Ines Binnemann & Oliver Baglieri: Der Gayal

u-books-Verlag, Augsburg

COVER:

Ein Vampir auf der Flucht vor seinem Verfolger – doch über beiden liegt ein dunkles Geheimnis. Eine alte Legende zieht sie in ihren Bann, und sie geraten in einen Strudel verhängnisvoller Ereignisse.

In der besten Tradition gothischer Schauerromane gelingt es den Autoren, die Leser mit einer ungewöhnlichen Verfolgungsjagd zu fesseln, deren überraschende Wendungen die Spannung fast ins Unerträgliche steigern.
Gerald Axelrod

REZENSION:

Nach dem sehr guten Buch „Ewiges Blut“ von Simon Rhys Beck, fand ein weiterer Vampirroman den Weg über meine Schwelle.
Wieder einmal bin ich über die Schaffenskraft der leider unbekannten Autoren im deutschen Untergrund der schreibenden Zunft erstaunt.
Der Gayal erzählt die Geschichte eines Vampirs und seines Jägers. Wie so oft, schenkt man auch bei diesem Roman dem Vampir sein Herz – obwohl diese doch eigentlich blutdurstig durch die Welt streifen.
Es ist in diesem Buch erstaunlich interessant zu verfolgen, wie sich der Jäger und der Gejagte voller Hass verfolgen und trotzdem eine Verbindung teilen, die sich erst spät auflöst und dem Leser eine glaubwürdige, interessante Wendung der Geschichte bietet.
Der Gayal ist eine klassische Schauergeschichte, die spannend erzählt wurde und mir erneut zeigt, welches Potenzial im „Underground“ steckt und warum ich mir soviel Mühe mit meiner Website mache.
Nur weiter so!!
Jürgen Seibold/13.07.03

Peter Benchley: Beast – Schrecken der Tiefe

Verlag Ullstein GmbH, Berlin, Frankfurt/M. 1992
vorliegendes Exemplar: Lizenzausgabe für die Bertelsmann Club GmbH, Buch Nr. 06661 3

COVER:

Vor Bermuda kentert ein Segelboot. Das junge Paar auf dem Rettungsfloß wähnt sich bereits in Sicherheit. Die Wettervorhersage ist gut, und die Notsignale werden sicher irgendwo gehört. Doch dann macht sich Angst breit.
Nicht ohne Grund. Unter dem Rettungsboot rührt sich etwas. Etwas Unglaubliches, Urtümliches, Riesenhaftes…
Peter Benchley, Autor des Welterfolges “Der weiße Hai”, hat mit “Beast” sein bisher aufregendstes Hochsee-Abenteuer geschrieben. Held dieses faszinierenden Romans ist Whip Darling, der seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit dem Fischen rund um Bermuda bestreitet. Eines Morgens entdeckt Whip Darling das leere Rettungsboot, das auf den Wellen dahintreibt. Es gibt keinerlei Anzeichen, daß ein Kampf stattgefunden hätte – bis auf ein paar seltsame Kratzspuren und einen eigenartigen, strengen Ammoniakgeruch.
Die unerklärlichen Ereignisse häufen sich. Stahltrossen eines Fangkäfigs scheinen glatt durchgebissen.
In Sichtweite des Ufers explodiert ein Boot aus offenbar unbegreiflichen Gründen. Eine Frau, die mit einem Teleskop Wale beobachtet, will ein Ungeheuer gesehen haben. Panik bricht aus. Hat die Zerstörung der Meere durch den Menschen eine sagenhafte Kreatur aus der Tiefe heraufgetrieben? Ein Ungeheuer von riesigen Ausmaßen und so unersättlich, daß es töten wird, bis es selbst getötet ist?
Sensationsgierige Geschäftemacher und Journalisten treibt es an den Ort des unheimlichen Geschehens. Das ruft die US-Navy auf den Plan. Sie sorgt sich um die Sicherheit ihrer Sonaranlagen, denn schließlich sind die Gewässer um Bermuda NATO-Gebiet…
Die Jagd auf das Ungeheuer beginnt.

