Stephen King: Blutige Nachrichten

Originaltitel: If It Bleeds“
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2020 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27307-8
ca. 559 Seiten

COVER:

In der Vorweihnachtszeit richtet eine Paketbombe an einer Schule nahe Pittsburgh ein Massaker an. Kinder sterben. Holly Gibney verfolgt die furchtbaren Nachrichten im Fernsehen. Der Reporter vor Ort erinnert sie an den gestaltwandlerischen Outsider, den sie glaubt vor nicht allzu langer Zeit zur Strecke gebracht zu haben. Ist jene monströse, sich von Furcht nährende Kreatur wiedererwacht?

Die titelgebende Geschichte „Blutige Nachrichten“ – eine eigenständige Fortsetzung des Bestsellers Der Outsider – ist nur einer von vier Kurzromanen in Stephen Kings neuer Kollektion, die uns an so fürchterliche wie faszinierende Orte entführt.

Mit einem Nachwort des Autors zur Entstehung jeder einzelnen Geschichte.

REZENSION:

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich es bis zur deutschen Veröffentlichung dieses Kurzromanbandes meines Lieblingsschriftstellers schlicht nicht ausgehalten. Dementsprechend konnten treue Leser meines Blogs bereits im Mai ein klein wenig über die herausragende Qualität dieses neuen Buches erfahren.
Wenn ich ein Werk auf Englisch lese bin ich mir nicht immer uneingeschränkt sicher, ob ich auch alles wie vom Autor dargelegt verstanden habe. Somit war es natürlich auch unbedingt notwendig, dass ich mir ein Bild über die deutsche Ausgabe mache und dabei prüfen kann, ob meine fremdsprachige Leseleistung einigermaßen passt und darüber hinaus, wie gut eine Übersetzung in unsere Sprache funktioniert.
Beides scheint gelungen zu sein und abermals war ich von diesen vier Geschichten überwiegend begeistert. Diese Begeisterung führte dazu, dass man mich an einem Wochenende nur noch lesend vorgefunden hatte und ich dieses Buch leider zu schnell zu Ende brachte. Gut, die Kreativität Stephen Kings ist ungebrochen und wer ihn immer noch lediglich als Horrorautor tituliert, hat wohl noch nicht wirklich viele Bücher von ihm gelesen.
In „Blutige Nachrichten“ befinden sich gerade mal 4 Geschichten, womit der Begriff Kurzgeschichtenband nahezu obsolet ist. Immerhin schafft es fast jede Geschichte in den Bereich der 3-stelligen Seitenzahl – die titelgebende Story mit der allseits bekannten Holly Gibney in der Hauptrolle bewegt sich mit ca. 230 Seiten im Rahmen eines Romans.
Begonnen wird mit „Mr. Harrigans Telefon“: Eine liebevolle Geschichte über eine generationenübergreifende Freundschaft, die sich eher nach und nach und ohne große Besonderheiten entwickelte.
Der junge Craig liest dem alleinlebenden Mr. Harrigan gegen Bezahlung Geschichten vor. Er hätte dies auch ohne das Gefühl eines „Jobs“ gemacht, dennoch ist es natürlich für ein Kind eine gelungene und einfache Art, sich ein paar Dollar zu verdienen. Craig führt Mr. Harrigan dabei auch in die Welt der aufkommenden Smartphones ein und hilft ihm beim Entdecken des ersten iPhones. Als Mr. Harrigan verstarb, legte Craig dieses Telefon in die Jackentasche des sich ihm Sarg befindlichen Verstorbenen. Was danach geschah, entspricht auf den Punkt genau der Erwartungshaltung eines Stephen King Lesers der früheren Zeit. Gerade mal knappe 90 Seiten gefüllt mit einer gehörigen Portion Freundschaft und einem sehr dezenten, klassisch gehaltenen Gruseleffekt, der sich in der Verknüpfung vom Dies- und Jenseits offenbart. Früher wäre diese kleine Geschichte sicher mit in die TV-Serie „Tales from the dark side“ mit aufgenommen worden.
Als nächstes folgt „Chucks Leben“, eine Geschichte, die durch eine umgekehrte Erzählweise für Aufmerksamkeit sorgt. King dreht den Plot und beginnt mit dem letzten Akt, um dann in Richtung ersten Akt fort zu fahren. Diese Geschichte bereitete mir in der Originalausgabe ein wenig Kopfschmerzen und ich war sichtlich gespannt, ob das an meinem Verständnis lag. Sie konnte mich nun erheblich besser überzeugen – gleichzeitig halte ich trotz der interessanten Idee weiterhin für die schwächste Geschichte in diesem Band. Sie ist dennoch in ihrer erfrischenden Art herausragend – was bereits jetzt zeigt, wie gut ich die noch beiden folgenden Geschichten halte.
Bei der dritten, titelgebenden Geschichte handelt es sich um eine Art „The Outsider“-Part II. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass diese nur uneingeschränkt funktioniert, wenn man zumindest die Geschichte des Outsiders kennt.
Kings Hauptdarstellerin Holly Gibney trat bereits in den Bill Hodges-Büchern erfolgreich auf – dabei noch gefühlt als Nebenrolle. Mittlerweile hat sie sich in Kings Welt immer mehr in den Vordergrund gedrängt, konnte dabei bereits im Outsider geschickt ihre ersten Duftmarken hinterlassen, um nun in dieser Geschichte als Hauptdarstellerin aufzutreten.
Die Story selbst ist – wie in letzter Zeit sehr oft bei Stephen Kings Output – eine Geschichte über Freundschaft. Darüber hinaus eine gelungene Erweiterung beziehungsweise Fortführung des Buches „Der Outsider“.
Schlußendlich zeigt King in „Ratte“ eines seiner Lieblingsthemen: Ein Autor, der sich in die Einsamkeit zwingt, um endlich ein Buch vollenden bzw. schreiben zu können. Alleine in einer schwer erreichbaren Hütte nimmt er sich eine Auszeit von seiner Familie, um endlich – nach seinen rudimentären Erfolgen als Kurzgeschichtenautor – einen vollwertigen Roman zu verfassen. Neben einem aufkommenden Sturm trifft ihn auch noch eine starke Erkältung mit ausreichend Fieber, um an den weiteren aufkommenden und mysteriösen Geschehnissen zu zweifeln…
King spielt hier mit der Gedankenwelt eines Schriftstellers und führt ihn dabei auch noch zu einer Entscheidung über Leben und Tod mit der Fragestellung, wie weit er für die Vollendung seines Werkes zu gehen bereit wäre.
Erneut ein Meisterwerk und eine gelungene Darbietung des Abwechslungsreichtums eines grandiosen und in meinen Augen unerreichten Schriftstellers.
Hysterika.de/JMSeibold/05.10.2020

Timo Leibig: Blasse Spuren

© Timo Leibig
ISBN 978-1-689933926
ca. 240 Seiten

COVER:

Luisa Mäderer kämpft mit den Geistern der Vergangenheit. Die Suche nach ihrem Vater, der vor 33 Jahren spurlos verschwand, scheint aussichtslos – bi sihr ein ominöses Paket zugestellt wird. Voller neuer Hoffnung beauftragt sie Privatdetektivin Leonore Goldmann.
Leonore nimmt umgehend die Ermittlungen auf und reist ins Allgäu, wo sich die Spuren von Luisas Vater einst verloren. Doch einige alte Bekannte leben dort noch, und Leonore beschleicht schnell das Gefühl, dass sie mehr wissen, als sie zugeben. Und dann ist da noch der Inhalt jenes Pakets, der sie alle in helle Aufregung versetzt …

REZENSION:

Vorweg erwähnt halte ich das Ermittlerduo Goldmann und Brandner für eine absolut gelungene und in den bisherigen Werken grandios erzählte Idee des wohl immer erfolgreicher werdenden Krimi-Autor Timo Leibig. Dementsprechend passend halte ich seine Vorgehensweise, der sympathischen Leonore eine eigene Reihe zu widmen, da sie sonst aufgrund der Geschehnisse in den Büchern über das Ermittlerduo immer mehr in Richtung Abstellgleis hätte fahren müssen.
„Blasse Spuren“ ist nun der zweite Einzelfall der nun als Privatdetektivin ermittelnden Leonore Goldmann. Selbstständige Privatdetektive im Stile Leonores können sich ihre Fälle aussuchen, sind dabei aber auch abhängig von den ihnen zugetragenen Geschehnissen. Somit kann es sich um eine simple Nachforschung ebenso handeln, wie auch Mordfälle oder anderen zu entdeckenden Begebenheiten. In diesem Falle treibt es Leonore in ein kleines Dorf – eher gezeichnet vom eigenen Verfall und der Geheimniskrämerei der darin lebenden Dorfbewohner. Goldmann lässt sich davon nicht beirren und versucht herauszufinden, warum der Vater von Luisa Mäderer vor 33 Jahren verschwunden ist.
„Blasse Spuren“ beinhaltet erstaunlich viele Informationen über das verschlafene Dorf, demgegenüber wenig aufreibende Ermittlungsarbeit. Die Idee des Falles wiederum konnte mich durch seine erfrischende und doch recht unkonventionelle Idee ganz gut überzeugen. Leider war der Weg dorthin etwas simpel gestrickt und für einen Autor dieser bereits bewiesenen Qualität etwas arg konstruiert. Nun gebe ich zu, dass es Krimis bei mir schon von jeher etwas schwerer haben, dennoch konnte mich Timo Leibig in anderen Fällen problemlos überzeugen, wodurch er hier in seiner Darbietung einen etwas zu einfachen Weg geht. Krimiliebhabern wird diese Episode aus Leonore Goldmanns Leben dennoch gefallen und auch ich möchte dieses Buch nicht als schlecht deklarieren. Es handelt sich um eine solide Arbeit, die relativ gut unterhalten kann, dabei jedoch leider keine Besonderheiten aufzuweisen in der Lage ist. Ein rechter softer Krimi mit geistig recht einfach gestrickten „Bösewichten“, denen man wohl auch ohne den beruflichen Background einer Leonore Goldmann auf die Schliche gekommen wäre.
JMSeibold/20.09.2020

Tobias Bachmann: Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek

©acabus Verlag, Hamburg 2020
ISBN 978-3-86282-779-4
ca. 290 Seiten

COVER:

In der Bibliothek für okkulte Fälle ist Despina Jones Ermittlerin der besonderen Art:

Als Nekromantin kann sie mit den Geistern Verstorbener reden. Doch auch Tote können launenhafte, eigensinnige Zeugen sein. Bei der Auflösung ihrer Fälle wird sie von einem vielseitigen Team unterstützt, das in der antiquarischen Bibliothek ihres Onkels sitzt.

Ein Priester bittet das Ermittler-Team um Hilfe, als ein Leichnam in einer der ältesten Kirchen Londons entdeckt wird. Der unbekannte Mann wurde wie Christus ans Kreuz genagelt.
Despina tappt im Dunkeln, da der Verstorbene sich selbst für Jesus hält und seiner Wiederauferstehung entgegenfiebert. Bald findet sich das Team in einem Strudel religiöser Denkweisen und Praktiken wieder, der es an die Pforten ihrer persönlichen Hölle bringt.

REZENSION:

Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek scheint das erste Buch einer neu angehenden Serie zu sein – zumindest klingt der Titel schwer danach, da sich im vorliegenden Buch natürlich nur ein Fall befindet. Dieser wiederum zeigt sich sogleich als Herausforderung für das Team um Despina Jones, da es um nichts geringeres als Gekreuzigte wie zu Jesu-Zeiten geht. Welche Rolle spielen dabei die okkulten Bücher, die nur relevant zu sein scheinen, wenn alle drei Exemplare vorliegen? Warum die religiös aufgeladenen Todesfälle?
Tobias Bachmann gründet hiermit eine recht interessante und mit okkulten Phänomenen aufgeladene Reihe um eine grandiose Ermittlerin, die nebenbei auch noch Nekromantin ist, was zur Folge hat, dass sie mit den Toten sprechen kann und dies auch dementsprechend vollzieht – es gibt ja keine besseren Zeugen, als die Toten selbst…
Die Geschichte hat es mir prinzipiell sehr angetan. Bachmann scheut vor keine Darstellung zurück und beschreibt auch die Kreuzigungen sehr explizit. Ich persönlich halte dies für eine gute Alternative zum üblichen Mystic-Allerlei – somit ein aus Krimi und Thriller, gewürzt mit ein klein wenig Horror. Alles Ingredienzen, die für Überzeugung sorgen – gleichzeitig bleiben in diesem Band die Figuren noch ein wenig blass und überraschen nie in ihrer eigenen Rolle. Hier ist definitiv noch Potenzial vorhanden, welches der Autor in eventuell geplanten Folgebänden ja noch gezielt ausarbeiten kann. Bachmann selbst agiert sehr sprachbegabt und die gesamte Geschichte lässt sich außerordentlich leicht und eingängig konsumieren. Bereits dadurch hoffe ich sehr auf weitere Fälle, da die Idee wahrlich für sich selbst spricht. Man sollte dennoch darauf achten, noch ein wenig mehr Tiefgang und Detailverliebtheit einzubauen, dann könnte die Welt um Despina Jones eine Besondere werden.
hysterika.de/01.08.2020

Joe R. Lansdale: Act of Love

©1981 by Joe R. Lansdale
ISBN 0-7867-0288-5
ca. 319 Seiten

COVER:

In the hard-boiled tradition of Jim Thompson, Joe R. Lansdale burst onto the mystery scene with Act of Love. In this tautly plotted story of a modern Jack the Ripper’s spree in Houston, Lansdale creates a powerful combination of crime, police work, and social commentary – all with an eye for graphic detail. With each new victim the serial killer picks out, the nerve-breaking manhunt for “The Houston Hacker” moves toward a shocking and grisly finale. Lansdale’s graphic style is the dark heart of this book, its violence grim and informed and experimental.

Act of Love, a contemporary classic of crime fiction, is a collector’s item for his old fans and essential reading for his new ones.

REZENSION:

Act of Love ist ein aus heutiger Sicht typischer Serienkiller-Thriller – wenn man sich jedoch vor Augen hält, dass dieses Debüt von Joe R. Lansdale aus dem Jahre 1981 ist, wird einem recht schnell bewusst, dass es zur damaligen Zeit etwas Besonderes darstellte. Die typische Vorgehensweise hat sich noch nicht manifestiert – lediglich einige namhafte Autoren, wie z.B. Robert Bloch, widmeten sich diesem Sujet.
Dementsprechend schwierig war es sicherlich für diesen aufstrebenden Schriftsteller, seinen ersten spannungsgeladenen Roman unter das Volk zu bringen. Das im Buche befindliche Nachwort des Autors bestätigt dies sogleich. Er war somit seiner Zeit weit voraus. Darüber hinaus ist seine Hauptrolle von dunkler Hautfarbe, was ja leider teilweise noch heute immer noch ein Thema in dieser unfairen Welt zu sein scheint, beziehungsweise ist. Anfang der 80er sicherlich mitten in den Staaten ein zusätzliches Problem, um ein Debüt veröffentlichen zu können. Niemand – ganz besonders sicherlich Lansdale selbst nicht – konnte ahnen, wie sich der Output dieses Schriftstellers noch entwickeln wird. Act of Loveoffenbart zumindest schon erste zarte Hinweise auf die noch kommende Qualität dieses bei uns leider viel zu unbekannten Schriftstellers.
Act of Love ist, wie bereits erwähnt, ein Serienkillerroman im Fahrwasser des guten alten Jack The Ripper – lediglich in unsere Zeit gebracht. Lansdale erzählt dabei geschickt, durchweg spannend und scheut sich nicht vor der grafischen Darstellung der aufkommenden Brutalität beim Tötungsakt.
Sein Ende ist wie einem typischen Film entnommen und enttäuscht ein klein wenig – der Weg dorthin lässt einen jedoch darüber hinwegsehen, da er sich absolut abwechslungsreich und rundum spannend vor dem Leser ausbreitet.
Kurzum ein richtig gutes Debüt eines Autoren, der sich in den folgenden Jahren nicht nur durch seine Vielfalt sondern auch durch seine hohe Qualität einen großen Namen machen konnte.
hysterika.de/19.07.2020

