Markus Heitz: Blutportale

ca. 666 Seiten / € 14,95
Originalausgabe Dezember 2008
c 2008 bei Knaur Verlag.

COVER:

„Du kannst nicht jeden retten“, sagte sie ernst. „Es scheint dir im Moment vielleicht unerträglich zu sein, dass du ihn geopfert hast, aber glaub mir, es war die richtige Entscheidung.“

Genau wie Will führt auch Saskia, eine leidenschaftliche Fechterin, ein ganz normales Leben. Das ändert sich, als sie bei einem Turnier gegen den geheimnisvollen Maitre antritt: Mit seinem Rapier fügt er ihr tiefe Schnitte zu, die bald danach zu Brandzeichen werden. Saskia ahnt nicht, dass ihr Gegner bereits seit Jahrhunderten nach ihr sucht – denn in ihr schlummert eine Gabe, die er sich nun zunutze machen will. Doch niemand hat die junge Frau auf ihr dunkles Talent vorbereitet, und so stößt sie unbeabsichtigt Türen auf, die nie geöffnet werden sollten.
Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, ist Saskia gemeinsam mit Will auf der Flucht vor Dämonendienern, die sie zu ihren Zwecken missbrauchen wollen. Die beiden müssen alles, was sie bisher für real, für gut und für falsch gehalten haben, vergessen, um überleben zu können – und bekommen ebenso unerwartete wie ungewöhnliche Hilfe …

Dunkle Geheimnisse, rasante Action und ein Wiedersehen der besonderen Art: Der neue Bestseller von Markus Heitz!

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Seit er mehrfach mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, gilt er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy. Mit seiner Bestsellerserie um Die Zwerge setzte er einen neuen Standard im Bereich der klassischen Fantasy und eroberte mit dem Werwolf-Zweiteiler Ritus und Sanctum sowie dem Vampirthriller Kinder des Judas auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt mit seiner Familie in Zweibrücken.

REZENSION:

Markus Heitz ist einer meiner deutschen Lieblingsautore – konnte er doch durch eine hohe Zahl an Büchern uneingeschränkt überzeugen. Dementsprechend gefreut habe ich mich, als Blutportale seinen Weg zu mir fand.
Erneut handelt es sich um ein nicht gerade dünnes Buch – dies hat in der Vergangenheit regelmäßig für den Autor gesprochen, da er sich in dickeren Büchern eher wohl gefühlt hatte und vor dem Leser wahre Symphonien ausbreitete.
Bei Blutportale scheint dies jedoch eher nicht gelungen zu sein. Es ist jedoch schwer zu greifen, woran das liegen mag. Erneut lässt er seinen Hauptprotagonisten durch spannende Begebenheiten laufen – insbesondere die Idee mit der geheimen und illegalen „Fechtbruderschaft“ finde ich sehr ansprechend und hat am Anfang unwahrscheinlich viel Spaß gemacht. Ich denke, alleine darüber würde sich ein Buch schon lohnen.
Im Laufe der Geschichte erklomm mich jedoch mehr und mehr das Gefühl, dass sich Markus Heitz etwas verzettelt hat – dadurch schwand in meinen Augen mehr und mehr der Faden, der den Leser durch das Buch geleitet.
Somit ist bei mir etwas einmaliges geschehen: Ich legte zum ersten Mal ein Buch von Markus Heitz unbefriedigt und unabgeschlossen auf die Seite. Nichts desto trotz wird auch Blutportale sicherlich auch viele Freunde finden – aus meiner Sicht ist es leider ein etwas unausgegorenes Werk, das Anfangs mit hoher Geschwindigkeit startet und dann leider zu lange dieses Tempo nicht mehr aufrechterhalten kann. Schade – ich freue mich aber trotzdem auf seine weiteren Werke.
Jürgen Seibold/22.01.2010

Markus Heitz: Kinder des Judas

Originalausgabe September 2007
c 2007 by Knaur Verlag
ca. 704 Seiten / € 14,90

COVER:

Ich kenne die Melodie des Lebens. Sie variiert selten, und wenn doch, dann ist es meistens nicht gut.

Jung sein, schön, gesund – und das bis in alle Ewigkeit: Was sich für viele nach einem Traum anhört, ist für Sia schon vor langer Zeit zum Fluch geworden. Sie sehnt sich nur nach einem: einschlafen und nie wieder aufwachen müssen. Doch das darf sie nicht. Zu groß ist die Schuld, die Sia auf sich geladen hat, zu groß die Verantwortung, die sie gegenüber der Menschheit trägt. Und noch etwas anderes verfolgt sie: die Erinnerung an ein besonderes Mädchen.

Um ihren Schmerz zu lindern, schreibt Sia in einer langen, einsamen Nacht Scyllas Geschichte nieder. Diese beginnt 1670 und ist untrennbar verbunden mit den dunklen Machenschaften der Kinder des Judas, einem mächtigen Bündnis von Wissenschaftlern – und Vampiren!

REZENSION:

Ein weiterer Vampirroman?
Gibt es nicht schon mehr als genug?
Kann einem Autor in der heutigen Zeit mit einer unendlichen Vielfalt an Vampirgeschichten überhaupt noch etwas einfallen, dass einen Leser erneut an die Seiten fesselt und mit neuen Ideen aufwartet?
Einer kanns!
Markus Heitz’ neuestes Werk “Kinder des Judas” ist eine weitere Geschichte im Kosmos um die (nicht tot zu bekommenden) Vampire – und eine Geschichte, die diese mystischen “Lebewesen” ganz neu entdeckt und voller Atmosphäre vor des Lesers Augen ausbreitet.
“Kinder des Judas” erzählt von der Vampirin Scylla, die ihre Lebensgeschichte aufschreibt und dabei über Jahrhunderte voller Grauen, Schmerz, Verlust und – viel Blut – berichtet.
Anhand der Erzählung Scyllas verwebt Markus Heitz in seinem 700seitigen Buch die beiden Genre Mystik und Historik in genialer Weise. Er vergisst dabei weder detailreiche Beschreibungen des 18. Jahrhunderts noch die Notwendigkeiten der Spannung, wie es ein Genreleser im Bereich des Vampirismus erwartet.
Seine Geschichte ist – trotz der untoten Schattengestalten – ein Buch voller Leben und seine Protagonisten zeigen sich glaubhaft und detailverliebt gezeichnet. Markus Heitz vergisst diesen Detailreichtum weder in den historischen Begebenheiten und Orten der Vergangenheit noch in der Darstellung der Gegenwart. Hier geht er sogar so weit, seine Affinität zur Gothic-Szene geschickt in seine Geschichte mit einzuweben und wird damit hoffentlich einige Leser dazu führen, sich ein wenig mehr Gedanken über die Musik/Szenen außerhalb des Mainstreams zu machen. Vielleicht gibt es sogar den ein oder anderen Leser, der sich – angespornt durch diese Geschichte – ein oder mehrere CD’s von 69 Eyes oder gar Das Ich besorgt – Es wird sein Schaden nicht sein…
Aber zurück zum Buch: Erneut wurde durch Heitz gezeigt, dass er wohl der echte Fantasy- und Horrorkönig unseres Landes ist – im Gegensatz zu manch anderen, mittlerweile sehr vorhersagbaren Autoren dieser Genre, schafft es Heitz immer wieder, zu überraschen und legt dabei zusätzlich einen Pageturner nach dem anderen vor. Ein Autor, der weiß wovon er schreibt und wie er damit den Leser nicht nur erreichen sondern auch befriedigen kann.
Absolut empfehlenswert!
Jürgen Seibold/05.02.2008

