Boone, Ezekiel: Die Brut – Das Ende naht

Originaltitel: Zero Day
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©2018 Ezekiel Boone
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-03584-7
ca. 395 Seiten

COVER:

Die Menschheit befindet sich am Rande der Ausrottung. Die zweite Welle der Spinnen ist größer, schwieriger zu töten und noch schrecklicher, denn die Tiere kommunizieren untereinander. Die verzweifelte Reaktion des Militärs lässt nichts mehr übrig, was man retten könnte. Doch da ist noch ein Fünkchen Hoffnung: Dem genialischen Erfinder Shotgun ist es gelungen, die Kommunikation der Spinnen zu dekodieren. Das stärkste Signal kommt von den Nazca-Linien. Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Melanie Guyer und ihrem Team mach er sich auf den Weg nach Peru. Doch werden sie es schaffen, diese fürchterliche Bedrohung zu bekämpfen, bevor es zu spät ist?

REZENSION:

Mit „Die Brut – Das Ende naht“ liegt das Finale der dreibändigen Reihe vor.
Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden scheinen hier die Spinnen vorerst nur thematisch eine Rolle zu spielen. Die Auftritte der boshaften Killer kommen eher selten vor. Ezekiel Boone legt sein Augenmerk eher auf die politischen Begebenheiten, die durch die atomaren Versuche der Auslöschung der Spinnen durchweg angespannt sind.
Die Präsidentin scheint weiterhin sehr professionell und rücksichtsvoll zu agieren – während sich rabiatere Kontrahentin in Position stellen.
Durch diesen verstärkten Blick auf die Geschehnisse im und um das Weisse Haus gehen leider die in den ersten Bänden aufgetretenen Protagonisten etwas in den Hintergrund. Insbesondere Dr. Guyer scheint hier eher eine Nebenrolle zu spielen – zwar eine tragende, dennoch nicht mehr so präsent wie in den Vorgängern.
„Die Brut – Das Ende naht“ verliert auch ein wenig im Vergleich zu den ersten beiden Büchern. Die Spannung ist etwas abgeflaut, die Spinnen bieten natürlich keinen großen Überraschungseffekt mehr und durch den Fokus auf die Regierung lässt es sich auch nicht mehr so intensiv mitfiebern. Nichts desto trotz benötigt man natürlich diesen vorliegenden Abschluss, um der apokalyptischen Spinneninvasion ein gebührendes Ende zu bereiten.
Und ehrlich gesagt: Es macht trotz der oben genannten Gründen weiterhin Spaß, dieser Geschichte zu folgen. Boone schreibt rasant und sorgt für eine klare Unterhaltung. Das Thema „Spinnen“ war meiner Meinung nach schon seit Jahren nahezu totgetreten – Ezekiel Boone schaffte es, diesem „Horror“-Element ein wenig neues Leben einzuhauchen. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass man im Falle eines nationalen Problems nicht wirklich rundum von den folgenden Vorgehensweisen der zuständigen Regierungsmitglieder überzeugt sein kann. Somit auch noch ein dezenter Hinweis auf die Problematiken bei machthungrigen Menschen, deren Entscheidungen lediglich durch persönliche Motive geprägt sind.
Alles in allem ist diese dreibändige Reihe jedenfalls ein sehr erfrischender und im Großen und Ganzen durchweg unterhaltsamer Thriller, der zwar im Abschlussband etwas nachlässt, dennoch in seiner Gänze für durchweg unterhaltsame Stunden gesorgt hat.
Jürgen Seibold/29.07.2018

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Korb, Markus K.: SPUK! Dunkle Geschichten

©2017 Amrûn Verlag Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-95869-563-4
ca. 285 Seiten

COVER:

Wenn die Rache aus dem Reich der Toten kommt …
Wenn im Genfer See ein grauenhafter Fund gemacht wird …
Wenn japanische Geister nach dem Leben trachten …
Wenn verhüllte Dinge Schauer über den Rücken jagen …
Wenn nachts im Riesenrad schicksalshafte Begegnungen lauern …
… dann ist die Zeit reif für SPUK!

Unheimliche Erzählungen von Markus K. Korb

REZENSION:

Markus K. Korb ist sicherlich schon fast jedem ein Begriff. Mir ist er schon vor Jahren als herausragender Autor von Kurzgeschichten in das Auge gefallen. Seine Stärken liegen dabei besonders im Schreiben von Kurzgeschichten, die sich weniger dem Genre des Horrors widmen, denn dem dabei angelehnten, aber etwas zarter wirkendem Genre der Unheimlichen Literatur.
Korbs Kurzgeschichten erinnern mich jedesmal an frühere Zeiten, als Geschichten ihre Wertigkeit in das feine Gruseln legten und nicht nur ungebremst brutale Details dar zu legen versuchen.
Auch im vorliegenden Kurzgeschichtenband bleibt sich Markus K. Korb weitgehend treu. Man findet hier 16 Geschichten, die beinahe durchweg versuchen, diesem Umstand gerecht zu werden. Wie so oft bei einem Kurzgeschichtenband ist man als Leser nicht unbedingt von jeder einzelnen Story durchweg überzeugt. Dies trifft auch auf diesen Band zu. Nichts desto trotz hat jede einzelne Geschichte – trotz der aufgrund des Lesers vorherrschenden Erwartung und des persönlichen Geschmacks auftretenden Berg- und Talfahrt – für ausreichend Unterhaltung sorgen können.
Gleichzeitig – wie ebenfalls nahezu in jedem Kurzgeschichtenband – gab es auch in dieser Sammlung einige Perlen zu entdecken. Allein durch den Genuss dieser dezent gruseligen Stories hat sich das Lesen des gesamten Bandes bereits gelohnt.
Am nachhaltigsten Erinnern kann ich mich immer noch an die letzte Geschichte mit dem Titel „Der letzte Flug der Enola Gay“. Diese ließ mich wirklich sehr nachdenklich zurück. Andere Stories konnten dies zwar ab und an auch für sich beanspruchen – dennoch wirkte der Schlussakt des Buches am Längsten bei mir nach. Dies kann natürlich auch insbesondere an dem historischen Hintergrund liegen.
Absolut interessant ist weiterhin der Ideenreichtum Markus K. Korbs. Gleichzeitig halte ich es für außerordentlich herausragend, dass sich der Autor weiterhin treu bleibt und Geschichten wie aus einer vergangenen Zeit schreibt. Man erkennt sehr deutlich die Ursprünge und literarische Liebe des Autors.
SPUK! Ist somit erneut eine unterhaltsame Sammlung für Freunde des klassischen Gruselromans in alter Tradition.
Ein kleiner Band, in dem sicherlich für jeden etwas zu finden ist.
Jürgen Seibold/27.05.2018

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Golden, Christopher: Snowblind – Tödlicher Schnee

Originaltitel: Snowblind
Ins Deutsche übersetzt von Stephanie Pannen
©2014 by Christopher Golden
©2017 für die deutsche Ausgabe by Amigo Grafik GbR.
ISBN 978-3-95981-194-1
ca. 455 Seiten

COVER:

Das kleine Städtchen Coventry in Neuengland hat schon Tausende Schneestürme erlebt … aber noch keinen wie diesen, Menschen gingen in das Unwetter und kamen nie mehr zurück.