Andreas Gruber: Der Judasschrein

©2020 by Andreas Gruber
Copyright Gesamtausgabe ©2020 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-480-7
ca. 529 Seiten

COVER:

In dem abgeschiedenen Dorf Grein am Gebirge, eingeschlossen zwischen den Bergen und einem Fluss, wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt, der fast alle Rückenwirbel fehlen. Als Kommissar Alex Körner und sein Team mehrere Exhumierungen anordnen, nehmen die Ermittlungen eine ungeahnte Wendung. Zudem spitzt sich die Lage zu, als der vom Dauerregen stark angeschwollene Fluss über die Ufer tritt. Vom Hochwasser eingeschlossen und von der Außenwelt abgeschnitten, kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht und die grausamen Morde gehen weiter …

REZENSION:

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Tragkraft der damals nicht gerade als erfolgreich zu betrachtende Autor namens Lovecraft bis in unsere aktuelle Zeit hat. Erneut hat sich mit dem vorliegenden Buch ein Schriftsteller diesem Erbe gewidmet und einen mit lovecraftschen Elementen angereicherten Kriminalroman geschrieben. Dabei handelt es sich um den österreichischen Krimi-Export Andreas Gruber, der mir selbst bis dato eher durch gewisse, frühe Kurzgeschichten ein dezenter Begriff war. Mir ist aber bewusst, dass Gruber mittlerweile bei Krimifans ein sehr hoch angesehener Name geworden ist.
Nun also ein Versuch, Ermittlungsmaßnahmen in einem abgeschiedenen Dorf darzulegen und dabei auch noch die Kurve zu einem Meister der phantastischen Horror-Literatur zu bekommen. Ein hehrer Ansatz, da üblicherweise Krimifans eher die Finger von allzu brutalen Erzählungen und gleichzeitig Grusel- oder gar Horrorfans die Finger von zu brav erzählten Fällen weglassen.
Andreas Gruber versucht dennoch diesen schwierigen Brückenschlag und erzählt im Großen und Ganzen eine interessante Geschichte mit einem geschickt aufgebauten Plot. Zum Ende hin zusätzlich gewürzt mit einem dezenten Twist, der einem Lovecraft gerecht wird und der gesamten Geschichte noch ein kleines i-Tüpfelchen aufsetzt.
So positiv dies alles klingt, schaffte es der Autor dennoch nicht, mich gänzlich von seiner Geschichte und deren Darbietung zu überzeugen.
Insbesondere der lange und recht spannungsbefreite Kriminalplot bis weit über die Hälfte des Buches hinaus ließ mich immer wieder überlegen, ob ich das Buch nicht einfach für beendet erkläre. In diesem Fall interessierte mich jedoch stark die weitere Entwicklung und ganz besonders wollte ich wissen, wann denn nun die Welt Lovecrafts ihren Auftritt findet.
Sehr spät zeigt sich das Grauen und viel zu rasant wurde das Ende der Geschichte eingeläutet und abgehakt. Trotz dem kommenden Grauen im Fahrwasser von H.P. Lovecraft konnte mich die Geschichte durch ihren langen Vorlauf und dem intensiven Festhalten am Krimigenre nicht mehr überzeugen. Darüber hinaus könnte es in meinen Augen für reine Genreleser etwas schwierig werden: Den einen wird es zu starker und zu fantastischer Tobak – den anderen ist der Plot zu sanft. Somit nicht Fisch, nicht Fleisch, was ich außerordentlich schade finde, da Andreas Gruber sehr gut erzählen kann und man merkt, dass er sich auch in der Welt des Lovecraft ausreichend auskennt.
In meinen Augen war es eine nette Unterhaltung mit leider zu viel Längen, dafür einem zu rasant abgespulten Ende – im Gegenzug dazu ein sehr interessantes Setting und eine grundsätzlich gute Idee.
hysterika.de/18.07.2020

Timo Leibig: Nacht im März

©2018, Timo Leibig
ISBN 9781980616900
ca. 211 Seiten

COVER:

Leonora Goldmann ermittelt.

Marion Sievert ahnt Schlimmes: Ihr Mann betrügt sie. Um sich Gewissheit zu verschaffen, beauftragt sie Privatdetektivin Leonore Goldmann.
Leonore nimmt umgehend die Ermittlungen auf – und wird bald von einem unguten Gefühl erfasst. Was sie herausfindet, wirft immer neue Fragen auf: Wer sind die vier ominösen Freunde des Ehemanns? Was haben sie mit zwei Prostituierten zu tun? Und wohin verschwinden sie alle spurlos in einer winterlichen Märznacht?

Nacht im März ist der erste Kriminalfall für Leonore Goldmann aus der erfolgreichen Thrillerreihe um das Ermittlerduo Goldmann und Brandner.

REZENSION:

Die Bücher von Timo Leibig um das Ermittlerduo Goldmann und Brandner sind absolut zu empfehlen. Selbst ich als überwiegender Verweigerer von Kriminalromanen konnte mich mit diesen uneingeschränkt und auf spannende Art unterhalten. Interessanterweise sind mir die beiden richtig ans Herz gewachsen, was dazu führen sollte, dass ich auch die weiteren Werke dieses Schriftstellers immer gerne nicht nur zur Kenntnis nehmen sondern auch zu lesen bereit bin.
Nun also der erste Fall, in dem Leonore Goldmann als freischaffende Detektivin ihren ersten richtigen Fall ohne Hilfe ihres bisherigen Partners bekommt und sich dabei in höchste Gefahr begibt. Es beginnt alles ziemlich harmlos und klischeebeladen: Eine Frau wird das Gefühl nicht los, dass ihr Angetrauter sie betrügt. Seine frühere Sexsucht scheint sich wieder aktiviert zu haben; die Gute ist mit den Nerven am Ende.
Leibig fängt ziemlich klassisch und ruhig an – würde er dies so beibehalten, hätte diese Geschichte wahrlich nichts wirklich Interessantes zu bieten. Er geht aber natürlich einen Schritt weiter und greift etwas tiefer in die Trickkiste. Somit erkennt man sehr schnell, dass sich hier einiges mehr dahinter befindet, als lediglich eine gehörnte Ehefrau.
Leonore begibt sich dabei in höchste Gefahr – und als Leser fühlt man sich erneut auf eine ausreichend gute Art und Weise unterhalten. Vor allem innerhalb der klassischen Genre-Abgrenzung findet dieser nur knapp über 200 Seite umfangreiche Plot seinen Platz. Ein somit gut durchdachter Kriminalroman für einige interessante Lesestunden. Auch wenn ich weiterhin mehr auf der Seite der Geschichten stehe, in denen beide gemeinsam ermitteln, ist doch dieser Nebenplot eine schöne Abwechslung für den Leser, der diese Personen bereits des Öfteren begleiten durfte. Als dezente Kritik sei angemerkt, dass in dieser Geschichte die ein oder andere Situation arg konstruiert wirkt, Timo Leibig dies dennoch ganz gut vermittelt und man somit mit einem geschlossenen Auge getrost an manchen Zufall glauben kann. Auch im realen Leben wirkt manche Situation ein wenig unglaubwürdig und somit bin ich auch gerne bereit hier ein Auge zuzudrücken. Als Neuling in der Welt des Krimiautors Leibig sollte man dieses Buch eventuell nicht gleich lesen – lieber zuerst mit den fünf Büchern um das Ermittlerduo starten, dann wird man auch mit diesem vorliegenden nicht wirklich enttäuscht.
hysterika.de/24.06.2020