Alexander Grin / Stephen Gilbert / Harald Howart / H. J. Alpers: Tod durch Ratten (4 Romane in einem Band)

Alexander Grin: Der Rattenfänger
Titel der russischen Originalausgabe: Krysolov
Übersetzung aus dem Russischen von Waltraud Ahrndt
c 2004 by area verlag gmbh, Erftstadt

Stephen Gilbert: Aufstand der Ratten
Titel der englischen Originalausgabe: Ratman’s Notebook
Übersetzung aus dem Englischen von Walter Erev
Lizenzausgabe der area verlag gmbh, Erftstadt
c 1968 by Stephen Gilbert
c der deutschen Übersetzung by Marion von Schröder, Berlin

Harald Howart: Tod durch Ratten
c 1971 by Harald Howart
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt

Hans Joachim Alpers: Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich
c 2004 by Hans Joachim Alpers und area verlag gmbh, Erftstadt

COVER:

Vier fulminante Rattenhorror-Werke erstmals in einem Band! Szenarien des Grauens, in denen die Ratten ihren eigenen Plänen folgen, sich über den Menschen stellen und zu einer entsetzlichen Bedrohung für ihn werden – die Horrorgeschichten aus der Feder internationaler und deutscher Kultautoren lassen eines zur grausigen Gewissheit werden: Unsere Angst vor Ratten ist berechtigt.

Vier Romane in einem Band:
Alexander Grin: “Der Rattenfänger”
Stephen Gilbert: “Aufstand der Ratten”
Harald Howart: “Tod durch Ratten”
Hans Joachim Alpers: “Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich”

REZENSION:

Der area-Verlag legt mit dem Band „Tod durch Ratten“ ein 800 Seiten starkes Buch vor, in dem sich 2 Kurzgeschichten und 2 ganzwertige Romane mit Ratten als Hauptthema finden.
Als erstes findet man Alexander Grin’s knapp 90seitige Kurzgeschichte „Der Rattenfänger“:
Diese Geschichte ist sehr spannend geschrieben und kann sehr viel positive Eindrücke beim Lesen hinterlassen. Einziges Manko: Die Geschichte konnte sich mir nicht wirklich erschließen. Dies klingt zwar nach einem Widerspruch, zeigt aber zumindest daß Alexander Grin weiß, wie man den Leser bei der Stange hält.
Als zweites folgt Stephen Gilbert’s „Aufstand der Ratten“. In diesem Buch erreicht der Hauptdarsteller, daß ihm eine nicht unerhebliche Anzahl Ratten gehörig sind und seinen Befehlen nahezu fehlerfrei folgen. Durch seine beruflichen und allgemeinen Probleme setzt er diese immer mehr zu räuberischen Tätigkeiten ein, was zu einem gewissen Reichtum führt, jedoch den Weg zu seinem ersten befohlenen Mord führt. Dieses Thema spitzt sich immer mehr zu bis…..
Stephen Gilbert schuf hiermit einen Plot, der nicht nur spannend zu Lesen ist sondern auch zeitweise eine sehr interessante Beziehung zwischen dem Leser, dem Hauptakteur sowie den Ratten schafft. Dieser Roman befriedigt jeden Horrorleser und ist allein schon das Geld für diesen günstigen Rattensammelband wert.
Weiter geht es dann mit „Tod durch Ratten“ von Harald Howart, in dem ein Wissenschaftler durch seine Gehirnforschungen an Ratten ebenfalls die Kontrolle über zumindest eine Ratte erhält. Nachdem er jedoch von seinem Professor als Scharlatan verhöhnt wird und sowieso nicht gerade angesehen war, verliert er sich in klassische Rachegedanken und setzt hierzu mörderisch seine von ihm gesteuerte Ratte ein. Dieser Roman strotzt ebenfalls vor Spannung und lässt sich in beinahe einem Zug durchlesen, da man diese Geschichte nicht mehr loslassen kann. Einziges Manko an diesem Roman ist der absolut plötzliche Schluß, der sich so schnell und endgültig darlegt, daß man das Gefühl hat es würden noch ein paar Seiten fehlen oder der Autor wurde beim Schreiben gestört und musste sofort damit aufhören. Schade eigentlich, da man ansonsten nichts negatives über diese Geschichte sagen könnte.
Als letztes folgt noch eine recht kurze Geschichte von Hans Joachim Alpers mit dem Titel „Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich“, in dem jemand Briefe von seinem bereits vor mehreren Jahren verstorbenen Freund erhält und bei dessen Lektüre in einen mystischen und wahnsinnigen Strudel gerissen wird. Mehr kann man über den Inhalt nicht sagen, da man sonst etwas zuviel verraten könnte. Es ist auf jeden Fall ein sehr guter Abschluß dieses Buches, da diese Kurzgeschichte in der Spannung und Eingängigkeit in nichts den anderen nachsteht.
Somit hat der area-verlag erneut ein sehr gutes Näschen für spannende Geschichten bewiesen, die sich in diesem Fall zumindest überwiegend über ein Thema ranken.
Schadet nicht, damit die Horror-Sammlung des area-verlages zu erweitern.
JS/14.10.04

Philip José Farmer: Die Verkörperung des Bösen / Ausser Atem / Fleisch

c 2005 by area verlag gmbh, Erftstadt
Titel der Originalausgaben:
Die Verkörperung des Bösen: The Image of the Beast
Ausser Atem: Blown
Fleisch: Flesh
Übersetzung von Ronald M. Hahn

COVER:

Ein “Exorzismus in drei Ritualen” – drei erotische Fantasy-Romane von Philip José Farmer.

Sie gelten als die Enfants terribles des Science-Fiction-Genres: die Episoden um Detektiv Herald Childe, der einer grausamen Horde Außerirdischer anheimfällt, und die Abenteuer des Sonnenhelden Peter Bock, der in einem Fruchtbarkeitsritual unversehens zum Sexprotz mutiert..
Ende der sechziger Jahre erschienen, gehören die drei legendären Romane Philip José Farmers bis heute zu den Klassikern der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur und bestechen nach wie vor durch verblüffende Tabu- und Respektlosigkeit genauso wie hintergündigen Humor und Satire.