Jetzt, zwölf Jahre später, zieht ein weiterer Sturm herauf und die Bewohner von Coventry erinnern sich an diejenigen, die sie im Schnee verloren haben. Ein Fotograf trauert um seinen kleinen Bruder – auch heute Nacht wird wieder ein kleiner Junge vermisst. Der Tod der Frau eines Gelegenheitsdiebs hat tiefe Narben in seinem Leben hinterlassen. Und auf der anderen Seite des Landes erhält eine junge Frau einen Anruf … von einem Mann, der seit zwölf Jahren tot ist.

Dieser Sturm wird sich als noch schrecklicher als der letzte erweisen. Und die Erkenntnis bringen, dass der Albtraum gerade erst anfängt.

REZENSION:

Innerhalb kürzester Zeit befindet sich mit SNOWBLIND bereits das dritte Buch von Christopher Golden auf dem deutschen Markt. Scheinbar macht er sich mehr und mehr einen Namen in unseren Gefilden.
Im Gegensatz zu seinen Büchern „Der Fährmann“ und „Sieben Pfeifer“ nimmt er sich im vorliegenden Werk keine alte Legende als Grundlage für seine Geschichte vor, sondern ließ wohl ausschließlich sein Gehirn als Ideengeber arbeiten.
In SNOWBLIND geht es sofort rasant los und wir lernen bereits in den ersten Kapiteln einige der wichtigsten Protagonisten kennen. Diese werden von einem unglaublich starken Blizzard mit irren Mengen an Schnee überrascht. Während dieses Blizzards sterben einige Menschen auf sehr untypische Art – zumindest wir Leser wissen dies. In den Augen der Verwandten/Bekannten handelt es sich schlicht um Opfer dieses Unwetters.
!2 Jahre später spielt in Goldens Buch die eigentliche Geschichte – und erneut stehen wir vor dem Eintreffen eines ähnlich starken Blizzards. Die Menschen sind bereits im Vorfeld sehr angespannt – insbesondere, wenn diese von den damaligen Erlebnissen und Todesfällen beeinflusst waren.
Dass sich hinter den Todesfällen mehr verbirgt als einfache Schneeunfälle müsste ja jedem Leser bereits nach dem Intro klar sein. Dementsprechend rechnet man mit ähnlichen Vorkommnissen beziehungsweise dem Herausfinden der Ursache und der dazugehörigen Lösung, um das Grauen zukünftig abwenden zu können.
Hierdurch ist das Buch natürlich ein wenig vorhersehbar – nichts desto trotz macht es Spaß, endlich mal wieder ein einigermaßen gut konstruiertes Buch aus der mystisch angehauchten Horrorecke lesen zu können. In diesem Genre lassen momentan viele Verlage – insbesondere große – aktuell sehr stark zu wünschen übrig. Dabei wäre doch sicher der Markt vorhanden. Aber vielleicht kommt ja irgendwann wieder eine neue Horrorwelle, die dafür sorgt, dass auch Publikumsverlage sich diesem Thema wieder annehmen: Oder noch besser, die kleineren Verlage schwappt es dadurch hoch.
Aber zurück zum Buch:
Goldens SNOWBLIND sorgt für kurzweilige und angenehme Unterhaltung für den Zeitvertreib. An sein erheblich tiefgehender erzähltes „Der Fährmann“ kommt SNOWBLIND leider nicht ganz heran. Dennoch kann man da ein Auge zudrücken und sich einfach dieser Story widmen. Langweilig wird es einem dabei nicht und eingängig sowie ausreichend plausibel erzählt ist sie auch.
Einige Protagonisten sind liebevoll detailliert aufgebaut, andere etwas dünn dargestellt. Dies ist aber kein Vorwurf, da es sonst wohl zu viel des Guten werden würde. Alles in allem ein wunderbarer und spannender Unterhaltungsroman, der aber der Aussage des Stephen King auf dem Cover nicht ganz gerecht werden kann. Wie gesagt, gefallen hat es aber trotzdem und ich bin bereits sehr darauf gespannt, mit welchen Ideen Golden auf unserem Markt noch aufwarten wird.
Jürgen Seibold/29.03.2018

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Benson, Amber & Golden, Christopher: Sieben Pfeifer

Originaltitel: The Seven Whistlers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Deutsche Erstausgabe
©2018 Buchheim Verlag, Olaf Buchheim, Grimma
www.buchheim-verlag.de
ISBN 978-3-946330-05-9
ca. 168 Seiten

COVER:

In alten Legenden heißt es, man höre in stürmischen Nächten manchmal ein seltsames Pfeifen, gefolgt vom Erscheinen riesiger schwarzer Hunde. Aber dies sind keine gewöhnlichen Kreaturen, sondern dämonische Wesen, entfesselt von der wilden Jagd auf verlorene Seelen. Nur selten sieht man mehr als einen von ihnen zur selben Zeit, doch wenn alle sieben gemeinsam erscheinen sollten, sei das Ende der Welt gekommen.

In der malerischen Stadt Kingsbury mitten in Vermont betrauert Rose Kerrigan den Tod ihres Großvaters, eines liebenswürdigen, aber seltsamen alten Mannes. Schon bald wird sie von der Legende der Sieben Pfeifer erfahren, denn die gespenstischen Hunde sind nach Kingsbury gekommen und jagen eine Seele, die man vor ihnen verborgen hat. Zuerst ist es nur einer, doch es werden mehr, je länger sie nicht finden, wonach sie suchen.