Joe R. Lansdale: Ein feiner dunkler Riss

Originaltitel: A Fine Dark Line
Aus dem amerikanischen Englisch von Heide Franck
Die deutsche Erstausgabe erschien 2012 im Golkonda Verlag, Berlin
©2003 by Joe R. Lansdale
Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung des Golkonda Verlags, Berlin
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-518-46497-7
ca. 351 Seiten

COVER:

East Texas, 1958. Stans Welt ist von Gewalt geprägt: Sein bester Freund wird zu Hause verprügelt, die Küchenhilfe lebt bei einem gewalttätigen Mann, und selbst Stans Vater wird handgreiflich, wenn es um die Familienehre geht. Das einzige Gegenprogramm liefern das Autokino von Stans Vater und die faszinierenden alten Geschichten um ein Spukhaus auf dem Hügel, einen kopflosen Geist am Bahndamm und zwei in ein und derselben Nacht ermordete Mädchen. Als Stan eines heißen Sommertages im Wald ein geheimnisvolles Kästchen findet, beginnt er, begleitet von seinem treuen Hund Nub und unterstützt von dem mürrischen schwarzen Filmvorführer und Ex-Polizisten Buster, Detektiv zu spielen – ohne zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hat.

REZENSION:

Joe R. Lansdale gehört schon seit langem zur Riege der mit Preisen überschütteten Autoren. Er bedient dabei unterschiedliche Genre und überzeugt laut meinen bisher eingeholten Informationen mit seiner Art des Erzählens eine treue Leserschaft. Interessanterweise war mir der Name des Schriftstellers eher kein Begriff. Lediglich durch gewisse Recherchetätigkeiten kam es ab und an vor, dass auch dieser Name vereinzelt genannt worden ist.
Eines Tages wagte ich mich auf das Experiment seine Werke näher kennen zu lernen. Ich schnappte mir – vor vier Jahren(!) – die Trilogie „Drive-In“ und hoffte auf erholsame Stunden mit einem für mich bis dato nicht wirklich bekannten Schriftsteller. Das erste Werk in dieser Trilogie überzeugte mich auch ziemlich gut, was jedoch – laut meiner damaligen Rezension – durch die beiden anschließenden Geschichten komplett relativiert worden ist. Das Kapitel Lansdale hat sich somit für mich erst einmal erledigt und ich widmete mich wieder anderen Werken von anderen Erzählern.
Nun, im Jahre 2020, wagte ich durch erneutes „immer-wieder-über-diesen-Namen-stolpern“ einen neuen Start in seine schriftstellerische Welt. Ich besorgte mir „Ein feiner dunkler Riss“ und erhoffte mir abermals eine faszinierte Unterhaltung.
Sehr schnell stellte sich dabei heraus, dass der Autor im Gegensatz zu meinem ersten Eindruck wahrlich ein Könner seines Fachs zu sein scheint. Die Geschichte – angesiedelt in den 50er Jahren in Texas – zog mich in ihren Bann und ließ mich auch nicht mehr los. Lansdale schreibt ehrlich, glaubhaft und rundherum interessant. Seine teilhabenden Personen lassen einen nicht mehr los und ganz nebenbei zeigt er durch seine schonungslose Wahrheit auch noch den Irrsinn des damaligen Rassismus in Bezug auf Schwarze, welcher leider nahezu uneingeschränkt bis in die heutige Zeit ausstrahlt. Das mittlerweile verpönte N-Wort taucht in diesem Werk sehr oft auf – es steht jedoch nie für sich selbst, sondern zeigt lediglich auf deutliche Art, wie dumm sich die Abgrenzung weiß/schwarz darlegt.
Seine darüber liegende Geschichte ist von einer gewissen Ruhe gefüllt und es passiert auch nicht wirklich viel spannendes. Dennoch lässt es einen nicht mehr los, da man sich dieser Episode aus dem Leben Stanleys nicht mehr entziehen kann. Seine Umgebung ist geprägt von Rassismus und Gewalt, während seine Familie trotz der strikten Trennung von Schwarzen zu Weißen nebenbei und fast ungewollt – lediglich angeheizt durch normalen Menschenverstand und Anständigkeit – für ein Aufbrechen dieser unsäglichen Denkweise sorgen.
Um die Erzählweise zu verstehen, verweise ich kurz auf die sprachliche Qualität von Stephen King in seinen umfangreichen Werken wie zum Beispiel „ES“. Diese Werke leben insbesondere von der Schwätzigkeit des Schriftstellers. Damit meine ich, King erzählt eine Vielzahl an Geschichten innerhalb seiner eigentlichen Geschichte. Diese Sidekicks sind oft ausufernd dargelegt und treiben den eigentlichen Plot oberflächlich betrachtet in keiner Weise nach vorne. Nichts desto trotz klammern sie sich an ihren Leser fest und offenbaren eine Realitätswelt hinter dem Ursprungsplot.
„Ein feiner dunkler Riss“ könnte eine dieser Sidekicks innerhalb einer Stephen King Story sein. Auch ihr kann man sich nicht mehr entziehen und man bekommt das Gefühl, dass sich hier nichts als die blanke Wahrheit abzeichnet.
Ein fantastisches Werk, welches zum ersten Mal in meinem Leben dafür sorgte, dass ich mir alle Werke eines Autors der Reihe nach in mein Notizbuch geschrieben habe. Diese werden wohl nun in aller Ruhe nach und nach ihren Zugang in meine kleine Welt finden…
Jürgen Seibold/13.06.2020

Michael E. Vieten: Christine Bernard – Das Mädchen aus einer anderen Welt

©acabus Verlag, Hamburg 2020
ISBN 978-3-86282-739-8
ca. 272 Seiten

COVER:

Sie kommen in der Nacht und stehlen Menschen.
Lina hat einen von ihnen getötet.
Sie werden ihn rächen.
Nun ist Lina allein und nirgendwo sicher.

Ein verängstigtes Mädchen, ihr wirres Mordgeständnis, viel Blut, aber keine Spur von der Leiche. Die Beamten der Trierer Kriminalpolizei ermitteln bis an den Rand des Vorstellbaren. Als sie ein grausames Netzwerk aufdecken, blicken sie in einen Abgrund und erkennen die Grenzen ihrer eigenen Macht.
Kommissarin Christine Bernards neuer Fall führt sie in eine fremde Welt und rüttelt an ihren persönlichen Überzeugungen.