REZENSION:

Der Band “Fleisch” der Fantasyreihe des Area-Verlages beinhaltet die drei Romane “Die Verkörperung des Bösen”, “Ausser Atem” und “Fleisch” von Philip José Farmer aus den Jahren 1968 und 1969.
Diese Jahreszahlen sollte man sich noch mehrmals auf der Zunge zergehen lassen, denn Farmer erzählt in einer brutalen und schamlosen, sowie vor sexuellen Eskapaden strotzenden Art und Weise, wie es für diese Zeit sicherlich noch nicht üblich wahr. Es gibt bestimmt genug Menschen in der heutigen Zeit, die damit noch Probleme haben würden.
Viele würden dieses Werk somit schlicht und einfach als Pornographie abtun und in dieser Ecke abstellen. Dies würde jedoch weder dem Autor noch den Geschichten gerecht werden.
“Die Verkörperung des Bösen” und “Ausser Atem” sind zwei zeitlich aufeinander folgende Episoden im Leben des Detektivs Herald Childe, der sich auf der Suche nach Mördern durch so ziemlich alles schlagen muss, was man einem nur entgegensetzen kann: Außerirdische, abgrundtiefe Bosheit, sexuelle und orgiastische Ausschweifungen, Vampire, Wolfsmenschen, und und und.
Und ich muss uneingeschränkt sagen: Diese Tour macht irre Spass!!
Herald Childe ist ein Mensch wie du und ich – bzw. wie ein John McClane in “Stirb langsam”: zur falschen Zeit am falschen Ort.
Philip José Farmer erzählt rasend schnell und trotzdem eingängig, sehr detailliert und glaubhaft. Seine mit einer übertriebenen Offenheit dargelegten sexuellen Abgründe sind sehr regelmäßig aber auch geschickt und passend in die Erzählstränge eingebaut und legen sich problemlos zur Handlungsauflösung gehörend dar.
Man fühlt sich wie auf einer durchgeknallten Geisterbahn, bei deren Ausfahrt man mit offenem Mund herauskommt und nur noch ein “WOW!” ausstossen kann.

Ein kleines Manko muß ich lediglich trotz der Lobpreisungen loswerden:
Erstens ist man bei dieser Tour de Force sehr stark auf die Figur Herald Childe fixiert (was sicherlich auch an der erzählerischen Qualität des Autors liegt), der leider bei der dritten Geschichte nicht mehr mitspielt, da diese eine Science-Fiction-Story losgelöst der vorangegangenen Romane darstellt.
Dadurch verspürt man eine gewisse Enttäuschung, die sich durch die nicht mehr so stark überzeugende dritte Geschichte auch leider nicht mehr gänzlich abstreifen lässt. Ich denke, hier wäre weniger mehr gewesen und es hätten die beiden Episoden um Herald Childe als Doppelband sicherlich auch gereicht.
Zweitens fehlt mir ein wenig der Bezug zur Fantasy und ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Area-Verlag diese Romane unter dem Label Area-Fantasy veröffentlicht. “Fleisch” ist Science-Fiction und die beiden genialen Romane um Herald Childe spielen in der “heutigen” Zeit und sind nach meinem Empfinden eher in die mystische Thrillerecke mit Horrorelementen einzuordnen. Ich bin zwar kein großer Freund zu detaillierten Schubladendenkens, aber in diesem Fall befindet sich die Leserschaft wohl eher in der “grausamen” Ecke. Somit hätte ich mir diesen Band auch ganz gut in der Horror-Reihe des Area-Verlages vorstellen können.
Ich möchte aber nun die Qualitäten dieses Buches nicht schmälern und finde, dass es einen Buchtipp des Monats verdient hat. Diesen “Preis” verleihe ich aber ausschließlich den beiden Herald-Childe-Romanen!
Aber Vorsicht: Man muß ein sehr aufgeschlossener Leser sein, um dies alles ohne Probleme zu verkraften….;-)
Jürgen Seibold/01.01.2006

Will Elliott: Hölle

Originaltitel: The Pilo Family Circus
Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch
c 2008 Will Elliott
c der deutschsprachigen Ausgabe:
2008 Piper Verlag GmbH, München
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
ca. 388 Seiten / € 9,95

COVER:

Als Jamie eines Nachts beinahe einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seiner Motorhaube auftaucht, ist nichts mehr, wie es war. Jamie erhält unheimliche Drohungen, und eine Horde mordgieriger Geschöpfe in Clownskostümen macht Jagd auf ihn. Die Clowns entführen Jamie in den Pilo-Zirkus, eine bizarre, jenseitige Welt, beherrscht von unheimlichen Akrobaten, Zwergen, Freaks und Wahrsagern. Ein geheimnisvolles Pulver erfüllt jeden Wunsch, und auch Jamie verfällt ihm. Doch wer es einnimmt, wird zum erbarmungslosen Killer. Wenn Jamie dieser Hölle entkommen will, muss er nicht nur den Zirkus zerstören, sondern auch seinen größten Feind besiegen – die eigene dunkle Seite …

REZENSION:

„Hölle“ von Will Elliott handelt von einem latent durchgeknallten Typen, der von wirklich durchgeknallten Clowns (?) entführt und in einen kuriosen Zirkus verschleppt wird. Aus diesem Zirkus – der sich wie eine parallel vorhandene Welt darstellt – kommt man nur sehr schwierig wieder heraus. Es ist lediglich einigen zuverlässigen Clowns kurzzeitig gestattet, an die „Oberfläche“ zu kommen, wenn sie dort einige zwiespältige Aufträge erledigen.
Dies klingt alles irgendwie irre und verrückt – und genauso ist dieses Buch. Hier ist nichts, wie man es sonst aus anderen Werken kennt – man ist beim Lesen nicht sicher, dass man umblättert, weil die Geschichte fesselt oder weil man eventuell selbst verrückt ist. Tja, vielleicht bin ich ebenfalls verrückt, denn ich konnte während der Lektüre niemals sagen, dass dieses Buch gut ist – irrerweise hat es aber trotzdem dafür gesorgt, dass ich aus Interesse am Geschehen weiterblätterte, weiterblätterte und weiterblätterte…
Am Ende konnte das Buch nur bestätigen, was ich bereits vorher dachte: Eine absolut verrückte Story!
Durch diese abgedrehte Irrsinnigkeit ist man jedoch aus unerfindlichen Gründen daran gefesselt und man verfolgt beinahe gedankenfrei eine irrwitzige, ironische, blutige und teils horrorhafte Geschichte über einen Zirkus, dessen Hintergründe noch etwas mehr beleuchtet hätten werden können.
Dies ist somit eins der ersten Bücher, bei dem ich nicht sagen kann, ob es mich begeistert oder schlicht abgestoßen hat – ein sehr sehr interessantes Phänomen war es jedoch uneingeschränkt.
Ich persönlich würde es empfehlen, kann mir aber auch gut vorstellen, dass mir daraufhin einige Personen am liebsten das Buch an den Kopf schmeißen würden.
Jürgen Seibold/18.01.2010