Und wenn alle sieben Dämonen zusammenkommen …

REZENSION:

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres widmete ich mich einem Buch namens DER FÄHRMANN von Christopher Golden. Der Name des Autors war mir bis dato interessanterweise absolut kein Begriff – sein Fährmann konnte mich aber zu einhundert Prozent überzeugen und ich nahm mir vor, mir diesen Namen für eventuelle, zukünftige Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt zu merken.
Kurz vor der Leipziger Buchmesse erhielt ich dann als Vorbereitung zu einer geplanten Moderation eine frisch veröffentlichte Novelle mit dem Titel „Sieben Pfeifer“.
Diese gerade einmal etwas über 160 Seiten kurze Novelle wurde von Christopher Golden in Zusammenarbeit mit Amber Benson entwickelt.
Ebenso wie im Fährmann, nimmt sich das Autorengespann hier eine alte Legende vor und erweckt diese zum Leben. Die Legende um die Sieben Pfeifer ist nach meiner Information britischen Ursprungs und man sollte geflissentlich darauf hoffen, dass die Pfeifer, welche verborgene Seelen holen müssen, nicht in ihrer Gesamtheit von sieben Pfeifern zu sehen sind. Denn dann ist unsere Welt dem Untergang geweiht.
Die Geschichte ist rundum eingängig von den beiden Autoren geschrieben. Trotz der geringen Seitenzahl schaffen sie es, den agierenden Personen ausreichend Detailtiefe zu verpassen und somit in keiner Weise oberflächlich zu wirken.
Der Vorteil der geringen Seitenzahl zeigt sich natürlich in der Notwendigkeit, dass die Geschichte sehr rasant fortschreiten muss, da sich das Ende des Werkes recht schnell nähert. Aber auch dies scheint für die beiden Autoren absolut kein Hindernis zu sein und dementsprechend zielstrebig gehen sie vor und bauen ihren Plot unglaublich geschickt und dennoch sehr ausführlich und tiefgehend auf.
SIEBEN PFEIFER ist ein durchweg gelungener Mystik-Horror-Roman mit einer absolut interessanten Idee unter Verwendung einer Legende, bei der ich froh bin, das es sich dabei nicht um eine aus meiner Region handelt – beinhaltet doch jede Legende irgendwo einen wahren Kern.
Ebenso wie auch DER FÄHRMANN ein absolut zu empfehlendes Werk, dem ich mich noch stundenlang hätte widmen können, wäre da nicht die etwas begrenzte Seitenzahl, welche aber der Geschichte definitiv nicht schadet.
Des weiteren muss man sich hier auf dem deutschen Markt wohl den Namen Golden hinter die Ohren schreiben und hoffen, dass sich die Verlage weiterhin diesem US-amerikanischen Horrorautoren annehmen werden. Momentan sieht es ja ganz danach aus…
Jürgen Seibold/25.03.2018

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HYS093 – Im Gespräch mit CHRISTOPHER GOLDEN auf der #LBM2018

Auf der Leipziger Buchmesse 2018 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der Veröffentlichungen von
DER FÄHRMANN und DIE SIEBEN PFEIFER des amerikanischen Autoren CHRISTOPHER GOLDEN ein Gespräch mit ihm zu führen.
So gut es in diesem begrenzten Zeitrahmen möglich war, streiften wir beide Bücher und gingen sogar ein wenig darüber hinaus.
Leider ist im Video Christopher Golden nicht richtig auf der Leinwand zu sehen – was aber wohl den unterschiedlichen Bildfrequenzen (Leinwand – Kamera) geschuldet ist.
Nichts desto trotz entwickelte sich ein schönes Gespräch mit einem sehr sympathischen und interessanten Autor.
Vielen Dank an den Buchheim-Verlag, der mich hierzu eingeladen hatte und selbstverständlich unserem Übersetzer, der Anfangs aufgrund der lauten Umgebungsgeräusche einen echt harten Job hatte.

Mats Strandberg: Die Überfahrt

Aus dem Schwedischen von Antje Rieck-Blankenburg
©2015 Mats Strandberg
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490132-9
ca. 512 Seiten

COVER:

Die Passagiere an Bord der schwedischen Ostsee-Fähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie mit der besten Freundin tanzen gehen oder Junggesellenabschiede feiern, ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen des Alltags fliehen – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich.
Fast bleiben dabei die beiden dunklen Gestalten unbemerkt, die sich übers Autodeck an Bord schleichen: eine Mutter und ihr Kind. Mit ihnen betritt ein uraltes Grauen das riesige Schiff, und es wird zur tödlichen Falle. Die Angst geht um auf der Baltic Charisma …

REZENSION:

Wenn sich auf einem Roman ein Aufkleber befindet, auf dem der vorliegende Autor als der Schwedische Stephen King vermarktet wird, steigt natürlich die Erwartungshaltung enorm. Nur durch den Umstand, einen Horror-Roman abzuliefern, befindet man sich noch lange nicht in der Riege dieses namhaften Schriftstellers.
Auch Mats Strandberg wird diesem mit seinem Roman „Die Überfahrt“ leider nicht gerecht. Sicher, man erkennt einige Anleihen, lässt er sich doch auch einige Zeit, bevor das Grauen in den Alltag tritt. Strandberg versucht hier seinem Vorbild gerecht zu werden und lädt uns auf eine Fahrt ein, die üblicherweise von seinen Gästen zur Befriedigung deren Feierlaune benutzt wird. Nach und nach stellt er uns seine Protagonisten ausreichend detailliert vor. Familientragödien werden ausgebreitet, unzufriedene Personen mit all ihren Schwächen dargestellt.
Die Enge eines begrenzten Raums führt nicht nur dazu, dass sich gewisse Personen nicht richtig aus dem Weg gehen können, sondern auch noch, dass man sich dem langsam auftretenden Grauen natürlich nicht entziehen kann.
Strandbergs „Die Überfahrt“ ist ein Vampirroman mit erfrischenden Ideen. Gleichzeitig aber keine Besonderheit im bereits vielfältig ausgebreiteten Vampir-Genre. Die Gefahr verdichtet sich, die Opfer mehren sich und die Wiedergeburten erweisen sich als zombiehafte Gestalten.
Anfangs noch relativ interessant und beinahe als Fährenstudie wirkendes Werk, befindet man sich plötzlich nur noch in einer Hatz auf der Flucht vor den Vampiren.
Hier hat es sich Strandberg leider viel zu einfach und oberflächlich gemacht, wodurch das Buch zwar ganz nett als Lektüre zwischendurch funktionieren kann, dennoch mit nichts erfrischendem aufweisen kann. Schade eigentlich, denn wie man seinem Vorbild entnehmen kann, lassen sich auch Vampirromane als etwas ganz besonderes verpacken. „Die Überfahrt“ ist hier jedoch sehr weit entfernt und wirkt eher wie ein B-Film, der nach Schema F erstellt worden ist. Es ergaben sich leider keinerlei Überraschungen und somit vermochte mich das Buch nicht zu begeistern. Schade eigentlich, wäre schön gewesen, wenn Vampire mal wieder für etwas Neues gesorgt hätten.
Jürgen Seibold/12.02.2018