REZENSION:

Aufgrund meiner persönlichen Genreneigung gibt es nicht viele Krimibücher, die ich mir zu Gemüte führe. Durch einen lockeren Rezensionskontakt zu Michael E. Vieten ergab es sich vor einige Jahren jedoch, dass ich mich mit jedem seiner Bücher auseinandersetzen konnte und dabei erfreulicherweise nicht enttäuscht worden bin.
Da Krimis üblicherweise etwas weniger Spannungselemente in sich führen, als Thriller oder gar gewisse Werke der phantastischen Literatur, mache ich bei diesem Aspekt grundsätzlich einige Abstriche, da die Klientel dieser Werke ihren Fokus weniger auf diesen Punkt legen, sondern eher die Ermittlungen verfolgen. Explizite Beschreibungen werden bei den reinen Krimilesern eher ungern gesehen beziehungsweise gelesen.
Michael E. Vieten bedient in seinem neuesten Werk über seine Ermittlerin Christine Bernard diese Erwartungshaltung ziemlich gut und führt mit „Das Mädchen aus einer anderen Welt“ die Erlebnisse der sympathischen Kommissarin erfolgreich fort.
Im Vergleich zu seinen bisherigen Romanen über Christine Bernard hinkt der vorliegende ein wenig nach. Gut, der sprachliche Stil als auch die stringente Vorgehensweise des Autors sorgen erneut für eine gute Krimi-Unterhaltung. Dennoch waren die bisherigen Werke nachhaltiger und tiefgründiger als das nun vorliegende.
Michael E. Vieten versucht sehr wichtige Themen zu verpacken und gibt mit dem Titel „Das Mädchen aus einer anderen Welt“ bereits ein klein wenig die Richtung vor – innerhalb der Buchseiten wird dies jedoch leider zu wenig ausgebreitet, obwohl bei diesem Missbrauchsthema unglaublich viel Potenzial vorhanden wäre.
Insbesondere, da mir die prinzipielle Tiefgründigkeit des Autoren in seinen Vorgängerwerken sehr bewusst geworden ist, hätte ich mir hier erheblich mehr davon erwartet.
Gleichzeitig ist dies ein wenig Meckern auf hohem Niveau, da auch „Das Mädchen aus einer anderen Welt“ ein gut unterhaltender Krimi aus der Welt Christine Bernards ist und somti die Reihe ganz gut weiterführt und erneut nach mehr hoffen lässt.
Jürgen Seibold/04.04.2020

Adler-Olsen, Jussi: Opfer 2117

Originaltitel: Offer 2117
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
©2019 Jussi Adler-Olsen
Originalausgabe 2019
©2019 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28210-9
ca. 588 Seiten

COVER:

Seit über zehn Jahren wirkt Assad wie eine geheimnisvolle Naturgewalt im Sonderdezernat Q in Kopenhagen …

Zypern, Am Strand von Ayia Napa wird der Journalist Joan Aiguader Zeuge, wie Helfer eine Tote aus dem Wasser ziehen. Die Frau aus dem Nahen Osten ist das „Opfer 2117“ auf der „Tafel der Schande“ am Strand von Barcelona, die die Zahl der im Mittelmeer ertrunkenen Bootsflüchtlinge anzeigt. Ihr Bild geht um die Welt. Die Tote am Strand ist eine Frau, die Assad einst sehr nahestand. Mit einem Schlag kehren die Gespenster aus seiner Vergangenheit zurück: Ghaalib, ein irakischer Krimineller, hat bereits einmal sein Leben zerstört – jetzt will er Assad für immer vernichten.

Und mit Assad im Zentrum der Ereignisse beginnt für Carl Mørck und sein Team ein nervenzerfetzender, atemloser Countdown, um eine Katastrophe im Herzen Europas zu verhindern.

Zur selben Zeit kündigt ein psychisch gestörter Gamer telefonisch beim Sonderdezernat Q ein Massaker in Kopenhagen an: Er wolle Rache nehmen für eine ertrunkene Flüchtlingsfrau im Mittelmeer …

REZENSION:

Die Sonderdezernat-Reihe ist eine als Thriller angepriesene Krimi-Reihe. Somit passt sie vom Grundsatz her nicht wirklich in mein übliches Lesespektrum. Nichts desto trotz konnte mich Jussi Adler-Olsen bereits vom ersten Band weg rundum überzeugen und ich freute mich dementsprechend auf jeden weiteren Band dieser herausragenden Reihe.
Das Team selbst ist mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zusammengewürfelt. Alle bewegen sich dabei am Rande eines psychischen Zusammenbruchs und gleichzeitig scheint dies der dünne Faden zu sein, der diese Kollegen auch persönlich und privat bombenfest zusammenschweißt.
„Opfer 2117“ ist bereits der achte Fall des Sonderdezernats Q  – gleichzeitig ein komplett anders ausgerichteter in seiner Art der Erzählung. Bisher gab es eine recht stringente Handlungslinie und das Ermittlerteam kümmerte sich um bereits vergangene, dennoch nie richtig abgeschlossene Fälle. Dabei gab es in nahezu jedem Buch auch einen Faden in die Gegenwart, dennoch war die Vorgehensweise klar gegeben.
Im vorliegenden Buch scheint nichts mehr diesem bisherigen Ablauf zu entsprechen: Es gibt keinen bereits abgeschlossenen, noch zu klärenden Fall, das Team ist aktuell fast zerbrochen, Rose findet weiterhin noch nicht wieder zurück und der uns immer noch sympathische, doch eher unbekannte Assad scheint auf irgendeine Art und Weise eine Beziehung zu dieser Toten am Strand von Ayia Napa zu haben.
Jussi Adler-Olsen greift sich ein sehr politisches Thema und verknüpft dies zu einem uns alle betreffenden, europäischen Problem. Landesgrenzen spielen keine Rolle – im Gegenteil, er zeigt auf, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit darüber hinweg notwendig sein kann.
Teilweise dachte ich mir, dass das Thema der Flüchtlinge, verknüpft mit der Planung von terroristischen Anschlägen im Herzen Europas für eine Geschichte dieser Art zu wuchtig wird. Der Autor konnte aber bei jeglichem Aufblitzen dieses Problems ein wenig vom Gas gehen und geschickt darlegen, dass er sehr wohl mit dieser Problematik umzugehen und sogar damit zu spielen weiß.
Gut, einige kleine Begebenheiten sind der Dramaturgie geschuldet ein wenig künstlich herangezogen, nichts desto trotz störte das keineswegs, sondern sorgte höchstens dafür, dass der Spannungsaufbau immer weiter angezogen werden konnte.
Nebenbei versucht Adler-Olsen noch einen kleinen psychisch gestörten Gamer mit in seine Geschichte als separates Zuckerstück einzubauen – notwendig wäre dieser Aspekt nicht gewesen, da die eigentliche, vordergründige Handlung bereits ausreichend erzählerischen Stoff bieten konnte. Trotzdem sorgte dieser Aspekt immer wieder dafür, den bekannten, sehr trockenen Witz des Ermittlerteams hervor holen zu können – dieses Markenzeichen wurde nämlich durch Adler-Olsen der Haupthandlung geschuldet in diesem Buch arg vernachlässigt.
„Opfer 2117“ ist scheinbar ein Herzenswerk des Schriftstellers und darüber hinaus ein klares politisches Statement. Auf die Handlung bezogen ein besonderes Werk in dieser Reihe, welches der Person Assads geschuldet war und dessen Persönlichkeit nun nach vielen Jahren vor dem Leser offenbart worden ist.
Erneut ein wahrer Blockbuster und ich freue mich bereits sehr auf eine Fortführung dieser Reihe – erhoffe mir dabei aber auch, dass der nächste Band nicht ganz so tiefgründig ist und den bekannten Witz wieder mehr in den Vordergrund kommen lässt. Auch wenn es in diesem Werk absolut notwendig war, so vorzugehen, wie es der Autor vorgenommen hat.
Das Sonderdezernat Q bleibt in seiner gesamten Reihe ein absoluter Tipp und wer diese Werke noch nicht kennt, sollte einfach mal mit dem ersten Fall (Erbarmen) anfangen – eine Enttäuschung wird nicht auftreten.
Jürgen Seibold/09.02.2020

Simmons, Dan: Flashback

Originaltitel: Flashback
Deutsche Übersetzung von Karl Jünger
©2011 by Dan Simmons
©2019 der deutschsprachigen Taschenbuchausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32009-3
ca. 638 Seiten

COVER:

Die Welt im Jahre 2036. Die Vereinigten Staaten stehen kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps, in den Städten herrscht das Chaos, und die terroristische Bedrohung ist allgegenwärtig. Den größten Teil der Bevölkerung scheint das allerdings kaum zu kümmern, denn die Menschen sind abhängig von einer Droge namens „Flashback“, die es den Konsumenten ermöglicht, die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens immer wieder neu zu erfahren. Einer von ihnen ist Nick Bottom, ein ehemaliger Polizist, der seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau nur noch in der Vergangenheit lebt und mittels „Flashback“ die schönsten Momente mit ihr wiederaufleben lässt. Dann aber wird er erneut mit einem Fall betraut, dem Mord am Sohn eines hohen Regierungsbeamten, den er in seiner aktiven Zeit nicht aufklären konnte. Eher widerwillig beginnt Bottom mit den Ermittlungen. Bis er einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommt – einer Verschwörung, die für den verheerenden Zustand der USA und ihrer Bewohner verantwortlich ist.