Peter Benchley stammt aus einer angesehenen amerikanischen Literaten-Familie. Als Reporter der Washington Post machte er sich einen Namen und schrieb später Reden für US-Präsident Lyndon B. Johnson. Seine Forschungsarbeiten über Haie regten ihn schließlich an, den “Weißen Hai” zu schreiben. Benchley ist Autor weiterer Bucherfolge wie z.B. “Das Riff”, “Der Berg der Fische” und “Q-Clearance – Streng geheim”.

REZENSION:

Man nehme den früheren Erfolgsroman, wartet ein paar Jahre, vermischt dies alles nochmal und tauscht den Hai gegen ein anderes großes Untier aus – somit hat man eine vermeintlich “neue” Geschichte und man kann damit wieder Geld verdienen.
Ich habe mir das Buch vor einigen Jahren geleistet und ärgere mich immer noch darüber.
Die schreiberisch sehr gelungene Geschichte mit dem großen bösen Hai ist sehr gut und spannend erzählt.
Dadurch ist dieses Buch auch gut erzählt – wie gesagt: Ist aber nichts anderes als “Der weiße Hai” mit einem anderen Tier.
Jürgen Seibold/29.08.03

Peter Benchley: Der weiße Hai

Verlag Ullstein GmbH
vorliegendes Exemplar: Bertelsmann Reinhard Mohn OHG, Gütersloh
Buch Nr. 5457

COVER:

Mittelpunkt dieses packenden Romans ist ein riesiger weißer Hai, der lautlos und unerwartet an den Stränden von Long Island auftaucht und die Einwohner des kleinen Badeortes Amity in Furcht und Schrecken versetzt. Eine junge Frau, die nach einer heißen Partynacht Abkühlung im Meer sucht, ist sein erstes Opfer. Am nächsten Morgen werden Kopf und Brustkorb, von Seetang umschlungen, an den Strand gespült.
Polizeichef Martin Brody erkennt als einziger die Gefahr. Zwar sind Haie in dieser Gegend und um diese Jahreszeit ungewöhnlich, doch sein Entschluß steht fest: Um weiteres Unheil zu verhindern, müssen die Strände geschlossen werden. Aber Amity lebt von seinen Sommergästen, und eine schlechte Saison bedeutet Armut und Not für alle. Unter dem Druck der Geschäftsleute und des Bürgermeisters muß Brody nachgeben, und der Unglücksfall wird verschwiegen. Doch dieser Leichtsinn bleibt nicht ohne Folgen; ein sechsjähriger Junge und zwei Männer sind die nächsten Opfer des menschenfressenden Ungeheuers.
Eine Welle der Hysterie erfaßt Amity. Die Nachrichten, die sich mit Windeseile im ganzen Land verbreiten, wecken die Sensationslust und locken Neugierige herbei. Der Strand wird von Reportern und Schaulustigen belagert. Es gibt nur einen Ausweg – der Riesenhai muß gefangen werden. Die drei Männer, die sich in dieses Abenteuer stürzen, stehen aif verlorenem Posten. Es ist die Jagd nach einem Phantom – ein Kampf um Leben und Tod beginnt…
Der Roman erreicht einen Höhepunkt, der an Spannung und Dramatik seinesgleichen sucht.
Peter Benchley, 1940 als Sohn des Romanciers Nathaniel Benchley und Enkel des Humoristen Robert Benchley in New York geboren, ist mit seinem ersten Roman auf Anhieb der Sprung in die Reihe der Bestseller-Autoren gelungen. “Der weiße Hai” erschien zu gleicher Zeit außer in den USA und Japan in acht europäischen Ländern. Die Verfilmung des Buches, die in Amerika einen noch größeren Erfolg hatte als “Der Pate” und “Der Exorzist”, ist auch schon in Deutschland angelaufen.