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King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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Golden, Christopher: Der Fährmann

Originaltitel: The Ferryman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2002 by Christopher Golden
©2017 Buchheim Verlag
ISBN 978-3-946330-01-1
ca. 366 Seiten

COVER:

Die Ebenen der Realität verschieben sich, als ein uralter Mythos auf furchtbare Weise lebendig wird.
David und Janine, die nach einem quälenden Verlust wieder zueinander finden, müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und den brüchig gewordenen Glauben an sich und ihre Welt wiederfinden.

REZENSION:

Bereits am Anfang führt Christopher Golden seinen Protagonisten an die Schwelle des Todes. Janine verliert ihr Baby und ist selbst auf dem Weg in das Jenseits. Während ihrer Nahtoderfahrung begegnet sie dem Fährmann, verweigert sich jedoch auf eine sehr vehemente Art, mit ihm den Weg über den Fluß des Todes anzutreten.
Dem Tod entkommen häufen sich mysteriöse Geschehnisse in ihrem Leben. Gleichzeitig findet sie wieder mit ihrem früheren Freund, David, zusammen. Beide stellen sich ihren eigenen Dämonen, merken dann jedoch, dass sich noch erheblich mehr ihrer aufflammenden Partnerschaft entgegenstellt.
Golden fängt in Der Fährmann rasant an, tritt dann jedoch auf die Bremse und baut in einer unglaublichen Seelenruhe seinen Plot auf. Dadurch hat man fast das Gefühl, sich in einer reinen Liebesgeschichte zu befinden, wäre da nicht das immer wieder aufflackernde, mystische Element dieser Geschichte.
Nach und nach baut Golden seine notwendigen Spannungselemente ein. Gleichzeitig werden seine Figuren von ihm sehr detailliert gezeichnet und in ihrer gesamten, der Geschichte entsprechenden, Tiefe dargelegt.
Der Fährmann wirkt dadurch sehr ruhig, wodurch reine Horrorfans leicht abgeschreckt werden können – gibt es doch lange Phasen ohne großartige Elemente dieses Genres.
Nichts desto trotz möchte man seinen Personen uneingeschränkt folgen, wodurch das erst langsam ansteigende und spät kommende Grauen keinen negativen Eindruck zur Folge hat.
Die Story lässt sich sehr flüssig lesen und die Aufmachung des gedruckten Buches wirkt liebevoll und interessant gestaltet.
Absolut eigenständig und dementsprechend interessant wirkt in meinen Augen der Umstand, dass Golden sämtliche bestehende Religionen auf sehr virtuose Art und Weise miteinander verknüpft hatte. Auf die von ihm dargelegte Idee muss man erst einmal kommen.
Alles in allem wirkt dieses Werk natürlich an alte Klassiker des Genres angelehnt. Insbesondere „Der Exorzist“ würde mir dabei einfallen. Gleichzeitig ist Goldens Werk aber nicht einfach ein simpler Abklatsch längst vergangener Werke.
In meinen Augen endlich einmal wieder ein hochinteressanter und geschickt erzählter Roman aus dem Horrorgenre. Legt man Wert auf reine Elemente des Horrors, ist es sicher nicht das geeignete Buch, möchte man aber eine tiefgehende Geschichte, garniert mit dezenten Horrorelementen, dann liegt man hier definitiv richtig.
Jürgen Seibold/21.01.2018

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Ezekiel Boone: Die Brut – Die Zeit läuft

Originaltitel: Skitter
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©Ezekiel Boone 2017
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-03583-0
ca. 426 Seiten

COVER:

Sie sind da und vermehren sich rasend schnell …
Doch das ist erst der Anfang.

Fleischfressende Spinnen haben Los Angeles, Oslo, Delhi, Rio de Janeiro und weitere Städte befallen. Millionen von Menschen sind weltweit gestorben, und China gleicht einem nuklearen Wasteland. Da gibt die Wissenschaftlerin Melanie Guyer Entwarnung. Die Spinnen sterben, die Plage scheint überstanden. Doch hat sie damit recht? Als in Japan ein Kokon gefunden wird, der Spinneneier gigantischen Ausmaßes enthält und Überlebende in Los Angeles die Quarantänezone mit Waffengewalt verlassen, müssen die Regierungen einsehen: Der Ausnahmezustand kann nicht aufgehoben werden. Jetzt muss die Präsidentin der USA mit einer schrecklichen Nachricht an die Presse: Jeder ist auf sich allein gestellt – denn die Spinnen haben sich Wirte gesucht, menschliche Wirte.