REZENSION:

Dan Simmons ist ein Schriftsteller, der sich nur schlecht greifen lässt. Im Gegensatz zu den meisten Autoren scheint er sich absolut nichts über Genrezuordnungen zu scheren. Aus diesem Grund ist sein Output vielfältig und greift in nahezu jedes Genre ein, um sich dort ein kleines Plätzchen zu schnappen. Dadurch macht er es natürlich auch seinen Fans nicht gerade leicht: Mal liest man Fantasy, mal Horror, mal historisch angelehnte Halbwahrheiten, mal pure Science Fiction und im vorliegenden Fall SF, gewürzt mit einer visionär zu betrachtenden Idee, wie das Amerika der Zukunft aussehen könnte. Dies sehr dystopisch dargestellt und dabei gleichzeitig in die Form eines Krimis gepresst.
In meinen Augen ist Dan Simmons nicht nur ein kreativer Autor, sondern auch gesegnet mit einer herausragenden, schriftstellerischen Qualität. Nichts desto trotz konnte er es nicht schaffen, mich mit diesem Werk in irgendeiner Art und Weise überzeugen zu können.
Seine Welt ist zwar visionär, gleichzeitig aber auch schwierig zu verdauen, wenn man sich die politischen Begebenheiten vor Augen führt.
Die Geschichte driftete mir zu schnell davon und ich konnte die aufgeführten Fäden nur selten greifen. Seine Sprache ist abermals herausragend, dennoch entwickelte sich trotz der interessanten Umgebung und den soziologischen Philosophischen nichts wirklich weiter als ein Krimi-Thriller mit einem abgewrackten Entwickler.
Somit halte ich zwar Dan Simmons weiterhin für einen herausragenden Schriftsteller – dennoch verweise ich lieber auf seine anderen Werke wie zum Beispiel TERROR, ELM HAVEN und ganz besonders die HYPERION-GESÄNGE. Flashback kann sich dieser Riege leider nicht anschließen.
Jürgen Seibold/06.02.2020

Falk, Rita: Guglhupfgeschwader

Originalausgabe 2019
©2019 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26231-6
ca. 318 Seiten

COVER:

„Was ist mit dieser Morddrohung, Otto?“
„Franz, die wollen meine Mutter umbringen!“
„Das ist jetzt aber nicht dein Ernst, oder?“, frag ich, zieh die Vorhänge auf und seh aus dem Fenster.
„Kannst du die verdammten Gardinen wieder zumachen?“
„Jetzt mach dich nicht lächerlich, Otto. Wir sind hier in Niederkaltenkirchen“, sag ich grad noch, dann fliegt uns ein riesiger Stein durchs Fenster und tausend Scherben um die Ohren.

In seinem zehnten Fall bekommt es der Eberhofer mit brutalen Geldeintreibern, abgeschnittenen Fingern und einer Morddrohung zu tun. Noch bevor er die Ermittlungen aufnehmen kann, explodiert der Lotto-Laden mitten in Niederkaltenkirchen! Und neben einer weiblichen Leiche findet man am Tatort die Reste eines Molotowcocktails.

Ausgerechnet jetzt meint der Birkenberger, dem Franz die kalte Schulter zeigen zu müssen. Aber Ermittlungen ohne den Rudi? Und als wär das alles nicht genug, hat der Eberhofer auch noch seine liebe Not mit dem Flötzinger, der langsam, aber sicher vor die Hunde geht …

REZENSION:

Die Reihe um den Provinzpolizisten Franz Eberhofer hat sich in den letzten Jahren zu einem unglaublichen Phänomen entwickelt. Auch ich bin davon infiziert worden und konnte mich trotz meiner üblicherweise gänzlich anders ausgerichteten Leseleidenschaft dem nicht entziehen. Dies hatte jedoch einen ganz besonderen Grund: Ich selbst bin aus Bayern und habe viele dieser in den Romanen als Klischee fungierende Dialoge und Wesenheiten im wahren Leben exakt wie dargestellt erlebt. Insbesondere meine Oma war ein Abbild der im Roman agierenden Oma vom Eberhofer. Natürlich hat Rita Falk in ihren Büchern dieses Bild etwas provoziert und ungebremst gefüttert – aber gerade deswegen hatte ich die Geschichten immer wieder als nette Zwischenunterhaltung zu mir genommen.
Die Handlungen waren leicht, nachvollziehbar, witzig und ab und an erfreulich bissig.
Nun liegt bereits der zehnte Band vor und darüber war ich abermals sichtlich froh.
Die Medien haben sich bereits in Vorabmeldungen gegenseitig übertroffen – scheinbar läuft das Marketing geschmiert und lockt so ziemlich jeden hervor.
Die Fernsehfilme über den Eberhofer sind nett, konnten bisher den Biss der Bücher nicht abdecken, schienen aber dem ganzen noch eine weitere Ebene hinzu zu fügen. Alles in allem ein richtig gelungenes Rund-um-Wohlfühlpaket, welches mit GUGLHUPFGESCHWADER das zehnjährige Jubiläum einläutete.
Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf: Das neueste Werk ist erneut eine nette Geschichte mit den uns ans Herz gewachsenen Teilnehmern. Nichts desto trotz scheint die Autorin hiermit zu vielen Menschen etwas recht machen zu wollen. Irgendwie wirkt die Geschichte genauso weichgespült, wie es die dazugehörigen, typisch deutsch verfilmte, TV-Filme machen. Ja, die Filme sind witzig, besitzen ein gelungenes Ensemble, sind aber bisher immer etwas netter herüber gekommen, als die richtig niederbayrisch wirkenden Bücher. Nun, Band 10 schließt diese Lücke und ist nun ebenfalls nichts weiter als ein netter Roman mit einem guten Ensemble, einem etwas an den Haaren herbeigezogenen Kriminalfall und einer etwas kindisch wirkenden „Liebesgeschichte“ zwischen zwei Freunden.
Einige Themen, die in früheren Büchern eröffnet wurden, werden überhaupt nicht beachtet (hatten die nicht gemeinsam ein Haus zu bauen versucht??) – neue Ideen traten leider überhaupt nicht auf. Sämtliche Figuren agieren nach einem mittlerweile sehr bekannten Schema, was ich außerordentlich schade finde, da sicher noch ausreichend Potenzial vorhanden wäre, wenn man wieder etwas weniger in Richtung Markt schielen würde und/oder einfach versucht, seinen eigenen Weg zu gehen.
Nun, klingt alles ein wenig hart – dennoch ist auch GUGLHUPFGESCHWADER wieder ein nettes Unterhaltungsbuch. Nichts desto trotz waren nahezu alle anderen Vorgänger erheblich besser in ihrer Wirkung und konnten mich problemlos nicht nur zum Schmunzeln, sondern gar zum Lachen bringen. Dies funktionierte diesmal eher nicht, da in dieser Darbietung die notwendige Würze gefehlt hat. Schade, aber ich bin mir sicher, dass diese Reihe noch weiter geht – vielleicht trumpft Nummer 11 dann ja wieder auf.
Jürgen Seibold/22.09.2019

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und die Magische Hanse von Hamburg

© acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-644-5
ca. 425 Seiten

COVER:

Quaestor Grayson Steel hat Gefallen an der Arbeit als Ermittler in der magischen Gemeinschaft, der Nebula Convicto, gefunden. Seine Quadriga und er suchen weiterhin nach den Hintermännern rund um Sophias Entführung, welche beinahe zu einem Zusammenbruch der magischen Weltordnung geführt hätte.