REZENSION:

Wer kennt diese Geschichte nicht?
Aus diesem Grund wird das eine Kurzkritik:
Der Film von Stephen Spielberg ist genial und das dazugehörige Buch von Benchley ist ebenfalls genial. In diesem Buch zeigt Peter Benchley wozu er fähig ist. Die Geschichte ist unerträglich spannend und trotzdem mit viel hineingestreuten ironischen Stückchen geschrieben und kann gut als Beginn einer Ära verstanden werden. Ab da ging es mit vielen mehr schlecht als recht gemachten Büchern und Filmen weiter. Es schaffte nur keine an den Film, geschweige denn an das Buch.
Wer’s noch nicht kennt, sollte es lesen.
Jürgen Seibold/29.08.03

J.G. Ballard: Crash / Die Betoninsel / Der Block

Crash
Titel der englischen Originalausgabe: Crash
c 1973 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber

Die Betoninsel
Titel der englischen Originalausgabe: Concrete Island
c 1973 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm

Der Block
Titel der englischen Originalausgabe: High-Rise
c 1975 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm
 

COVER:

Schnellstraßen, Verkehrsinseln, Hochhäuser – alltägliche Erscheinungen der modernen Welt. Doch in den Erzählungen des britischen Erfolgsautors J.G. Ballard verwandeln sich vertraute Orte plötzlich in Schauplätze menschlicher Grausamkeit, Dinge des Alltags zu Symbolen unkontrollierbarer Triebe. Ballard beschreibt wie kein zweiter “die schrecklichen Möglichkeiten einer fortgeschrittenen Technologie und das rattenhafte Verhalten von Menschen, die in der Falle sitzen” (Financial Times)

Neben dem von David Cronenberg verfilmten “Crash” enthält dieser Band mit “Die Betoninsel” und “Der Block” zwei weitere packende Romane über den Horror der Zvilisation, mit denen Ballard Kultstatus erlangt hat.

REZENSION:

Erfreulicherweise hat wieder einmal ein Buch der schönen Horror-Reihe des Area-Verlages seinen Weg in meine Hände gefunden.
In diesem Fall handelt es sich um drei Romane eines einzigen Autoren: J.G.Ballard, der in diesem 900 Seiten starken Werk drei Romane vorlegt, die es wahrlich in sich haben.
Los geht es mit „Crash“, das bereits von David Cronenberg erfolgreich verfilmt wurde und (wie der Film) ein sehr kontroverses Werk ist.
Grundprinzipiell handelt dieser Roman schlicht gesagt von Sex. Dies wäre so ziemlich alles was man über diese Geschichte sagen könnte, wäre hier nicht der Umstand, daß es sich bei diesen sexuellen Handlungen nicht nur um Menschen handelt sondern auch noch PKW’s als sexueller Partner mit einbezogen werden. Dies schafft Ballard mit einer so intensiven Sprache, das man sich beinahe nach seinem Auto sehnt. Einzig der für den Menschen zerstörerische Akt dieser Beziehung lässt den Leser davon abhalten.
Man kann „Crash“ locker als Vorspiel betrachten, da diese Geschichte erstens nicht jedem gefällt und zweitens der Autor mit „Die Betoninsel“ eine wahre Perle der Horrorliteratur eröffnet. Allein für die geniale Idee müsste man als Autor sämtliche Literaturpreise erhalten.
Jeder kennt sie: Die Inseln – meist mit Unkraut und Gras bewachsen – zwischen den An- und Abfahrten der Autobahnkreuze.
Und auf genau so eine „Betoninsel“ verschlägt es den Protagonisten, als er beim zu schnellen Abfahren von der Autobahn die Kontrolle über seinen Wagen verliert und von der Straße abkommt.
Sein Problem: Er kommt nicht mehr davon weg da er verletzt wurde und die steile Böschung nicht mehr erklimmen kann. Nun sitzt er fest im Angesicht der oben vorbeirauschenden PKW’s, ohne bemerkt zu werden. Mehr sei nicht darüber erzählt, außer daß J.G.Ballard den Leser an die Seiten fesselt und sicherlich jeder ein wenig öfter auf die „Inseln“ herunter blickt – es könnte ja jemand Hilfe erwarten.
Als letztes hält Ballard der Menschheit in „Der Block“ einen Spiegel vor. Es geht hier um einen 40-stöckigen Block in dem sich die Bewohner mehr und mehr in Ober-, Mittel- und Unterschicht teilen und gegen die jeweils andere Schicht ankämpfen. Dies führt zur absoluten Anarchie und exzessiven Gewalthandlungen zwischen den Bewohnern bis hin zum totalen Zusammenbruch des normalerweise üblichen Miteinanders von Nachbarschaften. Ballard zeigt virtuos und deutlich, zu welchem viehischen Verhalten der Mensch neigt wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt oder sich in Gruppen zusammentut um andere Territorien zu erobern.
Ballard stellt dies alles glaubhaft, spannend und sehr interessant dar.
Alles in allem zeigt der Area-Verlag wieder einmal ein sicheres Händchen für hochwertige, extrem spannende Romane innerhalb dieser Reihe und hat ein großes Gespür für die richtige Reihenfolge der Geschichten.
Ich freue mich bereits sehr auf weitere Veröffentlichungen in dieser guten Horror-Reihe,
JS/06.10.04