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band dieser Trilogie konnte Ezekiel Boone ausreichend unterhalten und überzeugen. Sein auf Spinnen basierendes Grauen ist eine Analogie zu allgemeinen Ängsten der heutigen Zeit. Man kann die menschenfressenden Achtbeiner ganz leicht mit Viren, Seuchen und Kriegen austauschen. Nichts desto trotz wirken Spinnen für viele Leser sicherlich eingängiger und greifbarer. Jeder hat doch im tiefsten Inneren Angst vor diesen Killermaschinen, die unseren Planeten schon nahezu seit Anbeginn bevölkern.
In seinem Fortsetzungsband “Die Zeit läuft” ist die Gefahr bereits bekannt und ich fragte mich wirklich, ob Ezekiel Boone nun lediglich weitere spinnenhaften “Eroberungen” gegenüber den Menschen zu erzählen hat oder doch mit weiteren Ideen aufwarten kann.
Wie sich herausstellen sollte, legt er seinen Fokus verstärkt auf die agierenden Menschen – was irgendwie sogleich beängstigender wird, als die schwarz behaarte Gefahr.
Neben Überlebenskünstlern und Familiendramen lässt er uns sehr stark an den Begebenheiten im Weissen Haus teilhaben. Und genau hier liegt das größte Drama, welches sich meiner Meinung nach auch mit Sicherheit so oder so ähnlich bei einer realen Gefahr abspielen könnte:
Es gibt die militärischen Befürworter, die am Liebsten halb Amerika mit ihrem Atom-Arsenal dem Erdbogen gleich machen würden. Im Gegenzug dabei glücklicherweise eine Präsidentin, die erstaunlich kompetent und anständig wirkt. Dennoch muss sie einen weitreichenden Befehl geben, der zur Folge hat, dass die Menschen in ihrem Staat eingegrenzt und auf sich allein gestellt werden. Millionen Tote sind im Zuge dessen leider nichts weiter als ein Kollateralschaden zugunsten der allgemeinen Menschheit.
Dieses Schema macht vorliegenden Roman so erschreckend, denn man kann sich einfach nicht von dem Gedanken befreien, dass dies der Realität entsprechen wird.
Der Schreibstil von Boone ist auch im zweiten Buch unverändert eingängig und mit kurz gehaltenen Kapiteln rasant erzählt. Die Spinnengefahr ist beinahe als Sekundär zu betrachten, dennoch weiterhin nicht vernachlässigbar.
Alles in allem eine gelungene Fortsetzung eines bis jetzt sehr geschickt aufgebauten und spannenden Unterhaltungsromans. Ich bin schon ganz auf den finalen Band gespannt und lass mich davon überraschen, ob die bereits etwas dezimierte Menschheit noch auf einem einigermaßen sauberen Weg die Kurve bekommt – oder gewinnen gar die Kolonien der menschenvernichtenden, achtbeinigen, Jahrtausende überlebenden Spinnentiere?
Ich lasse mich gerne überraschen…
Jürgen Seibold/10.11.2017

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Danny King: Das Haus der Monster

Originaltitel: The Monster Man of Horror House
Übersetzung: Heike Schrapper
©2017 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-184-4
ca. 328 Seiten

COVER:

Es gibt ihn in jeder Kleinstadt: Den verrückten alten Sonderling, der allein in einem unheimlichen Haus lebt, das fast so heruntergekommen ist wie er selbst.
In dem englischen Städtchen Thetford ist sein Name John Coal. Aber als die Jungen aus der Nachbarschaft anfangen, dem eigenbrötlerischen Alten immer dreistere Streiche zu spielen, müssen sie feststellen, dass sie sich mit dem Falschen angelegt haben. Denn John Coal hat mehr als eine Leiche im Keller. Zu den dunklen Geheimnissen, die er bewahrt, zählen seine Abenteuer mit Serienmördern, Werwölfen, Dämonen, Geistern und manisch-depressiven Vampiren. Und es wäre ein Fehler, einen Mann zu unterschätzen, der all dies überlebt hat …

REZENSION:

Danny King ist nach meinem Kenntnisstand mittlerweile ein recht bekannter Autor aus UK. Dennoch hat sich noch kein deutscher Verlag seinem Werk angenommen und in unseren Gefilden angeboten.
Erfreulicherweise nahm sich der Luzifer-Verlag dem an, und bringt mit “Das Haus der Monster” ein Buch Danny Kings auf den deutschen Markt. Wie sich dabei herausstellen sollte: Es wird sicherlich weder Danny Kings noch des Verlags Schaden sein – im Gegenteil: Nehmt euch doch bitte auch noch die anderen Bücher Kings zur Brust und bringt diese über den kleinen Teich.
Doch worum geht es eigentlich?
Nun, Danny King entführt uns in ein kleines Nest, in dem ein verschrobener Alter lebt. Wie so oft, wird dieser nicht nur schräg angesehen, sondern auch zum Opfer der örtlichen Möchtegern-Halbstarken.
Eines Tages dreht John Coal jedoch den Spieß herum und stellt den Jugendlichen eine Falle. Natürlich tappen diese nahezu ungebremst hinein und finden sich plötzlich im Keller Johns auf einer Couch wieder.
Eher vor Angst zitternd lauschen sie den Worten John Coals – der die Jugendlichen anhand einiger Erzählungen seines Lebens bekehren möchte.
Danny King macht es sich beinahe ein wenig einfach, denn er nimmt sich vier Kurzgeschichten, baut eine Rahmenhandlung darüber und schwupps, schon hat er einen handfesten Roman entwickelt. Siehe da: Dabei funktioniert das Ganze auch noch.
Die Geschichte mit den Kids, die den Worten John Coals lauschen müssen bleibt dabei eher nebensächlich und leider auch dementsprechend oberflächlich. Hier hätte ich wirklich noch viel mehr Liebe zum Detail erwartet. Insbesondere der Umstand, dass John Coal längere Zeit drangsaliert wird und nun zum letzten Mittel greift, wird in einigen wenigen Seiten abgehandelt.
Zwischen seinen Geschichten ist die jeweilige “Kellersequenz” lediglich Mittel zum Zweck und dient nur als schmale Brücke zur nächsten Erzählung.
Die Erzählungen selbst machen ausreichend Spaß und treffen verschiedene Genre. Über deren Inhalt möchte ich nicht wirklich etwas erzählen – aber mit einem Serienmörder, einem Monster, einem Werwolf und einem Vampir ist doch zumindest ein sehr breites Spektrum abgedeckt.
DAS HAUS DER MONSTER ist somit ein sehr abwechslungsreich gestalteter Roman – oder besser: Kurzgeschichtenband, als Roman verkleidet – der einfach Spaß beim Lesen bereitet. Ein Blockbuster wäre es geworden, wenn Danny King sich noch sehr viel detaillierter dem aktuellen Leben John Coals gewidmet hätte. Ein klein wenig blitzt es wie ein zarter Lichtstrahl durch (insbesondere am Ende), aber das Leben Coals hätte da sicherlich mehr Detail verdient.
Aber wollen wir nicht auf einem hohen Niveau meckern, denn DAS HAUS DER MONSTER sorgt für eine perfekte Unterhaltung und lässt auf weitere Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt hoffen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

Das Haus der Monster: The Monster Man of Horror House – KAUFEN BEI AMAZON

Ezekiel Boone: Die Brut – Sie sind da

Originaltitel: The Hatching
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
©2016 Ezekiel Boone
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-03553-3
ca. 398 Seiten

COVER:

Etwas lebt. Und es vermehrt sich rasend schnell.

Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe. Kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören.
In Indien schnellen die Seismographen in die Höhe, doch es folgt kein Erdbeben.
In China wird eine Atombombe gezündet. Angeblich versehentlich.
In Minneapolis stürzt ein Flugzeug vom Himmel. Im Wrack findet Agent Mike Rich eine verbrannte Leiche aus der etwas Schwarzes kriecht.
Biologin Melanie Guyer erhält in Washington eine FedEx-Sendung. Ein mysteriöser Fund von den Nazca-Linien.

REZENSION:

Mit “Die Brut” erblickte endlich einmal wieder ein Thriller das Licht der Welt, der seine Gefahr mit phantastischen Elementen anreichert und dadurch geschickt einen kleinen Schritt in Richtung Horror wagt.
Solche Romane helfen ein wenig, das Genredenken mancher Lesen etwas zur Seite zu schieben, und manchen davon zu überzeugen, einfach eine Story zu lesen, weil man am Inhalt interessiert ist und nicht, weil man die Realität abgebildet haben möchte. Bücher – vor allem solche – dienen der Unterhaltung und das sollten sich doch einige immer wieder vor Augen halten.
Hier also ein erster Band eines mir unbekannten Autoren. Mag sein, dass es daran liegt, das Ezekiel Boone ein Pseudonym ist. Spielt aber auch keine Rolle. “Die Brut” ist ausreichend spannend, um den Thrillerfan und ein klein wenig auch den Horrorfan ausreichend unterhalten zu können. Boones Vorgehensweise ist ganz geschickt aufgebaut: Er wechselt in seinen Kapiteln die Örtlichkeiten. Hierdurch auch die Perspektive, sowie die handelnden Personen. Dadurch bekommt man einen recht eingehenden und weit gefächerten Eindruck ob der auf unseren Planeten eindringen Gefahr. Ein globaler Dystopiebeginn simpel dargestellt. Boone fängt ruhig an und bringt dennoch die Gefahr geschickt bei jedem Kapitel einen Schritt weiter. Am Ende wird er mir fast ein wenig zu hektisch – insbesondere, da er ja im vorliegenden Band noch ausreichend Zeit hat, handelt es sich doch erst um den ersten Band einer mehrbändigen Reihe (Trilogie?). Nichts desto trotz erzählt Boone seine Geschichte rasant und lässt dabei seinen Leser niemals auf der Strecke. Die kurzen Kapitel wirken wie ein schneller Filmschnitt – und ähnlich einem verfilmten Thriller ist auch “Die Brut” aufgebaut: Leichte Unterhaltung, dennoch spannend und für manch einen auch eklig genug dargestellt, um wieder einmal etwas forschender in die dunklen Ecken der häuslichen Umgebung zu schielen. Na, wollen wir hoffen, das die beschriebene Gefahr weiterhin unrealistisch bleibt, denn dadurch ist unser Überleben gesichert und wir können uns getrost dem zweiten Band von “Die Brut” widmen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

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Faye Hell: Tote Götter

©2017 Amrûn Verlag Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-293-0
ca. 496 Seiten

COVER:

Hannah ist unheilbar krank. Nach einer Amerikareise wird sie zusätzlich zu ihren körperlichen Symptomen von grauenhaften Visionen geplagt. Teuflische Kreaturen bevölkern ihre düstere Albtraumwelt und sogar die Menschen in ihrem Umfeld verändern sich. Mutieren auf geheimnisvolle Weise. Verfolgen Hannah.
Mit Hilfe der richtigen Therapie hofft die junge Frau die paranoiden Wahnvorstellungen in den Griff zu bekommen. Sie will die schönen Jahre, die ihr noch bleiben, gemeinsam mit ihrer großen Liebe Lukas erleben und nicht im erschreckenden Paralleluniversum ihres defekten Geistes gefangen sein.
Aber was geschieht, wenn der blanke Horror kein Irrsinn ist, sondern die neue Wirklichkeit? Und die reale Welt von gestern nur noch eine vergängliche Erinnerung? Wasserfarben auf der spiegelglatten Oberfläche eines Sees.
Hat gar Hannah selbst das unsagbar Böse wiedererweckt? Kann sie die Alten Götter aufhalten? Oder sind es doch ihre eigenen Dämonen, die sie bekämpfen muss?

REZENSION:

Faye Hells neuester Wurf über Hannah, die mit ihren persönlichen Dämonen innerhalb ihres eigenen Geistes zu kämpfen scheint, ist ein unglaublich dicht erzähltes Werk.
Ihr Schreibstil ist rundum durchdacht und dementsprechend poesiehaft wirkt nahezu jeder einzelne Satz. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als dieses unter dem Genre Horror laufende Buch mit höchster Aufmerksamkeit zu lesen. Zum Einen, weil man sonst recht schnell den Faden verlieren kann, zum Anderen, weil es sich lohnt, ein genaues Augenmerk auf die Sätze zu legen, die wie eigene Geschichten innerhalb einer großen Geschichte wirken.
Nachdem sich Hannah – insbesondere in der ersten Hälfte des Werkes – sehr oft in ihren Wahnvorstellungen verliert, muss man immer am Ball bleiben, da man sonst selbst geistig verwirrt werden könnte: Man weiß recht schnell nicht mehr, ob man sich nun in der Realität oder innerhalb des geistigen Wahns Hannahs befindet.
Faye Hell führt uns lange an der Nase herum und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Aus diesem Grund scheint sich das Buch auch unter oben genanntem Genre einzuordnen. Sind doch sehr viele dieser Vorstellungen recht blutrünstig. Davon abgesehen ist das Buch im Ganzen betrachtet eher genreunabhängig – vielmehr: ein wahrer Genremix.
Die Atmosphäre ist dicht, dezent gruselig in ihrer Ausschmückung und auf einer sehr tiefen, persönlichen Ebene gezeichnet. Man fiebert mit Hannah mit und fragt sich beinahe auf jeder Seite, was denn nun real und was lediglich Wahn ist. Gleichzeitig hofft man mit ihr und wenn dann mal am Ende des Tunnels ein Lichtlein aufzuleuchten beginnt, reisst Faye Hell den Lenker herum und geht urplötzlich einen gänzlich anderen Weg.
Dies zieht sich durch bis zu einem kuriosen Finale, mit dem ich interessanterweise schlichtweg nicht gerechnet hatte.
Kurzum: Ein anspruchsvoller und sehr dicht gewebter Roman mit einer durchweg interessanten Idee und Storyline. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack – dennoch ein Werk, dem man sich – möglichst ungestört – problemlos mal widmen könnte.
Jürgen Seibold/07.10.2017