Während sie im Schwarzwald nach einem entlaufenen Basilisken suchen, werden Grayson und sein Team plötzlich unfreiwillig in eine abenteuerliche Schnitzeljagd hineingerissen. Bis zum nächsten Neumond sollen sie ein gestohlenes Artefakt zurückholen. Die Spur des Diebesguts führt quer durch Deutschland bis nach Hamburg. Dort steht Grayson Steel schließlich den Dienern eines totgeglaubten, uralten Wesens gegenüber, das die Welt schon einmal verfinstert hat.

An Meermenschen und Klabautermännern vorbei, muss er die Erweckung des Altvorderen verhindern, sonst wird Hamburg in einem Sturm aus Gewalt und Feuer untergehen.
Und mit der Stadt die Magische Hanse, die Lebensader der Nebula Convicto

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band um den Ermittler Grayson Steel konnte mich der mir bis dahin unbekannte Autor Torsten Weitze uneingeschränkt unterhalten und überzeugen.
Er schafft es auf eine unglaublich interessante Art und Weise, seinen Ermittler auf eine für ihn recht unbekannte Welt los zu lassen. Dabei verlassen wir aber keineswegs unsere eigene Welt – nein, diese ist lediglich durchsetzt von allen möglichen magischen Gestalten und Organisationen.
Während Grayson Steel im ersten Band noch seinen Weg vom „normalen“ Scotland Yard-Ermittler zum Quaestoren in der Nebula Convicto finden musste, sind diese Vorgänge natürlich nun zu Beginn des zweiten Bandes bereits abgeschlossen. Sehr oft verliert man sich dann in solchen Werken, da der Weg zumeist als das Interessanteste wahrgenommen wird. Hier scheint dies jedoch keine Rolle zu spielen, da Weitze bereits von Beginn an seinen Leser in die Handlung hineinwirft und das erste Kapitel mit Vollgas losstarten lässt.
Oberflächlich betrachtet handelt es bei dieser Reihe um eine reinrassige Krimireihe – wären da nicht die Gestalten aus alten Sagen und Erzählungen, die hierin zum Leben gefunden haben. Weitze zeigt ein unglaubliches „Fachwissen“ bezogen auf die Mythen von Jahrtausenden. Dementsprechend vielfältig sind die Gegner und Helfer Grayson Steels. Erfrischend ist dabei der Umstand, dass Steel bis auf eine besondere Fähigkeit nur durch sein Ermittlernäschen auftrumpfen zu können scheint. Die sagenhaften Gestalten liegen ihm nicht gerade nah und somit sind wir mit einer Vielzahl an witzigen und kuriosen Begebenheiten beteiligt.
Torsten Weitze schafft es durch diesen teils humoristischen, teils klassisch angehauchten Stil seinen Leser rundum zu begeistern. Es ist wahrlich unglaublich, mit welch erzählerischer Normalität er uns bekannte Dinge, Orte, Gebäude mit sagenhaften Ingredienzen füllt. Wüsste man es nicht anders, würde man dies auch noch als glaubhaft dargestellt akzeptieren. Nun, vielleicht sind aber doch gerade deshalb die Kosten der Elbphilharmonie so explodiert?
Grayson Steel ist jedenfalls ein absoluter Tipp und ich bin schon jetzt unglaublich gespannt auf den nächsten Band – dabei hoffend, dass Weitze den beiden bereits vorliegenden auch dort in nichts nachstehen wird.
Wäre Grayson Steel kein Ermittler sondern Schüler, würde ich fast sagen, dass es sich hierbei um den Harry Potter für Erwachsene handelt.
Jürgen Seibold/02.06.2019

Falk, Rita: Eberhofer, Zefix!

©2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28991-7
ca. 119 Seiten

COVER:

Ein dämlicher Mordfall im Ruhrpott, eine Geburtstagsfeier mit der Oma oder ein Wochenende in Österreich mit dem Simmerl, dem Flötzinger und mindestens 17 Stamperln Himbeergeist:

Schräge, urkomische und herzerweichende Geschichten vom Franzl und dazu ein bayrisch-hochdeutsches Glossar, hilfreich kommentiert vom Eberhofer persönlich.

REZENSION:

Rita Falks Reihe über den niederbayerischen Dorfpolizisten Eberhofer nimmt bei mir einen ganz besonderen Status ein. Üblicherweise lese ich ausschließlich Horror, Fantasy und Thriller. Krimis kommen nicht wirklich in meiner leserischen Welt vor. Einzige Ausnahme: Die Geschichten über den Eberhofer.
Dies liegt besonders daran, dass Rita Falk in ihren Romanen sehr geschickt Klischees darlegt, die eigentlich überhaupt keine Klischees sind. Ich weiß das quasi aus erster Hand, da meine liebe Oma – Gott hab sie selig – exakt ein Auftreten wie Eberhofers Oma hatte und Niederbayern nur ein paar Kilometer von mir entfernt ist. Alle weiteren Akteure stehen dem in nichts nach und lassen das fiktive Niederkaltenkirchen uneingeschränkt real werden.
Um nun die Wartezeit auf den nächsten großen Fall zu verkürzen, brachte der Verlag ein kleines Büchlein mit einige Kurzgeschichten der Autorin auf den Markt.
Gerade mal 86 Seiten plus noch einige für das witzige Glossar – nichts desto trotz wird auch dieses kleine Büchlein seinen Weg zu vielen Fans dieser witzigen Krimireihe finden.
Im Buch selbst befinden sich leider nur 4 Geschichten – eine davon gar nur ein Exzerpt aus dem Kaiserschmarrndrama – wodurch die Dauer des Genusses recht begrenzt ist.
Die letzte Story, „Der Franz und sein Geburtstag“, sollte jedem Liebhaber der Bücher bereits bekannt sein – somit bleiben nur mehr 3 kleine, unbekannte Häppchen.
Diese wiederum machen aber trotz des sehr begrenzten Zeitaufwands recht viel Spaß beim Lesen. Abermals ertappt man sich beim Schmunzeln und man kann es wieder einmal nicht mehr erwarten, bis denn endlich ein neuer Roman das Licht der Welt erblicken wird.
„Eberhofer, Zefix“ ist in meinen Augen ein schmaler Grat der Art des Veröffentlichens: Einerseits ein nettes Angebot, um sich ein klein wenig mal wieder nach Niederkaltenkirchen begeben zu können. Andererseits halte ich diese momentane Mode der kleinen, dünnen Büchlein ein wenig fragwürdig, da sie durch die begrenzte Seitenzahl recht teuer wirken und somit von vielen mir bekannten Personen vermieden werden. Lieber das doppelte Geld ausgeben, dafür aber einen vollwertigen Roman in der Hand halten.
Ich schwanke da immer ein wenig hin und her. Davon abgesehen war es mir eine recht unterhaltsame Freude, mich wieder ein etwas mit dem guten Franz und seinen kurzen Erlebnissen zu befassen. Dennoch wäre mir ein neuer Roman erheblich lieber.
Jürgen Seibold/15.05.2019

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und der Verhangene Rat von London

©acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-525-7
ca. 400 Seiten

COVER:

„Mr. Steel, hören Sie mir jetzt gut zu. Das Wesen, das Sie angegriffen hat, war eine Banshee.“

Detective Grayson Steel bearbeitet im modernen London die unbequemen Fälle des Scotland Yard. Als der den rätselhaften Tod einer jungen Frau untersucht, stößt er auf Geheimnisse, die normalen Menschen verborgen bleiben.