Anthologie: Nocturno 5 – Magazin für Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz, Timo Kümmel
ca. 204 Seiten
www.nocturno-mag.de.vu

INHALT:

Charlotte Engmann: UM KOPF UND KRAGEN
Stefan T. Pinternagel: KLEX
Eddie M. Angerhuber: MADAME MOSCA
Andrea Tillmanns: DAS BILD ÜBER DER TREPPE
Markus Kastenholz: MARLEEN!
Micha Wischniewski: ABSCHIEDSSCHMERZ
Antje Ippensen: DAS INNERE ODER: DIE NULLTE STUNDE
Thomas Wagner: DIE FARBEN DER TIEFE
Cassandra Schwartz: SCHNELLER!
Ramona Schroller: DIE (ALP-) TRAUMWOHNUNG
Michael Tillmann: INNSMOUTH IN METROPOLIS
Sieglinde Breitschwerdt: BLUTIGER HAUCH
Andreas Gruber: IN GEDENKEN AN MEINEN BRUDER
Linda Budinger: NEBELTANZ

+ Illustrationen von Michael Marrak, Nicole Erxleben, Manfred Lafrentz, Timo Kümmel, Detlef Krämer, Thorsten Grewe, sowie Klaus & Wolfgang Schwandt

ausserdem Rezensionen von Ramona Schroller, Thomas Hofmann, Malte S. Sembten, Markus Kastenholz und Constanze von Kolck

REZENSION:

Das Wort Schwarzmalerei ist immer mit etwas negativem assoziiert. Dabei finde ich, dass die schönsten Fotografien in schwarz-weiß gemacht werden und die schönsten Zeichnungen mit Bleistift gefertigt sind, wodurch sich doch auch wiederum eine Art „Schwarzmalerei“ entwickelt.
Leider ist jedoch nicht alles so wie es scheint und nicht jedes Wort ist wortwörtlich zu nehmen.
In diesem Fall aber schon:
Dem Nocturno 5.
Von einem Magazin entwickelte es sich zu einem Buch der besonderen Art; einem, in dem Gothic Novels – Horror- und Schauergeschichten Platz finden.
Bei der Zusammenstellung des nun fünften Bands legten die Herausgeber Markus Kastenholz und Timo Kümmel wieder einmal Wert auf ein hohes Niveau, welches sie durch die vorherigen Ausgaben schon erzielten und wieder mit dieser erreichten.
Nicht nur die Vielzahl, auch die Vielfalt der Beiträge dieses Buches sei erwähnt. Es befinden sich zig Splitter des Spiegels dieses Genres in der Anthologie – gruseliges, grausames, aber auch Science Fiction und Fantasy sind vertretene Sparten.
Nocturno 5 kann also getrost ein Bilderbuchbeispiel genannt werden.
Denn Apropos Bilder: In diesem Werk befinden sich zu den Geschichten auch Zeichnungen und Illustrationen, denen der Leser ein besonderes Augenmerk leihen sollte. Sie beziehen sich auf die Storys. Und was die eigene Fantasie einen vielleicht sich nicht vorstellen lässt, wird durch sie vermittelt.
Entnehmen wir dem Wort „Schwarzmalerei“ also den negativen Effekt und lassen es für sich stehen – dann ist es das Wort, dass zu dieser Anthologie passt.
Nocturno 5 ist schwarz im Sinne von tief und dunkel. Eben ein Werk für die Nacht und jene, die sich von ihr angezogen fühlen.
Erschienen ist das Buch im VirPriV Verlag unter der ISSN 1617-8475 für € 9,80.
Die 1. Auflage ist begrenzt auf 200 Exemplare. Wer also noch eins ergattern möchte, sollte sich ranhalten…
Miriam Stephanie Reese
(Juli 2010)

