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Werner Stanzl: Hinrichtung

Stanzl_Hinrichtung© 2015 by Styria Krimi in der Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
ISBN 978-3-222-13499-9

COVER:

Er tötet mit archaischen Mitteln. Er schickt verschlüsselte Botschaften. Er folgt seiner Überzeugung. Und er hat ein Ziel …
Beim Sonnenaufgang über Cormons läuten die Glocken eines Morgens Sturm und die Stadt wird Zeuge einer Steinigung per Fernbedienung. Willkommenes Futter für die Medien, die rasch auf islamische Dschihadisten schließen. Zumal in der Folge noch mehr achtbare Katholiken sterben müssen. Dass zudem ein Papstbesuch bevorsteht und Ferrogasto das Land lahmlegt, erschwert die Ermittlungen für Bruno Vossi und sein Team. Schon bald sieht sich der Commissario in einem undurchsichtigen Netz aus INteressen und Interventionen verstrickt.

REZENSION:

Was den Inhalt von Büchern betrifft, sind reine Krimis nicht unbedingt meine Leidenschaft. Viel zu oft ist die Vorgehensweise recht austauschbar, da man regelmäßig einen Kriminalbeamten bei der Jagd nach einem Mörder folgt und nur noch durch dessen Vorgehensweise Unterschiede in den üblichen Büchern aufzufinden ist. Nur wenige Kriminalromane konnten mich in der Vergangenheit deshalb überzeugen – dies liegt aber nicht an deren Qualität, sondern lediglich an meinem Geschmack, da dieser eher in spannungsgeladenen Genreabgrenzungen zu Hause ist. Nichts desto trotz habe ich mich erneut einem Krimi zugewendet, da mich die Beschreibung durch die Hinzufügung von kirchlichen Elementen positiv ansprechen konnte.
Werner Stanzl selbst war mir dabei absolut gar kein Begriff. Zusätzlich handelt es sich um einen österreichischen Verlag – kann es sein, dass unser Nachbarland auch ein Wörtchen in diesem Genre mitsprechen möchte? Scheint wohl so zu sein, denn was Werner Stanzl in seinem Buch mit dem griffigen Titel „Hinrichtung“ vorlegt, lässt nahezu nichts zu wünschen übrig.
Prinzipiell zwar nur ein Krimi der klassischen Art, jedoch in der Erzählweise durchweg überzeugend und somit blieb mir absolut nichts weiter übrig als von Seite zu Seite zu hetzen.
Richtig spannend ist das Buch dabei eher nicht – interessanterweise stört dieser Umstand aber keineswegs und somit begleitet man den Commissario Vossi in beschaulichen italienischen Dörfern und Kleinstädten auf der Jagd nach einem Mörder, der wohl mit islamischem Hintergrund zu Werke geht.
Werner Stanzl schnappt sich eine Unmenge an verschiedenen Fäden und mir schwirrte schier der Kopf nach der Frage, wie er das alles am Ende wieder zu einem Gesamtwerk fügen würde. Erfreulicherweise behält er aber alle Fäden in der Hand und schafft die Verknüpfung dieser zum Ende hin problemlos und überzeugend. Das Ende kommt ein wenig zügig ums Eck – wirkt aber in seiner Bedauerlichkeit gegenüber dem Ermittler glaubwürdig und könnte wohl exakt so in der realen Welt geschehen.
Die Schreibweise Stanzls ist niveauvoll, detailliert und doch sehr eingängig sowie glaubwürdig. Der Ermittler stellt die richtigen Fragen und siegt gewissermaßen mit seiner Bauernschläue.
„Hinrichtung“ ist somit ein Krimi, der dem Genre zwar nicht unbedingt was Neues aufzwingen kann, jedoch dem Leser sehr interessante und durchweg unterhaltsame Stunden beschert. In meinen Augen in diesem Genre ein absolut zu empfehlendes Werk eines Autors, der bereits hiermit zeigt, dass er wohl sein Handwerk zu verstehen weiß. Eine klare Empfehlung für Freunde des gepflegten Kriminalfalls.
Jürgen Seibold/11.02.2015

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AP Glonn: Die andere Seite der Realität

Die andere Seite Web© 2014 Luzifer-Verlag Steffen Janssen, Bochum
Roman, 528 Seiten
ISBN: 978-3-943408-40-9

Cover:

London 1888. Als Inspector Seth Aspen in Whitechapel über eine Frauenleiche stolpert, ist das erst der Auftakt einer ungeheuren Mordserie, welche ganz London erschüttert. Der Mörder scheint ein nicht fassbares Phantom, von der Presse bald als ›Jack the Ripper‹ betitelt. Um ihn zu stellen, verfolgt Aspen den Täter quer über den Atlantik, durch die USA und Kanada und darüber hinaus – zur anderen Seite der Realität … nach Innes, einer Welt, aus welcher der Ripper seine Macht schöpft. Obwohl selbst als Fremdling verfolgt, bleibt ihm Aspen auf den Fersen; mit nur einem Ziel: Den Ripper zu finden – koste es, was es wolle.