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Richard Laymon: Die Show

Originaltitel: The Travelling Vampire Show
Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas A. Merk
©2000 by Richard Laymon
©2008 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67512-4
ca. 525 Seiten

COVER:

Es ist der Sommer 1963, und die Show ist in der Stadt! Begeistert stehen der sechzehnjährige Dwight, sein Kumpel Rusty und die hübsche Slim vor dem Plakat, das eine “Große Vampirshow” ankündigt – angeblich mit einem echten Vampir. Pech nur, dass die Show erst um Mitternacht beginnt und Minderjährigen der Zutritt untersagt ist. Doch das spornt die drei Freunde gerade an, hinter das Geheimnis dieser Show zu kommen. Ist das alles Humbug – oder sind tatsächlich echte Vampire nach Grandville gekommen? Für Dwight, Rusty und Slim beginnt das Abenteuer ihres Lebens …

REZENSION:

DIE SHOW von Richard Laymon ist eine Geschichte ganz im Stile der früher sehr oft erzählten “Coming-of-age”-Romane. Ich denke da besonders an Stephen Kings “Die Leiche”, “ES”, aber auch neuere Werke wie “Swans Song” und weitere.
Man begleitet hierbei als Leser meistens eine überschaubare Gruppe an heranwachsenden, die sich zeitlich zwischen dem Ende ihrer Kindheit und dem Aufblühen des Erwachsenseins befinden. Man erkennt langsam, welchen Reiz das andere Geschlecht auf einen machen kann, gleichzeitig findet man aber auch noch vermeintlich “kindische” Themen nicht wirklich uninteressant.
Interessanterweise haben solche Geschichten sehr oft – wenn sie gut erzählt worden sind – einen ganz besonderen Reiz für den Leser. Der Grund liegt meiner Meinung nach daran, dass man sich beim Lesen außerordentlich gut mit den darin befindlichen Personen identifizieren kann. Gleichzeitig wirft einen eine solche Geschichte gedanklich in die eigene erlebte Zeit auf dem Weg zum Erwachsenen.
Ebenso wie bei Stephen Kings “ES” schafft es auch Laymon, dass die Erlebnisse der Kinder, die nichts mit dem eigentlichen Ziel zu tun haben, den Sinn und Zweck des Romans darstellen. Ob die Kinder es zur Vampirshow schaffen und ob sie dabei auch noch auf einen echten Vampir treffen, wird beinahe zur Nebensächlichkeit. Man ist vielmehr daran interessiert, wie die erste Liebe aufflammt und welche Episoden die Kinder aus ihrer eigenen Vergangenheit zum Besten geben.
DIE SHOW spielt lediglich an einem einzigen Tag. Die drei Freunde sehen das Plakat zur mitternächtlichen Vampirshow und versuchen alles nur erdenkliche, um es irgendwie dorthin zu schaffen.
Dabei stehen sie sich mit ihren eigenen Ängsten oft selbst im Weg – und allein dafür verneige ich mich bereits vor Laymon, der es wahrlich geschafft hat, diese alltäglichen Begebenheiten spannend und rundum glaubhaft zu erzählen.
Natürlich ist Laymon hautsächlich ein Horrorautor und dementsprechend wird er mit diesem Buch einige seiner Fans ein wenig frustriert zurücklassen. Trotz der immer wieder aufkehrenden Spannungselemente verfolgt man halt nur drei Kids über besagten Tag. Man zittert mit, ob ihre Pläne funktionieren und sie sich als Zuschauer der finalen Show widmen können werden.
Laymon wäre aber wohl nicht Laymon, wenn er am Ende dann nicht doch noch seine fantastische Daumenschraube herausgeholt hätte. Er wird dann seinem Ruf gerecht und verteilt großzügig sexuelle und blutige Elemente.
Ich bin mir dabei nicht ganz sicher, ob es das noch unbedingt gebraucht hätte. Mir hat die Geschichte bereits vorher außerordentlich gut gefallen und ich war froh, auf einem einigermaßen spannenden Niveau drei Teenagern auf dem Weg zum Erwachsenenalter folgen zu können. Ähnlich wie bei “Die Leiche” von Stephen King hätte das wohl sicherlich schon ausgereicht. Dennoch konnte das fulminante Ende den Gesamteindruck nicht mehr wirklich schmälern – insbesondere, da ich dabei über die Unbarmherzigkeit und Boshaftigkeit des Autors schon wieder schmunzeln musste.
In meinen Augen ein absolut gelungener Coming-Of-Age-Unterhaltungsroman. Das Ende ist dabei etwas zu aufgesetzt, schliesst aber dennoch diese Geschichte eines namhaften Horrorautors mit einem deutlichen Stempel.
Jürgen Seibold/25.06.2017
Die Show: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Fred Ink: Der Untergang von Godly Gulch

©2017 Fred Ink
ISBN 978-1544809519
ca. 138 Seiten

COVER:

Ein Schatten liegt über dem Westernstädtchen Godly Gulch. Die Ernte verdorrt auf den Feldern, das Wasser in den Brunnen ist verdorben und blutrünstige Apachen überfallen die Bewohner.
Der kleine Ben kann sich all das nicht erklären, immerhin halten er und seine Mutter sich streng an die Gebote, die der Pastor der Gemeinde predigt. Und den Lehren Gottes kann doch gewiss nichts Böses entspringen.
Als ein schwarzgekleideter Fremder in der Stadt auftaucht, erkennt Ben, dass er sich in vielem getäuscht hat. Was er bislang erdulden musste, verblasst angesichts des Horrors, der bald ganz Godly Gulch erfasst.