Anthologie: Nocturno 6 – Magazin für dunkle Phantastik

Herausgeber: Markus Kastenholz / Timo Kümmel
ca. 310 Seiten / €11,95
www.nocturno-mag.de.vu

COVER:

Inhalt:

Malte S. Sembten: MASKENHANDLUNGEN
Linda Budinger: VERLOREN!
Astrid Pfister: DER RING ZUM GLÜCK
Markus Kastenholz: FENRIR
Sebastian Mander: DIE BILDER DER IRREN
Michael Tillmann: TEENAGE WITCHES KÖNNEN GRAUSAM SEIN
Eddie M. Angerhuber: RINALDINIS HÄNDE
Bernhard Brunner: DAS MÄDCHEN MIT DEN SPINNEN
Stefan T. Pinternagel: RUCKLDIGU
Andreas Gruber: RISTORANTE MYSTICO
Markus K. Korb: DER DIE MÜNZEN UNTER DEN ZUNGEN DER TOTEN STIEHLT
Thomas Wawerka: IM FALSCHEN FILM
Horst Hoffmann: MR. COCHRANS WUNDERBARE WELT
Charlotte Engmann: DIE HÜTTE IM WALD
Alfred Bekker: DIE BYZANTINISCHE PEST
Andrea Tillmanns: DIE RUNE NACHT
‘C.J. Walkin: IT CAN HAPPEN TO YOU
Boris Koch: EIN GANZ NORMALER TAG
Markus Saxer: SYMPHONIE DES TODES
Thomas Wagner: NOCTURNALIEN

+ Illustrationen / Graphiken und Rezensionen

REZENSION:

Romane können den Status eines guten Freundes entwickeln. Man lebt und erlebt die Geschichte eines Protagonisten für einige Zeit mit, teilt oder flüchtet sich in das Schicksal des jeweiligen Helden.
Kurzgeschichten hingegen sind bloß Bruchteile – Bruchteile einer Story, Bruchteile eines Lebens. Und letztlich benötigt man nur Bruchstücke an Zeit sie zu lesen.
Sind sie deshalb nur Bekannte? Kennengelernte Fragmente eines von einem Autor zu Papier gebrachten Stücks? Eines Autors, den man eventuell noch gar nicht oder nur vom Namen her kennt?
Nein!
Definitiv sind Kurzgeschichten mehr als bloß zeitfüllende Unterhaltung für Leser, denen genau das fehlt – Zeit.
Kurzgeschichten sind Vielfalt – und eine solche bietet die Anthologie Nocturno 6.
Das einstige Magazin, dass sich schon in seiner ersten Form als Geheimtipp entpuppte, hat sich nun in ein Buch verwandelt, um den Schreibern und Lesern ein größeres Forum an Literatur zu bieten.
Ich selbst bin nicht bloß angetan, sondern regelrecht begeistert, inzwischen kein Heft mehr, sondern eine als Taschenbuch gebundene Anthologie in den Händen zu halten.
Und der Inhalt? Ein wahrer Rausch an Geschichten der Genres Horror, Gothic Novel, Science Fiction und Fantasy.
So unterschiedlich sie sind, so haben sie doch alle eins gemeinsam – den Funken zum Dunklen, der überspringt.
20 weniger oder besser bekannte Autoren reichen sich in Nocturno 6 die Klinke in die Hand. Und jeder von ihnen erreicht dabei das Maß gut zu sein.
Ich möchte hier keine einzelnen Geschichten benennen oder hervorheben, denn Geschmack liegt im Gefallen des Betrachters. Doch ich kann jedem nur raten mal einen Blick in diese von Markus Kastenholz und Timo Kümmel herausgebrachte Anthologie zu werfen…
Das Augenmerk wird sich dann nicht nur auf das geschriebene Wort legen, sondern auch garantiert auf den wundervollen Zeichnungen und Illustrationen, passend zur jeweiligen Erzählung, haften…
Erschienen ist Nocturno 6 im VirPriV Verlag mit der ISSN 1617-8475.
Das 312 Seiten umfangreiche Buch kostet € 11,95.
Ich wünsche dem Leser viele Schauer, die ihm über den Rücken laufen…