Rezension:

Absolut unbedarft und gänzlich frei von vorherigen Informationen wendete ich mich dem Buch „Die andere Seite der Realität“ von AP Glonn zu.
Besagte Autorin führt einen dann sogleich in ein sehr detailliert erzähltes London im ausgehenden 19. Jahrhundert – in die Zeit des sagenumwobenen Frauenmörders Jack the Ripper.
Man spürt förmlich den Dreck der Stadt, die Düsternis des Viertels und das verklemmte Denken der damals lebenden Menschen. Immer mehr taucht man in einen genial erzählten Krimi über die Jagd nach Jack The Ripper ein…
Wie gesagt: Ich war absolut unvorbereitet und somit völlig überrascht, als sich der interessant erzählte Krimi plötzlich komplett wendet und man sich als Leser in einer anderen Welt befindet. Hierdurch benötigte ich erst einige Seiten, um diesem Gedankengang folgen zu können; vorbei war es mit dem verdreckten London – befinden wir uns doch plötzlich in einer anderen, sehr phantastisch und farbenfroh anmutenden Welt mit einer durchweg recht offenen Sichtweise.
Dem Jack-The-Ripper-Jäger namens Seth Aspen geht es dabei sehr ähnlich, da sein viktorianisches Weltbild absolut erschüttert wird.
Als Leser muss man diesen Schwenk in das Phantastische erst einmal  verdauen – lässt man sich aber darauf ein, erkennt man sehr schnell, dass hier AP Glonn der Jagd nach Jack The Ripper völlig neue Facetten verleiht und diesen typischen Kriminalfall virtuos in eine Phantasy-Welt zu integrieren weiß.
Ein klein wenig enttäuscht war ich schon für eine kurze Zeit, da das alte London vor meinen Augen auferstanden ist und ich das Gefühl hatte, Seth Aspen auf seiner Jagd durch das düstere Viertel Whitechapels zu begleiten. Nichts desto trotz sorgte dieser Twist dafür, dass am Ende dieser Roman nicht einfach nur eine weitere Jack-The-Ripper-Erzählung nach dem üblich vorherrschenden Krimischema geworden ist. Allein dafür ziehe ich meinen Hut und konnte die Enttäuschung beiseite schieben.
Alles in allem ist „Die andere Seite der Realität“ ein gelungener und sehr empfehlenswerter Brückenschlag vom Krimi zum fantastischen Roman, was zum einen die Kreativität der Autorin zeigt und zum Anderen die Leser vom Schubladendenken befreien kann.
Jürgen Seibold/16.12.2014
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Stephen King: Mr. Mercedes

SK_MercedesOriginaltitel: Mr. Mercedes
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
© 2014 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
eBook
ISBN: 978-3-641-14293-3
€ 18,99

COVER:

Ein Mercedes S 600 – »zwei Tonnen deutsche Ingenieurskunst« – rast in eine Menschenmenge. Es gibt viele Todesopfer, der Fahrer entkommt. Der Wagen wird später gefunden. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Clownsmaske, das Lenkrad ziert ein grinsender Smiley. Monate später meldet sich der Massenmörder und droht ein Inferno mit Tausenden Opfern an. Stephen King, der Meister des Schreckens, verschafft uns in Mr. Mercedes beunruhigende Einblicke in den Geist eines besessenen Mörders bar jeglichen Gewissens.

Eine wirtschaftlich geplagte Großstadt im Mittleren Westen der USA. In den frühen Morgenstunden haben sich auf dem Parkplatz vor der Stadthalle Hunderte verzweifelte Arbeitsuchende eingefunden. Jeder will der Erste sein, wenn die Jobbörse ihre Tore öffnet. Im Morgendunst blendet ein Autofahrer auf. Ohne Vorwarnung pflügt er mit einem gestohlenen Mercedes durch die wartende Menge, setzt zurück und nimmt erneut Anlauf. Es gibt viele Tote und Verletzte. Der Mörder entkommt. Noch Monate später quält den inzwischen pensionierten Detective Bill Hodges, dass er den Fall des Mercedes-Killers nicht aufklären konnte. Auf einmal bekommt er Post von jemand, der sich selbst der Tat bezichtigt und ein noch diabolischeres Verbrechen ankündigt. Hodges erwacht aus seiner Rentnerlethargie. Im Verein mit ein paar merkwürdigen Verbündeten setzt er alles daran, den geisteskranken Killer zu stoppen. Aber der ist seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus.

REZENSION:

Viele sehen in Stephen King interessanterweise immer noch den „King des Horrors“ und wirken dann enttäuscht, wenn er sich in einem neuen Roman aus einem anderen Genre bedient.
Dies ist aber ein wenig zu kurz gesprungen, da dieser Titel bereits zu seinen Anfangszeiten – wohl durch Marketingmaßnahmen – generiert worden ist, Stephen King aber bereits sehr oft deutlich gezeigt hat, dass er sich nicht auf dieses eine Genre begrenzen lässt.
Nun veröffentlichte er mit Mr. Mercedes einen reinrassigen Psycho-Krimi, der so gänzlich ohne irgendwelche Horrorelemente auskommt.
Was jedoch gleich geblieben ist: Er holt das „Grauen“ bzw. das Unglück in ganz normale Alltagssituationen und exakt so verfährt auch in diesem Buch, bevor er sich der Tätersuche widmet.
Anfangs lernen wir kurzzeitig einige Personen kennen, die sich frühmorgens in einer Schlange zur Findung einer Arbeitsstelle einfinden und dort auf Öffnung der Behörde warten. Einige Seiten lang lässt uns der Autor an den Gedanken und kurzen Erlebnissen einiger dieser Wartenden teilhaben, bevor urplötzlich ein schwarzer Mercedes ungebremst in diese Menge rast und dabei für eine nicht unerhebliche Zahl an Toten und Verletzten sorgt.
Ab diesem Augenblick zeichnet King insbesondere zwei Personen auf seine sehr detaillierte Art und Weise aus – zum Einen den psychopathischen Mörder und zum Anderen einen bereits im Ruhestand befindlichen und seinen eigenen Todesgedanken anhängenden Ermittler, der es während seiner Amtszeit nicht geschafft hatte, diesen Fall zu lösen.
Somit begleiten wir als Leser zwei Hauptprotagonisten, die grundsätzlich genug mit sich selbst zu kämpfen haben. Nichts desto trotz nimmt Bill Hodges die Herausforderung des sich selbst als genialen Mörder feiernden Killers an und nimmt die Jagd auf ihn an.
Die Geschichte ist sehr eingängig, detailliert und flüssig geschrieben, wobei trotz der ruhigen Grundstimmung genügend geschieht, um den Leser zum Umblättern zu zwingen.
Prinzipiell bin ich kein großer Freund von Krimis, da diese sehr oft nach „Schema F“ abgewickelt werden – hierbei hat mich aber Mr. Mercedes eines Besseren belehrt und ich hatte innerhalb kürzester Zeit das unvermeidliche Ende dieses neuen Wurfs von Stephen King erreicht.
Erneut wohl ein Werk dieses Autors, welches ich abermals lesen werde.
So ganz kann sich Stephen King jedoch seiner grundsätzlichen Liebe (siehe sein Fachbuch „Danse Macabre“) nicht entziehen, denn so ab der Mitte bekam ich das Gefühl, dass der Killer eine dezente Hommage an das allseits bekannte Muttersöhnchen Norman Bates darstellt und hierbei sehr viele Parallelen aufweist.
Alles in allem ein wahrhaft gelungener Krimi eines Autoren, der es nun schon schafft, mich seit etwa dreißig Jahren zu unterhalten.
Jürgen Seibold/14.10.2014