Marc-AlastorE.-E.: Die Kinder der fünften Sonne (Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik 3)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 334 Seiten

COVER:

Dilara erzählt ihrem Gefährten Calvin von ihrer Reise im ausgehenden 19. Jahrhundert, in der sie weltweit Informationen für Antediluvian sammelt. Längst weiß sie, daß der Ur-Nosferatu mehr über die mysteriöse Herkunft der Vampire weiß, und um seine Macht zu sichern, diese Kenntnisse für sich behält und Beweise vernichtet.
Als Dilara in Avignon den Auftrag erhält, ein uraltes Dokument aus den geheimen Archiven des Vatikans zu stehlen, und zugleich erfährt, daß offenbar die Rosenkreuzer ebenfalls an dem Manuskript interessiert sind, ahnt sie, daß es ein letzter Schlüssel zu allen Geheimnissen sein könnte.
Nicht ganz freiwillig steht ihr die bezaubernde Rosenkreuzerin Gelophee Roche zur Seite, und so beginnt eine unweigerliche Irrfahrt, die Dilara durch Zweifel, Lug und Trug geradewegs zu einer unliebsamen Gewißheit führt…

REZENSION:

Im dritten Band der Schattenchronik um die Vampirin Dilara begleiten wir die Hauptakteurin in das ausgehende 19. Jahrhundert.
Gleichzeitig ist es der erste Beitrag zur Schattenchronik von Marc-Alastor E.-E., der dieser Serie einen interessanten Stempel aufdrückt. Man merkt sehr deutlich, dass Marc-Alaster sich durch sehr detaillierte Recherchetätigkeiten selbst in diese Zeit begeben hat und neben dem Einfügen von interessanten Personen in Nebenrollen (Renoir / Monet) nicht nur der uns wohl mittlerweile ans Herz gewachsenen Dilara sehr viel Tiefe verleiht, sondern auch den Sprachgebrauch der damaligen Zeit in einer schönen Art und Weise in das Geschehen einflechtet. Dadurch taucht man als Leser hinab in dieses ausgehende Jahrhundert und spürt förmlich den Hauch der Zeit.
Beinahe nebenbei erzählt er eine weitere Episode aus dem Leben Dilaras und geht dabei sehr virtuos in einen langsam aufgebauten Spannungsbogen, der den Leser neben den zeitlichen, interessanten Geschehnissen auch noch an die Seiten bindet.
Er erschuf neue, sehr lebendige Figuren und lässt diese tiefgründig im Umfeld der Vampirin aufleben.
Durch diesen Band merkt man sehr deutlich, dass die Figur Dilara immer mehr an Leben gewinnt und man die weiteren Folgen beinahe nicht mehr erwarten kann.
Marc-Alastor E.-E. ist hiermit nicht nur eine kolossale Gothic-Novelle gelungen – nein, er legt die Latte auch noch ein klein wenig höher und zeigt, welches kreative Potenzial unsere Autoren haben. Nebenbei merkt man, dass der Blitz-Verlag ein sehr geschicktes Händchen beim Auswählen seiner Autoren hat und wir sicherlich noch mit mehreren Blockbustern im Leben der Vampirin Dilara zu rechnen haben.
Wir können uns somit nur überraschen lassen…
Jürgen Seibold/24.01.2006

Jim Butcher: Grabesruhe – Die dunklen Fälle des Harry Dresden

Originaltitel: Grave Peril
Übersetzung: Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe September 2007
c 2001 by Jim Butcher
c 2007 für die deutschsprachige Ausgabe bei Knaur Taschenbuch
ca. 490 Seiten / € 8,95

COVER:

Eigentlich hat Harry Dresden eine Pause verdient – immerhin musste er sich schon mit gigantischen Skorpionen, heimtückischen Vampiren und hungrigen Werwölfen anlegen. Aber das kommt davon, wenn man nicht nur als Privatdetektiv, sondern auch als einziger Magier der Stadt im Telefonbuch steht. Doch bevor Harry zur Ruhe kommen kann, taucht eine neue Bedrohung auf: Immer mehr Geister verlassen ihr Grab, um die Lebenden heimzusuchen. Und eins haben die Opfer gemeinsam: Sie kannten Harry…

REZENSION:

Es gibt gewisse Veröffentlichungen, die im Laufe der Jahre nicht durch ihre Qualität oder einem literarischem Anspruch geglänzt haben – trotzdem aber zu absolutem Kult geworden sind. Man nehme nur die Groschenromane eines John Sinclair oder die umfangreiche Hexer-Reihe, die einen Hohlbein erst zu dem gemacht hat, wofür er heute steht.
Viele fragen sich zu recht, warum solche – zumeist als trivial bezeichnete – Werke jedem bekannt sind und sogar als sehr wichtig eingestuft werden. Meiner Meinung nach aus lediglich einem Grund: Sie dienen der absoluten Unterhaltung und man kann auf leichte Weise abschalten, den Alltag vergessen und sich einfach von einer Geschichte in einem bestimmten Genre treiben lassen.
Genau in diesen Bereich fallen auch die Fälle des Harry Dresden mit denen uns der Autor Jim Butcher konfrontiert. Auch hier ist es unsinnig über Literatur oder Hintergründe zu sprechen. Genauso wenig wie über zu viel klischeebehafteter Inhalt oder der allgemeinen Frage: “Warum liest du sowas?”.
Vielmehr führt uns Jim Butcher ebenfalls in die Welt der schlichten Unterhaltung und sorgt damit für eine spannungsgeladene Auszeit in den Wirren und Ärgernissen des Lebens. Und dies macht er auch noch verdammt gut, in dem er einen beinahe verrückt zu nennenden Hauptdarsteller loslässt, dessen Charakterzüge so geschickt aufgebaut sind, dass sich ein Leser mit Leichtigkeit hineinversetzen kann. Jim Butcher spielt dabei mit allen bekannten Versatzstücken des Horros und scheut auch nicht davor, Werwölfe, Zombies und was es sonst noch so gibt, los zu lassen. Dadurch entsteht zwar nichts neues – macht einem als Kenner des Genres aber trotzdem sichtlich Spaß und sorgt mit spielerischer Leichtigkeit für die notwendige, oben genannte Auszeit.
Unterhaltungsliteratur soll unterhalten – und das schafft Jim Butcher einwandfrei, womit seine Reihe um Harry Dresden mit Sicherheit auch das Zeug zum zukünftigen Kultstatus hat.
Jürgen Seibold/19.05.08

William Peter Blatty / David Seltzer / Ira Levin: Der Exorzist / Das Omen / Rosemaries Baby

William Peter Blatty, Der Exorzist
Originaltitel: The Exorcist
Übersetzung: Joachim Honnef
Lizensausgabe mit Genehmigung der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co.KG, Bergisch Gladbach für Area Verlag GmbH, Erftstadt

David Seltzer, Das Omen
Originaltitel: The Omen
Übersetzung: Ernst Heyda
Lizensausgabe der Area Verlag GmbH, Erftstadt

Ira Levin, Rosemaries Baby
Originaltitel: Rosemary’s Baby
Übersetzung: Herta Ballig
Lizensausgabe der Area Verlag GmbH, Erftstadt
c der dt. Übersetzung: Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

COVER:

Dieser Sammelband vereint mit “Das Omen”, “Der Exorzist” und “Rosemaries Baby” erstmals die Kultklassiker des Horrorgenres.