Miriam Stephanie Reese (2009)

Anthologie: Der ewig dunkle Traum (W. Hohlbeins Schattenchronik 1)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 387 Seiten

COVER:

Diese Anthologie entführt den Leser mit morbiden Erzählungen von Barbara Büchner, Markus Heitz und anderen namhaften Autoren über Geschöpfe der Nacht in Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik. Subtiler Horror, Welten feinsten psychischen Grauens erschaffen eine Chronik des Schreckens.

Die Titelstory, die erste Einblicke in die neue Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik-Serie rund um die Vampirin Dilara gibt, ist vom Meister der Fantasy selbst.

INHALT:
Markus Heitz: Ein besonderer Geschmack
Eddie M. Angerhuber: Das Nachtbuch
Mark Freier: Das Höllenwunder
Alisha Bionda: Seelenpfand
Armin Rößler: Vergnügungspark
Frank H. Haubold: Die Stadt am Fluß
Dominik Irtenkauf & Javier Hurtado: Trauerflug aus dem Süden
Wolfgang Hohlbein: Schattenchronik – der ewig dunkle Traum
Barbara Büchner: Die Nahrung der Toten
Mar-Alastor E.-E.: Lang lebe die Königin!
Michael Borlik: Engel der Nacht
Dominik Irtenkauf: Mumienglanz in der Nekrophilharmonie
Boris Koch: Heiligabend bei Manfred
Linda Budinger: Schattentrinker
Christel Scheja: Der Verfluchte von Tainsborough Manor
Markus K. Korb: Die Brut

REZENSION:

Mit dem circa 380 Seiten umfassenden Buch “Der ewig dunkle Traum” startet der Blitz-Verlag eine neue Serie unter dem Oberbegriff “Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik”.
“Der ewig dunkle Traum” ist entgegen den Folgebänden eine Sammlung morbider Kurzgeschichten, die sich sämtlichst um das jedem Horrorleser vertrauten Subgenres – dem Vampirismus, bzw. dem ewigen Leben – ranken.
in diesem Buch befinden sich 16 Kurzgeschichten, die sich trotz der gleichen Grundlage als unwahrscheinlich differenziert und erfrischend unterschiedlich darlegen. Durch die geschickte Autorenauswahl zeigt sich ein sehr schönes Spektrum der gegenwärtigen und zukünftigen deutschen Gruselliteratur. Die Autorennamen pendeln spielerisch zwischen “Newcomern” und “Berühmtheiten”, wobei sich die “Newcomer” sicherlich nicht hinter den Größen des Genres zu verstecken brauchen.
Meines bisherigen Wissens werden die zukünftigen Bände dieser Serie jeweils einen geschlossenen Roman beinhalten, die – dargestellt durch unterschiedliche Autoren – das Leben und Wirken der Vampirin Dilara zum Thema haben und dieses aus wohl unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten wissen.
In “Der ewig dunkle Traum” wird dieser Reigen lediglich durch den Namensgeber dieser Serie – Wolfgang Hohlbein – anhand seiner Geschichte “Schattenchronik – der ewig dunkle Traum” eröffnet. Dies hat aber keinerlei negativen Einfluss auf die anderen Geschichten zur Folge, da sich diese ja um ein ähnliches Thema bewegen und ohne Probleme zu überzeugen wissen.
Übrig bleibt somit ein schön aufgemachter Kurzgeschichtenband – gewürzt mit einigen Essays am Ende des Buches – , der nicht nur durch seine Verpackung, sondern auch durch seinen abwechslungsreichen und gut ausgewählten Inhalt den Leser geschickt von der Qualität dieses Eröffnungsbandes und somit den noch folgenden Romanen überzeugen kann. Ich denke, jedem Leser bleibt nur der Drang zum nächsten Werk…
Jürgen Seibold/21.06.2005