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Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach

profijt_knastOriginalausgabe 2014
© 2014 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21506-0
ca. 333 Seiten / € 9,95 (TB)

COVER:

Gregor, der beste Freund von Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein, steht unter Mordverdacht. Alle Indizien sprechen gegen ihn und Gregor schweigt hartnäckig zu allen Vorwürfen. Auf der Suche nach der Wahrheit stößt Pascha – Ex-Autoknacker und nach wie vor auf Erden weilender Geist – bald auf eine heiße Spur: Die Ermordete war Journalistin und recherchierte wegen mysteriöser Todesfälle in der Seniorenresidenz, in der ihr Vater lebt. Gleichzeitig geraten Gregors Kontakte zu einem zwielichtigen Nachtclubbesitzer in den Fokus der Ermittlungen. Martin ist dieses Mal bei der Aufklärung des Falls keine große Hilfe, denn der werdende Vater ist völlig ausgelastet mit Geburtsvorbereitungskursen, Kreißsaalbesichtigungen, Babyausstattungskatalogen und nicht enden wollender Namenssuche.

REZENSION:

Als mich der nun mittlerweile 5. Band der Krimireihe um den als Geist bei uns befindlichen Ex-Autoknacker Pascha erreichte, war ich sehr erfreut, endlich die weiteren Erlebnisse von ihm, Martin und dessen Lebensgefährtin geniessen zu können.
Gleichzeitig jedoch stellte sich mir auch die Frage, ob Jutta Profijt auch im fünften Band noch immer genug Einfallsreichtum und Witz zu Tage fördern kann, ohne die Reihe tot zu schreiben.
Der prinzipielle Reiz des ersten Bandes – Pascha bleibt als Geist auf der Erde und kann nur mit Martin kommunizieren – ist ja gezwungenermaßen bereits im ersten Band erledigt und somit kann sich die Autorin ihrem Konzept entsprechend nur noch um weitere Kriminalfälle kümmern, die dann ihre beiden Hauptprotagonisten, mal mit mehr Hilfe, mal mit weniger Hilfe, lösen sollten. Dies natürlich weiterhin mit dem bisher durchweg gelungenen Witz des nicht auf den Mund gefallenen Geistes.
Interessanterweise hat Jutta Profijt es auch im fünften Band durchweg geschafft, ihren Leser zu unterhalten. Sicher, ohne Pascha wäre es einfach nur eine Kriminalgeschichte – aber der Reiz ihrer Bücher liegt definitiv an dessen Geist. Pascha ist und bleibt der Treiber dieser Romane und in diesem Fall verstärkt sich das auch noch, da Martin durch das Herannahen seines ersten Kindes nahezu ausgeknockt zu sein scheint. Martin ist und bleibt einfach menschlich das krasse Gegenteil von Pascha – nichts desto trotz scheinen sie sich dabei relativ gut zu ergänzen.
In Knast oder Kühlfach schafft es Pascha jedenfalls auch auf geschickte Art und Weise weitere Helfer zu akquirieren, wodurch ein interessanter Drall in die Handlung kommt und somit keinerlei Langeweile durch lediglich eine weitere Martin-Pascha-Geschichte auftreten kann.
Der Kriminalfall selbst ist sehr geschickt konstruiert und lässt genug Interpretationsspielraum, um den Ergebnissen bis zum Ende nicht auf die Spur zu kommen.
Schlussendlich lebt die gesamte Reihe auch vom Witz der Autorin und ihrer darin dargelegten Sprache. Nahezu jeder gezogene Vergleich innerhalb eines Satzes sorgt für schmunzelnde Lippen beim Leser und die blühende Sprache Paschas setzt da nur noch einen oben drauf.
Alles in allem einfach eine sehr gelungen Krimireihe über zwei unfreiwillige Ermittler, vollgestopft mit Situationskomik und genug Witz für mehrere Bücher. Erneut durchweg zu empfehlen für einige vergnügliche, unterhaltungsvolle Stunden.
Jürgen Seibold/20.04.2014
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Michael E. Vieten: Christine Bernard – Der Fall Siebenschön

Vieten_Siebenschoen© 2014 Michael E. Vieten
ca. 258 Seiten

COVER:

Eigentlich handelt es sich nur um eine Befragung zu einer Vermisstenanzeige. Doch der Selbstversorger Hartmut Schröder verwickelt sich in Widersprüche. Nicht nur seine Frau wurde seit Wochen von den Nachbarn in dem kleinen Dorf nicht mehr gesehen, auch seine sechs Kinder sind offenbar verschwunden. Kommissarin Bernard spürt, dass unter der Oberfläche dieses verstockten Landwirts etwas Unfassbares auf sie wartet. Kriminalhauptkommissar Thorsten Kluge übernimmt den Fall. Die junge Kommissarin ist erleichtert, sich nicht mehr mit diesem düsteren Menschen befassen zu müssen. Doch Hartmut Schröder schweigt und fordert, dass Kommissarin Bernard die Vernehmung fortsetzt. Nachdem sie ihm wieder gegenübersitzt, beginnt eine beispiellose Achterbahnfahrt in die Abgründe der menschlichen Seele.
Eine Frau, ihre sechs Töchter und ein verzweifelter Mann. Sieben Tage Verhör und ein schrecklicher Verdacht. Wo sind Andrea Schröder und ihre Kinder? Leben sie noch? Unter Einsatz ihres eigenen Lebens treibt eine junge Kommissarin der Trierer Polizei die Ermittlungen voran und versucht, einem psychisch auffälligen und gewalttätigen Sonderling die dringend benötigten Informationen abzuringen.

REZENSION:

In Michael E. Vietens Krimi CHRISTINE BERNARD – DER FALL SIEBENSCHÖN begleiten wir als Leser überwiegend ein Verhör zwischen dem verstockten Bauern Hartmut Schröder und der sympathisch gezeichneten Kommissarin Christine Bernard, die es sich gezwungenermaßen zur Aufgabe machte, herauszufinden, wo sich die Familie des bornierten Schröders befindet. Alle Hinweise verdichten sich auf einen Serienmord, in dem Hartmut Schröder schlicht und ergreifend seine Familie umbrachte und verschwinden ließ. Doch wo befinden sich die Leichen? Wie kann man an Beweise kommen, um diesem Menschen her zu werden?
Christine Bernard findet sich in einem Psychospiel wieder und lässt sich von mal zu mal mehr an der Nase herumführen.
Michael E. Vietens Kriminalroman ist – neben einigen externen Begebenheiten – beinahe ein Kammerspiel, dass hauptsächlich zwischen diesen beiden Protagonisten stattfindet.
Für mich persönlich kommt sehr erschwerend hinzu, dass ich bereits beim Beginn des Lesens von Vorurteilen geprägt war: Handelt es sich doch um einen Krimi – und genau dieses Genre konnte mich in letzter Zeit nur schwerlich überzeugen.
Ich habe mich lediglich auf dieses Buch eingelassen, da mir ein früheres Kurzgeschichtenwerk des Autors durch seine Erzählweise durchweg überzeugen konnte.
Erfreulicherweise konnte Michael E. Vieten mich mit diesem Kriminalfall sogleich ebenso für sich gewinnen. Zum Einen gefällt mir seine Art des Erzählens weiterhin und er schafft es virtuos durch seine detailgenaue Beschreibung der beteiligten Personen, diese vor des Lesers Augen lebendig werden zu lassen. CHRISTINE BERNARD – DER FALL SIEBENSCHÖN ist wahrlich nicht spannungsgeladen, nichts desto trotz eine durchweg interessante Geschichte mit interessanten Wendungen, deren Ergebnis ein klein wenig vorhersehbar ist, jedoch den Leser von Seite zu Seite weiter zu gehen zwingt.
So langsam bekomme ich das Gefühl, dass dies der einzige Autor ist, der mich ein wenig von meinen üblichen Genregrenzen weg zu führen in der Lage ist.
Michael E. Vieten schreibt eingängig, interessant und gibt seinen Geschichten genug Tiefe, um den Leser nicht – von üblichen Leseerfahrungen eingeschränkt – abzuschrecken, sondern dieses vielmehr von seiner Geschichte zu überzeugen.
CHRISTINE BERNARD ist eine gelungen dargestellte Kommissarin, deren FALL SIEBENSCHÖN bereits überzeugt und beim Schließen des Werkes nur noch nach weiteren Erlebnissen dieser jungen Dame erhofft.
Ich bin sehr gespannt, ob sich hier eine kleine Reihe entwickelt – bis dahin kann ich das vorliegende Werk nur empfehlen.
Jürgen Seibold/16.04.2014
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Jonathan Green: Unnatural History

Green_History(c) Luzifer-Verlag 2013
Roman, 376 Seiten
Broschur, Softcover
€ 13,95, ISBN: 978-3-943408-19-5

COVER:

Es ist das Ende des 20. Jahrhunderts und Queen Victoria regiert das Reich noch immer an oberster Stelle, gewartet von einer babbage’sken Lebenserhaltungsmaschine. Aufwiegelungen und Unzufriedenheit wachsen so stetig in Magna Britannia, wie das ständige Streben von Schattenwesen nach Macht und Einfluss.
Alles, was Sie in den viktorianischen Gothic-Novellen gelesen haben, ist wahr: Menschen können vom Tod wiederauferstehen, Dinosaurier leben noch immer in abgelegenen Bereichen der Welt (und im Londoner Zoo!), und auch Darwins Evolutionstheorie wurde korrekt nachgewiesen.
Aristokratische Stammbaumhalter der Vampire setzen sich in Osteuropa durch und graben ihre Klauen in die königliche russische Familie, Dampf- und Uhrwerkbetriebene Robotersklaven arbeiten neben den Ärmsten der Gesellschaft, während logisch denkende Maschinen der Führungsschicht helfen, ihren Machtanspruch in dieser überbevölkerten Welt  aufrecht zu erhalten.
In diese Kulisse setzen wir nun den höflichen Dandy und Galgenvogel Ulysses Lucian Quicksilver, gelegentlicher Abenteurer und Agent im Dienste des Thrones, der für schattenhafte Herren arbeitet, welche verzweifelt ein Regime zu erhalten versuchen, das seit 150 Jahren andauert und nun von innen einzustürzen droht – also keineswegs mehr das ist, was es zu sein scheint.
Er bekämpft schnauzbärtige Schurken in den zylindrischen Gewölben der Unterwelt mit raffinierter Eleganz und modischer Stilsicherheit. Unterstützung findet er dabei in seinem unerschütterlichen Hausdiener Nimrod, während die Uhr des Big Bens das Jahr 2000 ankündigt … und damit das Ende der Welt.