David Seltzers “Das Omen” schildert die Wiedergeburt des Antichristen in der Person eines kleinen Jungen. Damien Thorn, der Sohn des Teufels, hat sein Werk begonnen, und die dunkle Prophezeiung vom Ende der Menschheit beginnt sich zu erfüllen …

In William Peter Blattys “Der Exorzist” ist das junge Mädchen Regan besessen von einem unerklärlichen Dämon. Rätselhafte Dinge passieren, Gegenstände verschwinden, und ein mysteriöser Mord geschieht, und nur einer kann helfen: der Exorzist …

Ira Levins “Rosemaries Baby” erzählt die Geschichte von Rosemarie und Guy Woodhouse, die kurz nach dem Einzug in ihre Traumwohnung in einem alten New Yorker Mietshaus feststellen, daß Rosemarie ein Baby erwartet. Zunächst können sie ihr Glück kaum fassen, bis sich herausstellt, daß der Teufel seine Hand im Spiel gehabt hat …

REZENSION:

Der Area-Verlag legt mit diesem Buch eine schön aufgemachte Möglichkeit vor, in der sich einige der Klassiker der Horrorliteratur befinden. Alle drei beinhalteten Romane sind unwahrscheinlich spannend und für jeden Liebhaber eine Pflichtlektüre.
Die Geschichten sind jedem bestimmt zumindest aus den Filmen bekannt, erreichen aber als Roman eine viel stärkere Dichte und einen Spannungsbogen, der bei allen drei Romanen zum Umblättern zwingt. Es ist somit eine sehr günstige Möglichkeit zur Erweiterung des Horror-Buchregals und wird auch keinen Leser dieses Genres enttäuschen.
Der Exorzist und Das Omen waren für mich die Inbegriffe des Horrorfilms und sind als Buch dementsprechend spannend und weitaus besser erzählt als die Filme. Das gleiche trifft auch für Rosemaries Baby zu, das ja auch sehr stark an der literarischen Vorlage orientiert verfilmt wurde.
Erstaunlich ist, daß diese Bücher noch immer einen Gänsehauteffekt beim Leser hervorrufen, obwohl ja mittlerweile die zeitlichen Rahmen- und Erzählbedingungen sich erheblich gewandelt haben.
Es kann also nicht schaden, sich mit den Originalen in eine ruhige Ecke zu setzen und den Schauer über den Rücken kriechen zu lassen. Sie werden manchmal sehr über das normalerweise vorgeschriebene „Happy-End“ überrascht sein.
Aber Vorsicht: In diesem Buch steckt im Wahrsten Sinne des Wortes der TEUFEL….
Jürgen Seibold/14.01.04

Alisha Bionda & Jörg Kleudgen: Der Schattenkelch ( Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik 5)

c 2006 by Blitz-Verlag GmbH
ca. 220 Seiten / € 9,95

COVER:

London, 2006
Nach Antediluvians Ende kehren Dilara und Calvin in das Haus in der Park Lane zurück, während die Vampire Londons um die Vorherrschaft kämpfen. In einer Fernsehsendung wird eine Frau erwähnt, die der scheinbar im Feuer vergangenen Mondgöttin Coyolxa verblüffend ähnlich sieht. Ihr Ziel ist es den Schattenkelch, der ewiges Leben verheißt, zu finden. Dies will Dilara mit Calvins Hilfe verhindern. Ihre abenteuerliche Suche – die durch das Lichtwesen Methalumina erschwert wird – endet in dem alten französischen Zigeunerwallfahrtsort Les Saintes Maries-de-la-Mer. Wird es Dilara und Calvin gelingen den geheimnisvollen Kelch zu finden?

REZENSION:

Dieser Rezension sei vorausgeschickt dass ich die vorherigen Bände der Serie nicht gelesen habe und so die Erwartungshaltung von Fans der Serie sicherlich eine andere ist, als die mit der ich an dieses Buch herangegangen bin.
Was man dem Verlag und der Serie lassen muss, die Cover sind wirklich sehr schön gestaltet und passend zur Geschichte, an der hapert es aber leider ein wenig.
Der Gedanke dem Vampirgenre eine “Frischzellenkur” zu verpassen ist allgemein ja immer ein guter Gedanke, Poppy Z. Brite (inzwischen ja auch schon eher ein “Klassiker”) oder Laurell K. Hamilton haben bewiesen dass man nicht nur unterhaltsame sondern auch moderne “Spitzzahn”- Geschichten schreiben kann, die sich nicht in den angestaubten Klischees eines Bram Stoker oder der zu ausufernden Detailfülle einer Anne Rice verlieren.
In diesem Buch hier ist von dem einen zu viel, von dem anderen zu wenig.
Der Einstieg selber in die Geschichte um Hauptheldin Dilara fällt nicht schwer (auch dank einer kurzen Zusammenfassung am Anfang), sich an den Schreibstil zu gewöhnen schon. Der schwankt von betont locker bis zu extrem steif, oftmals sogar in einem Satz, so dass man sich fragt: weiß da grad die eine Hand nicht was die andere geschrieben hat? Eher träge und spannungsarm fließt die Geschichte voran, auch der Wechsel zwischen den Zeiten (1914 & 2006) bringt nicht viel Auflockerung. Neue Ideen sucht man hier vergeblich, alles schon einmal gelesen. Das wäre ja gar nicht mal so schlimm – gut kopiert ist manches Mal unterhaltsamer als das Original – wenn die Autoren nicht der Meinung wären jedes – aber auch wirklich jedes – Vampir- und Horrorklischee mitnehmen zu müssen. Angefangen von den stereotypen Charakteren (als Beispiel sei nur die Vorstellung der Gäste der Seance – Szene genannt…), über teils wirklich nur noch lächerliche Namen ( der Vampirclan “Cemeteries”) bis hin zu dem Versuch das Niveau zu heben indem man ab und an geografische und aktuelle Bezüge hineinstreut. Leider wirken die so blutleer wie die Opfer der Haupthelden, mal schnell bei Wikipedia gekuckt und das war’s. 
Sehr schade… aber nun ja vielleicht wird der 6. Band ja besser?
Marie-Luise Führ für Hysterika/05.03.2008

Alisha Bionda & Jörg Kleudgen: Blutopfer (Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik 4)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 250 Seiten

COVER:

Aztlan, 1891
Dilara gerät bei einer Forschungsreise nach Aztlan, der Urheimat der Azteken, in den dort entbrannten Blumenkrieg und begegnet in einem Knochentempel der mächtigen, verführerischen Mondgöttin Coyolxa, die sich von der Qual und dem Schmerz ihrer Opfer ernährt. Dilara fühlt sich mit ihr sonderbar “vertraut”.