Anthologie: Fleisch und andere Appetitverderber

c 2005 der deutschsprachigen Ausgabe: Eldur Verlag, Aachen
ca. 196 Seiten

COVER:

Warnung!
Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, sollten Sie sich sicher sein, daß Sie einiges verkraften können. Vielleicht werden Sie hierin Dinge vorfinden, die Sie am liebsten gleich wieder vergessen möchten – aber das wird dann leider nicht mehr möglich sein.

Zehn wahnsinnige Autoren servieren Ihnen ein reiches Menu aus Sex, Blut und Tod – kurzum: Es geht um FLEISCH in jeder Hinsicht.

Psychisch labilen Persönlichkeiten wird vom Genuß abgeraten.

Zum Buch und seinen Autoren:
Kann Horror Literatur sein? Kann Horror Kunst sein? Oder endet jeder Versuch am Ende doch nur in der Aneinanderreihung billiger Schock- und Ekeleffekte?

Dieses Buch ist ein solcher Versuch eines Brückenschlages. Ein kompromisslos abstoßendes Sammelsurium kranker Phantasien, und doch von ganz eigener Ästhetik.

Der Titel ist Programm. Es geht um Fleisch. Das Fleisch des menschlichen Körpers; seine Sinnlichkeit, seine Zerbrechlichkeit, und um das, was übrig bleibt, wenn man dem Menschen seine Menschlichkeit genommen hat. Zum Bedauern, zum Entsetzen, zum Verzehr.

Zehn Autoren haben zum Entstehen dieses Werkes beigetragen. Einige von ihnen sind in gewissen Kreisen bereits Kult, wenngleich man sie dort unter anderem Namen kennt. Und so ist auch dieses Buch etwas ganz besonderes. Erstmals wurde versucht, die besten und zugleich ekligsten Horror-Kurzgeschichten dieser Leute in einem Buch zusammenzutragen. Zu einer Achterbahnfahrt der Seele – und bei empfindlichen Personen auch des Magen-Darm-Traktes.

REZENSION:

Bei diesem Buch scheiden sich mit Sicherheit die Geister. Es befinden sich hierin zehn verschiedene Autoren, deren Kurzgeschichten sich alle um das Thema “Fleisch” in jeglicher Form drehen.
Entstanden ist dabei der absolute Horror!
Die Geschichten pendeln jeweils innerhalb der unterschiedlichen Betrachtungsweisen des jeweiligen Autors: Der eine baut seine Geschichte anhand fleischlicher Gelüste auf; der andere lässt das Thema “Fleisch” um Gewalt, Tod oder schlichtem “gefressen werden” kreisen. Somit ein allumfassendes Menü, welches sämtliche Facetten des Horrors ohne jegliche Scheu und Zensierung beleuchtet und darstellt.
Ebenfalls als positiv anzumerken ist die geschickte Gratwanderung am Rande des Splatters ohne jedoch in diesen Bereich zu driften.
Bisher gab es meistens nur das eine Extrem: Splatter-Horror mit einer Aneinanderreihung von Schocksequenzen ohne jeglichen literarischen Anspruch.
In diesem Buch wurden die Geschichten durch den eldur-verlag jedoch mit sehr geschickt ausgewählt, was zur Folge hatte, dass alle Stories dieses Buches zwar brutal, unzensiert und haarsträubend sind, aber trotzdem in einer sehr hochwertigen Erzählweise vor dem Leser ausgebreitet werden. Dies wiederum sorgt natürlich dafür, daß die Geschichten beim Leser erheblich intensiver wirken – man muss schon was verkraften können.
Die Warnung am Buchrücken sollte daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Psychisch labile Personen sollten wirklich die Finger davon lassen. Allen hartgesottenen und trotzdem anspruchsvollen Lesern dieses Genres kann dieses Buch nur empfohlen werden!
Kurzum: Wer sich solche Geschichte ausdenkt, kann eigentlich nur wahnsinnig sein – in diesem Fall sind die Autoren jedoch auch noch wahnsinnig gut.
Jürgen Seibold/30.06.2005