REZENSION:

Sobald man Jonathan Greens ersten Pax Britannia-Roman öffnet, befindet man sich im in einem teilweise stehen gebliebenen London – wir schreiben aber das Jahr 1997. Nichts desto trotz treffen wir auf Queen Victoria, die bereits 160 Jahre lang regiert und durch dampfbetriebene Maschinen noch weitere Jahre regieren wird. Darüber hinaus kann man im Londoner Zoo problemlos lebende Dinosaurier betrachten und man weiß, dass sich auch in der freien Wildbahn noch genügend davon herumtreiben. Beinahe unerwähnenswert lebt auch die Kolonialisierung Englands fort – jedoch nicht nur innerhalb großer Teile unserer Welt, sondern auch Mars und Venus sind britische Kolonien.
Man riecht förmlich das Teakholz und die Oberschicht Englands scheint modetechnisch schlicht stehen geblieben zu sein.
Dieser Transfer des viktorianischen Londons in unsere heutige Zeit ist sehr interessant und beinahe als selbstverständlich dargelegt.
Nun nehmen wir noch einen Oscar Wilde-ähnlichen Lebemann und lassen ihn als Abenteurer und Agent der englischen Regierung seinen Fall lösen.
Dessen Vorgehensweise in seinem Auftrag ist eine Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond. Sein Butler besitzt sehr viele Anleihen aus der Comic-Welt, wirkt er doch stark wie Batmans eingeweihter und hilfreicher Diener Alfred.
Darüber hinaus strotzt der Autor nicht nur vor lauter Ideenreichtum – er schafft es auch virtuos, sehr viele Anspielungen auf weitere literarische Begebenheiten vor des Lesers Augen aus zu breiten.
Interessanterweise hatte ich in dieser Geschichte durchweg kein Problem, den Transfer vergangener Zeiten in die heutige Welt zu akzeptieren – im Gegenteil, dies machte mir beim Lesen absolut viel Spaß und schreit förmlich nach weiteren Geschichten dieser Art.
Die Figurenzeichnung ist sehr durchwachsen dargestellt – Nimrod, der Butler und Simeon, der dazu stoßende Neandertaler sind detaillierter gezeichnet als der Hauptprotagonist selbst. Gleichzeitig war man leider ein wenig zu oft mit dem „sechsten Sinn“ Ulysses konfrontiert – da hat es sich der Autor schon ein klein wenig zu leicht gemacht.
Gleichzeitig handelt es sich natürlich in erster Linie um eine Kriminal- bzw. Agentengeschichte und diese beiden Genre sind nicht gerade meine Lieblinge – in diesem Fall wurde das durch die dargestellte Welt aufgelockert und ich konnte darüber hinwegsehen. Nichts desto trotz wäre das Drehen an der Spannungsschraube sicherlich nicht schadhaft und würde dem Inhalt in keinster Weise schaden. Im Gegenzug könnte man als Alternative auch etwas mehr den Leser bei der Hand nehmen und ihn die Begebenheiten und Umstände stärker selbst entdecken lassen. Das Potenzial der Differenzen zwischen heute und der viktorianischen Zeit wäre ja vorhanden.
Schlussendlich handelt es sich aber trotzdem um einen sehr interessanten Roman eines Genres, welches mir leider bis zu diesem Buch noch nie untergekommen ist. Die Geschichte ist auch interessant genug, um auf weitere Folgen mit Vorfreude entgegen zu sehen.
Jürgen Seibold/08.01.2014

 
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Rita Falk: Sauerkrautkoma

Falk_SauerkrautOriginalausgabe 2013
© 2013 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24987-4
ca. 266 Seiten

COVER:

Der Franz hat seinen Sessel in der Münchner Löwengrube noch nicht mal richtig angewärmt, da geht’s auch schon los mit der großstädtischen Kriminalität. Erst wird dem Papa sein Admiral geklaut, und als man den wiederfindet, liegt darin die Leiche einer jungen serbischen Frau. Offenbar erwürgt. Die ersten Spuren führen nach Grünwald, wo Franz Eberhofers alter Spezi Birkenberger sich wieder einmal g’scheit nützlich machen kann!

Doch damit nicht genug: Seit Franz’ Bruder Leopold, die alte Schleimsau, diesen Karl-Heinz in Niederkaltenkirchen eingeschleppt hat, muss der Franz sich tatsächlich was überlegen, damit die Susi ihm nicht wieder stiften geht. Aber ein Heiratsantrag ist nichts, was dem Eberhofer so leicht über die Lippen geht…

REZENSION:

Nun ist er da, der fünfte Fall des Niederkaltenkirchner Ermittlers Franz Eberhofer.
Ein wenig ist man schon besorgt, ob die Autorin weiterhin noch problemlos das Schmunzeln auf des Lesers Lippen zaubern kann und dabei nicht bloß einen Abklatsch ihrer selbst vorlegt.
Aber die Sorge ist absolut unbegründet – Rita Falk schickt ihren Ermittler in die Großstadt nach München und plagt ihn mit einer Vielzahl an privaten Problemen, womit abermals genug Stoff vorhanden ist, um sowohl ironisch, lustig und ab und an auch ein wenig emotional bis tiefgehend eine weitere Episode aus Eberhofers Leben zu erzählen.
Erneut gibt es nichts zu monieren bei ihrer Gschicht und scho wieder gfrei i mi unbandig auf den nächstn Fall, der ja hoffentlich boid kimmt.
Für nicht-Bayern: Ach, ich liebe diese Geschichten um den Eberhofer Franz.
Jürgen Seibold/21.10.2013

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David Bielmann als Pierre Paillasse: Gastspiel

BielmannPaillasse-Gastspiel1. Auflage 2013
© by WOA Verlag, Zürich
www.woaverlag.ch
ISBN 978-3-9523657-7-9
ca. 120 Seiten / € 15,40

COVER:

«Diese Liste ist eine wahre Bibel für Einbrecher! Sie enthält für uns unbezahlbare Informationen. Sie sagt uns nämlich, zu welchem Zeitpunkt über 5000 Leute nicht zu Hause sind.»