Er wird in eine Gesellschaft hineingezogen, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert; die Nebula Convicto ist durchsetzt von geheimen Räten, magischen Attentaten und Wesen, die eigentlich nur in Fabeln und Mythen existieren sollten. In der magischen Gemeinschaft soll Steel die Rolle eines Sonderermittlers übernehmen und binnen kürzester Zeit ein entführtes Mädchen finden. Rettet er das Kind nicht, bevor ein neuer Anführer der Nebula Convicto gewählt wird, droht die gesamte Welt in einem zweiten Mittelalter zu versinken.

Nur mittels seiner Fähigkeiten als Ermittler und seiner neu entdeckten Kraft, Magie widerstehen zu können, kann sich Steel im Londoner Untergrund zwischen Ghulen, Vampiren und anderen magischen Wesen zurechtfinden.

REZENSION:

Als ich das Cover von diesem Buch zum ersten Mal betrachtete, entwickelte sich bei mir der Gedanke, dass es sich wohl um ein eher für Jugendliche geschriebenes Buch handelt.
Interessanterweise klang aber die Coverbeschreibung interessant und ich war hin- und hergerissen.
Das Buch fand aber dennoch seinen Weg in meine Gefilde und eines Tages nahm ich es somit mit dem Inhalt auf.
Es dauerte nur wenige Seiten und es war um mich geschehen. Nebula Convicto trägt zwar ein jugendlich wirkendes Cover und irgendwie auch einen langatmigen, komisch klingenden Titel – nichts desto trotz ist der Inhalt unglaublich gut durchdacht und hochwertig geschrieben. Hinzu kommt eine außerordentlich interessante Geschichte, wie sie mir schon seit langem nicht mehr untergekommen ist. Die Idee, einen Krimi im heutigen London unter Verwendung von nahezu sämtlichen mystischen Wesen hat ihren Reiz. Dennoch kann genau dieser Umstand auch dazu führen, dass sich der Autor verzettelt oder ins Absurde abtaucht. Im Gegensatz dazu jedoch Torsten Weitze! Er schafft es virtuos, eine sagenhafte Geschichte mit einem mehr oder weniger kuriosen Ermittler zu kreieren, die neben ihrer hohen Qualität auch noch mit einigen Twists aufwarten kann.
Von Seite zu Seite machte mir das Lesen immer mehr Freude und ich war sehr angetan von der Ideenvielfalt Torsten Weitzes. Die Geschichte selbst entwickelte sich teilweise kurios, aber immer sehr unterhaltsam und ausreichend spannend. Der gesamte Plot geht zwar zielstrebig zu einem bestimmten Ende – der Leser wird davon aber über lange Strecken im Dunkeln gehalten.
„Grayson Steel und der Verhangene Rat von London“ ist ein Krimi – ich selbst kein großer Krimifan – aber in dieser Zusammenstellung unter Verwendung dieser Verknüpfung von verschiedenen Genres konnte Weitze absolut für Begeisterung sorgen. Sollte er noch weitere Ideen für diesen nun bekannten Ermittler haben: Nur her damit!
Grayson Steel könnte eine wundervolle Krimiserie der besonderen Art darstellen und ich würde mich wirklich freuen, wenn der Autor noch einiges in Petto hat.
Davon abgesehen schreibt Weitze sehr eingängig und scheint keine Probleme zu haben, seinen Leser an der Hand zu führen. Dieser Umstand allein sorgt schon dafür, dass man sich diesen Namen merken sollte und er hoffentlich noch für viele Veröffentlichungen sorgen kann.
Jürgen Seibold/17.05.2018

Nebula Convicto. Grayson Steel und der Verhangene Rat von London. (Fantasy): Fantasyroman – KAUFEN BEI AMAZON

Vieten, Michael E.: Christine Bernard – Die Legende vom bösen Wolf

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-566-0
ca. 291 Seiten

COVER:

Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen.

Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos?

Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf?

Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nache dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.

REZENSION:

Als ich im Jahre 2013 einen Kurzgeschichtenband eines mir bis dato unbekannten Autors mit dem Titel „Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt“ positiv rezensiert hatte, behielt ich den Namen des Autors locker im Gedächtnis. Kurzgeschichten sind ein Genre für sich und viele Roman-Autoren scheuen sich, dieses „Genre“ zu bedienen. Ist es doch extrem schwierig, auf begrenztem Raum einen durchweg überzeugenden Plot zu kreieren.
Vieten ist es damals gelungen und somit wollte ich den Namen des Autors nicht gänzlich vergessen.
Ein Jahr später kam Vieten mit einem Kriminalroman ums Eck – es handelte sich dabei um „Der fall Siebenschön“, in dem die Kommissarin Christine Bernard die Ermittlungen aufnimmt.
Kriminalromane sind nicht wirklich mein Steckenpferd – durch den oben kurz angerissenen Kurzgeschichtenband widmete ich mich dennoch diesem Fall und war erneut sehr angetan.
Michael E. Vieten entwickelte mit Christine Bernard eine Krimireihe, die sicherlich interessant ist. Aber es sind nun mal Kriminalromane und hierdurch widmete ich mich mit meiner begrenzten Zeit eher meinen normalen Lieblingsgenres.
Letztes Jahr erreichte mich „Handbuch zur Rettung der Welt“, ich las, rezensierte und war schon wieder ausreichend überzeugt, um nun dann doch dem Wunsch des Autors nach zu kommen, ein Auge auf den neuesten Fall Christine Bernards zu werfen.
Ich überlegte kurz, ob ich mich einem Krimi widmen sollte – ich glaube, die Wölfe überzeugten mich dann, da dieses Thema ausreichend interessant klang.
Erfreulicherweise war es dabei absolut kein Problem, die bisher erschienen Fälle über diese Kommissarin nicht zu kennen. Im Gegenteil, man findet sich sofort zurecht und kann sich uneingeschränkt diesem sehr gut erzählten Plot widmen.
Als sehr positiv erachte ich die Verknüpfung aktueller Themen mit einem Mordfall. In diesem Werk sind es die Wölfe inklusive einer Vielzahl an Pro- und Contra – ebenso, wie es gerade durch die Medien wabert.
Nachdem ich persönlich eher auf der Seite der Wölfe stehe, sind meine Fronten in diesem Buch sogleich geklärt.
Im Laufe des Kriminalfalls lernt man sehr viel über diese Tierart – ab und an wirkt das ein wenig aufgesetzt, nichts desto trotz hat dieser Umstand das Buch für mich interessant gemacht. Ähnlich wie in seinem „Handbuch zur Rettung der Welt“ versucht Vieten uns auf Missstände aufmerksam zu machen und dabei dennoch seinen Leser gut zu unterhalten.
Erneut ist es ihm gelungen und ich bin fast ein bisschen traurig darüber, nicht alle Bernard-Fälle gelesen zu haben.
Alles in allem ein gelungener, sehr eingängig erzählter Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin, einem brisanten Thema und einem rundum interessanten Plot. Liebhaber des Genres sollten definitiv ein Auge auf diesen Autoren werfen.
Jürgen Seibold/27.04.2018

Christine Bernard. Die Legende vom bösen Wolf: Krimi – KAUFEN BEI AMAZON