London, 2005
Eine im British Museum ausgestellte aztekische Mumie weckt Erinnerungen in Dilara, die darauf hindeuten, daß ihre Herkunft mit den Göttern der Azteken verbunden ist. Kurz zuvor sind die Vampirin und Calvin in den Besitz der Schattenchronik gelangt. Dilaras altes “Ich” läßt sie immer blutrünstiger werden und stärkt ihr Mißtrauen. So fragt sie sich, wer Calvin wirklich ist, welchem Orden er angehört, und welche Ziele Guardian verfolgt.
Bevor Dilara eine Antwort auf ihre Fragen erhält, nehmen die Geschehnisse eine überraschende Wende.

REZENSION:

Im Wechselspiel der unterschiedlichen Zeiten wird im vierten Band der Schattenchronik das Leben und die Erlebnisse der Vampirin Dilara weiter vorangetrieben.
Im letzten Band wurde – wie von mir bereits beschrieben – die Latte durch den Autor Marc-Alastor E.E. sehr hoch gelegt und auch der Serie sehr viel vorher nicht vorhandenes Leben eingehaucht.
Der nun vorliegende Band “Blutopfer” entstand aus der gemeinsamen Feder von Alisha Bionda und Jörg Kleudgen. Dieses Autoren-”Paar” scheint sich im wahrsten Sinne des Wortes gesucht und gefunden zu haben: Viel zu gut scheinen sie sich in der weiteren Erzählung dieser Geschichte zu ergänzen und man spürt förmlich den Herzschlag Dilaras weiter durch die Zeit vor zu dringen.
Erneut ist man als Leser an das Leben und Wirken Dilaras gebunden und es entwickelt sich mehr und mehr eine umfassende Chronik, wie es schon länger nicht mehr zu sehen/lesen war.
Sicherlich hat Marc-Alastor E.E. die Latte etwas höher als die beiden vorliegenden Autoren gelegt – nichts desto trotz fehlt an diesem Anspruch nicht viel und ich denke, Alisha Bionda und Jörg Kleudgen werden der Weitererzählung dieser Chronik mehr als gerecht und können es mit Sicherheit auch in den von ihnen bereits geschriebenen oder noch zu schreibenden Folgebändern schaffen, die Atmosphäre dieser Serie weiter pulsieren zu lassen und somit den Leser an den weiteren Geschehnissen nicht nur teilhaben, sondern auch mit erleben zu lassen.
Jürgen Seibold/02.06.2007

Alisha Bionda: Kuss der Verdammnis (Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik 2)

c 2005 by BLITZ-Verlag GmbH
ca. 246 Seiten

COVER:

1601: Dilara, der Hexerei beschuldigt, soll im Londoner Hyde Park an den Tyburn Gallows hingerichtet werden. Auf der Schwelle zum Tod wird sie durch Antediluvian, den Ur-Nosferatu, der sie für seine Zwecke nutzen will, durch den Kuß der Verdammnis zur Unsterblichen.

2005: Dilara hadert mit ihrem Dasein als Vampirin. Sie verspürt Mißtrauen Antediluvian gegenüber und vermutet, daß er sich ihrer entledigen will, seitdem sie ein Gespräch des Rates der Nosferati, der sich in den Katakomben unter dem Glockenturm des Big Bens versammelt, belauscht hat.
Dilara trifft auf den jungen Calvin, den sie zu einem ihresgleichen macht und auf den geheimnisvollen Roderick Herrington. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu diesen unterschiedlichen Männern, wächst Dilaras Ambivalenz immer mehr. Und die Frage nach dem Sinn ihres unvergänglichen Lebens…

REZENSION:

Die neue Serie “Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik” startete ja bereits sehr erfolgreich als Kurzgeschichtensammlung, enthielt jedoch mit der darin enthaltenen Kurzgeschichte “Schattenchronik – der ewig dunkle Traum” von Wolfgang Hohlbein lediglich einen Vorgeschmack auf die vorgesehene weitere Entwicklung um die Vampirin Dilara.
Der Inhalt von “Der ewig dunkle Traum” war bereits sehr gut ausgewählt, spannend erzählt und konnte absolut überzeugen.
Mit “Kuss der Verdammnis”, dem zweiten Band dieser Serie, legt die Autorin Alisha Bionda jedoch noch einen drauf.
Nach Wolfgang Hohlbeins Aperitif wird hiermit der nächste, umfangreichere Gang eingeläutet. Dieser liegt erfreulicherweise in Romanlänge vor, wodurch sich das Leben Dilaras erheblich tiefgehender und facettenreicher vor dem Leser ausbreitet.
Die Geschichte handelt von Dilara, die 1601, der Hexerei beschuldigt, im Londoner Hyde Park gehängt wird und auf der Schwelle zum Tode von dem Ur-Nosferatu Antediluvian durch den Kuss der Verdammnis in die Unsterblichkeit geführt wurde.
Der überwiegende Erzählrahmen in Alisha Biondas Werk spielt jedoch in unserer Zeit, dem Jahre 2005. Wie so oft in Büchern dieser Art bzw. dieses Themas hadert auch Dilara mit ihrem Schicksal und verspürt auch immer mehr Mißtrauen gegenüber ihrem Schöpfer Antediluvian. Neben ihrer Liebe zu dem jungen Calvin versucht sie auch die Hintergründe zur alten, sagenumwobenen Schattenchronik – in der sich ein Bildnis von ihr befindet – zu ergründen.
“Kuss der Verdammnis” ist relativ ruhig und ohne extreme Spannungsspitzen aufgebaut. Dies schadet dem Buch aber in keiner Weise da Alisha Bionda eine – in alter Tradition – gleichmäßige mysteriöse und dunkle Stimmung aufbaut, die sich durch das ganze Buch zieht.
Ganz nebenbei öffnet Alisha Bionda geschickt mehrere Truhen voller Fragen, die in diesem Buch leider teilweise nicht beantwortet werden und somit den Leser zwar teils unbefriedigt aber auch nach dem nächsten Buch lechzend zurücklässt. Nun, das ist nun mal Sinn und Zweck einer Serie und ich gehe davon aus, dass sich irgendwann innerhalb der nächsten Bände diese Truhen auch wieder schließen lassen.
Durch die mittlerweile fast vorherrschenden Mainstream-Vampire (z.B. Lestat) ist mit diesem Buch (und vielleicht der ganzen Serie??) endlich mal wieder ein Schritt in die richtige Richtung unternommen worden.
Ich kann somit nur eine Empfehlung aussprechen.
Jürgen Seibold/01.08.05

Ines Binnemann & Oliver Baglieri: Der Gayal

u-books-Verlag, Augsburg

COVER:

Ein Vampir auf der Flucht vor seinem Verfolger – doch über beiden liegt ein dunkles Geheimnis. Eine alte Legende zieht sie in ihren Bann, und sie geraten in einen Strudel verhängnisvoller Ereignisse.