Der Kleinkriminelle Big Bad Boy plant den grossen Coup. Während eines Eishockeyspiels des HC Freiburg Gottéron will er bei wohlhabenden Leuten einbrechen, die sich gerade im Eisstadion befinden. Helfen soll ihm dabei Fredi Egger, der ebenfalls mehr Geld brauchen könnte. Fredi ist allerdings selbst ein grosser Anhänger des Clubs und verpasst sonst unter keinen Umständen ein Heimspiel. Widerwillig macht er mit, doch schon in der ersten Wohnung warten die ersten Hindernisse auf die beiden, zum Beispiel eine Leiche.

REZENSION:

David Bielmann war mir bisher lediglich als Autor eines sehr melancholischen und nachdenklichen Buches bekannt. Gleichzeitig zeigte er aber auch mit “Flucht eines Toten” seine erzählerische Stärke.
Nun liegt mir ein weiteres Werk dieses Autoren vor: “Gastspiel”, welches lose an die von ihm unter dem Pseudonym Pierre Paillasse veröffentlichte Trilogie mit den Titeln “Nachspiel”, “Nachschuss” und “Nachruhm” anknüpft.
“Gastspiel” verkauft sich ein klein wenig als Krimi – ist aber irgendwie doch kein Krimi. In Krimis geschieht üblicherweise irgendetwas und irgendjemand ist auf der Suche nach den Tätern oder versucht einen Fall jeglicher Art zu lösen. “Gastspiel” handelt jedoch schlicht von zwei mehr oder weniger sympathischen Personen, die auf eine ziemlich dumme Räuberidee kommen.
Der eine von ihnen nennt sich Big Bad Boy, was schon beinahe für sich spricht, wenn man sich selbst so einen Namen gibt – da kann es mit einer tiefgründigen Gedankenwelt nicht weit her sein. Sein Kompagnon ist Fredi, seines Zeichens überzeugter Sozialhilfeempfänger und absoluter Eishockeyfan des HC Freiburg Gottéron..
Nun hat Big Bad Boy durch Zufall eine Liste gefunden, auf der sich die Adressen der Jahreskartenbesitzer dieses Vereins befinden. Daraufhin reift in ihm die irrsinnige Idee, einen Beutezug durchzuführen, sind doch die in dieser Liste genannten Personen während eines Heimspiels sicherlich im Stadion und somit die Häuser bereit, ausgeraubt zu werden.
Wie man bereits merkt, ist dieser Plan eher als dünn zu betrachten – nichts desto trotz gehen die beiden so vor.
David Bielmann schafft nun in lediglich etwa 120 Seiten einen durchweg komödiantischen Plot darzulegen, in dem die beiden Protagonisten von einer Panne in die nächste tapsen.
Schmunzelnd folgt man der Erzählung und leicht verärgert ob der Kürze muss man das Buch viel zu früh schließen. Eine durchweg gelungene, liebevoll erzählte und aberwitzige Geschichte um zwei irgendwie sympathische Protagonisten, deren Vorgehensweise und Tölpelhaftigkeit seinesgleichen sucht und irgendwie nach mehr verlangt. Ein sehr gelungenes und durch die durchweg interessante Geschichte beinahe zu kurzes Buch. Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold/24.03.2013

 

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Stephen King: Joyland

KING_JoylandOriginaltitel: JOYLAND bei Titan Books, London
Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel
© 2013 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ISBN 978-3-453-26872-2
ca. 352 Seiten / € 19,99 (HC)

COVER:

Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet Devin Jones während der Semesterferien im Vergnügungspark Joyland an der Küste von North Carolina. Drei Dinge sind es, die ihn im Laufe des Sommers 1973 vor allem beschäftigen: Seine große Liebe Wendy gibt ihm per Brief den Laufpass. In der Geisterbahn Horror House soll es spuken, nachdem dort ein Mädchen ermordet wurde. Und er fragt sich, welches Geheimnis sich wohl hinter der schönen jungen Frau mit ihrem behinderten Sohn verbirgt, an deren Strandvilla er jeden Tag vorbeikommt. Vom unbekümmerten Schaustellerleben in Joyland fasziniert, verlängert Devin seinen Aufenthalt. Mit seinen neugierigen Nachforschungen tritt er jedoch eine Lawine von Ereignissen los, bei denen es schließlich um Tod oder Leben geht …

REZENSION:

In JOYLAND entführt uns Stephen King in die frühen Siebziger und erzählt eine Geschichte, die nicht nur dort handelt, sondern in ihrem Aufbau genau den Geschichten dieser Zeit entspricht.
Dadurch könnte man ein wenig enttäuscht zurückbleiben, da die Geschichte überwiegend ruhig vollzogen wird und lediglich zum Ende hin ein wenig in eine Achterbahn zu steigen scheint. Nichts desto trotz handelt es sich bei JOYLAND um eine sehr interessante Geschichte, die zum Einen über einen 21jährigen erzählt, der Probleme genug hat, sich von seiner Liebe zu lösen. Zum Anderen sorgt Stephen King für zwei weitere Erzählstränge, die am Ende zusammenlaufen und gemeinsam den Schluss besiegeln.
In JOYLAND erfahren wir einiges über die Tätigkeiten hinter den Kulissen einen Freizeitparks – dabei nimmt uns King bei der Hand und lässt auch noch einen Geist in der unvermeidlichen Geisterbahn erscheinen. Somit entsteht eine Kriminalgeschichte, da der Mörder dieses Gespenstes noch  nicht gefasst worden ist. Devin Jones schnüffelt ganz dezent nach und lernt nebenbei die hübsche Annie kennen, die mit ihrem schwer behinderten Sohn am Strand wohnt. Dadurch löst sich sein unerfülltes Liebesleben auf und er findet eine weitere – wenn auch kurze – Bestimmung.
Mike, Annies Sohn, scheint fast eine Hommage an Kings SHINING zu sein – irgendwie kommt einem nämlich dieses aufflackern des Zweiten Gesichts doch sehr bekannt vor. Nichts desto trotz schließt man Mike sehr sehr stark ins Herz und dadurch entstehen einige Szenen, bei denen man Probleme hat, manch Träne zurückzuhalten.
Allein dies spricht bereits für JOYLAND, da diese intensiven Szenen zeigen, dass der Autor immer noch ein Meister seines Fachs ist – beziehungsweise ein Meister mehrerer Fächer ist : Denn ein Kingscher Horrorroman ist dieses Buch nicht – eher eine Liebesgeschichte, eine Geschichte des Erwachsenwerdens, eine dezente Mysterystory und ein kleiner Kriminalroman. Dies alles im Stile der beschriebenen Zeit und somit aus meiner Sicht absolut gelungen – jedoch nicht unbedingt was für Leser auf der Suche nach neuen Spannungsspitzen.

 

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Rainer M. Schröder: Die Farben von Florenz

Originalausgabe Mai 2012
(c) 2012 Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-50990-6
ca. 414 Seiten / € 9,99

COVER:

1489 im Florenz der Medici. Seit Wochen bangt der angesehene Freskenmaler Pater Angelico um eine Lieferung Lapislazuli, die er zur Herstellung der kostbaren Farbe Ultramarin benötigt. Doch dann findet Angelico seinen säumigen Lieferanten erhängt auf. Selbstmord? Das kann und darf nicht sein, auch wenn es die gefürchtete Geheimpolizei gerne so hätte …
Mit Scharfsinn und florentinischem Witz beginnt der streitbare Dominikanermönch zu ermitteln – und schwebt kurz darauf in Todesgefahr.

Der Auftakt zu einer Reihe mitreißender Kriminalromane aus dem Florenz der Renaissance.

REZENSION:

Manchmal scheint es einfach simpel zu sein: Die Farben von Florenz bieten durchgängige und spannende Unterhaltung für alle Krimifans, die in vergangene Zeiten eintauchen möchten. Darüber hinaus schafft es Rainer M. Schröder spielend, nicht nur einen gelungenen Kriminalroman unter Verwendung vergangener Zeiten zu kreieren, sondern gleichzeitig einen Protagonisten vor des Lesers Augen dar zu legen, der durchweg sympathisch wirkt und mit Sicherheit so ziemlich jedem Leser innerhalb kürzester Zeit ans Herz wächst. Pater Angelico ist beileibe kein bornierter, vom tiefgehenden Glaubensgrundsatz fixierter Bruder, der sich benebeld von altertümlichen Grundsätzen einem Fall hinnimmt – nein, er ist ein gläubiger, aber doch durch und durch offener Pater, der es mit manch vorherrschender Meinung nicht unbedingt allzu ernst nimmt und somit in manch dezentes “Töpfchen” hineintappt, um dabei den vorliegenden Fall zu lösen.
Somit ein wahrlich gelungener Trip in vergangene Zeiten mit einem durchweg sympathischen Held, dessen Untertitel “Pater Angelicos erster Fall” erfreulicherweise auf mehr hoffen lässt.
Sonja Seibold / 16.06.2013

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Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London

Originaltitel: Rivers Of London
Deutsch von Karlheinz Dürr
Deutsche Erstausgabe 2012
(c) 2011 Ben Aaronovitch
(c) 2012 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-21341-7
ca. 478 Seiten / € 9,95

COVER:

Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands: Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein grausiger Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand. Und er stellt fest, dass es mehr Dinge in London gibt, als seine Polizeischulweisheit sich träumen ließ. Wer hätte zum Beispiel geahnt, dass der Themsegott und die Themsegöttin einander Spinnefeind sind, was gravierende Auswirkungen auf alle Flüsse Londons hat? Peter soll vermitteln – keine leichte Aufgabe, wenn man sowieso anfällig für Magie ist und insbesondere eine der Flusstöchter unwiderstehliche Reize besitzt …

REZENSION:

In Ben Aaronovitch‘ „Die Flüsse von London“ beginnt die Serie um den frischgebackenen Police Constabler Peter Grant. Dieser hat seine Ausbildung erfolgreich durchlaufen und träumt nun von einem interessanten Job in einer spannenden Abteilung der Polizei Londons.
Nebenbei fürchtet er sich aber auch sehr davor, lediglich einen langweiligen Job in der Verwaltung ergattern zu können – dies ändert sich jedoch rasant, als er zu einem Tatort gerufen wird, an dem jemanden der Kopf abgeschlagen worden ist. An diesem Tatort spricht er sehr ausführlich mit einem Zeugen, der ziemlich viele Angaben zu diesem Verbrechen machen kann.
Wie sich dabei relativ schnell herausstellt, handelt es sich bei diesem Zeugen um einen Geist, der wohl nur von Peter Grant wahrgenommen werden kann.
Interessanterweise besitzt die Londoner Polizei aber noch einen ganz separaten Bereich, der von Polizeiinspektor Thomas Nightingale vertreten wird – seines Zeichens der letzte Zauberer Englands.
Bei diesem kommt Peter nun zur Lehre um die magischen Grundlagen zu lernen.
Durch diese Idee des Autoren ist man als Leser sehr schnell eingenommen – wird man doch hierbei in eine Vermischung von fantastischen Elementen und Kriminalfällen hineingeschoben. So ein Plot besitzt ungeahnte Möglichkeiten und dementsprechend gierig folgt man dem Inhalt dieses Buches.
Ben Aaronovitch steckt auch voller Ideen, verzettelt sich aber leider in der Ausarbeitung seines Grundgerüstes – insbesondere, da er verschiedene Geschichten ausbreitet (Kriminalfall und ein davon losgelöster zu erbringender Waffenstillstand zwischen den Flussgöttern, die übrigens viel zu nett sind, um für eigenständige Spannung zu sorgen), diese aber so gut wie gar nicht zusammenfügen kann. Dadurch löst er den Kriminalfall recht früh auf, kann aber die Spannung nicht erneut auf dieses Niveau heben. Davon abgesehen besitzt Aaronovitch einen recht guten Witz, der seinem Buch absolut zu Gute kommt und somit hält man doch eine ganz nette Unterhaltung in der Hand, die aber mit Sicherheit auch wieder recht schnell vergessen ist.
Dieser Umstand kommt leider ziemlich oft in einem ersten Band einer Reihe vor – was zumindest für den Nachfolgeband hoffen lässt.
Darüber hinaus muss man immer recht konzentriert bei der Sache bleiben, was prinzipiell nichts negatives ist, jedoch bei einem reinen Unterhaltungsbuch störend sein kann – besonders bei „Spät-Abends-kurz-vorm-Einschlafen-Bett-Lesern“. Dies ergibt sich durch die sehr stark verschachtelten Sätze in denen sich teilweise ganze Themen drehen. Sehr oft fragte ich mich plötzlich, wo ich nun gerade thematisch bin und stellte beim (sehr häufigen) Lesen vorangegangener Sätze fest, das in einem Nebensatz kurz auf eine Änderung eingegangen worden ist.
Ich weiß nun leider nicht, ob dies an der Übersetzung liegt oder bereits vom Autor so erzählt worden ist. Hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen.
Jürgen Seibold/14.01.2013

 

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Rita Falk: Griessnockerlaffäre

Originalausgabe 2012
© 2012 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24942-3
ca. 240 Seiten / € 14,90

COVER:

Da stehen also diese sechs Hanswursten vom SEK in unserem Hof, bewaffnet bis an die Zähne, und wollen mich abführen. “Seid’s ihr alle narrisch worden?”, schreit die Oma aus Leibeskräften und schwingt den Besen. “Lasst’s gefälligst meinen Buben in Ruh!”
Wie ich rauskomm, steht die Oma handgeschellt vor mir und schimpft wie ein Rohrspatz. Ausschauen tut sie eigentlich auch so. “Macht’s ihr die Achter runter, aber hurtig”, sag ich erst einmal relativ unfreundlich. Zuerst mögen sie ja nicht recht. Wie die Oma aber loswatschelt und Schienbeintritte verteilt, geben sie schließlich nach und machen ihr die blöden Handschellen wieder ab…
Dann erfahr ich, man kann es kaum glauben, dass ausgerechnet der Barschl, mein über alles geliebter Vorgesetzter, heute früh mausetot im Polizeihof gefunden wurde. Mit durchgeschnittener Kehle. So wie’s ausschaut, war ich der Letzte, der ihn noch lebend gesehen hat. Und das ist halt jetzt saublöd. Besonders, wo wir uns so gar nicht im Guten verabschiedet haben, der Barschl und ich…

REZENSION:

Üblicherweise bin ich ja eher kein großer Freund von Krimis – viel zu oft ähneln die sich in ihrer Handlungsweise zu sehr und schaffen es nicht, mich wirklich vorm Ofen hervorzulocken. Bin ich doch eher auf Spannung fixiert und brauch was zum Nägelbeißen. Es gibt somit nicht viele Krimiautoren, die es schaffen mich vorm besagten Ofen hervor zu locken – Rita Falk ist hier definitiv eine davon! Gut, sie schreibt so gut wie spannungsfrei – aber trotzdem kann man ihren Output über die Vorgänge im niederbayrischen Niederkaltenkirchen nur lieben und dementsprechend ist man gezwungen, jede Seite über das Leben des Kommissars Eberhofer förmlich zu fressen – quasi ein menschgewordener Bücherwurm, der sich durch die jeweiligen Bände frisst.
Diesmal ist Franz höchstselbst der Hauptverdächtige eines Mordes – wurde doch sein in Landshut stationierter Vorgesetzter auf brutale Weise ermordet – dummerweise war Franz der Letzte, der ihn gesehen hat und davon abgesehen, handelte es sich auch noch um sein höchstpersönliches Messer, mit dem der Mord begangen worden ist.
Klar, dass sich Franz genötigt fühlt, diesen Fall so schnell wie möglich zu lösen… und schon ist man mittendrin in einer erneut absolut gelungenen, bayrischen, provinziellen Geschichte, deren Ende viel zu schnell zu kommen scheint.
Schmunzelnd blättert man von Seite zu Seite und manch einer wird kopfschüttelnd davor sitzen und vieles für unglaubwürdig betrachten – dies kann ich aber definitiv verneinen, da wir hier in diesem etwas anderen Freistaat definitiv so sind – hier ein wenig zugespitzt – aber nichts desto trotz erkenne ich in der Oma oft genug meine eigene Oma wieder und genau das liebe ich so sehr an den Geschichten um Franz und seinem Umfeld.
Ich kann jedem dieses Buch nur ans Herz legen und freue mich schon unbandig auf den nächsten Fall des Eberhofer Franz’.
Jürgen Seibold/04.10.2012

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