REZENSION:

“Der Untergang von Godly Gulch” ist erneut eine von Fred Ink erstellte Hommage an H.P. Lovecraft. Wir befinden uns in diesem neuesten und lediglich etwa 138 Seiten umfassenden Werkes des Autors in einer sehr kleinen Westernstadt irgendwo in den Staaten. Durch die Abgeschiedenheit gehen die dort auftretenden Geschehnisse nahezu unbehelligt vor sich und wir folgen als Leser einer Gesellschaft, die durch und durch auf religiöse Weise ausgebeutet wird.
Die Einwohner müssen sich an die Regeln ihres Pastors halten und versuchen durch Opferungen ihres letzten Hab und Guts den Zorn Gottes zu vermeiden und wieder ihren Weg in Richtung Wohlstand zu finden. Ist doch das Leben durch Dürre, verdorbenem Wasser und auftretenden Angriffen der ansässigen Apachen gebeutelt.
Der junge Ben wirkt bereits am Anfang der Geschichte etwas zweifelhaft und lässt sich somit schnell und gerne auf den Fremden ein, der urplötzlich bei seines Mutters Hof auftaucht.
Erneut ist es Fred Ink relativ gut gelungen, dem Stile Lovecrafts Gerecht zu werden. Erfreulicherweise macht er das ohne die alte Sprache seines Vorbildes zu verwenden. Lediglich das Setting und die dann auftretende Gottheit scheint förmlich aus einer Lovercraftschen Geschichte entsprungen zu sein.
In seinen 138 Seiten geht der Autor stringent vor und stellt dabei auch sogleich einige religiöse Fragestellungen in den Raum – man kann die auftretende Philosophie sehr gut auf verschiedene Bereiche bzw. verschiedene Religionen ummünzen, wodurch die Geschichte einen geschickten Tiefgang erhält und man sich dabei ertappt, eigene Gedanken religiöser Art kreisen zu lassen.
Gleichzeitig ist “Der Untergang von Godly Gulch” aber nicht der größte Wurf des Autors. Sicher, es lässt sich unglaublich eingängig und rasant lesen – aber wohl gerade deswegen hätte in diesem Falle  mehr epische Breite dieser Story sicher positiv geholfen. Manche Vorgänge sind ein wenig zu schnell abgehandelt, bei anderen fragte man sich, warum sich jemand so schnell auf etwas einlässt. Aber verständlicherweise sind hierfür knappe 140 Seiten einfach zu wenig. Nichts desto trotz ist dieses kleine Häppchen eine schöne Geschichte, die erneut zeigt, dass nach etwa 100 Jahren das Erbe Lovecrafts weiterhin ungebremst lebt.
Jürgen Seibold/28.05.2017
Der Untergang von Godly Gulch: Eine Horrornovelle auf H. P. Lovecrafts Spuren – KAUFEN BEI AMAZON

Anthologie: Blutgrütze 1

© 2016 EDITION NOCTURNO
© der einzelnen Geschichten beim jeweiligen Autor
ca. 175 Seiten / ISBN 9781533420565

COVER:

Die besten Hardboiled-Autorinnen und -Autoren
laden ein zum deftigen 7-Gänge-Menü:
Unappetitlich – widerlich – ekelhaft – einfach nur geil!
Zu Eurer Freude und Unterhaltung!

Torsten Scheib – NÄCHTLICHE BEGEGNUNGEN
Rosa Leber – DIE MUTTER ALLER ABSZESSE
Markus Kastenholz – MEA MAXIMA CULPA
Alisha Godoy – DIE BEDROHUNG
Andreas Ellefred – SCHLÜSSEL ZUR FREIHEIT
Jasmin Krieger – MACARONS SPEZIAL
John Aysa – DIE YONI DER ERDE

BLUTGRÜTZE ist eine neue Anthologie-Reihe, in der die Autoren und Autorinnen keinerlei Zwängen unterworfen sind. Kein Thema, kein Umfang. Sie dürfen „die Sau rauslassen“, wie es ihnen gefällt.
Und das haben sie …

BLUTGRÜTZE
ist absolut kranken, perversen und geilen Inhalts.
Teststudien haben belegt:
Das Lesen kurz vor dem Schlafengehen kann zu Alpträumen, Erbrechen
sowie Inkontinenz führen (hält meist nur wenige Tage an).
Von chronischer Impotenz wurde nicht berichtet, da es den Betroffenen scheinbar zu peinlich war, darüber zu sprechen.
Nicht, dass hinterher jemand behauptet, wir hätten Sie nicht gewarnt …

REZENSION:

BLUTGRÜTZE ist eine neue Kurzgeschichtenreihe mit dem Ansatz, dass es einfach keine besonderen Vorschriften und Themen gibt. Kurz: Der jeweilige Autor darf einfach mal ohne eine Schere im Kopf die Sau rauslassen.
Man könnte jetzt sagen, so etwas gibt es ja schon. Ja, wer kennt nicht die FLEISCH-Reihe, die ähnlich aufwartet. Hier ist es jedoch so, dass auch der Rahmen der Geschichte von einer üblichen Länge gesprengt werden darf. Trotzdem geben sich die beiden Anthologien natürlich die Hand – kommen irgendwie ja auch aus dem gleichen Umfeld.
In Blutgrütze befinden sich lediglich 7 Geschichten. Dieser sind dabei gar nicht einmal so blutig, wie man es sich eventuell vorstellt. Nichts desto trotz lassen sie auch ab und an den Ekelfaktor durchblitzen und nehmen davor auch keine Rücksicht. Gleiches gilt für sexuelle Absonderlichkeiten. Somit sollte man auch hier als Leser kein zartes Fell besitzen – man muss schon mit sowas klarkommen, damit man das Buch nicht plötzlich angewidert auf die Seite legt.
Bei den Geschichten selbst konnte mich nicht jede durchweg überzeugen. Dies ist natürlich in einem Kurzgeschichtenband sehr oft der Fall. Da es sich hier aber nur um 7 Geschichten handelt, finde ich somit leider keine hundertprozentige Überzeugung in mir auftauchen.
Beachtet man dabei jedoch den Umstand, dass es hier der erste Band einer sicherlich noch gut wachsenden Reihe ist, hat der Herausgeber sein Ziel erreicht.
Darüber hinaus halte ich es für außerordentlich interessant, abermals verschiedene Ideen und Schreibstile aufstrebender und schon etwas bekannteren Autoren kennen zu lernen.
Alles in allem ein gelungener Einstieg in eine neu geschaffene literarische Welt ohne jegliche Vorschriften. Allein dieses Konzept ist schon mutig genug und sollte weiter verfolgt werden.
Jürgen Seibold/19.03.2017
Blutgrütze: Unappetitliche Geschichten – KAUFEN BEI AMAZON