In der besten Tradition gothischer Schauerromane gelingt es den Autoren, die Leser mit einer ungewöhnlichen Verfolgungsjagd zu fesseln, deren überraschende Wendungen die Spannung fast ins Unerträgliche steigern.
Gerald Axelrod

REZENSION:

Nach dem sehr guten Buch „Ewiges Blut“ von Simon Rhys Beck, fand ein weiterer Vampirroman den Weg über meine Schwelle.
Wieder einmal bin ich über die Schaffenskraft der leider unbekannten Autoren im deutschen Untergrund der schreibenden Zunft erstaunt.
Der Gayal erzählt die Geschichte eines Vampirs und seines Jägers. Wie so oft, schenkt man auch bei diesem Roman dem Vampir sein Herz – obwohl diese doch eigentlich blutdurstig durch die Welt streifen.
Es ist in diesem Buch erstaunlich interessant zu verfolgen, wie sich der Jäger und der Gejagte voller Hass verfolgen und trotzdem eine Verbindung teilen, die sich erst spät auflöst und dem Leser eine glaubwürdige, interessante Wendung der Geschichte bietet.
Der Gayal ist eine klassische Schauergeschichte, die spannend erzählt wurde und mir erneut zeigt, welches Potenzial im „Underground“ steckt und warum ich mir soviel Mühe mit meiner Website mache.
Nur weiter so!!
Jürgen Seibold/13.07.03

Peter Benchley: Beast – Schrecken der Tiefe

Verlag Ullstein GmbH, Berlin, Frankfurt/M. 1992
vorliegendes Exemplar: Lizenzausgabe für die Bertelsmann Club GmbH, Buch Nr. 06661 3

COVER:

Vor Bermuda kentert ein Segelboot. Das junge Paar auf dem Rettungsfloß wähnt sich bereits in Sicherheit. Die Wettervorhersage ist gut, und die Notsignale werden sicher irgendwo gehört. Doch dann macht sich Angst breit.
Nicht ohne Grund. Unter dem Rettungsboot rührt sich etwas. Etwas Unglaubliches, Urtümliches, Riesenhaftes…
Peter Benchley, Autor des Welterfolges “Der weiße Hai”, hat mit “Beast” sein bisher aufregendstes Hochsee-Abenteuer geschrieben. Held dieses faszinierenden Romans ist Whip Darling, der seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit dem Fischen rund um Bermuda bestreitet. Eines Morgens entdeckt Whip Darling das leere Rettungsboot, das auf den Wellen dahintreibt. Es gibt keinerlei Anzeichen, daß ein Kampf stattgefunden hätte – bis auf ein paar seltsame Kratzspuren und einen eigenartigen, strengen Ammoniakgeruch.
Die unerklärlichen Ereignisse häufen sich. Stahltrossen eines Fangkäfigs scheinen glatt durchgebissen.
In Sichtweite des Ufers explodiert ein Boot aus offenbar unbegreiflichen Gründen. Eine Frau, die mit einem Teleskop Wale beobachtet, will ein Ungeheuer gesehen haben. Panik bricht aus. Hat die Zerstörung der Meere durch den Menschen eine sagenhafte Kreatur aus der Tiefe heraufgetrieben? Ein Ungeheuer von riesigen Ausmaßen und so unersättlich, daß es töten wird, bis es selbst getötet ist?
Sensationsgierige Geschäftemacher und Journalisten treibt es an den Ort des unheimlichen Geschehens. Das ruft die US-Navy auf den Plan. Sie sorgt sich um die Sicherheit ihrer Sonaranlagen, denn schließlich sind die Gewässer um Bermuda NATO-Gebiet…
Die Jagd auf das Ungeheuer beginnt.

Peter Benchley stammt aus einer angesehenen amerikanischen Literaten-Familie. Als Reporter der Washington Post machte er sich einen Namen und schrieb später Reden für US-Präsident Lyndon B. Johnson. Seine Forschungsarbeiten über Haie regten ihn schließlich an, den “Weißen Hai” zu schreiben. Benchley ist Autor weiterer Bucherfolge wie z.B. “Das Riff”, “Der Berg der Fische” und “Q-Clearance – Streng geheim”.

REZENSION:

Man nehme den früheren Erfolgsroman, wartet ein paar Jahre, vermischt dies alles nochmal und tauscht den Hai gegen ein anderes großes Untier aus – somit hat man eine vermeintlich “neue” Geschichte und man kann damit wieder Geld verdienen.
Ich habe mir das Buch vor einigen Jahren geleistet und ärgere mich immer noch darüber.
Die schreiberisch sehr gelungene Geschichte mit dem großen bösen Hai ist sehr gut und spannend erzählt.
Dadurch ist dieses Buch auch gut erzählt – wie gesagt: Ist aber nichts anderes als “Der weiße Hai” mit einem anderen Tier.
Jürgen Seibold/29.08.03

Peter Benchley: Der weiße Hai

Verlag Ullstein GmbH
vorliegendes Exemplar: Bertelsmann Reinhard Mohn OHG, Gütersloh
Buch Nr. 5457

COVER:

Mittelpunkt dieses packenden Romans ist ein riesiger weißer Hai, der lautlos und unerwartet an den Stränden von Long Island auftaucht und die Einwohner des kleinen Badeortes Amity in Furcht und Schrecken versetzt. Eine junge Frau, die nach einer heißen Partynacht Abkühlung im Meer sucht, ist sein erstes Opfer. Am nächsten Morgen werden Kopf und Brustkorb, von Seetang umschlungen, an den Strand gespült.
Polizeichef Martin Brody erkennt als einziger die Gefahr. Zwar sind Haie in dieser Gegend und um diese Jahreszeit ungewöhnlich, doch sein Entschluß steht fest: Um weiteres Unheil zu verhindern, müssen die Strände geschlossen werden. Aber Amity lebt von seinen Sommergästen, und eine schlechte Saison bedeutet Armut und Not für alle. Unter dem Druck der Geschäftsleute und des Bürgermeisters muß Brody nachgeben, und der Unglücksfall wird verschwiegen. Doch dieser Leichtsinn bleibt nicht ohne Folgen; ein sechsjähriger Junge und zwei Männer sind die nächsten Opfer des menschenfressenden Ungeheuers.
Eine Welle der Hysterie erfaßt Amity. Die Nachrichten, die sich mit Windeseile im ganzen Land verbreiten, wecken die Sensationslust und locken Neugierige herbei. Der Strand wird von Reportern und Schaulustigen belagert. Es gibt nur einen Ausweg – der Riesenhai muß gefangen werden. Die drei Männer, die sich in dieses Abenteuer stürzen, stehen aif verlorenem Posten. Es ist die Jagd nach einem Phantom – ein Kampf um Leben und Tod beginnt…
Der Roman erreicht einen Höhepunkt, der an Spannung und Dramatik seinesgleichen sucht.
Peter Benchley, 1940 als Sohn des Romanciers Nathaniel Benchley und Enkel des Humoristen Robert Benchley in New York geboren, ist mit seinem ersten Roman auf Anhieb der Sprung in die Reihe der Bestseller-Autoren gelungen. “Der weiße Hai” erschien zu gleicher Zeit außer in den USA und Japan in acht europäischen Ländern. Die Verfilmung des Buches, die in Amerika einen noch größeren Erfolg hatte als “Der Pate” und “Der Exorzist”, ist auch schon in Deutschland angelaufen.

REZENSION:

Wer kennt diese Geschichte nicht?
Aus diesem Grund wird das eine Kurzkritik:
Der Film von Stephen Spielberg ist genial und das dazugehörige Buch von Benchley ist ebenfalls genial. In diesem Buch zeigt Peter Benchley wozu er fähig ist. Die Geschichte ist unerträglich spannend und trotzdem mit viel hineingestreuten ironischen Stückchen geschrieben und kann gut als Beginn einer Ära verstanden werden. Ab da ging es mit vielen mehr schlecht als recht gemachten Büchern und Filmen weiter. Es schaffte nur keine an den Film, geschweige denn an das Buch.
Wer’s noch nicht kennt, sollte es lesen.
Jürgen Seibold/29.08.03

J.G. Ballard: Crash / Die Betoninsel / Der Block

Crash
Titel der englischen Originalausgabe: Crash
c 1973 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber

Die Betoninsel
Titel der englischen Originalausgabe: Concrete Island
c 1973 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm

Der Block
Titel der englischen Originalausgabe: High-Rise
c 1975 by J.G.Ballard
c 2004 der deutschsprachigen Ausgabe by area verlag gmbh, Erftstadt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm
 

COVER:

Schnellstraßen, Verkehrsinseln, Hochhäuser – alltägliche Erscheinungen der modernen Welt. Doch in den Erzählungen des britischen Erfolgsautors J.G. Ballard verwandeln sich vertraute Orte plötzlich in Schauplätze menschlicher Grausamkeit, Dinge des Alltags zu Symbolen unkontrollierbarer Triebe. Ballard beschreibt wie kein zweiter “die schrecklichen Möglichkeiten einer fortgeschrittenen Technologie und das rattenhafte Verhalten von Menschen, die in der Falle sitzen” (Financial Times)

Neben dem von David Cronenberg verfilmten “Crash” enthält dieser Band mit “Die Betoninsel” und “Der Block” zwei weitere packende Romane über den Horror der Zvilisation, mit denen Ballard Kultstatus erlangt hat.

REZENSION:

Erfreulicherweise hat wieder einmal ein Buch der schönen Horror-Reihe des Area-Verlages seinen Weg in meine Hände gefunden.
In diesem Fall handelt es sich um drei Romane eines einzigen Autoren: J.G.Ballard, der in diesem 900 Seiten starken Werk drei Romane vorlegt, die es wahrlich in sich haben.
Los geht es mit „Crash“, das bereits von David Cronenberg erfolgreich verfilmt wurde und (wie der Film) ein sehr kontroverses Werk ist.
Grundprinzipiell handelt dieser Roman schlicht gesagt von Sex. Dies wäre so ziemlich alles was man über diese Geschichte sagen könnte, wäre hier nicht der Umstand, daß es sich bei diesen sexuellen Handlungen nicht nur um Menschen handelt sondern auch noch PKW’s als sexueller Partner mit einbezogen werden. Dies schafft Ballard mit einer so intensiven Sprache, das man sich beinahe nach seinem Auto sehnt. Einzig der für den Menschen zerstörerische Akt dieser Beziehung lässt den Leser davon abhalten.
Man kann „Crash“ locker als Vorspiel betrachten, da diese Geschichte erstens nicht jedem gefällt und zweitens der Autor mit „Die Betoninsel“ eine wahre Perle der Horrorliteratur eröffnet. Allein für die geniale Idee müsste man als Autor sämtliche Literaturpreise erhalten.
Jeder kennt sie: Die Inseln – meist mit Unkraut und Gras bewachsen – zwischen den An- und Abfahrten der Autobahnkreuze.
Und auf genau so eine „Betoninsel“ verschlägt es den Protagonisten, als er beim zu schnellen Abfahren von der Autobahn die Kontrolle über seinen Wagen verliert und von der Straße abkommt.
Sein Problem: Er kommt nicht mehr davon weg da er verletzt wurde und die steile Böschung nicht mehr erklimmen kann. Nun sitzt er fest im Angesicht der oben vorbeirauschenden PKW’s, ohne bemerkt zu werden. Mehr sei nicht darüber erzählt, außer daß J.G.Ballard den Leser an die Seiten fesselt und sicherlich jeder ein wenig öfter auf die „Inseln“ herunter blickt – es könnte ja jemand Hilfe erwarten.
Als letztes hält Ballard der Menschheit in „Der Block“ einen Spiegel vor. Es geht hier um einen 40-stöckigen Block in dem sich die Bewohner mehr und mehr in Ober-, Mittel- und Unterschicht teilen und gegen die jeweils andere Schicht ankämpfen. Dies führt zur absoluten Anarchie und exzessiven Gewalthandlungen zwischen den Bewohnern bis hin zum totalen Zusammenbruch des normalerweise üblichen Miteinanders von Nachbarschaften. Ballard zeigt virtuos und deutlich, zu welchem viehischen Verhalten der Mensch neigt wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt oder sich in Gruppen zusammentut um andere Territorien zu erobern.
Ballard stellt dies alles glaubhaft, spannend und sehr interessant dar.
Alles in allem zeigt der Area-Verlag wieder einmal ein sicheres Händchen für hochwertige, extrem spannende Romane innerhalb dieser Reihe und hat ein großes Gespür für die richtige Reihenfolge der Geschichten.
Ich freue mich bereits sehr auf weitere Veröffentlichungen in dieser guten Horror-Reihe,
JS/06.10.04