Anthologie: Vampirwelten

Anthologie herausgegeben von
 Ines Binnemann und Oliver Baglieri
u-books Verlag, Augsburg

COVER:

– Unsterblichkeit –
Ein Traum so alt, wie die Menschheit selbst. Das endlose Verlangen, dem Tod zu entrinnen und die Sehnsucht nach Schönheit und Perfektion findet vollkommene Vollendung in der Figur des Vampirs. Der Untote regt Fantasien an und lädt ein, zu Reisen in mysteriöse Dunkelheiten, in der Naturgesetze aufgehoben sind. Wie unterschiedlich Vampirwelten sein können, zeigen die Geschichten und Gedichte dieser Anthologie. Das Besondere an “Vampirwelten” ist, dass dieser leise Hauch der Ewigkeit ausnahmslos aus der deutschsprachigen Vampir-Szene weht.
Britta Radkowsky
www.sanktuarium.de

REZENSION:

Vampirwelten ist eine Anthologie mit Beiträgen von 31 Autoren, die sich alle um das Thema Vampire bewegen und trotzdem nicht unterschiedlicher sein können.
Anfangs war ich leicht geschockt: Beim Durchblättern sah ich nicht nur Kurzgeschichten sondern auch viele Gedichte. Dazu muss ich sagen, das es bis jetzt nur zwei Gedichte gab, die mir gefallen haben. Das eine ist „Der Rabe“ von Poe und das zweite ein vor zehn Jahren von mir selbst geschriebenes Kurzgedicht.
Aber egal: Ein Rezensionsexemplar ist ein Rezensionsexemplar – also lesen.
Die 190 Seiten lassen sich relativ gut und zügig durchlesen. Wie es aber bei fast allen Anthologien der Fall ist, gibt es Gedichte/Geschichten, die einem gar nicht gefallen und gleichzeitig eine mindestens gleiche Anzahl davon, die einem gut bis sehr gut gefallen. Es hat mir mehr als die Hälfte gut bis sehr gut gefallen (sogar bei den Gedichten), was für eine Anthologie positiv zu bewerten ist. Sehr interessant an Vampir-
welten ist die unterschiedliche Betrachtungs- und Ausführungsweise der Autoren. Allein aus diesem Grund wird die Anthologie noch etwas wertvoller. Hinzu kommt – wieder einmal – der Schaffungsreichtum der deutschen „Untergrund“-Schreiberszene.
Ein einziger Punkt hat mich ein wenig gestört: Die Herausgeber haben im Text auf jeder Seite ein Wort in einer größeren, ins Auge springenden Schrift dargestellt. Die Idee an sich ist ganz gut – Problem ist jedoch, daß das Auge beim Umblättern und beim Lesen immer wieder auf diese Stelle springt und dadurch der Lesefluss etwas gestört wird.
Alles in allem handelt es sich um eine sehr interessante Sammlung, die sehr stark vom Ideenreichtum und der verschiedenen Betrachtungsweisen der Autoren lebt und dadurch zu einer kleinen, weiteren aber auch schönen Insel im Genre der Vampire wird und jedem „Vampir“ positiv in Erinnerung bleibt.
 Jürgen Seibold 18.07.03